"Wahnsinnsszenen"

Jeremias (03.08.2006, 20:37):
Fallen Euch Auszüge bzw. Stellen aus Sinfonien, Konzerten, Opern etc. ein, die Ihr als "wahnsinnsszenen" bezeichnen würdet, deren Wirkung auf Euch mit Worten eigentlich nicht zu beschreiben ist? Ich mache mit 2 Beispielen einmal den Anfang:

- "Non piangere Liù" sowie das anschließende Finale des 1. Aktes aus "Turandot"

- Der Beginn des Finales der 5. Sinfonie von Schostakowitsch

- der Beginn des 4. Satzes aus der 8. Sinfonie von Bruckner

:down
Carola (03.08.2006, 20:47):
Bachs Matthäuspassion ist voll von solchen "Wahnsinnsszenen".

Schon der Eingangschor, dann der "Eli, Eli"-Schrei Jesu, und vor allem das "Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen".

Dann in Schuberts Winterreise das letzte Lied, "Der Leiermann" - unglaublich beeindruckend....

Mit Gruß von Carola
Jeremias (03.08.2006, 20:51):
Um bei Turandot zu bleiben: Die Arie der turandot "In questa reggia" mit anschließendem Duett mit Calaf, wo beide das wohl höchste "C" singen müssen, das die Opernliteratur so hergibt, will mich da aber nicht 100%ig festlegen :down
Rachmaninov (03.08.2006, 20:58):
@Jeremias,

bei Schostakowitsch 5. Sinfonie sind wir absolut einer Meinug.

Dann möchte ich noch weitere Beispiele nennen:

Bach Konzert für 2 Violinen. Der langsame Satz. Dort erreichen die beiden Geigen einen Grad an "innigkeit" der mich jedesmal völlig ergreift ..... :engel
Jeremias (03.08.2006, 21:02):
Oh ja! Meine Lieblingsaufnahme ist die hier, nicht zu schnell, nicht zu langsam:

http://images.amazon.com/images/P/B0000025J9.01._SS500_SCLZZZZZZZ_V54157159_.jpg

Welche bevorzugst Du?
Rachmaninov (03.08.2006, 21:05):
Original von Jeremias
Welche bevorzugst Du?

Habe ich hier geschrieben! :D
ab (03.08.2006, 21:24):
Das Adagio aus Mahlers 10., wenn der brutale Clusterklang auftaucht: Selbst bei den mattesten, verniedlichenden Interpretationsn erfasst mich bereits zuvor eine Beklemmung in erschreckender Erwartung. Dazu - im anderen Zusammenhang - auch hier. (Ich hoffe sehr, das wird noch aufgegriffen werden...)

Sonst denke ich sofort an das 2. Streichquartett von Schnittke oder an das Adagio des letzten Streichquartetts von Schubert in der Interpretation des Hagen Quartetts: So klopft im schnellen Mittelteil das Schicksal an die Pforte!

Ach ja, in der Oper: Hildegard Behrens als Elektra in der Ozawa-Aufnahme: "Triff noch einmal!" Wem da kein Schauer über den Rücken läuft, der ist schon tot.
Jürgen (04.08.2006, 09:13):
Original von ab
Das Adagio aus Mahlers 10., wenn der brutale Clusterklang auftaucht: Selbst bei den mattesten, verniedlichenden Interpretationsn erfasst mich bereits zuvor eine Beklemmung in erschreckender Erwartung.


Ja ab, dieses Adagio habe auch ich nennen wollen. Sinopoli gefällt mir mit seiner Deutung ganz besonders. Sein Clusterklang geht mir durch Mark und Bein. Was ist denn Deine Lieblingseinspielung ?

Und dann hat Mahler in seiner Tragischen das Andante moderato. Bei dessen Höhepunkt stockt mir der Atem, das ist himmlisch.

Grüße
Jürgen
ab (04.08.2006, 09:32):
Original von Jürgen

Mahlers 10.
Ja ab, dieses Adagio habe auch ich nennen wollen. Sinopoli gefällt mir mit seiner Deutung ganz besonders. Sein Clusterklang geht mir durch Mark und Bein. Was ist denn Deine Lieblingseinspielung ?


Kennen gelernt habe ich das Adagio durch Abbado. Dann wollte ich die Ormandy-Aufname der Cooke-Fassung erstehen, war aber zu spät: sie war nicht mehr erhältlich. Später kaufte ich mir die von Rattle mit den Berlinern, eine der wenigen Fehlkäufe: ich habe sie einem Rattle-Liebhaber verschenkt. Heute habe ich sie noch mit Barshai, dessen Fassung mir besser als die von Cooke gefällt. Im konzert habe ich das Adagio öfter gehört, genauso im Radio.
Ich muss gestehen, hier leider noch keine Lieblingsaufnahme gefunden zu haben.
Rachmaninov (07.08.2006, 07:33):
Eine weitere Wahnsinnsszene ist für mich der erste Satz aus dem "Winter" von A. Vivaldi.
Diese Entladung der Energie ist für mich, sofern es packend gespielt wird, immer wieder ein Erlebniss :wink

Richard

P.S.: Übrigens die ideale Stelle beim Probehören einer entsprechenden Aufnahmen :D
Rachmaninov (08.08.2006, 07:56):
Eine weitere wahnsinnsszene ist für mich auch der 2. Satz beim 1. Schostakowitsch Klavierkonzert. So etwas von emotionaler Tiefe ist einfach "Wahnsinn"!

:hello
Jeremias (08.08.2006, 15:32):
Ich würde da eher den 2. Satz aus dem 2. nehmen mit dieser wunderbaren einfachen melodie...
Rachmaninov (08.08.2006, 16:43):
Original von Jeremias
Ich würde da eher den 2. Satz aus dem 2. nehmen mit dieser wunderbaren einfachen melodie...

der ist AUCH wahnsinn! :tongue:
fohlenfanatiker (08.08.2006, 19:07):
Für mich eindeutig führend und immer wieder zu Tränen rührend:
Beethovens 9. letzter Satz: "Seid umschlungen Millionen". Zunächst nur von den Männerstimmen gesungen, dann setzen die Frauen ein und wiederhoen den Satz. Die Stelle diiieesen Kuss der ganzen Welt. Hier läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter. Ich habe hier keine Lieblingsaufnahme.
Cosima (09.08.2006, 19:24):
Da ich es gerade höre, sei es hier erwähnt: Das Stück Nr. 13 (Wild und lustig) aus den Davidsbündlertänzen. Ich muss es immer sehr laut hören. Es ist zum Abheben schön - vor allem, wenn Christian Zacharias oder Maurizio Pollini es spielen.

Gruß, Cosima
Jürgen (10.08.2006, 12:01):
Ich habe auch noch ein paar Kracher:

Wagner: Isoldes Liebestod Bei "Welt-Atem" ist der Gipfel der Musik erreicht.(Nilsson oder Norman)
Wagner: Die letzten 2 Minuten der Götterdämmerung (Solti)
Wagner: Wotans Abschied von Brünnhilde. Direkt nach "..der freier als ich, der Gott"(Nur Solti. Nur er treibt die Wiener Streicher zu solch Höchstleistungen.)
Vaughan Williams: Sinfonie Nr.2 "London", Lento (Previn, RCA)
Jack Bristow (10.08.2006, 12:49):
Original von Cosima
Da ich es gerade höre, sei es hier erwähnt: Das Stück Nr. 13 (Wild und lustig) aus den Davidsbündlertänzen. Ich muss es immer sehr laut hören. Es ist zum Abheben schön - vor allem, wenn Christian Zacharias oder Maurizio Pollini es spielen.


der magischste Moment der Davidsbündlertänze ist IMO im vorletzten Stück, dass auch recht robust anfängt (oder ist das das Stück davor) und dann "Wie aus der Ferne" plötzlich eine unglaublich Weite entsteht und eine melancholische Stimmung hineinbricht. Auch das allerletzte Stück ist dann von einer rührenden, melancholischen Stimmung. Eines der mich beeindruckendste Stücke der Klaviermusik. Ähnlich auch Stellen, die die Zeit anzuhalten scheinen wie z.B. die letzte Variation (vor dem d.c. des themas) in Beethovens op. 109. Oder das "Trio" (der Mittelteil, in dem das Thema des Finales vorscheint) in Mahler 9, 3. Satz.

viele Grüße

J. Bristow
Cosima (29.08.2006, 17:15):
Weil ich es gerade höre: Ein Wahnsinn im positiven Sinne ist auch der Anfang der Schubert-Fantasie für vier Hände, D. 940. Die ersten anderthalb Minuten schnüren mir immer die Kehle zu. :(

Gruß, Cosima
Jeremias (29.08.2006, 18:45):
Ich habe die fantasie mit meiner Ex bei Jugend Musiziert gespielt. Das war eine tolle Sache, aber am intensivsten erlebt man definitiv die große Fuge!
Jeremias (06.07.2007, 09:17):
Eine weitere Wahnsinnsszene: das Finale aus Tannhäuser.... meine armen Nachbarn, das lasse ich jetzt mal 1 Stunde wiederholt durchlaufen!
cellodil (06.07.2007, 09:32):
Original von Jeremias
Eine weitere Wahnsinnsszene: das Finale aus Tannhäuser.... meine armen Nachbarn, das lasse ich jetzt mal 1 Stunde wiederholt durchlaufen!

Lieber Jeremias,
... sollte uns das Anlass zu Besorgnis geben?

Herzliche Grüße

Sabine
Jürgen (06.07.2007, 11:04):
Original von Jeremias
Eine weitere Wahnsinnsszene: das Finale aus Tannhäuser.... meine armen Nachbarn, das lasse ich jetzt mal 1 Stunde wiederholt durchlaufen!

Ja, das kann ich nachvollziehen. Leider ist die Szene viel zu kurz.
Ich nehme an, Du meinst ab dem Einsatz mit "Hei! Hei! Der Gnade Wunder Heil!" bis Ende.

Am besten gefällt es mir, wenn dieser Einsatz von einem (natürlich guten) Knabenchor gesungen wird. Glasklar und unschuldig. Anschliessend kommt der Männerchor wie eine Lawine und legt sich darüber. Der Knabenchor bleibt aber weiterhin höhrbar.
Wird ein Frauenchor verwendet, fällt dieser Effekt immens ab.
Solti und Sinopoli haben Knabenchöre. Ich kenne noch Sawallisch mit Frauenchor (glaube ich, weil lange nicht mehr gehört, LP).
Wie ist's denn bei Barenboim ?

Grüße
Jürgen
Jeremias (06.07.2007, 11:31):
Wo wir schon dabei sind:

Das Lacrimosa aus dem Mozart'schen Requiem... und die Welt ist wieder in Ordnung!

Barenboim hat meines Wissens keinen Knabenchor... werde mich gleich Sinopoli mal anhören!
Jeremias (12.08.2007, 12:37):
Noch besser als das Finale aus Tannhäuser: Der Pilgerchor am Anfang des 3.Aktes! :down :down :down
Poztupimi (12.08.2007, 17:29):
Bruckner Achte, das Finale des Finales nach der GP ab T.647.
So die letzten zwei bis zweieinhalb Minuten - oder über vier, wenn der Dirigent Celibidache heißt und man es als Hörer bis dahin geschafft hat :ignore

:down

Wolfgang
Rachmaninov (02.06.2008, 07:49):
gestern hörte ich nochmals Beethoven's 5. Sinfonie. Den ersten Satz, bzw. die letzten 2-3 Minuten davon sogar mehrfach.
Das ist einfach wahnsinnige Musik. Sie scheint einen zu durchdringen, sie scheint aus einem zu sprudeln.

Das ist einfach Wahnsinn :down
Solitaire (02.06.2008, 09:32):
"Dichterliebe" gesungen von Wunderlich. Vor allem die Aufnahme aus Edinburgh. Da kann man eigentlich nur noch mit offenem Mund vor dem CD-Player sitzen. :down :down :down
Mime (02.06.2008, 10:25):
Hallo miteinander,

vom Thread-Titel her glaubte ich die "echten" Wahnsinns-Szenen angesprochen. Da wäre natürlich die Lucia-Szene zu nennen oder auch mit Abstrichen der Wahn-Monolog des Hans Sachs.

Ihr aber meintet "wahnsinnig schöne Musik" bzw. deren Aufnahmen.
Und da habt Ihr alle Recht! Jede Nennung hat was; Solitaire schießt natürlich (wieder einmal) den Vogel ab. :engel Diese Dichterliebe ist einfach nicht zu toppen.
:hello
LadyMacbeth (02.06.2008, 12:54):
Die Holländer-Ouvertüre. Irgendwie habe ich Binnenländerin immer das Gefühl, die Brandung des Meeres zu hören und den salzigen Geruch wahrzunehmen.

Und das "Salve Regina" aus den "Dialogues des Carmelites". Obwohl ich es mittlerweile unzählige Male gehört habe, jagt es mir immer noch Schauer über den Rücken
LazarusLong (03.06.2008, 10:45):
Erlkönig von Wunderlich

Mir kommen jedesmal die Tränen

Frank
Jimi (07.06.2008, 17:24):
Original von LazarusLong
Erlkönig von Wunderlich

Mir kommen jedesmal die Tränen

Frank

Hallo Frank

schön von dir mal wieder was zu hören.
Huch, Erlkönig von Fritz Wunderlich, da ist wohl etwas an mir vorbeigegangen, und ich dachte ich habe einen ganz guten Überblick über seine (Lied)Aufnahmen, so kann man sich täuschen ?(.
Kannst du mir sagen auf welcher CD das Lied drauf ist, ich habe auf die schnelle nichts finden können.
:hello Jimi
LazarusLong (08.06.2008, 06:38):
@ Jimi

Ist ein Sampler, den ich mal in irgendeiner Grabelkiste gefunden habe. Da mir nicht alles auf der CD gefallen hat, habe ich mir eine eigene CD gebrannt. Wenn ich wieder zuhause bin, kann ich ja mal nachsehen. Wenn ich mich allerdings richtig erinnere, waren auf der CD ausser Name, Titel und Spieldauer keine weiteren Angaben.

Sorry

Frank
Jimi (08.06.2008, 09:36):
Original von LazarusLong
@ Jimi

Ist ein Sampler, den ich mal in irgendeiner Grabelkiste gefunden habe. Da mir nicht alles auf der CD gefallen hat, habe ich mir eine eigene CD gebrannt. Wenn ich wieder zuhause bin, kann ich ja mal nachsehen. Wenn ich mich allerdings richtig erinnere, waren auf der CD ausser Name, Titel und Spieldauer keine weiteren Angaben.

Sorry

Frank

Danke für die schnelle Antwort, ich werde selber auch weitersuchen, ich habe zwar momentan Berufsbedingt wenig Zeit, aber diese Aufnahme interessiert mich wirklich sehr. BTW höre dir mal den Erlkönig von Alexander Kipnis auf youtube an, für mich eine der allerbesten Aufnahmen dieses Stückes

:hello Jimi
Cetay (inaktiv) (09.06.2008, 10:08):
Interessant finde ich die Frage, ob es zwischen verschiedenen, häufig genannten "Wahnsinnsszenen" - ich verstehe darunter Momente, in denen beim Hörer unkontrollierbare Reaktionen auftreten, z.B. Gänsehaut - irgendwelche Gemeinsamkeiten gibt. Da Wissenschaftler heutzutage scheinbar alles erforschen, gibt es auch hierzu eine Studie, deren Zusammenfassung man in der Zeitschrift Gehirn & Geist, Ausgabe 01/02 2007 nachlesen kann.
Um den Gänsehautfaktor zu ermitteln, wurden die Probanden verkabelt, alles mögliche von Hautleitwert bis Puls gemessen und Protokolle, welche die subjektiven Empfindungen beschreiben, angefertigt. Nach der Datenverdichtung -das ist der Teil, in dem man fast jede Studie auf ein gewünschtes Ergebnis lenken kann- kam grob gesagt und wenig überraschend heraus, dass es die universelle Gänsehautszene nicht gibt, dass aber durchaus Verbindendes gefunden werden kann, das die Chancen, dass eine Musikpassage als "Wahnsinn" empfunden wird, erhöht.
Im einzelnen sind dies:
Verletzung von Erwartungen, Einsatz von etwas Neuem
Erster Einsatz einer Solostimme oder des Chors
Erkennen von Strukturen durch wiederkehrende Motive und Tonfolgen
Änderung der Lautstärke, inbesondere im hörkritischen Frequenzbereich

Ich habe selbst einige meiner persönlichen Wahnsinnszenen unter die Lupe genommen und fand in den meisten Fällen mindestens 3 der 4 Punkte präsent, wenn ich die Erweiterung vornehme, dass der erste Einsatz auch von einem Soloinstrument kommen kann.
Cetay (inaktiv) (11.06.2008, 12:37):
Original von Dox Orkh
Interessant finde ich die Frage (...)

.. wohl als einziger, was mich nicht davon abhält, noch etwas darüber zu monologisieren.
Von besonderer Bedeutung halte ich den Punkt
Verletzung von Erwartungen, Einsatz von etwas Neuem. Damit kann erklärt werden, warum Aufnahmen / Werke häufig beim ersten Hören einschlagen und sich dann ziemlich schnell abnutzen. Besonders im Bereich der gehobenen U-Musik kommt es häufig vor, dass mich eine CD vor allem dadurch packt, dass häufig Unerwartetes passiert. Nach ein paar mal hören ist der Effekt verpufft und wenn das Werk sonst nichts Substanzielles mehr zu bieten hat, ist der Fall erledigt. Ist die unter manchen von uns grassierende milde "Sucht" nach immer neuen CDs nicht auch damit zu erklären, dass wir ständig diesen Gänsehaut-Effekt suchen? Randbemerkung: Demnach ist es eigentlich eine riesige Verschwendung, eine neue Aufnahme, insbesondere ein völlig unbekanntes Werk anfangs erst mal nebenher laufen zu lassen um es dann später intensiv anzuhören.

Bei komplexer Musik kann man mit der Zeit immer neue Dinge und Zusammenhänge entdecken und bleibt damit über den Punkt
Erkennen von Strukturen durch wiederkehrende Motive und Tonfolgenauch nach mehrfachem Hören noch gefesselt. Besonders Stücke aus der "modernen" Klassik, die durch implizites Lernen beim Mehrfachhören unbewußt immer besser erfasst werden (auch dazu gibt es eine Studie), laufen praktisch nie Gefahr, dass sie sich abnutzen (wenn man sie denn überhaupt nutzt).

Um nun zu diesem Thread endlich auch eine Wahnsinnsszene beizutragen nehme ich exemplarisch den langsamen Satz aus der 4. Sinfonie von Brahms. Die Stelle, nachdem der Aufruhr des Mittelteils ermattet ist und der Hornruf erklingt. Zu beschreiben, wie mich diese Passage beim erstmaligen Hören gepackt hat, ist unmöglich. Zu erklären warum, ist jetzt leicht.
Es ist ein neuer Abschnitt, es ist ein Soloinstrument, es ist die Wiederholung des Anfangsmotives und es ist -nachdem die Musik zuvor quasi verstummt war- eine Lautstärkesteigerung. Und leider stimmt auch, dass schon das zweite Hören nur noch halb so effektvoll war.
Jürgen (11.06.2008, 13:52):
Ein paar habe ich noch:


Turandot: Signore ascolta (Liu) mit Barbara Hendricks Gänsehaut erzeugt bei mir insbesondere ihr letzter Ton, der erst lauter und dann wieder leiser wird.
Tristan & Isolde: Einsam wachend, Christa Ludwig
Scheherazade: Letzter Satz, Solo-Violine gegen Ende
Mahler 6: Der letzte Hammerschlag
Mahler 3: 3.Satz Comodo, die letzten 90 Sekunden, nachdem man vom Posthorn eingelullt wurde.

@ Dox: in welche Schublade würdest Du die denn stecken ?


Grüße
Jürgen
Jeremias (11.06.2008, 14:07):
Finale der 8. Mahlers, wenn der Chor zum hohen B ansetzt....

:engel
Solitaire (05.07.2008, 15:13):
Nachdem ich ihn lange Zeit nicht mehr, und dann in der letzen Woche gleich zweimal gehört habe, ist mir eine weitere Gänsehaut erregende "Wahnsinns-"Szene eingefallen:
"Dio che nell'alma infondere", Posas und Carlos' Treueschwur in Verdis "Don Carlo".
Nikolaus hat recht: es packt einen immer wieder. :down
Amadé (05.07.2008, 16:03):
Mir fallen da noch - verspätet- ein:

Fidelio, 2. Aufzug nach Florestans Arie: Leonore: "Gott steh mir bei, wenn er es ist"

und Walküre, Ende des 1.Aufzuges ".....heraus aus der Scheide zu mir!"

Grüße Amadé
Solitaire (29.01.2009, 12:16):
Eine weitere ewige „Wahnsinnsszene“: das Finale aus „Figaro“. Für des Grafen „Contessa perdono“ verzeihe ich ihm stets aufs Neue sämtliche Eskapaden. Die Antwort der Gräfin und die anschließende Ensembleszene sind pures Opernglück.
Cetay (inaktiv) (30.01.2009, 09:22):
Original von Jürgen
Ein paar habe ich noch:


Turandot: Signore ascolta (Liu) mit Barbara Hendricks Gänsehaut erzeugt bei mir insbesondere ihr letzter Ton, der erst lauter und dann wieder leiser wird.
Tristan & Isolde: Einsam wachend, Christa Ludwig
Scheherazade: Letzter Satz, Solo-Violine gegen Ende
Mahler 6: Der letzte Hammerschlag
Mahler 3: 3.Satz Comodo, die letzten 90 Sekunden, nachdem man vom Posthorn eingelullt wurde.

@ Dox: in welche Schublade würdest Du die denn stecken ?


Grüße
Jürgen

Peinlich! Da wird ein Uralt-Faden ausgegraben und ich muss feststellen, dass ich seinerzeit wohl eine Frage überlesen und nicht beantwortet behabe. Für solcherlei Unhöflichkeiten wurde hier in der Vergangenheit schon die eine oder andere virtuelle Kopfnuss verteilt.

Ja, der Schluss von Mahlers 6. ist natürlich DIE Wahnsinnszene schlechthin. Die unerbittlichste Umsetzung, die ich kenne, hat Yoel Levi in der finsteren Verbindung mit den Telarc-Klangingenieuren zustande gebracht. Ich weiß nicht, wieviele Besucher ich damit schon zum Zusammenfahren gebracht habe.
Was die Schubladen angeht, passen die erste und die letzte (Verletzung von Erwartungen durch plötzliche Lautstärkeänderung) und damit streng genommen eine zu wenig für eine Klassifikation als Wahnsinnszene. Aber wenn man es gehört und danach den Herzschlag überprüft hat, werden solche theoretischen Überlegungen zweitrangig. :cool
Gerion (31.01.2009, 14:07):
Mir fällt spontan ein:

- Das Bläser (Posaunen-)motiv aus Richard Strauss' Alpensinfonie am Anfang, Ende und in der Mitte - es erscheint mir wie eine große Verbeugung vor der Natur und erfasst mich stets mit großer Eindringlichkeit (v.a. in der Aufnahme mit C. Thielemann)

- Die Schluss/Sterbeszene aus Modest Mussorgsky's Boris Godunow, unheimlich packend umgesetzt von B. Christoff (zB in der bei EMI erhältlichen Aufnahme der Great Recordings-Reihe)

... u.v.m. ...
Dr. Schön (31.01.2009, 15:43):
Der "Boris" hat für mich auch eine ganze Reihe von "Wahnsinnsszenen"...

Was mir gerade einfiel war der Schluss von Alban Bergs "Wozzeck", wo Wozzeck, nachdem er Marie ermordet hat, in diese Schenke kommt. Dieser Moment haut mich jedesmal um.
kreisler (07.02.2009, 20:02):
Also mir ist da gerade auch so eine Wahnsinnsszene, und zwar auch mal eine in der Klaviermusik, eingefallen. Und zwar im ersten Satz von Schuberts B-Dur Sonate. Die Stelle ist nicht besonders laut, oder unerwartet oder so, hat aber trotzdem eine unglaubliche Stimmung.

Ich meine die ganze Passage in der Durchführung vor Beginn der Reprise.
Die Musik wird plötzlich sehr einfach. Immer D-moll in der linken Hand und dazu die Anfangsmelodie (natürlich auch in Moll) und im Bassschlüssel immer diese Triller...
Die Musik kreist hier nur um sich selber.

Grüße
von
Kreisler
Rainer (22.05.2011, 09:30):
Hallo zusammen,

hier fällt mir spontan "Der Gang zum Richtplatz" ein, der 4. Satz aus Berlioz' Fantastischer Sinfonie :D , ein eindrucksvoller Wahnsinns-Marsch.

Erholen kann man sich danach ja notfalls bei dem allerliebsten Walzer, 3. Satz, aus Tschaikowski's 5. Sinfonie, den ich auch zu den Wahnsinns-Sätzen zähle.
Bassbariton92 (02.08.2011, 07:22):
Mir fällt bei "Wahnsinnsszenen" das Finale in Don Giovanni ein, als der Komtur Don Giovanni in die Hölle hinabzieht und außerdem denke ich dabei noch an die Ouvertüre aus Wagners "Der Fliegende Holländer"

Bassbariton
Nicolas_Aine (30.12.2017, 22:28):
Bruckner Achte, das Finale des Finales nach der GP ab T.647.
So die letzten zwei bis zweieinhalb Minuten - oder über vier, wenn der Dirigent Celibidache heißt und man es als Hörer bis dahin geschafft hat :ignore

:down

Wolfgang
ich bin ehrlich gesagt zu faul nachzuschauen, aber ich nehme an, dass das die Stelle ist, wo die Streicher die legato Achtel nach oben haben. Da stimme ich dir absolut zu, obwohl ich sonst kein Riesen Bruckner Fan bin. Insbesondere mit Celi ist das "der Wahnsinn".

Ansonsten: Der Anfang vom 2. Satz aus Tchaikvoskys 5. Symphonie, ungefähr bis zum Horneinsatz oder kurz danach, berührt mich auch jedes Mal bis ins innerste.

Und aus Richard Strauß Violinsonate, ebenfalls der zweite Satz: Kurz bevor das Thema zum zweiten Mal kommt, wo die Arpeggien im Klavier von f-moll nach E-Dur wechseln.

Edit: Und, wo ich grade nochmal den Startpost sehe: Der Beginn des Finales von Shosta 5 ist zwar auch super, aber noch viel unglaublicher finde ich den Anfang des 3. Satzes.



Edit2: Allerdings, das fällt mir gerade passenderweise ein: Vor einigen Jahren war ich mit einer Bekannten in einem Quartettkonzert. Ich weiß gar nicht mehr wer gespielt hat oder was genau, aber die erste Hälfte hat uns sehr gut gefallen. Nach der Pause aber gabs Beethoven, ich glaube, Op. 59/3, und sie sagte anschließend: "Egal was für großartige Musik man gerade gehört hat, wenn danach Beethoven kommt, ist das alles nichts mehr." Und ich muss sagen, genau so gehts mir auch. Ich kann jede dieser von mir oder anderen genannten Szenen hören, aber wenn ich danach das z. B. Eroica, Violinkonzert, 4. Symphonie oder die 10. Violinsonate einschalte, ist alles andere klein und vergessen.
Nicolas_Aine (11.02.2018, 14:43):
noch was: Beethoven Op. 132, dritter Satz. Ist zwar eine arg lange "Szene", aber naja :D