Starkult

Hosenrolle1 (12.10.2016, 10:12):
Ich weiß gar nicht, ob es schon einen derartigen Thread gibt, aber falls nicht, starte ich einfach mal einen.


Wo beginnt für euch der Starkult?

Wenn man Autogramme sammelt? Wenn man unkritisch jede Aufnahme eines Künstlers kauft, selbst wenn einen der Werk gar nicht interessiert? Wenn man sich mit der Bio beschäftigt, und/oder man sich laufend über die neusten Aktivitäten informiert, nach dem Motto "Hoffentlich spielt er mal Mozart" oder "Hoffentlich singt sie einmal im dramatischen Fach"?
Ist es Starkult, wenn man sich intensiv damit beschäftigt, wie sich eine Stimme, Interpretationsansätze oder das Tastenspiel verändert?

Habt ihr das Gefühl, dass es einen stärkeren Starkult bei Instrumentalisten (Geigenvirtuosen, Pianisten, etc.), bei Sängern oder bei Dirigenten gibt?

Sind nicht auch die Medien daran schuld, indem bestimmte Leute ständig erwähnt und gehypt werden?


Aber ich denke da auch an diverse Sekundärliteratur, wo sich Professoren darüber auslassen, wieviele Kinder die Cousine von Komponist XY hatte, und in welchem Geschäft Komponist YX einmal ein Möbelstück gekauft hat. Garniert mit allerlei Quellenangaben und Beweisen, dass die Cousine tatsächlich drei und nicht 4 Kinder hatte, weil man in langwieriger Recherche entsprechende Dokumente gefunden hat. (War jetzt nur ein etwas übertriebenes, erfundenes Beispiel von mir)
Auch eine Form von Starkult?




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (12.10.2016, 10:13):
Ergänzend dazu die Frage: wie sieht eure Form des "Fan-Seins" aus? Ihr habt doch sicher auch Lieblingskünstler.

Kauft ihr euch möglichst viele Aufnahmen? Geht ihr mit ihm/ihr weniger kritischer ins Gericht als bei anderen? Beschäftigt ihr euch mit ihm/ihr?



LG,
Hosenrolle1
Zefira (12.10.2016, 14:21):
Da dieser Ordner unter "Klassikthemen" steht, betrachte ich das Thema mal aussschließlich unter dem Gesichtspunkt "klassische Musik": Ich habe das Gefühl, hier herrscht der größte Kult um diejenigen Leute, die - vergleichsweise - gar nicht die größten Könner vor dem Herrn sind.

Beispiel David Garrett (gibt sicher wesentlich bessere Geiger), seine weibliche Entsprechung (ich hab gerade den Namen vergessen) und Paul Potts, wobei für Paul Potts ja noch nicht mal gutes Aussehen und Charisma sprcht.

Ehrlich gesagt kein Thema, bei dem ich mich auskenne. Ich habe das letzte Mal mit 13 Jahren Starkult betrieben, da hatte ich mein Zimmer mit BRAVO-Fotos von Barry Ryan bepflastert. :leb
Hosenrolle1 (12.10.2016, 14:56):
Original von Zefira
Da dieser Ordner unter "Klassikthemen" steht, betrachte ich das Thema mal aussschließlich unter dem Gesichtspunkt "klassische Musik":

Da steht er, weil es nicht nur um Sänger oder nicht nur um Dirigenten etc. gehen soll, sondern um alle möglichen Künstler im klassischen Bereich.


"Starkult", wenn man das so nennen kann, war bei mir in jugendlicheren und jungen Jahren ein Thema. Ich kann mich erinnern, dass ich irgendwann Mitte der 90er Jahre eine Führung am Küniglberg im ORF-Zentrum gemacht habe (ORF = österreichischer Rundfunk). Während der Führung huschte irgendwann einmal irgendeine Nachrichtensprecherin vorbei, die ich aus dem Fernsehen kannte, und dachte mir "Boah, wahnsinn, jemand aus dem Fernsehen, und jetzt live vor mir".

Ich war aber seitdem bei ziemlich vielen TV-Aufzeichnungen dabei (bin auch im Publikum zu sehen auf einer DVD :D), und hatte die Gelegenheit, mit zumindest in Österreich bekannten Promis zu reden, Fotos zu machen etc. Da habe ich - so blöd es klingt - gemerkt, dass da nichts Besonderes an diesen Leuten ist. Sie sind halt im Fernsehen zu sehen - na und?

Die Fotos und Autogramme aber habe ich mir mehr zur Erinnerung geholt, nicht weil es mir total wichtig ist, dass ich einen Zettel habe, wo der Promi drauf geschrieben hat.


Um zur Klassik zu kommen: mein Lieblingsmoment in der Oper (abgesehen von der Vorstellung selbst) ist, wenn der Dirigent auf die Bühne kommt. Der Dirigent hat dabei irgendwie etwas Erhabenes für mich; er hat die ganze Zeit alles geleitet, er kennt sich mit der Partitur genau aus. Er kommt auch nicht auf die Bühne und wirft Küsse ins Publikum oder heult herum, sondern steht irgendwie über all den Emotionen. Sowas imponiert mir.

Aber auch hier ist das nur ein Moment, der mir gefällt; ich würde mich nicht informieren, welche Werke er bisher geleitet hat, welche er noch leiten wird, und nachsehen, ob er in einer anderes Haus wechselt.

Mir ist am wichtigsten, dass die Aufführung (egal ob Oper, Konzert, etc.) gut ist, nicht welche Karrieren und Lebensläufe und Verträge dahinterstehen.

Der Starkult beschränkt sich dabei ja noch nicht mal auf Personen, nein, auch Häuser sind "betroffen". Wieviele diskutieren darüber, was es für eine Schande für ein Haus ist, dass der diesjährige Spielplan nichts Neues bietet, oder dass die Werke zu willkürlich ausgewählt wirken?

Ich weiß nicht, ich könnte so etwas nicht. Für mich sind Häuser einfach Aufführungsplätze, keine "Freunde" oder so. Ich lese durchaus einen Spielplan, um zu sehen ob etwas für mich dabei ist, aber wenn nicht, dann ist die Sache für mich abgehakt. Aber dass ich mich mit der Veröffentlichungspolitik beschäftige? Nein. Dafür bekommen die Direktoren und die anderen Leiter der jeweiligen Häuser ihr Gehalt, damit sie sich damit beschäftigen, nicht ich.




LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (12.10.2016, 15:33):
Original von Hosenrolle1
Der Starkult beschränkt sich dabei ja noch nicht mal auf Personen, nein, auch Häuser sind "betroffen". Wieviele diskutieren darüber, was es für eine Schande für ein Haus ist, dass der diesjährige Spielplan nichts Neues bietet, oder dass die Werke zu willkürlich ausgewählt wirken?

Das würde ich so nicht stehen lassen. Es gibt Menschen, mich eingeschlossen, für die sind Liveerlebnisse eine Art Elixier und da ist es sehr wohl ärgerlich wenn das Theater, Opernhaus, was-auch-immer der Heimatstadt nur Mainstream bietet oder diverse Ärgernisse bzw. Querelen anderer Art, die sich negativ auf die Performance oder auch Zukunft des jeweiligen Hauses auswirken. Das hat primär gar nichts mit Starkult zu tun.

Original von Hosenrolle1
Wo beginnt für euch der Starkult? Wenn man unkritisch jede Aufnahme eines Künstlers kauft, selbst wenn einen der Werk gar nicht interessiert?

Diesen Punkt kannst Du auch positiv sehen. Nicht nur einmal ist es bekannten Künstlern eben ob ihrer Bekanntheit gelungen, vergessene Werke zu reanimieren. Also, ich muss schon sagen, dass ich eine beträchtliche Anzahl an Werken auf diesem Wege kennen und schätzen gelernt habe.

Über diverse andere Punkte muss ich noch nachdenken...
Hosenrolle1 (12.10.2016, 15:51):
Original von Rotkäppchen
Das würde ich so nicht stehen lassen. Es gibt Menschen, mich eingeschlossen, für die sind Liveerlebnisse eine Art Elixier und da ist es sehr wohl ärgerlich wenn das Theater, Opernhaus, was-auch-immer der Heimatstadt nur Mainstream bietet oder diverse Ärgernisse bzw. Querelen anderer Art, die sich negativ auf die Performance oder auch Zukunft des jeweiligen Hauses auswirken. Das hat primär gar nichts mit Starkult zu tun.

Für mich schon ein bisschen, denn warum kümmert man sich darum, wie ein Haus dasteht, was für ein Ansehen etc. es hat? Sind das nicht in erster Linie Sorgen, die sich die Betreiber des Hauses machen müssten?
Wir reden hier ja auch nicht von irgendwelchen sehr kleinen Bühnen; die Semperoper ist berühmt, die Wr. Staatsoper ist berühmt, egal was da passiert.

Vor 10 Jahren, als ich mich besonders für HUG und Freischütz interessiert habe, habe ich mir gedacht "Schade, dass die Staatsoper das nicht spielt". Aber das war´s auch schon.

Im Grunde ist es ja fast schon egal, ob Mainstream oder mal etwas Neues läuft, weil das meiste davon sowieso unter "Etikettenschwindel" läuft.

Denk nur an den Freischütz, den ich dieser Tage gesehen habe, aus der Semperoper. Die haben einfach das Vorspiel zum dritten Akt an eine andere Stelle verschoben. Da hätte ich mich gefreut, dass es die Oper einmal spielt dort, und dann wird die Reihenfolge der Nummern einfach getauscht. Was kommt als nächstes? Wird die Schlussarie aus Aida nun am Anfang gesungen, und der Triumphmarsch am Ende, damit es ins Regiekonzept passt?




LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (12.10.2016, 16:01):
Original von Hosenrolle1
.... denn warum kümmert man sich darum, wie ein Haus dasteht, was für ein Ansehen etc. es hat? Sind das nicht in erster Linie Sorgen, die sich die Betreiber des Hauses machen müssten?
Es ging mir gar nicht um das Ansehen sondern konkret um den Spielplan und die Besetzungen, also das, was wirklich zum Liveerlebnis beiträgt. Und wenn das dauerhaft mittelmäßig ist, finde ich es ärgerlich, weil ich mich dann anderweitig umsehen muss, verreisen muss etc.. Die Begründung habe ich auch gegeben: weil ich an Liveerlebnissen hänge. Wenn das bei dir nicht der Fall ist, dann sei froh, das spart Geld und Nerven :D.
Hosenrolle1 (12.10.2016, 16:16):
Original von Rotkäppchen
Es ging mir gar nicht um das Ansehen sondern konkret um den Spielplan und die Besetzungen, also das, was wirklich zum Liveerlebnis beiträgt. Und wenn das dauerhaft mittelmäßig ist, finde ich es ärgerlich, weil ich mich dann anderweitig umsehen muss, verreisen muss etc.. Die Begründung habe ich auch gegeben: weil ich an Liveerlebnissen hänge. Wenn das bei dir nicht der Fall ist, dann sei froh, das spart Geld und Nerven :D.

Am Geld liegt es nicht, wohl aber an den Nerven ;)
Live-Besuche werden einem immer mehr madig gemacht: nerviges Publikum, nervende Übertitel, Handygeläute, schlechte Akustik, verkleinertes Orchester, nicht zuletzt die Inszenierungen, usw.

Wenn die meisten Inszenierungen aber sowieso Etikettenschwindel sind, ist es dann nicht egal, WAS gespielt wird?

Konkretes Beispiel: was nützt einem ein toller Spielplan für diese Saison, wenn die Inszeneriungen dann unter aller Sau sind?

Ich ärgere mich natürlich auch über schlechte Besetzungen (brr, diese Agathe ...), aber wie kann ich mich für die Veröffentlichungspolitik eines Hauses SO interessieren?




LG,
Hosenrolle1
Keith M. C. (12.10.2016, 16:46):
Hallo,

meine Ansicht darüber ist folgende:

1.
Starkult beginnt, wenn man die Grenzen, welche vermutlich jeder kennt, aber nicht genau zu definieren weiß, überschreitet. Wichtige Hinweise hierfür sind z. B. dass die eigentliche, die zu bewundernde Leistung aus dem Fokus rutscht und Nebensächlichkeiten des „Stars“ zum eigenen Lebensmittelpunkt werden. Dieses kann bis zur Identifikation mit der bewunderten Person gehen.

2.
Die Medien sind ein Beschleuniger und Multiplikator für diesen Starkult, aber nicht allein entscheidend. Starkult hat es bereits vor dem Aufkommen der Massenmedien gegeben.

3.
Dass Kinder oder Jugendliche eine Art „Fankultur“ pflegen, halte ich für überwiegend unbedenklich.

4.
Den Starkult gibt es fast überall, aber bei Sängern scheint er ausgeprägt zu sein. Die besonderen Reaktionen bei Kritik am „Objekt der Begierde“ deuten darauf hin.

5.
Ich vermeide den direkten persönlich-privaten Kontakt mit Künstlern, deren Leistungen ich bewundere oder über die ich schreibe. Autogramme hole ich grundsätzlich nicht ein und sammle sie auch nicht. Bei Biographien interessieren mich „Privatangelegenheiten“ selten. Vielleicht lese ich darum lieber eher spröde, nüchterne Biographien wie z. B. die Biographie über C. Kleiber von Alexander Werner (auch wenn er seine Bewunderung für C. Kleiber nicht verhehlt).

Bis dann.
Hosenrolle1 (12.10.2016, 16:59):
Original von Keith M. C.
Wichtige Hinweise hierfür sind z. B. dass die eigentliche, die zu bewundernde Leistung aus dem Fokus rutscht und Nebensächlichkeiten des „Stars“ zum eigenen Lebensmittelpunkt werden.

Zählst du dazu auch, dass man die Karriere genau verfolgt, dass man sich laufend informiert, wo jemand gerade verpflichtet wurde?

Dass man vielleicht sagt: "Na geh, jetzt wurde XY von diesem Haus verpflichtet, das ist doch nichts für ihn, da hat er gar nichts verloren"?

Für mich wurde das auch unter Nebensächlichkeiten fallen, weil das auch wieder Dinge sind, die eher das Management betreffen, und nicht mich, der ich nur Zuhörer bin. Mir ist die Leistung wichtig.


Kannst du dich erinnern an den spanischen Hänsel, den ich dir einmal gezeigt habe, und der mein neuer Lieblingshänsel geworden ist? Ich habe den auch hier in einer Rezension besprochen.
Obwohl das mein Lieblingshänsel ist, kümmere ich mich nicht weiter um die Sängerin. Das war eine Nachwuchssängerin, aber ich sehe jetzt nicht nach, welche Rollen sie wo noch singt, oder in welche Fächer sie wechselt. (Natürlich hoffe ich, dass sie noch Karriere macht, denn solche Stimmen für solche Rollen hört man viel zu selten auf den Opernbühnen!).
Für mich zählt nur, dass diese Figur für mich quasi perfekt gesungen wurde. Anders gesagt: für mich zählen die Figuren in einer Aufführung, bzw. die Musik eines Pianisten etc. mehr als der Künstler selber.

Stephen King hat in einem Playboy-Interview einmal gesagt, auf seinem Grabstein möchte er stehen haben "Nur die Geschichte zählt, nicht der, der sie erzählt". Nur das, kein Name.

Ja, vielleicht kann man Starkult auch so definieren, dass die Interpretation nicht mehr das Interessanteste ist, sondern der Mensch dahinter. Wie klingt das?




LG,
Hosenrolle1
Keith M. C. (12.10.2016, 17:08):
Lieber Hosenrolle1,

Original von Hosenrolle1
...
Zählst du dazu auch, dass man die Karriere genau verfolgt, dass man sich laufend informiert, wo jemand gerade verpflichtet wurde? ...

Nein.

Original von Hosenrolle1
...
Kannst du dich erinnern an den spanischen Hänsel, den ich dir einmal gezeigt habe, und der mein neuer Lieblingshänsel geworden ist? Ich habe den auch hier in einer Rezension besprochen. ...

Selbstverständlich. Aber da - wie Du weißt - "Hänsel und Gretel" nicht zu meinen bevorzugten Opern gehört, verfolgte ich die Karriere der Sängerin nicht.

Original von Hosenrolle1
Stephen King hat in einem Playboy-Interview einmal gesagt, auf seinem Grabstein möchte er stehen haben "Nur die Geschichte zählt, nicht der, der sie erzählt". Nur das, kein Name. ...

Och, wie uneitel.

Bis dann.
Hosenrolle1 (12.10.2016, 17:15):
Original von Keith M. C.

Original von Hosenrolle1
...
Kannst du dich erinnern an den spanischen Hänsel, den ich dir einmal gezeigt habe, und der mein neuer Lieblingshänsel geworden ist? Ich habe den auch hier in einer Rezension besprochen. ...

Selbstverständlich. Aber da - wie Du weißt - "Hänsel und Gretel" nicht zu meinen bevorzugten Opern gehört, verfolgte ich die Karriere der Sängerin nicht.

(Zu meinen mittlerweile auch nicht mehr :beer)

Aber wie meinst du das genau? Ich wollte ja nicht fragen, ob DU die Karriere verfolgst, sondern habe ein Beispiel gebracht, wie ich es halte; nämlich, dass mir eine gute Aufführung wichtiger ist als die Person, die dahintersteht.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (12.10.2016, 17:18):
Stephen King hat in einem Playboy-Interview einmal gesagt, auf seinem Grabstein möchte er stehen haben "Nur die Geschichte zählt, nicht der, der sie erzählt". Nur das, kein Name. ...

Gerade bei Stephen King habe ich den Verdacht, dass seine heutigen Bücher sich wesentlich schlechter verkaufen würden, wenn nicht sein Name drauf stünde.

Zumindest das letzte, das ich gelesen habe (und es wird auch das letzte bleiben), nämlich "Doctor Sleep", war gechwätziger Blödsinn ohne jedes erkenbare Gespür für Spannungsaufbau.
Keith M. C. (12.10.2016, 17:21):
Lieber Hosenrolle1,

bei mir gehen Werk und Komponist vor Interpretation und Reproduktions-Künstler.

Aber selbstverständlich interessiere ich mich für z. B. A. Toscanini, E. Caruso, M. Callas, J. Björling, R. Jacobs, C. Bartoli oder P. Konwitschny bzgl. deren Lebensleistung.

Ich sehe das nicht ganz so puristisch oder ausschließlich wie Du.

Bis dann.
Hosenrolle1 (12.10.2016, 17:22):
OT: wobei man sagen muss, das Interview stammt von 1983.




LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (13.10.2016, 17:47):
Original von Hosenrolle1
Ich weiß gar nicht, ob es schon einen derartigen Thread gibt, aber falls nicht, starte ich einfach mal einen.


Wo beginnt für euch der Starkult?

Wenn man Autogramme sammelt? Wenn man unkritisch jede Aufnahme eines Künstlers kauft, selbst wenn einen der Werk gar nicht interessiert? Wenn man sich mit der Bio beschäftigt, und/oder man sich laufend über die neusten Aktivitäten informiert, nach dem Motto "Hoffentlich spielt er mal Mozart" oder "Hoffentlich singt sie einmal im dramatischen Fach"?
Ist es Starkult, wenn man sich intensiv damit beschäftigt, wie sich eine Stimme, Interpretationsansätze oder das Tastenspiel verändert?

Habt ihr das Gefühl, dass es einen stärkeren Starkult bei Instrumentalisten (Geigenvirtuosen, Pianisten, etc.), bei Sängern oder bei Dirigenten gibt?

Sind nicht auch die Medien daran schuld, indem bestimmte Leute ständig erwähnt und gehypt werden?

(...)

LG,
Hosenrolle1

Wenn ich unsere Plattform als Maßstab nehme, dann scheint es mir bei Sängern denn größeren Starkult zu geben - exemplarisch wäre der Faden über Jonas Kaufmann. Ich selbst hatte nur ganz selten Fälle, die in die Richtung gehen, z.B. dass ich mir unbekannte Werke nur deshalb angehört habe, weil sie von einem bestimmten Interpreten dargeboten werden. Das waren aber selten "Stars", sondern Interpreten, die mich irgendwie begeistern konnten (Dobrin Petkov oder Vincent Dumestre am Stab oder das casalQuartett an den Saiten). Das ist eher ein positiver Seiteneffekt, der zur Repertoire- und Horizonterweiterung beiträgt.

Es gibt aber m.E. einen subtilen Starkult, der durch die unheilvolle Verbindung von Journalisten und Kritikern entsteht und bestimmte Interpreten auf einen so hohen Sockel hebt, dass eine objektive Beurteilung kaum noch möglich ist. Das ist ein sich selbst verstärkender Effekt. Wenn überall und allerorts zu lesen ist, wie großartig XY ist, dann geht der Novize schon mit einer bestimmten Erwartungshaltung ans Hören. Wenn er das dann so gar nicht nachvollziehen kann, denkt er, es liegt an ihm und er hält sich mit Kritik zurück, weil er sonst möglicherweise als inkompetent angesehen würde. Somit gibt es keine Kritiker, die sich dem einhelligen Jubel entgegenstellen, aber viele die mit einfallen. Beispiele, die mir in den Sinn kommen, die ich aber nicht nennen möchte, weil ich sonst als inkompetent gelte, wären J. Heifetz oder C. Kleiber.
Keith M. C. (14.10.2016, 12:31):
Original von Cetay

...

Es gibt aber m.E. einen subtilen Starkult, der durch die unheilvolle Verbindung von Journalisten und Kritikern entsteht und bestimmte Interpreten auf einen so hohen Sockel hebt, dass eine objektive Beurteilung kaum noch möglich ist. Das ist ein sich selbst verstärkender Effekt. Wenn überall und allerorts zu lesen ist, wie großartig XY ist, dann geht der Novize schon mit einer bestimmten Erwartungshaltung ans Hören. Wenn er das dann so gar nicht nachvollziehen kann, denkt er, es liegt an ihm und er hält sich mit Kritik zurück, weil er sonst möglicherweise als inkompetent angesehen würde. Somit gibt es keine Kritiker, die sich dem einhelligen Jubel entgegenstellen, aber viele die mit einfallen. Beispiele, die mir in den Sinn kommen, die ich aber nicht nennen möchte, weil ich sonst als inkompetent gelte, wären J. Heifetz oder C. Kleiber.


Lieber Cetay,

ja, aber den letzten Satz verstehe ich nicht. Meinst Du, dass J. Heifetz oder C. Kleiber auf einen Sockel gehoben wurden, der der Leistung nicht entsprach/entspricht?

Ich kenne einige die J. Heifetz' Interpretationen (Portamento, Einförmigkeit, kaltes Technokratentum etc.) bzw. C. Kleibers Interpretationen oder Lebensleistung (fehlende Repertoirebreite, Sängerauswahl, Unzuverlässigkeit etc.) kritisch sehen.

Dein Beispiel - wenn es denn so gemeint ist - gibt es aber auch in der "anderen Richtung". Z. B.: H. v. Karajan.

Bis dann.
Cetay (inaktiv) (14.10.2016, 16:15):
Original von Keith M. C.
Original von Cetay

...

Es gibt aber m.E. einen subtilen Starkult, der durch die unheilvolle Verbindung von Journalisten und Kritikern entsteht und bestimmte Interpreten auf einen so hohen Sockel hebt, dass eine objektive Beurteilung kaum noch möglich ist. Das ist ein sich selbst verstärkender Effekt. Wenn überall und allerorts zu lesen ist, wie großartig XY ist, dann geht der Novize schon mit einer bestimmten Erwartungshaltung ans Hören. Wenn er das dann so gar nicht nachvollziehen kann, denkt er, es liegt an ihm und er hält sich mit Kritik zurück, weil er sonst möglicherweise als inkompetent angesehen würde. Somit gibt es keine Kritiker, die sich dem einhelligen Jubel entgegenstellen, aber viele die mit einfallen. Beispiele, die mir in den Sinn kommen, die ich aber nicht nennen möchte, weil ich sonst als inkompetent gelte, wären J. Heifetz oder C. Kleiber.


Lieber Cetay,

ja, aber den letzten Satz verstehe ich nicht. Meinst Du, dass J. Heifetz oder C. Kleiber auf einen Sockel gehoben wurden, der der Leistung nicht entsprach/entspricht?



Genau das weiß ich nicht, weil diese Interpreten auf einem so hohen Sockel stehen und soviel Kult- und Legendenbildung betrieben wurde, dass es (mir) kaum mehr möglich ist, da objektiv hindurch zuhören.
Hosenrolle1 (14.10.2016, 16:50):
Dass man vielleicht ein bisschen anders hört, oder mit einer gewissen Erwartungshaltung, wenn ein Künstler ständig geprisen und/oder erwähnt wird, kann ich gut nachvollziehen.

Jedoch kann das zumindest bei mir schnell ernüchternd sein.

Beispiel aus der Praxis: Anna Netrebko

Ich denke jeder hier weiß, wieviel Rummel um sie gemacht wird, wieviele eigene Threads und Diskussionen sie hat.

Mir war so etwas immer suspekt, speziell wenn diese Künstler dann noch (wie eben die Netrebko) Werbung für irgendwelche Produkte machen, und sich mir dadurch umso mehr der Verdacht aufdrängt, dass es sich nur um eine Cashcow der Musikindustrie handelt. Helene Fischer oder Miley Cyrus, nur eben im Klassikbereich.

Ich habe mir also ihre Susanna angehört, die Arie "Deh vieni non tardar", und war überhaupt nicht begeistert.
Daran hat sich auch nichts geändert, weil sie so berühmt und bejubelt wird.

Selbstverständlich kann ich ihre Gesangstechnik nicht beurteilen; ich habe von diesen Dingen keine Ahnung. Vokalausgleich und dergleichen sind Fremdworte für mich. Da mag sie durchaus gut sein, aber mir gefiel ihr Vortrag trotzdem nicht.

Bei Elina Garanca geht es mir ähnlich. Auch sie wird so oft bejubelt, aber auch wenn ihre Gesangstechnik Spitzenklasse sein mag, ihre Habanera aus Carmen oder ähnliche Stücke, die ich in anderen Versionen schön finde, gefielen mir absolut nicht. Auch da wird der Rummel um ihre Person nichts ändern.




LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (14.10.2016, 16:59):
Original von Hosenrolle1
Dass man vielleicht ein bisschen anders hört, oder mit einer gewissen Erwartungshaltung, wenn ein Künstler ständig geprisen und/oder erwähnt wird, kann ich gut nachvollziehen.

Jedoch kann das zumindest bei mir schnell ernüchternd sein.

Beispiel aus der Praxis: Anna Netrebko

Ich denke jeder hier weiß, wieviel Rummel um sie gemacht wird, wieviele eigene Threads und Diskussionen sie hat.

Mir war so etwas immer suspekt, speziell wenn diese Künstler dann noch (wie eben die Netrebko) Werbung für irgendwelche Produkte machen, und sich mir dadurch umso mehr der Verdacht aufdrängt, dass es sich nur um eine Cashcow der Musikindustrie handelt. Helene Fischer oder Miley Cyrus, nur eben im Klassikbereich.

Ich habe mir also ihre Susanna angehört, die Arie "Deh vieni non tardar", und war überhaupt nicht begeistert.
Daran hat sich auch nichts geändert, weil sie so berühmt und bejubelt wird.

Selbstverständlich kann ich ihre Gesangstechnik nicht beurteilen; ich habe von diesen Dingen keine Ahnung. Vokalausgleich und dergleichen sind Fremdworte für mich. Da mag sie durchaus gut sein, aber mir gefiel ihr Vortrag trotzdem nicht.

(...)


LG,
Hosenrolle1

Ich glaube, das kann man nicht vergleichen. Bei Netrebko gab es von Beginn an scharfe Gegenstimmen, insbesondere von Seiten der Kennerschaft. Der subtile Starkult, den ich meine, bezieht sich auf Künstler deren Ruf schon so etabliert ist, dass ihn (fast) niemand mehr hinterfragt - bzw. sich traut, ihn laut zu hinterfragen.
Hosenrolle1 (14.10.2016, 17:06):
Du meinst, weil Kleiber und Heifetz schon tot sind?



LG,
Hosenrolle1
EinTon (14.10.2016, 22:25):
Original von Cetay

Wenn ich unsere Plattform als Maßstab nehme, dann scheint es mir bei Sängern denn größeren Starkult zu geben - exemplarisch wäre der Faden über Jonas Kaufmann.

Der Kult um den Dirigenten Karajan war auch schon ziemlich ausgeprägt - und ist es bei manchen noch. Leute, die ihr Idol derart kritiklos anhimmeln wie manche Karajan-Fans, kenne ich sonst bei keinem Musiker, schon gar keinem klassischen.
Hosenrolle1 (14.10.2016, 23:17):
Ob das Anhimmeln auch an seiner sehr guten Selbstvermarktung liegt? Er hat ja auch bestimmt, wie er beim Dirigieren gefilmt werden soll, etc., sich also selbst inszeniert.


Wenn ich sehe, dass ein Dirigent so viele verschiedene Sachen aufgenommen hat, durch so viele Epochen hindurch, bin ich schon ziemlich skeptisch.

Zum einen deswegen, weil ich dann den Verdacht habe, dass es da in erster Linie um den Profit geht, nach dem Motto: "Nehmen wir so viele Werke wie möglich auf, vermarkten das Ganze professionell, damit eine reiche Auswahl zum Kaufen vorhanden ist".

Aber auch aus künstlerischer Sicht. Ich mag es, wenn Dirigenten sich auf eine bestimmte Epoche, oder auf bestimmte Komponisten spezialisieren, die dafür aber umso genauer studieren.




LG,
Hosenrolle1
Jürgen (14.10.2016, 23:53):
Karajan hat der Nachwelt sicherlich die meisten Aufnahmen hinterlassen.

EMI: 160 CDs
DGG: 240 CDs
DECCA: 50 CDs (grobe Schätzung)


Also Pi mal Daumen etwa 450 CDs. Das ist schon eine ganze Menge. Dennoch hatte er seine Steckenpferde, wie z.B. die Beethoven-Sinfonien, die er komplett 4x aufgenommen hat. Daher deckte er natürlich viele Epochen ab. Aber zum Glück streifte er den Barock nur unwesentlich und weiter zurück ging er gar nicht.

Die Selbstvermarktung hat er, den Zeitgeist treffend, gut hinbekommen, Hut ab. Das hat auch Lenny in den USA nicht so professionell hinbekommen. Man muss auch gönnen können.

Und auch qualitativ ist ihm Einiges gut gelungen.

Grüße
Jürgen
Hosenrolle1 (15.10.2016, 00:17):
Original von Jürgen
Karajan hat der Nachwelt sicherlich die meisten Aufnahmen hinterlassen.

EMI: 160 CDs
DGG: 240 CDs
DECCA: 50 CDs (grobe Schätzung)


Alle aus seinem Privatbesitz? Wer hat die geerbt? :D

Nein, ernsthaft: die ganze Vermarktung und die Selbstinszenierung sind mir im Grunde egal. Wenn er wollte, dass die Streicher bei einer Filmaufnahme alle die gleiche Handbewegung machen, wegen der Optik, und die Kamera ihn von unten filmt, damit er majestätischer wirkt - kein Problem.

Aber ich denke mir, wenn man so ein breites Spektrum hat, wieviel Zeit bleibt dann noch für das Studium eines Werkes? Ich rede da jetzt noch nicht mal von kleinsten Feinheiten.

Harnoncourt hat in einem Interview gesagt, er findet selbst jetzt noch (das war 1995) in der Partitur des Figaro ständig neue Details, die ihm vorher nie aufgefallen sind.

Wie erarbeitet man sich eine Partitur, ein Werk, das man aufnehmen möchte, wenn man daneben noch 200 andere Werke hat? Spielt man die Werke dann irgendwie routiniert ab? Achtet man nur auf eher gröbere Details, oder darauf, dass die Balance zwischen den einzelnen Stimmen passt?




LG,
Hosenrolle1
EinTon (15.10.2016, 14:30):
Original von Hosenrolle1


Aber ich denke mir, wenn man so ein breites Spektrum hat, wieviel Zeit bleibt dann noch für das Studium eines Werkes?

War sein Spektrum überhaupt so breit? Ich hatte immer den Eindruck, er sei schon stark auf die deutsche/österreichische Klassik und Romantik fixert gewesen.
Hosenrolle1 (15.10.2016, 14:38):
Bei den Sinfonien und anderen Orchesterwerken kann ich das nicht wirklich beurteilen, aber bei den Opern habe ich schon das Gefühl, dass er da alles mögliche gemacht hat.

Wagner, Verdi, Mozart, sogar Gluck, Puccini, Oratorien, Operetten ...


Ich meine, auch wenn er stilistisch nicht extrem breit gefächert war, hat er doch wahnsinnig viele Werke eingespielt. Wieviel Zeit bleibt da noch zum Studium einer Partitur?




LG,
Hosenrolle1
EinTon (15.10.2016, 14:58):
Mit nur 3 Werken (oder auch nur 4 Komponisten etc.) kommt man halt als Dirigent nicht weit...
Hosenrolle1 (15.10.2016, 15:04):
Original von EinTon
Mit nur 3 Werken (oder auch nur 4 Komponisten etc.) kommt man halt als Dirigent nicht weit...

Finanziell auf jeden Fall.

Natürlich wird man nicht nur so wenige Werke aufnehmen, selbst wenn es rentabel wäre.

Aber dennoch bleibt die Frage: wieviel Zeit hat man dann für eine Partitur, wenn da noch 200 andere liegen? Und wie genau schaut man sich die an?




LG,
Hosenrolle1
EinTon (15.10.2016, 15:06):
Es kommt auf das klingende Ergebnis an, und nicht ob man jede Note mit der Lupe inspiziert hat... :wink
Hosenrolle1 (15.10.2016, 15:10):
Ok, anders gefragt: wie kann ich mir eine Interpretation erarbeiten, speziell bei komplexeren Partituren, wenn ich so viele andere Sachen auch noch erarbeiten muss? Oder kommt da wirklich nur die Routine ins Spiel?

Dass man vielleicht sagt "Naja, ich kenne das Werk eh schon so gut vom Hören, ich schau mal ein bisschen in die Noten und der Rest ergibt sich dann bei den Proben".


EDIT: bei einer Harnoncourt-CD hätte ich das Gefühl, dass sich der Dirigent eingehenst damit beschäftigt hat. Er hat das Autograph gelesen, Quellen studiert, usw.
Dazu hat er dem Orchester alles ganz genau beschrieben, sehr bildhaft.

Bei einer Karajan-CD habe ich das Gefühl, dass ich da Massenware in der Hand halte. Massenware, die durchaus gelungen sein kann, aber trotzdem ist das etwas ganz anderes als bei Harnoncourt.




LG,
Hosenrolle1
EinTon (15.10.2016, 15:14):
Ok, anders gefragt: wie kann ich mir eine Interpretation erarbeiten, speziell bei komplexeren Partituren, wenn ich so viele andere Sachen auch noch erarbeiten muss? Oder kommt da wirklich nur die Routine ins Spiel?Dass man vielleicht sagt "Naja, ich kenne das Werk eh schon so gut vom Hören, ich schau mal ein bisschen in die Noten und der Rest ergibt sich dann bei den Proben".

Fragen Sie den nächsten verfügbaren Dirigenten! :P


EDIT: bei einer Harnoncourt-CD hätte ich das Gefühl, dass sich der Dirigent eingehenst damit beschäftigt hat. Er hat das Autograph gelesen, Quellen studiert, usw.Dazu hat er dem Orchester alles ganz genau beschrieben, sehr bildhaft.Bei einer Karajan-CD habe ich das Gefühl, dass ich da Massenware in der Hand halte. Massenware, die durchaus gelungen sein kann, aber trotzdem ist das etwas ganz anderes als bei Harnoncourt.

Welche CDs meinst Du denn genau? Nenne doch mal die Titel!

Übrigens hat Harnoncourt - von Alter Musik bis zu Bruckner - auch recht breitgefächertes Spektrum auf Tonträger aufgenommen und wohl noch mehr live dirigiert.
Hosenrolle1 (15.10.2016, 15:15):
Original von EinTon
Fragen Sie den nächsten verfügbaren Dirigenten! :P

Schade.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (15.10.2016, 15:23):
Original von EinTon
Welche CDs meinst Du denn genau? Nenne doch mal die Titel!

Übrigens hat Harnoncourt - von Alter Musik bis zu Bruckner - auch recht breitgefächertes Spektrum auf Tonträger aufgenommen und wohl noch mehr live dirigiert.

Es geht mir nicht um bestimmte CDs. Dass die gelungen sein können bezweifle ich nicht, im Gegenteil, ich mag sein HUG und seine Salome sehr.

Aber ich habe mehrere Karajan-Interviews gesehen, aus verschiedenen Zeiten, und nirgendwo höre ich so etwas wie "Komponist XY notiert hier dieses und jenes, damals hat man das anders interpretiert als heutzutage" etc.

Bei Harnoncourt habe ich das Gefühl, dass er sich mit den Werken intensiver beschäftigt, eben durch Quellenstudium, Durchsicht des Faksimle etc., und er sich mehr spezialisiert hat, mehr in der Sache drin war. Da habe ich nicht das Gefühl, dass es eine Massenproduktion gab.




LG,
Hosenrolle1
Keith M. C. (15.10.2016, 15:40):
Original von EinTon
Mit nur 3 Werken (oder auch nur 4 Komponisten etc.) kommt man halt als Dirigent nicht weit...

Lieber EinTon,

der bereits angesprochene C. Kleiber kam z. B. mit den Jahren mit immer weniger Werken aus. Es waren zwar nicht 3, aber relativ wenig. Das hat seinem Ruf und seinem Erfolg wenig geschadet. Aber vielleicht definierst Du 'weit kommen' anders.

Ja, selbstverständlich kommt ein Dirigent spätestens zum Studium oder als Berufsanfänger nicht mit der Kenntnis über 3 Werke aus.

Bzgl. des Spektrums ist es bei Karajan relativ klein, wenn man Alte Musik und Moderne ab 1950 oder gar Jazz, Rock usw. mit einschließt. Aber Du möchtest doch nicht wirklich bestreiten, dass Karajan oder auch Harnancourt ein sehr breites Repertoire hatten. Wenn nicht diese beiden, wer dann?

Bis dann.
Cetay (inaktiv) (15.10.2016, 16:28):
Original von EinTon
Original von Cetay

Wenn ich unsere Plattform als Maßstab nehme, dann scheint es mir bei Sängern denn größeren Starkult zu geben - exemplarisch wäre der Faden über Jonas Kaufmann.

Der Kult um den Dirigenten Karajan war auch schon ziemlich ausgeprägt - und ist es bei manchen noch. Leute, die ihr Idol derart kritiklos anhimmeln wie manche Karajan-Fans, kenne ich sonst bei keinem Musiker, schon gar keinem klassischen.

Stimmt, den hatte ich vergessen; an so einem pathologischen Fall hatten wir hier lange unsere Freude. Aber: Leute, die ihr Hassobjekt derart hyperkritisch ablehnen wie manche Karajan-Gegner, kenne ich sonst bei keinem klassischen Musiker. Dass praktisch jede Diskussion in Streitereien und persönlichen Angriffen endet, ist da vorprogrammiert.
Keith M. C. (15.10.2016, 16:36):
Lieber Cetay,

ja, das sind dann Fälle übersteigerter Identifikation. Ich habe nichts dagegen seine jeweiligen Favoriten zu verteidigen, aber zuweilen muss man sich schon wundern.

Bis dann.
EinTon (15.10.2016, 16:50):
Original von Keith M. C.
Lieber EinTon,

der bereits angesprochene C. Kleiber kam z. B. mit den Jahren mit immer weniger Werken aus. Es waren zwar nicht 3, aber relativ wenig. Das hat seinem Ruf und seinem Erfolg wenig geschadet. Aber vielleicht definierst Du 'weit kommen' anders.

Mir fiele noch Günter Wand ein, der meines Wissens primär als Brucknerdirigent bekannt wurde.

Man muss aber schon unterscheiden zwischen auf CD eingespielten und live aufgeführten Werken. Als Dirigent eines großstädtischen Sinfonieorchesters musst Du einfach eine gewisse Bandbreite bieten, sonst wirds dem Publikum schnell langweilig. Auf CD kann man sich natürlich leichter auf nur wenige Komponisten beschränken.
EinTon (15.10.2016, 16:51):
Original von Cetay

Stimmt, den hatte ich vergessen; an so einem pathologischen Fall hatten wir hier lange unsere Freude. Aber: Leute, die ihr Hassobjekt derart hyperkritisch ablehnen wie manche Karajan-Gegner, kenne ich sonst bei keinem klassischen Musiker.

Das beruht wohl auf Gegenseitigkeit. :D
Keith M. C. (15.10.2016, 18:27):
Original von EinTon


Man muss aber schon unterscheiden zwischen auf CD eingespielten und live aufgeführten Werken. Als Dirigent eines großstädtischen Sinfonieorchesters musst Du einfach eine gewisse Bandbreite bieten, sonst wirds dem Publikum schnell langweilig. Auf CD kann man sich natürlich leichter auf nur wenige Komponisten beschränken.

Lieber EinTon,

das wäre wünschenswert. Aber in großstädtischen Sinfonieorchestern haben GMD meist noch weitere Dirigenten und Gastdirigenten im Einsatz. Der Chef sucht sich die favorisierten Werke aus und überlässt den anderen Teil anderen Dirigenten.

Bis dann.
EinTon (15.10.2016, 19:04):
OK, hatte ich so nicht bedacht.
Hosenrolle1 (16.10.2016, 17:46):
Dass Sänger (und seltener Dirigenten) vielleicht tatsächlich am ehesten vom Starkult betroffen sind zeigt auch die Tatsache, dass in den zahlreichen "Umbesetzungen"-Threads diverser Foren, wo man nie lesen wird "Der zweite Geiger XY wird durch einen anderen vertreten" oder "Der Pauker wird ersetzt durch YX". Das Orchester als anonyme Masse.

Ich bin sicher, die wenigsten holen sich von Orchestermitgliedern Autogramme nach einer Vorstellung. Oder täusche ich mich da?




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (19.10.2016, 12:22):
Original von Keith M. C.
Lieber Hosenrolle1,

bei mir gehen Werk und Komponist vor Interpretation und Reproduktions-Künstler.

Wie meinst du "Reproduktions-Künstler" genau?


Aber selbstverständlich interessiere ich mich für z. B. A. Toscanini, E. Caruso, M. Callas, J. Björling, R. Jacobs, C. Bartoli oder P. Konwitschny bzgl. deren Lebensleistung.

Ich interessiere mich auch für Biografien, besonders von Komponisten, die schon lange tot sind. Wenn ich etwa auf der Homepage des Mozarteums alte Mozart-Briefe lese, oder Briefe seiner Verwandten, und mir denke, wie lange das schon her ist ... das hat auf jeden Fall etwas!




LG,
Hosenrolle1
Keith M. C. (19.10.2016, 13:04):
Lieber Hosenrolle1,

ich hoffte, dass ein Nachfragen oder eine Reaktion von Dir oder anderen früher gekommen wäre. Trotzdem: Danke!

1.
Die Verwendung des Begriffs ist eine Provokation, die ich meist einsetze, wenn bei einer Interpretation sogenannter klassischer Musik von „Nachschöpfung“ gesprochen wird. Denn eine Kunst-Reproduktion ist grundsätzlich das Anfertigen einer Kopie. A. Toscanini, S. Richter, E. Gilels, W. Kempff, E. Caruso, M. Callas usw. sind jedoch keine Kopisten, sondern Interpreten.

2.
Ich mache Unterschiede zwischen:
- Interpretation sog. klassischer Musik (Partitur, Sekundärliteratur, Aufführungspraxis…) von einem Interpreten
- Interpretation sog. klassischer Musik vom Komponisten selbst
- Interpretation von Rock, Jazz usw.
- Interpretation von Opern, Operetten gegenüber z. B. Symphonien

3.
Die Oper kann man als Werk-Einheit* betrachten, deren Aufführung dann einmal autorisiert vom Komponisten/Librettisten vorgenommen wird (bzw. selbst inszeniert wird) oder die Operninszenierung als eigenständige Kunstform und damit eigenes Werk einordnen, wobei der Inszenierende/Regisseur Interpret und neuschaffender Künstler ist. Ich vertrete die zweite Ausrichtung. Deshalb habe ich in meinem Beitrag zur Verwirrung und Provokation (also um ein Nachfragen, eine Diskussion zu erreichen) einen Opernregisseur benannt.

Bis dann.

*Und man kann „Werk“ auch gänzlich anders definieren oder die Existenz von „Werk“ an sich in Frage stellen, wenn man es (gut und stringent) begründet.
Peter (28.11.2016, 14:39):
Künstler, die durch ein kritisches Fachpublikum langfristig Zuspruch erfahren, werden zu anerkannten Größen und damit zu Stars.

Weil es aber auch um Geld - oft viel Geld - geht, gesellen sich die Werbeleute dazu.

Und in der Werbung ist das Bild ausschlaggebend.

Nicht ohne Schmunzeln beobachte ich gerne den Werdegang bei weiblichen Stars aus der Klassikszene.

Wie schauen die CD Covers aus?

Am Anfang noch ein Kopfbild, dann geht es etwas tiefer zum Brustbild, hier von der dezenten Kleidung hin zum Abendkleid mit Dekoltee, am Schluß in räkelnder Pose in sehr femininer Aufmachung.

So macht man Stars für das nichtfachkundige Publikum.
Hosenrolle1 (28.11.2016, 15:02):
Ob das mit dem immer tiefergehenden Bild auf CD-Cover so stimmt weiß ich leider nicht, aber prinzipiell stimme ich dem voll und ganz zu.

Ich stand erst kürzlich in einem Saturn vor der Klassikabteilung, und habe mich angesichts der dortigen Cover (übermäßig viele Deutsche Grammophon-Aufnahmen) gefragt, ob das hier tatsächlich die Klassikabteilung ist, weil man nur übelst gephotoshopte Gesichter und Körper sah, weichgezeichnete Wachspuppen mit aufgemalten Spitzlichtern, allerdings nicht nur bei den Damen, auch bei den Herren wird das gemacht, und da auch bei den jüngeren. Fältchen weg, das Ohr ein bisschen runder machen, die Pupillen etwas strahlender machen, die Lippen etwas voller, den Bart, der an manchen Stellen schwächer ist, nachfüllen, usw.

Was die "sexy Darstellung" betrifft, so muss ich sagen, dass ich kein absoluter Gegner davon bin, denn gerade etwa bei Opern mit entsprechendem Inhalt kann das durchaus passend sein - allerdings in einem gewissen Rahmen und geschmackvoll. Diese ständigen Bilder mit Cellistinnen, die breitbeinig da sitzen und ihr Instrument befummeln oder sonst wie lasziv dreinschauen, das muss doch echt nicht sein. Natürlich, Sex sells, da wird die Klassik auch nicht wirklich verschont bleiben.

Umgekehrt muss ich auch sagen, dass ich viele Cover älterer Aufnahmen etwa der 40er, 50er, 60er und großteils der 70er Jahre auch fürchterlich finde. Da sieht man oft einen Figaro, der um die 50 und relativ beleibt ist, da sieht man eine Marschallin, die ebenfalls in ihren 50ern steht, obwohl diese Figuren eigentlich viel, viel jünger sind. Das Alter oder das Gewicht sagen natürlich überhaupt nichts über die Qualität des Gesangs aus (E. Grümmer war Anfang-Mitte 40, als sie eine wundervolle Agathe und einen herrlichen Hänsel sang!), aber was Cover betrifft, so sind da viele alte Cover im negativen Sinne verstaubt und bieder, obwohl die Oper aufgeladen ist mit Erotik. So toll die Schwarzkopf als Marschallin gesanglich auch sein mag, ich nehme ihr die Figur optisch nicht ab, die für heutige Verhältnisse junge Frau, die sich da mit Oktavian vergnügt ... viel eher kann ich mir vorstellen, dass sie währendessen ständig an ihm herummeckert und sagt, welche Liebhaber früher besser waren, dass die Qualität früher auch besser war.

Ich glaube daher, dass es zwei Extreme gibt: die übersexualisierte Variante, und die biedere. Ein Mittelweg wäre auf jeden Fall gut!



LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (04.12.2016, 17:20):
Ich kopiere mal ausschnittsweise Beiträge aus dem Spohr-Faden hierher. Dort wurden sie vermutlich kaum gelesen, weil Spohr kein Star ist und der Faden erst gar nicht angeklickt wurde. 8)
Ich habe ein paar Sachen hervorgehoben, die hier reinpassen und zu der mich eure Meinung brennend interessiert.

Jaja, der Spohr. Auch ein so Fall von (Musik-)Geschichtsrevision. Zu Lebzeiten war er eine Berühmtheit. Als Komponist war er bekannter als Robert Schumann, als Geigenvirtuose mit Paganini auf Augenhöhe. Heute muss man -abgesehen von zwei, drei Werken- Aufnahmen von Interpreten, die als erstrangig gelten, mit der Lupe suchen und wer für Konzerte keine weiten Reisen unternehmen will, muss viel Geduld aufbringen, bis er mal in der näheren Umgebung gespielt wird. Sicher, es gibt mittlerweile eine Gesamteinspielung seiner Streichquartette (aufgeteilt zwischen drei Ensembles, die sonst kaum hervorgetreten sind), seiner Violinkonzerte und gar zwei Sinfonien-GAs. Aber zur durchgreifenden Renaissance hat das kaum beigetragen; siehe die Resonanz zu diesem Faden. Betreiben wir nicht auch bei den Komponisten eine Art "Starkult", wenn wir uns den was weiß ich wievielten Zyklus der Beethoven-Quartette ins Regal stellen und Spohr einfach ignorieren? Ist er wirklich so schlecht, dass er eine Beschäftigung nicht lohnt oder folgen wir bloß (zu) kritiklos dem historischen Urteil, das alles in Beethovens zeitlicher Nähe in die zweite Reihe verweist? Hand aufs Herz - wer von den Beethoven-Sammlern hat sich wenigstens ein halbes der drei Dutzend von Spohr komponierten Quartette zumindest einmal angehört, um sich selbst ein Bild zu machen? Und falls nicht... Warum?
Zu Spohr kann ich nicht viel sagen, auch wenn er ein bedeutender Geiger war und durch die Erfindung der Lagentechnik und vor allem des Kinnhalters das Geigenspiel mehr geprägt hat als vielleicht sonst jemand, ist er tatsächlich sehr in der Versenkung verschwunden. Das 8. Violinkonzert kenne ich, aber das wars dann auch schon...
Das ist ein entscheidender Punkt. Wenn schon angehende Profi-Musiker Spohr überhaupt nicht mehr kennen, dann wird er auch in Zukunft nicht öfter gespielt werden. Die Frage ist, nach welchen Kriterien diese Auswahl getroffen wird. Steht Spohr nicht auf den Lehrplänen? Gibt es einen musikhistorischen Kanon, nach dem eine Vorauswahl getroffen wird, mit welchen Werken/Komponisten eine Beschäftigung angebracht ist? Wenn ja, ist dieser Kanon in Stein gemeißelt oder müsste der nicht immer wieder mal auf den Prüfstand gestellt werden, wie es der Dirigent Adriano (-> hier) fordert? Music history should be revised to show that it is not just the story of the so-called great composers, and that it should not be neatly classified into traditions and categories. Much more good music has been written than certain musicologists and critics would care to admit.
Ich meine ja, der Mann hat sehr recht. Die Praxis sieht freilich anders aus: Es gibt das Podium (Bach, Mozart, Beethoven), das Verfolgerquartett (Schubert, Mendelssohn, Brahms, Bruckner) und die Spitze des großen Feldes (Händel, Vivaldi, Haydn, Schumann, Mahler, Wagner, Tschaikowski, Debussy, Chopin, Dvorak, Verdi, Strauss), alles weitere wird nur noch in Spezialisten-kreisen wahrgenommen. Auf der einen Seite ist das verständlich, denn das reicht ja für ein ganzes Leben. Aber wie kommt eine solche Gläubigkeit eigentlich zustande? Warum hört sich einer 9 Sinfonien, 16 Streichquartette und 32 Klaviersonaten von Beethoven an, aber versucht es nicht einmal mit Pleyel oder Spohr?
Nicolas_Aine (04.12.2016, 22:43):
unter Streichern wird manchmal gesagt: "Geiger spielen Mozart (Konzerte). Cellisten spielen Haydn, die haben nämlich keinen Mozart. Und Bratschen müssen Hoffmeister spielen, die haben nämlich weder noch."

Ein Teil des Problems liegt vielleicht auch in der Ausbildung der Musiker. Das sogenannte "Standardrepertoire" ist nämlich, grade bei Geige, Cello und v. a. Klavier und noch viel schlimmer bei Dirigenten so riesig, dass eigentlich keine Zeit bleibt, noch etwas anderes zu lernen. Es wird nämlich auch erwartet, dass eben jenes Repertoire so weit wie möglich beherrscht wird, und allein das ist für den durchschnittlichen Musikstudent schon völlig unmöglich.

Der andere Teil ist natürlich dann auch das Publikum. Ich hatte ein Konzert in Stuttgart, da hab ich von Albert Roussel: Bacchus et Ariane, Milhaud: La Boef sur la toit und die Symphonie fantastique gespielt. Der Saal war zu ca. 2/3 voll, maximal. Wenn aber Mahler, Beethoven o. ä. auf dem Programm stand, gleiches Orchester, gleicher Saal, gleiche Aboreihe, gleich bekannte Dirigenten / Solisten, dann wars voll.
EinTon (04.12.2016, 23:03):
unter Streichern wird manchmal gesagt: "Geiger spielen Mozart (Konzerte). Cellisten spielen Haydn, die haben nämlich keinen Mozart. Und Bratschen müssen Hoffmeister spielen, die haben nämlich weder noch."
Wenn es um Wiener Klassik geht, mag das stimmen. Ansonsten ist das prominenteste Cellokonzert sicherlich das von Dvorak.
Nicolas_Aine (04.12.2016, 23:06):
unter Streichern wird manchmal gesagt: "Geiger spielen Mozart (Konzerte). Cellisten spielen Haydn, die haben nämlich keinen Mozart. Und Bratschen müssen Hoffmeister spielen, die haben nämlich weder noch."
Wenn es um Wiener Klassik geht, mag das stimmen. Ansonsten ist das prominenteste Cellokonzert sicherlich das von Dvorak.
Ja, so war das gemeint! Hätte ich dazuschreiben sollen, sorry. Für alle Instrumente gibt es sonst ja noch große und berühmte Konzerte, das ist klar, aber der Spruch bezieht sich nur auf die Wiener Klassik. Kommt auch daher, dass das bei Probespielen in der 1. Runde gespielt wird (Mozart Violinkonzerte Nr. 3-5, Haydn D-Dur Cellokonzert und bei den Bratschen Hoffmeister oder Stamitz).
Hosenrolle1 (22.12.2016, 12:53):
Oh mein Gott! Ein neuer Staatsoperndirektor wurde gewählt! Oh mein Gott oh mein gott! Jetzt steht die Welt nicht mehr lange! Die Staatsoper wird zugrunde gehen, klassische Musik wird aussterben, keiner wird mehr in die Staatsoper kommen, es ist zum Verzweifeln!!! Alles kaputt!!!!!! Die armen Steuerzahler! Und das in WIEN! Die Spielpläne werden fürchterlich sein, alles geht zugrunde, arme kultur armes Wien!!! Ich geh gleich Beschwerdebriefe schreiben, vielleicht könnten die Stones ein Benefiz für die STOP spielen!!!



LG,
Hosenrolle1


P.S.: :D