Don Juan d' Austria (19.02.2017, 08:05):
Hallo an die Runde!
Nachdem es bereits einen Thread zum Thema Te Deum gibt, dieser jedoch in Frieden zu ruhen scheint möchte ich das Thema mit diesem Thread versuchen wieder zu beleben:
Davor möchte ich jedoch anmerken, dass ich kein religiöser Mensch bin, jedoch sehr wohl ein Konsument der Kirchenmusik.
Was ist eigentlich das Te Deum?
Neben den verschiedenen Messvertonungen mein Lieblingsteil der christlichen Vokalmusik, weil es aufgrund des Inhalts meist zu feierlichen Anlässen gegeben wurde und es damit meinem Musikgeschmack (prunkvoll, fröhlich, Pomp und Trara :P) am ehesten entspricht.
Entstanden ist das Te Deum laudamus (Dich, Gott preisen wir) vermutlich aus dem ambrosianischen Lobgesang des 4. Jahrhunderts. Der Legende folgend (die im 8.Jhdt. entstand) sollen der heilige Augustinus und eben der heilige Ambrosius diesen Lobgesang geschrieben haben. Anlass für diesen feierlichen Gesang soll der Legende zufolge die Taufe des heiligen Augustinus zu Ostern des Jahres 387 gewesen sein.
Die heute geläufige Form jedoch wird dem aktuellen Forschungsstand folgend erstmals im Antiphonarum Benchorense von Bangor erwähnt. Diese Schrift stammt aus dem Irland des späten 7.Jhdt.
1529 überträgt Martin Luther das Te Deum ins Deutsche.
Das Te Deum wurde und wird immer bei sehr festlichen Anlässen (Krönungen, Weihen, Dankzeremonien) gesungen, nicht nur bei geistlichen Ereignissen, auch bei weltlichen Zeremonialanlässen.
Nun zu kaum bekannten Stücken dieser Gattung:
Beginnen möchte ich mit Georg Donberger, einem Komponisten, der mir besonders am Herzen liegt, weil er aus meiner Heimatstadt stammt und ihn dort keiner kennt und ich darum kämpfe ihn ein wenig dem Vergessen zu entreißen. Donberger wurde 1709 geboren und schlug die geistliche Laufbahn ein. Er trat ins Kloster Herzogenburg ein und komponierte dafür das Te Deum, wahrscheinlich im Jahre 1748. Hierfür spricht ein Eintrag, dass das Te Deum von (inzwischen Abt) Donberger in Herzogenburg gesungen wurde.
https://www.youtube.com/watch?v=JpoCn_aaFy8
Sopran: Ibolya Verebics
Alt: Sibylle Kamphues
Tenor: Christoph Wittman
Bass: Julij Alexandrowitsch Chomenko
Chor: Freiburg Cathedral Boys Choir
Orchester: Concilium musicum Wien
Dirigent: Paul Angerer
Herzog Karl Eugen von Württemberg feiert im Jahr 1763 seinen 35. Geburtstag. Der Herzog, in seiner Lebens – und Regierungsweise vollends dem Absolutismus verschrieben lässt diesen mit einem für ihn legendären Fest feiern (ebenso waren seine Bettg´schichten legendär – aber das soll hier mal dezent verschwiegen werden). Für diesen Geburtstag komponierte Niccolo Jommelli, der seit 1753 das Amt des Hofkapellmeisters in Stuttgart innehat und demnach in den Diensten des musikalisch sehr bewanderten Herzogs steht, das Te Deum.
Aufgeführt wurde es zum ersten Mal am 11. Februar morgens – am Abend wurde eine neue Jommelli-Oper gegeben. Jommelli war vertraglich verpflichtet pro Jahr 2 neue Opern zu schreiben, die jeweils am 11. Februar und 4. November aufzuführen waren (Geburtstag und Namenstag des Herzogs). Über das Opernschaffen Jommellis werde ich irgendwann einen eigenen Thread eröffnen, daher nun hier das Geburtstags Te Deum:
https://www.youtube.com/watch?v=6Xidd4JZuMw
Vox Luminis
Les Muffatti
Dirigent: Peter van Heyghen
Im Jahre 1809 befindet sich das preussische Königspaar auf Auslandsreise. Bei dessen Rückkehr nach Berlin wird das Te Deum von Vincenzo Righini aufgeführt. Righini ist heute eher als Opernkomponist bekannt, er feierte Erfolge in Wien (wo er kurzzeitig Salieris Stellvertreter als Hofkomponist war) und Berlin. In Berlin wird er 1793 zum Hofkapellmeister. Sein einziges mir bekanntes geistliches Werk ist eben das „Heimkehr-Te Deum“:
https://www.youtube.com/watch?v=7S9KrVe6iOw
Sopran: Georgine Resick
Alt: Marga Schiml
Tenor: Rüdiger Wohlers
Bass: Victor von Halem
Chor: RIAS-Kammerchor
Orchesterra: RSO Berlin
Dirigent: Gerd Albrecht
Ich möchte es vorläufig einmal dabei belassen, werde aber hoffentlich noch genug Informationen zu den Werken von Stölzel, Brandl, Madlseder, Naumann, Graun, Mayr, Zach, Richter, Mozart, de Almeida, Aumann, Arenzana und Gossec (und noch anderer) finden, um sie euch hier vorzustellen.
LG