Geboren: 27. Januar 1756 in Salzburg Gestorben: 05. Dezember 1791 in Wien
Wolfgang Amadeus Mozart - Die Violinkonzerte
Möchte mit diesem Thread an die 5 Violinkonzerte Mozarts erinnern, welche zwar nicht zu den technisch Großen zählen, wie Beethovens op. 61 oder Brahms op. 77, aber dennoch zu den Großen Violinkonzerten fürs Ohr zu zählen sind! Ich meine mich zu entsinnen, dass Mozart diese 5 Konzerte für Violine in Salzburger Tagen geschrieben hat, im alter von 19 Jahren, 1975. Diese schönen 5 Konzerte waren mit die ersten Stücke, mit welchen ich mich in die Große Welt der Klassik getastet habe! Harmonische Violinkonzerte, frei von Zwang und besonderer Tiefe! Wild und fröhlich, ausgelassen,so würde ich diese Konzerte beschreiben, voller Melodien, voller Einfälle, einfach beflügelnd! :engel
Mir ist es immer eine besondere Freude, zurrückzukehren zu Mozarts Musik! Wenn man z.B ein Violinkonzert von brahms oder Beethoven gehört habe, und nach dieser Tiefe, diesem Ernst der Musik, wenn man danach etwas Mozarts auflegt bin ich immer wieder überwältigt und staune, wie Mozart mit dieser Musikalischen Einfachheit, einem so viel Freunde bringen kann! Nicht umsonst ist Mozart mein L:downkomponist, weil er mich auf eine für mich so simple und einfache Art anspricht und verzaubert! Und da in diesem Forum diese herrliche Musik der "Klassik" sprich Mozart, Haydn usw. oft zu kurz kommt, möchte ich dieses in Zukunft ändern! Übrigens ist mir aufgefallen, dass der Barrock hier im Forum fast Tod ist.! Und ich denke, dass Barrockhörer wie Andreas, Manfred :wink und ich (und auch andere Bach, Vivaldi usw. - Liebhaber) doch etwas dafür tun könnten, dass dieses mir sehr angenehme Forum nicht ein "reines" Schostakowitsch und Klavierforum bleibt! :wink
Leider hat Mozart sich diesem Instrument, der Geige nicht weiter angenommen! Sein Instrument war das Klavier! Wie hätte wohl ein Violinkonzert aus älteren Tagen Mozarts geklungen, sagen wir kurz vor seinem Tod, wo er bereits eine andere Schwelle betreten hatte, siehe z.B die letzte Großen Symphonien?
Allzuviel "historisches" konnte ich zwar nicht schreiben, aber vielleicht könnt Ihr etwas hinzufügen bzw. verbessern.
Violinkonzert Nr. 1 B-Dur KV 207 Violinkonzert Nr. 2 D-Dur KV 211 Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216 Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218 Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219
Ich besitze die 5 Violinkonzerte in diesen Aufnahmen,
Was habt Ihr zu diesen Konzerten zu sagen? Wer spielt euren Mozart? Ich möchte mir gerne eine andere version der 5 VK zulegen! Mögt Ihr Sie? oder sind sie euch wieder mal zu kitschig, oder nichtssagend? Oder etwa einfach zu schmalzig? :wink
Ich finde dies 5 VK :times10
Gruß Daniel :beer
satie (26.10.2007, 09:49): Lieber Daniel, eines muss zu Mozart generell gesagt werden: Mozart ist nur dann "schmalzig", wenn er so gespielt wird, sprich unter völliger Nichtbeachtung des historischen Kontextes. Da ist nichts, gar nichts bei Mozart, was man als Schmalz bezeichnen könnte. Was das Instrument Violine betrifft, so hat Mozart ja noch die Sonaten für Klavier und Violine geschrieben, und genau so wie das Klavier bei der Nennung Vorrang erfährt, so tut es das in diesem Fall auch musikalisch, der Geigenpart ist da doch sehr einfach, wird auch nicht gerade in jedem Kammermusikkonzert gespielt. Persönlich nehmen bei mir Mozarts Violinkonzerte keine besonders präferierte Stellung ein, aber ich bin nicht unbedingt ein großer Bewunderer von Violinkonzerten (daher verwundert es nicht, wenn ich keine bevorzugte Interpretation nenne...). Ich liebe Mozarts Klavierkonzerte weit mehr, aber das geht mir bei Beethoven und Brahms genau so. Da bin ich also kein Maßstab. Rein strukturell ist allerdings gegen die Violinkonzerte nichts zu sagen, da sind sie genau so gut wie die Klavierkonzerte, so wie generell alles bei Mozart handwerklich keinen Makel aufweist.
Ich danke für einen Mozart-Thread, vor allem in der Hoffnung, dass weitere folgen und auch Haydn seine verdiente Beachtung erfährt (ich persönlich schätze Haydn mehr als Mozart). Auch der Hinweis zur Barockmusik ist absolut berechtigt. Ich wollte auch schon länger dazu schreiben, als Fan des frühen Barock hatte ich bisher aber eher den Eindruck, hier nicht so viele anzusprechen...
Persönlich nehmen bei mir Mozarts Violinkonzerte keine besonders präferierte Stellung ein, aber ich bin nicht unbedingt ein großer Bewunderer von Violinkonzerten (daher verwundert es nicht, wenn ich keine bevorzugte Interpretation nenne...). Ich liebe Mozarts Klavierkonzerte weit mehr, aber das geht mir bei Beethoven und Brahms genau so. Da bin ich also kein Maßstab.
Bei Mozart mag ich auch so einige mehr, aber Beachtung und Bewunderung finden bei mir auch diese Violinkonzerte. es sind nicht die größten, aber Sie unterhalten einen auf vortreffliche Weise!
(ich persönlich schätze Haydn mehr als Mozart)
Die Geschichte Haydn - Mozart ist eine der schönsten in der Musik (denke ich)! Bin durch Mozart auf Haydn gekommen! Habe eine Super Biographie über Haydn gelesen und dadurch erst richtigauf Ihn aufmerksam geworden. Die "Pariser" und "Londoner" Symphonien mag ich sehr! Warte auch seit 3 Wochen auf meine Bestellten Symphonien "Pariser und Londoner unter Bernstein", aber die kommen nicht! Darüber hinaus kenne ich jedoch kaum etwas! "Die Schöpfung" steht aber bei mir ins Haus und ich denke, bei "Begeisterung" wirds etwas mit einem Thread!
Ich muss mich zügeln! Dies ist ein Mozart Thread! :)
Gruß Daniel
Rachmaninov (26.10.2007, 14:36): Bei den VK von Mozart gibt es eine recht eindeutige Referent:
A. Grumiaux.
Da kann man schon fas behaupten: Ihm "Gehören" die Konzerte. Keiner spielt sie so wie er!
daniel5993 (26.10.2007, 16:42): Original von Rachmaninov Bei den VK von Mozart gibt es eine recht eindeutige Referent:
A. Grumiaux.
Da kann man schon fas behaupten: Ihm "Gehören" die Konzerte. Keiner spielt sie so wie er!
Stimmt, kann mich erinnern, dass du mir die Aufnahmen unter Grumiaux empfohlen hattest! Allerdings war zu den LP-Zeiten nichts zu machen. Werd mich mal umschauen! Meinst du diese Ga?
Rachmaninov (26.10.2007, 20:03): Original von daniel5993 Original von Rachmaninov Bei den VK von Mozart gibt es eine recht eindeutige Referent:
A. Grumiaux.
Da kann man schon fas behaupten: Ihm "Gehören" die Konzerte. Keiner spielt sie so wie er!
Stimmt, kann mich erinnern, dass du mir die Aufnahmen unter Grumiaux empfohlen hattest! Allerdings war zu den LP-Zeiten nichts zu machen. Werd mich mal umschauen! Meinst du diese Ga?
@Daniel, ja, das ist eine der vielen verschiedenen Coverversionen!
Zelenka (27.10.2007, 16:18): Original von daniel5993
Übrigens ist mir aufgefallen, dass der Barrock hier im Forum fast Tod ist.! Und ich denke, dass Barrockhörer wie Andreas, Manfred :wink und ich (und auch andere Bach, Vivaldi usw. - Liebhaber) doch etwas dafür tun könnten, dass dieses mir sehr angenehme Forum nicht ein "reines" Schostakowitsch und Klavierforum bleibt! :wink
Leider hat Mozart sich diesem Instrument, der Geige nicht weiter angenommen! Sein Instrument war das Klavier! Wie hätte wohl ein Violinkonzert aus älteren Tagen Mozarts geklungen, sagen wir kurz vor seinem Tod, wo er bereits eine andere Schwelle betreten hatte, siehe z.B die letzte Großen Symphonien?
Lieber Daniel:
Herzlichen Dank für Deinen Faden zu Mozarts Violinkonzerten! Ich war ganz überrascht, daß es noch keinen gegeben hatte ... Ansonsten hat es übrigens längere Zeit nicht sehr viele neue Fäden zur Klaviermusik gegeben. Und es ist sicher zu bedauern, daß nicht mehr zur Barockmusik geschrieben wird.
Ich mag Mozarts Violinkonzerte, besonders die letzten beiden. Ich habe allerdings nur drei (alllesamt empfehlenswerte) Gesamtaufnahmen: Schneiderhan (DG), Perlman (DG) und Huggett (Virgin), letztere auf historischen Instrumenten.
Ein wenig mehr hat Mozart noch für die Kombination Violine und Orchester geschrieben: das Adagio KV 261, das Concertone KV 190, die Rondos KV 269 und 373, auch eine Art Doppelkonzert (+ Bratsche), die Sinfonia concertante KV 364 ...
Gruß, Zelenka
Nordolf (04.11.2007, 15:41): Hallo Daniel!
Leider werde ich wohl auch in Zukunft zu solchen Barock-Threads wenig beitragen können. Ich habe mal seit langem das 3. Violinkonzert wieder gehört. Meine Eindrücke bleiben aber dieselben:
Mozart und auch Haydn bedeuten mir nur sehr wenig. Klar - das eine oder andere Werk höre ich schon gern. Aber dann auch am liebsten in Versionen, die Mozart sehr ins Romantische herüberrücken. Einzig Mozarts Fantasia für Klavier und das "Requiem" berühren mich etwas tiefer.
In der Musik beider fehlt mir das Aneinanderreiben musikalischer Motive, der große Gefühlsausbruch und die Spannungen. Aber vor Beethoven gab es das ja kaum in der Musik. Alles ist so auf Harmonie hin konstruiert, auf eine "wohltemperierte" Stimmungslage, auf geruhsame gleichförmige Entwicklung. Außerdem fehlt mir persönlich die Erdenschwere in den Kompositionen - es klingt mir zu "leicht" und "luftig".
Scheinbar brauche ich einen religiösen Hintergrund bei dieser Art der Kompositionstechnik - daher mag ich vieles von Bach (und noch viel früher den Gregorianischen Choral). Hier verfliegt das All-zu-leichte und ein gewisser Ernst kehrt ein.
Herzliche Grüsse! Jörg
manrico (04.11.2007, 17:59): Hallo Jörg!
Höchst interessant, wie unterschiedlich man Musik empfinden kann. Für mich haben Mozart und Schubert unendlich mehr Tiefgang und Ernst als Beethoven und als Brahms sowieso (den ich überhaupt nicht mag, aber das hab ich, glaube ich, schon erwähnt).
Ich bin der Ansicht, dass diese Komponisten sehr wohl den Schmerz und die Trauer kennen und viel ergreifender in Töne gesetzt haben. Für mich kennt Mozart im Unterschied zu Beethoven das Selbstmitleid nicht, er suhlt sich nicht im Leid (das kann ich bei meinen Mitmenschen nicht leiden und das mag ich auch in der Musik nicht), sondern Mozart ist lösungsorientiert. Outriertes Pathos und plakativ zur Schau gestellter Weltschmerz ist bei Mozart mit einer gewaltigen Portion Ironie und Spott verbunden, es scheint so, als ob er relativ wenig Verständnis dafür gehabt hätte. Dafür liebe ich ihn!!! In Werken wie z.B. der "Prager Symphonie" klingt für mich unglaublich viel persönlicher Schmerz und Niedergeschlagenheit durch, aber Mozart jammert nicht und winselt nicht um Mitleid. Immerhin ist die Grundtonart der "Prager" D-Dur. Und gerade das Finale dieser Symphonie zeigt sich doch der große Kampf, hier finde ich doch die großen, widerstreitenden Gefühle. Allerdings wälzt Mozart sie nicht lange hin und her - er konstatiert und damit lässt er's gut sein. Aber vielleicht sollten wir das in einem Mozart-Symphonien Thread diskutieren.
Langer Rede kurzer Sinn: Für mich gehört Mozart zu den allergrößten!
lg
Werner
Amadé (04.11.2007, 20:17): von Nordolf: Mozart und auch Haydn bedeuten mir nur sehr wenig. Klar - das eine oder andere Werk höre ich schon gern. Aber dann auch am liebsten in Versionen, die Mozart sehr ins Romantische herüberrücken. Einzig Mozarts Fantasia für Klavier und das "Requiem" berühren mich etwas tiefer.
Lieber Jörg,
als Mozart-Verehrer und Haydn-Freund kann ich dies nicht nachvollziehen, aber ich möchte weiterhelfen. Vielleicht versuchst Du es mal mit Mozarts KLavierkonzert Nr.9 Es-dur KV 271 oder Nr.22 Es-dur KV 482. Bei Haydn empfehle ich die Sinfonien NR.88, 92 und 104.
Um Rückantwort bittend Bernd
daniel5993 (04.11.2007, 22:40): Original von Amadé von Nordolf: Mozart und auch Haydn bedeuten mir nur sehr wenig. Klar - das eine oder andere Werk höre ich schon gern. Aber dann auch am liebsten in Versionen, die Mozart sehr ins Romantische herüberrücken. Einzig Mozarts Fantasia für Klavier und das "Requiem" berühren mich etwas tiefer.
Lieber Jörg,
als Mozart-Verehrer und Haydn-Freund kann ich dies nicht nachvollziehen, aber ich möchte weiterhelfen. Vielleicht versuchst Du es mal mit Mozarts KLavierkonzert Nr.9 Es-dur KV 271 oder Nr.22 Es-dur KV 482. Bei Haydn empfehle ich die Sinfonien NR.88, 92 und 104.
Um Rückantwort bittend Bernd
Guten Abend alle zusammen! :hello
Dieses Konzert, das sogenannte "Jeunehomme" Klavierkonzert war mein erstes Erlebnis, mit dem Klavier! Ich weiß noch genau, dass es mich erst nicht angesprochen hat, da ich es aber über Tage hinweg im CD - Player hatte (eine der ersten CD's) und einfach zu faul war um zu wechseln, hab ichs immer wieder angemacht und dann hats dieses Erwachen gegeben! Es war herrlich! Bei Klavierkonzerten allgemein, auch bei Mozart, hatte ich große Anfangsschwierigkeiten!
@Jörg
Da Amade gerade ein Paar Werke angesprochen hat, mit denen du es versuchen könntest, möchte ich auch kurz was dazugeben:
Das Klavierkonzert Nr 23, KV 488, mit dem (für mich) schönsten Adagio, was die Welt je gesehen, gehört hat (dann am Besten auch gleich in meiner Lieblingsversion, Böhm / Pollini 1976) Bei Haydn wären es die Pariser Symphonien, 82 - 87 mit stetig Schlagfertigen Eingangssätzen, die danach automatisch nach mehr verlangen!
Gruß Daniel
Nordolf (05.11.2007, 11:47): Hallo Werner!
Scheinbar geht es hier um unterschiedliche Ausdrucksformen. Das auch Mozart und Haydn den Schmerz kennen, würde ich nie bestreiten - genausowenig wie deren Genialität (Mozart war ein großer Melodienerfinder). Es gibt Werke von beiden, die ich mag (von Haydn z.B. die La Passione). Auf mich wirkt die barocke Musik insgesamt aber in dem oben beschriebenen Sinne: eben sehr harmonistisch. Ich denke, das viele Barockhörer diese vollendete Harmonie auch gerade an ihr schätzen. Möglicherweise aber habe ich mich noch zu wenig damit beschäftigt und kann daher noch nicht genug Emotions-Differenzen in dieser Musik wahrnehmen.
Beethovens Musik wühlt sich sicherlich nicht im Selbstmitleid. Pathos kann durchaus einen sehr kämpferischen aufrufenden Charakter haben. Beethoven führt ja die Motive, die er gegeneinanderstellt, letztlich auch zur Lösung. Gerade bei Beethoven herrscht ein quasi "heroischer" Kampf zwischen den Motiven, der eben "durchgestanden" werden muss. Ich brauche diese offensichtliche - für Dich vielleicht plakative - Reibung in der Musik. Und eben diese Schwere - das hat aber etwas mit meinem Gemüt zu tun und war nicht als Kriterium gemeint. Insofern war der Begriff "Ernst" unglücklich gewählt - natürlich ist Mozart genauso ernste Musik wie Bach oder Beethoven... Nur eben auf eine mehr "luftig-leichte" (um es positiv auszudrücken: aristokratisch-distanzierte) Art und Weise.
Wenn es um "Selbstmitleid" geht, wäre Schubert nun sicherlich der verdächtigere Kandidat - also die "Winterreise" kann man durchaus unter diesem Aspekt hören... Aber die "Winterreise" berührt mich gerade deswegen sehr tief - diese Art Schmerz, Leiden und damit auch das Klagen gehören zum menschlichen Dasein mit dazu. Kunst lässt diesen Zustand - indem sie ihn auf eine höhere ästhetische Ebene hebt - zu einem genußvollen Erlebnis werden und bewirkt damit im besten Fall auch schon eine Lösung, Reinigung und Distanzgewinnung. Mit andern Worten: - ich muss meinen Mitmenschen nicht mit Selbstmitleid auf den Keks gehen, wenn ich im stillen Kämmerlein bei Beethoven und Schubert alles mit mir abmachen kann.
Herzliche Grüsse! Jörg
ab (05.11.2007, 23:06): Ja, die Mozart-Violinkonzerte. Herrlich! Schade, dass er in späteren Jahren nicht mehr für dieses Instrument geschrieben hat! Wie wunderbar ist doch die Sinfonia Concertante gemeinsam mit Bratsche!
Meine Lieblingsaufnahme, bei der es mir unmöglich ist, sie nebenher zu hören, ist die von Nikolaus Harnoncourt mit den Wiener Philharmonikern (DG). Was für eine Musizierfreude! Besser habe ich das nie gehört. Ach ja, Gidon Kremer ist auch noch dabei, gerade am Übergang von seiner Rupf-Phase langsam zu einem schöneren Ton. Musikalisch vor allem in den späten Konzerten sehr frei aber kongenial. Die Sinfonia Concertante mit Kim Kashkashian habe ich noch nie schöner gespielt gehört!
Sonst schätze ich sehr die bereits genannte mit Grumiaux/Davies (Philips). Gelegentlich mag ich auch noch die mit Carmignola (Divox).
Ach ja, am schönsten von allen fünfen finde ich das B-dur Konzert!
Nordolf (06.11.2007, 15:21): Hallo Bernd und Daniel!
Ich hörte vor kurzem das Klavierkonzert Nr. 23 in dieser Interpretation:
Piano: Artur Rubinstein // Otmar Nussio / Orchestra della Svizzera Italiana 1955
- und war wirklich begeistert. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung für mich... :wink
Da ich nun gerade die Pianistin Mitsuko Uchida für mich entdeckt habe und sie ja auch als Mozart-Spezialistin gilt, finde ich bestimmt darüber einen Zugang.
Geboren: 27. Januar 1756 in Salzburg Gestorben: 05. Dezember 1791 in Wien
Wolfgang Amadeus Mozart - Die Violinkonzerte
Möchte mit diesem Thread an die 5 Violinkonzerte Mozarts erinnern, welche zwar nicht zu den technisch Großen zählen, wie Beethovens op. 61 oder Brahms op. 77, aber dennoch zu den Großen Violinkonzerten fürs Ohr zu zählen sind! Ich meine mich zu entsinnen, dass Mozart diese 5 Konzerte für Violine in Salzburger Tagen geschrieben hat, im alter von 19 Jahren, 1975. Diese schönen 5 Konzerte waren mit die ersten Stücke, mit welchen ich mich in die Große Welt der Klassik getastet habe! Harmonische Violinkonzerte, frei von Zwang und besonderer Tiefe! Wild und fröhlich, ausgelassen,so würde ich diese Konzerte beschreiben, voller Melodien, voller Einfälle, einfach beflügelnd! :engel
Mir ist es immer eine besondere Freude, zurrückzukehren zu Mozarts Musik! Wenn man z.B ein Violinkonzert von brahms oder Beethoven gehört habe, und nach dieser Tiefe, diesem Ernst der Musik, wenn man danach etwas Mozarts auflegt bin ich immer wieder überwältigt und staune, wie Mozart mit dieser Musikalischen Einfachheit, einem so viel Freunde bringen kann! Nicht umsonst ist Mozart mein L:downkomponist, weil er mich auf eine für mich so simple und einfache Art anspricht und verzaubert! Und da in diesem Forum diese herrliche Musik der "Klassik" sprich Mozart, Haydn usw. oft zu kurz kommt, möchte ich dieses in Zukunft ändern! Übrigens ist mir aufgefallen, dass der Barrock hier im Forum fast Tod ist.! Und ich denke, dass Barrockhörer wie Andreas, Manfred :wink und ich (und auch andere Bach, Vivaldi usw. - Liebhaber) doch etwas dafür tun könnten, dass dieses mir sehr angenehme Forum nicht ein "reines" Schostakowitsch und Klavierforum bleibt! :wink
Leider hat Mozart sich diesem Instrument, der Geige nicht weiter angenommen! Sein Instrument war das Klavier! Wie hätte wohl ein Violinkonzert aus älteren Tagen Mozarts geklungen, sagen wir kurz vor seinem Tod, wo er bereits eine andere Schwelle betreten hatte, siehe z.B die letzte Großen Symphonien?
Allzuviel "historisches" konnte ich zwar nicht schreiben, aber vielleicht könnt Ihr etwas hinzufügen bzw. verbessern.
Violinkonzert Nr. 1 B-Dur KV 207 Violinkonzert Nr. 2 D-Dur KV 211 Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216 Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218 Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219
Ich besitze die 5 Violinkonzerte in diesen Aufnahmen,
Was habt Ihr zu diesen Konzerten zu sagen? Wer spielt euren Mozart? Ich möchte mir gerne eine andere version der 5 VK zulegen! Mögt Ihr Sie? oder sind sie euch wieder mal zu kitschig, oder nichtssagend? Oder etwa einfach zu schmalzig? :wink
Ich finde dies 5 VK :times10
Gruß Daniel :beer
satie (26.10.2007, 09:49): Lieber Daniel, eines muss zu Mozart generell gesagt werden: Mozart ist nur dann "schmalzig", wenn er so gespielt wird, sprich unter völliger Nichtbeachtung des historischen Kontextes. Da ist nichts, gar nichts bei Mozart, was man als Schmalz bezeichnen könnte. Was das Instrument Violine betrifft, so hat Mozart ja noch die Sonaten für Klavier und Violine geschrieben, und genau so wie das Klavier bei der Nennung Vorrang erfährt, so tut es das in diesem Fall auch musikalisch, der Geigenpart ist da doch sehr einfach, wird auch nicht gerade in jedem Kammermusikkonzert gespielt. Persönlich nehmen bei mir Mozarts Violinkonzerte keine besonders präferierte Stellung ein, aber ich bin nicht unbedingt ein großer Bewunderer von Violinkonzerten (daher verwundert es nicht, wenn ich keine bevorzugte Interpretation nenne...). Ich liebe Mozarts Klavierkonzerte weit mehr, aber das geht mir bei Beethoven und Brahms genau so. Da bin ich also kein Maßstab. Rein strukturell ist allerdings gegen die Violinkonzerte nichts zu sagen, da sind sie genau so gut wie die Klavierkonzerte, so wie generell alles bei Mozart handwerklich keinen Makel aufweist.
Ich danke für einen Mozart-Thread, vor allem in der Hoffnung, dass weitere folgen und auch Haydn seine verdiente Beachtung erfährt (ich persönlich schätze Haydn mehr als Mozart). Auch der Hinweis zur Barockmusik ist absolut berechtigt. Ich wollte auch schon länger dazu schreiben, als Fan des frühen Barock hatte ich bisher aber eher den Eindruck, hier nicht so viele anzusprechen...
Persönlich nehmen bei mir Mozarts Violinkonzerte keine besonders präferierte Stellung ein, aber ich bin nicht unbedingt ein großer Bewunderer von Violinkonzerten (daher verwundert es nicht, wenn ich keine bevorzugte Interpretation nenne...). Ich liebe Mozarts Klavierkonzerte weit mehr, aber das geht mir bei Beethoven und Brahms genau so. Da bin ich also kein Maßstab.
Bei Mozart mag ich auch so einige mehr, aber Beachtung und Bewunderung finden bei mir auch diese Violinkonzerte. es sind nicht die größten, aber Sie unterhalten einen auf vortreffliche Weise!
(ich persönlich schätze Haydn mehr als Mozart)
Die Geschichte Haydn - Mozart ist eine der schönsten in der Musik (denke ich)! Bin durch Mozart auf Haydn gekommen! Habe eine Super Biographie über Haydn gelesen und dadurch erst richtigauf Ihn aufmerksam geworden. Die "Pariser" und "Londoner" Symphonien mag ich sehr! Warte auch seit 3 Wochen auf meine Bestellten Symphonien "Pariser und Londoner unter Bernstein", aber die kommen nicht! Darüber hinaus kenne ich jedoch kaum etwas! "Die Schöpfung" steht aber bei mir ins Haus und ich denke, bei "Begeisterung" wirds etwas mit einem Thread!
Ich muss mich zügeln! Dies ist ein Mozart Thread! :)
Gruß Daniel
Rachmaninov (26.10.2007, 14:36): Bei den VK von Mozart gibt es eine recht eindeutige Referent:
A. Grumiaux.
Da kann man schon fas behaupten: Ihm "Gehören" die Konzerte. Keiner spielt sie so wie er!
daniel5993 (26.10.2007, 16:42): Original von Rachmaninov Bei den VK von Mozart gibt es eine recht eindeutige Referent:
A. Grumiaux.
Da kann man schon fas behaupten: Ihm "Gehören" die Konzerte. Keiner spielt sie so wie er!
Stimmt, kann mich erinnern, dass du mir die Aufnahmen unter Grumiaux empfohlen hattest! Allerdings war zu den LP-Zeiten nichts zu machen. Werd mich mal umschauen! Meinst du diese Ga?
Rachmaninov (26.10.2007, 20:03): Original von daniel5993 Original von Rachmaninov Bei den VK von Mozart gibt es eine recht eindeutige Referent:
A. Grumiaux.
Da kann man schon fas behaupten: Ihm "Gehören" die Konzerte. Keiner spielt sie so wie er!
Stimmt, kann mich erinnern, dass du mir die Aufnahmen unter Grumiaux empfohlen hattest! Allerdings war zu den LP-Zeiten nichts zu machen. Werd mich mal umschauen! Meinst du diese Ga?
@Daniel, ja, das ist eine der vielen verschiedenen Coverversionen!
Zelenka (27.10.2007, 16:18): Original von daniel5993
Übrigens ist mir aufgefallen, dass der Barrock hier im Forum fast Tod ist.! Und ich denke, dass Barrockhörer wie Andreas, Manfred :wink und ich (und auch andere Bach, Vivaldi usw. - Liebhaber) doch etwas dafür tun könnten, dass dieses mir sehr angenehme Forum nicht ein "reines" Schostakowitsch und Klavierforum bleibt! :wink
Leider hat Mozart sich diesem Instrument, der Geige nicht weiter angenommen! Sein Instrument war das Klavier! Wie hätte wohl ein Violinkonzert aus älteren Tagen Mozarts geklungen, sagen wir kurz vor seinem Tod, wo er bereits eine andere Schwelle betreten hatte, siehe z.B die letzte Großen Symphonien?
Lieber Daniel:
Herzlichen Dank für Deinen Faden zu Mozarts Violinkonzerten! Ich war ganz überrascht, daß es noch keinen gegeben hatte ... Ansonsten hat es übrigens längere Zeit nicht sehr viele neue Fäden zur Klaviermusik gegeben. Und es ist sicher zu bedauern, daß nicht mehr zur Barockmusik geschrieben wird.
Ich mag Mozarts Violinkonzerte, besonders die letzten beiden. Ich habe allerdings nur drei (alllesamt empfehlenswerte) Gesamtaufnahmen: Schneiderhan (DG), Perlman (DG) und Huggett (Virgin), letztere auf historischen Instrumenten.
Ein wenig mehr hat Mozart noch für die Kombination Violine und Orchester geschrieben: das Adagio KV 261, das Concertone KV 190, die Rondos KV 269 und 373, auch eine Art Doppelkonzert (+ Bratsche), die Sinfonia concertante KV 364 ...
Gruß, Zelenka
Nordolf (04.11.2007, 15:41): Hallo Daniel!
Leider werde ich wohl auch in Zukunft zu solchen Barock-Threads wenig beitragen können. Ich habe mal seit langem das 3. Violinkonzert wieder gehört. Meine Eindrücke bleiben aber dieselben:
Mozart und auch Haydn bedeuten mir nur sehr wenig. Klar - das eine oder andere Werk höre ich schon gern. Aber dann auch am liebsten in Versionen, die Mozart sehr ins Romantische herüberrücken. Einzig Mozarts Fantasia für Klavier und das "Requiem" berühren mich etwas tiefer.
In der Musik beider fehlt mir das Aneinanderreiben musikalischer Motive, der große Gefühlsausbruch und die Spannungen. Aber vor Beethoven gab es das ja kaum in der Musik. Alles ist so auf Harmonie hin konstruiert, auf eine "wohltemperierte" Stimmungslage, auf geruhsame gleichförmige Entwicklung. Außerdem fehlt mir persönlich die Erdenschwere in den Kompositionen - es klingt mir zu "leicht" und "luftig".
Scheinbar brauche ich einen religiösen Hintergrund bei dieser Art der Kompositionstechnik - daher mag ich vieles von Bach (und noch viel früher den Gregorianischen Choral). Hier verfliegt das All-zu-leichte und ein gewisser Ernst kehrt ein.
Herzliche Grüsse! Jörg
manrico (04.11.2007, 17:59): Hallo Jörg!
Höchst interessant, wie unterschiedlich man Musik empfinden kann. Für mich haben Mozart und Schubert unendlich mehr Tiefgang und Ernst als Beethoven und als Brahms sowieso (den ich überhaupt nicht mag, aber das hab ich, glaube ich, schon erwähnt).
Ich bin der Ansicht, dass diese Komponisten sehr wohl den Schmerz und die Trauer kennen und viel ergreifender in Töne gesetzt haben. Für mich kennt Mozart im Unterschied zu Beethoven das Selbstmitleid nicht, er suhlt sich nicht im Leid (das kann ich bei meinen Mitmenschen nicht leiden und das mag ich auch in der Musik nicht), sondern Mozart ist lösungsorientiert. Outriertes Pathos und plakativ zur Schau gestellter Weltschmerz ist bei Mozart mit einer gewaltigen Portion Ironie und Spott verbunden, es scheint so, als ob er relativ wenig Verständnis dafür gehabt hätte. Dafür liebe ich ihn!!! In Werken wie z.B. der "Prager Symphonie" klingt für mich unglaublich viel persönlicher Schmerz und Niedergeschlagenheit durch, aber Mozart jammert nicht und winselt nicht um Mitleid. Immerhin ist die Grundtonart der "Prager" D-Dur. Und gerade das Finale dieser Symphonie zeigt sich doch der große Kampf, hier finde ich doch die großen, widerstreitenden Gefühle. Allerdings wälzt Mozart sie nicht lange hin und her - er konstatiert und damit lässt er's gut sein. Aber vielleicht sollten wir das in einem Mozart-Symphonien Thread diskutieren.
Langer Rede kurzer Sinn: Für mich gehört Mozart zu den allergrößten!
lg
Werner
Amadé (04.11.2007, 20:17): von Nordolf: Mozart und auch Haydn bedeuten mir nur sehr wenig. Klar - das eine oder andere Werk höre ich schon gern. Aber dann auch am liebsten in Versionen, die Mozart sehr ins Romantische herüberrücken. Einzig Mozarts Fantasia für Klavier und das "Requiem" berühren mich etwas tiefer.
Lieber Jörg,
als Mozart-Verehrer und Haydn-Freund kann ich dies nicht nachvollziehen, aber ich möchte weiterhelfen. Vielleicht versuchst Du es mal mit Mozarts KLavierkonzert Nr.9 Es-dur KV 271 oder Nr.22 Es-dur KV 482. Bei Haydn empfehle ich die Sinfonien NR.88, 92 und 104.
Um Rückantwort bittend Bernd
daniel5993 (04.11.2007, 22:40): Original von Amadé von Nordolf: Mozart und auch Haydn bedeuten mir nur sehr wenig. Klar - das eine oder andere Werk höre ich schon gern. Aber dann auch am liebsten in Versionen, die Mozart sehr ins Romantische herüberrücken. Einzig Mozarts Fantasia für Klavier und das "Requiem" berühren mich etwas tiefer.
Lieber Jörg,
als Mozart-Verehrer und Haydn-Freund kann ich dies nicht nachvollziehen, aber ich möchte weiterhelfen. Vielleicht versuchst Du es mal mit Mozarts KLavierkonzert Nr.9 Es-dur KV 271 oder Nr.22 Es-dur KV 482. Bei Haydn empfehle ich die Sinfonien NR.88, 92 und 104.
Um Rückantwort bittend Bernd
Guten Abend alle zusammen! :hello
Dieses Konzert, das sogenannte "Jeunehomme" Klavierkonzert war mein erstes Erlebnis, mit dem Klavier! Ich weiß noch genau, dass es mich erst nicht angesprochen hat, da ich es aber über Tage hinweg im CD - Player hatte (eine der ersten CD's) und einfach zu faul war um zu wechseln, hab ichs immer wieder angemacht und dann hats dieses Erwachen gegeben! Es war herrlich! Bei Klavierkonzerten allgemein, auch bei Mozart, hatte ich große Anfangsschwierigkeiten!
@Jörg
Da Amade gerade ein Paar Werke angesprochen hat, mit denen du es versuchen könntest, möchte ich auch kurz was dazugeben:
Das Klavierkonzert Nr 23, KV 488, mit dem (für mich) schönsten Adagio, was die Welt je gesehen, gehört hat (dann am Besten auch gleich in meiner Lieblingsversion, Böhm / Pollini 1976) Bei Haydn wären es die Pariser Symphonien, 82 - 87 mit stetig Schlagfertigen Eingangssätzen, die danach automatisch nach mehr verlangen!
Gruß Daniel
Nordolf (05.11.2007, 11:47): Hallo Werner!
Scheinbar geht es hier um unterschiedliche Ausdrucksformen. Das auch Mozart und Haydn den Schmerz kennen, würde ich nie bestreiten - genausowenig wie deren Genialität (Mozart war ein großer Melodienerfinder). Es gibt Werke von beiden, die ich mag (von Haydn z.B. die La Passione). Auf mich wirkt die barocke Musik insgesamt aber in dem oben beschriebenen Sinne: eben sehr harmonistisch. Ich denke, das viele Barockhörer diese vollendete Harmonie auch gerade an ihr schätzen. Möglicherweise aber habe ich mich noch zu wenig damit beschäftigt und kann daher noch nicht genug Emotions-Differenzen in dieser Musik wahrnehmen.
Beethovens Musik wühlt sich sicherlich nicht im Selbstmitleid. Pathos kann durchaus einen sehr kämpferischen aufrufenden Charakter haben. Beethoven führt ja die Motive, die er gegeneinanderstellt, letztlich auch zur Lösung. Gerade bei Beethoven herrscht ein quasi "heroischer" Kampf zwischen den Motiven, der eben "durchgestanden" werden muss. Ich brauche diese offensichtliche - für Dich vielleicht plakative - Reibung in der Musik. Und eben diese Schwere - das hat aber etwas mit meinem Gemüt zu tun und war nicht als Kriterium gemeint. Insofern war der Begriff "Ernst" unglücklich gewählt - natürlich ist Mozart genauso ernste Musik wie Bach oder Beethoven... Nur eben auf eine mehr "luftig-leichte" (um es positiv auszudrücken: aristokratisch-distanzierte) Art und Weise.
Wenn es um "Selbstmitleid" geht, wäre Schubert nun sicherlich der verdächtigere Kandidat - also die "Winterreise" kann man durchaus unter diesem Aspekt hören... Aber die "Winterreise" berührt mich gerade deswegen sehr tief - diese Art Schmerz, Leiden und damit auch das Klagen gehören zum menschlichen Dasein mit dazu. Kunst lässt diesen Zustand - indem sie ihn auf eine höhere ästhetische Ebene hebt - zu einem genußvollen Erlebnis werden und bewirkt damit im besten Fall auch schon eine Lösung, Reinigung und Distanzgewinnung. Mit andern Worten: - ich muss meinen Mitmenschen nicht mit Selbstmitleid auf den Keks gehen, wenn ich im stillen Kämmerlein bei Beethoven und Schubert alles mit mir abmachen kann.
Herzliche Grüsse! Jörg
ab (05.11.2007, 23:06): Ja, die Mozart-Violinkonzerte. Herrlich! Schade, dass er in späteren Jahren nicht mehr für dieses Instrument geschrieben hat! Wie wunderbar ist doch die Sinfonia Concertante gemeinsam mit Bratsche!
Meine Lieblingsaufnahme, bei der es mir unmöglich ist, sie nebenher zu hören, ist die von Nikolaus Harnoncourt mit den Wiener Philharmonikern (DG). Was für eine Musizierfreude! Besser habe ich das nie gehört. Ach ja, Gidon Kremer ist auch noch dabei, gerade am Übergang von seiner Rupf-Phase langsam zu einem schöneren Ton. Musikalisch vor allem in den späten Konzerten sehr frei aber kongenial. Die Sinfonia Concertante mit Kim Kashkashian habe ich noch nie schöner gespielt gehört!
Sonst schätze ich sehr die bereits genannte mit Grumiaux/Davies (Philips). Gelegentlich mag ich auch noch die mit Carmignola (Divox).
Ach ja, am schönsten von allen fünfen finde ich das B-dur Konzert!
Nordolf (06.11.2007, 15:21): Hallo Bernd und Daniel!
Ich hörte vor kurzem das Klavierkonzert Nr. 23 in dieser Interpretation:
Piano: Artur Rubinstein // Otmar Nussio / Orchestra della Svizzera Italiana 1955
- und war wirklich begeistert. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung für mich... :wink
Da ich nun gerade die Pianistin Mitsuko Uchida für mich entdeckt habe und sie ja auch als Mozart-Spezialistin gilt, finde ich bestimmt darüber einen Zugang.
Danke für Eure Tipps! Jörg
ab (19.04.2008, 13:32): Zu Neuaufnahme des G-Dur KV 218 Konzerts mit Nigel Kennedy habe ich hier ein paar erste Höreindrücke geschildert.
Mime (19.04.2008, 20:40): Meine absolute Lieblingsgeigerin ist Julia Fischer. Ihre Einspielung der Konzerte KV 216 und 218 ist eine absolute Top-Empfehlung. Man hört Mozarts Geist atmen... :engel :engel
Rachmaninov (20.04.2008, 11:47): Original von Mime Meine absolute Lieblingsgeigerin ist Julia Fischer. Ihre Einspielung der Konzerte KV 216 und 218 ist eine absolute Top-Empfehlung. Man hört Mozarts Geist atmen... :engel :engel
Hi bin ich völlig anderer Meinung! Kraizberg's Dirigat ist grausig und das Gespann Fischer und er klingen schon hier ohne Elan!
ab (21.04.2008, 10:22): Ohne jemanden nahe treten zu wollen, bin ich geneigt, mich dem zweiten Statement anzuschließen, leider.
Sehr interessant im Gegensatz zu Kreizberg/Fischer, nämlich im Sinne einer zeitgemäßen Interpretation, voll von Klangfarbgestaltung, empfinde ich übrigens noch die letzte Aufnahme von A.S. Mutter für das Mozartgedenkjahr, ganz anders übrigens als ihre hochgradig enttäuschenden Mozartsonatenaufnahmen.
teleton (21.04.2008, 11:22): Liebe Mozart-Kenner,
ich selber bin nicht der große Mozart-Fan und Kenner. Die Mozart VC-Nr.1-3 habe ich mit Oistrach / Berliner PH (EMI) und VC-Nr.3-5 mit Frank Peter Zimmermann / Würtembergisches Kammerorchester / Jörg Faerber (EMI).
Was haltet ihr (soweit bekannt) von diesen Aufnahmen ? Ich selbst finde die beiden CD´s gut und stimmig, kenne aber NULL Vergleichseinspielungen.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41KFSXBKW0L._SL500_AA240_.jpg - habe nur dieses Cover gefunden - habe die CD aus der EMI-Studio - Serie -
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41UTkUaR1gL._SL500_AA240_.jpg - auch hier habe ich eine andere EMI-CD-Ausgabe -
Gerion (21.04.2008, 12:11): Original von daniel5993
Die Geschichte Haydn - Mozart ist eine der schönsten in der Musik (denke ich)! Bin durch Mozart auf Haydn gekommen! Habe eine Super Biographie über Haydn gelesen und dadurch erst richtigauf Ihn aufmerksam geworden.
Lieber Daniel,
welche Biografie hast Du denn gelesen?
Mir geht es mit den Mozart-VKs derzeit ebenfalls so, dass ich sie registriere und ab und an gern höre, aber momentan eher nebenher, während ich arbeite. Bewusst (im Sinne eines alleinigen Auseinandersetzens mit der Musik) habe ich sie, glaube ich, noch nie gehört. Frage mich gerade, warum? ?( Ich habe wohl etwas nachzuholen.
Ach ja, ich habe die Einspielung von Kremer mit Wien PO/Harnoncourt.
Grüße, Gerion
daniel5993 (21.04.2008, 13:18): Original von Gerion Original von daniel5993
Die Geschichte Haydn - Mozart ist eine der schönsten in der Musik (denke ich)! Bin durch Mozart auf Haydn gekommen! Habe eine Super Biographie über Haydn gelesen und dadurch erst richtigauf Ihn aufmerksam geworden.
Lieber Daniel,
welche Biografie hast Du denn gelesen?
Mir geht es mit den Mozart-VKs derzeit ebenfalls so, dass ich sie registriere und ab und an gern höre, aber momentan eher nebenher, während ich arbeite. Bewusst (im Sinne eines alleinigen Auseinandersetzens mit der Musik) habe ich sie, glaube ich, noch nie gehört. Frage mich gerade, warum? ?( Ich habe wohl etwas nachzuholen.
Ach ja, ich habe die Einspielung von Kremer mit Wien PO/Harnoncourt.
Grüße, Gerion
Hallo Gerion,
Das Buch heißt:
Joseph Haydn Seine Kunst, seine Zeit, sein Ruhm Christian Wegner Verlag geschrieben von Heinrich Eduard Jacob
Ich weiß nicht ob das Buch noch erhältlich ist?! Durch einen Zufall besitze ich es zweimal, also wenn du interessiert bist, lass ichs dir zukommen. Ich hab das lesen genossen, ein sehr schönes und intensives Buch über Haydn und sein Leben.
Ach ja, ich habe die Einspielung von Kremer mit Wien PO/Harnoncourt
ab hatte diese Zusammenarbeit schon positiv vermerkt, an der ein oder anderen Stelle. Schätze, dass ich da über kurz oder lang auch nicht dran vorbeikomme.
Gruß Daniel
ab (21.04.2008, 16:08): Original von daniel5993 ab hatte diese Zusammenarbeit schon positiv vermerkt, an der ein oder anderen Stelle. Schätze, dass ich da über kurz oder lang auch nicht dran vorbeikomme.
Gruß Daniel
eine von Kremer bei den Großen Konzerten exterme Interpretation - sicher nicht für jeden - aber eine einzigartig musikantische Aufnahme. :down
ab (21.04.2008, 16:15): Original von teleton
ich selber bin nicht der große Mozart-Fan und Kenner. Die Mozart VC-Nr.1-3 habe ich mit Oistrach / Berliner PH (EMI) und VC-Nr.3-5 mit Frank Peter Zimmermann / Würtembergisches Kammerorchester / Jörg Faerber (EMI).
Was haltet ihr (soweit bekannt) von diesen Aufnahmen ? Ich selbst finde die beiden CD´s gut und stimmig, kenne aber NULL Vergleichseinspielungen.
Wie Du sagst: Beides sind Aufnahmen "gut und stimmig".
Bei Oistrach muss man den schwelgerisch intensiven, bei Zimmermann den kratzig expressiven Ton mögen. Ich persönlich kann gut ohne beide Aufnahmen leben. Statt Zimmermann würde ich eher Zehetmair (denn ich auch nicht haben müsste) vorziehen, die durchaus beide gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. Bei der Wahl Oistrach vs. Schneiderhan hingegen täte ich mir schwerer. (Das sind aber nichts als Geschmacksurteile!)
Poztupimi (01.09.2008, 18:38): Auch wenn es hier um alle Violinkonzert Mozarts geht, möchte ich für meinen kurzen Höreindruck der nachfolgend gezeigten Aufnahme keinen eigenen Thread starten.
Diese hier:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51l1FA8QX0L._SL500_AA240_.jpg Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur KV 219 Mittschnitte von den Salzburger Festspielen: Arthur Grumiaux / Mozarteum-Orchester Salzburg / Bernhard Paumgartner (1956) Erica Morini / Orchestre National de la Radiodiffusion-Télévision Francaise Paris / George Szell (1959) Nathan Milstein / Sächsische Staatskapelle Dresden / Karl Böhm (1961) Wolfgang Schneiderhan / Wiener Philharmoniker (1973)
habe ich jetzt am Stück durchgehört.
Grumiaux: Gleich im ersten Satz hatte ich den Eindruck, als ob er und das Orchester teilweise deutlich auseinander sind, und im dritten Satz ist das nicht besser. Interessant, was ich dann im Beiheft gelesen habe:
"Mit Bernhard Paumgartner hatte er sich für die Ecksätze auf ungewohnt schnelle Tempi geeinigt, was Paumgartner sehr versiert durch schlankes Musizieren und elegante Phrasierung ermöglichte. Bisweilen spürt man dennoch, dass der Puls des Salzburger Mozart-Kenners ein wenig anders schlug und und Paumgartner vielleicht auch im Finale etwas ruhiger, akzentbetonter hätte musizieren wollen."
Morini: Die Einleitung kommt ja seeehr gemüüütlich daaheeer, aber dann wird es besser, wenn auch in allen Sätzen nicht ganz so flott wie Grumiaux. Allerdings ein für mein Geschmack etwas dicker Orchesterglang. Morini spielt eine ziemlich ausufernde Kadenz, die mir etwas sehr wuchtig vorkommt. Schöner voller Geigenklang, den der Eine oder Andere ja zum dahinschmelzen finden mag, mir ist es teilweise etwas zu "schmalzig".
Milstein: Sportlich schnell, gewissermaßen der 911er im Vergleich zu Morinis Diesel. Und auch im zweiten Satz, dem Adagio kommt er mir manchmal etwas drängend vor, was mich aber nicht stört. Im dritten Satz schlägt er vielleicht etwas über die Stränge und ist etwas sehr um virtuose Effekte bemüht, sehr treffend spricht Gottfried Kraus im Beiheft davon: "er setzt dann – mehr Paganini als Mozart nahe – die wunderbare Balance dieses Satzes gewagt aufs Spiel."
Schneiderhan: Hier wie schon bei Morini ist mir das Orchester doch etwas zu wuchtig, wenn auch nicht ganz so wie bei ersterer. Alles sehr schön stimmig zusammen und gut zum satten und vollen Ton von Schneiderhan passend.
Insgesamt eine sehr schöne Vergleichsmöglichkeit mit diesem Violinkonzert. Alles in allem ziehe ich die Interpretation von Milstein – trotz gewisser Einschränkungen im dritten Satz – etwas vor, wobei mir Grumiaux' Ton etwas besser gefällt und in der Gesamtbetrachtung Schneiderhan vielleicht die geschlossenere Interpretation liefert.
Grüße, Wolfgang
Sarastro (21.02.2010, 20:07): Hallo wieder einmal, im Hinblick auf die bisher unbeantwortete Anfrage eines Neumitglieds habe ich, nachdem dort Mozarts Violinkonzerte (wie übrigens auch die von Bach) leider überhaupt nicht genannt werden - über den Geschmack läßt sich eben nicht streiten -, zumindest die letzten beiden der Reihe (D-Dur KV 218, KV 219 A-Dur) aber Spitzenwerke sind, diesen Faden hier erneut durchgesehen. Zunächst dies: Daß Mozarts Violinkonzerte alles in allem hinter seinen Klavierkonzerten zurückstehen, läßt sich in gewisser Weise objektiv begründen. Die fünf gesicherten Werke dieser Gattung entstanden bekanntlich alle innerhalb eines kurzen Zeitraums im Jahr 1775, als der damals 19jährige Komponist noch nicht zur vollen Reife gelangt war. Von einer dramatischen Spannung, wie sie viele seiner späteren Klavierkonzerte (ab KV 271), aber auch die Sinfonia Concertante Es-Dur (KV 364) auszeichnet, ist in den Violinkonzerten noch nicht viel zu spüren. Aber: Die beiden letzten Violinkonzerte (und eigentlich schon das in G-Dur, KV 216) haben doch schon mehr zu bieten als die "übliche" Mozartseligkeit, die zunächst vor allem diejenigen für sich einnimmt, die dafür ohnehin schon empfänglich sind, aber jemandem, der die musikalische Substanz, handwerkliche Arbeit und dramatische Spannung deutlicher und greifbarer wahrnehmen möchte, weniger zu sagen haben (bezeichnend für diesen nicht selten anzutreffenden Standpunkt ist die Stellungnahme von Nordolf oben vom 4. 11. 2007). Absoluter Höhepunkt in der Reihe von Mozarts Violinkonzerten ist und bleibt ohne Zweifel KV 219. Alfred Einstein meint in seinem klassischen Mozartbuch (S. 272) mit Recht, "dies Konzert ist an Glanz, Innigkeit, Witz nicht zu überbieten" und stellt die Besonderheiten heraus, die dieses Stück auszeichnen. Überall gibt es Überraschungen, wie im Kopfsatz "die halb improvisatorische Selbstvorstellung der Geige", den "humoristischen Ausbruch von Furiosität in ‚türkischer’ Aufmachung" im letzten Satz, ein Tutti in A-moll, das in geradem Takt steht und einen wirkungsvollen Kontrast zu dem Tempo di Minuetto des Hauptteils bildet. Wie so oft bei Mozart liegt ja – finde ich wenigstens - ein besonderer ästhetischer Reiz darin, daß motivische Arbeit und subtile Satztechnik eher unauffällig realisiert werden: Ich denke etwa an Takt 46ff. mit dem Kontrast zwischen der markanten Stimme der Solovioline und den Streichern des Orchesters, die nicht einfach nur begleiten, sondern im Hintergrund das aufsteigende Thema der Einleitung wiederholen. Wahrscheinlich trägt auch die Wahl der Tonart zum Charakter des Werkes das Ihrige bei und verbindet dieses Konzert mit der auch zeitlich nahestehenden Symphonie KV 201.
Und noch etwas: Ich persönlich finde gerade KV 219 anders als Daniel im Eröffnungsbeitrag gar nicht so "frei (...) von besonderer Tiefe" und "wild und fröhlich, ausgelassen" (mit Ausnahme bestimmter Partien wie etwa dem genannten "türkischen" Teil im Schlußsatz). Vielleicht paßt das auf die ersten drei Violinkonzerte ja eher, aber für mich gehört KV 219 im Gegenteil zu den Mozartstücken, die mich am tiefsten berühren und nicht einfach nur das Ohr erfreuen.
Ich habe die Gesamtedition von Yehudi Menuhin, die ich aber wieder einmal bewußt anhören müßte (warum ist die eigentlich oben nicht genannt worden?). Irgendwie hat sich in mir im Lauf der Zeit eine Art idealtypische Klangvorstellung von den Konzerten verfestigt; das ist natürlich schlecht, wenn es einem auf spezifische interpretatorische Unterschiede ankommt ... Recht wenig anfangen kann ich allerdings mit der (oben aber sowieso nicht genannten) Einspielung mit Pinchas Zukerman und dem Saint Paul Chamber Orchestra (KV 218, 219; Adagio E-Dur KV 261; Rondo C-Dur KV 373). Das ist mir einfach über weite Strecken viel zu schleppend und zu lahm. Da gefällt mir die Einspielung mit Eduardo Marturet und dem Concertgebouw Chamber Orchestra in der Mozart GA von Brilliant sehr viel besser.
Schöne Grüße, Sarastro
Cetay (inaktiv) (28.02.2015, 13:04): Vor mehr als 5 Jahren ist es hier um diese Konzerte still geworden. Ich habe nicht verfolgt, was seither diskographisch passiert ist, aber speziell in den letzten Wochen scheint für die Violinkonzerte beste Konjunktur zu herrschen, sind doch gleich drei neue hochkarätige Einspielungen erscheinen, wegen denen ich diesen Faden aus der Versenkung hole. Bei mir stehen die Violinkonzerte höher im Kurs als die Klavierkonzerte und ich mache mir wenig Gedanken, ob sie kompositorisch gewichtig genug sind, um ihnen meine Zeit zu opfern. Ich höre sie einfach gerne und immer wieder ist das eine höchst befriedigende Sache.
Bei mir steht die oben zwei mal böse abgewatsche Aufnahme mit Julia Fischer hoch im Kurs, nicht zuletzt wegen des Dirigats von Kreizberg. Die Kombination von ruppigen Akzentsetzungen und harten Dynamikkontrasten mit farbenreichem Schönklang finde ich sehr reizvoll. Auch Frank-Peter Zimmermanns mit Anfang 20 aufgenommene Einspielung lässt trotz des jungen Alters des Solisten und der Begleitung durch ein Provinzorchester mit eher breiten Tempi kaum Wünsche offen. Die unverkopfte Unbekümmertheit des Solisten steht den Werken sehr gut zu Gesicht.
Jetzt nimmt Zimmermann 30 Jahre später den Zyklus nochmal auf; der erste Teil ist gerade erschienen. Und höre da, der Geigenton ist -kaum verwunderlich- größer und reifer geworden, die Gestaltung ist vielschichtiger und wirkt souveräner, aber für meine Ohren eben auch mehr verkopft und bisweilen gewollt.
Auch Vilde Frang macht aus jedem Ton und jeder Phrase ein Ereignis und bringt ihre überreiche Palette an Gestaltungsmitteln zur Geltung. Aber was bei Nielsen und Sibelius zu wahren Offenbarungen führt, funktioniert bei Mozart noch lange nicht. Für mich geht das in die Richtung von Sokolovs Mozartspiel beim Salzburg-Recital, wo man den Pianisten für seine Anschlagskultur und -vielfalt und die reiche, fein differenzierte Klangfarbenpalette bewundert, aber dabei vergisst, dass man Mozart hört. Ich muss ihr noch einige Chancen geben, aber nach dem dritten Hördurchgang kann ich damit wenig anfangen.
Die Überraschung, ach was, die Sensation ist für mich Rachel Barton Pine. Die bei uns nie ganz aus dem Schatten ihrer Crossover-Zeit herausgetretene 40-jährige Amerikanern kombiniert den großen Ton des neuen Zimmermann mit der Unbekümmertheit des alten. Die Gestaltung ist organisch, Temperament und Elan wirken frisch und natürlich und wenn es mal mit ihr durchzugehen droht, fängt der 50 Jahre ältere Neville Marriner sie behutsam wieder ein. Ich hatte etwas bedenken, aber der Altmeister, dem gerne mal das Etikett Routinier angehängt wird, ist in Höchstform. Während andernorts über Besetzungsstärken und Bogenstrich diskutiert wird, herrscht hier eine Souveränität, die es erlaubt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf die Solistin hören, ihr folgen, sie bremsen, Impulse geben, sie in den Orchesterklang einbinden und wieder loslassen - immer dem natürlichen Fluss der Musik folgend. Ohne wenn und aber ist das meine neue Geliebte.
Nr. 1, 3 & 4; Frank-Peter Zimmermann, Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Radoslaw Szulc Nr. 1, 5 & Sinfonia Concertante; Vilde Frang, Arcangelo, Jonathan Cohen Nr. 1-5 & Sinfonia Concertante; Rachel Barton Pine, Academy of St Martin in the Fields, Neville Marriner
Sfantu (08.11.2018, 09:36): Daniel Barenboim sagte Anfang der Nuller Jahre in einem Interview, die Essenz bei Mozart seien die da Ponte-Opern & die Klavierkonzerte. Damals dachte ich mir: "Schlitzohr! Das sind natürlich die Sachen, die er gerade alle eingespielt hat..." Mittlerweile stimme ich ihm allerdings - bedingt - zu. Von den Violinkonzerten höre ich speziell das 5. ab & zu dennoch gern. Einfach, weil hier viele originelle Ideen spriessen. Das macht immer aufs Neue einfach Spass. Um bei Barenboim zu bleiben, legte ich diese Platte nach einer Ewigkeit mal wieder auf:
Konzert A-dur KV 219 Pinchas Zukerman, English Chamber Orchestra - Daniel Barenboim (LP, CBS, 1970)
Zukerman spielt musikantisch & mit Temperament. Das Eingangs-Rezitativ des Solisten ist für meinen Geschmack etwas zu breit, zu bedeutungsschwanger. Der Ausklang des Schlusssatzes könnte mehr Schwerelosigkeit vertragen - ein Entschweben in blaue Lüfte ist das nicht gerade. Ansonsten eine Werkauffassung, die mir rundum zusagt: klassisch, gediegen, ausbalanciert & ohne Mätzchen. Das ECO kommt streckenweise etwas hemdsärmelig daher - mehr Feinschliff, mehr Delikatesse wären schon wünschenswert. Insgesamt gefällt mir aber der sehnige, kraftvolle Ensembleklang.
Sfantu (08.11.2018, 12:26):
Konzert A-dur KV 219 Pinchas Zukerman, Saint Paul Chamber Orchestra (LP, CBS, 1983)
Diese später von Zukerman als Solist & Dirigent in Personalunion realisierte Aufnahme fällt (soweit ich sie noch im Ohr habe - sie hat irgendwann meine Sammlung verlassen) dagegen deutlich ab. Zu betulich & zahm ist die gesamte Herangehensweise. Oder war mehr das Klangbild das Problem? Eine staubtrockene Akustik lässt hier nämlich alles ausgesprochen unnatürlich wirken - kein Raumklang, keine Tiefe. Ein Pluspunkt aber doch: das col legno der Streicher im Mittelteil des 3. Satzes kommt hier so knackig & plastisch herüber, dass es eine Freude ist! Aber, wie gesagt, leider so ziemlich die einzige... Nur für Zukermaniacs, ansonsten verzichtbar.
Sfantu (08.11.2018, 14:16):
Konzert A-dur KV 219 Kim Sjøgren, Collegium Musicum København - Michael Schønwandt (LP, BIS, 1983)
Hoch erfreut wird das Ohr durch Sjøgrens eleganten, unaufdringlichen Ton - da hat jemand einen untrüglichen Sinn für noble, zeitlose Ästhetik (ich weiss, das klingt gestelzt - & doch trifft es die Sache nunmal genau). Schade, dass im Klappentext die Kadenzen mit keinem Wort erwähnt werden - auch bei anderen Aufnahmen kann man leider nicht immer auf solche Informationen zählen. Jedenfalls weichen sie (die Kadenzen) von den meistens zu hörenden ab. Das Orchester ist klanglich wie durch einen Schleier abgebildet. Was doppelt schade ist, da es eigentlich angenehm federnd & schlank artikuliert. Das col legno wird überhaupt nicht hörbar - ein Jammer (wobei das nicht zwangsläufig nur an der Klangregie liegen muss)! Da die Einspielung des KV 216 von der Darbietung her ebenfalls sehr gelungen ist, behält die Platte bis auf Weiteres ihren Platz im Regal.
Cetay (inaktiv) (08.11.2018, 16:43): Na sowas! Das gibt es neue Antworten in diesem Faden und ich muss feststellen, dass ich Zimmermanns erste Aufnahme hier zwar wohlwollend erwähnt habe, meine subjektive Lobhudelei jedoch fehlt. Offenbar hab ich die einem anderen Faden geschrieben. Also schnell die Suchfunktion bemüht und hierher kopiert:
Frank Peter Zimmermann, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, Jörg Faerber
Vor und nach Zimmermanns Jugendstreich sind viele Aufnahmen dieser Konzerte entstanden (unter anderem von Zimmermann selbst): Virtuosere, reifere, individuellere, spritzigere, klangschönere, gewichtigere, die neuesten Forschungsergebnisse berücksichtigende, mit Referenzen ausgezeichnete, besser zwischen Solist und Orchester verzahnte, tiefer geistig durchdrungene, klügere Auseinandersetzung mit dem Notentext zeigende, sich dem Originalklang besser annähernde... Nach kurzer Begeisterung verschwinden die im Regal (oder aus dem Speicher beim Ström-Dienst) - Zimmermann I bleibt. Das nenne ich eine Aufnahme für die Ewigkeit.
Sfantu (14.11.2018, 21:59):
Konzert A-dur KV 219 Frank Peter Zimmermann, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn - Jörg Faerber (CD, EMI, 1984)
Allegro aperto 10'17 Adagio 11'34 Rondeau. Tempo di Menuetto - Allegro 8'50
@ Cetay, wer über Augen, Herz & Hirn gebietet, dem konnte Deine Verehrung dieser Aufnahmen allhier nicht entgehen. Zwar trau' ich mich kaum, es zu schreiben aber: diese Doppel-CD verbrachte beinahe 2 Jahre in der 2. Reihe meiner CD-Regale. & das sind die Kandidaten fürs: (sorry) Aussortieren. Das ist nunmal die brutale Wahrheit. Zur erneuten Chance, mein Urteil zu revidieren (im Berufungsverfahren, quasi) fand sie nun aber wieder den Weg in meinen Disc-Dreher. Fazit: im Vergleich finde (höre) ich keinen zweiten Solisten mit einem solch persönlichen, beseelten Geigenton. Das hebt ihn allemal heraus aus der Masse der achtbaren Aufnahmen. Problematisch ist vielmehr das Klangbild: die Heilbronner spielen detailgetreu wie durchs Brennglas, wenn auch interpretatorisch etwas neutral, nicht mit letzter Finesse. Das col legno ist dezent zu vernehmen, hat aber bei weitem nicht die plastische Kontur wie bei Zukerman / Saint Paul / Zukerman. & noch dazu sind sie dabei derart näselnd, flach & praktisch komplett im oberen Frequenzspektrum eingefangen, dass es beim besten Willen keine Freude bereitet. Auch via Hochregeln der Bässe lässt sich keine befriedigende Balance herstellen. Kann man das den bekannten Schwächen vergleichsweise früher Digital-Aufnahmen zuschreiben? Das Produktionsdatum meiner Box lautet auf 1990. Gab es seither etwa neue, optimierte Abmischungen? Mit verbesserter Klangbalance hätte sie nennenswerte Chancen auf den Thron. So aber bleibt ihr Status bei mir im Irgendwo...
Sfantu (14.11.2018, 22:16):
Konzert a-dur KV 219 Katrin Scholz, Kammerorchester Berlin (CD, Berlin Classics, 1998)
Allegro aperto 10'20 Adagio 11'34 Rondeau. Tempo di Menuetto - Allegro 9'15
An sich ist hier alles am rechten Ort, die Tempi sind fliessend, die Phrasierungen natürlich & folgerichtig. & dennoch fehlt etwas: Ecken & Kanten. Der Geigenton ist voll & kernig (technisch souverän sowieso) aber eine Spur zu neutral, zu ungefähr. Auch das Orchester agiert etwas zu farblos, klingt auf eine Art eingeengt. Was Frau Scholz allerdings schafft, ist, dem überdimensionierten Adagio ein wenig die quälenden Längen zu nehmen.
Cetay (inaktiv) (15.11.2018, 16:29): das sind die Kandidaten fürs: (sorry) Aussortieren. Das ist nunmal die brutale Wahrheit. (...) die Heilbronner spielen detailgetreu wie durchs Brennglas, wenn auch interpretatorisch etwas neutral, nicht mit letzter Finesse. (..) Kann man das den bekannten Schwächen vergleichsweise früher Digital-Aufnahmen zuschreiben? Das Produktionsdatum meiner Box lautet auf 1990. Gab es seither etwa neue, optimierte Abmischungen? Mit verbesserter Klangbalance hätte sie nennenswerte Chancen auf den Thron. So aber bleibt ihr Status bei mir im Irgendwo... Lieber Sfantu,
Das ist nicht brutal, sondern brutal logisch. Ansonsten wäre das von Sfantay-Cetu formulierte Gesetz über die Mutuale-Phonothek-Immunität verletzt und das Universum, wie wir es kennen, würde augenblicklich aufhören zu existieren. (...) Wer über Augen, Herz & Hirn gebietet, dem konnte mein Faible für interpretatorische Neutralität nicht entgehen. Dass die unerwarteten himmlischen Höhen und abgründigen Tiefen trotzdem da sind, ist sicher eines Geheimnisse hinter der ungebrochenen Faszination, die diese Aufnahme auf mich ausübt. (...) Ja, die EMIsten haben in den frühen 90ern einiges digital verbrochen. Bei meiner Ausgabe, der "Electrola Collection" gibt es keine Hinweise auf eine neue Abmischung. Es stimmt schon, dass das mit allzu ehrlichem Wiedergabe-Equipment klanglich nur eingeschränkte Freude bereitet.
Sfantu (18.11.2018, 11:27): das sind die Kandidaten fürs: (sorry) Aussortieren. Das ist nunmal die brutale Wahrheit. Das ist nicht brutal, sondern brutal logisch. Ansonsten wäre das von Sfantay-Cetu formulierte Gesetz über die Mutuale-Phonothek-Immunität verletzt und das Universum, wie wir es kennen, würde augenblicklich aufhören zu existieren. ...& wo kämen wir hin, lieber Cetay, wollten wir uns anmaßen, solche Naturgesetze zu bekämpfen oder auszutricksen??
Heute setze ich für mich mal einen vorläufigen Schlusspunkt beim KV 219, bevor die Reizfluten noch überschwappen.
Konzert A-dur KV 219 Itzhak Perlman, Wiener Philharmoniker - James Levine (LP, DG, 1983)
Allegro aperto 9'23 (Kadenz: Itzhak Perlman) Adagio 10'53 (Kadenz: Itzhak Perlman) Rondeau. Tempo di Menuetto 8'53 (Kadenz: Joseph Joachim)
Kurz nach Sjøgren hatte ich diese Platte schon einmal auf dem Teller & war drauf & dran, sie zu meiner Favoritin zu küren. Da ich dem ersten überschwänglichen Eindruck aber nicht auf den Leim gehen wollte, hörte ich sie heute nochmals durch. Die Wiener Tutti-Geigen sind in den Anfangstakten des Kopfsatzes nicht ganz so schön sauber & kristallin wie die Heilbronner - allerdings auch einen Tick schneller - vielleicht eben drum. Perlman hat eine Nuance weniger Charakter in seinem Ton als Zimmermann, spielt aber gleichwohl mit Temperament. Besonders im Finale kommt das zum Tragen: zigeunerhafte Attacke & unbändige Spiellaune im alla turca-Abschnitt! Da rollen die chromatischen Auf-& Ab-Bewegungen der Streicher wie mächtige Wogen aus den Lautsprechern - das ist grosses Kino! Gute bis sehr gute Aufnahmequalität. Satte Bässe, geschmeidige Höhen, gute Durchhörbarkeit.