Tschaikovsky Violinkonzert op.35 - "Ergebnis einer Flucht"

Rachmaninov (17.03.2006, 14:36):
Auf der Europareise Tschaikovsky's, die er nach seiner Hochzeit mit seiner Schülerin A. Milijukowa - wohl um gewissen Gerüchten zum Schweigen zu bringen - und seinem fehlgeschlagenem Selbstmordversuch fluchtargtig antrat schrieb er das Violinenkonzert D-Dur op.35 in der Schweiz.

Unter Beibehaltung der klassischen dreisätzigen Form schrieb Tschaikovsky ein Konzert für die Violine mit emenser Virtuosität.

Der ursprüngliche Widmungsträge Leopold Auer lehnte das Konzert als "unspielbar" ab, so daß die Uraufführung am 8.Dezember 1881 durch Adolf Brodsky in Wien erfolgte. Das seinerzeit "klassische" Wiener Publikum lies das Werk in den Kritiken durchfallen.

Glücklicherweise haben sich jedoch 2 Dinge fundamental geändert:
Das Werk hat sich durchgesetzt und ein breites Spektrum von Geigern beherrst dieses "unspielbare" Konzert, so daß wir uns über zahlreiche Aufnahmen freuen können!

Absolut empfehlenswert ist dabei für mich die Aufnahme von Jascha Heifetz mit den CSO unter Fritz Reiner:
Cosima (19.03.2006, 16:26):
Ja, ein wunderschönes Violinkonzert – ich besitze Aufnahmen mit Heifetz, Repin, Milstein. Und dann diese mit Zuckerman unter Kubelik, die ich derzeit am liebsten höre. Dazu bekommt man eine tolle 4. Sinfonie, die sich wirklich hören lassen kann.

http://www.wom.de/image/cover/front/0/6207906.jpg

Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (19.03.2006, 16:41):
Hallo Cosima,

die Aufnahme, oder besser, die beiden Aufnahmen von Vadim Repin sind superb. Repin ist einer der größten, vielleicht der größte, lebende Geiger. Schade das von ihm fast keine Veröffentlichungen mehr vorgenommen werden.



Die erste CD bekommt man übrigens via jpc.de für 3,99€ (ohne Cover erfolgt die Anzeige). Bei dem Preis ein KAUF! Aber auch die Aufnahme unter Gergiev zusammen mit dem Miaskowsky VC ist top.

:down
Telramund (22.03.2006, 11:39):
Original von Cosima
Ja, ein wunderschönes Violinkonzert – ich besitze Aufnahmen mit Heifetz, Repin, Milstein. Und dann diese mit Zuckerman unter Kubelik, die ich derzeit am liebsten höre. Dazu bekommt man eine tolle 4. Sinfonie, die sich wirklich hören lassen kann.

http://www.wom.de/image/cover/front/0/6207906.jpg

Gruß, Cosima :)

Ich stimme "meines Meisters Frau" zu.
Das Deutschland-Debut des Herrn Zukermann (bitte ohne "c"), das live mitgeschnitten wurde, ist eine Sensation. Über das Spiel des damals 21-jährigen schrieb "Kritiker-Papst" Joachim Kaiser: "Der junge Künstler spielte bei seinem Deutschland-Debut in München mit einer Süße des Tons und einer noblen, ruhigen Beseeltheit des Ausdrucks, wie man es schöner und interessanter selbst von dem russischen Meistergeiger David Oistrach noch auch von Henryk Szeryng nicht gehört hat."
Rachmaninov (22.03.2006, 11:41):
Original von Telramund
Ich stimme "meines Meisters Frau" zu.

Welchem Meister ?(
josquin (22.03.2006, 11:49):
Original von Rachmaninov
Original von Telramund
Ich stimme "meines Meisters Frau" zu.

Welchem Meister ?(


Äh Wagner

Gruß
Norbert
AcomA (23.03.2006, 09:32):
hallo Sergejewitsch,

bezgl. der aufnahme des bulgarischen violinisten parashkevov muss ich anmerken, dass das sofia-orchester nicht gut ist ! daher kann es sein, dass einige die aufnahme ablehnen. durch den orchesterpart klingt parashkevovs ansatz gelegentlich zu schleppend. ich mag diese aufnahme dennoch.

gruß, siamak :)
Rachmaninov (23.03.2006, 10:38):
@Siamak,

danke für den Hinweis bzgl. des Orchesters. Gerade bei dem Tchaikovsky VC, isnb. der von Dir genannten Tutti Stellen, ist das Orchester und seine Leitung extrem wichtig!
Rachmaninov (03.04.2006, 14:37):
Gerade habe ich nach langer Zeit nochmals die Aufnahme von Ilya Gringolts mit dem Isreal Philharmonic Orchestra unter Itzhak Perlman angehört.



Bei der Anzahl wirklich hochkarätiger Aufnahmen frage ich mich wirklich wer diese Aufnahme brauch?!
Das Dirigat von Perlman ist wirklich langweilig und das Orchester vermittelt auch bei den berühmten Tutti Stellen nicht den geringsten Elan und liefert eine Leistung ab nach dem Motto: "Nein, schon wieder Tchaikovsky"
Leider reiht sich Gringolts hier in die gebotene Leistung voll ein. Dazu noch sein Geigenton und sein Spiel das nun wirklich zu diesem Konzert gar nicht passt und im ersten Satz offensichtlich Souveränität vermissen läßt!

Kan man sich echt sparen

Interpretation: 6
Klang: 7

Rachmaninov
AcomA (03.04.2006, 15:35):
lieber Sergejewitsch,

vielleicht bin ich ungerecht, aber IMO soll perlman bei seiner 'fiedel' bleiben ! :ignore

gruß, siamak :)
Rachmaninov (09.04.2006, 10:21):
Was für das Sibelius-Konzert angeht gilt übrigens auch für die Aufnahme des Tchaikovsky Konzerts.

Grandios, wie fast immer, die Orchestrierung des von Ozawa geleiteten BSO und dazu der packende Geigenton Mullowa's. Das passt, das klingt gut und ist klasse gespielt.

Eine richtig gute Aufnahme des Konzerts.
Rachmaninov (23.04.2006, 15:50):


Meine Meinung über diese Aufnahme fand ich heute beim erneuten hören bestätigt. Bereits beim esten hören und seit dem immer wieder kann mich diese Aufnahme was die Solistin angeht nicht überzeugen.

Insb. bei den Lagenwechseln oder anderen technischen Schwierigkeiten in schnellen Passagen des ersten Satzes wirken die Griffe und Bogenführung von Leila Josefwicz IMO nicht immer sicher und erst recht nicht sauber.
Da wirkt doch einiges recht angestrengt und bemüht.

Im zweiten Satz vermisse ich auch etwas "Tiefgründikeit" im Ausdruck.

Sehr positiv fällt mir jedeoch, wiedereinmal, die Academy of St. Martin in the Fields auf, die unter dem Dirigat von Sir Neville Marriner einen sehr dynamischen und gut akzentuierten Orchesterpart spielt.

Interpretation: 7 (das Orchester durchaus eine 9)
Klang: 8

Gruß
ab (21.05.2006, 17:30):
David Oistrach ! Jene mit Mrawinsky (Melodya) vor, die ich bereits als Schallplatte kannte, noch bevor sie bei Melodya-BMG wiederveröffentlicht worden ist. Diese halte ich in ihrer ungewohnt jugendlich, dramatischen, und früh-romatisch abwechslungsreichen, überschwänglichen und vorwärtsdrängenden Weise für eine wahrlich hervorragende Interpretation. Sonst wird ja dieses Konzert gewöhnlich eher spät-romantisch breit bis pompös (über)spielt, wie ja später selbst bei Oistrach vor allem jene mit Ormandy (Sony) zeigt.


Eine der schönsten Aufnahmen ist auch jene mit Mischa Elman, London Symphony Orchestra und John Barbirolli (Naxos) von 1930. Das war ein Ton! (Der Restaurierung von Mark Obert-Thorn sei dank!)
Ganong (22.05.2006, 15:36):
Lieber ab ,

bezüglich David Oistrach meine volle Zustimmung zu seinem Tschaikowsky - Konzert .

Mi rist bis heute nicht klar , warum er inDeutschland bei vergleichenden Rezensionen dermassen schelcht weggkommt !

Sein Gespür für den Sinn des Konzertes ist aussergewöhnlich und sein Ton ist doch fast nicht zu erreichen bei Tschaikowsky ( gerade in der Aufnahme mit Mrawinsky . Diesen hinweis verdanke ich ja Dir , wenn du Dich erinnerst ) .

Grüsse , Frank
Rachmaninov (27.05.2006, 12:25):
Hallo,

die Aufnahme vom Joshua Bell mit den Berliner Philharmonikern unter MTT ist recht ordentlich, kann mich aber im Vergleich zu den vielen überragenden Aufnahmen nur relativ wenig begeistern.
Am überzeugensten ist für mich hier noch der Orchesterpart der gut geleiteten Berliner durch Michael Tilson Thomas.

Joshua Bell spielt zwar sauber, aber für mich, was dieses Virtuosenkonzert angeht, einfach viel zu "brav" und es klingt für mich immer als wäre er mehr auf "Sicherheit" bedacht als auf Ausdruck.



ebenfalls auf der CD:

Meditation d-moll op.42 #1
"Danse russe" aus Schwanensee op.20
Serenade melancolique op.26 h-moll
Rachmaninov (04.06.2006, 16:34):
Hallo,

die von Siamak bereits genannte Aufnahme des Konzerts mit N. Milstein und den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado wurde hier absolut zurecht genannt.



Auch für mich gehört die Aufnahme zu den Top-Empfehlungen was das Konzert angeht. Das Konzert liegt Milstein einfach :down

Kleiner Hinweis:

Das Konzert gibt es auch gekoppelt mit dem Mendelssohn VK.
Die vielleicht "interessante" Kopplung.
Rachmaninov (03.07.2006, 13:55):
Die live Aufnahme (wie so üblich ein Zusammenschnitt aus verschiedenen Konzertabenden) von Midori gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern ist eine recht gute Aufnahme.



Die Berliner sind einfach ein superbe aufspielendes Orchester das kraftvoll und hochdifferenziert aufspielen kann.

Die Klangqualität der Aufnahme ist auch recht gut.

Im Vergleich mit meinen Favoriten (Repin, Heifetz u.A.) empfinde ich aber den Geigenton von Midori als "zu dünn" für dieses Virtuosenkonzert. Dies ist insb. im ersten Satz auffällig. Da geht IMO Midori's Ton leider etwas unter und entwickelt nicht den nötigen Ausdruck.
Rachmaninov (21.08.2006, 17:49):
Die Aufnahme des Tchaikovsky Violinenkonzert op.35 mit Zino Francescatti und den New York Philharmoic unter der Leitung von Thomas Schippers enttäuscht mich dann doch ein wenig.



Wenn ich da an die Top Einspielungen denke wie (Repin, Milstein, Heifetz) oder an andere recht gute Aufnahmen so muß ich leider feststellen, daß mich die Orchesterleitung nicht wirklich überzeugt.

Schwachpunkt, aus meiner Sicht, dieser Aufnahme ich jedoch Zino Francescatti. Erstens vermisse ich die Geigerische Klasse, insb. bei den schnellen Passagen des ersten Satzes. Hier hört sich doch manches eher unsauber als gewollt Ausdruck an und sein Geigenton gefällt mir nicht wirklich.

Da bleibe ich doch ganz klar bei meinen Referenzen!
Rachmaninov (04.01.2007, 22:45):
Mittlerweile habe ich mir die Aufnahme von Julia Fischer mit dem Russian National Orchestra unter Yakov Kreizberg mehrfach angehört.



Ehrlich gesagt bin ich nicht sonderlich erbaut, bzw. stellenweise macht sich doch etwas Enttäuschung bei mir breit.

Klar, Fischer spielt den Geigenpart technisch sauber, aber gestallterisch hätte ich mir da von ihr mehr erwartet. Der Orchesterpart wirkt auf mich eher routiniert als angegiert und somit fehlen mit hier viele Details, die einfach durch das routiniert geführte Ensemble doch nicht wirklich entdeckt und vor allem nicht transportiert wurde. Wo bitte ist da das Feuer und die Leidenschaft.

Nach dem fullminante Debut Album von Frau Fischer und der durchausansprechenden Leistung bei Bac's Solowerk für die Violine gefallen mir ihre letzten Produktionen nicht sonderlich.

Kling irgendwie nach: Ach ja, den Mozart muss man 2006 ja einspielen und den "ollen" Tchaikovsky irgendwann halt auch....

Etwas mehr Begeisterung bitte!

X(
AcomA (22.03.2006, 22:41):
hallo,

für mich gehört der erste satz des tschaikowsky-violinkonzertes zu den schönsten und 'erhabensten sätze überhaupt. das russische melos zum einen, die berühmten orchestertutti-stellen (2x) und die kadenz mit der reprise und coda !

Sergejewitsch hat ja die berühmte heifetz-aufnahme on top platziert. vom feuerwerk und der violonistischen perfektion her nahezu einsame spitze, keine frage.

aber so richtig kennengelernt und immer noch geprägt bin ich durch die aufnahme des späten nathan milstein mit den wiener philh. unter abbado aus den 70er jahren (DG). milstein, der heifetz wohl im ping-pong überlegen war :rofl, überzeugt durch seine schlanke und transparente ansicht. sein ton kommt ganz ohne vibrato aus ! übrigens gibt es jetzt die aufnahme wieder in der originals-reihe der DG !

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5525203.jpg

darüberhinaus möchte ich eine ganz besondere aufnahme eines außenseiterlabels (telos) erwähnen. der solist ist vesselin parashkevov (philh. orch. of sofia unter e. tabakov). die aufnahme stammt von 1996. parashkevov hatte die meisterklasse für violine an der essener folkwanghochschule in essen für einige jahre. ich kenne keine andere einspielung, die den lyrischen gehalt des konzertes gerade im ersten satz so behutsam und intensiv entwickelt hat. es gibt leider kein größeres bild dieser cd im netz.

http://www.telos-music-records.com/img/CD_Cover/TLS_010_kl.JPG

gruß, siamak :engel
Rachmaninov (22.03.2006, 22:55):
Original von AcomA

Sergejewitsch hat ja die berühmte heifetz-aufnahme on top platziert. vom feuerwerk und der violonistischen perfektion her nahezu einsame spitze, keine frage.

Ja, aber auf Augenhöhe Repin! Für mich ist Repin der Ideale Interpret des Konzertes!


darüberhinaus möchte ich eine ganz besondere aufnahme eines außenseiterlabels (telos) erwähnen. der solist ist vesselin parashkevov (philh. orch. of sofia unter e. tabakov). die aufnahme stammt von 1996. parashkevov hatte die meisterklasse für violine an der essener folkwanghochschule in essen für einige jahre. ich kenne keine andere einspielung, die den lyrischen gehalt des konzertes gerade im ersten satz so behutsam und intensiv entwickelt hat. es gibt leider kein größeres bild dieser cd im netz.

http://www.telos-music-records.com/img/CD_Cover/TLS_010_kl.JPG



Danke für den Tipp!
Tangua (25.04.2006, 11:50):
Dem ist nichts hinzuzufügen - das wäre neben/nach Heifetz auch meine Empfehlung!
Rachmaninov (17.01.2007, 07:39):
Anbei eine Besprechung zu Fischer Aufnahme, die ich zumindestens nicht nachvollziehen kann.

Geschmack halt. Naja, Mr. Hurwitz Meinung ist eh eher "umstritten".
Cosima (20.07.2008, 17:13):
Hallo,

hat jemand die „Interpretationen“-Sendung auf Deutschlandradio Kultur verfolgt? Mir hat Harald Eggebrecht wieder sehr gut gefallen! Interessant seine These (der ich folgen kann), dass dieses Violinkonzert eines für „junge Männer, die erobern wollen“ sei.

Die ideale Interpretation des gesamten Konzertes würde sich wie folgt zusammensetzen:

1. Satz: Pinchas Zukerman / Kubelik (auch mein Favorit)

2. Satz: Mischa Elman / Barbirolli (a.b. hat oben auf die Naxos-Aufnahme hingewiesen, die werde ich mir auch unbedingt zulegen - was für ein herrliches Geigenspiel!)

3. Satz: Vadim Repin / Gergiev (Huberman quasi als Vorbild - eine Aufnahme, die ich auch sehr liebe und der anderen Einspielung unter Krivine vorziehe).

Huberman, dessen Ausdruckskraft man gar nicht genug preisen kann, war grandios im 3. Satz! (Ich höre ihn überhaupt sehr gern!) Leider konnte aufgrund der technischen Möglichkeiten in den 20-er Jahren nur die Hälfte des Satzes aufgenommen werden.

Oistrach - als "Vater" dieses Konzertes - wurde natürlich gewürdigt (Aufnahme unter Roschdestwenskij). Heifetz trumpft als Virtuose auf: Er spielt eine modifizierte Auer-Version mit nochmals erhöhtem Schwierigkeitsgrad – trifft aber nicht den Kern des Werkes.

Die jungen Damen (Fischer, Hahn, Skride) kamen ganz gut weg, aber es sind halt Damen…

Gruß, Cosima
Nordolf (20.07.2008, 20:40):
Hallo Cosima!

Ich habe die Sendung auch gehört. Und sie war einfach klasse! Ich mag es, wenn ich auf solch spannende Weise zum genaueren Hinhören verführt werde. Das "Fein-Tuning" meiner Ohren dürfte jetzt einige Fortschritte gemacht haben. Schade, das ich so selten am Sonntagnachmittag zu dieser Sendezeit im Hause bin... :(

Du hast es ja schon erwähnt::

Eggebrecht erzählte sehr lebendig: - nach seiner Ansicht soll das Konzert am besten von einem eroberungswilligen, wohlbeleibten jungen Mann interpretiert werden, der notfalls bereit ist, sich Hemd und Kragen aufzureissen, um sein Herz offen zu zeigen. Und das passt ja wunderbar zu Tschaikowsky, der ganz dezidiert Bekenntniskomponist war und dessen beste Werke sehr persönlich etwas über ihn als Menschen aussagen.

Mich hat David Oistrakh in der Aufnahme mit Rozhdestvensky von 1968 am meisten beeindruckt: - alles wunderbar lyrisch empfunden, innig, weit, aufblühend... Eggebrecht meinte, das hier ein sechzigjähriger Geiger mit ruhigen Blick auf ein Konzert zurückblickt, das er Zeit seines Lebens immer wieder gespielt hat und dessen virtuose Schwierigkeiten/Stolpersteine er schon im voraus kommen sieht. Ganz groß wie ich finde...

Herzliche Grüsse!
Jörg
Heike (20.07.2008, 21:07):
Hallo,
ich hab die Sendung auch gehört (meist hab ich So nachmittags keine Zeit - deshalb hab ich schon mal an DRadioKultur gemailt, ob sie nicht ein podcast der Sendung veröffentlichen können - gibt ja sonst auch etliches zum Nachhören - wenn das viele machen, vielleicht tun sie es dann!)

Ich schätze Eggebrechts Urteil und ich hatte mir deshalb vor einiger Zeit auch seine Edition "Jahrhundert-Geiger" zugelegt, als sie reduziert wurde.


(ich hab noch nicht soooo eine riesige CD-Sammlung, so dass die Dopplungen sich in Grenzen halten).

Nach Anschaffung dieser Box habe ich zum ersten Mal dieses Tschaikowski-Konzert gemocht - die Repin- Aufnahme ist enthalten. Vorher hatte ich es im Radio mehrmals gehört, ich kann nichtmal sagen von wem - aber es hatte mir nicht gefallen, klang irgendwie überdreht und schrill.

Was mir wieder mal beweist, dass die Interpretation sehr entscheidend sein kann, ob mir etwas gefällt oder nicht. Jetzt werde ich mir noch die Oistrach- Aufnahme zulegen, die mich in der Sendung am meisten gefesselt hatte.
Hebre
Rachmaninov (21.07.2008, 07:43):
Original von Nordolf
Eggebrecht erzählte sehr lebendig: - nach seiner Ansicht soll das Konzert am besten von einem eroberungswilligen, wohlbeleibten jungen Mann interpretiert werden, der notfalls bereit ist, sich Hemd und Kragen aufzureissen, um sein Herz offen zu zeigen. Und das passt ja wunderbar zu Tschaikowsky, der ganz dezidiert Bekenntniskomponist war und dessen beste Werke sehr persönlich etwas über ihn als Menschen aussagen.

Ob der Geiger "wohlbeleibt" sein muss mag ich ernsthaft bezwiefel.
Erinnert mich ein wenig an die seltsame Diskussion und Argumentation warum ASM schulterfreie Kleider bevorzugt :ignore

IMO hat von den Geigern der jüngeren Generation lediglich V. Repin (bisher) hier Maßstäbe gesetzt.
Cosima (21.07.2008, 19:23):
Original von Rachmaninov
Ob der Geiger "wohlbeleibt" sein muss mag ich ernsthaft bezwiefel.
Erinnert mich ein wenig an die seltsame Diskussion und Argumentation warum ASM schulterfreie Kleider bevorzugt :ignore


Doch, doch – Eggebrecht hat auf den Zusammenhang zwischen Physiognomie und Geigenspiel (wir sprachen auch schon mal irgendwo darüber hier im Forum) sehr deutlich hingewiesen. Ich glaube, er brachte als Beispiel Tetzlaff oder Frank-Peter Zimmermann. Auf jeden Fall einen schlanken Geiger, der bestimmte Stellen ganz anders anging als die "bodenständigeren", kräftigeren (Oistrach und Repin). Ich fand sehr interessant, dass sich meine Beobachtung bestätigt fand.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (21.07.2008, 19:28):
Original von Cosima
Original von Rachmaninov
Ob der Geiger "wohlbeleibt" sein muss mag ich ernsthaft bezwiefel.
Erinnert mich ein wenig an die seltsame Diskussion und Argumentation warum ASM schulterfreie Kleider bevorzugt :ignore


Doch, doch – Eggebrecht hat auf den Zusammenhang zwischen Physiognomie und Geigenspiel (wir sprachen auch schon mal irgendwo darüber hier im Forum) sehr deutlich hingewiesen. Ich glaube, er brachte als Beispiel Tetzlaff oder Frank-Peter Zimmermann. Auf jeden Fall einen schlanken Geiger, der bestimmte Stellen ganz anders anging als die "bodenständigeren", kräftigeren (Oistrach und Repin). Ich fand sehr interessant, dass sich meine Beobachtung bestätigt fand.

Gruß, Cosima

Dann höre mal Suwanai und Heifetz und Du wirst feststellen wie viel Klang die Violine macht.
Rachmaninov (22.07.2008, 10:53):
Original von Nordolf
Mich hat David Oistrakh in der Aufnahme mit Rozhdestvensky von 1968 am meisten beeindruckt: - alles wunderbar lyrisch empfunden, innig, weit, aufblühend... Eggebrecht meinte, das hier ein sechzigjähriger Geiger mit ruhigen Blick auf ein Konzert zurückblickt, das er Zeit seines Lebens immer wieder gespielt hat und dessen virtuose Schwierigkeiten/Stolpersteine er schon im voraus kommen sieht. Ganz groß wie ich finde...

Herzliche Grüsse!
Jörg

Beim gestriegen hören kam mir, im Vergleich zu V. Repin, hier doch einiges zu lyrisch vor und hier und da auch stellenweise "unsauber"!
Nordolf (23.07.2008, 22:17):
Original von Rachmaninov
Original von Nordolf
Mich hat David Oistrakh in der Aufnahme mit Rozhdestvensky von 1968 am meisten beeindruckt: - alles wunderbar lyrisch empfunden, innig, weit, aufblühend... Eggebrecht meinte, das hier ein sechzigjähriger Geiger mit ruhigen Blick auf ein Konzert zurückblickt, das er Zeit seines Lebens immer wieder gespielt hat und dessen virtuose Schwierigkeiten/Stolpersteine er schon im voraus kommen sieht. Ganz groß wie ich finde...

Herzliche Grüsse!
Jörg

Beim gestriegen hören kam mir, im Vergleich zu V. Repin, hier doch einiges zu lyrisch vor und hier und da auch stellenweise "unsauber"!

Hallo Rachmaninov,

ich finde gerade diesen Lyrismus sehr beeindruckend - Oistrakh war zum Zeitpunkt der Aufnahme immerhin schon um die Achtzig Jahre alt. Der "junge Mann mit dem aufgerissenen Hemd" konnte er also naturgemäss nicht mehr sein. Und so wählt Oistrakh einen weiten, gelassenen, im 2. Satz sehr wehmütigen Blick auf das Konzert: - vielleicht ist es sogar ein Rückblick auf das eigene Leben, da das Konzert zum ständigen Repertoire des Geigers gehört hat.
Die Aufnahmequalität und denTransfer in der Brilliant-Box finde ich nicht besonders gelungen: - das Orchester klingt zu eng und manchmal dröhnend (manches aus den 40zigern in der Box hat mehr Transparenz). Die Violine ist zum Glück wesentlich liebevoller aufgenommen worden. Es wäre interessant zu wissen, ob der Transfer auf der Melodiya-CD (Erscheinungsjahr 2005) gelungener ist...

Und Repin ist natürlich klasse. Der Eine gräbt dem anderen nicht das Wasser ab. Mein persönlicher Favorit bleibt aber Leonid Kogan...

Herzliche Grüsse!
Jörg
nikolaus (19.11.2008, 21:22):
Mal wieder "Blindhören" im Radio, letzter Satz von Tchaikovskys Violinkonzert.
Hat mir gut gefallen: freies, energetisches, dynamisches Spiel mit einer angenehmen Herbheit.

Überraschung: Janine Jansen! (die ich sonst nicht so schätze)...

Nikolaus.
teleton (20.11.2008, 13:12):
Hallo Tschaikowsky-Freunde,

bisher wurde meine Lieblingsaufnahme des Tschaikowsky-Violinkonzertes hier noch nicht genannt (im Sibelius-VC-Thread wurde sie aber bereits OT erwähnt):

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41SEDPM1W8L._SL500_AA240_.jpg
David Oistrach / Philadelphia Orchestra / Eugene Ormandy
CBS, ADD

Nicht nur Oistrachs höchst famose Iunterpretation überzeugt hier, sondern auch gleichzeitig das fulminante Spiel des Philadelphia Orchestra unter seinem Chef Ormandy.
:beer Genau so muß das Tschaikowsky-VC interpretiert werden, wie es diese beiden großen Künstler vereint hier vormachen - referenzwürdig !

:( Sicher sind auch die russischen Vergleichsaufnahmen mit David Oistrach hier große Interpretationen, doch ist die schlechte Klangqualität dieser Aufnahmen auf dem damaligen russischen Standard - sehr schade !

:thanks Welch ein Glücksfall das Oistrach bei Ormandy war !
Amadé (03.11.2011, 22:40):
Gerade gehört und miterlebt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41NP51X5SML._SL500_AA300_.jpg

Tschaikowsky VK op.35

:times10

Gruß Amadé
Nicolas_Aine (12.10.2018, 23:54):
Die Aufnahme des Tchaikovsky Violinenkonzert op.35 mit Zino Francescatti und den New York Philharmoic unter der Leitung von Thomas Schippers enttäuscht mich dann doch ein wenig.



Wenn ich da an die Top Einspielungen denke wie (Repin, Milstein, Heifetz) oder an andere recht gute Aufnahmen so muß ich leider feststellen, daß mich die Orchesterleitung nicht wirklich überzeugt.

Schwachpunkt, aus meiner Sicht, dieser Aufnahme ich jedoch Zino Francescatti. Erstens vermisse ich die Geigerische Klasse, insb. bei den schnellen Passagen des ersten Satzes. Hier hört sich doch manches eher unsauber als gewollt Ausdruck an und sein Geigenton gefällt mir nicht wirklich.

Da bleibe ich doch ganz klar bei meinen Referenzen!
Hier muss ich doch widersprechen, wenn auch mit 12 Jahren Verspätung :D Ich habe diese Aufnahme schon viele Jahre im Regal stehen, allerdings landete bei mir auch jedesmal entweder Repin oder Heifetz im Player. Vor zwei Tagen dachte ich aber, jetzt muss ich doch mal auch was anderes hören und dachte, warum nicht mal mit Francescatti, den ich eigentlich gar nicht so gut kenne. Ich war auf Anhieb ziemlich begeistert. Es ist natürlich ein völlig anderer Ansatz als Heifetz oder vor allem als Repin, aber er gefällt mir ziemlich gut. Und zwar finde ich, das vom ersten bis zum letzten Tag ein richtiger Drive drin ist, es strahlt alles eine unglaubliche Energie aus und das reißt mich mit. Leider ist das Orchester manchmal nicht ganz so energetisch. Trotzdem eine Aufnahme, die für mich definitiv eine Alternative zu meinen bisherigen Favoriten sein wird.

Außerdem habe ich in diesem Zuge folgende Aufnahme im Schrank gefunden:



Die hier gefällt mir nicht ganz so gut. Es ist eine Live Einspielung, bei der er noch 22 Jahre jünger war als bei der obigen, und irgendwie finde ich das alles etwas blaß. "Schon recht", würde man bei uns daheim sagen, aber mehr halt auch nicht. Dafür lohnen sich die anderen beiden Konzerte auf der CD sehr!
Cavaradossi (13.10.2018, 09:26):
Und zwar finde ich, das vom ersten bis zum letzten Tag ein richtiger Drive drin ist, es strahlt alles eine unglaubliche Energie aus und das reißt mich mit.
Lieber Nicolas_Aine,

mit dieser Beurteilung hast Du voll ins Schwarze getroffen! Ich besitze die Aufnahme Francescatti/Schippers seit undenklichen Zeiten und zähle sie zu meinen liebsten. Natürlich ist die Aufnahme klanglich nicht top, aber was tut das, bei einer solch großartigen Darbietung?
Zino Francescatti war ein fantastischer Geiger, ich liebe vor allem seine Aufnahme des Beethoven-Konzerts mit Bruno Walter und dem Columbia Symphony Orchestra von 1959. Das ist ebenfalls eine frühe Stereo-Produktion, aber sehr transparent und gut durchhörbar:

Gekoppelt ist sie mit einer ebenfalls herausragenden Einspielung des Sibelius-Konzerts, mit David Oistrach und dem Philadelphia Orchestra unter Eugen Ormandy (ebenfalls Stereo).

Da wir gerade bei David Oistrach sind, möchte ich noch eine wunderbare Version des Tschaikowsky-Konzerts mit diesem Weltklasse-Geiger vorstellen:

Auch das ist bereits eine Stereo-Aufnahme, ebenfalls von ca. 1959, die für mich zu den besten überhaupt zählt (von Heifetz einmal abgesehen, der aber einen ganz anderen Interpretationsansatz verfolgt).
Und da wir gestern (bei Brahms) von Isaac Stern sprachen, möchte ich noch eine ebenfalls unverzichtbare Aufnahme des Tschaikowsky-Konzerts mit diesem großen Violinisten nennen:

Auch die befindet sich in meiner Sammlung, und sie gehört gleichfalls in die erste Reihe. Wie die übrigen, auch diese ist bereits in Stereo produziert und klingt sehr ordentlich.

Die von Dir gezeigte Francescatti-CD mit den Konzerten von Tschaikowsky, Bruch und Saint-Saens kenne ich nicht; es handelt sich da um Live-Mitschnitte aus den 40er Jahren bzw. von 1951, da kann man klanglich keine hohen Erwartungen hegen. Künstlerisch sind sie wahrscheinlich erstklassig (was auch an den Dirigenten liegt).

LG, Cavaradossi