Nr. 12 nach Finscher wird gelegentlich noch in ihrer Echtheit als Eigenschöpfung Haydns angezweifelt. Zudem könne der formal wiederum der italienischen Opern-Sinfonia ähnliche Bau auf einen ursprünglichen Verwendungszweck als Opern-oder Oratorienvorspiel hinweisen. Die langsame Einleitung will aber nicht so zu recht zu diesem Erklärungsversuch passen.
Im Ganzen betrachtet haben wir einen recht geschlossenen Werkcharakter vor uns.
Eingangs- (im Allegro-Teil) & Finalsatz beeindrucken durch freudig-festlichen Glanz, nachdem die (zunächst) leise Einleitung eine mystisch-verhangene Stimmung antäuscht.
Im delikat höfisch-steifen Menuet ereignet sich eine echte Premiere: das Trio wartet mit solistischen Hörnern & Oboen auf, während die Streicher pizzicato begleiten.
Bis auf Abschnitte im Allegro des ersten Satzes (c-moll, a-moll) wird die Grundtonart kaum einmal verlassen.
Helmut Wirth faßt sich vergleichsweise kurz mit seiner Werkbeschreibung im Beiheft zur Doráti-Einspielung: Ein kurioses Stück ist Nr. 25 C-dur, eine Symphonie, die weder in Haydns "Entwurf-Katalog" noch in seinem anderen Verzeichnis enthalten ist. Sie dürfte zwischen 1761 und 1764 entstanden sein. Sollte wirklich Haydn sie komponiert haben, dann hätte der Besuch des Genius nicht lange gedauert. Nicht, daß die Anlage des Stückes nicht originell sei: einer Adagio-Einleitung - sie ist freilich etwas steifleinen - folgt ein kurzatmiges Allegro molto ohne rechte Entwicklung. Aparten klanglichen Reiz hat das "Menuet", leichte Ansätze zu imitatorischer Arbeit zeigt das Finale - offenbar eine ohne große Anteilnahme geschaffene Gelegenheitskomposition.
In seinem Buch "Haydns Sinfonien" (München 2007, S. 24-25) reiht Michael Walter die Fünfundzwanzigste in die Morzin-Zeit ein & streicht formale Aspekte heraus: In der Sinfonie Nr. 25 versucht Haydn zum erstenmal einen Zusammenhang zwischen den beiden Ecksätzen - Allegro molto und Presto - herzustellen. Der Schlußsatz beginnt ebenso wie das Allegro molto mit einem Violinmotiv in halben Noten, das in Takt 9 erweitert auftritt. Die zweite Hauptperiode des ersten Satzes (Takt 86 ff.) setzt mit einem Imitationsmotiv in halben Noten in den Violinen ein - der Beginn ist in der zweiten Violine um zwei Takte und eine Oktave verschoben. Auch der zweite Teil des Presto fängt mit einer Imitation der beiden Violinen in halben Noten an (Takt 47 ff.), wobei die zweite Violine um einen Takt und eine Oktave verschoben ist: diesmal handelt es sich um eine Variante des Themas. Auch später sollte es für Haydn typisch sein, daß er einen Zusammenhang zwischen den Sätzen kaum über Motivähnlichkeiten im eigentlichen Sinne herstellte, sondern über ähnliche musikalische Ideen, die vor allem an exponierten Stellen des Formverlaufs erscheinen und den Hörern in einer nicht zu überhörenden Deutlichkeit präsentiert werden. Der noch im Anfangsstadium steckende Versuch, die Sinfonie nicht mehr als Reihung unterschiedlicher Sätze zu betrachten, deren Abfolge im wesentlichen durch das Kontrastprinzip geregelt wurde, sondern als Gattung mit satzübergreifendem Werkzusammenhang - zuminsdest soweit eine Verbindung zwischen den Rahmensätzen bestand -, rechtfertigte wohl die langsame Einleitung in der Nr. 25, nämlich als Einleitung zur Sinfonie insgesamt, nicht nur zum ersten Satz. Daß dieses Vorgehen noch nicht mehr als eine Idee war, erweist sich an der Unterscheidbarkeit des Sinns des einleitenden Fugatos der langsamen Einleitung, das einerseits einfach ein Relikt des Generalbaßzeitalters sein kann, andererseits aber auch strukturell bereits auf die Imitationen - die Fugato zu nennen ihnen zu großes satztechnisches Gewicht geben würde - des Beginnes der zweiten Hauptperiode von Allegro molto und Presto verweisen könnte.
Besetzung: zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Violinen, Bratsche, Cello, (Fagott) & Kontrabaß.
Sfantu (01.04.2020, 23:16): Meine Sammlung bietet bei diesem Werk nur eine Aufnahme:
Philharmonia Hungarica - Antal Doráti (LP, Decca, 1975)
Adagio - Allegro molto 5'25 Menuet 3'02 Presto 2'56
a'= 440 Hz
Beim Vergleichshören mit der Academy of Ancient Music & Christopher Hogwood (l'oiseau lyre /Decca) auf YT schneiden die Ruhrpott-Haydner besser ab, was Spannung & Musizierlaune angeht. Auch hat der Sound insgesamt mehr Schmelz, mehr Brillanz. Da Doráti, außer im Finale, nicht alle Wiederholungen spielen läßt, sind die Laufzeiten bei Hogwood in den ersten beiden Sätzen deutlich länger bei sehr ähnlicher Tempogestaltung.
Erneut ist bei Doráti ein Cembalo integriert. (Nicht nur) in diesem Fall ein Zugewinn an Farbe & Ambience!
Andréjo (02.04.2020, 18:38): Die Urheberschaft Haydns wird wohl mehrheitlich bejaht. Problematischer dürfte nach wie vor die Entstehungszeit sein. So ordnen Csampai/ Holland das Werk eher bereits in die Mitte der Sechziger Jahre, auf jeden Fall klar in die Esterhaza-Zeit ein. Es ist bei diesen Autoren in etwa tatsächlich auch die chronologisch 24. oder 25. Sinfonie und kommt dem eigentlich überholten Hoboken-Verzeichnis also nahe. Das Jahr 1761 scheint die Untergrenze zu sein.
Auch wenn es in den einzelnen Sätzen noch nicht weit her ist mit der Verarbeitung des thematischen Materials, so gefällt mir doch die langsame Einleitung, bis auf Weiteres ja ein Sonderfall, wie die Ganzheitlichkeit und vielfache Originalität der Komposition.
Die Einspielung im Rahmen der Integrale des Österreichisch-Ungarischen Haydn-Orchesters unter der Leitung von Adam Fischer ist wiederum eine relativ frühe Produktion und datiert von 1990. Ich bin mit dem ausgewogenen Klangbild zufrieden.
Danke an Sfantu für das genau richtige Maß an Details und Stellungnahme zu der Sinfonie.
:hello Wolfgang
Sfantu (06.04.2020, 13:00): Bester Andrejo,
merci für die Blumen! Den goldenen Schnitt zu treffen, gelingt beileibe nicht immer - wenn Du ihn hier aber konstatierst, freut mich das natürlich umso mehr. Ich gerate schnell eher in ein Zuviel denn in ein Zuwenig. Sicher ein Zuwenig bieten im Falle der frühen & mittleren Werke die einschlägigen Konzertführer. Wenn es aber um das beinahe taktweise Filetieren der Haydn-Sinfonien gehen soll, ist man ohnehin bei der deutschsprachigen Wiki besser aufgehoben. Daher glaube ich weiter an die Existenzberechtigung unseres kleinen großen Haydn-Projektes. & ich danke Dir für Deine treffenden Ergänzungen!
Liäbi Grüess us Bärn, Sfantu
Maurice inaktiv (06.04.2020, 23:06): Sie dürfte zwischen 1761 und 1764 entstanden sein. ich gebe dazu mal den Hinweis, dass die Sinfonie Nr. 24 1764 , und die Sinfonie Nr. 26 um 1765 entstanden sein soll (Angaben habe ich aus dem Buch "Joseph Haydn - Leben und Werk : Ein Konzertbuch" von Hansjürgen Schäfer).
Von der Sinfonie Nr.25 gibt es erstaunlicherweise ein paar mehr Einspielungen. So von Roy Goodman, Kurt Sanderling und Ruben Gazarian.
Auch hier habe ich die Goodman-Einspielung vorliegen.
Sfantu (14.04.2020, 10:16): ich gebe dazu mal den Hinweis, dass die Sinfonie Nr. 24 1764 , und die Sinfonie Nr. 26 um 1765 entstanden sein soll (Angaben habe ich aus dem Buch "Joseph Haydn - Leben und Werk : Ein Konzertbuch" von Hansjürgen Schäfer). Die Hoboken-Nummern haben sich seit den 1970ern etabliert & man behält sie für Konzerte & Aufnahmen bei um nicht für vollkommene Verwirrung zu sorgen. Mit der Chronologie der Entstehungszeiten haben sie dagegen nur wenig zu tun. Im Faden "Haydns Sinfonien" sind an wenigstens zwei Orten die heute einschlägigen Datierungsübersichten gepostet. Erst ab den Pariser Sinfonien herrscht weitgehende Übereinstimmung, sodaß man erst dann von Ordnungszahl = Hoboken-Nummer sprechen kann.
Will sagen: Hob.I Nr. 24, 25 & 26 sind nicht direkt Eine nach der Anderen geschrieben worden.
Maurice inaktiv (14.04.2020, 12:51): Will sagen: Hob.I Nr. 24, 25 & 26 sind nicht direkt Eine nach der Anderen geschrieben worden. Ich weiß, danke für den Hinweis. Bruckners frühe Sinfonien hätten auch anders datiert werden müssen. Das ist allerdings auch nicht so selten, da gerade bei den "Klassikern" später immer wieder verschollene Partituren oder Manuskripte aufgetaucht sind. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie oft es Kriege und damit verbundene Probleme gab.