Vier letzte Lieder

nikolaus (24.08.2008, 21:46):
Sagt mal, gibt es eigentlich noch keinen thread zu Vier letzte Lieder von Richard Strauss? Ich habe über die Suchfunktion nichts entsprechendes gefunden.

Ich habe in einem anderen Zusammenhang Jessye Norman mit "Beim Schlafengehn" gehört und war schwer beeindruckt.
Jetzt möchte ich mir eine Aufnahme zulegen. Wer ist neben Jessye Norman zu empfehlen?

Was Liedgesang angeht, bin ich mehr als ahnunglos.
Hat nicht jemand Lust, einen entsprechenden thread zu starten?

Nikolaus.
Amadé (24.08.2008, 22:33):
Nikolaus,
ich möchte gern eine neue Webseite mit den Vier letzten Liedern eröffnen, finde jedoch nirgends eine Partitur! Kann mir jemand im Forum bei der Anschaffung helfen, vielleicht auch nur leihweise?

J. Norman ist hervorragend, auch Masur mit dem Gewandhausorchester, hier und da jedoch etwas langsam. Du sollttest Dir unbedingt auch E.Schwarzkopf mit Szell und dem RSO Berlin auf EMI anhören. Mit Schwarzkopf gibt es auch noch eine frühere mono-Aufnahme mit Otto Ackermann sowie ein Konzertmitschnitt mit HvK, beide Philharmonia Orchester. Meine persönliche Reihenfolge: Szell, Ackermann und zuletzt HvK.

GRuß Amadé
Amadé (05.05.2009, 18:22):
Liebe Forianer,

die Vier letzten Lieder komponierte Richard Strauss am Ende seines langen Komponistenlebens 1948 als Lieder für Sopran und Orchester. Sie sind nicht ganz seine letzten, es folgte noch ein allerletztes, „Malven“, Singstimme mit Klavier, für die von Strauss außerordentlich geschätzte Maria Jeritza komponiert und in Dankbarkeit und Verehrung zugedacht. Diese hat zu Lebzeiten einer Aufführung und Veröffentlichung nicht zugestimmt. Erst nach ihrem Tode, sie starb 1983 in hohen Alter von 83 Jahren, wurde Malven aus dem Nachlass veröffentlicht und von Jessye Norman zwei Jahre später von Philips zuerst eingespielt.
Die Themen der Gedichtvorlagen der Vier letzten Lieder stammen von Josef von Eichendorff und Hermann Hesse und kreisen um Tod und Abschied. Strauss hatte nicht von vornherein an eine zyklische Aufführung und damit auch an eine bestimmte Reihenfolge der Lieder gedacht. Bei der Uraufführung in London am 22. Mai 1950 sangt Kirsten Flagstad, es spielte das Philharmonia Orchester unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler. Testament hat 2007 den Mitschnitt dieses Konzerts , in dem auch noch Werke von Wagner erklangen, veröffentlicht.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51SX271SDfL._SL500_AA240_.jpg

Entstanden sind die Lieder in dieser Reihenfolge: Im Abendrot, Frühling, Beim Schlafengehen, September. Bei der Drucklegung 1950 erschienen sie allerdings in folgender Reihenfolge: Frühling, September, Beim Schlafengehen, Im Abendrot. Furtwängler hielt sich jedoch nicht daran und ordnete die Lieder folgendermaßen: Beim Schlafengehen, September, Frühling, Im Abendrot. Ein Jahr nach der Uraufführung stellte Fritz Busch die neuen Lieder in Stockholm mit der Sopranistin Sena Jurinac vor unter Beibehaltung von Furtwänglers Anordnung. Ebenso Karl Böhm, als er 1953 mit Lisa della Casa den Zyklus für Decca einspielte.
Inzwischen hat es sich eingebürgert, die vier Lieder dramaturgisch geordnet in dieser Reihenfolge zu bieten: Frühling, September, Beim Schlafengehen und Im Abendrot.

Zu Mono-Zeiten, also bis etwa 1958, gab es nach meinen Recherchen, außer der genannten mit Lisa della Casa/Böhm, nur eine Schallplattenaufnahme, und zwar mit Elisabeth Schwarzkopf, dem Philharmonia Orchester unter Leitung von Otto Ackermann 1953. Der Jurinac/ Busch Radio-Mitschnitt erschien 1989 zum erstenmal (EMI). Im Stereo-Zeitalter wuchs dann nach und nach die Diskographie und heute vergeht fast kein Jahr, in dem nicht eine Neuveröffentlichung den Markt erreicht.
30 Aufnahmen befinden sich in meinem Archiv: die meisten Aufnahmen mit E.Schwarzkopf:
Schwarzkopf, Ackermann, POL, EMI 1953
Schwarzkopf, Karajan, POL, EMI, live London 1956
Schwarzkopf, Szell, RSO Berlin, EMI, 1965
Schwarzkopf, Szell, Concertgeb.Orch., APL , live 1964
Davon schätze ich die Studio-Einspielung mit Szell am meisten. Szell war in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts ein enger Vertrauter von Strauss an der Berliner Lindenoper, die Strauss damals leitete. Kein Wunder, dass er Zeit seines Lebens ein versierter Dirigent Straussscher Musik war. Viele Musikfreunde, auch ich, verehren Frau Schwarzkopf als Sängerin , werfen ihr jedoch oft eine zu artifizielle Ausdrucksweise vor, wobei die Natürlichkeit des Vortrags verloren geht. Sie ziehen der Schwarzkopf eine andere Elisabeth vor, Elisabeth Grümmer. Beide standen oft zusammen auf der Bühne, wovon einige Mitschnitte erhalten sind. Von der Grümmer steht eine Berliner Rundfunkproduktion mit dem RSO unter Leitung von Richard Kraus, dem damaligen GMD der Deutschen Oper Berlin, in meinem Regal (Label Gala). Ich bin jedoch nicht ganz glücklich mit der Aufnahme, da man sich nicht genügend Zeit bei der Aufnahme ließ (17’52).
Erwähnen möchte ich auch die Karajan-Produktion mit Gundula Janowitz (DG) und die längste aller meiner Aufnahmen: mit Jessye Norman und dem Gewandhausorchester unter Kurt Masur bei Philips (25’20), die bei einigen (nicht zu Unrecht) so etwas wie ein Kultstatus angenommen hat.

Kennt ihr die Lieder, welche Aufnahmen bevorzugt ihr und welche gefallen Euch nicht?

Grüße Amadé
Poztupimi (05.05.2009, 21:15):
Ihr Lieben,

ich möchte zunächst noch Amadés Anmerkungen um einige weitere ergänzen und eine kleine Liste am Ende anhängen, die die Vielfalt der Aufnahmen von diesem "Zyklus" verdeutlicht.

Richard Strauss schrieb die vier Lieder im Jahr 1948 im Schweizer Exil. Nachdem er am 6. Mai Im Abendrot (Text: Joseph von Eichendorff) vollendet hatte, folgten (nach Texten von Hermann Hesse) am 13. Juli Frühling, am 4. August Beim Schlafengehen und am 20. September September.

Nach seiner Rückkehr nach Garmisch im Jahr 1949 schrieb er einen längeren Brief an die Sopranistin Kirsten Flagstad, dem er wohl auch verschiedenen Partituren beilegte und in dem er ihr erklärte, dass er sich freue ihr seine vier letzten Lieder mit Orchester zur Verfügung zu stellen, die zu der Zeit in London verlegt werden sollten. Außerdem sei die Uraufführung in London unter einem „erstklassigen Dirigenten“ angedacht. Für Kirsten Flagstad bestand wohl kein Zweifel daran, dass es sich bei diesem Dirigenten nur um Wilhelm Furtwängler handeln könne. Obwohl Walter Legge, der Gründer des 1945 gegründeten Philharmonia Orchestra, wohl nicht wirklich gut mit Furtwängler auskam, war dies letztendlich die Konstellation, unter der am 22. Mai 1950 – wenige Monate nach Strauss’ Tod – in der Royal Albert Hall in London der Zyklus der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Auch wenn die Lieder wie Amadé schon bemerkte keineswegs das Ende seines Schaffens darstellten und vermutlich auch nicht als abgeschlossener Zyklus betrachtet wurden, dokumentieren sie vielleicht schon seine Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Abschied, auch vor dem Hintergrund des Krieges und womöglich auch in der Ahnung des eigenen Todes.

1950 erschien dann postum bei Boosey & Hawkes die erste gedruckte Ausgabe in der von der Chronologie der Entstehung abweichenden Reihenfolge:

1. Frühling (13. Juli 1948; Text: Hermann Hesse,)
2. September (20. September 1948; Text: Hermann Hesse)
3. Beim Schlafengehen (4. August 1948; Text: Hermann Hesse)
4. Im Abendrot (6. Mai 1948; Text: Joseph von Eichendorff)

Die Lieder werden soweit ich das gefunden habe in Werkverzeichnissen unter AV 150 oder TrV 296 geführt.

Zu den Texten:

Frühling (Hermann Hesse)
Widmung: Dr. Willi Schuh und Frau
In dämmrigen Grüften
träumte ich lang
von deinen Bäumen und blauen Lüften,
von deinem Duft und Vogelsang.
Nun liegst du erschlossen
in Gleiß und Zier,
von Licht übergossen
wie ein Wunder vor mir.
Du kennest mich wieder,
du lockest mich zart,
es zittert durch all meine Glieder
deine selige Gegenwart!

September (Hermann Hesse)
Widmung: Mr. & Mme Seery (Maria Jeritza)
Der Garten trauert,
kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.
Golden tropft Blatt um Blatt
nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
in den sterbenden Gartentraum.
Lange noch bei den Rosen
bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die großen
müdgewordnen Augen zu.

Beim Schlafengehn (Hermann Hesse)
Widmung: Herrn und Frau Dr. Adolf Jöhr
Nun der Tag mich müd gemacht,
soll mein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.
Hände, laßt von allem Tun,
Stirn, vergiß du alles Denken,
alle meine Sinne nun
wollen sich in Schlummer senken.
Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.

Im Abendrot (Joseph von Eichendorff)
Widmung: Dr. Ernst Roth
Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand:
Vom Wandern ruhen wir beide
Nun überm stillen Land.
Rings sich die Täler neigen,
Es dunkelt schon die Luft,
Zwei Lerchen nur noch steigen
Nachträumend in den Duft.
Tritt her und laß sie schwirren,
Bald ist es Schlafenszeit,
Daß wir uns nicht verirren
In dieser Einsamkeit.
O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot,
Wie sind wir wandermüde -
Ist dies etwa der Tod?

Amadé hat es schon angedeutet, es existiert eine Vielzahl von Aufnahmen, ich habe mal versucht, eine Liste zusammenzustellen, die allerdings nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

1. Kirsten Flagstad, Philharmonia Orchestra London, Wilhelm Furtwängler (1950)
2. Sena Jurinac, Stockholm Philharmonic Orchestra, Fritz Busch (1951)
3. Elisabeth Schwarzkopf, Philharmonia Orchestra London, Otto Ackermann (1953)
4. Lisa Della Casa, Wiener Philharmoniker, Karl Böhm (1953)
5. Elisabeth Schwarzkopf, Philharmonia Orchestra London, Herbert von Karajan (1956, Konzertmitschnitt)
6. Elisabeth Schwarzkopf, Concertgebouw Orchestra, George Szel (1964, Konzertmitschnitt)
7. Hanne-Lore Kuhse, Gewandhaus Orchester Leipzig, Václaw Neumann (1964)
8. Evelyn Lear, Wiener Philharmoniker, Karl Böhm (1964)
9. Elisabeth Schwarzkopf, Radio-Symphonieorchester Berlin, George Szell (1965)
10. Gundula Janowitz, RAI, Sergiu Celibidache (1969)
11. Elisabeth Grümmer, Berliner Philharmoniker, Richard Kraus (1970)
12. Birgit Nilsson, Swedish Radio Symphony Orchestra, Leif Segerstam (1970, Konzertmitschnitt)
13. Mirella Freni, Bologna Symphony Orchestra, Václav Smetacek (1973)
14. Leontyne Price, New Philharmonia Orchestra London, Erich Leinsdorf (1973)
15. Anneliese Rothenberger, London Symphony Orchestra, Andre Previn (1974)
16. Gundula Janowitz, Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan (1974)
17. Elisabeth Söderström, BBC Symphony Orchestra, Pierre Boulez (1976, Konzertmitschnitt)
18. Montserrat Caballé, Orchestre Philharmonique de Strasbourg, Alain Lombard (1977, Konzertmitschnitt)
19. Heather Harper, Royal Philharmonic Orchestra, Norman del Mar (1981)
20. Lucia Popp, London Philharmonic Orchestra, Klaus Tennstedt (1982)
21. Jessye Norman, Gewandhausorchester Leipzig, Kurt Masur (1982)
22. Anna Tomowa-Sintov, Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan (1983)
23. Magdalena Hajóssyová, Slovak Philharmonic Orchestra, Libor Pešek (1983)
24. Elly Ameling, Concertgebouw Orchester Amsterdam, Wolfgang Sawallisch (1983)
25. Eva Marton, Toronto Symphony Orchestra, Andrew Davis (1985)
26. Kiri Te Kanawa, London Symphony Orchestra, Andrew Davis (1985)
27. Heather Harper, London Symphony Orchestra, Richard Hickox (1987)
28. Arleen Augér, Wiener Philharmoniker, André Previn (1988)
29. Kiri Te Kanawa, Wiener Philharmoniker, Georg Solti (1990)
30. Felicity Lott, Scottish National Orchestra, Neeme Järvi (1992)
31. Cheryl Studer, Staatskapelle Dresden, Giuseppe Sinopoli (1993)
32. Charlotte Margiono, Radio Filharmonisch Orkest Holland, Edo de Waart (1993)
33. Lucia Popp, London Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas (1994)
34. Joanna Borowska, Cracow Radio Symphony Orchestra, Friedrich Haider (1995)
35. Britt-Marie Aruhn, Stockholm Royal Orchestra, Siegfried Koehler (1995)
36. Renée Fleming, Houston Symphony Orchestra, Christoph Eschenbach (1996)
37. Barbara Hendricks, The Philadelphia Orchestra, Wolfgang Sawallisch (1996)
38. Sylvia Sass, Hungarian State Orchestra, Ervin Lukacs (1996)
39. Hellen Kwon, Orquesta Filarmonica de Gran Canaria, Adrian Leaper (1998)
40. Karita Mattila, Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado (1999)
41. Adrianne Pieczonka, Orchestre Philharmonique de Nice, Friedrich Haider (1999)
42. Jane Eaglen, London Symphony Orchestra, Donald Runnicles (1999)
43. Deborah Voigt, New York Philharmonic Orchestra, Kurt Masur (1999)
44. Soile Isokoski, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski (2001)
45. Melanie Diener, Tonhalle Orchester Zürich, David Zinman (2002)
46. Elisabeth Meyer-Topsøe, Copenhage Philharmonic Orchesstra, Hans Norbert Bühlmaier (2002)
47. Michaela Kaune, NDR Radiophilharmonie Hannover, Eiji Oue (2004)
48. Nina Stemme, Royal Opera House Orchestra, Covent Garden, London, Antonio Pappano (2006)
49. Anja Harteros, Sächsische Staatskapelle Dresden, Fabio Luisi (2007)
50. Barbara Krieger, Berliner Symphoniker, Heiko Matthias Förster (2008)
51. Ricarda Merbeth, Staatskapelle Weimar, Michael Halász (2008)
52. Renée Fleming, Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann (2008)

Aufnahmen, bei denen ich nicht alle Daten gefunden habe
53. Jessye Norman, Münchner Philharmoniker, Sergiu Celibidache
54. Martina Arroyo, Kölner Rundfunk Symphonie-Orchester, Günter Wand (Konzertmitschnitt)
55. Anne Schwanewilms, The Hallé Orchestra, Mark Elder / BBC MM270
56. Eleanor Steber, …. , James Levine

Aufnahmen mit Klavierbegleitung
57. Ljuba Welitsch, Paul Ulanowsky (1953)
58. Gabriele Fontana, Erich Werba (1986)
59. Barbara Bonney, Malcolm Martineau (1999)
60. Konrad Jarnot, Helmut Deutsch (2005)
61. Waltraud Meier, Joseph Breinl (2008)

Eine recht umfangreiche Liste mit darüber hinaus gehenden Angaben wie Reihenfolge, Zeiten oder Label gibt es hier. Allerdings scheint sie seit 2005 nicht mehr ergänzt worden zu sein.

So, das nur fürs Erste, ich hoffe, ich kann mich demnächst auch mal zu der einen oder anderen meiner Aufnahmen äußern (1, 3, 4, 9, 16, 17, 20, 21, 32, 40, 44, 47-52, 59). Insbesondere auch zum Tempo, da Strauss einige Zeilen unter einen langen Bindebogen geschrieben hat, der nach meiner Auffassung auch auf einen Atem gesungen werden sollte, was natürlich bei so extrem langsamen Aufnahmen wie der von Norman schlicht nicht möglich ist (aber auch andere halten sich nicht an den Notentext).

Grüße,
Wolfgang

Quellen:

Bütow, S., Meisel, P. & Raab, M. (Red.) (1999): Richard Strauss und die Moderne. Konzertzyklus der Münchner Philharmoniker zum 50. Todestag des Komponisten.— 381 S., zahlr. Abb.; München (Münchner Philharmoniker).

Csampi, A. & Holland, D. (Hrsg.) (2005): Der Konzertführer. Orchestermusik von 1790 bis zur Gegeenwart (Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe).— 1375 S.; Reinbek bei Hamburg (Rowohlt Verlag).

Oehlmann, W. (2000): Reclams Liedführer (Fünfte, durchgesehene Auflage).— 1024 S., Mit 470 Notenbeispielen; Stuttgart (Philipp Reclam jun.).

Strauss: Four Last Songs.— The Boosey & Hawkes Masterworks Library (2001)
ab (05.05.2009, 22:20):
Norman kann ich wegen Masur kaum ertragen. Ein Studienkollege schwärmte stets von der Karajan-Produktion mit Gundula Janowitz (DG), ich selbst hatte einst bei Szell mit Schwarzkopf zugeschlagen. Ich habe mich nicht weiter nach Strauss-Orchesterliedern umgehört, weil mir seine Klavierlieder deutlich mehr zusagen.
Ich kann also eigentlich hier nichts Substanzielles dazu beitragen :A

Wenn ich die Liste so durchgehen, würde mich allenfalls noch Schwarzkopf/ Ackermann interessieren und natürlich reizte es mich, Furtwängler zu hören.

Gibt es keine historische mit Jo Vincent?

:hello
ab (07.05.2009, 10:54):
Neu erschienen: Christl Goltz aus dem Jahr 1956 unter der Leitung von Heinrich Hollreiser: dazu hier.

http://magazin.klassik.com/records/covers/15470_400x400.jpg
Amadé (07.05.2009, 18:27):
Hallo ab,
das ist ja eine interessante CD, die vermutlich nur vonStimmenfreaks beachtet wird. Goltz und Höngen besitze und kenne ich noch nicht, die Kindertotenlieder mit H. Schey wurden bereits bei Challenge mit Otterloo (Original Philips Recordings) veröffentlicht und stehen in meinem Regal. Goltz und Höngen machen mir die Ohren lang!

Gruß Amadé
hans-jürgen (04.02.2010, 11:04):
Original von nikolaus
Ich habe in einem anderen Zusammenhang Jessye Norman mit "Beim Schlafengehn" gehört und war schwer beeindruckt.
Das Album mit Kurt Masur und dem Gewandhausorchester Leipzig ist bei Last.fm vorhanden, "on demand" anhören geht aber leider nur als 30-Sekunden-Ausschnitt. Ich bastele allerdings gerade an einem sogenannten "Tag"-Radio mit Orchesterliedern, und dieses Album ist auch dabei, wo man dann zumindest ein Stück in voller Länge im Mix mit anderen Orchesterliedern hören kann.
Amadé (22.04.2010, 20:36):
Wenn ich mich richtig erinnere, soll Mahler von einer sehr lebhaften Stelle in einer seiner Sinfonien gesagt haben, sie müsse gespielt werden wie Elfenmusik (vielleicht kann mir ein Forianer bei der Suche nach dem Zitat auf die Sprünge helfen). Sollte man diese Interpretationshaltung nicht auch auf weite Abschnitte der Vier letzten Liedern anwenden dürfen?
Oft werden mir die Lieder zu buchstabiert, wie jetzt bei der BR-Aufnahme mit Anja Harteros unter Leitung von Mariss Jansons, die neu in meinem Regal steht:

http://www.br-online.de/content/cms/Medienteaser/2009/09/14/cumulus/BR-online-Publikation-ab-05-2009--158142-20091007110318.jpg

Die Lieder werden hier nicht in großen Phrasen gesungen, eher gestückelt in einzelnen Abschnitten dargeboten. Gerade dem Dirigenten fällt da die Aufgabe zu, auf den Zusammenhalt (durch flüssiges Tempo) zu achten, die großen Bögen zu schlagen. Das vermisse ich bei Jansons. Die 4 letzten Lieder sollten den Hörer auch verzaubern, wie Elfenmusik. Das suche ich vergebens.

Gruß Amadé
Armin70 (22.04.2010, 20:58):
Original von Amadé
Wenn ich mich richtig erinnere, soll Mahler von einer sehr lebhaften Stelle in einer seiner Sinfonien gesagt haben, sie müsse gespielt werden wie Elfenmusik (vielleicht kann mir ein Forianer bei der Suche nach dem Zitat auf die Sprünge helfen).

Hallo,

dieses Zitat kenne ich aus einem anderen Zusammenhang und es stammt meines Wissens nicht von Mahler sondern von Richard Strauss. Dieser schrieb in seinen "Zehn goldenen Regeln, einem jungen Kapellmeister ins Stammbuch geschrieben" von 1925 u. a.:

"Dirigiere Salome und Elektra als seien sie von Mendelssohn: Elfenmusik !"

Gruß
Amadé (23.04.2010, 15:52):
Hallo,

ich war mir auch nicht ganz sicher und glaube, dass Du recht hast, nicht Mahler sondern sein Zeitgenosse Strauss.
Danke
Gruß Amadé
:hello
nikolaus (30.06.2010, 23:31):
Bei medici.tv kann man derzeit in einem Mitschnitt vom Festival St. Denis vom 29.6. "Vier letzte Lieder" gesungen von Anja Harteros anhören und sehen. Es spielt das Orchestre Philharmonique de Radio France unter Myung Whun Chung

Wunderschöne Stimme und wunderbar schlicht interpretiert!

Nikolaus.
Fairy Queen (01.07.2010, 11:03):
Lieber Nikolaus; ich habe die beiden letzten Stücke vorgestern zufällig abends im Radio gehört und war ebenfalls begeistert.
Eine wirklch schône Stimme, die ich bisher noch nie bewusst wahrgenommen habe. :down

F.Q.
Amadé (27.08.2010, 16:47):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0747313028375.jpg

Wieder eine Neuaufnahme der 4 letzten Lieder von Strauss.

Mein Eindruck: R. Merbeth setzt eine große breite Stimme mit ständigem Tremolo ein, die immer mindestens mf einsetzt, hier und da höre ich ein leichtes Lispeln, das die Sängerin jedoch gut vesteckt, die Textverständlichkeit ist selten gegeben. Der Dirigent rührt eine dicke Soße an, die alles grundiert, im Positiven aber auch nicht die Solistin zudeckt. Alles klingt breit, unbeweglich, zäh, es zieht sich hin, hin, hin... Die Stimme klingt, als ob eine Elektra sänge, ich glaube, dass sich Strauss das nicht so vorgestellt hat.

Man kann Elisabeth Schwarzkopf auch bei Strauss viele Manierismen vorwerfen, immerhin hat sie ihre Stimme aber genau fokussiert und zeichnet eine schlanke Linie entlang des Notenbildes, gliedert und setzt erwartete Höhepunkte im Einklang mit der Textvorlage.
Das vermisse ich vollständig in der neuen Interpretation.

Gruß Amadé
Agravain (27.08.2010, 16:56):
Original von Amadé
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0747313028375.jpg

Wieder eine Neuaufnahme der 4 letzten Lieder von Strauss.

Mein Eindruck: R. Merbeth setzt eine große breite Stimme mit ständigem Tremolo ein, die immer mindestens mf einsetzt, hier und da höre ich ein leichtes Lispeln, das die Sängerin jedoch gut vesteckt, die Textverständlichkeit ist selten gegeben. Der Dirigent rührt eine dicke Soße an, die alles grundiert, im Positiven aber auch nicht die Solistin zudeckt. Alles klingt breit, unbeweglich, zäh, es zieht sich hin, hin, hin... Die Stimme klingt, als ob eine Elektra sänge, ich glaube, dass sich Strauss das nicht so vorgestellt hat.

Man kann Elisabeth Schwarzkopf auch bei Strauss viele Manierismen vorwerfen, immerhin hat sie ihre Stimme aber genau fokussiert und zeichnet eine schlanke Linie entlang des Notenbildes, gliedert und setzt erwartete Höhepunkte im Einklang mit der Textvorlage.
Das vermisse ich vollständig in der neuen Interpretation.

Gruß Amadé

In der Tat eine wenig erquickliche Aufnahme, die meiner Kenntnis nach gegenwärtig nur von dieser noch unterboten werden kann:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5029365895729.jpg

Kurze Bewertung? Fürchterlich, zeigt sie doch mehr als deutlich, dass die Vier letzten Lieder grundsätzlich - technisch wie interpretatorisch - eine herausragende Sängerin fordern und mittelmäßige nicht vertragen. Barbara Krieger gehört zur letzteren Kategorie. :ignore

:hello Agravain
Mime (27.08.2010, 17:40):
Ich bin erstaunt, wie hier über Barbara Krieger negativ geurteilt wird. Diese Sängerin hat eine grundsolide Ausbildung und auch schon Preise errungen, schon deshalb ist der Begriff Mittelmaß völlig daneben.

Von den vier letzten Liedern gibt es ohnehin zu viele Aufnahmen, es gehört offensichtlich zum "Who's who", sich als Sängerin mit einem weiteren Silberling zu verewigen. Man muss schon Strauss-verdorbene Ohren haben, um so etwas Schwülstiges schön zu finden.

Trotzdem: Die Aufnahme von Barbara Krieger gehört nicht zu den mittelmäßigen.
Agravain (27.08.2010, 20:01):
Original von Mime
Ich bin erstaunt, wie hier über Barbara Krieger negativ geurteilt wird. Diese Sängerin hat eine grundsolide Ausbildung und auch schon Preise errungen, schon deshalb ist der Begriff Mittelmaß völlig daneben.

Von den vier letzten Liedern gibt es ohnehin zu viele Aufnahmen, es gehört offensichtlich zum "Who's who", sich als Sängerin mit einem weiteren Silberling zu verewigen. Man muss schon Strauss-verdorbene Ohren haben, um so etwas Schwülstiges schön zu finden.

Trotzdem: Die Aufnahme von Barbara Krieger gehört nicht zu den mittelmäßigen.

Lieber Mime,

Deinen Enthusiasmus in Punkto Frau Krieger in allen Ehren, aber nur, weil sie eist bei irgendeinem subalternen italienischen Wettbewerb Preisträgerin war, heißt nicht automatisch, dass sie a) eine überragende Sängerin und b) eine ideale Interpretin der Vier letzten Lieder ist. Es erklärt lediglich, dass sie einen Plattervertrag bei Brilliant (!) bekommen hat.

Tatsächlich ist ihre Darbietung auf der oben gezeigten CD - ich höre sie, obschon es mir nicht leicht fällt, gerade noch einmal, mäßig, eben mittelmäßig. Nicht nur, dass der Darstellung rechte Geist zu fehlen scheint, er fehlt auch noch aus einem ganz offensichtlichen Grund: sie ist dermaßen mit dem Versuch beschäftigt, die Lieder technisch zu bewältigen, dass eine Interpretation kaum möglich scheint. Und noch schlimmer: die Technik reicht auch nicht aus, denn die Interpretin ist nicht selten a) unsauber, b) dreht sich nicht selten von unten in die Spitzentöne ("Staubsaugereffekt") c) nutzt waberndes Tremolo, d) zeigt nicht selten abstrus flache Vokalfärbung, e) hat ein gepresstes tiefes Register und f) singt mit streckenweise sehr mäßiger Textverständlichkeit, selbst dort, wo es weitgehend problemlos ist, Text zu formen. Nun ist Nibelheim ja das Heim des Nebels. Vielleicht dringt dergleichen dorthin nicht durch? :D

Wäre sie die einzige Sopranistin auf Gottes weitem Erdenrund, so würde man das wahrscheinlich unkomplizierter hören, da man es ja nicht anders kennen würde. Als Sopranistin muss man sicher aber, spielt man diese Lieder ein, darüber im Klaren sein, dass man sich in eine Reihe mit solchen Sopranen stellt wie beispielsweise Kirsten Flagstad, Elisabeth Schwarzkopf (die ich im Übrigen auch nicht mag), Lisa della Casa, Lucia Popp, Leontyne Price, Gundula Janowitz oder Jessye Norman. An solchen wird man dann natürlich auch gemessen. Und diesem Vergleich hält Miss Krieger schlicht in keinster Weise stand. Das es auch ganz anders geht, zeigt die im Vergleich zu ihren Kolleginnen ebenfalls weniger bekannte Sopranistin Charlotte Margiono, die unter der Leitung von Edo de Waart eine Darstellung liefert, die sie mit in die erste Reihe der Interpretinnen katapultiert:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5029365906524.jpg

Dieses bedenkend und nun die Lieder mit Barbara Krieger nochmals gehört habend, muss ich sogar fast sagen, dass mittelmäßig noch fast ein schmeichelhaftes Urteil ist.

Aber: Jeder nach seiner Fasson.

Agravain

P.S. Dass Du die Lieder für schwülstig hälst, steht auf einem anderen Blatt.
Agravain (28.08.2010, 11:52):
Original von Agravain
Das es auch ganz anders geht, zeigt die im Vergleich zu ihren Kolleginnen ebenfalls weniger bekannte Sopranistin Charlotte Margiono, die unter der Leitung von Edo de Waart eine Darstellung liefert, die sie mit in die erste Reihe der Interpretinnen katapultiert:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5029365906524.jpg



Ich möchte doch noch einmal einen ausführlicheren Beitrag zu Margionos Aufnahme posten:

Einspielungen der "Vier letzten Lieder" gibt es viele. Sie sind ein Prüfstein für jede Sopranistin, die zu den großen ihres Faches gehören möchte. Dies bedeutet bei jeder Neueinspielung natürlich auch, dass man sich als Sängerin bewusst in eine Reihe bedeutender Interpretinnen einreiht und entsprechend an ihnen gemessen wird. Mal gelingt ein solches Unterfangen mal wiederum nicht.

Die bereits 1993 eingespielte, aber erst später bei Brilliant erschienene Aufnahme der "Vier letzten Lieder" mit Charlotte Margiono und dem Radio Filharmonisch Orkest Holland unter der Leitung von Edo de Waart gehört eindeutig zu den geglückten Versuchen. Margionos Timbre eignet sich glänzend für den visionären Abschiedscharakter dieser Musik. Heller Klang, zwar mit einem gewissen, aber nicht störenden Vibrato, dass sie gegebenenfalls auch völlig unterdrücken kann, um einen ganz klaren und glatten Ton zu produzieren.

Was ebenfalls positiv auffält ist Margionos insgesamt schlichte Herangehensweise an die Lieder. Sie gibt keine Primadonna (oder eine Sängerin, die gerne Primadonna wäre), sondern präsentiert sich als schon fast im Hintergrund bleibende, feinsinnig interpretierende, sich selbst nie produzierende, stets der Musik dienende Künstlerin.

Und so gelingen ihr nicht nur die großen "Stellen" dieser Lieder (wie z.B. "Und die Seele unbewacht...") ausgesprochen klangschön und anrührend, sondern der Zyklus als Gesamtes. Nie verliert sie den großen Bogen, die thematische Verbindung der Texte zueinander aus dem Auge, stets ist sie Herrin ihrer Darstellung.

Müsste ich (um bei den jüngeren Einspielungen zu bleiben) zwischen ihrer Darstellung und bspw. denjenigen Renée Flemings wählen, ich bliebe bei der Margiono.

Das atmosphärisch sehr dicht spielende RPO Holland unter der Leitung des Strauss-Erfahrenen Edo de Waart - von dem man leider viel zu wenig hört - steuert zum guten Eindruck seinen Teil bei.

:hello Agravain
Fairy Queen (30.08.2010, 19:44):
Eine sehr interessante Diskusssion, um eine Musik, die für mich immer ein wenig am Rande des "eben noch gerade Auszuhaltenen" und des "nicht mehr Erträglichen" chargiert. Wenn sie dann schlecht gesungen und gespielt wird, ist die Grenze schnell überschritten.
Ich kenne weder Frau Krieger noch Frau Margiono, aber ich kenne Einige der wahrschienlcih-wie ja hier gesagt wurde- viel zu vielen und daher überflüssigen Einspielungen.
Mein musikalischer Favorit ist Furtwägler- so differenziert und dynamisch bis ins kleinste Detail ausgefeilt, so interessant und neu habe ich die Lieder nie gehört.
Meine sängerischen Favoriten sind Lisa della Casa, Lucia Popp und insbesondere Jessye Norman- also eher betagtere Einspeilungen. Kiri te Kanawa muss ebenfalls umwerfend sein, leider habe ich sie noch nciht gehört.
Die Vier letzten Lieder sind u.A. deshalb so schwierig zu singen, weil die Phrasen teilweise endlos sind und einen fast unmöglich langen Atem verlangen und weil die Sängerin ganz und gar von der Gnade des Dirigenten abhängt. Selbiger kann Alles zerstören und die Stimme, beinahe wie auf dem Rennplatz, mit Zehntelsekunden in den Ruin treiben.
Dazu soll es ja nicht gestemmt und gedrückt sondern stellenweise sogar leicht und duftig klingen.
Eine lyrische Stimme mit leichter Höhe und doch so stark, dass sie diese Ochsentour durchsteht- fast eine Quadratur des Kreises wenn nciht ein hochsensibler und nicht auf orchestrale Selbstdarstellung bedachter Dirigent mitspielt.

Ein Scheitern auf hohem Niveau ist für mich z.B. Barbara Hendricks. Ich fidne ihr gutturales Timbre vollkommen ungeeignet. Aber sie hat immerhin nciht damit zu kämpfen, das ganze überhaupt tehcnisch zu shcaffen, wie ja hier von anderen Interpretinnen gesagt wurde. Und das ist ja schon sehr viel. :D
F.Q.
Fairy Queen (24.11.2010, 21:01):
Lieber Agravain, ich knüpfe noch mal an dein letztes Posting und die Empfehlung der Lieder mit Charlotte Margiono an: dank eines liebenswürdigen Schenkers kam ich heute abend in den Genuss, in der Badewanne liegend, diese Cd zum ersten Mal zu hören! Herrlich passend zum warmen Schaumbad- deine Begeisterung kann ich nachempfinden. :engel
Margiono gestaltet ganz wunderbar differenzierend und hängt wirklich nirgends die Opern-Primadonna (wie z.B. Flagstad oder Fleming das tun) heraus. Sie wird allerdings dabei von einem erstklassigen Orchester auf Händen getragen- die Holländer kônnen sich beinahe an Furtwänglers legendârer Begleitung von Kirsten Flagstad messen lassen, finde ich. Wie wunderbar sie sich zurücknehmen und all die zarten Töne wirklichals zarte Töne spielen, wird vor allen Dingen bei "Im Abendrot" deutlich- für mich immer die Messlatte, aber auch die Orchesterlieder wie etwa "Morgen" sind ein Gedicht an Begleitkunst! :down :down :down

Ich muss zugeben, dass ich diverse Sopran-Stimmen an sich genommen schôner finde als die von C. Margiono, aber mit dieser interpretationsleistung gehört sie für mich in die Spitzengruppe der Strauss-Lied-Sängerinnen.

F.Q.
palestrina (25.03.2013, 18:27):
Habe diese ist CD erst heute kennengelernt !
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5029365906524.jpg

Und wie sie das singt bei diesen langsamen Tempi von EDO DE WART, das ist allerAchtung wert!
Nur als Beispiel, für im Abendrot benötigt EdW 9.05 und FB mit Jurinac 7.26,
und wie sie das meistert ist fantastisch , bin ganz verliebt in diese Aufnahme.
Undvwie sie sich bei, so tief im Abendrot aufschwingt , wunderschön ,ein Hauch von Unendlichkeit.

LG palestrina

P.s. und von schwuelstig keine Spur ! s.o.
Florestan (06.06.2013, 13:19):
Die 4 letzten Lieder von Strauss begleiten mich schon mein ganzes Leben, und ich höre sie immer wieder. Die erste Aufnahme die ich gehört habe war Janowitz/Karajan, die ich nach wie vor trotz HvK recht ordentlich finde. Bislang ist Schwarzkopf/Szell mein Favorit, wobei ich Norman/Masur ebenfalls ganz ausgezeichnet finde. Wer mit Frau Schwarzkopf Probleme hat sollte die Aufnahme vielleicht meiden. Das Lisa della Casa eine begnadete Strauss Sängerin war dürfte hinreichend bekannt und belegt sein.
Vor einiger Zeit hatte ich mir im Rahmen der Gesamteinspeilung aller Orchesterlieder von Strauss die Aufnahme mit Lott/Järvi zugelegt, von der ich einigermassen enttäuscht bin, obwohl ich beide Protagonisten sehr schätze.
Die angesprochene Aufnahme mit Margiono/De Waart werde ich gleich mal bestellen. Ich kenne die Sängerin aus anderen Aufnahmen und habe sie in guter Erinnerung (sie singt die Sopranpartie in meiner Lieblingsaufnahme der Missa Solemnis von Beethoven mit Gardiner).

Vielen Dank für den Tipp

Florestan
Amadé (09.09.2014, 17:44):
Ab sofort im Web! 46 Aufnahmen

Gruß Amadé
MartinG (10.09.2020, 20:28):
Mit etwas Abstand bin ich gerade wieder bei den Vier letzten Liedern, und würde mir gern mal wieder etwas neues kaufen.
Nun bin ich dabei allerdings etwas "allergisch", was zu langsame Tempi betrifft. Immerhin Schreibt Strauss ja 1x Allegretto, und 3x Andante.
Anfang der 80er habe ich mal einen Interpretationsvergleich im Radio gehört, der unter anderem das zum Thema hatte. Und dass die von Strauss eingezeichneten Phrasierungsbögen auch nur dann korrekt singbar wären. Aufgezeigt wurde, dass Gundula Janowitz deswegen einige Atmer einfügen müsse, während Lisa della Casa/Karl Böhm absolut vorbildlich seien.
Letztere gefällt mir gesanglich auch wirklich sehr gut - aber instrumental und klanglich bleiben mir da doch einige Wünsche offen.
Was ich noch habe sind
Schwarzkopf/Szell
Popp/Tennstedt
Bei Elisabeth Schwarzkopf stört mich, dass das erste Lied tiefer transponiert ist, und ich werde mit ihrer typischen Art einfach nicht warm. Lucia Popp liebe ich stimmlich sehr, aber vor allem "Im Abendrot" ist mir einfach zu langsam.
Was also nun?
Ich habe heute mal quer gehört, was sich im Internet so neueres findet - und wüsste gern mal eure Meinungen zu René Fleming, Diana Damrau, und auch der Aufnahme von Lucia Popp und Michael Tilson-Thomas.
Bei René Fleming hat mir das Orchester unter Thielemann sehr gefallen - aber vom Stimmklang tendiere ich eher zu den anderen beiden...

Viele Grüße
Martin
Sfantu (11.09.2020, 17:00):
Hallo Martin,

Strauss ist nicht unbedingt mein Terrain. Ich habe ebenfalls die Aufnahmen mit della Casa / Böhm, Janowitz / Karajan, Schwarzkopf / Szell & außerdem Schwarzkopf / Ackermann (alle auf Schallplatte). della Casa ist hier meine Favoritin. & der leicht angegraute Klang dieser älteren Einspielungen stört mich persönlich nicht. Ich finde sogar, es paßt gar nicht so schlecht zu diesen Liedern, die ja ebenfalls etwas halb Jenseitiges, eine Art Trauerflor besitzen.
Etwas Geduld - ich bin sicher, die Stimmen-&/oder Strauss-Experten melden sich noch.
Viel Freude & Erfolg beim Suchen & Hören!

Gruß,
Sfantu
Philidor (11.09.2020, 17:24):
In jüngerer Zeit gefielen mir die Aufnahmen mit Fleming/Eschenbach (deutlich besser als mit Thielemann in meinen Ohren), die von Dir genannte Popp/Tennstedt und Harteros/Jansons.

"Im Abendrot" zu langsam mit Popp/Tennstedt? 8:24 sind ja auch eine Nummer ... mit 8:45 nehmen sich Fleming/Eschenbach noch einen Tick mehr Zeit. Harteros/Jansons 8:09.

Oder vielleicht Harteros/Luisi mit 7:37? Die hat noch eine herausragende Alpensinfonie im Gepäck, so viel Details habe ich nicht mal bei Stenz oder Nelsons gehört ...

Della Casa/Böhm bleiben mit 5:59 wohl Temporekord ... ich brauche es nicht (immer) so flott. Aber hör doch mal in Janowitz/Karajan rein, trotz der Nachatmer ... 7:07.

Gruß
Philidor

:hello
MartinG (11.09.2020, 21:08):
Da du hast sicher Recht. Man muss ja auch nicht die eine "perfekte" Aufnahme für sich finden. Winterreisen kaufe ich mir auch regelmäßig, und freue mich darüber dass sie so unterschiedlich sind.
Fleming/Thielemann habe ich mir nun aber doch bestellt, und finde die Tempi sehr gut gewählt. Inzwischen mag ich auch den Stimmklang sehr.
Harteros/Luisi gäbe es ja auch noch als (teure) SACD. Das hätte den Charme einer Surround-Mischung (falls sie denn gut ist).
(edit: die Neugier war zu groß und bei Ebay gab es die SACD für 14,99. Bin gespannt. Was ich bei Youtube Music höre klingt recht flott, aber durchaus schön)

Helmut Deutsch schwärmt in seiner Autobiografie sehr von Diana Damerau, drum hat sie mich interessiert. Aber der Mitschnitt von BR-Klassik (den man anschauen kann) fasziniert mich nicht so richtig.


Viele Grüße
Martin
Philidor (12.09.2020, 11:52):
Anfang der 80er habe ich mal einen Interpretationsvergleich im Radio gehört, der unter anderem das zum Thema hatte. Und dass die von Strauss eingezeichneten Phrasierungsbögen auch nur dann korrekt singbar wären. Aufgezeigt wurde, dass Gundula Janowitz deswegen einige Atmer einfügen müsse, während Lisa della Casa/Karl Böhm absolut vorbildlich seien.
Vorbildlich bezüglich des einen Parameters, nämlich der genauen Beachtung der Phrasierungsbögen, richtig. Bezüglich welcher anderer Parameter war sie, eventuell gerade deswegen, nicht vorbildlich?

Wenn Dutzende anderer bestens beleumundeter Interpreten, welche die Phrasierungsbögen genauso erkannt haben wie della Casa/Böhm, und genau wussten, wie sie theoretisch auszuführen sind, entschieden haben, diese eine Vorgabe des Komponisten nicht umzusetzen, dann hat das mMn auch ein Gewicht.

Kann es sein, dass Strauss eventuell (ich glaub's nicht, aber mal als Gedankenexperiment) die Atemkapazität seiner Interpreten überschätzt hat? Dass man infolgedessen vor der Entscheidung steht, das Tempo ohne RÜcksicht auf andere Parameter so schnell zu nehmen, dass die Bögen noch ausführbar sind, oder diese eine Vorgabe zu ignorieren und dafür Atmosphäre, Spannungsbögen, Entwicklungen in einer sinnstiftenden Weise darstellen kann?

Ein anderer Punkt: Ich habe gerade mal in meine Taschenpartitur von Boosey&Hawkes geschaut - da stehen keine Phrasierungsbögen ... nur da, wo mehrere Töne auf eine Silbe kommen, da steht der übliche Bogen, der korrekt Textierungsbogen heißt.

Gruß
Philidor

:hello
MartinG (12.09.2020, 14:09):


Kann es sein, dass Strauss eventuell (ich glaub's nicht, aber mal als Gedankenexperiment) die Atemkapazität seiner Interpreten überschätzt hat? Dass man infolgedessen vor der Entscheidung steht, das Tempo ohne RÜcksicht auf andere Parameter so schnell zu nehmen, dass die Bögen noch ausführbar sind, oder diese eine Vorgabe zu ignorieren und dafür Atmosphäre, Spannungsbögen, Entwicklungen in einer sinnstiftenden Weise darstellen kann?
.......
Ein anderer Punkt: Ich habe gerade mal in meine Taschenpartitur von Boosey&Hawkes geschaut - da stehen keine Phrasierungsbögen ... nur da, wo mehrere Töne auf eine Silbe kommen, da steht der übliche Bogen, der korrekt Textierungsbogen heißt.
Der Begriff Textierungsbogen war mir gar nicht geläufig, seine Funktion allerdings schon. Und ich habe nun auch mal die Noten mit gelesen, und muss dir Recht geben - es gibt nur diese Bögen.
Diese sollte man natürlich möglichst schon auf einen Atem singen - aber nur weil z.B. Frau Janowitz beim letzten Wort (Gegenwart) im "Frühling" die erste Silbe eben nicht auf einen Atem schafft, ist die Interpretation natürlich noch nicht disqualifiziert. Für mein Empfinden ist der Grundcharakter aber gleichzeitig auch deutlich zu wenig "Allegretto", und darum werde ich mit dieser Interpretation wohl nicht mehr warm werden.
Weiß man, ob Strauss die Lieder überhaupt mal gehört gehört hat? Eine eigene Klavierfassung existiert von ihm ja wohl nicht (?)