Textwiederholungen in der Oper

Zefira (27.09.2016, 00:05):
Auf vielfachen Wunsch ;o) hier der Thread zum Thema Textwiederholungen. (Ich hoffe, nichts verkehrt zu machen, wenn ich mich auf Oper beziehe - wenn auch andere Musikgattungen einbezogen werden sollen, bitte verschieben.)


Haben Textwiederholungen einen bestimmten dramaturgischen Zweck, und wenn ja, welchen? Oder kann man davon ausgehen, dass dem Komponisten einfach bloß mehr eingefallen ist als dem Librettisten und der Text für all die musikalischen Ideen nicht reichte?

Als Kuriosum - mir ist klar, dass das die Frage nicht beantwortet - ein Absatz aus dem Mozart-Buch von Hildesheimer über die opera seria:

"Diese Arien sind denn auch endlos, sie mußten die Qualitäten des Sängers ins beste Licht rücken, daher die dauernden Text- oder Wortwiederholungen. Die Arie des Cinna im "Lucio Silla", "Vieni ov'amor ...", enthält für acht trostlose Zeilen 281 Takte Musik, die Registerarie im "Don Giovanni" enthält für dreißig Zeilen 172 Takte Musik.
Der berühten Sängern Anna de Amicis wurden als Giunia auch die längsten Arien mit den ausschweifendsten Koloraturen zuteil. Es ist für uns heute kaum vorstellbar, daß man ihnen mit Vergnügen, ja auch nur mit Geduld zuhörte ..."

Eine gewagte These, denn Lucio Silla wird ja durchaus noch gespielt, also muss es noch ein paar Leutchen geben, die das gerne hören ...
Hosenrolle1 (02.10.2016, 12:57):
Man müsste sich einmal anschauen, wie Komponisten Wiederholungen notieren: setzen sie einfach nur ein Wiederholungszeichen, oder wird alles "auskomponiert".

Ist letzteres der Fall, dann müsste man sich die Instrumentation ansehen, und ob es da Unterschiede gibt.

Ich habe jetzt gerade den ersten Akt aus Mozarts "Entführung aus dem Serail", dessen vollständiges Anhören ich ob der vielen Wiederholungen als unglaublich zäh in Erinnerung habe, in der Partitur angesehen - keine Wiederholungszeichen soweit.


Eine andere Überlegung: vielleicht waren die Wiederholungen damals auch deswegen üblich, weil Musik nichts alltägliches war, und die Komponisten wollten, dass das Publikum länger etwas von dem Stück hat.
Man liest ja immer wieder von Uraufführungen, dass diese oder jene Nummer da capo verlangt wurde.

Heute tut das kaum jemand, weil wir ständig von Musik beschallt werden, weil wir CDs daheim haben, und Musik an sich nichts Besonderes mehr ist, da überall und jederzeit verfügbar.




LG,
Hosenrolle1