Unverständliche Begeisterung

Jeremias (28.04.2007, 08:08):
Könnt Ihr die Begeisterung um das ein oder andere Werk manchmal (auch) nicht ganz verstehen? Mir war noch nie klar, warum so ein Hype um Werke wie Mahler's 5., Stravinsky's Sacre oder auch um einige Orchesterwerke Richard Strauss' gemacht wird.... könnt Ihr mich da mal aufklären und evtl. "bekehren"?

Habt Ihr auch solche Werke, deren Popularität Euch unverständlich ist?
satie (28.04.2007, 08:34):
Lieber Jeremias,
jeder von uns wird solche Stücke kennen, die gemeinhin als Meisterwerke gehandelt werden und die wir trotzdem nur öde oder nichtssagend oder höchstens "nett" finden. Ich muss gestehen, dass für mich die Symphonie Fantastique von Berlioz so ein Fall ist. Ich konnte sie noch nie leiden und habe nie verstanden, warum Berlioz nun ein großer Komponist sein soll, zumal man von ihm sonst eh nichts oder kaum was kennt. Ebenso kann ich mit Cesar Franck absolut gar nichts anfangen.

Zu den von Dir genannten Stücken: bei Mahler habe ich dasselbe Problem, bei Sacre liegt die Berühmtheit zum einen an dem Skandal bei der Uraufführung, der wohl einer der größten der Geschichte war und letztlich dem Stück zu diesem Ruhm verholfen hat, zum anderen ist es aber auch ein historisch wichtiges Musikstück, weil es radikal war zur damaligen Zeit und in eine andere Richtung ging als das, was sonst sich gerade entwickelte (etwa die Atonalität eines Schönberg mit dem späteren Gipfeln in der Dodekaphonie). Zu Richard Strauss kann ich nur sagen: wenn schon Richard, dann wenigstens Wagner, wenn schon Strauss, dann bitte Johann.

In diesem Sinne grüßt herzlich

S A T I E
Rachmaninov (28.04.2007, 08:37):
@Jeremias,

da gibt es sicherlich einige!
Ganz weit im vorderen Feld sicherlich die Tchaikovsky Sinfonie #6.
Finde ich persönlich nur langweilig.

:engel
karajan (28.04.2007, 09:34):
Original von Jeremias
Könnt Ihr die Begeisterung um das ein oder andere Werk manchmal (auch) nicht ganz verstehen? Mir war noch nie klar, warum so ein Hype um Werke wie Mahler's 5., Stravinsky's Sacre oder auch um einige Orchesterwerke Richard Strauss' gemacht wird.... könnt Ihr mich da mal aufklären und evtl. "bekehren"?

Habt Ihr auch solche Werke, deren Popularität Euch unverständlich ist?

Guten morgen Jeremias !
Ja so sind die Unterschiede im Musikgeschmack aber das ist auch gut so. Satie schieb wenn schon Richard dann Wagner bei mir ist das genau anders rum, wenn Richard dann Strauss. Richard Wagner bleibt für mich momentan noch verborgen. Die Opern besonders der Ring kann bei mir keine Liebe erwecken. Ein paar Vorspiele aber das wars schon. Viele sind begeistert Wagner die Opern überhaupt?
Gruss Andreas
sound67 (28.04.2007, 13:06):
Gustav Mahler ist mit Sicherheit heute genauso überschätzt wie er nach seinem Tode zunächst unterschätzt wurde. Virtuos ausgeführte Schrammelmusik für großes Orchester, zwischen echter Tiefe und monströser sentimentaler Nabelschau pendelnd - mehr ist es wirklich nicht. Irgendwann wird man sich dessen auch wieder bewusst werden.

Die 5. ist ein gutes Beispiel dafür - Tiefgang hat diese Symphonie praktisch gar nicht.

Gruß, Thomas
manrico (30.04.2007, 01:24):
Das Faszinierende an Mahler finde ich, dass er nie belehrend ist, sondern dass seine Musik so unmittelbar und vielschichtig - einfach so menschlich ist. Er mag manchmal das was er sich vorgenommen hat, nicht erreichen, aber man kann ihm niemals unterstellen, nicht nach den Sternen gegriffen zu haben. Das selbe gilt IMO auch für Berlioz. Und ein - von mir nicht besonders geschätzter Dirigent soll ja einmal gesagt haben: Wer alle seine Ziele erreicht, hat sie sich möglicherweise zu niedrig gesteckt.

Instrumentalmusik steht bei mir weit hinter Vokalmusik zurück, weil ich die menschliche Stimme noch immer als das schönste und vollkommenste Instrument empfinde, aber Mahlers 6. ergreift mich wie kaum ein anderes symphonisches Werk. In allen seinen Symphonien schöpft Mahler immer aus dem Mensch-sein mit allen seinen Stärken und Schwächen und nicht aus konstruierten Formen und Formeln. Es ist eine sehr diesseitige Musik des Menschen in seiner Existenz hier und jetzt ohne irgendwelche jenseitigen Vertröstungen.

Ein Komponist, zu dem ich überhaupt keinen Zugang finde, ist Brahms. Seine Symphonien sind klingen für mich akademisch und anämisch. Die wenigen Melodien, die ihm eingefallen sind, werden gewälzt, gedreht und ad infinitum moduliert. Es mag alles redlich sein, aber es ist nix kühn und inspiriert. Alles ist erdacht, nichts ist erfühlt, geschweige denn erfüllt. Leidenschaft ist ihm fremd. Mir fehlt das Strahlen, das Lächeln und das Lachen in der Musik von Brahms. Zu sehr verhaftet in der barocken Tradition und Formensprache und zu reaktionär vermag er mich weder zu begeistern noch zu berühren noch mir ein Lächeln zu entlocken. Daher verschenke ich - in Anlehnung an einen anderen - diesmal von mir geschätzten Dirigenten - den gesamten Brahms gegen eine einzige Arie von Verdi - und möge es auch seine unbedeutendste sein.
Jeremias (28.04.2007, 08:08):
Könnt Ihr die Begeisterung um das ein oder andere Werk manchmal (auch) nicht ganz verstehen? Mir war noch nie klar, warum so ein Hype um Werke wie Mahler's 5., Stravinsky's Sacre oder auch um einige Orchesterwerke Richard Strauss' gemacht wird.... könnt Ihr mich da mal aufklären und evtl. "bekehren"?

Habt Ihr auch solche Werke, deren Popularität Euch unverständlich ist?
satie (28.04.2007, 08:34):
Lieber Jeremias,
jeder von uns wird solche Stücke kennen, die gemeinhin als Meisterwerke gehandelt werden und die wir trotzdem nur öde oder nichtssagend oder höchstens "nett" finden. Ich muss gestehen, dass für mich die Symphonie Fantastique von Berlioz so ein Fall ist. Ich konnte sie noch nie leiden und habe nie verstanden, warum Berlioz nun ein großer Komponist sein soll, zumal man von ihm sonst eh nichts oder kaum was kennt. Ebenso kann ich mit Cesar Franck absolut gar nichts anfangen.

Zu den von Dir genannten Stücken: bei Mahler habe ich dasselbe Problem, bei Sacre liegt die Berühmtheit zum einen an dem Skandal bei der Uraufführung, der wohl einer der größten der Geschichte war und letztlich dem Stück zu diesem Ruhm verholfen hat, zum anderen ist es aber auch ein historisch wichtiges Musikstück, weil es radikal war zur damaligen Zeit und in eine andere Richtung ging als das, was sonst sich gerade entwickelte (etwa die Atonalität eines Schönberg mit dem späteren Gipfeln in der Dodekaphonie). Zu Richard Strauss kann ich nur sagen: wenn schon Richard, dann wenigstens Wagner, wenn schon Strauss, dann bitte Johann.

In diesem Sinne grüßt herzlich

S A T I E
Rachmaninov (28.04.2007, 08:37):
@Jeremias,

da gibt es sicherlich einige!
Ganz weit im vorderen Feld sicherlich die Tchaikovsky Sinfonie #6.
Finde ich persönlich nur langweilig.

:engel
karajan (28.04.2007, 09:34):
Original von Jeremias
Könnt Ihr die Begeisterung um das ein oder andere Werk manchmal (auch) nicht ganz verstehen? Mir war noch nie klar, warum so ein Hype um Werke wie Mahler's 5., Stravinsky's Sacre oder auch um einige Orchesterwerke Richard Strauss' gemacht wird.... könnt Ihr mich da mal aufklären und evtl. "bekehren"?

Habt Ihr auch solche Werke, deren Popularität Euch unverständlich ist?

Guten morgen Jeremias !
Ja so sind die Unterschiede im Musikgeschmack aber das ist auch gut so. Satie schieb wenn schon Richard dann Wagner bei mir ist das genau anders rum, wenn Richard dann Strauss. Richard Wagner bleibt für mich momentan noch verborgen. Die Opern besonders der Ring kann bei mir keine Liebe erwecken. Ein paar Vorspiele aber das wars schon. Viele sind begeistert Wagner die Opern überhaupt?
Gruss Andreas
sound67 (28.04.2007, 13:06):
Gustav Mahler ist mit Sicherheit heute genauso überschätzt wie er nach seinem Tode zunächst unterschätzt wurde. Virtuos ausgeführte Schrammelmusik für großes Orchester, zwischen echter Tiefe und monströser sentimentaler Nabelschau pendelnd - mehr ist es wirklich nicht. Irgendwann wird man sich dessen auch wieder bewusst werden.

Die 5. ist ein gutes Beispiel dafür - Tiefgang hat diese Symphonie praktisch gar nicht.

Gruß, Thomas
manrico (30.04.2007, 01:24):
Das Faszinierende an Mahler finde ich, dass er nie belehrend ist, sondern dass seine Musik so unmittelbar und vielschichtig - einfach so menschlich ist. Er mag manchmal das was er sich vorgenommen hat, nicht erreichen, aber man kann ihm niemals unterstellen, nicht nach den Sternen gegriffen zu haben. Das selbe gilt IMO auch für Berlioz. Und ein - von mir nicht besonders geschätzter Dirigent soll ja einmal gesagt haben: Wer alle seine Ziele erreicht, hat sie sich möglicherweise zu niedrig gesteckt.

Instrumentalmusik steht bei mir weit hinter Vokalmusik zurück, weil ich die menschliche Stimme noch immer als das schönste und vollkommenste Instrument empfinde, aber Mahlers 6. ergreift mich wie kaum ein anderes symphonisches Werk. In allen seinen Symphonien schöpft Mahler immer aus dem Mensch-sein mit allen seinen Stärken und Schwächen und nicht aus konstruierten Formen und Formeln. Es ist eine sehr diesseitige Musik des Menschen in seiner Existenz hier und jetzt ohne irgendwelche jenseitigen Vertröstungen.

Ein Komponist, zu dem ich überhaupt keinen Zugang finde, ist Brahms. Seine Symphonien sind klingen für mich akademisch und anämisch. Die wenigen Melodien, die ihm eingefallen sind, werden gewälzt, gedreht und ad infinitum moduliert. Es mag alles redlich sein, aber es ist nix kühn und inspiriert. Alles ist erdacht, nichts ist erfühlt, geschweige denn erfüllt. Leidenschaft ist ihm fremd. Mir fehlt das Strahlen, das Lächeln und das Lachen in der Musik von Brahms. Zu sehr verhaftet in der barocken Tradition und Formensprache und zu reaktionär vermag er mich weder zu begeistern noch zu berühren noch mir ein Lächeln zu entlocken. Daher verschenke ich - in Anlehnung an einen anderen - diesmal von mir geschätzten Dirigenten - den gesamten Brahms gegen eine einzige Arie von Verdi - und möge es auch seine unbedeutendste sein.