Vladimir Sofronitsky oder S. Richters "Gott"

Rachmaninov (29.03.2006, 13:18):
Der russische Pianist Vladimir Sofronitsky war bereits zu Lebzeiten eine Legende und galt als der größte Pianist Russlands.
Richter, Gilels und Neuhaus (neben vielen anderen) schätzten ihn und darüberhinaus war er noch ein persönlicher Freund Prokofievs und von D. Schostakovitch.




Als Sofronitsky S. Richter bei einem Trinkspruch als Genie bezeichnete konterte Richter augenblicklich und bezeichnete Sofronitsky als Gott.

Als Sofronitsky starb sagte E. Giles:"Der beste Pianist der Welt ist gestorben!"

Nun, glücklicherweise gibt es einige Aufnahmen die Sofronistkys Kunst belegen und die ein Zeugnis darüber ablegen, daß dieser Mann über schier unglaubliche Fähigkeiten verfügt. Mit Fähigkeiten ausgestattet, die aus Musik etwas ganz besonderes machen.
Jenseits von technischer Perfektion vermochte es Sofronitsky mit farbigen Spiel zu begeistern.

Seine Aufnahme von Schumann's Sinf. Etüden sind für mich unerreicht. Dieses Maß an dynamischem Range und Gestalltungswillen habe ich bisher bei diesem Werk nie so erreicht.


Immer wenn ich eine Sofronitsky Aufnahme gehört habe "relativiert" sich meine Einschätzung der meisten Pianisten

Und irgendwie hatte Richter wohl auch "recht" in seiner Aussage! So ganz von dieser Welt ist das nicht was dieser unbekannte Lehrer am Moskauer Konservatorium vollbringen konnte! Das hat etwas "spirituelles"


Diskographie

geocities.com/grahsco/Sofronitsky.html

hayes.cside2.jp/vinyl/sofro.html

Anmerkung:
Die klanglich besten Aufnahmen dürften wohl die DENON Aufnahme sein. :cool
Cosima (31.03.2006, 16:19):
Hallo R.,

Richter sagte auch über Sofronitsky: „Scriabin is made for Sofronitsky, just as Sofronitsky is made for Scriabin.“

Leider konnte ich mich immer noch nicht davon überzeugen, weil die Aufnahmen schwer oder nur teuer zu bekommen sind. Deshalb hatte ich einstweilen mit seinem Chopin-Recital von 1949 (Denon) Vorlieb genommen, da er auch als hervorragender Chopin-Interpret berühmt war. Gefällt mir sehr, allerdings ist die Klangqualität dann auch wieder nicht so dolle, als dass ich nun unbedingt alle weiteren Aufnahmen dieses Pianisten haben muss. Hin und wieder darf es auch mal etwas Neueres sein, und alte, dumpfe und knisternde Aufnahmen habe ich zur Genüge.

Dann wäre da noch ein Recital mit russischen Komponisten (Medtner, Glasunov, Borodin) und eine Aufnahme der Symphonischen Etüden von Schumann. Auch wirklich gut, teilweise außergewöhnlich, aber der letzte Funke ist bei mir nicht übergesprungen.

Irgendwann werde ich mir sein Scriabin-Recital sicher noch zulegen, aber das war es dann auch erst einmal.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (31.03.2006, 18:09):
@Cosima,

Sofronistky heiratete übrigens auch Scriabins Tochter :)
Rachmaninov (11.04.2006, 21:55):
Gestern hatte ich mir nochmal seit längerer Zeit von dieser Aufnahme Schuberts letzte Sonate D960 angehört:



Die Aufnahme hat mich wiedereinmal in meiner Meimnung über Sofronitsky bestätigt. Höchstes technisches Niveau, grandiose Anschlagskultur, die Fähigkeit mit JEDEM Finger genau den Anschlag so zu treffen wir er ihn haben will. Eifach grandios wie er mit den Möglichkeiten des modernen Klaviers spielt.

Und was bleibt nach all diesen Finessen? Das alles steht hinter dem Werk, dem Gesamteindruck und der künstlerischen Aussagen zurück.

:down :down
Rachmaninov (15.04.2006, 14:26):
anbei 2 sehr nützliche Links zu Sofronitsky

V. SofronitskyTribute

Diskographie
Ganong (15.04.2006, 18:17):
Liebe Cosima ,
eine überragende Interpretation stelle ich immer über etwaige technische Einwände .
Bei Vladimir Sofronitzky solltest Du , wenn möglich , die beiden CDs au sder Edition "Great Pianists of the Century" kaufen oder bzw. noch bessser auch die Aufnahmen bei "Melodiya" .
Auf seine Schumann kommen Siamak und ich sicherlich noch bei der Besprechung der Werke . Sein Chopin ist fern jeder Süsse , faszinerend , weil V.S. auch jedes falsche Pathos vermeidet , die Rubati gezielt einsetzt .
Über seinen Scriabin braucht wohl nicht smehr gesagt zu werden .
Wahrscheinlich gab es in der alten UdSSR noch zig Aufnahmen .
Sofronitzkys Bekanntheitsgrad ist dem damaligen Ragime zum Opfer gefallen und dass er ja praktisch nie "im Westen" gespielt hat ( eben anders als Gilels oder S. Richter ) .
Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (31.07.2006, 12:28):
Sofronitsky studierte übrigens ebenfalls wie Schostakowitsch bei Nikolajew.

Gemeinsam mit Marija Judina galt er als große Hoffnung und erlangte ja auch in Rußland großen Ruhm als Klavierinterpret.

Er erreichte bereits als Student einen derartigen "Kultstatus", daß er sogar durch seine Lehrer verehrt wurde.

Allerdings wurde sein Weg auch von Alkohol und Rauschmitteln beeinflußt.

:(
Cosima (31.07.2006, 12:55):
Original von Cosima
Auch wirklich gut, teilweise außergewöhnlich, aber der letzte Funke ist bei mir nicht übergesprungen.


So schrieb ich vor einigen Monaten. Inzwischen ist der Funke übergesprungen. Und zwar schon vor einer Weile, nachdem ich seine Interpretationen der Skrjabin-Sonaten hörte! Sie sind unbeschreiblich!

Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (31.07.2006, 18:51):
@Cosima,

hast Du mittlerweile mal seine Aufnahme der Symphonischen Etüden gehört?
Cosima (31.07.2006, 21:14):
Original von Rachmaninov
hast Du mittlerweile mal seine Aufnahme der Symphonischen Etüden gehört?

Nein, ich habe sie in der letzten Zeit nicht noch einmal gehört.

Ich las es eben: Im Booklet der Skrjabin-CD von Alexander Melnikov (die CD ist übrigens hinreißend!) schreibt der Pianist selber über Sofronitzki:

„Das Prélude op. 11 Nr. 4 ist als Liebeserklärung an Wladimir Sofronitzki, den wohl besten Interpreten der Musik Skrjabins, in das Programm aufgenommen worden. Es hat wohl keiner Sofronitzki besser charakterisiert als Swjatoslaw Richter: 'In der Aufwärtsspirale Skrjabins hat er ein Elixier für das ewige Leben gefunden.' Und ist das nicht das Wesen der Musik von Alexander Skrjabin?“

Schön, nicht wahr? :)

Gruß, Cosima
Rachmaninov (23.10.2007, 19:59):
Original von Cosima
Original von Rachmaninov
hast Du mittlerweile mal seine Aufnahme der Symphonischen Etüden gehört?

Nein, ich habe sie in der letzten Zeit nicht noch einmal gehört.

Ich las es eben: Im Booklet der Skrjabin-CD von Alexander Melnikov (die CD ist übrigens hinreißend!) schreibt der Pianist selber über Sofronitzki:

„Das Prélude op. 11 Nr. 4 ist als Liebeserklärung an Wladimir Sofronitzki, den wohl besten Interpreten der Musik Skrjabins, in das Programm aufgenommen worden. Es hat wohl keiner Sofronitzki besser charakterisiert als Swjatoslaw Richter: 'In der Aufwärtsspirale Skrjabins hat er ein Elixier für das ewige Leben gefunden.' Und ist das nicht das Wesen der Musik von Alexander Skrjabin?“

Schön, nicht wahr? :)

Gruß, Cosima

Ja, wunderschön!

Gerade höre ich Sofronitsky mit den Chopin Mazurken.
Irgendwo habe ich mal gelesen "das Ganze Können eines Pianisten kann man daran erkennen wie er die Chopin Mazurken" spielt. Nun, dann muss man Sofronistky wohl großes Können bescheinigen.

Man, was ein Jammer das seine Aufnahmen vor allem was die Dynaik angeht eher mittelmäßig im Klang sind! :I
Rachmaninov (29.03.2006, 13:18):
Der russische Pianist Vladimir Sofronitsky war bereits zu Lebzeiten eine Legende und galt als der größte Pianist Russlands.
Richter, Gilels und Neuhaus (neben vielen anderen) schätzten ihn und darüberhinaus war er noch ein persönlicher Freund Prokofievs und von D. Schostakovitch.




Als Sofronitsky S. Richter bei einem Trinkspruch als Genie bezeichnete konterte Richter augenblicklich und bezeichnete Sofronitsky als Gott.

Als Sofronitsky starb sagte E. Giles:"Der beste Pianist der Welt ist gestorben!"

Nun, glücklicherweise gibt es einige Aufnahmen die Sofronistkys Kunst belegen und die ein Zeugnis darüber ablegen, daß dieser Mann über schier unglaubliche Fähigkeiten verfügt. Mit Fähigkeiten ausgestattet, die aus Musik etwas ganz besonderes machen.
Jenseits von technischer Perfektion vermochte es Sofronitsky mit farbigen Spiel zu begeistern.

Seine Aufnahme von Schumann's Sinf. Etüden sind für mich unerreicht. Dieses Maß an dynamischem Range und Gestalltungswillen habe ich bisher bei diesem Werk nie so erreicht.


Immer wenn ich eine Sofronitsky Aufnahme gehört habe "relativiert" sich meine Einschätzung der meisten Pianisten

Und irgendwie hatte Richter wohl auch "recht" in seiner Aussage! So ganz von dieser Welt ist das nicht was dieser unbekannte Lehrer am Moskauer Konservatorium vollbringen konnte! Das hat etwas "spirituelles"


Diskographie

geocities.com/grahsco/Sofronitsky.html

hayes.cside2.jp/vinyl/sofro.html

Anmerkung:
Die klanglich besten Aufnahmen dürften wohl die DENON Aufnahme sein. :cool
Cosima (31.03.2006, 16:19):
Hallo R.,

Richter sagte auch über Sofronitsky: „Scriabin is made for Sofronitsky, just as Sofronitsky is made for Scriabin.“

Leider konnte ich mich immer noch nicht davon überzeugen, weil die Aufnahmen schwer oder nur teuer zu bekommen sind. Deshalb hatte ich einstweilen mit seinem Chopin-Recital von 1949 (Denon) Vorlieb genommen, da er auch als hervorragender Chopin-Interpret berühmt war. Gefällt mir sehr, allerdings ist die Klangqualität dann auch wieder nicht so dolle, als dass ich nun unbedingt alle weiteren Aufnahmen dieses Pianisten haben muss. Hin und wieder darf es auch mal etwas Neueres sein, und alte, dumpfe und knisternde Aufnahmen habe ich zur Genüge.

Dann wäre da noch ein Recital mit russischen Komponisten (Medtner, Glasunov, Borodin) und eine Aufnahme der Symphonischen Etüden von Schumann. Auch wirklich gut, teilweise außergewöhnlich, aber der letzte Funke ist bei mir nicht übergesprungen.

Irgendwann werde ich mir sein Scriabin-Recital sicher noch zulegen, aber das war es dann auch erst einmal.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (31.03.2006, 18:09):
@Cosima,

Sofronistky heiratete übrigens auch Scriabins Tochter :)
Rachmaninov (11.04.2006, 21:55):
Gestern hatte ich mir nochmal seit längerer Zeit von dieser Aufnahme Schuberts letzte Sonate D960 angehört:



Die Aufnahme hat mich wiedereinmal in meiner Meimnung über Sofronitsky bestätigt. Höchstes technisches Niveau, grandiose Anschlagskultur, die Fähigkeit mit JEDEM Finger genau den Anschlag so zu treffen wir er ihn haben will. Eifach grandios wie er mit den Möglichkeiten des modernen Klaviers spielt.

Und was bleibt nach all diesen Finessen? Das alles steht hinter dem Werk, dem Gesamteindruck und der künstlerischen Aussagen zurück.

:down :down
Rachmaninov (31.07.2006, 12:28):
Sofronitsky studierte übrigens ebenfalls wie Schostakowitsch bei Nikolajew.

Gemeinsam mit Marija Judina galt er als große Hoffnung und erlangte ja auch in Rußland großen Ruhm als Klavierinterpret.

Er erreichte bereits als Student einen derartigen "Kultstatus", daß er sogar durch seine Lehrer verehrt wurde.

Allerdings wurde sein Weg auch von Alkohol und Rauschmitteln beeinflußt.

:(
Cosima (31.07.2006, 12:55):
Original von Cosima
Auch wirklich gut, teilweise außergewöhnlich, aber der letzte Funke ist bei mir nicht übergesprungen.


So schrieb ich vor einigen Monaten. Inzwischen ist der Funke übergesprungen. Und zwar schon vor einer Weile, nachdem ich seine Interpretationen der Skrjabin-Sonaten hörte! Sie sind unbeschreiblich!

Gruß, Cosima :)
Rachmaninov (31.07.2006, 18:51):
@Cosima,

hast Du mittlerweile mal seine Aufnahme der Symphonischen Etüden gehört?
Cosima (31.07.2006, 21:14):
Original von Rachmaninov
hast Du mittlerweile mal seine Aufnahme der Symphonischen Etüden gehört?

Nein, ich habe sie in der letzten Zeit nicht noch einmal gehört.

Ich las es eben: Im Booklet der Skrjabin-CD von Alexander Melnikov (die CD ist übrigens hinreißend!) schreibt der Pianist selber über Sofronitzki:

„Das Prélude op. 11 Nr. 4 ist als Liebeserklärung an Wladimir Sofronitzki, den wohl besten Interpreten der Musik Skrjabins, in das Programm aufgenommen worden. Es hat wohl keiner Sofronitzki besser charakterisiert als Swjatoslaw Richter: 'In der Aufwärtsspirale Skrjabins hat er ein Elixier für das ewige Leben gefunden.' Und ist das nicht das Wesen der Musik von Alexander Skrjabin?“

Schön, nicht wahr? :)

Gruß, Cosima
Rachmaninov (23.10.2007, 19:59):
Original von Cosima
Original von Rachmaninov
hast Du mittlerweile mal seine Aufnahme der Symphonischen Etüden gehört?

Nein, ich habe sie in der letzten Zeit nicht noch einmal gehört.

Ich las es eben: Im Booklet der Skrjabin-CD von Alexander Melnikov (die CD ist übrigens hinreißend!) schreibt der Pianist selber über Sofronitzki:

„Das Prélude op. 11 Nr. 4 ist als Liebeserklärung an Wladimir Sofronitzki, den wohl besten Interpreten der Musik Skrjabins, in das Programm aufgenommen worden. Es hat wohl keiner Sofronitzki besser charakterisiert als Swjatoslaw Richter: 'In der Aufwärtsspirale Skrjabins hat er ein Elixier für das ewige Leben gefunden.' Und ist das nicht das Wesen der Musik von Alexander Skrjabin?“

Schön, nicht wahr? :)

Gruß, Cosima

Ja, wunderschön!

Gerade höre ich Sofronitsky mit den Chopin Mazurken.
Irgendwo habe ich mal gelesen "das Ganze Können eines Pianisten kann man daran erkennen wie er die Chopin Mazurken" spielt. Nun, dann muss man Sofronistky wohl großes Können bescheinigen.

Man, was ein Jammer das seine Aufnahmen vor allem was die Dynaik angeht eher mittelmäßig im Klang sind! :I
Cosima (14.07.2008, 18:50):
Die vielleicht beste Sofronitsky- und die zugleich beste Scriabin-Scheibe, die ich kenne, ist mir erst kürzlich zu Ohren gekommen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41N8vj2QhOL._SL500_AA240_.jpg

Aufnahmen aus 1946 bis 1961 (Vista Vera) - u.a. die m. E. fantastischste Einspielung der „Schwarzen Messe“ überhaupt (auch in der Great-Pianists-Reihe erschienen). Einfach nur genial! (Und hier versteht man auch, wie Richters Ausspruch zustande kam!)

Gruß, Cosima