1813verdi (05.09.2010, 01:42):
Eins vorweg: die drei Hauptpartien überzeugten, allen voran die Guleghina, aber die beiden anderen folgten dicht auf. :wink
Carsens Inszenierung ist interessant, hält jedoch die Anspielungen auf die Welt des Theaters nicht ganz konsequent durch. So durchbricht er den starken Moment des Te deums, zum Publikum hin ausgerichtet, durch eine unsinnige Wendung nach hinten zum Vorhang, hinter dem prompt weihrauchgeschwängerte Kardinäle auftauchen. Wenn schon Kunstwelt, dann konsequent. Ansonsten gute Arbeit, endlich einmal keine Kerzen um den toten Scarpia.
Maria Guleghina ist eine strarke Tosca, die Höhen wirken völlig unange-
gestrengt, variieren zwischen starkem Forte und gezieltem Pianao. Ihr "vissi d`arte" ist bravourös, wer den Schluss mit faszinierendem Piano nicht bei der Caballé in Barcelona oder der Behrens in New York gehört hat, verübelt ihr den Forteausbruch nicht.
Marcello Alarez ist ein hervorragender Cavaradossi, er erreicht die
Expressivität eines Shicoff nicht, auch fehlt ihm die Darstellungskraft des Domingo in dieser Rolle. Trotzdem großartig. Ein Rätsel bleibt, warum er einige der hohen Töne über die Bruststimme extrem angestemmt und dann kurz nach oben geschliffen hat.
Uneingeschränltes Bravo für Thomas Hampson: Sängerisch wie darstellerisch exzellent. Eigentlich müsste ihn das weibliche Publikum am Bühneneingang abholen und erdrosseln. Was Raimondi und Milnes stimmlich punkten, machte er als sexueller Gewaltmensch in dieser Rolle weit überzeugender. So schön kann fieses Singen sein. Fast schon pervers und damit der Rolle absolut angemessen.
Last but not least: ein brillanter Nello Santi mit einem präzisen Orchester.
Ein bisschen Wehmut beim Schlussapplaus: Nello dirigiert schwungvoller als er läuft. Ich wünsche ihm noch viele produktive Jahre.