ar (31.01.2013, 13:55): Die französische Sopranistin (geboren 1966) ist berühmt für ihre Barock- und Mozartpartien. Sie arbeitet oft mit Minkowski, Christe und Jacobs zusammen.
Mich fasziniert die dunkle, aber sehr leichte Stimme. Leider hat sie sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe begrenzte Möglichkeiten, so dass sie sowohl im Sopran-, als auch im Mezzofach sehr genau aufpassen muss, was sie macht (ihre Vitellia hat mich bis heute nicht überzeugt). Aber diese noble Stimme ist das (IMO) Beste, was ich im Barock- und Mozartfach gehört habe. Besonders überzeugt sie mich als Fiordiligi, Contessa (beides unter R.Jacobs), Agrippina und als Proserpina unter Frau Haïm. Gerade bei letzterer Partie kann ich meinen Beitrag aus dem Capriccio-Forum zitieren: „Aber den Platz in meinem Herzen hat sie sich mit Monteverdis L’Orfeo verdient. Noch nie habe ich so eine gute Proserpina gehört: zwischen Liebe, Mitgefühl und Trauer schwebend, so dass selbst die Stimme ein bisschen verschattet ist, das ist höchste Kunst. Bei ihr ist auch klar, die Proserpina liebt den Plutone wirklich.“ Nachsatz: Nur will sie auch wieder an die Oberfläche…
Wie gefällt euch diese Sopranistin?
Schweizer (31.01.2013, 17:55): Hallo ar, ich kenne diese Sängerin nur dem Namen nach, habe von ihr sofort auf YT eine ganz fabelhafte "Dove sono"-Arie reingezogen; prächtiges Legato, langer Atem, den es dafür braucht. Wieso sagst Du dass sie unten und oben limitiert sei, ich habe zumindest bei dieser Arie der Gräfin nichts davon bemerkt? Gruss vom Schweizer
ar (31.01.2013, 19:05): Nun ja, ein Sopran, welcher ab dem a'' höchste Mühe hat, hat einen begrenzten Umfang, oder nicht?
Schweizer (31.01.2013, 19:19): Danke für Deinen Input: dann muss ich mal nach der "Come scoglio"-Arie suchen ... oder kannst Du mir einen Tip geben was ich mir anhören soll, wo die von Dir angesprochenen Defizite zu Tage treten?
ar (31.01.2013, 19:21): Sie singt diese in 415'.
stiffelio (31.01.2013, 20:01): Hallo ar,
ich kannte VG auch noch gar nicht, was erstens daran liegt, dass ihr Repertoire (noch) nicht so ganz mein bevorzugtes ist. Zweitens fällt es mir generell eher schwer, zu Frauenstimmen etwas zu sagen. Aber beim Surfen hat mich dann doch dieser Link http://www.youtube.com/watch?v=PfHr-Vmzm7Q (Don Giovanni, Elvira) beeindruckt.
VG, stiffelio
OT: Danke für deinen Beitrag zu Pape :).
ar (31.01.2013, 20:08): Ich kann mit der Bieito Inszenierung nichts anfangen, aber die Sänger (also Ketelsen, Keenlyside und Gens) sind der Hammer!
palestrina (31.01.2013, 20:43): Hallo ar !
Nicht vergessen , das fantastische Lamento d'Arianna !!!! Und das tolle Recital Tragediennes 3. Auch die Contessa ist schon eine Wucht, allerdings gefällt mir ihre Fiordilici nicht ganz so gut, aber das ist wie immer eine reine Geschmackssache.
LG palestrina
Schweizer (31.01.2013, 20:46): Hallo stiffelio, hallo ar, ich war durch die Szene/Darstellung beim ersten Hinhören reichlich irritiert, habe mir dann "Mi tradì" nochmals, ohne hinzugucken, angehört und wurde weniger glücklich mit V.Gens im Vergleich zur Figaro-Gräfin; ich hatte das Gefühl das Tempo war verhetzt, zu schnell? Komme nicht klar warum, vielleicht wurde ich kritischer weil mir die Regie total missfiel!?!
Fairy Queen (31.01.2013, 20:57): Guten Abend, ich habe Véronique Gens schon live als Agrippina und Don Giovanni Elvira erlebt und in einer Lully Oper, deren Titel mir gerade nicht einfällt und besitze ausserdem mehrere Cds. Was sie m.E. am besten charakterisiert ist Noblesse und Eleganz. Ihre Elvira war als Rollenporträt für mich vorbildlich weil sie der einzigen Figur in dieser Oper, die den Titelhelden wirklich liebt die unsympathische Hysterie nimmt und ihr die noble Tragik gibt. Ihre Stimme ist wie Samt, hat aber leider bereits etwas gelitten und den schônsten Schmelz verloren. Was ar sagt, ist wahr, mit ihrer kurzen Tessitur ist sie weder ein richtiger Sopran noch ein Mezzo und im Barockfach am allerbesten bedient. Manche "Tragedienne" die sie gesungen hat war m.E. schon zu dramatisch. Wenn man keine leichte Höhe hat heisst das ja noch lange nicht, dass man eine schwere Stimme hat. Sie muss wirklich höllisch mit dem Repertoire aufpassen, die Verlockung sie in unpassende Fächer zu stecken ist zu gross. Sie ist leider ein bisschen zu gross geraten für die Bühne, mit Partnern ist das nicht immer einfach, aber ein sehr schône Frau- immer nobel und elegant. Eine Rolle wie die Iphigenie wâre ihr auf den Leib geschrieben, wenn der Dirigent und das Orchester gut aufpassen und der Saal nciht zu gross ist. Auch als Liedsängerin ist Vernonique Gens ein Gewinn. Besonders gut" Les nuits d'été" von Berlioz.
FQ
Schweizer (31.01.2013, 21:35): Hallo palestrina, bei der Fiordiligi/Felsenarie hört man die von ar ange-sprochene *kurze Stimme* als Defizit deutlich, unten kommt fast nur noch heisse Luft und oben wird die extreme Höhe herausgestossen ... aber da ist sie nicht allein, sozusagen in guter Gesellschaft. :A
Severina (31.01.2013, 23:56): Veronique Gens ist von der ersten Saison an regelmäßiger Gast im ThadW, an der WSO hat sie erst vor kurzem in Glucks "Alceste" debutiert. (Auch im ThadW war sie bei allen Glucks mit von der Partie!)
Ich mag ihr dunkles, leicht verschattetes und deshalb sehr sinnliches Timbre sehr und verdanke ihr viele wunderbare Opernabende. Alledings habe ich sie noch nie in einer Mozartpartie gehört und deshalb auch noch nie den Eindruck gehabt, dass sie extrem an ihre Grenzen gehen muss. (Doch, einmal schon: In Rossinis "Tancredi", aber da hatte sie möglicherweise überhaupt einen schlechten Tag!)
Außerdem schätze ich an Veronique Gens auch ihre schauspielerischen Qualitäten, sie war der einzige wirkliche Lichtblick in der faden Loy-Inszenierung der "Alceste". Gerade diese Partie verführt dazu, in weinerlichen Posen zu erstarren und endlose Lamenti abzuliefern, aber damit gab sich Frau Gens gottlob nicht zufrieden.
lg Severina :hello
ar (01.02.2013, 19:06): Lieber Schweizer In der Jacobs-Aufmahme macht sie das aber ziemlich gut. Welche Aufnahme hast du gehört?
Schweizer (02.02.2013, 11:39): Hallo ar, ich habe heute die Felsenarie unter Jacobs nachgehört und mein Eindruck ist erheblich besser ausgefallen, da tönt sie vor allem unten viel reicher, aber auch oben deutlich angenehmer. Zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass ich vor einigen Tagen überhaupt nicht darauf geachtet habe wer bei dem von mir abgehörten YT-Ausschnitt dirigiert hat. Abgesehen davon ist es ja eine Tatsache, dass YT-Aufnahmen öfters mal puncto Ton- qualität problematisch sind. Gruss vom Schweizer