Sibelius Violinkonzert d-Moll op.47

Anton (07.04.2006, 12:31):
Hallo,

die erste Fassung des Konzertes wurde 1903 geschrieben und mit mäßigem Erfolg 1904 uraufgeführt - die revidierte Fassung wurde 1905 erstellt und in Berlin uraufgeführt.
Eher selten gibt es Einspielungen und Aufführungen der ersten Fassung, die zweite dagegen ist sehr beliebt und auch häufig auf Tonträgern vorhanden.

Das Stück wurde Ferenc Vecsey gewidmet und ist für Sibelius eine Art Abschied aus dem Stadtleben, da er anschließend auf sein Waldgrundstück in Järvenpää in der Nähe von Helsinki gezogen ist.

Besonders der 1.Satz ist sehr virtuos gestaltet und verlangt dem Geiger so einiges ab. Generell lässt das Konzert dem Solisten viel Spielraum - herrlich sind aber auch die sinfonischen Elemente, der warme 2.Satz, das stürmische Finale, die sanfte Einleitung...

Sibelius' Violinkonzert dürfte eines seiner bekanntesten Werke sein - sicherlich nicht zu Unrecht!
Es gibt reichlich gelungene Aufnahmen, mit denen auch ich glücklich gestellt werden kann.

Zwei möchte ich als uneingeschränkte Empfehlung hervorheben:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7340271.jpg

Akiko Suwanai - für mich sagt der Name schon alles :down

Perfekte Konkurrenz - ich könnte mich wahrscheinlich nicht entscheiden, wen von beiden ich wählen würde wenn ich es müsste - ist Sergeij Khachatryan:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7838711.jpg


Was könnt ihr empfehlen - was sollte man unbedingt gehört haben?

Es grüßt Anton.
Rolf Scheiwiller (07.04.2006, 13:12):
Original von Anton
Hallo,

die erste Fassung des Konzertes wurde 1903 geschrieben und mit mäßigem Erfolg 1904 uraufgeführt - die revidierte Fassung wurde 1905 erstellt und in Berlin uraufgeführt.
Eher selten gibt es Einspielungen und Aufführungen der ersten Fassung, die zweite dagegen ist sehr beliebt und auch häufig auf Tonträgern vorhanden.

Das Stück wurde Ferenc Vecsey gewidmet und ist für Sibelius eine Art Abschied aus dem Stadtleben, da er anschließend auf sein Waldgrundstück in Järvenpää in der Nähe von Helsinki gezogen ist.

Besonders der 1.Satz ist sehr virtuos gestaltet und verlangt dem Geiger so einiges ab. Generell lässt das Konzert dem Solisten viel Spielraum - herrlich sind aber auch die sinfonischen Elemente, der warme 2.Satz, das stürmische Finale, die sanfte Einleitung...

Sibelius' Violinkonzert dürfte eines seiner bekanntesten Werke sein - sicherlich nicht zu Unrecht!
Es gibt reichlich gelungene Aufnahmen, mit denen auch ich glücklich gestellt werden kann.

Zwei möchte ich als uneingeschränkte Empfehlung hervorheben:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7340271.jpg

Akiko Suwanai - für mich sagt der Name schon alles :down

Perfekte Konkurrenz - ich könnte mich wahrscheinlich nicht entscheiden, wen von beiden ich wählen würde wenn ich es müsste - ist Sergeij Khachatryan:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7838711.jpg


Was könnt ihr empfehlen - was sollte man unbedingt gehört haben?

Es grüßt Anton.

@ Anton.
Von diesem schönen Konzert habe ich eine Einspielung mit A. S. Mutter. Sie spielt noch was kleineres auf der CD. Mir gefällt sie . (die CD ! )

Gruss.
R.



!)
Zelenka (07.04.2006, 13:20):
Das Maß aller Dinge, soweit es das Sibelius-Konzert angeht, ist seit längerer Zeit Lin/Philharmonia O/Salonen (1989):

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00005NUPX.01.LZZZZZZZ.jpg

Die Aufnahme ist offenbar in Deutschland gestrichen :I. - Frau Mutter genießt bei mir uneingeschränktes Hausverbot :D.

Gruß,

Zelenka
Jeremias (07.04.2006, 15:44):
Bei mir ebenfalls! Ich mag sie auch nicht....

Mit dieser Aufnahme bin ich groß geworden, sie ist meine Nummer 1:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000025DA2.03.LZZZZZZZ.jpg
Rachmaninov (07.04.2006, 15:44):
Hallo Anton,

ein sehr schönes Thema. Ist das Konzert doch in meinen Augen eines der schönsten VC überhaupt.

Original von Anton
die erste Fassung des Konzertes wurde 1903 geschrieben und mit mäßigem Erfolg 1904 uraufgeführt - die revidierte Fassung wurde 1905 erstellt und in Berlin uraufgeführt.
Eher selten gibt es Einspielungen und Aufführungen der ersten Fassung, die zweite dagegen ist sehr beliebt und auch häufig auf Tonträgern vorhanden.


Die Urfassung kenne ich bisher gar nicht. Habe mir aber die Aufnahme des Geigers Kavakos (BIS) bestellt. Auf dieser stellt er beide Version "gegenüber".


Besonders der 1.Satz ist sehr virtuos gestaltet und verlangt dem Geiger so einiges ab.


Eigentlich verwunderlich, da, soviel mir bekannt, Sibelius selber kein großer Könner auf diesem Instrument war.


Akiko Suwanai - für mich sagt der Name schon alles :down


zu recht!


Perfekte Konkurrenz - ich könnte mich wahrscheinlich nicht entscheiden, wen von beiden ich wählen würde wenn ich es müsste - ist Sergeij Khachatryan:


Auch zu recht! Kein Wunder das er den Sibelius Wettbewerb gewinnen konnte und den QE Wettbewerb in Brüssel.


Was könnt ihr empfehlen - was sollte man unbedingt gehört haben?


Gehört haben "muß" man natürlich die Aufnahme von J. Heifetz.



Angeblich hat Milstein wegen der überragenden Interpretation von Heifetz das Konzert nie selber für die Schallplatte eingespielt!

Rachmaninov
Walter (08.04.2006, 15:43):
aus meiner Sicht habt Ihr die Mullova unter Ozawa vergessen - sie spielt mit russischer Leidenschaft



Dennoch halte ich die Aufnahme von Khachatryan und Suwanai für die beeindruckendsten (Heifetz lass ich mal aussen vor - den darf man ja sowieso nicht vergleichen :ignore).

Gruss, Walter
Walter (08.04.2006, 15:45):
Original von Zelenka
Frau Mutter genießt bei mir uneingeschränktes Hausverbot :D.

Gruß,

Zelenka

Wer ist "Frau Mutter" ???? :rofl


Walter
fohlenfanatiker (08.04.2006, 18:27):
Vielleicht wäre Frau Mutter mal einen eigenen Thread wert. Ich weiß aber nicht, was man so gegen sie haben kann. Ich halte sie für eine große Geigerin und überhaupt auch für ne interessante Frau. Ich glaube sie polarisiert nur weil Karajan sie gefördert hat. Ich bin kein absoluter Fan von ihr, aber ich glaube man tut ihr auch unrecht, so schrecklich ist sie nun wirklich nicht.
Gruß
Cosima (08.04.2006, 18:35):
Original von fohlenfanatiker
Vielleicht wäre Frau Mutter mal einen eigenen Thread wert. .... aber ich glaube man tut ihr auch unrecht, so schrecklich ist sie nun wirklich nicht.


Da hast Du sicher Recht, Günter, aber ich kenne auch nur zwei Aufnahmen mit ihr: 1) Eines der Mozart-Violinkonzerte unter Karajan – Frau Mutter metzelt m.E. den Mozart dahin, ganz furchtbar. Karajan hilft bei diesem Schlachtfest eifrig mit. 2) Die Brahms-Violinsonaten mit Alexis Weissenberg – großartig!

Also meinetwegen muss nicht unbedingt ein Mutter-Thread her, aber lasst Euch nicht abhalten! :J

Gruß, Cosima
Anton (08.04.2006, 20:18):
Hallo,

Original von Rachamaninov
Besonders der 1.Satz ist sehr virtuos gestaltet und verlangt dem Geiger so einiges ab.

Eigentlich verwunderlich, da, soviel mir bekannt, Sibelius selber kein großer Könner auf diesem Instrument war.

also so weit mir bekannt ist, wurde Sibelius sogar zunächst zu einem Geiger ausgebildet!
Studiert hat er in Helsinki, Wien und Berlin...(sagt alles natürlich nicht über seine Fähigkeiten aus...)


Pinchas Zukerman ist sicherlich auch eine hervorragende Interpretation!
Die Kopplung mit dem Beethoven VC ist sehr interessant - danke, die Aufnahme ist vorgemerkt!

Es grüßt Anton.
Rachmaninov (08.04.2006, 20:29):
Original von Walter
aus meiner Sicht habt Ihr die Mullova unter Ozawa vergessen - sie spielt mit russischer Leidenschaft


@Walter,

natürlich haben wir sie nicht vergessen, nur bisher nicht genannt!
Es gibt viele großartige Aufnahmen des Konzerts.
Darunter natürlich auch die Aufnahme von Mullova / Ozawa.

Mullova's kraftvoller Geigenton mit diesem dunklen Klang ihrer Geige passt wunderbar zum Charakter des Konzerts. Dazu noch das wie meist klasse Dirigat Ozawas :down
Rachmaninov (14.05.2006, 22:52):
Eine hoch interessante Aufnahme ist ebenfalls die mit L. Kavakos und dem Lathi Symphony Orchestra unter Osmo Vänskä.

Selten, wenn überhaupt, habe ich bisher den Orchesterpart so kraftvoll und detailreich gehört wie in dieser Aufnahme. Sehr packend und stimmungsvoll!

Insb. die Blechbläser kommen hervorragend zu Geltung.

Dazu ein bestens aufgelegter L. Kavakos



Zwei Besonderheiten zur Aufnahme:

Die 1903/04 original Version des Konzerts ist ebenfalls auf der Aufnahme. Außerdem ist jeder Track noch in Indizes aufgetielt, zum besseren Vergleich der Versionen.

Es gibt halt noch Menschen, die sich richtig Gedanken machen und Mühe geben :down
Tangua (15.05.2006, 12:34):
Alles, was ich bisher von diesem Orchester unter diesem Dirigenten auf diesem Label kenne (Sibelius, Alfven), ist wirklich hervorragend, das Violinkonzert steht auch schon auf meiner Wunschliste...
AcomA (17.05.2006, 14:20):
hallo,

das konzert für violine und orchester d-moll op.47 von jean sibelius, ja ein großdimensioniertes werk, schwermütig und folkloristisch verarbeitend. es steht in der selben tonart wie z.b. rachmaninows 3. klavierkonzert.

http://www.helsinki.fi/kasv/nokol/sibbe.jpg

besonderheiten: der einsatz der solovioline über die tremoli der geigen, sehr wirkungsvoll, die dynamik darf nicht zu früh gesteigert werden.

dann die große kadenz der solo-violine im ersten satz. sie erinnert mich in ihrer art und funktion an die kadenz im griegschen klavierkonzert ! will man einen geiger hinsichtlich seiner instrumentellen fähigkeiten in kurzer zeit beurteilen, dann kann man sich hier sehr gut orientieren.

der mit gespannter rhythmik und abwechselnd mit schwerem orchesterpart versehene finalsatz. für mich der gipfel: die solovioline, welche kurz vor der coda auf höchsten lagen das thema moduliert, wie ein singvogel, oder ein mensch, der ausbrechen möchte ! phantastico !

Jeremias' empfehlung gehört auch zu meinen favoriten. diese aufnahme mit 'pinky' zukerman, dem CSO und d. barenboim ist top of the top, auch meine kenenlern-aufnahme. der 'goldene' ton des geigers, sein rhythmusgefühl und das zusammenspiel mit dem orchester, beeindruckend. :down

die aufnahme perlmans mit dem pittsburgh SO unter steinberg ist eine sehr gute alternative.

der gipfel: die von Sergejewitsch ins rennen geworfene aufnahme mit jascha heifetz aus seiner stereo-zeit ! das geigenspiel ist jenseits von gut und böse ! :down

die historische aufnahme mit der früh-verstorbenen (fluzeugabsturz) ginette neveu soll etwas ganz besonderes sein ! vielleicht kennt sie jemand ?(

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (17.05.2006, 14:26):
Original von AcomA

die historische aufnahme mit der früh-verstorbenen (fluzeugabsturz) ginette neveu soll etwas ganz besonderes sein ! vielleicht kennt sie jemand ?(



Ja, ich besitze diese Aufnahme und werde hier sicherlich noch berichten :engel
Zelenka (17.05.2006, 14:55):
Original von Rachmaninov
Original von AcomA

die historische aufnahme mit der früh-verstorbenen (fluzeugabsturz) ginette neveu soll etwas ganz besonderes sein ! vielleicht kennt sie jemand ?(



Ja, ich besitze diese Aufnahme und werde hier sicherlich noch berichten :engel

Ich auch, und die Aufnahme (1945, Philharmonia O, Süsskind) ist wirklich außergewöhnlich. Feurig!

Gruß,

Zelenka
Cosima (17.05.2006, 17:36):
Hallo allerseits,

ich besitze Aufnahmen mit Vengerov, Heifetz, Repin und Oistrakh. Am liebsten hörte ich allerdings zuletzt die Aufnahme mit Khachatryan. Eine Rezension auf klassik.com bescheinigt diesem jungen Geiger, dass er „mit einer Intensität eines Menschen spiele, ‘der gerade seine erste große Liebe erlebt’“. So würde ich diese Aufnahme auch beschreiben. Sie ist sehr intensiv und sinnlich interpretiert, dennoch mit einer Leichtigkeit und Mühelosigkeit, die etwas Schwebendes hat. Phantastisch! :down

Als nächste Favoriten würde ich aus der Erinnerung Heifetz und Vengerov nennen.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (17.05.2006, 17:54):
Original von Cosima
Hallo allerseits,

ich besitze Aufnahmen mit Vengerov, Heifetz, Repin und Oistrakh. Am liebsten hörte ich allerdings zuletzt die Aufnahme mit Khachatryan. Eine Rezension auf klassik.com bescheinigt diesem jungen Geiger, dass er „mit einer Intensität eines Menschen spiele, ‘der gerade seine erste große Liebe erlebt’“.

Er hat ja auch nicht ohne Grund eben mit diesem Konzert den gleichnamigen Wettbewerb gewonnen :engel (Dez. 2000)

Irgendwoi hatte ich mal gelesen das Milstein das Konzert nicht eingespielt hatte weil er Heifetz damit so überragend fand!
Ganong (17.05.2006, 19:13):
Lieber Günter ,

Anne - Sopie Mutter ist nach wie vor eine der besten Geiger(INNEN) unserer zeit . Sie ist technisch nach wie vor perfekt .

Was ihr in den letzten Jahren , seit den beethovenschen Violinsonaten mit Lambert Orkis , fehlt ist ein adäquter Partner z.B. als Pianist , Dirigent . Schrecklich waren für mich beide Violonkonzerte mit ( ihrem jetzigen ) Ehemann André Previn .

Auch die Aufnahmen mit dem dem völlig überschätzten Kurt Masur ( die geschichte hat einen realen hintergruind , der schon vor zig jahren ausführlich im "Spiegel" - unwidersprochen !!! - substanttiert dargelegt worden ist .

Beste Grüsse , Frank
ab (17.05.2006, 23:24):
Ginette Neveus Sibelius ist immer noch meine Lieblingsaufnahme dieses Konzerts! Eine solche wunderbar anti-dramatische, introvertierte Spannung sucht man ein zweites mal vergeblich.

Recht gut hat mir immer auch Vadim Repins gefallen (weit abgeschlagen natürlich). Oistrachs Expressivität ist natürlich legendär.
ab (17.05.2006, 23:26):
ja, Aufnahmen, mit denen man groß geworden ist, bleiben häufig die Nr. 1, weil man damit so Liebgewonnenes verbindet.
embe (18.05.2006, 09:54):
Hallo,
leider hab ich noch keine Dame in der Sammlung mit diesem Violinkonzert.
In meiner Sammlung befinden sich:
Heifetz, unerreicht... Kavakos, eine Entdeckung für mich und meine Ohren! Bilder sind ja schon oben gezeigt... :engel

desweiteren:
Szeryng / Roshdestwensky als LP, keine Mätzchen aber auch kein rechtes Feuer....
http://i10.ebayimg.com/02/i/07/2b/e9/d1_1.JPG


Kremer / Muti, hier gehts schon eher zur Sache, toll gespielt...
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000CSUXZM.01.LZZZZZZZ.jpg

Kuusisto / Segerstam, Kuusisto find ich gut, Segerstam und das Orch. kommen leider nicht aus der Hüfte....
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003794.03.LZZZZZZZ.jpg

Vengerov / Barenboim, rasante Berg u. Talbahn, ähnlich Heifetz, etwas seelenlos?
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000000S94.03.LZZZZZZZ.jpg

Oistrach / Roshdestwensky hab nur das LP Cover gefunden, auf meiner CD ist noch das Hindemith Konzert. Bis auf den ältlichen Klang famos, sehr zackig, eckig das Orchester.
http://i20.ebayimg.com/02/i/07/18/cb/94_1_b.JPG

Gruß
embe
embe (18.05.2006, 23:19):
Hallo,
da hab ich doch echt Mintz mit Levine vergessen :rofl
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001G86.01.LZZZZZZZ.gif

Eine gemütliche Aufnahme...

Gruß
embe
Rachmaninov (19.05.2006, 19:36):
Original von embe
Vengerov / Barenboim, rasante Berg u. Talbahn, ähnlich Heifetz, etwas seelenlos?
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000000S94.03.LZZZZZZZ.jpg


Bitte?

EMI hätte sich gewünscht bzw. hatte gehofft er würde jemals auch nur annähernd wie Heifetz!
Rachmaninov (19.05.2006, 19:37):
Wie versprochen ein paar Worte zu dieser Aufnahme



Sicherlich spielt Ginette Neveu hinreißend und auch die Orchesterleistung ist auf einem guten Niveau. Eigentlich alles um hier von einer wirklich guten Aufnahme schreiben zu können. Aber der Klang ist einfach grausig. Und damit meine ich nicht nur das Knistern, sondern auch das unglaubliche viele Klangfarben einfach verloren sind :I
Zelenka (19.05.2006, 19:40):
Original von Rachmaninov
Wie versprochen ein paar Worte zu dieser Aufnahme

Sicherlich spielt Ginette Neveu hinreißend und auch die Orchesterleistung ist auf einem guten Niveau. Eigentlich alles um hier von einer wirklich guten Aufnahme schreiben zu können. Aber der Klang ist einfach grausig. Und damit meine ich nicht nur das Knistern, sondern auch das unglaubliche viele Klangfarben einfach verloren sind :I

Der Klang ist wirklich grausig! Auch auf meinem Dutton-Transfer. Da scheint nichts zu retten zu sein.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (06.01.2007, 11:29):
Original von embe
Kuusisto / Segerstam, Kuusisto find ich gut, Segerstam und das Orch. kommen leider nicht aus der Hüfte....
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000003794.03.LZZZZZZZ.jpg


@embe,

die Aufnahme hörte ich mir gestern auch an.

Segerstam und das Orchester gestellten der Orchesterpart zwar sehr Detailversessen, weisen aber die von Dir angesprochene "Hüftsteifigkeit" auf.
Allerdings gefallen mir die prägnanten Bläser recht gut.

Kuusisto hat mich, im Gegensatz zu Dir, eher weniger überzeugt!
Mir gefaällt hier sein Geigenton weniger und es erscheint mir hier und da leicht "unsauber" und der Ausdruck (emotionale Tiefe) läßt IMO etwas zu wünschen.
Rachmaninov (16.02.2007, 06:43):
Gersten hörte ich mir das VK mit Cho Liang Lin unter E.P. Salonen an.

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00077F94I.01._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

Die Aufnahme wurde hier bereits genannt (anderes Cover).
Mir persönlich ist der Geigenton von Lin einfach für dieses Konzert zu "seicht". Mit seinem Tone erreicht er nicht die Stimmung, die aus meiner Sicht von Instrumentalisten ausgehen muss.

Salonen und das Orchester dagegen sind schon auf einem deutlich anderem , höherem , Niveau.
AcomA (22.07.2007, 19:37):
hallo liebe sibelius und geigenfreunde,

ich habe mir aus wien ein andenken ergattert, welches wirklich von außergewöhnlicher schönheit ist ! es handelt sich um einen live-mitschnitt eines symphonischen konzertes in deutschland, 1998, mit dem tschaikowsky symphonie-orchesters des radios moskau unter der leitung von vladimir fedoseyev. die cd wurde herausgegeben von Relief und der Künstlerleben Foundation Austria.

Beginn:

Saga, sinfonische dichtung. ein werk, welches die streicher und die bläsergruppen perfekt zum einsatz bringt, mit einer climax zum ende des werkes, welche dann verdämmert.

dann:

das violinkonzert

abschließend:

Karelia, symphonische ouvertüre.

bezüglich der orchester- und dirigentenarbeit bleiben IMO keine wünsche offen. die interpretationen überwältigen mit einer transparenz und doch klanglichen üppigkeit. dabei fällt auf, dass fedoseyev die tempobezeichnungen sehr ernst nimmt. so nimmt er das allegro moderato im ersten satz des konzerts als auch ersten abschnitt von Karelia langsamer als andere. das wiederum gibt dem solisten viktor tretyakov möglichkeiten der phrasierung und entwicklung, wie ich sie weder bei heifetz noch bei anderen vernahm. tretyakov gehört zu der kategorie von violinisten, in die auch heifetz, kogan oder auch pikaisen gehörten. was den gehalt des konzertes noch erhöht: der zweite satz, das adagio molto, wird sehr intelligent entwickelt mit einer ehrlichen und sehr differenzierten dramaturgie des solisten. der satz fungiert nicht mehr als fast langweiliger ruhepol vor dem finale, auf das man wartet !

dieser ganze sibelius-abend ist IMO so einzigartig, dass ich mir die CD dutzende male anhörte und immer noch nicht satt bin !

gruß, siamak :engel
ab (04.12.2007, 21:51):
Heute hörte ich erstmals im Laden in die Neueinspielung von Lisa Batiashvili unter Oramo (Sony), (gekoppelt mit dem von ihr uraufgeführtem Konzert von Magnus Lindberg).

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51hb48ZpmkL._SS400_.jpg

Ich muss gestehen, dass mir das Dirigat sofort gefallen hat und auch das Glühend-Intensive in Batiashvili Spiel, ohe wirklich virtuos oder dramatisch zu wirken. Auf die Dauer hin kam es mir aber plötzlich ihre Gestaltung irgendwie ziellos vor. Womöglich ist aber gerade dies das Besondere dieser (live-) Einspielung, weil dadurch die Musik weg vom Romantikschmachter hin zur Sinfonik Sibelius' gerät. Wie seht, respektive hört ihr das?
Cetay (inaktiv) (05.12.2007, 11:41):
Original von ab
Heute hörte ich erstmals im Laden in die Neueinspielung von Lisa Batiashvili unter Oramo (Sony), (gekoppelt mit dem von ihr uraufgeführtem Konzert von Magnus Lindberg).

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51hb48ZpmkL._SS400_.jpg

Ich muss gestehen, dass mir das Dirigat sofort gefallen hat und auch das Glühend-Intensive in Batiashvili Spiel, ohe wirklich virtuos oder dramatisch zu wirken. Auf die Dauer hin kam es mir aber plötzlich ihre Gestaltung irgendwie ziellos vor. Womöglich ist aber gerade dies das Besondere dieser (live-) Einspielung, weil dadurch die Musik weg vom Romantikschmachter hin zur Sinfonik Sibelius' gerät. Wie seht, respektive hört ihr das?

Ich habe die CD heute morgen frisch ausgepackt und höre den Sibeilus gerade zum 4. mal. So langsam legt sich meine Ratlosigkeit. In der Tat spielt Batiashvili auf das erste Gehör zurückhaltend -weder agierend noch reagierend - und das Ganze scheint mir eher wie eine Sinfonie mit obligater Violine angelegt. Das ist eine Leseart, die Sibelius wahrscheinlich genau so gerecht wird, wie die als Virtuosenkonzert mit Orchestertapete. Nun wählt aber der Dirigent genau einen solchen Tapetenansatz. Das ist eine recht ungewohnte Kombination, die erst mit der Zeit ihren Reiz offenbart. Da das Orchester nicht weiter "stört" und die Solistin ihren Part kaum "emotional" gestaltet, kann man sich ganz auf ihre warme Tonbildung und detailreiche Phrasierung konzentrieren und das ist einfach wunderbar anzuhören.
Die wahre Musik spielt aber auf der 2. Hälfte der CD. Im Studio und mit Lindberg wirkt Lisa wie entfesselt und zeigt, dass sie auch mit Glut und unwiderstehlichem Vorwärtsdrang spielen kann.

Ich kann, was das Violinkonzert von Sibelius angeht, immer nur wieder Mantra-artig wiederholen: Dong-Suk Kang, Dong-Suk Kang, ...
Einer der vielen hundert Geiger, die meist in der zweiten Reihe stehen und vielleicht irgendwann ihre Sternstunde erleben. Bei Kang war das eindeutig seine Sibelius-Einspielung Für Naxos. Keine der vielen anderen Aufnahmen, die ich gehört habe, kann dieser das Wasser reichen:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5836288.jpg

Kang spielt seinen Part mit dem Elan eines feurigen Zigeunergeigers und trotzdem nuancenreich bis ins kleinste Detail ausgestaltet und er nutzt die emotionale Klaviatur in aller Breite aus, ohne auch nur die Nähe von Kitsch und Sentimentalität zu kommen. Dazu kommt ein Orchesterleiter, der sich deutlich hörbar auch die Sinfonien von Sibelius zu Eigen gemacht hat. Sagenhaft!
ab (05.12.2007, 12:02):
Original von Dox Orkh

Ich habe die CD heute morgen frisch ausgepackt und höre den Sibeilus gerade zum 4. mal. So langsam legt sich meine Ratlosigkeit. In der Tat spielt Batiashvili auf das erste Gehör zurückhaltend -weder agierend noch reagierend - und das Ganze scheint mir eher wie eine Sinfonie mit obligater Violine angelegt. Das ist eine Leseart, die Sibelius wahrscheinlich genau so gerecht wird, wie die als Virtuosenkonzert mit Orchestertapete. Nun wählt aber der Dirigent genau einen solchen Tapetenansatz. Das ist eine recht ungewohnte Kombination, die erst mit der Zeit ihren Reiz offenbart. Da das Orchester nicht weiter "stört" und die Solistin ihren Part kaum "emotional" gestaltet, kann man sich ganz auf ihre warme Tonbildung und detailreiche Phrasierung konzentrieren und das ist einfach wunderbar anzuhören.
Die wahre Musik spielt aber auf der 2. Hälfte der CD. Im Studio und mit Lindberg wirkt Lisa wie entfesselt und zeigt, dass sie auch mit Glut und unwiderstehlichem Vorwärtsdrang spielen kann.

Ich kann, was das Violinkonzert von Sibelius angeht, immer nur wieder Mantra-artig wiederholen: Dong-Suk Kang, Dong-Suk Kang, ...
Einer der vielen hundert Geiger, die meist in der zweiten Reihe stehen und vielleicht irgendwann ihre Sternstunde erleben. Bei Kang war das eindeutig seine Sibelius-Einspielung Für Naxos. Keine der vielen anderen Aufnahmen, die ich gehört habe, kann dieser das Wasser reichen:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5836288.jpg

Kang spielt seinen Part mit dem Elan eines feurigen Zigeunergeigers und trotzdem nuancenreich bis ins kleinste Detail ausgestaltet und er nutzt die emotionale Klaviatur in aller Breite aus, ohne auch nur die Nähe von Kitsch und Sentimentalität zu kommen. Dazu kommt ein Orchesterleiter, der sich deutlich hörbar auch die Sinfonien von Sibelius zu Eigen gemacht hat. Sagenhaft!

hallo Dox Orkh,

interessant, dass wir zu ähnlichen Beschreibungen finden!

Was meinst Du eigentlich mit "Tapetenansatz"? - dass es Ormo weinger um Linie geht als einen zwischen zwei Tönen einen Klang zu erzeugen? Oder schlicht, dasss er bloß im Hintergrund steht?

Ich sah diese Aufnahme eher so, dass die Geige den - wie zufälligen - Kern des umhüllenden Gesamtklangs bildet. Ich verbinde dies aber nicht mit beiläufiger Tapete, sondern mit lebendiger Naturhaftigkeit.

Danke für den Hinweis auf die Naxos-Aufnahmen, die ich mir sonst wohl nie angehört hätte. Bin schon gespannt - obwohl ich eigentlich bei Sibelius nicht feuriges Zigeunertum und subjektiven Gefühlsausdruck à la Tchaikovsky will.
Cetay (inaktiv) (06.12.2007, 15:47):
Original von ab
Original von Dox Orkh

Ich habe die CD heute morgen frisch ausgepackt und höre den Sibeilus gerade zum 4. mal. So langsam legt sich meine Ratlosigkeit. In der Tat spielt Batiashvili auf das erste Gehör zurückhaltend -weder agierend noch reagierend - und das Ganze scheint mir eher wie eine Sinfonie mit obligater Violine angelegt. Das ist eine Leseart, die Sibelius wahrscheinlich genau so gerecht wird, wie die als Virtuosenkonzert mit Orchestertapete. Nun wählt aber der Dirigent genau einen solchen Tapetenansatz. Das ist eine recht ungewohnte Kombination, die erst mit der Zeit ihren Reiz offenbart. Da das Orchester nicht weiter "stört" und die Solistin ihren Part kaum "emotional" gestaltet, kann man sich ganz auf ihre warme Tonbildung und detailreiche Phrasierung konzentrieren und das ist einfach wunderbar anzuhören.
Die wahre Musik spielt aber auf der 2. Hälfte der CD. Im Studio und mit Lindberg wirkt Lisa wie entfesselt und zeigt, dass sie auch mit Glut und unwiderstehlichem Vorwärtsdrang spielen kann.



hallo Dox Orkh,

interessant, dass wir zu ähnlichen Beschreibungen finden!

Was meinst Du eigentlich mit "Tapetenansatz"? - dass es Ormo weinger um Linie geht als einen zwischen zwei Tönen einen Klang zu erzeugen? Oder schlicht, dasss er bloß im Hintergrund steht?

Ich sah diese Aufnahme eher so, dass die Geige den - wie zufälligen - Kern des umhüllenden Gesamtklangs bildet. Ich verbinde dies aber nicht mit beiläufiger Tapete, sondern mit lebendiger Naturhaftigkeit.

Danke für den Hinweis auf die Naxos-Aufnahmen, die ich mir sonst wohl nie angehört hätte. Bin schon gespannt - obwohl ich eigentlich bei Sibelius nicht feuriges Zigeunertum und subjektiven Gefühlsausdruck à la Tchaikovsky will.

Mit Tapetenansatz meine ich, dass weitgehend darauf verzichtet wird, großformatige Entwicklungen und auch Brüche im Orchesterteil herauszuarbeiten, die Phrasierung eher weich und rund ist, das Orchester eher als kompakter Klangkörper denn analytisch behandelt wird und vor allem die Dynamik recht zurückhaltend ist (als Gegenteil dazu wäre die Einspielung von Osmo Vänskä mit Kavakos als Solist zu nennen). Damit steht das Orchester automatisch im Hintergrund, ich jedenfalls habe mich bei meinen letzten Hördurchläufen dabei ertappt, dass ich praktisch nur die Geige wahrgenommen habe. Vielleicht liegt es aber auch nur an Lisa Batiashvilis Spiel, das mich so dermaßen in seinen Bann zieht, dass ich Hilfswörter wie "magisch" oder "charismatisch" verwenden muss, um das mit Worten auszudrücken.
Kaum vorstellbar: bei mir liegen über ein Dutzend Neuerwerbungen noch verschweisst auf dem Tisch, weil ich von dieser einen CD nicht mehr loskomme.
Rachmaninov (06.12.2007, 16:15):

Mit Tapetenansatz meine ich, dass weitgehend darauf verzichtet wird, großformatige Entwicklungen und auch Brüche im Orchesterteil herauszuarbeiten, die Phrasierung eher weich und rund ist, das Orchester eher als kompakter Klangkörper denn analytisch behandelt wird und vor allem die Dynamik recht zurückhaltend ist (als Gegenteil dazu wäre die Einspielung von Osmo Vänskä mit Kavakos als Solist zu nennen). Damit steht das Orchester automatisch im Hintergrund, ich jedenfalls habe mich bei meinen letzten Hördurchläufen dabei ertappt, dass ich praktisch nur die Geige wahrgenommen habe.

Ähnliche Eindrücke kenne ich von Lugansky's Rachmaninov Aufnahme mit Sakari Oramo, allerdings anderem Orchetser (Birmingham SO)
Denke es ist seine Art of conducting.
ab (06.12.2007, 20:57):
Original von Dox Orkh
Mit Tapetenansatz meine ich, dass weitgehend darauf verzichtet wird, großformatige Entwicklungen und auch Brüche im Orchesterteil herauszuarbeiten, die Phrasierung eher weich und rund ist, das Orchester eher als kompakter Klangkörper denn analytisch behandelt wird und vor allem die Dynamik recht zurückhaltend ist (als Gegenteil dazu wäre die Einspielung von Osmo Vänskä mit Kavakos als Solist zu nennen).

Danke für diese ausführliche Charakteristik.


Damit steht das Orchester automatisch im Hintergrund,

Das scheint mir nicht zwingend!

Ich hab' es eher so beschrieben, dass die Solistin wie der Kern des Klanges darin eingebettet ist. (Mir schien es - den Ladenkopfhörern geschuldet? - eher so, dass die Klangtechnik die Geige zu sehr hervorgehoben, bzw. das Orchester nicht natürlich in den Raum gebettet hat - ich kann daher Deiner Charakterisitk doch auch etwas abgewinnen: de facto; aber nicht vom Konzept.)


Kaum vorstellbar: bei mir liegen über ein Dutzend Neuerwerbungen noch verschweisst auf dem Tisch, weil ich von dieser einen CD nicht mehr loskomme.

Na, dann warten wir mal noch auf Dein Urteil Ende Januar :P
ab (07.12.2007, 11:44):
Hier von heute eine Rezension dieser Einspielung von Lisa Batiashvili des Violinkonzerts.
Cetay (inaktiv) (07.12.2007, 15:03):
Ich finde diese Kritik finde sehr treffend.

Nur das ewige Gemaule über die vielen Bilder im Booklet geht mir langsam auf die Nerven.
Wahrscheinlich würde man sich noch über eine Gesamtausgabe von Janine Jansen für 9,90€ beschweren, wenn als Booklet lediglich ein 600-seitiger Hochglanzbildkatalog geboten wird. :D
HenningKolf (11.01.2008, 00:08):
Ich habe mir die Batiashvili-CD auch zugelegt und bin recht angetan ( vom Lindberg-Konzert genauso). Dass das Orchester wenig analytisch und transparent klingt ist sicherlich zum großen Teil dem Dirigat geschuldet, aber zum Teil wohl auch der Aufnahmetechnik (ganz leicht dumpf klingt es hier und da). Das insgesamt "zurückhaltende" Orchester hat aber durchaus den Vorteil, dass die Solistin im Vordergrund steht, ohne sich in den Vordergrund spielen zu müssen, was besonders den leiseren und ruhigen Passagen zugutekommt. Nur in der allerersten Wahrnehmung meint man die Emotionen seien möglicherweise etwas unausgeprägt, tatsächlich aber ist ihr Spiel nur angenehm unangestrengt, weil das Orchester bzw. der Dirigent dies zulässt.

Erfreuliche CD, werde ich sicherlich noch des öfteren hören.

Gruß
Henning
Rachmaninov (10.09.2008, 07:57):
Vorfreude breitete sich in mir aus als „Dox Orkh“ hier bekannt gegeben hatte die Veröffentlichung des Sibelius VK mit Hilary Hahn und Salonen wäre bekannt gegeben.



Sodann kaufte ich mir die Aufnahme, da ich gespannt war wie Hahn das Konzert unter der Leitung Salonen’s gestallten würde und vor allem in der Hoffnung hier eine Aufnahme zu finden in der brillantes Geigenspiel eine organische Verbindung mit dem Orchsterpart eingeht und dazu noch klanglich höchste Ansprüche bedient.

Hohe Erwartungen also, die ich nach mehrmaligem Hören doch bitter enttäuscht sehe.
Hier wurde IMHO eine große Chance vertan.

Die Gründe sind vielschichtig. Beginne ich mal bei Salonen, dem ich es zugetraut hatte aufgrund seiner Herkunft das von mir oben erhoffte zu vollbringen. Salonen dirigiert das Swedish RSO aus meiner Sicht weniger in der Absicht einen musikalischen Fluss zu erzeugen, hier klingt es aus meiner Sicht meist nach plakativer Effekthascherei ohne Zusammenhalt. Das finde ich doch sehr enttäuschend. Des Weiteren habe ich zu keiner Zeit das Gefühl, dass Hahn’s Spiel unter der Leitung Salonen’s steht. So entsteht für mich der Eindruck einer Solopartie und eines nach Effekten ausschauhaltenden Orchesters, dass aber keine Struktur in der Musik erkennt.
Vielleicht wollte man hier unbedingt etwas „anders“ machen als das bekannte dachte ich mir gestern.

Ob Hilary Hahn sich mit mehr beschäftigt hat als mit der Partitur muss man wohl unterstellen, aber für mein Ohr erzeugt sie mit ihrer Violine (Guarneri del Gesù-Nachbau von Jean-Baptiste Vuillaume von 1864). Machen wir es kurz, H. Hahn spielt natürlich technisch brillant, aber aus meiner Sicht völlig unemotional und das ist IMHO bei Sibelius ein „no go“.
Man muss dieses Konzert nicht schmalzig spielen, aber bei Hilary klingt es einfach oberflächlich gefühllos. Heifetz spielt auch nicht schmalzig, hat aber im Gegensatz zu Hahn die tiefgründige Substanz erkannt.

Oder kurz: Hochglanz Musik ohne Tiefgang
Erinnert mich an eins der vielen Magazine in denen es nur von hochklassigen Werbeanzeigen teurer Labels wimmelt man aber 20 Seiten durchblättern muss um etwas Redaktionelles zu lesen.

Da gibt es bessere, viel bessere Aufnahmen. Sowohl seitens Solisten, als auch Orchester.
Cetay (inaktiv) (10.09.2008, 10:58):
Original von Rachmaninov
Oder kurz: Hochglanz Musik ohne Tiefgang

Sehr treffend ausgedrückt! Wobei selbst der Glanz bei genauerem hinsehen, bzw. -hören von einer merkwürdigen Stumpfheit verschmiert wird. Ich habe mich bisher vor einer Besprechung dieser Aufnahme gedrückt, weil mir außer "belanglos" nichts dazu einfällt.

Original von Rachmaninov
Da gibt es bessere, viel bessere Aufnahmen. Sowohl seitens Solisten, als auch Orchester.

In meiner virtuellen Welt gibt es sogar die absolute Idealaufnahme: Batiashvili's Solopart mit Vänskäs Orchesterbegleitung.
Rachmaninov (10.09.2008, 11:10):
Original von Dox Orkh
Original von Rachmaninov
Oder kurz: Hochglanz Musik ohne Tiefgang

Sehr treffend ausgedrückt! Wobei selbst der Glanz bei genauerem hinsehen, bzw. -hören von einer merkwürdigen Stumpfheit verschmiert wird. Ich habe mich bisher vor einer Besprechung dieser Aufnahme gedrückt, weil mir außer "belanglos" nichts dazu einfällt.


Nun ja, der Orchesterpart scheint hier und da Glanzpunkte zu setzen, neigt aber auch über Phasen in dieser Stumpfheit zu verschwinden.
Wenn Du mit "belanglos" meinst ohne Aussage sind wir uns einig.

Original von Dox Orkh
Original von Rachmaninov
Da gibt es bessere, viel bessere Aufnahmen. Sowohl seitens Solisten, als auch Orchester.

In meiner virtuellen Welt gibt es sogar die absolute Idealaufnahme: Batiashvili's Solopart mit Vänskäs Orchesterbegleitung.

Da denke ich eher an Khachtryan und Vänskä.

Wer brilliantes Geiegnspiel ohne viel Patos mag sollte immer noch Heifetz hören, der aber das Werk "versteht".
Nicolas_Aine (10.09.2008, 23:09):
die Heifetz Aufnahme gehört meiner Meinung nach zu seinen weniger gelungenen, das muss ich auch als absoluter Heifetz Fan sagen. Sicher keine ganz schlechte Aufnahmen, aber da wäre auch noch weit mehr möglich gewesen.

Meine persönlichen Favoriten sind Nigel Kennedy, einfach wahnsinn, klasse Intensität, von der Klangfarbe genauso, wie das Stück meiner Meinung nach zu sein hat.
Meine zweite Lieblingsaufnahme ist von Julia Fischer, ich glaube von 2003 oder so, als ich die das erste Mal gehört hab, bin ich nur staunend da gesessen, grade am Anfang, wieviel Intensität, Feuer und Leidenschaft da drin steckt, das ist einfach wahnsinn.

Außerdem gefällt mir noch Perlman, derr ja sowieso immer sehr intensiv spielt, da liegt im das Konzert durchaus, wobei sein Ton meiner Meinung nach manchmal zu "schnulzig" ist. Aber durchaus empfehlenswert!

Als gute Aufnahme gilt laut Haremberg Konzertführer auch Gidon Kremer von 1977, die such ich schon länger, kann sie aber nirgends finden :( Weil Kremer zählt zweifellos auch zu meinen Lieblingsgeigern, da er wohl ohne jeden Zweifel zu den interessantesten Geigern überhaupt zählt.


Übrigens: Ein Traum zu spielen, ich hab mir die Noten mal angeschaut und etwas probiert, es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, wenn das ganze dann auch mal halbwegs klappt :D (Ist doch noch etwas schwer momentan, aber allzu lang dürfte es nicht mehr dauern... *freu*^^)

Gruß,
Cornelius
Amadé (10.09.2008, 23:28):
Hallo Nicolas_Aine,

Die CD scheint tatsächlich nicht verfügbar zu sein, so sah die Hülle aus:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41FRVYX9QCL._SL500_AA240_.jpg

Auch hier war sie drin:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/4183D1J4P3L._SL500_AA240_.jpg
Und hier:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/419FCX376DL._SL500_AA240_.jpg

Vielleicht mal bei ebay mit Geduld und Spucke versuchen, ist billiger als beim amazon-Marktplatz .

Gruß Amadé
ab (11.09.2008, 00:26):
Original von Nicolas_Aine
Als gute Aufnahme gilt laut Haremberg Konzertführer auch Gidon Kremer von 1977, die such ich schon länger, kann sie aber nirgends finden :( Weil Kremer zählt zweifellos auch zu meinen Lieblingsgeigern, da er wohl ohne jeden Zweifel zu den interessantesten Geigern überhaupt zählt.


Bei Emi fehlt ja mehr, auch etwa seine erste Aufnahme im Westen mit dem Beethoven-Konzert, die nie wohl auf CD erschienen ist.
Aber ich vermute, wegen der grassierenden Boxen-Schlacht der Labels blüht uns sowieso schon bald so etwas wie: Gidon Kremer - The complete Emi Recordings
:J

Ich kenne diese Sibelius-Aufnahme mit Muti und muss auch bei ihr sagen, dass ich Kremer mehr in der Klassik und der Moderne schätze als mit den großen romantischen Schlachtrössern der Violinkonzertliteratur. Muti finde ich zudem recht enttäuschend.

Ich finde es erstaunlich, dass in der Kremer-Box bei Brilliant Classics eine russische Liveaufnahme dieses Konzert fehlt.
Bei RCA gibst übrigens auch eine Sibelius-Aufnahme, auf der Kremer vom London Symphony Orchestra mit Gennady Rozhdestvensky begleitet wird.



Auswärts bekommt man die Muti/Kremer-Aufnahme ja noch nachgeschmissen, etwa hier.

:hello
Rachmaninov (11.09.2008, 06:44):
Original von Nicolas_Aine
die Heifetz Aufnahme gehört meiner Meinung nach zu seinen weniger gelungenen, das muss ich auch als absoluter Heifetz Fan sagen. Sicher keine ganz schlechte Aufnahmen, aber da wäre auch noch weit mehr möglich gewesen.

Welche der Heifetz Aufnahmen meinst Du denn? Bitte um Aufklärung.

?(

Also ich besitze dese drei(?). Wobei ich meine keine ist identlich mit der anderen.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0017685110122.jpg http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0828766637229.jpg http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094636159027.jpg
Rachmaninov (11.09.2008, 06:46):
Original von Nicolas_Aine
Meine zweite Lieblingsaufnahme ist von Julia Fischer, ich glaube von 2003 oder so, als ich die das erste Mal gehört hab, bin ich nur staunend da gesessen, grade am Anfang, wieviel Intensität, Feuer und Leidenschaft da drin steckt, das ist einfach wahnsinn.

AFAIK gibt es keine Aufnahme mit J. Fsicher des Sibelius VK.
Rachmaninov (11.09.2008, 10:15):
Original von Nicolas_Aine
die Heifetz Aufnahme gehört meiner Meinung nach zu seinen weniger gelungenen, das muss ich auch als absoluter Heifetz Fan sagen. Sicher keine ganz schlechte Aufnahmen, aber da wäre auch noch weit mehr möglich gewesen.

Und was "stört" Dich, was vermisst Du?
Nicolas_Aine (11.09.2008, 13:24):
hm, also es gibt definitiv eine Aufnahme von Julia Fischer, andernfalls würde sie nicht grade vor mir liegen, und zwar von 29./30.7.2000, mit dem RSO vom BR unter Lorin Maazel, live aus München.
Ich hab die Aufnahme aus dem CD Set "Die Jahrhundertgeiger" von der Süddetuschen Zeitung, gibts glaub nicht als Einzel CD, zumindest nicht bei jpc.

Zu der Heifetz Aufnahme: Ich weiß grad nicht, welche ich hab, da ich sie grade nicht find, ich hab auch noch ein paar CDs verliehen, ich schreibs, sobald ichs rauskrieg. Was mich gestört hat, war vor allem sein Tempo, auch fand ich grade das Tempo zu wenig abwechslungsreich. Eigentlich sehr schade, weil sein "allgemeiner" Ton, sein Stil, sehr gut zu dem Konzert passt.
Rachmaninov (11.09.2008, 13:27):
Original von Nicolas_Aine
hm, also es gibt definitiv eine Aufnahme von Julia Fischer, andernfalls würde sie nicht grade vor mir liegen, und zwar von 29./30.7.2000, mit dem RSO vom BR unter Lorin Maazel, live aus München.
Ich hab die Aufnahme aus dem CD Set "Die Jahrhundertgeiger" von der Süddetuschen Zeitung, gibts glaub nicht als Einzel CD, zumindest nicht bei jpc.


Aha, gut, dieses CD-Set kennen ich nicht. Interessant zu wissen, dass dort eine Live-Aufnahme von ihr drauf ist mit dem Konzert.
Meine Meinung von ihr, nach gutem Start nach dem Debut auf Pentatone, ist deutlich auf absteigendem Ast. :(
Nicolas_Aine (12.09.2008, 14:09):
@ab und Amade: Danke für den Hinweis, dann werd ichs entweder mal bei eBay versuchen, bzw. ich hab auch n paar amerikanische Freunde, dann werd ich einfach fragen, ob die das bestellen und mir schicken können :)
Gegen eine Kremer Komplettsammlung hätte ich gar nicht mal was... Nur wahrscheinlich gegen den Preis:D

@Rachmaninoff: Falls du mal genügend Geld für dieses CD Set übrig hast, kaufs!^^ Da sind geniale Aufnahmen drin, und alles von Eggebrecht kommentiert, sowohl schriftlich, als auch auf der CD, da auch mit Musikbeispielen.
teleton (12.09.2008, 16:08):
Hallo Sibelius-Freunde,

als ich diefolgenden Zeilen von Nicolas las, war mein erster Gedanke:
"Das kann kein Heifetz-Fan sein !"
die Heifetz Aufnahme gehört meiner Meinung nach zu seinen weniger gelungenen, das muss ich auch als absoluter Heifetz Fan sagen. Sicher keine ganz schlechte Aufnahmen, aber da wäre auch noch weit mehr möglich gewesen.
Erst später las ich von Rachmaninov, dass es offenbar drei Aufnahmen von Heifetz gibt.

Die bekannteste ist aber sicher diese Aufnahme, die ich als CD-Ausgabe besitze, da ich in der SACD-Version beim Aufnahmedatum 1963 keinen Sinn sehe.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51s1TUA3FrL._SL500_AA240_.jpg
Heifetz, Chicago SO, Walter Hendl
RCA, 1963(Sibelius), ADD

:down Nie wieder habe ich dieses Konzert besser gehört, als in dieser fabelhaften Interpretation, die ich als Jahrhundertinterpretation bezeichnen möchte, an der sich alle anderen messen sollten.
Die Ausgewogenheit zwischen Solist und Orchester ist fabelhaft und Heifetz Geigenspiel ist atemberaubend.

Diese Aufnahme hatte ich bereits zuvor auf RCA-LP (hier nur mit dem Prokofieff VC Nr.2, das auch eine referenzwürdig Interpretiert wird).
Auf CD ist der Klang sehr natürlich und Rauschen ist nur bei wirklich ruhigen Stellen zu hören. Durch das CD-Remastering von 1986 auch noch besser, als auf der LP, die in AAD ist. Die CD enthällt noch das Glasunow VC, dass mich aber noch nie begeistern konnte.

Die RCA-CD-Ausgabe enthällt nur spärliche Infos über das Aufnahmedatum, das ich dort von meiner RCA-LP handschriftlich in das CD-Heft übernommen hatte: Sibelius VC = 1963; Prokofieff VC2 = 1959.


*Sibelius mit Oistrach:
Eine weitere große Aufnahme ist auf dieser folgend abgebildeten CBS-CD zu finden.
Das Oistrach das richtige Gefühl für Sibelius mitbringt kann sich sicher jeder vorstellen, der sich in Sachen Oistrach - Aufnahmen auskennt.

Leider ist die Aufnahme sehr verrauscht, aber Oistrachs Violinwunder kommt trotzdem rüber. Der CBS-Stereoklang ist räumlich und läßt schon nach wenigen Takten die technischen Mängel vergessen.
Natürlich würde mich auch seine Aufnahme mit Roshdestwensky interessieren, aber ist die nicht in MONO und klanglich überhaupt zumutbar ? (Da ist mir ja von BRILLANT schon so einiges unzumutbare auf den Teller gekommen.)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41SEDPM1W8L._SL500_AA240_.jpg
David Oistrach, Philadelphia Orchestra, Ormandy
CBS, 1961, AAD

:times10 Da ich Heifetz und Oistrach habe ist es in meinen Augen fast unnötig noch eine weitere Aufnahme zu besitzen.


*Doch habe ich noch eine, die spieltechnisch begeistert, klanglich famos ist, aber nicht so tiefgehend wirkt, wie meine vorgenannten Favoriten:
Diese CD fand ich 2001 ganz billig auf einem Krabbeltisch, obwohl man für Hänsseler-CD sonst Hochpreis berappen muss:

Es ist zudem Der Sturm - Suiten Nr.1 und 2 auf der CD mit drauf. Ein Werk das mir noch fehlte und bei dem ich das VC auf der CD als höchstwillkommene Beigabe zum Interpretationsvergleich betrachte.
keine Abb.gefunden
Dimitry Sitkovetzky / Acedemy otmidF / Marriner
Hänseler, 1999, DDD
Rachmaninov (12.09.2008, 16:17):
Original von teleton
***Doch habe ich noch eine, die spieltechnisch begeistert, klanglich famos ist, aber nicht so tiefgehend wirkt, wie meine vorgenannten Favoriten:
Diese CD fand ich 2001 ganz billig auf einem Krabbeltisch, obwohl man für Hänsseler-CD sonst Hochpreis berappen muss:

Es ist zudem Der Sturm - Suiten Nr.1 und 2 auf der CD mit drauf. Ein Werk das mir noch fehlte und bei dem ich das VC auf der CD als höchstwillkommene Beigabe zum Interpretationsvergleich betrachte.
keine Abb.gefunden
Dimitry Sitkovetzky / Acedemy otmidF / Marriner
Hänseler, 1999, DDD

bitte

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4010276010500.jpg

Ich habe eine Aufnahme mit ihm (medelssohn / Brahms), die ich grausig in Erinnerung habe!

Profitiert wohl vom großen Namen seines Vaters.... :ignore
teleton (13.09.2008, 10:58):
Hallo Rachmaninov,

ja, das ist die Hänsseler-CD.

Es mag ja sein, dass Dimitri Sitkowetzky, wie von Dir erwähnt, bei Mendelssohn und Brahms nicht an große Aufnahmen unter Szerying (RCA) und Kremer(DG) herankommt.

Hier bei diesem spätromantischen Repertoire mit dem Sibelius-VC läßt diese Aufnahme aber wirklich aufhorchen.
Die solltest Du hören um ein Urteil darüber abzugeben.

:beer Die beiden Schostakowitsch-VC Nr.1 und 2 und die Prokofieff-VC Nr.1 und 2 sind mit Dimitri Sitkowetzky auch ganz hervorragende Aufnahmen und Interpretationen, sodass ich im Gegensatz zu Dir Sitkowetzky bisher nur positiv erlebt habe.
Wooster (13.09.2008, 13:14):
Original von teleton

***Sibelius mit Oistrach:
Eine weitere große Aufnahme ist auf dieser folgend abgebildeten CBS-CD zu finden.
Das Oistrach das richtige Gefühl für Sibelius mitbringt kann sich sicher jeder vorstellen, der sich in Sachen Oistrach - Aufnahmen auskennt.

Leider ist die Aufnahme sehr verrauscht, aber Oistrachs Violinwunder kommt trotzdem rüber. Der CBS-Stereoklang ist räumlich und läßt schon nach wenigen Takten die technischen Mängel vergessen.
Natürlich würde mich auch seine Aufnahme mit Roshdestwensky interessieren, aber ist die nicht in MONO und klanglich überhaupt zumutbar ? (Da ist mir ja von BRILLANT schon so einiges unzumutbare auf den Teller gekommen.)


Ich weiß nicht, was genau Brilliant anbietet. Aber ich besitze das Konzert mit Oistrakh/Roshdestvensky mit Khatchaturians Reißer auf einer älteren VOX-CD, es sind Aufnahmen von Melodiya. Die sind zwar klanglich nicht überragend, aber Stereo (1965) und nicht übermäßig rauschend oder so.
Das müßte die sein:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MWJmSEH5L._SL500_AA240_.jpg

Hier steht zwar mono, aber das ist m.E. falsch.

Keine Ahnung, ob man die noch benötigt, wenn man die mit Ormandy bereits hat. Vielleicht ist es dieselbe wie in der Brilliant-Box, aber ich weiß es nicht.

:hello

Wooster
teleton (16.09.2008, 09:42):
Hallo wooster,

Vielleicht ist es dieselbe wie in der Brilliant-Box, aber ich weiß es nicht.

das ist genau das Problem, das ich mit dieser Oistrach-Brillant-10CD-Box habe.
Obwohl bei Melodiya jede Menge gut klingende Aufnahmen vorliegen; zum Beispiel die von Dir abgebildete von 1965 in Stereo, werden in der Brillant Box alte Live-Mono-aufnahmen vermarktet, die äußerst schlecht klingen und somit nur für den absoluten Oistrach-Fan brauchbar sind.

Die Oistrach-Brillant-10CD-Box hatte ich gekauft und gleich weiterverschenkt. Ich werde mir die Box aber nochmal holen (was unproblematisch ist, da nicht weit von mir entfernt in der Verwandtschaft) und nachsehen. Jedenfalls hatte mich gerade die Sibelius-Aufnahme interessiert - wenn diese brauchbar gewesen wäre, wüßte ich das noch.
uhlmann (16.09.2008, 12:15):
na ja, so schlecht ist die aufnahme aus der brilliant-oistrach-box nicht. das orchester ist eine wenig zu weit im hintergrund, aber das spiel des solisten ist gut eingefangen. die aufnahme ist live vom 14.02.1966. oistrach ist natürlich phänomenal, wenn man den expressiven stil mag.

ich habe mal zum vergleich die aufnahme mit kennedy/rattle gehört. die ist klanglich natürlich wesentlich besser, und interpretatorisch quasi das genaue gegenteil von oistrach/rozhdestvensky. hier ist die orchesterbegleitung das highlight (hut ab vor rattle!), während kennedy für meine begriffe etwas zu bemüht wirkt. im gegensatz zu oistrach, dessen spiel bei allem pathos natürlich wirkt, habe ich bei kennedy oft den eindruck, dass er (über)interpretiert. im gesamten gefällt mir die aufnahme aber auch ganz gut.
ab (16.09.2008, 22:02):
Also das Ormandy-Dirigat empfinde ich schlicht als Hollywood-Sound-Hochglanz. Das macht mir gar keinen Spaß, anzuhören. Gleich, ja noch schlimmer, übrigens geht es mir mit dem Tchaikovsky-Konzert der beiden.
Amadé (16.09.2008, 23:02):
Eigentlich seltsam, lagen Ormandys Wurzeln nicht in Ungarn?
In der Schule habe ich mal gelernt: finnisch-ugrische Sprache.

Indess, Ormandys Vorliebe zum deftigen, prallen, sehr farbigen Klang, der leicht ins Plakative umschlagen kann, ist nicht zu leugnen. Ich muss o.g. Aufnahmen, die ich sowohl auf LP als auch CD besitze, nochmal diesbezüglich abhören.

Grüße Amadé
Rachmaninov (16.09.2008, 23:42):
Die faszination dieses konzertes besteht wohl darin das es nicht eine "vollkommende" Aufnahme geben kann, weil das konzert so wandlungsfähig und grandios ist....
Wooster (17.09.2008, 09:36):
Original von ab
Also das Ormandy-Dirigat empfinde ich schlicht als Hollywood-Sound-Hochglanz. Das macht mir gar keinen Spaß, anzuhören. Gleich, ja noch schlimmer, übrigens geht es mir mit dem Tchaikovsky-Konzert der beiden.

Naja. Das liegt halt einfach auch an den Stücken selber, da sollte man sich nichts vormachen :D

Ja, Ormandy (Blau Jenö) war Ungar (wie Szell, Reiner, Solti, Fricsay, Kertesz u.v.a.). Aber das luxuriöse Klangideal ist vielleicht eher als ein Erbe Stokowskis zu sehen.

Wooster
teleton (17.09.2008, 10:02):
Hallo Sibelius-Freunde,

das Ormandy, laut ab´s Eindruck einen "Hollywood-Sound-Hochglanz" bei den Konzerten von Sibelius un Tschaikowsky produziert kann ich nun wirklich keineswegs nachvollziehen und möchte diese Aussage, die ich als Unsinn ansehe, für mich zurückweisen.

* Nach Heifetz/Hendl (RCA), die schon meine erste Aufnahme auf LP war, ist mir eigendlich nie eine Aufnahme des Sibelius-Konzert in die Hände gefallen, die dieser das Wasser reichen konnte.
* Erst bei Ormandy/Oistrach (CBS) hatte ich das AHA-Erlebnis und das auch wegen der spannungsreichen, nie langweiligen, zwischen Solist und Orchester ausgewogenen Orchesterbegleitung.
Was ist gegen ein luxuriöses Klangbild einzuwenden ??? Das phänomenale Spiel Oistrachs ist dann hier nochmal ein positives Kapitel für sich.
Bei mir hat zwischen beiden Oistrach-Aufnahmen der Zeiger gleich in Richtung Ormandy ausgeschlagen (nicht Roshdestwensky). Da hat natürlich die Klangqualität auch ihren Anteil - und das gilt gleichermaßen auch für das Tschaikowsky - VC, weil es hier angespochen wurde (eine meiner Lieblingsaufnahmen mit Oistrach/Ormandy).

Ormandy hat nicht zuletzt wegen seiner ungarischen Herkunft das Blut sich in diese Werke angemessen hineinzuversetzen und sein Philadelphia Orchestra bringt den TOP-Sound, den ich sehr schätze.
((Offtopic: Auch das Cellokonzert Nr.1 von Schostakowitsch meistert er mit Rostropowitsch meisterhaft und genial.))


In den nächsten Tagen werde ich mir mal die Brillant-Aufnahme vom Sibelius-VC mit Oistrach/Roshdestwensky vornehmen, von der ich bisher wegen der eingeschränkten Klangtechnik einen nicht so guten Eindruck gewonnen hatte. Diese habe ich jetzt auch wieder zur Verfügung. Nach meiner Erinnerung fand ich das Philadelphia Orchestra aber deutlich im Vorteil.
:hello Ich werde berichten.
ab (17.09.2008, 11:57):
Original von Wooster
Original von ab
Also das Ormandy-Dirigat empfinde ich schlicht als Hollywood-Sound-Hochglanz. Das macht mir gar keinen Spaß, anzuhören. Gleich, ja noch schlimmer, übrigens geht es mir mit dem Tchaikovsky-Konzert der beiden.

Naja. Das liegt halt einfach auch an den Stücken selber, da sollte man sich nichts vormachen :D



ein definitives Nein!

Das liegt ganz sicher nicht an den Stücken selbst, sondern an einer langen gewissen Aufführungstradition. Es geht auch anders!
teleton (19.09.2008, 12:09):
In den nächsten Tagen werde ich mir mal die Brillant-Aufnahme vom Sibelius-VC mit Oistrach/Roshdestwensky vornehmen, von der ich bisher wegen der eingeschränkten Klangtechnik einen nicht so guten Eindruck gewonnen hatte. Diese habe ich jetzt auch wieder zur Verfügung.

Hallo Sibelius-Freunde,

erst einmal Danke an alle die in diesem Thread geschrieben haben, denn das hat den Anlass gegeben mich wieder mit Sibelius großen Werk zu beschäftigen.
Ich habe mir gestern zuerst die Melodiya-Aufnahme von 02/1966 in der BRILLANT_10CD-Box angehört. Diese klingt trotz des Aunahmedatums sehr historisch und ist in MONO (wo im Westen schon feinstes Stereo üblich war). Der Klang ist relativ rauschfrei, die Violine klingt klar aber historisch und ist sehr im Vordergrund, dahinter in MONO das Orchester, das Roshdestwensky angemessen auftrumpfen läßt, aber auch die ruhigen Momente werden ausgekostet. Die Interpretation wirkt sehr kompetent soweit es hörbar ist, denn viele Details im Orchester bleiben ungehört im trockenen Klkangbild. Die Spannung bleibt leider auf der Strecke, weil man sich zu viele Details dazudenken muß. Die zahlreichen Paukenstellen, auch in p un mf bleiben einfach ungehört.
Ich habe den Eindruck, das Oistrach schön interpretiert, aber das letzte Gefühl bleibt auf der Strecke.

Das wird um so deutlicher, wenn man danach die fabelhafte Oistrach/Ormandy (CBS) - CD auflegt. Der Klang ist zwar etwas mehr rauschbehaftet, weil die Aufnahme aus den frühen 60er-Jahren stammen muß (das CD-Heft schreibt 1974 und P1988 für das Erscheinen der CD), aber ist sehr räumlich und ausgewogen mit natürlich klingender Violine und in der brete gut dargestelltem Orchester.
Oistrach/Ormandy schienen an einem Starng zu ziehen und sind sich über die Interpretation einig. Sie liefern beide ein Produkt mit großer Hingabe, Engagement und Gefühl für Sibelius. Spannungsgeladen im ersten Satz, gefühlvoll im 2.Satz um dann dann im Schlußsatz schwungvoll mit brio den nach Sibelius´s Worten "der Satz beschreibe einen Totentanz" glanzvoll mit großem Gänsehautfaktor zu beschließen.
Ormandy liefert auch orchestral ein fabelhaftes Sibelius-Bild mit großer Spannung, so wie ich es schon bei seiner EMI-Aufnahme der vier Leminkäinen-Legenden schätzen gelernt habe.
:times10 Für mich ist das eine Sibelius-VC-Aufnahme mit der schönsten und dem Werk angemessensten Orchesterbegleitung, die ich mir vorstellen kann.
Nicolas_Aine (28.09.2008, 20:59):
Original von teleton
Hallo Sibelius-Freunde,

als ich diefolgenden Zeilen von Nicolas las, war mein erster Gedanke:
"Das kann kein Heifetz-Fan sein !"
die Heifetz Aufnahme gehört meiner Meinung nach zu seinen weniger gelungenen, das muss ich auch als absoluter Heifetz Fan sagen. Sicher keine ganz schlechte Aufnahmen, aber da wäre auch noch weit mehr möglich gewesen.
Erst später las ich von Rachmaninov, dass es offenbar drei Aufnahmen von Heifetz gibt.

Die bekannteste ist aber sicher diese Aufnahme, die ich als CD-Ausgabe besitze, da ich in der SACD-Version beim Aufnahmedatum 1963 keinen Sinn sehe.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51s1TUA3FrL._SL500_AA240_.jpg
Heifetz, Chicago SO, Walter Hendl
RCA, 1963(Sibelius), ADD

:down Nie wieder habe ich dieses Konzert besser gehört, als in dieser fabelhaften Interpretation, die ich als Jahrhundertinterpretation bezeichnen möchte, an der sich alle anderen messen sollten.
Die Ausgewogenheit zwischen Solist und Orchester ist fabelhaft und Heifetz Geigenspiel ist atemberaubend.

Diese Aufnahme hatte ich bereits zuvor auf RCA-LP (hier nur mit dem Prokofieff VC Nr.2, das auch eine referenzwürdig Interpretiert wird).
Auf CD ist der Klang sehr natürlich und Rauschen ist nur bei wirklich ruhigen Stellen zu hören. Durch das CD-Remastering von 1986 auch noch besser, als auf der LP, die in AAD ist. Die CD enthällt noch das Glasunow VC, dass mich aber noch nie begeistern konnte.

Die RCA-CD-Ausgabe enthällt nur spärliche Infos über das Aufnahmedatum, das ich dort von meiner RCA-LP handschriftlich in das CD-Heft übernommen hatte: Sibelius VC = 1963; Prokofieff VC2 = 1959.

Hm, ich hatte derletzt Geburtstag und bin deshalb grade dabei, wieder mal ein paar CDs zu bestellen. Ich werd wohl die SACD von dem Sibelius Konzert mit Heifetz und Hendl kaufen, da die grade auf 10€ runtergesetzt ist^^ (bei jpc). Ich meld mich nochmal, was ich dann dazu sag^^
Amadé (28.09.2008, 23:39):
Lieber Nicolas_Aine,

wie Du habe ich die Konzerte mit Sibelius und das 2.Prokofieff zunächst auf LP gekauft, danach auch die CD in der Jascha-Heifetz-Collektion Vol.11-15 erworben. Außerdem besitze ich noch die ältere Aufnahme mit Thomas Beecham. Das sind die kommerziellen Aufnahmen, daneben gibt es noch einen Konzertmitschnitt mit Mitropoulos, vielleicht auch noch andere. Die Hendl-Produktion ist mit 26'36'' die schnellste von allen Aufnahmen die ich kenne, lediglich Julian Sitkovetzky (der Vater von Dmitri S.) kommt an dieses Tempo heran, ohne es zu errreichen (27'30). Bei Beecham (1935) lässt sich JH etwas mehr Zeit (28'00), das finde ich auch besser, die Musik kann mehr zu sich selbst kommen.
Übrigens muss ich Deine Aufnahmedaten korregieren, die Hendl-Aufnahme ist älter, sie wurde nicht 1963 sondern bereits im Jan.1959 gemacht, einen Monat später entstand Prokofieff 2. Dies nur zur Warnung, falls die SACD doch (ein wenig) rauschen sollte. Damals verfügte RCA allerdings über eine fabelhafte Aufnahmetechnik, siehe Fritz Reiner.

GRuß Amadé
Rachmaninov (29.09.2008, 06:52):
Original von Nicolas_Aine
Hm, ich hatte derletzt Geburtstag und bin deshalb grade dabei, wieder mal ein paar CDs zu bestellen. Ich werd wohl die SACD von dem Sibelius Konzert mit Heifetz und Hendl kaufen, da die grade auf 10€ runtergesetzt ist^^ (bei jpc). Ich meld mich nochmal, was ich dann dazu sag^^

ich würde dir aber raten die recht günstige klanglich bessere Überarbeitung zu kaufen, die es als SACD gibt.
Nicolas_Aine (29.09.2008, 17:02):
hi,

@amade: von mir ist nur der letzte Absatz, irgendwie ging da was beim Zitieren schief :/

@Rachmaninoff: Irgendwie blick ich nicht so ganz was du meinst, ich hab jedenfalls vor, mir das hier zu kaufen: http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/hnum/3073229/rk/home/rsk/notepad
Rachmaninov (29.09.2008, 17:21):
Original von Nicolas_Aine
hi,

@amade: von mir ist nur der letzte Absatz, irgendwie ging da was beim Zitieren schief :/

@Rachmaninoff: Irgendwie blick ich nicht so ganz was du meinst, ich hab jedenfalls vor, mir das hier zu kaufen: http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/hnum/3073229/rk/home/rsk/notepad

genau diese!
HenningKolf (21.10.2008, 17:32):
Original von Rachmaninov
Wie versprochen ein paar Worte zu dieser Aufnahme



Sicherlich spielt Ginette Neveu hinreißend und auch die Orchesterleistung ist auf einem guten Niveau. Eigentlich alles um hier von einer wirklich guten Aufnahme schreiben zu können. Aber der Klang ist einfach grausig. Und damit meine ich nicht nur das Knistern, sondern auch das unglaubliche viele Klangfarben einfach verloren sind :I

Hallo Richard

bekannterweise habe ich ja noch vor einigen Monaten behauptet, dass ich nichts mit Genuss hören könnte, was vor 1955 eingespielt wurde. Das Label Dutton belehrt mich jetzt schon zum zweiten Mal eines Besseren. Dieses Remastering

http://www.duttonvocalion.co.uk/prodimages/9733.gif

ist jedenfalls so hervorragend gelungen, dass der eingeschränkte Hochton-/Obertonbereich und die paar verschluckten Details (die durchschnittliche 65er-Melodya-Aufnahme klingt schlechter) es nicht vermögen, den Genuss an dem hervorragenden, sehr beseelten Spiel Neveus (und an dem kaum weniger gut aufgelegten Orchester) in Frage zu stellen. Knistern/Rauschen würde ich als vernachlässigenswert einschätzen. Es waren übrigens auch EMI-Transfers, die seinerzeit dazu geführt hatten, dass ich beschlossen hatte mir nichts Historisches mehr anzutun (von Labeln wie Urania oder unbearbeiteten Naxospressungen ganz zu schweigen). Schön dass ich gerade Gründe finde meine beabsichtigte Kaufabstinenz zu vergessen

PS: Die CD gibt es bei den "Kubricks" für 4,99 €

Gruß
Henning
Amadé (22.10.2008, 20:31):
Viele Freunde des Sibelius-Konzerts mit G. Neveu sind gewiss nicht im Bilde über die näheren Umstände der Produktion dieser hochgelobten Aufnahme vom 21.November 1945. Ihr Produzent Walter Legge schreibt vier Jahre später, dass die Aufnahme an einem Tag zwischen zwei Konzerten im Londoner EMI-Studio 1 Abbey Road erstellt wurde. Der Londoner Smog soll so dicht gewesen sein, dass kein Blickkontakt vom Aufnahmeraum zum Podium möglich gewesen sei. Für Neveu war es die erste Aufnahme mit Orchester, in der Pause zwischen den beiden Aufnahmesitzungen gönnte sie sich keine Rast, sondern feilte fortan an ihrem Part. Nach dem strapaziösen Aufnahmetag bluteten ihr Nacken und Kinn.
Da muss bei allen Mitwirkenden eine fast unheimliche Konzentration geherrscht haben! Hört man es der Aufnahme an?

Grüße Amadé
HenningKolf (22.10.2008, 21:05):
Original von Amadé
Viele Freunde des Sibelius-Konzerts mit G. Neveu sind gewiss nicht im Bilde über die näheren Umstände der Produktion dieser hochgelobten Aufnahme vom 21.November 1945. Ihr Produzent Walter Legge schreibt vier Jahre später, dass die Aufnahme an einem Tag zwischen zwei Konzerten im Londoner EMI-Studio 1 Abbey Road erstellt wurde. Der Londoner Smog soll so dicht gewesen sein, dass kein Blickkontakt vom Aufnahmeraum zum Podium möglich gewesen sei. Für Neveu war es die erste Aufnahme mit Orchester, in der Pause zwischen den beiden Aufnahmesitzungen gönnte sie sich keine Rast, sondern feilte fortan an ihrem Part. Nach dem strapaziösen Aufnahmetag bluteten ihr Nacken und Kinn.
Da muss bei allen Mitwirkenden eine fast unheimliche Konzentration geherrscht haben! Hört man es der Aufnahme an?

Grüße Amadé

Das ist ein sehr interessanter Hintergrundbericht. Das Label Dutton glänzt anscheinend mit hervorragender Technik, aber nicht mit Booklets oder sonstigen Informationen. Ob ich nun derart Übermenschliches heraushören konnte? Hmm, jedenfalls hat sich bei mir ein Gänsehautgefühl eingestellt (und ich laufe nicht mit Dauergänsehaut durchs Leben). Nicht plakativ oder vordergründig - als verinnerlicht, vergeistigt möchte ich das Spiel charakterisieren. Schwer in Worte zu fassen.

Gruß
Henning

PS: Auf der CD ist als Aufnahmedatum der 21.11.46 angegeben, aber das muss ja nicht stimmen.
Amadé (22.10.2008, 23:14):
Hallo Henning,
1945 ist richtig!, es war die 3.Aufhahme-Sitzung mit G.Neveu, die erste in England, Sitzung 1 und 2 fanden noch in Berlin statt, übrigens auch eine der allerersten des damals von W.Legge gegründeten Philharmonia Orchesters und zugleich die erste des Dirigenten W. Susskind bei einer international tätigen Plattenfirma, also Premiere über Premiere.

Gruß Bernd
jünter (17.01.2009, 14:47):
Ich besitze bisher nur eine Aufnahme dieses wunderbaren Konzerts: Mullova/Ozawa Boston SO 1983 und habe auf der Suche nach einer Zweitversion mal wieder ausgiebig Schnipsel gehört, was wg. der Soloparts gleich am Anfang der Sätze auch recht aufschlussreich ist.

Kandidaten:

· Perlman/Leinsdorf Boston SO 1966 (RCA)
· Perlman/Previn Pittsburgh SO 1980 (EMI)
· Batiashvili/Oramo Finnish RSO 2006 (Sony)
· Chung/Previn LSO 1970 (Decca)
· Khachatryan/Krivine Sinf. Varsovia 2002 (Naive)
· Kang/Leaper Bratislava RSO 1989 (Naxos)
· Hahn/Salonen Swedish RSO 2007 (DGG)
· Heifetz/Hendl Chicago SO 1959 (RCA)
· Oistrach/Roshdestvensky 1965 USSR SO (Melodiya)


Fazit: Den am Anfang dieses Threads gesungenen Lobeshymnen auf die Einspielung von S. Khachatryan/Krivine kann ich mich nur anschließen. So sehr mir die Subjektivität meines Urteils bewusst ist, wage ich trotzdem die Behauptung: Unter den jüngeren Aufnahmen von Sibelius`Op. 47 gibt es wohl jedenfalls derzeit keine bessere. Der Solist spielt seinen Part sehr ausdrucksvoll und mit romantischer Note - auch deshalb für mich ein idealer Kontrast zu der auf ihre Art ebenfalls erstklassigen Frau Mullova - und mit einer fast unglaublichen virtuosen Leichtigkeit.

Zu den anderen Aufnahmen: Perlmans deutlich näselnder Geigenton bei beiden genannten Aufnahmen gefiel mir überhaupt nicht.

Weiteres Negativerlebnis: Kyung-Wha Chung schien im Alter von 22 Jahren noch nicht viel mit dem Konzert anfangen zu können und stolpert vor allem in 2. und 3. Satz seltsam unbeholfen durch die Partitur. Schade, denn der satte, dunkle Orchestersound des LSO unter Previn gefällt mir ansonsten eigentlich gut (z.B. bei Rachmaninoffs 2. Symphonie!).

Kang/Leaper ist weiter oben von Dox Orkh („Elan eines feurigen Zigeunergeigers“) sehr treffend beschrieben, jedoch nicht mein Geschmack.

Hilary Hahn/Salonen: Auf den ersten „Blick“ sehr ansprechend, aber bei genauerem Hinhören nicht so ausdrucksvoll wie Khachatryan.

Batiashvili ist interpretatorisch prinzipiell nicht weit von Khachatryan entfernt, sie spielt insgesamt etwas zurückhaltender und landet in meinem Vergleich auf Platz 2. Allerdings kann ich mit dem Lindberg-Konzert auf der CD als (bisher) bekennender Ignorant in Sachen Klassische Moderne überhaupt nichts anfangen, deshalb fiel mir die Entscheidung zugunsten des sehr hörenswerten Khachaturian-VK auf der Khachatryan-CD leicht.
Jetzt müsste das Teil nur noch ein bisschen billiger werden!

Zu den „alten Knaben“: Heifetz spielt schon sehr schnell, und meine derzeitige Meinung dazu ist: Das muss man nicht mögen!
Da gefällt mir persönlich Oistrach (der Göttliche!) wesentlich besser. Das wird dann meine „Drittaufnahme“ (musste ja so kommen!).
Rachmaninov (17.01.2009, 16:23):
Original von jünter
Fazit: Den am Anfang dieses Threads gesungenen Lobeshymnen auf die Einspielung von S. Khachatryan/Krivine kann ich mich nur anschließen. So sehr mir die Subjektivität meines Urteils bewusst ist, wage ich trotzdem die Behauptung: Unter den jüngeren Aufnahmen von Sibelius`Op. 47 gibt es wohl jedenfalls derzeit keine bessere. Der Solist spielt seinen Part sehr ausdrucksvoll und mit romantischer Note - auch deshalb für mich ein idealer Kontrast zu der auf ihre Art ebenfalls erstklassigen Frau Mullova - und mit einer fast unglaublichen virtuosen Leichtigkeit.

Mullova / Ozawa ist eine tolle Aufnahme. Ozawa weiss etwas mit einem Orchester "anzustellen" und Mullova's Geigenton gefällt mir sehr gut.

S Khachatryan hat nicht ohne Grund den Sibelius Wettbewerb gewonnen und von allen "jungen" Geigern ist er der beeindruckenste Musiker!!!
ab (15.03.2010, 09:02):
http://www.audaud.com/photos/20100313170332_sibliusfrang.jpg

Im Januar schrieb in an anderer Stelle folgendes, heute fand ich diese Rezension mit der schönen Einleitung: "A sensational debut album by a Norwegian violin virtuoso of intelligence and driving musical introspection."

Sibelius: Violin Concerto
Vilde Frang
WDR Sinfonieorchester Köln
Thomas Søndergård

Ein schönes Debust, scheints!
(obwohl das Orchester im 3. Satz hinterher zu eilen scheint)
da verzichte ich gerne auf Hilary Hahn oder Leila Josefowicz...

Auf der EMI-Seite steht:


EMI Classics NEW SIGNING

“Ms. Frang is a refined and polished player.” (The New York Times)

EMI Classics is pleased to announce the signing of Norwegian violinist Vilde Frang. Her first recording features the Sibelius Violin Concerto and three Humoresques and Prokofiev’s Violin Concerto No. 1, recorded live with the WDR Sinfonieorchester Köln and conductor Thomas Søndergård. Vilde’s debut recording for EMI Classics is a WDR co-production with support from the Borletti-Buitoni Trust.

Stephen Johns, Vice President of A&R, EMI Classics, said, “Vilde Frang is a brilliant young violinist and a protégée of Anne Sophie Mutter. It was Vilde’s performance of the Sibelius Violin Concerto that first caught our attention. Her special and unique voice, coupled with playing of great fervour and depth, promises a brilliant debut disc.”
Rachmaninov (15.03.2010, 10:04):
Original von ab
http://www.audaud.com/photos/20100313170332_sibliusfrang.jpg

Im Januar schrieb in an anderer Stelle folgendes, heute fand ich diese Rezension mit der schönen Einleitung: "A sensational debut album by a Norwegian violin virtuoso of intelligence and driving musical introspection."

Sibelius: Violin Concerto
Vilde Frang
WDR Sinfonieorchester Köln
Thomas Søndergård

Ein schönes Debust, scheints!
(obwohl das Orchester im 3. Satz hinterher zu eilen scheint)
da verzichte ich gerne auf Hilary Hahn oder Leila Josefowicz...

Auf der EMI-Seite steht:


EMI Classics NEW SIGNING

“Ms. Frang is a refined and polished player.” (The New York Times)

EMI Classics is pleased to announce the signing of Norwegian violinist Vilde Frang. Her first recording features the Sibelius Violin Concerto and three Humoresques and Prokofiev’s Violin Concerto No. 1, recorded live with the WDR Sinfonieorchester Köln and conductor Thomas Søndergård. Vilde’s debut recording for EMI Classics is a WDR co-production with support from the Borletti-Buitoni Trust.

Stephen Johns, Vice President of A&R, EMI Classics, said, “Vilde Frang is a brilliant young violinist and a protégée of Anne Sophie Mutter. It was Vilde’s performance of the Sibelius Violin Concerto that first caught our attention. Her special and unique voice, coupled with playing of great fervour and depth, promises a brilliant debut disc.”


Wenn ich mir nicht schwer vorgenommen hätte keine Aufnahmen mehr zu kaufen auf denen Werke sind, die sich bereits in meiner Diskografie finden dann würde ich glatt zuschlagen!
Cetay (inaktiv) (25.02.2011, 11:52):
Ich hörte gerade zum wiederholten Male Vilde Frang und komme zu dem Fazit, dass mich auch diese Aufnahme nicht überzeugt. An der Geigerin liegt das nicht. Was ich vor einiger Zeit schrieb, will ich mit Nachdruck wiederholen:

in ihren Ton. Schon bei den ersten Takten läuft es mir heiß und kalt den Rücken runter. Sowie ich heiß und kalt tippe, sehe ich, dass das perfekt zu ihrem Spiel passt. Es ist geradezu gespenstisch, wie unvereinbare Gegensätze einfach transzendiert werden. Fahl und leuchtend zugleich? Feurig und kontrolliert, schneidend und weich? Das geht - und zwar gleichzeitig. Zeitgeistig objektiverende Ausdrucksarmut muss man anderswo suchen, hier gibt es Emotion satt. Aber nicht als subjektiven Gefühlsausdruck, sondern als eigenständige Qualität/Energie, deren Deutung erst im Hörer passiert. (Habe ich zu solchen Fragen nicht kürzlich einen Thread gesehen?) Das klingt so unspektakulär richtig, dass ich mich frage, warum da noch keiner drauf gekommen ist.
Aber die Orchesterbegleitung wirkt doch etwas indifferent. Es gelingt Sondergard, Transparenz und Farbenreichtum mit Fülle und einem angenehm runden Klangbild zu verbinden, aber mir fehlen sowohl das düster-mystische Element als auch das zerklüftete Relief, wie es von Vänska exemplarisch herausgearbeitet wurde. Es ist fast schon ein Fluch mit der Diskographie dieses Konzterts. Die besten Solisten paaren sich regelmäßig mit Dirigenten, deren Leseart oft seltsam indifferent wirkt - aber noch krasser ist es umgekehrt. Die besten Sibelius Dirigenten -neben dem schon genannten Vänska z.B. noch Saraste und Segerstam- spielen mit Solisten, die ihrer Gestaltungskraft kaum etwas gleichwertiges entgegenbringen. Ich warte weiter auf eine Aufnahme, bei der beide Parts überzeugen und perfekt verzahnt sind.
ab (25.02.2011, 12:12):
Original von Cetay
Ich hörte gerade zum wiederholten Male Vilde Frang und komme zu dem Fazit, dass mich auch diese Aufnahme nicht überzeugt. An der Geigerin liegt das nicht. Was ich vor einiger Zeit schrieb, will ich mit Nachdruck wiederholen:

in ihren Ton. Schon bei den ersten Takten läuft es mir heiß und kalt den Rücken runter. Sowie ich heiß und kalt tippe, sehe ich, dass das perfekt zu ihrem Spiel passt. Es ist geradezu gespenstisch, wie unvereinbare Gegensätze einfach transzendiert werden. Fahl und leuchtend zugleich? Feurig und kontrolliert, schneidend und weich? Das geht - und zwar gleichzeitig. Zeitgeistig objektiverende Ausdrucksarmut muss man anderswo suchen, hier gibt es Emotion satt. Aber nicht als subjektiven Gefühlsausdruck, sondern als eigenständige Qualität/Energie, deren Deutung erst im Hörer passiert. (Habe ich zu solchen Fragen nicht kürzlich einen Thread gesehen?) Das klingt so unspektakulär richtig, dass ich mich frage, warum da noch keiner drauf gekommen ist.
Aber die Orchesterbegleitung wirkt doch etwas indifferent. Es gelingt Sondergard, Transparenz und Farbenreichtum mit Fülle und einem angenehm runden Klangbild zu verbinden, aber mir fehlen sowohl das düster-mystische Element als auch das zerklüftete Relief, wie es von Vänska exemplarisch herausgearbeitet wurde. Es ist fast schon ein Fluch mit der Diskographie dieses Konzterts. Die besten Solisten paaren sich regelmäßig mit Dirigenten, deren Leseart oft seltsam indifferent wirkt - aber noch krasser ist es umgekehrt. Die besten Sibelius Dirigenten -neben dem schon genannten Vänska z.B. noch Saraste und Segerstam- spielen mit Solisten, die ihrer Gestaltungskraft kaum etwas gleichwertiges entgegenbringen. Ich warte weiter auf eine Aufnahme, bei der beide Parts überzeugen und perfekt verzahnt sind.

:beer
teleton (25.02.2011, 13:42):
Zitat von cetay:
Ich warte weiter auf eine Aufnahme, bei der beide Parts überzeugen und perfekt verzahnt sind.

Hallo cetay,

diesen nachvollziehbaren Wunsch zu erfüllen finde ich gar nicht so schwer. Siehe mal meine Beitrage vom 12-17.09.2008 in diesem Thread zurück:
Dort ist von den Aufnahmen Heifetz/Hendl (RCA, 1963) und Oistrach/Ormandy (CBS) die Rede. Da möchte ich mich nicht wiederholen, deshalb hier kurz:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51s1TUA3FrL._SL500_AA300_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/41SEDPM1W8L._SL500_AA300_.jpg

:times10 Für meinen Geschmack sind dies solistisch und orchestral - die Perfekten !

:wink Es gibt auch anderslautende Meinungen aus dem schönen Österreich (ab) dazu, die die fabelhafte Orchesterbegleitung von Ormandy weniger schätzen. Aber ich meine das ist ein Einzelfall.
Ich finde das es insgesamt von Solist und Orchester kaum eine eindrucksvollere Sibelus-VC-Aufnahme geben könnte.
:beer Für mich eine Jahrhundertaufnahme.
Amadé (25.02.2011, 22:23):
Nachdem ich das Posting von teleton, dem ich hier noch zum Geburtstag gratuliere, gelesen und auch noch mal in diesem Thread "zurückgeblättert" habe, drängte es mich, ich mir nochmal die "vergessene ?" Aufnahme mit Szeryng und Rosdestvensky anzuhören, die embe als Szeryng / Roshdestwensky als LP, keine Mätzchen aber auch kein rechtes Feuer.... charakterisierte. Zugegeben, der Schlusssatz ist langsamer als in den meisten anderen Interpretationen, aber beabsichtigte hier der Komponist einen Parforce-Ritt? Mir gefällt diese Interpretationshaltung, als Akternative, sehr. Die übrigen Sätze überzeugen durch tiefempfundenes Musizieren. Solist und Dirigent bewegen sich auf einer Wellenlinie. Die Aufnahme scheint leider vom Markt verschwunden zu sein.

Gruß Amadé
ab (27.02.2011, 23:11):
Danke für den Tipp, werde ich versuchen, aufzutreiben, ich glaube ich kenne jemanden, der sie zuhause hat... :hello
Cantus Arcticus (01.03.2011, 15:05):
Hallo Forianer
Wie sieht es mit dieser Einspielung aus:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51nAsQam8ML._SL500_AA300_.jpg

Was haltet ihr davon? Ich muss ehrlich gestehen, dass ich da kein Vergleichsmaterial besitze :( :(.

Grüsse
Stefan
Nicolas_Aine (01.03.2011, 17:21):
ich persönlich halte es für die beste, die ich kenn. Tonlich - wie immer bei Hahn - absoluter Wahnsinn und sehr intelligent gestaltet. Gefällt mir deutlich besser als z.B. Heifetz, der spielt mir bei Sibelius einfach zu schnell, obwohl ich eigentlich schnelle Tempi gern mag, genauso wie Heifetz, aber bei Sibelius find ichs dann doch etwas übertrieben.
Jedenfalls, super Aufnahme, auch der Schönberg.
ab (08.03.2011, 13:16):
Kennt jemand von euch diesen Konzertmitschnitt von
Dmitri Mitropoulos / New York Philharmonic / Jascha Heifetz
vom 3.11.1951?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/514dOAXRP4L._SS500_.jpg

Wie ist die Aufnahme von Heifetz - Beecham - LSO (EMI)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51xL0ACMI0L._SL500_AA300_.jpg
im Vergleich zur "Jahhrundertaufnahme" von Teleton: Heifetz - Hendl - CSO (Living Stereo)?
Amadé (09.03.2011, 20:38):
Lieber ab,
ich besitze alle drei Aufnahmen, die mit Mitropoulos als Radiomitschnitt auf Band. Auf diese kann ich jetzt auf die schnelle nicht eingehen, ich beabsichtige jedoch für das nächste, spätestens übernächste Jahr im klassik-prisma eine Übersicht über alle mir bekannten Aufnahmen. Zu den beiden anderen dies: bei Beecham 1935 hat Heifetz' Geige mehr Körper, man hört buchstäblich das mitschwingende Holz, die Aufnahme könnte man als mehr geerdet bezeichnen. Die Hendl-Aufnahme 1959 ist ebenfalls hervorragend, jedoch scheint der Dirigent Sibelius nicht so nahe zu stehen wie Sir Thomas. Hier erlebt der Hörer den Heifetz späterer Jahre mit dem Drang viele Werke noch schneller zu spielen als in früheren Jahren, für mich wird er dann doch ein wenig glatt!
Hier noch die Laufzeiten:
Hendl, Chicago SO: 14:17 - 6:51 - 6:49
Beecham, London Phil.Orch.: 13:34 - 6:16 - 6:42

Grüße Amadé
ab (09.03.2011, 21:43):
Original von Amadé
Lieber ab,
ich besitze alle drei Aufnahmen, die mit Mitropoulos als Radiomitschnitt auf Band. Auf diese kann ich jetzt auf die schnelle nicht eingehen, ich beabsichtige jedoch für das nächste, spätestens übernächste Jahr im klassik-prisma eine Übersicht über alle mir bekannten Aufnahmen. Zu den beiden anderen dies: bei Beecham 1935 hat Heifetz' Geige mehr Körper, man hört buchstäblich das mitschwingende Holz, die Aufnahme könnte man als mehr geerdet bezeichnen. Die Hendl-Aufnahme 1959 ist ebenfalls hervorragend, jedoch scheint der Dirigent Sibelius nicht so nahe zu stehen wie Sir Thomas. Hier erlebt der Hörer den Heifetz späterer Jahre mit dem Drang viele Werke noch schneller zu spielen als in früheren Jahren, für mich wird er dann doch ein wenig glatt!
Hier noch die Laufzeiten:
Hendl, Chicago SO: 14:17 - 6:51 - 6:49
Beecham, London Phil.Orch.: 13:34 - 6:16 - 6:42

Grüße Amadé

Danke, ich habe diese beiden mir jetzt selbst im Vergleich angehört, nachdem ich bemerkt hatte, dass ich auch die EMI-Aufnahmen von einer geschenkt bekommenen mp3-CD auf meinen Rechner habe. Leider ist diese Datenreduktion so grauslich, dass von Beecham, meinem Lieblings-Sibelius-Dirigenten, fast nur mehr etwas zu erahnen ist und ich nichts mehr von einem "Körper" der Heifetzschen Geige hören kann.
Bei der 1935er Aufnahme (in dieser kaputten Version) kommt mir das Geigenspiel irgendwie seltsam unzusammenhängend vor, dass ich nicht wirklich eine Freude empfinde. Das Dirigat kommt mir, soweit etwas davon zu erahnen ist, ganz großartig vor, geradezu exemplarisch, jedenfalls besser als alles andere, was ich die letzte Zeit hörte.
Was mir an der 1959er Aufnahme so gefällt, ist, dass Orchester und Solist wirklich zusammenspielen. Wahrlich eine (Hei-) fetzige Aufnahme! In dieser Art hat das wohl keiner mehr zusammengebracht (soweit ich bislang gehört habe), auch nicht Nigel Kennedy, dessen Live-Mängel dann zudem, dass nicht wirklich zusammengespielt wird, den Eindruck trüben, vor allem im letzten Satz nur mehr schwer erträglich (von den Spannungseinbrüchen des Orchesterparts ganz zu schweigen). Auch für mich wird Heifetz dann doch ein wenig glatt, dass ich bei allem Gerne-Zuhören, es dann doch nicht öfters tun wollte.

Vorzügliches Zusammenspiel höre ich bei Mutter/Previn, eine Aufnahme, die ich in ihrer außergewöhnlichen Präsenz überhaupt sehr gerne höre, obwohl ich eigentlich ein ganz anders Sibelius-Bild habe. Für mich ist das die überzeugendste Konzert-Einspielung die von Mutter vorliegt

Das mich überzeugendste Dirigat jüngerer Zeit habe ich bei Oramo gehört, leider hält die Geigerin nicht mit, die meinem Dafürhalten zufolge gar kein Gespür für die Musik Sibelius' hat und seltsam eine konventionelle romatische Tradition prolongiert.

Wie gerne hätte ich Oramo auch bei Vilde Frang dirigieren gehört, deren Aufnahme mit Søndergård ich wegen ihrer erkennbaren persönlichen Stimme so mag, mit der sie so wunderbar rhetorisch gestaltend musiziert. Leider liegt das Aufnahmedatum bereits deutlich vor dem Erstveröffentlichungstermin und im Konzert hatte sie ein noch deutlich reifere und auch farblichere Interpretation geboten als noch auf der Aufnahme zu hören ist, die mich dennoch bereits sehr überzeugt. Allein wie sie an einer Stelle im Konzert (ich hatte berichtet) mit einem fast schon erschreckend ausladenden Virbrato, wie ich es noch nie gehört hatte, vollkomen und völlig sentimentfrei, eine wahres Naturbeben erzeugen konnte, das vom tiefen Blech in quasi gleicher Klangfülle übernommen wurde, wird mir wohl unvergesslich bleiben...

Nach wie vor aber geht mir Neveu noch am meisten zu Herzen, obwohl auch hier alles andere als mein Sibelius-Bild getroffen wird. Eine Aspannung, wie von Legge berichtet, höre ich allerdings hier nicht - was wohl umsomehr für die besondere Klasse der Geigerin spricht.
:hello
Rachmaninov (10.03.2011, 06:46):
@ab,

da liegt mir die Frage auf der Zunge: Und wie ist Deine Meinung zu Repin / Krivine mit dem LSO?
Cetay (inaktiv) (10.03.2011, 08:00):
Original von teleton
Zitat von cetay:
Ich warte weiter auf eine Aufnahme, bei der beide Parts überzeugen und perfekt verzahnt sind.

Hallo cetay,

diesen nachvollziehbaren Wunsch zu erfüllen finde ich gar nicht so schwer. Siehe mal meine Beitrage vom 12-17.09.2008 in diesem Thread zurück:
Dort ist von den Aufnahmen Heifetz/Hendl (RCA, 1963) und Oistrach/Ormandy (CBS) die Rede

Ich glaube, es kommt darauf an, welchen grundsätzlichen Zugang man zu diesem Konzert hat. Sieht man es als ein weiteres Repertoirestück aus der VK-Literatur, mit dem man über die Großen Fünf hinaus etwas Abwechslung ins Programm bringt; oder sieht man es als ein Werk des Sinfonikers Sibelius? Viele Dirigenten haben außer dem VK nichts von Sibelius aufgenommen (außer vielleicht der populären Zweiten), so dass man hier von Fall 1 ausgehen kann. Hört man das Konzert in dieser Tradition, dann mögen die genannten Dirigate befriedigend sein. Um dem Sinfoniker Sibelius bei der Interpretation des VK gerecht zu werden, braucht es m. E. einen Spezialisten.
Ich verstehe gut, dass der Wunsch, sich mit anderen Aufnahmen zu auseinanderzusetzen, nicht groß ist, wenn man seine persönliche Jahrhundertaufnahme gefunden hat. Dennoch lohnt sich -trotz des dünnen Violinparts- eine Beschäftigung mit Kavakos/Vänskä, um zu hören, was in Punkto Dirigat hier möglich ist.
ab (10.03.2011, 17:04):
Original von Rachmaninov
@ab,

da liegt mir die Frage auf der Zunge: Und wie ist Deine Meinung zu Repin / Krivine mit dem LSO?

Repin halte ich (zusammen mit Khachatryan, der noch gestaltungs- und farbreicher spielt) für den großen Fortführer der großen Russischen Tradition, die exemplarisch durch Oistrach dargestellt ist. Da erklingt Sibelius als großes romatisches Violinkonzert mit der traditionellen Überbetonung auf dem Solistenpart und dem breiten, intensiven Ton ohne rhetorische Binnengestaltung. Krivine schafft es immerhin, das Orchster nicht verschleppt klingen zu lassen (ich finde, bei Khachatryan dirigiert Krivine etwas inspirierter, auch wenn mir dann dort gelegentlich die Spannung einzubrechen scheint). Das höre ich mir gerne an, weil es da gar nichts zu Mäkeln gibt und auch musikalisch gespielt ist. Alles in Allem, finde ich, ist das eine der sehr guten Aufnamen. Die größten Stärken liegen für mich bei Repin, wenn er vom Piano ins Pianissimo gestaltet.

Aber wenn ich mir schon eine romantische Aufnahme jüngeren Datums anhöre möchte, dann greife ich eher zu Sholomo Mintz und James Levine, die in ihrer Art mir einzigartig vorkommt, und die für mich jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung ist, weil ich zu ihr in einem wesentlichen Spannungsverhältnis stehe, weil mir deren Interpretation so gegen den persönlichen Strich geht.

Um mit einem gleichnishaften Bild zu sprechen: Mintz führt hier die romantische Tradition nicht wie Repin in den Mainstream, sondern ins absolute Extrem - und Levin begleitet ihm dabei, wie ich finde, besser als es Krivine bei Repin (oder auch Khachatryan) schafft.

:hello
Sfantu (24.08.2011, 21:53):
Hallo Leute,

um den von soulman losgetretenen Felsbrocken in die passende Geröllhalde zu lenken, schlag' ich vor, an dieser Stelle weiter zu debattieren.
soulmans Anstoss bezog sich auf das Konzert, er platzierte ihn stattdessen aber im Sinfonien-Faden.
Die Antwortenden schossen sich mehr auf ein Vinyl-Bashing ein, was die Abdrift dann weiter potenzierte.


Original von soulman

"Bin nur an Vinyl interessiert, (...) CDs - eines Sammlers unwürdig, (...)"

Na servus!
Mit so 'ner Breitseite gleich einzusteigen - da musst Du Dich über entsprechende Häme wohl nicht wundern. Hier sollte es (korrigiert mich, falls nötig) doch zu allererst um die Musik gehen, zweitrangig, von welchem Medium. Schau' Dich mal um im Forum - da findest Du, wenn's hoch kommt, eine handvoll von uns Platten-Begeisterten. Klar, damit gehören wir zur Minderheit der Geniesser mit allen Sinnen, aber was sollen diese Windmühlen- und Grabenkämpfe? Das führt zu nichts.
Komm' auf den Teppich & bring' Dich inhaltlich ein.


Original von ab

(Sibelius-VK, Ginette Neuve) "Für läppische 225,00 Pound Sterling bei amazon.uk oder 81.00 Pound Sterling bei ebay - das ist der Preis für Vinyl :A

Ist das nur eine verkürzte Sicht der Dinge oder war das so 'ne Art "Digital-kills-the-analog-star"-Retour-Kutsche?
Falls Ersteres zutrifft: es gibt noch eine wirkliche Welt jenseits des www. Diese Neuve-Platte hab' ich mindestens 2x im Second-Hand-Handel gesehen - für maximal 4.00 CHF. Wer die genannten Phantasie-Preise zahlt, ist selbst schuld. Und wie gut wären die 225,- Pfund angelegt, wenn die Scheibe von Kratzern übersät ist?
Mir macht es Spass, Trödelmärkte, in meinem Gastland die Brocken stüebli oder in der Heimat die Sozialkaufhäuser zu durchstöbern - hebe da immer wieder wahre Schätze für ein Trinkgeld!

Wer's bequemer möchte, dem rate ich bspw. zu www.33rpm.de. Ein Klassik-Gebraucht-Platten-Versand aus Berlin, der bei fairen Preisen einen ständig aktualisierten Angebotskatalog in 3 Sparten (Komponist, Interpret, Sonderangebote) bereithält. Ein in seperater Legende erläuterter Beschreibungs-Code liefert Einzelheiten zu jedem Artikel, über Qualität, Zustand und Infos für Sammler (Pressung, Seltenheitsstatus u. ä. Besonderheiten). Habe dort auch schon einmal für ein fehlerhaftes Exemplar anstandslos eine Rückzahlung erhalten.

Aktuelle Sibelius-VK-Angebote dort:

- Hudecek, RSO Prag - Jiri Belohlavek (panton), 14.00 Euro
- Oistrach, RSO der UdSSR - Roshdestwenskij (Melodya), 5,80 Euro
- Szeryng, London SO - Roshdestwenskij (Philips), 9.00 Euro
- Zukerman, London PO - Barenboim (DGG), 14.00 Euro


Um nun meinerseits die Biege zurück zum Thema hinzubekommen:

Vom Konzert kenne und besitze ich 6 Aufnahmen. 3 auf Vinyl,

1.) Pinchas Zukerman, London Philharmonic Orchestra - Daniel Barenboim (DGG 1975).

Erst 1-2x gehört und daher von mir nicht ehrlicherweise beurteilbar.

2,) Christian Ferras, Berliner Philharmoniker - Herbert von Karajan (DGG '60er).

Für mich insgesamt enttäuschend. Wie so oft verschenkt Karajan viel beim Steuern seines Luxus-Liners durch die Klippen dieser Partitur. Ferras könnte sich mehr trauen, es kommt kein echter Dialog zustande.

3.) Miriam Fried, Philharmonisches Orchester Helsinki - Okko Kamu (Finlandia 1988).

Noch enttäuschender. Nicht Fleisch, nicht Fisch, ein dünner, aseptischer Geigenton und eine schläfrige Begleitung. Bereits nach erstem Hören auf meinen Stapel zum Weiterverschenken verbannt, muss ich vielleicht noch eine 2te Chance in Betracht ziehen - eine Favoritin wird sie aber sicher nicht.

Und 3 auf CD:

1.) Itzhak Perlman, Pittsburgh Symphony Orchestra - Andre Previn (EMI 1980).

Romantisches Schwelgen, grosse Geste, saftiger Geigenton. Dem Ideal für mich nahekommend, leider mit einem leicht suppigen Klang.

2.) Gidon Kremer, Philharmonia Orchestra London - Riccardo Muti (EMI 1983).

Analytischer, berechnender als die Vorige, transparenterer Klang. Ein Quäntchen weniger an Risiko und Versenkung, ihr Status für mich seit 16 Jahren in meiner Sammlung immer noch unklar.

3.) Dong-Suk Kang, Tschechoslowakisches RSO Bratislava - Adrian Leaper (Naxos 1989).

In dieser Aufnahme sind m. E. vorläufig die meisten Pluspunkte miteinander vereint. Ein leidenschaftlicher, mit Herzblut gestalteter Solopart, ideale Tempi, Naxos gerade auf der Kippe vom billigen, topfigen Sound der frühen Jahre zu grösserer Clarte, das Orchester eine Spur nivellierter, mehr mit Innenschau, wenig reisserisch.

:hello Sfantu
Cetay (inaktiv) (10.12.2011, 11:36):
Ich will zu Vilde Frang noch ergänzen:

Ob es ein "Fehler" ist, Frang nicht gehört zu haben, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass mir alleine in punkto Variabilität der Tonbildung und Klanggestatung niemand, den ich gehört habe, auch nur annähernd soviel zu bieten hat; von der im Wortsinne atemberaubend spannenden Phrasierung und der überlegenen Gestaltungskraft brauche ich erst gar nicht zu reden. Ich vermute mal, dass das, was es hier zu erfahren gibt, gemeint ist, wenn von der vielbeschworenen geistigen Druchdringung die Rede ist.

:times10
Rachmaninov (12.12.2011, 19:03):
Original von Cetay
was es hier zu erfahren gibt, gemeint ist, wenn von der vielbeschworenen geistigen Druchdringung die Rede ist.

:times10

Empfinde ich aber u.A. auch bei S. Kachatryan, J. Heifetz....
Maurice inaktiv (01.06.2013, 15:49):
Hier gibt es schon seit etwa zwei Jahren keine Beiträge mehr.Es wäre doch schön,wenn sich wieder etwas mehr bei Sibleius tun würde,oder nicht?

Da ich gerade auf dem "Nordischen Tripp" bin,steht natürlich auch das Violinkonzert von Sibelius auf meiner "Ich höre-Liste" drauf.

Deshalb einmal kurz meine drei Aufnahmen,die ich zur Zeit im Besitz habe :

1. Joshua Bell mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra unter Esa-
Pekka Salonen auf Sony

Das ist auch meine beste Einspielung dieses wundervollen Konzertes.Bee versteht es meisterlich,durch seine Klang-Sensibelität die ganzen Stimmungen des Konzertes einzufangen.

In dem Komponisten und Parnula-Schüler Salonen hat er einen der besten Dirigenten für diese Musik mit einem absolut erstklassigen Klangkörper zur Seite,die ihm ein gleichwertiger Partner sind.

Ebenfalls erfreulich ist die Koppelung mit dem Violinkonzert von Karl Goldmark.

Sehr gute Bewertungen gab es im Fono-Forum (05/2000) und der Stereo (0/2000).

2. Henning Kraggerud mit dem Bournemouth SO unter Bjarte Engeset
auf Naxos.

Hier tue ich mir schwer,denn eigentlich ist die Kombination durchaus für eine sehr gute Einspielung gut.

Doch so recht vermag mich Kraggerud nicht zu überzeugen.Klangtechnisch ist die Einspielung sehr gut eingefangen,aber die Farbigkeit eines Joshua Bell fehlt mir hier doch schon sehr.

Er macht nichts falsch,aber es fehlt mir das rechte Etwas dabei.Orchester und Dirigent machen einen angemessenen Job,da kann ich nicht viel meckern.

Die Kombiantion mit dem Violinkonzert,op.45 und dessen Romanze,op.100 von Christian Sinding machen den Reiz der Einspielung aus.Dazu Sibelius' Romanze in g-moll,op.69b.

Doch hier dürfte ich durch Neubestellungen bald diese Aufnahme wieder abgeben.

3. Stephanie Gonley mit Adrian Leaper und dem Orquesta Filarmonica de
Cran Canaria.

Es ist keine "Schönwetter-Aufnahme" hier,denn Leaper ist durch bereits eine GE der Sinfonien und des Violinkonzertes ein absolut angemessener Sibelius-Dirigent,der leider gerne "vergessen" wird bei der Nennung von Dirigenten,die mit dieser Musik vetraut sind.

Ich habe die Aufnahme ja erst gehört bei meinem "Sibelius-Tag" an Pfingsten.Es mag keine "Große Aufnahme" sein,aber eine absolut zufriedenstellende.Das ist aber bei Sibelius letztendlich zu wenig,wenn man bedenkt,was alleine hier für erstklassige Einspielungen bereits genannt wurden.

Fazit : Es gibt viele Wege,um zu Sibelius zu finden,aber auch um dort zu bleiben.Für MICH einer der ganz Großen im Bereich der Orchestermusik und Solo-Werke überhaupt.

VG,Maurice
Cetay (inaktiv) (24.08.2014, 10:34):
Original von Amadé
Lieber ab,
ich besitze alle drei Aufnahmen, die mit Mitropoulos als Radiomitschnitt auf Band. Auf diese kann ich jetzt auf die schnelle nicht eingehen, ich beabsichtige jedoch für das nächste, spätestens übernächste Jahr im klassik-prisma eine Übersicht über alle mir bekannten Aufnahmen. Zu den beiden anderen dies: bei Beecham 1935 hat Heifetz' Geige mehr Körper, man hört buchstäblich das mitschwingende Holz, die Aufnahme könnte man als mehr geerdet bezeichnen. Die Hendl-Aufnahme 1959 ist ebenfalls hervorragend, jedoch scheint der Dirigent Sibelius nicht so nahe zu stehen wie Sir Thomas. Hier erlebt der Hörer den Heifetz späterer Jahre mit dem Drang viele Werke noch schneller zu spielen als in früheren Jahren, für mich wird er dann doch ein wenig glatt!
Hier noch die Laufzeiten:
Hendl, Chicago SO: 14:17 - 6:51 - 6:49
Beecham, London Phil.Orch.: 13:34 - 6:16 - 6:42

Grüße Amadé
Da kommt jetzt wohl der Bürokrat in mir durch, wenn ich nach dreieinhalb Jahren darauf hinweise, dass die Spielzeiten oben vertauscht sind; der Heifetz späterer Jahre hatte den Drang viele Werke noch schneller zu spielen als in früheren Jahren.

Ich sehe die beiden Aufnahmen viel weiter auseinander, die mit Beecham gefält mir klar besser. Mit ist die mit Hendl zu schnell, weil das auf Kosten der rhetorischen Binnengestaltung geht und kein echter Dialog mit dem Orchester möglich ist. Der kühle Ausdruck ist sicher eine Geschmacksfrage. Ich mag das eigentlich gerne, aber hier wirkt die Kombination aus halsbrecherischen Tempi und glatt-perfektem Spiel als zur Schau gestellte Virtuosität.

Ivry Gitlis hat in seiner späten Aufnahme in den Ecksätzen dasselbe Tempo angeschlagen (13:38 - 7:01 - 6:43), aber verbindet dies mit einer schon aggressiv zu nennenden Leidenschaft. Der Preis dafür sind technische Mängel bis hin zu verschluckten Noten (wenn man es denn hört), aber den bezahle ich gerne. Wer glaubt, in diesem Konzert müsse "Feuer" stecken -nicht das des Zigeunergeigers, sondern wütendes Höllenfeuer; Gitlis hatte den Spitznamen "Evil Demon" (-> hier)- sollte ein Ohr riskieren. Eine Aufnahme für jeden Tag oder fürs erste Kennenlernen ist das nicht unbedingt, aber eine, die nach 2-3 Mal Hören im Regal verstaubt, erst recht nicht.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51cpzLRU62L._SL500_AA270_.jpg
Jean Sibelius; Violinkonzert d-Moll op. 47
Ivry Gitlis, Orchestre National de l’Opera de Monte Carlo, Antonio de Almeida
Andréjo (24.08.2014, 12:20):
Kann und mag jemand Stellung nehmen zu Hilary Hahn? Eine entsprechende Anfrage weiter oben, die wohl noch nicht beantwortet wurde, geht auf März 2011 zurück.

Ihren Schönberg auf derselben CD finde ich sehr überzeugend; es mag auch am Repertoire liegen, das sich quantitativ keineswegs mit Sibelius vergleichen lässt.

Bei ihrem Sibelius bin ich mir unsicher. (Näheres vielleicht später.)

:beerWolfgang
Cetay (inaktiv) (24.08.2014, 12:29):
Original von Andréjo
Kann und mag jemand Stellung nehmen zu Hilary Hahn? Eine entsprechende Anfrage weiter oben, die wohl noch nicht beantwortet wurde, geht auf März 2011 zurück.

Ihren Schönberg auf derselben CD finde ich sehr überzeugend; es mag auch am Repertoire liegen, das sich quantitativ keineswegs mit Sibelius vergleichen lässt.

Bei ihrem Sibelius bin ich mir unsicher. (Näheres vielleicht später.)

:beerWolfgang

Sie wurde schon besprochen; einfach etwas weiter im Thread zurückgehen (-> hier). Dort kommt sie wenig gut weg und ich habe das einen Beitrag weiter unten sekundiert.
Andréjo (24.08.2014, 13:20):
Danke, Meister Cetay!

Ich habe die Aufnahme im Hinblick auf das Orchester als sehr verwaschen in Erinnerung. Im Vordergrund macht Hahn auf Effekt, im Hintergrund geschieht auch irgend etwas. Aber vielleicht würde ich es heute wieder anders hören; es ist lange her.

Wie sprichst Du Dich eigentlich aus bzw. woher kommt der Nick? Als gelernter Sprachwissenschaftler möchte ich mir das vorstellen können!

:beerWolfgang
Cetay (inaktiv) (04.09.2014, 22:16):
Ich habe dieses Konzert innerhalb von 15 Tagen rund 30 mal gehört. Der Leser beurteile anhand der folgenden Ausführungen selbst, ob mich das in den Wahnsinn getrieben hat. Meine Top Ten sieht so aus:
Soyoung Yoon, Gorzów Philharmonic Orchestra, Piotr Borkowski
Nikolaj Znaider, Royal Flanders Philharmonic Orchestra, Marc Soustrot
Vilde Frang, WDR Sinfonieorchester Köln, Thomas Sondergard
Lisa Batiashvili, Finnish Radio Symphony Orchestra, Sakari Oramo
Vaclav Hudecek, Prager Sinfonieorchester, Jiri Belohlavek
Silvia Marcovici, Gothenburg Symphony Orchestra, Neeme Järvi
Kyung Wha Chung, London Symphony Orchestra, André Previn
Ivry Gitlis, Orchestre National de l’Opera de Monte Carlo, Antonio de Almeida
Anne-Sophie Mutter, Staatskapelle Dresden, André Previn
Henning Kraggerud, Bournemouth Symphony Orchestra, Bjarte Engeset
Die weiteren Gehörten sind unten aufgeführt, damit der Rahmen sauber definiert ist. Haendel fehlt wegen Streamingportal-Abstinenz, Oistrach, Perlman, Zuckermann und ein paar andere habe ich schon vor einer Weile der Zweitverwertung zukommen lassen, Repin, Mintz und Belkin habe ich nicht durchgehalten. Vielleicht fehlen einige, aber das ist egal, die Top-Drei reicht eh völlig.

Ehrenvolle Erwähnungen (ohne Reihenfolge)
Sergey Khachatryan, Sinfonia Varsovia, Emmanuel Krivine
Hu Kun, Royal Philharmonic Orchestra, Yehudi Menuhin
Christian Ferras, Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan
Leila Josefowicz, ASMF, Neville Marriner
Michael Antonello, National Symphony Orchestra of Ukraine, Philip Greenberg
Shizuka Ishikawa, Brno State Philharmonic Orchestra, Jirí Belohlávek
Augustin Hadelich, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Hannu Lintu
Pavel Eret, Philharmonieorchester Brünn, Leos Svarovsky
Christian Tetzlaff, Danish NRSO, Thomas Dausgaard
Angèle Dubeau, Bulgarisches RSO, Ivan Marinov
Jascha Heifetz, Chicago Symphony Orchestra, Walter Hendl
Isaac Stern, Royal Philharmonic Orchestra, Thomas Beecham
Ruggiero Ricci, London Symphony Orchestra, Øivin Fjeldstad
Camilla Wicks, Stockholm Radio Symphony Orchestra, Sixten Ehrling
Jasha Heifetz, London Philharmonic Orchestra, Thomas Beecham
Emil Telmányi, Danish State Radio Symphony Orchestra, Thomas Jensen
Nigel Kennedy, City of Birmingham Orchestra, Simon Rattle
Leonidas Kavakos; Lathi Symphony Orchestra; Osmo Vänska
Dong-Suk Kang, Slovak Radio Symphony Orchstra, Adrian Leaper
Ginette Neveu, Philharmonia Orchestra, Walter Süsskind
Hilary Hahn, Swedish Radio Symphony Orchestra, Esa-Pekka Salonen
Die Zahl der Einspielungen dieses Konzerts dürfte mittlerweile die 100 überschritten haben. Wie soll man sich da orientieren? Da bleibt einem ja fast nichts anders übrig, als sich nach den Berufskritikern mit ihren Referenzen zu richten. Seit es mittels kostengünstigen Streaming-Abos möglich ist, alles, was einem da so weisgemacht wird, selbst nachzuhören, wird freilich immer klarer, warum Sibelius höchstselbst gesagt hat: Beachte nicht, was die Kritiker sagen; es wurde noch nie eine Statue zu Ehren eines Kritikers errichtet. Wer sich partout nicht wohlfühlt, wenn seine Aufnahme nicht den Segen der Zentralorgane für den korrekten Musikgeschmack hat, der greift bedenkenlos zu Heifetz, der bei vielen Rezensionen als Vergleich herangezogen wird (wobei oft verschwiegen wird, welche Aufnahme gemeint ist) und in der Forenlandschaft gerne auf einen anderen Stern verpflantzt wird. Soll es eine Aufnahme mit moderner Klangtechnik sein, dann scheint man sich auf Muollova/Ozawa und Khachatryan/Krivine verständigt zu haben. Damit macht man bestimmt nichts falsch, in der Tat sind das alles Top-Aufnahmen. Aber eben nicht für das Siegertreppchen, weil es bei einem Konzert für Violine und Orchester neben dem Violinpart noch einen Orchesterpart gibt. Und der sollte möglichst nicht -wie so häufig- neben dem Solinstrument spielen, sondern mit ihm und dabei auch dem Sinfoniker Sibelius gerecht werden. Während die Unterschiede und "Leistungen" bei den Geigern bei den nicht-historischen -nennen wir mal Chung/Previn (1970) als Grenze- Aufnahmen von wenigen Ausnahmen abgesehen sehr gering sind, gibt es beim Ansatz der Dirigenten gewaltige Unterschiede. Das liegt m.E. daran, dass weder die Einordnung von Sibelius' Violinkonzert in den Gattungskanon, noch die Einordnung des Konzerts in das Oeuvre des Komponisten klar ist.

Man kann die Entwicklung des sinfonischen Violinkonzerts grob in zwei Linien einteilen. Bei der auf Mendelssohn zurückgehenden lyrischen Tradition übernimmt das Soloinstrument von Beginn an die Führung und das Orchester dient als Klangkulisse, Kommentator und Impulsgeber, während bei der Beethoven-Brahms-Line das Konzert eher als Sinfonie mit obligater Solo-Stimme angelegt wird. Oberflächlich betrachtet gehört das Sibelius-Konzert zur lyrischen Tradition und wird häufig so behandelt, insbesondere bei den historischen Aufnahmen, die in der Regel von Dirigenten, die sich darüber hinaus wenig mit Sibelius befasst haben, geleitet werden (Ausnahme: Thomas Beecham). Aber ist das "richtig"?
Nach Sibelius’ Meinung war ein Solist, der auf seinen Auftritt wartete, normalerweise eine uninteressante Erscheinung. In seinem Violinkonzert ist der Solist sogleich dran und stellt das prächtig biegende Thema vor, voll von sibelianischen Zügen, angefangen beim dorischen Ton. Das war es dann aber schon mit den Indizien.
Die Spannung entsteht zwischen dem Geigenvirtuosen und dem Symphoniker: der Geiger Sibelius sieht in dem Konzert eine Gelegenheit, alle seine Virtuosenträume auszuleben. Der Symphoniker Sibelius wiederum gibt dem Orchester mehr wichtiges Material als es in den herkömmlichen Virtuosenkonzerten üblich war. Dass mir so wenige der älteren Aufnahmen des Konzerts zusagen, liegt einfach daran, dass es früher zu wenig gute Sibelius-Dirigenten gegeben hat. Beziehungsweise es gab sie, aber außer Beecham hat von den Sibelius-Verstehern der ersten Generation nur Sixten Ehrling das Violinkonzert aufgenommen, jedoch mit einer extrem dominierenden Solistin, die an Leidenschaft und Temperament -die Klippe von Kitsch und Sentiment gerade noch umschiffend- für mich unübertroffen ist. Von Robert Kajanus und Anthony Collins gibt es leider keine Beiträge.

Als nächstes stellt sich die Frage, ob das Konzert überhaupt als Fortführung der Tradition zu sehen ist oder ob es eher den Anfang der Reihe von individualistischen Konzerten des 20. Jahrhunderts darstellt (Berg – Bartok – Shostakovich), also „Sibelianisch“ zu spielen ist. Wenn es hierhin gehört -und für mein Hörempfinden ist das so- dann geht es kaum ohne eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Gesamtwerk des Komponisten. Mir erscheint es eher so, dass viele Virtuosen Sibelius offenbar als weiteres Repertoirestück neben einem Dutzend anderen sehen und nicht wirklich die vielbeschworene "geistige Durchdringung" der Gedankenwelt des Komponisten suchen. Es gibt ein beliebtes Motiv auf CD-Covern, das den Solisten und den Dirigenten gemeinsam in die Partitur vertieft zeigt. Bei wie vielen Aufnahmen des Konzerts hat man wirklich einen hörbaren Eindruck dieses Bildes? Es ist entlarvend, wenn eine Geigerin in einem Promo-Video zum Besten gibt, dass sie sich keinen besseren Begleiter als wen-auch-immer vorstellen kann.

Hat man die Aufnahmen gefunden, bei denen der Orchesterpart nicht die zweite Geige spielt, gilt es zu differenzieren, ob das Werk noch der spätromantischen Phase des Komponisten zugerechnet wird oder schon seinem Aufbruch in die Moderne. Die oberflächliche Betrachtung ergibt ein klares Votum für den ersten Fall, aber auch hier lohnt es sich wieder, genauer hinzusehen. Zeitlich liegt das Violinkonzert zwischen der 2. und der 3. Sinfonie; die letztere markiert eine radikale Abkehr von der Spätromantik. Schon vor Vollendung des Konzerts hat Sibelius in seinen Liederzyklen op. 37 und 38 moderne Tendenzen gezeigt. Schwerblütiges Melos, modale Einfärbungen und dunkles Kolorit sprechen für die noch spätromantische Verortung, ob man dies freilich angesichts der Stellung des Werks noch künstlich verstärken muss, bleibt fraglich. Für ganz verkehrt halte ich es jedenfalls, daraus ein Tschaikowsky-VK Nr. 2 zu machen. Die -leider häufige- Werkkopplung mit dem Konzert des großen Russen ist daher ein gewisses Warnsignal für bitter-süß emotional aufgeladene Vorträge mit breitem Strich (es gibt aber zahlreiche Ausnahmen von dieser Regel). Auf der anderen Seite findet man bei jüngeren Aufnahmen erfreulicherweise öfters Kopplungen mit modernen Werken.

Nachdem die befriedigenden Dirigate (Vänska, Järvi, Belohlávek, Previn, Engeset) gefunden waren, stellte ich bis vor kurzem fest, dass die wenigen Ausnahme-Solisten (Gitlis, Batiashvili, Frang) woanders spielen. Ein paar Beiträge weiter oben habe ich das den Fluch dieses Konzerts genannt. Die kürzlich gefundene Aufnahme mit Hudecek/Belohlávek war schon ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung und schließlich wurde der Fluch mit der Entdeckung der Kollaboration Znaider/Soustrot endlich gebrochen. Randbemerkung: Wir reden hier immer noch über geringe Unterschiede. Eigentlich gehören bei der extremen Dichte 20 Aufnahmen in die Top 10, aber ich wollte nicht mit halben Rängen anfangen.



Hier haben wir ein herausragendes Dirigat und einen herausragenden, wenn auch mit einem ob seiner kantigen Phrasierung wohl polarisierenden Solisten. Aber beklagen wir uns nicht immer, dass die heutige Generation von Virtuosen sicherheitsbedacht und austauschbar sei, dass ihnen die Ecken und Kanten der großen Alten fehlen würden? Hier habt ihr mal einen mit Schürfwundenpotential, also kommt mir jetzt bitte nicht mit "Selbstdarstellung" oder "Manierismus" daher. Bleibt die letzte Hürde zum Olymp. Wie sieht das Zusammenspiel von Solist und Orchester aus? Finden wir gar eine übergeordnete konzeptuelle Idee, die mit der Musik eine Botschaft jenseits der Worte mitliefert?
Orchester und der Solist entwickeln die Motive abwechselnd. Das Hauptthema wird auch in Moll behandelt, und im Seitenthema sind auch virtuose Flötenstimmen der Violine zu hören. Der Sieg über die Kräfte der Dunkelheit scheint erst in den allerletzten Takten gesichert, wenn das Solo von zwei Orchesterschlägen unterstützt in die Höhe steigt.Bei Jahrhundertaufnahmen, auf denen das Orchester dem Solisten atemlos hinterherhechelt, ist von einem solchen Ringen nichts zu spüren, aber eigentlich zeigt die komplette auf Tonträger versammelte Hundertschaft nicht, was man hier herausholen kann. Aber hier: man höre -nur ein Beispiel- wie sich der Solist nach dem Orchestertutti im Mittelteil des Finales mit den Celli konzertierend die Bälle zuwirft. Wie er bei den beiden aufwärts gerichteten Skalenläufen ausgebremst wird. Wie er dann das Orchester fast gewaltsam niederringt (durch die extreme Betonung eines Phrasenendes), um vom letzten Tutti-Korrektiv regelrecht ins Schweigen erschlagen zu werden. Und dann endlich versöhnlich die Harmonie sucht, die sich mit dem Schlussakkord einstellt. Die hysterische Reaktion des Publikums wurde nicht herausgeschnitten, wohl damit jeder kapiert, dass hier gerade etwas ganz Großes stattgefunden hat. Ist das nun also die Überreferenz?

Nein. Es gibt noch die ganz erstaunliche Aufnahme von Yoon/Borkowski. Die entzieht sich konsequent jeglicher Einordnung in ein Beurteilungskriterien-Raster. Lyrsiche oder symphonische Tradition? Weder, noch. Also rein Sibelianisch? Auch nicht. Spätromantisch oder Modern? Nein und nein. Virtuos oder verinnerlicht? Keines. Rhetorisch oder mit breitem Strich? Hm... Technik, Ton? Gut und sehr schön. Was zeichnet dann diese Aufnahme aus? Sie ist langsam. Was sonst? Nichts. Wieso ist sie dann die Beste? Genau deswegen.



Willkommen! Willkommen in der realen Welt. In der Welt der Wahrhaftigkeit ohne Schein und Trug. In einer Welt, in der man einfach das Violinkonzert hören kann, ohne dass sich unserer innerer Kritiker Stress machen muss. Auch danach nicht, es ist eh nicht erklärbar. Neulich fiel im RWV-Faden in einer Besprechung der Ausdruck "Stream of Consciousness" (Bewusstseinsstrom). Das trifft es noch am ehesten. Soyoung Yoon, das Gorzów Philharmonic Orchestra und Piotr Borkowski überführen mit ihrem mutigen Vortrag des Mittelweges die Konkurrenz als Hochstapler und mich als Schwätzer, der vor lauter Geschmacksvorlieben gar nicht mehr merkt, wenn er etwas Unverfälschtes vorgesetzt bekommt. "Inspirationslos und lahm" war mein erster Kommentar. Es fehlt etwas, vielleicht das dunkle, mystische; so war sinngemäß in einer Rezension zu lesen. Was für ein Quark. Man zeige mir die dunklen Noten, die mystischen Akkorde. Man zeige mir das Feuer, man zeige mir die Vortragsanweisung "virtous". Nicht den Interpreten fehlt die Inspiration, ich bin mir sicher, die wussten genau was sie tun. Aber sie fehlt mir, dem Hörer, der es gerne so und so haben will, weil er nicht in mehr in der Lage ist, sich ein Werk zu erschließen, wenn es als goldener Mittelweg geboten wird. Ich zitiere einen Text, der in einem völlig anderem Zusammenhang geschrieben wurde, weil er so sehr passt.
Der goldene Mittelweg bedeudet (…) Gleichgewicht von statischen (konservativen) und dynamischen (progressiven) Elementen. Wahrer Fortschritt ist nur über diesen Mittelweg möglich. Nehmen die konsevativen oder die progressiven Elemente überhand, kippt ein System in die Extreme (…) von Erstarrung und Veraltung Selbstüberhebung und Machbarkeitswahn. In einer Zeit, in der diese Einseitigkeiten vorherrschend und "normal" sind, ist der goldene Mittelweg der radikale Mittelweg.Das ist das Dilemma, in dem Interpreten und Hörer heute stecken. Jede Neuaufnahme des Standardrepertoires wird mit der Frage begrüßt, ob wir denn noch eine davon benötigen. Um sich zu rechtfertigen, muss etwas Neues geboten werden, sonst fällt man mit dem alles-schon-mal dagewesen Argument und dem Prädikat "überflüssig" durch. Oder es wird etwas Neues gewagt und man ist anders-um-anders-zu-sein und erhält das Prädikat "manieriert". Und in der Tat hat dieses ständig einen Draufsetzen etwas Ermüdendes, denn wo jeder absolut individuell klingen will (oder muss) klingen alle letzendlich wieder gleich; nämlich nur individuell. Ich habe mich schon lange gefragt, wie man heute noch wirklich Neue (fortschrittliche) Interpretationen schaffen will. Die Antwort kann man hier nach-hören; über den radikalen Mittelweg, der nicht Mittelmaß ist und auch nicht Synthese der Gegensätze, sondern Überwindung der Gegensätze. Die Antwort lautet daher: Wir brauchen nicht noch eine Aufnahme, aber wenn wir nur eine brauchen, dann diese.

N.B.: Die einzige Top-Ten Aufnahme, die nicht im Text erwähnt wird, ist die von Mutter/Previn. (Dafür klaue ich ein Bonmot unseres ab, der eine Haltung zeigt, die einen wunderbaren Kontrast zu Aussagen wie "so muss das gespielt werden" darstellt.) Eine Interpretation, die mir ausnehmend gut gefällt und die in ihrer Art mir einzigartig vorkommt, und die für mich jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung ist, weil ich zu ihr in einem wesentlichen Spannungsverhältnis stehe, weil mir deren Interpretation so gegen den persönlichen Strich geht.

http://www.sibelius.fi/deutsch/musiikki/ork_viulukonsertto.htm
Armin Risi; Der radikale Mittelweg; Kopp Verlag (2009)
abendroth (04.09.2014, 23:15):
Hallo Cetay,
danke für Derinen langen Beitrag zum Sibeliuskonzert. Als Wahlantwerpener freue ich mich natürlich, dass unser Orchester so gut abschneidet. Es gibt jedenfalls einen Aspekt, der die Plazierung Znaider-Soustrot besonders ertaunlich macht. Die Aufnahme ist nämlich unter den Bedingungen des Brüsseler Königin Elisabeth Wettbewerbs entstanden und Znaijder spielt also in der Finalwoche vor einer 10 oder 12-köpfigen Jury. Ehe er das Sibeliuskonzert spielt, hat er schon ein modernes Pflichtkonzert und dazwischen noch ein Kammermusikwerk gespielt. Das Orchester und sein Dirigent spielen an sechs Abenden hintereinander jeden Abend zwei Programme. Da es sich bei den gewählten Konzerten um Standardwerke des Repertoires handelt (die Finalisten müssen aus einer Liste wählen) gibt es kaum Zeit zu proben. Dazu kommt noch der Umstand, dass die Kombination Soustrot - Königlich Flämische Philharmonie keineswegs ein eingespieltes Team ist. Man findet nämlich nicht leicht einen Dirigenten, der 12 x dasselbe Pflichtwerk und sagen wir mal 6 x in einer Woche Tschaikowsky, 3 x Mendelssohn, etc. mit verschiedenen Solisten spielen will. Soustrot ist ja wenig bekannt und meist nur mit Orchestern zweiter Wahl beschäftigt (die Bonner werden mich lynchen; ob Leute in Malmö mitlesen weiss ich nicht). Jedenfalls beweist Deine Liste, dass zu grossartigen Leistungen nicht immer die berühmtesten Namen nötig sind.
Freundliche Grüsse (uit het vlakke land)
abendroth
Cetay (inaktiv) (05.09.2014, 06:30):
Hallo abendroth,
vielen Dank für diese Ergänzungen. Das macht die Aufnahme umso erstaunlicher. Der fehlende Wiedererkennungswert bei der gegenwärtigen Geigergeneration wird gelegentlich damit begründet, dass der Weg zu einer internationalen Karriere zwangsläufig über Wettbewerbe führt und man dort nur mit einer gewissen Angepasstheit eine Chance hat. Dieser Mitschnitt von 1997 belegt, dass es Ausnahmen gibt, denn angepasst klingt hier nichts und gewonnen hat er trotzdem. Übrigens ist er auch auf der 2012 herausgekommenen 75 Jahre Jubiläums-CD zu diesem Wettbewerb vertreten, u.a. neben Repin und Kremer. Meine grundlegende Haltung gegenüber Wettbewerben bleibt dennoch sehr skeptisch und ähnelt fatal dem berühmten Bartók-Zitat. :ignore

https://www.jpc.de/image/w270/rear/0/5425019973025.jpg
AcomA (06.09.2014, 09:19):
Lieber Cetay,

trotz Deiner Ausführungen und Berücksichtigung des Orchesterparts wird es einige Hörer geben, welche den Solistenpart deutlich höher einstufen in der Rezeption des Werkes und dadurch die Aufnahmen von Heifetz und Khatchatryan extrem hoch bewerten. Ich gehöre wahrscheinlich dazu. However, ich glaube, dass folgende Aufnahme Deinem Konzept extrem gerecht werden könnte:

Viktor Tretjakov, v
Tschaikowsky Symphony Orchestra (Moskauer Rundfunkorchester)
Vladimir Fedosejev, cond

(live, 1999, in Österreich als CD herausgegeben, Karelia Suite ist auch drauf)

LG, Siamak
Viola (06.09.2014, 13:17):
Original von AcomA
... wird es einige Hörer geben, welche den Solistenpart deutlich höher einstufen in der Rezeption des Werkes


Es gibt sogar Hörer, die - bei durchaus gewünschter und des öfteren auch geglückter Balance zwischen Orchester und Solist - von Berufs-Musik-Kritikern (igitt!!) geschätzte Aufführungen mögen (wie Julia Fischer live mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Lorin Maazel, veröffentlicht in der von Harald Eggebrecht editierten SZ-Jahrhundert-Geiger-Edition) - Vorsicht, Mainstream!, oder jene ganz am Anfang dieses Threads von Zelenka erwähnte Einspielung mit dem Philharmonia unter Esa-Pekka Salonen und dem Solisten Cho-Liang Lin (Vorsicht, kein Mainstream!).

Also mich ärgert der Tenor (und erst recht der pseudophilosophisch-psychologische Hintergrund) solcher Auf-Teufel-komm-raus "originellen" Vergleichshörerei ungemein, halten zu Gnaden!


Viola
Cetay (inaktiv) (06.09.2014, 19:25):
Original von AcomA
Lieber Cetay,

trotz Deiner Ausführungen und Berücksichtigung des Orchesterparts wird es einige Hörer geben, welche den Solistenpart deutlich höher einstufen in der Rezeption des Werkes und dadurch die Aufnahmen von Heifetz und Khatchatryan extrem hoch bewerten. Ich gehöre wahrscheinlich dazu. However, ich glaube, dass folgende Aufnahme Deinem Konzept extrem gerecht werden könnte:

Viktor Tretjakov, v
Tschaikowsky Symphony Orchestra (Moskauer Rundfunkorchester)
Vladimir Fedosejev, cond

(live, 1999, in Österreich als CD herausgegeben, Karelia Suite ist auch drauf)

LG, Siamak

In glaube sogar, dass das die Mehrheit ist, daher standen die Aufnahmen mit Heifetz und Khatchatryan (neben Mullova) ganz am Anfang als diejenigen, die im breiten Konsens die höchsten Bewertungen bei Kritikern (und Hörern, das kann man im Verlaufs des Threads nachlesen) erzielen.
Die Aufnahme mit Tretjakov/Fedosejev habe ich leider nicht als freien Stream finden können; die hätte mich sehr interessiert, nachdem ich Fedosejevs Dirigat der 2. Sinfonie gehört habe.
Andréjo (18.02.2026, 13:16):
Den ganzen Thread habe ich jetzt nicht durchgesehen. Falls ich mich wiederhole, bitte ich um Nachsicht. Dem Forum dürfte eine Wiederholung freilich nicht schaden.

Ich verlinke mal das Cover zur CD mit dem Violinkonzert in einer Aufnahme, die vielleicht eher nicht zu den besten gehört. Dafür ist hier aber zusätzlich die Urfassung des Werks enthalten. Wobei diese auch schwächer zu sein scheint als die übliche Version. Es wird einen Grund gehabt haben, warum sie sich nicht durchgesetzt hat auch beim Komponisten. Mir geht es selber zwar genauso, aber möglicherweise habe ich mich da bereits beeinflussen lassen durch eine Rundfunksendung. Denn wie ich noch weiß, habe ich Kavakos im Anschluss mir zugelegt.

Die Urfassung weist insbesondere eine problematische Länge im Kopfsatz auf, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Der zweite Satz scheint (weitestgehend?) unverändert. Der dritte wurde ebenfalls gekürzt.

Das Booklet ist recht detailliert. Die CD enthält Unter-Tracks (oder wie heißt das?), die meine modernere Gerätschaft leider nicht abrufen kann. Entstanden ist die Aufnahme sehr wahrscheinlich 1990.

Doch ich könnte die CD mal wieder komplett und aufmerksam hören - genau!
Andréjo (18.02.2026, 13:31):
PS: Gleich am Anfang dieses Threads wird die Aufnahme mit Kavakos nicht nur wegen des CD-Booklets gewürdigt, sondern schlicht per se. Ich werde also wirklich mal wieder genau nachhören. :)

Ansonsten kenne und schätze ich Mullova und natürlich Heifetz, die ja auch schon genannt wurden. Da ich aber noch mehr im Regal finde, werde ich auch den Thread ordentlich durchlesen.
Joe Dvorak (19.02.2026, 12:45):


Joseph Swensen, Finnish RSO, Jukka-Pekka-Saraste

Auf der gerade fertig auditierten, ganz exzellenten Saraste-Sinfonien-Box ist auch das Violinkonzert drauf, das ich mir der Vollständigkeit halber angehört habe. Wahrlich nicht schlecht, aber da gibt es halt viele. Blendend gefallen haben mir die zahlreichen kleinen Stücke (6 Humoresquen, 2 Serenaden), die als Füllmaterial dienen. Vor allem die ersten beiden Humoresquen, op. 87 sind eine höchst vergnügliche Sache.