Topps und Flopps - eine Saisonbilanz

Severina (01.08.2011, 19:58):
Da momentan wetterbedingt auch das sommerliche Trostpflaster der Openair-Festivals weg fällt, bleibt mir nur, von vergangenen Sternstunden zu träumen und mich auf hoffentlich zukünftige zu freuen. Daher meine Frage:

An welche Vorstellungen (Wir sind bei allgemeinen Themen, also frage ich nicht nur nach Opern!) der vergangenen Saison erinnert Ihr Euch besonders gerne, welche würdet Ihr am liebsten vergessen??

Meine Sternstunden waren:

1. "Händels "Semele" im ThadW - geniale Regie von Robert Carsen, eine bis zur kleinsten Rolle perfekte Besetzung, wunderbar dirigiert von William Christie.

2. Poulence "Dialogues des Camelites" im ThadW- beeindruckend als Gesamtkunstwerk, Gänsehautfeeling am Schluss.

3. Massenets "Werther" an der WSO, der mit einer perfekten Besetzung punkten konnte: Sophie Koch, Jonas Kaufmann, Adrian Eröd - besser geht's im Moment wohl nicht.

Meine Flopps:

1. + 2. Die beiden Mozart-PR an der WSO: "Don Giovanni" und "Le Nozze di Figaro" - langweilige Inszenierungen (Martinoty) in ebensolchen Bühnenbildern, teilweise schwer überforderte Sänger.

3. Leider viel zu viele unterdurchschnittlich besetzte Repertoirevorstellungen an der WSO...... Und ein Blick in die Saisonvorschau 2011/12 macht mir leider nur wenig Hoffnung, dass sich das schöne Sprichwort "Es kann nur besser werden!" bewahrheitet. Aber wie heißt es so schön? "Die Hoffnung stirbt zuletzt!" Velleicht entpuppen sich ja einige der Neuzugänge als Wunderwuzzi.

lg Severina :hello
Dulcamara (01.08.2011, 22:35):
Also meine Sternstunden:

1. Korngolds "Die tote Stadt" an der Oper Frankfurt mit Klaus-Florian Vogt in der Hauptrolle. Ein tolles Stück in einer ebenso tollen Interpretation.

2. Wagners "Walküre" an der Oper Frankfurt mit Franz van Aaken und Eva Maria Westbroek als wunderbarem Wälsungenpaar. Auch sonst ausgesprochen gut besetzt, ich bin gespannt auf Siegfried und Götterdämmerung in der kommenden Spielzeit.

3. Donizettis "L'Elisir" mit Anna Netrebko und Matthew Polenzani an der Bayerischen Staatsoper München. Endlich, endlich konnte ich Anna Netrebko einmal live erleben und war begeistert.

4. Purcells "Dido und Äneas" in einer wunderbaren Inszenierung von Barrie Kosky und mit einer tollen Ensembleistung an der Oper Frankfurt.

5. Wagners "Tristan und Isolde" mit Nina Stemme und Ben Heppner in den Hauptrollen an der Bayerischen Staatsoper in München. Ein ganz und gar großartiger Opernabend am Ort der Uraufführung.

Die Low's:

1. Offenbachs "Hoffmans Erzählungen" an der Oper Frankfurt. Lieblos inszeniert und nicht angemessen besetzt. Ein wirklich enttäuschender Abend.

2. Puccinis "Tosca" an der Oper Frankfurt. Das Sujet geht mir gehörig gegen den Strich und auch mit Inszenierung und Aufführung konnte ich mich nicht anfreunden. Sicher eine Oper, die ich in Zukunft noch mehr meiden werde. Auch hier war's nur das Abo, das mich hineingetrieben hat.
Heike (02.08.2011, 16:38):
Hallo,
da ich über meine Tops und Flops von 2010 schon im Jahresbilanzen-Thread 2010 schrieben habe, beschränke ich mich auf den zweiten Teil der Saison, also auf 2011:

Tops:
in chronologischer Reihenfolge:
* Staatsoper im Schillertheater, Traetta "Antigona" (R. Jacobs/ V. Nemirova) - tolle Barockopernentdeckung!
* Sokolov am Klavier mit Bach und Schumann - aufregende Poesie
* Perahia am Klavier mit Bach, Beethoven, Brahms, Schumann, Chopin - brilliante Verzauberung
* Radialsystem Pepping: Passionsbericht des Matthäus (Rundfunkchor) berührende Musik, grandios gesungen
* Staatsoper im Schillertheater, Verdi "Don Carlos" (Zanetti/ Himmelmann), beeindruckend mit Sartori und Pape
* Die Wagnertage als Gesamt-Erlebnis im Budapester MüPa (Tristan, Lohengrin und Parsifal) - Adam Fischeram Pult ist allein schon die Reise wert
* Staatsoper im Schillertheater, Mazukaze (Hozokawa/ s. Walz) faszinierender fernöstlich-moderner Geisterspuk

Es gab noch viel mehr gute und sehr gute Konzerte (z.B. das Mandelring-Quartett) oder Opern (z.B. die Karmelitinnen an der DOB und KOB), aber die Abende oben sind mir besonders in Erinnerung geblieben.

Flops
* eine Theateraufführung im BE: Wedekind, Lulu (Wilson) - so langweilig, dass ich in der Pause gegangen bin (und dieses Stück zu verhuntzen ist wahrlich eine Kunst)

Von musikalischen Flops bin ich relativ verschiont geblieben, allerdings ist die Tristan-Aufführung an der DOB (mit einer für mich grausligen Regie von G. Vick) nur dank einer großartigen Gesangsleistung von Peter Seiffert nicht in dieser Liste gelandet.

Heike
Billy Budd (07.08.2011, 22:56):
Ich ziehe auch eine Saisonbilanz:
Ich besuche fast nur unsere Staats- und Volksoper (Vorige Saison war ich nur zwei Mal im Musikverein; bei einem Liederabend von Elisabeth Kulman und bei der Traviata mit Edita Gruberova), weswegen meine genannten Vorstellungen nur aus den beiden Häusern stammen.



Gerne erinnere ich mich an:


1) 7. September, 27. September, 26. Oktober, 19. November 2010:
"Lehár, Straus und Stolz" (Operettengala) - Wiener Volksoper
Operette so, wie sie für mich sein soll! An diesen Abenden wurden vom Volksopernensemble (einmal war Angelika Kirchschlager zu Gast) sowohl bekannte Stücke gesungen, als auch ganz seltene und längst vergessene Stücke herausgekramt. Als eindeutiger Minuspunkt ist aber die Moderation von Christoph Wagner-Trenkwitz zu werten.

2) 23. Jänner 2011:
La Cenerentola - Wiener Volksoper
Ich habe mich sehr gefreut, dass dieses Werk (in Originalsprache) an die Volksoper zurückkehrt. Alle Interpreten stellten mich zufrieden.

3) 25. Februar 2011:
Der fliegende Holländer - Wiener Staatsoper
Stephen Gould ist eine Luxusbesetzung für den Erik, Adrianne Pieczonka war eine traumhafte Senta, Albert Dohmen schlug sich überraschend gut, Walter Fink als Daland dürfte nicht seinen besten Tag erwischt haben. Peter Schneider erwies sich wieder als ein exzellenter Wagner-Dirigent.

4) 10. April 2011 (Vormittag):
Konzert für Japan - Wiener Volksoper
Ich finde es sehr toll, dass die Volksoper angesichts der Katastrophen in Japan ein (ausverkauftes) Konzert einschob. Laut Auskunft des Hauses haben alle Mitarbeiter unentgeltlich mitgewirkt und die Einnahmen wurden zur Gänze gespendet. Den vokalen Schwachpunkt stellte das Te deum von Sebastian Holecek (Interessierte können sich hier ein Bild machen.) dar, sonst gab es nur gut besetzte Beiträge.

5) 27. April 2011:
Parsifal - Wiener Staatsoper
Waltraud Meier war eine phantastische Kundry, Falk Struckmann war ein sehr guter Amfortas, Franz-Josef Selig war ein solider Gurnemanz, Christopher Ventris stellte mich als Parsifal zufrieden und Wolfgang Bankl hat mir als Klingsor überraschend gut gefallen. Über das Dirigat von Ingo Metzmacher gingen die Meinungen auseinander, ich war durchaus zufrieden. Die abscheuliche Inszenierung von Christine Mielitz stört mich immer mehr.

6) 5. Mai 2011:
Der König Kandaules - Wiener Volksoper
Ein rundum gelungener Opernabend ohne Schwachstelle.

7) 12. Mai 2011:
Jenufa - Wiener Staatsoper
Agnes Baltsa als Küsterin zu sehen war ein Erlebnis, Angela Denoke in der Titelrolle sang leider sehr textunverständlich, aber ich bewundere, wie sie mit fast 50 Jahren noch das junge Mädchen glaubhaft darstellen kann. Weiters schlugen sich Jorma Silvasti und Marian Talaba als Laca und Stewa wacker. Aus den kleineren Rollen ist mir Caroline Wenborne als Karolka sehr positiv aufgefallen. Graeme Jenkins (Ersatz für Seiji Ozawa) machte seine Sache sehr gut.

8) 22. Mai 2011:
Martinee mit Christa Ludwig: "Musik kommt zu Wort" - Wiener Staatsoper
Für mich war es ein Erlebnis, diese große Sängerin zu sehen.

9) 29. Mai, 21. Juni, 24. Juni, 27. Juni 2011:
Der Evangelimann - Wiener Volksoper
Auch wenn ich nicht unbedingt ein Freund dieses Stückes bin, machte mich die musikalische Umsetzung umso glücklicher. Die meisten Rollen waren doppelt besetzt: Herbert Lippert und Dietmar Kerschbaum - Matthias, Sebastian Holecek und Morten Frank Larsen - Johannes, Elisabeth Flechl und Ursula Pfitzner - Martha, Walter Fink - Friedrich Engel, Alexandra Kloose und Matrina Mikelic - Magdalena. Den besten Eindruck hinterließ die Vorstellung am 24. Juni (Lippert, Holecek, Flechl, Fink, Mikelic), obgleich mir Larsen um einiges besser als Holecek gefallen hat, da er meiner Ansicht nach Johannes als viel vielschichtigeren Charakter (Mit ihm hatte ich am Ende sogar Mitleid.), als der eindimensional polternde Holecek darstellte. Am Pult wechselten sich Alfred Eschwé und Gerrit Preißnitz ab, wobei mir ersterer um einen Hauch besser gefiel.

10) 2. Juni 2011:
Simon Boccanegra - Wiener Staatsoper
Dieser Abend ist eindeutig auf der "Haben"-Seite der Saison zu buchen. Myung-Whun Chung war ein phänomenaler Dirigent, Francesco Meli ein außergewöhnlich guter Adorno (viel besser als der Percy in der Anna Bolena), Marco Caria ein ebensolcher Paolo, Sorin Coliban viel als Pietro sehr positiv auf, Roberto Scandiuzzi hätte meiner Meinung nach am Anfang weniger poltern können, lieferte trotzdem einen zufriedenstellenden Fiesco ab. Andrzej Dobber war für Leo Nucci ein mehr als würdiger Ersatz. Lediglich die Amelia von Fiorenza Cedolins fiel etwas ab.

11) 3. Juni 2011:
Salome - Wiener Staatsoper
Mit Ausnahme von Geregly Németi (Narraboth) waren nur ausgezeichnete Sänger zu hören: Gerhard A. Siegel als Herodes, Elisabeth Kulman als Herodias, Catharine Naglestad als Salome und Terje Stensvold als Jochanaan. Auch bei den kleineren Rollen gab es keinen Ausrutscher. Besonders positiv hervorgestochen sind Adam Plachetka als 1. Nazarener, Clemens Unterreiner (Dem endlich größere Rollen anvertraut werden sollen!) als 2. Nazarener und Walter Fink als 5. Jude. Warum Peter Schneider in der kommenden Saison nur fünf Dirigate hat, ist mir nach dieser tollen Vorstellung ein Rätsel.

12) 10. Juni 2011:
Eugen Onegin - Wiener Staatsoper
Severina hat in ihrem Bericht alles gesagt.



Negativ habe ich in Erinnerung behalten:


1) 28. November 2010:
Rigoletto - Wiener Staatsoper
Ramon Vargas war in Ordnung, Patizia Ciofi war eine schmalspurige Gilda, Dmitri Hvorostovsky hat mir überhaupt nicht gefallen, Kurt Rydl als Sparafucile brüllte mehr, als er sang und von Nadia Krasteva als Maddalena hätte ich mir mehr erwartet. Das Dirigat von Michael Güttler war ebenfalls enttäuschend.

2) 5. Jänner 2011:
Lucia di Lammermoor - Wiener Staatsoper
Ich verweise auf Severinas Bericht.

3) 7. Jänner 2011:
Tosca - Wiener Staatsoper
Mit Catharine Naglestad konnte man zwar einigermaßen zufrieden sein, aber Neil Shicoff war ein Totalausfall. Jean-Pierre Lafont (Scapria) war indisponiert und Kerri-Lynn Wilson drosch lautstark hinein. Sehr gut haben mir Clemens Unterreiner (Angelotti), Alfred Sramek (Mesner) und Walter Fink (Schließer) gefallen.

4) 22. Jänner 2011:
Cosi fan tutte - wiener Staatsoper
Wenn sich um den sehr guten Guglielmo (Ildebrando D'Arcangelo) nur Mittelmaß tummelt, muss ich mich für die Staatsoper schämen.

5) 3. Februar 2011:
La Bohéme - Wiener Staatsoper
Außer Marco Caria (Marcello), Sorin Coliban (Colline) und Alfred Sramek (Benoit/Alcindoro) bekamen wir an diesem Abend nur inakzeptable Leistungen zu hören.

6) 16. Februar 2011:
Le nozze di Figaro - Wiener Staatsoper
Diese Aufführung hätte schon im Repertoire enttäuscht; da es sich um eine Premiere handelte, ist das Ergebnis nur skandalös. Ich werde nie verstehen, warum die Ponelle-Nozze ersetzt werden musste und dafür eine absolut lächerliche Inszenierung aus Paris geholt wurde. Über die Sänger kann ich kaum etwas Positives sagen.

7) 7. März 2011:
Ariadne auf Naxos - Wiener Staatsoper
Für Nina Stemme ist meines Erachtens die Ariadne derzeit keine optimale Rolle; Burkhard Fritz (Bacchus) war gerade noch akzeptabel; Julia Novikova wäre an einem kleinen Haus eine optimale Zerbinetta (Ich hörte sowohl Aussagen wie "Die hat an der Staatsoper nichts verloren." und "Das haben schon viel größere da gesungen.", als auch "Die hat eh' gut gesungen." und "Ich hab' die Buhrufe nicht verstanden."); über den Komponisten von Stephanie Houtzeel breite ich lieber den Mantel des Schweigens und das Dirigat von Michael Güttler empfand ich ebenfalls als schwach. Sehr positiv ist mir aber der Harlekin von Daniel Schmutzhard aufgefallen.

8) 19. Mai 2011 und 19. Juni 2011:
Die lustige Witwe - Wiener Volksoper
Marco Arturo Marelli hat hier Humor mit Klamauk verwechselt. Nachdem die Premierenbesetzung mit Ausnahme von Daniel Schmutzhard (Danilo) und Kurt Schreibmayer (Zeta) sehr enttäuschend war, habe ich mir ein Monat später in der Hoffnung, eine Leistungssteigerung zu erleben, die Alternativbesetzung angehört. Ergebnis: Noch schlechter! Meine Karte für den 10. September habe ich bereits verschenkt, denn das schaue ich mir kein drittes Mal an!

9) 22. Juni 2011:
Die Zauberflöte - Wiener Staatsoper
Es gereicht einem Opernhaus nicht zur Ehre, wenn es nur die Rollen der Papagena (Daniela Fally) und des Monostatos (Herwig Pecoraro) aquädat besetzt.

10) 25. Juni 2011:
Tosca - Wiener Volksoper
Lassen wir "Besucher" aus dem Merker-Forum zu Wort kommen: "Was glaubt die Volksoper eigentlich, dem zahlenden Publikum eine Tosca wie die am Samstag vorzusetzen. Dirigat überhetzt und unfähig zur Koordination, das Orchester hat gespielt wie die Schrammelkapelle Kikeritzpatschen und Morten Frank Larsen ist als Scarpia ein Witz. Die Buhs waren berechtigt."

11) 29. Juni 2011:
Cavalleria Rusticana und I pagliacci - Wiener Staatsoper
Von José Cura war nicht mehr zu erwarten, Janina Baechle hat mich als Santuzza sehr enttäuscht, Alexandrina Pendatchanska als Nedda ein Totalausfall und Graeme Jenkins sollte von italienischen Opern die Finger lassen. Sehr gut waren Marco Caria als Silvio, Zoryana Kushpler als Lola und Ambrogio Maestri als Tonio (als Alfio weniger).


Billy :hello
Severina (07.08.2011, 23:33):
Lieber Billy, Deine Bewertungen der WSO-Vorstellungen kann ich bestens nachvollziehen, bei der VO kann ich nur beim "König Kandaules" mitreden, den ich auch ausgezeichnet gefunden habe (Der fehlt eigentlich auf meiner Liste)!

lg Severina :hello
golioni (08.08.2011, 14:37):
Wenn ich die vergangene Saison so Revue passieren lasse, gab es für mich ein herausragendes Konzert, das alle meine anderen "Liveerlebnisse" deutlich in den Schatten gestellt hat. Aus diesem Grund belasse ich es bei den Sternstunden bei einer Nennung:

L'Arpegiatta(Christina Pluhar) mit ihrem Monteverdi Programm "Teatro d'Amore" mit Philippe Jaroussky und Raquel Andueza. Leider war Nuria Rial nicht mit dabei, die ich gerne mal live gehört hätte, aber Raquel Andueza hat sie hervorragend ersetzt.

Alles andere was ich in der letzter Zeit live erlebt habe, egal ob Konzert oder Oper kann ich im Vergleich dazu nicht als Sternstunde werten, richtige Flops waren aber auch nicht dabei(ich bin da etwas Vorsichtig geworden).

2 Sternstunden gab es dann allerdings noch im Kino mit den Metübertragungen von "Le Comte Ory" und "Die Walküre".
Die Interpreten waren allesamt (vielleicht mit Ausnahme von Deborah Voigt als Brünnhilde) ausgezeichnet.
Auch die Inszenierungen fand ich durchaus überzeugend, also 2 rundum gelungene Opernabende, wenn auch leider nur im Kino.

Flops habe ich gegen Bezahlung,wie schon gesagt, gottlob nicht erlebt, aber im Radio und TV leider schon:

1: Adventskonzert Frauenkirche Dresden.
Vittorio Grigolo verschmalzt "Ave Maria" und "Panis Angelicus". Die Interpretation liegt irgendwo zwischen "Ohhhh sooooole Mio" und Verismo, schlichtweg ein stilistischer Totalschaden.

2: La Traviata aus Aix mit Natalie Dessay,
die mag ja alles mögliche sein, aber sicher keine Verdisängerin. Schon im 1.Akt, der Ihr als Koloratursopran noch am ehesten liegen sollte, hatte sie große Probleme und für die dramatischen Stellen im 2 Akt ist sie schlichtweg eine Fehlbesetzung.

3: Erst neulich im Juli eine Radioübertragung eines Konzertes mit Klaus Florian Vogt aus Berlin.
Total verleierte Koloraturen in der Arie aus "Clemenza de Tito", so was habe ich echt selten gehört. Der Rest ,egal ob Mozart ,Wagner, Flotow oder Korngold, war ein Einheitsbrei ohne jede stilistisch Differenzierung, alles mit dem selben lyrisch hellen Grundton nur dem gleichmäßigen Schönklang verpflichtet, mit langweiliger Phrasierung. Siegmund und Lohengrin sollten doch zumindest ein klein wenig dramatischer als Tamino und Lyonel(Martha) angelegt werden. Wie sagte meine Frau so schön zu der Interpretation von Vogts Gralserzählung:"Das klingt nicht wie ein Ritter sondern wenn überhaupt wie sein Knappe".
Dazu kommen noch atemtechnische Probleme die dazu führen, dass er an ungünstigen Stellen in den Phrasen atmen muss, was wiederum richtiges Legatosingen unmöglich macht.
Ich bin mal auf den Lohengrin aus Bayreuth gespannt, aber mir "schwant" nichts gutes.
Fairy Queen (13.08.2011, 01:02):
Lieber Goboni, was Dessay als Violetta-"Flop" angeht, gehen die Meinungen gottseidank total auseinander. Leider habe ich sie selbst nicht sehen kônnen, da ich ohne Fernsehen und seit wochen auf reisen bin, und hoffe, noch irgendwie an einen mitschnitt zu kommen. Ich hatte ja ebenfalls grosse Bedenken, was die dramatischen Qualitâten der Rolle angeht und besonders das duett mit germont, wo es wirklich in die Vollen geht, aber mir haben verschiedene zuhörer versichert, dass sich Natalie Dessay bestens geschlagen habe und Ludovic Tezier als Germont sie in keinster Weise "plattgesungen" hat.
Ich bin als leidenschaftliche Dessay-Verehrierin zwar nicht unbedingt objektiv, aber hoffe doch in der Lage zu sein, Dein Urteil ohne Scheuklappen relativieren zu können, wenn ich denn die Gelegenheit habe vor der Met-Traviata einen Mitschnitt zu sehen.
Wie man Verdi-Gesang gerne haben môchte ist auch ene Geschmacksfrage. An der Violetta haben sich ja bereits die unterschiedlichsten Sängerinnen versucht. Von Callas bis Netrebko und Christine Schâfer kann man da alles haben. Mir ist nicht zuletzt auch das gleichgewicht mit den Partnern alfredo und Germont und dem Orchesterdirigat entscheidend. Wenn das stimmt, kann auch eine leichtere Stimme diese Rolle bewältigen, ohne total baden zu gehen. Wobei man im zweiten Akt allerdings die Robustheit der eigenen Stimmbänder und den Bariton sehr gut kennen muss, sonst gibt es keinen dritten Akt mehr...... in einem Riesensaal wie die Met bin ich dann auch mehr als gespannt, wie Dessay sich schlagen wird....... Vielleicht geht sie sogar selbst davon aus, das das eine art Schwanengesang sein wird und nach dem Motto "nach dieser Violetta die Sintflut" bzw nur noch das Sprechtheater.....
F.Q.
golioni (14.08.2011, 13:32):
Hallo Fairy,

Original von Fairy Queen
aber mir haben verschiedene zuhörer versichert, dass sich Natalie Dessay bestens geschlagen habe


meiner Erfahrung nach gibt es gerade bei etablierten Künstlern völlig unabhängig von der Qualität einer Aufführung oder Aufnahme immer einige extrem positive Einschätzungen.
Bestes Beispiel die Mexico-Cd von Rolando Villazon. Selbst eingefleischte Villazonfan's, hier im Forum aber auch anderswo, sind sich einig, dass diese Aufnahme(vorsichtig formuliert) nicht zu den Glanzstücken seiner Diskographie zählt. Bei Amazon findest du aber nur Topbewertungen mit 5 Sternen und kein kritisches Word in den dazugehörigen Texten.
Falls du meiner Einschätzung zu Dessay's Violetta "misstraust", dann lese dir mal durch, was Sevi und Rideamus im Traviata-Thread dazu geschrieben haben, es geht tendenziell in die gleiche Richtung.

Original von Fairy Queen
Vielleicht geht sie sogar selbst davon aus, das das eine art Schwanengesang sein wird und nach dem Motto "nach dieser Violetta die Sintflut" bzw nur noch das Sprechtheater.....



Ehrlich gesagt hatte ich auch schon ähnliche Gedanken. Hoffen wir mal das es nicht so ist, andererseits wenn die Violetta Ihre Traumrolle ist: Der Menschen Wille ist sein Himmelreich.
Fairy Queen (14.08.2011, 23:17):
Natalie Dessay hat in einem interview bereits vor lângezrer Zeit gesagt, dass sei sich mit aller Leidenschaft auf das Sprechtheater konzentrieren wird, wenn sie merkt, dass ihr Sing-Stimme ihre eigenen Erwartungen nicht mehr erfüllt und /oder keine interessanten Projekte mehr da sind. Ausserdem hat sie mehrfach gesagt, dass die Traviata ihre Traumrolle und eine krönung ihrer Karriere sei. Ich halte ihre Stimme zwar grundsätzlich fûr diese Rolle zu leicht, aber ich bin sicher, dass sie trotzdem in der Lage ist, die Violetta mit den passenden Partnern und einem rücksichtvollen Dirigat mehr als zufriedenstellend zu interpretieren. Etliche frz. Freunde(selbst aktive Sänger) waren begeistert, ich selbst habe die Aufführung ja leider nicht gesehen. aber ich vertraue natürlich auch dem Urteil von Severina und Rideamus Ich bleibe neugieirg und warte ab, was in der MET passiert.
Aber auch wenn sie keine Cotrubas gewesen sein sollte, wirklich schlecht kann Dessay in einer solchen Rolle nicht gewesen sein, da bin ich trotz allem voller Vertrauen! :engel
Rideamus (15.08.2011, 10:36):
Liebe Fairy,

selbstverständlich ist Natalie Dessay auch als Traviata nicht schlecht. Sie spielt sogar sehr gut, wie es von ihr in einer ersehnten Rolle zu erwarten war. Das Problem ist aber, dass man von einer Künstlerin ihres Spitzenranges auch eine Spitzenleistung erwartet, und da enttäuschen eben schon die 80 - 90 Prozent, die sie m. E. im Vergleich mit den besten anderen Sängerinnen der Rolle "nur" bietet.

Auch ich wäre womöglich begeistert gewesen, hätte ich das live und vor Ort hören können. Es ist aber in der Aufzeichnung einfach nicht zu überhören, dass sie ihre stimmlichen Grenzen erreichte, zuweilen sogar überschreiten musste. Vielleicht bessert sich das mit der wachsenden Routine in dieser Rolle. Ob aber diese Partie gerade ein Riesenhaus wie die MET das beste für ihre Stimme ist, wage ich zu bezweifeln. Ich fände es jedenfalls sehr schade, sie wegen dieser Rolle, die, zugegeben, die Traumrolle einer jeden Sopranistin sein müsste, an das Sprechtheater zu verlieren, von dem wir hier ja nichts mehr mitbekämen.

:hello Rideamus
Fairy Queen (06.09.2011, 22:18):
Dank einer Aufzeichnung eines hilfsbereiten Forianers konnte ich mir nun selbst ein Urteil bilden. Ich habe bisher Akt 1 und 2 gesehen und bin ausgesprochen überrascht. Genau das Gegenteil von dem, was ich erwartet habe, ist hier eingetroffen. Mir gefâllt dessay im zweiten Akt, im Dialog mit Vater Germont deutlich besser als im 1.Akt, der ja eigentlich viel besser zu eienr ausgewiesenen Koloratuese passt. Im ersten Akt hört man, dass Dessay stimmlich mit der Rolle zu kämpfen hat und dass sie ihr nicht so leicht von den Stimmbändern geht wie ihre Donizetti Maria oder Lucia. E strano! Ich finde auch ihr Spiel im ersten Akt ein bisschen artifiziell und nciht 100%ig überzeugend und die blonde Perücke macht sie älter als notwendig wâre.
Im zweiten Akt dagegen finde ich sie viel jünger, authentisch und rollendeckend. Sie drückt gottseidank nicht auf die Stimmbänder, verscuht nciht künstlich Volumen zu erzeugen sondern singt so, wie sie es mit IHRER Stimme kann. Und diese Zartheit und Fragilitât passt haargenau zum Inhalt und Ludovic Tezier, der mir noch nie so gut gefallen hat wie hier, erdrückt sie auch nicht. Brava!

Richtig begeistert bin ich von dem jungen Tenor-Alfredo- ein Riesentalent und dazu noch schôn wie ein junger Gott. Der ideale Alfredo!

Enttâuschend finde ich die Inszenierung und schon allein deshalb kann das nie eine Referenz-Traviata sein.

Schade! Nun bin ich auf Akt 3 gespannt.

F.Q.