TV-Übertragung aus Salzburg: Strauss, Ariadne auf Naxos (Ur-Fassung)
ar (06.08.2012, 00:08): Zu allererst: Ich mag Strauss eigentlich nicht, eigentlich nur die FroSch. Aber selten habe ich mich so wenig gelangweilt bei einer Straussoper, besonders bei der Ariadne, wie heute. Ich möchte jedenfalls nur noch die von Bechtholf bearbeitete Ur-Fassung sehen und hören (was vielleicht auch daran liegt, dass ich auch das Theater liebe). Die Inszenierung kann ich gar nicht so gut beschreiben, wie Severina das kann. Aber mir hat die Personenführung sehr gut gefallen (zwischen den Schauspielern natürlich besser, als die zwischen den Sängern). Besonders die Szene, wo Kaufmann als Tenor seinen Ausraster hat, zum Airport rennen will und laut nach „Pereira“ schreit.
Emily Magee ist seit eh und je ein „Allerwelts“-Sopran für mich. Das ist jetzt nicht abschätzig gemeint, sie enttäuscht nie, bringt mir aber auch nicht immer Sternstunden.
Die Mosuc schlägt sich achtbar und eigentlich gesanglich gesehen ziemlich genial (obwohl sie indisponiert sein soll). Schauspiel ist und war ihre Sache nie, bei dieser Stimme verzeihe ich ihr das aber auch gerne. Die Komödianten-Truppe war sehr gut, Bermudez gefiel mir auf der Aufnahme aus Zürich besser.
Und Kaufmann, nun ja, ich mag ihn sehr und bin weiterhin der Überzeugung, dass er DER Bacchus ist (obwohl diese Serie erst sein Debüt war/ist). Aber trotzdem klang das heute nicht so einfach, wie er sonst für mich klingt (für mich ist das nie angestrengt), was wohl auf die Dauerbelastung zurückzuführen ist (3 Abende hintereinander, das ist schon zu viel).
Strauss hätte aber ein schnelleres, besseres Ende komponieren sollen.
Dirigat völlig ok, die Philharmoniker, wie immer bei Strauss, auf höchstem Level. Toller Abend, trotz Strauss (oder gerade wegen?)! :hello
@Billy: Wenn wir die Aufführung fertig diskutiert haben, kannst du den Thread ja in den TV-Thread rüber nehmen, wie das bei der Boheme geplant ist, geht das für dich in Ordnung?
Billy Budd (06.08.2012, 00:16): Original von ar @Billy: Wenn wir die Aufführung fertig diskutiert haben, kannst du den Thread ja in den TV-Thread rüber nehmen, wie das bei der Boheme geplant ist, geht das für dich in Ordnung? Ja, passt! Ich halte es übrigens für eine sehr gute Idee, wenn mehrere Übertragungen gleichzeitig diskutiert werden, erst einzelne Threads zu eröffnen und die nachher in den Sammelthread zu schieben! Billy :hello
P.S.: Weiß jemand, ob das die Inszenierung ist, die nach Wien kommen soll (also die Urfassung)? Die Übertragung hab ich mir nicht angeschaut.
Hyacinth (06.08.2012, 00:22): Original von Billy Budd
P.S.: Weiß jemand, ob das die Inszenierung ist, die nach Wien kommen soll (also die Urfassung)? Die Übertragung hab ich mir nicht angeschaut.
Nein, bitte nicht, ich will einen Mezzosopran als Komponist!!! X(
Rideamus (06.08.2012, 00:24): Nach der heutigen Abmoderation fürchte ich, die Wiener bekommen auch die (vermutlich noch einmal überarbeitete und hoffentlich gekürzte) "Urfassung". Was die Nachricht von Christine Schäfer als "Komponisten" angeht, so staune ich etwas. 1998 erlebte ich sie noch in München als Zerbinetta neben dem Komponisten der Susan Graham, und auch jetzt führt ihre Website als einzige Strauss-Partie die Sophie. Wagt sie sich wirklich an diese halsbrecherische Variante der Zerbinetta heran. Wenn ihre grandiose münchener Leistung als Maßstab gelten kann, wäre das immerhin allein schon ein Grund, sich diese Inszenierung anzutun. Jonas Kaufmann wäre ein weiterer.
Ansonsten für diesmal nur kurz vorab: ich bin auch wach geblieben, und wenigstens der Schluss hat das auch gelohnt, obwohl auch der in der "Urfassung" viel zu lang war. Strauss hat sich später nämlich durchaus eines Besseren besonnen und ihn gekürzt - wie das meiste, das heute abend mindestens viel zu lang war.
Ich bin also ganz anderer Meinung als der geschätzte Vorredner ar. Das war wirklich keine Werbung für Strauss, von einigen wenigen Augenblicken abgesehen. Am Dirigenten lag's kaum, am Tonmeister, der immer wieder die Balance zwischen Orchesdter und Sängern verschob, schon viel mehr, aber am meisten an Bechtolf, der es zu sehr genossen hat, einmal ein Libretto nicht nur iuminterpretieren, sondern auch richtig umschreiben zu dürfen.
Wer die Urfassung mag, dem sei diese Box der Aufnahme unter Kent Nagano empfohlen.
Die ist musikalisch fast durchweg erste Sahne und verzichtet auf die peinliche Einführuing Hofmannsthals nebst Freundin sowie die albernen Slapstickeinlagen beim Pseudo-Molière.
Mehr morgen hoffentlich, wenn bis dahin nicht die ewigen Sterne erloschen sind.
:hello Rideamus
Hyacinth (06.08.2012, 00:24): Nachdem Schäfer den Komponist singt bin ich erst mal erleichtert :D
Schweizer (06.08.2012, 01:16): Vorneweg gleich mal ein prinzipielles Statement: ich gratuliere Intendant Pereira zur Entscheidung die Ur-Ariadne angesetzt zu haben: wo, wenn nicht an (den Salzburger) Festspielen, genau zum 100sten Geburtstag dieser Fassung, kann und soll ein Werk, das Anforderungen an ein Dreispartentheater stellt, denn sonst präsentiert werden. Für das normale Repertoire ist diese Fassung untauglich. Das Verdienst eine Rarität, die kaum jemand kennt, zu präsentieren, kann neben dem Allerweltsprogramm dieses Sommers (Ausnahmen: Soldaten, Labyrinth) mit fast lauter "Rennern" nicht hoch genug gelobt werden. Ob das einem dann gefällt wie ar oder eben nicht wie Rideamus , ist eine andere Sache. Die Wiener bekommen gemäss früheren Ankündigungen die Normal-Ariadne in einer angepassten Bechttolf-Inszenierungsversion mit singendem Komponist im Vorspiel verpasst. Ich bin sehr dankbar für diese stilvolle Aufführung, mir hat es mit Abstrichen gefallen. Mir war das Vorspiel von ca 85 Minuten Dauer gefühlte zehn MInuten zu lang, genauso wie das Bacchus-Ariadne-Duett zum Schluss; aber ich würde auch bei der Normalfassung das Schlussduett um fünf Minuten kürzen, es hört einfach nie auf. Emily Magee war in der Kronenhalle-Ariadne in Zürich stimmlich weit besser als in Salzburg, zudem sah sie in dauernder Nahaufnahme am TV nicht eben vorteilhaft aus. Elena Mosuc war eine traumwandlerisch-sichere Zerbinetta, ich wüsste nicht wer ihr die Urfassung derzeit derart virtuos nachsingen sollte/könnte, der Applaus war entsprechend frenetisch! Jonas Kaufmann fand ich erfreulich gut und praktisch unangestrengt, was nach dem gestrigen Einspringen als Rodolfo nicht selbstverständlich ist; natürlich ist die Partie relativ kurz, aber mit ihren Anforderungen an Höhe und Intensität sehr tückisch. Das Nymphenterzett vollstimmig und homogen, die Komödianten durchwegs gut bei Stimme. Orchester und Dirigent auf hohem Niveau. Ich ziehe den Hut, mir hat der Abend als Gesamtkunstwerk sehr gefallen. Gruss vom Schweizer
Rideamus (06.08.2012, 11:03): Es ist fraglos eine originelle, vielleicht auch mutige Entscheidung, die Urfassung eines Werkes, das sich erst nach seiner Revision hat durchsetzten können, erneut auf ihr Potenzial zu untersuchen. Ob man den Autoren der ARIADNE AUF NAXOS jedoch einen Gefallen damit getan hat, eine Fassung wieder auszugraben, die nach beider, wiewohl verzögerter, Einsicht zu viel gewollt und nicht funktioniert hat, sei dahin gestellt. Immerhin gibt es eine Audioaufnahme , die jedermanns Neugier auf diese Fassung mehr als hinreichend befriedigen sollte. Ich spreche von der oben gezeigten Aufnahme Kent Naganos, die ich nicht nur Liebhabern der Oper, sondern erst recht jedem ans Herz legen möchte, der sich für diese Urfassung interessiert und sich nicht mit der recht glücklich komponierten Suite aus dem BOURGEOIS GENTILHOMME begnügen möchte.
Billy Budd (06.08.2012, 11:47): Original von Rideamus Nach der heutigen Abmoderation fürchte ich, die Wiener bekommen auch die (vermutlich noch einmal überarbeitete und hoffentlich gekürzte) "Urfassung". Was die Nachricht von Christine Schäfer als "Komponisten" angeht, so staune ich etwas. 1998 erlebte ich sie noch in München als Zerbinetta neben dem Komponisten der Susan Graham, und auch jetzt führt ihre Website als einzige Strauss-Partie die Sophie. Wagt sie sich wirklich an diese halsbrecherische Variante der Zerbinetta heran. Wenn ihre grandiose münchener Leistung als Maßstab gelten kann, wäre das immerhin allein schon ein Grund, sich diese Inszenierung anzutun. Jonas Kaufmann wäre ein weiterer. Bei uns wird Daniela Fally die Zerbinetta, Krassimira Stoyanova die Ariadne und Stephen Gould den Bacchus singen. Angeblich gibt es 2013 eine weitere Serie mit Soile Isokoski und Robert Dean Smith. Billy :hello
Hyacinth (06.08.2012, 12:06): Nachdem was hier alle so schreiben, muss ich mir diese rätselhafte Ariadne endlich anschauen. Obwohl ich jetzt ehrlich gesagt eher voreingenommen bin. Eine Ariadne ohne singenden Komponisten? Eine Fassung, die vier Stunden dauert? Wie kann man Ariadne überhaupt auf vier Stunden hinausziehen, ohne dass es fad wird? Cornelius Obonya und den ganzen Klamauk um Hofmannsthal schön und gut, aber naja... Ich werde berichten!
Hyacinth :hello
Mime (07.08.2012, 02:50): Für mich ansehenswert und vor allem hörenswert: Elena Mosuc als Zerbinetta. Diese Leistung dürfte schwerlich von einer Kollegin zu toppen sein.
Der Rest: Richard und Hugo eben...gefühlte 3 Stunden zu lang
Flosshilde (07.08.2012, 10:49): Natürlich hat jeder ein Recht auf seine Meinung und so ein Forum dient dem Austausch, aber ich bin es wirklich so langsam müde, dass der Schwerpunkt immer auf dem negativen Kritisieren liegt. Ich empfinde es als eintönig und langweilig ständig lesen zu müssen, dass entweder früher oder in einer anderen Aufführung oder wer weiß wo, alles immer besser ist. Und vor allem bin ich nicht der Meinung, dass es Sinn macht, anderen seinen persönlichen Geschmack als grundsätzliches unumstößliches Werturteil aufzudrängen.
Um eine größere Vielfalt zu liefern, hier deshalb meine bescheidenen Eindrücke: Ich war live da und fand es fantastisch, in keiner Weise irgendwie langweilig und für mein Gefühl absolut festspielwürdig. Ich sehe auch, dass das Stück in der Salzburger Fasung nicht repertoiretauglich ist, aber das sollte es doch auch gar nicht sein. Für mich wurde die grundsätzliche Idee von Strauss und Hofmansthal (und Reinhardt), die drei Sparten Theater, Ballett und Oper zu verbinden, vorzüglich umgesetzt, die Personenregie war vom Feinsten, das Bühnenbild ein ästhetischer Genuss, die wenigen Requisiten exzellent eingebunden und im ersten Teil die Verbindung von Theater und Musik - von Optik und Akustik - absolut gelungen. Es stand nichts für sich alleine, während der Musik wurde geredet oder getanzt, aber ich empfand gerade diese Synthese sehr gelungen. Im zweiten Teil hingegen bekam die Musik einen höheren Stellenwert, insgesamt entwickelte sich der Fokus im Laufe des Abends vom Theater immer weiter hin zur Musik, von der angenommenen Realität (Hofmansthal) hin zur mystischen Welt. Unterstützt wurde dies natürlich auch durch die fantastische Musik, die mich in der Schlussszene zwischen Ariadne und Bacchus absolut in den Bann gezogen hat, soweit, dass ich das immer noch parallel laufende Theaterstück gar nicht mehr wahrgenommen habe. Das war Opernmagie pur. Erst nach einem kleinen Atemholen wurden wir aus dieser magischen Welt dann wieder in die die „Wirklichkeit“ des Theaters geholt – für mich in sich völlig stimmig. Was die Gesangs – und Schauspielleistungen betraf, bin ich persönlich in vielem völlig anderer Meinung, als meine Vorschreiber, aber ich finde es nicht sinnvoll, nach Haaren in der Suppe zu suchen und negative Meinungen zu verbreiten, sondern schreibe lieber vermehrt über das Positive, was an diesem Abend wirklich ausreichend vorhanden war.
Ich kann sehr gut ausblenden, dass ich schon bessere Strauss-Dirigate gehört habe, bessere Orchester, eine feinere Buffotruppe und eine ausdrucksstärkere vielschichtigere Zerbinetta, ebenso dass die Rolle des Komponisten in der gesungenen Version mehr bietet, und lasse mir die vorhandene Magie des Abends davon in keiner Weise verderben.
Jeder Opernabend hat nämlich seine magischen Seiten, man muss nur seine Sinne öffnen und nach diesen suchen, statt nach Haaren in der Suppe, dann bemerkt man sie auch.
Liebe Grüße Flosshilde
Rideamus (07.08.2012, 11:37): Liebe Flosshilde,
ich bin so frei, mich angesprochen zu fühlen, und danke Dir zunächst einmal für die kontroverse Stellungnahme, die um so wertvoller ist, als sie von jemandem kommt, der den Abend (oder einen anderen der Serie) live erlebt hat. Das ist natürlich stets ein anderes Erlebnis als das vor dem distanzierenden Fernsehschirm zu später Stunde. Allerdings habe ich auch explizit von meinem Erlebnis der Übertragung gesprochen.Um so mehr freut es mich für Dich, dass Du den Abend genießen konntest, und das gilt für jeden, dem es ähnlich ging, warum auch immer.
Ich hoffe, ich habe schon tzur Genüge unter Beweis gestellt, dass es mir vor allem darum geht, geschmackvolle Suppen zu kosten und zu verstehen, warum sie so gut sind. Es macht mir nämlich überhaupt kein Vergnügen, Haare in einer Suppe zu finden, von der ich erhoffe, dass sie mir schmeckt. Aber muss man wirklich klaglos die Haare herunterschlucken, wenn man tatsächlich welche im Hals hat, nur weil das Rezept der Suppe gut oder wenigstens besonders genug ist? Die Leistungen von Elena Mosuc und Jonas Kaufmann habe ich ja nichtsdestotrotz gewürdigt und ausdrücklich angemerkt, dass sie nichts dafür können, dass sie so überlang gefordert wurden. Auch bei den meisten anderen Mitwirkenden hatte ich keinen bis kaum Grund zur Kritik, nur nicht das Bedürfnis, sie so zu feiern, wie man das manchmal nach einem gelungenen Abend unterschiedslos tun möchte.
Was nun den Vergleich mit früheren Leistungen betrifft: soll man den aussparen oder nur einbringen, wenn die zu würdigenden besser sind als frühere Erlebnisse? Was hilft einem ein Bericht, der sich allein auf das Loben beschränken soll? Da ist es doch besser, dass man Widerspruch riskiert, konträre Meinungen ausspricht und Gegensätze ggf. auch einmal diskutiert.
Ich finde, dass ein Regisseur, zumal einer, der als Bearbeiter eines erfahrungsgemäß überlangen Textes diesen noch weiter ausdehnt, für das Resultat seines Eingriffs nicht nur gelobt, sondern auch belangt werden darf. Zumal es ja genügend Zeugnisse dafür gibt, warum das Experiment damals nicht funktionierte und sich die Autoren zu einer Umarbeitung entschlossen. Warum soll man da nicht sagen dürfen, dass die alte Erfahrung bestätigt wurde, wenn man dieser Meinung ist?
Zum Glück hat wirklich fast jeder Opernabend seine magischen Momente. Leider finden sich auch in den meisten Suppen Haare. Wer würde aber die Berichte darüber lesen können, die sie alle einzeln aufführen? Es hat schon seinen Sinn, wenn man sich auf den überwiegenden Eindruck konzentriert, und der war für mich nun einmal negativ. Womöglich gilt das nur für mich, aber welche Meinung soll ich denn vertreten, wenn nicht meine eigene?
:hello Rideamus
Billy Budd (07.08.2012, 12:12): Grundsätzlich schließe ich mich Rideamus an. Die Übertragung habe ich nicht gesehen und zwar hauptsächlich deshalb, weil für mich zu einer Ariadne ein fähiger Bacchus dazu gehört und der war da nicht vorhanden. Wenn Du wissen willst, wo fast nur negativ kritisiert wird, dann schau in ein Forum, das zwar nicht Papageno, aber so ähnlich heißt und lies die Beiträge von u.a. "Rodolfo". Hier gibt es niemanden, der nur Haare in der Suppe sucht. Gerade Rideamus ist einer, der sich bemüht, die positiven Seiten hervorzuheben. Und weil eben nicht alles gut ist, wird das artikuliert. Ich sehe da kein Problem. Und dass jeder Opernabend seine magischen Seiten hat, ist eine Meinung, der ich mich ganz und gar nicht anschließen kann. Nichts für ungut, aber ... Billy :hello
Schweizer (07.08.2012, 14:35): Hallo Billy, Du hast die Aufführung nicht gesehen, begründest diese Tatsache wieder mal mit einem nur Dir eigenen, haarsträubend- vernichtenden Vorurteil gegenüber einem Sänger, in diesem Fall Jonas Kaufmann! Wer bist Du denn eigentlich, dass Du Dich so arrogant-herablassend und absolut über einen Dir nicht genehmen Künstler auslässt! Ich sage nicht Du musst ihn oder seine Stimme mögen, aber ich meine mich zu erinnern, dass Du schon mehrfach Ariadne als eine Deiner Lieblingsopern bezeichnet hast. Seltsam, dass Du da die Chance, die selten bis nie aufgeführte Urfassung des Werks ins Haus geliefert zu bekommen, vorbeigehen lässt! Und Rideamus hat es nicht nötig dass Du ihm verbal zu Hilfe eilst, der schreibt, Gott sei es gedankt, mit Stil und Niveau. Wenn Du nichts, ausser einem Dich selbst disqualifizierenden Vorurteil, zu sagen hat, solltest Du Deinen Senf besser für Dich behalten. Im Gegensatz zu Flosshilde fand ich sogar den TV-Abend, wie schon zum Ausdruck gebracht, interessant, anregend und gut, habe die Urfassung kennenlernen dürfen. Dass es Längen gab/gibt, schmälert(e) meinen positiven Gesamteindruck nicht. Gruss vom Schweizer
ar (07.08.2012, 14:43): Ich hoffe, dass jeder mitbekommen hat, dass mir diese Aufführung sehr gefallen hat, trotz Mängel. Aber bei mir gehören die Mängel zu einem schönen Opernabend dazu, sie lassen es natürlicher und menschlicher erscheinen. Über Kaufmann werde ich mit niemandem mehr diskutieren in diesem Forum. Er hat eine sehr gute Technik, nicht die beste, kann sehr gut spielen und hat eine tolle Interpretationsgabe. Was will man mehr? Klar, er kann jemandem nicht gefallen, aber er ist ein Bacchus, sogar der beste, den ich bis jetzt gehört habe. Wenn er jemandem nicht gefällt, kann er ihm wenigstens die gute Technik zugestehen, ich wiederhole mich: das kann man objektiv bestimmen!
Nachtrag: Ich mag zum Beispiel Beczala subjektiv gesehen nicht so, aber objektiv muss ich ihm seine Qualitäten eingestehen: schönes Material, eine sehr gute (je nach Abend eine bessere als Kaufmann) Technik und er sieht auch nicht schlecht aus. Als Rodolfo ist er heutzutage sogar meine erste Wahl.
Billy Budd (07.08.2012, 14:47): Hallo Schweizer, das ist ein Missverständnis: Ich habe nicht Rideamus "zur Hilfe geeilt" (das hat gar nicht nötig), sondern ihm nur zugestimmt. Die Urfassung an sich hätte mich schon interessiert, nur hat mich eben Jonas Kaufmann, der bei mir permanent Schmerzen im Kehlkopfbereich hervorruft, davon abgehalten. Belassen wir es doch dabei! Billy :hello
schwarzehand (07.08.2012, 14:51): Nix für ungut, Billy, jeder hat seine eigene Meinung. Meinung, wohlgemerkt! Aber diese dann als allgemeingültige Tatsache, an der keineswegs zu rütteln ist, zu verkaufen, darin bist du wirklich Weltmeister! Wenn ich nur an deine Thielemann-Aussagen denke ("präpotente Stabfuchtler", "hat keine Ahnung von der Oper" - http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=1986&page=3), da muss ich echt lachen... Ist ja okay, wenn dir sein Dirigat nicht gefällt, damit hätte niemand ein Problem. Aber wenn du dann gleich hinterher schiebst, dass jeder auf der Welt ein Ahnungsloser ist, der Thielemann gut findet... also wirklich, der hat schon 20 Jahre lang vor Spitzenorchestern gestanden, da bist du noch in kurzen Hosen um den Weihnachtsbaum geflitzt!
Schweizer (07.08.2012, 15:11): Hallo Billy, neugierig habe ich im Wunschkonzert-Besetzungs-Thread betreffend Ariadne Deinen Lieblings-Bacchus gefunden: Johan Botha. Er singt diese Partie sehr gut, nur zum Zuhören ist er eine Wonne; aber da er darstellerisch eine Unternull ist, kommt er als glaubwürdiger Bacchus in einer Aufführung für mich nicht in Frage. Ich lass ihn Dir, Er soll Dich weiterhin zufrieden stellen. Gruss vom Schweizer
Hyacinth (07.08.2012, 15:12): Meine Herren, langsam wird es langweilig! Es geht hier nicht um die Rezensionsmethoden der anderen, sondern um die Meinung über eine Opernaufführung. Also wäre es nett, wenn man entweder zum Thema schreibt oder gar nicht. Wer ein Problem mit Billy Budd oder anderen Forumsmitgliedern hat möge sie bitte persönlich adressieren. Danke!
Hyacinth :hello
Billy Budd (07.08.2012, 15:18): Original von Schweizer Hallo Billy, neugierig habe ich im Wunschkonzert-Besetzungs-Thread betreffend Ariadne Deinen Lieblings-Bacchus gefunden: Johan Botha. Er singt diese Partie sehr gut, nur zum Zuhören ist er eine Wonne; aber da er darstellerisch eine Unternull ist, kommt er als glaubwürdiger Bacchus in einer Aufführung für mich nicht in Frage. Ich lass ihn Dir, Er soll Dich weiterhin zufrieden stellen. Gruss vom Schweizer Hallo Schweizer, Du hast ganz recht: Botha wäre meine erste Wahl. Seine schauspielerischen Defizite stören mich in dieser Rolle kein bisschen, auch als Apollo kann ich mir keinen glaubhafteren vorstellen. Billy :hello
P.S.: Jetzt war auch für Dich der Wunschbesetzungsthread doch noch nützlich! :haha
ar (07.08.2012, 15:20): Sorry, aber jetzt platzt mir der Kragen: Die Diskussion hat NICHTS mit Rezessionsmodellen zu tun. Es geht darum, dass man seine Meinung mit Anstand und ein bisschen Sachkompetenz kundtut!
Dieser Aufführung hat kein Bacchus gefehlt, es war einer da, der objektiv ziemlich gut war, zumindest besser als alles was man heutzutage hört. Mir hat auch Thielemanns Holländer-Dirigat gefallen, trotzdem habe ich eine Ahnung von Oper (sonst müsste ich ein neues Studium finden) undundund...
DAS ist das Problem.
PS: Ich hoffe, Billy versteht das nicht als Angriff meinerseits auf ihn, du weisst dass du mir sympatisch bist!
Hyacinth (07.08.2012, 15:20): Original von Billy Budd Original von Schweizer Hallo Billy, neugierig habe ich im Wunschkonzert-Besetzungs-Thread betreffend Ariadne Deinen Lieblings-Bacchus gefunden: Johan Botha. Er singt diese Partie sehr gut, nur zum Zuhören ist er eine Wonne; aber da er darstellerisch eine Unternull ist, kommt er als glaubwürdiger Bacchus in einer Aufführung für mich nicht in Frage. Ich lass ihn Dir, Er soll Dich weiterhin zufrieden stellen. Gruss vom Schweizer Hallo Schweizer, Du hast ganz recht: Botha wäre meine erste Wahl. Seine schauspielerischen Defizite stören mich in dieser Rolle kein bisschen, auch als Apollo kann ich mir keinen glaubhafteren vorstellen. Billy :hello
P.S.: Jetzt war auch für Dich der Wunschbesetzungsthread doch noch nützlich! :haha
Gebe Billy ganz Recht, als Bacchus muss man doch nichts machen außer herumstehen und schön singen! Das ist eine Rolle, wo es mir tausendmal lieber ist, wenn mir die Stimme gefällt, als wenn der Sänger schön ist.
Hyacinth :hello
Billy Budd (07.08.2012, 15:27): Original von ar Sorry, aber jetzt platzt mir der Kragen: Die Diskussion hat NICHTS mit Rezessionsmodellen zu tun. Es geht darum, dass man seine Meinung mit Anstand und ein bisschen Sachkompetenz kundtut!
Dieser Aufführung hat kein Bacchus gefehlt, es war einer da, der objektiv ziemlich gut war, zumindest besser als alles was man heutzutage hört. Mir hat auch Thielemanns Holländer-Dirigat gefallen, trotzdem habe ich eine Ahnung von Oper (sonst müsste ich ein neues Studium finden) undundund...
DAS ist das Problem.
PS: Ich hoffe, Billy versteht das nicht als Angriff meinerseits auf ihn, du weisst dass du mir sympatisch bist! Jaaa, gut ich seh schon ein, dass ich da zu viel ausgeteilt habe. (Nach dem zweiten Anhören des Holländers war ich eben so sauer auf Thielemann, dass mir vielleicht etwas rausgerutscht ist. Sorry.) Billy :hello
ar (07.08.2012, 15:28): ;) Ich wusste, dass du mich nicht falsch verstehst.
satie (07.08.2012, 15:32): Freunde, nicht diese Töne!
Bevor es zu persönlich wird, möchte ich darum bitten, zurück zum Thema zu kommen. Mag sein, dass hier unserem Billy im jugendlichen Übermut mal etwas zu viele Hormone ins Schreiben geraten. Wir alle (na gut, die misten...) waren in dem Alter der Meinung, alles zu wissen. Ich bitte darum a) ihm das etwas nachzusehen und ggf. durchaus mal einen - freundlichen - Wink zu geben, wenns zu viel des Guten ist b) den Angesprochenen, auch mal Kritik als Antegung zu sehen, gewisse Äußerungen etwas mehr abzuwägen vor dem Post und vielleicht etwas öfter die Floskel "meiner Meinung nach" "imho" oder was man sonst noch der allgemeinen Netiquette gemäß so tut, um all die fehlenden Ebenen direkten Gesprächs zu kompensieren. Ich möchte aber auf der anderen Seite auch darauf hinweisen, dass die Musikkritik regelrecht eine Kunstform daraus gemacht hat, auch Verrisse und Verachtung durch den Dolch der Feder aufs Papier zu bringen. Das muss man auch mit Humor sehen (auch als Künstler). Als Lektüre empfehle ich das gerade fertig gelesene:
Lexicon of Musical Invective: Critical Assaults on Composers Since Beethoven's Time gesammelt vom genialen Nicolas Slonimsky
Herzlich, S A T I E
Flosshilde (07.08.2012, 16:53): Liebe Forianer,
ich fürchte ich bin jetzt ganz OT, aber ich habe das Gefühl meiner Kritik an den hier gemachten Äußerungen im Forum noch etwas Erklärung beisteuern zu müssen.
Ich habe das Gefühl, dass kritisieren oft mit "meckern" gleichgesetzt wird und allgemein stört mich das "Schlechtmachen" eines Sängers/Musikers auf Kosten eines anderen.
Ich gebe zu, früher war mein erstes Anliegen nach einer Vorstellung auch, akribisch alles aufzuzählen, was mir nicht gefallen hat, nur habe ich inzwischen gelernt, dass es andersherum viel mehr Sinn macht. Wieso nur zwei Worte für das Positive und so viele für das Negative, warum nicht auch einmal umgekehrt? Vielleicht, weil es gar nicht so einfach ist, seine Begeisterung wirklich sinnig in Worte zu kleiden, meckern geht da so viel einfacher? Wir Deutschen können da von ausländischen Kollegen nach meiner Meinung übrigens viel lernen, ich empfehle einmal französische oder englische Kritiken zu lesen.
Was die Beurteilung von "Künstlern" allgemein betrifft, ist es eben eine Frage des Geschmacks, aber auch der Gewohnheit und der Erfahrungen, sogar abhängig von der persönlichen Stimmung an jenem Tag. Auch unter diesen Gesichtspunkten finde ich pauschale Aburteilungen eines Künstlers, wie BillyBudd es sehr gerne macht, doch etwas irritierend. Wenn wirklich die Ariadne meine Lieblingsoper wäre, hätte ich mir das Spektakel nicht entgehen lassen, zumindest nicht kostenfrei im TV, diese kurzen Bacchus Szenen wird man dann doch einmal ertragen können. Da Kaufmann immer auch etwas Schauspiel bietet, hätte ich dann eben einfach nur zugeschaut.
Auch für meine Ohren gibt es Sänger, die nicht sofort angenehm klingen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich tatsächlich einhören kann. Oft ist das, was einem unangenehm erscheint nämlich eher "unbekannt". Insofern gebe ich normalerweise jedem Sänger immer wieder neue Chancen, mich zu überzeugen. Aber selbst wenn sie es dann doch nicht tun, versuche ich neutral in Worte zu fassen, was mir nicht gefällt, aber ich verurteile sie nicht pauschal.
Allgemein werde ich das Gefühl nicht los, dass bei der Beurteilung eines Sängers hier sehr oft Klang mit Gesang gleichgestellt wird. Für mich gibt es neben dem reinen Stimmklang den Gesang, also die Art des Vortrages. Für mich muss ein guter Sänger mehr können, als nur schön klingen, er muss dem Stück Leben einhauchen, und dazu muss er für mich nicht unbedingt mit Engelsstimme arbeiten. Und darüber hinaus gibt es noch die Gesangstechnik, auch das ein Feld, das für sich alleine gestellt schon überzeugen kann. Über technische Aspekte zu diskutieren ist müßig, denn auch hier gibt es wohl verschiedene (Lehr)Meinungen. Objektiv knödelt Herr Kaufmann für mich nicht, weil er nicht durch Verengen forciert (Hochdrücken des Kehlkopfes), sondern wenn überhaupt macht Kaufmann genau das Gegenteil, er hat eine extrem offene Tonproduktion mit entspanntem tiefgestellten Kehlkopf. Trotzdem scheint es subjektiv so, dass Billy und andere den Klang von Kaufmann als knödelig wahrnehmen.
Ich kann nachvollziehen, wenn jemand bei einem Bacchus eine schöne Stimme erwartet, aber ich erwarte hier darüber hinaus etwas einmalig Beeindruckendes, etwas wirklich Besonderes, etwas Göttliches.
Für mich war das in Salzburg Jonas Kaufmann, weil ich seine Stimme als schönklingend empfinde, seine Gesangstechnik als exzellent, wenn auch ungewöhnlich, seine Tonproduktion als außergewöhnlich entspannt und gelassen wahrnehme, seinen Gesang als beeindruckend und vor allem ergreifend, seine Darstellung als intelligent, und da für mich darüber hinaus noch die Optik passt, lasse ich die mögliche Meckerei an ein paar störenden Vokalverfärbungen sein und habe meinen perfekten Bacchus!
Wobei ich damit nicht sagen will, dass für mich Johan Botha ein schlechter Bacchus wäre. Herr Botha ist doch kein schlechter Sänger, nur weil jemand anderes Jonas Kaufmann als seinen bevorzugten Bacchus bezeichnet.
Die Frage ist doch, warum hier jemand überhaupt irgendwelche Kritiken liest. Wenn ich bei einer Aufführung dabei war, möchte ich zu einem gewissen Punkt meine eigenen Eindrücke bestätigt finden, mir darüber hinaus noch Anregungen für eine erweiterte Sichtweise einholen. Und wenn ich etwas nicht sehen oder hören konnte, dann möchte ich wissen, wie es war und einen möglichst authentischen Eindruck der Vorstellung bekommen. Das letzte was ich lesen möchte sind vernichtende Vorurteile.
Liebe Grüße Flosshilde
Schweizer (07.08.2012, 17:16): Ich fühle mich angesprochen: erstens habe ich mich zur Aufführung geäussert, zweitens vermisse ich dass von ganz oben (Satie) Auswüchse und Verunglimpfungen von BillyBudd gegenüber Sängern und allen andern, die seine Meinung nicht teilen, zensiert oder abgemahnt werden (und zwar für alle Forumsteilnehmer lesbar!). Bei seinen Tiraden gegen Thielemann bin ich auf den Mund gesessen, nachdem heute aber die nächste Entgleisung stattfand, wollte/konnte ich nicht mehr zurückhalten (und ich habe mir Mühe gegeben meine Kritik in höflicher Form zu halten). Und drittens geht es hier, Hyacinth, nicht um Rezensionsmethoden, sondern um Anstand, Respekt, Schreibstil etc. Wenn Dich das langweilt, lies es nicht und im übrigen hast Du zur Aufführung ja auch nichts gesagt. Und letztens widerspreche ich Dir auf heftigste, solche Kritik per persönliche Nachricht zu regeln, Auswüchse dieser Kategorie gehören im Forum öffentlich ange- prangert. Gruss vom Schweizer
Schweizer (07.08.2012, 17:26): Hallo Flosshilde, ich danke Dir ganz herzlich für Deine Ausführungen, ganz in meinem Sinne. Gruss vom Schweizer
Schweizer (07.08.2012, 17:37): Hallo Satie, ich habe Deinen vermittelnden Aufruf, der die Wogen glätten soll, erst nach meinen neuesten Posts gelesen; ich werde mich bis zum übernächsten Fauxpas zurückhalten, alles andere, auch was ich von Dir erwarte, ist bereits gesagt. Gruss vom Schweizer
satie (07.08.2012, 21:51): Original von Schweizer zweitens vermisse ich dass von ganz oben (Satie) Auswüchse und Verunglimpfungen von BillyBudd gegenüber Sängern und allen andern, die seine Meinung nicht teilen, zensiert oder abgemahnt werden (und zwar für alle Forumsteilnehmer lesbar!). ... Und letztens widerspreche ich Dir auf heftigste, solche Kritik per persönliche Nachricht zu regeln, Auswüchse dieser Kategorie gehören im Forum öffentlich ange- prangert. Gruss vom Schweizer
Ich musste mir das zweimal durchlesen, einmal die Brille putzen und es noch zweimal durchlesen. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich lese, was ich lese! Aber ich fürchte, es steht doch da!
Mein Vorschlag ist, wir eröffnen einen Thread, mit dem Titel "Der Schandpfahl". Dort poste ich dann jeweils ein Foto mit Adresse des Forianers, der sich erlaubt hat, abfälliges Vokabular gegen einen Sänger oder Dirigenten zu benutzen. Ich suche den Forianer dann zu Hause auf, fessle und kneble ihn und geissle die Schmähreden mit der neunschwänzigen Katze aus ihm heraus, auf dass er niemals mehr wagt, auch nur noch andeutungsweise negativ besetzbare Termini in sein Schandmaul zu nehmen. Hernach führe ich den Missetäter in Ketten auf den Marktplatz des Städtchens, in dem er haust, damit die anderen Forianer ihn sodann mit verfaultem Obst und Gemüse sowie Eiern bewerfen und bespucken können. All das zeichne ich natürlich mit der Kamera auf und stelle es dann auf Youtube, unterlegt mit schöner Rammstein-Musik.
So ok, Schweizer?
Ob vor oder nach meinem Beitrag geschrieben: sowas will ICH hier nicht lesen müssen, und ich warne die eventuellen Scharfrichter ausdrücklich - auf Wunsch hier und für alle: Solche Sachen könnt ihr auf diesem Niveau privat austragen, und wenn einer meint, er müsse mir noch Nachhilfe in der Frage meiner Pflichten erteilen, dann kann ich ihn gerne einfach sperren. Meine Pflichten hier sind nämlich die folgenden: GAR KEINE! Hier darf und soll man auch schlechte Kritiken loswerden, sakrament nochmal, und so wie ich selber nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen will, verlange ich das auch nicht von den anderen hier, wir sind hier nicht die Kollegen vom Grenzland-Forum mit ihrer inzestuösen Elitäritätsmanie. Wobei, selbst die sind nicht (mehr) für öffentliche Ächtung...
So, jetzt hab ichs rausgelassen.
S A T I E
Hyacinth (07.08.2012, 22:08): Original von Satie Ich musste mir das zweimal durchlesen, einmal die Brille putzen und es noch zweimal durchlesen. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich lese, was ich lese! Aber ich fürchte, es steht doch da!
Mein Vorschlag ist, wir eröffnen einen Thread, mit dem Titel "Der Schandpfahl". Dort poste ich dann jeweils ein Foto mit Adresse des Forianers, der sich erlaubt hat, abfälliges Vokabular gegen einen Sänger oder Dirigenten zu benutzen. Ich suche den Forianer dann zu Hause auf, fessle und kneble ihn und geissle die Schmähreden mit der neunschwänzigen Katze aus ihm heraus, auf dass er niemals mehr wagt, auch nur noch andeutungsweise negativ besetzbare Termini in sein Schandmaul zu nehmen. Hernach führe ich den Missetäter in Ketten auf den Marktplatz des Städtchens, in dem er haust, damit die anderen Forianer ihn sodann mit verfaultem Obst und Gemüse sowie Eiern bewerfen und bespucken können. All das zeichne ich natürlich mit der Kamera auf und stelle es dann auf Youtube, unterlegt mit schöner Rammstein-Musik.
Selten so gelacht! :rofl Danke für diesen Beitrag, Satie, so wird dieser Konflikt hoffentlich mit zwei lachenden Augen beendet.
Heike (08.08.2012, 00:05): Ich möchte aber auf der anderen Seite auch darauf hinweisen, dass die Musikkritik regelrecht eine Kunstform daraus gemacht hat, auch Verrisse und Verachtung durch den Dolch der Feder aufs Papier zu bringen. Das muss man auch mit Humor sehen (auch als Künstler).
Genau. Vor allem dann, wenn parallel auch überschwenglichste Lobeshymnen und herzzerreißende Elogen für die verehrten Lieblinge zu lesen sind :leb dann gleicht sich das doch wieder aus! Also, ich bitte darum, die Verse der Anbetung für die heiligen Idole nicht zu vernachlässigen! Heike
Severina (08.08.2012, 18:13): Nun, ich habe schon mehr gelacht..... Nach einer kleinen Forumspause habe ich gestern kurz quergelesen und konnte teilweise nicht fassen, was da in in den letzten Tagen von einigen so gepostet wurde. Mit Saties Ordnungsruf an den Schweizer (Der natürlich auch etwas überreagiert hat!) besitzen Billy und Gleichgesinnte ja jetzt eine Art Freibrief, nach Lust und Laune über ihnen aus welchen Gründen auch immer missliebige Künstler herzuziehen. Es gibt daher in diesem Forum sehr wohl einen Pranger, bloß stehen halt "nur" Sänger und Dirigenten davor.....
Damit kein Missverständnis aufkommt: Wer meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich weit davon entfernt bin, alles schönzureden, und wenn einer meiner Lieblinge einen schlechten Abend hat, dann schreibe ich das auch ohne wenn und Aber. Ich bin daher absolut nicht der Meinung von Flosshilde, dass man nur Positives berichten soll/darf, natürlich darf man seine Enttäuschung, sein Missfallen an einer Vorstellung äußern, muss sich nicht an den Haaren in der Suppe verschlucken, um bei diesem Beispiel zu bleiben. Aber ich verkaufe meine persönliche Meinung nicht als allgemeingültige Tatsache, an der es nichts zu rütteln gibt, und ich spreche einem Sänger nicht apodiktisch das Vermögen ab, in einer Rolle zu überzeugen, in der ich ihn noch nie gehört habe und auch nicht - wie hier ja lautstark bekundet - die Absicht habe, ihn mir darin anzuhören. Das würde mir nicht einmal zu Bendikt Kobel einfallen, der regelmäßig für aufgerollte Zehennägel meinerseits sorgt, aber trotzdem das Recht auf faire Behandlung hat.
Auch für mich ist z.B. Thielemanns Dirigat ein Grund, den Ausknopf zu betätigen, aber aus der Tatsache, dass man Wagner halt anders (schlanker, analythischer, was auch immer) mag, abzuleiten, dass dieser Dirigent keine Ahnung von Oper hat, ist wohl der Gipfel an Hybris, und wenn dann noch mit "präpotenter Stabwachler" nachgeschossen wird, frage ich mich, wer da der Präpotente ist.....
Wenn das also in Zukunft die Art und Weise ist, wie in diesem Forum über künstlerische Leistungen geschrieben wird, motiviert mich das nicht wirklich, mich in dem Maße wie bisher einzubringen. Denn ein Forum soll in erster Linie Spaß machen und nicht meine beim Einloggen gute Laune schlagartig ins Gegenteil verkehren.
Kritische Berichte - wunderbar! Kontroverse Diskussionen - großartig! Pro und contra zu einzelnen Künstlern - immer interessant und spannend! Aber all das geht auch, ohne unter die Gürtellinie zu zielen!
lg Severina :hello
stiffelio (08.08.2012, 19:11): Liebe Severina,
ich wollte mich hier eigentlich ganz und gar nicht einmischen, weil meine Devise lautet, über jedes nicht völlig harmlose Posting erstmal mindestens eine Nacht zu schlafen. Aber meinst du nicht auch, dass nach dem teilweise wirklich heftigem Schlagabtausch der letzten Tage inzwischen alle "Parteien" zumindest ansatzweise begriffen haben könnten, wo sie evtl. über das Ziel hinaus geschossen sind und sich jetzt ein wenig mehr am Riemen reißen wollen? Und dass durchaus eine Chance besteht, dass damit ein wenig Ruhe einkehrt?
Ich persönlich habe jedenfalls durchaus diese Hoffnung - ich mag nämlich unfaire Angriffe weder gegen Sänger/Dirigenten noch gegen Forumsmitglieder, genau wie du.
VG, stiffelio
Billy Budd (08.08.2012, 20:07): Also ich schreib hier keine wissenschaftlichen Abhandlungen, sondern betreibe Smalltalk in einem Forum. Und mE ist es unnötig, in jedem Bericht mehrmals "meiner Meinung nach" zu schreiben, weil das eh selbstverständlich sein sollte. Ich bilde mir nicht ein, die Wahrheit gepachtet zu haben. Beispielsweise habe ich Lieblingssänger, die andere nur durchschnittlich finden (ich denke da an Walter Fink, Peter Seiffert und Herwig Pecoraro) - das stört mich überhaupt nicht!!
Was mich aber stört, ist, dass Thielemann die von mir geliebte Musik ständig demoliert. "Präpotent" bezog sich sowohl auf seine Interviews, als auch darauf, dass er die Tempi so wählt, wie sie ihm offenbar gerade einfallen und sich wichtiger als die Sänger hält. Ein Dirigent hat nämlich in erster Linie dem Werk zu dienen und die Sänger zu unterstützen.
Wenn in einer Kritik steht, Janina Baechle sei als Waltraute "kurzatmig" gewesen, liegt das nicht an der Sängerin, sondern daran, dass Thielemann gegen ihre Atemtechnik dirigiert hat.
Im Gegensatz zu ihm ist beispielsweise Ingo Metzmacher beim Parsifal erschienen, bevor das Licht im Saal abgeschaltet wurde, um zu Beginn dieser Oper keinen störenden Applaus zu haben. Ich wette, dass so etwas Thielemann nie einfallen würde.
Und die anderswo gelesene Behauptung, Thielemann sei in Wien ein "absoluter Publikumsliebling" ist falsch. Erstens meiden viele Wiener Musikliebhaber die Thielemann-Dirigate und zweitens kommen die tosenden Applausorkane (schon bevor er den Orchestergraben betritt!) nur von einem Teil des Publikums (das hat mir auch jemand bestätigt, der nicht am Galeriestehplatz war).
Aber ich werde in nächster Zeit ohnehin weniger Gelegenheit haben, über ihn zu schimpfen, weil er (Gott sei Dank!!) nächste Saison nicht in der Wiener Oper dirigiert. Das ist einiges der wenigen Positiva des neuen Spielplans.
Es ist nämlich wirklich merkwürdig, dass man, wenn man mit Thielemannfans (die übrigens am Wiener Stehplatz sehr rar gesät sind) spricht oder deren Beiträge liest, nie Inhalte, sondern Aussagen wie "Ich kenne das Stück zwar nicht und meine Meinung ist äußerst subjektiv und sehr laienhaft, aber ich finde Thielemann trotzdem großartig" oder gar etwas wie "charismatischer Dirigent mit deutschem Programm" findet.
Ich habe dargelegt, was mich gestört hat: Angehört habe ich diese Übertragung nur, um meine Lieblingssängerin wieder hören zu können, wohl wissend, dass ich Christian Thielemann in Kauf nehmen muss. Meine Befürchtungen wurden nur teilweise bestätigt – die Ouvertüre war nicht mal schlecht, aber alle darauffolgenden rein instrumentalen Stellen (besonders die Verwandlungsmusik vom zweiten zum dritten Akt) und der Matrosenchor, sowie das Finale sind in die Hosen gegangen. (Ein Freund sagte vor einiger Zeit, Thielemann sei in der Oper eher zu ertragen, als im Konzertsaal.) Eben hab ich mir Auszüge aus dem Holländer angehört und muss mich hauptsächlich über mich ärgern, weil ich das Thielemann-Dirigat beim ersten Anhören als "eh nicht amal so schlecht" eingeordnet habe. Unglaublich, was sich dieser präpotente Stabfuchtler da an Tempowechseln (mit denen er die Sänger rausbringt), Generalpausen (die nicht da stehen) etc. leistet! Fazit: Wer dieses Dirigat positiv bewertet, kennt entweder das Stück nicht oder hat keine Ahnung von der Oper (gilt auch für andere "Leistungen" dieses Wachlers). Was den Rest betrifft: Kaufmanns Bacchus brauche ich mir nicht anzuhören, um zu wissen, dass er mir nicht gefallen wird, denn dieses Gesäusel halte ich auch sonst nicht aus.
Ansonsten sehe ich es wie stiffelio. Gestern habe ich geschrieben: Jaaa, gut ich seh schon ein, dass ich da zu viel ausgeteilt habe. Dass ich übrigens in meinen Berichten alles weniger drastisch ausdrücke, kann jedermann anhand des Inhaltsverzeichnis überprüfen.
Mit einem anderen Forumsmitglied habe ich auch per PN manches geklärt und auch geschrieben, dass ich künftig nicht mehr mit Wut im Bauch schreiben werde, denn das nütze niemandem was.
Ich betrachte die Angelegenheit eigentlich als abgeschlossen und fände es schade, wenn Severina deswegen nicht mehr schreiben würde.
Billy :hello
stiffelio (08.08.2012, 20:51): Original von Billy Budd und auch geschrieben, dass ich künftig nicht mehr mit Wut im Bauch schreiben werde, denn das nütze niemandem was.
Ach Billy,
das fände ich so toll, wenn dir das auf Dauer gelingen würde. Und deine Antwort auf ar gestern nachmittag fand ich noch bemerkenswerter, schon allein wegen ihrer Kürze :wink. Glaub mir, manche Formulierungen (die dir in Gedanken unbenommen sind) muss man nicht schriftlich äußern und noch weniger mehrfach hintereinander vertreten, selbst wenn man der Ansicht ist, dass man sie sachlich begründen kann. Ich versuche meistens, mir zu überlegen, welche Ausdrücke mir auf meine Person bezogen beleidigend vorkommen würden, selbst wenn der Andere sie sachlich begründen könnte. Du brauchst mir auch nicht zu antworten, dies ist definitiv das Letzte, was ich heute in diesem Thread schreibe.
VG, stiffelio
ar (08.08.2012, 21:36): Das "andere Forumsmitglied" hat ja auch klar gemacht, dass es dir nicht böse war. :-P
Bevor ich zurück zum Threadthema komme, möchte ich aber noch etwas klar stellen: Ich mag Verrisse, sogar sehr. Sie sollten aber begründet sein. Wenn jemand schreibt: Fischer-Dieskau war scheisse, dann ist das IMO kein Verriss, sondern nur eine von Inkompetenz sprudelnde Aussage. Wenn jemand schreibt: Ich finde Fischer-Dieskau grauslich, weil er sich in späten Aufnahmen zu früh in die Kopfstimme rettet, oder mit offenen Höhen singt, oder nicht fühlt, sondern eine Vorlesung hält oder was auch immer, dann ist das schon fundiert (naja;)). Also wenn man schon probiert Verrisse zu schreiben (nicht das Billy oder wer auch immer das gemacht haben soll), dann bitte auch mit einem bisschen Fachkompetenz. Über welche ich übrigens auch nicht wirklich verfüge (ich bin mittlerweile so weit, dass ich zwar wüsste wie man singt, es selbst aber immer noch nicht kann).
Aber auch ich habe die Sache eigentlich schon gestern Abend mit zwei lachenden Augen beendet.
Zum Thema: Beim Anhören der grossen Schlussszene fällt mir auf, dass Kaufmann manchmal arg in Bedrängnis kommt, sich aber abgesehen von ein, zwei gepressten Höhen sehr gut rettet, was an der guten Technik liegt. Mittlerweile stört mich wieder die zu lange Schlussszene, da hat die revidierte Fassung IMHO tatsächlich die Nase vorn.
LG
PS: Liebe Heike, wo hast du herzzerreisende Liebeshymnen an die Lieblinge gelesen, ich will auch (tut manchmal ganz gut)!
Ingrid (09.08.2012, 10:39): Original von Billy Budd Was den Rest betrifft: Kaufmanns Bacchus brauche ich mir nicht anzuhören, um zu wissen, dass er mir nicht gefallen wird, denn dieses Gesäusel halte ich auch sonst nicht aus. Ansonsten sehe ich es wie stiffelio. Gestern habe ich geschrieben: Jaaa, gut ich seh schon ein, dass ich da zu viel ausgeteilt habe. Dass ich übrigens in meinen Berichten alles weniger drastisch ausdrücke, kann jedermann anhand des Inhaltsverzeichnis überprüfen.
Mit einem anderen Forumsmitglied habe ich auch per PN manches geklärt und auch geschrieben, dass ich künftig nicht mehr mit Wut im Bauch schreiben werde, denn das nütze niemandem was.
Ich betrachte die Angelegenheit eigentlich als abgeschlossen und fände es schade, wenn Severina deswegen nicht mehr schreiben würde.
Billy :hello
Hallo Billy,
liegt Dir eigentlich etwas daran, ernst genommen zu werden? Wenn Du in so jungen Jahren Menschen abqualifizierst, die wirklich schon Großes geleistet haben, Dir bestimmt in allen Bereichen haushoch überlegen sind, auch menschlich gesehen, dann werde ich in Zukunft um Deine Beiträge einen ganz großen Bogen machen müssen. Tut mir leid, vor allem um Dich.