Maurice inaktiv (17.06.2013, 14:45): Ich werde versuchen,hier ein wenig einzelne Komponisten aus dem Spanien vorzustellen.Denn es gibt durchaus Unterschiede zu der Musik Südamerikas zu der Musik,die direkt aus Spanien kommt.
Natürlich ist für Außenstehende da eventuell kein großer Untschied festzustellen,aber gerade in rhythmischer Hinsicht ist die Musik Südamerikas doch viel ausgeprägter und extremer als in Spanien selbst.
Man muss auch die Musik des spanischen Mittelalters stark von der Musik des späten 19.Jahrhunderts trennen,die ich hier vorstellen möchte.
Meine Beiträge unter "Ich höre gerade" einfach hier nur rein zu kopieren macht keinen Sinn.Man muss das Ganze systematisch von Vorne anfangen.
Es gibt aber grundsätzlich drei Namen,die sehr eng mit der Geschichte Spaniens verbunden sind : Enrique Granados,Manuel da Falla und Joaquin Rodrigo.
Granados war der Erste,der auch international bekannt wurde,indem er spanische Volksmusik mit der Schule der klassischen Musik verband.
Wir dürfen dabei Felipe Petrell nicht vergessen,den man als ersten Komponisten bezeichnen kann,der direkt die Volsmusik seiner Heimat zu Papier brachte.
Das zunächst einmal als Einführung.Das Ganze ist so umfangreich,dass ich hier zuerst einmal selbst nachlesen und dann erst wieder weiter fortführen kann.
BG,Maurice
Jeremias (17.06.2013, 15:18): Auch wenn der Komponist kein Spanier war, so muss er dringend hier genannt werden:
Ernesto Lecuona!
Er schrieb einen ganzen Fundus an Klaviermusik, Thomas Tirilo hat diese auf 5 CDs bei BIS eingespielt. Sein bekanntestes Stück ist wohl die Malaguena aus dem Zyklus "Andalucia", einer wunderbarne Suite aus sechs Einzelstücken.
Maurice inaktiv (17.06.2013, 22:30): ich habe tatsächlich einen frühen Vertreter der Pre-Granados-Ära vergessen,den ich nicht vergessen möchte.Sein Name ist Juan Cristóstomo De Arriaga (1806-1826).
Als frühreifer Violinist und Komponist wohlhabender Eltern ging er 1821 ans Pariser Konservatorium.Bereits 1824 wurde er Assistent seines Harmonie und Kontrapunkt-Lehrers Francois-Joseph Fétis am gleichen Institut.
Kurz vor seinem 20.Geburtstag starb er an Tuberkolose,geriet bald in Vergessenheit und erlebte erst Ende des 19.Jahrhunderts seine Wiederentdeckung.
Stilistisch bewegt sich Arriaga zwischen Haydn,Mozart und dem frühen Beethoven,aber auch von Schubert.Ob er tatsächlich Schubert kannte,ist aber nicht bekannt.
Seine wichtigsten Werke sind seine drei Streichquartette,seine eine Sinfonie (d-moll,1821-1826 geschrieben) und sein "Stabat Mater".
Paul Dombrecht hat sich auch den Vokal-Werken angenommen.Hier dürfte sich ebenfalls eine gelungene Interpretation anschließen.Ebenfalls auf Fuga Libera aufgenommen.
VG,Maurice
Florestan (18.06.2013, 08:59): Lieber Maurice
Zu den vorgestellten Komponisten solltest Du in jedem Fall noch Albéniz, Turina und Mompou gesellen, da sie bedeutende Beiträge zur spanischen Musik geliefert haben.
Florestan
Maurice inaktiv (18.06.2013, 13:48): Bitte habe Geduld!!Immer der Reihe nach.Ich weiß,keine Sorge....Doch dazu braucht es Zeit,die hatte ich gestern überhaupt nicht.
Das ist erst der Anfang.Turina werde ich mit Sicherheit erst nach den drei von mir genannten Albeniz,de Falla und Rodrigo bringen.Mompou ist weniger mein Fall,alsokannst Du das gerne für mich tun.
VG,Maurice
Florestan (18.06.2013, 15:00): o.K., mach ich dann die Tage
Maurice inaktiv (18.06.2013, 19:49): Danke!!!Nee,das ist doch nicht meine Baustelle.Aber vielen Dank auf jedem Fall!!!
:thanks
VG,Maurice
Maurice inaktiv (19.06.2013, 07:03): Zu Enrique Granados ein paar Eckdaten :
Geboren 1867 in Lérida,die ersten Jahre auf dem Kanarischen Inseln aufgewachsen,studierte er u.a.bei Joan Baptista Pujol.Die Teilnahme an einem Klavierwettbewerb brachte ihn in das Blickfeld des Begründers der neuen spanischen Musik,Felipe Pedrell.
Zunächst als Kaffeehaus-Pianist tätig,ermöglichte ein reicher Franzose ihm 1887 das Studium bei Charles de Bériot in Paris.
Seinen ersten großen Erfolg und auch die internationale Anerkennung brachten ihn seine "Spanischen Tänze-Danzas Espanolas",die ab 1889 nach und nach veröffentlicht wurden.
1903 gewann Granados mit dem "Allegro de concierto" den Wettbewerbspreis des Madrider Konservatoriums in direkter Konkurrenz zu Manuel de Falla.
Das eigentliche Meisterwerk wurden die "Goyescas" für Klavier,die 1911 uraufgeführt wurden.Später komponierte er über diese Werke noch eine Oper,die sein letztes großes Werk werden sollte.
Nicht unwichtig sind auch seine Lieder "Tonadillas escritas en estilo antiguo-Tonadillas,geschrieben im alten Stil").
Das ganze Klavierwerk kann man in der Lizenzaufnahme bei Brilliant Classics erwerben und auch in ordentlicher Qualität hören.
Hier mit dem Pianisten Thomas Rajna.
Hier sollten aber unsere Klavier-Leute besser Auskunft als ich geben können.
VG,Maurice
Maurice inaktiv (19.06.2013, 18:21): Nach Grandados kommt direkt Manuel dae Falla.Er wurde 1876 in Cadiz geboren und ist damit ein Zeitgenosse von Granados und dessen größter Rivale,was das Komponistendasein angeht.
Auch de Falla wurde von Felipe Pedrell unterrichtet,den ich bereits zuvor erwähnt hatte hier im Thread.Ab 1896 wurde in Madrid am dortigen Konservatorium José Tragó sein Lehrer am Klavier.
Die Oper "La vida breve-Das kurze Leben" wurde sein Durchbruch 1905.Er ging 1907 nach Paris,wo er im Unfeld von Debussy und Ravel zu finden war.
Bei Kriegsausbruch 1914 kehrte er nach Spanien zurück,und schrieb 1915 sein vielleicht berühmtestes Werk,"El amor brujo-Der Liebeszauber".
Bereits 1916 folgte "Noches en los jardines de Espana-Nächte in spanischen Gärten",eine dreisätzige Suite für Klavier und Orchester.Das Ballett "El sombrero de tres picos-Der Dreispitz" fand 1919 seine Uraufführung.
1919 ließ er sich in Granda nieder.Dort steht auch heute das de Falla-Museum,mit vielen Dokumenten über sein Werk und sein Leben.
1926 schrieb er sein "Konzert für Cembalo und fünf Solo-Instrumente",dann begann er noch ein Oratorium,was er aber nie vollendet wurde,da sich sein Gesundheitszustand zusehends verschlechterte und er nicht mehr regelmäßig komponieren konnte.
1936 brach der Bürgerkrieg los,den er nicht verarbeiten konnte,der Ausbruch des zweiten Weltkrieges war ein weiterer Schlag.Er wanderte nach Argentinien aus,wo er auch verstarb.Sein Leichnam wurde dann nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges nach Cadiz überführt,wo er in der dortigen Kathedrale seine letzte Ruhestätte fand.
Diese vier CDs geben auch noch einmal einen Überblick über das Orchesterschaffen de Fallas.
VG,Maurice
Maurice inaktiv (23.06.2013, 11:41): Kommen wir zu Joaquin Rodrigo.
Geboren 1901 in der Nähe von Valencia,erblindete in Alter von drei Jahren an den Folgen von Diphtherie.Seine Ausbildung erhielt er bis 1927 am Konservatorium von Valencia,um anschließend in Paris u.a. bei Paul Dukas sich zu vervollständigen.
Rodrigo ging gerne auf Reisen,was ihn dadurch nach Deutschland,Österreich,die Schweiz,England,Italien,Griechenland und nach Südamerika brachte.
Später unterrichtete er Musikgeschichte am Konservatorium von Madrid,arbeitete als Musikkritiker und war am Radio Leiter der Musikabteilung.
Am 30.Dezember 1991 wurde er von König Juan Carlos I. in den Adelsstand gehoben.Er bekam den Titel "Marqués de los Jardines de Aranjuez".
Rodrigo starb hochbetagt 1999 in Madrid im Alter von 98 Jahren.
Seinen Stil zu beschreiben heißt,sich eine Verbindung von Manuel de Falla,dem er in Paris begegnete,Paul Dukas,seinem Lehrer,spanischer Folklore,der Musik des späten Mittelalters alter spanischer Meister und leichten Dissonanzen.
Seine Musik steht klar in der Tonalität,seine Melodik gilt als sehr einprägsam,seine Orchesterierung ist klar und nicht auf zu große Ensembles ausgerichtet.Trotzdem sind seine Werke immer sehr farbig gewesen.
Seine besten Werke schrieb er in Form von "Concertos".Hier kennt man auch sein bekanntestes Werk,dass sogar den Weg in den Jazz durch Miles Davis und Gil Evans erfuhr : Das "Concerto de Aranjuez",was er 1939 im Original für Sologitarre und Orchester schrieb.Das Stück kann man durchaus als eines der bekanntesten Kompositionen der Musik des 20.Jarhunderts zählen.
Seine Konzerte schrieb er vor allem für Gitarre,aber auch für Harfe,Violine,Cello,Klavier oder Flöte.
Er schrieb vier "Symphonische Dichtungen",darunter "Zaranbanda lejana y villancio" (1926-1930),was auf Deutsch "Sarabande aus der Ferne" heißt.
Ein weiteres wunderbares Werk,was über Jahrzehnte fast vergessen ging,ist "Soleriana : Suite para orchquesta",ursprünglich 1953 bei den Festspielen in Granada uraufgeführt und erst 2001,zu Rodrigos 100.Geburtstag wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist.
Weitere Werke schreib er für Blasorchester,Klavier,Chor,Kammermusik für Streicher und natürlich immer wieder für Gitarre.
Rodrigo gilt als der bedeutenste Komponist Spaniens des 20.Jahrhunderts.
Hier findet man die zwei bekanntesten Werke in einer exquisiten Einspielung durch Sir Neville Marriner und dem wichtigen spanischen Gitarristen Pepe Romero.
Vg,Maurice
Maurice inaktiv (23.06.2013, 14:34): Bei Rodrigo habe ich eine wichtige Box vergessen zu erwähnen.Es handelt sich um DIESE tolle "Überraschungskiste",die man neben der Naxos-Serie bedingungslos empfehlen kann : http://ecx.images-amazon.com/images/I/41dJ2L%2BFeIL._SY450_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51INil22DPL._SX450_.jpg
Joquin Rodrigo : The Rodrigo Edition - Conciertos und Sinfonische Dichtungen - Conducted by Enrique Batiz EMI
Enrique Batiz gilt zurecht als bester Dirigent Mexikos.Sein Können wird auch in Europa geschätzt.So dirigierte u.a. das Royal Philharmonic Orchestra und das London Symphony Orchestra.Beide Orchester sind hier mit dem Orquesta Sonfónica del Estrado de Mexico auch an den Einspielungen beteiligt.
VG,Maurice
Maurice inaktiv (23.06.2013, 15:01): Jetzt möchte ich noch den Komponisten Joaquin Turina vostellen.
Turina wurde am 09.Dezember 1882 in Sevilla geboren.Schon früh erlernte er das Akkordeon,bevor dann das Klavier hinzu kam.Ab 1894 studierte er Harmonielehre und Kontrapunkt bei Evaristo Garcia Torres.Ab 1897 trat er als Pianist und Dirigent seiner eigenen Werke auf.
Ab 1902 studierte er in Madrid bei José Tragó,dort lerne er auch de Falla kennen.Von 1905 bis 1913 lebte er in Paris.Hier wurde Moritz Moszkowski,später Vincent D'Indy seine Lehrer.
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges kehrte er nach Spanien zurück und lebte in Madrid.Hier wurde er als Musikkritiker,Dirigent und Pianist tätig,bevor er Professor für Komposition in Madrid wurde.1939 Comisario General de Musica und gründete in dieser Funktion das Spanische Nationalorchester.
Turinas Werk umfasst 104 Opuszahlen,darunter viel Kammer-und Klaviermusik,aber auch Sinfonische Dichtungen,Opern und Schauspielmusiken.
Stilistisch bewegt er sich zwischen dem Impressionismus französischer Komponisten wie Ravel und Debussy,aber auch stark in der spanischen Folklore.
Wichtige Werke waren die "Sinfonia sevillana","Danzas fantásticas und die "Rapsoida Sinfonica,op.66" für Streichorchester und Klavier.
Hier kurz zwei CDs,die sein Werk überzeugend präsentieren :
Orquesta Sinfónica de Castilla y León / Max Bragado Darman
VG,Maurice
Maurice inaktiv (23.06.2013, 21:46): Ich werde auch einige Komponisten Spaniens vorstellen,die es noch zu "entdecken" gibt hier im deutschsprachigen Raum.
Den ersten Komponisten aus dieser Reihe ist Joaquim Serra.Er schreibt sich tatsächlich mit einem "m" am Ende seines Vornamens,es ist also kein Schreibfehler meinerseits.
Serra ist in Katalonien sehr bekannt,aber außerhalb seiner Heimat weitgehend unbekannt geblieben.Warum das so ist,vermag ich persönlich nicht zu sagen,da seine Werke doch sehr melodisch und wunderbar für das Ohr zu hören sind,dabei harmonisch reizvoll ,aber keineswegs atonal oder gar "schwierig" zu hören ist.
Seine meisterhafte Orchestrierungskunst,sein ausgeprägter Sinn für Klangfarben,dazu die typischen Rhythmen seiner Heimat,machen seine Musik auch heute noch absolut hörenswert.
Es gibt bis heute nur ganz wenige Einspielungen auf CD,die überhaupt Orchesterwerke von ihm einer Öffentlichkeit zugänglich machen.
Serra gehörte zu der Generation Spanier,die den Bürgerkrieg 1936-1939 in der Blütezeit ihres Lebens mitbekommen haben.Dazu die schlimmsten Jahre des Franco-Regimes.
Er schrieb zahlreiche Werke,darunter 52 Sardanas (das sind katalonische Volkstänze),Ballette und Tondichtungen.
Serra: Orchesterwerke,Vol.2 / Cond.: Jesus Ventura Picap
Zur Schreibweise noch ein paar Anmerkungen: Die spanische Sprache unterscheidet sich innerhalb des Landes noch einmal in das "hochspanische" kastillanische Spanisch und in das valencianische "Vallencano",was man,vereinfacht ausgedrückt,etwa zwischen "Hochdeutsch" und "Bayerisch",also schwer dialektisch,unterscheiden muss.
Ich bin kein Spezialist für die spanische Sprache,auch finden wir die Betonungen nicht alle hier auf unserer Tastatur,um die Sprache überhaupt hier richtig wiedergeben zu können.
Sollte meine Ausdrucksweise jetzt nicht so korrekt gewesen sein,kann man mich gerne berichtigen.Meine Spanisch-Kenntnisse sind nur indirekt vorhanden,aber es müsste so stimmen,da meine Eltern der Sprache recht gut mächtig sind,und es mir versucht haben,es so in Spanien zu vermitteln damals.
VG,Maurice
Maurice inaktiv (23.06.2013, 22:09): Zu den Quellenangaben,die ich jetzt völlig vergessen habe einige Hinweise :
Ich bevorzuge weitaus weniger gerne Wikipedia,da hier doch einige Dinge nicht so recht zu meiner Überzeugung geschrieben wurden.
Bei Rodrigo war es die deutsche Wikipedia-Seite,aber auch der Booklet-Text aus einer der Naxos-Produktionen.Hier zeichnete sich im Original Enrique Martinez Miura verantwortlich.Die Überseztung lieferte Peter Noelke.
Bei Turina war es ebenfalls Enrique Martinez Miura.Hier war Bernd Delfs der Übersetzer in die deutsche Sprache.
Bei Serra gibt es keine deutsche Wikipedia-Seite,hier war es ausschließlich der Text aus dem Naxos-Booklet der einzigen CD seiner Orchesterwerke.Hier war der Dirigent der Werke,Salvador Brotons der spanische Verfasser,die Übersetzung fertigte Tilo Kittel an.
Damit hier keine Unklarheiten entstehen,und unser armer Satie nicht ins Schwitzen kommt. :D