Umbesetzung in Bayreuth

Billy Budd (21.07.2012, 23:32):
Liebe Musikfreunde,
hier vier (gekürzte) Zitate aus dem Pieczonka-Thread:
Original von ar
Ich frage mich gerade, was die gnadenlos gute Pieczonka in BT nun ohne Sänger des Holländers macht (ich würde mein Hakenkreuz-Tatoo (ich habe keines, würde ich auch nie machen lassen, ich bin alles andere als braun) nicht überstechen, sondern weglasern, aber ja)...
Original von Hyacinth
Das ist wirklich ein starkes Stück vier Tage vor der Premiere. Obwohl man ja nicht sagen kann, wer eigentlich Schuld war, dass Nikitin abgereist ist..
Original von Zdenka Waldner
würde ich auch. aber dass er es überstochen hat, zeigt doch auch, dass er es nicht mehr will, was ja basolut positiv ist. vielleicht hat er sich einfach geschämt, zu einem spezialisten zu gehen und es sich weglasern zu lassen.
also irgendwie nicht in ordnung, dass sie das jetzt so aufbauschen. ich meine, er sieht ja ein dass das ein fehler war.

aber schon seltsame ironie, ausgerechnet bei einer wagneroper. es heißt duch immer, das war hitlers lieblingskomponist
Original von Hyacinth
Eben weil Wagner und Bayreuth diesbezüglich vorbelastet ist, ist er abgereist - oder wurde abgereist, so genau weiß man das ja nicht. Es ist, finde ich, für seine gesangliche Leistung ziemlich egal, was für Tattoos er mal hatte (!) und sich jetzt nicht einmal mehr damit brüstet. Die Zeitungen haben das als einziges Thema betont, nicht, wo oder was er gesungen hat, sondern seine Heavy-Metal-Vergangenheit und seinen Körperschmuck. Auch wenn ich nicht unbedingt Leute in Schutz nehme, die ein Hakenkreuz auf der Brust haben, er hats jetzt nicht mehr oben, wirkt nicht, als würde er es immer noch befürworten und hat sowieso seine "wilde" Vergangenheit zurückgelegt. Ich finds leicht indiskret von den Medien, darauf rumzureiten. Er singt jetzt schön und hat politisch korrektere Tattoos, also was solls? X(

Hier ist ein Link zu einem Artikel in der Tageszeitung "Kurier": Bayreuth: Evgeny Nikitin sagt Auftritt ab
Zwei Zitate daraus:
Wegen Tätowierungen mit nationalsozialistischen Symbolen hat der "Holländer"-Sänger seinen Auftritt bei den Bayreuther Festspielen abgesagt - und das nur wenige Tage vor der Eröffnungspremiere an diesem Mittwoch (25. Juli). "Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen", teilte der Russe am Samstag mit.
Nikitin schrieb: "Ich habe mir die Tattoos in meiner Jugend stechen lassen. Es war ein großer Fehler in meinem Leben und ich wünsche mir, dass ich es niemals getan hätte." Der Russe hatte in mehreren Interviews zuvor erklärt, früher in einer Metal-Band gespielt zu haben. Die ZDF-Filmaufnahmen stammen aus dieser Zeit und zeigen Nikitin mit freiem Oberkörper und kahlrasiertem Kopf am Schlagzeug.

Für mich bleiben folgende Fragen übrig:
Wieso wurde dieses Tattoo nicht früher entdeckt?
Wieso hörte man im Vorhinein fast ausschließlich von den Tattoos und nicht von den gesanglichen Qualitäten des Russen?
Wieso wird das in den Medien breitgetreten? (Sensationsgier)
Wäre Nikitin ein brauchbarer Holländer gewesen?
Wer wird der Ersatz? (ich tippe auf Dohmen, aber in kurzer Zeit werden wir es ohnehin erfahren)

Billy :hello
Hyacinth (21.07.2012, 23:47):
1. Wie der eine Bayreuther Pressemensch sagte: Sie engagieren Sänger und achten nicht auf Hautfarbe, Nationalität und Hautschmuck.

2.&3. Habe ich schon beantwortet, meine Meinung hat sich nicht geändert. Das ist indeskret, sensationsgeil und irrelevant für die gesangliche Leistung. Noch dazu ist Nikitin ja nicht hergegangen und hat gesagt "Schaut mal, was für wilde Tätowierungen ich hab. Und erst meine Metalvergangenheit. Darüber zu reden ist mir viel wichtiger, als über mein Bayreuthdebüt und meine Karriere."

4. Dazu kann ich nichts sagen, wir werden es leider nicht erfahren.

5. Ich weiß es nicht, habe aber dem Pressetext der Bayreuther Festspiele entnommen, dass Regisseur unglücklich darüber ist, dass die Premiere auch mit Einarbeitung des Einspringers nicht künstlerisch vollständig erfüllbar sein wird. Der Arme und die armen Sänger. Schon komisch, dass die in Bayreuth kein Cover haben..

So, meine Meinung dazu.

Hyacinth :hello
Heike (21.07.2012, 23:54):
Evgeny Nikitin ist ein phantastischer Sänger, ich habe ihn vor 1 oder 2 Jahren in der Philharmonie gehört, es war großartig.

Ich verstehe die Reaktion der Bayreuther, halte sie aber eigentlich für falsch. Wahrscheinlich fühlt man sich - auch wegen der eigenen braunen Vergangenheit - den zwangsläufigen Reaktionen auf diesen Vorgang nicht gewachsen und will lieber in Ruhe Festspiele machen. Erwachsener (und anstrengender) wäre es gewesen, sich mit dem Sänger gemeinsam in einem klaren und offenen statement gegen diese Symbolik und Ideologie zu positionieren, die Vorgeschichte zu erklären und Haltung für die Zukunft zu zeigen. Selbstkritik also. Das hätte mehr Aufwand bedeutet, vor allem für Nikitin. So eine Symbolik auf der Briust kann man ja nicht einfach als Jugendsünde abtun. Da muss man erklären und sich auch vielen Fragen stellen. Wenn ich mal zu seinen Gunsten annehme, dass er wirklich inzwischen eine andere Gesinnung hat, dann wäre dieses sich den Dingen stellen auch für ihn besser gewesen. Jetzt ist er doch in einer dubiosen Lage, kaum jemand wird ihn mehr engagieren wollen.

Ich vertrete ja vehement die Meinung, dass jeder eine zweite Chance verdient hat, der aus Fehlern lernt. Was soll der Mann denn machen, außer das überstechen lassen (was er getan hat). Das Fernsehvideo zeigt alte Aufnahmen. Mir ist das alles zu glatt, da wird er eben ausgetauscht und schon hat Bayreuth seine Unschuld wieder? Sind die ganzen Bühnen, an denen er vorher schon gesungen hat, nun quasi inkonsequentere Antifaschisten als Bayreuth? Also, mir missfällt die Angelegenheit, man hat es sich einfach gemacht und ist damit dem wahren Problem aus dem Weg gegangen.
Heike
Billy Budd (21.07.2012, 23:58):
Liebe Heike,
ich bin mit Deinem zweiten und dritten Absatz vollkommen einverstanden - genau so sehe ich es auch.
Vor allem dieser Satz:
Jetzt ist er doch in einer dubiosen Lage, kaum jemand wird ihn mehr engagieren wollen.
hat mir auch schon zu denken gegeben.
Billy :hello
Billy Budd (22.07.2012, 00:10):
Auf Youtube findet sich nur Nikitins Holländer-Monolog. Da gefällt er mir ausgezeichnet!
Schade, dass es mit dem Bayreuth-Debüt (zumindest vorerst) nichts geworden ist.
Billy :hello
AcomA (22.07.2012, 01:47):
Hallo,

ich bin kein Opernliebhaber-oder Kenner. Ich habe diese Angelegenheit in den Tagesthemen gesehen. Ich halte den Saenger insgesamt fuer einen schwachen Charakter. Es ist schon sehr problematisch, dass dieser Saenger sich ein Symbol auf die Brust taetowiert, unter dessen Schirmherrschaft viele Millionen seiner Landsleute elendhaft zugrunde gegangen sind. Von mir aus soll dieser Mann keine Engagements mehr bekommen. Sehr gut singen auch andere !

LG, Siamak
Zdenka Waldner (22.07.2012, 09:01):
Original von Heike
Evgeny Nikitin ist ein phantastischer Sänger, ich habe ihn vor 1 oder 2 Jahren in der Philharmonie gehört, es war großartig.

Ich verstehe die Reaktion der Bayreuther, halte sie aber eigentlich für falsch. Wahrscheinlich fühlt man sich - auch wegen der eigenen braunen Vergangenheit - den zwangsläufigen Reaktionen auf diesen Vorgang nicht gewachsen und will lieber in Ruhe Festspiele machen. Erwachsener (und anstrengender) wäre es gewesen, sich mit dem Sänger gemeinsam in einem klaren und offenen statement gegen diese Symbolik und Ideologie zu positionieren, die Vorgeschichte zu erklären und Haltung für die Zukunft zu zeigen. Selbstkritik also. Das hätte mehr Aufwand bedeutet, vor allem für Nikitin. So eine Symbolik auf der Briust kann man ja nicht einfach als Jugendsünde abtun. Da muss man erklären und sich auch vielen Fragen stellen. Wenn ich mal zu seinen Gunsten annehme, dass er wirklich inzwischen eine andere Gesinnung hat, dann wäre dieses sich den Dingen stellen auch für ihn besser gewesen. Jetzt ist er doch in einer dubiosen Lage, kaum jemand wird ihn mehr engagieren wollen.

Ich vertrete ja vehement die Meinung, dass jeder eine zweite Chance verdient hat, der aus Fehlern lernt. Was soll der Mann denn machen, außer das überstechen lassen (was er getan hat). Das Fernsehvideo zeigt alte Aufnahmen. Mir ist das alles zu glatt, da wird er eben ausgetauscht und schon hat Bayreuth seine Unschuld wieder? Sind die ganzen Bühnen, an denen er vorher schon gesungen hat, nun quasi inkonsequentere Antifaschisten als Bayreuth? Also, mir missfällt die Angelegenheit, man hat es sich einfach gemacht und ist damit dem wahren Problem aus dem Weg gegangen.
Heike

liebe heike, ich stimme sir in allem vollkommen zu! natürlich kann man es nciht als jugendsünde abtun, aber wie gesagt hat er es ja pberstechen lassen und sich auch (wenn auch nicht besonders ausführlich) dazu geäußert, sodass man ihn eigentlich nicht unbedingt als gefährlichen oder hirnkranken faschisten anschauen kann!

seltsam ist doch, dass solche bilder im fernsehen immer grade dann auftauchen, wenn der betroffene sie grade am wenigsten braucht. bei HC Strache passiert das ja auch immer kurz vor einer wahl. natürlich kann man sänger nicht unbedingt mit politikern vergleichen und ich finde es bei hc strache auch absolut gerechtfertigt, dass sowas immer wieder an die oberfläche kommt, weil er extrem rechts ist und permanent rassistische, fast faschistische kommentare abgibt und dinge vertritt!

aber bei nikitin hats ja vorher anscheinend niemanden gestört oder? ?(
Billy Budd (22.07.2012, 10:35):
Original von AcomA
Hallo,

ich bin kein Opernliebhaber-oder Kenner. Ich habe diese Angelegenheit in den Tagesthemen gesehen. Ich halte den Saenger insgesamt fuer einen schwachen Charakter. Es ist schon sehr problematisch, dass dieser Saenger sich ein Symbol auf die Brust taetowiert, unter dessen Schirmherrschaft viele Millionen seiner Landsleute elendhaft zugrunde gegangen sind. Von mir aus soll dieser Mann keine Engagements mehr bekommen. Sehr gut singen auch andere !

LG, Siamak
Lieber Simiak,
ich bin der letzte, der jemanden mit Hakenkreuztätowierung in Schutz nimmt.
Aber Heikes Meinung schließe ich mich vollinhaltlich an. Ich finde es ungerecht, dass man einem Sänger, der diese Tätowierungen ohnehin entfernen lassen wollte, quasi Berufsverbot ausspricht.
Wie ich gelesen habe, soll Attila Jun die Generalprobe gesungen haben. Ob er auch die Premiere singt, wird heute entschieden. Der wäre aber nur eine Notlösung, denn er ist ein Bass. Wirklich gute Holländer-Interpreten rennen derzeit nicht in der Opernwelt herum.
Billy :hello


KORREKTUR: Statt Attila Jun: Samuel Youn.
Karolus Minus (22.07.2012, 11:30):
Original von Billy Budd

Wie ich gelesen habe, soll Attila Jun die Generalprobe gesungen haben. Ob er auch die Premiere singt, wird heute entschieden. Der wäre aber nur eine Notlösung, denn er ist ein Bass. Wirklich gute Holländer-Interpreten rennen derzeit nicht in der Opernwelt herum.
Billy :hello

Kleine Korrektur: es hat meinen Infos nach nicht Attila Jun sondern Samuel Youn (der Nachname klingt für uns in der Aussprache identisch) gesungen, der für den Heerrufer ohnehin anwesend war. Ich wundere mich allerdings, daß es für die Partie keinen geprobten Ersatzmann gegeben zu haben scheint, wie das in Bayreuth sonst üblich ist.

Zu Zdenka: natürlich kommen solche Dinge immer in die Medien kurz bevor das wichtige Ereignis statt findet. Ein Bericht über Bayreuth im März oder über Politiker xy wegen der Sache Z ein Jahr vor der Wahl interessieren halt viel weniger. Insofern ist das ja nicht nur eine Sache der Medien sondern auch des Publikums, daß sich häufig eben auch nur für Dinge interessiert, die gerade anstehen.

Und daß sich die Medien (aber auch das ist eine Wechselbeziehung, die ohne entsprechendes Publikum nicht funktionieren würde) gerne auf bestimmte Details stürzen, die im Gesamtzusammenhang eigentlich kaum auffallen, ist auch nicht neu.

Zu Billy: warum das Tattoo nicht früher entdeckt wurde? Ich nehme an, daß es durch das Überstechen kaum mehr sichtbar ist - die Bilder im Fernsehen stammen ja aus Nikitin's Heavy-Metal-Zeit.

Ansonsten gebe ich Heike völlig Recht - nur weiß ich nicht, ob der Aufwand (noch dazu mit Wochenende dazwischen) überhaupt zu leisten gewesen wäre.
Wir wissen weder, wie sich Nikitin beim "Rapport" verhalten hat, der Satz "Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen" sagt zu seiner jetzigen Einstellung eigentlich nichts aus (klingt für meine Ohren sogar eher nach nicht wirklicher Begriffsfähigkeit), noch wissen wir, in welcher Form - und von wem - in Bayreuth nach der TV-Ausstrahlung die Telefone heiß gelaufen sind; der Druck könnte da enorm gewesen sein.

Um den SÄNGER Nikitin ist es allemal schade. Und daß der sich jetzt wünscht, er hätte sich das Tattoo nie stechen lassen, ist auch klar, sagt aber über die Einstellung dazu im Grunde auch nichts.

LG
Karolus Minus
Heike (22.07.2012, 11:54):
Genau so ist es Karolus. Niemand weiß jetzt eigentlich genau, welche Haltung Nikitin heute zu den Dingen einnimmt und inwieweit er sich wirklich distanziert hat. Wenn man ihn schon rauswirft, hätte man sich aus Bayreuth zu einem klareren statement entschließen MÜSSEN, denke ich. Dann hätten die Bayreuther etwas in der Art sagen müssen: Wir haben mit ihm gesprochen und er hat uns nicht restlos davon überzeugen können, dass er unsere klare Ablehnung dieser Ideologie ausreichend lange teilt. Das nur mit alten Geschichten zu begründen, die 20 Jahre her sind und von denen nirgends auf der Welt bei seinen Engagements ANGEBLICH jemand wusste, das ist ja lächerlich. Da haben die doch eher Angst vor dem Wirbel, den das verursacht als Skrupel vor der Tatsache an sich, meine ich.
So bleibt das alles nebulös und das wird der Tragweite dieses Vorgangs meiner Meinung nach an keiner Stelle gerecht.
Heike

P.s. Die WELT zeigt, wie das überstochene Tattoo heute aussieht:
http://www.welt.de/img/bildergalerien/crop108265740/0238726309-ci3x2l-w620/title.jpg
Karolus Minus (22.07.2012, 12:55):
Erstmal als Info vorneweg: den Holländer singt in allen Vorstellungen Samuel Youn (Website Bayreuther Festspiele), der hat also wohl gecovert - oder auch nicht.. die Äußerungen des Regisseurs (siehe Link zur Pressemitteilung unten) klingen jedenfalls anders.
Und die "Aspekte"-Sendung vom Freitag, die den ganzen Wirbel ja wohl ausgelöst hat, wird heute - so meine Info stimmt - um 19 Uhr auf ZDFKultur wiederholt.

Heike, ich geb Dir völlig recht - nur dürfte die Situation insgesamt aufgrund der Zeitkonstellation überhaupt nicht mehr beherrschbar gewesen sein.
"Aspekte" war Freitag abend ab 10:30, d.h. nachdem das in Bayreuth angekommen war hat man handeln müssen bevor heut in der "Bild am Sonntag" die Schlagzeile "Sänger mit Nazi-Tattoo singt Bayreuther Eröffnung" zu lesen war. Alle anderen Zeitungen können vor morgen früh nichts bringen - und das zwei Tage vor der Eröffung, wo ohnehin alles routiert...

Und ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn Bayreuth vermeldet hätte "Herr Nikitin hat uns davon überzeugen können, daß er sich davon gelöst hat", da "Bild am Sonntag" offenbar ohnehin an der Geschichte "dran" war, wie ich der offizellen Bayreuther Pressemitteilung entnehme, siehe http://www.bayreuther-festspiele.de/news/124/details_44.htm

Bei einem Satz wie "Im Ergebnis der ca. halbstündigen Unterredung wurden Evgeny Nikitin die Konnotationen dieser Symbole gerade in Verbindung mit der deutschen Geschichte bewusst." frage ich mich alledrings, ob der gute Mann jemals braun war, sondern möglicherweise nur ein eigentlich ideologiefreier politischer Volltrottel, der auf Tattoos steht und sich das damals hat stechen lassen, weil es halt "In" war bei Heavy Metal in Russland.
Politischer Blindflug bei Künstlern wäre ja auch nicht neu.

LG
Karolus Minus
LG
Karolus Minus
Severina (22.07.2012, 13:01):
Da mich Bayreuth nur sehr marginal interessiert, habe ich von der Aufregung um Nikitin erst jetzt etwas mitbekommen. Alles Wesentliche wurde von Euch bereits gesagt, besonders Heike spricht mir aus der Seele.
Eine wirkliche Problemlösung ist sein Ausstieg nicht, weder für Bayreuth und schon gar nicht für ihn selbst. Den je nachdem, wie man selbst politisch orientiert ist, wird man in Nikitin nun wahrscheinlich entweder einen verkappten Neonazi oder ein armes Opfer der linken Gutmenschen sehen, und dessen werden sich wohl auch die Intendanten bewusst sein und sich ein Engagement des im doppelten Sinn Gebrandmarkten wohl sehr gut überlegen.....

lg Severina :hello

PS: Karolus, ohne den Fall genau zu kennen, so rein aus dem Bauch heraus, neige ich auch eher Deinem letzten Absatz zu!
Heike (22.07.2012, 13:07):
Ja, nach wohlüberlegtem Gesinnungswandel sieht das gerade nicht aus, wie man auch im WELT-Artikel lesen kann. Wem man mit 39 Jahren die Tragweite einer solchen Symbolik in D erklären muss, der kann nur ein poltischer Volltrottel sein. Nur, so dämlich kann doch niemand in Bayreuth gewesen sein, das nicht gewusst oder geahnt zu haben. Die verschleiern nach wie vor und stellen sich den Dingen nicht. Man kann eben nicht "nur eine Stimme" engagieren, wenn man solche Vergangenheit hat. Da ist durchaus etwas mehr Sorgfalt gefragt. Jetzt so zu tun als wären sie die Konsequenz in Persona, das ist lächerlich.
Heike
Karolus Minus (22.07.2012, 14:19):
Der Welt-Artikel beweist aber auch, wie "sorgfältig" Zeitungen sind bzw. wie einfach Fehler übernommen werden. Ich weiß nicht, wo Billy gelesen hatte, daß Attila Jun die GP gesungen hat. Im Artikel wird der jetzt für die Aufführungen genannt - ich nehme aber an, daß die Bayreuther Website stimmt....

Inwieweit Bayreuth hätte wissen müssen oder Fragen stellen??? Bei dem Youtube-Video muß man, mein ich, schon gut hingucken (ich nehme an, daß dieses auch die Grundlage bei "Aspekte" war). Die Rune sagte mir rein optisch auch nichts, also wird sie einem 20 Jahre jüngeren Ausländer erst Recht nichts sagen - es sei denn, er wüßte es aus einschlägigen Gründen SEHR genau.
Die Arm-Tätowierungen sind kein Grund nach der politischen Meinung zu fragen

Würde mich allerdings nicht wundern, wenn es in dem Zusammenhang demnächst auch Fragen an Herrn Thielemann gäbe, der ihn ja mit engagiert hat, denn der ist ja seit seinen Zeiten als Nürnberger GMD immer mal wieder in die Nähe rechter Ideologie gerückt worden, auch wenn es irgendwelche Beweise meines Wissens nie gegeben hat.

LG
Karolus Minus
ar (22.07.2012, 14:51):
Ich kann Karolus nur zustimmen. Sollen die Wagner Schwestern ab jetzt verlangen, dass sich jeder Sänger beim Vorsingen nackig machen soll?
Heike (22.07.2012, 14:53):
Da hast du recht, Karolus - zumal Attila Jun bis jetzt noch nicht korrigiert ist (peinlich für eine Zeitung im Format von WELT).
Auf den Thielemann-Zusammenhang warte ich ja schon. Mal sehen, wann erste Verschwörungstheorien auftauchen.
Heike

P.s @ar
prinzipiell sehe ich das auch so, wobei ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass insider vom Format der Bayreuther nicht schon vorher von diesen Tattoos wussten (oder dass es ihnen nach der Verpflichtung nicht vorher schon irgendwer zugetragen hatte). Aber vielleicht ist das auch zu naiv gedacht.
Ingrid (22.07.2012, 15:02):
Als bei den 14 Uhr Nachrichten in B2 der Nachfolger von Nikitin bekannt gegeben wurde (der richtige Name :wink), erklärten sie zusätzlich, dass Herr Nikitin, als er dieses Hakenkreuz stechen ließ, an ein heidnisches Symbol dachte und nicht an das Nationalsozialistische und keinen Bezug dazu hatte.

Forschte ein wenig nach und fand dies:
Swastika - Sonnenkreuz - Hakenkreuz
Crux gammata (weil aus vier umgekehrten Haken)
Es ist ein sehr altes Feuer- und Sonnenzeichen. Zunächst in Asien, dann bei den Germanen (in Skandinavien = Hammer Thors)
Im Buddhismus gilt es als Zeichen des Paradiesschlüssels und in der romanischen Ornamentik als Schutzmittel gegen den Teufel.

Vielleicht ist ihm tatsächlich erst später voll aufgegangen, in welche Richtung er da eingeordnet werden kann und er unternahm dann ja auch Schritte. Leider hat ihn diese Vergangenheit jetzt sehr medienwirksam eingeholt. Also, wenn es so war, dann tut er mir schon leid. Vielleicht muss man auch sagen: Dummheit schützt vor Strafe nicht.

:hello Ingrid
Karolus Minus (22.07.2012, 15:03):
Original von ar
Ich kann Karolus nur zustimmen. Sollen die Wagner Schwestern ab jetzt verlangen, dass sich jeder Sänger beim Vorsingen nackig machen soll?

Das würde zumindest die öfter mal anzutreffende Theorie bestätigen, daß Sänger heutzutage NUR wegen der Optik engagiert würden:-))))
Heike (22.07.2012, 15:13):
Letztenendes spekulieren wir doch hier nur rum, welche Gesinnung Herr Nikitin heute hat - und zwar auch deshalb, weil weder die Festspieler noch Nikitin sich klar genug ausgedrückt haben in ihrer Stellungnahme. Hätte Nikitin den Wagners gegenüber auch nur ansatzweise heute noch Ansatzpunkte für braune Gedanken erkennen lassen, dann hätten sie das deutlich sagen müssen und ihn dann eben eindeutig rauswerfen sollen.
Hätte er sich klar und eindeutig distanziert, hätte man ihn singen lassen sollen und sich allen Fragen stellen, gemeinsam. Naja, leicht gesagt, von außen ist man ja immer schlauer.
Heike
Zdenka Waldner (22.07.2012, 15:37):
Original von Ingrid
Als bei den 14 Uhr Nachrichten in B2 der Nachfolger von Nikitin bekannt gegeben wurde (der richtige Name :wink), erklärten sie zusätzlich, dass Herr Nikitin, als er dieses Hakenkreuz stechen ließ, an ein heidnisches Symbol dachte und nicht an das Nationalsozialistische und keinen Bezug dazu hatte.

Forschte ein wenig nach und fand dies:
Swastika - Sonnenkreuz - Hakenkreuz
Crux gammata (weil aus vier umgekehrten Haken)
Es ist ein sehr altes Feuer- und Sonnenzeichen. Zunächst in Asien, dann bei den Germanen (in Skandinavien = Hammer Thors)
Im Buddhismus gilt es als Zeichen des Paradiesschlüssels und in der romanischen Ornamentik als Schutzmittel gegen den Teufel.

Vielleicht ist ihm tatsächlich erst später voll aufgegangen, in welche Richtung er da eingeordnet werden kann und er unternahm dann ja auch Schritte. Leider hat ihn diese Vergangenheit jetzt sehr medienwirksam eingeholt. Also, wenn es so war, dann tut er mir schon leid. Vielleicht muss man auch sagen: Dummheit schützt vor Strafe nicht.

:hello Ingrid

das ist interessant!
trotzdem verstehe ich nicht ganz, warum er es der presse nicht so mitgeteilt hat, wenn es so war. dann wäre das ganze vielleicht aus der welt. aber dadurch, dass er abgereist ist, sieht das für einige wahrscheinlich nach flucht aus, was ihm wieder negativ angerechnet werden kann.

was er haute noch mit dem hakenkreuz verbindet (vor allem, weil er es ja nicht hat weglasern lassen-theoretisch ist es also noch da, wenn auch nicht mehr zu sehen), wüsste ich auch gern mal.
Severina (22.07.2012, 15:52):
Nun ja.... Dass das Hakenkreuz oder Sonnenrad seit prähistorischer Zeit durch alle Kulturen geistert, ist zwar eine Tatsache, aber um im 21. Jhdt. darin wirklich nur ein harmloses heidnisches Symbol zu sehen, dazu gehört wohl eine überdimensionierte Portion Unbedarftheit, Borniertheit und Dummheit. Und zwar über das gemeinhin einem Tenor zugestandene Maß von Dummheit :wink hinaus, und Herr Nikitin ist bekanntlich nicht einmal einer.

lg Severina :hello
Ingrid (22.07.2012, 16:00):
Original von Severina
Und zwar über das gemeinhin einem Tenor zugestandene Maß von Dummheit :wink hinaus, und Herr Nikitin ist bekanntlich nicht einmal einer.

lg Severina :hello

:D und wenn man an unsere Lieblinge denkt, dann stimmt dieses Vorurteil natürlich sowieso nicht. Also ab sofort wird Bass eingesetzt und Ausnahmen bestätigen ja wie immer die Regel :wink

:hello
Zdenka Waldner (22.07.2012, 18:11):
haha :D
Karolus Minus (22.07.2012, 19:30):
Original von Severina
Nun ja.... Dass das Hakenkreuz oder Sonnenrad seit prähistorischer Zeit durch alle Kulturen geistert, ist zwar eine Tatsache, aber um im 21. Jhdt. darin wirklich nur ein harmloses heidnisches Symbol zu sehen, dazu gehört wohl eine überdimensionierte Portion Unbedarftheit, Borniertheit und Dummheit. Und zwar über das gemeinhin einem Tenor zugestandene Maß von Dummheit :wink hinaus, und Herr Nikitin ist bekanntlich nicht einmal einer.
lg Severina :hello

Liebe Severina,
Du setzt da eine (Schul)bildung voraus, die es in dieser Form nicht gibt. Frage zum Sonnenrad einen durchschnittlichen deutschen oder österreichsischen Bürger, der weiß auch nichts dazu; viel weniger ein Ausländer, noch dazu, wenn er auf der Schule wahrscheinlich allenfalls gelernt hat, daß die Nazis diejenigen waren, gegen die man den großen vaterländischen Krieg hat führen müssen, mit Hintergründen oder auch nur genaueren Sachdetails aber nie befasst wurde - war ja auch nicht nötig, weil es ein aktzelles Problem mit solchen Leuten im eigenen Land nicht gab, sonst wär im sozialistischen System ein Fehler gewesen, und das ging nicht.
ich glaub, da denkst Du zu einfach in dem Punkt.

LG
Karolus Minus

PS.: Gegen das Ersetzen von "Tenor" durch "Bass" muß ich schärfstens protestieren!!!!!!!!!
Severina (22.07.2012, 20:03):
Lieber Karolus,

da bin ich völlig mit Dir einer Meinung, dass der Durchschnittsbürger das Hakenkreuz mit den Nazis assoziiert und mit sonst nix. Gerade deshalb erscheint mir auch die Version, Nikitin habe darin nur ein "harmloses heidnisches Symbol" gesehen, nicht sehr stichhaltig. Denn um zu wissen, dass es eben keine Erfindung der NS-Zeit war, sondern ein uraltes und in seiner Ausdeutung immer noch rätselhaftes Zeichen (Sonnenrad ist ja nur eine mögliche Interpretation) braucht's tatsächlich ein bisschen Bildung.

lg Severina :hello

PS: Einspruch bezüglich der dummen Bässe zur Kenntnis genommen! :D
Karolus Minus (22.07.2012, 20:44):
Original von Severina
Lieber Karolus,

da bin ich völlig mit Dir einer Meinung, dass der Durchschnittsbürger das Hakenkreuz mit den Nazis assoziiert und mit sonst nix. Gerade deshalb erscheint mir auch die Version, Nikitin habe darin nur ein "harmloses heidnisches Symbol" gesehen, nicht sehr stichhaltig. Denn um zu wissen, dass es eben keine Erfindung der NS-Zeit war, sondern ein uraltes und in seiner Ausdeutung immer noch rätselhaftes Zeichen (Sonnenrad ist ja nur eine mögliche Interpretation) braucht's tatsächlich ein bisschen Bildung.

lg Severina :hello

PS: Einspruch bezüglich der dummen Bässe zur Kenntnis genommen! :D

Liebe Severina,
da hast Du mich mißverstanden. Ich meinte das Sonenrad OHNE expliziten Hakenkreuz-Bezug (letzteres hatte Nikitin ja ohnehin überstechen lassen) oder auch die noch vorhandene Rune (die ich gescheiterweise gleich mit erwähnt hätte) als solche. Da weiß der Durchschnittsbürger nämlich garnichts drüber, insofern muß in dem Punkt auch Nikitin keine Ahnung gehabt haben; aber, wie gesagt, er MUSS nicht, aber er KANN.

Bin da allerdings wegen der noch vorhandenen Reste meines aufgrund von 5 Semestern Anno Tobak vorhandenen juristischen Denkens immer noch für "im Zweifel für den Angeklagten" und die "Beweislage" ist einfach dünn allein über die Presse.

LG
Karolus Minus
Heike (22.07.2012, 21:27):
Neue Infos aus der FAZ, die das Handeln der Festspiele durchaus in einem anderen, scheinheiligen Licht erscheinen lassen:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/skandal-in-bayreuth-es-kracht-warum-evgeny-nikitin-nicht-singen-darf-11828592.html

Ich zitiere mal lieber nicht direkt so ausführlich. Die FAZ schreibt jedenfalls, dass Nikitins Tattoos schon Thema in diversen Interviews waren und dass die Festspiele vor einem Jahr Fotos von allen Tattoos von dem Sänger erbeten hätten. Außerdem hätte das ja den Kostümschneidern auffallen müssen..... Sehr mysteriös auch die Sache, dass wohl nach der Hauptprobe letzte Woche kein Szenenfoto mit Nikitin freigegeben wurde, oder?
Heike
Karolus Minus (22.07.2012, 22:27):
Original von Heike
Neue Infos aus der FAZ, die das Handeln der Festspiele durchaus in einem anderen, scheinheiligen Licht erscheinen lassen:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/skandal-in-bayreuth-es-kracht-warum-evgeny-nikitin-nicht-singen-darf-11828592.html

Ich zitiere mal lieber nicht direkt so ausführlich. Die FAZ schreibt jedenfalls, dass Nikitins Tattoos schon Thema in diversen Interviews waren und dass die Festspiele vor einem Jahr Fotos von allen Tattoos von dem Sänger erbeten hätten. Außerdem hätte das ja den Kostümschneidern auffallen müssen..... Sehr mysteriös auch die Sache, dass wohl nach der Hauptprobe letzte Woche kein Szenenfoto mit Nikitin freigegeben wurde, oder?
Heike

Hm, kein Freigeben von Photos aus dem Grund würde ja nur Sinn machen, wenn er irgendwann in der Produktion mit nacktem Oberkörper auftreten würde.

Daß die Tattoos Thema bei Interviews waren, weiß ich, kenne da aber nur die Version, daß er halt zur doch sehr ungewöhnlichen Optik für einen Opernsänger allgemein angesprochen worden sei.

Natürlich sind Kostüme angefertigt worden - aber die Unterwäsche könnte die eigene gewesen sein - mal ganz abgesehen davon, daß da die Schneiderei vielleicht nicht wirklich zuständig ist.
Und zu den Fotos wird es sicher Fragen geben.

Für mich sagt der Artikel auch eine ganze Menge über die Grundeinstellung der Autorin zu den Festspielen aus, insofern bin ich da vorsichtig; will sagen, ich glaub in der Geschichte im Moment eigentlich keiner Seite noch irgendwas, was nicht sicher belegt ist...
Billy Budd (22.07.2012, 22:36):
Original von Karolus Minus
Erstmal als Info vorneweg: den Holländer singt in allen Vorstellungen Samuel Youn (Website Bayreuther Festspiele), der hat also wohl gecovert - oder auch nicht.. die Äußerungen des Regisseurs (siehe Link zur Pressemitteilung unten) klingen jedenfalls anders.
Und die "Aspekte"-Sendung vom Freitag, die den ganzen Wirbel ja wohl ausgelöst hat, wird heute - so meine Info stimmt - um 19 Uhr auf ZDFKultur wiederholt.
Original von Karolus Minus
Der Welt-Artikel beweist aber auch, wie "sorgfältig" Zeitungen sind bzw. wie einfach Fehler übernommen werden. Ich weiß nicht, wo Billy gelesen hatte, daß Attila Jun die GP gesungen hat. Im Artikel wird der jetzt für die Aufführungen genannt - ich nehme aber an, daß die Bayreuther Website stimmt....
Danke für die Korrektur! Zum Zeitpunkt meines Beitrags stand noch Attila Jun im Online-Merker.
Billy :hello
Heike (22.07.2012, 22:42):
Aber Karolus, wenn die sich wirklich sogar Fotos von den ganzen Tattoos erbeten haben, dann kann ich nur schwerlich glauben, dass sie nichts von den alten Tattoos wussten oder ahnten. Dann hätten sie ja mal genauer nachfragen können, nein: müssen.
Heike
Ingrid (22.07.2012, 23:06):
Original von Severina
Lieber Karolus,

da bin ich völlig mit Dir einer Meinung, dass der Durchschnittsbürger das Hakenkreuz mit den Nazis assoziiert und mit sonst nix lg Severina :hello



Nach diesem Artikel bin ich jetzt auch voll davon überzeugt. Diese russ. Journalistin schrieb ja, dass Lehrer und Eltern auf die Palme gebracht werden sollten, da sie diese Symbole (sicher aus leidvoller Erfahrung) voll ablehnten. Als Jugendsünden würde ich das alles aber schon noch bewerten.
Karolus Minus (23.07.2012, 14:53):
Original von Heike
Aber Karolus, wenn die sich wirklich sogar Fotos von den ganzen Tattoos erbeten haben, dann kann ich nur schwerlich glauben, dass sie nichts von den alten Tattoos wussten oder ahnten. Dann hätten sie ja mal genauer nachfragen können, nein: müssen.
Heike

Heike,
das ist ja das Problem: haben sie wirklich erbeten? Bis jetzt kenn ich das nur aus der FAZ - und die Grundstoßrichtung von Frau Büning sind eindeutig die Festspiele.
Deswegen mein ich ja, ich glaub gar nichts mehr..

Man scheint sich ja noch nicht mal einig zu sein, wieviele Zeichen es sind. Das überstochene Hakenkreuz ist wohl unstrittig. Aber ansonsten war zuerst von einer Rune die Rede. Im heutigen Abendblatt sind es plötzlich zwei und obendrein noch ein Thor-Hammer, den er an der Halskette trage. Wenn der symbolisch da wirklich reinpassen sollte, dann wäre er für mich eigentlich schwerwiegender als die Tattoos. Bei der Kette kann er schlecht sagen, er hätte sie vor 20 Jahren umgehängt und wüßte nicht, wie man sie abnimmt....
Karolus Minus
Karolus Minus (23.07.2012, 14:55):
Original von Billy Budd
Original von Karolus Minus
Erstmal als Info vorneweg: den Holländer singt in allen Vorstellungen Samuel Youn (Website Bayreuther Festspiele), der hat also wohl gecovert - oder auch nicht.. die Äußerungen des Regisseurs (siehe Link zur Pressemitteilung unten) klingen jedenfalls anders.
Und die "Aspekte"-Sendung vom Freitag, die den ganzen Wirbel ja wohl ausgelöst hat, wird heute - so meine Info stimmt - um 19 Uhr auf ZDFKultur wiederholt.
Original von Karolus Minus
Der Welt-Artikel beweist aber auch, wie "sorgfältig" Zeitungen sind bzw. wie einfach Fehler übernommen werden. Ich weiß nicht, wo Billy gelesen hatte, daß Attila Jun die GP gesungen hat. Im Artikel wird der jetzt für die Aufführungen genannt - ich nehme aber an, daß die Bayreuther Website stimmt....
Danke für die Korrektur! Zum Zeitpunkt meines Beitrags stand noch Attila Jun im Online-Merker.
Billy :hello

Gestern Mittag stand auf der Startseite dort sogar erstmal oben Samuel Youn und weiter unten Attila Jun - die freie Auswahl....
Aber der hatte den Attila natürlich auch nur abgeschrieben.
:hello
Karolus Minus
Billy Budd (23.07.2012, 15:16):
Original von Karolus Minus
Original von Billy Budd
Original von Karolus Minus
Erstmal als Info vorneweg: den Holländer singt in allen Vorstellungen Samuel Youn (Website Bayreuther Festspiele), der hat also wohl gecovert - oder auch nicht.. die Äußerungen des Regisseurs (siehe Link zur Pressemitteilung unten) klingen jedenfalls anders.
Und die "Aspekte"-Sendung vom Freitag, die den ganzen Wirbel ja wohl ausgelöst hat, wird heute - so meine Info stimmt - um 19 Uhr auf ZDFKultur wiederholt.
Original von Karolus Minus
Der Welt-Artikel beweist aber auch, wie "sorgfältig" Zeitungen sind bzw. wie einfach Fehler übernommen werden. Ich weiß nicht, wo Billy gelesen hatte, daß Attila Jun die GP gesungen hat. Im Artikel wird der jetzt für die Aufführungen genannt - ich nehme aber an, daß die Bayreuther Website stimmt....
Danke für die Korrektur! Zum Zeitpunkt meines Beitrags stand noch Attila Jun im Online-Merker.
Billy :hello

Gestern Mittag stand auf der Startseite dort sogar erstmal oben Samuel Youn und weiter unten Attila Jun - die freie Auswahl....
Aber der hatte den Attila natürlich auch nur abgeschrieben.
:hello
Karolus Minus
Du hast Recht; ich hätte sorgfältiger recherchieren müssen.

Jun sprang aber im Herbst in Wien als Hagen im dritten Akt ein und wenn mich nicht alles täuscht, auch unlängst wo in Deutschland. Vielleicht habe ich ihn deshalb bei mir als "Einspringer vom Dienst" eingespeichert. :wink
Billy :hello
Solitaire (23.07.2012, 15:39):
Ich hab's schon an anderer Stelle gepostet, aber da es auch hier Thema ist, hier nochmal ein Zitat, des Künstlers, das mich wirklich schockiert hat:

Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen

Wie dämlich kann man eigentlich sein? Ehrlich, auch ohne Hakenkreuz sollte man jemandem der dermaßen ahnungslos ist (wenn er es denn ist...) verbieten, in Bayreuth zu singen.
Im Übrigen halte ich das Stechen eines Hakenkreuzes nicht für einen Dummejungenstreich und Jugend ist hier keine Entschuldigung. Mit 16 (oder wie alt man auch immer ist wenn man sich ein Tatoo stechen läßt) sollte man wissen, wofür das Hakenkreuz steht. Der Wunsch zu provozieren ist da keine Entschuldigung.
Die Behauptung eines erwachsenen, studierten Menschen er hätte nicht gewußt, welche Bedeutung das Symbol hat ist eine so dreiste Lüge, das ihm dafür Rechts und Links was hinter die Löffel gehört.
Man kann die Swastika heute nicht mehr tragen oder zeigen. Sie hat ihre ursprüngliche Bedeutung schlicht und einfach verloren so einfach ist das. Und das war auch schon so, als Herr Nikitin jung war.
Heike (23.07.2012, 16:11):
das ist ja das Problem: haben sie wirklich erbeten? Bis jetzt kenn ich das nur aus der FAZ - und die Grundstoßrichtung von Frau Büning sind eindeutig die Festspiele.

Doch, sie haben, siehe http://www.dw.de/dw/article/0,,16095796,00.html
(Interview mit Nikitin, ich nehme an, daher hat das auch die FAZ)
Zitat:
"I've been asked to photograph all of my tattoos."
Also wenn er es selbst sagt, wird es ja wohl stimmen.

Heike
Heike (23.07.2012, 16:34):
Auch interessant:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/eklat-um-nazi-tattoo-bei-wagner-festspielen-hautverdaechtig-1.1419235
Heike

P.s. oje, und das hier: http://www.sueddeutsche.de/bayern/eklat-um-nazi-tattoo-in-bayreuth-bayerische-staatsoper-greift-wagner-familie-an-1.1419820
Jetzt geht die Schlammschlacht um die Zukunft von Nikitin schon los und sie fallen prompt übereinander her: Wir sind die Guten und Ihr seid die Bösen....
Severina (23.07.2012, 16:51):
Sehr interessant finde ich, was Matthias Oberg im Capriccio-Forum dazu schreibt, wo diese Diskussion natürlich auch läuft:
http://www.capriccio-kulturforum.de/aktuelles-und-nachrichten-aus-der-klassikszene/4212-umbesetzung-bei-den-bayreuther-festspielen/#post184165

Interessant vor allem für mich, die völlig unbedarft ist, was moderne Musikrichtungen/Bands etc. betrifft, weil ich die Sender, auf denen so was läuft, nicht einmal programmiert habe. Ich habe also erst jetzt, im Zuge der Nikitin-Affäre, so richtig mitgekriegt, wofür Heavy Metal eigentlich steht :S

Nach Matthias' Recherche fällt es mir ziemlich schwer, in Nikitin nur ein naives Unschuldslamm zu sehen, der über eine Jugendsünde gestolpert ist.....

Und Mina spricht mir 100%ig aus dem Herzen!

lg Severina :hello
Heike (23.07.2012, 17:00):
Das, was zu der Metal-Szene in Cappriccio steht, finde ich auch sehr interessant, Sevi.
Letztendlich wissen wir aber nicht, welche Gesinnung Nikitin heute hat. Was er selbst bisher äußerte, lässt für mich nicht gerade auf großes Bedauern, Übernahme von Verantwortung für begangene Fehler und ehrliche Selbstkritik schließen.

Er hätte sich also klarer erklären sollen und auch klarer distanzieren müssen von seiner Vergangenheit. Wenn er das nicht glaubwürdig konnte oder wollte, hätten sich die Festspiele deutlicher ausdrücken sollen bezogen auf seinen Rauswurf. So ne Begründung wie "der hatte da mal ein Nazi-Symbol als Tattoo", das ist dürftig. So lädt das ja alles nur zu Spekulationen ein.

Ich finde allerdings nach wie vor interessant, ob die Festspiele von den ganzen Vorgängen um seine Person nicht doch schon vorher eine Ahnung hatten. Und ich finde auch interessant, wie die anderen Bühnen und auch das Publikum jetzt mit seinen Engagements umgehen.

Ich hoffe, wir hören noch was von ihm selbst dazu, was die Dinge ein wenig mehr erhellt.
Heike
Karolus Minus (23.07.2012, 21:41):
Original von Heike
Das, was zu der Metal-Szene in Cappriccio steht, finde ich auch sehr interessant, Sevi.
Letztendlich wissen wir aber nicht, welche Gesinnung Nikitin heute hat. Was er selbst bisher äußerte, lässt für mich nicht gerade auf großes Bedauern, Übernahme von Verantwortung für begangene Fehler und ehrliche Selbstkritik schließen.

Er hätte sich also klarer erklären sollen und auch klarer distanzieren müssen von seiner Vergangenheit. Wenn er das nicht glaubwürdig konnte oder wollte, hätten sich die Festspiele deutlicher ausdrücken sollen bezogen auf seinen Rauswurf. So ne Begründung wie "der hatte da mal ein Nazi-Symbol als Tattoo", das ist dürftig. So lädt das ja alles nur zu Spekulationen ein.

Ich finde allerdings nach wie vor interessant, ob die Festspiele von den ganzen Vorgängen um seine Person nicht doch schon vorher eine Ahnung hatten. Und ich finde auch interessant, wie die anderen Bühnen und auch das Publikum jetzt mit seinen Engagements umgehen.

Ich hoffe, wir hören noch was von ihm selbst dazu, was die Dinge ein wenig mehr erhellt.
Heike

Heike,
erstmal danke für den Link zum Interview.

Zu Nikitin: das klingt bisher allerdings nicht nach klarer Distanzierung, allerdings auch nicht danach, als hätte er je wirklich ideologisch dahintergestanden - am ehesten noch nach ziemlich wenig nachdenken; das kann ich dem 16-jährigen nicht übelnehmen, im jetzigen Alter ist es allerdings eher traurig...

Wie das Publikum und andere Bühnen reagieren werden? Bachler in München hält im Moment zu ihm, außerhalb Deutschlands wird es auch davon abhängen, inwieweit die dortige Presse zu dem Fall einsteigt. In den USA z.B. war die Geschichte gestern abend noch nicht angekommen.
Und "das ist doch der, den sie in Bayreuth rausgeschmissen haben" ist doch auch schon wieder interessant.....

ich fürchte allerdings, er selbst wird nicht mehr viel beitragen können zur Aufklärung des Sachverhalts, wer denn wann was und überhaupt gewußt hat, weil er vermutlich als derjenige herhalten muß, über den ohnehin existierende Rechnungen beglichen werden, so oder so rum. Und wenn ich mir Bachlers Äußerungen anschau, dann weiß man ja auch nicht, ob der zum SÄNGER hält, oder ob er den Bauern, den Bayreuth möglicherweise geopfert hat nur ins eigene Spiel einbaut. Und mehr als ein Bauer wird Nikitin hier nicht mehr sein, die Fäden des Handelns werden andere ziehen.


LG
Karolus Minus
Ingrid (23.07.2012, 23:49):
Es könnte jetzt natürlich sein, dass die rechte Szene ihn zu ihrem Heiligen aufbaut und ob ihm das gut tut? Hoffentlich fängt ihn jetzt seine Familie auf, denn leicht zu verkraften ist dieser "Ruhm" bestimmt nicht.
Zdenka Waldner (24.07.2012, 08:42):
Original von Karolus Minus
Zu Nikitin: das klingt bisher allerdings nicht nach klarer Distanzierung, allerdings auch nicht danach, als hätte er je wirklich ideologisch dahintergestanden - am ehesten noch nach ziemlich wenig nachdenken; das kann ich dem 16-jährigen nicht übelnehmen, im jetzigen Alter ist es allerdings eher traurig...


das sehe ich auch so. allerdings glaube ich langsam nicht mehr, dass er sich wirklich distanziert hat, denn sonst hätte er das doch öffentlich ganz klar gesagt, da das ja positiv wäre und ihn selbst wieder in besseres licht stellen würde. aber so...
Honoria Lucasta (24.07.2012, 09:47):
Ich glaube, daß Nikitin sich gar nicht glaubwürdig distanzieren kann, weil ihm die wirkliche Tragweite des Problems nicht klarzumachen sein wird. Man darf nicht vergessen, daß in seiner Heimat das Hakenkreuz vor allem durch die ständig im Fernsehen wiederholten Filme, die den "ruhmreichen Sieg der Sowjetmacht über den Hitler-Faschismus" verherrlichen, präsenter als bei uns ist. Er mag als Jugendlicher im Wunsch, eine von ihm als bedrückend empfundene Obrigkeit zu provozieren, gerade dieses Symbol gewählt haben - Erfolg garantiert, sozusagen. Im übrigen holen russische Politker uind Staatshistoriker das Argument, das Hakenkreuz stehe auch und vor allem für den millionenfachen Mord an Juden, nur selten und sozusagen in Erklärungsnot hervor - dieses Grauen spielt in der russischen Öffentlichkeit kaum je eine Rolle, immer noch allenfalls nach politischem Bedarf. Das soll die hirnlose Verwendung dieses Symbols durch den Sänger nicht entschuldigen, aber kann vielleicht ein wenig erklären, warum seine Entschuldigung auch so mau ausfiel - er ist sich der historischen Tatsachen und Dimensionen wahrscheinlich einfach nicht wirklich bewußt.

Was mich viel mehr entrüstet, ist eine Festspielleitung, die offensichtlich blind in einem völlig entrückten Universum lebt, denn anders ist es nicht zu erklären, daß man sich Nikitin offensichtlich gar nicht angesehen hat - und daß man nicht wußte, daß Tattoos dieser Dichte gemeinhin nicht wegen des horror vacui auf die Haut gestochen werden, sondern daß damit irgendetwas ausgedrückt werden soll. Es ist in der jüngeren Vergangenheit immerhin möglich gewesen, daß Sänger, die aus ihrer Verehrung für Nazi-Größen wenig Hehl gemacht haben, auf dem Grünen Hügel sangen, und zwar mehrere Spielzeiten lang mit großem Publikumserfolg und durchaus uneinsichtig - damit müßte viel eher abgerechnet werden, wenn denn Abrechnung schon zu dem Zweck angesagt ist, in künstlerisch schwächelnden Zeiten eine singuläre Position in der Festspiellandschaft über die Runden zu retten. Mir drängt sich der Eindruck auf, daß man sich ertappt fühlt und nun überrascht tut - Nikitin als ehemaliges enfant terrible und von Heavy Metal zu des Meisters wogenden Klängen bekehrter Mensch aus den Weiten Sibiriens versprach publicity und Abendkasse, aber zu der einmal getroffenen Wahl stehen mochte man dan doch nicht -... Armselig finde ich das.

Grüße!

Honoria
ar (24.07.2012, 10:02):
Tut mir leid, aber was vorher in BT passiert war, waren nicht die Fehler der Wagner-Schwestern!

Die Sache ist doch ziemlich simpel:
Ein Sänger trägt auf seinem Körper Zeichen, welche von den Nationalsozialisten gebraucht wurden. Gleichzeitig steht vor dem Festspielhaus (ich weiss nicht wo) eine Tafel, zum Gedenken an jüdische Sänger in BT. Egal, ob das bei Nikitin eine Jugendsünde war, oder nicht: Er musste gehen.

Und jetzt mal ehrlich: Das er JETZT immer noch nicht wusste, was diese Symbole für eine Bedeutung haben/hatten, zeugt von der grössten Dummheint, die ich in der letzten Woche gesehen habe. Und ich bitte euch: Die Schwestern müssen nicht alle YouTube-Videos ansehen, oder auf Bildern die Symbole entschlüsseln. Ich finde es traurig, dass man jetzt wieder den Schwestern die Schuld in die Schuhe schieben möchte.

Liebe Grüsse
ar (24.07.2012, 10:06):
Aber am schlimmsten finde ich sowieso die Medien. Nikitin musste doch wegen diesen gehen. Hätte er gesungen, dann kann ich mir die Schlagzeilen schon vorstellen. Schon nur deswegen musste er gehen, weil sich BT das mit seiner Vergangenheit nicht leisten könnte. Dass das falsch ist: ja. Dass sie aber hier nicht konsequent sein konnten, ist doch logisch. Wie wenn die Musikwelt konsequent, fair und logisch wäre.
Karolus Minus (24.07.2012, 13:34):
Liebe Honoria,

ich glaube langsam wirklich, daß bis zum Anruf der "Bild am Sonntag" NIEMAND einen Gedanken an eventuelle inhaltliche Bedeutungen der Tattoos verschwendet hat.
Die "aspekte"-Sendung am Freitag abend (deren Macher ich nicht für grundsätzliche geistige Blindflieger halte) enhielt einen Bericht über den Sänger mit ein paar kurzen Opernszenen und AUCH Bildern mit nacktem Oberkörper, wobei darauf hingewisen wurde, daß Tattoos in dieser Szene halt dazugehörten - mehr nicht!!! Denen ist also auch nichts aufgefallen.
Und die Festspielleitung hat inzwischen erklärt, von ihr sei keine Fotodoku der Tattoos angefordert worden und sie kenne auch keine. Ob das z.B. aus der Kostümabteilung heraus erfolgt sei, werde zur Zeit überprüft.
Die Info stammt aus einem sehr lesenwerten Artikel des Hamburger Abendblatts zum Thema "Das Hakenkreuz in der Pop-Szene" (http://www.abendblatt.de/kultur-live/article2347981/Evgeny-Nikitin-Der-Haken-mit-dem-Kreuz.html), der sich vor allem mit der Verwendung in England und den USA beschäftigt.

Zu Nikitins ja völlig zu Recht kritisiertem Satz mit den "Konnotationen" wäre noch anzumerken, daß der so praktisch vorformuliert in der Bayreuther Presseerklärung steht. Ich tippe im Moment auf ein Gentleman's agreement, weil ein Festhalten am Sänger mit "Bild am Sonntag" im Nacken praktisch unmöglich war. Insofern kann ich sogar die windelweiche Version verstehen. Denn hätte Nikitin jetzt (ehrlich oder nicht) vermeldet, er hätte sich im Gespräch ganz eindeutig davon distanziert, dann hätt es geheißen "wieso werfen sie ihn dann raus?" oder aber "mit solchen Zeichen dran festhalten, da sieht man's wieder - Bayreuth...", und obendrein wäre die freiwillige Abreise dann ja auch nicht glaubwürdig.
Und wenn er stur geblieben wäre, dann hätten sie ihn rausschmeissen MÜSSEN, damit aber vor dem Arbeitsgericht ein Problem gehabt - und für ihn wäre der Schaden trotzdem noch größer gewesen.

Bin gespannt, ob NACH den Festspielen noch was von Nikitin dazu kommt. Wenn es beim Wischi-Waschi bleibt zur Sache (ohne den Bayreuther Bezug) dann ist er ein Depp oder ärgeres - wir werden sehen...

LG
Karolus Minus
Heike (24.07.2012, 14:42):
Ich habe mal geguckt, was auf der website des Marinsky-Theaters, wo Nikitin zum Ensemble gehört, zu dem Vorgang zu finden ist.
http://www.mariinsky.ru/news1/news2/23_229july/
Dort gibt es diese Stellungnahme von Nikitin.
Mit meinem fragmentarischen Schulrussisch kann ich entnehmen, dass er sich darin von den Nationalsozialisten deutlich distanziert und das auch damit begründet, dass seine beiden Großväter im Krieg gestorben sind. Sich selbst hat er als völlig unpolitisch bezeichnet. Seine Tattoos bringt er nur mit nordischen Symbolen in Zusammenhang und sah darin keine nazistischen Symbole. Das als Hakenkreuz bezeichnete Ding rechts aus dem Video sei zu dem Zeitpunkt erst halbfertig und hätte gar kein Hakenkreuz dargestellt. Sorry, weiter reicht mein Verständnis leider nicht und bisher habe ich auf der englischen Seite nichts dergleichen gefunden.
Heike
Karolus Minus (24.07.2012, 18:01):
Original von ar
Tut mir leid, aber was vorher in BT passiert war, waren nicht die Fehler der Wagner-Schwestern!

Die Sache ist doch ziemlich simpel:
Ein Sänger trägt auf seinem Körper Zeichen, welche von den Nationalsozialisten gebraucht wurden. Gleichzeitig steht vor dem Festspielhaus (ich weiss nicht wo) eine Tafel, zum Gedenken an jüdische Sänger in BT. Egal, ob das bei Nikitin eine Jugendsünde war, oder nicht: Er musste gehen.
Liebe Grüsse

In diesem jahr gibt es obendrein eine Ausstellung zu dem Thema, die sich wohl vor allem mit dem Bayreuther Antisemitismus VOR 1933 befasst, siehe auch http://www.abendblatt.de/kultur-live/article2346833/Die-vergessenen-Stimmen-von-Bayreuth.html
Karolus Minus (25.07.2012, 12:40):
Original von Heike
Ich habe mal geguckt, was auf der website des Marinsky-Theaters, wo Nikitin zum Ensemble gehört, zu dem Vorgang zu finden ist.
http://www.mariinsky.ru/news1/news2/23_229july/
Dort gibt es diese Stellungnahme von Nikitin.
Mit meinem fragmentarischen Schulrussisch kann ich entnehmen, dass er sich darin von den Nationalsozialisten deutlich distanziert und das auch damit begründet, dass seine beiden Großväter im Krieg gestorben sind. Sich selbst hat er als völlig unpolitisch bezeichnet. Seine Tattoos bringt er nur mit nordischen Symbolen in Zusammenhang und sah darin keine nazistischen Symbole. Das als Hakenkreuz bezeichnete Ding rechts aus dem Video sei zu dem Zeitpunkt erst halbfertig und hätte gar kein Hakenkreuz dargestellt. Sorry, weiter reicht mein Verständnis leider nicht und bisher habe ich auf der englischen Seite nichts dergleichen gefunden.
Heike

Das ist das schöne an solchen Foren. jeder weiß oder kann etwas, was die anderen nicht wissen oder können - und die optimale Steigerung ist dann, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, der etwas kann, was gerade fehlt.

Nachfolgend also die Übersetzung des Mariinsky-Textes durch einen Muttersprachler:

"Im Zusammenhang mit dem Vorfall, der am Vorabend von einer für mich unglaublich wichtigen Premiere des "Fliegenden Holländer" in Bayreuth passiert ist, erklären ich folgendes:

Ich habe noch nie irgendwelchen politischen Gruppen angehört, weder links noch rechts. Der Nationalsozalismus in all seinen Erscheinungsformen ist mir zutiefst verhasst. Ich habe zwei Großväter im Großen Vaterländischen Krieg verloren!

Ich erkläre mit Nachdruck, dass meine Tattoos nichts mit Nazi-Symbolik zu tun haben.
Auf der einen Seite meiner Brust ist eine Tätowierung mit skandinavischen Runen aus meiner Hard Rock Zeit. Ich war von der nordischen Mythologie fasziniert. Das Tattoo auf der anderen Seite hat nichts zu tun mit einem Hakenkreuz. Es ist ein achteckiger Stern und in der Mitte ist ein Emblem, das ich selbst erfunden habe. Wir führten das Tattoo in mehreren Stufen durch.

In dem ZDF Beitrag wird die unfertige Tätowierung mit nicht bemalten Umrisse gezeigt, die dort wie ein Hakenkreuz erscheint. Aber, ich wiederhole, dies war eine Zwischenstufe, die Tätowierung war unvollendet. Ich wollte nie ein Hakenkreuz auf meinem Körper haben und erst recht nicht vor einer Kamera damit posieren.

Evgeny Nikitin
Heike (25.07.2012, 21:35):
Na wunderbar, danke für die Übersetzung.

Ich frag mich, warum es ihm nicht gelungen ist, das bei den Bayreuth-Schwestern so richtigzustellen, wenn es denn wirklich so war. Wenn das ein Stern und gar kein Hakenkreuz war, was hat man dann eigentlich gegen ihn vorgebracht? Irgendwie wird das alles mysteriöser. Mit der Familiengeschichte kann ich mir auch schwerlich vorstellen, dass der wirklich mit dieser Ideologie sympathisierte. Mir tut der Nikitin schon auch ein bißchen leid, so kurz vor der Premiere rausgeworfen zu werden ist bestimmt nicht leicht wegzustecken.
Heike
Severina (25.07.2012, 23:02):
Einerseits ja, andererseits klingt Nikitins Erklärung für mich nicht wirklich plausibel - eher etwas an den Haaren herbeigezogen, ich kann mir nicht helfen. Wenn ich kein Hakenkreuz auf meiner Brust haben will, dann lass ich mir auch als "Zwischenstufe" keines stechen. Dieses Tattoo muss im Übrigen ein ziemliches Langzeitprojekt gewesen sein, wenn man sich den Zeitraum von Nikitins Heavy-Metal-Zeit bis 2007 - wo der "Stern" dann offensichtlich fertig war - vergegenwärtigt.

Aber gut, im Zweifel für den Angeklagten.....

lg Sevi :hello
Billy Budd (26.07.2012, 09:22):
Da noch niemand den (mE ziemlich mutigen) Holender-Sager erwähnt hat:

Wenn man in Zukunft einen Sänger von einer Produktion loswerden will, ist der beste Weg, ihn nackt auszuziehen.” Und: “Wenn in Bayreuth alle, die im Herzen ein Hakenkreuz tragen, nicht mehr kommen, kriegt man wieder leicht Karten.” Wie hätte er, Holender, als Intendant reagiert: “Ich hätte ihm gesagt: Machen Sie den Knopf zu.”
(Zitat aus dem Online-Merker, Tagesinfos vom 25. Juli)

Billy :hello