Tschaikowskijs 5. Sinfonie

ab (16.08.2006, 00:50):
Nun endlich konnte ich einmal Fricsays Aufnahme von der 5. Sinfonie anhören, die mir seit langem ans herz gelegt wird: und bin sehr positiv angetan!


Allerdings sehe ich nun, dass es auch einen Mitschnitt von Salzburg gibt:

Liebhaber Fricsays, könnt ihr mir raten, welche der beiden Aufnahmen besser ist?

Meine Lieblingsaufnahme bislang ist zweifellos jene mit Mravinsky (aus London), die nun endlich auch günstiger erhältlich ist:


Ja nicht die aus Wien, die ein Jahr früher entstanden ist und sehr enttäuscht!:
Wotan (18.08.2006, 18:54):
Die 5te von Tchaikowsky ist ja einer meiner Lieblingssinfonien. Leider kenne ich Fricsays Aufnahme noch nicht, aber meine absolute Lieblingsaufnahme ist (natürlich) die von Gergiev:

http://www.airy.co.jp/CDs/462905-2.jpg

MfG

Wotan
Cosima (18.08.2006, 19:27):
Die Gergiev-Empfehlung unterschreibe ich (natürlich).

Alternativ kenne ich ansonsten die m.E. sehr gute Mravinsky-Aufnahme. Dann noch jene unter Svetlanov und Koussevitzky, an die ich gerade jedoch nur eine blasse Erinnerung habe.

Gruß, Cosima
Zelenka (18.08.2006, 19:31):
Als Brahms-Anhänger, der Tchaikovsky nicht ernst nimmt, besitze ich nur Koussevitsky (in durchaus mangelhafter Tonqualität) und Fricsay (DG).

Gruß,

Zelenka
Cosima (18.08.2006, 19:33):
Original von Zelenka
Als Brahms-Anhänger, der Tchaikovsky nicht ernst nimmt

Könntest Du das etwas näher erläutern, bitte? :W

Danke und Gruß,
Cosima
Zelenka (18.08.2006, 20:09):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Als Brahms-Anhänger, der Tchaikovsky nicht ernst nimmt

Könntest Du das etwas näher erläutern, bitte? :W

Danke und Gruß,
Cosima

Ich benehme mich nur wie Brahms. Was ich wohl nicht tun dürfte oder sollte.

Gruß,

Zelenka
ab (16.08.2006, 00:50):
Nun endlich konnte ich einmal Fricsays Aufnahme von der 5. Sinfonie anhören, die mir seit langem ans herz gelegt wird: und bin sehr positiv angetan!


Allerdings sehe ich nun, dass es auch einen Mitschnitt von Salzburg gibt:

Liebhaber Fricsays, könnt ihr mir raten, welche der beiden Aufnahmen besser ist?

Meine Lieblingsaufnahme bislang ist zweifellos jene mit Mravinsky (aus London), die nun endlich auch günstiger erhältlich ist:


Ja nicht die aus Wien, die ein Jahr früher entstanden ist und sehr enttäuscht!:
Wotan (18.08.2006, 18:54):
Die 5te von Tchaikowsky ist ja einer meiner Lieblingssinfonien. Leider kenne ich Fricsays Aufnahme noch nicht, aber meine absolute Lieblingsaufnahme ist (natürlich) die von Gergiev:

http://www.airy.co.jp/CDs/462905-2.jpg

MfG

Wotan
Cosima (18.08.2006, 19:27):
Die Gergiev-Empfehlung unterschreibe ich (natürlich).

Alternativ kenne ich ansonsten die m.E. sehr gute Mravinsky-Aufnahme. Dann noch jene unter Svetlanov und Koussevitzky, an die ich gerade jedoch nur eine blasse Erinnerung habe.

Gruß, Cosima
Zelenka (18.08.2006, 19:31):
Als Brahms-Anhänger, der Tchaikovsky nicht ernst nimmt, besitze ich nur Koussevitsky (in durchaus mangelhafter Tonqualität) und Fricsay (DG).

Gruß,

Zelenka
Cosima (18.08.2006, 19:33):
Original von Zelenka
Als Brahms-Anhänger, der Tchaikovsky nicht ernst nimmt

Könntest Du das etwas näher erläutern, bitte? :W

Danke und Gruß,
Cosima
Zelenka (18.08.2006, 20:09):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Als Brahms-Anhänger, der Tchaikovsky nicht ernst nimmt

Könntest Du das etwas näher erläutern, bitte? :W

Danke und Gruß,
Cosima

Ich benehme mich nur wie Brahms. Was ich wohl nicht tun dürfte oder sollte.

Gruß,

Zelenka
Honoria Lucasta (01.03.2010, 11:19):
Nach kaum 4 Jahren Pause in diesem Faden, in denen offensichtlich niemand Tschaikowskis 5. gehört hat :rofl, meine Frage an den versammelten Kreis, ob jemand gestern (Sonntag) zufällig die Wiedergabe einer Aufführung dieser Symphonie unter Gergiyev im SWR-Fernsehen gesehen hat - ich zappte zufällig in den Anfang des 4. Satzes hinein und war gleich gefangen genommen von dem unglaublichen Tempo, das da von Gergiyev vorgelegt wurde. Ich habe die 5. nun wahrlich oft gehört, auch in den heiligen Hallen des Tschaikowski-Konservatoriums in Moskau, aber so schnell hat nach meiner Erinnerung überhaupt noch niemand den 4. Satz gespielt - es war auch für die Musiker ein ziemlicher Gewaltritt, es bekam dem Stück aber sehr gut, mal nicht breit und behäbig angelegt zu werden.

Vielleicht hat jemand das gesamte Konzert gesehen und kann was dazu sagen. Ich hoffe jedenfalls auf eine gelegentliche Wiederholung.

Grüße!

Honoria
Wooster (01.03.2010, 18:48):
Der 4. Satz hat eine Moderato-Einleitung, in der das Leitthema von der Einleitung des Kopfsatzes in E-Dur transformiert auftritt. Dann folgt der schnelle "Wild West"-Teil, in dem eigentlich bei allen Interpreten ziemlich die Postkutsche abgeht und später wird das Tempo evtl. noch einmal geändert.
Meinst Du die Einleitung oder den schnellen Teil.

Besagte Live-Fricsay von Orfeo habe ich nicht gehört. Wenn ich recht erinnere, schwören Fans allerdings auf die bei Audite herausgebrachte Live-Aufnahme:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/4022143954985.jpg

Die gab es auch mal günstiger mit Katalog oder so (ich besitze sie, habe aber noch nicht mit der Studio von 1949 verglichen. Sie ist vielleicht nicht ganz so durchgepeitscht wie die ältere, aber jedenfalls auch keine von den extrem langsamen, wie einige Spätaufnahmen des todkranken Dirigenten, zB die schleppende Mozart g-moll (DG) oder die Live-Eroica auf dem Great conductors Album)

Wooster
Honoria Lucasta (02.03.2010, 07:32):
Lieber Wooster,
ich meine nicht die Einleitung, sondern wirklich den "Wild-West-Teil". Ich habe nachher noch einmal geschaut, was ich sonst an 5. da habe, aber im Vergleich zu Gergiyev verbreitet Masur mit dem Gewandhausorchester Schlaftablettenatmosphäre, und selbst Karajan hatte ausnahmsweise mal keine Lust auf einen Geschwindigkeitsrekord. Mehr 5. habe ich leider nicht...

Nach der Fricsay-Aufnahme werde ich schauen, vielen Dank für den Hinweis - dazu dann als Zugabe noch Schumann a-moll mit Cortot sollte eigentlich interessant sein.

Grüße!

Honoria
teleton (03.03.2010, 12:25):
Wenn es um Tschaikowsky Sinfonie Nr.5 geht dann steht bei mir immer noch die Solti-Aufnahme mit dem Chicago SO (Decca) an der Spitze.

:beer Sie wird in ihrer Gunst ergänzt durch die Stereo-Aufnahmen aus den 60er und 70er-jahren mit Karajan (DG) und der hochemotionalen Bernstein - Aufnahme (SONY).
Der Fünften mit Mrawinsky stehe ich etwas gespalten gegenüber - eine große Aufnahme (die in Stereo aus Wien mit den Leningrader PH-DG).
ab hatte im ersten Beitrag die Abb der Mrawinsky - Aufnahmen verwechselt (London vs Wien).


Solti (Decca):
Meine erste Aufnahme auf LP in meiner Jugend war aus meine erste Decca-LP: Die Sinfonie Nr.5 mit Solti / Orchester National de Paris. Die LP wurde von mir sehr oft gehört und wahnsinnig geschätzt.
Später folgten dann die Karajan-Aufnahmen der Sinfonien Nr.4-6 auf DG 1966, und die Swetlanow-Aufnahmen, die mich weiter geprägt haben - später auch auf CD alle 6Sinfonien mit Karajan (DG, 70er, ADD).

Durchschlagend war dann, als es CD´s gab, der Kauf der
Tschaikowsky Sinfonie Nr.5 auf Decca - CD mit Solti / Chicago SO.

Hier setzt Solti gegenüber seiner alten pariser Einspielung noch fett einen drauf, ganz neue Maßstäbe - das ist ungebrochen seit damals meine Lieblingsaufnahme der Sinfonie Nr.5. Die Aufnahme hat alles was ungebändigte Kraft und Durchhörbarkeit auszeichnet. Sie ist mit den besten Aufnahmen von Mussorgsky´s Die Nacht auf dem kahlen Berge und Glinkas Ruslan und Ludmilla-Ouvertüre gekoppelt.

http://img99.imageshack.us/img99/3429/symph5.jpg
Chicago SO, Solti
Decca-Ovation, 1976, 166 (Mussorgsky und Glinka), ADD


Bernstein (SONY):
Die enthaltenen Aufnahmen umfassen einen weiten Aufnahmezeitraum von 1957 (Romeo und Julia) bis 1975 AAD. Entsprechend historisch ist teilweise die Klangqualität, die offenbar hier nicht neu remastert wurde, wie bei einigen anderen besprochenen Bernstein-Aufnahmen in letzter Zeit. Die Sinfonie Nr.4 ist eine ganz ganz exquisite Aufnahme von 1975, die Sinfonie Nr.5 von 1960 klingt so, wie es das Cover ahnen läßt
"Columbia Legends". Nichts desto Trotz, Bernstein liefert einen packenden Tschaikowsky ab, der innnerhalb dieser Box immer wieder Appetit auf mehr macht. Seine Sinfonie Nr.5 würde man sich remastert wünschen, weil seine Interpretation von Solti´s Ganzleistung nicht weit entfernt ist.
http://images-eu.amazon.com/images/P/B00008PW4A.03.LZZZZZZZ.jpg
New Yorker PH, Bernstein
SONY, 1957-1975, ADD


Mrawinsky (DG):
Wahnsinnsaufnahmen sind für mich die 4 und 6, Bei der Sinfonie Nr.5 bin ich etwas gespalten. Die Eigenschaft Mrawinskys das Werk bis ins letzte sesieren zu wollen stört mich und den Spannungsaufbau.

Die Klangqaulität von 1961 war für mich überraschend gut mit sauberem Stereopanorama und sezierender Durchhörbarkeit der Instrumentengruppen. Überraschend, weil in einem anderenForum ein Thread eines Nichtkenners über das verramschen alter Aufnahmen der DG und der schlechten Klangqualität dieser Aufnahme zu lesen ist.
Die DG-Techniker haben die Aufnahme in der Serie Originals gut remastert!
:thanks Diese Aufnahmen aus Wien sind somit deutlich besser als es Mrawinsky in der Heimat zu dieser Zeit je gelungen ist und daher große Stereo-Dokumente.

Ich muß die Frage stellen ob Mrawinsky gerade im letzten Satz der Fünften Tschaikowsky zu wenig Luft läßt ? Die Einleitung Andante maestoso klingt bei Bernstein wahrhaft majestätisch, gefolgt von einem stürmischen Allegro, aber der CBS-Klang ist schrill und von der nur ein Jahr jüngeren Qualität der Mrawinsky -Aufnahme 1961 weit entfernt. Allerdings fehlt mir bei der Mrawinsky-Aufnahme der sinfonische Klang, die beispielsweise die Aufnahme bietet, die mich schon früh geprägt hatte: Karajan DG1960.
Solti geht den Mittelweg, läßt Tschaikowsky mehr Luft als Mrawinsky, bei gleicher Emphase und erreicht für mein Hörempfinden mindestens den gleichen Gänsehautfaktor bei bester Klangqualität und großsinfonischem Klang (nicht so kammermusikalsch seziert wie bei Mraw.).

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6541651.jpg
Symphonien Nr. 4-6
Leningrad PO, Mravinsky
DG, 2 CD, Aufnahnme 1961, AAD
Amadé (03.03.2010, 18:51):
Original von Teleton
Leningrad PO, Mravinsky, Aufnahme 1961

Lieber Teleton,
verzeih, ich muss ein bisschen mäkeln, die Aufnahmen der 5.und 6. wurden bereits im November 1960 in Wien gemacht, die der 4. im September 1960. :down
Bei der Angabe der Aufnahmeorte der Stereo-Einspielungen trug Die DGG selbst zu Verwirrungen bei: in der Erstveröffentlichung als CDs gab die Firma Wembley Town Hall London an. Die Leningrader gaben tatsächlich mit Mrawinsky und Roshdestwensky in 1960 in London Konzerte, das hätte gepasst. In der Original-Ausgabe wird nun Wien angegeben, wo bereits ein paar Jahre zuvor die Mono-LPs aufgenommen wurden. Bei der 4. Sinfonie schweigt sich indes noch heute die DGG über den Aufnahmeort aus. Nur so am RAnde bemerkt.

Grüße Amadé
Agravain (03.03.2010, 19:50):
Was sagte der Komponist Wilhelm Killmayer doch nach einer Aufführung von Tschaikowskys Fünfter unter dem späten Celibidache in München: "Ich habe das Werk bisher nicht gekannt."

Allein deshalb sollte man nicht an dieser Aufnahme vorbei gehen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41E7K8G2GWL._SL500_AA240_.jpg

Ebenso ganz ausgezeichnet, wenngleich ihm ja in Deutschland immer eine gewisse Oberflächlichkeit nachgesagt wird (das hört aber anscheinend nur der Deutsche...), ist Mutis Londoner Einspielung:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61RF2YZ291L._SS500_.gif

oder Mitropoulos:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0886975831821.jpg

oder diese hier:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5055031312139.jpg

oder jene:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4011790449128.jpg

oder die entsprechende Aufnahme aus dieser Box:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61G5AZTRXKL._SS500_.gif

Gerade bei Tschikowsky höre ich als erste Antworten meistens Mravinsky, Karajan, Bernstein. Alle kenne ich, alle sind auf ihre Art und Weise gut.

Aber wirklich berückt haben mich oft andere Aufnahmen, wie bspw. die oben genannten. Da wird oft mehr oder anders gearbeitet, als man es gewohnt ist und das finde ich spannend, weil es das Urteil meines alten Musiklehrers zu Tschaikowsky immer wieder Lügen straft.
Es gab da stets zu hören "Tschaikowsky ist laut." Krach also, platt, abgedroschen, sentimental. Ich selbst empfand das nie so richtig so. Vielmehr hat mich Tschaikowskys extreme Subjektivität immer angezogen, seine Seelenbeichten (wenn man diese Musik denn so sehen will) mich immer irgendwie mitgerissen.
nikolaus (03.03.2010, 20:01):
Wie ist es denn mit dieser hier?

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0093046738129.jpg

Mir gefällt sie ganz gut (ist allerdings auch meine einzige... :wink)

Nikolaus.
Armin70 (03.03.2010, 20:20):
Neben der bereits genannten Aufnahme von Gergiev mit den WP besitze ich noch Sinopolis Aufnahme:

Wie man es von Sinopoli von anderen Aufnahmen mit Werken anderer Komponisten kennt, so gelingt es ihm auch bei Tschaikowsky, die Musik zwischen den Zeilen zu lesen und so vermeidet er es, dass die 5. Sinfonie als abgedroschenes sinfonisches Schlachtross verkommt.
Agravain (03.03.2010, 20:34):
Original von Armin70
Neben der bereits genannten Aufnahme von Gergiev mit den WP besitze ich noch Sinopolis Aufnahme:

Wie man es von Sinopoli von anderen Aufnahmen mit Werken anderer Komponisten kennt, so gelingt es ihm auch bei Tschaikowsky, die Musik zwischen den Zeilen zu lesen und so vermeidet er es, dass die 5. Sinfonie als abgedroschenes sinfonisches Schlachtross verkommt.

Ui, kenne ich gar nicht. Shopping time!
ab (04.03.2010, 13:04):
Original von nikolaus
Wie ist es denn mit dieser hier?

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0093046738129.jpg

Mir gefällt sie ganz gut (ist allerdings auch meine einzige... :wink)

Nikolaus.

ich hatte sie mal von unserer Bücherein ausgeliehn und nicht einmal geschafft, gänzlich anzuhören. Gar nicht meins...
ab (04.03.2010, 13:08):
Original von teleton
Allerdings fehlt mir bei der Mrawinsky-Aufnahme der sinfonische Klang, die beispielsweise die Aufnahme bietet, die mich schon früh geprägt hatte: Karajan DG1960. (nicht so kammermusikalsch seziert wie bei Mraw.).


Da sollte man vielleicht einmal gegenhören bevor sie neu für die Original-Serie remastered wurde: die alte Box kling sehr sinfonisch; vermutlich deutlich weniger dünn. Aber ich selbst habe nicht verglichen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41JSRHG58AL._SL160_AA115_.gif
teleton (08.03.2010, 09:57):
Hallo ab,

ich denke an meinem Eindruck, das Mrawinsky die Sinfonie Nr.5 in seiner DG-Aufnahme zu sehr kammermusikalisch auseinandernimmt ("seziert"), daran kann und würde auch das beste Remastering nichts ändern.
Denn die Sinfonien Nr.4 und 6 sind ja in dieser Hinsicht voll in Ordnung und auch klangtechnisch große Dokumente. Dank der schon 1960 guten Stereo-Aufnahmetechnik in unseren Breiten.

Leider sind die Mrawinsky-Aufnahmen, die in Mrawinsky in Leningrad um 1960 gemacht hat noch alle sehr historisch klingend und in MONO. Davon zeugen ja einige Aufnahmen aus dieser Zeit, die in Brillant-Boxen vermarktet werden und einfach grässlich klingen.
:engel Zum Glück konnte uns Mrawinsky später noch bis in die 80er-Jahre auch in brauchbarer Aufnahmequalität noch von seinen hohen Dirigierkünsten überzeugen.

:thanks Ich möchte auch nur mal auf seine LIVE-Aufnahmen der Sinfonie Nr.5 vom 18.11.1982 (Brillant 10CD-Box) und vom 19.03.1983 (Erato 12CD-Box) aufmerksam machen. Denn hier zeigt er, wie packend man die Tschaikowsky 5 auch dirigieren kann und sollte.

Nebenbei: In der ERATO-Box ist auch die packende Mrawinsky-Aufnahme der Sinfonie Nr.6 von 10/1982 enthalten.
ab (08.03.2010, 10:07):
Original von teleton
Hallo ab,

ich denke an meinem Eindruck, das Mrawinsky die Sinfonie Nr.5 in seiner DG-Aufnahme zu sehr kammermusikalisch auseinandernimmt ("seziert"), daran kann und würde auch das beste Remastering nichts ändern.
Denn die Sinfonien Nr.4 und 6 sind ja in dieser Hinsicht voll in Ordnung und auch klangtechnisch große Dokumente. Dank der schon 1960 guten Stereo-Aufnahmetechnik in unseren Breiten.

Leider sind die Mrawinsky-Aufnahmen, die in Mrawinsky in Leningrad um 1960 gemacht hat noch alle sehr historisch klingend und in MONO. Davon zeugen ja einige Aufnahmen aus dieser Zeit, die in Brillant-Boxen vermarktet werden und einfach grässlich klingen.
:engel Zum Glück konnte uns Mrawinsky später noch bis in die 80er-Jahre auch in brauchbarer Aufnahmequalität noch von seinen hohen Dirigierkünsten überzeugen.

:thanks Ich möchte auch nur mal auf seine LIVE-Aufnahmen der Sinfonie Nr.5 vom 18.11.1982 (Brillant 10CD-Box) und vom 19.03.1983 (Erato 12CD-Box) aufmerksam machen. Denn hier zeigt er, wie packend man die Tschaikowsky 5 auch dirigieren kann und sollte.

Nebenbei: In der ERATO-Box ist auch die packende Mrawinsky-Aufnahme der Sinfonie Nr.6 von 10/1982 enthalten.

"Kammermusikalisch" würde ich Marvinskys Dirigat bei diesem Orchestervolumen ganz sicher nicht nennen wollen, aber womöglich verwendest Du dafür bloß ein anderes Wort, was ich ich eher mit "analytisch" oder "durchsichtig" bezeichenen würde. (Für mich ist Mravinsky Dirigat nachgerade fast so etwas wie der Inbegriff des Symphonischen; deshalb irritiert mich Dein "kammermusikalisch" aufs gröbste.)

Die späten Erato-Aufnahmen aus Frankreich fand ich persönlich eher enttäuschend, gerade was die 5. angeht.

Kennst Du die Videomitschnitte wo er die 5. dirigiert? Ich kenne keinen anderen Dirigenten, wo derart die Handbewegungen mit dem, was dann in der Musik stattindet, eine vollgkommen übereistimmende optische Entsprechung erhält: Mravinsky, wie ein Marionettenspieler, der leicht an den unsichtbaren Fäden seiner Musiker zieht. Fast schon gespenstisch!
ab (08.03.2010, 10:09):
Original von Amadé
Original von Teleton
Leningrad PO, Mravinsky, Aufnahme 1961

Lieber Teleton,
verzeih, ich muss ein bisschen mäkeln, die Aufnahmen der 5.und 6. wurden bereits im November 1960 in Wien gemacht, die der 4. im September 1960. :down
Bei der Angabe der Aufnahmeorte der Stereo-Einspielungen trug Die DGG selbst zu Verwirrungen bei: in der Erstveröffentlichung als CDs gab die Firma Wembley Town Hall London an. Die Leningrader gaben tatsächlich mit Mrawinsky und Roshdestwensky in 1960 in London Konzerte, das hätte gepasst. In der Original-Ausgabe wird nun Wien angegeben, wo bereits ein paar Jahre zuvor die Mono-LPs aufgenommen wurden. Bei der 4. Sinfonie schweigt sich indes noch heute die DGG über den Aufnahmeort aus. Nur so am RAnde bemerkt.

Grüße Amadé

Ist eigentlich im Heft der Originals-Ausgabe etwas zu dieser "Verwirrung" angemerkt?
:thanks

By the way: die (wie ich finde deutlich mattere) Wiener Mono-Ausgabe gibts auch billig bei Documents, auch hier gepaart mit dere Sanderling-4 aber angenehm auf 3 CDs verteilt, also ohne die sSnfonien zu zerreißen:
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4011222233127.jpg
Agravain (01.04.2011, 08:34):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/511F-ghk9nL._SL500_AA300_.jpg

Peter Tschaikowsky: Symphonie Nr. 5

Münchner Philharmoniker
Sergiu Celibidache

(29.05.1991)

***

“The Fifth symphony, like the Sixth, is so popular that one feels slightly embarrased to write about it; it is as if one were invited to write an essay recommending the ‘Blue Danube’ waltz. Yet, at the present stage in history of music, one finds oneself in the paradoxical position of having to defend these works against their popularity.”
(Keller, Hans: Peter Ilyich Tchaikovsky. In: Simpson, Robert: The Symphony. Vol. I: From Haydn to Dvorak. 1966. S. 351)

Hans Keller trifft hier – wie nicht selten in seinen höchst lesenswerten Aufsätzen – blendend den Kern der Sache. Entsprechend finde ich es nicht einfach eine Aufnahme der Fünften zu besprechen, ja zu empfehlen.
Und doch: Zur späten Celibidache-Einspielung, die am 29. Mai 1991 in der Philharmonie am Gasteig aufgenommen wurde, muss ich einfach ein paar Zeilen loswerden. Der Grund? Nun, ich könnte schlicht sagen:
Der Grund ist einfach. Es ist die wohl beste Einspielung, die diese Symphonie bisher erfahren hat und dies – das Orakelhafte meiner Aussage ist mir bewusst – wohl wird auch so bleiben.
Doch fragt sich da der geneigte Leser wahrscheinlich mit einer gewissen Berechtigung: Wie kommt der denn darauf? Nun, weil die Einspielung einen derartig hohen Offenbarungswert hat, dass auch Wolfgang Killmayer, selbst ein Meister seiner Zunft, nach der besagten Aufführung zugeben musste: „Ich habe das Werk bisher nicht gekannt.“ (vgl. Schreiber, Wolfgang: Große Dirigenten. 2007. S.477)

Und so geht es mir auch. Die Latte der Einspielungen dieser Symphonie in meinem Regal ist (fast) so lang wie mein Arm, die wenigsten habe ich – bis zu dem Zeitpunkt, da ich diese Aufnahme erstmals gehört habe – für sonderlich misslungen gehalten, wobei ich beim Hören dieser oder jener Platte immer häufiger das Gefühl hatte, es handle sich hier um ein Stück Musik, das man schnell dadurch ruinieren kann, dass man es zu Markte trägt und lauthals wie Sauerbier verkauft.

Celibidache macht nichts dergleichen, vielmehr macht er das Gegenteil, denn er scheint mir in der Fünften nicht nur ein glanzvolle, melodisch attraktive, publikumswirksame Symphonie zu sehen, sondern mich deucht, er nimmt diese Musik ernst. Ein Beispiel. Während – und ich nehme jetzt als Vergleich halt einmal Karajan – die affektive Bandbreite des letzteren eher begrenzt erscheint (Devise: laut muss es sein), so ist Celibidaches Palette um ein Vielfaches breiter und somit viel differenzierter. Das hört man schon in der langsamen Einleitung und in dem sich nur langsam etablierenden Hauptthema, der zweite Satz jedoch bringt klangliche Momente, bei denen ich kaum glauben kann, dass tatsächlich Tschaikowsky sie tatsächlich komponiert haben soll und nicht der späte Mahler. Dies betrifft bspw. die letzten Takte nach dem finalen Ausbruch (also ab T. 165, Zählzeit 4). Was Celibidache da an Ton aus den Violinen herausholt – ich kann’s nicht beschreiben, weil mir schlicht die Worte versagen. Und die Klarinette in den letzten drei Takten? Unfassbar. Mittels einer von Ideologie und (Aufführungs-) Tradition unverstellten, individuellen und ernsthaften Harangehensweise eröffnet das so oft als oberflächlich und sentimental Verschriene hier emotionalen Tiefen, die man so schlicht nicht erwartet und die darum – ich kann es nicht anders sagen – erschüttern. Und es freut mich nicht nur insgeheim, dass es auch einem durchaus renommierten Kritiker wie Christopher Howell nicht anders geht:

„As I write I am still shattered by this performance. I have never belonged to the fraternity which likes to be snooty about Tchaikovsky 5 just because it’s so popular. But I had never imagined that the work could convey so much.” (mehr HIER)

Bevor mir jedoch – wie Hofmannsthal – die Worte wie modrige Pilze im Mund vermodern, möchte ich unser Mitglied teleton zitieren, der zu Bernsteins später Aufnahme der Pathétique einmal trefflich geschrieben hat:

„Man kann aber nicht immer bereit sein, diese außergewöhnliche Bernstein-Aufnahme zu verkraften.“

Selbiges gilt auch für die Celibidache-Einspielung der Fünften, verlangt sie doch aufgrund ihrer Außergewöhnlichkeit eine gewisse Öffnung, die man bereit sein muss zu geben. Das Hören dieser Aufnahme ist anders. Man kann sie nicht – wie viele Tschaikowsky-Einspielungen – nebenbei hören, man muss Hörgewohnheiten ablegen, man muss sie verkraften. Das gelingt vielleicht nicht immer, wenn aber doch, dann ist sie in Punkto Tschaikowsky ein echter „Ear-opener“.

:hello Agravain
teleton (01.04.2011, 11:17):
Hallo Agravain,

was Du zu deinen Eindrücken der Celi-Aufnahme der 5ten schreibst liest sich wirklich interessant. Aber ist das noch Tschaikowsky, wenn Du beim 2.Satz schon an Mahler denkst ?

Allerdings will ich Tschaikowsky´s Sinfonie Nr.5 auch so hören, wie er sie geschrieben hat. Und da sind nunmal auch extreem laute hochemotoinale Passagen dabei - und die möchte ich auch genau so fetzig hören.


:beer Im März 2010 hatte ich hier über meine Favoriten-Aufnahme mit Georg Solti / Chicago SO (DECCA, 1967, ADD) berichtet.
Die Aufnahme hat alles was ungebändigte Kraft und Durchhörbarkeit auszeichnet. Besser und angemessener habe ich die Sinfonie Nr.5 nie wieder gehört. So stelle ich mit die Fünfte Tschaikowsky vor - perfekt !


:hello Mich würde Deine Meinung dazu interessieren, wenn Du diese Solti-Analog-Aufnahme der Sinfonie Nr.5 (siehe Abb im Beitrag 03/2010) kennst. Ich glaube Solti hat auch später noch eine Digital-Version dirigiert - die kenne ich aber nicht - die brauche ich aber auch nicht, weil so ein Mega-Ergebnis nicht wiederholbar ist !
Agravain (01.04.2011, 11:38):
Original von teleton
Hallo Agravain,

was Du zu deinen Eindrücken der Celi-Aufnahme der 5ten schreibst liest sich wirklich interessant. Aber ist das noch Tschaikowsky, wenn Du beim 2.Satz schon an Mahler denkst ?

Ja, das ist auch noch Tschaikowsky. Schließlich ist auch er einer Kind seiner Zeit und diese Zeit mündet eben unter anderm in Mahler, dessen Erste nur ein Jahr nach Tschaikowskys Fünfter uraufgeführt wird. Sicher haben die beiden einigermaßen unterschiedliche Hintergründe, aber als Künstler sind beide auf das Ende des 19. Jahrhunderts reagierende Seismographen. Wir bewegen uns in einer Phase der europäischen Geschichte, die von großen Veränderungen, Rissen, von der Verabschiedung alter Werte und Antworten geprägt wird. Mahler fällt da natürlich noch stärker hinein als Tschaikowsky. Spürbar ist das aber auch bei ihm (ähnlich wie ja auch beim vielgeschmähten Elgar). Es ist eben nicht nur sentimentales Geseier, was in seiner Musik passiert. So wird es allerdings gern verkauft, weil es dann so schön unkompliziert ins Ohr geht. Celibidache macht da etwas deutlich anders - darum gehört diese Einspielung auf die oberste Stufe meines Favoritentreppchens. Seine Interpretation der "Pathétique" mit den Münchner Philharmonikern fällt dagagen wieder etwas ab.

Original von teleton
Mich würde Deine Meinung dazu interessieren, wenn Du diese Solti-Analog-Aufnahme der Sinfonie Nr.5 (siehe Abb im Beitrag 03/2010) kennst.

Leider kenne ich die Einspielung nicht, darum kann ich auch nichts dazu sagen. Vielleicht finde ich sie irgendwann einmal günstig, dann stünde einer Anschaffung nichts im Wege. Ich bin mir aber zudem nicht sicher, ob ich sie tatsächlich hören möchte. Ich kenne ja Soltis Gangart durchaus und Du weißt, dass sie mir bisweilen nicht unbedingt liegt. Hier könnte es - wenn ich meine Idee vom Werk am inneren Auge vorbeiziehen lasse - so sein. Aber ich lasse mich ggf. natürlich gern vom Gegenteil überzeugen. :D
Soltis Einspielung der Vierten mit dem CSO beispielsweise finde ich ausgesprochen gut gelungen.

:hello Agravain
Rainer (17.05.2011, 06:51):
Original von teleton.....und die Swetlanow-Aufnahmen, die mich weiter geprägt haben.....

Hallo zusammen,

Evgeny Svetlanv habe ich Mitte der 90er in der Münchner Philharmonie (Gasteig) mit Tschaikovsky's 5.er erlebt (ich glaube, es waren die Petersburger Philharmoniker, wenn ich mich richtig erinnere).
Ich war so begeistert, dass ich mir gleich diese Doppel-CD (Melodya / BMG Classics) gekauft habe, die ich nur empfehlen kann (sofern noch zu bekommen). Ich höre sie immer wieder gerne:
Cantus Arcticus (18.05.2011, 10:39):
Hier kann ich ebenfalls - wie schon einige Posts vorher in diesem Thread - Mravinsky und die Leningrader empfehlen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61wCCuOlbTL._SS500_.jpg

Gruss
Stefan
Rainer (19.05.2011, 05:57):
Hallo Stefan,

danke für den Tipp.
Überhaupt kann ich die Serie "The Originals" der Deutschen Grammophon nur empfehlen (bei Preisen unter 10 EURO).
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe hervorragender Aufnahmen aus der Vinyl-Ära, die auf diese Weise auf CD übertragen und der Nachwelt erhalten wurden. Viele habe ich sogar doppelt (LP & CD).
Hier der Link zur DG:
http://www.deutschegrammophon.com/webseries/index.htms?ID=theoriginals
Cantus Arcticus (25.05.2011, 14:31):
Original von Rainer
Hallo Stefan,

danke für den Tipp.
Überhaupt kann ich die Serie "The Originals" der Deutschen Grammophon nur empfehlen (bei Preisen unter 10 EURO).
Es gibt inzwischen eine ganze Reihe hervorragender Aufnahmen aus der Vinyl-Ära, die auf diese Weise auf CD übertragen und der Nachwelt erhalten wurden. Viele habe ich sogar doppelt (LP & CD).
Hier der Link zur DG:
http://www.deutschegrammophon.com/webseries/index.htms?ID=theoriginals

Hallo Rainer
gern geschehen :)
ich habe in der Tat einige Aufnahmen aus der Vinyl-ära auf CD erstanden, nicht nur aus dieser hervorragenden Serie. Eines meiner Highlights darin ist die Vinyl-Ausgabe der RCA Living Stereo Reihe mit Van Cliburn und Fritz Reiner: Beethovens 5. Klavierkonzert. Auch auf Vinyl eine atemberaubende Klangqualität :down

Viele Grüsse
Stefan