Überhört!?

Rachmaninov (23.01.2007, 08:17):
Forianer,

in der letzten Zeit habe ich beim Musikhören einen deutlichen Schwerpunkt auf die Werke Schostakowitsch (Sinfonie #1 und #5, sowie op.34 sowie VK #1) und Werke von J.S.Bach (WTK I und GBV) gehört.

Vor ein paar Tagen laß ich dann einen Interview mit N. Demidenko in der aktuelle Piano News in dem ich eine Antwort Demidenko's nachdenklich machte bzw. mir etwas was mir bereits unterbewußt klar war verdeutlicht hat.

Ich habe mich an diesen Werken "überhört"....

Natürlich empfinde ich all diese Werke als großartige Kompositionen, aber ich höre derzeit gar nicht mehr richtig hin.
Das läuft einfach nebenbei und obwohl ich auf vieles achte, ich entdecke in den Werken nichts. Da hilft es auch nicht zwischen unterschiedlichen Aufnahmen zu wechseln.

So war es mir einfach eine Freude gestern nochmal Schuberts D959 in der Aufnahme mit Afanassiev zu hören.
Diese Aufnahme hatte ich lange nicht mehr gehört und es war fast als würde ich das Werk "neu" kennenlernen.
So viele Details sind mir aufgefallen. Eine Freude war das einfach!

Für mich habe ich nun beschlossen verstärkt vorerst Werke zu hören, die ich längere Zeit nicht gehört habe und lasse daher die Projekte (s.o.) etwas "ruhen" zu lassen.

Geht es euch manchmal auch so? Seid ihr auch schonmal "gesättigt" und habt euch "überhört"?

Richard
Jeremias (23.01.2007, 08:58):
Wir haben ja gestern darüber gesprochen, aber hier für die anderen nochmal: Ja, ich kenne dieses Gefühl es "überhört seins" ebenfalls. das führt bei mir dazu, dass ich dieses Werk oder den Komponisten über Wochen oder Monate nicht mehr anrühre. Irgendwann komme ich ganz automatisch darauf zurück, entweder durch ein Konzert oder eine Übertragung im Radio oder einfach, weil mir Melodien durch den Kopf gehen. Und dann gibt es immer wieder Neues zu entdecken!
Rachmaninov (23.01.2007, 09:02):
Original von Jeremias
Und dann gibt es immer wieder Neues zu entdecken!

@Jeremias,
genau das ist es! Gestern entdeckte ich so viel "Neues" in Schuberts D959. Diese genialen Momente waren einfach wunderbar nach so langer Zeit ....
ab (23.01.2007, 09:39):
Das hatte ich nur ein einziges Mal, nämlich als ich 1996 an drei Tagen hintereinander sämtliche Streichquartette Beethovens von sechs verschiedenen Ensembles im Konzert hören konnte: Quatuour Mosaique, Vogler Quartett, Leipziger Streichquartett, Carmina Quartett, Keller Quartett, Hagen Quartett. (Reihung bewusst gewählt!)

Danach konnte ich fünf Tage keinen Beethoven mehr hören, wiewohl es mir sozusagen unter den Fingern brannte, diese eindrücklichen Erlebnisse und die neuen Erfahrungen an Aufnahmen zu überprüfen oder zu vertiefen.
Rachmaninov (23.01.2007, 13:27):
Original von ab
Das hatte ich nur ein einziges Mal, nämlich als ich 1996 an drei Tagen hintereinander sämtliche Streichquartette Beethovens von sechs verschiedenen Ensembles im Konzert hören konnte: Quatuour Mosaique, Vogler Quartett, Leipziger Streichquartett, Carmina Quartett, Keller Quartett, Hagen Quartett. (Reihung bewusst gewählt!)


Was für eine wahnsinnige Leistung :down
Ganong (23.01.2007, 18:33):
Lieber ab ,

in der Kürze : lag dies nun an dem Mammutprogramm ? , den serh verschiedenen Ensembles ? oder an einem Teil zumindest der Werke ?.

Ich hkönnte mir bei Dir als ausgesprochenem Kenner der kammerm,usik sehr gut vorstellen , dass z.B. Kammermusiker wie Hagen , Artemis , Juilliard , Talich , Alban Berg und eines nach persönlicher Wahl solch ein Riesenprojekt spannender gemacht hätten .
Meine persönliche Erfahrung geht dahin , das ein Interpret ( oder mehrere ) einen Gesamtzykluzs , wie aktuell ja mehrere der Beethovensonaten für Klavier solo gibt möglichst geschlossen vorgetragen werden sollten .

Aber schon bei der Programmzusammenstellung dürften sich nicht nur erhebliche subjektive Unterschiede finden lassen .

Welche Quartette würdest Du , wenn Du die Mögloichkeit hättest , denn für solch ein Programm aussuchen ?

Wäre Artemins dabei ?

Viele Grüsse ,

Frank
ab (24.01.2007, 12:23):
Lieber Frank,

eine Antwort dazu hier.
cellodil (24.01.2007, 23:05):
@Rachmaninov

Ich hatte mich schon gewundert, dass dieser Effekt bei Dir nicht früher eingetreten ist...

Ich denke, das ist ein ganz normaler Effekt (den wir ja nicht nur in Sachen Musik beobachten können). Das menschliche Hirn (und vielleicht nicht nur das Hirn) verlangt nach Abwechslung, um Reize und Informationen verarbeiten zu können.

Wenn mich meine Asterix-Bildung nicht täuscht, dann heißt es doch auch: variatio delectat.

Grüße

Sabine
Rachmaninov (23.01.2007, 08:17):
Forianer,

in der letzten Zeit habe ich beim Musikhören einen deutlichen Schwerpunkt auf die Werke Schostakowitsch (Sinfonie #1 und #5, sowie op.34 sowie VK #1) und Werke von J.S.Bach (WTK I und GBV) gehört.

Vor ein paar Tagen laß ich dann einen Interview mit N. Demidenko in der aktuelle Piano News in dem ich eine Antwort Demidenko's nachdenklich machte bzw. mir etwas was mir bereits unterbewußt klar war verdeutlicht hat.

Ich habe mich an diesen Werken "überhört"....

Natürlich empfinde ich all diese Werke als großartige Kompositionen, aber ich höre derzeit gar nicht mehr richtig hin.
Das läuft einfach nebenbei und obwohl ich auf vieles achte, ich entdecke in den Werken nichts. Da hilft es auch nicht zwischen unterschiedlichen Aufnahmen zu wechseln.

So war es mir einfach eine Freude gestern nochmal Schuberts D959 in der Aufnahme mit Afanassiev zu hören.
Diese Aufnahme hatte ich lange nicht mehr gehört und es war fast als würde ich das Werk "neu" kennenlernen.
So viele Details sind mir aufgefallen. Eine Freude war das einfach!

Für mich habe ich nun beschlossen verstärkt vorerst Werke zu hören, die ich längere Zeit nicht gehört habe und lasse daher die Projekte (s.o.) etwas "ruhen" zu lassen.

Geht es euch manchmal auch so? Seid ihr auch schonmal "gesättigt" und habt euch "überhört"?

Richard
Jeremias (23.01.2007, 08:58):
Wir haben ja gestern darüber gesprochen, aber hier für die anderen nochmal: Ja, ich kenne dieses Gefühl es "überhört seins" ebenfalls. das führt bei mir dazu, dass ich dieses Werk oder den Komponisten über Wochen oder Monate nicht mehr anrühre. Irgendwann komme ich ganz automatisch darauf zurück, entweder durch ein Konzert oder eine Übertragung im Radio oder einfach, weil mir Melodien durch den Kopf gehen. Und dann gibt es immer wieder Neues zu entdecken!
Rachmaninov (23.01.2007, 09:02):
Original von Jeremias
Und dann gibt es immer wieder Neues zu entdecken!

@Jeremias,
genau das ist es! Gestern entdeckte ich so viel "Neues" in Schuberts D959. Diese genialen Momente waren einfach wunderbar nach so langer Zeit ....
ab (23.01.2007, 09:39):
Das hatte ich nur ein einziges Mal, nämlich als ich 1996 an drei Tagen hintereinander sämtliche Streichquartette Beethovens von sechs verschiedenen Ensembles im Konzert hören konnte: Quatuour Mosaique, Vogler Quartett, Leipziger Streichquartett, Carmina Quartett, Keller Quartett, Hagen Quartett. (Reihung bewusst gewählt!)

Danach konnte ich fünf Tage keinen Beethoven mehr hören, wiewohl es mir sozusagen unter den Fingern brannte, diese eindrücklichen Erlebnisse und die neuen Erfahrungen an Aufnahmen zu überprüfen oder zu vertiefen.
Rachmaninov (23.01.2007, 13:27):
Original von ab
Das hatte ich nur ein einziges Mal, nämlich als ich 1996 an drei Tagen hintereinander sämtliche Streichquartette Beethovens von sechs verschiedenen Ensembles im Konzert hören konnte: Quatuour Mosaique, Vogler Quartett, Leipziger Streichquartett, Carmina Quartett, Keller Quartett, Hagen Quartett. (Reihung bewusst gewählt!)


Was für eine wahnsinnige Leistung :down
Ganong (23.01.2007, 18:33):
Lieber ab ,

in der Kürze : lag dies nun an dem Mammutprogramm ? , den serh verschiedenen Ensembles ? oder an einem Teil zumindest der Werke ?.

Ich hkönnte mir bei Dir als ausgesprochenem Kenner der kammerm,usik sehr gut vorstellen , dass z.B. Kammermusiker wie Hagen , Artemis , Juilliard , Talich , Alban Berg und eines nach persönlicher Wahl solch ein Riesenprojekt spannender gemacht hätten .
Meine persönliche Erfahrung geht dahin , das ein Interpret ( oder mehrere ) einen Gesamtzykluzs , wie aktuell ja mehrere der Beethovensonaten für Klavier solo gibt möglichst geschlossen vorgetragen werden sollten .

Aber schon bei der Programmzusammenstellung dürften sich nicht nur erhebliche subjektive Unterschiede finden lassen .

Welche Quartette würdest Du , wenn Du die Mögloichkeit hättest , denn für solch ein Programm aussuchen ?

Wäre Artemins dabei ?

Viele Grüsse ,

Frank
ab (24.01.2007, 12:23):
Lieber Frank,

eine Antwort dazu hier.
cellodil (24.01.2007, 23:05):
@Rachmaninov

Ich hatte mich schon gewundert, dass dieser Effekt bei Dir nicht früher eingetreten ist...

Ich denke, das ist ein ganz normaler Effekt (den wir ja nicht nur in Sachen Musik beobachten können). Das menschliche Hirn (und vielleicht nicht nur das Hirn) verlangt nach Abwechslung, um Reize und Informationen verarbeiten zu können.

Wenn mich meine Asterix-Bildung nicht täuscht, dann heißt es doch auch: variatio delectat.

Grüße

Sabine