W.A. Mozart: Klavierkonzerte - keine Gesamtaufnahmen !

AcomA (12.09.2006, 23:10):
Liebe Mozart-Freunde,

wie Daniel Behrendt in dem thread der Gesamtaufnahmen schon erklärte, muss man nicht Gesamtaufnahmen des Zyklus besitzen. Daher soll hier Platz geschaffen werden für Interpretationen der Konzerte, welche nicht im Rahmen einer Gesamtaufnahme entstanden. Hier gibt es etliche, die es wert sind, genannt und besprochen zu werden. Ich gehe mal nicht chronologisch-geschichtlich vor, sondern beginne mit zwei discs der letzten Jahre.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5718919.jpg

Nr. 17 G-Dur KV 453
Nr. 21 C-Dur KV 467

Maurizio Pollini, piano und Leitung, Wiener Philharmoniker

DG, DDD, Live-Mitschnitte Wien 5/2005

Ich habe diese brandaktuelle Aufnahme mehrfach gehört und bin begeistert. Pollini knüpft an seine jungen Jahre mit Böhm an. Der Unterschied ist eine in den langsamen Sätzen zerbrechlichere Phrasierung. Sein Spiel ist luzide und mit motorischem Drang in den Ecksätzen. Das Orchester ist einfach exzellent, gerade auch die Bläser. Das Finale des G-Dur-Konzertes gehört zu meinen Lieblingssätzen. Und für mich ist hier Arthur Rubinsteins Interpretation Referenz. Pollini kann eine vergleichbare Demonstration abrufen.

Im C-Dur-Konzert spielt Maurizio Kadenzen von Salvatore Sciarrino. Er ist ein autodidaktischer zeitgenössischer Komponist. Sciarrino war drei Jahre lang als künstlerischer Leiter des Teatro Comunale in Bologna tätig und hat auch an den Konservatorien in Mailand, Perugia und Florenz sowie bei Fortbildungskursen gelehrt. Seit einigen Jahren lebt er in Città di Castello, einer kleinen Stadt in Umbrien. Die Kadenzen sind sehr stiulsicher und kommen dem luzid-mediterranen Spiel Pollinis entgegen.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4257794.jpg

Leif Ove Andsnes, piano und Leitung, Norwegian Chamber Orchestra

EMI, DDD, Aufn. Oslo, 8/2003

Nr. 9 Es-Dur KV 271 'Jeunehomme'
Nr. 18 B-Dur KV 456

Herrlich trocken-dynamisches Kammerensemble und ein motorisch drängender und transparent-delikater Andsnes. Hier würde ich sogar eine :times10 geben. Wie auch Pollini kommt er ohne Dirigent aus.

gruß, siamak :engel
nikolaus (13.09.2006, 21:38):
Oh, auch ein schöner Thread!

Was du über die Aufnahme von Polllini schreibst, klingt wirklich sehr interessant und hörenswert, dem werde ich nachgehen!

Andsnes Aufnahme besitze ich auch und teile deine Meinung.

Ich möchte im Gegenzug diese Aufnahme zur Diskussion stellen.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6514541.jpg

Es geht mir vor allem um Nr. 20 mit Martha Argerich. Jetzt werdet ihr sicher sagen: "War ja klar, was anderes fällt Nikolaus auch nicht ein!"
Und manche werden den Kopf schütteln: "Argerich und Mozart, das geht gar nicht!"

Nun, ich war zunächst auch skeptisch, aber beim ersten Anhören hat sie mich vollkommen überzeugt. Die Aufnahme hat einen gewissen "Esprit", der mir unheimlich gut gefällt!

Gruß, Nikolaus.
Ganong (15.09.2006, 17:26):
Liebe Mozartianer ,

ich stimme zu : keine gesamtaufnahmen . Dennoch gibt e s, gerde bei Mozart , die berühmten "Spezialisten" . Bei den Kionzerten schätze ich seit langem die Aufnahmen mit Clifford Curzon , die vier Einspielungen durch Ivan Moravec , die zum Teil wiedeerveröffentlichten mit Monique Haas ( DGG ) und die durch Clara Haskil .

Pollini folgt nun leider der Unart vieler seiner Kollgen und dirigiert gleichzeitig . Dieses Unterfangen ist schon bei andern Pianisten wie Edwin Fischer oder Barenboim zu Lasetn des Orchtesterparts daneben gegangen .

Dann sei noch einmal Walter Gieseking hervorgehoben und natürlich die fast freche , humorvolle , geradezu gltzernde Interpretation der Martha Argerich 8 im übrigen mit einem glöänzenden Dirigenten ! ) .

Viele Grüsse ,

Frank
ab (09.10.2006, 17:35):
Ich liebe die Aufnahme Gulda/Abbado Nr. 20&21, die eine der ersten CDs in unserem Haus war (vielleicht auch deshalb?).
http://images.amazon.com/images/P/B000009MBI.03._SCMZZZZZZZ_.jpg

Sehr mag ich auch Nr. 27 mit Gilels/Böhm, wegen des langsamen Satzes (der auch aus didaktischen Gründen so wertvoll ist, weil er zeigt, wie unterscheidlich eine vorwärtsdrängender Fluss bei Böhm vs. stehende Ruhe bei Gilels ist. Nich zuletzt zeigt es auch, dass sogar Böhm versuchen konnte, sich einem Solisten anzunähern.)
http://images.amazon.com/images/P/B00005MJ15.03._SCMZZZZZZZ_.jpg

Stets Spaß zum Hören macht mir auch Alicia de Larrocha mit Uri Segal bei den Wiener Sinfonikern!
http://images.amazon.com/images/P/B000009M8A.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1056642094_.gif
Rachmaninov (05.01.2007, 23:22):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8003827.jpg

@ab,

muss dir einfach recht geben! Gulda, Abbado und Wien PO müssen hier genannt werden! Die Aufnahmen der Konzerte 20,21.25,27 gehören ins gut sortierte Regal!

:down
Amadé (22.07.2007, 18:05):
@Daniel

Ich habe Dir hier etliche Mozart Klavierkonzert-Aufnahmen aufgelistet, die ich für mehr oder weniger gelungen halte. Die Auswahl bezieht sich ausschließlich auf ehemalige LP-Ausgaben. Hinter dem jeweiligen Pianisten erscheinen die Köchel-Nr., ich denke Du kennst sie.

Anda, KV 451
Ashkenazy, KV 451, KV 466 (1.Aufnahme mit Schmidt-Isserstedt)
Brendel, Marriner KV 271, 413, 414, 482
Casadesus, KV450, 453, 467, 482, 488,491, 537, 595
Curzon, KV 466/537/595 Britten, 488/595 Szell, 488/491 Krips, 488/491/595 Kertesz
Annie Fischer, KV 466/488 Boult, 467/482 Sawallisch, KV 491/595 Kurtz
Gieseking, KV 466 und 503 Rosbaud, 488, 491 Karajan, 467 Cantelli live
Gulda, KV 466, 467, 503, 595
Haskil, KV 415 Baumgartner, 459, 466 und 595 Fricsay, 466/491 Markevitch
Kempff, KV 246, 488, 491, 595 Leitner DGG und 450 Decca Münchinger
Larrocha, KV 459/482
Perahia, KV 453/456
Rubinstein, KV 453, 467, 488 Wallenstein, KV 491 Krips
Schiff, KV 453/456
Rudolf Serkin, KV 414, 449, 453, 466, 595
Peter Serkin, KV 449, 450, 451, 453, 456 und 459 mit Alexander Schneider, unterschiedlich gelungen, jedoch immer hörenswert
Solomon, KV 450 Ackermann, KV 488/491 Menges
Zacharias, KV 271, 414, 449, 466, 488, 491, 537, 595

Konzert für 2 KLaviere KV 365:
Haskil-Anda, Galliera
Seemann-Foldes, Lehmann
Robert und Gaby Casadesus
Emil und Elena Gilels
Rudolf und Peter Serkin

Grüße Bernd
daniel5993 (23.07.2007, 00:07):
Hallo Amade! :hello

Vielen Dank erstmal für die Auflistung!

Es ist nicht so, dass ich nur GA's von Mozart höre! Ich höre neben Brendel, Anda, Barenboim, Zacharias auch viele Einzelaufnahmen unter Richter, Ashkenazy, Kempff, Pollini, Fischer! Ich kann sagen, dass ich bei keinem dieser Pianisten sagen könnte:" Das hat der schlecht gemacht, oder das geht viel besser" Diese Pianisten spielen fast alle einen Mozart, welcher mir gefällt! Jeder spielt es ein wenig anders, aber nicht unbedingt schlechter! Durch die Abwechslung wird es nie Langweilig und man hat immernoch Spaß dran, weil man einfach viele Richtungen kennen lernt! Die Mischung der verschiedenen Interpretationen von den Klavierkonzerten machts! Wenn mich allerdings jemand fragen würde, welche Gesamteinspielung denn das "Wahre" wäre, würde ich ohne zu zögern sagen, Geza Anda und Alfred Brendel! Auch wenn Brendel glaub ich nicht die kompletten Klavierkonzerte eingespielt hat!
Die beiden höre ich auch am Liebsten!

Danke, dass du bei deiner Zusammenstellung der "Best- Gespielten" Klavierkonzerte auf die LP Rücksicht genommen hast! Ich werde mich an dieser Liste orientieren und mich auf dem Plattenmarkt umsehen! Und dann werde ich in diesem Thread dazu Stellung nehmen!

Übrigens: Was hälst du hiervon?

Annerose Schmidt, Dresdener Philharmonie, Kurt Masur
http://i20.ebayimg.com/05/i/000/aa/f6/bca6_1_b.JPG

Eine 11 LP - Box. Würde heißen, dass Sie mindestens 22 Konzerte eingespielt hat!

Mit freundlichem Gruß
Daniel :thanks
Amadé (23.07.2007, 13:56):
Hallo Daniel,

Annerose Schmidt spielt zusammen mit Masur die Konzerte sehr solide. Man ist nicht schlecht bedient, aber bei Mozart ist noch mehr zu entdecken.

Gruß Bernd
:hello
Rachmaninov (01.09.2007, 12:19):
Original von AcomA
Liebe Mozart-Freunde,

wie Daniel Behrendt in dem thread der Gesamtaufnahmen schon erklärte, muss man nicht Gesamtaufnahmen des Zyklus besitzen. Daher soll hier Platz geschaffen werden für Interpretationen der Konzerte, welche nicht im Rahmen einer Gesamtaufnahme entstanden. Hier gibt es etliche, die es wert sind, genannt und besprochen zu werden. Ich gehe mal nicht chronologisch-geschichtlich vor, sondern beginne mit zwei discs der letzten Jahre.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5718919.jpg

Nr. 17 G-Dur KV 453
Nr. 21 C-Dur KV 467

Maurizio Pollini, piano und Leitung, Wiener Philharmoniker

DG, DDD, Live-Mitschnitte Wien 5/2005

Ich habe diese brandaktuelle Aufnahme mehrfach gehört und bin begeistert. Pollini knüpft an seine jungen Jahre mit Böhm an. Der Unterschied ist eine in den langsamen Sätzen zerbrechlichere Phrasierung. Sein Spiel ist luzide und mit motorischem Drang in den Ecksätzen. Das Orchester ist einfach exzellent, gerade auch die Bläser. Das Finale des G-Dur-Konzertes gehört zu meinen Lieblingssätzen. Und für mich ist hier Arthur Rubinsteins Interpretation Referenz. Pollini kann eine vergleichbare Demonstration abrufen.

Im C-Dur-Konzert spielt Maurizio Kadenzen von Salvatore Sciarrino. Er ist ein autodidaktischer zeitgenössischer Komponist. Sciarrino war drei Jahre lang als künstlerischer Leiter des Teatro Comunale in Bologna tätig und hat auch an den Konservatorien in Mailand, Perugia und Florenz sowie bei Fortbildungskursen gelehrt. Seit einigen Jahren lebt er in Città di Castello, einer kleinen Stadt in Umbrien. Die Kadenzen sind sehr stiulsicher und kommen dem luzid-mediterranen Spiel Pollinis entgegen.

@Siamak,

ich hörte gestern einen Ausschnitt dieser Aufnahme auf Bayern 4!
Mir hat der Satz unglaublich gut gefallen. Ganz locker gespielt, viel Freude und dennoch große Kunst. Die Aufnahme werde ich mir beschaffen!
ab (13.09.2007, 13:54):
Artur Rubinstein hat unter Otmar Nussio am 12.5.1961 in Lugano Mozart A-dur-Klavierkonzert Nr. 23 (KV 488) mit dem Orchestra della Svizzera Italiana gespielt. Davon gibts einen Mitschnitt von der Firma Aura (AUR1392) (inzwischen in einer Box bei Documents, aber die verschwinden immer ganz rasch vom Markt)

Schöner habe ich das Adagio noch nie gehört!

:engel
Amadé (27.04.2008, 21:08):
Liebe Forianer,
Vol.2 von Pollinis Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmoniker ist erschienen, sie spielen die Konzerte A-dur KV 414 (24’35’’) sowie c-moll KV 491 (29’46’’), beides sind live-Mitschnitte vom Juni 2007 aus Wien.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028947771678.jpg

Hier einige Anmerkungen: Der Streicherapparat ist zu groß besetzt, zumindest klingt er zu dick, als geschlossener Block, wenig aufgefächert, die Bläser sind in Tutti-Stellen fast nicht auszumachen.
KV 414: 1.Satz: erst in T.165 Oboen zum erstenmal klar zu hören. Gleich zu Beginn spielen die 2.Vl. Achtelstaccati, was kann ein Orchester (mit Dirigent) daraus machen! Beim Erscheinen des 2. Themas wird dieses regelmäßig ab dem 5.Takt leiser, warum? In den Noten steht davon nichts, es gibt auch keinen besonderen Effekt. 2. Satz: das Orchester sekundiert nur dem Pianisten.
KV 491: man kann oft eine Bläserstimme nicht bis zum Ende 2-3 Takte später verfolgen, da sie von einer anderen überlagert wird, hier hätte der Tonmeister helfend eingreifen müssen. Insgesamt klingt der Satz hektisch. Zum Vergleich habe ich mir die alte Kempff/Leitner Platte aufgelegt, da hört man alles, wie es Mozart aufgezeichnet: die Proportionen stimmen, kein Instrument drängt sich vor, Bläser und Streicher sind ausgewogen, Kempff kann mit ihnen in einen Dialog treten. In der Pollini-Aufnahme müssen wir damit bis zum 2.Satz warten, der endlich gelöst klingt und klanglich zufrieden stellt. Der 3.Satz läuft anfangs auch passabel, bis in T.72 das pralle Orchester-Tutti alle guten Eindrücke zunichte macht.

Pollini wird hier unter Wert verkauft! und der Käufer wird getäuscht! Schade, dass der Künstler sich vor den Karren der Kommerzialisierung spannen lässt und künstlerische Maßstäbe hintan stellt. Pollinis Mozart-Beiträge verdienen es, in einem künstlerisch abgesicherten Ambiente präsentiert zu werden, dazu gehört ein aufmerksamer Dirigent. An anderer Stelle dieses Forums habe ich schon einmal das künstlerische Gewissen der heutigen Produzenten und Aufnahmeleiter beklagt, heute muss ich dies wiederholen.

Grüße Amadé
Zelenka (28.04.2008, 19:52):
Lieber Amadé:

In Unkenntnis der Pollini-Aufnahme und ohne Blick in die Partituren: Besten Dank für Deine Höreindrücke! Ganz klar ist mir allerdings nicht, wen genau hier die Schuld treffen soll. Pollini, der die Aufnahmen offensichtlich zur Veröffentlichung freigegeben hat? Oder den Universal-Konzern?

Pollini hat wie Mozart die Konzerte ohne einen Dirigenten gespielt, diese Tatsache ist also eigentlich erst einmal nicht weiter verwerflich. Die Aufnahmen sind als Live-Mitschnitte gekennzeichnet. Getäuscht würde hier der Käufer allenfalls, wenn etwa Material aus mehreren Konzerten zusammengeschnitten worden wäre oder post festum die notorischen "patching sessions" stattgefunden hätten. Bei Live-Aufnahmen geht in der Regel nicht alles völlig glatt vonstatten, es macht nicht recht Sinn, sich auf Einzelheiten zu konzentieren, die vielleicht bedauerlich sind. Im ganzen gehe ich davon aus, daß Pollini die Aufnahmen bei wachem Verstande freigegeben hat und daß der Künstler hinter ihnen steht. Der Kommerz dürfte gerade ihn recht kalt lassen. Natürlich ist Kritik erlaubt, es sei allerdings darauf hingewiesen, daß die CD im "Diapason" 5 Stimmgabeln bekommen hat, es gibt also Hörer, denen Pollinis Konzept etwas zu sagen hat.

Gruß, Zelenka
Amadé (29.04.2008, 21:59):
Lieber Zelenka,

Pollinis Spiel ist nichts vorzuwerfen, bei einer besseren Orchesterbegleitung würde es mir auch gefallen. Im großen Musikvereinssaal wie auch in jedem anderen Saal beim öffentlichen Konzert ist für den Zuhörer der akustische Eindruck sicher ein anderer als der von den Mikrofonen eingefangene. In diesem Saal wurden viele live-Aufnahmen gemacht und auf Tonträgern veröffentlicht, die klanglich mehr oder weniger befriedigten (Bernstein, Abbado, Giulini...). Hier bei Pollini ist das nicht der Fall. Das Orchester spielt nicht immer auf seiner gewohnten Höhe und das Klangbild lässt zu wünschen übrig. Ich möchte jedoch nicht verheimlichen, dass mir die zuerst veröffentliche CD besser gefällt als diese.
Gerade weil man bei Pollini höchste Anforderungen in Bezug auf eine perfekte Produktion stellen darf, enttäuscht mich diese CD, da das gewohnt sehr hohe Niveau seiner anderen Platten keinesfalls erreicht wurde. Die Verantwortung dafür liegt m.E. weniger beim Pianisten als beim Produzenten. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass es Pollinis Idee war, gleichzeitig als Pianist und Dirigent zu fungieren, das war eher, denke ich, ein Wunsch der DGG und ihrer Verantwortlichen.

Grüße Amadé
Zelenka (30.04.2008, 17:05):
Lieber Amadé:

Herzlichen Dank für Deine Erläuterungen! Ich bleibe aber doch etwas skeptisch, was die Dirigentenfrage angeht. Ich glaube nicht, daß sich Pollini da Vorschriften machen lassen würde. Daß die Personalunion von Solist und Dirigent die DG billiger kommt, ist allerdings wahrscheinlich.

Gruß, Zelenka
daniel5993 (31.05.2008, 14:49):
Hallo Mozart Freunde,

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028946262221.jpg
Klavierkonzerte Nr. 20 & 24
Alfred Brendel, Scottish Chamber Orchestra, Sir Charles Mackerras
1998

http://ecx.images-amazon.com/images/I/415VA2E7F0L._SL500_AA240_.jpg
Klavierkonzerte Nr. 22 & 27
Alfred Brendel, Scottish Chamber Orchestra, Sir Charles Mackerras
2000

Ich besitze seit kurzem sämtliche Aufnahmen der Klavierkonzerte Mozarts mit Alfred Brendel und Sir Charles Mackerras mit dem Scottish Chamber Orchestra.
In diesem Beitrag beschränke ich mich ersteinmal auf die Klavierkonzerte 20, 22, 24 und 27.

Mein erster Eindruck, als ich diese Aufnahmen hörte war ganz und garnicht der, den ich erwartet hatte.

Brendel klingt hier garnicht so perfektionistisch und makellos - Ausschauend wie noch bei den Marriner Aufnahmen.
Unter Charles Mackerras entfaltet er sich richtig. Ich höre gegenüber den frühen Mozartaufnahmen unter Neville Marriner eindeutig mehr Gelassenheit und Ruhe bei Brendel herraus. Diese andere Seite macht auch seine wiederholten Mozartaufnahmen auf eine andere Art sehr wertvoll. Aufnahmen die ich gerne hervorhole, mit einem Alfred Brendel, der nicht so perfekt hervorstürmend wirkt als bei denen mit Sir Neville Marriner.
EInzig und allein wünschte ich mir manchmal mehr Nähe zur Aufnahme von dem Scottish Chamber Orchestra wie z.B bei so manchem schönen Klarinettenpart. Aber man kann ja nicht alles haben.
Jede der beiden "Fast - Zyklen" haben etwas besonders schönes an sich, jede auf seine Weise. Keinen der beiden "Fast - Zyklen" würde ich über die andere stellen.

Den Eindruck über die Klavierkonzerte 9, 12, 17, 25 liefer ich nach. Hab ich noch nicht genau reingehört.

Ansonsten hat sich der Kauf für mich sehr gelohnt! :times10

Grüße
Daniel
Rachmaninov (30.09.2008, 13:32):
eben hörte ich nach geraumer zeit nochmals S. Richter's Aufnahme des Mozart Klavierkonzerts KV466.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028946364925.jpg

Muss sagen Richter ist ein großer Interpret, aber mir fehlt bei seinem Mozart etwas die Leichtigkeit, das klingt einfach nicht befreit (genug)

Wie ist eure Einschätzung?
ab (30.09.2008, 13:43):
Original von Rachmaninov
Wie ist eure Einschätzung?

Ganz ähnlich! Liegt aber auch viel am Dirigenten...
Rachmaninov (30.09.2008, 13:45):
Original von ab
Original von Rachmaninov
Wie ist eure Einschätzung?

Ganz ähnlich! Liegt aber auch viel am Dirigenten...

Ja, sehr treffend. Kurt Sanderling hat hier nicht wirklich "befreit" aufspielen lassen.
ab (30.09.2008, 13:48):
Man vergleiche nur sein grandioses Dirigat bei den Beethoven-Konzerten mit Uchida... Im Alter stets jugendlicher geworden der Herr Sanderling...
Amadé (17.12.2015, 19:40):
Heute im Radio gehört:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51F%2B%2B8snF7L._SY450_PJautoripBadge,BottomRight,4,-40_OU11__.jpg

Konzert C-Dur KV 467

Mit dieser Aufnahme tut man dem jungen Pianisten keinen Gefallen, Dirigent und Orchester stehen Lisiecki zu Diensten, mehr auf keinen Fall. Alles korrekt, das reicht aber nicht für diese lebendige Musik, Mozarts Musik ist nie korrekt! Wäre Mozart bei der Aufnahme dabeigewesen, er hätte den Saal schnell verlassen, oder Zacharias den Taktstock entrissen und selbst dirigiert.

Gruß Amadé
Cantus Arcticus (15.02.2016, 15:43):
Hier meine Aufnahme des KK No. 20 KV 466, die ich immer auf die einsame Insel mitnehmen würde:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/91k0A3bjCUL._SL500_.jpg

Da ist Richter für mich eigentlich keine Alternative.... :(

Grüsse :hello
Stefan
Hosenrolle1 (02.01.2017, 14:52):
Es geht mir jetzt weder um Musiktheorie noch um HIP, sondern um etwas anderes.

Ich habe, weil ich mich mit der Naturtonreihe vom Es-Horn (das hier im KV 271 Verwendung findet) beschäftigt habe, auch nachgesehen, wie Mozart diese zwei Hörner nun verwendet, welche Töne er nimmt.
Dabei ist mir eine besonders schöne Stelle aufgefallen:



Mozart verwendet hier bei den Hörnern lauter Naturtöne, aber darum geht es mir jetzt nur sekundär.

Was mich besonders interessiert ist, wie er die Oboen verwendet! In diesem Konzert gibt es nur zwei Bläser: Oboen und Hörner. Ich finde das Harnoncourt-Zitat leider nicht mehr, aber er sagte irgendetwas davon, dass die bei Beethoven und wohl auch bei Mozart zusammen eine ganz wichtige Einheit bilden.

Was mich nun interessiert: wie geht Mozart hier mit den Oboen und den Hörnern um? In dem Notenbeispiel spielen die Oboen etwa den Ton C, der den Hörnern verwehrt bleibt. Sieht Mozart beide Instrumente quasi als eines, und lässt die Oboen fehlende Horntöne ergänzen? Oder führt er beide Instrumente eigenständig, bzw. mal eigenständig, mal zusammen, wie etwa an dieser Stelle gleich zu Beginn des Werkes in Takt 7:




LG,
Hosenrolle1
satie (02.01.2017, 15:07):
Man kann die Bilder leider nicht sehen...
Hosenrolle1 (02.01.2017, 15:11):
Hab´s nochmal hochgeladen, funktionierts?


LG,
Hosenrolle1
satie (02.01.2017, 15:19):
Jetzt geht's. Na, er macht all das, mal harmonische Auffüllung, mal eigene melodische Linie, mal geht es zusammen mit den Hörnern, je nach Bedarf natürlich. Oder verstehe ich die Frage nicht? Ich meine, dass Mozart nicht nach einem bestimmten Schema orchestriert hat, müsste doch klar sein.
Hosenrolle1 (02.01.2017, 15:42):
Schwer zu sagen ... in dem ersten Notenbeispiel, verwendet er da die Oboen eigenständig, oder lässt er sie Töne spielen, die das Horn nicht spielen kann? Die Oboen als "Ersatzhörner", sozusagen?



LG,
Hosenrolle1
satie (02.01.2017, 16:03):
Na beides. Die Oboen doppeln auch die 1. Violinen, also die Hauptstimme, aber das c ist gleichzeitig ein "fehlender" Hornton.
Hosenrolle1 (02.01.2017, 19:15):
Mir gefällt dieses Beispiel auf jeden Fall sehr gut, weil es m.E. auch zeigt, wie man mit einem beschränkten Tonvorrat auf einem Instrument dennoch großartige Musik schreiben kann. Klar wird man beim Hören nicht denken "Wahnsinn, alles Naturtöne", aber sich das mal genauer anzusehen lohnt sich auf jeden Fall.
Mich haben hier besonders eben Oboen und Hörner interessiert, weil es die einzigen Bläser in dem Konzert sind, und wie er mit ihnen umgeht. Ob die Oboen vielleicht (unterstützt durch die Verschmelzung des Klanges mit den Hörnern) ein bisschen "vortäuschen", dass die Hörner auch das C spielen können, bzw. anders ausgedrückt, ob Mozart hier die Beschränkungen des Hornes ein bisschen kaschiert.
Oder aber ob man doch deutlich hören soll, dass die Oboen "freier" sind, die Hörner dagegen nicht - dagegen spräche allerdings dass Mozart gerade die Hörner gerade mit Oboen mischt.



LG,
Hosenrolle1
satie (02.01.2017, 20:29):
Das Stück ist übrigens auch ein schönes Beispiel dafür, dass Komponisten mitunter einfach nehmen müssen, was da ist. Dass nämlich hier keine Flöten oder Klarinetten (diese sind eh erst später etabliert) vorkommen, liegt daran, dass das Salzburger Orchester (es ist das letzte dort entstandene Klavierkonzert) einfach keine hatte.
Also, ich würde da nicht zu viel hineininterpretieren. Wenn außer den Oboen keine Holzbläser da sind (die Fagotte blende ich mal aus, weil sie auf die tieferen Bereiche beschränkt sind), ist sonst nicht viel zu machen, als dass sie eben flexibel eingesetzt werden, und die Hörner sind eben beschränkt in ihrem Tonvorrat.
Hosenrolle1 (02.01.2017, 20:52):
Naja, "hineininterpretieren" ist vielleicht zu viel gesagt. Zugegeben, ich weiß über Mozarts unterschiedliche Orchester und deren Besetzung, über Mozart generell praktisch nichts, aber ich bin jetzt nicht davon ausgegangen, dass er Oboe und Hörner einfach nur so verwendet hat. Eigentlich bin ich von gar nichts ausgegangen. Mir gefiel nur wie mit dem beschränkten Tonvorrat kreativ umgegangen wird, und, wie ich meine, das mit den Oboen und deren Verschmelzungsfähigkeit mit den Hörnern auch irgendwie kaschiert wird. Zumindest war das mein Höreindruck vom Notensatzprogramm.



LG,
Hosenrolle1
EinTon (02.01.2017, 23:46):
Das Stück ist übrigens auch ein schönes Beispiel dafür, dass Komponisten mitunter einfach nehmen müssen, was da ist. Dass nämlich hier keine Flöten oder Klarinetten (diese sind eh erst später etabliert) vorkommen, liegt daran, dass das Salzburger Orchester (es ist das letzte dort entstandene Klavierkonzert) einfach keine hatte.
Wobei die Besetzung "Streicher + 2 Oboen + 2 Hörner (+Fagott?)" damals ein ziemlicher Standard gewesen zu sein scheint, sie findet sich zB auch in vielen frühen Haydn-Sinfonien.
satie (03.01.2017, 00:44):
Korrekt! Es ist so etwas wie eine Kernbesetzung.
Cetay (inaktiv) (03.01.2017, 08:49):
Das Stück ist übrigens auch ein schönes Beispiel dafür, dass Komponisten mitunter einfach nehmen müssen, was da ist. Dass nämlich hier keine Flöten oder Klarinetten (diese sind eh erst später etabliert) vorkommen, liegt daran, dass das Salzburger Orchester (es ist das letzte dort entstandene Klavierkonzert) einfach keine hatte.
Wobei die Besetzung "Streicher + 2 Oboen + 2 Hörner (+Fagott?)" damals ein ziemlicher Standard gewesen zu sein scheint, sie findet sich zB auch in vielen frühen Haydn-Sinfonien.
Um das zu präzisieren. Die Stammbesetzung Streicher, 2 Oboen, 2 Hörner & Fagott findet man in allen Sinfonien 1-69 (außer der 22). In 13 Fällen kommt die Flöte dazu (davon 3 mal eine zweite) und 10 mal addiert er 2 Trompeten & Pauke. In der Regel ist dies entweder-oder, nur in den Nr. 41 und 54 gibt es Flöte und Trompete gemeinsam. Drei mal werden die Hörner verdoppelt (13, 31, 39), davon zweimal unter Hinzunahme der Flöte, einmal (39) nur so. Einen Sonderfall stellt die Nr. 22 dar, bei der die Oboen durch Englischhörner ersetzt wurden. Unterm Strich sind 46 der ersten 69 Sinfonien für die Kernbesetzung geschrieben. Ab der Nr. 70 ist die Flöte immer dabei und ab Nr. 99 die Klarinetten.
Das ist nun genug unnützes Wissen am morgen... :haha
Cavaradossi (03.01.2017, 12:18):
Ja, sehr treffend. Kurt Sanderling hat hier nicht wirklich "befreit" aufspielen lassen.
Einspruch, Euer Ehren!
Das ist nicht Kurt Sanderling, der Richter bei Mozart KV 466 begleitet, sondern Stanislaw Wislocki mit der Warschauer Philharmonie.
Sanderling ist der Dirigent bei Beethoven No. 3 und dem B-Dur-Rondo WoO 6. Ansonsten teile ich Deine Auffassung.

LG, Cavaradossi
Amadé (12.03.2018, 09:25):


Mitsuko Uchida am Flügel und in Personalunion als Dirigentin des Cleveland Orchesters bei Mozarts Konzerten NR. 9 Es-Due KV 271 und Nr. 21 C-Dur KV 467. Es ist die zweite Aufnahme mit der japanischen Pianistin nach der Philips-Serie mit Jeffrey Tate und dem English Chamber Orchestra.
Ich kann der CD nichts abgewinnen, die Musik lebt im Augenblick, ohne den Blick aufs Ganze zu richten, bleibt immer auf einer Ebene, es fehlte die Staffelung, die die Partituren vorgeben. Da wird offensichtlich, dass hier ein Dirigent fehlt, der Organisation von Balance, Klang und Tempo sowie das Zusammenspiel mit der Solistin im GRiff hat. Das Orchester spielt meist der Solistin nach, so dümpelt die Musik vor sich hin, ohne Perspektive (2. Satz KV 467). Für viele Hörer vielleicht eine gefällige Aufnahme, aber bei der Fülle der Vergleichsaufnahmen völlig entbehrlich.

GRüße Amadé


______________

An die Technik:

Die ersten Postings dieses Fadens sind alle doppelt aufgeführt!
Sfantu (09.11.2025, 20:10):


C-dur KV 246

Jörg Demus, Fortepiano (Schantz, Wien, 1790) -
Collegium Aureum
(LP, BASF, 1977)

Allegro aperto 7'16
Andante 7'56
Rondeau. Tempo di minuetto 7'38




C-dur KV 246

Malcolm Bilson, Fortepiano (Philip Belt, New Haven, 1977 - nach Anton Walter, Wien, frühe 1780er Jahre) -
English Baroque Soloists - John Eliot Gardiner
(CD, DGA, 1987)

Allegro aperto 7'14
Andante 6'45
Rondeau. Tempo di minuetto 6'58


Unter den früheren Werksbeiträgen hatte ich für das Lützow-Konzert immer schon ein gewisses Faible.
Heute stand mir der Sinn nach einem Vergleichshören der beiden Aufnahmen aus meiner Sammlung, in denen historisches oder quasi-historisches Instrumentarium erklingt.

Bilson und Gardiner haben einen höheren Perfektionsgrad auf der Haben-Seite, die EBS bieten mehr Feinschliff und Detailarbeit im Orchestralen. So ist etwa ihre Agogik in den Moll-Passagen des Finalsatzes auf der Stuhlkante während das Collegium Aureum hier eine Spur verschlafener wirkt - wohl ein erneutes Plädoyer für die Beschäftigung eines Dirigenten?

Es gibt dennoch Einiges, was für Demus und das Collegium Aureum spricht:
Das Timbre des Solo-Instruments ist etwas spitz, gewinnt aber durch das mitschwingende Resonanzspektrum drumherum an Charakter und Individualität während Bilsons Hammerklavier ein wenig zu rund, neutral und beliebig klingt. Zudem ist das Musizieren durch seine lässige Eleganz entspannter, während es bei Bilson/Gardiner nie ganz frei, stellenweise um eine Nuance verbissen rüberkommt.

Der Klang der BASF-Aufnahme ist weiter und klarer, die DGA-CD klingt dagegen etwas eng. Über die Frequenz des gewählten Kammertons schweigen sich beide Begleittexte aus. Nach meinem Höreindruck ist er bei Bilson minimal höher als bei Demus.
Auf die A-Seite der Demus-Platte ist das Krönungskonzert gepreßt. Das beschriebene Manko an orchestralem Feinschliff tritt dort deutlicher zu Tage. Es fehlen Kontur und Grandezza. Die Pauken etwa kann man leider mehr erahnen als hören.