Über solche Sätze ärgere ich mich

ab (16.03.2007, 11:48):
Liebe Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer,

in CD-Rezensionen werden oft persönliche Geschmacksurteile als Werturteile ausgegebenen, persönliche Assoziationen kundgetan, anstatt das zu beschreiben, was Hörbar ist, Werke beschrieben anstelle der Interpretation oder soziologische Behauptungen aufgestellt, statt Innermusikalisches zu nennen, usw. usf.

Oft können wir - zumindest mir geht es so - Zeilen lesen, die uns einfach ärgern, als ob wir für dumm verkauft werden sollten.

Solchen Zeilen soll dieser threat gewidmet sein.

Ich beginnen gleich mit etwas, was ich heute lesen musste:
In einer Rezension zu einer Brahms-Lied-Aufnahme des jungen Fischer-Dieskau schreibt Ekkehard Pluta:

Dass sich in den letzten Jahren viele Sänger – darunter Roman Trekel, Christoph Prégardien, Hans Peter Blochwitz und Konrad Jarnot – des Zyklus Die schöne Magelone angenommen haben, ist ohne die Vorreiterrolle Fischer-Dieskaus nicht denkbar.

So ein Unsinn: Woraus könnte denn Herr Pluta schließen, dass ohne DiFiDis Einsatz keine Renaissance eingesetzt hätte!?
Rachmaninov (16.03.2007, 16:05):
@ab,

über so ein Thread hatte ich auch schon einmal nachgedacht.

Damals hatte ich eine Besprechung beim Rondomagazin gelesen zur Liszt Aufnahme von Yundi Li in der stand

Was man schon daran hört, dass er in den langsamen Sätzen nicht mehr Gefühl vortäuscht, als er hat oder zeigen will.

Aha, beim Hören kann man also wissen was der Künstler tatsächlich fühlt. Also, da habe ich erheblichen Zweifel das ein anderer Mensch das ÜBERHAUPT bei einem anderen Menschen so genau verstehen kann. Erstrecht nicht wenn er seine Interpretation hört!
cellodil (17.03.2007, 00:34):
Lieber ab,

schönes Thema!



Original von Rachmaninov
Was man schon daran hört, dass er in den langsamen Sätzen nicht mehr Gefühl vortäuscht, als er hat oder zeigen will.


Lieber Rachmaninov,

mich würde interessieren, worauf sich dieses "was" bezieht. Ich vergrüble mich nämlich die ganze Zeit, worum es hier eigentlich geht, wie das alles gemeint sein könnte. Ist der Verfasser nun eher für oder gegen das Vortäuschen von Gefühlen?
?(

Abgesehen davon, dass dieser Satz für sich genommen ziemlich gaga ist. Was soll das denn heißen, dass jemand nicht mehr Gefühl vortäuscht als er zeigen will? Das ist doch kompletter Unsinn.

Jedenfalls: Ein gutes Beispiel für einen Ärger-Satz.

Leicht verwirrte, aber herzliche Grüße

Sabine
Gamaheh (17.03.2007, 01:00):
Lieber ab, Rachmaninov, Sabine,

wenn man Musikkritiken und dergleichen nach logischen Gesichtspunkten auseinandernehmen wollte, würden wohl die wenigsten standhalten, sie ernähren sich gewissermaßen von non sequiturs.

Ich ärgere mich auch oft (sehr) über solche Sätze, andererseits weiß ich, daß es keinen Zweck hat, weil die Leute einerseits irgendwas sagen wollen, aber nur begrenzte Zeit und begrenzten Raum zur Verfügung haben, man also alles nur mit einigen Tüten Salz konsumieren darf, sie andererseits auch selten Rechenschaft ablegen müssen oder dürfen über das, was sie schreiben. Ich denke, daß hier viel davon abhängt, ob man grundsätzlich mit dem Schreiber übereinstimmt oder nicht.

Wenn ich dann anfange, mir darüber Gedanken zu machen, was ich manchmal schreibe und wie andere das verstehen könnten (obwohl es für mich ganz klar ist), dann stehen mir auch die Haare zu Berge.

Was das Vortäuschen betrifft, so würde ich grundsätzlich davon ausgehen, daß der Schreiber dagegen ist, weil "vortäuschen" für uns einfach ein negativ assoziiertes Wort ist. Dessenungeachtet erschließt sich auch mir aus diesem Satz kein Sinn, und ich würde auch keine Zeit dafür opfern, ihn zu verstehen.

Grüße,
Gamaheh
cellodil (17.03.2007, 09:00):
Original von Gamaheh
Was das Vortäuschen betrifft, so würde ich grundsätzlich davon ausgehen, daß der Schreiber dagegen ist, weil "vortäuschen" für uns einfach ein negativ assoziiertes Wort ist. Dessenungeachtet erschließt sich auch mir aus diesem Satz kein Sinn, und ich würde auch keine Zeit dafür opfern, ihn zu verstehen.


Liebe Gamaheh,

da hast Du recht. Das ist wohl eine Berufskrankheit bei mir...

Herzliche Grüße

Sabine
ab (18.03.2007, 11:24):
Original von Rachmaninov
Was man schon daran hört, dass er in den langsamen Sätzen nicht mehr Gefühl vortäuscht, als er hat oder zeigen will.

Aha, beim Hören kann man also wissen was der Künstler tatsächlich fühlt. Also, da habe ich erheblichen Zweifel das ein anderer Mensch das ÜBERHAUPT bei einem anderen Menschen so genau verstehen kann. Erstrecht nicht wenn er seine Interpretation hört!

Ganz abgesehen davon ist es doch in der Regel gar nicht so, dass Musiker in Musik ihre derzeitigen eigene Gefühlslage ausdrücken, so wie man sich gerade tatsächlich fühlt. Viel mehr stellt man (im besten Falle) Emotionen dar, so dass die Musik zB traurig klingt. Dies ist unabhängig davon hörbar, ob der Musiker auch selbst traurig ist.
Jimi (18.03.2007, 14:39):
Hallo miteinander,

das Buch DIE NEUEN SÄNGERSTIMMEN von Manuel Brug enthält ein Kapitel mit dem Titel :

Die Drei Tenöre – und wo ist der viert?
Jose Cura, Ramon Vargas, Marcello Alvarez, Salvatore Licitra, Neil Shicoff

Es geht also darum, wer als Nachfolger von Pavarotti, Domingo und Carreras in Frage kommt.

Die letzten beiden Sätze des Kapitels :

Jeder der hier erwähnten, möglichen Drei-Tenöre-Nachfolger hat zwar bereits einen Exklusivvertrag mit irgendeinem CD-Multi in der Tasche.
Aber was ihnen allen fehlt und was sie niemals mehr erlangen werden, ist Zeit, kluge Beratung, künstlerische Reife.

(die Hervorhebung ist von mir)

Da frag ich mich jetzt, hä woher weis der das, ist der Hellseher oder was ? ?(

Viele Grüße

Jimi
Jeremias (20.03.2007, 08:58):
Ich glaube, das würde ich sogar so unterschreiben! Ich halte von all diesen jungen Tenören nicht viel, sie kommen alle nicht an die Klasse der großen Alten heran, es gibt ja noch viel mehr.... Di Stefano, Jussi Bjoerling, Mario Del Monaco.... der einzige, dem ich das derzeit zutraue, das ist Rolando Villazon. Seine Veranlagung ist der Domingo's sehr ählich, ich denke, er wird es schaffen, das Erbe anzutreten
LazarusLong (20.03.2007, 09:00):
Der Klassikakzente Newsletter schreibt:

Quasthoff fürs Handy
Thomas Quasthoff verläßt das Klassikgenre und singt auf "The Jazz Album" Melodien, die sich auch als Klingelton wunderbar hören lassen

Das ist doch mal eine Aussage, die eindeutige Rückschlüsse auf das Niveau der Produkton zulassen. Herr Quasthoff steht nun auf einer Ebene mit Crazy Frog und anderen Klingeltonverbrechern und ist bestimmt sehr stolz über diesen Karrieresprung.
Oder sollten wir eher auf das Niveau der Rezensenten rückschliessen, die eine Produktion für gelungen halten, wenn man Klingeltöne daraus erstellen kann. Bravo Klassikakzene, weiter so, immer in der Tradition der deutschen Dichter Denker und Musiker, Schiller Goethe Heino. Wir sind beeindruckt.

Frank
sound67 (20.03.2007, 10:30):
Ich möchte zu diesem Thread nur eines Beitragen:
Erst mal selber besser machen! :D
ab (20.03.2007, 11:40):
Original von sound67
Ich möchte zu diesem Thread nur eines Beitragen:
Erst mal selber besser machen! :D

Über welche Sätze hier im Forum ärgerst Du Dich denn? - Schließlich wollen wir dies gerne hier diskutieren!
Jimi (20.03.2007, 21:48):
Original von Jeremias
Ich glaube, das würde ich sogar so unterschreiben! Ich halte von all diesen jungen Tenören nicht viel, sie kommen alle nicht an die Klasse der großen Alten heran, es gibt ja noch viel mehr.... Di Stefano, Jussi Bjoerling, Mario Del Monaco.... der einzige, dem ich das derzeit zutraue, das ist Rolando Villazon. Seine Veranlagung ist der Domingo's sehr ählich, ich denke, er wird es schaffen, das Erbe anzutreten

Hallo Jeremias,

das kann man so meiner Meinung nach nicht über einen Kamm scheren. Da schaut es doch in den verschieden Stimmfächern, z.B. lyrischer Tenor, dramatischer Tenor oder auch bei unterschiedlichen Komponisten(Verdi-Tenor, Wagner-Tenor, Rossini-Tenor) wirklich nicht gleich (schlecht) aus. :W
Dieses Thema können wir gerne in einem eigene Thread diskutieren.

Mir geht es hier gar nicht darum, ob einer der von Manuel Brug genannten Sängern(oder ein anderer) besser oder schlechter als einer der „großen Alten“ ist, oder als Nachfolger von Pavarotti & Co in Frage kommt.
Ich ärgere mich über seine Unterstellung dass sie u.a. niemals mehr künstlerische Reife erlangen werden. Woher will er den wissen wie sich diese Künstler weiterentwickeln?
Das ist eine reine Mutmaßung die er in keiner Weise belegen kann.

Überhaupt find ich es sehr gewagt ausgerechnet Neil Shicoff künstlerische Reife abzusprechen.

Guckst du hier:

http://www.youtube.com/watch?v=kXyreJYCzTQ


Viele Grüße von

Jimi
LazarusLong (21.03.2007, 06:58):
Original von Jimi

Guckst du hier:

http://www.youtube.com/watch?v=kXyreJYCzTQ


Viele Grüße von

Jimi

@Jimi

Wunderschön, danke für den link

Aus welcher Oper war das? Ich habe es leider nicht erkannt

Frank
Jimi (21.03.2007, 18:19):
Hallo Frank,

freut mich das dir der Clip gefällt.
Es handelt sich dabei um die Arie Rachel, quand du Seigneur aus derOper LA JUIVE(1835 uraufgeführt) von Jasques Halevy.

Der Ausschnitt ist von dieser DVD, aufgenommen 2003 in der Wiener Staatsoper :




http://ec1.images-amazon.com/images/P/B0002UNQGS.03._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

Info's wie z.B. Asin- Nr bekommst du wenn du auf das Bild klickst.

Wenn du noch mehr über die Oper wissen willst wie z.B. alternative Cd Aufnahmen, kann ich gerne in einem anderen Thread etwas schreiben.

Viele Grüße von

Jimi
LazarusLong (22.03.2007, 06:48):
Original von Jimi


Wenn du noch mehr über die Oper wissen willst wie z.B. alternative Cd Aufnahmen, kann ich gerne in einem anderen Thread etwas schreiben.

Viele Grüße von

Jimi

Jederzeit gerne, nicht nur über diese Oper im speziellen, sondern auch ganz allgemein Empfehlungen oder auch Warnungen über Opern und Aufführungen die Du kennst. La Juive (ich habe die DVD gerade bestellt) ist allerdings erst mein 2ter Versuch nach Carmen mit französischsprachiger Oper. Ich ziehe eigentlich die deutschen und italienischne vor, da ich hier wenigstens einigermaßen die Sprache verstehe. (Untertitel stören mich da eher.)

Gruß und Danke

Frank
ab (26.05.2007, 12:23):
Hier findet sich eine Rezension zu einer Einspielung der Beethovenschen Sinfonie Nr. 3 & 8 von Paavo Järvi (RCA Red Seal). Diese wird geradezu vernichtend kritisiert und zwar in Bezug auf Äußerungen Hans von Bülows und Paul Bekkers, deren Gehalt einfach stillschweigend als tatsächlich authentisch aufführungsanleitend vorausgesetzt wird. Beethoven, so wird einfach dogmatisch (verstärkt durch die Auflistung von angeblichen Autoritäten statt durch Gründe) behauptet, dürfe nicht "schlank Interpretiert", müsse aber mit "Spannung" und "Feuer" gespielt werden: eine "spannungsreiche Klangreise". Außerdem müsse die 8. mit mit "Fröhlichkeit und Humor" zum Erklingen gebracht werden.

Was wir in dieser Kritik erfahren, ist bloß, dass die Rezensentin Midou Grossmann meint, die angeführten Eigenschaften fehlten.

Was aber fehlt, ist, was aber diese anderen Charakteristika nun sind, die Järvi statt dessen zum Ausdruck bringt.

Aus Grossmanns Ausführungen kann man (deren Richtigkeit vorausgesetzt) höchstens folgern, dass alle jene, die einen pathetischen, fülligen Beethoven schätzen, besser die Finger von dieser Aufnahmen lassen sollten. Es ist aber nicht zu erkennen, welche Eigenschaften man schätzen sollte, um sich diese Aufnahme anzuhören. Genau darüber zu berichten, wäre aber die Aufgabe einer guten Rezension!

Eigentlich erwarte ich von Rezensionen, dass darin berichtet wird, welche Eigenschaften vorhanden sind, nicht aber (bloß), welche fehlen - und eigentlich schon gar nicht, ob dies die Rezensentin persönlich gut oder schlecht findet: Der Geschmack von Rezensenten sollte in Rezensionen keine vorwiegende Rolle spielen...

Wie seht ihr das?

http://portraits.klassik.com/autoren/4743.jpg
Midou Grossmann
nikolaus (26.05.2007, 22:35):
Lieber ab,

ich bin dir sehr dankbar, daß du diese "Rezension" aufgreifst und zur Diskussion stellst.
Ich habe mich maßlos über diese "Rezension" geärgert und kann das leider nicht so gut in Worte fassen wie du.
Leider weiß ich über die musikalischen, geschichtlichen und zeitgenössischen Hintergründe nicht so gut Bescheid wie du (eigentlich überhaupt nicht), so daß ich in meiner Kritik an der Rezension gar nicht so tief gehen kann und ich mich nur auf das, was ich höre und dabei empfinde, stützen kann.
Das schlimme ist: ich kann das, was Frau Grossmann schreibt, in keiner Weise nachvollziehen, im Gegenteil.

Beethoven, so wird einfach dogmatisch (verstärkt durch die Auflistung von angeblichen Autoritäten statt durch Gründe) behauptet, dürfe nicht "schlank Interpretiert", müsse aber mit "Spannung" und "Feuer" gespielt werden: eine "spannungsreiche Klangreise". Außerdem müsse die 8. mit mit "Fröhlichkeit und Humor" zum Erklingen gebracht werden.

Genau das ist in meinen Ohren der Fall: hier wird zwar schlank, aber spannungsreich und auch mit Fröhlichkeit und Humor musiziert.
Geschmack hin oder her, ich kann Frau Grossmanns Meinung nicht verstehen, sie liegt für mich fern jeglicher Realität (dabei halte ich mich für durchaus tolerant).

In der Hoffnung, mich trotzdem verständlich gemacht zu haben,

Nikolaus. :S
ab (29.05.2007, 11:24):
Original von nikolaus
Genau das ist in meinen Ohren der Fall: hier wird zwar schlank, aber spannungsreich und auch mit Fröhlichkeit und Humor musiziert.
Geschmack hin oder her, ich kann Frau Grossmanns Meinung nicht verstehen, sie liegt für mich fern jeglicher Realität .

Hallo Nikolaus,

dazu kann ich leider nichts sagen, weil ich die Aufnahme nie gehört habe. Mich hat allein geärgert, wie sie diese Aufnahme bewertet hat - schon ganz unabhängig davon, ob das auch zutrifft, was sie der Interpretation selbst hörbar zuschreibt. (Slche expressiven Qualitäten sind oft nicht so leicht zu erkennen. Irren können wir uns alle einmal... )

Aber um weiteren Kommentaren zuvorzukommen, die behaupten, dass dies eine rein subjektive Frage sein: Jedenfalls bin ich mir sicher, dass etweder sie oder aber Du Dich täuschen musst: Entweder lässt sich bei dieser Interpretaion Spannungsreichtum, Fröhlichkeit und Humor heraushören oder aber nicht. Das ist keine Frage des subjektiven Empfindens, sondern des real Hörbaren.

Jedenfalls ist Dein Zugang nachdrücklich zu unterschstreiche, dieser sollte uns alle beim Hören anleiten: "Habe Mut, Dich Deines eigenen Gehörs zu bedienen!"
nikolaus (25.07.2007, 10:09):
Original von ab
Hier findet sich eine Rezension zu einer Einspielung der Beethovenschen Sinfonie Nr. 3 & 8 von Paavo Järvi (RCA Red Seal). Diese wird geradezu vernichtend kritisiert und zwar in Bezug auf Äußerungen Hans von Bülows und Paul Bekkers, deren Gehalt einfach stillschweigend als tatsächlich authentisch aufführungsanleitend vorausgesetzt wird. Beethoven, so wird einfach dogmatisch (verstärkt durch die Auflistung von angeblichen Autoritäten statt durch Gründe) behauptet, dürfe nicht "schlank Interpretiert", müsse aber mit "Spannung" und "Feuer" gespielt werden: eine "spannungsreiche Klangreise". Außerdem müsse die 8. mit mit "Fröhlichkeit und Humor" zum Erklingen gebracht werden.

Was wir in dieser Kritik erfahren, ist bloß, dass die Rezensentin Midou Grossmann meint, die angeführten Eigenschaften fehlten.

Was aber fehlt, ist, was aber diese anderen Charakteristika nun sind, die Järvi statt dessen zum Ausdruck bringt.

Aus Grossmanns Ausführungen kann man (deren Richtigkeit vorausgesetzt) höchstens folgern, dass alle jene, die einen pathetischen, fülligen Beethoven schätzen, besser die Finger von dieser Aufnahmen lassen sollten. Es ist aber nicht zu erkennen, welche Eigenschaften man schätzen sollte, um sich diese Aufnahme anzuhören. Genau darüber zu berichten, wäre aber die Aufgabe einer guten Rezension!

Eigentlich erwarte ich von Rezensionen, dass darin berichtet wird, welche Eigenschaften vorhanden sind, nicht aber (bloß), welche fehlen - und eigentlich schon gar nicht, ob dies die Rezensentin persönlich gut oder schlecht findet: Der Geschmack von Rezensenten sollte in Rezensionen keine vorwiegende Rolle spielen...

Wie seht ihr das?

http://portraits.klassik.com/autoren/4743.jpg
Midou Grossmann

Hier eine ganz andere Rezension zur gleichen Aufnahme.
ab (23.10.2007, 10:01):
Hier werden wieder einmal rein subjektive Geschmacksurteile, die auf persönlichen Vorlieben beruhen, zu objektiven Werturteilen erhoben (ganz gleichgültig, wie auch immer die Aufnahmen sein mögen).
ab (16.03.2007, 11:48):
Liebe Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer,

in CD-Rezensionen werden oft persönliche Geschmacksurteile als Werturteile ausgegebenen, persönliche Assoziationen kundgetan, anstatt das zu beschreiben, was Hörbar ist, Werke beschrieben anstelle der Interpretation oder soziologische Behauptungen aufgestellt, statt Innermusikalisches zu nennen, usw. usf.

Oft können wir - zumindest mir geht es so - Zeilen lesen, die uns einfach ärgern, als ob wir für dumm verkauft werden sollten.

Solchen Zeilen soll dieser threat gewidmet sein.

Ich beginnen gleich mit etwas, was ich heute lesen musste:
In einer Rezension zu einer Brahms-Lied-Aufnahme des jungen Fischer-Dieskau schreibt Ekkehard Pluta:

Dass sich in den letzten Jahren viele Sänger – darunter Roman Trekel, Christoph Prégardien, Hans Peter Blochwitz und Konrad Jarnot – des Zyklus Die schöne Magelone angenommen haben, ist ohne die Vorreiterrolle Fischer-Dieskaus nicht denkbar.

So ein Unsinn: Woraus könnte denn Herr Pluta schließen, dass ohne DiFiDis Einsatz keine Renaissance eingesetzt hätte!?
Rachmaninov (16.03.2007, 16:05):
@ab,

über so ein Thread hatte ich auch schon einmal nachgedacht.

Damals hatte ich eine Besprechung beim Rondomagazin gelesen zur Liszt Aufnahme von Yundi Li in der stand

Was man schon daran hört, dass er in den langsamen Sätzen nicht mehr Gefühl vortäuscht, als er hat oder zeigen will.

Aha, beim Hören kann man also wissen was der Künstler tatsächlich fühlt. Also, da habe ich erheblichen Zweifel das ein anderer Mensch das ÜBERHAUPT bei einem anderen Menschen so genau verstehen kann. Erstrecht nicht wenn er seine Interpretation hört!
cellodil (17.03.2007, 00:34):
Lieber ab,

schönes Thema!



Original von Rachmaninov
Was man schon daran hört, dass er in den langsamen Sätzen nicht mehr Gefühl vortäuscht, als er hat oder zeigen will.


Lieber Rachmaninov,

mich würde interessieren, worauf sich dieses "was" bezieht. Ich vergrüble mich nämlich die ganze Zeit, worum es hier eigentlich geht, wie das alles gemeint sein könnte. Ist der Verfasser nun eher für oder gegen das Vortäuschen von Gefühlen?
?(

Abgesehen davon, dass dieser Satz für sich genommen ziemlich gaga ist. Was soll das denn heißen, dass jemand nicht mehr Gefühl vortäuscht als er zeigen will? Das ist doch kompletter Unsinn.

Jedenfalls: Ein gutes Beispiel für einen Ärger-Satz.

Leicht verwirrte, aber herzliche Grüße

Sabine
Gamaheh (17.03.2007, 01:00):
Lieber ab, Rachmaninov, Sabine,

wenn man Musikkritiken und dergleichen nach logischen Gesichtspunkten auseinandernehmen wollte, würden wohl die wenigsten standhalten, sie ernähren sich gewissermaßen von non sequiturs.

Ich ärgere mich auch oft (sehr) über solche Sätze, andererseits weiß ich, daß es keinen Zweck hat, weil die Leute einerseits irgendwas sagen wollen, aber nur begrenzte Zeit und begrenzten Raum zur Verfügung haben, man also alles nur mit einigen Tüten Salz konsumieren darf, sie andererseits auch selten Rechenschaft ablegen müssen oder dürfen über das, was sie schreiben. Ich denke, daß hier viel davon abhängt, ob man grundsätzlich mit dem Schreiber übereinstimmt oder nicht.

Wenn ich dann anfange, mir darüber Gedanken zu machen, was ich manchmal schreibe und wie andere das verstehen könnten (obwohl es für mich ganz klar ist), dann stehen mir auch die Haare zu Berge.

Was das Vortäuschen betrifft, so würde ich grundsätzlich davon ausgehen, daß der Schreiber dagegen ist, weil "vortäuschen" für uns einfach ein negativ assoziiertes Wort ist. Dessenungeachtet erschließt sich auch mir aus diesem Satz kein Sinn, und ich würde auch keine Zeit dafür opfern, ihn zu verstehen.

Grüße,
Gamaheh
cellodil (17.03.2007, 09:00):
Original von Gamaheh
Was das Vortäuschen betrifft, so würde ich grundsätzlich davon ausgehen, daß der Schreiber dagegen ist, weil "vortäuschen" für uns einfach ein negativ assoziiertes Wort ist. Dessenungeachtet erschließt sich auch mir aus diesem Satz kein Sinn, und ich würde auch keine Zeit dafür opfern, ihn zu verstehen.


Liebe Gamaheh,

da hast Du recht. Das ist wohl eine Berufskrankheit bei mir...

Herzliche Grüße

Sabine
ab (18.03.2007, 11:24):
Original von Rachmaninov
Was man schon daran hört, dass er in den langsamen Sätzen nicht mehr Gefühl vortäuscht, als er hat oder zeigen will.

Aha, beim Hören kann man also wissen was der Künstler tatsächlich fühlt. Also, da habe ich erheblichen Zweifel das ein anderer Mensch das ÜBERHAUPT bei einem anderen Menschen so genau verstehen kann. Erstrecht nicht wenn er seine Interpretation hört!

Ganz abgesehen davon ist es doch in der Regel gar nicht so, dass Musiker in Musik ihre derzeitigen eigene Gefühlslage ausdrücken, so wie man sich gerade tatsächlich fühlt. Viel mehr stellt man (im besten Falle) Emotionen dar, so dass die Musik zB traurig klingt. Dies ist unabhängig davon hörbar, ob der Musiker auch selbst traurig ist.
Jimi (18.03.2007, 14:39):
Hallo miteinander,

das Buch DIE NEUEN SÄNGERSTIMMEN von Manuel Brug enthält ein Kapitel mit dem Titel :

Die Drei Tenöre – und wo ist der viert?
Jose Cura, Ramon Vargas, Marcello Alvarez, Salvatore Licitra, Neil Shicoff

Es geht also darum, wer als Nachfolger von Pavarotti, Domingo und Carreras in Frage kommt.

Die letzten beiden Sätze des Kapitels :

Jeder der hier erwähnten, möglichen Drei-Tenöre-Nachfolger hat zwar bereits einen Exklusivvertrag mit irgendeinem CD-Multi in der Tasche.
Aber was ihnen allen fehlt und was sie niemals mehr erlangen werden, ist Zeit, kluge Beratung, künstlerische Reife.

(die Hervorhebung ist von mir)

Da frag ich mich jetzt, hä woher weis der das, ist der Hellseher oder was ? ?(

Viele Grüße

Jimi
Jeremias (20.03.2007, 08:58):
Ich glaube, das würde ich sogar so unterschreiben! Ich halte von all diesen jungen Tenören nicht viel, sie kommen alle nicht an die Klasse der großen Alten heran, es gibt ja noch viel mehr.... Di Stefano, Jussi Bjoerling, Mario Del Monaco.... der einzige, dem ich das derzeit zutraue, das ist Rolando Villazon. Seine Veranlagung ist der Domingo's sehr ählich, ich denke, er wird es schaffen, das Erbe anzutreten
LazarusLong (20.03.2007, 09:00):
Der Klassikakzente Newsletter schreibt:

Quasthoff fürs Handy
Thomas Quasthoff verläßt das Klassikgenre und singt auf "The Jazz Album" Melodien, die sich auch als Klingelton wunderbar hören lassen

Das ist doch mal eine Aussage, die eindeutige Rückschlüsse auf das Niveau der Produkton zulassen. Herr Quasthoff steht nun auf einer Ebene mit Crazy Frog und anderen Klingeltonverbrechern und ist bestimmt sehr stolz über diesen Karrieresprung.
Oder sollten wir eher auf das Niveau der Rezensenten rückschliessen, die eine Produktion für gelungen halten, wenn man Klingeltöne daraus erstellen kann. Bravo Klassikakzene, weiter so, immer in der Tradition der deutschen Dichter Denker und Musiker, Schiller Goethe Heino. Wir sind beeindruckt.

Frank
sound67 (20.03.2007, 10:30):
Ich möchte zu diesem Thread nur eines Beitragen:
Erst mal selber besser machen! :D
ab (20.03.2007, 11:40):
Original von sound67
Ich möchte zu diesem Thread nur eines Beitragen:
Erst mal selber besser machen! :D

Über welche Sätze hier im Forum ärgerst Du Dich denn? - Schließlich wollen wir dies gerne hier diskutieren!
Jimi (20.03.2007, 21:48):
Original von Jeremias
Ich glaube, das würde ich sogar so unterschreiben! Ich halte von all diesen jungen Tenören nicht viel, sie kommen alle nicht an die Klasse der großen Alten heran, es gibt ja noch viel mehr.... Di Stefano, Jussi Bjoerling, Mario Del Monaco.... der einzige, dem ich das derzeit zutraue, das ist Rolando Villazon. Seine Veranlagung ist der Domingo's sehr ählich, ich denke, er wird es schaffen, das Erbe anzutreten

Hallo Jeremias,

das kann man so meiner Meinung nach nicht über einen Kamm scheren. Da schaut es doch in den verschieden Stimmfächern, z.B. lyrischer Tenor, dramatischer Tenor oder auch bei unterschiedlichen Komponisten(Verdi-Tenor, Wagner-Tenor, Rossini-Tenor) wirklich nicht gleich (schlecht) aus. :W
Dieses Thema können wir gerne in einem eigene Thread diskutieren.

Mir geht es hier gar nicht darum, ob einer der von Manuel Brug genannten Sängern(oder ein anderer) besser oder schlechter als einer der „großen Alten“ ist, oder als Nachfolger von Pavarotti & Co in Frage kommt.
Ich ärgere mich über seine Unterstellung dass sie u.a. niemals mehr künstlerische Reife erlangen werden. Woher will er den wissen wie sich diese Künstler weiterentwickeln?
Das ist eine reine Mutmaßung die er in keiner Weise belegen kann.

Überhaupt find ich es sehr gewagt ausgerechnet Neil Shicoff künstlerische Reife abzusprechen.

Guckst du hier:

http://www.youtube.com/watch?v=kXyreJYCzTQ


Viele Grüße von

Jimi
LazarusLong (21.03.2007, 06:58):
Original von Jimi

Guckst du hier:

http://www.youtube.com/watch?v=kXyreJYCzTQ


Viele Grüße von

Jimi

@Jimi

Wunderschön, danke für den link

Aus welcher Oper war das? Ich habe es leider nicht erkannt

Frank
Jimi (21.03.2007, 18:19):
Hallo Frank,

freut mich das dir der Clip gefällt.
Es handelt sich dabei um die Arie Rachel, quand du Seigneur aus derOper LA JUIVE(1835 uraufgeführt) von Jasques Halevy.

Der Ausschnitt ist von dieser DVD, aufgenommen 2003 in der Wiener Staatsoper :




http://ec1.images-amazon.com/images/P/B0002UNQGS.03._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

Info's wie z.B. Asin- Nr bekommst du wenn du auf das Bild klickst.

Wenn du noch mehr über die Oper wissen willst wie z.B. alternative Cd Aufnahmen, kann ich gerne in einem anderen Thread etwas schreiben.

Viele Grüße von

Jimi
LazarusLong (22.03.2007, 06:48):
Original von Jimi


Wenn du noch mehr über die Oper wissen willst wie z.B. alternative Cd Aufnahmen, kann ich gerne in einem anderen Thread etwas schreiben.

Viele Grüße von

Jimi

Jederzeit gerne, nicht nur über diese Oper im speziellen, sondern auch ganz allgemein Empfehlungen oder auch Warnungen über Opern und Aufführungen die Du kennst. La Juive (ich habe die DVD gerade bestellt) ist allerdings erst mein 2ter Versuch nach Carmen mit französischsprachiger Oper. Ich ziehe eigentlich die deutschen und italienischne vor, da ich hier wenigstens einigermaßen die Sprache verstehe. (Untertitel stören mich da eher.)

Gruß und Danke

Frank
ab (26.05.2007, 12:23):
Hier findet sich eine Rezension zu einer Einspielung der Beethovenschen Sinfonie Nr. 3 & 8 von Paavo Järvi (RCA Red Seal). Diese wird geradezu vernichtend kritisiert und zwar in Bezug auf Äußerungen Hans von Bülows und Paul Bekkers, deren Gehalt einfach stillschweigend als tatsächlich authentisch aufführungsanleitend vorausgesetzt wird. Beethoven, so wird einfach dogmatisch (verstärkt durch die Auflistung von angeblichen Autoritäten statt durch Gründe) behauptet, dürfe nicht "schlank Interpretiert", müsse aber mit "Spannung" und "Feuer" gespielt werden: eine "spannungsreiche Klangreise". Außerdem müsse die 8. mit mit "Fröhlichkeit und Humor" zum Erklingen gebracht werden.

Was wir in dieser Kritik erfahren, ist bloß, dass die Rezensentin Midou Grossmann meint, die angeführten Eigenschaften fehlten.

Was aber fehlt, ist, was aber diese anderen Charakteristika nun sind, die Järvi statt dessen zum Ausdruck bringt.

Aus Grossmanns Ausführungen kann man (deren Richtigkeit vorausgesetzt) höchstens folgern, dass alle jene, die einen pathetischen, fülligen Beethoven schätzen, besser die Finger von dieser Aufnahmen lassen sollten. Es ist aber nicht zu erkennen, welche Eigenschaften man schätzen sollte, um sich diese Aufnahme anzuhören. Genau darüber zu berichten, wäre aber die Aufgabe einer guten Rezension!

Eigentlich erwarte ich von Rezensionen, dass darin berichtet wird, welche Eigenschaften vorhanden sind, nicht aber (bloß), welche fehlen - und eigentlich schon gar nicht, ob dies die Rezensentin persönlich gut oder schlecht findet: Der Geschmack von Rezensenten sollte in Rezensionen keine vorwiegende Rolle spielen...

Wie seht ihr das?

http://portraits.klassik.com/autoren/4743.jpg
Midou Grossmann
nikolaus (26.05.2007, 22:35):
Lieber ab,

ich bin dir sehr dankbar, daß du diese "Rezension" aufgreifst und zur Diskussion stellst.
Ich habe mich maßlos über diese "Rezension" geärgert und kann das leider nicht so gut in Worte fassen wie du.
Leider weiß ich über die musikalischen, geschichtlichen und zeitgenössischen Hintergründe nicht so gut Bescheid wie du (eigentlich überhaupt nicht), so daß ich in meiner Kritik an der Rezension gar nicht so tief gehen kann und ich mich nur auf das, was ich höre und dabei empfinde, stützen kann.
Das schlimme ist: ich kann das, was Frau Grossmann schreibt, in keiner Weise nachvollziehen, im Gegenteil.

Beethoven, so wird einfach dogmatisch (verstärkt durch die Auflistung von angeblichen Autoritäten statt durch Gründe) behauptet, dürfe nicht "schlank Interpretiert", müsse aber mit "Spannung" und "Feuer" gespielt werden: eine "spannungsreiche Klangreise". Außerdem müsse die 8. mit mit "Fröhlichkeit und Humor" zum Erklingen gebracht werden.

Genau das ist in meinen Ohren der Fall: hier wird zwar schlank, aber spannungsreich und auch mit Fröhlichkeit und Humor musiziert.
Geschmack hin oder her, ich kann Frau Grossmanns Meinung nicht verstehen, sie liegt für mich fern jeglicher Realität (dabei halte ich mich für durchaus tolerant).

In der Hoffnung, mich trotzdem verständlich gemacht zu haben,

Nikolaus. :S
ab (29.05.2007, 11:24):
Original von nikolaus
Genau das ist in meinen Ohren der Fall: hier wird zwar schlank, aber spannungsreich und auch mit Fröhlichkeit und Humor musiziert.
Geschmack hin oder her, ich kann Frau Grossmanns Meinung nicht verstehen, sie liegt für mich fern jeglicher Realität .

Hallo Nikolaus,

dazu kann ich leider nichts sagen, weil ich die Aufnahme nie gehört habe. Mich hat allein geärgert, wie sie diese Aufnahme bewertet hat - schon ganz unabhängig davon, ob das auch zutrifft, was sie der Interpretation selbst hörbar zuschreibt. (Slche expressiven Qualitäten sind oft nicht so leicht zu erkennen. Irren können wir uns alle einmal... )

Aber um weiteren Kommentaren zuvorzukommen, die behaupten, dass dies eine rein subjektive Frage sein: Jedenfalls bin ich mir sicher, dass etweder sie oder aber Du Dich täuschen musst: Entweder lässt sich bei dieser Interpretaion Spannungsreichtum, Fröhlichkeit und Humor heraushören oder aber nicht. Das ist keine Frage des subjektiven Empfindens, sondern des real Hörbaren.

Jedenfalls ist Dein Zugang nachdrücklich zu unterschstreiche, dieser sollte uns alle beim Hören anleiten: "Habe Mut, Dich Deines eigenen Gehörs zu bedienen!"
nikolaus (25.07.2007, 10:09):
Original von ab
Hier findet sich eine Rezension zu einer Einspielung der Beethovenschen Sinfonie Nr. 3 & 8 von Paavo Järvi (RCA Red Seal). Diese wird geradezu vernichtend kritisiert und zwar in Bezug auf Äußerungen Hans von Bülows und Paul Bekkers, deren Gehalt einfach stillschweigend als tatsächlich authentisch aufführungsanleitend vorausgesetzt wird. Beethoven, so wird einfach dogmatisch (verstärkt durch die Auflistung von angeblichen Autoritäten statt durch Gründe) behauptet, dürfe nicht "schlank Interpretiert", müsse aber mit "Spannung" und "Feuer" gespielt werden: eine "spannungsreiche Klangreise". Außerdem müsse die 8. mit mit "Fröhlichkeit und Humor" zum Erklingen gebracht werden.

Was wir in dieser Kritik erfahren, ist bloß, dass die Rezensentin Midou Grossmann meint, die angeführten Eigenschaften fehlten.

Was aber fehlt, ist, was aber diese anderen Charakteristika nun sind, die Järvi statt dessen zum Ausdruck bringt.

Aus Grossmanns Ausführungen kann man (deren Richtigkeit vorausgesetzt) höchstens folgern, dass alle jene, die einen pathetischen, fülligen Beethoven schätzen, besser die Finger von dieser Aufnahmen lassen sollten. Es ist aber nicht zu erkennen, welche Eigenschaften man schätzen sollte, um sich diese Aufnahme anzuhören. Genau darüber zu berichten, wäre aber die Aufgabe einer guten Rezension!

Eigentlich erwarte ich von Rezensionen, dass darin berichtet wird, welche Eigenschaften vorhanden sind, nicht aber (bloß), welche fehlen - und eigentlich schon gar nicht, ob dies die Rezensentin persönlich gut oder schlecht findet: Der Geschmack von Rezensenten sollte in Rezensionen keine vorwiegende Rolle spielen...

Wie seht ihr das?

http://portraits.klassik.com/autoren/4743.jpg
Midou Grossmann

Hier eine ganz andere Rezension zur gleichen Aufnahme.
ab (23.10.2007, 10:01):
Hier werden wieder einmal rein subjektive Geschmacksurteile, die auf persönlichen Vorlieben beruhen, zu objektiven Werturteilen erhoben (ganz gleichgültig, wie auch immer die Aufnahmen sein mögen).
ab (25.02.2008, 15:55):
Hier ist wiedereinmal etwas zu Lesen, das deutlich zeigt, dass der Rezensent einfach nichts zu sagen hat, geschweige denn die Aufnahme beschreiben kann. Exemplarisch nichtssagende Sätze:

Wer die vorangegangenen CDs von Joshua Bell genossen hat, wird sich auch an dieser Veröffentlichung erfreuen. Die Violinkünste des US-Amerikaners kommen in beiden Werken Coriglianos bestens zur Geltung. Als Violinkonzert ist ‚The Red Violin‘ kein epochaler Geniestreich, aber doch eine Bereicherung des Repertoires und für den Solisten ein dankbares Werk.
:A
Solitaire (05.03.2008, 15:53):
Mich ärgert eigentlich nur ein Satz, aber der gründlich:

Aber dem Publikum hat's gefallen.

Besonders beliebt natürlich im Anschluß an vernichtende Verisse. In unserem Provinzblatt kiregt man diesen Satz tatsächlich noch dann und wann zu lesen.
Außerdem gibt es ein Wort, daß ich nie,nie,nie mehr hören will, gleichtgültig,von wem die Rede ist. Das Wort heißt "Traumpaar".
Tranquillo (05.03.2008, 22:00):
Original von Solitaire
Außerdem gibt es ein Wort, daß ich nie,nie,nie mehr hören will, gleichtgültig,von wem die Rede ist. Das Wort heißt "Traumpaar".

Das ist eine typische Marketing-Vokabel, völlig nichtssagend und in den allermeisten Fällen nur für einen kurzen Zeitraum verwendet, um den Umsatz anzukurbeln (siehe Netrebko/Villazon) - danach kommt dann gleich wieder das nächste "Traumpaar". Bei Dirigenten und Instrumentalisten glücklicherweise eher selten benutzt - Karajan/Mutter wurde nicht als solches bezeichnet :D

Viele Grüsse
Andreas
ab (05.03.2008, 22:47):
Original von Tranquillo
Bei Dirigenten und Instrumentalisten glücklicherweise eher selten benutzt - Karajan/Mutter wurde nicht als solches bezeichnet :D

Viele Grüsse
Andreas

Bei Mutter/Previn erst recht schon gar nicht mehr :ignore
Solitaire (06.03.2008, 07:07):
Eine Fernsehmoderatorum hat mal Netrebko/Garanca als Traumpaar bezeichnet als sie "Mira o Norma" gesungen haben ...
ab (06.03.2008, 10:03):
Heute hier gelesen:

xy führt diese Musik mit Virtuosität, Charme und Einfühlsamkeit vor und lässt so heutige Hörer ein Stückchen Musikkultur erleben, die auch vor der Erfindung der „Musikkonserve“ ermöglichte, berührende oder begeisternde Eindrücke musikalischen Erlebens zum späteren Nachvollzug aufzubewahren.

Völlig nichtssagend: Wozu hat man eigentlich Rezensenten?
:S
ab (16.03.2008, 23:36):
Über solche Rezensionen (Perlman mit Berg und Prokovieff) ärgere ich mich: Weder steht, dass es sich hier um keine Neuaufnahme, sondern bereits den dritten Schlauch für denselben Wein handelt, noch steht, ob es sich um einen Konzertmitschnitt oder eine Studioproduktion handelt und vor allem steht nicht, wie es um diese Aufnahmen desselben Solisten im Vergleich zur früheren Aufnahmen bei der DG bzw. EMI bestellt ist. Pfui!
:S
Amadé (17.03.2008, 00:04):
@ ab

Ja mein Lieber,

da erleben wir zum x-ten Male das Niveau der heutigen "Fachkritik". Viele, ziemlich viele, haben kein Hintergrundwissen bzgl. vorhandener Aufnahmen und es fehlt ihnen auch an musikalischen Kenntnissen, um anderen etwas glaubhaft vermitteln zu können! Schnell wird was hingeschmiert, die dumme Masse übernimmt das dann. Wo sind wir hingekommen?

Grüße Amadé
Solitaire (14.05.2008, 17:46):
Daß ich mich ärgere wäre zuviel gesagt, aber gewundert habe ich mich schon über Amazon:
"Künstler" Aida: Maria Chiara, Luciano Pavarotti, Ghena Dimitrova, Nicolai Ghiaurov
Ich weiß, nicht jeder mag jeden Sänger, aber muß man das Wort Künstler deshalb gleich in Anführungszeichen setzen? :D
Jimi (16.05.2008, 16:42):
Nur keine Panik! In den Kurzbeschreibungen machen die das bei Amazon sonst auch mit den " " nur schreiben sie meistens "Interpreten" statt "Künstler", aber auch "Musik" und "Werke" wird in den Beispielen durch die "" hervorgehoben. Ich glaube nicht das es speziell in deinem Beispiel abwertend gemeint ist.


Kurzbeschreibung
"Musik" Metropolitan Opera Orchestra and Chorus Conductor: James Levine "Interpreten" Violetta Valery - Teresa Stratas Flora Bervoix - Axelle Galle Annina - Oina Cei Alfredo Germont - Placido Domingo Giorgio Germont - Cornell Macneil Gastone -

Kurzbeschreibung
"Interpreters" Marie - Patrizia Ciofi Tonio - Juan Diego Florez La Marquise de Berkenfield - Francesca Franci Hortensius - Dario Benini Sulpice - Nicola Ulivieri Un Caporal -

Kurzbeschreibung
"Werke" Wolfgang Amadeus Mozart - Le Nozze di Figaro "Interpreten" Figaro - Ildebrando D'Arcangelo Susanna - Anna Netrebko Il Conte Di Almaviva - Bo Skovhus La Contessa - Dorothea Röschmann Cherubino - Christine Schäfer Marcellina - Marie McLaughlin Bartolo - Franz-Josef Selig Basilio



:hello Jimi
HenningKolf (16.05.2008, 17:04):
Ich habe bei amazon schon den Eintrag "Walter Legge" als (einzig angeführten) Künstler vorgefunden, Klemperer und die restliche Besetzung hatte man dafür verschwiegen....war bestimmt nicht bös gemeint

Gruß
Henning
ab (09.06.2008, 13:56):
in dieser Rezeinon zu Dukas' Klavierwerk steht folgender Satz:

Hier trifft Chauzu exakt den Nerv dieser eiskalt-überschäumenden Klangwelt
Solche subjektiven Einschätzungen nerven mich gewaltig. Wenn Dukas irgendwo geschrieben haben sollte, dass er seine Klaviermusik so interpretiert haben wollte oder Aufnahmen mit ihm vorhanden wären, wo dies nachzuvollziehen wären - dann natürlich. So aber ...

Außerdem zeugt die Behauptung:

Endlich liegt eine Gesamtaufnahme des Klavierwerkes von Paul Dukas vor.
schlicht von Unkenntnis des Plattenmarktes. Es macht höchsten klar, weshalb der Rezensent keine Vergleichseinspielungen nennt. Bei so wenig Konkurzenz, so denke ich, wäre dies jedenfalls angebracht - eine weiterer Grund, weshalb ich mich über solche Rezensionen ärgere.

http://magazin.klassik.com/records/covers/12754_400x400.jpg
cellodil (09.06.2008, 22:29):
Original von ab
in dieser Rezeinon zu Dukas' Klavierwerk steht folgender Satz:

Hier trifft Chauzu exakt den Nerv dieser eiskalt-überschäumenden Klangwelt
Solche subjektiven Einschätzungen nerven mich gewaltig. Wenn Dukas irgendwo geschrieben haben sollte, dass er seine Klaviermusik so interpretiert haben wollte oder Aufnahmen mit ihm vorhanden wären, wo dies nachzuvollziehen wären - dann natürlich. So aber ...


Ich habe nichts gegen Subjektivität in der Kritik, denn da halte ich es mit Döblin und dessen Kritiker-Maxime: "Ein Kerl muss eine Meinung haben". Allerdings sollte der Kerl dann schon auch klar machen, dass das seine persönliche Meinung ist (mir ist schon klar, dass das als "unfein" gilt, aber, wenn man ich meint, sollte man eben auch ich sagen) und sich nicht in solche scheinbar nicht-subjektiven Formulierungen versteigen. Die in dem Falle von "eiskalt-überschäumender Klangwelt" auch noch schlicht grauenhaft sind und die Vermutung nahelegen, dass hier ein verkrachter Lyriker am Werk gewesen sein könnte...

Naja...

Grüße

Sabine
ab (10.06.2008, 08:56):
Original von cellodil
Ich habe nichts gegen Subjektivität in der Kritik, denn da halte ich es mit Döblin und dessen Kritiker-Maxime: "Ein Kerl muss eine Meinung haben". Allerdings sollte der Kerl dann schon auch klar machen, dass das seine persönliche Meinung ist

:beer
Leif Erikson (10.06.2008, 15:39):
Hallo Cellodil und ab,

ich frage mich, was Euch an subjektiven Meinungen von Kritikern, die Ihr nicht teilt, überhaupt interessiert. Wahrscheinlich nichts.

Eine Kritik lese ich, um zu lernen und zu verstehen, was ich ohne fremde Hilfe nicht verstanden hätte.
Wenn mir nun die Intention und das Gefühl, was Dukas in dem fraglichen Werk augedrückt hat, noch nicht klargeworden wäre, könnte es doch sein, daß ich nach dem Lesen sage aha, ja, er könnte recht haben und wäre dann auch der Meinung, daß in dem Stück eiskalte Wut überschäumt. Oder aber ich dächte, daß es irgendein anderes Gefühl ist. Dann hätte mir die Kritik nichts genützt.

Mit anderen Worten, ich würde nie Kritiken lesen, wenn ich nicht hoffen würde etwas Neues und Wahres daraus zu entnehmen.

Das kann ich von einer subjektiven Meinung als solcher nicht, wenn sie nicht auch noch zufällig stimmt. Dies müßte ich aber an irgendetwas erkennen können. Und dann würde ich nicht mehr sagen, daß es eine subjektive Meinung ist.

Eine Meinung kundzutun, nur um ein "Kerl" zu sein fiele mir nicht im Traum ein.

Außerdem steht ja irgendwo oben, daß die Qualifikation der Fachkritiker nicht so besonders sei. Ok, ich lerne auch lieber vom Bäcker als von den Brötchen.

Wenn ich eine Kritik oder einen Forumsbeitrag lese, hängt mein Gesamturteil aber noch von etwas anderem ab, nämlich ob ich den Eindruck gewinne, daß der Schreiber sich um seinen Gegenstand bemüht und ggf. glaubt etwas Neues oder Wahres gefunden zu haben. Dann hat er erstmal mein Interesse und einen gewissen Kredit. Er sollte sich wo möglich in einer überprüfbaren Form äußern. Dann kann jeder selbst schauen, ob etwas dran ist. Wenn er gutgläubig irrt, ärgere ich mich nicht.
Wenn es sich um gefühlsmäßige Dinge bei absoluter Musik handelt, kann dies natürlich darauf hinauslaufen, daß man nur wahr findet, was man selbst so fühlt. Dann lohnt es sich nicht mit Leuten anderer Meinung darüber zu diskutieren. Es sei denn es läge ein plausibler psychologischer Grund vor, der erlaubt die unterschiedlichen Empfindungen zu erklären. Z.B. wäre es möglich, daß Hysteriker lieber Chopin Capricen hören und Depressive lieber Grieg oder Brahms. Das wäre dann auch kommunizierbar.

Und was ich garnicht verstehe und überhaupt nicht leiden kann, ist daß nicht versucht wird, wo dies möglich ist Qualitätsunterschiede von subjektiven Kriterien zu unterscheiden: Bach ist besser als Telemann.
Wen es interessiert warum: ich finde auch mir unbekannte Stücke von Telemann in der Regel so vorhersagbar, daß ich mich dabei langweile. Er hat Popmusik des Barock geschrieben und damit viel mehr Erfolg gehabt als Bach.
Stücke von Bach dagegen sind auch beim 10. Mal neuartig, überraschend und so voller Information, daß ich sie immer wieder hören will u.a. um immer mehr davon zu verstehen.
ab (10.06.2008, 17:03):
Original von Leif Erikson
Hallo Cellodil und ab,

ich frage mich, was Euch an subjektiven Meinungen von Kritikern, die Ihr nicht teilt, überhaupt interessiert. Wahrscheinlich nichts.

Eine Kritik lese ich, um zu lernen und zu verstehen, was ich ohne fremde Hilfe nicht verstanden hätte.
Wenn mir nun die Intention und das Gefühl, was Dukas in dem fraglichen Werk augedrückt hat, noch nicht klargeworden wäre, könnte es doch sein, daß ich nach dem Lesen sage aha, ja, er könnte recht haben und wäre dann auch der Meinung, daß in dem Stück eiskalte Wut überschäumt. Oder aber ich dächte, daß es irgendein anderes Gefühl ist. Dann hätte mir die Kritik nichts genützt.

Mit anderen Worten, ich würde nie Kritiken lesen, wenn ich nicht hoffen würde etwas Neues und Wahres daraus zu entnehmen.

Hallo Leif,

ich bin der Ansicht (wie an vielen Orten dieses Forums in anderen Zusammenhängen nachzulesen) , dass in einem Werk keine Gefühle ausgedrückt sind - oder genauer gesagt, welche expressive Qualitäten (Gefühle) heraushörbar sind, hängt davon aus, wie die Musiker, die das Werk aufführen, die Musik (das, was hörbar ist) zum Erklingen bringen. Das Hörbare hat - so meine Überzeugung - Ausdruck; nicht aber das Werk (das wir auch lesen könnten, ohne es zu hören) - und zwar ganz gleichgültig, was auch immer der Komponist, die Musiker oder die Hörerinnen dabei empfinden mögen.

Wenn nun der Rezensent behauptet, dass es sich um ein Stück handelt, in dem eiskalte Wut überschäumt, dann impliziert dies, dass alle Interpretationen dieses Werks, in denen keine überschäumende eiskalte Wut zu hören ist, verfehlte interpretationen seien. Und genau dass ist es, was mich daran ärgert, weil ich diese Ansicht für falsch halte: Das Werk ist nun mal nicht bestimmt als eine Musik, in der eiskalte Wut überschäumt. Das kann eine Interpretin derart aufführen - oder aber auch ganz anders. Das liegt im Ermessen jedes einzelnen Musikers.

Ich hätte mich nicht geärgert, wenn der Rezensent geschrieben hätte, dass diese Interpretation die Musik derart auf den Punkt bringt, dass eiskalte Wut überschäumt. Das wäre dann eine solche Beschreibung gewesen, wie Du sie - genauso wie ich - gerne lesen möchtest: etwas sozusagen Objektives.

Ich hätte mich auch nicht geärgert (so wie auch unser Cellodil), wenn er geschrieben hätte, dass er persönlich diese Musik gerne mit eiskalter Wut überschäumender Wut hört. Das sagt etwas über seinen Geschmack aus und ich kann besser verstehen, weshalb er die Aufnahme in bestimmter Weise lobt oder kritisiert.

Genau dies ist einer der Gründe, weshalb wir auch auch subjektiven Meinungen von Kritikern etwas lernen können (könnten).

Ein zweiter Grund liegt darin, dass wir - sobald wir den subjektiven Geschmack eines Rezensenten kennen - dann gewisse Schlüssen ziehen können, ob uns womöglich eine Aufnahmen gefallen würde - und zwar noch bevor wir sie angehört haben.

Jedenfalls gibt es noch einen dritten Grund, auf den Du bereits aufmerksam gemacht hast: Die Worte, dieses Musik gehöre in eiskalter überschäumender Wut interpretiert, kann uns zum Nachforschen bewegen, in uns zu gehen, ob nicht womöglich der 'Rezensnt recht hat und mit den genannten Aspekten uns etwas bei der Musik erschlossen wird, das wir noch nie bemerkt haben. Frei nach Goethes "Man sieht nur, was man weiß!" hört man auch oft nur etwas, was man weiß - und der Hinweis des Rezensenten kann unser Hörverhalten erweiteren, indem wir die Musik auf diesen Aspekt hin überprüfen.
Anders aber als Du es tust, scheint mir, habe ich auch einen Nutzen dann, wenn ich zum Urteil komme, dass der Rezensent sich irrt: Dann weiß ich zumindest, wie die Musik nicht klingt. Und auch das kann schon sehr viel sein (- Schließlich lauert ja stets die Gefahr, dass wir eine Musik nicht so hören, wie sie tatsächlich erklingt, sondern wir sie so hören, wie wir irrtümlich aufgrund unserer Vorurteile, Meinungen und Erinnerungnen meinen, dass sie klingen müsste - da täuschen wir uns selbst).


:hello
Leif Erikson (10.06.2008, 18:36):
Hallo ab,

ich bin überrascht, wie Du die Sache erklärst, vorher konnte ich nicht ahnen, daß Du meinst, die Affekte seien nicht schon in der Komposition vorhanden.
Mir fällt ein Beispiel ein, was dummerweise schon wieder mit Wut zu tun hat, Beethovens "Wut über den verlorenen Groschen".
Ich hätte gedacht, daß der Interpret in diesem Fall gezwungen wäre, der Wut Ausdruck zu geben und umgekehrt wenn er dieses Stück als Schlafliedchen spielt, die Interpretation eben nicht adäquat wäre.
Und wenn man im Notenlesen geübt ist, kann man dann nicht schon die Musik im Kopf - wütend - spielen hören ?
Davon abgesehen gibt es die Eigendirigate von Komponisten und Briefe oder ähnliches in welchen zu lesen steht, wie der Komponist ein Stück gemeint hat.

Könntest Du vielleicht ein besonders schlagendes Beispiel für ein Stück geben, bei dem es umstritten ist, mit welchem Gefühl man es in Verbindung bringen muß und wo verschiedene Interpretationen gleich plausibel sind ?
satie (10.06.2008, 18:57):
Original von Leif Erikson
Hallo ab,

ich bin überrascht, wie Du die Sache erklärst, vorher konnte ich nicht ahnen, daß Du meinst, die Affekte seien nicht schon in der Komposition vorhanden.
Mir fällt ein Beispiel ein, was dummerweise schon wieder mit Wut zu tun hat, Beethovens "Wut über den verlorenen Groschen".
Ich hätte gedacht, daß der Interpret in diesem Fall gezwungen wäre, der Wut Ausdruck zu geben und umgekehrt wenn er dieses Stück als Schlafliedchen spielt, die Interpretation eben nicht adäquat wäre.
Und wenn man im Notenlesen geübt ist, kann man dann nicht schon die Musik im Kopf - wütend - spielen hören ?
Davon abgesehen gibt es die Eigendirigate von Komponisten und Briefe oder ähnliches in welchen zu lesen steht, wie der Komponist ein Stück gemeint hat.

Könntest Du vielleicht ein besonders schlagendes Beispiel für ein Stück geben, bei dem es umstritten ist, mit welchem Gefühl man es in Verbindung bringen muß und wo verschiedene Interpretationen gleich plausibel sind ?

Lieber Leif,
der Titel "Wut über den verlorenen Groschen" stammt nicht von Beethoven. Dies ist bei ganz vielen Werken der Fall. Bi Beethoven heißt das Stück nur: "Alla ingharese quasi un capriccio", später dann nannte man das komplette Stück "Rondo acapriccio" mit Untertitel: "Die Wut über den verlorenen Groschen".
Im übrigen ist nicht einmal bekannt, ob Beethoven das Stück selber zu Ende gschrieben hatte oder ob es von Diabelli komplettiert wurde. Dies nur zur Klärung. Dieses Stück ist also daher kein so brauchbares Beispiel. Es gibt aber durchaus Stücke, wo solcherlei Emotionsangaben vorkommen und vom Komponisten stammen.

Herzlich,
S A T I E
ab (10.06.2008, 19:02):
Hallo Leif,

als Beispiel kannst Du jedes beliebige Werk heranziehen, das nicht mit einem Programm unterlegt ist, das keinen Text hat und auch mit keinem Titel aufwartet, sprich: s.g. Absolute Musik. (Die andere hatte ich außen vor gelassen, da sieht es ganz anders aus...)

(In der Tat habe ich noch keine Interpretation von Beethovens Stückchen gehört, in dem ich die Wut ausgedrückt gehört hätte. Hineinhören kann man sie wohl immer...)

Ja, wenn man im Notenlesen geübt ist, kann man dann schon die Musik im Kopf - wütend - spielen hören. Das heißt aber nicht mehr, als dass man sozusagen selbst sein eigener Interpret ist.

Ja, es gibt die Eigendirigate von Komponisten und Briefe oder ähnliches in welchen zu lesen steht, wie der Komponist ein Stück gemeint hat.
Das sind aber nichts mehr als Vorschläge, die durch nichts im Notentext selbst zwingend wären. Das sind Interpretationsvorschläge, so, wie womöglich es auch Aufführungstraditionen à la 70er Jahre sind. Wenn man die nicht ernst nimmt, dann lässt sich nichts im Notentext finden, an dem man festmachen könnten, dass es keine Interpretation des Werks wäre.

Das mit den Eingeninterpretationen ist überhaupt so eine heikle Sache: Oft sind Komponisten wirklich nicht die besten Interpreten ihrer eigenen Werke. Oft "authentifizieren" sie auch andere Interpretatione - nicht selten gegensäztliche. Es kommt zuweilen sogar zu Widersprüchen, etwa bei Debussys eigener Einspielunge von "La cathédrale engloutie", der Nr. 10 aus den Préludes Buch I, bei der er sich selbst nicht an den eigenen Notentext hält - und es somit zwei Aufführungstraditionen gibt: jene, die sich an der Aufnahme Deubssys orientiert und jene, die sich an den Notentext hält. Nicht zuletzt waren in den frühen Jahren der Aufnahmegeschichte die Zeit der Platten begrenzt und daher mussten die Komponisten bei einigen ihrer Aufnahmen viel schneller dirigieren als sie die Musik eigentlich gedacht hatte.
satie (10.06.2008, 19:13):
Vielleicht können wir diesen Thread wieder für das Ursprungsthema freigeben. Andere Dinge passen viel viel besser hier hin:

http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=551
(Über Musik reden?)

oder hier hin:

http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=307
(Wie wichtig ist die Interpretation für ein Werk?)
Leif Erikson (11.06.2008, 09:39):
Lieber ab,

wenn Sie wollen, können wir auf dem von Satie vorgeschlagenen thread http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=307
weiterdiskutieren. Ich habe dort schon einen neuen Beitrag gepostet.

Wenn Sie ein Interpret sein sollten, bitte fühlen Sie sich nicht bedrängt durch meine Auffassung, daß die Werktreue oberstes Gebot sein sollte.
Letzten Endes bin ich kein ausführender Musiker und kenne die Probleme bei der Interpretation nicht aus Erfahrung. Trotzdem bin ich sehr daran interessiert, worin die künstlerische Freiheit bei der Interpretation bestehen könnte.
ab (19.06.2008, 11:06):
Im aktuellen FonoForum 07/08 ist eine Neuaufnahme mit Beethoven-Sinfonien von Herreweghe rezensiert. Dort steht folgender Satz von Attila Csampai zu lesen:

Beethoven aber unterscheidet sich von Bach, Mozart und Haydn vor allem durch den inneren Vulkanismus seiner Musik, durch ihren glühenden Veränderungswillen, ihre dramatische Zielgerichtetheit und Utopie. Wenn man das vergisst oder in eine rein musikalische Beschaulichkeit zurücksinken lässt, dann verliert die Musik ihren philosophisch-ethischen Kern und wird pathetisch und zeremoniell.

Damit gibt zwar der Rezensent an, was sein Beurteilungsgrundsatz ist, an dem er die Interpretation niedermacht, aber dennoch ärgere ich mich immer über solche Sätze, denn ich möchte gerne wissen, aus welchem Topf er diese Weiseheit mit dem Löffel gefressen hat.

Da wird schlicht eine persönliche Meinung oder eine der interpretationsgeschichtlichen Strömungen zum Dogma hochstilisiert.
:S

(Inhaltich würde ich tu quoque argumentieren : Interpretationen wie gefordert sind gerade solche, die als "pathetisch und zeremoniell" zu bezeichnen wären!)
Sarastro (21.06.2008, 23:10):
Original von ab
Im aktuellen FonoForum 07/08 ist eine Neuaufnahme mit Beethoven-Sinfonien von Herreweghe rezensiert. Dort steht folgender Satz von Attila Csampai zu lesen:

Beethoven aber unterscheidet sich von Bach, Mozart und Haydn vor allem durch den inneren Vulkanismus seiner Musik, durch ihren glühenden Veränderungswillen, ihre dramatische Zielgerichtetheit und Utopie. Wenn man das vergisst oder in eine rein musikalische Beschaulichkeit zurücksinken lässt, dann verliert die Musik ihren philosophisch-ethischen Kern und wird pathetisch und zeremoniell.

Damit gibt zwar der Rezensent an, was sein Beurteilungsgrundsatz ist, an dem er die Interpretation niedermacht, aber dennoch ärgere ich mich immer über solche Sätze, denn ich möchte gerne wissen, aus welchem Topf er diese Weiseheit mit dem Löffel gefressen hat.

Da wird schlicht eine persönliche Meinung oder eine der interpretationsgeschichtlichen Strömungen zum Dogma hochstilisiert.
)

Solche Pauschalurteile ("innerer Vulkanismus" bei Beethoven) wie die von Herrn Csampai sind aber auch wirklich nervig, da schließe ich mich Deiner Meinung gerne an! Csampai ist mir nicht zuletzt als Mitautor eines Taschenbuchs über die Zauberflöte in etwas fragwürdiger Erinnerung ...

Herzliche Grüße,
Sarastro
ab (06.08.2008, 11:20):
Widerlich diese Rezension der Bartók-Steichquartette vom Belcea Quartet (EMI). Völlig nichtssagend wird hier ein Werturteil abgegeben, ohne dass genauer begründet würde, was denn eine vom Autor erwartete "übergeordnete konzeptuelle Vision" überhaupt sein sollte. (...und schon gar nicht von ihm in Betracht gezogen wird, dass das, was er zuvor (unterstellend) ausführt, eigentlich nichts anderes ist als ein solches Konzept. ?()
ab (08.09.2008, 11:28):
Hier eine Kritik eines Philip Glass-Werkes, das einzig darauf beruht, dass der Reznesent nicht verstanden hat, worum es in Minimal Music geht.
ab (28.11.2008, 10:49):
Wieder einmal Worte (von hier), die mich, wie man so sagt, zum Kochen bringen können:

Die Interpretation des Avison Ensembles zeichnet sich besonders durch elegante Phrasierungen, ein harmonisches miteinander Musizieren der verschiedenen Streichergruppen und nuancierte Stimmungswechsel aus.

Ich kann mir vorstellen, was es heißt eine Musik klinge elegant. Aber dann ist von Ausdrucksmomenten der Musik die Rede, von der Musikalität, in der sie dargebracht wird. Ich weiß aber nicht, was eine "elegante Phrasierung" sein soll, ja ich weiß nicht einmal, was das Gegenteil einer elegante Phrasierung sein könnte. Ich weiß, was kurze Phrasen sind, was lange Phrasierungen sind, ich weiß auch was gleichmäßige Phrasierung ist oder was es heißt, Phrasen an falschen Stellen beginnen oder enden zu lassen; aber elegant?
?(
(... womöglich meinte sie "prägnant"???)

Harmonisch sind Klänge, nämlich dann, wenn die Musik nicht "schräg" klingt, oder aber technischer gesprochen, wenn sie einem Regelkanon der Harmonielehre nicht zuwiderlaufen. Was ist aber "harmonisches miteinander Musizieren"? Das wäre doch so etwas, wenn die Musiker des Ensembles nicht ins Streiten geraten. (Erfreulich jedenfalls zu hören, dass sich die einzlenen Instrumentguppen dieses Ensembles nicht bekriegen - hoffenlicht tun es auch einzelne Mitglieder daraus nicht!) Was, aber bitte, hat eine Aussage über die Führungs- bzw. solzialen Kompetenzen eines Ensembles mit der Musik, die sie machen, zu tun? Auch wenn alle harmonisch miteinander musikzieren, heißt das doch noch lange nicht, dass man nicht dennoch völlig aneinander vorbeispielt.
?(
(Mir bleibt nichts, als selbst zu vermuten, es sei vielleicht ein ausgeglichenes Klangbild gemeint)

Unter nuancierten Stimmungswecheln kann ich mir indes sehr gut etwas vorstellen. Allerdings habe ich dann große Schwierigkeiten zu verstehen, wie das mit der Charakterisierung durch "elegant" zusammenzugbringen sein sollte. Wenn etwas höchst differenziert gestaltet wird, schließt das nicht geradezu aus, zugleich auch elegant sein zu können?
?(
(Mir bleibt nichts, als wohlwollend zu vermuten, die Autorin hatte schlicht zuwenig Zeit, das Besondere dieser Interpretation zu entdecken oder aber zumindest für die Muse, es in treffliche Worte zu bringen, statt nur schön klingende Phrasen zu dreschen.)

:hello

By the way: man vergleiche einmal die überraschend übereinstimmende Terminologie zu diesem Beitrag (zweiter Absatz), wo ich die Beschreibung nachvollziehbar und trefflich finde.

Ist das Beeinflussung oder zufälliges Zusammentreffen?! - wer mag es wagen, das zu sagen... :W
Leif Erikson (28.11.2008, 13:38):
Ich kann mir vorstellen, was es heißt eine Musik klinge elegant. Aber dann ist von Ausdrucksmomenten der Musik die Rede, von der Musikalität, in der sie dargebracht wird. Ich weiß aber nicht, was eine "elegante Phrasierung" sein soll, ja ich weiß nicht einmal, was das Gegenteil einer elegante Phrasierung sein könnte. Ich weiß, was kurze Phrasen sind, was lange Phrasierungen sind, ich weiß auch was gleichmäßige Phrasierung ist oder was es heißt, Phrasen an falschen Stellen beginnen oder enden zu lassen; aber elegant?


Lieber ab,

haben wir nicht einmal einen kultivierten Diskurs über die Freiheit der Interpretation geführt, die Dir nicht frei genug sein konnte?
Und jetzt gibt es offenbar doch nur richtige und falsche Phrasierung?
Sollte aus dem freiheitsliebenden Saulus ab jetzt ein werktreuer Paulus geworden sein ?

seems I got you, Leif.
ab (28.11.2008, 17:57):
Original von Leif Erikson
Ich kann mir vorstellen, was es heißt eine Musik klinge elegant. Aber dann ist von Ausdrucksmomenten der Musik die Rede, von der Musikalität, in der sie dargebracht wird. Ich weiß aber nicht, was eine "elegante Phrasierung" sein soll, ja ich weiß nicht einmal, was das Gegenteil einer elegante Phrasierung sein könnte. Ich weiß, was kurze Phrasen sind, was lange Phrasierungen sind, ich weiß auch was gleichmäßige Phrasierung ist oder was es heißt, Phrasen an falschen Stellen beginnen oder enden zu lassen; aber elegant?


Lieber ab,

haben wir nicht einmal einen kultivierten Diskurs über die Freiheit der Interpretation geführt, die Dir nicht frei genug sein konnte?
Und jetzt gibt es offenbar doch nur richtige und falsche Phrasierung?
Sollte aus dem freiheitsliebenden Saulus ab jetzt ein werktreuer Paulus geworden sein ?

seems I got you, Leif.

ein gutes Gedächtnis hast Du!

Aber im damaligen Zusammenhang ging es mir um ästhetische Wirkung. Ich kann sehr wohl sagen, dass ein Phrasierung im Sinne einer Aufführungstradition oder einer historischen Epoche oder einer spezifischen Schule oder den Komponistenintentionen entsprechend schlicht falsch ist, und dennoch die ästhtische Wirkung großartig finden.
Ich kann wohl auch sagen, dass eine Phrasierung falsch oder trefflich in Hinblick auf ein spezifisches Aufführungskonzept ist.

Wenn man immer nur die Hinsichten klar macht, verstehe ich nicht, was Du da mir einen Strick gegen Interpretationsfreiheiten drehen willst. Ich will allerdings, dass das eine Konzept, das die Interpretin fährt, auch konsequent umgesetzt wird: Werktreue ist nicht gleich Interpretationstreue.
:hello
ab (11.12.2008, 10:40):
Hier eine Rezension einer DVD zu Bergs Violinkonzert mit Kremer/Davis, die deshalb ärgerlich ist, weil mit keinem Wort auf die Unterschiede zwischen dieser Konzertaufnahme einerseits und deren (wie ich finde) grandiosen Studioproduktion bei Philips andererseits eingeht.
ab (04.02.2009, 10:11):
Hier eine Rezension des Neujahrskonzerts 2009 der Wiener Philharmoniker unter Daniel Barenboim. Brav recherchiert (das Beiheft gelesen???) zeigt der Rezensent, dass er das Musikalische betreffend überhaupt keine Ahnung hat. Was soll das?

?(
satie (04.02.2009, 17:51):
Wahrlich, ein Meisterstück der Kritikerkunst! Das muss man erst mal können: mit Nullinformationen 75% der Kritik füllen, um dann im letzten Abschnitt noch verzweifelt etwas zur Musik zusammenzustottern...
Das ist ein klarer Fall für meine "Kritik der Kritik":

Weitere Eigenheiten des Barenboim-Programms neben den bekannten Hits sind etwa der Johann-Strauss-II-Walzer Märchen aus dem Orient (um auf Barenboims Einsatz zur Versöhnung im Nahen Osten hinzuweisen, angespielt wird auf sein West-Eastern Divan Orchestra).

Darauf wären wir ohne die Erklärung wirklich nicht gekommen, worauf der geniale Kritiker hier angespielt hat. Allein die Bezeichnung Johann-Strauss-II ist schon sehr seltsam...Stilbewertung: -10 auf einer Skala von 1-5

Die Rosen aus dem Süden dagegen waren offenbar ein Wunsch seiner Frau, der russischen Pianistin Elena Bashkirova. Im zweiten Teil gibt’s gelegentlich, abgestimmt auf Haydns Esterházy-Tätigkeit, Stücke mit ungarischem Einschlag. Nicht fehlen darf, versteht sich, eine Kurzansprache des Maestro, auf Englisch übrigens – er drückt die Hoffnung auf Frieden in der Welt aus.

Ja da leck mich doch am A..., obwohl...eigentlich gehts mir genau an dem völlig vorbei...

Und was liegt rein musikalisch vor, ohne DVD?

Na, dass der Kritiker keinen blassen Dunst hat, haben wir uns schon gedacht. So ganz ohne Film...

Die Interpretation Barenboims, der ja kaum unbedingt als Johann-Strauss-Spezialist gilt, neigt zur Schmissigkeit. Satt und durchaus mit Elan werden die diversen Piècen attackiert, der gutsitzende Effekt wird keineswegs gescheut.

Rhabarberrhabarberrhabarber....blblblblbl.... Was ist? Das sagt genau so viel aus, nur besser. Zumal man kein einziges Beispiel hat, worauf sich das beziehen soll.

Kräftig wird zugelangt, doch die Wiener Philharmoniker werfen natürlich auch, wo nötig, ihre „schmelzenden“ Qualitäten in die Waagschale.

Nicht Barenboim, nein, nein, die Wiener, die tragen den Schmelz bei. Entgegen Barenboims Wunsch? Nach dem Motto: gut, den Auftakt lassen wir ihn noch geben, dann machen wir, was wir wollen?

Kurzum, man hört durchaus beschwingtes Musizieren – eine persönliche Handschrift Barenboims allerdings kann ich nicht erkennen.

Wie auch? Dafür müsste man die ja auch erst einmal beurteilen können. Auf gut deutsch sagt das doch nur: eigentlich hätte ich gern das Tanzbein geschwungen, aber ich musste leider in der Zeit meinen Müll zusammenschreibseln, obwohl ich keine Ahnung habe. Na, dann nehmen wir einfach so weder gute noch schlechte 7 Punkte und gut ist.
So eine hohe Wertung kriegt die Kritik bei mir ganz sicher nicht...

Herzlich,
S A T I E
satie (04.02.2009, 18:04):
Und noch was! Schaut euch mal die Trackliste an:

CD 1

J. Strauß (Sohn):
• Eine Nacht in Venedig (Ouvertüre)
• Märchen aus dem Orient op. 444 (Walzer)
• Annen-Polka op. 117
• Schnellpost-Polka (Polka schnell)
• Rosen aus dem Süden op. 388
• Freikugeln op. 326 (Polka schnell)
• Ouvertüre (aus: Der Zigeunerbaron)
• Einzugs-Marsch (aus: Der Zigeunerbaron)
• Schatz-Walzer op. 418

J. Hellmesberger (Jun.):
• Valse espagnole

CD 2

J. Strauß (Vater):
• Zampa-Galopp op. 62

J. Strauß (Sohn):
• Alexandrinen-Polka op. 198 (Polka française)
• Unter Donner und Blitz op. 324 (Polka schnell)

Jsf. Strauß:
• Sphärenklänge op. 235 (Walzer)

J. Strauß (Vater):
• Éljen a Magyar! op. 332 (Polka schnell)

J. Haydn:
• Sinfonie Nr. 45 fis-Moll Hob. I:45 (Abschied; IV. Finale: Presto - Adagio)

J. Strauß (Sohn):
• So ängstlich sind wir nicht! op. 413 (Polka schnell)
• An der schönen blauen Donau op. 314 (Walzer)

J. Strauß (Vater):
• Radetzky-Marsch op. 228

Sehr Ihr so wie ich die vielen Stücke, die irgendwas mit Haydns Esterhazy-Tätigkeit zu tun haben sollen? Wie billig ist das denn, wenn man wegen einer lumpigen Polka gleich solcherlei Beweise seines Intellektes liefern muss. Oder meint er etwa den Radetzky-Marsch? Ist der überhaupt ungarisch? Oder vielleicht der Zigeunerbaron?
Eines scheint mir sicher: die "Freikugeln op. 326" hätte sich der Rezensent ruhig geben dürfen...
ab (04.02.2009, 23:44):
Original von Satie

Eines scheint mir sicher: die "Freikugeln op. 326" hätte sich der Rezensent ruhig geben dürfen...

:beer

(War das nicht op. 47/11 ???)
ab (11.02.2009, 11:12):
Original von ab
Hier eine Rezension des Neujahrskonzerts 2009 der Wiener Philharmoniker unter Daniel Barenboim. Brav recherchiert (das Beiheft gelesen???) zeigt der Rezensent, dass er das Musikalische betreffend überhaupt keine Ahnung hat. Was soll das?

?(

Das ist auch genauso belanglos. Pfui!
:S
Gamaheh (14.02.2009, 22:38):
Warum ärgert Ihr Euch über sowas? Da könnt Ihr ja nie aufhören, Euch zu ärgern, das Gros der Rezensionen ist doch nicht anders und war es wohl auch nie, wenn man Mörike als Hinweis nehmen darf.

Außerdem: sich ärgern beschleunigt den Alterungsprozeß, hat man mir gesagt; seit ich damit aufgehört habe (oder fast), ist mein Alter rückläufig - inzwischen bin ich bei 38!

Friedliche Grüße,
Gamaheh
ab (17.02.2009, 21:07):
Original von Gamaheh
Warum ärgert Ihr Euch über sowas?

Außerdem: sich ärgern beschleunigt den Alterungsprozeß, hat man mir gesagt; seit ich damit aufgehört habe (oder fast), ist mein Alter rückläufig - inzwischen bin ich bei 38!


gute Frage! Ich habe keine Antwort.

(Ich denke mir nur, sobald ich mich nicht mehr ärgern würde über solche Unangemessenheiten, dann steht es schlimm um mich...)

Ich habe nicht das Gefühl, meinen Alterungsprozess dadurch zu beschleunigen; vielleicht sogar im Gegenteil, das erfrischt mich...(?)

By the way, Ich hoffe, Du hast vor bereits vielen Jahren aufgehört, Dich zu ärgern....
:W


:hello
Gamaheh (17.02.2009, 22:27):
Original von ab
Original von Gamaheh
Warum ärgert Ihr Euch über sowas?

Außerdem: sich ärgern beschleunigt den Alterungsprozeß, hat man mir gesagt; seit ich damit aufgehört habe (oder fast), ist mein Alter rückläufig - inzwischen bin ich bei 38!


gute Frage! Ich habe keine Antwort.

(Ich denke mir nur, sobald ich mich nicht mehr ärgern würde über solche Unangemessenheiten, dann steht es schlimm um mich...)

Ich habe nicht das Gefühl, meinen Alterungsprozess dadurch zu beschleunigen; vielleicht sogar im Gegenteil, das erfrischt mich...(?)

Leider stimmt das alles nicht (reines Wunschdenken), und ärgere ich mich doch noch, und zwar häufig und teilweise unmäßig (siehe hier), und zwar so, daß es mich auch tatsächlich körperlich mitnimmt, und somit schreitet der Alterungsprozeß ungehindert fort ...

Allerdings ärgere ich mich selten noch über Kritiken, denn sonst könnte ich mich ununterbrochen ärgern wie auch über vieles andere, was ich lese. Tatsache ist wohl, daß diese Leute fast immer unter Zeitdruck und fast im Akkord schreiben (insbesondere die Tagesjournalisten) und wenig Achtsamkeit walten lassen (das gilt auch für vieles andere, u.a. auch für einen Großteil der wissenschaftlichen Literatur). Es scheint mir alles ein Symptom zu sein für die abnehmende Achtung vor dem Wort (und nicht zuletzt vor dem Leser, der das alles hinnimmt und vielfach wohl auch gar nicht bemerkt).

By the way, Ich hoffe, Du hast vor bereits vielen Jahren aufgehört, Dich zu ärgern....

Wie meinst Du das? (In meiner augenblicklichen Stimmung könnte ich das so konstruieren, daß Du hoffst, daß ich in Wirklichkeit 98 bin und bald nicht mehr unter Euch weile ...)

Melancholische Grüße,
Gamaheh
ab (17.02.2009, 22:51):
Original von Gamaheh
Wie meinst Du das? (In meiner augenblicklichen Stimmung könnte ich das so konstruieren, daß Du hoffst, daß ich in Wirklichkeit 98 bin und bald nicht mehr unter Euch weile ...)

Melancholische Grüße,
Gamaheh

Nein genau umgekehrt war das gedacht: ein langes (und durch die Friedlichkeitsmethode auch noch deutlich verlängertes) Leben mit viel Hörerfahrungen wäre mein Wunsch gewesen!
http://chat.hannover-community.de/pics/smile/blume.gif

Sonst hast Du leider recht, fürchte ich, wobei es mir - genau betrachtet - weniger um die Achtsamkeit für das Wort als viel mehr um die Achtung dessen, was das damit bezeichnet wird, gelegen wäre....
Gamaheh (17.02.2009, 23:10):
Original von ab
Original von Gamaheh
Wie meinst Du das? (In meiner augenblicklichen Stimmung könnte ich das so konstruieren, daß Du hoffst, daß ich in Wirklichkeit 98 bin und bald nicht mehr unter Euch weile ...)

Melancholische Grüße,
Gamaheh

Nein genau umgekehrt war das gedacht: ein langes (und durch die Friedlichkeitsmethode auch noch deutlich verlängertes) Leben mit viel Hörerfahrungen wäre mein Wunsch gewesen!
http://chat.hannover-community.de/pics/smile/blume.gif

Oh, da bin ich aber beruhigt - danke!

Sonst hast Du leider recht, fürchte ich, wobei es mir - genau betrachtet - weniger um die Achtsamkeit für das Wort als viel mehr um die Achtung dessen, was das damit bezeichnet wird, gelegen wäre....

Natürlich, ich hätte sagen sollen "des Wortes und damit des Denkens", war nur etwas verwirrt ... Das eine ist nur der materielle Ausdruck des anderen, das ist das Beunruhigende.

Grüße,
Gamaheh
Jürgen (20.10.2009, 13:13):
Heute habe ich mich über die abschließenden Absätze eines Artikels geärgert, den ich in Spiegel-Online gelesen habe.

Es geht um universitäre Festakte, bei denen nach langen und langweiligen Vorträgen ein musikalischer Abschluss geboten wird. Z.B. ein leckeres Streichquartett von Haydn o.ä.

Der Autor weiss natürlich genau, warum das fast niemanden interessiert, und schreibt das auch. Es ist nämlich Kammermusik zum falschen Zeitpunkt, am falschen Ort und vor dem falschen Publikum.

Dennoch unterlässt er es nicht, auf Stammtischniveau nachzutreten:


Pinguin-Alarm, die Cellofreunde Ostbevern fiedeln auf: Schickt die Streicher in Rente!

....

Es geht aber auch anders, zeitgemäßer. Warum nicht mal was Witziges, Modernes, Unterhaltsames als musikalisches Intermezzo? Eine Jazz-Kombo, Dixieland-Band, Blues-Truppe, HipHop-Gang. Selbst mancher Gospelgesang ist erquickender als die Kammer-Klampf-Krampfmusik.


Grüße
Jürgen
Sarastro (20.10.2009, 21:05):
Ist halt ein Kulturbanause, der gute Mann ... Dabei sind die musikalischen Umrahmungen manchmal noch das beste an der Sache !


Grüße, Sarastro
Hosenrolle1 (06.03.2016, 18:56):
Gerade eine Kritik zum fliegenden Holländer gelesen, der von einem Homoki inszeniert wird.

Hier eine Passage daraus (fett von mir):

Ein gewichtiger Grund ist aber vor allem die viel gelobte Inszenierung von Homoki selbst. Er widersteht der Versuchung, im Wettstreit mit dem Film sturmgepeitschte Gespensterschiffe mit roten Segeln auf die Bühne zu hieven. Dem, der das sehen möchte, empfahl er schon zur Premiere 2013, lieber ins Kino zu gehen und sich Fluch der Karibik anzusehen. Ihm gehe es vielmehr darum, Wagners romantische Oper als Suche nach Lebenswahrheiten zu dechiffrieren.

Auch toll: "Wenn ihr Wagners fliegenden Holländer sehen wollt, geht nicht in den fliegenden Holländer, sondern geht ins Kino und schaut euch was anderes an".

Und der letzte Satz ist ja Unsinn pur, denn wieso soll ein Schiff, wie es Wagner in seiner Partitur vorschreibt, Homoki davon abhalten, die Oper als "Suche nach Lebenswahrheiten zu dechiffrieren"? Eben.




LG,
Hosenrolle1