Sind Booklets hilfreich ?

Ganong (08.11.2006, 17:25):
Liebe Forianer ,

Bei der Vorbereitung meiner nächsten Besprechung eines der Hauptwerke von Robert Schumann , den " Études symphoniques", Opus 13 , bin ich nicht nur in der sog. anerkannten Schumannfachliteratur , sondern auch in verschiedenen Booklets auf so grosse Fehler , Irrtümer (?) und geradezu wirre mitteilungen gestossen , dass ich mich einmal mehr frage : Sollte man die Lektüre von sog. Booklets nicht ganz weglassen .

Ich selbst handhabe dies so bevor ich eine Aufnahme höre .

Zwei Ausnahmen hat es in 2006 gegeben :

1. Das Bookklet zu Viktoria Mullovas Interpretation des beethoven - und des Mendelssohnviolinkozertes in e-Moll , opus 62 . Darin ist von tiefgründigen neuen Entdeckungen durch Frau Mullova und den Dirigenten Norrington zu lesen . Ausgeführt wird über die Kadenzen jedoch kein Wort .

2. Aimards Interpretation von Schumanns Opus 13 . Darin geht es nun so durcheinander zu , dass ( obwohl das Bokklet an sich ausgezeichnete Ansatzpunkte zur Schumannforschung bietet !!! ) der Leser völlig durcheinandergerät , was Monsieur Aimard denn nun wirklich spielt . Hier braucht man unbedingt den Notentext , den Aimard verwendet hat ! So kompliziert kann man einfache Sachverhalte machen .

Welche sind Euere Erfahrungen und wie ist Eure persönlich ePraxis ?

Vielen Dank und Grüsse ,

Frank
Jeremias (08.11.2006, 18:03):
Ich finde, dass das ganz auf das Label und auf das Werk ankommt. Die DG und andere große Firmen veröffentlichen v.a. bekanntes Repertoire, da lese ich die Booklets i.d.R. nicht, zumal auch nichts Neues drin steht. Bei anderen Labels wie z.B. Harmonia Mundi, Hyperion oder Naxos sieht das anders aus. Deren Booklets halte ich durchweg für sehr informativ, zudem gibt es hier wenigstens auch ordentliche Künstlerbiografien. Bei den großen labels sind diese zumeist weggelassen.
cellodil (09.11.2006, 12:43):
Ich habe mich auch schon häufiger über booklets geärgtert. Vor allem wegen

1) einer gewissen allgemeinen Schlampigkeit (mangelnde sprachliche Sorgfalt, bizarre oder lieblose Übersetzungen, unklare Gliederung, wirres Geschreibsel, offensichtlichem Unsinn über Werk, Komponist oder Interpreten,...)

oder

2) dem Eindruck, dass hier nur aus gängigen Konzertführern irgend etwas zusammengestellt oder mit leichten Veränderungen abgeschrieben worden ist, damit irgend etwas im booklet drinsteht

oder

3) keiner oder zu wenig Information über die Künstlerbiografien, was mich vor allem dann ärgert, wenn es sich um einen (für mich) noch unbekannten Künstler handelt, über den auch sonst keine Informationen verfügbar oder zugänglich sind

oder auch

4) wenn bei einer Vokalaufnahme die Texte fehlen

und dann ärgert es mich auch, wenn es keine Angaben zu den Instrumenten gibt (vor allem bei Streichern, aber auch bei Aufnahmen mit Hammerflügel und bei manchen anderen auch)

Grüße

Sabine
monteverdi (21.09.2007, 21:51):
Hallo,

absolute Highlights gibt es als Booklets.

Ich nenne nur als ein Beispiel von Prof. Gerhard Weinberger, anerkannter Orgelvirtuose, seine ausführlichen Beschreibungen der eingespielten Orgelwerke von J.S. Bach, sie besitzen ein Wissensfundament, ob die Beschreibung des Orgelwerkes, Interpretation oder Historisches, einfach großartig umgesetzt.

Negative Beispiele sind aber die Regel, ich besitzte auch das Violinkonzert von Viktoria Mullova (Beethoven, Mendelssohn) und ist als Booklet mit Inhaltsangaben außerordentlich dürftig....

Grüße
Volker
Poztupimi (21.09.2007, 22:15):
Hallo Volker,

herzlich willkommen hier im Forum! :hello

Auch wenn ich nicht immer Lust und Muße habe, die Beihefte komplett zu lesen, ist mein Eindruck, daß gerade die nicht ganz so großen Label hier so manches mal durchaus liebevoller zu Werke gehen. Ausnahmen gibt es aber ja sowohl in der einen wie der anderen Richtung. Gerade höre ich Schubert, Symphonien Nr. 2 & 4 mit Anima Eterna unter Immerssel. Im Beiheft läßt sich van Immerseel sehr ausführlich zum Beispiel zur Größe des Orchester und der Aufstellung aus. Außerdem äußern sich drei Musiker des Orchesters zum Schubert-Projekt. Zu dumm nur, daß die Erläuterungen auf die vier CDs verteilt sind und mir eine Aufnahme fehlt. :(

Original von monteverdi



Negative Beispiele sind aber die Regel, ich besitzte auch das Violinkonzert von Viktoria Mullova (Beethoven, Mendelssohn) und ist als Booklet mit Inhaltsangaben außerordentlich dürftig....

Grüße
Volker

Auch wenn der Text insgesamt nicht so wahnsinnig umfangreich ist, er geht abe doch wie ich finde schon etwas über die reine Inhaltsangabe hinaus - falls wir über den gleichen, von Richard Wigmore verfassten und etwas mehr als 3 Seiten langen Text sprechen.

Grüße,
Wolfgang
Ganong (09.11.2006, 14:49):
Ergänzend kann ich sagen aus meiner aktuellen Erfahrung um einen Klavierabend ,

wie wichtig es ist , auch die Firmen zu nennen , die die Notentexte , die verwendet werden ,

bekannt zu geben !!!

Man staunt nicht schlecht , warum es auch zu "Interpretationsunterschieden" kommt .

Grüsse ,

Frank
ab (11.01.2013, 10:19):
Ich wäre schon dankbar, wenn die formalen Aufnahmedaten alle aufgelistet wären; von Werkanalyse ganz zu schweigen. Es erstaunen mich manche kleine, eher audiophil ausgelegte Labels, die zwar jedes Kabel und Mikophon beim Namen nennen, aber bei Komponist, Musik, MusikerInnen und Instrumenten geizen.

Bei Kammermusik schätze ich vor allem, wenn beim Ensemble auch steht, welche Instrumente sie spielen. Insbesondere bei Klavier-Aufnahmen stört mich doch sehr, dass in der Regel nich immer nicht hervorgeht, auf wessen Tasten geschlagen werden.

In Programmheften bei Konzerten mit Streichinstrumenten stoße ich immer öfters drauf, dass die Saitenfirma genannt wird, wohl weil diese inzwischen eine Sponsorfunktion übernimmt. Aber warum nicht, vielleicht will jemand auch wissen, welches Kolophonium Heinrich Schiff zu seinem damals revolutionären, ansatzlos knackigen Bogenton verholfen hat.

Ich lese Booklets in der Regel erst lange, nachdem ich die Musik besser kenne.
Selten habe ich Gewinn draus gezogen, leider...
:hello
Jeremias (11.01.2013, 12:11):
Es kommt ein wenig auf das Label an... während die Deutsche Grammophon meist nur bereits Bekanntes kurz und knapp wiedergibt, so legen sich andere Firmen richtig ins Zeug. Ich schätze z.B. sehr die Booklets von Hyperion, da diese sehr gut recherchiert und sehr ausführlich sind. Bei den dort eingespielten unbekannten Werken durchaus eine Bereicherung!
miclibs (14.01.2013, 19:13):
Meist kann ich mit den Booklets wenig anfangen, weil es mir schwer fällt aus den Beschreibungen
heraus das Werk zu erkennen. ?(

Da ich mich meist in der Moderne aufhalte, versuche ich mich an Biographien, Interviews der
jeweiligen (vielleicht noch lebenden) Komponisten zu orientieren.
Zuweilen sind auch Wikipedia oder Amazon-Rezensionen hilfreich.

LG Michael
Amonasro (14.01.2013, 21:02):
Auch ich verwende meistens das Internet, um an derartige Informationen zu kommen. Ich kann vor allem über den Bereich Oper sprechen. Hier fällt mir auf, dass bei den alten Decca-Gesamtaufnahmen, die noch "Made in West-Germany" sind, sehr dicke, umfangreiche Booklets beiliegen (in vier Sprachen). Begeistert hatte mich da vor allem das Booklet zur Carmen-Aufnahme unter Solti (Troyanos, Domingo, van Dam, te Kanawa) bei der neben einem Begleittext von Decca, auch eine sehr ausführliche Analyse Soltis beilag, in der der Maestro die verschiedenen Versionen der einzelnen Aufnahmen miteinander verglich und für jeden einzelnen Unterschied genau beschrieb, warum er welcher Fassung den Vorzug gab. Klasse! Bei einer neueren Serie von Decca ("Legendary Recordings - The Originals") liegen deutlich dünnere, nur noch zweisprachige Booklets bei. Noch dünner fallen die Booklets bei EMI aus: Erst hatte ich eine Aufnahme, bei der Begleittext, Inhaltsangabe und Libretto auf einer CD-ROM beilagen. Nicht nur, dass ich ein gedrucktes Heft angenehmer finde, es gab auch weniger Informationen. Als ich später eine Aufnahme aus der selben Serie erwarb, lagen auf der CD-ROM nur noch Inhaltsangabe und Libretto bei. Informationen zum Werk und Komponisten, geschweigedenn zur vorliegenden Interpretation - Fehlanzeige! Die nächste Gesamtaufnahme aus der Serie setzte dem ganzen die Krone auf: Statt der CD-ROM laß ich auf der Packung einen Link der zu Inhaltsangabe und Libretto führte. Dies bestätigte mir, dass die Plattenfirmen es sich immer einfacher machen, um Geld zu sparen. Oder sie denken, die heutigen Käufer interessieren tiefer gehende Informationen nicht mehr. Die älteren Ausgaben, für die man heute 60 Euro hinlegen muss, zeigen, dass es auch mal anders ging.

Gruß Amonasro
Severina (14.01.2013, 22:04):
Absolut zum Vergessen ist das Booklet der DG zu "Macbeth" von 1976 mit Abbado, Cappuccilli, Ghiaurov, Verrett..... OK, es enthält wenigstens ein Libretto, aber das restliche Blabla auf drei Seiten bringt niemanden weiter. Die Recherche zu meinem Macbeth-Beitrag für Rideamus' Verdiprojekt musste ich daher auch im Internet durchführen, obwohl ich mich lieber mit etwas Gedrucktem in der Hand auf die Couch kuschle.

lg Severina :hello

PS: Generell empfehlenswert sind die Booklets der "opera-rara"-Serie, aber diese Boxen sind auch sauteuer!
Hosenrolle1 (11.12.2014, 04:13):
Zitat von Amonasro:

Hier fällt mir auf, dass bei den alten Decca-Gesamtaufnahmen, die noch "Made in West-Germany" sind, sehr dicke, umfangreiche Booklets beiliegen (in vier Sprachen). Begeistert hatte mich da vor allem das Booklet zur Carmen-Aufnahme unter Solti (...) Bei einer neueren Serie von Decca ("Legendary Recordings - The Originals") liegen deutlich dünnere, nur noch zweisprachige Booklets bei.

Die Kritik, dass die Beihefte dünner werden kann ich voll und ganz nachvollziehen, aber ob ein Booklet nun in 4 Sprachen oder nur in 2 erhältlich ist wäre mir selber wiederum egal. Bei DECCA sind die vier Sprachen vermutlich Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch, zumindest kenne ich es so von älteren Vinylboxen. Da lese ich sowieso nur das Deutsche.


Noch dünner fallen die Booklets bei EMI aus: Erst hatte ich eine Aufnahme, bei der Begleittext, Inhaltsangabe und Libretto auf einer CD-ROM beilagen. Nicht nur, dass ich ein gedrucktes Heft angenehmer finde, es gab auch weniger Informationen. Als ich später eine Aufnahme aus der selben Serie erwarb, lagen auf der CD-ROM nur noch Inhaltsangabe und Libretto bei.


Stimmt, das halte ich für eine echte Sauerei - statt dass der Text einfach abgedruckt wird, erwarten die, dass man vor dem Anhören der CD erstmal seinen Computer aufdreht, die CD-Rom einlegt und die Datei öffnet. Umständlicher gehts nicht mehr!

Als ich mir die Karajan-Salome kaufen wollte, hatte ich die Wahl zwischen der wesentlich teureren älteren Box mit dickem Booklet:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51bGi0-Zl4L._SX450_.jpg

und der billigeren neuen, die mir auch optisch überhaupt nicht zusagt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/81MHB%2BtYJ3L._SX425_PJautoripBadge,BottomRight,4,-40_OU11__.jpg

Wegen dem Preis habe ich dann doch die billigere genommen, aber trotzdem - sehr ärgerlich!


LG,
Hosenrolle1
Amonasro (11.12.2014, 21:13):
Hallo Hosenrolle1,

du hast natürlich Recht: ob 4 oder 2 Sprachen macht keinen großen Unterschied, wenn der Inhalt stimmt! Aber trotzdem ist auch das eine Reduzierung bzw. Verschlechterung der Booklets.

Am wichtigsten ist mir eigentlich, dass bei Opern/Vokalmusik die Texte beiliegen (gegebenfalls in eine Sprache übersetzt, die ich halbwegs verstehe), insbesondere bei Werken, deren Texte im Internet nur schwer (wenn überhaupt) zu finden sind. Und es macht dann schon einen Unterschied, ob die Texte nur im Original und in Englisch oder auch in Deutsch beiliegen; letzteres ist für mich natürlich einfacher.

(Manche Libretti-Übersetzungen ins Deutsche sind allerdings vom Original weiter entfernt als die Englischen, die sich oft näher am ursprünglichen Wortlaut orientieren. Das ist mir bei manchen Booklets aufgefallen, bei denen ich verglichen habe und dann nur noch die Englische weitergelesen habe. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema).

Seltsam finde ich, dass bei manchen Aufnahmen auch Begleittexte in mehreren Sprachen beiliegen, diese aber unterschiedliche Texte sind mit oft ganz anderem Inhalt. Der Brite bekommt also andere Informationen als der Franzose oder Deutsche. Macht für mich keinen Sinn.

Immerhin gibt es bei neueren Auflagen älterer Aufnahmen (abgesehen davon, dass sie in der Regel günstiger zu haben sind) die Chance, dass die Tonqualität verbessert wurde. Das ist mir dann noch wichtiger als das Booklet. Dennoch ist der Qualitätsrückgang sehr ärgerlich.

Gruß Amonasro :hello

Oh! Jetzt habe ich bei der Überarbeitung das Gleiche zu den unterschiedlichen Texten geschrieben wie du, Entschuldigung.
Hosenrolle1 (11.12.2014, 21:20):
Ärgerlich finde ich auch folgendes: manchmal gibt es in Booklet in drei Sprachen, und dabei kommt es vor, dass alle drei Texte völlig unterschiedlich sind!

Da gibt es etwa in der dt. Version nur Text, in der englischen auf einmal einen anderen Text mit Notenbeispielen, und beispielsweise im französischen wieder ganz andere Dinge.


LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.12.2014, 07:45):
Einen eigenen Thread dafür zu eröffnen wäre vielleicht übertrieben, deswegen frage ich einmal hier: könnt ihr Booklets empfehlen, die eurer Meinung nach sehr gut bis exzellent gemacht sind? Völlig egal welche Musik, völlig egal ob es um Oper, Oratorium, Konzerte, Streichquartette, etc. geht.

Booklets, die sehr informativ sind, dabei aber nicht unnötig kompliziert geschrieben, die vielleicht sogar aufschlussreiche Interviews mit Dirigent/Interpreten enthalten, die sehr genau auf die Entstehungsgeschichte eingehen.

Ich möchte einmal mit dieser CD beginnen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/5125E5HtlPL._SX450_PJautoripBadge,BottomRight,4,-40_OU11__.jpg

Ein dickes Booklet, mit einem Interview mit Harnoncourt, das ich (wenn ich auch in manchen Dingen nicht seiner Meinung bin) sehr lesenswert fand, dazu ausführliche Infos zur Entstehung, Sängerportraits und natürlich dem Libretto.



LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (18.12.2014, 10:41):
Ja, da bleibe ich gleich mal bei Teldec und auch bei Harnoncourt:

Sehr gut gefällt mir das Booklet zu dieser GA:

Georg Friedrich Händel: Samson

Nebenbei bemerkt glaube ich, dass das sogar meine erste GA eines Händel-Werkes und vermutlich der Beginn meines Händelianertums war. Es war ein Geschenk zu Weihnachten 1994, wie eine Widmung, die ich gerade in dem Booklet (wieder-)entdeckt habe, verrät. Da könnte ich gleich heulen vor nostalgischen Gefühlen. Die Aufnahme war damals recht neu, denn sie stammt von 1992. So sieht die Frontseite aus:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51t6US32ldL.jpg

Das Gemälde Samson and Dalilah stammt von Anthonis van Dyck aus dem Jahr 1630 und hängt im Kunsthistorischen Museum Wien. Komplett sieht es so aus:

http://www.artble.com/imgs/5/0/6/520124/samson_and_delilah_1630.jpg

Auch im Booklet finden sich ziemlich viele Bilder historischer Stiche und Gemälde, u. a. zwei Händelportraits, die den Meister ohne diese schreckliche Perücke zeigen. Es gibt einen ausführlichen Text zum Werk, aber auch allgemein zu Händels englischsprachigen Oratorien, zur gewählten Fassung und natürlich die Synopsis sowie Künstlerbiografien und -fotos, eine Liste der Musiker des Concentus Musicus Wien samt Herkunft und Baujahr ihrer Instrumente und natürlich das Libretto, alles viersprachig. Auf der letzten Seite ist noch eine Art Zeittafel abgedruckt, die bedeutende Ereignisse in Poltik, Musik, bildender Kunst und Medizin des Entstehungsjahrs 1743 sowie der beiden vorangegangenen und nachfolgenden Jahre kurz darstellt.

Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass ich diese GA unzählige Male gehört habe und nach wie vor gerne höre; vor allem die Titelpartie finde ich mit Anthony Rolfe Johnson sehr gut besetzt. Ich war erstaunt, dass die Aufnahme in diversen Online-Rezensionen sehr gemischt wegkommt...

LG, Rk
Hosenrolle1 (18.12.2014, 11:03):
Ja, da bleibe ich gleich mal bei Teldec und auch bei Harnoncourt:

Ich glaube, Teldec hatte da ein paar wirklich tolle Boxen am Start, zumindest damals in den 90ern.



Nebenbei bemerkt glaube ich, dass das sogar meine erste GA eines Händel-Werkes und vermutlich der Beginn meines Händelianertums war. Es war ein Geschenk zu Weihnachten 1994, wie eine Widmung, die ich gerade in dem Booklet (wieder-)entdeckt habe, verrät. Da könnte ich gleich heulen vor nostalgischen Gefühlen.

Das glaube ich gerne :)


Auch im Booklet finden sich ziemlich viele Bilder historischer Stiche und Gemälde, u. a. zwei Händelportraits, die den Meister ohne diese schreckliche Perücke zeigen. Es gibt einen ausführlichen Text zum Werk, aber auch allgemein zu Händels englischsprachigen Oratorien, zur gewählten Fassung und natürlich die Synopsis sowie Künstlerbiografien und -fotos, eine Liste der Musiker des Concentus Musicus Wien samt Herkunft und Baujahr ihrer Instrumente und natürlich das Libretto, alles viersprachig. Auf der letzten Seite ist noch eine Art Zeittafel abgedruckt, die bedeutende Ereignisse in Poltik, Musik, bildender Kunst und Medizin des Entstehungsjahrs 1743 sowie der beiden vorangegangenen und nachfolgenden Jahre kurz darstellt.

Wow, das ist doch schon einiges! Hut ab! Apropos: Händel wurde auch mal ohne Perücke dargestellt? Muss ich gleich mal googeln, das würde mich nun auch interessieren. Schön auch, dass auf die Instrumente so eingegangen wird; ich kann mir gut vorstellen, dass man die Musik dann gleich anders hört, oder?

Weil du sagst „zur gewählten Fassung“: meinst du damit, dass da eine Begründung drinsteht, wieso DIESE Fassung gewählt wurde, und nicht eine andere?



Dann möchte ich gleich mit einer anderen Aufnahme anknüpfen, und zwar WIEDER eine Teldec-Box, auch von 1994.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51eH8EbW7oL._SX425_.jpg


Ich finde das Cover zwar grausam (besonders dieser Fake-Rasen im Vordergrund, wo man einfach ein grünes Tuch hingelegt hat und ein bisschen Gras drauf!), und auch die Interpretation äußerst bescheiden, aber das Booklet ist für mich ebenfalls herausragend, liefert es neben einer ausführlichen Entstehungsgeschichte der Oper auch viele Ausschnitte aus dem Briefwechsel zwischen Humperdinck und Cosima Wagner u.a.
Dabei beschränkt sich die Entstehungsgeschichte aber nicht auf kurze Fakten, sondern es werden viele Details genannt, die in vielen Booklets gar keine Erwähnung finden. In dieser Aufnahme (und LEIDER nur auf dieser) findet sich ja auch der „Dessauer Schluss“ der Oper; was es damit auf sich hat wird im Booklet ebenfalls geklärt.

Es ist doch schön, wenn man das Gefühl hat, dass die Macher der Box einem das Werk auch wirklich näherbringen wollen, statt einfach nur die Musik auf die Scheiben zu pressen und auf den Markt zu bringen.


PS: im Kunsthysterischen Museum war ich leider noch nie, immer nur im "Nachbarmuseum", das direkt danebensteht.


LG,
Hosenrolle1

EDIT: leider keinen Händel ohne Perücke gefunden.
Rotkäppchen (18.12.2014, 11:25):
EDIT: leider keinen Händel ohne Perücke gefunden.
Also, ganz oben ohne scheint es den Händel wirklich nicht zu geben. Wenn ohne Perücke, dann wenigstens mit Mütze. Auf dem Samson-Booklet ist hinten jedenfalls dieses Portrait zu finden:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f5/Portrait_of_George_Frederick_Handel_engraved_by_Charles_Turner_1821_(mezzotint)_-_Handel_Collection,_Foundling_Museum,_London.JPG

Und noch ein anderes, mit einer noch exaltierteren Mütze, das finde ich aber nicht auf die Schnelle.

Schön auch, dass auf die Instrumente so eingegangen wird; ich kann mir gut vorstellen, dass man die Musik dann gleich anders hört, oder?

Ja, auf jeden Fall. Ich war damals ganz verrückt auf HIP-Interpretationen.

Weil du sagst „zur gewählten Fassung“: meinst du damit, dass da eine Begründung drinsteht, wieso DIESE Fassung gewählt wurde, und nicht eine andere?

Nein, so richtig begründet wird es nicht. Es wird nur gesagt, dass Händel selbst je nach verfügbarer Sängerbesetzung immer wieder die Nummern neu zusammengestellt hat und man sich also für die vorliegende Aufnahme auch für eine der zahlreichen Möglichkeiten entscheiden musste...

Ich glaube, Teldec hatte da ein paar wirklich tolle Boxen am Start, zumindest damals in den 90ern.

Den Eindruck habe ich auch. Bei mir sind noch mindestens zwei weitere im Regal, die auch ziemlich gut sind, mehr dazu evtl. später.

LG, Rk
Amonasro (18.12.2014, 16:46):
Das einzige positive Beispiel, dass mir spontan einfällt, war das Booklet dieser Carmen-Aufnahme, die ich in einem älteren Beitrag schon erwähnt hatte:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61%2BRZzucqtL._SY300_.jpg

Ich erlaube mir, mich hier selbst zu zitieren:

Original von Amonasro
Begeistert hatte mich da vor allem das Booklet zur Carmen-Aufnahme unter Solti (Troyanos, Domingo, van Dam, te Kanawa) bei der neben einem Begleittext von Decca, auch eine sehr ausführliche Analyse Soltis beilag, in der der Maestro die verschiedenen Versionen der einzelnen Aufnahmen miteinander verglich und für jeden einzelnen Unterschied genau beschrieb, warum er welcher Fassung den Vorzug gab.

Allerdings ist es schon länger her, dass ich das Booklet zuletzt in der Hand hatte.

Gruß Amonasro :hello
ab (22.12.2014, 20:50):
In Anbetracht des heutigen Mainstreams, insbesondere Entdeckungen von Werken nachzuspüren, die keinen Eingang ist Repertoir gefunden haben, würde ich mir oft wünschen, dass im Booklet auch angegeben würden, aus welchem Notenmaterial gespielt wurde und ggf. wo es zu beziehen ist.

:hello
Peter Brixius (13.06.2015, 22:50):
Ist es Zufall oder liegt es am Dirigenten. Mein positives Beispiel eines Booklets ist

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DDX-S1rEL.jpg

Bedrich Smetana: Die verkaufte Braut

Um mal mit der Nachfrage von ab zu beginnen: In diesem Booklet findet man, welche Noten verwendet worden sind. Aber man findet über ein mehrsprachiges Libretto auch viel über Entstehung und Rezeptionsgeschichte. Ein Schwerpunkt ist auf die verwandte Übersetzung (Zündel) und ihren Autor gelegt. Wenn man so gut ausgestattet mit Informationen ist, nimmt man auch gerne alles wahr, was zu Interpreten und Produktion geschrieben wird. Dass dazu die Medienausstattung vom Feinsten ist (Audio-CDS, DVD mit einer kompletten Aufführung und einer Dokumentation der Probenarbeit. Ach ja, die Instrumentalisten sind auch alle verzweichnet.

Vielen Dank für diese Styriarte - Festival-Edition.

Liebe Grüße Peter
Amonasro (13.06.2015, 23:35):
Als eines der besten Booklets, die mir bisher untergekommen sind, möchte ich hier das des Frankfurter Palestrina-Mitschnitts nennen:

https://www.jpc.de/image/w600/front/0/4260034869301.jpg

Es enthält neben zwei Texten des Dramaturgen Malte Krasting, einen über das Werk allgemein und einen über Pfitzners Verwendung von Leitmotiven, eine Inhaltsangabe, das vollständige Libretto und kurze Biographien aller (!) Solisten. Das Ganze ist in zwei Sprachen (Deutsch und Englisch) verfasst und mit wirklich zahlreichen farbigen Bildern der Inszenierung und der Mitwirkenden ausgestattet. Ich muss allerdings dazu sagen, dass die meisten "Booklets" die ich besitze über eine Inhaltsangabe und eine Track-Liste nicht hinauskommen und meine Erwaltungshaltung dem entsprechend relativ gering ist.

Gruß Amonasro :hello
Hosenrolle1 (14.06.2015, 00:00):
Ja, die guten alten Liner notes sind im heutigen Internet-Zeitalter leider irgendwie verloren gegangen :(




LG,
Hosenrolle1
palestrina (15.06.2015, 18:45):
Hallo Hosenrolle 1, Liner notes kenne ich nur als Begriff von der früheren Schallplatte also die Informationen die darauf standen , aber das war ja auch nicht viel, vorausgesetzt es war kein Klappalbum oder eine ganze Oper . (meinst du das) ?
Aber wenn ich heute eine Neue GA einer Oper kaufe ist das Booklet schon ganz gut, na ja bei den meisten !
Ganz vorne in dieser Kategorie sind die Booklets von Opera Rara (allerdings nur in englisch) die haben mindestens 50 Seiten Information und das Libretto ! :down

LG palestrina
Hosenrolle1 (18.08.2015, 18:57):
Nach meiner momentanen Beschäftigung mit den vielen Fehlern in Schuberts D.810 fände ich es eigentlich interessant, wenn in Booklets erwähnt werden würde, nach welcher Partiturausgabe gespielt wurde. Zumindest bei neueren Einspielungen wäre das sicher machbar.



LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (18.08.2015, 19:14):
(Ob ich da antworten darf?)

Lieber hosenrolle1,

es wäre schön, einen Standard zu haben von Mindestangaben im Begleitmaterial. Dazu sollte (einverstanden!) die benutzte Notenausgabe gehören. Bei Mozarts "Requiem" fällt mir immer wieder auf, dass der Bearbeiter nicht genannt wird (nun gut, meist ist es Süßmayr). Weiter sollten genannt werden

- Aufnahmedatum und Aufnahmeort
- Dirigent
- Ensemble(mitglieder!) und Solisten
- Satzbezeichnungen.

Noch was?

Liebe Grüße Peter