Vladimir Sommer und sein Violinkonzert

Toni Bernet (07.02.2024, 19:58):
Der Zufall liess mich Vladimir Sommer und dessen Violinkonzert entdecken. Es kam genau zum richtigen Moment in meine CD-Schublade, riss mich mit seiner hämmernden und resoluten Präsenz unmittelbar mit. Sofort verbreitete es gute Laune und eine halbe Stunde lang pures Vergnügen, umschmeichelte mich mit seiner Melodiösität und seinem musikalischen Witz. Es wirkte sehr jugendlich und neoklassisch modern, erinnerte mich etwas an Prokofiev. Kein Wunder, wie ich mich informierte, es war die Abschlussarbeit eines 29jährigen tschechischen Komponisten aus dem Jahre 1950 und war wohl von einer gewissen Aufbruchstimmung nach den Jahren des 2. Weltkrieges geprägt. Weder war mir der Name des Komponisten bekannt, Vladimir Sommer, noch schon mal begegnet. Und was ich noch herausfand, war wenig. MGG online informierte mich biografisch: «Sommer studierte zuerst am Lehrerbildungsinstitut in Bíliň, Louny und Prag, später am Prager Kons. Violine bei B. Voldan und Komposition bei K. Janeček (1941–1946) und setzte sein Kompositionsstudium an der Akad. der musischen Künste (AMU) bei P. Bořkovec fort (1946–1950; 1951/52 Aspirantur ohne Abschluß). Er war Mitarbeiter in der Musikredaktion des Auslandssenders beim Tschechoslowakischen Rundfunk (1953) und zwischen 1953 und 1956 Sekretär beim Verband der tschechoslowakischen Komponisten (mit Václav Dobiáš gehörte er zu den Reformern des Verbandes, die dessen Abkehr von der Ždanovschen Linie erreichten). Er wirkte von 1955 bis 1960 als Fachassistent und schließlich als Doz. am Lehrstuhl für Komposition der AMU, ab 1960 als Doz. und ab 1968 als Prof. am Lehrstuhl für Mw. der Karlsuniv. (bis 1986). Sommer schrieb einige Artikel für die Zss. Hudební rozhledy und Kultura und war Mitübersetzer von A. Honeggers Je suis compositeur und von D. Šostakovičs Memoiren.»
Das tschechische Musikinformationszentrum musicbase.cz charakterisiert Vladimir Sommers Musik wie folgt: «Die Komposition zeichnet sich durch Sommers melodische Begabung, seine Fähigkeit, musikalische Grundstrukturen mit wandelbaren Bedeutungen zu versehen, seinen Sinn für reine Instrumentation und vor allem für hochsteigende Emotionalität aus. Die Komposition stieß nicht nur im Inland, sondern auch bei Aufführungen im Ausland auf große Resonanz. Sommers entwickeltes visuelles Denken und dramatisches Gespür verhalfen ihm dazu, auch als Autor von Filmmusik erfolgreich zu sein. Eine starke autokritische Haltung ist ein charakteristisches Merkmal von Sommers Persönlichkeit, weshalb er der Öffentlichkeit nur eine relativ kleine Anzahl von Kompositionen vorlegt.» Zu diesem seinem Werk gehören neben dem Violinkonzert u.a. ein Cellokonzert, eine Vokalsinfonie (Dirigent Václav Neumann!), Streichquartette und eine Sinfonia da Requiem für Soli, Chor und Orchester.


Ich bin gespannt, was die Fachleute von Das Klassikforum zu dieser Entdeckung meinen. Zum Violinkonzert von Vladimir Sommer habe ich mit Begeisterung noch einen Hörbegleiter verfasst, siehe:

https://unbekannte-violinkonzerte.jimdofree.com/20-jahrhundert/sommer/