Jeremias (09.10.2006, 18:36): Kennt jemand von Euch Spielfilme, in welchen es über Musik geht? Mir fällt da z.B. "Clara Schumann's große Liebe" ein mit katherine Hepburn als Clara, die Musik wird von Arthur Rubinstein beigesteuert. Hepburn hat wochenlang täglich stundenlang Rubinstein's Bewegungen eingeübt...
cellodil (10.10.2006, 10:02): Spontan fällt mir ein:
- Der große Bagarozy (geht mehr am Rande um die Callas-Legende, als um Musik)
- Die rote Violine (fand ich eher langweilig)
- Der Pianist (ein großartiger Film)
- Furtwängler (habe ich nicht gesehen)
- Amadeus (immer noch sehenswert)
- Brassed off (ein ganz wunderbarer Film - allerdings über eine Brass-Band und Musik als Überlebenshilfe)
- Schlafes Bruder (Verfilmung des Romans von Robert Schneider)
- Ray (über Ray Charles, falls Dich so etwas auch interessiert)
Grüße
Cellodil
P.S. Und dann gibt's ja noch das Genre des sogenannten "Musikfilms" (in dem aus nicht näher nachvollziehbaren Gründen plötzlich Liedlein geträllert werden), worunter es auch durchaus gute Filme gibt, aber das hast Du wohl nicht gemeint, oder? Und dann gibt es noch Filme, in denen einzelne Musikstücke als Motiv eine besondere Bedeutung haben (klassisches Beispiel, wenn auch ohne "Klassik": Casablanca)
-Nosferatu (Die Version von Herzog, herrlicher Einsatz vom Rheingold-Vorspiel)
-Excalibur (Hier wurde geklotzt mit Wagner und Orff)
-Diva (Atmosphärisch dicht: "Ebben? Ne andrò lontana" aus La Wally)
Grüße Jürgen
Rachmaninov (10.10.2006, 16:20): Original von Jürgen Hallo Jeremias,
-Excalibur (Hier wurde geklotzt mit Wagner und Orff)
Ja,
passt aber auch unglaublich zu der Thematik ..... :)
Amadeus, auch wenn natürlich "überzogen", gefällt mir persönlich auch immer wieder gut.
Der Pianist hat mir auch sehr gut gefallen.
nikolaus (10.10.2006, 18:53): Gab es nicht auch mal einen Film über Beethoven mit Anna Gourari (3. Klavierkonzert)?
Gamaheh (22.10.2006, 22:41): Es gab mal einen hervorragenden deutschen Film über Beethoven mit dem voraussagbaren Titel "Beethoven"; der großartige Schauspieler Wolfgang Reichmann (wenn mich mein Namensgedächtnis nicht trügt, ich habe ihn in dreißig Jahren nur dreimal gesehen, aber alle sehr erinnerungswürdig, tolle Stimme) spielte die Titelrolle. Zu erwähnen auch "Diva", ein Film, den ich nie gesehen habe, über den ich aber sehr viel gehört habe.
Grüße, Gamaheh
cellodil (11.11.2006, 01:14): ... und - wie konnte ich den vergessen?????:
Wie im Himmel Ein ziemlich neuer, skandinavischer Film, der hier bis vor kurzem noch im Kino lief. Plot klingt zwar nicht fürchterlich originell (berühmter Dirigent kehrt bei Ausbruch einer Lebenskrise unerkannt in sein Heimatdorf zurück und übernimmt den dortigen Chor), ist aber stimmig und spannend entwickelt. Grandios erzählt, eine tolle Besetzung, starke, stimmige Bilder. War einer meiner Favoriten im letzten Jahr.
und außerdem ist mir noch eingefallen:
Schau mich an! (OT: Comme une image) Ein französicher Film über ein junges Mädchen, die Sängerin werden will. Schon etwas länger her, dass ich ihn gesehen habe, aber damals hat er mir recht gut gefallen
Grüße
Sabine
satie (13.11.2006, 11:42): Mir fällt noch ein:
- Farinelli, der Kastrat (ich fand den allerdings nicht so doll...)
- Dann in gleicher Machart noch ein Film über Lully, dessen Titel mir entfallen ist. Er kam mal vor kurzem auf Arte. Ist aber eher ein Kostümschinken
- Die siebte Saite (ich glaube so hiess er. Über Marin Marais, mit Gerard Depardieu).
Wenn ich schon bei Depardieu bin: Green Card! Da spielt er einen Komponisten und spielt in einer Szene zum Brüllen Klavier.
Dann gibt es doch noch den tollen Caruso-Film (Der große Caruso??) mit Mario Lanza als Caruso (Lanza war allerdings wesentlich zu hübsch für die Rolle). Ein ziemlich alter Streifen.
Nicht zu vergessen ist auch das Phänomen des Musik-Stummfilms! Das ist vollkommen absurd, aber es gab zum Beispiel Filme (Opern!!) mit Caruso. Im Kino spielte dann entweder ein Pianist Transkriptionen dazu oder die Filme wurden hundslausig nachsynchronisiert (so, dass man wenn der Chor zu sehen ist immer den Solisten hört und umgekehrt). Jedenfalls nichts rares, aber immerhin kurios.
Die Trilogie "Trois Couleurs" von Kieslowsky (sicher falsch geschrieben...) startete mit "Bleu" ebenfalls einen Film, in dem es um die Witwe eines großen Komponisten geht, die sich am Ende als die eigentliche Komponistin der Werke ihres Mannes entpuppt. Der Film ist von den Bildern her schön, leider ist die Musik dieses "größten Komponisten unserer Zeit" nur ein billiger Schostakowitsch-Abklatsch, was mich sehr verstörte, da ich so schon genug Mühe mit dem echten Schosti habe...
Dann gibt es noch einen Film über einen Pianisten im dritten Reich (nein, nicht Der Pianist, den hatten wir ja schon...), der dem Führer so gut gefällt und ganz nach oben kommt, um dann ganz tief abzustürzen. Leider weiss ich weder Titel noch Schauspieler, denn das war ein guter Film. Die Geschichte ist im Grunde dieselbe wie Mephisto mit Brandauer.
Eine wichtige Rolle spielt Musik auch immer bei Stanley Kubricks Filmen, etwa der Zarathustra von Strauss in 2001-Odysse im Weltraum (auch ganz toll dort der Walzer An der schönen blauen Donau). In Barry Lindon, einem barocken Drama der absoluten Meisterklasse ist es die ach so berühmte Händel-Sarabande, bei Clockwork Orange ist es Beethoven, der der Hauptfigur zum Verhängnis wird. Ein hervorragender Film.
Ebenfalls ein Regisseur, der viel Wert auf die Musik legt, ist Peter Greenaway, dessen Filme ich liebe, die aber schon Geschmackssache sind. Meistens hat Greenaway mit Michael Nyman zusammengearbeitet, dessen Musik ebenfalls Geschmackssache ist. Von ihm auch die Musik zu diesem musikalischen Film:
- Das Piano (mit einer selbst spielenden Holly Hunter und einem genialen Harvey Keitel). Die Mucke finde ich allerdings mühsam, und es scheint mir letztlich irgendwo ein Frauenfilm, was ich natürlich nicht so abwertend meine, wie es vielleicht scheinen mag. Aber die Geschichte gefiel in meinem Bekanntenkreis eher den Damen und nicht den Herren...
So, genug.
S A T I E
cellodil (13.11.2006, 13:41): Original von Satie - Farinelli, der Kastrat (ich fand den allerdings nicht so doll...)
Ist das eine Romanverfilmung von Margriet de Moors "Der Virtuose" ??? (übrigens ein hübsches und unterhaltsames Buch, wahrscheinlich aber auch für eher was für Frauen)
Original von Satie Dann gibt es noch einen Film über einen Pianisten im dritten Reich (nein, nicht Der Pianist, den hatten wir ja schon...), der dem Führer so gut gefällt und ganz nach oben kommt, um dann ganz tief abzustürzen. Leider weiss ich weder Titel noch Schauspieler, denn das war ein guter Film. Die Geschichte ist im Grunde dieselbe wie Mephisto mit Brandauer.
Habe versucht, den Titel herauszufinden. Allerdings ohne Erfolg.
Dabei bin ich aber über einen neueren Kino-Film gestolpert von Jutta Brückner: Hitlerkantate (2005), in dem es um eine junge Frau geht, die Komponistin werden möchte und fanatische Hitler-Anhängerin ist. Über den habe ich allerdings nur gelesen. Hier lief der gar nicht im Kino - zumindest habe ich es nicht mitbekommen.
Eingefallen ist mir dabei auch noch die Szene aus Schlöndorffs Blechtrommel-Verfilmung, in der Oskar den Aufmarsch/die Versammlung der Nazis durch Walzertakt-Getrommel sprengt.
Original von Satie Eine wichtige Rolle spielt Musik auch immer bei Stanley Kubricks Filmen, etwa der Zarathustra von Strauss in 2001-Odysse im Weltraum (auch ganz toll dort der Walzer An der schönen blauen Donau).
Dieses Motiv wird übrigens in Good-bye Lenin zitiert...
Original von Satie - Das Piano (mit einer selbst spielenden Holly Hunter und einem genialen Harvey Keitel). Die Mucke finde ich allerdings mühsam, und es scheint mir letztlich irgendwo ein Frauenfilm, was ich natürlich nicht so abwertend meine, wie es vielleicht scheinen mag. Aber die Geschichte gefiel in meinem Bekanntenkreis eher den Damen und nicht den Herren...
Den fand ich (wiewohl weiblich) auch eher zäh...
Grüße
Sabine
cellodil (13.11.2006, 14:07): ... und wird nicht auch in Das verflixte siebte Jahr (das ist der Film, in dem die Monroe im weißen Kleid über dem U-Bahn-Entlüftungsschacht steht) - zumindest in der Phantasie - Rachmaninov gespielt???
... und in Lady Killers gibt's doch (glaube ich jedenfalls) Boccherini....
Grüße
Sabine
nikolaus (14.11.2006, 10:30): Original von cellodil
Original von Satie - Das Piano (mit einer selbst spielenden Holly Hunter und einem genialen Harvey Keitel). Die Mucke finde ich allerdings mühsam, und es scheint mir letztlich irgendwo ein Frauenfilm, was ich natürlich nicht so abwertend meine, wie es vielleicht scheinen mag. Aber die Geschichte gefiel in meinem Bekanntenkreis eher den Damen und nicht den Herren...
Den fand ich (wiewohl weiblich) auch eher zäh...
Grüße
Sabine
Da sieht man es mal wieder: ich (Mann) fand den Film toll!!
Nikolaus. :hello
cellodil (14.11.2006, 17:39): Original von nikolaus Original von cellodil
Original von Satie - Das Piano (mit einer selbst spielenden Holly Hunter und einem genialen Harvey Keitel). Die Mucke finde ich allerdings mühsam, und es scheint mir letztlich irgendwo ein Frauenfilm, was ich natürlich nicht so abwertend meine, wie es vielleicht scheinen mag. Aber die Geschichte gefiel in meinem Bekanntenkreis eher den Damen und nicht den Herren...
Den fand ich (wiewohl weiblich) auch eher zäh...
Grüße
Sabine
Da sieht man es mal wieder: ich (Mann) fand den Film toll!!
Nikolaus. :hello
....verkehrte Welt!!! :rofl
Grinsige Grüße
Sabine
cellodil (03.01.2007, 22:54): Bin gerade beim Lesen der Vorankündigung für das Konzert mit Gidon Kremer im Sommer noch über einen Film gestolpert, den ich vermutlich mal gesehen habe, an den ich mich aber nicht mehr erinnern kann...
Frühlingssinfonie in dem Film geht es um Schumann und angeblich spielt Gidon Kremer nicht nur Geige, sondern auch leibhaftig mit...
... vielleicht habe ich den Film doch nicht gesehen. Werde mal sehen, ob ich ihn mir demnächst mal ausleihen kann.
Herzliche Grüße
Sabine
cellodil (29.03.2007, 16:12): Unter "Nicht verpassen" wollte ich das jetzt nicht unbedingt einreihen, aber hierher passt es eigentlich, weil kein Spielfilm, auch nicht so ganz...
Bin gerade über eine Vorankündigung gestolpert:
Ludwig van Beethoven Freitag, 06.04.2007, 19 Uhr 15 im ZDF
P.S. Der Erheiterungsfaktor scheint auch ansonsten bei der Besetzung in dieser Reihe eine gewisse Rolle gespielt zu haben (etwas off topic, ich weiß) Ben Becker ist Martin Luther, Rolf Hoppe Johann Wolfgang von Goethe, Matthias Habich Alexander von Humboldt, Uwe Ochsenknecht Ludwig van Beethoven, Dietmar Schönherr Sigmund Freud und Maximilian Schell Albert Einstein.
cellodil (19.04.2007, 21:36): Kam mir kürzlich mal wieder unter (allerdings nur als Titel):
Taking Sides - Der Fall Furtwängler Regie: István Szabo (2001) mit Harvey Keitel, Ulrich Tukur, Moritz Bleibtreu, Armin Rhode,...
Ich glaube, den hatten wir noch nicht erwähnt...
Grüße
Sabine
Rachmaninov (20.04.2007, 11:30): Original von cellodil Kam mir kürzlich mal wieder unter (allerdings nur als Titel):
Taking Sides - Der Fall Furtwängler Regie: István Szabo (2001) mit Harvey Keitel, Ulrich Tukur, Moritz Bleibtreu, Armin Rhode,...
Ich glaube, den hatten wir noch nicht erwähnt...
Grüße
Sabine
@Sabine,
und, kann Moritz Bleibtreu auch hier glänzen?
cellodil (20.04.2007, 21:29): @Rachmaninov
Wenn ich mich recht erinnere, dann wurde zumindest Ulrich Tukur in den Kritiken ziemlich gelobt (ich habe den Film, den ich weiter oben übrigens doch schon mal mit dem unvollständigen Titel erwähnt hatte, noch nicht gesehen, vielleicht werde ich ihn mir aber bei Gelegenheit mal anschauen und darüber berichten).
Grüße
Sabine
Rachmaninov (18.07.2007, 10:13): Am letzten Wochenende sah ich nochmals den Film "der Pianist".
Ein Film über Leid, Elend und die Kraft der Musik Grenzen zu überwinden. Dieser Film ist absolut sehenswert!
:times10
cellodil (19.07.2007, 23:00): Original von Rachmaninov Am letzten Wochenende sah ich nochmals den Film "der Pianist".
Ein Film über Leid, Elend und die Kraft der Musik Grenzen zu überwinden. Dieser Film ist absolut sehenswert!
:times10
... ja, der ist großartig. Und auch die Buchvorlage ist durchaus lesenswert....
Grüße
Sabine
Jeremias (09.10.2006, 18:36): Kennt jemand von Euch Spielfilme, in welchen es über Musik geht? Mir fällt da z.B. "Clara Schumann's große Liebe" ein mit katherine Hepburn als Clara, die Musik wird von Arthur Rubinstein beigesteuert. Hepburn hat wochenlang täglich stundenlang Rubinstein's Bewegungen eingeübt...
cellodil (10.10.2006, 10:02): Spontan fällt mir ein:
- Der große Bagarozy (geht mehr am Rande um die Callas-Legende, als um Musik)
- Die rote Violine (fand ich eher langweilig)
- Der Pianist (ein großartiger Film)
- Furtwängler (habe ich nicht gesehen)
- Amadeus (immer noch sehenswert)
- Brassed off (ein ganz wunderbarer Film - allerdings über eine Brass-Band und Musik als Überlebenshilfe)
- Schlafes Bruder (Verfilmung des Romans von Robert Schneider)
- Ray (über Ray Charles, falls Dich so etwas auch interessiert)
Grüße
Cellodil
P.S. Und dann gibt's ja noch das Genre des sogenannten "Musikfilms" (in dem aus nicht näher nachvollziehbaren Gründen plötzlich Liedlein geträllert werden), worunter es auch durchaus gute Filme gibt, aber das hast Du wohl nicht gemeint, oder? Und dann gibt es noch Filme, in denen einzelne Musikstücke als Motiv eine besondere Bedeutung haben (klassisches Beispiel, wenn auch ohne "Klassik": Casablanca)
-Nosferatu (Die Version von Herzog, herrlicher Einsatz vom Rheingold-Vorspiel)
-Excalibur (Hier wurde geklotzt mit Wagner und Orff)
-Diva (Atmosphärisch dicht: "Ebben? Ne andrò lontana" aus La Wally)
Grüße Jürgen
Rachmaninov (10.10.2006, 16:20): Original von Jürgen Hallo Jeremias,
-Excalibur (Hier wurde geklotzt mit Wagner und Orff)
Ja,
passt aber auch unglaublich zu der Thematik ..... :)
Amadeus, auch wenn natürlich "überzogen", gefällt mir persönlich auch immer wieder gut.
Der Pianist hat mir auch sehr gut gefallen.
nikolaus (10.10.2006, 18:53): Gab es nicht auch mal einen Film über Beethoven mit Anna Gourari (3. Klavierkonzert)?
Gamaheh (22.10.2006, 22:41): Es gab mal einen hervorragenden deutschen Film über Beethoven mit dem voraussagbaren Titel "Beethoven"; der großartige Schauspieler Wolfgang Reichmann (wenn mich mein Namensgedächtnis nicht trügt, ich habe ihn in dreißig Jahren nur dreimal gesehen, aber alle sehr erinnerungswürdig, tolle Stimme) spielte die Titelrolle. Zu erwähnen auch "Diva", ein Film, den ich nie gesehen habe, über den ich aber sehr viel gehört habe.
Grüße, Gamaheh
cellodil (11.11.2006, 01:14): ... und - wie konnte ich den vergessen?????:
Wie im Himmel Ein ziemlich neuer, skandinavischer Film, der hier bis vor kurzem noch im Kino lief. Plot klingt zwar nicht fürchterlich originell (berühmter Dirigent kehrt bei Ausbruch einer Lebenskrise unerkannt in sein Heimatdorf zurück und übernimmt den dortigen Chor), ist aber stimmig und spannend entwickelt. Grandios erzählt, eine tolle Besetzung, starke, stimmige Bilder. War einer meiner Favoriten im letzten Jahr.
und außerdem ist mir noch eingefallen:
Schau mich an! (OT: Comme une image) Ein französicher Film über ein junges Mädchen, die Sängerin werden will. Schon etwas länger her, dass ich ihn gesehen habe, aber damals hat er mir recht gut gefallen
Grüße
Sabine
satie (13.11.2006, 11:42): Mir fällt noch ein:
- Farinelli, der Kastrat (ich fand den allerdings nicht so doll...)
- Dann in gleicher Machart noch ein Film über Lully, dessen Titel mir entfallen ist. Er kam mal vor kurzem auf Arte. Ist aber eher ein Kostümschinken
- Die siebte Saite (ich glaube so hiess er. Über Marin Marais, mit Gerard Depardieu).
Wenn ich schon bei Depardieu bin: Green Card! Da spielt er einen Komponisten und spielt in einer Szene zum Brüllen Klavier.
Dann gibt es doch noch den tollen Caruso-Film (Der große Caruso??) mit Mario Lanza als Caruso (Lanza war allerdings wesentlich zu hübsch für die Rolle). Ein ziemlich alter Streifen.
Nicht zu vergessen ist auch das Phänomen des Musik-Stummfilms! Das ist vollkommen absurd, aber es gab zum Beispiel Filme (Opern!!) mit Caruso. Im Kino spielte dann entweder ein Pianist Transkriptionen dazu oder die Filme wurden hundslausig nachsynchronisiert (so, dass man wenn der Chor zu sehen ist immer den Solisten hört und umgekehrt). Jedenfalls nichts rares, aber immerhin kurios.
Die Trilogie "Trois Couleurs" von Kieslowsky (sicher falsch geschrieben...) startete mit "Bleu" ebenfalls einen Film, in dem es um die Witwe eines großen Komponisten geht, die sich am Ende als die eigentliche Komponistin der Werke ihres Mannes entpuppt. Der Film ist von den Bildern her schön, leider ist die Musik dieses "größten Komponisten unserer Zeit" nur ein billiger Schostakowitsch-Abklatsch, was mich sehr verstörte, da ich so schon genug Mühe mit dem echten Schosti habe...
Dann gibt es noch einen Film über einen Pianisten im dritten Reich (nein, nicht Der Pianist, den hatten wir ja schon...), der dem Führer so gut gefällt und ganz nach oben kommt, um dann ganz tief abzustürzen. Leider weiss ich weder Titel noch Schauspieler, denn das war ein guter Film. Die Geschichte ist im Grunde dieselbe wie Mephisto mit Brandauer.
Eine wichtige Rolle spielt Musik auch immer bei Stanley Kubricks Filmen, etwa der Zarathustra von Strauss in 2001-Odysse im Weltraum (auch ganz toll dort der Walzer An der schönen blauen Donau). In Barry Lindon, einem barocken Drama der absoluten Meisterklasse ist es die ach so berühmte Händel-Sarabande, bei Clockwork Orange ist es Beethoven, der der Hauptfigur zum Verhängnis wird. Ein hervorragender Film.
Ebenfalls ein Regisseur, der viel Wert auf die Musik legt, ist Peter Greenaway, dessen Filme ich liebe, die aber schon Geschmackssache sind. Meistens hat Greenaway mit Michael Nyman zusammengearbeitet, dessen Musik ebenfalls Geschmackssache ist. Von ihm auch die Musik zu diesem musikalischen Film:
- Das Piano (mit einer selbst spielenden Holly Hunter und einem genialen Harvey Keitel). Die Mucke finde ich allerdings mühsam, und es scheint mir letztlich irgendwo ein Frauenfilm, was ich natürlich nicht so abwertend meine, wie es vielleicht scheinen mag. Aber die Geschichte gefiel in meinem Bekanntenkreis eher den Damen und nicht den Herren...
So, genug.
S A T I E
cellodil (13.11.2006, 13:41): Original von Satie - Farinelli, der Kastrat (ich fand den allerdings nicht so doll...)
Ist das eine Romanverfilmung von Margriet de Moors "Der Virtuose" ??? (übrigens ein hübsches und unterhaltsames Buch, wahrscheinlich aber auch für eher was für Frauen)
Original von Satie Dann gibt es noch einen Film über einen Pianisten im dritten Reich (nein, nicht Der Pianist, den hatten wir ja schon...), der dem Führer so gut gefällt und ganz nach oben kommt, um dann ganz tief abzustürzen. Leider weiss ich weder Titel noch Schauspieler, denn das war ein guter Film. Die Geschichte ist im Grunde dieselbe wie Mephisto mit Brandauer.
Habe versucht, den Titel herauszufinden. Allerdings ohne Erfolg.
Dabei bin ich aber über einen neueren Kino-Film gestolpert von Jutta Brückner: Hitlerkantate (2005), in dem es um eine junge Frau geht, die Komponistin werden möchte und fanatische Hitler-Anhängerin ist. Über den habe ich allerdings nur gelesen. Hier lief der gar nicht im Kino - zumindest habe ich es nicht mitbekommen.
Eingefallen ist mir dabei auch noch die Szene aus Schlöndorffs Blechtrommel-Verfilmung, in der Oskar den Aufmarsch/die Versammlung der Nazis durch Walzertakt-Getrommel sprengt.
Original von Satie Eine wichtige Rolle spielt Musik auch immer bei Stanley Kubricks Filmen, etwa der Zarathustra von Strauss in 2001-Odysse im Weltraum (auch ganz toll dort der Walzer An der schönen blauen Donau).
Dieses Motiv wird übrigens in Good-bye Lenin zitiert...
Original von Satie - Das Piano (mit einer selbst spielenden Holly Hunter und einem genialen Harvey Keitel). Die Mucke finde ich allerdings mühsam, und es scheint mir letztlich irgendwo ein Frauenfilm, was ich natürlich nicht so abwertend meine, wie es vielleicht scheinen mag. Aber die Geschichte gefiel in meinem Bekanntenkreis eher den Damen und nicht den Herren...
Den fand ich (wiewohl weiblich) auch eher zäh...
Grüße
Sabine
cellodil (13.11.2006, 14:07): ... und wird nicht auch in Das verflixte siebte Jahr (das ist der Film, in dem die Monroe im weißen Kleid über dem U-Bahn-Entlüftungsschacht steht) - zumindest in der Phantasie - Rachmaninov gespielt???
... und in Lady Killers gibt's doch (glaube ich jedenfalls) Boccherini....
Grüße
Sabine
nikolaus (14.11.2006, 10:30): Original von cellodil
Original von Satie - Das Piano (mit einer selbst spielenden Holly Hunter und einem genialen Harvey Keitel). Die Mucke finde ich allerdings mühsam, und es scheint mir letztlich irgendwo ein Frauenfilm, was ich natürlich nicht so abwertend meine, wie es vielleicht scheinen mag. Aber die Geschichte gefiel in meinem Bekanntenkreis eher den Damen und nicht den Herren...
Den fand ich (wiewohl weiblich) auch eher zäh...
Grüße
Sabine
Da sieht man es mal wieder: ich (Mann) fand den Film toll!!
Nikolaus. :hello
cellodil (14.11.2006, 17:39): Original von nikolaus Original von cellodil
Original von Satie - Das Piano (mit einer selbst spielenden Holly Hunter und einem genialen Harvey Keitel). Die Mucke finde ich allerdings mühsam, und es scheint mir letztlich irgendwo ein Frauenfilm, was ich natürlich nicht so abwertend meine, wie es vielleicht scheinen mag. Aber die Geschichte gefiel in meinem Bekanntenkreis eher den Damen und nicht den Herren...
Den fand ich (wiewohl weiblich) auch eher zäh...
Grüße
Sabine
Da sieht man es mal wieder: ich (Mann) fand den Film toll!!
Nikolaus. :hello
....verkehrte Welt!!! :rofl
Grinsige Grüße
Sabine
cellodil (03.01.2007, 22:54): Bin gerade beim Lesen der Vorankündigung für das Konzert mit Gidon Kremer im Sommer noch über einen Film gestolpert, den ich vermutlich mal gesehen habe, an den ich mich aber nicht mehr erinnern kann...
Frühlingssinfonie in dem Film geht es um Schumann und angeblich spielt Gidon Kremer nicht nur Geige, sondern auch leibhaftig mit...
... vielleicht habe ich den Film doch nicht gesehen. Werde mal sehen, ob ich ihn mir demnächst mal ausleihen kann.
Herzliche Grüße
Sabine
cellodil (29.03.2007, 16:12): Unter "Nicht verpassen" wollte ich das jetzt nicht unbedingt einreihen, aber hierher passt es eigentlich, weil kein Spielfilm, auch nicht so ganz...
Bin gerade über eine Vorankündigung gestolpert:
Ludwig van Beethoven Freitag, 06.04.2007, 19 Uhr 15 im ZDF
P.S. Der Erheiterungsfaktor scheint auch ansonsten bei der Besetzung in dieser Reihe eine gewisse Rolle gespielt zu haben (etwas off topic, ich weiß) Ben Becker ist Martin Luther, Rolf Hoppe Johann Wolfgang von Goethe, Matthias Habich Alexander von Humboldt, Uwe Ochsenknecht Ludwig van Beethoven, Dietmar Schönherr Sigmund Freud und Maximilian Schell Albert Einstein.
cellodil (19.04.2007, 21:36): Kam mir kürzlich mal wieder unter (allerdings nur als Titel):
Taking Sides - Der Fall Furtwängler Regie: István Szabo (2001) mit Harvey Keitel, Ulrich Tukur, Moritz Bleibtreu, Armin Rhode,...
Ich glaube, den hatten wir noch nicht erwähnt...
Grüße
Sabine
Rachmaninov (20.04.2007, 11:30): Original von cellodil Kam mir kürzlich mal wieder unter (allerdings nur als Titel):
Taking Sides - Der Fall Furtwängler Regie: István Szabo (2001) mit Harvey Keitel, Ulrich Tukur, Moritz Bleibtreu, Armin Rhode,...
Ich glaube, den hatten wir noch nicht erwähnt...
Grüße
Sabine
@Sabine,
und, kann Moritz Bleibtreu auch hier glänzen?
cellodil (20.04.2007, 21:29): @Rachmaninov
Wenn ich mich recht erinnere, dann wurde zumindest Ulrich Tukur in den Kritiken ziemlich gelobt (ich habe den Film, den ich weiter oben übrigens doch schon mal mit dem unvollständigen Titel erwähnt hatte, noch nicht gesehen, vielleicht werde ich ihn mir aber bei Gelegenheit mal anschauen und darüber berichten).
Grüße
Sabine
Rachmaninov (18.07.2007, 10:13): Am letzten Wochenende sah ich nochmals den Film "der Pianist".
Ein Film über Leid, Elend und die Kraft der Musik Grenzen zu überwinden. Dieser Film ist absolut sehenswert!
:times10
cellodil (19.07.2007, 23:00): Original von Rachmaninov Am letzten Wochenende sah ich nochmals den Film "der Pianist".
Ein Film über Leid, Elend und die Kraft der Musik Grenzen zu überwinden. Dieser Film ist absolut sehenswert!
:times10
... ja, der ist großartig. Und auch die Buchvorlage ist durchaus lesenswert....
Grüße
Sabine
Heike (10.01.2009, 23:17): "Frühlingssinfonie" über Robert Schumann mit Grönemeyer und N. Kinski werden ja die meisten kennen.
Die "Fortsetzung" zu Schumanns letzten Jahren in Düsseldorf läuft ja jetzt im Kino: "Geliebte Clara". Bei allem Kitsch, den der Film zweifellos doch aufbietet, habe ich mich jedenfalls gut unterhalten. Ob man das ganze Elend wirklich auf die Leinwand bringen muss ist sicher fraglich, aber wahrscheinlich war die Realität noch erheblich schrecklicher und ekliger als gezeigt. Heike
Uhrwerker (11.01.2009, 09:34): Drei Kubrickfilme:
Barry Lyndon mit Musik von Händel, Bach, Vivaldi, Paisiello, Mozart und Schubert sowie traditionelle irische Musik der Gruppe The Chieftains.
2001 - Odyssee im Weltraum mit Musik von Ligeti, Strauss, Strauß und Chatschaturjan
Uhrwerk Orange mit Musik von Beethoven und Rossini
Beste Grüße Uhrwerker
Gamaheh (11.01.2009, 22:08): Original von HebreDie "Fortsetzung" zu Schumanns letzten Jahren in Düsseldorf läuft ja jetzt im Kino: "Geliebte Clara". Bei allem Kitsch, den der Film zweifellos doch aufbietet, habe ich mich jedenfalls gut unterhalten. Ob man das ganze Elend wirklich auf die Leinwand bringen muss ist sicher fraglich, aber wahrscheinlich war die Realität noch erheblich schrecklicher und ekliger als gezeigt.Heike
Liebe Heike,
wo lag denn für Dich der Unterhaltungswert bei diesem Film (in Anbetracht des "ganzen Elends")?
Ich glaube, ich werde mir diesen Film ersparen, nach dem, was ich darüber gehört habe und nach Lesen des so ziemlich heftigsten Verrisses von irgendwas, den ich je gelesen habe, in der PianoNews 06/08 (glaube ich).
Grüße, Gamaheh
cellodil (15.01.2009, 07:35): Original von Gamaheh Original von HebreDie "Fortsetzung" zu Schumanns letzten Jahren in Düsseldorf läuft ja jetzt im Kino: "Geliebte Clara". Bei allem Kitsch, den der Film zweifellos doch aufbietet, habe ich mich jedenfalls gut unterhalten. Ob man das ganze Elend wirklich auf die Leinwand bringen muss ist sicher fraglich, aber wahrscheinlich war die Realität noch erheblich schrecklicher und ekliger als gezeigt.Heike
Liebe Heike,
wo lag denn für Dich der Unterhaltungswert bei diesem Film (in Anbetracht des "ganzen Elends")?
Ich glaube, ich werde mir diesen Film ersparen, nach dem, was ich darüber gehört habe und nach Lesen des so ziemlich heftigsten Verrisses von irgendwas, den ich je gelesen habe, in der PianoNews 06/08 (glaube ich).
Grüße, Gamaheh
Ihr Lieben,
ich war mit mir am Ringen, ob ich mir den Film anschauen soll. Immerhin war die Besetzung ja ganz ordentlich... Habe dann aber, weil er hier nur zu unmöglichen Zeiten (am Sonntagvormittag) lief, doch darauf verzichtet. Werde ihn mir wahrscheinlich, wenn er auf DVD erschienen ist, mal ausleihen.
Liebe Grüße
Sabine
P.S. Filmkritik in PianoNews? Originell... Vielleicht gibt's demnächst auch Musikkritiken im EPD-Filmdienst oder im Blickpunkt Film...
Heike (15.01.2009, 07:52): Guten Morgen nach Lesen des so ziemlich heftigsten Verrisses von irgendwas, den ich je gelesen habe, in der PianoNews 06/08 Das finde ich nicht berechtigt. Der Film ist sicher kein Meisterwerk und es gibt etliches daran zu kritisieren, aber einen rundum-Verriss hat er nicht verdient.
Ich sagte bereits, ich habe mich gut unterhalten. Ich sehe sowieso gern Filme mit biografischem Inhalt. Es gab einige wirklich witzige Szenen und auch das Zeitbild incl. der Rolle der Frau in dieser Welt damals war im wesentlichen schlüssig dargestellt. Schumanns Biographie war nun mal so am Ende - ich sehe daran nichts verwerfliches, das auch in Bilder zu bringen (die meines Wissens im wesentlichen eine tatsachengerechte Geschichte erzählten). Nun, es handelt sich nicht um eine Dokumentation und deshalb erwarte ich auch keine 100%ige korrekte Faktenwidergabe - grundlegende Dinge waren nicht falsch. Berechtigt streiten kann man hier und da über die konkrete Umsetzung - das war schion manchmal verkitscht, aber wenn das ein Ausschlusskriterium für Unterhaltzung sein sollte, dann wäre die heutige Kinolandschaft ziemlich dünn. Ich mochte auch die vielen Musikszenen - auch wenn ich alles auf CD schon weit besser gehört habe. Aber es war eben Kino, und genau wie ich mir da mal einen Krimi ansehe und nach 3 Stunden wieder vergesen habe, so fand ich diesen Film eben auch unterhaltend. Nicht mehr und nicht weniger.
P.s. z.B. diese Filmkritiken treffen es meiner Meinung nach recht gut: http://www.kino.de/kinofilm/geliebte-clara/wertung/71020.html "....Musik, Liebe, Eifersucht und Dramatik ... " (und eben keine biographische oder gar musikwissenschaftliche Studie).
Gamaheh (16.01.2009, 01:35): Original von Hebre im wesentlichen eine tatsachengerechte Geschichte erzählten). Nun, es handelt sich nicht um eine Dokumentation und deshalb erwarte ich auch keine 100%ige korrekte Faktenwidergabe - grundlegende Dinge waren nicht falsch.
Es hängt vielleicht ein bißchen davon ab, wie man "im wesentlichen", "keine 100% korrekte Faktenwiedergabe" und "grundlegende Dinge" interpretiert.
Ich zitiere hier nur einige kurze Stellen aus dem erwähnten Artikel aus der PianoNews, der den Titel trägt "Erschreckende Einfalt", der hier als "extrem oberflächlich, schlecht recherchiert, miserabel ausgestattet usw." beschrieben wird:
"Die Geschichte beginnt im Jahre 1850 . In Hamburg trifft sie erstmals auf Johannes Brahms und folgt ihm in eine Hafenkaschemme, um sein Klavierspiel zu hören."
"Es hagelt Ungenauigkeiten, es schüttet falsche Dinge. Wo war nur ein musikalischer Berater, der sagte, man kann nicht einen alten (zudem immens kurzen) Flügel auf die Bühne stellen und einen Steinway-Klang auf die Tonspur bringen. Und hat man der Filmcrew nicht gesagt, daß es Sinn macht, Clara Schumanns Spiel am Flügel durch ein Handdouble besser darstellen zu lassen?" Im Radio hieß es, Martina Gedeck hätte extra zwei Monate Klavierunterricht genommen, um das Spiel Claras darzustellen; wenn zwei Monate reichen, um die Finger realistisch zu bewegen, nehme ich sofort Klavierunterricht! Nicht einmal die Anzahl der Schumannschen Kinder stimmt, und dafür braucht man nun wirklich nicht vertieft zu recherchieren.
"Im Film ist Schumann ein drogenabhängiger Trinker, der dennoch Klavier spielen kann, obwohl er den gesamten Film über mit einer steifen linken Hand daherkommt." Das Motto "Frei, aber einsam" (wie in der FAE-Sonate) wird zitiert als "Einsam, aber frei". Usw. usw. ...
Fazit: Auch ein relativ kleines Budget und eine relativ begrenzte Drehzeit sind keine Entschuldigung "für den schludrigen Umgang mit den Charakteren das schlechte Drehbuch, das nicht eine Sekunde imstande ist, die Charaktere zu zeichnen oder zeitliche Zusammenhänge zu schildern."
Das reicht eigentlich. Und sollte zugleich erklären, warum in einer Zeitschrift für Klaviermusik ein Film besprochen wird. Ich würde es auch nicht für völlig abwegig halten, wenn in einer Kinozeitschrift über Filmmusik geschrieben würde.
Ich habe ein wenig den Eindruck, daß dieser Film historisch so faktentreu sein könnte wie die Show in dem Film „The Producers“ von Mel Brooks (der mit dem Ohrwurm „Springtime for Hitler“). Vielleicht muß ich ihn mir ja jetzt doch ansehen...
Sanfte Träume, Gamaheh
cellodil (16.01.2009, 06:33): Original von Gamaheh Im Radio hieß es, Martina Gedeck hätte extra zwei Monate Klavierunterricht genommen, um das Spiel Claras darzustellen; wenn zwei Monate reichen, um die Finger realistisch zu bewegen, nehme ich sofort Klavierunterricht!
:beer :D
Original von Gamaheh Das reicht eigentlich. Und sollte zugleich erklären, warum in einer Zeitschrift für Klaviermusik ein Film besprochen wird. Ich würde es auch nicht für völlig abwegig halten, wenn in einer Kinozeitschrift über Filmmusik geschrieben würde.
Liebe Gamaheh,
selbstverständlich wäre das nicht abwegig, aber die Bewertungs-Kriterien sind doch andere...
Herzliche Grüße
Sabine
cellodil (16.01.2009, 06:45): P.S.
Ich finde übrigens, dass das bei sogenannten "Biopics" grundsätzlich immer ein Problem ist, die Abwägung zwischen historischen Fakten und den Notwendigkeiten filmischen Erzählens. In aller Regel bleibt entweder der eine oder der andere Aspekt auf der Strecke. Deshalb gibt es auch kaum Filme dieses Genres, die mich wirklich überzeugen.
Heike (16.01.2009, 09:05): Also Gamaheh, ich seh keinen Grund, hier den Film weiter verteidigen, ich sagte bereits, dass es einige berechtigte Kritik gibt (wozu meiner Meinung nach die von dir zitierten Dinge meinerseits nicht mal an erster Stelle genannt werden würden - es ist ein SPIELFILM, keine Doku).
Ich sagte aber auch, dass ich einen Rundum-Verriss nicht angemessen finde. Ich finde, ehe wir zwei hier weiterdiskutieren, solltest du dir selbst den Film ansehen - aber ich fürchte, dein Negativurteil steht schon fest, da du sehr voreingenommen hingehn würdest.
Und, was Kritiken allgemein angeht: ich bin öfter mal mit Filmkritikern nicht einer Meinung. Wie gerade letzte Woche: Das im allgemeinen sehr gelobte "Australia" fand ich sterbenslangweilig und so dumm verkitscht, dass ich Mühe hatte, bis zum Ende zu bleiben X( Also, lassen wir das einfach so stehen - bei "Geliebte Clara" jedenfalls habe mich gut unterhalten. Heike
satie (17.01.2009, 09:43): Meine Lieben,
dieses Problem haben wir interessanterweise wohl erst seit "Amadeus", den ich mir damals trotz der praktisch völligen Vernachlässigung der Fakten zweimal im Kino angeschaut hatte. Na gut, heute würde ich ihn nur noch einmal anschauen, ich war jung, mein Gott...
Doch zum Punkt: bei Amadeus hatte ein großer Regisseur mit tollen Schauspielern eine schöne Verfilmung eines Theaterstücks hingelegt. Also vom rein filmischen her kann an daran nicht so viel bemängeln. Richtig: wäre es eine Doku, müsste man sie teeren und federn.
Das Grundproblem bleibt immer dasselbe: wer nicht um die Fehler weiß, der hat danach für immer und ewig das Bild des furzenden und rülpsenden Mozart vor sich, sowie den verkniffenen, ständig ans Bein gepinkelten Salieri. Und natürlich wird man (warum denn auch?) nicht bezweifeln, dass Salieri das Requiem in Auftrag gab und es sich sogar vom sterbenden Mozart noch in die Feder diktieren ließ.
Hier sehe ich endlich eine absolut sinnvolle Aufgabe für die Filmkritik, nämlich Film und Fakten einmal vollkommen getrennt zu beurteilen. Ob der Filmkritiker selber über das nötige Wissen verfügt, ist allerdings fraglich. Insofern wäre bei Musikfilmen wie diesem tatsächlich die Besprechung in Musikzeitschriften die ideale Lösung (zur Beurteilung der Fakten, während andere den Film als solchen bewerten müssen).
Ich gebe euch allen dreien Recht: ja, man kann den Film (den ich noch nicht gesehen habe) als solchen einfach genießen und auf die Fakten erstmals pfeifen (nennt mir bitte einen einzigen objektiven Spielfilm, der eine Künstlerbiographie zum Gegenstand hat. Ich kenne keinen.). Ja, man muss sich der Gefahr bewusst sein, dass der unbedarfte Zuschauer dadurch für immer und ewig ein Zerrbild der dargestellten Personen im Kopf hat. Darüber darf man sich zu Recht aufregen. Ja, die Bewertungskriterien sind bei Film und Musik vollkommen andere, und es sitzen logischerweise einmal musikalisch gebildete in der Redaktion und einmal solche, die über cineastisches Wissen verfügen. Dass dabei jeweils allem das eigene Fach besser beurteilt werden kann, ist logisch. Es kann aber auch Sinn machen, bei solchen Filmen von beiden Seiten her zu beurteilen.
Herzlich, S A T I E
AllegroAssai (17.01.2009, 10:53): Shine, über den Pianisten David Helfgott. Mit viel Rachmaninoff.
cellodil (17.01.2009, 11:03): Original von Satie dieses Problem haben wir interessanterweise wohl erst seit "Amadeus", den ich mir damals trotz der praktisch völligen Vernachlässigung der Fakten zweimal im Kino angeschaut hatte. Na gut, heute würde ich ihn nur noch einmal anschauen, ich war jung, mein Gott...
Doch zum Punkt: bei Amadeus hatte ein großer Regisseur mit tollen Schauspielern eine schöne Verfilmung eines Theaterstücks hingelegt. Also vom rein filmischen her kann an daran nicht so viel bemängeln. Richtig: wäre es eine Doku, müsste man sie teeren und federn.
Lieber Satie,
"Amadeus" würde ich noch einmal als Sonderfall einstufen, weil er, obwohl er mit den historischen Fakten sehr - naja... - frei umgeht, trotzdem nicht nur ein wunderbarer und gut erzählter Film ist, sondern auch einen "wahrhaftigen Kern" hat. Ich meine damit, dass der Film, obwohl er sich einen Sch*** um die Geschichte schert, trotzdem etwas trifft und abbildet und seinem Sujet trotz allem gerecht wird. Ich denke, dass der Film schon dazu beigetragen hat, das Wolferl auch für ein Massenpublikum von seinem Säulenheiligen-Sockel, dem man sich nur mit Ehrfurcht nähern durfte, zu holen und zum Menschen, zu einer Persönlichkeit werden zu lassen.
So etwas ist aber äußerst selten.
Original von Satie Hier sehe ich endlich eine absolut sinnvolle Aufgabe für die Filmkritik, nämlich Film und Fakten einmal vollkommen getrennt zu beurteilen. Ob der Filmkritiker selber über das nötige Wissen verfügt, ist allerdings fraglich.
Es wäre sein Job, sich das in so einem Fall zu verschaffen. Denn die historische Authentizität ist nur ein Aspekt, dessen Relevanz für die Bewertung von Fall zu Fall (darauf wollte ich bei dem, was ich über "Amadeus" geschrieben hatte, auch raus) definiert werden müsste.
Original von Satie Ja, die Bewertungskriterien sind bei Film und Musik vollkommen andere (...) Es kann aber auch Sinn machen, bei solchen Filmen von beiden Seiten her zu beurteilen.
... auf jeden Fall. Beides ist legitim und auch notwendig und sollte durchaus auch gegeneinander abgewogen werden.
Liebe Grüße
Sabine
Heike (13.01.2010, 20:29): Der Solist Die wahre Geschichte des schizophrenen Cellisten Nathaniel Ayers - Kino, 2009.
Gute Unterhaltung, aber kein Film, der mich bewegt hat. Nathaniel (Jamie Foxx) ist wirklich ein faszinierender Vogel und auch seine irre Paranoia ist gut und treffend erfasst und toll gespielt. Auch gibt es einige wunderbare Kameraeinstellungen: so hat man selten eine City von oben gesehen :-) Andererseits enthält der Film mir grauslig unerträgliche Betroffenheitssequenzen aus dem Obdachlosenmilieu, wo man Elend schulmeisterlich vorführt und plump an das Gutmenschentum apellieren will.
Alles in allem nicht langweilig, aber kein großes Kino. Gute Schauspieler, gute Kamera, schlechte Regie. Heike
Fairy Queen (14.01.2010, 06:43): Aus dem Schumann Thread ging die Diskussion über Helma Sanders Brahms Film hervor, die ich nochmal aufgreife, da ich mcih serh intensiv mit dem Liedschaffen der Schumanns befasst habe und den Film gesehen habe. Er hat ja zumTeil miserable Kritken bekommen, aber ich denke trotzdem , man sollte ihn selbst gesehen habe, bevor man sich ein vernichtendes Urteil bildet. Ganz so vernichtungswürdig fand ich ihn- genau wie Hebre- nämlich auch nicht und interessant allemal.
Im Film wird Clara von Martina Gedeck gespielt und deren schauspielerische und identfikatorische Leistung kann ich nur in höchsten Tönen loben.
Sanders- Brahms hat einen Film über eine fast übermenschlich starke Frauenfigur gemacht.
Robert Schumann wird in diesem Film als gutwilliger und sympathischer aber schwacher Mensch, und als genialer aber lebensuntüchtiger Künstler gezeigt. Er erscheint in jedeweder Hinsciht abhängig von seiner Frau.
Er ist weder der Lage, sein Leben zu organisieren noch seinen Beurf auszuüben: Clara selbst muss gegen vehementen anfänglichen Widerstand die Orchesterproben zur "Rheinischen Symphonie" in Düsseldorf dirigieren und auch bei deren Uraufführung ist Robert nur Staffage , während die übermächtige Clara den Laden schmeisst.
Daneben tritt sie als Klaviervirtuosin auf, steht dem Haushalt vor, kümmert sich rührend um ihre Kinderschar, ist dem von Alkohol und Laudamum Abhängigen eine zärtlcihe und hingebungsvolle Geliebte, ist ab Mitte des Films wieder einmal mehr schwanger und zieht bei alledem noch die überschwängliche Liebe des jungen Schumann-Protegés Brahms auf sich.
Wer nun meint das alles könnte ein bisschen arg grob gezeichnet sein, um nciht zu sagen masslos übertrieben und haarscharf an der Realität vorbei, liegt nciht so ganz daneben......
Brahms wird im Film als blutjunges, im fragwürdigen Hamburger Hafenviertel in Seemansskneipen Klavier spielendes und vielversprechendes Musiker-Genie gezeigt. Sein ausgeprägter Sinn für Akrobatik und Clownerien, seine impulsive Spontaneität und seine grosse Kinderliebe waren mir bisher nciht bekannt- aber dazu können die Brahms-Spezies sicher etwas sagen.
Er verliebt sich auf den ersten Blick in das Super-Weib Clara und gewinnt gleichzeitig Achtung , Bewunderung und tiefe Freundschaft ihres Mannes Robert, der ihn sogar als seinen Nachfolger bezeichnet und in sein Haus aufnimmt.
Dort wird er schnell unentbehrlich und kümmert sich hingebungsvoll um die Schumann-Kinder, die ihn bald abgöttisch lieben
Die Beziehung zwschen Clara und Brahms hat von Beginn an erotische Untertöne, bleibt aber in den Grenzen des eben noch nach aussen Vertretbaren- Clara und Brahms fühlen sich Robert Schumann tief verbunden und verpflichtet und schrecken vor einem definitiven "Verrat" zurück.
Zwischen leidenschaftlicher Liebe und Moral zerrrissen, verlässt Brahms schliesslich das Haus der Schumanns, in das er nach eindringlichem Appell wiederkehrt, als Robert Schumann nach seinem Sprung in den Rhein und diversen "Ausfällen" in die Nervenheilanstalt Endenich eingeliefert wird.
Es ist Brahms der Clara dazu bringt, Robert vor seinem Tod noch einmal zu besuchen (sie kann den Verfall des geliebten Ehemanns nciht ertragen- einzige Schwäche die die Regisseurin ihr zugesteht!) und der die Familie aus drohendem Elend rettet.
Das Ende bleibt offen. Man sieht eine Liebesszene zwischen Clara und Brahms , kurz nach Roberts Tod und im Ehebett der Schumanns.
Brahms schwört völlïg ausser sich über diese selige Vereinigung ewige Liebe und dass er Clara nach ihrem Tode wie Orpheus der Euridice in die Unterwelt folgen werde. ( genauso geschehen, suggeriert der Film im Abspann, Brahms starb wenige Monate nach Clara)
Clara lâsst sich lieben,wobei der Film in eroticis sehr vorsichtig ,angesichts nicht erwiesener Fakten, bleibt , ist aber sichtlich in einem emotional zerrissenen Durchgangs- Zustand.
Kurz darauf, am Ende des Fims, sieht man sie wieder als energische und über-starke Frau, wie sie Brahms 1. Klavierkonzert spielt und dabei, wie auch Brahms, der unter den Zuhörern ist, von starken Emotionen sicht- und hörbar umgetrieben wird. Im Abspann liest man: Clara und Johannes bleiben bis zu Claras Tod verbunden. er folgt ihr, wie versprochen, wenige Monate später in die andere Welt.
Leider ist die frz. Synchronisation die reine Katastrophe gewesenund für mich als Deutsche eine regelrechte Zumutung.
(und zudem eine Seltenheit, denn normalerweise laufen hier alle Filme im Original mit Untetiteln, was ich natürlich auch in diesem Fall erwartet hatte)
Nicht nur werden die Namen einfranzösisiert sondern Brahms singt sein berühmtes Wiegenleid für die Schumann -Kinder mit einem so schrecklichen Akzent (in deutsch) dass mir die Haare zu Berge standen!
Das ist aber nur eine Marginalie angesichts der Grundsatz-Kritik:
Der Film verschenkt m.E. die Möglichkeiten einer beispiellos reichen Geschcihte, einem Emblem deutscher (Musik-)Romantik schlechthin, indem er psychologische Feinzeichnung einer Ideologie opfert.
Hier wird mit aller Brachialgewalt eine Frau verherrlicht und zur Übermenschin gemacht, die sicher Herausragendes geleistet hat, aber der weniger Idealisierung mehr Glaubwûrdigkeit verliehen hätte.
Die Darstellung des Ehemanns an ihrer Seite, wirkt dabei manchmal so peinlich für Robert Schumann, dass Schumann Fans diesen Film nicht ohne Weiteres goutieren können. Wahrschienlich rührt die serh harte Kritik nciht zuletzt daher!
Wie er im Weinkeller im Drogenentzug durchdreht und seine Frau brutal schlägt, weil sie ihm das Weitertrinken verbieten will, wie er vor dem Orchester stammelnd versagt und flieht und seine Frau das Dirigat- erfolgreich versteht sich- übernimmt, wie abhängig er in allen Dingen des Lebens von ihr ist- man fragt sich ernsthaft, warum diese Frau einen solchen Mann überhaupt geliebt und geheiratet hat und weiter mit ihm wie ein Täubchen turtelt ?(
Was die Behandlung historischer Fakten angeht, kann ich mir kein stichhaltiges Urteil erlauben, da ich keinen Zugang zu den Original-Quellen habe.
Ich bedaure es allerdings nicht, diesen Film gesehen zu haben. Es wûrde sich allein um der Musik willen und um Martina Gedecks Leistung willen gelohnt haben.
Ich finde aber auch einen solchen Denkansatz als Diskussions- Entwurf und GEGEN-Entwurf zum negativen Clara Bild einer Eva Weissweiler interessant und bedenkenswert.
Euphonia
etrawgew (29.01.2010, 09:32): Hallo liebe User(innen), ich habe mit diesem Beitrag meine Posting-Premiere hier im Forum!
Zum obigen Thema erinnere ich mich an den Film "Eroica", in der Hauptrolle, Ewald Balser als Beethoven. Ein Film, (muss so in den 60-ger Jahren gelaufen sein) der mich durch das großartige schauspielerische Können Ewald Balsers sehr tief berührt hat. :down Dadurch fand ich dann auch einen guten Zugang zu Beethovens Sinfonien. Vergeblich hoffte ich in den Jahrzehnten darauf, dass dieser Film auch einmal im TV gezeigt würde. Sollte es so gewesen sein, dann habe ich es zu meinem großen Bedauern nicht gewußt. :I
Ein zweiter Spielfilm mit Musik, der mich sehr stark beeindruckt hat, ist "Schlafes Bruder" von Robert Schneider! :down Als ich damals den Bericht über die Ankündigung des Films las, besorgte ich mir zunächst einmal das Buch. Und das war auch gut so, denn das Drehbuch weicht z. T. deutlich vom Buch ab, so z. B. beim Alter der Protagonisten. Sowohl Buch als auch Film sind gleichermaßen fesselnd! Dennoch war der Film mit André Eisermann und Dana Vavrova in den Hauptrollen - Regisseur, Joseph Vilsmaier - wahnsinnig gut!!! Vor allem war es André Eisermann in der Rolle des Elias Alders als ein Naturtalent im Orgelspiel. Später habe ich mir sogar das Video gekauft und hin und wieder auch schon angeschaut.
Mit lieben Grüßen, Etrawgew. :hello
Gamaheh (30.01.2010, 01:02): Liebe Forenser,
beim Operetten-Faden fiel mir gerade ein, daß es nicht nur Spielfilme mit (eigentlich alle) oder über (u.a. die genannten) Musik gibt, sondern auch solche, in denen bestimmte Musiken mit bestimmten Situationen oder Charakteren unlöslich verbunden sind. So ist es zum Beispiel in diesem Film, dessen Titel mir gerade nicht einfällt, mit Bette Davis und Joseph Cotten, in dem diese Melodie aus der Lustigen Witwe, "Lippen schweigen ..." als Erkennungsmelodie des Mörders (J. Cotten, der "Lustige-Witwen-Mörder") dient, oder in "M - eine Stadt sucht einen Mörder" von Fritz Lang (glaube ich), wo diese Melodie aus Griegs Peer-Gynt-Suite immer mit Peter Lorre (dem Mörder) zusammen auftritt. Ein bißchen wie in "Peter und der Wolf". Davon gibt es bestimmt auch noch ganz viele ...
Dann deuten ja auch manche späte Beinamen von Musikstücken auf die Verwendung in Filmen hin, wie das "Barry-Lyndon"-Trio von Schubert, oder dieses eine Klavierkonzert von Mozart, das den Beinamen "Elvira Madigan" trägt - vermutlich auch nach einem Film?
Übrigens ist hier noch gar nicht Walt Disneys Fantasia erwähnt worden - zwar kein Spiel-, sondern ein Zeichentrickfilm, aber einer mit ganz viel Musik, in dem die Musik mindestens genauso wichtig ist wie Mickey Maus.
Nocturne Grüße, Gamaheh
Armin70 (30.01.2010, 02:03): Hallo Gamaheh,
der Spielfilm mit Joseph Cotten, wo die Lehar-Melodie "Lippen schweigen" aus der "Lustigen Witwe" vorkommt heisst "Im Schatten des Zweifels" (Shadow of a Doubt) aus dem Jahr 1943. Regie führte Alfred Hitchcook. Meines Wissens spielt da aber Bette Davis nicht mit.
Soweit ich weiss haben Bette Davis und Joseph Cotten die Filme "Beyond the Forest" (1949) und "Wiegenlied für ein Leiche" (1964) zusammen gedreht.
"Elvira Madigan" ist ein schwedischer Spielfilm aus dem Jahr 1967 und schildert das Leben der gleichnamigen dänischen Seiltänzerin, d. h. es war ihr Künstlername und sie lebte von 1867 - 1889. Ein älterer verheirateter Offizier mit Kindern aus altem Adel verliebte sich in die junge Frau aber es war eine unmögliche Beziehung damals. Deshalb mussten die Verliebten sich heimlich treffen bzw. sie schrieben sich Liebesbriefe. 1889 flohen beide gemeinsam und gaben sich zunächst als Hochzeitspaar auf Hochzeitsreise aus. Inzwischen berichteten die Zeitungen von deren Verschwinden so dass das Paar auf eine kleine dänische Insel floh und als die Angst der beiden über die Entdeckung immer größer wurde, erschoss der Offizier zuerst seine Geliebte und dann sich selbst. Das Liebespaar wurde dann gemeinsam unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit beerdigt und seit dem Spielfilm ist das Grab des Liebespaares ein Anziehungspunkt für Liebespaare und Bräute, die in der dortigen Kirche geheiratet haben, legen ihren Brautstrauß auf das Grab. Der Soundtrack verwendet den 2. Satz, Andante, aus Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 467, das seit dem den Beinamen "Elvira Madigan" trägt.
Walt Disneys "Fantasia" aus dem Jahr 1940 verwendet folgende Musiken: - J. S. Bach: Toccata und Fuge d-moll BWV 565 in Leopold Stokowskis Orchesterfassung
- P. Tschaikowsky: Ausschnitte aus der Nussknacker-Suite op. 71a
- P. Dukas: Der Zauberlehrling
- I. Strawinsky: Le Sacre du Printemps in einer ca. 10-minütigen Fassung
- L. v. Beethoven: 6. Sinfonie F-Dur op. 68 "Pastorale" ebenfalls ein einer stark gekürzten Fassung
- A. Ponchielli: "Tanz der Stunden" aus der Oper "La Gioconda"
- M. Mussorgsky: "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" in Stokowskys Orchesterfassung
- F. Schubert: "Ave Maria" in einer Fassung für Sopran, Chor und Orchester
Die Musik wurde vom Philadelphia Orchestra unter der Leitung von Leopold Stokowsky eingespielt, der fast alle Stücke bearbeitet hat, damit sie dramaturgisch optimal zu den jeweiligen Szenen passen. Eigentlich sollte "Fantasia" noch einen weiteren Kurzfilm zur Musik von Debussys "Clair de lune" beinhalten aber der Film wäre sonst zu lang geworden und so wurde dieser Kurzfilm herausgeschnitten und er wurde erst 1996 wieder hergestellt.
Gruß Armin
Rideamus (30.01.2010, 06:50): Donnerwetter, das nenne ich mal einen erschöpfenden Kommentar.:down
Wenn trotzdem noch ein paar Ergänzungen gestattet sind:
Bette Davis hätte in der Tat in SHADOW OF A DOUBT keine Rolle gehabt, denn die weibliche Hauptrolle (gespielt von der fantastischen Teresa Wright) war die junge Nichte Joseph Cottens, die ihren Onkel verehrt, dann aber entlarvt und von ihm deswegen beinahe vor einen Zug gestoßen wird. Außerdem hätten sich die temperamentvolle Bette Davis und der penible Alfred Hitchcock wohl noch schlechter vertragen als Davis und William Wyler, mit dem sie berühmte Kämpfe ausfocht.
Themen der "Klassischen Musik" als Leitmotive sind aber im Film eher selten, weil sie meist zu sehr dominieren, was natürlich bei Hitchcock genau der Sinn der Sache ist.
Die Musik in dem wunderschönen Film von Bo Widerberg, ELVIRA MADIGAN (ich wäre gespannt, wie der gehalten hat) hat als Liebesmotiv eine ähnliche Funktion wie das "Tara" - Motiv in VOM WINDE VERWEHT. Dergleichen findet man in älteren Filmen sehr häufig. Meist sind es aber eigens komponierte Motive, die zum Teil selbst Klassiker wurden, wie Richard Addinsells WARSAW CONCERTO aus dem Film DANGEROUS MOONLIGHT (1942), in dem Adolf Wohlbrück als Anton Walbrook einen Konzertpianisten spielt.
Zu FANTASIA kam 1999 eine Fortsetzung heraus:
Sie ist auch nicht schlecht, aber in der Qualität der Animation deutlich dem alten Klassiker unterlegen, wie man an dem berühmten ZAUBERLEHRLING mit Micky Maus in der Titelrolle erkennt, den man hier einfach noch mal eingefügt hat.
Es gibt dazu übrigens ein wunderbares europäisches Pendant von Bruno Bozzetto:
Leider ist auch der Film derzeit nur antiquarisch für Fantasiepreise zu haben, lohnt aber eher als FANTASIA 2000.
Ein Film, der auch in diesen Rahmen passt, obwohl er eigentlich kein Film über Musik ist, ist Charles Chaplins THE GREAT DICTATOR, wo sich der Tramp zu einer Radioübertragung von Brahms UNGARISCHEM TANZ Nr. 5 rasiert und der Diktator zu den Klängen des LOHENGRIN-Vorspiels mit der Weltkugel spielt.
Recht gute Filme mit und über Musiklehrer, die hier m. W. noch nicht genannt wurden, sind MR. HOLLAND'S OPUS mit Richard Dreyfuss und MADAME SOUSATZKA mit Shirley MacLaine.
:hello Rideamus
Gamaheh (01.02.2010, 23:26): Lieber Armin,
herzlichen Dank für Deine erschöpfenden Auskünfte! Offenbar habe ich da zwei Filme durcheinander gebracht, nämlich "Schatten des Zweifels" und "Wiegenlied für eine Leiche" (das ist doch der, in dem 50 Jahre oder so vorher jemand - der Verlobte von Bette Davis ? - in einem Gartenhaus ermordet wird und am Ende eine in einen Teppich gewickelte Leiche die Treppe runterrollt?) (Ich habe leider den Defekt, daß ich mir die Handlung eines Films nicht merken kann, sondern höchstens eine Situation oder ein Bild ... deshalb bringe ich öfters was durcheinander.)
Interessant, wenngleich eigentümlich, auch die Hochzeitsbräuche in Dänemark!
Beste Grüße, Gamaheh
P.S.: Dabei fällt mir noch ein ganz bekannter Film ein, in dem Marlon Brando einen verrückten Despoten und ehemaligen Offizier der US-amerikanischen Armee im Dschungel von Vietnam spielt, in dem zum Walkürenritt Bomben über selbigem abgeworfen werden - eine sehr eindrucksvolle Szene! "Apocalypse Now" heißt er, fällt mir gerade wieder ein.
Armin70 (02.02.2010, 00:19): Hallo,
"Wiegenlied für eine Leiche" habe ich auch schon länger nicht mehr gesehen aber es geht darum, dass alle Bette Davis im Verdacht haben, dass sie vor einigen Jahrzehnten ihren Geliebten ermordet haben soll. Ihre Cousine und ihr behandelnder Arzt versuchen gemeinsam, sie durch Psychoterror ins Irrenhaus zu bringen, um sich ihr Vermögen unter den Nagel zu reissen. Als Bette Davis die beiden belauscht, erschlägt sie die beiden und sie erfährt durch einen Brief, dass ihr Geliebter damals von dessen betrogener Ehefrau ermordet wurde, die inzwischen verstorben ist.
Auch ein netter Film, der hier glaube ich nocht nicht erwähnt wurde, ist "Der Zauber der Venus" von Istvan Szabo mit Glenn Close und Niels Arestrup. Der Film schildert die turbulenten und oft auch chaotischen Verhältnisse vor und während der Aufführung von Richard Wagners Oper "Tannhäuser" an der Pariser Oper. Logischerweise steht dann auch Wagners Musik aus "Tannhäuser" im Zentrum des Films, d. h. der Soundtrack besteht nur aus Wagners Musik.
Gruß Armin
Agravain (08.02.2010, 08:49): Zu Weihnachten habe ich eine meiner liebsten DDR-Produktionen geschenkt bekommen, die ich als Jugendlicher im Fernsehen gesehen habe und die (mit) für meine Bach-Begeisterung verantwortlich ist. Da ich heute überraschend frei habe, kann ich mir jetzt endlich die erste der vier Folgen anschauen:
würde mich freuen, wenn Du ein paar Worte zu der Bach-Serie (scheint ja mehrteilig zu sein) erzählen würdest.
:thanks und liebe Grüße
Sabine
Agravain (08.02.2010, 15:52): Original von cellodil Lieber Agravain,
würde mich freuen, wenn Du ein paar Worte zu der Bach-Serie (scheint ja mehrteilig zu sein) erzählen würdest.
:thanks und liebe Grüße
Sabine
Hallo Sabine - gern. Also: Bei dieser Verfilmung handelt es sich um eine von der DDR und Ungarn produzierte Miniserie, genauer einen Vierteiler, aus dem Jahr 1984, mit dem glänzenden Ulrich Thein in der Hauptrolle (Was schön ist: Ulrich Thein benötigte kein Piano-Double. Er spielt selbst.). Die Serie versucht erst gar nicht, das gesamte Leben Bachs quasi historisch-kritisch umzusetzen, sondern zeigt wesentliche Stationen aus Bachs Leben, wobei der Fokus von Regisseur Lothar Bellag darauf liegt, Bach als Menschen darzustellen, der - wie jeder andere Mensch - in seiner Arbeit und seinem Leben mit Widrigkeiten, Missgunst, Kleinlichkeit und Unverständnis anderer zu kämpfen hat. Eine Glorifizierung à la "fünfter Evangelist" findet (gottlob) nicht statt. Statt dessen erleben wir also einen Bach dem nichts Menschliches fremd ist, der ruhig einmal kräftig flucht, oft über die Unzulänglichkeit seiner Umgebung grantelt, seiner Gattin Maria Barbara lüstern an den Busen greift und guten Wein und gutes Essen zu schätzen weiß. Gleichzeitig wird ganz klar, dass Bach ein Mann ist, der sein für seine Zeitgenossen kaum begreifbares, unbedingtes Künstlertum unter allen Bedingungen durchsetzen will und so immer wieder aneckt. Die Serie setzt während Bachs Zeit am Hof zu Weimar ein 1708 - 1717, wobei wir uns am Ende jener Phase befinden (1716/17). Die erste Folge konzentriert sich auf Bachs Probleme mit seinem Fürsten Wilhelm Ernst und seinen Wettstreit mit Louis Marchand in Dresden, die zweite beschäftigt sich mit Bachs Zeit in Köthen, die dritte mit seinem Leben als Thomaskantor, die vierte und letzte mit der Zeit von 1747 - 1750, seiner Begegnung mit Friedrich II, mit seiner Augenoperation und seinem Tod. Ich finde die Serie - wie gesagt - sehr gelungen und freue mich darauf, heute Abend den Rest zu sehen. Viele Grüße Agravain :hello
cellodil (08.02.2010, 17:19): Lieber Agravain,
vielen Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast. Das klingt interessant, was Du schreibst, und eher untendeziös. Werde gelegentlich mal sehen, ob meine Videothek das auch hat.
:thanks und liebe Grüße
Sabine
Nightrider (05.08.2010, 14:21): Original von Satie Mir fällt noch ein:
- Dann in gleicher Machart noch ein Film über Lully, dessen Titel mir entfallen ist. Er kam mal vor kurzem auf Arte. Ist aber eher ein Kostümschinken
- Der König tanzt / Le Roi danse
vom gleichen Regisseur wie Farinelli. Die Charaktere sind reichlich flach, aber als barockes Musikvideo ist der Film sehenswert.
Mir fällt noch ein:
- Unsterbliche Geliebte / Immortal Beloved
mit Gary Oldman als Beethoven. Der Film ist eine -so weit ich das beurteilen kann- akkurate Beethoven-Biografie. Nicht umwerfend, aber mit schön bebilderten Musik-Ausschnitten. Also auch wieder ein Musikvideo :wink
- Tod in Venedig von Lucchino Visconti
der bekannteste Mahler-Film. Aber alles andere als eine Biografie, sondern ein eigenständiges Kunstwerk. Bekannt ist vor allem das Adagietto aus der 5. Symphonie, das hier zu einer morbiden Trauermusik umgedeutet wird. Das muss einem nicht gefallen, ich halte es für legitim, denn das Resultat ist sehr stimmig.
Ken Russell hat eine Reihe von Musiker-Biografien gedreht, von denen ich allerdings nur den Mahler-Film kenne, über den ich nicht viel Worte verlieren möchte. Unsäglich :S
Grade kommt ein deutscher Mahler-Film ins Kino: - Mahler auf der Couch da wird kräftig psychoanalysiert, was ich garnicht ausstehen kann :S Und es soll wohl eine Art Rehabilitation von Alma Mahler stattfinden... X( Aber ich will nicht über einen Film urteilen, den ich noch nicht gesehen habe :wink
Schöne Grüße, Peter
Holger (19.11.2010, 22:17): Original von Agravain Original von cellodil Lieber Agravain,
würde mich freuen, wenn Du ein paar Worte zu der Bach-Serie (scheint ja mehrteilig zu sein) erzählen würdest.
:thanks und liebe Grüße
Sabine
Hallo Sabine - gern. Also: Bei dieser Verfilmung handelt es sich um eine von der DDR und Ungarn produzierte Miniserie, genauer einen Vierteiler, aus dem Jahr 1984, mit dem glänzenden Ulrich Thein in der Hauptrolle (Was schön ist: Ulrich Thein benötigte kein Piano-Double. Er spielt selbst.). Die Serie versucht erst gar nicht, das gesamte Leben Bachs quasi historisch-kritisch umzusetzen, sondern zeigt wesentliche Stationen aus Bachs Leben, wobei der Fokus von Regisseur Lothar Bellag darauf liegt, Bach als Menschen darzustellen, der - wie jeder andere Mensch - in seiner Arbeit und seinem Leben mit Widrigkeiten, Missgunst, Kleinlichkeit und Unverständnis anderer zu kämpfen hat. Eine Glorifizierung à la "fünfter Evangelist" findet (gottlob) nicht statt. Statt dessen erleben wir also einen Bach dem nichts Menschliches fremd ist, der ruhig einmal kräftig flucht, oft über die Unzulänglichkeit seiner Umgebung grantelt, seiner Gattin Maria Barbara lüstern an den Busen greift und guten Wein und gutes Essen zu schätzen weiß. Gleichzeitig wird ganz klar, dass Bach ein Mann ist, der sein für seine Zeitgenossen kaum begreifbares, unbedingtes Künstlertum unter allen Bedingungen durchsetzen will und so immer wieder aneckt. Die Serie setzt während Bachs Zeit am Hof zu Weimar ein 1708 - 1717, wobei wir uns am Ende jener Phase befinden (1716/17). Die erste Folge konzentriert sich auf Bachs Probleme mit seinem Fürsten Wilhelm Ernst und seinen Wettstreit mit Louis Marchand in Dresden, die zweite beschäftigt sich mit Bachs Zeit in Köthen, die dritte mit seinem Leben als Thomaskantor, die vierte und letzte mit der Zeit von 1747 - 1750, seiner Begegnung mit Friedrich II, mit seiner Augenoperation und seinem Tod. Ich finde die Serie - wie gesagt - sehr gelungen und freue mich darauf, heute Abend den Rest zu sehen. Viele Grüße Agravain :hello
Lieber Agravain, aufgrund Deiner Empfehlung habe ich mir die DVDs in der Bibliothek besorgt. Ich bin gerade bei der ersten. Und muß sagen: Du hast nicht übertrieben! :times10 Wie in der DDR überhaupt hervorragende Filme und Fernsehserien entstanden.
Vielen herzlichen Dank für diesen großartigen Tip!
:thanks
Viele Grüße von Holger
miranda (20.11.2010, 16:56): Ich habe gerade diesen Thread entdeckt und musste sofort an den wunderbaren Film "Padre Padrone" der Brüder Taviani denken, in dem der von jeder Bildung abgeschnittene, in seinem Erdloch verzweifelt vor sich hin onanierende sardische Hirte plötzlich von den Klängen des Strauss-Stücks "An der schönen blauen Donau" überwältigt wird, was sein Leben für immer verändert. Und dann die unvergessliche Verfilmung des "Don Giovanni" durch den in Hollywood verfemten Joseph Losey, in der ein dämonischer Ruggiero Raimondi und eine exzentrische Kiri te Kanawa durch die Palladio-Villen der Po-Ebene geistern! Die besten TV-Produktionen zum Thema Musik sind auch für mich die schon erwähnten Mehrteiler über Johann Sebastian Bach (aus DDR-Zeit) und Franz Schubert (Mit meinen heißen Tränen), die mich beide tief bewegt haben. Besonders Udo Samel als Schubert hat hier die beste Leistung seiner Karriere abgeliefert. Außerdem gab es einmal einen schönen Film über Haydns Besuch in London, bei dem er auch die Geschwister Henschel, als königliche Astronomen dortselbst tätig, aufgesucht hat. Der Film lässt ihn eine späte Liebe mit der Schwester Henschel erleben, was ihn schließlich zu "Die Planeten" inspiriert. Vielleicht fällt mir der Titel noch ein. Dagegen ist für mich der Beethoven-Film "Unsterbliche Geliebte" mit Gary Oldman ein besonders abschreckendes Beispiel für uninspirierte Leichenfledderei, ein Film, der mit Beethoven so gut wie nichts zu tun hat.
Das ist zunächst mal alles, was mir spontan eingefallen ist.
Agravain (20.11.2010, 17:26): Original von Holger
Lieber Agravain, aufgrund Deiner Empfehlung habe ich mir die DVDs in der Bibliothek besorgt. Ich bin gerade bei der ersten. Und muß sagen: Du hast nicht übertrieben! :times10 Wie in der DDR überhaupt hervorragende Filme und Fernsehserien entstanden.
Vielen herzlichen Dank für diesen großartigen Tip!
:thanks
Viele Grüße von Holger
Lieber Holger,
ich lese Deine Zeilen eben erst. Es freut mich a) natürlich, dass Du meiner Empfehlung gefolgt bist und b) noch mehr, dass Dir die Serie gefällt! Hörst Du den ollen Bach auch gern?
:hello Agravain
Holger (21.11.2010, 00:31): Original von Agravain
Hörst Du den ollen Bach auch gern?
Lieber Agravain,
ja, Bach höre ich ausgesprochen gern, kenne aber bei weitem nicht alles von ihm, sondern nur einiges aus der Instrumentalmusik - also weder Opern noch Kantaten. Meine Eltern besaßen eine Platte der Swingle Singers, die ich als Kind schon toll fand - ohne zu wissen, daß es sich um Bach handelte.
"Air" (ich glaube, aus den Orchestersuiten...?) ist überirdisch schön - ich schmelze jedesmal dahin! Auch die Brandenburgischen Konzerte mag ich, besonders das fünfte.
"Toccate und Fuge in D-Moll" haut mich jedesmal um! Manchmal glaube ich, daß dieses Werk für die Zeitgenossen wie Hendrix geklungen haben muß. Wie ich Bach überhaupt stellenweise überraschend "modern", fast schon jazzig finde. Kein Wunder, daß sich die Swingle Singers und Jacques Loussier seiner angenommen haben.
Das "musikalische Opfer" hingegen ödet mich an, so kunstfertig es auch immer sein mag. Und das, obgleich ich fasziniert von Friedrich dem Großen bin und seine Flötenkonzerte liebe!
Viele Grüße von Holger
Agravain (21.11.2010, 12:08): Original von Holger Original von Agravain
Hörst Du den ollen Bach auch gern?
Lieber Agravain,
ja, Bach höre ich ausgesprochen gern, kenne aber bei weitem nicht alles von ihm, sondern nur einiges aus der Instrumentalmusik - also weder Opern noch Kantaten.
Lieber Holger,
Opern gibt es vom ollen Johann nicht - da brauchst Du Dich ggf. nicht auf die Suche machen. Aber rein jahrszeitlich wäre es keine schlecht Idee, einmal das "Weihnachtsoratorium" zu hören. Ab besten erst einmal live. Da sollte es in der Hauptstadt mehr als eine Gelegenheit geben. Sehe gerade: Am 12.12. läufts im Dom: Schau mal HIER nach. Nun aber genug des OT.
Viele Grüße
:hello Agravain
Heike (21.11.2010, 12:42): Hallo Holger, du könntest dr hier ein kostenlose Probeabo (läuft automatisch aus) der Berliner Zeitschrift CONCERTI bestellen: http://www.concerti.de/ Da findest du für Berlin den besten klassischen Konzertkalender (Konzert, Oper, Kirchen, Kammermusik) und bestimmt im Dezember zwei Dutzend Weihnachtsoratorien - ich denke auch, dass es eine gute Idee ist, das mal anzuhören. Concerti ist auch sonst lesenswert. Heike
Daß Bach keine Opern geschrieben hat, wußte ich nicht, aber es erklärt natürlich in gewisser Weise den Umstand, daß man nur so wenige in den Spielplänen findet. :D
Das Probe-Abo habe ich soeben abgeschlossen! Ich bin schon gespannt, ob ich das Fachchinesisch als Newbee einigermaßen verstehen werde.
Liebe Grüße von Holger
Gamaheh (21.11.2010, 13:24): Original von miranda Haydns Besuch in London, bei dem er auch die Geschwister Henschel, als königliche Astronomen dortselbst tätig, aufgesucht hat.
Liebe Miranda,
sicher meinst Du Herschel, den Entdecker des Uranus, der zunächst nach ihm benannt war. Die beiden waren übrigens eigentlich Musiker und nur hobbymäßig Astronomen.
Grüße, Gamaheh
P.S.: In Hamburg liegt concerti überall aus - ist das in Berlin nicht so?
Heike (21.11.2010, 13:30): P.S.: In Hamburg liegt concerti überall aus - ist das in Berlin nicht so? Doch, man bekommt es z.B. kostenlos in der Philharmonie - aber man kann es sich auch zum Kennenlernen 3 Mon kostenfrei nach Hause schicken lassen. Heike
miranda (21.11.2010, 18:34): Haydns Besuch in London, bei dem er auch die Geschwister Henschel, als königliche Astronomen dortselbst tätig, aufgesucht hat.
Original von Gamaheh Liebe Miranda, sicher meinst Du Herschel, den Entdecker des Uranus, der zunächst nach ihm benannt war.
Liebe Gamaheh, da sieht man mal wieder, dass man sich in reiferem Alter nicht mehr nur auf sein Gedächtnis verlassen sollte. Ich habe noch einen weiteren Lapsus entdeckt: Natürlich hat der Besuch bei Herschels nicht "Die Planeten" inspiriert (die sind von Holst und um einiges später), sondern "Die Schöpfung"!
Der Film heißt übrigens "Herschel und die Musik der Sterne" und kann online angeschaut werden
Bert (21.11.2010, 19:12): Den russischen Film Tschaikowski aus dem Jahr 1969 (Regie Igor Talankin)
hatte ich vor Ewigkeiten im Kino gesehen und vor ein paar Wochen/Monaten fand ich ihn auf DVD (und sofort gekauft).
Die Filmqualität (Farbe) ist der damaligen Zeit entsprechend (nicht besonders gut, halt eine durchschnittliche Video-Kopie), aber als Tschaikowskys Biographie finde ich den Film durchaus empfehlenswert. Als Hintergrundmusik werden seine bedeutenden Werke angespielt.
Gruß, Bert
P.S. Zu der DVD gibt es eine kleine Zugabe: eine CD mit der 6. Symphonie ("Pathétique") und die "Ouverture Solennelle 1812" ; dirigiert Sir Neville Marriner
Heike (18.12.2010, 14:37): Wer es noch nicht gesehen hat - heute gibts eine Wiederholung:
EinsFestival, Samstag, heute, 22:35 - 00:20 Uhr Geliebte Clara
Clara Schumann (Martina Gedeck), Robert Schumann (Pascal Greggory) und Johannes Brahms (Malik Zidi).
artemis (18.12.2010, 18:46): Original von Heike Wer es noch nicht gesehen hat - heute gibts eine Wiederholung:
EinsFestival, Samstag, heute, 22:35 - 00:20 Uhr Geliebte Clara
Clara Schumann (Martina Gedeck), Robert Schumann (Pascal Greggory) und Johannes Brahms (Malik Zidi).
Danke, liebe Heike, werde ich aufnehmen. :) LG artemis
Zefira (19.12.2010, 16:26): Ich habe mir gerade eine Aufzeichnung angesehen. Was haltet ihr davon? Kann man diesen Film als halbwegs authentisch ansehen? Ist es korrekt, dass Clara und Robert Schumann hintereinander stehend zusammen Konzerte dirigiert haben?
Gruß von Zefira
Fairy Queen (19.12.2010, 19:49): Liebe Zefira, ich habe eine lange Kritik zu diesem interessanten aber ziemlich diskussionsbedürftigen feministischen Film geschrieben, finde aber leider den Thread nicht auf Anhieb. Sobald ich fündig werde, sag ich Bescheid. L.G. F.Q.
Bert (19.12.2010, 20:00): Original von Zefira Was haltet ihr davon? Kann man diesen Film als halbwegs authentisch ansehen? Ist es korrekt, dass Clara und Robert Schumann hintereinander stehend zusammen Konzerte dirigiert haben?
Hallo Zefira,
ich habe mir den Film gestern angeschaut und war maßlos enttäuscht - nicht zuletzt auch von Martina Gedeck, die eine solche Rolle hätte besser einstudieren sollen. Was die Authentizität anbetrifft, insbesondere das Dirigat zu zweit - es darf als künstlerische Freiheit der Filmemacher gewertet werden. Warum in dem Film Johannes Brahms zum Trottel gemacht wurde, bleibt mir auch verborgen ...
Schade, aus dem Stoff hätte man/frau mehr machen müssen! Clara Schumann hat etwas Besseres verdient.
Gruß, Bert
Fairy Queen (19.12.2010, 20:03): Hier die Kopie eines Beitrags den ich nach dem Kinobesuch geschrieben hatte:
Letzte Woche lief hier im Kino der Film über Clara Schumann zwischen ihrem an Leib und Seele kranken Mann Robert und dem 20jährigen Johannes Brahms an. Obschon er zum Teil miserable Kritiken bekommen hatte, habe ich mir diesen Film am Samstag angesehen.
Im Film wird Clara von Martina Gedeck gespielt und deren schauspielerische und identfikatorische Leistung kann ich nur in höchsten Tönen loben.
Sanders- Brahms hat einen Film über eine fast übermenschlich starke Frauenfigur gemacht.
Robert Schumann wird in diesem Film als gutwilliger und sympathischer aber schwacher Mensch, und als genialer aber lebensuntüchtiger Künstler gezeigt. Er erscheint in jedeweder Hinsciht abhängig von seiner Frau gewesen zu sein..
Er ist weder der Lage, sein Leben zu organisieren noch seinen Beurf auszuüben: Clara selbst muss gegen vehementen anfänglichen Widerstand die Orchesterproben zur "Rheinischen Symphonie" in Düsseldorf dirigieren und auch bei deren Uraufführung ist Robert nur Staffage , während die übermächtige Clara den Laden schmeisst.
Daneben tritt sie als Klaviervirtuosin auf, steht dem Haushalt vor, kümmert sich rührend um ihre Kinderschar, ist dem von Alkohol und Laudamum Abhängigen eine zärtlcihe und hingebungsvolle Geliebte, ist ab Mitte des Films wieder einmal mehr schwanger und zieht bei alledem noch die überschwängliche Liebe des jungen Schumann-Protegés Brahms auf sich.
Wer nun meint das alles könnte ein bisschen arg grob gezeichnet sein, um nciht zu sagen masslos übertrieben und haarscharf an der Realität vorbei, liegt nciht so ganz daneben......
Brahms wird im Film als blutjunges, im fragwürdigen Hamburger Hafenviertel in Seemansskneipen Klavier spielendes und vielversprechendes Musiker-Genie gezeigt. Sein ausgeprägter Sinn für Akrobatik und Clownerien, seine impulsive Spontaneität und seine grosse Kinderliebe waren mir bisher nciht bekannt- aber dazu können die Brahms-Spezies sicher etwas sagen.
Er verliebt sich auf den ersten Blick in das Super-Weib Clara und gewinnt gleichzeitig Achtung , Bewunderung und tiefe Freundschaft ihres Mannes Robert, der ihn sogar als seinen Nachfolger bezeichnet und in sein Haus aufnimmt.
Dort wird er bald unentbehrlich und kümmert sich hingebungsvoll um die Schumann-Kinder, die ihn bald abgöttisch lieben
Die Beziehung zwschen Clara und Brahms hat schnell erotische Untertöne, bleibt aber in den Grenzen des eben noch nach aussen Vertretbaren- Clara und Brahms fühlen sich Robert Schumann tief verbunden und verpflichtet und schrecken vor einem definitiven "Verrat" zurück.
Zwischen leidenschaftlicher Liebe und Moral zerrrissen, verlässt Brahms schliesslich das Haus der Schumanns, in das er nach eindringlichem Appell wiederkehrt, als Robert Schumann nach seinem Sprung in den Rhein und diversen "Ausfällen" in die Nervenheilanstalt Endenich eingeliefert wird.
Es ist Brahms der Clara dazu bringt, Robert vor seinem Tod noch einmal zu besuchen (sie kann den Verfall des geliebten Ehemanns nciht ertragen- einzige Schwäche die die Regisseurin ihr zugesteht!) und der die Familie aus drohendem Elend rettet.
Das Ende bleibt offen. Man sieht eine Liebesszene zwischen Clara und Brahms , kurz nach Roberts Tod und im Ehebett der Schumanns.
Brahms schwört völlïg ausser sich über diese selige Vereinigung ewige Liebe und dass er Clara nach ihrem Tode wie Orpheus der Euridice in die Unterwelt folgen werde. ( genauso geschehen, suggeriert der Film im Abspann, Brahms starb wenige Monate nach Clara)
Clara lâsst sich lieben,wobei der Film in eroticis sehr vorsichtig,angesichts nicht erwiesener Fakten, bleibt , ist aber sichtlich in einem emotional zerrissenen Durchgangs- Zustand.
Kurz darauf, am Ende des Fims, sieht man sie wieder als energische und über-starke Frau, wie sie Brahms 1. Klavierkonzert spielt und dabei, wie auch Brahms, der unter den Zuhörern ist, von starken Emotionen sicht- und hörbar umgetrieben wird. Im Abspann liest man: Clara und Johannes bleiben bis zu Claras Tod verbunden. er folgt ihr, wie versprochen, wenige Monate später in die andere Welt.
Leider ist die frz. Synchronisation die reine Katastrophe und für mich als Deutsche eine regelrechte Zumutung.
(und zudem eine Seltenheit, denn normalerweise laufen hier alle Filme im Original mit Untetiteln, was ich natürlich auch in diesem Fall erwartet hatte)
Nicht nur werden die Namen einfranzösisiert sondern Brahms singt sein berühmtes Wiegenleid für die Schumann -Kinder mit einem so schrecklcihen Akzent (in deutsch) dass mir die Haare zu Berge standen!
Das ist aber nur eine Marginalie angesichts der Grundsatz-Kritik:
Der Film verschenkt m.E. die Möglichkeiten einer beispiellos reichen Geschichte, einem Emblem deutscher (Musik-)Romantik schlechthin, indem er psychologische Feinzeichnung einer Ideologie opfert.
Hier wird mit aller Brachialgewalt eine Frau verherrlicht und zur Übermenschin gemacht, die sicher Herausragendes geleistet hat, aber der weniger Idealisierung mehr Glaubwûrdigkeit verliehen hätte.
Die Darstellung des Ehemanns an ihrer Seite, wirkt dabei manchmal so peinlich für Robert Schumann, dass Schumann Fans diesen Film nicht ohne Weiteres goutieren können.
Wie er im Weinkeller im Drogenentzug durchdreht und seine Frau brutal schlägt, weil sie ihm das Weitertrinken verbieten will, wie er vor dem Orchester stammelnd versagt und flieht und seine Frau das Dirigat- erfolgreich versteht sich- übernimmt, wie abhängig er in allen Dingen des Lebens von ihr ist- man fragt sich ernsthaft, warum diese Frau einen solchen Mann überhaupt geliebt und geheiratet hat und weiter mit ihm wie ein Täubchen turtelt.
Was die Behandlung historsicher Fakten angeht, kann ich mir kein Urteil erlauben, da ich keinen Zugang zu den Quellen habe.
Ich bedaure es allerdings nicht, diesen Film gesehen zu haben. Es wûrde sich allein um der Musik willen und um Martina Gedecks Leistung willen gelohnt haben.
Ich finde aber auch einen solchen Denkansatz als Diskussions- Entwurf und GEGEN-Entwurf zum negativen Clara Bild einer Eva Weissweiler interessant und bedenkenswert.
F.Q.
Zefira (19.12.2010, 21:10): Vielen Dank, Fairy und Bert! Ich fand den Film gegenüber Schumann ungerecht (ohne Genaueres über seine Biographie zu wissen) und war stellenweise ziemlich verärgert. Grönemeyer als Schumann (in dem Film "Frühlingssinfonie" hat mir wesentlich besser gefallen. Nastassja Kinski war allerdings auch nicht die denkbar beste Clara ...
Gruß von Zefira
Gamaheh (19.12.2010, 21:38): Es gibt diesen Film anscheinend nochmal Sa., 25.12., 22.40 Uhr, RBB; vielleicht sehe ich ihn mir doch mal an, damit ich mich wenigstens aus erster Hand darüber ärgern kann.
Grüße, Gamaheh
Heike (24.12.2010, 20:56): DER FREISCHÜTZ Regie: Jens Neubert Darsteller: Franz Grundheber, Benno Schollum, Juliane Banse, Regula Mühlemann, Michael Volle, Michael König, René Pape, Olaf Bär u.v.a. London Symphony Orchestra, Daniel Harding, Rundfunkchor Berlin
Vorweg, das letzte Mal, dass ich den Freischütz im Opernhaus gesehen habe - das dürfte so an die 20 Jahre her sein. Auch besitze ich keine CD oder DVD davon. Also, ich konnte dem ganzen völlig unvoreingenommen folgen.
Zunächst zur musikalischen Umsetzung: Das hat mir gesanglich gut gefallen, da gab es wenig zu mäkeln. Max (Michael König) und Agathe (Juliane Banse) waren stimmlich hörenwert, auch im Rest der Darstellerriege fiel mir niemand negativ auf. Michael Volle als Kaspar hat mir besonders gut gefallen, er spielte auch klasse (während Max daneben manchmal ein wenig eindimensional wirkte). Bis in die Nebenrollen hinein (Franz Grundheber als Fürst und René Pape als Eremit) gab es großes Opernkino. Alle waren auch sehr textverständlich. In gesprochenen Dialogen wird zwischendrin die Handlung der Oper erzählt, so ist auch für unkundige alles allgemeinverständlich aufgearbeitet. Die Arien sind stimmig und organisch in den Film eingebunden. Phantastisch der Chor, auch das Orchester bringt Schwung in das Ganze, agiert aber etwas altbacken für meinen Geschmack. Nur der Klang als solcher war nicht so wirklich voll und transparent, keine Ahnung, ob das am Kino lag oder ob das schlecht aufgenommen wurde.
Was die filmische Seite angeht - da gibt es doch sehr viele Abstriche. Das geht schon damit los, dass die über 40jährige Juliane Banse in diesem Medium der Großaufnahmen nur noch sehr bedingt als unschuldige Jungfer durchgeht, zumal sie mit Regula Mühlemann ein (auch in gesanglicher Hinsicht) wunderbares junges Ännchen an der Seite hatte. Aber gut, an diese Agathe gewöhnt man sich. An die merkwürdigen Schnitte und Perspektiven allerdings gewöhnt man sich eher nicht. Zu viele Großaufnahmen, zuviel ungekämmtes Haar, zu wenig Berührung, zu wenig Atmosphäre. Noch störender allerdings sind mir einige technische Verfremdungen gewesen: da glitzern beim Bleigießen z.B. computergemachte Sternlein auf und auch andere total störende Effekte wurden eingebaut. Überflüssig! Demgegenüber hält sich der spukig subtile Horror und vor allem das geheimnisvoll- diabolische der Handlung eher in Grenzen, also ich will sagen - die Magie ist nicht da. Dafür gibt es reichlich Blut. Ich hätte es mir mystischer und gespenstischer gewünscht. Die Liebesgeschichte hat mich auch eher wenig erreicht. Da hat auch die sehr reiche Ausstattung den szenischen Gesamteindruck nicht gerettet, denn es kam wenig Gefühl auf.
Fazit: Den Film kann man sich ansehen, er ist weder Ärgernis noch Sternstunde und wird mir vermutlich nicht lange in Erinnerung bleiben. Heike
Heike (26.02.2011, 08:17): Kino: "Pina" 3D Mit dem Ensemble des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Regie: Wim Wenders Deutschland / Frankreich 2010
Eine Hommage an die Ausnahmetänzerin und Choreographin Pina Bausch. Also es ist ein Dokumentarfilm, der ohne Handlung und Kommentare nur Tanz zeigt, unterbrochen durch Worte der Mitglieder des Ensembles über Pina.
Die Tanzszenen sind aus 4 Stücken entnommen: Sacre du Printemps, Kontakthof, Café Müller und Vollmond. Wer unter Tanz auf der Bühne bisher nur klassisches Ballett verstanden hat, der wird völlig neue Welten entdecken. Wer Pina Bauschs Konzepte kennt oder modernen Ausdruckstanz mag, der wird glücklich in einer riesigen Wolke von grandiosen Bildern schweben und traurig sein, dass sie nicht mehr da ist.
Ich fand es großartig, man kann auch sagen, es war einfach Magie. Heike
nikolaus (08.03.2011, 22:14): Liebe Heike,
ich stimme vollkommen mit Dir überein: Grandiose, wunderschöne, ästhetische Bilder - pure Magie!
Es tut mir unendlich leid, daß mich Pina Bausch viele Jahre nicht wirklich interessierte (aus lauter Vorurteilen, fürchte ich) und ich erst wenige Jahre vor ihrem Tod ihr Tanztheater live mit ihr (Café Müller) erlebt habe. Vielleicht hätte ich es vorher aber auch nicht würdigen können, was sie mit ihren Tänzern für wundervolle Momente geschaffen hat!
Da ich ihn im Kino verpasst habe, habe ich gestern Abend „Das Konzert“ auf DVD gesehen. Zu Anfang erinnert der Film von Radu Mihaileanu ziemlich an „Blues Brothers“: zwar kommt der ehemalige Star Dirigent Andrej Semjonowitsch Filipow nicht direkt aus dem Knast wie weiland John Belushi, aber irgendwie ist das Bolshoi-Theater auch für ihn ein Gefängnis. Vor 30 Jahren wurde seine Karriere als Dirigent an eben diesem Theater jäh beendet, weil er sich in der Sowjet-Diktatur politisch zu weit aus dem Fenster gelehnt und sich geweigert hat, die jüdischen Mitglieder seines Ensembles vor die Tür zu setzen. Nun ist er in seiner ehemaligen Wirkungsstätte lediglich noch als Putzmann geduldet. Als Filipow durch Zufall ein Fax abfängt in welchem das Orchester des Bolshoi-Theaters zu einem Konzert nach Paris eingeladen wird, bricht er aus diesem Gefängnis aus und beschließt, seine Chance zu nutzen. Andrej Semjonowitsch Filipow und Jake Blues eint ein Wunsch und ein Ziel: „Wir bingen die Band wieder zusammen“. Filipov und seine Freund, Kollege und ehemaliger Cellist brausen in einem alten Krankenwagen durch Moskau und trommeln die frühere Besetzung des Bolshoi-Orchesters zusammen, die mittlerweile alle in anderen Berufen arbeiten müssen.Sie wollen anstelle ihrer jungen Kollegen nach Paris fahren und das Konzert spielen. Filipov entscheidet sich für Tschaikowskys Violinkonzert op. 35, das in seinem Leben eine besondere Rolle spielt: an jenem Abend vor 30 Jahren an dem seine Karriere ein so plötzliches Ende fand, spielten er und sein Orchester dieses Werk, als Filipov auf offener Bühne von einem KGB-Mitglied auf allerhöchsten Befehl der Taktstock aus der Hand geschlagen und er vor aller Augen gedemütigt wurde. Die Dämonnen von damals verfolgen ihn bis heute und haben ihn in den alkohol getrieben. Es folgt eine mal mehr, mal weniger gelungene Tragikomödie, in der kein Klischee ausgelassen wird: Russische Musiker saufen wie die Ketzer, sind unpünktlich, undiszipliniert, unzuverlässig und selbstverständlich genial wenn sie vom Geist der Musik beflügelt werden. Zigeuner sehen allesamt aus wie Statisten aus einer Operette von Johann Strauß, spielen Geige wie der Teufel persönlich und haben keine Ahnung wovon die Rede ist, wenn man sie nach ihrem „Fingersatz“ fragt. Juden verhökern was immer zu verhökern ist und machen dabei gute Geschäfte, auf russischen Oligarchen-Hochzeiten ist die Braut blond, klapperdürr und stockbesoffen. Außerdem wird bei solchen Anlässen grundsätzlich wild geschossen. Die Sowjetunion war das Reich des Bösen und so weiter, und so fort. Damit der Film jeden anspricht, und sich niemand auf den Schlips getreten fühlen muß einigt man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: Antisemitismus ist falsch und gehört verboten. Das alles fand ich persönlich manchmal sehr lustig, manchmal etwas platt und in einigen wenigen Momenten ob der ewig gleichen Versatzstücke solcher Plots kaum auszuhalten. Alles in allem wäre „Das Konzert“ eine unterhaltsame Komödie, die meistens amüsiert und manchmal nervt, nicht mehr und nicht weniger. Wären da nicht die letzten 15 Minuten des Films. Die 15 Minuten, in denen das Konzert um und für das so gekämpft wurde tatsächlich stattfindet. Zwar wurde Tschaikowskys Originalmusik immer noch gekürzt, dennoch: 15 Minuten reine klassische Musik ohne jede Unterbrechung, (nur ab und zu untermalt von einigen herzzereißenden Bildern aus denen die Vergangenheit des Orchester und der ehemaligen Sologeigerin Leah hervorgeht) hat man nicht alle Tage im Kino. Jedenfalls nicht im Spielfilm. In diesem Moment sind alle Klischees und aller Klamauk unwichtig. Was bleibt ist das Bild einer im Gulag im eisigen Schnee stehenden Geigerin, die auf einer imaginären Geige Tschaikowsky spielt und so der Grausamkeit ihres Schicksals entkommt. Manche Kritiker haben diese 15 Minuten als eine der besten Darstellungen eines klassischen Konzertes in der Filmgeschichte bezeichnet. Großen Anteil daran hat sicher auch die Schauspielerin Melanie Laurent, die vor Drehbeginn Geigenunterricht genommen hat, um ihr Instrument möglichst synchron zu der Tonspur spielen zu können. Was bleibt ist auch die Erkenntnis daß „Musik der wahre Kommunismus“ sei, „ein Orchester, das gemeinsam etwas Großes schafft“.
Solitaire (01.04.2011, 18:49): Ein ganz besonders anrührender Film über Musik, Musiker und vor allem Sänger ist die 1984 entstandene Dokumentation „Tosca’s Kiss“ von Daniel Schmid, bei dem es sich allerdings wie gesagt um eine Dokumentation handelt,nicht um einen Spielfilm. http://ecx.images-amazon.com/images/I/51d2UNREm9L._SL500_AA300_.jpg Der Film portraitiert eine Reihe Musiker, (und ich sage bewusst Musiker und nicht ehemalige Musiker) die ihren Lebensabend in der 1899 von Giuseppe Verdi in Mailand gegründeten „Casa di Riposo per Musicisti“ (kurz „Casa Verdi“ ) verbringen. Dieses Seniorenheim für mittellose Musiker finanzierte sich bis zum Ablauf der Schutzfrist aus den Tantiemen der Werke des Komponisten, Schmid begleitete 1984 eine ganze Reihe seiner Bewohner mit der Kamera. Nahezu ohne jeden Kommentar werden das Alltagsleben dieser Menschen und ihre nach wie vor ungebrochene Liebe zur Musik vor uns ausgebreitet. Die Liebe ist so groß, daß immer noch täglich komponiert, gespielt und gesungen wird, Erinnerungen an frühere (tatsächliche oder erträumte) große Erfolge werden ausgetauscht, und wenn es mit Sopran und Bariton durchgeht und das alte Zirkuspferd in ihnen wieder erwacht, erdolcht Tosca ihren Peiniger auch mal im Strickjäckchen und mit einer Krücke bewaffnet, Scarpia haucht sein Leben neben einer Telefonzelle aus und für die vorbeieilende Pflegerin ist das alles so normal, daß sie keineswegs lebensrettende Sofortmaßnahmen für erforderlich hält. Dieser Film ist eine herzbewegende, liebevolle Hommage an all die Menschen, die ihr Leben mit und für die Musik gelebt haben. Und vielleicht ganz besonders an diejenigen unter ihnen, die dabei nie die ganz große Karriere gemacht und nie in der allerersten Reihe gestanden haben. Daß viele von ihnen in ihrer Jugend wunderbare Stimmen hatten beweisen u.a. die Aufnahmen der Sopranistin Sara Scuderi, die sich im Laufe der Dreharbeiten zum heimlichen Star der Produktion entwickelte.
EDIT Hier ein Ausschnitt: http://www.youtube.com/watch?v=iyOZ778oU3U
Die junge Sara Scuderi: http://www.youtube.com/watch?v=L0KHTJFeXTU