Transkriptionen barocker und klassischer Musik

Uhrwerker (25.12.2008, 19:05):
Aus weihnachtlichem Anlass habe ich mir heute den Messias in der Orchestrierung von Goosens und der Interpretation von Beecham angehört und erstaunlich viel Gefallen daran gefunden.

Meine Frage nun an das Forum:

Gibt es noch andere "moderne" Arrangements, bzw. Transkriptionen barocker und klassischer Musik?

Neben diesen Goosens-Messias kenne ich noch die Bach-Transkriptionen von Stokowsky und Schönberg, ein Händel- und Monn-Konzert, ebenfalls von Schönberg bearbeitet, die Bach-Suite von Mahler und die Schubertbearbeitungen von Zender (Die Winterreise), Haas (Torso) und Berio (Rendering). Und natürlich auch noch die Mozart- und Hiller-Variationen von Reger, die man auch noch dazu zählen kann.

Als Einschränkung sein noch angefügt, dass die Transkriptionen von "klein nach groß" durchgeführt und die Vorlagen grundsätzlich noch erkennbar sein sollten.

Mit besten Grüßen
Uhrwerker
Wooster (25.12.2008, 23:17):
Hörenswerte Transkriptionen u.ä.

Brahms' Klavierquartett op.25 f. großes Orchester von Schönberg (ich mag's, viele eher nicht, aber wenn Dir Es-Dur Präl&Fuge gefallen, ist es den Versuch wert),
Bachs Ricercar a 6 f. großes Orchesters von Webern
(eher ein Kuriosum, faszinierend, aber es funktioniert nicht wirklich
Webers "Aufforderung zum Tanz f. Orchester von Berlioz (und ebenfalls von Weingartner)
Tschaikowsky: Mozartiana-Suite
einige frühe Mahler-Lieder von Berio

Schubert Wandererfantasie f. Klavier & Orchester von Liszt (habe ich allerdings noch nie bewußt gehört, daher kein Kommentar)

(Es gibt auch noch m.E. ziemlich abscheuliche Orchesterfassungen von Klavierstücken Schumanns und Chopins von diversen russischen Komponisten)

(groß nach klein)
Walzer von Strauß von Berg, Schönberg, Webern
Das Lied von der Erde von Schönberg/Riehn für Kammerensemble (

(Klavierfassungen gibt es natürlich von allen möglichen Sachen)

:hello

Wooster
Uhrwerker (26.12.2008, 19:59):
Hallo Wooster,

das Klavierquartett von Brahms in Schönbergs Orchestrierung kenn ich, es liegt mir in einer sehr guten Einspielung mit dem Philharmonia Orchestra unter Robert Craft erschienen bei Naxos vor. Trotz Schönbergscher Orchestrierung klingt es absolut nach Brahms.
Schuberts Wandererfantasie f. Klavier & Orchester von Liszt ist mir auch bekannt, hat mich aber nicht besonders beeidruckt und da wäre dann noch diese C-dur Sinfonie von Joachim nach Schuberts Grand Duo, die definitiv kein Schubert, dafür aber ein vorzüglicher Joachim ist.
Bachs Ricercar a 6 f. großes Orchesters von Webern und Beethovens op.106 f. Orchester von Weingartner klingen interessant, die werd ich mir wohl besorgen.
Danke für den Tipp.

Uhrwerker
Amadé (26.12.2008, 20:47):
Original von Uhrwerker:
Und natürlich auch noch die Mozart- und Hiller-Variationen von Reger, die man auch noch dazu zählen kann.

Uhrwerker,
da muss ich widersprechen, die Variationenwerke von Reger sind keine Arrangements oder Transkriptionen sondern Variationen über jeweils ein Thema von Mozart bzw. Hiller, ähnlich wie die Diabellivariationen von Beethoven oder die Haydn-Variationen von Brahms.
Von Reger gibt es jedoch andere Arrangements, nämlich von Schubert-Liedern. Die Klavierstimme wurde orchestriert. Auf dieser CD sind sie zu hören:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Z7GJ19EGL._SL500_AA240_.jpg

Weihnachtliche Grüße
Amadé
Uhrwerker (26.12.2008, 22:39):
Hallo Amade!

Der Widerspruch ist angenommen, denn bei diesen Variationsreihen handelt es eindeutig um keine Transkriptionen.
Bezüglich der Mozart-Variationen sei aber angemerkt, dass Reger ein Thema von Mozart aufgegriffen hat, das dieser ebenfalls schon als Grundlage eines Variationssatzes verwendet hat und zwar - wenn mich nicht alles täuscht - in der Klaviersonate A-Dur, KV 331. Diesbezüglich ist es höchst interessant zu beobachten, auf welche Reise Mozart dieses Thema schickt und was ihm Reger zumutet.

Beste Grüße
Uhrwerker
Wooster (26.12.2008, 23:04):
Original von Uhrwerker
das Klavierquartett von Brahms in Schönbergs Orchestrierung kenn ich, es liegt mir in einer sehr guten Einspielung mit dem Philharmonia Orchestra unter Robert Craft erschienen bei Naxos vor. Trotz Schönbergscher Orchestrierung klingt es absolut nach Brahms.
Schuberts Wandererfantasie f. Klavier & Orchester von Liszt ist mir auch bekannt, hat mich aber nicht besonders beeidruckt und da wäre dann noch diese C-dur Sinfonie von Joachim nach Schuberts Grand Duo, die definitiv kein Schubert, dafür aber ein vorzüglicher Joachim ist.
Bachs Ricercar a 6 f. großes Orchesters von Webern und Beethovens op.106 f. Orchester von Weingartner klingen interessant, die werd ich mir wohl besorgen.


Das op. 106 scheint es allerdings nur in einer historischen Aufnahme unter Weingartner selbst zu geben (Naxos historical). Wie gesagt, bin ich nicht wirklich überzeugt von der Bearbeitung, aber sie ist so irre, daß man sie mal gehört haben sollte. Mich wundert, daß in einer Zeit, in der alle möglichen und unmöglichen Arrangements eingespielt werden, solch ein berühmtes Werk nicht auch mal auftaucht.
Das Bach/Webern Ricercar ist sehr bekannt und häufig eingespielt (es gibt auch noch ein paar Schubert-Tänze).
Die "Sinfonie" nach dem Grand Duo habe ich ebenfalls (Naxos), ist auch interessant (wenngleich ich Original und Orchesterfassung beide etwas langatmig finde).
Allen Mahler-Freunden möchte ich nochmal sowohl die von Berio orchestrierten frühen Lieder (Hampso/Berio bei Teldec/Warner) und die Kammerversion des Lieds von der Erde (hier gibt es mehrere Aufnahmen, ich kenne die unter Herreweghe auf harmonia mundi) ans Herz legen. Die sind wirklich faszinierend.

Von Liedern gibt es nicht wenige nachträglich orchestrierte Versionen; die von Amade empfohlene CD (die ich auch besitze) ist jedenfalls hörenswert.
Wagners Wesendonck-Lieder existieren in mehreren Orchesterfassungen; Schostakowitsch hat Mussorgskys Lieder & Tänze des Todes bearbeitet und es gibt sicher noch mehr

:hello

Wooster
Wooster (27.12.2008, 10:41):
Was mir gerade noch einfällt sind die nicht ganz uninteressanten Bearbeitungen, die kein geringerer als W.A. Mozart von vier Händelschen Werken angefertigt hat. Der Messias dürfte die bekannteste sein und wurde mindestens dreimal (Mackerras, Rilling, Max) eingespielt. (Ich kenne nur die erste, ich vermute, daß die beiden anderen besser sind.)
Außerdem gibt es die Cäcilienode, das Alexanderfest und Acis & Galathea. Meines Wissens hat Hogwood diese alle aufgenommen, die ersten beiden habe ich neulich aus den USA erhalten. Ganz leicht zu finden sind sie allesamt nicht.

Wooster
Uhrwerker (28.12.2008, 11:23):
Hallo Wooster,

Nichts gegen historische Aufnahmen, ich habe einiges im Regal, wo ich sogar der alten Mono den Vorzug gebe.

Und diese Mozart-Bearbeitungen Händelscher Werke sind mir größten Teils bekannt. Sein Messias unterm Max ist neben dem sehr "kalorienreichen" unter Beecham immer noch einer meiner Favouriten.
Aber von Mozart gibt es noch eine Reihe anderer höchst interessanter Bearbeitungen, die vor einigen Jahren bei Dabringhaus und Grimm unter der Serie ?Mozart! erschienen sind. Besonders erwähnenswert dabei ein Oktett für Streicher und Bläser nach dem Klavierquintett K 452 und das Arrangement der Gran Partita zu einer Sinfonia Concertante für Bläser und Streicher, m.E. durchaus gelungene Transkriptionen, die diese Werke aus dem kammermusikalischen Bereich heraus Richtung Sinfonie, bzw. Kammerkonzert führen.
Und dann sind da auch noch die diversen Klarinettensachen von Dieter Klöcker anzuführen und da wiederum besonders das Klarinettenkonzert nach KV C.14.04
Jedoch handelt es sich bei diesen Arrangements mit Ausnahme der Händelorchestrierungen ausnahmslos um zeitnahe. Sie stellen also nicht den Blick eines anderen Zeitabschnittes, einer anderen Epoche auf diese Werke dar, sondern bleiben alle durch die Bank klassisch und zwar im besten Sinn des Wortes.

Beste Grüße
Uhrwerker
Uhrwerker (06.01.2009, 08:51):
Hallo Wooster!

Zur Hammerklavier-Sonate sagst du:
Wie gesagt, bin ich nicht wirklich überzeugt von der Bearbeitung, aber sie ist so irre, daß man sie mal gehört haben sollte. Mich wundert, daß in einer Zeit, in der alle möglichen und unmöglichen Arrangements eingespielt werden, solch ein berühmtes Werk nicht auch mal auftaucht.

Zwischenzeitlich habe ich mir dieses Werk besorgt und möchte mich deiner Aussage voll anschließen, verbunden mir der Hoffnung, dass es doch noch einmal neu eingespielt wird, z.B. im Rahmen der Gesamtaufnahme der Weingartner-Sinfonien.
Im Vergleich zu Joachims Grand Duo - Orchestrierung schneidet es m. E. doch deutlich besser ab. Seine mehr als mangelhafte Rezeption ist wohl der Tatsache geschuldet, dass Weingartner als "tonaler" Komponist nicht aus dem Schatten von Mahler und Strauß herauskommt.

Danke für den Hinweis und beste Grüße
Uhrwerker
Wooster (06.01.2009, 10:57):
Original von Uhrwerker
Zur Hammerklavier-Sonate sagst du:
Wie gesagt, bin ich nicht wirklich überzeugt von der Bearbeitung, aber sie ist so irre, daß man sie mal gehört haben sollte. Mich wundert, daß in einer Zeit, in der alle möglichen und unmöglichen Arrangements eingespielt werden, solch ein berühmtes Werk nicht auch mal auftaucht.

Zwischenzeitlich habe ich mir dieses Werk besorgt und möchte mich deiner Aussage voll anschließen, verbunden mir der Hoffnung, dass es doch noch einmal neu eingespielt wird, z.B. im Rahmen der Gesamtaufnahme der Weingartner-Sinfonien.
Im Vergleich zu Joachims Grand Duo - Orchestrierung schneidet es m. E. doch deutlich besser ab. Seine mehr als mangelhafte Rezeption ist wohl der Tatsache geschuldet, dass Weingartner als "tonaler" Komponist nicht aus dem Schatten von Mahler und Strauß herauskommt.


Das wage ich nicht zu beurteilen. Ich habe das Grand Duo ewig nicht gehört, aber von ein paar typischen Begleitfiguren abgesehen, schien mir hier die instrumentierte Fassung, die sich ja nicht zuletzt auf die Idee stützt, Schubert habe das Werk als eine Art Vorstudie für eine Sinfonie oder anstelle einer solchen, die kaum eine Chance auf Aufführung gehabt hätte geschrieben, besser zu "funktionieren".
Die Hammerklaviersonate dagegen ist und bleibt für mich einfach ein Klavierwerk, am plausibelsten wirkt in der Orchesterfassung noch das adagio.
Aber interessant zu hören ist die Fassung allemal.

:hello

Wooster
Uhrwerker (06.01.2009, 15:55):
Hallo Wooster!

Um es kurz zu machen, von den ganzen Schubert-Orchestrierungen, die mir bekannt sind, klingt die von Joachim am wenigsten nach Schubert. Trotz des teilweise sehr großzügigen Umgangs mit der Originalvorlage verändern Zender in seiner Winterreiseorchestrierung und Haas in seinem Torso den Schubert-spezifischen Klang nicht, derweil Joachim diesen meinem Gefühl nach gar nicht zur Kenntnis nimmt. Von dem her weicht er also bei aller Notentreue wesentlich mehr von der Originalvorlage ab, als eben Zender oder Haas. Oder er kommt nicht ran.
Beim Anhören des Grand Duo in der Orchesterfassung suche ich immer unbewußt das Schubert-Spezifische und finde es nicht, derweil mir beim erstmaligen Hören der Weingartner-Orchestrierung sofort nach den ersten Takten klar war, dass es sich dabei eindeutig um Beethoven handelt.
D.h. beim orchestrierten Grand Duo neige ich sehr stark dazu, es quasi als einzige Sinfonie Joachims anzusehen, derweil bei den anderen Orchstrierungen die Originale wesentlich dominanter sind.

Beste Grüße
Uhrwerker

P.S. Die These, dass es sich bei dem Grand Duo um die Klavierfassung einer Sinfonie handeln soll, ist mir bekannt, jedoch mag ich daran nicht so recht glauben, da Schubert bekanntlich genügend Unvollendete hinterlassen hat und zwar nicht in der Form einer Klavierfassung.