Heike (29.04.2009, 21:29): Hallo, weiß eigentlich jemand, wer das Vibrato bei den Streichern erfunden hat? Ich schätze mal, ganz früher gabs das nicht, oder doch? Seit wann macht man das und warum? Jetzt kommt man ja anscheinend wieder ein wenig weg davon (zum Glück, mir wird das schnell zu viel).
Ich merke mal wieder, dass ich von Musikgeschichte keine Ahnung habe. Heike
Nicolas_Aine (29.04.2009, 21:49): also wer genau das erfunden hat, weiß ich nicht, aber abgesehen von Sir Roger Norrington (zu dem in dieser Hinsicht jeder weitere Kommentar überflüssig ist...) hab ich bislang nur gehört, dass es Vibrato gibt, seit es die Geige bzw. Streichinstrumente gibt (bin immer etwas auf die Geige fixiert^^).
Die Ansicht, das es in der Barockzeit kein Vibrato gab, ist allerdings auch verbreitet, allerdings wird das immer mehr angezweifelt bzw. wiederlegt, soweit ich das mitbekomme.
Poztupimi (29.04.2009, 22:03): Original von Hebre Hallo, weiß eigentlich jemand, wer das Vibrato bei den Streichern erfunden hat? Ich schätze mal, ganz früher gabs das nicht, oder doch? Seit wann macht man das und warum? Jetzt kommt man ja anscheinend wieder ein wenig weg davon (zum Glück, mir wird das schnell zu viel).
Ich merke mal wieder, dass ich von Musikgeschichte keine Ahnung habe. Heike
Liebe Heike,
vielleicht bringt Dich dies hier etwas weiter (habe es – soweit mein Englisch das zuläßt – nur ein wenig kreuz und quer überflogen und mir erstmal für's Wochenende ein Lesezeichen gesetzt)?
Grüße, Wolfgang
Heike (29.04.2009, 22:31): Danke Wolfgang, das scheint ein interessanter Artikel zu sein! Ich werde ihn morgen mit mehr Wachheit in Ruhe lesen. Heike
cellodil (29.04.2009, 22:42): Liebe Heike,
das Vibrato gibt es nicht. Oder anders gesagt: Wenn ein Interpret nur eine einzige Vibrato-Version hat, dann ist es ganz sicher unerträglich.
Ob es eine Periode ohne Vibrato gegeben hat oder nicht, darüber mögen sich Musikhistoriker oder sonstige Experten streiten.
Für mich ist der Maßstab da immer die Musik. Und ich finde, dass es ein Gestaltungsmittel von vielen ist, das - wie alle - sinn- und maßvoll und differenziert eingesetzt werden sollte.
Beim Singen (ich weiß schon, dass es hier um Streicher gehen sollte) ist das Vibrieren ja gewissermaßen etwas Natürliches und in der Regel beschränkt auf ganz bestimmte Momente und Stellen und auch abhängig von der Interpretation insgesamt. Und so sollten es Streicher - meiner Meinung nach - auch handhaben. Kein Dauervibrato (das ist grauenhaft), aber auch keine aufgesetzte und unnötige Beschneidung der Möglichkeiten, die ein Streichinstrument nun einmal hat (Singe, wem Gesang gegeben...). Und selbstverständlich nie Selbstzweck oder Manierismus.
Liebe Grüße
Sabine (daherschwallend, sorry!)
satie (30.04.2009, 06:09): Die Erfindung des Vibrato wird man schwerlich belegen können. Da sind viel zu viele Faktoren, die das verunmöglichen. Man darf auch keineswegs nur von den Streichinstrumenten ausgehen, bzw. muss dann auch noch die ganzen Migrationen von Instrumenten aus anderen Kulturkreisen berücksichtigen (bei der Laute beispielsweise, oder der Rabab etc.). Dazu kommt noch, dass man wahrscheinlich im Mittelalter weit weniger einheitlich Instrumente bespielt hat als man sich das vielleicht vorstellt. Quellen zur Instrumentalmusik haben wir erst eigentlich ab dem Barock, wo man auf jeden Fall Vibrato einsetzte, allerdings mit Sicherheit wohldosiert.
In dem von Wolfgang erwähnten Artikel ist interessant zu lesen, dass das kontinuierliche Vibrato laut Norrington tatsächlich eine Sache des 20. Jahrhunderts ist und davor nicht üblich war. Freitz Kreisler soll einer der Vorreiter dieser Spielweise gewesen sein, inspiriert durch die Zigeuner-Geiger.
Leider sind die Quellen vor dem Barock zu dünn, bzw. nicht vorhanden. Der erwähnte Artikel zeigt aber, dass das durchaus ein kontroverses Thema ist und schon früher war.
Mir fällt dazu allerdings noch ein Vibrato der besonderes Art ein: die Bebung auf dem Clavichord. Das Clavichord ist ja das einzige Tasteninstrument, bei dem man mittels einer Druckveränderung die Tonhöhe geringfügig beeinflussen kann. Es gibt notierte Beispiele der Bebung in Barockmusik (da stehen dann meist drei Punkte über der Note), allerdings weiß ich nicht, ob diese Spielweise Usus war und auch nicht ab wann. Aber hey, was in der Cola drin ist, weiß auch keiner, und trotzdem schmeckt sie interessant, manchem besser in der light-Variante besser...
Herzlich, S A T I E
cellodil (30.04.2009, 22:24): Lieber Satie,
"Bebung" klingt ziemlich beängstigend... Nach wackelnden Wänden und Einsturzgefahr. Womöglich gut, dass moderne Tasteninstrumente mit ihrer Power nicht bebungsfähig sind. Nicht auszumalen, was da alles passieren könnte... Was ich interessant finde, das ist, dass das in diesem Falle im Notentext festgehalten ist.
Merci auf jeden Fall für die neuen Erkenntnisse und liebe Grüße
Sabine
EinTon (01.05.2009, 00:21): Original von cellodil Womöglich gut, dass moderne Tasteninstrumente mit ihrer Power nicht bebungsfähig sind.
Wirklich nicht?:
http://www.einton.info/bebung.mp3 :wink
cellodil (01.05.2009, 08:06): ... ich dachte dabei nicht an Elektronisches, sondern eher an Steinway, Fazioli und Co...