Jimi (28.05.2008, 09:57): Original von Jimi Original von Solitaire
Und auch, wenn das mit FW nur sehr am Rande zu tun hat, möchte ich jetzt wirklich mal eure Meinung hierzu hören: Klick Bitte Track 3 anklicken, darum geht es mir. Um es gleich zu sagen: obwohl ich ihn sehr verehre, hätte ich ihm das nicht zugetraut. Ich persönlich bin hingerissen, aber auch für einen gut begründeten Verriss offen :D
Hallo Solitaire,
so vom ersten Eindruck hat mir die Bildnisarie von Villazon ganz gut gefallen, er sicher kein Mozart-Spezialist und hat auch noch nicht so viel auf deutsch gesungen, dafür find ich auch die Aussprache ganz ok. Ich wollte dann ein oder zwei andere Interpreten zum Vergleich hören, es ist dann ein wenig ausgeartet ich habe erst alle meine Aufnahmen der Bildnisarie gehört und dann noch ein paar von Youtube( insg. sicher mehr als 20). Beim den Vergleichen sind mir dann schon ein paar Details aufgefallen die mir bei Villazon noch verbesserungswürdig erscheinen. Ihn mit Mozart-Spezialisten zu vergleichen, die jahrelange Erfahrung mit der Zauberflöte haben(und Deutsch als Muttersprache) finde ich nicht sinnvoll, aber höre dir bitte mal Juan Diego Florez im Vergleich an:
Florez singt "Dies Bildnis..."
Achte mal zb auf die Stelle "Ich würde Sie voll entzücken... drücken, und ewig wäre Sie dann mein..." (bei Villazon ab 2.55, bei Florez ab 3:07) wie unterschiedlich die beiden Sänger die Phrasenenden "drücken" und "mein" gestalten. Villazon lässt die Töne an diesen Stellen unschön abreißen, bei Verismostücken stilistisch event. akzeptabel, bei Mozart für mich total daneben :ignore. Bei "und ewig" wirkt das "und" irgendwie überbetont, die ganze Phrase finde ich bei Florez(subjektiv) gefühlvoller. Das ging jetzt vielleicht ein bisserl ins Detail, aber eine Interpretation setzt sich nun man aus vielen Details zusammen. Wenn ich einfach nur sage ich finde die die oder die Aufnahme besser hat ja auch niemand was davon.
:hello Jimi
Original von Solitaire Hallo Jimi! Habe soeben Florez`Version gehört und mit Villazón verglichen. Keine Frage: Florez ist wunderbar, ein ganz großer Sänger, und wohl zur Zeit der beste seines Fachs. Ich gebe dir, nachdem ich beide Versionen direkt hintereinander gehört habe, recht: RVs Tamino klingt an den von dir genannten Stellen tatsächlich ein bißchen nach Rodolfo oder Cavaradossi :J Auf der anderen Seite mag ich seinen Stimmklang einfach sehr gern, ich habe viel übrig für diese dunkel gefärbten Tenorstimmen. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache und sehr subjektiv. Bei Florez habe ich keine Sekunde bezweifelt, daß er Mozart singen, und zwar ganz wunderbar singen kann, bei Villazón war ich mir da keinesgwegs sicher, deshalb hat mich seine Aufnahme so überrascht. Vor allem habe ich erstaunt zur Kenntniss genommen, daß er hier seine sonst so oft überbordenden Emotionen durchaus zügelt, was mir in diesem Fall sehr gut gefällt. Ich würde jedenfalls beide Sänger sehr gerne einmal in einer Mozartrolle hören und hoffe, daß das irgendwann mal was wird. RV könnte ich mir gut als Don Ottavio vorstellen (war wohl auch schonmal geplant, hat aber nicht hingehauen, ob aus terminlichen oder anderen Gründen hat er im Interview nicht verraten :cool), Florez würde ich gerne als Belmonte hören. Villazón wird wohl 2010 Mozart singen, wie ich kürzlich irgendwo gelesen habe. Kann mich aber nicht mehr genau daran erinnern, welche Rolle. Ich glabue, Idomeneo. Gut gefallen hat mir bei beiden Sängern ihr Deutsch, trotz ihres Akzents.
*Tussimodus an* Ich finde den Akzent bei beiden ausgesprochen charmant :D*Tussimodus aus*
Hallo Solitaire,
ich habe mir gedacht für eine weitere Diskussion über Villazon Florez & Co ist ein eigener Thread angebracht. Die Zitate oben stammen aus dem Wunderlich Thread. Hier soll es um die "aktuellen" Tenöre gehen, nicht nur um oben genannten , ich denke auch an momentan noch weniger bekannte Sänger wie Charles Castronovo, Francesco Meli oder Stefano Ferrari...
Aber der Reihe nach, erst nochmal zu Florez und Villazon als Mozartsänger.
Florez hat vor ziemlich genau 10 Jahren bei einer Aufnahme von Mozart's Mitridate, in der Nebenrolle des Marzio mitgewirkt. Damals war er 26 Jahre alt und noch ziemlich unbekannt, auch wenn er 2 Jahre zuvor für Furore gesorgt hat als er kurzfristig für Bruce Ford in der außerordendlich anspruchsvollen Partie des Corradino("Mathilde de Shabran" von Rossini) eingesprungen ist. Auch wenn er als Marzio nicht allzuviel zu singen hat, glänzte er auch damals schon mit seiner sicheren Höhe und ebenso sicheren Koloraturen. Die Verzierungen im dacapo Teil seiner Arie sind schon damals als Ausdrucksmittel perfekt in die Linie integriert und wirken nicht wie(bei manchen anderen Sängern ) "Hindernisse die im Weg rumstehen" :cool. Auf dem Niveau hört man das nur von den allerbesten Belcantosängern. Ich kann mir schon vorstellen das die schon etablierten Sänger der Hauptrollen( Guiseppe Sabbatini, Natalie Dessay, Cecilla Bartoli ) über den Newcomer ganz schön erstaunt waren.
Danach ist er als Rossinitenor bekannt geworden und mit Mozart war erstmal Schluss, allerdings hat er einzelne Arien auf seinen Konzerten gesungen. Als Belmonte würde ich Ihn auch gerne hören, zumal in der ursprünglichen Version, die wesentlich verzierter sein soll als auf auf den bekannten Aufnahmen der 50er-70er Jahre.
Was Villazon angeht habe ich auch in einem Interview gelesen dass er den Idomeneo singen wird. Ich war doch etwas überrascht , "Fuor del Mar" ist ein echter Prüfstein sicher eine der schwierigsten, virtuosesten Mozart Tenorarien , es gibt kaum wirklich überzeugende Aufnahmen davon(die meisten sind entschärft). Na gut lassen wir uns überraschen.
Anscheinend hat er vor seiner Auszeit auch langfristig den Lohengrin angepeilt(das hat mich dann wirklich etwas geschockt). In dem Interview antwortet er auf die Frage: "Und Wagners "Lohengrin" ist erst einmal in weite Ferne gerückt?" mit :" "Lohengrin" ist ein Traum." Ich hoffe für seine Stimme das es ein Traum bleibt, die Liste der Tenöre die sich mit zu dramatischen Partien die Stimme "gekillt" haben ist leider lang.
Hier das komplette Interview.
Original von Solitaire Auf der anderen Seite mag ich seinen Stimmklang einfach sehr gern, ich habe viel übrig für diese dunkel gefärbten Tenorstimmen. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache und sehr subjektiv
Ich finde auch dass er ein echte Traumstimme hat, ich habe auch noch nicht erlebt dass sein Timbre jemanden nicht gefallen hat(aber es gibt ja nichts was es nicht gibt). Aber gerade weil seine Stimmtimbre sein größtes Kapital ist, sollte er IMO an Sachen wie den Lohengrin nicht mal denken. Was ich mir von ihm darstellerisch sehr gut vorstellen kann ist der Ferrando aus "Cosi", das wäre sicher ein gefundenes Fressen für ihn.
:hello Jimi
Solitaire (28.05.2008, 15:52): Hallo Jimi! Erstmal danke für den neuen Thread. Was RVs Ambitionen auf den Lohengrin angeht, habe ich das damals auch mit Staunen zur Kenntnis genommen und finde es beruhigend, daß er das (ebenso wie den Cavaradossi) zumindest vorerst auf Eis gelegt hat. Von Cosi fan tutte sagt er ja auch, daß die Rolle eigentlich einen Tick zu hoch für ihn liegt, ihn aber trotzdem sehr reizt. Warten wir ab. Ich stimme dir zu, daß sein Kapital vor allem dieses unglaublich schöne Timbre ist. Ich würde ihn gerne mal als Lenski hören und hoffe, daß der Satz „Spinto ist ein Euphemismus für 'Friedhof für lyrische Stimmen'“ auf ihn nicht zutrifft. Im übrigen ist er sicher nicht der einzige Sänger, der sich mit kleineren oder größeren Problemen rumzuschlagen hat, aber er ist einer der wenigen, die es gewagt haben, auf einem (zumindest medialen) Höhepunkt der Karriere einen radikalen Schnitt zu machen und eine lange Auszeit zu nehmen. Das traut sich heutzutage nicht jeder und dafür hat er Respekt verdient, zumal nach so einer Pause zu erwarten war, daß die Beckmesser im Lande jeden kleinen Fehler, jeden vom Orchester überdecken Spitzenton als Zeichen werten, daß die Stimme eben doch ramponiert ist. Was mich betrifft, so hoffe ich sehr, daß alles klappt und ich ihn im nächsten Jahr in Paris als Werther hören werde. Danke übrigens für das Interview. Das glaube ich gerne, daß die über Geld nicht gerne reden. :cool
Ein anderer „neuer“ Sänger der mir sehr gut gefällt (und der so neu ja nun auch nicht ist) ist Michael Schade. Ich bin zum erstenmal auf ihn aufmerksam geworden, als ich ihn als Don Ottavio in „Don Giovanni“ gesehen habe. Seine Partner waren u.a. Carlos Alvarez, Ildebrando D’Arcangelo und Angelika Kirchschlager: Klick Obwohl mir alle Sänger sehr gut gefallen haben, war Michael Schade für mich die Offenbarung des Abends. Er ist für mich definitiv der einzige Tenor, der Fritz Wunderlich in dieser Rolle das Wasser reichen kann. Pfingstmontag habe ich ihn in den Meistersingern gehört die im Fernsehen gesendet wurden. allerdings habe ich mir nicht daß ganze Stück angetan, das dauerte mir dann doch ein bißchen zu lange. Aber er hat mir jedenfalls ausnehmend gut gefallen.
Begeistert war ich von Ramon Vargas als ich ihn im vergangenen November in der Philharmonie in Köln im Verdi-Requiem gehört habe. Aber auch hier behaupten Leute die es angeblich wissen, daß er den Höhepunkt seiner Kunst überschritten und seine Stimme kaputt gemacht hätte. Ich kann und will das nicht beurteilen, mir hat er sehr gut gefallen.
Von Florez kann ich nur sagen, daß der Mann phänomenal ist :down
EDIT „Hindernisse die im Weg rumstehen“ ist eine entzückende Formulierung, die ich mir merken muß. :D
Jimi (03.06.2008, 05:56): Original von Solitaire ... und hoffe, daß der Satz „Spinto ist ein Euphemismus für 'Friedhof für lyrische Stimmen'“ auf ihn nicht zutrifft. Im übrigen ist er sicher nicht der einzige Sänger, der sich mit kleineren oder größeren Problemen rumzuschlagen hat, aber er ist einer der wenigen, die es gewagt haben, auf einem (zumindest medialen) Höhepunkt der Karriere einen radikalen Schnitt zu machen und eine lange Auszeit zu nehmen.
Das sehe ich auch so, das war sicher keine einfache und eine sehr mutige Entscheidung, hoffen wir dass es auch langfristig etwas bringt und er nicht ins "alte Fahrwasser gerät". Dann wird er wohl auch nicht auf dem "Friedhof für lyrische Stimmen landen". Hm, ich glaube ich habe diese Formulierung mal im Zusammenhang mit Rolando Villazon gelesen, mal schaun ob ich den Artikel wieder finde.
Original von Solitaire
„Hindernisse die im Weg rumstehen“ ist eine entzückende Formulierung, die ich mir merken muß. :D
Danke, mir ist einfach keine gescheitere Beschreibung eingefallen. Bei Youtube gibt es etliche Aufnahmen des Duetts Adina/Nemorino aus dem Liebestrank. Als Nemorino sind ua Florez und viele andere bekannte und auch weniger bekannte Sänger zu hören. Im Vergleich hört man deutlich wie schwer sich viele, auch sehr bekannte Sänger mit den "Hindernissen" tun, die im Weg rumstehen. :W
Zu Michael Schade(von Ihm kenne ich nur wenig) und Ramon Vargas ein anderes mal, ich habe diese Woche leider sehr wenig Zeit.
:hello Jimi
Jimi (14.09.2008, 12:18): Hallo Bellini,
Hier die Ausschnitte aus dem Konzert in Budapest von 2007 die ich in dem anderen Thread erwähnt habe:
Joseph Calleja Questa o Quella
Joseph Calleja La donna e mobile
Joseph Calleja Lamento Di Frederico
Joseph Calleja La Fleur
Joseph Calleja Nessun dorma
Vermutlich wird sich nicht jeder mit dem Stimmtimbre(bez dem Vibrato) anfreunden können, aber Gesangstechnisch und von der Interpretation her sind die Aufnahmen vom allerfeinsten :down
:hello Jimi
Bellini (15.09.2008, 11:36): Hallo Jimi,
habe gestern noch gleich bei Youtube reingeschaut und gleich das erste Lied angeklickt." Dein ist mein ganzes Herz" im Duett mit seiner Frau Tatjana Lisnic. Herrlich, das Lied passt so richtig zu ihm. Ich finde, er hört sich sowieso an, wie ein Tenor aus den 30iger Jahren. Mehr habe ich gestern nicht geschafft zu hören, aber heute abend geht es weiter.
Solitaire (16.09.2008, 09:43): Tja, ich muß zugeben, ich gehöre zu den Leuten, die sich mit dem Vibrato in seiner Stimme nicht so anfreunden können. Seltsamerweise stört mich das bei Tenren der 30er Jahre tatsächlich überhaupt nicht. Das ist mir durch Bellinins Kommentar aufgefallen, und ich versuche gerade zu ergründen ,woran das liegt ?(
Bellini (16.09.2008, 19:43): Habe soeben in dem ersten Beitrag in diesem Thread mal die Arie " Das Bildnis ist bezaubernd schön" mit dem unvergleichbaren Juan Diego Florez angeklickt und natürlich gehört. Wunderschön. Bisher hat mir die Aufnahme mit Fritz Wunderlich am besten gefallen, aber das ist wohl jetzt getoppt. Eigentlich finde ich es schade, dass gerade diese Arie immer so schmachtend gesungen wird. Ich würde eher sagen, wenn Tamino das Bild anguckt, denkt er doch schon "was wäre wenn " und die Arie könnte ruhig ein bisschen " lustvoller" gesungen werden. Ist meine Meinung, sorry. :W
Am besten gefällt mir von JDF "So di regnar sei vago" aus Mozarts Mitridate. Andere Aufnahmen kenne ich dazu nicht, geschweige denn das ganze Singspiel (ist doch eins oder?)
Jimi (21.09.2008, 10:23): Original von Solitaire Tja, ich muß zugeben, ich gehöre zu den Leuten, die sich mit dem Vibrato in seiner Stimme nicht so anfreunden können.
Warum Überrascht mich das jetzt nicht wirklich :D
Original von Solitaire Seltsamerweise stört mich das bei Tenören der 30er Jahre tatsächlich überhaupt nicht.
Welche meinst du da konkret ?
:hello Jimi
Solitaire (21.09.2008, 10:48): Jan Kipura und Richard Tauber zum Beispiel. Habe neulich"Cielo et mar" von Calleja gehört. Er singt es schon sehr schön, keine Frage. Sein Stil gefält mir sehr gut (es muß ja nicht immer der emotionale Ausnahmezustand eines Villazón sein, selbst bei mir nicht, die ich ihm zu Füßen liege :D) Calleja ist ja mehrfach für RV eingesprungen als der vor seiner Pause so häufig abgesagt hat, und auch wenn mir sein Timbre nicht ganz soooo gefällt: er ist definitv mehr als nur der "Einspringer für den Mexikaner" als den ihn ja manche leider auf dem Zettel haben.
Solitaire (11.02.2009, 12:13): Original von Hebre Ich hörte gerade einen rbb- Kulturradio- Moderator von seinem kürzlichen Telefonat mit Villazon berichten, er habe ihn auch zu den neuerlichen Problemen an der MET befragt und überhaupt zu seinen wiederkehrenden Krisen. Er sei "erschüttert" darüber gewesen, wie sehr es RV rundum an Problembewusstsein mangele. Der Redakteur prophezeite, dass es mit der Bühnenkarriere (bzw. der Stimme) des RV bald vorbei sein werde. Ein Grund dafür wäre, dass er quasi immer im 2. Gang mit 250 km fahren wolle und seine Probleme verharmlose und beschönige.
Da ich gerne noch etwas näher hierauf eingehen möchte als im MET-Thread, habe ich das Thema mal zu den aktuellen Sängern verlagert.
Es besteht wohl kein Zweifel daran, daß RV vermutlich immer noch das größte Sorgenkind ist, das sich zur Zeit auf einer Bühne tummelt, ebenso besteht kein Zweifel daran, das kaum jemand nach wie vor so unter Beobachtung steht wie er. Jede Absage wird zur neuen Krise ausgerufen, jeder Auftritt in einer falschen Rolle zum unmittelbar bevorstehenden Karriereende , die verunglückte Lucia-Premiere inklusive sich überschlagender Stimme (und bewundernswerter Nervenstärke in diesem horriblen Augenblick!)im Sextett wird zur nationalen Katastrophe hochgeschrieben. Auch ich als aufrichtiger Bewunderer bin noch weit entfernt davon, mich entspannt zurückzulehnen wenn der Name Villazón auf dem Besetzungszettel steht. Aber: ich denke, er hat das vergangene Jahr gut gemeistert und frage mich schon, was mit den „widerkehrenden Krisen“ gemeint sein könnte. Ich habe mal nachgezählt: seit seinem Comeback in der WSO im Januar 2008 hat RV genau fünfmal eine Vorstellung abgesagt: einmal Don Carlo in London einmal Lensky in Berlin sowie jetzt dreimal Edgardo in New York. Das ist kein schlechter Schnitt für jemanden, dessen Stimme nicht zu den robustesten im Lande gehört, und der sich vorgenommen hat, nicht mehr auf eine Erkältung oder anderweitige Indisposition drauf zu singen. Diese Absagen als Zeichen für eine neue Krise zu werten halte ich für etwas voreilig. Ich habe Rolando Villazón im vergangenen Jahr häufig gehört und hatte im Großen und Ganzen einen positiven Eindruck. Die problematischste Aufführungsserie war vermutlich „Don Carlo“ in London, eine Rolle die er m.E. psychologisch zwar so wunderbar interpretiert wie zur Zeit kaum ein zweiter, die stimmlich aber mit Sicherheit eine Grenzpartie ist oder sogar mehr als das. Ich habe eine der Aufführungen am Radio verfolgt, und man hört ihm definitiv an, daß er sich nicht leicht tut, und er gegen Ende bedauerlicherweise auch noch Probleme mit den Pianostellen bekommt. Die „Romeo“-Premiere in Salzburg fand, denke ich, unter enormer Anspannung statt und das hat man manchmal in der Stimme gehört, die Kritiken hierfür waren durchaus widersprüchlich. Der Arienabend zu Ostern in Köln hingegen war wunderbar und völlig unangestrengt, auch wenn es natürlich einige Kritiker gab, die die fehlende Durchschlagskraft der hohen Töne bemängelt haben, aber die hätten auch gemeckert wenn er gebrüllt hätte, das darf man also getrost vernachlässigen. Daß er keineswegs sowenig Problembewusstsein hat wie manche vermuten zeigt die Tatsache, daß er in Berlin den ursprünglich geplanten Cavaradossi abgesagt, und stattdessen Lensky in Achim Freyers Gespenster-Onegin gesungen hat. Ich war da, von hochtourig gefahrenen 250km/h kein Spur. Stattdessen sehr kultivierter, wunderschöner lyrischer Gesang, noch dazu unter den Umständen einer äußerst beknackten und sängerunfreundlichen Inszenierung... Extrem gut gefallen hat mir die Übertragung des Monteverdi-Konzerte aus St. Denis, ich hoffe sehr, daß er sein Versprechen wahr macht und sich mehr diesem Repertoire widmet. Es war kaum zu glauben, daß da der gleiche Mann gesungen hat, der noch kurz vorher bei „Don Carlo“ hörbar mit Problemen zu kämpfen hatte. Dann ist mir ein Mitschnitt der „Hoffmann“ Aufführung aus London (Dezember 2008) ins Haus geflattert, die hymnisch gefeiert wurde und die einen Villazón in Hochform zeigt. Der direkte Vergleich mit der vier Jahre vorher stattgefundenen Aufführung zeigt, daß er in seinem Gesang um einiges behutsamer zu Werke geht, daß er nicht mehr permanent„nach vorne stürmt wo Engel furchtsam weichen“, ohne daß das der Ausdrucksstärke seines Gesang Abbruch täte. Ganz im Gegenteil. Wie auch immer, auch ich gehe davon aus, daß RV nicht zu den Sängern gehört, deren 40. Bühnenjubiläum wir erleben werden. Allerdings hoffe ich schon, daß wir ihn noch nicht gleich verlieren werden. Er selber hat einmal gesagt, 10 oder 20 brennende Jahre wären ihm lieber als 40 mittelmäßige. Und weiter: „Wenn morgen vorbei, dann eben vorbei“. Bis dahin halte ich mich an das, was eine Kritikerin nach der „Romeo“ Premiere geschrieben hat. Er klänge immer noch „als seien seine Stimmbänder direkt am Herzen angewachsen“. Ende der Liebeserklärung. :engel
Heike (11.02.2009, 15:02): Hallo, also, der Moderator sagte, RV habe im letzten Jahr keines seiner Engagements voll erfüllt, keine Serie wie geplant durchgesungen. Bei Lucia habe er nicht nur eine Vorstellung gestrichen, sondern diese Oper nun völlig für sich gestrichen. Zugleich habe er die MET- Absage mit einer Erkältung erklärt :cool Auf die Frage, dass Kritik wegen der Absagen immer lauter würde, dass er immer öfter mal zu leise singe, wenn er singt, sei er direkt patzig geworden. Ich hab das alles mit ihm jetzt nicht so genau verfolgt, ob und wie oft er wo absagte. Ich höre ihn auch gerne, aber irgendwie klingt das alles für mich so, als wenn da immer noch keine Kontinuität oder gar ein Aufwärtstrend zu sehen wäre. Na wir werden sehen :-) Heike
Solitaire (11.02.2009, 15:28): Original von Hebre Hallo, also, der Moderator sagte, RV habe im letzten Jahr keines seiner Engagements voll erfüllt, keine Serie wie geplant durchgesungen.
Das stimmt nicht. Hoffmann im Dezember, Romeo im Sommer, die Verdi-Totenmessen im Januar in Rom, Werther und DesGrieux zu Beginn das Jahres 2008 in Wien hat er alle komplett gesungen. Da sollte jemand mal dringend recherchieren lernen. :S Zum Vorwurf des "zu leise Singens": ich sag es ja, wenn er brüllt ist es falsch, wenn er sich zurücknimmt ist es falsch. Wenn er absagt weil hörbar indisponiert (warum auch immer) ist es falsch, wenn er dennoch singt ist es falsch. Habe neulich ein Interview mit einem anderen Sänger gelesen in dem es darum ging, daß immer mehr Sänger Betablocker und Beruhingungsmittel nehmen um mit der Angst fertig zu werden, und so langsam beginne ich zu ahnen, woran das wohl liegen könnte... :S
Jimi (12.02.2009, 22:09): Hallo Solitaire,
über die Lucia von Anna Netrebko hast du im "Kino-Thread" geschrieben:
Original von Solitaire 7.2.2009 "Lucia di Lammermoor" Anna hat mir stimmlich, bis auf ein, zwei kleine Aussetzer sehr, sehr gut gefallen. Ich halte sie nach wie vor nicht für eien Belcantosängerin...
Da du Rolando Villazon als Edgardo( und auch als Nemorino) sehr schätzt, gehe ich mal davon aus das du Ihn, im Gegensatz von Anna Netrbko für einen Belcantosänger hältst. So, jetzt meine Frage, was hat er was Anna nicht hat :rofl ? Spaß beiseite, was macht für dich einen Belcantosänger aus?Oder, was bedeutet für dich eigentlich Belcanto, der Begriff lässt sich ja nicht so ganz einfach definieren, ich habe manchmal das Gefühl jeder versteht etwas anderes darunter ?(
Hier ein sehr schön gemachtes Video, dass gut zu dem Thema passt. Belcanto oder kein Belcanto ist hier die Frage.
:hello Jimi
Solitaire (13.02.2009, 10:23): Tja, ich weiß nicht, ob RV wirklich ein Belcantosänger ist. Es gibt Leute, die sind dieser Meinung, aber ich bin mir da nicht ganz sicher. Er hat, das habe ich im Monteverdi-Konzert und bei den ersten Auszügen der Händel-CD festgestellt, eine durchaus geläufige Gurgel und schafft die Koloraturen überraschend gut, auch kommt ihm die kleinere Besetzung des Barockorchesters sehr entgegen aber für den Belcanto eines Donizetti, vor allem für Edgardo, fehlt ihm vielleicht doch ein wenig die Leichtigkeit in der Höhe. Wie gesagt, ich denke für den Edgardo muß er in SEHR GUTER Verfassung sein, was nunmal bei keinem Sänger ständig der Fall ist. Auch Edgardo in Orange 2006 hat mir nur bedingt gefallen: darstellerisch wunderbar, auch das Duett Lucia-Edgardo war großartig, aber gegen Ende wurde es doch arg eng. (Er war wohl auch mal wieder erkältet, der Junge braucht dringend einen gescheiten Grippeschutz :B) Der Unterschied zwischen ihm und Anna ist m.E. folgender: Anna ist die robustere Sängerin mit der besseren Kondition, Villazón ist der ausdrucksstärkere Sänger, dem ich gerne verzeihe, wenn es an der einen oder andren Stelle vokal etwas hapert. Da mag nun jeder selber entscheiden, was ihm mehr zusagt. Mir geht Ausdruck IMMER vor reiner Perfektion oder Stimmschönheit. Sowohl RV als auch AN haben wunderschöne Stimmen, aber während RV die seine als Ausdrucksmittel nutzt (und das vielleicht manchmal auch zu seinem eigenen Schaden) klingt Anna zwar immer wunderschön aber doch auch immer gleich.
Nemorino ist einfach nur genial: seine Stimme, sein Spiel, es passt alles. wie kann Adina diesem Nemorino länger als drei Minuten widerstehen???? :rofl
Das Video läuft im Büro nicht, wird aber nachgeholt. Danke dafür! :)
Solitaire (17.02.2009, 11:41): Nachtrag Eine wie ich finde sehr intelligente Besprechung, die über das übliche „er ist selber Schuld, was tritt der auch in Wetten daß...auf“ - Gemecker mancher Puristen hinausgeht und die Gefahren wie Chancen für eine der schönsten Stimmen unserer Tage aufzeigt: Klick
Heike (17.02.2009, 22:36): Interessanter Artikel, danke. Die dort erwähnte Händel-CD wurde übrigens auch vom rbb hoch gelobt. Heike
Solitaire (04.03.2009, 15:40): Nur mal eben schnell: nachdem er die Premiere "auf Anraten seines Arztes" Ende Februar abgesagt, und Ludovic Tezier die Titelrolle in der Baritonfassung gesungen hat, soll Villazón gestern einen wunderbaren Werther in Paris gesungen haben. Bin auf die ofiziellen Kritiken gespannt.
Solitaire (05.03.2009, 12:20): "Les Echos" ist nur teilweise zufrieden, habe es mit Blut, Schweiß und LEO teilweise übersetzt. Also, falls es jemanden intereddiert: Süßlich und sentimental Kent Nagano dirigierte mit unleugbarem Gespür für’s dramatische, aber ohne die geringste Warmherzigkeit Ein süßlicher, sentimentaler Werther wird schnell unerträglich. Auch wenn der Orchesterklang gut war, ging die Objektivität des Dirigenten völlig am Charme Massenets vorbei. Drei Tage später (nach der Premierenabsage) ist RV wiederhergestellt. durchaus selbstbewußt (das liest man gern!) geht er in seiner Rolle auf, selbst auf die Gefahr hin, sich zu verausgaben. Manchmal kam man etwas ins Zittern, da seine Höhe dazu neigt, ihn im Stich zu lassen. Aber die Interpretation war gut, mit jener Intensität und jenem Charisma, die nicht Ihresgleichen haben (jaaaa!), mit jenen wunderbaren Phrasen, jener beseelten Farbgebung, und jener Intellegenz, an der es ihm niemals mangelt ](Ha!!!).Die Textverständlichkeit litt manchmal etwas unter diesem Feuer. Aber dieser Werther hatte etwas berührend kindliches und man litt unter seiner Verzweiflung.
Kursive Hervorhebungen von der lieben Solitaire, die es freut, sowas im Zusammenhang mit RV endlich mal wieder zu lesen. Und das von einem französischen Kritiker, wenn ein anderer als ein Franzose diese Oper singt :D
Travi (07.03.2009, 21:32): Kleine Notiz am Rande:
Wieso "ein anderer als ein Franzose"? RV hat doch die französische Staatsbürgerschaft! Dies las ich am letzten Wochenende in einer der englischen Sonntagszeitungen, und ein Blick in die französische Wikipedia hat es mir gerade nochmal bestätigt.
Solitaire (08.03.2009, 19:19): Ja, die Staatsbürgerschaft hat er wohl, aber wie immer wird auch hier wieder gerne darauf rumgehackt, daß sein Französisch nicht völlig akzentfrei ist und er die Worte manchmal verzerrt. Wie sagte eine Bekannte:"Sollen sie doch Alagna nehmen. Der ist zwar eine einzige Stimmkrise, kann aber ganz toll Französisch" :cool Auch bei den Premierenkritiken wurde schon das angeblich horrible Französisch einiger Sänger bemängelt. Sie sind da offenbar sehr streng, die Franzosen... Der Ehrlichkeit halber will ich nicht unerwähnt lassen, daß ich jetzt auch Kritiken gelesen habe, in denen der Kritiiker zwar beeindruckt und bewegt von der fast gespenstischen Eindringlichkeit von Gesang und Spiel ist, sich aber nach wie vor große Sorgen macht. Und ich fürchte, nicht zu Unrecht :I
Jimi (09.03.2009, 17:40): Original von Solitaire Wie sagte eine Bekannte:"Sollen sie doch Alagna nehmen. Der ist zwar eine einzige Stimmkrise, kann aber ganz toll Französisch" :cool
An der Aussprache meckern ja manchmal gerade Leute herum, die die Sprache gar nicht sprechen. Nur so lässt sich erklären, dass ein Kritiker an einer Aufnahme Alagna's ausgerechnet ein schlechtes Französisch bemängelt hat. Der gute wusste aber anscheinend nicht, dass Alagna als Kind italienischer Einwanderer in einem Vorort von Paris geboren und aufgewachsen ist. :A Tja Pech gehabt das nächste mal bitte die Cd vor der Besprechung auch anhören :ignore :D
:hello Jimi
Solitaire (09.03.2009, 18:57): Sowas ist ja nun wirklich extrem peinlich :rofl Man kann Alagna manches vorwerfen, aber sicher nicht sein schlechtes Französisch :rofl
Solitaire (26.03.2009, 09:54): So, wie im „MET im Kino“ Thema angedroht, hier mal meine Eindrücke zur Händel-CD von Rolando Villazón. Zunächst: mir ist natürlich klar, daß er mit mancher Tradition bricht, daß er heilige Kühe schlachtet, daß er, im Gegensatz zu den Sängern die dieses Repertoire normalerweise singen, kein Barockspezialist ist und es vielleicht auch nie werden wird. Mir ist klar, daß er in das ganze ästhetische Gefüge dieser Musik mit der Energie (manche würden sagen „Zerstörungskraft“) einer Atombombe einschlägt, und daß das Barockfans, Experten und Kritiker schonmal verstören kann. Ich würde auch blöd gucken, wenn Topi Lehtipuu (den ich großartig finde!!!) plötzlich Alfredo oder Rodolfo singen würde. Außerdem hört man bei Villazón (da nehme ich mich nicht aus) ja immer noch kritischer hin, um rauszufinden ob sie denn nun endlich überwunden ist, die böse Krise, oder ob sich im Gegenteil gerade die nächste ankündigt. Ich persönlich bin kein großer Fan von Barockopern, obwohl ich schon einige sehr Lohnenswerte gesehen habe, und hingehe, wann immer ich die Gelegenheit dazu habe. Schließlich schadet es nicht, seinen Horizont zu erweitern. Ich habe aber zugegebenermaßen manches Problem mit diesen Opern, und das hat nix mit der Musik, sondern mit den Sängern zu tun.
Ich mag keine Frauen in Männerrollen, von Ausnahmen wie Cherubino, Oscar etc. mal abgesehen.
Ich mag auch keine Countertenöre, und somit habe ich bei Barockopern also ein ernstes Problem.
Ich habe in das Händel-Album von Ian Bostridge reingehört und natürlich ist mit klar daß er vermutlich viel näher am Ideal dieser Musik ist als RV. Mir ist auch klar, daß seine Koloraturen souveräner sind (obwohl ich die von RV durchaus beachtlich finde und sie ihm nicht zugetraut hätte). ABER. Aber in meinen Ohren stehen da lauter überaus kultiviert singende aber blutleere Jünglinge auf der Bühne. Da werden die Furien der Hölle beschworen, da wird ewige Rache angekündigt, da werden (scheinbar) untreue Maiden verflucht, da melden sich Gewaltherrscher zu Wort, die schon vor dem Frühstück Städte brandschatzen und Jungfrauen schänden. Und ich kann ihnen kein Wort glauben. Bei RV fließt das Testosteron im Strömen und ich gebe gerne zu, daß das Experten (und vielleicht zu recht) für völlig unangebracht halten mögen. Ich finde es toll. Ich bin eben eine Tussi und will einen Kerl auf der Opernbühne. Auch auf der Barockbühne. :leb :rofl Villazons Grimoaldo ist ein wirklicher Tyrann, sein Bajazet beschwört die Furien der Hölle daß es einen gruseln kann. “Per tormentar, per lacerar quel mostro Io sarò la maggior furia d’Averno” mag manche mehr an den sterbenden Romeo erinnern als an den Helden einer Barockoper, aber es läßt einem das Blut in den Adern gefrieren und man kann nicht umhin zu vermuten, daß diese Drohung, diese Stimme Tamerlano, trotz konstruiertem Barock-Happy-End, bis in seine Träume verfolgen muß. „Scherza infida“ ist, stilistisch angebracht oder nicht, Stimmkrise überwunden oder nicht, mit soviel Schmerz, Leid, Bitterkeit und Liebe in der Stimme gesungen, daß ich es eigentlich nie mehr von einem anderen Sänger hören will.
Zum Thema „Stimmgesundheit“ kann und will ich mich nicht äußern ,da mir dafür jegliche Kompetenz fehlt, und ich, als kleiner Hobbysopran mit Höhenangst ohnehin jeden Sänger bewundere für das was er leistet, ob er oder sie nun zu meinen Lieblinskünstlern gehört oder nicht.
Ich denke, dieses Album ist die Ausnahmeinterpratation eines Ausnahmekünstelrs. Man liebt es oder man kann es nicht ausstehen,. Ich habe selten so unterschiedliche Besprechungen eines Opernalbums gelesen, und nie solche Kontroversen um ein Villazón-Album. Spannend ist sowas allemal.
Jimi (30.03.2009, 20:01): Hallo Solitaire,
vielen Dank für deine umfangreiche Stellungnahme zum Thema Villazon und Händel. Entschuldige meine verspätete Antwort, ich hatte nicht genug Zeit um etwas vernünftiges dazu zu schreiben, denn wenn ich meine Bedenken gegen das Villazonalbum richtig begründen wollte,muss ich weiter ausholen als ich gerade aus Zeitmangel kann. Auf die unterschiedliche Beurteilung der Aufnahmen hast du ja schon hingewiesen:
Original von Solitaire Ich habe selten so unterschiedliche Besprechungen eines Opernalbums gelesen, und nie solche Kontroversen um ein Villazón-Album.
Was ich bisher darüber so gelesen habe, fand ich nicht so besonders toll, entweder Lobhudeleien, oder Verrisse die nicht wirklich stichhaltig begründet sind. Eine Kritik habe ich gefunden die ein paar Aspekte in Kürze ganz gut aus den Punkt bringt :
Ndr-Kultur: Villazon singt Händel (Audio 3:51 min. mit kurzen Ausschnitten aus der Cd).
Ein Zitat daraus:
Und stilistisch?Na, es will nicht recht passen. Villazón schwankt: Mal nähert er sich der barocken Artikulationsart der Gabrieli Players, die das mit ihren alten Instrumenten wunderbar vorführen, dann wieder ist er eher romantischer Tenor und genemigt sich, ganz Ausdruckskünstler, erstaunliche Eigenwilligkeiten...
Ein Stück auf dem er sich im positiven der "barocken Artikulationsart der Gabrieli Player" nähert, ist für mich erstaunlicherweise "Scherza Infida". Ich hatte eigentlich befürchtet, dass er,ganz Ausdruckskünstler, gerade bei diesem Stück ganz furchtbar übertreibt und es durch den Verismo-Fleischwolf dreht. Obwohl er das, :thanks :thanks :thanks , nicht gemacht hat, ist seine Interpretation für mich so etwas wie eine "angenehme Enttäuschung". Angenehm, eben weil er sich mit seinen üblichen Standard-Stilmitteln sehr zurückhält. Damit meine ich zb. das extreme "hochreißen" der Stimme beim Stimmeinsatz, bez. das stößige abreißenlassen an Phrasenendungen (harter Stimmabsatz) oft noch mit einem "Nachächzen" oder Seufzen verbunden oder auch diesen "Standard-Verismo-Schluchzer" a la Gigli.
Als Enttäuschung empfinde ich die Interpretation, weil ich das was du hier beschreibst: Original von Solitaire „Scherza infida“ ist, stilistisch angebracht oder nicht, Stimmkrise überwunden oder nicht, mit soviel Schmerz, Leid, Bitterkeit und Liebe in der Stimme gesungen, daß ich es eigentlich nie mehr von einem anderen Sänger hören will.
nicht wirklich nachvollziehen kann. Denn mir kommt Villazon vor wie ein Ritter, der seit Jahren gewöhnt ist heldenhaft mit dem Zweihandschwert(= Schluchzer, Nachächzen, Seufzer... ) zu kämpfen und jetzt kommt jemand daher ( ich habe da Paul McCreesh im Verdacht) , nimmt ihm das Schwert weg, und gibt ihm dafür ein Florett oder einen Degen. Damit meine ich ua. die Verzierungen die er im Da capo-Teil der Arie singt, denn da merkt man ganz genau wie fremd Ihm diese Art des Singens ist, er kann mit den Verzierungen, die ja als Ausdrucksmittel gedacht sind genau das(Ausdruck) nicht erzeugen. Meine Frau die vorwiegend Musik von Monteverdi bis Rossini hört, und demzufolge mit Villazons Ausdrucksstil generell wenig anfangen kann(ich habe das jetzt sehr,sehr vorsichtig ausgedrückt), hat Ihn sogar Anfangs der Arie noch gelobt: "Ist nicht so schlimm, wie ich gedacht habe"(Ja, das ist ein Lob, im Vergleich zu dem was sie über seinen Monteverdi losgelassen hat), dann im Da capo-Teil hätte Ihre Urteil kaum schlimmer ausfallen können: " Jetzt wird's aber langsam langweilig". Vielleicht kannst du unsere Beurteilung(ich habe es auch so empfunden), besser verstehen wenn du die Aufnahmen die wir bevorzugen mit der von Villazon vergleichst.
Als da wären:
Kasarova Teil 1 - Kasarova Teil 2
Kozena Teil 1 - Kozena Teil 2
Jaroussky Teil1 - Jaroussky Teil 2
Hunt-Lieberson
Lorraine Hunt-Lieberson ist von den Beispielen die Einzige die man bisher auf einer Gesamtaufnahme der Ariodante bewundern kann. Jürgen Kesting hat sie für diese Interpretation zur "Callas der Alten Musik" geadelt.
Auch wenn du Frauen in Hosenrollen und Countertenöre nicht magst, vergiss mal das Timbre für einen Moment und vergleiche bitte die Ausdrucksnuancen speziell bei den Verzierungen. Wer die Villazonaufnahmen zum Vergleich noch nicht kennt wird hier fündig.
Ach ja, eine andere Tenor Interpretation die ich wirklich überzeugend finde, habe ich übrigens noch nicht gefunden, mit Ian Bostridge kann ich ähnlich wenig anfangen wie du.
:hello Jimi
Solitaire (30.03.2009, 21:07): Hallo Jimi! Danke für deine Antwort! Gerade die von dir geposteten Versionen der Arie habe ich mir heute unabhängig von deinen Tips angehört! Ich wollte natürlich wissen, wie diese Arie "in richtig" klingt. Zunächst: sei mir nicht böse, aber Jaroussky geht gar nicht. Ich will nicht bestreiten, daß er singen kann, stilsicher ist etc. aber ich kann und kann und kann mich mit Countertenören, Sopranisten, Altisten etc. nicht anfreunden. Ich versuche es, ehrlich, aber es geht einfach nicht. No way. :B Von den übrigen Aufnahmen gefällt mit Kasarova sehr gut. Bei dieser Arie stört mich auch nicht, daß hier eine Frau eine Männertolle singt, denn was sie singt ist ja nun unanhängig vom Geschlecht und sie singt wirklich wunderschön und mit sehr viel Ausdruck. Ja selbstverstänldich ist Villazón kein Barockspezialist, und selbstverständlich hört man das. Es ist natürlich richtig, daß seine Verzierungen, im Vergleich zu dem, was andere, die in diesem Fach zuhause sind, zustandekriegen eher schlicht sind, deine Frau nennt es langweilig. Mir wird nie langweilig wenn Villazón singt. Mir wird zur Zeit manchmal mal wieder himmelangst, aber nicht langweilig. :( Der Mann könnte das Remscheider Telefonbuch singen, und mir würde nicht langweilig. Da spricht der Fan, das weiß ich wohl. :J
Da er ja immer wieder betont, daß Bartolis Vivaldi-Album die Initialzündung für ihn war und den Wunsch in ihm geweckt hat, irgendwann Barockmusik zu singen, habe ich es mir besorgt (ein Hoch auf die Bibliotheken!) und natürlich war mir nach den ersten Takten völlig klar, daß ich es hier mit einer WIRKLICHEN Barockspezialistin zu tun habe, die die Koloraturen nur so aus dem Ärmel schüttelt und mit ihnen spielt, sie als Ausdrucksmittel einsetzt. Daß RV das in dieser Form nicht hinkriegen würde, war wohl von Anfang an klar. Es sind eben erste Gehversuche auf diesem Gebiet. Ist vielleicht ein bißchen mit Annas "Lucia" zu vergleichen. Netrebko wildert da auch in (meiner Meinung nach) fremden Revieren. Mir geht es mit ihrer Lucia, wie euch mit RVs Barockausflug: nett. Aber nicht mehr. Kein Vergleich zu Maria Callas.
Was soll ich sagen? Ich weiß schon was du meinst, und ich kann auch verstehen wenn Barockexperten sagen "So nicht mein Freund!" aber mit Rolando Villazón und mir ist das so eine Sache... :J Er hat etwas in der Stimme, das mich zutiefst berührt. Er mag nicht immer den richtigen Stil treffen, er mag gefährlich sorglos mit seinen (nicht nur stimmlichen) Kräften um sich schmeißen, er mag (ich kann es nicht beurteilen) eine problematische Technik und überhaupt all die Fehler haben, die Schlauere als ich ihm vorwerfen, aber er singt immer direkt aus dem Herzen, das trifft mich wieder mittens ins Herz, und dafür verzeihe ich ihm nahezu alles. Wie sagt Joni Mitchell: "Comes love, nothing can be done!" :rofl Über die große Maria Callas hat Ingeborg Bachmann gesagt "Sie kann einen Ausdruck verfehlen, weil sie weiß, was Ausdruck überhaupt ist". Und genau das denke ich oft über RV.
Im Übrigen: nur her mit den Monteverdi-Flüchen! Wüste Beschimpfungen im geschützen Rahmen haben durchaus was für sich :J Ich hoffe, daß RV das Florett jetzt öfter benutzt als das Schwert. Ich habe nämlich den Eindruck, daß ihm das gut tut und es dringend nötig ist.
Heike (29.04.2009, 20:24): Villazon hat alle Auftritte bis Jahresende abgesagt. Er hat eine Kehlkopfzyste und wird in Berlin operiert daran. Kam heute im Radio Heike
Mime (30.04.2009, 17:51): Und ich hate mich so auf seinen Werther in Baden-Baden gefreut.
Nun wünsche ich dem armen Kerl einen guten OP-Verlauf und daß er irgendwann mal wieder singen kann.
Solitaire (04.05.2009, 11:22): Ja, das habe ich eben auch gehört. nunja, wenn das die erklärung für die Probleme der letzten Monate ist, dann besteht ja noch Hoffnung. Dessay hatte VIER solcher OPs ehe sie sich wiedererholt hat und ist nach wie vor großartig.
Ingrid (07.01.2010, 20:07): Hallo,
inzwischen ist RV ja wieder guter Dinge, wie man es wirklich lebensnah auf seiner HP sieht und wir hoffen wohl alle (zumindest die, die ihn total gerne mögen, wie ich auch), dass er nicht zu früh beginnt und dann etwas vorsichtiger mit sich und seinem kostbaren Stimmmaterial umgeht. Glauben kann man es bei seinem Temperament zwar kaum, aber zumindest hoffen. Auf jeden Fall wünsche ich ihm einen guten Start, wie er wohl nur in Wien so richtig gelingen kann, und hoffe natürlich auf eine Karte und sein Erscheinen bei den Münchner Festspielen als Nemorino. Sein Werther bei uns ist ja leider seiner Erkrankung zum Opfer gefallen.
Von Jonas Kaufmann habe ich hier bisher noch nichts entdeckt, aber wahrscheinlich nur noch nicht genügend nach geforscht. Er ist im Moment meine Nummer eins, obwohl mein erster Live-Kontakt bei einem Opernarienkonzert nicht so positiv für ihn ausging, aber seine schöne Müllerin, natürlich der Lohengrin und sein Charme am Bühnenausgang haben mich jetzt doch zu seinem Fan werden lassen. Mußte mich einfach erst an sein besonderes Timbre gewöhnen.
:hello Ingrid
Severina (10.02.2010, 19:05): Inzwischen wird es sich ja schon herumgesprochen haben, dass Villazón wie schon nach seiner ersten Stimmkrise sein Comeback auch diesmal wieder in Wien begehen wird, und zwar am 22. März als Nemorino. :leb Er weiß wohl, dass er ein ganz besonderer Liebling des Wiener Publikums ist und 1700 Leute mit ihm mitzittern (und am Ende hoffentlich jubeln) werden. Ich fürchte ja, dass dieser Termin noch viel zu früh kommt nach seiner OP. Andererseits ist der heutige Musikbetrieb derart gnadenlos, dass es sich ein Sänger schlicht nicht leisten kann, allzu lange weg zu sein vom Fenster. Und schon in den vergangenen zwei Jahren war Villazón mehr weg als da, jeder seiner Auftritte ein Lotteriespiel, das mit Hangen und Bangen verbunden war. Deshalb sehe ich dem 22. März mit großer Sorge entgegen, denn wenn er es jetzt nicht schafft, ohne Wenn und Aber an seine früheren Leistungen anzuknüpfen, dann war es das wohl :I. Die Plattenfirmen haben ihn ohnehin schon mehr oder weniger abgeschrieben, die setzen auf Jonas Kaufmann. Ich mag beide sehr, weil ich generell ein Faiblé für baritonal eingefärbte Tenöre habe, und wünsche mir daher noch viele Sternstunden mit Villazón und Kaufmann. Wenn Villazón endlich die Lehren aus seinen Stimmkrisen zieht, kommen sich die beiden repertoiremäßig ohnehin kaum ins Gehege. lg Severina :hello
Mime (11.02.2010, 17:52): Original von Severina Wenn Villazón endlich die Lehren aus seinen Stimmkrisen zieht, kommen sich die beiden repertoiremäßig ohnehin kaum ins Gehege. lg Severina :hello
Warte nur ab, bis Villazon den Lohengrin singt... :D
Severina (11.02.2010, 18:10): Original von Mime Original von Severina Wenn Villazón endlich die Lehren aus seinen Stimmkrisen zieht, kommen sich die beiden repertoiremäßig ohnehin kaum ins Gehege. lg Severina :hello
Warte nur ab, bis Villazon den Lohengrin singt... :D
Mal bloß nicht den Teufel an die Wand! :B (Verrückt genug wäre er ja!) lg Severina :hello
Mimì (21.02.2010, 20:27): Hallo zusammen,
ich habe Karten für sein Händel-Konzert in Baden-Baden am 29. April :leb!!! Ich freu mich schon wahnsinnig drauf. Villazón ist mein Lieblinssänger und als ich mir vor etwa einem halben Jahr seine Händel-CD gekauft habe, war ich hellauf begeistert. Mögen Spezialisten sagen, was sie wollen (und vermutlich auch Recht haben): Diese Musik hat mir so viel gegeben, vor allem, wenn es mir schlecht ging. Sie erinnert mich immer an Wasser, so voller Energie und Strahlkraft. Und die Liebe und die Emotion, mit der Villazón diese Arien singt, sind einfach mitreißend :down, auch wenn seine Stimme keine Barockstimme ist.
Deshalb bin ich jetzt schon richtig aufgeregt, ihn endlich mal live zu erleben :J. Ich hoffe wirklich, dass er sich gut erholt hat und in Zukunft mehr Acht auf seine Stimme gibt. Es wär echt schade drum :I.
Gruß, Mimì
Severina (22.02.2010, 16:59): Hallo Mimi, willkommen im Club der Villazónfans! :D :D Ich habe heute eine Karte für den "L'Elisir" an der WSO ergattert - seine erste Vorstellung nach der OP - und freue mich schon unbändig auf den 22. März. Die Händel-CD besitze ich zwar nicht, da bin ich trotz aller Liebe (noch) etwas skeptisch, dafür "Il Combattimento", und da finde ich Villazón großartig, das ist die pure Hingabe und Leidenschaft. Deshalb mag ich seine Zarzuela-CD auch so sehr, denn auch da kann er in seinen Emotionen völlig aufgehen. (Und natürlich stehen ihm Zarzuelas näher als Händel! :wink) Ich freue mich jedenfalls auf Deinen Konzertbericht! lg Severina :hello
Fairy Queen (22.02.2010, 17:48): Liebe Mimi, ich habe Villazon schon live mit Barockrepertoire von Monteverdi erlebt und das war absolut grossartig. Du darfst dich also wirklich serh freuen. Für mich ist das übrigens sehr wohl eine Stimme für den Barock, hätte er mal bloss viel mehr davon gesungen, dann hâtte er sich viel weniger abgenutzt! Ich finde es serh klug von ihm Konzerte mit Barockmusik zu machen- das macht Hoffnung!!!!! :engel Bon plaisir und bitte unbedingt berichten. Ich gehöre auch zum Iron-Fan-Club! F.Q.
Mimì (22.02.2010, 20:19): Es gibt noch Karten für den "Elisir"? Ich dachte, die wären bereits alle ausverkauft. Die Aufnahme von 2005 find ich nämlich sehr schön, da kannst du dich auf den 22. sicher freuen :wink. Darüber musst du auch unbedingt berichten. Die Händel-CD kann ich wirklich wärmstens empfehlen. Wenn du dir unsicher bist, kannst du im Internet ja mal ein bisschen reinhören. Ich find es wunderbar. Das Combattimento von Monteverdi haben wir damals im Fernsehen auch aufgenommen. Das muss live echt toll gewesen sein. Vor kurzem haben wir uns aber die CD gekauft, worüber ich wirklich froh bin, denn "Si dolce e l' tormento" ist einfach herzzerreißend. Und auch Topi Lehtipuu ("Perché se m' odiavi"!!!) und Patrizia Ciofi gefallen mir super. Ich wünsche mir auch mehr davon.
Liebe Grüße, Mimì
Severina (22.02.2010, 20:57): Original von Mimì Es gibt noch Karten für den "Elisir"? Ich dachte, die wären bereits alle ausverkauft. Liebe Grüße, Mimì
Liebe Mimi, der offizielle Vorvrkauf beginnt genau einen Monat vor der Vorstellung, aber schriftlich kann man bereits bestellen, wenn das neue Jahresprogramm heraußen ist, also ab April 2009. Die meisten Karten der ca.1700 waren also weg, alleine 500 gingen nach Deutschland, um die restlichen 400 gab es heute eben einen erbitterten Kampf. Jetzt sind jedenfalls endgültig alle weg. lg Severina :hello
Honoria Lucasta (23.02.2010, 07:51): Ich habe Villazon ein einziges Mal live erlebt, bei einem Konzert in der Berliner Philharmonie - muß vor etwa 3 Jahren gewesen sein. Seine Stimme gefällt mir ganz gut, ohne daß ich darüber in Begeisterungsstürme ausbrechen würde - aber daß der Mann große Gaben hat, dürfte auch dem böswilligsten Kritiker klar sein. Wenn er nur nicht solche clownesken Anfälle hätte! Diese Grimassiererei stört mich sehr. Sie ist für mich letztlich ein Ausdruck seines recht schwachen Nervenkostüms und daher nachvollziehbar, trotzdem irritierend. Für mich eindrücklich bleibt immer seine Elisire-Aufnahme mit der Netrebko (zu haben auf DVD), wo er "Una furtiva lagrima" mit den üblichen Mätzchen singt, das Publikum rast, eine Wiederholung erzwingt, und er diese Wiederholung dann völlig ruhig, ohne Grimassen, zwanzigmal schöner singt als beim ersten Mal: wirklich, es sind nur die Nerven. Möge er in der Zeit der erzwungenen Ruhepause vor allem daran gearbeitet haben - ansonsten sehe ich schwarz für seine Karriere. Es wäre angesichts seines unbestreitbaren Talents sehr schade, aber beileibe nicht das erste Mal, daß eine Stimme vom Kopf besiegt wird, sozusagen.
Grüße!
Honoria
Severina (23.02.2010, 13:09): Liebe Honoria, das ist eine interessante Theorie, denn bisher habe ich Villazóns Kasperliaden, die mich im übrigen auch nerven, immer seinem überschäumenden Temperament zugeschrieben. Wobei ich sagen muss, dass er bei Konzerten viel mehr dazu neigt, den Clown raushängen zu lassen, als auf der Opernbühne. Bei seinem Werther z.B. war keine Spur davon zu bemerken, obwohl er da sicher irre nervös war und auch allen Grund dazu hatte, denn sein erster Auftritt nach Stimmkrise 1 war alles andere als überzeugend, sieht man davon ab, dass er sich die Seele aus dem Leib gespielt hat. Als Nemorino hat er dem Affen eindeutig zu viel Zucker gegeben, weshalb ich ihn in dieser Partie auch am wenigsten mochte. Da ist er bestenfalls meine Nr. 3 hinter Araiza und Flórez. Trotzdem ist es natürlich eine gute Wahl, mit dieser Partie zurückzukommen, weil sie doch weniger Fallen birgt als der Werther. lg Severina :hello
Fairy Queen (23.02.2010, 17:59): Liebe Sevi, wenn man beim Singen schauspielern kann, ist das Lampenfieber automatisch kleiner. Das Spiel lenkt die innere Aufmerksamkeit aufs Tun und bei einem solchen Vollblutschauspieler wie unserem Rolando zählt das gleich doppelt. Ich glaube daher, dass Honoria richtig liegt- wenn es nichts zum Spielen gibt, sprich bei "Steh"Konzerten, muss er sich sein Spiel eben selbst machen, um zu nerventechnisch "überleben".i Ich sage ja immer wieder, dass Liedkonzerte das Schwierigste sind, was einem Sänger passieren kann, denn nirgends ist man so nackt und bloss und nirgends muss man so verinnerlicht singen und eine Atmosphäre und Szenerie ganz aus sich alleine schaffen. Ich glaube, dass das Kunstlied und Rolando daher nciht kompatibel sind- denn Herumgehampel auf der Liedbühne wie bei Ian Bostridge ist wirklich abstossend. Gut, dass Rolando das offenbar selbst weiss und seine Werthers, Nemorinos etc pp profitieren ja davon. Sein Schauspieltalent ist für mich offenscihtlich, sein Temperament ebenso , aber die Nervositât ist eine andere Geschichte. F.Q.
Jimi (16.04.2010, 23:26): Original von Fairy Queen Liebe Sevi, ist das die Inszenierung von Mary Zymerman? Ich wusste nciht, dass es die schon als DVD gibt, wenn ja, ist das sicher eine feine Sach und kommt auch bei mir auf die liste. Ich habe sie ja im Kino gesehen und für gut befunden. Bartoli als Amina ist für mich SEHR gewöhnungsbedürftig- ich habe sie immer dabei in ihrem hautengen schweinchenrosa Kleid und vor Lebenslust aus allen Nähten platzend vor Augen. Kein bisschen sonnambul, weder stimmlich noch sosntwie. Und transponiert noch obendrein, nee, das ist nix für mich. Sie soll besser ihre Rosina und Cenerantola mit Florez machen.
F.Q.
Hallo Fairy, das Zitat ist aus dem Sonnambula-Thread, zwecks off topic Gefahr antworte ich lieber hier. Ich habe die Cd mit Bartoli/Florez und seit ein paar Wochen auch die Dvd von der Metübertragung die ich damals auch im Kino gesehen habe, ich habe im Kino-Thread auch kurz etwas dazu geschrieben. Ich bin ganz deiner Meinung was Bartoli als Amina betrifft, wäre die Dvd vor der Cd erschienen hätte ich mir die Cd nie im Leben gekauft. Was die Cenerentola angeht, ist ein Aufnahme von Flo und Bartoli für mich seit dieser Dvd
überflüssig :cool Ich finde Joyce DiDonato :down :down insgesamt eher noch besser ,als es Cecilia Bartoli in ihre sehr guten Aufnahme Mitte der 90er war. Insgesamt eine sehr gute Dvd mit einer witzigen bunten Inszenierung und auch in den Nebenrollen gut bis sehr gut besetzt. Endlich mal ein Dandini der nicht durch die Koloraturen leiert :down
:hello Jimi
Fairy Queen (17.04.2010, 08:22): Lieber Jimi, ich kenne diese Aufnahme nicht, aber das Teatro di Liceu ist eine Extraklasse und hat mich bisher nie enttäuscht. Joyce di Donato hab ich leider live noch nie gesehen, Bartoli aber sehr wohl. Ich halte Bartoli für eine ganz grosse Künstlerin mit hohen musikalischen Verdiensten. Sie polarisiert wie fast alle grossen Künstler- entweder man liebt sie oder man findet sie schrecklich. Ich finde Manches zwar ein bisschen schrecklich, liebe sie aber trotzdem. Allerdings nicht als Amina und überhaupt nciht in den fragilen Bellini rollen. Sie glaubt leider, weil Bellini in die Malibran und ihre Stimme verliebt war und die Puritani für sie nach unten transponiert hat, seien nun alle Bellini-Rollen mezzokompatibel. In meinen Augen/Ohren ist das aber ein Irrtum.
Rossini hat jedoch eindeutig für ihr Stimmfach zwischen Sopran und Mezzo komponiert und für mich passt sie sowohl als Bühnenfigur als auch als Sängerin dort optimal hinein. Ich hoffe die Cenerantola aber auch mal in der von Dir empfohlenen Aufführung hören zu können.
F.Q.
Mime (18.04.2010, 12:57): Ich kenne diese Aufnahme auch nicht, kann aber all dem Geschriebsel nicht entnehmen, ob sie nun gut ist oder nicht.
Schwallhalla!
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Severina (18.04.2010, 13:51): Ich glaube Ihr schreibt ein bisschen aneinander vorbei - Fariy bezieht sich zunächst auf Deine Empfehlung der "Cenerentola"-DVD und meint dann genau wie Du, dass die Bartoli keine ideale Amina ist. Sie hat ihrerseits gar keine spezielle Aufnahme genannt. Entschuldige, dass ich mich in Euren Diskurs mische, aber Fairy ist jetzt eine Woche ohne PC und ich möchte nicht, dass Du den Eindruck gewinnst, sie will Dir nicht antworten.
Ich danke Dir übrigens für Deine Empfehlung der Cenerentola-DVD :down, denn die ist bisher irgendwie an mir vorbeigegangen, obwohl ich doch ein großer Flórezfan bin. Die muss ich natürlich unbedingt haben, schon einmal, weil ich ihn in nächster Zeit wohl kaum live als Don Ramiro erleben werde.
lg Severina :hello
Jimi (21.04.2010, 18:05): Original von Mime Ich kenne diese Aufnahme auch nicht, kann aber all dem Geschriebsel nicht entnehmen, ob sie nun gut ist oder nicht.
Schwallhalla!
?(
Was ist an: " Insgesamt eine sehr gute Dvd mit einer witzigen bunten Inszenierung und auch in den Nebenrollen gut bis sehr gut besetzt." so schwer zu verstehen ? ?( ?( ?( :hello Jimi