Verdi: Luisa Miller

stiffelio (22.07.2012, 18:36):
Liebe Forumsmitglieder,

diesen Beitrag hatte ich schon vor einigen Wochen entworfen und in großen Abständen weitergeschrieben. Auslöser, ihn gerade jetzt einzustellen, war die Entdeckung, dass meine Lieblingsinszenierung von LUISA MILLER aus dem Theatro La Fenice derzeit auf youtube komplett einsehbar ist. Wer also mal hineinschauen möchte: http://www.youtube.com/watch?v=UTRlA5JuXAc und http://www.youtube.com/watch?v=wfbsUMl046o

Zur Story:
Die Handlung ist den meisten sicher zumindest aus der Schillerschen Vorlage "Kabale und Liebe" bekannt:
Das Bauernmädchen Luisa Miller und der Grafensohn Rodolfo (zunächst unter einem bürgerlichen Pseudonym) verlieben sich ineinander. Dies versucht Rodolfos Vater zu hintertreiben, weil er für seinen Sohn eine Heirat mit der verwitweten Fürstin Frederica plant. Letztlich gelingt ihm dies auch mit Hilfe seines Verwalters Wurm, der selbst an Luisa interessiert ist. Im Auftrag des Grafen erpresst Wurm mit der Androhung, Luisas innig geliebten Vater töten zu lassen, von Luisa einen Brief, in dem sie fälschlichweise vorgibt, Rodolfo nie geliebt zu haben.
Dieser Brief wird Rodolfo zugespielt, der über den vermeintlichen Treuebruch Luisas so außer sich ist, dass er Luisa heimlich Gift in den Trinkbecher füllt, aus dem er dann auch selbst trinkt. Im Angesicht des Todes gesteht Luisa Rodolfo die Wahrheit, Rodolfo ersticht mit letzter Kraft den Verwalter Wurm und stirbt an Luisas Seite.

Deutliche Unterschiede zu Schiller liegen u.a. in der Rolle der Fürstin, die bei Verdi auf die eifersüchtige Rivalin reduziert wird und in dem Umstand, dass Wurm (im Gegensatz zu Schiller) zusammen mit dem Liebespaar stirbt. Psychologisch interessierte mich die Story bisher vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass ich mir wenig Schimmeres vorstellen kann, als zu erfahren, dass ich einen geliebten Menschen aus falsch begründeter, eifersüchtiger Verzweifelung getötet habe (also das, was Rodolfo widerfährt, bzw. er selbst, wenn auch irrtümlich, verschuldet). Nicht viel besser ist auch die Wahl, die Luisa zwischen ihrer Liebe zu Rodolfo und zu ihrem Vater abverlangt wird (wenn sie aus heutiger Sicht evtl. auch Alternativen gehabt hätte, die aber für ein Bauernmädchen aus dem 18. Jh. wohl unrealistisch gewesen wären).

Von dieser Oper kann ich drei DVDs vergleichen:

MET, 1979
Luisa - Renata Scotto
Rodolfo - Placido Domingo
Miller - Sherill Milnes
Il conte di Walter - Bonaldo Giaiotti
Wurm - James Morris
Frederica - Jean Kraft
Laura - Ariel Bybee

Conductor: James Levine
Producer: Christopher Sarson



Meine erste LUISA war diese typische MET-Inszenierung: mit großem Aufwand und großer Liebe zum Detail historisch gespielt, aber ohne großartige Personenführung.
Stimmlich ist sie in den meisten Rollen eine Luxusbesetzung. Domingo agiert mit bekannter stimmlicher Qualität, vermag mir aber nicht viel mehr als die beiden Pole heiße Liebe und entsprechend entrüstete Enttäuschung zu vermitteln. Die existentielle Verzweifelung, die ich mir von Rodolfo am Ende des zweiten und noch mehr des dritten Aktes erwarte, bleibt aus. Gerade im Vergleich mit den anderen beiden DVDs sticht insgesamt Sherill Milnes als Vater von Luisa stimmlich am positivsten heraus. Darstellerisch können alle fünf Hauptfiguren - Luisa, ihr Vater, Rodolfo, sein Vater und Wurm - einzelne starke Momente verbuchen, es bleiben aber Einzelpunkte in einer Aufführung, die insgesamt mehr von den klassischen Sängergesten beherrscht wird.
Endgültig danebengegriffen wurde für meinen Geschmack bei der Maske: erstens bei der überflüssigen Blonierung von Domingo (soll damit seine Nähe zur blonden Luisa betont werden oder handelt es sich um eine völlig sinnfreie Typverfremdung??) und nochmehr bei den auf Mephisto geschminkten Augenbrauen von James Morris als Wurm. Morris hat eine solche (gerade in den Nahaufnahmen störende) Albernheit nun wirklich nicht nötig, er spielt den Wurm abseits jeder Augenbraue als Fiesling sehr gut bis großartig und bringt m.E. von allen Mitspielern am meisten Lebendigkeit in diese Aufführung.

Mit Abstand derzeit meine Lieblings-LUISA:

Teatro La Fenice, 2006
Luisa - Darina Takova
Rodolfo - Guiseppe Sabbatini
Miller - Damiano Salerno
Il conte di Walter - Alexander Vinogradov
Wurm - Arutjun Kotchinian
Frederica - Ursula Ferri
Laura - Elisabetta Martorana

Conductor: Maurizio Benini
Producer: Arnaud Bernard



Diese LUISA ist in vielem das Gegenteil. Sparsame Requisiten, die Handlung wurde in die erste Hälfte des 20. Jh. verlegt. In der Mitte des Raumes eine unterschiedlich (mal schräg, mal gerade) konfigurierte Säule, die zu jedem Szenenwechsel ein anderes großformatiges Stimmungsbild von einer Frau - sinnbildlich für Luisa - zeigt. Die Darstellung geht an die Grenze dessen, was ich an physischer oder vielmehr physisch angedeuteter psychischer Gewalt in der Oper vertrage. Aber das Ergebnis hat mich auf ganzer Linie fasziniert. (In der Beschreibung steht, dass der Film 1900 als Inspiration diente. Ich kenne den Film nicht und kann deshalb auch nicht vergleichen.)
Die expressive Darstellung insbesondere der beiden Hauptpersonen rückt diese DVD auf einen Platz ganz oben auf meinem Stapel. Das ausgeprägte Vibrato von G. Sabbatini ist vermutlich nicht jedermanns Sache, aber allein die gequälte, schneidende Kälte, die er zu Beginn der Schlusszene in die Worte "Sie betet - es ist höchste Zeit zu beten" legt, finde ich eine stimmliche Meisterleistung. Absolut berührend auch, wie er nach Lesen des von Luisa erpressten Briefes den Mantel mit verschänkten Armen um sich zieht und so sein psychisches "Erfrieren" und seine Einsamkeit in diesem Moment andeutet (http://www.youtube.com/watch?v=14tHc-5Yc5s ).Bei ihm kommt auch die abgrundtiefe Verzweiflung am Ende des zweiten und dritten Aktes rüber, die ich bei Domingo vergeblich gesucht habe (http://www.youtube.com/watch?v=sL78UkLYGFA ). So möchte ich diese Schlussszene gespielt haben! Typisch für mich, dass ich die absolut großartige, dramatische Musik von Verdi erst zusammen mit dieser Darstellung so richtig begreifen konnte.
Rodolfos Vater singt und spielt ebenfalls sehr gut. Mit A. Vinogradov wurde ein Sänger gewählt, der in der gesamten Gestatung sehr gut zu dieser Rolle passt. Ihm nehme ich sowohl den eiskalten Despoten und intriganten Mörder ab, als auch die Überzeugung, dass er das alles nur für seinen Sohn tut, den er mit allen Mitteln zu seinem "Besten" zwingen will. Bei A. Kotchinian als Wurm empfinde ich deutliche Ähnlichkeit mit einem Mafioso. In diese Inszenierung passt das für mich. D. Salerno als Luisas Vater ist o.k., allerdings nicht mehr. Als etwas störend empfinde ich, dass er sehr oft Blickkontakt mit dem Dirigenten sucht und dadurch spielerisch am meisten in dem freilich großartigen Team abfällt.

Als dritte DVD hatte ich mir kürzlich noch diese gekauft:

Opera National de Lyon, 1988
Luisa - June Anderson
Rodolfo - Taro Ichihara
Miller - Edouard Tumagian
Il conte di Walter - Paul Plishka
Wurm - Romuald Tesarowicz
Frederica - Susanna Anselmi

Conductor: Maurizio Arena
Producer: Jacques Lassalle



Sie bleibt in den Kostümen konventionell, in den Kulissen eher sparsam. Aus größten Pluspunkt empfinde ich die stimmlichen Qualitäten von June Anderson als Luisa. Es ist für mich immer wieder ein Vergnügen, ihren scheinbar so mühelosen, kristallklaren Koloraturen zu lauschen. Der tiefschwarze Bass von R. Tesarowicz passt für mich sehr gut zum Wurm. T. Ichihara als Rodolfo, P. Plischka als sein Vater und E. Tumagian als Luisas Vater haben bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Darstellerisch bietet diese Aufführung leider nicht mehr als die MET-Inszenierung. Positiv hebt sich für mich dabei noch S. Anselmi als Frederica ab. Sowohl darstellerisch als auch stimmlich fand ich sie von allen drei Fredericas dieser DVDs am überzeugendsten.

Kennt jemand diese vierte DVD mit Rachele Stanisci und Francesco Demuro, die derzeit noch auf dem Markt ist und kann sie empfehlen? Was ich bisher davon auf youtube gesehen habe, hat mich darstellerisch nur teilweise überzeugt.

Oder hat jemand noch eine ganz andere Lieblings-Aufnahme?
Und hat jemand Lust, in einen detailierteren Vergleich mit der Schillerschen Vorlage einzusteigen?

VG, stiffelio
Severina (22.07.2012, 18:59):
Liebe Stiffelio,

Du erwischst mit unfehlbarer Sicherheit immer Opern, die nicht zu meinen bevorzugten zählen, was eine Diskussion natürlich erschwert :(!
Die "Luisa Miller" habe ich vor vielen Jahren mit Pavarotti gesehen, der Eindruck war insgesamt so bescheiden, das ich dieses Werk damit für mich ad acta legte. Daher besitze ich auch nur eine CD (Domingo, Millo, Chernov, Rotering...), die ich aber auch ewig lange nicht mehr angehör habe. Nach einer DVD dürste ich nicht wirklich, denn die Musik finde ich wie gesagt nicht sooooo toll (verglichen mit anderen Verdi-Opern) und das Libretto sehr banal, verglichen mit Schiller.
Daher wäre das der Ansatzpunkt, wo ich gerne mitmachen würde. Schon einmal deshalb, weil ich im Präsidenten alles andere als einen liebenden Vater sehe, der alles nur für seinen Sohn tut - Ferdinand ist für ihn nicht mehr als das Werkzeug für seine Machtpolitik. Zumindest bei Schiller ist das so, das Libretto müsste ich dahingehend noch einmal abklopfen, denn das habe ich nur sehr vage im Gedächtnis. (Aber schon einmal die Tatsache, dass sich Rodolfo zunächst inkognito an Luisa heranmacht, ist eine massive Verfälschung von Schillers Intention!)

Vielleicht treibe ich in der Bibliothek auch noch eine DVD auf, damit die Sache etwas handfester wird!

lg Severina :hello
Karolus Minus (22.07.2012, 21:38):
Liebe Stiffelio,
ich besitze noch Cedolins/Alvarez/Nucci aus Parma 2007 (und für Parma sehr ordentlich von der szenischen Seite her) und die stimmlich vielleicht beste Variante mit Ricciarelli/Connell/Domingo/Bruson vom Coent Garden.
Das BBC-Video von 1979 ist natürlich bildtechnisch nicht wirklich genial.
LG
Karolus Minus
stiffelio (22.07.2012, 21:44):
Liebe Severina,

ich bin untröstlich über meine Opernauswahl :wink und werde gerne dir das nächste Mal den Vortritt lassen :D.
Natürlich kann das Libretto an Tiefgang nicht mit der Schillerschen Vorlage mithalten. Aber so völlig verfehlt finde ich es für ein Opernlibretto auch nicht. Da ist es Schillers Tell in Rossinis Vertonung nicht anders ergangen.

Beim Grafen/Präsidenten habe ich mich offenbar missverständlich ausgedrückt. Er ist auch bei Verdi ein Familientyrann reinsten Wassers und das Verhältnis zu seinem Sohn ist alles andere als liebevoll. Aber welcher tyrannische Vater rechtfertigt nicht gerne seine Taten damit, dass er das vor allem für das Fortkommen seines Sohnes tut? Auch bei Schiller tut der Präsident das in der ersten Szene, in der er mit Ferdinand zusammentrifft. Wie aufrichtig er das meint, steht zwar auf einem anderen Blatt, aber völlig widerlegt wird das m.E. nicht. Und wenn man will, kann man auch bei Verdi den Grafen so begreifen, dass er Rodolfo nur als sein Werkzeug sieht. Ich sehe in beiden Werken beides, allerdings bei Verdi eher einen Hauch mehr Aufrichtigkeit.

Ohne Pavarotti unrecht tun zu wollen, aber mit ihm als Rodolfo hätte eine LUISA mich wohl auch schwerlich begeistert. Rodolfo muss nicht nur singen, sondern auch spielen können.
Wenn du in der Bibliothek die DVD aus dem Teatro La Fenice bekommen kannst und du dann die letzte Szene ab Luisas Gebet nicht genial findest (auch und gerade musikalisch!), dann strecke ich meine Waffen und gebe auf :wink.

VG, stiffelio
stiffelio (22.07.2012, 21:49):
Lieber Karolus,

wenn mich nicht alles täuscht, kenne ich von der Inszenierung von Covent Garden wenige Ausschnitte aus youtube. Die reichten zwar an meine Lieblings-DVD nicht heran, aber interessant fand ich sie schon. Und Domingo auch noch besser als in der MET.
Die Inszenierung aus Parma suche ich gleich mal auf youtube.

VG, stiffelio
Rideamus (23.07.2012, 11:46):
Ich schätze die LUISA MILLER nicht weniger als den STIFFELIO, und wie bei diesem war es eine alte cd-Aufnahme, die mich für die Oper begeistert hat, und die ich mindestens sängerisch bis heute unübertroffen finde, nämlich diese von Fausto Cleva dirigierte mit der großartigen Bestzung Anna Moffo, Carlo Bergonzi, Shirley Verrett, Cornell MacNeil, Giorgio Tozzi und Ezio Flagello:


An die kommt m. E. keine spätere heran, auch nicht die zweitbeste unter Lorin Maazel mit Domingo, Ricciarelli, Obratzsowa und Bruson, die es mit leichten Variationen auch von der Londoner Aufführung des Werkers gibt.

Im Gegensatz zu Severina bin ich, der ich vom Sprechtheater wenig begeistert bin, nicht so von Schiller geprägt, dass ich Verdis Oper geringer schätze. Tatsächlich war die von ihr erwähnte Aufführung mit Christa Ludwig die einzige Opernaufführung, die ich jemals an der Wiener Staatsoper erlebt habe, und ich war durchaus beeindruckt. Allerdings nicht von Pavarotti, den in meiner Erinnerung sang statt seiner Bonisolli und statt Riccirallei Lilian Sukis, die ich damals aber auch sehr schätzte, zumal Bonisolli die Rolle des Rodolfo weit glaubhafter verkörperte als Pavarotti. Meine Erinnerung kann da allerdings irren, denn sicher bin ich mir nur bei Christa Ludwig und der Tatsache, dass mir seinerzeit die, auch für damalige Verhältnisse recht konventionelle, Inszenierung gefallen hat.

Leider bin ich im Moment noch ganz im HOFFMANN, und auch die Lösung meines Rätsels harrt noch der Niederschrift, so dass ich mich zur Zweit nicht auch noch in due LUISA MILLER versenken kann. Die von Dir empfohlene YouTube - Link werde ich aber auf jeden Fall einmal ansehen und zu gegebener Zeit mit meinen anderen DVDs mit Ricciarelli und Anderson vergleichen.

Bis dahin

:hello Rideamus
pavel (23.07.2012, 15:27):
Lieber Rideamus,

deine Erinnerung trügt dich nicht. Im Jahr 1974 sangen in allen Luisa-Vorstellungen Bonisolli / Sukis.
Pavarotti sang nur 4 Vorstellungen im Jahr1 986 und da war seine Partnerin Cecilia Gasdia.
Die Paarung Pavarotti / Ricciarelli gab es an der Staatsoper (nicht nur in Luisa) nicht, wenn man dem Spielplanarchiv trauen kann.
stiffelio (23.07.2012, 20:05):
Lieber Rideamus,

ich habe nicht ernsthaft damit gerechnet, dass du aktuell zu etwas anderem als deiner intensiven Arbeit am HOFFMANN Zeit finden könntest.
U.a. aus diesem Grund hatte ich diesen Thread ursprünglich noch hinauszögern wollen. Da ich aber schon erlebt habe, wie kurzlebig youtube-Links sein können, wollte ich nach meiner "Entdeckung" am Wochenende im Interesse evtl. anderer interessierter Forumsmitglieder doch nicht mehr länger warten.

Jedenfalls warte ich gerne, bis du wieder Zeit für LUISA findest. Sabbatini kann stimmlich vermutlich nicht mit den von dir genannten Aufnahmen mithalten, aber darstellerisch finde ich ihn als Rodolfo unübertroffen.
Musikalisch habe ich mir die letzte Szene gerade nochmal angehört und allein solche "Kleinigkeiten" wie die Hintergrundmusik - wenn Rodolfo das Gift in den Becher gießt - wenn Luisa aus dem Becher trinkt - finde ich einfach meisterhaft.

VG, stiffelio
stiffelio (24.07.2012, 22:03):
Liebe Severina
Original von Severina
Aber schon einmal die Tatsache, dass sich Rodolfo zunächst inkognito an Luisa heranmacht, ist eine massive Verfälschung von Schillers Intention!
so, jetzt habe ich mir Schiller noch einmal durchgelesen (war bei mir auch nicht mehr ganz frisch :wink) und bitte um eine kleine Vorlage deinerseits:
Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Intentionen, die Schiller mit diesem Stück hatte?

VG, stiffelio
Severina (25.07.2012, 11:18):
Liebe Stiffelio,

"Kabale und Liebe" ist in erster Linie einmal eine Anklage gegen den Absolutismus, mit dem Schiller durch seinen "Landesherrn" Karl Eugen von Württemberg ja hinlänglich persönliche Erfahrungen hatte, die letztendlich auch zu seiner Flucht nach Mannheim geführt haben. (So musste er z.B. auf Befehl des Herzogs eine Ausbildung zum Militärarzt absolvieren)
Schiller kritisiert also absolutistische Willkürherrschaft, die absolute Rechtlosigkeit der Untertanen, die den Launen des Herrschers hilflos ausgeliefert sind (Siehe die Verhaftung von Luises Eltern, die ja ohne jede rechtliche Grundlage, aus rein persönlichen Motiven erfolgt), gegen Günstlings- und Mätressenwirtschaft (Lady Milford steht für Karl Eugens Geliebte Franziska von Hohenheim, die ebenfalls versucht hat, Auswüchse der Willkürherrschaft abzuschwächen), gegen Intrigantentum und Korruption und vor allem gegen den moralischen Verfall des Adels.

Das ist die eine Schiene, die andere ist die Gesellschaftskritik, mit der Schiller als typisches Kind der neuen, heute würde man sagen rebellischen literarischen Strömung, des "Sturm und Drangs" agiert: Das "Recht des Hezens" war ein Lieblingsthema der "jungen Wilden" (So würde man sie heute wohl nennen), daher propagiert Schiller das Ideal einer freiwillig eingegangen, auf Liebe basierenden und sich über alle Standesgrenzen hinwegsetzenden Verbindung (Im Unterschied zur damals in allen Schichten üblichen, aus Vernunftgründen geschlossenen Konvenienzehe.)
Er setzt den "Herzensadel" Luises gegen den Geburtsadel, den er in der Form, wie ihn sein Vater vorlebt, verachtet. "Weil meine (= Ferdinands) Begriffe von Größe nicht ganz die ihrigen (des Präsidenten) sind. Ihre Glückseligkeit macht sich selten anders als durch Verderben bekannt.... Mein Ideal von Glück zieht sich genügsam in mich selbst zurück. In meinem Herzen liegen alle meine Wünsche begraben." und später zu Luise: "Wer kann den Bund zweier Herzen lösen oder die Töne eines Akkords auseinanderreißen? Ich bin ein Edelmann. Lass doch sehen, ob mein Adelsbrief älter ist ... oder mein Wappen gültiger als die Handschrift des Himmels in Luisens Augen: Dieses Weib ist für diesen Mann!" Solche Sätze rüttelten anno 1783 an der als göttlich empfundenen Weltordnung, man kann sich den "Skandal" heute wahrscheinlich gar nicht vorstellen. (Bloß dass er damals, mangels tauglicher Massenmedien, natürlich eng begrenzt und einer schmalen Bildungsschicht vorbehalten blieb!)

Und eben DESHALB ist das Libretto der "Luisa Miller" eine in meinen Augen unverzeihliche Banalisierung, weil eigentlich nichts von all dem, wogegen Schiller in seinem Drama Sturm gelaufen ist, auch nur ansatzweise darin erhalten ist. Der politische Aspekt fällt völlig weg - Graf Walter ist ein Gutsherr, basta, die Rodolfo zugedachte Braut durchaus ehrenwert, also nicht wie bei Schiller die Mätresse des Fürsten, die nach dessen Verheiratung ihreseits eine Scheinehe mit Ferdinand eingehen, in Wahrheit aber nach wie vor ihrem Geliebten zur Vefügung stehen soll. Alleine dieser Unterschied ist doch eklatant: Bei Cammarano ein Vater, der sich eine gute Partie für seinen Sohn wünscht (Was man ihm ja nicht verdenken kann!), bei Schiller ein Vater, der seinen Sohn zynisch als Schachfigur für sein Kabalen benützt, der ihm zumutet, als gehörnter Strohmann für den Fürsten zu fungieren und sich am ganzen Hof damit zur Lachnummer zu machen, der das Glück seines Sohnes bedenkenlos opfert, um seine Machtposition bei Hof zu stärken.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich Rodolfo unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an Luisa heranmacht, sie also im Glauben lässt, er sei ein einfacher Landmann und ihre Liebe hätte eine reelle Chance. Das reduziert die bei Schiller vorhandene dramatische Fallhöhe auf null. Luise weiß von Anfang an, dass ihr Traum vom Glück mit Ferdinand eben nur ein Traum ist - sie ist die Realistin, Ferdinand der Idealist, der glaubt, Liebe könne Standesgrenzen überwinden - während Luisa ja völlig zu Recht aus allen Wolken fällt, als sie erfährt, wer ihr Geliebter in Wahrheit ist.

Was Cammarano macht, ist eine spannende Liebesgeschichte, die durchaus unter die Haut geht, aber wozu missbraucht er dazu den Namen Schillers??? Dieser Plot wäre einem Librettisten seines Ranges doch auch ohne literarische Vorlage eingefallen!!
(Anders als Mery/du Locle, die Schillers "Don Karlos" natürlich auch vereinfachten, ohne aber die darin enthaltene politische Botschaft zu verniedlichen oder zu verfälschen!)

lg Severina :hello
stiffelio (25.07.2012, 20:41):
Liebe Severina,

herzlichen Dank für deine detailierte Vorlage, die mir die Antwort wesentlich erleichtert!
Teilweise stimme ich dir zu, aber in einigen Punkten entdecke ich doch noch mehr Schiller als du in der Oper.
Fangen wir mit dem politischen Aspekt der Willkürherrschaft an: unabhängig davon, wie groß der Herrschaftsbereich eines Grafen ist, kommt es doch wohl hauptsächlich darauf an, dass es ihm die gesellschaftlichen Umstände erlauben, seine Herrschaft schrankenlos auszuüben. Und das ist in der Oper nicht anders als im Drama: Luisas Vater wird auch hier aus rein persönliche Motiven eingekerkert, Luisa scheint keine Berufungsinstanz zu haben, an die sie sich wenden kann. Miller fragt Rodolfo: "Oh Törichter. Wer kann uns vor dem Zorn des Grafen retten?". Der Chor singt in der ersten Szene, in der Luisa und ihr Vater verhaftet werden sollen: "Alle schulden ihm Gehorsam. Er ist der Vater, er ist der Herr." Was ist Absolutismus anderes?
Was Lady Milford/Frederica betrifft, da stimme ich dir vorbehaltlos zu: da ist außer der Rivalin wirklich so gut wie nichts erhalten geblieben. Und ja, das macht einen ganz deutlichen Unterschied zu Schiller aus. (Allerdings wird auch in der Oper angedeutet, dass Graf Walter nicht ausschließlich an eine "gute Partie", sondern auch an die mit ihr verbundene Machtposition denkt.)

Intrigantentum, Korruption und moralischer Verfall des Adels werden in der Oper weniger deutlich thematisiert, aber nicht durchweg weggelassen. Die Intrige, durch die die Hauptpersonen ihr Leben verlieren, bleibt die gleiche. Rodolfo selbst bezahlt den Überbringer von Luisas Brief für seinen Verrat ganz selbstverständlich. Und dass Rodolfos Vater seinen Vorgänger durch einen heimtückischen Mord beseitigt, der zu allem Überfluss hier auch noch ein Verwandter ist, wird in der Oper eher noch deutlicher thematisiert. Und wenn er im zweiten Aktschluss Rodolfo versichert "Vertraue mir, dein Vater betrügt dich nicht" wird die Unmoral geradezu auf die Spitze getrieben - gerade WEIL Rodolfo seinen Vater nicht so hemmungslos verabscheut wie Ferdinand den seinen.

Der "Recht des Herzens" sehe ich von Rodolfo nicht grundsätzlich anderes eingefordert als von Ferdinand. Und Luisa ist sich ihres Wertes als Mensch mindestens ebenso bewusst wie Luise: Luise bietet Lady Milford im Gespräch die Stirn, Luisa dem Grafen selbst wenn sie im ersten Akt singt: "O Herr, wurde ich nicht auch als dein Ebenbild geschaffen? Warum werde ich getreten wie Dreck, von diesem Menschen?"

Was du mit "dramatischer Fallhöhe" meinst, habe ich offenbar nicht verstanden. Das, was ich unter Fallhöhe verstehen würde, ist doch sogar größer, wenn Luisa zuerst an eine mögliche Beziehung glaubt? Dass das dennoch einen deutlichen Unterschied zu Schillers Vorlage ausmacht, sehe ich allerdings wie du.

Aber wenn dir die Oper dann besser gefallen kann, habe ich nicht das Geringste dagegen, wenn du sie einfach "LOLA MEYER" nennst :wink :wink.

VG, stiffelio
Severina (26.07.2012, 16:42):
Liebe Stiffelio,

das mit der Fallhöhe habe ich wirklich blöd formuliert, da hast Du vollkommen Recht, dass das SO wenig Sinn ergibt. Ich meinte einfach, dass in meinen Augen Schiller Luises Schicksal erschütternder in Szene gesetzt hat als Cammarano das von Luisa. Der bedient sich einfach des typischen Opernklischées des Inkognito-Liebhabers (Almaviva, Duca usw.), und das passt nun gerade hier übehaupt nicht, wo ja die Kernaussage darin besteht, dass eben Herzensadel wesentlicher ist als Geburtsadel. Wenn also Rodolfo genauso empfände wie Ferdinand, dürfte er nicht diese alberne Komödie spielen.

Ansonsten: Ja, Graf Walter ist in der Oper, zumindest was sein Verhalten Rodolfo gegenüber betrifft, nicht ganz so widerlich wie im Drama, man könnte sogar glauben, dass er wirklich am Glück seines Sohnes interessiert ist. Die diesem zugedachte Braut Federica ist ja im Unterschied zur Lady eine ehrbare Person und würde ihn daher nicht zum Gespött am Hof machen, also eine in jeder Beziehung gute Partie für Vater und Sohn! Bei Schiller käme nur der Präsident auf seine Rechnung, Ferdinand bliebe die Schande.

Womit ich überhaupt nicht klar komme, ist Federica - wie tickt diese Frau eigentlich?? Erst gibt sie sich völlig unversöhnlich, weil Rodolfo eine andere liebt, dann ist aber plötzlich alles paletti, weil sie annehmen darf, Luisa erwidert seine Liebe ohnehin nicht. Das wäre mir an ihrer Stelle völlig schnuppe, ob Luisas Gefühle echt sind oder nur vorgetäuscht, wichtig ist doch, wie es mit Rodolfos Herz bestellt ist. Ist das wirklich frei für eine neue Liebe, nur weil ihn die alte scheinbar betrogen hat? DAS würde mich als Federica interessieren, denn was eine Ehe ohne Liebe bedeutet, eine Ehe, die nur aus Pflichtbewusstsein eingegangen wird, hat sie schließlich schon erfahren.

So, und zum Schluss etwas Erfreuliches! Man sollte eben wirklich erste Eindrücke immer wieder überprüfen: Meine "Luisa Miller"-Erstbegegnung mit Pavarotti war für mich derart lähmend langweilig, dass ich um dieses Werk seither einen weiten Bogen gemacht habe. Schließlich gibt's so viel tolle Musik, warum soll ich mich also mit einer abquälen, die mir nichts gibt?
Meine einzige CD habe ich geerbt und nach kurzem Hineinhören ziemlich weit nach hinten in mein Regal verbannt.
Dein Thread hat mich nun animiert, sie hervorzuholen und in aller Ruhe anzuhören. Nun, ich finde die Aufnahme insgesamt nicht so toll, Domingos Stimme ist mir zu "reif", zu schwer für den Rodolfo, Aprile Milo gefällt mir auch nicht, ausgezeichnet ist nur Paul Plishka als Wurm. Der setzt die Widerwärtigkeit dieses Opportunisten stimmlich perfekt um.
ABER: Bei der Musik hat es plötzlich "klick" gemacht und ich kann gar nicht verstehen, das ich sie je langweilig empfunden habe! (Lag vielleicht wirklich an meiner Pavarotti-Aversion :ignore)
Ich werde daher die von Dir empfohlene DVD sofort auf meine Wunschliste setzen!
Auch wenn ich mit dem Libretto nach wie vor auf Kriegsfuß stehe (Ich kann halt den Theaterfreak in mir nicht abwürgen!), so bin ich musikalisch mit fliegenden Fahnen zu Dir übergelaufen :D! Und vielleicht hilft Dein Psychotrick mit der "Lola Meyer" ja wirklich :rofl

lg Severina :hello
Rideamus (26.07.2012, 18:21):
Liebe Severina,

sekbst wenn Du wie wqeiland Geiorg Kreisler HEUTE ABEND LOLA BLAU denken müsstest, dann würde ich Dir dringend dazu raten, die Musik der LUISA MILLER noch öfter mit weit offenen Ohren anzuhören. Ich bin nämlich der Meinung, dass die Musik dieser Oper zusammwen mit der zum STIFFELIO, wo es Dir ja ähnlich ging, und natürlich dem MACBETH sowie vielleicht I DUE FOSCARI die beste ist, die Verdi vor dem RIGOLETTO geschrieben hat, dem beide wohl nicht von ungefähr direkt voraus gingen. Ich schließe da so gern gehörte Stücke wie den NABUCCO, den ERNANI und den ATTILA bewusst mit ein. Im Gegensatz zu diesen Reißern verfügen diese Opern nämlich über eine emotionale Tiefe, die Verdi ansonsten erst bald danach wirklich zuverlässig meistern sollte.

Du hast ja Recht insofern, als Cammarano für formelhafte Räuberpistolen wie LUCIA DI LAMMERMOOR oder IL TROVATORE der weit geeignetere Librettist war (nicht, dass er da nicht auch mnanches verghauen hätte, siehe ALZIRA) und mit Schiller ebenso wenig anzzufangen wusste wie Solera mit der GIOVANNA D'ARCO oder Verdis Freund, Graf Maffei, mit den RAÜBERn, aber es wäre schade, wenn man deshalb das Stück nicht ernst nehmen würde. Rossinis OTELLO oder Bellinis CAPULETI ED I MONTECCHI werden ja auch nicht wertloser, wenn man sie an Shakespeares Pendants misst, auch wenn die natürlich einer anderen Qualitätsstufe angehören.

Wenn Du möchtest, leihe ich Dir (das gilt natürlich auch für stiffelio) gerne meine Aufnahme der leider derzeit vergriffenen Aufnahme mit Anna Moffo und Carlo Bergonzi, denn Domingo ist wirklich nicht der ideale Rodolfo, wie er von Bergonzi verkörpert wird.

Es gibt übrigens noch einen Rundfunkmitscvhnitt von 1988 aus der MET, den ich zu erwähnen
vergaß. Unter der Leitung von James Levine singen da Katia Ricciarelli und José Carreras. Die höre ich gerade, und bis jetzt klingt sie zwar tontechnisch suboptimal, aber musikalisch ganz akzeptabel. Irgendwie scheint der frühe Levine mit dem früheren Verdi besser im Einklang zu stehen als der späte.

Mehr dazu demnächst

:hello Rideamus
stiffelio (26.07.2012, 19:27):
Liebe Severina,

ja, Frederica ist auch für mich die Person, die am schwächsten charakterisiert ist. Ich empfinde sie als "Lückenbüßerin", die immer so reagiert, wie es gerade am besten ins dramatische Konzept passt. Falls es eine Inszenierung geben sollte, die aus Frederica einen rundum überzeugenden Charakter formt, so habe ich sie jedenfalls noch nicht gesehen. Möglicherweise bewirkt das auch, dass ich das berühmte Quartett Frederica-Luisa-Walter-Wurm noch nie so richtig toll finden konnte.

Insgesamt kommen mir alle Charaktere und ihre Beziehungen/Handlungen "opernwirksam" vereinfacht und verkürzt vor (wenn auch nicht so schlimm wie Frederica). Schon die Intensität zwischen Luisa und ihre Vater wird dadurch zugespitzt, dass Luisa offenbar keine Mutter mehr hat. Wurm ist noch offensichtlicher als im Drama selbst an Luisa interessiert, dadurch dass die Figur des Hofmarschalls von Kalb wegfällt. Wurm und Walter sind durch den gemeinsamen Mord noch fester aneinander gekettet. Während Ferdinand für seinen Vater wirklich nur noch kalte Verachtung bis hin zur Gleichgültigkeit zu empfinden scheint (und dem Präsidenten sein Sohn als Person, wie du ja schon geschrieben hast, offenbar auch herzlich egal ist), spüre ich zwischen Rodolfo und Walter eine noch engere, dadurch aber auch eher noch pathologischere Vater-Sohn- Beziehung. Einen subtilen, aber dennoch tiefgreifenden Unterschied sehe ich in der Darstellung von Luise/Luisa, wenn diese von ihrer Vergiftung erfährt. Während Luise da durchaus noch mit ihrem Schicksal hadert (wie ernst waren ihre Selbstmordabsichten wenige Minuten vorher eigentlich gemeint? Das hat mich als Jugendliche eher gestört, mittlerweile kann ich es als normale Ambivalenz einer vielschichtigen Persönlichkeit sehen), erschrickt Luisa da nur ganz kurz, bevor sie ihr Schicksal als nicht unwillkommen annehmen kann.
Am Schluss ist Rodolfos Rache an Wurm und der Scherbenhaufen, den er seinem Vater hinterlässt, natürlich auch noch "furioser" gestaltet als der Dramenschluss.

Aber ich freue mich enorm, dass die Musik dir jetzt mehr zusagt als in deiner Erinnerung. Ich konnte mir auch schwer vorstellen, dass jemand, der den STIFFELIO mag, an der LUISA so gar nichts finden kann. Es gibt soo viele tolle Stellen darin (z.B. auch den 2. Aktschluss), aber mein absoluter Favorit ist nach wie vor ca. die letzte halbe Stunde, gerade auch in der Aufführung aus dem Teatro La Fenice. Allerdings solltest du vor einem Kauf doch unbedingt mal kurz in einen der Links reinhören, ob du Sabbatinis Vibrato erträgst. Mich stört ein starkes Vibrato ja meist nicht sonderlich wenn der Rest stimmt, aber ich könnte verstehen, wenn das für jemand Anderen ein k.o. Kriterium ist. Und es wäre doch schade, wenn deine Begeisterung für die Musik dadurch gleich wieder gestört würde :wink.

VG, stiffelio
stiffelio (26.07.2012, 21:45):
Lieber Rideamus,

ich habe mir Bergonzi und Carreras&Ricciarell (allerdings von 1976) gerade auf youtube angehört. Obwohl mir generell beide sehr gut gefallen, liegt Carreras eine kleine Nasenlänge vorn, das ist aber einerseits eine rein persönliche Vorliebe und zweitens habe ich das "Piangi, piangi" mit Bergonzi nicht gefunden, um wirklich vergleichen zu können.

Was Opern in ganzer Länge betrifft, sind Audio-CDs aber leider in aller Regel immer noch verlorene Liebesmühe bei mir: ich kann die Exemplare, die ich durchgehalten habe, an meinen Fingern abzählen (es klappt noch am ehesten, wenn ich mit genau den gleichen Sängern eine DVD habe, da läuft dann das Video im Kopf mit).

Insofern ist Severina zum Ausleihen sicher der bessere Kandidat. Oder gibt es den Carreras evtl. auf operatoday o.ä.?

VG, stiffelio
Severina (26.07.2012, 21:57):
Liebe Stiffelio,

keine Sorge, ich habe Sabbatini schon oft genug live gehört, ich kenne seine Unarten :wink Mich würde einfach die Inszenierung interessieren, die sicher mehr auf meiner Linie liegt als die MET-Produktion mit Domingo, den ich auch nicht als idealen Rodolfo empfinde, obwohl ich an sich ein großer Fan von ihm bin. (Aber eben nicht in jeder Partie!)

Zu Luise: Ich glaube schon, dass es ihr zunächst mit dem Selbstmord bitter ernst ist, einmal aus echter Verzweiflung und dann vielleicht auch ein bisschen aus dem romantischen Gefühl heraus, mit dem Geliebten im Jenseits vereint zu sein. (Sie ist ja sehr jung, diese Luise, und sich der Tragweite dieses Entschlusses sicher nicht wirklich bewusst.)
Aber dann kommt der Vater, der ihr erstens klar macht, dass Selbstmord eine Todsünde ist und es daher garantiert nix wird mit gemeinsamen Paradiesesfreuden (salopp formuliert :wink) und dass sie ihm zweitens damit das Herz bricht, weil sie das Einzige ist, das ihm geblieben ist in diesem Leben. Das befördert Luise sehr rasch auf den Boden der Realität zurück. Ferdinands/Rodolfos unerwartetes Auftauchen bringt sie jedoch wieder um die eben erst mühsam gewonnenen Fassung.
Die Euphorie vom gemeinsamen Tod ist zwar jetzt verflogen (oder zumindest nicht mehr so deutlich spürbar), aber entscheidender für Luise/Luisa ist wohl der Umstand, dass sie nicht mit der Last des Meineids weiter leben muss, nicht im Bewusstsein, vom Geliebten als treulose Verräterin verachtet zu werden. Sie verliert nun zwar das Leben, gewinnt aber ihre Ehre zurück.

lg Sevi :hello
stiffelio (28.07.2012, 09:52):
Liebe Severina,

Luises/Luisas Beweggründe in der letzten Szene hast du sehr überzeugend und treffend charakterisiert. Und gerade von ihrer Erleichterung, die Intrige aufdecken und sich vor dem Geliebten rehabilitieren zu können, kann ich in der Opernfassung (die Luisa ab da noch mehr Zeit bis zu ihrem Tod gönnt) sogar noch mehr spüren als im Drama.

Ich bin sehr gepannt, wie dir die Inszenierung gefallen wird.

VG, stiffelio
Mime (07.08.2012, 03:15):
In Stuttgart gab es unlängst einige bemerkenswerte Aufführungen der Luisa Miller.

Kann hierüber jemand etwas sagen?

:hello
stiffelio (07.08.2012, 09:02):
ich nur, dass mir die vier kurzen (Amateur?)videoausschnitte auf youtube und das Interview mit dem Regisseur Marcus Dietz, der die Dimension der Lüge in das Zentrum seiner Interpretation stellt, in der Tat sehr gut gefallen haben.

Es wäre sehr begrüßenswert, wenn es einmal einen offiziellen Mitschnitt dieser Inszenierung geben sollte.

VG, stiffelio
Rideamus (17.08.2012, 12:14):
Bevor ich mich mit der DVD aus Venedig, die ich jetzt zu Ende gesehen habe, und anderen EInspielungen beschäftige, möchte ich ein paar Worte über das gescholtene Libretto verlieren. Wie schon gesagt, bin ich kein großer Freund des Sprechtheaters (mehr) und habe es mir erspart, die Erinnerung an Schillers Stück aufzufrischen, das mich in meiner Jugend sehr beeindruckt hat. Ich finde es aber müßig, es als Maßstab dessen heranzuziehen, was aus der Oper hätte werden können, selbst wenn die besonders strenge neapolitanische Zensur eine originalgetreuere Fassung hätte durchgehen lassen. Natürlich ist es eine spannende Spekulation, was ein Boito aus dem Stoff gemacht hätte, aber der war gerade mal sieben Jahre alt, als Verdi die Oper schrieb, und man braucht sich nur diese Information zu vergegenwärtigen um zu erkennen, welch riesige Fortschritte Verdi in der zweiten Hälfte seines Lebens noch machte.

Ich finde, man hört dem Werk an, dass es die Schwelle zur Reifephase markiert, die Verdi danach mit dem STIFFELIO und dem RIGOLETTO endgültig überschritt. Gerade dafür aber war Cammarano genau der Richtige, denn er lieferte Verdi, was er zu diesem Zeitpunkt für eine „zügig zu komponierende“ Oper brauchte, nämlich Affekte zuhauf und ein Füllhorn an unterschiedlichen Konstellationen, die in der relativ umfangreichen Besetzung mit sechs Hauptpersonen stecken. Meist nutzt er dabei die einander immer wieder kreuzenden und sich verschiebenden Dreierkonstellationen.

Da wären zunächst einmal die drei Vertreter der höheren Ränge, Graf Walter und sein Sohn Rodolfo sowie die Fürstin Federica, die als Nichte Graf Walters dessen durch Mord an ihrem Vater erworbenen Titel dauernde Gültigkeit verleihen würde. Dieses ahnungslose, weitere Intrigenopfer ist übrigens die Einzige, die ihren Rang zu Recht trägt. Ihnen gegenüber stehen die einfachen Vasallen, nämlich der verdiente Soldat Miller, dessen Tochter Luisa , die zu Beginn der Oper noch der allgemeinen Vorstellung von einem naiven Lieschen Müller entspricht, ihr dann aber im weiteren Verlauf durch ihre Charakterstärke widerspricht, und der verbrecherische Lakai Wurm.

Diese beiden Dreierkonstellationen verschieben sich, wenn man die Charaktere dieser Personen näher betrachtet, denn während die beiden Frauen und Luisas Vater aufrechte Charaktere sind, die - auch, aber nicht nur - für sich das Beste wollen, sind Wurm und Walter, aber auch Rodolfo verlogene Typen, die bereit sind, fast alles zu tun um ihre individuellen Ziele durchzusetzen. Der vermeintlich gute Rodolfo schreckt dabei nicht einmal vor Lüge, Erpressung und Mord zurück. Sie alle aber haben eines gemeinsam: sie haben ein individuelles und zunächst einmal, wenn man die Handlungszeit betrachtet, sogar legitimes Ziel, das sie um (fast) jeden Preis erlangen wollen.

Die romantische Verklärung der angeblich wahren Liebe gegenüber der arrangierten Standesehe war als Produkt der Aufklärung ja selbst zu Schillers und Verdis Zeiten noch relativ neu, und man sollte es dem Grafen nicht verdenken, wenn er seinem Sohn eine optimale Partie sichern will. Gleiches gilt für den einfachen Soldaten Miller, der mit gutem Grund die Folgen einer Verführung seiner Tochter und später einer Mesalliance fürchtet. Die Fürstin tut im Grunde nichts anderes als Luisa insofern, als sie den Vorgaben ihrer Liebe zu Rodolfo folgt und mit gutem Grund versucht, den Vorteil zu nutzen, den ihr Stand ihr bietet. Dass Luisa dagegen in naiv-blinder Liebe an dem Mann festhält, in den sie sich verknallte, obwohl er sie zunächst belogen hat, muss man ihr nicht unbedingt hoch anrechnen. Selbst Wurm hatte erst einmal guten Grund zu hoffen, dass er Luisa zur Frau bekommen könne. Erst, dass er den Vorteil des Mordes nutzt, durch den Graf Walter ihm verpflichtet ist, macht ihn zum wahren Schurken.

Wir haben also mit leichten Varianten das perfekte Grundmuster der antiken Tragödie vor uns, in der alle Beteiligten das Beste wollen, durch die objektiven Gegebenheiten aber zum Untergang verdammt sind. Das zu erkennen und sein Drama auf diese Grundkonstellation der unausweichlichen Tragödie zu konzentrieren, ist kein geringes Verdienst Cammaranos, dessen mit Abstand bestes Libretto LUISA MILLER in meinen Augen ist. Schade nur, dass er nicht auch die in dem neuen Zusammenhang mehr als unpassenden Namen Miller, Walter und Wurm seinem Konzept angepasst hat.

Fortsetzung folgt.

:hello Rideamus
stiffelio (17.08.2012, 14:57):
Lieber Rideamus,

sehr interessant, wie du Rodolfo siehst!
Vielleicht ist das überhaupt das interessanteste an dieser Oper, wie unterschiedlich man die Hauptpersonen sehen kann. Denn die von Mime erwähnte Stuttgarter Inszenierung stellt Luisas Vater zumindest teilweise in die "böse", bzw. manipulative Ecke.
Und auch Luisa liebt die Wahrheit nicht so sehr, dass sie sich keine Lüge abpressen ließe.
Rodolfos Lüge bestand demgegenüber "nur" darin, dass er sich eine bürgerliche Existenz zugelegt hat - was insofern ja gar keine Lüge war, weil der Grafentitel seines Vaters unrechtmäßig erworben war (ich gebe zu, dass das Haarspalterei ist, aber immerhin :wink). Seine Erpressung ist Reaktion auf die Erpressung seinen Vaters und der Mord die Reaktion auf die Lüge seiner Geliebten. Zudem hat er sie mit seiner eigenen Ermordung verknüpft.

Wie du schon schreibst: jeder will hier seine Ziele erreichen und die Motive dazu kann man sehr unterschiedich bewerten. Jede Handlung ist hier mit den Reaktionen darauf tragisch verknüpft. Bin gespannt, wie es weitergeht :leb

VG, stiffelio
Rideamus (17.08.2012, 15:27):
Unterscheidet sich Rodolfo in der Vorgeschichte wirklich so stark von dem Herzog von Mantua im RIGOLETTO? Beide geben sich eine bürgerliche Identität um sich an ein Bürgermädchen heranzumachen. Ich glaube nicht, dass Rodolfo seine wahre Identität leugnet, weil er sich der Tat des Vaters schämt. Bis zu der großen Konfrontation mit seinem Vater jedenfalls scheint er recht gut damit gelebt zu haben.

Andererseits rehabilitiert er sich natürlich nachdrücklich, als er die Bürgerliche wirklich heiraten will und dafür sogar auf eine einträgliche Ehe verzichtet.

Nur: kaum dass er seinen Willen nicht durchsetzen kann und sich von Luisa betrogen fühlt, geht er gleich zum Äußersten, ohne auch nur zu versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen. Diese Schwäche, die fraglos auch eine des Librettos ist, macht aus ihm einen höchst labilen Jungen, der leider mit Giuseppe Sabatini, der der Vater seines "Vaters" sein könnte, arg fehlbesetzt ist.

Solche "Enthüllungen" sind ein immer wieder zu konstatierender Nachteil der grausamen TV-Kamera, unter deren unnachgiebigem Auge ja auch die venezianer Frederica mit ihren orientalischen Proportionen zu leiden hat. Aber dazu mehr später.

:hello Rideamus
stiffelio (17.08.2012, 16:26):
Original von Rideamus
Unterscheidet sich Rodolfo in der Vorgeschichte wirklich so stark von dem Herzog von Mantua im RIGOLETTO?
In meinen Augen: Ja!
Denn die Frage: zu welchem Zweck? (und nicht nur: mit welchen Folgen?) ist für mich schon wesentlich. Ich nehme Rodolfo ab, dass da von vorneherin Liebe und Eheabsichten mit im Spiel waren. Bei dem Herzog von Mantua nicht.

Und Rodolfo versucht zumindest, der Sache auf den Grund zu gehen, indem er Luisa befragt, bevor er ihr den Becher mit dem Gift reicht (von dem er auch zuerst trinkt! anders als z.B. Isolde im TRISTAN).

Das nicht zu verleugnende Alter von Sabbatini hat mich übrigens kaum gestört, zumal Frau Takova ja auch nicht viel jünger sein dürfte. Wenn dann so gespielt wird wie am Ende des 2. Aktes und im 3. Akt, ist mir das chronologische Alter egal :wink.

VG, stiffelio
Karolus Minus (17.08.2012, 18:52):
Da Stioffelio den Grafentitel erwähnte: da liegt für mich bei Verdi - im Gegensatz zu Schiller - ein Problem.
Bei Schiller ist Walther "Präsident" am Hof eines deutschen Fürsten, hat also einen Job, den er sich zwar eindeutig mit unredlichen Mitteln erworben hat, aber es ist Posten, keine dynastische Angelegenheit.
Bei Verdi ist er Graf, und Adelstitel werden ja üblicherweise nicht beim Tod des Vorgängers (auch wenn der keinen Erben hinterläßt) allgemein ausgeschrieben. Insofern ist mir da unklar, wie es der Mörder zum Nachfolger schafft.
Lg
Karolus Minus
Rideamus (17.08.2012, 19:14):
Leider habe ich jetzt nicht das LIbretto zur Hand, aber wenn ich es recht erinnere, hat Graf Walter den Titel als Erbe seines, in seinem Auftrag von Wurm ermordeten, Vetters bekommen. Dessen verwitwete Schwester (oder doch nur Cousine?) Frederica wäre womöglich die legitime Erbin des Titels (je nachdem, ob Frauen in dieser Familie erbbrechtigt sind, was sie in den meisten deutschen Fürstenhäusern waren), und so läge es auf der Hand, dass der Graf den Titel (oder einen gleichrangigen) in seiner Familie behalten will, indem er seinen Sohn mit einer legitimen Gräfin verheiratet.

Man korrigiere mich bitte, wenn ich hier irren sollte, denn das ist ja für das Verständnis des Grafen Walter nicht unwichtig.

:hello Rideamus
stiffelio (17.08.2012, 20:02):
Lieber Karolus, lieber Rideamus,

ich habe mich eben nochmal in das Libretto vertieft und mir stellt sich die Sache so dar:
wenn meine Übersetzung korrekt ist, so wird ein klarer Unterschied gemacht zwischen dem "Grafen" von Walter und der "Herzogin" Frederica.

Graf von Walter hat seinen Titel von seinem ermordeten, ohne Nachkommen verstorbenem Vetter ererbt. Dieser Vetter könnte möglicherweise noch vor seiner geplanten Heirat ermordet worden sein, in dem Libretto ist immer nur von einer "Braut" die Rede.

Frederica, in der Personenbeschreibung eine "Nichte des Grafen", hat dagegen einen "Herzog von Ostheim" geheiratet, der verstorben ist. Als Herzog kann dieser nicht identisch mit dem ermordeten Grafen von Walter sein. Ihr verbleibt nach dem Tod des Ehemanns als Witwe der Titel und das Erbe des Herzogs. Es ist im Libretto für mich nicht ganz eindeutig, ob sie diese an einen neuen Gemahl weitergeben kann (dann wäre das ein Aufstieg des Grafensohn Rodolfo zum Herzog, den sein Vater für ihn ersehnt), aber in jedem Fall besitzt sie die Freundschaft der deutschen Königin und schon diese Verbindung würde Rodolfo als ihrem Ehemann neue Möglichkeiten des Aufstiegs am Hof eröffnen.

Was davon rein rechtlich in Tirol des 18. Jh. tatsächlich möglich war bzw. inwieweit Cammarano da phantasiert hat, kann ich freilich nicht beurteilen.

VG, stiffelio
Rideamus (18.08.2012, 12:32):
Ich denke, Stiffelio sieht das richtig. Das Problem mit der Nobilisierung der Protagonisten scheint mir aber auch weniger eines der Erbfolge zu sein als die Tatsache, dass es zur Handlungszeit im frühen 17. Jahrhundert wohl auch im hintersten Tirol kaum denkbar war, dass ein Grafensohn eine Bürgerliche ehelichte. Die Ängste des alten Miller, dass eine solche Liaison nur in Unehre oder Schlimmerem enden könne und mit allen Mitteln verhindert werden müsse, bevor es zu spät ist, sind also mehr als berechtigt. Dagegen kann die romantische Verklärung der Dominanz der subjektiven Liebe halbwegs realistisch nur damit erklärt werden, dass das ungleiche Liebespaar extrem jung und Argumenten der Vernunft unzugänglich ist – ähnlich wie dereinst Romeo und Julia, die hier womöglich Pate gestanden haben.

Es geht mir letztlich auch nicht um den unsinnigen Versuch, Rodolfo und Luisa partout zu Negativfiguren zu machen, wenn auch die Reinheit ihrer Motive durchaus hinterfragt werden darf. Vielmehr glaube ich, dass hier der skrupellose Eigennutz der Erfahrenen auf die hemmungslose Naivität der ganz Jungen trifft, und wenn die nicht glaubhaft ist, kann eine optimale LUISA MILLER kaum gelingen. Das scheint mir einer der oft übersehenen Gründe dafür zu sein, dass diese musikalisch eminent wertvolle Oper so selten aufgeführt wird. Anna Moffo, welche die Titelrolle zur Zeit ihrer Audioaufnahme noch glaubhaft machen konnte (im Gegensatz zu Bergonzi, der das „nur“, aber immerhin, akustisch schaffte), ist deshalb bis heute meine prägende Vorstellung für diese Rolle geblieben. Heute, nachdem atalie Dessay dafür leider nicht mehr in Frage zu kommen scheint, ist Christine Schäfer, die auch eine vorzügliche Gilda und Traviata war, eine der wenigen, denen das in meinen Augen gelingen könnte. Das größere Problem ist aber fraglos der Tenor. Mehr dazu später, wenn ich auf die einzelnen Aufzeichnungen zu sprechen komme.

Zunächst verdient aber auch Verdis Partitur einige lobende Worte. Weiter oben habe ich sie als ein Werk des Übergangs von Verdis Galeerenphase zu den Werken seiner „mittleren“ Reife bezeichnet. Tatsächlich kann man die Oper sogar als eine Summierung seiner Einflüsse bis dato hören. Wohl inspiriert von dem bergigen Schauplatz, hat Cammarano für seine Eröffnung ziemlich dreist zu einem Plagiat der Eröffnungssequenz von Bellinis SONNAMBULA gegriffen. Verdi hat den Ball aufgenommen, und seine hübsche Ariette „Lo vidi e il primo palpito“ könnte ohne Weiteres zu Beginn von Bellinis Oper aufgeführt werden ohne stilistisches Befremden auszulösen. Bemerkenswert ist aber, wie Verdi die, bei Bellini noch extrem artistisch-selbstzweckhaften, Koloraturen zur Illustration von Luisas Charakter und Stimmung einsetzt und dies noch fortschreibt, indem er Rodolfo in die anschließende Cabaletta einbezieht und so deutlich macht, dass beide gleichermaßen ungestüm - und ungestüm verliebt - sind.

Ein Meisterstück der Charakterisierung in einer total konventionellen Auftaktsequenz, und zugleich eine Reverenz an seinen nur elf Jahre älteren und dennoch schon 13 Jahre toten Vorgänger. dessen Stil prägt auch den weiteren Verlauf dieses ersten Aktes, wobei die Arie des alten Miller, „Sacra la scelta d’un consorte“, in der er die heilige Bedeutung einer vernünftigen Gattenwahl betont, schon ganz mittlerer Verdi ist. Auch der kurze Dialog mit Wurm bringt schon eine Vorahnung des Dialoges von Rigoletto und Sparafucile, während Millers abschließende Cabaletta wieder auf die Standards zurückgreift, denen schon Bellini gehorchte.

Das zweite Bild markiert einen deutlichen stilistischen Fortschritt und ist in seinem dreiteiligen Bogen von der Selbstdarstellung des Grafen Walter und seiner Motive über die Begegnung Rodolfos mit der Herzogin Federica zu dem, extrem effektvollen, finalen Ensemble, in dem Rodolfo seinen Vater mit der Drohung erpresst, den Mord an seinem Vetter publik zu machen, auch weitaus geschlossener. Es gibt jedoch in diesem Akt kaum etwas, was sich in einer Oper Donizettis erstaunlich anhörte, sieht man einmal von den, für Verdi so typischen, melancholisch getönten Melodienbögen ab, die ihm niemand so wirkungsvoll vor- oder nachmachte. Wenn man Verdi hier etwas vorwerfen kann, dann, dass er sich gerne auf die Kraft seiner melodischen Einfälle verlässt, die zuweilen auch recht banal sein können, wie der Huldigungschor für die Herzogin, mit der Verdi und Cammarano offensichtlich wenig anzufangen wussten, so nötig sie auch für die Entwicklung der Handlung war.

Einen weiteren großen Fortschritt bringt dann der zweite Akt. Hier gelingt Verdi erstmals das bürgerliche, intime Drama, dem er bislang weitgehend ausgewichen war. Schon die Szene, in der Wurm Luisa mit der Drohung der Hinrichtung ihres Vaters erpresst, ist in ihrem Wechselspiel aus Rezitativ-Arie-Rezitativ-Cabaletta enorm effektiv, da Verdi die Rezitative melodisch stark auflädt und auch in seiner Instrumentierung weit über die einfache "Gitarrenbegleitung" hinaus geht, die ihm oft – und oft zu Unrecht – vorgeworfen wird. Man beachte nur, wie beredt er die Klarinette einsetzt um Luisas Gewissensnot auszudrücken. Die zweite Szene des zweiten Aktes weckt mit ihrem grandiosen Bassduett sogar schon Vorahnungen auf den späteren und natürlich viel reiferen Dialog zwischen Philipp und dem Großinquisitor.

Das berühmte Quartett mit seinen ausgedehnten a-capella – Passagen schließlich kann man als Versuch sehen, Donizettis Sextett aus der LUCIA zu übertreffen. Leider ist die Situation hier weitaus undramatischer, so dass es die Handlung zum Stehen bringt, und das Ensemble eher wie ein besinnliches Quartett benachbarter Portraits in einer Gemäldegalerie wirkt, denn als dramatischer Höhepunkt. Mit der berühmten Arie Rodolfos „Quando le sere al placido“ ist Verdi aber wieder ganz auf der Höhe seines Könnens, und noch Jahre später pries Boito ihre „göttliche Kantilene“. Was mich allerdings fasziniert, ist ihre Ähnlichkeit mit Donizettis Beschreibung der Schönheit von Malatestas angeblicher Schwester im DON PASQUALE (1. Akt: „Bella sicome un angelo“). Es ist ein Lehrstück, wie hier zwei Komponisten mit dem – im Wesentlichen - gleichen Material eine völlig andere Wirkung erzielen.

Der letzte Akt schließlich findet Verdi schon weitgehend auf der Höhe seiner TRAVIATA, die nicht von ungefähr im gleichen bürgerlichen Milieu spielt und letztlich in etwa die Situation dramatisiert, die Luisa womöglich beschieden gewesen wäre, wenn sie sich tatsächlich auf Rodolfo hätte einlassen dürfen. Allerdings habe ich hier, wo wirklich kein Ton mehr überflüssige Verzierung ist, immer den Eindruck, dass Verdi mit seiner Partitur endlich zum Ende kommen wollte und sich ganz auf das wunderbare Terzett Miller-Luisa-Rodolfo konzentrierte, das als eine seiner großen Eingebungen gelten darf.

Fortsetzung folgt

:hello Rideamus
stiffelio (18.08.2012, 13:05):
Lieber Rideamus,

wir scheinen ziemlich genau die gleichen Stellen in der LUISA musikalisch hoch zu schätzen, das freut mich sehr :beer (wobei du es natürlich viel besser begründen kannst).
Und der Kontrast "Erfahrung gegen Naivität" leuchtet mir auch ein (wobei Naivität für mich auch nicht ausschließlich eine Frage des Alters ist :wink). Dennoch muss ich nochmal nachfragen: du spricht vom frühen 17. Jh. als Handlungszeit, das Libretto von Opera-Guide dagegen von der "ersten Hälfte des 18. Jh.". Ob das einen Unterschied bezüglich einer möglichen Ehe Grafensohn-Bürgertochter bedeuten würde, weiss ich allerdings nicht.
Aber auch wenn nicht: bei Schiller strebt Ferdinand ja zwischenzeitlich eine Flucht mit Luisa an. Wäre eine solche Lösung im 17. oder 18. Jh. nicht auch zumindest denkbar gewesen?
Auch wenn ich Rodolfo keineswegs nur positiv sehe, tue ich mich immer noch schwer damit, ihm bezüglich einer Zukunft mit Luisa von vorneherein einen völligen Realitätsverlust zu unterstellen.

VG, stiffelio
Rideamus (18.08.2012, 14:20):
Das mir vorliegende LIbretto (http://opera.stanford.edu/iu/libretti/Luisa0.html) spricht, ebenso wie die englische Wikipedia, vom frühen 17. Jahrhundert.

Ich kenne die schweizer oder älplerische Geschichte kaum, aber ich glaube nicht, dass sich die Standeskonventionen zwischen den 16hunderter und den 17hunderter Jahren so entscheidend verändert haben. Wenn Schiller damit spekuliert, dass die beiden durchbrennen könnten, hat er sicher auch nicht bedacht (oder wissen wollen), was später aus den beiden wird. Da hier gerade fortwährend 300 Jahre Friedrich II gefeiert werden, muss ich da jedenfalls zuallererst an die JUgenderlebnisse dieses späteren Königs denken.

Was für eine Zukunft hätte ein verstoßener Grafensohn einer Bürgerlichen auch bieten können? Er hatte ja weder Land noch verstand er sich auf ein Handwerk, und zu versetzen hatte er wohl auch kaum lebenslang etwas. Da blieben ja fast nur noch Gaukelei, Betrug und Prostitution, wenn er nicht doch von irgendwelchen mitleidigen Verwandten ausgehalten wurde.

Ich fürchte, der Realitätsverlust ist schon eine ziemlich zutreffende Diagnose. Aber wer will solche Dramen denn allein aus dem Blickwinkel des Realismus sehen? Der kam doch erst viel später.

:hello Rideamus
stiffelio (18.08.2012, 14:32):
Original von Rideamus
Was für eine Zukunft hätte ein verstoßener Granensohn einer Bürgerlichen auch bieten können?
Hm, immerhin dürfte er lesen und schreiben können und vom Waffenhandwerk etwas verstehen. Im Mittelalter hätte ich spontan an Ministrale oder Burghauptmann gedacht, etwas in der Art müsste es doch auch im 16./17. Jh. noch gegeben haben...
o.k., ich höre schon auf, die Oper unter dem Blickwinkel des Realismus zu sehen :wink
es ist mehr ein prinzipieller Zug von mir, dass eine Äußerung wie "das geht einfach nicht, basta!" sofort den Widerspruchsgeist in mir weckt :ignore.

VG, stiffelio
Severina (19.08.2012, 20:19):
Original von Rideamus


Diese beiden Dreierkonstellationen verschieben sich, wenn man die Charaktere dieser Personen näher betrachtet, denn während die beiden Frauen und Luisas Vater aufrechte Charaktere sind, die - auch, aber nicht nur - für sich das Beste wollen, sind Wurm und Walter, aber auch Rodolfo verlogene Typen, die bereit sind, fast alles zu tun um ihre individuellen Ziele durchzusetzen. Der vermeintlich gute Rodolfo schreckt dabei nicht einmal vor Lüge, Erpressung und Mord zurück. Sie alle aber haben eines gemeinsam: sie haben ein individuelles und zunächst einmal, wenn man die Handlungszeit betrachtet, sogar legitimes Ziel, das sie um (fast) jeden Preis erlangen wollen.

:hello Rideamus

Lieber Rideamus,

so faszinierend ich Deine Ausführungen finde, so muss ich nun doch eine Lanze für den armen Rodolfo brechen, in dem ich wirklich keinen "verlogenen Typen" erkennen kann.
Mit "Lüge" meinst du vermutlich sein Inkognito, mit der er sich Luisa nähert. Nun, auf den ersten Blick könnte man tatsächlich dahinter Falschheit vermuten, ich sehe es ein bischen anders. Wie Du richtig sagst, war eine Heirat zwischen einem Grafensohn und der Tochter eines Soldaten ein Ding der Unmöglichkeit. Wie hätte also Luisa als anständiges Mädchen auf Rodolfos Avancen reagiert, hätte er sich sofort zu erkennen gegeben? Sie hätte sie entrüstet zurückgewiesen, weil sie als Kind ihrer Zeit nichts anderes hätte denken können, als dass sich da ein hoher Herr mit einer Bürgerlichen vergnügen will und sie hinterher wegwirft. Was tut also genau dieser adelige Herr, wenn er sich ehrlich in ein einfaches Mädchen verliebt und in seiner Naivität glaubt, diese Liebe könnte die gesellschaftlichen Normen aushebeln? Er MUSS sich ihr doch als einfacher Bürgerlicher nähern, damit er überhaupt eine Chance hat, bei ihr und ihrem Vater Gehör zu finden. Erst wenn er sie von seinen ehrlichen Absichten überzeugt hat, kann er sein Inkognito lüften. Dazu kommt es aber nicht mehr, weil Wurm die Kabale bereits erfolgreich in Gang gesetzt hat.

Dein zweiter Vorwurf an Rodolfo ist "Erpressung" - er droht seinem Vater mit der Enthüllung seiner dunklen Machenschaften. Aber warum tut Rodolfo das? Weil es die einzige Möglichkeit ist, Luisa vor dem Gefängnis zu bewahren, in das sein Vater sie eben schicken will. Ich kann also in dieser Handlungsweise nichts Verwerfliches erkennen.

Drittens der Mord, eigentlich ja Doppelmord: Nun, Wurm hat seinen Tod mehr als verdient, dafür bekommt Rodolfo von mir einen glatten Freispruch. (Natürlich nicht nach der heutigen Rechtslage, aber Du sagst ja selbst, dass man die Handlungsweisen der Protagonisten aus ihrer Zeit heraus begreifen muss.) Was den Mord an Luisa betrifft, schaut es natürlich anders aus, das wäre bei Schiller eben das typische Sturm-und-Drang-Thema des "Alles oder nichts!"
Und genau deshalb funktioniert eben für mich das Libretto nicht, weil Schiller ganz konkret die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit an den Pranger stellt, er eben als Sprachrohr seiner Generation fungiert, die sich gegen überkommene Normen auflehnt. Diese Rebellion gehört ins ausgehende 18. Jhdt., im 17. Jhdt., wohin Cammarano die Handlung verlegt, stimmt das einfach hinten und vorne nicht, weil die Voraussetzung für diese neue Weltsicht Ferdinands/Rodolfos nun einmal die Aufklärung ist. In der Oper bleibt nur die scheinbare Absurdität, dass ein Adeliger eine arme Soldatentochter heiraten will, und man gibt seinem Vater beinahe Recht, weil er diesen Unsinn hintertreiben will.

Deinen moralischen Freispruch für alle Beteiligten, weil sie ein für ihre Zeit legitimes Ziel verfolgen, würde natürlich einen Freispruch für so ziemlich alle Opernschurken bedeuten. Denn Jagos oder des Conte di Lunas Ziel sind nicht weniger legitim.

lg Sevi :hello
Karolus Minus (19.08.2012, 20:43):
Original von Severina
Deinen moralischen Freispruch für alle Beteiligten, weil sie ein für ihre Zeit legitimes Ziel verfolgen, würde natürlich einen Freispruch für so ziemlich alle Opernschurken bedeuten. Denn Jagos oder des Conte di Lunas Ziel sind nicht weniger legitim.
lg Sevi :hello

Sorry Severina, aber da muß ich doch widersprechen: beim Conte di Luna kann man die Festnahme Manricos nach der Stretta (kommt davon, wenn man zu lange singt...) auf der politischen Seite buchen, beide sind jeweils Anführer gegnerischer Heere.
Ansonsten aber wäre er auch innerhalb seiner Zeit unehrenhaft. Das Verhalten nach dem Zweikampf (Umbaupause nach dem 1. Akt) darf sich ein Edelmann nicht leisten. Und mit dem "die Mutter auf den Scheiterhaufen und der Sohn einen Kopf kürzer" vor dem Duett mit Leonora übertritt er - das auch selbst wissend - die erhaltenen Vollmachten.

Und Jago rächt sich auf der persönlichen Ebene, weil er sich bei der Beförderung übergangen fühlt, das würd ich kaum als "legitim" bezeichnen.

Lg
Karolus Minus
Severina (19.08.2012, 21:15):
Lieber Karolus,
ich auch nicht, ich fürchte, Du hast mich missverstanden oder ich habe mich missverständlich ausgedrückt, denn ich wollte eigentlich sagen, dass Walters Verhalten eben nicht aus der Zeit heraus entschuldbar ist, ebenso wenig wie das von Luna oder Jago. Sicher ist es legitim, höchste/höhere Machtposititionen anzustreben, aber die Mittel, derer sich Walter und z.B. Jago bedienen, sind es eben nicht, und zwar im 17. Jhdt. ebenso wenig wie heute.

lg Sevi :hello
stiffelio (19.08.2012, 21:27):
Original von Severina
Und genau deshalb funktioniert eben für mich das Libretto nicht, weil Schiller ganz konkret die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit an den Pranger stellt, er eben als Sprachrohr seiner Generation fungiert, die sich gegen überkommene Normen auflehnt. Diese Rebellion gehört ins ausgehende 18. Jhdt., im 17. Jhdt., wohin Cammarano die Handlung verlegt, stimmt das einfach hinten und vorne nicht,

Liebe Severina,

aber wäre denn LUISA die erste Oper, die ihre Handlung in einer bestimmten Zeit spielen lässt, die Handlungsmotive aber einer moderneren Zeit entnimmt?
Zumal ich auch in der Oper selbst noch nichts entdeckt habe, was einer Handlung im 18. Jh. völlig zuwider liefe - da ist einzig und allein die Angabe im Libretto, die ja offenbar auch noch in verschiedenen Quellen unterschiedlich ist (was unterstreicht, dass die Handlung per se nicht ganz eindeutig zu datieren ist).

Fein, dass du hier wieder eingestiegen bist :)

VG, stiffelio
Severina (19.08.2012, 22:31):
Original von stiffelio
Original von Severina
Und genau deshalb funktioniert eben für mich das Libretto nicht, weil Schiller ganz konkret die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit an den Pranger stellt, er eben als Sprachrohr seiner Generation fungiert, die sich gegen überkommene Normen auflehnt. Diese Rebellion gehört ins ausgehende 18. Jhdt., im 17. Jhdt., wohin Cammarano die Handlung verlegt, stimmt das einfach hinten und vorne nicht,

Liebe Severina,

aber wäre denn LUISA die erste Oper, die ihre Handlung in einer bestimmten Zeit spielen lässt, die Handlungsmotive aber einer moderneren Zeit entnimmt?
Zumal ich auch in der Oper selbst noch nichts entdeckt habe, was einer Handlung im 18. Jh. völlig zuwider liefe - da ist einzig und allein die Angabe im Libretto, die ja offenbar auch noch in verschiedenen Quellen unterschiedlich ist (was unterstreicht, dass die Handlung per se nicht ganz eindeutig zu datieren ist).

Fein, dass du hier wieder eingestiegen bist :)

VG, stiffelio

Liebe Stiffelio,
genau deshalb verstehe ich diese Verlegung auch nicht und ist für mich ein weiterer Beweis, dass Cammarano die Intention Schillers nicht wirklich begriffen hat. Bei der "Luisa Miller" trifft nämlich mE nicht zu, was für die meisten Verdi-Opern vor 1860 zutrifft, dass die "ferne Zeit" nur ein Täuschungsmanöver für die Zensurbehörde sein sollte, um des Komponisten politische und gesellschaftskritische Botschaft geschickt ins Leo zu manövrieren. Jeder wusste damals, dass es im "Nabucco" nicht um das Schicksal der Hebräer ging und die "verlorene Heimat" ganz woanders zu suchen war, aber beweisen konnten das die Zensoren zu ihrer sicher gewaltigen Wut im Bauch nicht.
Aber was hätte die Zensurbehörde an der "Luisa Miller" aufregen sollen? 1849 war die rigide Ständeklausel der Zeit vor der Aufklärung längst gefallen, eine Heirat zwischen einem Adeligen und einer Bürgerlichen zwar immer noch eher die Ausnahme, aber durchaus möglich. Also wozu die Verlegung der Handlung in ein Jahrhundert, wo sie jeder Logik widerspricht? (Denn im 17. Jhdt. war es unmöglich!) Nun ist das sicher nichts ungewöhnliches für ein Libretto, aber da sind wir wieder bei meinem Ausgangsproblem: Wieso strapaziert/vergewaltigt Cammarano eine literarische Vorlage, wenn es ihm nicht um deren Gehalt, sondern nur um Lieschen Müller geht?
Warum schreibt er dann nicht ein Libretto zu Lieschen Müller und verzichtet auf jeden Verweis auf Schiller? (Schon klar, es machte sich einfach gut auf dem Titelblatt :wink)

Aber damit bin ich wieder bei meinem zentralen Problem, das aber in erster Linie meines ist, weshalb ich schon wieder aufhöre damit :engel!

Und eigentlich ging es mir in meinem obigen Beitrag ja in erster Linie darum, den armen Rodolfo gegen den Schurken-Vorwurf zu verteidigen, den letzten Satz, der jetzt so viel Widerspruch auslöst (Was mich absolut nicht stört :D!), habe ich eher so als Abrundung des Ganzen hinzugefügt.

lg Sevi :hello
stiffelio (19.08.2012, 22:39):
Liebe Severina,

mir ging es ja auch gar nicht um den Widerspruch, ob und welche Verlegung hier Sinn oder keinen Sinn macht, weil ich ohnehin kein Problem damit habe, die Oper ebenso wie das Drama unter "Aufklärungs-Vorzeichen" zu sehen, egal was auf dem Libretto-Deckblatt steht (welche Gründe Cammarano für die Verlegung gehabt haben könnte, kann ich nur spekulieren, interessiert mich aber primär gar nicht soo sehr).

Und mit deiner Verteidigung von Rodolfo rennst du bei mir sowieso offene Türen ein :wink.

VG, stiffelio
Karolus Minus (19.08.2012, 22:47):
Original von stiffelio
Original von Severina
Und genau deshalb funktioniert eben für mich das Libretto nicht, weil Schiller ganz konkret die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit an den Pranger stellt, er eben als Sprachrohr seiner Generation fungiert, die sich gegen überkommene Normen auflehnt. Diese Rebellion gehört ins ausgehende 18. Jhdt., im 17. Jhdt., wohin Cammarano die Handlung verlegt, stimmt das einfach hinten und vorne nicht,

Liebe Severina,

aber wäre denn LUISA die erste Oper, die ihre Handlung in einer bestimmten Zeit spielen lässt, die Handlungsmotive aber einer moderneren Zeit entnimmt?
Zumal ich auch in der Oper selbst noch nichts entdeckt habe, was einer Handlung im 18. Jh. völlig zuwider liefe - da ist einzig und allein die Angabe im Libretto, die ja offenbar auch noch in verschiedenen Quellen unterschiedlich ist (was unterstreicht, dass die Handlung per se nicht ganz eindeutig zu datieren ist).

Fein, dass du hier wieder eingestiegen bist :)
VG, stiffelio

ich glaube, für die Oper waren die gesellschaftlichen Verhältnisse zu Schillers Zeiten relativ wurscht, Cammarano und Verdi haben ja ein Stück für ihre eigene Zeit geschrieben. da ich keine Ahnung habe, ob die Italiener literarisch etwas Entsprechendes zum deutschen "Sturm und Drang" hatten, weiß ich ohnehin nicht, ob selbst der gebildete Zuschauer mit einer 1:1-Umsetzung hätte etwas anfangen können. Obendrein waren Verlegungen in etwas frühere Zeiten ja häufig auch ganz hilfreich gegen die Zensur, wobei ich nicht weiß, ob das hier eine Rolle gespielt hat.

Severina, ich hatte vorhin ganz offensichtlich etwas zu kurz gelesen - es ist einfach zu heiß zum denken...
Lg
Karolus Minus
Severina (19.08.2012, 22:56):
Lieber Karolus,

Deinen letzten Satz kann ich voll und ganz unterschreiben - ich transpiriere still vor mich hin, und je öfter ich mir mein Geschreibsel von vorhin durchlese, umso mehr verdichtet sich mein Verdacht, dass ich mich irgendwie in die Bredouille argumentiert habe :( :ignore!

lg Sevi :hello
Rideamus (20.08.2012, 11:11):
Original von Severina

Lieber Rideamus,

so faszinierend ich Deine Ausführungen finde, so muss ich nun doch eine Lanze für den armen Rodolfo brechen, in dem ich wirklich keinen "verlogenen Typen" erkennen kann.
Mit "Lüge" meinst du vermutlich sein Inkognito, mit der er sich Luisa nähert. ...

lg Sevi

Liebe Sevi,

genau das meine ich, denn zunöächst einmal unterscheidet sich dieses Vorgehen nicht von dem des Herzogs von Mantua. Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass Rodolfo Luise nur aus der Entfernung gesehen und sich in sie verliebt hat ohne zuvor mit ihr zu sprechen. Eher hat er da wohl ihre Schönheit begehrt und mehr davon haben wollen. Daher die Verstellung.

Wie ich aber schon schrieb, ging es mir abwr gar nicht darum Rodolfo zum Schurken umzubiegen - das gibt Verdis Musik überhaupt nicht her (wobei die auch beim Herzog von Mantua durchaus irisierend ist) -, sondern darzustellen, dass eine faszinierende Qualität von Cammaranos Libretto darin besteht, dass kaum ein Charakter, Wurm ausgenommen, ganz schwarz oder weiß ist. Das von Sziffelio oben gebrachte ZItat über die Lüge, die so gut wie jeden Dialog der Oper durchwirkt, ist absolut berechtigt.

Was nun die Verlegung in ein früheres Tirol betrifft, so weiß ich auch nicht, ob die einem vorauseilenden Gehorsam gegenüber der gefürchteten neapolitanischen Zensur entsprang (die Oper musste ja schnell fertiggestellt werden um einen alten Vertrag Cammaranos zu erfüllen), aber ich glaube nicht, dass die Wahl von Zeit und Ort ganz willkürlich erfolgte. Leider gibt es zur Entstehung dieser Oper nur ganz wenig Zeugnisse von Verdis eigener Hand, soweit ich weiß, aber dass Verdi sich damals schon mit dem RIGOLETTO beschäftigte, steht fest. Mesalliancen waren ihm also ein zentrales Thema, während die Wahl von Zeit und Ort ihm eher so gleichgültig war wie später der Austausch von Stockholm gegen Boston.

Von daher würde ich jede Inszenierung akzeptieren, die das Stück in Schillers oder Verdis Zeit ansiedelt. Auch der Hintergrund des aufkommenden Faschismus, den der Regisseur der Aufführung in Venedig wählte, passt m. E. sehr gut. Wichtig sind nur die Existenz einer absoluten Macht und die Glaubhaftigkeit der arrangierten Zwangsehe. Insofern ist der Konflikt zeitlos, und Cammarano hat das auch recht ordentlich herausgearbeitet, wenn man von der negativen Konsequenz absieht, die Rodolfos anfängliches Verhalten in der eigentlich vorgesehenen Handlungszeit für ihn bedeutet.

Ob Cammarano Schillers Anliegen also nicht begriffen hat, oder ob es ihn schlicht nicht interessierte, weil er nur das einzudampfende Drama vor Augen hatte, in dem die komplexe Kabale zwangsläufig mehr zu leiden hatte als die (scheinbar) klare Liebe, ist deshalb wirklich sekundär.Der Bedeutung dieser Oper tut es jedenfalls für mich keinen Abbruch, obwohl natürlich nuicht zu leugnen ist, dass Verdi vermutlich als talentierter, aber zweitrangiger Komponist gelten dürfte, wäre er, wie Mozart oder Nicolai, schon mit Ende 30 gestorben.

:hello Rideamus
Severina (20.08.2012, 12:35):
Lieber Rideamus,

bis auf den ersten Absatz bin ich mit allem einverstanden, aber eine Parallele zwischen dem Duca und Rodolfo kann ich beim besten Willen nicht erkennen, denn die Motive der beiden sind doch höchst unterschiedlich.
Der Duca ist ein skrupelloser Machtmensch, gewohnt sich zu nehmen, was er begehrt, und schert sich einen Deut darum, was aus seinen Opfern, deren Reputation er nachhaltig zerstört hat, hinterher wird. Der Mann ist verheiratet, Gilda daher nicht mehr als eines seiner üblichen amorösen Abenteuer. Er ist nur am schönen Körper und nicht an der schönen Seele interessiert.

Bei Rodolfo kann ich hingegen kein unlauteres Motiv erkennen, er fühlt sich ungebunden und meint es ernst mit Luisa, wenn auch dieser Ernst auf völlig unrealistischen Beinen steht.
Und was Deinen Einwand betrifft, er hätte sich in sie verliebt, bevor er noch ein Wort mit ihr gewechselt hatte, daher ginge es ihm wohl in erster Linie um das Eine - ist das nicht die Ausgangsposition der meisten Opern??? Außerdem ließ sich im 17. Jhdt. ein anständiges Mädchen nicht so mir nix, dir nix auf offener Straße von einem wildfremden Mann ansprechen, also stand davor sehr oft die berühmte "Liebe auf den ersten Blick". In der Oper ist das doch bis ins 20. Jhdt. beinahe die Regel - ein Blick, und um den Helden ist's geschehen, siehe Des Grieux und und und. Auch Alfredo schmachtet Violetta wochenlang aus der Ferne an, bevor er ihr endlich auf dem Fest vorgestellt wird, und die Ehrlichkeit seiner Gefühle bezweifelst Du wohl kaum!

lg Sevi :hello
Rideamus (20.08.2012, 13:30):
Original von Severina
siehe Des Grieux und und und. Auch Alfredo schmachtet Violetta wochenlang aus der Ferne an, bevor er ihr endlich auf dem Fest vorgestellt wird, und die Ehrlichkeit seiner Gefühle bezweifelst Du wohl kaum!

lg Sevi :hello

Nun ja, ich bezweifle nicht die Ehrlichkeit, wohl aber die Klarsicht und voraussichtliche Dauerhaftigkeit dieser Gefühle. Gleiches gilt für Rodolfo, den ich narürlich nicht mit dem Duca gleichsetze. Schließlich entlarven oder bewähren sich beide erst in ihren Konsequenzen.

Aber Du hast Recht: wenn man die Aufrichtigkeit dieser Gefühle hinterfragt, ist mehr als die halbe Opernliteratur, milde gesagt, märchenhaft.

Aber warum auch nicht?

:hello Rideamus
Karolus Minus (20.08.2012, 13:56):
Original von Rideamus
Original von Severina
siehe Des Grieux und und und. Auch Alfredo schmachtet Violetta wochenlang aus der Ferne an, bevor er ihr endlich auf dem Fest vorgestellt wird, und die Ehrlichkeit seiner Gefühle bezweifelst Du wohl kaum!

lg Sevi :hello

Nun ja, ich bezweifle nicht die Ehrlichkeit, wohl aber die Klarsicht und voraussichtliche Dauerhaftigkeit dieser Gefühle. Gleiches gilt für Rodolfo, den ich narürlich nicht mit dem Duca gleichsetze. Schließlich entlarven oder bewähren sich beide erst in ihren Konsequenzen.

Aber Du hast Recht: wenn man die Aufrichtigkeit dieser Gefühle hinterfragt, ist mehr als die halbe Opernliteratur, milde gesagt, märchenhaft.

Aber warum auch nicht?

:hello Rideamus

Ich fürchte, nicht nur die halbe Opernliteratur......
Severina (20.08.2012, 15:34):
Original von Rideamus
Original von Severina
siehe Des Grieux und und und. Auch Alfredo schmachtet Violetta wochenlang aus der Ferne an, bevor er ihr endlich auf dem Fest vorgestellt wird, und die Ehrlichkeit seiner Gefühle bezweifelst Du wohl kaum!

lg Sevi :hello

Nun ja, ich bezweifle nicht die Ehrlichkeit, wohl aber die Klarsicht und voraussichtliche Dauerhaftigkeit dieser Gefühle. Gleiches gilt für Rodolfo, den ich narürlich nicht mit dem Duca gleichsetze. Schließlich entlarven oder bewähren sich beide erst in ihren Konsequenzen.

Aber Du hast Recht: wenn man die Aufrichtigkeit dieser Gefühle hinterfragt, ist mehr als die halbe Opernliteratur, milde gesagt, märchenhaft.

Aber warum auch nicht?

:hello Rideamus

Richtig, daher gibt es bei Capriccio ja auch den hübschen Thread "Es folgt die Fortsetzung...." :D :D

lg Sevi :hello
stiffelio (20.08.2012, 18:05):
Hallo Ihr Lieben,
ich denke, wir sind uns mittlerweile alle einig, dass Luisa und Rodolfo es gefühlsmäßig durchaus ernst miteinander meinen, auch wenn ihr Realitätssinn durch die Verliebtheit deutlich gelitten haben mag (was für Verliebte in und außerhalb der Oper ja nicht gerade untypisch ist :wink).
Die interessantesten Aspekte dieser Oper liegen für mich dennoch auf anderen Gebieten. Da ist einerseits der offenbar in Stuttgart ins Zentrum gestellte Aspekt der Lüge, die ganz klein und harmlos anfangen kann wie bei Rodolfo (Severina hat ja gut beschrieben, dass diese kleine Unaufrichtigkeit bezüglich seines Standes sich sehr gut entschuldigen lässt), aber unkontrollierbare Reaktionen im Umfeld auslöst, immer weitere Verhängnisse nach sich zieht, bis sie alles zerstört. Das gilt auf anderer Ebene auch für Graf Walter und letztlich sogar für Wurm: beide haben das Desaster am Ende sicher nicht beabsichtigt, aber die Folgen ihrer Lügen entgleiten ihnen. Auch bei Luisa: sie scheint kaum eine andere Wahl zu haben und wird beim Schreiben ihres Briefes sicherlich nur von den edelsten Wünschen getrieben, ihren Vater zu retten auch wenn es ihr eigenes Glück und ihre Ehre kostet - aber hat sie nie daran gedacht, was diese Lüge in Rodolfo auslösen könnte? Auch wenn ihr die Flucht mit ihrem Vater geglückt wäre, Rodolfos Leben hätte sie trotzdem auf dem Gewissen gehabt, denn der hätte sich garantiert auch ohne Luisa umgebracht. Luisas Vater wiederum verhindert, dass Luisa ihre Lüge Rodolfo gegenüber aufdeckt und macht sich damit zum Teil dieser Lüge: mit den bekannten katastrophalen Folgen.
(Dass dieses Lügengebilde sich überhaupt so katastrophal aufblähen kann, liegt dann zum Teil wieder an den Umständen, die auch Schiller anprangern wollte: einerseits daran, dass durch das absolutistische Regiment von Graf Walter Luisa und ihr Vater keine Berufungsinstanz haben, die die ihren zugefügte Willkür verhindern könnte; andererseits daran, dass "die Gesellschaft", vertreten zuvorderst durch Rodolfos, aber auch Luisas Vater, die "Herzenswahl" von Luisa und Rodolfo nicht akzeptieren will oder kann)

Das musikalische Verdienst dieser Oper liegt für mich darin, dass es die sich immer weiter verschlingenden und aufschaukelnden Emotionen, das Hinauslaufen auf die Katastrophe in überwältigender Weise hörbar und damit zusammen mit der bildlichen Darstellung erlebbar macht. Und DAS finde ich in Venedig so überzeugend gelungen.

VG, stiffelio
Severina (20.08.2012, 18:39):
Original von stiffelio
Hallo Ihr Lieben,
Die interessantesten Aspekte dieser Oper liegen für mich dennoch auf anderen Gebieten. Da ist einerseits der offenbar in Stuttgart ins Zentrum gestellte Aspekt der Lüge, .......Auch bei Luisa: sie scheint kaum eine andere Wahl zu haben und wird beim Schreiben ihres Briefes sicherlich nur von den edelsten Wünschen getrieben, ihren Vater zu retten auch wenn es ihr eigenes Glück und ihre Ehre kostet - aber hat sie nie daran gedacht, was diese Lüge in Rodolfo auslösen könnte? Auch wenn ihr die Flucht mit ihrem Vater geglückt wäre, Rodolfos Leben hätte sie trotzdem auf dem Gewissen gehabt, denn der hätte sich garantiert auch ohne Luisa umgebracht. Das musikalische Verdienst dieser Oper liegt für mich darin, dass es die sich immer weiter verschlingenden und aufschaukelnden Emotionen, das Hinauslaufen auf die Katastrophe in überwältigender Weise hörbar und damit zusammen mit der bildlichen Darstellung erlebbar macht. Und DAS finde ich in Venedig so überzeugend gelungen.

VG, stiffelio

Liebe Stiffelio,
ich denke, man darf nicht außer acht lassen, welche Bedeutung das 4. Gebot für Luisa hat, und dabei ist es nun völlig egal, ob die Handlung im 17. oder 18. Jhdt. angesiedelt ist. Die Pflicht, den Eltern zu gehorchen, sie zu ehren und wie ihn Luisas Fall vor Gefängnis oder sogar Tod zu bewahren, steht vor den eigenen Bedürfnissen, dem eigenen Glück. (Bei Schiller macht sich der Präsident darüber lustig, als Wurm ihm erklärt, er würde Luise auf die Bibel schwören lassen, die Kabale nicht zu enthüllen, und fragt, was das bewirken sollte. Wurm antwortet: "Bei unsereins - nichts. Bei Menschen dieser Art - alles!")

Ich bin mir außerdem nicht so sicher, ob Luisa wirklich glaubt, Rodolfo würde sich umbringen wegen ihres scheinbaren Verrats. Sie will ihn zu einem gemeinsamen Selbstmord überreden, das ist aber etwas anderes. Sie hat doch die viel größere Angst, dass er sie Zeit seines Lebens verachten würde, weil sie sich als treulos und damit seiner Liebe nicht wert erwiesen hat.

Was Du über Verdis musikalisch-dramatischen Aufbau schreibst, erhält meine volle Zustimmung!

lg Sevi :hello
stiffelio (20.08.2012, 18:53):
Liebe Severina,

ich finde es ja auch aller Ehren wert, dass Luisa das Leben ihres Vaters über ihr eigenes Glück stellt. Aber: sie stellt es auch über Rodolfos Leben - wenn auch vermutlich unbewusst. Ob man das noch aus dem Bibelgebot ableiten kann?
Wenn Wurm nicht so "hasenfüßig" gewesen wäre, wäre Rodolfo schon lange tot gewesen, bevor sie ihn zum gemeinsamen Selbstmord hätte überreden können - nämlich im Duell mit Wurm, das er erklärtermaßen nicht vorhat zu überleben.
Ich wollte Luisa ihr Handeln auch in keiner Weise vorwerfen, man kann von ihr nicht ernsthaft erwarten, dass sie in dieser Situation an Rodolfos Reaktion denkt. Es sollte nur ein weiteres Beispiel dafür sein, auf welche Weise sich eine Lüge ganz unerwartet selbstständig macht und Folgen auslöst, mit denen nie gerechnet wurde.

VG, stiffelio
Severina (20.08.2012, 20:37):
Liebe Stiffelio,

ich glaube nicht, dass Luisa das so sieht, schon gar nicht in dieser extremen Situation, in die sie Wurm bringt: "Entweder, Du schreibst diesen Wisch, oder Dein Vater stirbt!" Meinst Du wirklich, dass da ein Mensch noch fähig ist, irgendwelche rationalen Überlegungen anzustellen?
Außerdem fühlt sich Luisa ja nicht zu Unrecht schuldig am Elend ihres Vaters, denn hätte sie auf ihn gehört und sich nicht mit Rodolfo eingelassen, der dem alten Miller ja von Anfang an suspekt gewesen ist, säße er jetzt nicht im Gefängnis und müsste um sein Leben bangen.
Sie empfindet es also im doppelten Sinn als ihre Pflicht, den Vater zu retten und ihr Glück zu opfern. Denn dass sie damit Rodolfo in den Tod treibt, das kann sie nun wirklich nicht wissen.

lg Severina :hello
stiffelio (20.08.2012, 20:55):
Liebe Severina,

wie schon geschrieben, erwarte ich diese Überlegungen von Luisa gar nicht. Und nein, sie kann nicht wissen, dass sie Rodolfo damit in den Tod treibt.
Aber auch Graf Walter und Wurm können nicht wissen (wobei ich ihr Verhalten nicht mit dem von Luisa gleichsetzen will), dass sie einen dreifachen Mord bzw. Selbstmord auslösen, sonst hätten sie es sicher nicht getan.
Nochmal: es geht mir dabei erstmal nur um die Eigendynamik der Lüge, nicht um eine moralische Bewertung irgendeiner der Personen.

VG, stiffelio
Karolus Minus (20.08.2012, 21:35):
Original von stiffelio
Liebe Severina,

ich finde es ja auch aller Ehren wert, dass Luisa das Leben ihres Vaters über ihr eigenes Glück stellt. Aber: sie stellt es auch über Rodolfos Leben - wenn auch vermutlich unbewusst. Ob man das noch aus dem Bibelgebot ableiten kann?
VG, stiffelio

Liebe Stiffelio,
auch wenn ich der nachfolgenden mail von Severina zustimme, daß Luisa nicht einmal unbewußt so weit denkt, doch noch einen Satz zum Bibelgebot Nr. 4 (für Katholiken und Lutheraner). Ob man eine - wenn es sie gäbe - "Höherbewertung" des Lebens des Vaters aus dem Gebot selbst herauslesen kann, darüber ließe sich trefflich streiten. Die damalige Auslegung dürfte aber (egal ob 17. oder 18. Jh.) eindeutig gewesen sein: die Eltern gingen vor! Zumal es sich ja auf der anderen Seite nur um einen - igitt - Liebhaber handelte.
Lg
Karolus Minus
Severina (20.08.2012, 21:55):
Original von stiffelio
Liebe Severina,

wie schon geschrieben, erwarte ich diese Überlegungen von Luisa gar nicht. Und nein, sie kann nicht wissen, dass sie Rodolfo damit in den Tod treibt.
Aber auch Graf Walter und Wurm können nicht wissen (wobei ich ihr Verhalten nicht mit dem von Luisa gleichsetzen will), dass sie einen dreifachen Mord bzw. Selbstmord auslösen, sonst hätten sie es sicher nicht getan.Nochmal: es geht mir dabei erstmal nur um die Eigendynamik der Lüge, nicht um eine moralische Bewertung irgendeiner der Personen.

VG, stiffelio

Liebe Stiffelio,

Wurm hätte es ohne die geringsten Skrupel getan, denn Rodolfo ist der verhasste Nebenbuhler, den er um jeden Preis los werden will, der alte Miller hat sein Wort gebrochen und verweigert ihm Luisas Hand, also will er sich an ihm rächen, und wenn er das Mädchen nicht kriegt, soll sie ein anderer auch nicht haben. So ticken die Wurms dieser Welt, leider auch noch im 21. Jhdt.!

Das mit der Eigendynamik der Lüge" ist natürlich ein interessanter Gedanke, aber glaubst Du wirklich, die Sache wäre anders ausgegangen, hätte Rodolfo von Anfang an die Karten auf den Tisch gelegt? Gut, nach meiner Theorie gäbe es dann die Oper gar nicht, weil Luisa sofort gesagt hätte "Mit mir nicht, Herr Graf!. Aber angenommen, sie hätte das NICHT gesagt, hätte wie die Schiller'sche Luise Rodolfos Liebesschwüren geglaubt - die ja auch ehrlich gemeint sind - glaubst Du wirklich, dass sie gegen alle Konventionen, einen wütenden Nebenbuhler und gleich zwei aufgebrachte Väter eine Chance gehabt hätten? Ich sage nein, ob mit oder ohne Lüge.

lg Severina :hello
Karolus Minus (20.08.2012, 22:12):
Liebe Severina,

ich stimme Dir zu, es hätte nicht funktioniert. Selbst wenn man Wurm außen vor läßt, der ja nur so handeln kann, wie er handelt, weil er Deckung von oben hat, und wenn man Miller unterstellt, daß er sich vielleicht erweichen ließe - das Problem ist Vater Walther, weil er in einem absolutistischen Ambiente der Boss ist, bei Verdi ja noch mehr als bei Schiller, wo es am Ende selbst für den Präsidenten eine übergeordnete Obrigkeit gibt, der er sich unterwirft "jetzt euer Gefangener". Dem Conte di Walther dürften nach den bedauerlichen Geschehnissen und dem tragischen Tod seines Sohnes allenfalls die Kondolenzschreiben der adeligen Nachbarn sicher sein.... es gibt ja niemanden mehr, der in Sachen "wie werde ich Graf" gegen ihn aussagen könnte.

Lg
Karolus Minus
stiffelio (20.08.2012, 22:30):
Liebe Severina, lieber Karolus

nein, Wurm hätte es garantiert nicht getan, wenn er gewusst hätte, dass er selbst eines der Mordopfer wird :P.

Wenn Verdis Oper wie Schillers Drama angefangen hätte, also ohne Rodolfos kleine "Zurechtbiegung", hätte es vermutlich auch wie Schillers Drama geendet. Dann wäre die Eigendynamik der Lüge von den Intrigen Graf Walthers und Wurms ausgegangen.

Die DVD aus Venedig hat da ein sehr eindrückliches Schlussbild gefunden, von dem ich nur wünschte, dass sie es länger als gerade mal eine Sekunde stehen gelassen hätten: Luisa, Rodolfo und Wurm liegen tot am Boden, der Graf hat sich zuerst Wurm - entsetzt über den Mord seines Sohnes - zugewandt und tritt jetzt sichtlich schockiert zu Luisa und Rodolfo. In diesem Moment dreht sich der ganze Chor, der sich zuerst auch über Luisa und Rodolfo gebeugt hatte, um und starrt den Grafen an.
Ein lebendes Ausrufezeichen hinter Rodolfos "La pena tua mira"!

Ich glaube nicht, dass Graf Walther danach noch seines Lebens froh wird.

VG, stiffelio
Rideamus (21.08.2012, 00:00):
Nein, seines Lebens froh wird Graf Walter sicher nicht mehr. Er hat zwar kaum mehr etwas von der irdischen Gerechtigkeit zu fürchten, aber jemand, der sein ganzes Leben unter das Ziel eines dynastischen Strebens gestellt hat, muss daran zerbrechen, dass es nicht mehr erreichbar ist.

Möglicherweise wird er versuchen, mit einer neuen Frau einen neuen Anlauf zu Kind und Kegel zu nehmen, und in seiner Stellung wird er sie sicher auch finden (wenn er sie nicht schon nebenbei hat), aber es kann ihm und seiner Familie nicht gleichgültig sein, dass jedermann ihn für den eigentlich Schuldigen an der Tragödie hält.

Das meinte ich weiter oben mit meinem Hinweis auf die unausweichlichen Mechanismen der antiken Tragödie. Es gibt einfach kein Ausweichen. Für niemanden, der darin verwickelt ist. Und das sind dank ihrer Lügen alle, die Toten wie die Überlebenden. Ich finde, Cammarano hat das ganz gut angelegt. Dass er es nicht überdeutlich herausgearbeitet hat, kann man ihm kaum vorwerfen, denn diese Art nihilistischen Dramas brauchte noch ein Jahrhundert und zwei Weltkriege, bevor es von einem Publikum akzeptiert wurde.

:hello Rideamus
Rideamus (21.08.2012, 11:25):
Nun noch die versprochenen Kommentare zu den mir bekannten DVDn dieser Oper. Die Aufnahme aus der MET kenne ich nicht, da sie mir stets zu nahe an der aus London schien und selbst mein Vollständigkeitsdrang seine Grenzen an den Kapazitäten meines Geldbeutels fand. Auch bitte ich um Nachsicht, wenn sich mein Urteil derzeit auf eine Mischung aus Erinnerung und Stichproben stützen muss, denn für eine sorgfältige Besichtigung aller drei mir vorliegender Aufnahmen fehlt mir im Moment die Motivation, da sie alle in meinen Augen und Ohren nicht ohne erhebliche Probleme daher kommen.



In der Beurteilung der Aufnahme aus Lyon stimmen wir weitgehend überein. Auch ich sehe die besonderen Qualitäten bei den weiblichen Rollen, wobei mir allerdings June Anderson als Hörgenuss genügen würde, der dann wiederum nicht an den Eindruck heran kommt, den Anna Moffo in ihrer Audioaufnahme auf mich machte. Die Herren lösen ihre Aufgaben durchaus achtbar, wobei ich die Palme des Besten an Paul Plishkas Graf Walter vergeben würde. Das heißt nicht, dass der Japaner Taro Ichihara schlecht wäre - im Gegenteil, er meistert seine Aufgabe mehr als achtbar. Er kann auch nichts dafür, dass er ein Asiate ist und so aussieht. Ich kann aber auch nichts dafür, dass mich das permanent aus der Illusion der Handlung heraus reißt. Da die Inszenierung zwar sehr ansehbar, aber auch recht konventionell und damit unscheinbar ist, ist dies eher eine DVD zum Anhören mit Sängern, die ihre Noten sauber und halbwegs ausdrucksvoll absolvieren. Als reine Audioaufnahme hat sie dann aber wieder zu starke Konkurrenz.


Stiffelios Lob für diese Aufführung aus Venedig kann ich nachvollziehen, was die Inszenierung betrifft. Sie ist zwar ebenfalls sehr sparsam, setzt aber sehr geschickt die richtigen Akzente, etwa wenn sie zu Beginn etabliert, dass das Geschehen zur Zeit des frühen Triumphes des etablierten Faschismus spielt und damit, zum Glück ohne zu übertreiben, sofort die repressive Autorität des Regierungssystems nachvollziehbar macht. Auch die Stimmungsbilder auf der dominierenden Schrägsäule haben die richtige Mischung aus Wegweiser und Diskretion.

Weniger glücklich bin ich mit den Sängern und Darstellern. Zwar vollziehen sie in der Intensität ihrer Darstellung immerhin die Qualitätsentwicklung Verdis bei dieser Oper nach, aber das führt auch dazu, dass mindestens die beiden ersten Bilder für mich zu einem darstellerisch ziemlichen Totalausfall werden. Vor allem Giuseppe Sabbatini, mit dessen arg gepresster Stimme ich ohnehin meine Schwierigkeiten habe, stört mich sehr. Er kann zwar auch nichts dafür, dass er nicht so gut gealtert ist wie Alfredo Kraus, aber wenn es, wie ich zuvor ausführlioch dargelegt habe, bei Verdi irgendeine Rolle gibt, die von einem unbeherrschten jungen Heißsporn verkörpert werden muss, dann ist es der Rodolfo. Sabatini aber wirkt hier älter als sein Vater, und da mag er sich zum Schluss noch so sehr ins Zeug legen, er schafft es einfach nicht, mich zu überzeugen, dass er hier an der richtigen Stelle eingesetzt wurde. Gleiches gilt leider auch für die, stimmlich recht gute, Ursula Ferri als Federica, die offensichtlich schon begonnen hat, Kummerspeck anzusetzen, als sie im Sandkasten ihren Rodolfo nicht bekam. Ebenso wie bei dem Japaner in der vorigen Aufnahme sollte man trotz der gelegentlich zu konstatierenden Hast, mit der fast jedes bessere Haus versucht, seine Produktionen mit einer TV-Aufnahme zu verewigen, gelegentlich daran denken, ob man seinen Protagonisten wirklich einen Gefallen damit tut, sie der Gnadenlosigkeit der Kamera auszuliefern.

Wesentlich besser kommen dabei die anderen Herren davon, wobei ich nicht entscheiden möchte, ob dem prominenteren Alexander Vinogradov als Graf Walter oder dem superben Arutjun Kotchinan als Wurm die Palme des (noch) Besseren gebührt. Damiano Salerno als Miller schafft gegenüber diesen beiden nur den achtbaren dritten Platz. Der allererste aber gebührt der Bulgarin Darina Takova, und das stimmlich wie darstellerisch. Wenn mich an ihr etwas stört, dann dass sie von Anbeginn an eher die künftige Bauersfrau als das naive Mädchen ist, das Cammarano und Verdi hier wohl vor Augen hatten. Im Rahmen dieser Produktion ist das aber nicht unpassend, und da sie von Maurizio Benini auch musikalisch sehr gut vorangetrieben wird, kann ich verstehen, warum man diese DVD der Konkurrenz vorzieht.


Wenn ich dennoch die Fernsehaufzeichnung der Produktion in London vorziehe, von der ich leider nur das cd-Cover abbilden kann, weil es die DVD nur auf dem grauen Markt gibt, dann liegt das vor allem daran, dass die LUISA MILLER, wie alle Verdi-Opern, in erster Linie an ihrer musikalischen Realisierung gemessen werden will, und die ist hier annähernd optimal. 1979, im Jahr der Aufführung, erwischte sie Placido Domingo noch jugendlich genug um als Rodolfo zu überzeugen, und auch Katia Ricciarelli ließ zum Glück noch nichts von dem späteren Verfall ihrer Stimme merken. Beide waren nie die ersten Anwärter für einen Darstellerpreis, aber sie schlagen sich mehr als achtbar, auch im Vergleich zu ihrer direkten Konkurrenz, und singdarstellerisch sind sie annähernd ideal. Das gilt auch für den Walter Gwynne Howells, den Wurm des vorzüglichen, wenn auch von der Maske arg verunstalteten Richard van Allens und, last but not at all least, den vielleicht besten Miller, Renato Bruson, der damals ebenfalls zu seiner besten Zeit aufgenommen wurde. Bleibt Elizabeth Connell, die auf der Bühne die Plattenluxusbesetzung Elena Obratztsova ersetzte und stimmlich wie darstellerisch das Niveau der übrigen Besetzung hält. Hier haben wir also den seltenen Fall einer Opernaufzeichnung auf sehr hohem Niveau ohne einen einzigen Ausfall.

Was für einen Qualitätsunterschied ein erstklassiges Dirigat auch bei einer mittleren Verdi-Oper ausmachen kann, lässt sich sehr gut am Finale des ersten Aktes sehen, dem Lorin Maazel eine enorm eindrucksvolle Dramatik verleiht ohne dabei die Details und den Zusammenklang schleifen zu lassen. Diese Aufnahme lässt begreifen, warum ich dieses Finale für eines der größten in Verdis Schaffen halte, das sogar das überragende Finale des ergänzten ersten Aktes von SIMON BOCCANEGRA vorausahnen lässt. Aber auch das FInale des letzten Aktes ist tief berührend, weil es musikalisch nahezu perfekt geriet.

Da schließlich auch die konventionelle Inszenierung Filippo Sanjusts wenigstens nicht stört, obwohl sie übertrieben maskiert und kostümiert ist, was besonders irritiert, weil Sanjust den Kammerspielcharakter des Werkes sehr wörtlich nimmt, und obwohl die minimale Darstellerführung im Rahmen des damals meist Üblichen verharrt, bleibt diese Aufzeichnung trotz ihres Alters von nunmehr gut 33 Jahren für mich immer noch die beste LUISA MILLER, die es zu sehen gibt. Die optimale wird wohl noch lange auf sich warten lassen, weil die beiden jungen Hauptrollen mit ihren erheblichen musikalischen Anforderungen extrem schwer zu besetzen sind.

:hello Rideamus
stiffelio (21.08.2012, 17:31):
Lieber Rideamus,

vielen Dank für dein aufschlussreiches Resümee!
Wie schon angedeutet, kann ich nachvollziehen, wenn jemand sich mit Sabbatinis Stimme und seinem Alter für den Rodolfo nicht so recht anfreunden kann (auch wenn das nicht für mich gilt).

Auf die Londoner Aufführung hast du mich jetzt richtig neugierig gemacht, ich hoffe, dass ich mal eine Aufnahme davon ergattern kann.

VG, stiffelio
stiffelio (31.05.2013, 23:11):
Hallo an Alle,

eben habe ich mir die DVD der LUISA MILLER aus Parma (2007) angesehen, sie hat mich allerdings nur teilweise begeistert.
Stimmlich am besten gefiel mir Marcelo Alvarez als Rodolfo, zumindest was die Stimmschönheit angeht. Bei der stimmlichen Darstellung muss ich schon wieder Abstriche machen: am besten gefällt er mir in den lyrischen Passagen, in denen ihm absolut wunderschöne zarte Töne gelingen. Bei den dramatischen Stellen legt er sich zwar sehr ins Zeug, aber mir fehlt da trotzdem noch ein letzter Kick. Kann es sein, dass Alvarez von Haus aus ein gutmütiger Typ ist und sich schwer tut, existentiellen Zorn und Verzweiflung darzustellen? Der Zorn wirkt auf mich (auch in der bildlichen Darstellung) immer etwas aufgesetzt und sein Verhalten gegenüber Luisa zu Beginn des Schlussbildes hat etwas von einem Fünfjährigen, der sich an seinem Bruder dafür rächen will, dass der ihm die Legoburg kaputtgemacht hat. Selbst wenn man sich Rodolfo möglichst jugendlich-naiv wünscht, mir geht da ein gutes Stück der gefühlten Dramatik verloren.
Bildlich darstellerisch am besten fand ich Leo Nucci als Vater Miller, der im ersten Akt genug Energie in der Konfrontation mit Wurm und später mit Walter aufbringt, um seinen Widerstand glaubhaft zu machen und in der Schlussszene mit Luisa Entsetzen und Vezweiflung mir ähnlich überzeugend vermittelt.
Die relativ moderne Inszenierung hat mich nicht gestört, ich habe ihre Symbolik aber sicher nicht vollständig verstanden. Beispielsweise bleibt mir der Erdstreifen an der Rampe, aus dem zu bestimmten Gelegenheiten Luisa und ihr Vater eine Handvoll Erde herausgreifen, in den Rodolfo sein Schwert niederlegt und auf dem Luisa bei ihrem Entschluss, mit dem Vater zu fliehen, herumspaziert, ziemlich rätselhaft.
Mein persönliches Fazit: keine schlechte Umsetzung der LUISA, aber (für mich) auch keine überragende. Kennt sie noch jemand Anderes hier?

Insgesamt bleibt die DVD aus dem Teatro La Fenice meine unangefochtene Nummer 1 (selbst wenn ich inzwischen auch die Londoner Aufnahme mit Domingo kenne).

VG, stiffelio