Jeder sollte seine eigenen Gefühle bewusst wahrnehmen können und seine Lösungsstrategien kennen, die sehr sehr unterschiedlich sein können und deshalb meist auch nicht übertragbar sind.
Dann dies:
Allein schon die Tatsache, dass es überhaupt Musik gibt, dass ich Zugang zu ihr habe, sie genießen und schätzen kann, empfinde ich als tröstlich und kostbar..
Ich kann mich beiden Sichtweisen anschließen. Damit ist für mich alles gesagt, was Musik zu einer „Trösterin“ macht. Die jeweiligen Werke wähle ich dann intuitiv aus.
Zugegeben, der Titel klingt kitschig. Aber sicher wissen alle hier, was damit gemeint ist.
Vor einigen Jahrzehnten hatte ich mal eine LP. Mit eben diesem Namen.
Darauf waren Stücke eingespielt, die nach Meinung des Herausgebers Menschen in innern und äussern Schwierigkeiten Halt geben könnten.
"Ave Maria " von Schubert und Gounod waren drauf. Der Kanon von Pachelbel, das Adagio von Albinoni. Natürlich von Bach einiges. Aus den Cello - Sonaten " Bist Du bei Mir " aus dem Notenbüchlein. Das " Ave verum " mozarts. Und andere, nicht aggressive Werke.
Wenn es uns mal nicht so gut gehen sollte, zu welchen Werken greifen wir ?
Wenn wir in einer bestimmten Gemütslage sind, was und welche Musik bringt uns wieder auf schönere, positive Gedanken ?
Mir selber fallen einige von Bachs Kantaten ein. Besonders seine " Kreuzstabkantate " Dann Anton Bruckner mit den so mystischen Motetten.
Sein Te Deum. Aber auch einige der Gregorianischen Gesänge, von denen ich viele habe. z. B. aus Solesmes in Frankreich.
Im instrumentalen Bereich die beiden Violinromanzen von Beethoven. Ich glaube, diese wunderbare Musik, die Beethoven hier in Noten gesetzt hat, kann man nie vergessen.
Zögert nicht, uns Eure Ansichten mitzuteilen. Manche der Leser werden dafür dankbar sein !
Gruss. Rolf.
satie (20.04.2006, 08:44): Da nenne ich spontan:
John Dowland: Lachrimae or Seven Tears mit Jordi Savall Gesualdo: die schöne Sammlung mit dem Hilliard Ensemble (Tenebrae) Satie: Nocturnes für Klavier Cage: In a Landscape Luiz de Narvaez: El libro del delphin (Vihuela)
Das wären einige, die im Moment am ehesten diese Funktion erfüllen.
nikolaus (20.04.2006, 11:50): Je nach Art des Trostes, den ich brauche:
immer wieder Beethoven (z.B. Chorfantasie) Tschaikovsky, Klavierkonzert Nr. 1 Rachmaninov, Klaiverkonzert Nr. 3 (beide mit Martha Argerich) Liszt, Années de pèlerinage, Troisième Année Bach, Cello-Suiten Scarlatti, Klaviersonaten Barber, Adagio for strings Pärt, Alina Knaifel, In Air Clear and Unseen Glass, The Hours ...
fohlenfanatiker (20.04.2006, 13:35): Wenns mir mal psychisch schlecht geht, nehme ich meinen discman, gehe in den Wald und höre Bach: Partitas, englische, französische Suiten,WTK, gespielt von Glenn Gould. Das beschwingt mich dermaßen, dass es meist nicht lange dauert, bis es mir gutgeht. Bach und Gould ziehen mich dann praktisch wieder hoch. Aber auch audiophile, pompöse Klanggewalt, laut aufgedreht kann mir helfen. Die 5. von Beethoven z.B. oder der Anfang des 5. Klavierkonzertes von Beethoven und immer wieder: Mozart. Ich finde, seine Musik kennt alle Stimmungen und findet immer wieder zurück ins Positive. Wenn ich müde und abgespannt bin hilft auch nur Harmonie pur. Bin ich ausgeruht und gut drauf, kann ich auch Schostakovitsch oder Bartok hören.
Als Psychiater gesprochen: Jeder sollte seine eigenen Gefühle bewusst wahrnehmen können und seine Lösungsstrategien kennen, die sehr sehr unterschiedlich sein können und deshalb meist auch nicht übertragbar sind.Trotztdem kann es ja nicht schaden,sich darüber auszutauschen, vielleicht gibts ja doch ein paar gute Anregungen, die übertragbar sind. Gruß
__________________ Günter
Carola (20.04.2006, 14:45): Allein schon die Tatsache, dass es überhaupt Musik gibt, dass ich Zugang zu ihr habe, sie genießen und schätzen kann, empfinde ich als tröstlich und kostbar..
Ansonsten geht es mir ähnlich wie Günter. Wenn es mir schlecht geht, brauche ich in der Musik viel Harmonie, Mozart vor allem. Aber auch J.S. Bach, die 6. Partita, von Gould gespielt, dann noch aus der Matthäuspassion die Arie: "Erbarme dich". Nicht zu vergessen den Schlußchor von BWV 1, "Was bin ich doch so herzlich froh" - da geht die Sonne auf.
Heute kamen die Beethoven Cellosonaten mit Schiff/Perény bei mir an. Im Booklet ist ein sehr kluger und schöner Text von Peter Esterházy über seine Hörerlebnisse mit dieser Musik. Er hat die Sonaten zwei mal mit Schiff/Perényi in Budapest gehört. Beim zweiten Mal saß er mit unerträglichen Rückenschmerzen im Konzert, musste direkt im Anschluss operiert werden. Esterhazy beschreibt, wie er dasaß, "nur aus Schmerzen und Schrecken bestehend", die Musik langsam in ihn "hinein zu sickern" begann und sich dadurch etwas in ihm veränderte.
Er fährt fort: "Diese Veränderung verlief nicht romantisch, nicht so, dass die Musik die Schmerzen allmählich überholt hätte, nein, aber etwas hatte sich verändert, ich dachte nicht mehr, dass mich die Schmerzen mit Haut und Haaren in ihrer Gewalt hätten, als seien sie Alleinherrscher, eher war ein "Dennoch" entstanden, es war also nicht eine Lösung in Sicht, sondern eine Hoffnung. Hoffnung und Widerstand."
Schöner kann man nicht mehr beschreiben, in welcher Weise Musik trösten kann
findet Carola
martin (21.04.2006, 21:08): Ich denke, der Trost, den die Musik spendet, kann sehr verschiedenartig sein.
An sich aber kann fast jede Musik tröstlich sein: Einen aufheitern, einen zur Ruhe bringen, einfach auch mal Balsam für die Seele sein. Vielleicht hat Wagner- jedenfalls für mich - diese Eigenschaft meistens nicht. Auch Mozart und Beethoven meistens eher weniger. Händel und Bruckner aber ganz sicher, Brahms gelegentlich auch. Aber ich denke, das ist bei jedem verschieden.
Und jenen Satz von Günter
Jeder sollte seine eigenen Gefühle bewusst wahrnehmen können und seine Lösungsstrategien kennen, die sehr sehr unterschiedlich sein können und deshalb meist auch nicht übertragbar sind.
kann ich zu einem gewissen Grad zustimmen. Es können sehr verschiedene Gründe sein, für die man Trost braucht, existenzieller Natur aber auch ganz banaler, Verstimmungen oder Gestreßtheit oder auch schwerwiegenderes und jeder Mensch ist auch verschieden.
Ob ich hier immer so "bewußt" "Lösungsstrategien" einsetze, weiß ich allerdings nicht. In gewisser Weise Lösungsstrategien mögen es schon sein, etwa die eine eine negative Stimmung in der Musik auszuleben oder im Gegenteil Aufheiterung zu suchen, in dem man sich in andere Sphären führen läßt die eine Stimmung "auflichtet", drittens natürlich die Strategie der Ablenkung, etwa in dem man etwas fröhliches, heiteres verspieltes sucht, aber diese Strategien laufen glaube ich nicht bewußt ab. Meistens geschieht das weit mehr unbewußt, daß ich aus irgendeinem Grunde zum CD Regal greife. Da ich nun viel habe und auch viel kenne, ist es meistens auch gerade die Musik, die ich gerade brauche. Aber natürlich bin ich auch nicht immer in der Stimmung Trost zu suchen. Es hängt natürlich auch immer davon ab, wie weit man diesen Begriff "Trost" faßt. Faßt man ihn weit, dann ist Musik schon ein wichtiger Trostspender ( und vielleicht weiß man es nicht mal, daß man trostbedürftig ist, weil einen die Musik getröstet hat, ehe man sich dessen überhaupt bewußt wurde).