Peter Brixius (26.01.2011, 17:06): Als mich eine Bekannte vor längerer Zeit fragte, ob ich ihr sagen könne, bei welcher Sinfonie mehrere Dirigenten gestorben seien, welches Musikstück wohl den Titel "Todessinfonie" tragen müsse, musste ich passen. Ich weiß es auch heute noch nicht, vielleicht kann mich ja ein Klassikfreund aus meiner Unwissenheit befreien - meinen Ruf als musikalisches Orakel war ich auf jeden Fall im Kreise bridgespielender Damen los und habe ihn wohl nie wieder gewinnen können.
Aktueller Anlass, die Frage hier in einer erweiterten Form (und nicht nur auf die bekanntlich ziemlich langlebigen Dirigenten) zu stellen, ist das Hinscheiden von M Cochereau, der vorletzte Woche während Beethovens Eroica starb.
Die bekanntesten Fälle waren wohl Felix Mottl und Joseph Keilberth, die beide exakt an der gleichen Stelle in Wagners "Tristan und Isolde" im dritten Akt zusammenbrachen. Mitropoulos starb während der Probe von Mahlers Dritter, Sinopoli während der Aida.
Herbert von Karajan regte damals eine Studie über die Auswirkungen des Stresses bei Aufführungen an der Salzburger Universität an, die Ergebnisse der Forschung sind allerdings nicht veröffentlicht worden - vielleicht um die unglücklichen Dirigenten nicht noch mehr unter Stress zu setzen.
Was wisst ihr?
Liebe Grüße Peter
Severina (26.01.2011, 17:21): Wer mir auf die Schnelle einfällt, ist Giuseppe Patané, der während eines Barbiere in München tot zusammenbrach - muss so 1989 gewesen sein. Marcello Viotti ist 2005 zwar erst einige Tage nach seinem Zusammenbruch gestorben, dieser ereilte ihn aber auch im Münchner Opernhaus während der Proben. München ist offensichtlich nicht sehr gesund für Dirigenten.....
lg Severina :hello
Peter Brixius (26.01.2011, 17:37): Eine Internetrecherche brachte mich noch auf Eduard van Beinum, der bei der Probe von Brahms' 1. Sinfonie zusammen brach. Franz Konwitschny starb bei der Probe von Beethovens Missa solemnis.
Liebe Grüße Peter
Armin70 (26.01.2011, 17:43): Der Komponist Jean-Baptist Lully (1632 - 1687) dirigierte am 8. Januar 1687 in der Église des Pères Feuillants sein Te Deum. Dabei rammte er sich versehentlich die Spitze des 2 Meter (!) langen Taktstock versehentlich in seinen Fuß. Die Wunde entzündete sich so stark, dass Lully am 22. März 1687 daran verstarb.
Waldi (26.01.2011, 18:59): Fritz Lehmann starb, als er eine Aufführung der "Matthäus-Passion" in München leitete.
Auch der Vater von Mariss Jansons soll beim Dirigieren gestorben sein.
Peter Brixius (26.01.2011, 19:55): Original von Waldi Auch der Vater von Mariss Jansons soll beim Dirigieren gestorben sein.
Arvid(s) Jansons starb bei einem Konzert mit dem Hallé. Sein Sohn brach in Oslo 1996 bei einem Konzert zusammen, konnte aber noch rechtzeitig in einer Klinik gerettet werden. Paul Kletzki brach bei einem Dirigat in Liverpool zusammen.
Liebe Grüße Peter
Armin70 (26.01.2011, 21:03): Der russische Dirigent Kirill Kondrashin (1914 - 1981) starb einen Tag nach einer Aufführung von Mahlers 1. Sinfonie mit dem NDR-Sinfonieorchester an einem Herzanfall/Herzinfarkt.
Jürgen (26.01.2011, 22:55): Was bin ich froh, die Dirigentenlaufbahn nicht eingeschlagen zu haben. Scheint ja in gefährlicher Job zu sein.
Grüße Jürgen
Sfantu (26.01.2011, 23:10): Fanny Hensel, geb. Mendelssohn, in der Entfaltung ihrer musikalischen Berufung durch die sexistische Knute ihres Bruders hartnäckig behindert, starb am 14. Mai 1847 in Berlin an den Folgen eines Schlaganfalles, den sie am selben Tag erlitt, während sie Proben zu einer Aufführung von Felix' "Walpurgisnacht" leitete.
Armin70 (26.01.2011, 23:32): Der Dirigent Armin Jordan starb am 20. September 2006 nachdem er am 15. September 2006 bei der Premiere der Oper "Die Liebe zu den drei Orangen" von Prokofjew im Theater Basel während der Aufführung im Orchestergraben zusammengebrochen war.
Armin70 (26.01.2011, 23:42): Josef Strauss, Sohn von Johann Strauss (Vater) und Bruder von Johann Strauss (Sohn) und Eduard Strauss, brach während einer Konzertreise im Jahr 1870 in Warschau bewusstlos zusammen und starb kurze Zeit später in Wien.
miranda (27.01.2011, 00:17): Carl Maria von Weber dirigierte, obwohl schwerkrank, die Uraufführung seines "Oberon" und weitere Vorstellungen in London im April 1826, bis er zusammenbrach und wenig später, am 5.Juni, dort starb. Er war auf das Geld aus England angewiesen, weil er in Deutschland nicht genug verdienen konnte, um seine Familie zu versorgen.
Fairy Queen (27.01.2011, 05:11): Zwar kein Musiker, aber dieser kunst serh verbunden: der frz Schriftsteller und Theaterkünstler Molière! Er erlitt ausgerechnet bei einer Aufführung des von ihm selbst gespielten eingebildeten Kranken einen gar nciht eingebildeten Blutsturz und starb kurze Zeit spâter an den Folgen seiner Lungenerkrankung. Der legendâre Sänger Enrico Caruso erlitt 1920 während einer Aufführung von Samson und Dalila in New York eine schwere Nierenverletzung und starb wenige Zeit später in seiner Heimat Neapel.
F.Q.
Rachmaninov (27.01.2011, 07:18): Original von Jürgen Was bin ich froh, die Dirigentenlaufbahn nicht eingeschlagen zu haben. Scheint ja in gefährlicher Job zu sein.
Grüße Jürgen
Das Leben an sich ist eine gefährliche, Tod bringende Angelegenheit.
Honoria Lucasta (27.01.2011, 08:03): Kein Dirigent, aber ein begnadeter Sänger:
Der Bariton Leonard Warren starb 1960 an einer Gehirnblutung auf der offenen Bühne der MET, als er in einer Aufführung von Verdis Macht des Schicksals gerade "Urna fatale dal mio destino "zu singen anhub.
Wer weiß, welche Konzentrations- und manchmal auch Kraftanstrengung sowohl das Singen als auch das Dirigieren erfordert, wundert sich nicht, daß doch zahlreiche Künstler dann auch tatsächlich auf der Bühne oder am Pult sterben: Herzen und Kreisläufe rächen den an ihnen begangenen Raubbau zuverlässig im ungünstigsten Moment.
Grüße!
Honoria
Sfantu (27.01.2011, 09:16): Unter Musikern sollen Oboisten das statistisch höchste Herzinfarkt- resp.Schlaganfallrisiko tragen, da bei ihnen ein Höchstmass an Drücken und Pressen sich eben auch, zumindest passager, gefässverängend auswirkt. Nicht umsonst wird ein ähnlicher Zusammenhang mit verstärktem Pressen beim Stuhlgang mit den genannten Ereignissen hergestellt. Meine holländischen Aphasiologie-Dozenten brachten damals viele bildhafte Beispiele dieser Art (ein Füllhorn von Anekdoten...). Zwar nicht todbringend aber doch nachhaltig peinigend ist der Tinnitus, welcher vorzugsweise den hohen Streichern auflauert: das Ohr permanent direkt am Resonanzkörper anliegend & zusätzlich von hinten den Schalltrichtern der Bläser + Schlagwerkdonner ausgeliefert. Da gibt es meines Wissens mittlerweile spezielle Möglichkeiten, sich apparativ zu schützen.
:hello Sfantu
Fairy Queen (27.01.2011, 09:24): Der Stressfaktor ist nicht zu unterschâtzen und ich nehme an, dass nur eine Minderheit der stressgeplagten Musiker etwas zur Vorsorge bzw zum Stressabbau tun. Hinzu kommt oft noch eine ungesunde Lebenshygiene:ständiges Reisen, extremer Leistungsdruck durcheinandergeworfener Biorhytmus,unregelmâssige Mahlzeiten und von rauchen, trinken etc mal gar nciht zu reden. Dirigenten und Solisten haben mindestens dieselben Risikofaktoren wie sogen. Manager!
F.Q.
Severina (27.01.2011, 11:34): Ich konnte José Carreras nach seiner Leukämieerkrankung nie mehr entspannt beim Singen zuschauen, denn bei dem schwollen die Stirn- und Schläfenadern (Gibt sicher einen medizinischen Fachausdruck dafür :wink) bei hohen Tönen so extrem an, dazu bekam er einen ganz roten Kopf, dass ich wirklich immer fürchtete, dass ihn auf der Stelle der Schlag trifft. Ich denke, wer von Haus aus zu Gefäßverengungen neigt, ist da ganz besonders gefährdet. lg Severina :hello
Nicolas_Aine (27.01.2011, 20:31): Original von Fairy Queen Der Stressfaktor ist nicht zu unterschâtzen und ich nehme an, dass nur eine Minderheit der stressgeplagten Musiker etwas zur Vorsorge bzw zum Stressabbau tun. Hinzu kommt oft noch eine ungesunde Lebenshygiene:ständiges Reisen, extremer Leistungsdruck durcheinandergeworfener Biorhytmus,unregelmâssige Mahlzeiten und von rauchen, trinken etc mal gar nciht zu reden. Dirigenten und Solisten haben mindestens dieselben Risikofaktoren wie sogen. Manager!
F.Q.
nicht zu vergessen die ganzen Medikamente, Betablocker etc...
Sfantu: In vielen Orchestern stehen deswegen vor den Blechbläsern Plexiglaswände :)
David Oistrakh starb auch während einer Tournee in Amsterdam.
Karolus Minus (28.01.2011, 00:35): Dieses singen mit zuviel Druck, das Severina da bei Carreras beobachtet hat, hat wahrscheinlich Anfang der 80er einen Sänger in Hamburg das Leben gekostet. Thomas Herndon, einer der Haustenöre, schmiss als Novagerio im Palestrina im 2. Akt seinen letzten Einsatz und hielt sich dann beim Abgang auf der Treppe am Geländer fest. Hinter der Bühne brach er zusammen und verstarb einige Tage später, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Da die Rolle im 3.Akt nicht mehr vorkommt, hat während der Vorstellung niemand im Publikum etwas mitbekommen. Bei Herndon kam allerdings noch dazu, daß er wohl an Bluthochdruck litt und - so hieß es damals - als Mitglied von Christian Science keine Medikamente nahm. Gruß Karolus -
Amadé (28.01.2011, 15:40): Mir fällt hier noch der Bariton Wolfgang Anheisser ein, der in der Kölner Oper während der Aufführung des "Bettelstudents" von einer Balkonkulisse auf die Bühne stürzte und starb.
Einen ähnlichen Unfall erlitt der berühmte Regisseur und Bühnenbildner Jean-Pierre Ponelle. Im Sommer 1988 fiel er bei Proben in Tel Aviv in den ungesicherten Orchestergraben. Er starb wenige Wochen später, im August 1988, in München an den Folgen des Sturzes.
Grüße Amadé
Peter Brixius (31.01.2011, 22:13): Original von Sfantu Fanny Hensel, geb. Mendelssohn, in der Entfaltung ihrer musikalischen Berufung durch die sexistische Knute ihres Bruders hartnäckig behindert, starb am 14. Mai 1847 in Berlin an den Folgen eines Schlaganfalles, den sie am selben Tag erlitt, während sie Proben zu einer Aufführung von Felix' "Walpurgisnacht" leitete.
Lieber Sfantu,
woher nimmst Du das? Die Mendelssohn-Monographie von Todd (2008) sieht das ganz anders. Gibt es irgendeine neue Literatur, die dafür Belege bietet?
Liebe Grüße Peter
Sfantu (01.02.2011, 11:09): Lieber Peter,
die Schilderung der Todesumstände entspringt dem Fanny Hensel-Artikel in Wikipedia.
Ich nehme aber an, Du meinst meine Anspielung auf Felix' Standpunkt gegenüber Fannies Betätigung als Interpretin und Komponistin? Dazu kann ich leider keine wissenschaftlich seriösen Quellen anführen. Alles, was ich bisher in zahllosen Booklets oder Musikzeitschriften gelesen oder etlichen Radiobeiträgen zu dem Thema gehört habe, geht in dieselbe Richtung: Dass Felix Fannies Anspruch auf eigene künstlerische Verwirklichung, ähnlich Robert Schumann gegenüber Clara, stets beargwöhnt und als nicht standesgemäss, einem Frauenzimmer nicht geziemend, gesehen und sich auch mehrfach dahingehend geäussert hat. Erst durch ihren Mann, den königlich preussischen Hofmaler zu Berlin, Wilhelm Hensel, erfuhr sie Bestärkung und Unterstützung in ihrer künstlerischen Entfaltung. Gern liefere ich entsprechende Quellen nach. Am eindrücklichsten habe ich ein WDR-Zeitzeichen zu einem runden Geburtstag oder Todestag Fannies in Erinnerung. Jahrelang habe ich die viertelstündigen Zeitzeichen aufgezeichnet und archiviert, sofern sie Musikthemen zum Inhalt hatten - da werd' ich mal stöbern - hab' die allerdings nur auf Minidisc.
:hello Sfantu
Fairy Queen (01.02.2011, 13:09): Lieber Sfantu, ich habe mich mit Clara Schumann ziemlich intensiv befasst und auch Einblicke in Fannies und Felix Briefwechsel gehabt und denke, das könnte man etwas differenzierter sehen. Was Robert Schumann angeht, hat er Clara vehementest zum Komponieren aufgefordert(zahllose Briefe belegen das) und allein durch seinen Einfluss sind uns die wunderbaren Lieder die Clara auschliesslich zu seinen Geburtstagen, weihnachten, Hochzeitstagen auf seien dringeenden Bitten komponierte,geschenkt. Nach seinem Tod hat sie umgehend damit aufgehört, fühlte sich nciht mehr zum Komponieren verpflichtet. Was Robert S. allerdings nciht wollte, war eine Frau, die als reisende Starpianistin nie da war, wo er sie brauchte, nämlich in seiner Nähe. Die komponierende Clara im Nebenzimmer, die abends dann das Bett mit ihm teilte war dagegen kein Problem. Leider hat Clara sich selbst fast ausschliesslich als Podiumskünstlerin und nicht als Komponistin gesehen(sie hielt sich sogar für schöpferisch unbegabt)- was dann natürlich die Tragödie unvereinbarer Bedürfnisse nach sich zog.
Was Mendelssohn angeht, müsste ich mehr Quellen studieren. Was ich aber weiss: Mendelssohn war ein Kind seiner Zeit und komponierende unverheiratete Frauen in der gutbürgerlichen Gesellschaft waren nicht eben Traumbräute für gute Partien und verheiratete Frauen hatten anderes zu tun- dachte man damals..... Da die beiden ein sehr inniges und gutes Verhältnis hatten wollte er seine Schwester gewiss auch in einer Weise schützen und hat vielleicht nicht nur aus ganz niederen Motiven ihre Lieder unter seine Fittiche genommen?
Ein komponist, der der seiner Frau nachweislich verboten hat zu komponieren und das sogar zur Bedingung der Eheschliessung machte, war Gustav Mahler. Er hat teuer genug dafür bezahlt, denke ich......
F.Q.
Frank1970 (02.02.2011, 10:00): Hallo zusammen,
da ist mir eben noch der "Frederic Harman" aus Arthur Rubinsteins Autobiographie eingefallen. Allerdings hatte ich dann eben Mühe eben diesen im Internet zu finden, was mich dann aber - oh Überraschung - wieder ein Stück klüger gemacht hat. Denn den Namen hat Rubinstein in seinem Buch abgeändert, was nun aber nur einen sehr begrenzten Schutz der realen Personen (oder deren Nachfahren) bietet. "Frederic Harman" hieß in Wirklichkeit Juliusz Wertheim, polnischer Pianist, Dirigent und Komponist.
Juliusz Wertheim starb am 6. Mai 1928 mit gerade mal 47 Jahren an einem Herzinfarkt während er das Meistersinger-Vorspiel dirigierte. Zusätzlich tragisch: Das Konzert wurde im Radio übertragen, wobei auch seine Mutter zuhörte.
Viele Grüße Frank
Gamaheh (04.02.2011, 20:22): Liebe Forenser,
in diesem Falle scheint es mir besonders treffend, Euch so anzureden, da wir wieder mal - und dies ganz ohne Zutun unserer forumseigenen Mediziner - bei Krankheiten und Todesfällen gelandet sind.
Was mir aber eigentlich ein wenig zu denken gibt, ist mein Eindruck, daß sich die Faden-Überschriften hier im Stil immer mehr den Schlagzeilen der sog. "Sensations-Presse" annähern.
Daß Musik tötet ist doch - mit Respekt ! - hanebüchener Unsinn. Im Gegenteil ist es erwiesen, daß die aktive Ausübung von Musik zwar kein langes Leben garantiert, aber eine effektive Prophylaxe gegen Alzheimer und andere Formen von Demenz darstellt. Sie bewahrt dem Menschen geistige Frische und Lebensfreude. In welchem anderen Beruf sind Menschen so lange aktiv? Denkt mal (nur zum Beispiel ein paar, die mir gerade einfallen) an Artur Rubinstein, Paul Tortellier, Paul Badura-Skoda, Menahem Pressler. Letzterer hat es so formuliert: "Sie leben und sie lieben um der Musik willen. Es ist schön, wenn man morgens aufsteht, die Noten sieht und weiß, daß man dies zum Klingen bringen darf und ein Teil davon sein kann.“
Habt Ihr nie ältere Musiker gesehen, die vor oder nach dem Konzert klein, alt und verhutzelt aussehen, sobald sie den Taktstock heben, aber stark und jugendlich wirken (z.B. Günter Wand). Ich erinnere mich an eine Diskussion vor einer Weile, als jemand fragte, warum die Musiker nicht aufhören, wenn sie über ihren Zenith hinaus sind und so viele falsche Noten spielen. Meine Antwort ist: Weil sie dann sterben.
Hier dagegen ist nicht einmal mehr die Rede von Musikern, die auf der Bühne tot zusammengebrochen sind, sondern wer einen Schwächeanfall oder einen Unfall hatte, dem später der Tod folgte. Überlegt mal, wieviele Buchhalter sich an ihrem Schreibtisch über ihren Bilanzen unwohl fühlen als erstes Anzeichen für ein frühes Ableben. Heißt das, daß Zahlen töten, oder Tinte?
Konzertierende Musiker üben ihren Beruf - im Gegensatz etwa zu Buchhaltern - öffentlich aus und, wenn sie können, weit über das gesetzliche Rentenalter hinaus, wenn andere längst nur noch Tauben züchten, ihre Schrebergärten pflegen oder Beiträge in Internet-Foren schreiben. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich dort erste Anzeichen ihrer Schwäche bemerkbar machen, oder sogar - wenn sie denn plötzlich sterben - das dort auch geschieht, a priori vergleichsweise hoch; und wahrscheinlich ist das der Wunschtraum vieler Musiker. Es gibt sogar Musiker, die sich todkrank in vollem Bewußtsein ihres Zustands auf die Bühne begeben (und dabei Erstaunliches vollbringen).
Andere sind einfach nicht gesund und erblich vorbelastet, wie etwa die Mendelssohns mit ihrer Gefäßschwäche - aber sollen sie deshalb Buchhalter werden?
Ein schönes Wochenende wünscht Gamaheh
Peter Brixius (04.02.2011, 20:51): Liebe Gamaheh,
bevor Du Dich über das Subject aufregst, versuche doch mal mein OP zu lesen. Es ging bei mir um die Frage meiner Schwiegermutter, welches Musikstück es sei, bei dem so viele Dirigenten gestorben seien. Was ist unter dem Aspekt gegen den von mir eindeutig satirisch gemeinten Titel einzuwenden?
Dass sich der Thread nun mehr auf die betroffenen Musiker bezog statt auf die Musikwerke finde ich tolerabel - aber die Ausgangsfrage war eine andere und deshalb die moralische Ermahnung ehrenhaft, aber daneben - der Titel war vor den Beiträgen verfasst, nicht nach ihnen.
Liebe Grüße Peter
Heike (04.02.2011, 21:01): Liebe Gamaheh, hast du vielleicht gerade eine leicht "ketzerische" Phase? Mir fällt auf, dass seit einiger Zeit sehr viele deiner Beiträge gegen irgendwas, was davor dasteht, gerichtet sind :S. Ich bin ja auch manchmal ein kleiner Zweifler, aber dein Motto scheint im Moment "ich bin dagegen" zu heißen? Ich hoffe, das legt sich wieder ?( Das ist sonst irgendwie anstrengend, denn so ganz bierernst will ich das Forum hier auch nicht nehmen müssen.. Ist nicht böse gemeint! Und sowieso völlig offtopic, also zurück zum Thema, zu dem ich leider gar nichts beitragen kann! Heike
Fairy Queen (05.02.2011, 05:57): Ein bisschen Feuilleton und verbale Provokationen gehören doch dazu-oder nciht? Hier n Frankreich ist das Wortfechten sogar das Konversationsspiel Nummer 1 in Diskussionen :D In der Sache und wenn man political correct an solche Foren herangeht (was ich meistens ungern tue....) hat Gamameh natürlcih recht. Ich bin überdies die Allererste die als Therapeutin in Sachen Musik auf dem Plan steht, um zu bezeugen, dass Musik nciht tötet sondern im symbolischen (und manchmal sogar direkten Sinne) von den Toten auferweckt, Lebenssinn und Adrenalinspritze, Trost und Rettungsanker sein kann. Aber wie Peter ja oben erklârt- der Threadtitel hat damit gar ncihts zu tun, sondern kommt in guter feulletonistischer Manier als "Schlagzeile" daher. In Ethik-Seminaren sollte man das zwar unterlassen, in Internetforen sehe ich persönlich das als sehr lâssliche "Sünde" :engel
F.Q.
Gamaheh (05.02.2011, 13:51): Original von Heike Liebe Gamaheh, hast du vielleicht gerade eine leicht "ketzerische" Phase? Mir fällt auf, dass seit einiger Zeit sehr viele deiner Beiträge gegen irgendwas, was davor dasteht, gerichtet sind :S.
Ketzer kann es nur geben, wo es Lehrmeinungen und Dogmen gibt.
Wer stellt sie auf, wer ist ihr Hüter – wer die Usurpatoren des Forums ?
Die neue Wohlfühl- und Verträglichkeitspolitik dieses Forums erinnert – wenn nicht an Orwell, so an Nr. 6, „The Prisoner“: Es ist immer „another bright new day“.
Gamaheh
Provokationen und Wortfechtereien - und, wie Du doch siehst, andere Meinungen - sind hier gar nicht mehr gefragt, da ist man "Ketzer", s.o. Ich bin wirklich die letzte, die PC vertritt, und nur noch die Hand heben und sagen "ich hab da auch noch einen" ist mir wirklich zu wenig.
Ingrid (05.02.2011, 15:40): Original von Peter Brixius Als mich eine Bekannte vor längerer Zeit fragte, ob ich ihr sagen könne, bei welcher Sinfonie mehrere Dirigenten gestorben seien, welches Musikstück wohl den Titel "Todessinfonie" tragen müsse, musste ich passen. Was wisst ihr?
Liebe Grüße Peter
Lieber Peter,
zum Glück gab es keinen Todesfall, aber Riccardo Muti ist vor kurzer Zeit beim 3. Satz der Schostakowitsch-Sinfonie offensichtlich in Ohnmacht gefallen und stangerlgrade vom Podium auf sein Gesicht geknallt. Er hat mehrere Gesichtsknochenbrüche davongetragen und muss operiert werden. Wünsche ihm natürlich ganz gute Besserung und noch ein langes und erfülltes Leben als Dirigent.
:hello Ingrid
Heike (05.02.2011, 15:40): Ich sag jetzt mal nichts weiter dazu, da ich das Forum nicht für zu wenig kontrovers halte.
Zum Thema: Gottseidank kein Todesfall, aber ein Zusammenbruch am Pult ereilte gerade vorgestern Riccardo Muti (als ich das las, habe ich mich richtig erschrocken, weil mir gleich dieser Thread einfiel):
"Bereits zum zweiten Mal in seiner Zeit als Musikdirektor des Symphonieorchesters von Chicago fällt der Dirigent Riccardo Muti krankheitsbedingt aus. Bei einer Probe am Donnerstag erlitt der Italiener eine Ohnmacht und brach sich beim Zusammenbruch den Kiefer." siehe http://www.br-online.de/br-klassik/allegro/klassik-news-riccardo-muti-zusammenbruch-chicago-ID1296804087985.xml Heike
Jürgen (05.02.2011, 17:54): Hallo Ingrid, hallo Heike,
was eine Punktlandung.
Es gibt viele Sprüche, die solch ein Phänomen beschreiben. Ihr wisst sicherlich, was ich meine :D
Grüße Jürgen
Heike (05.02.2011, 20:12): :beer
Ingrid (06.02.2011, 13:51): Original von Jürgen Hallo Ingrid, hallo Heike,
Ihr wisst sicherlich, was ich meine :D
Grüße Jürgen
Heike offensichtlich schon, ich aber überhaupt nicht. Stand wohl mal wieder im Fettnäpfchen?
:hello Ingrid
Heike (06.02.2011, 14:49): Guck mal Ingrid, wir haben zur exakt derselben Zeit dasselbe getan :-) Heike
Ingrid (06.02.2011, 17:15): Das ist ja tatsächlich eine tolle Punktlandung :leb
Das passiert wohl wirklich nicht ganz so oft. Danke für die Aufklärung. Auf die Uhrzeit hätte ich nie im Leben geschaut.
:hello Ingrid
Hosenrolle1 (31.01.2015, 22:30): Fritz Reiner soll während einer Probe mit dem Chicago Symphony Orchestra gestorben sein.
Israel Yinon (den ich nicht kenne) starb vor wenigen Tagen, während er die Alpensinfonie von Strauss dirigierte. Brach auf dem Podium zusammen und stürzte kopfüber auf den Boden des Konzertsaals.