wie lange noch werden wir das weltweit einzigartige Privileg haben, in nahezu jeder größeren Stadt ein Konzert- und Opernhaus zu haben? Wie lange noch werden wir zu erschwinglichen Preisen in ein Konzert oder eine Oper gehen können? Wie lange noch wird man Musikschulen in Deutschland unterhalten und die Jugend fördern?
Wie lange noch wird der Konzert- und Opernbetrieb durch Subventionen gefördert? Wie lange noch wird Deutschland ein Land der Musik bleiben?
Mit traurigen Grüßen Andreas
satie (04.08.2006, 16:34): Ist das nicht dasselbe wie beim Thread über die Krise der Klassik??????
Satie
Zelenka (04.08.2006, 16:38): Original von Satie Ist das nicht dasselbe wie beim Thread über die Krise der Klassik??????
Satie
So ähnlich, aber ein bißchen anders schon. Hätte sonst schon gelöscht oder verschoben.
Gruß,
Zelenka
andreas (04.08.2006, 19:22): Es soll in diesem Thread speziell um Subventionen gehen. um den bedauerlichen Umstand, dass Subventionen für den Konzertbetrieb so notwendig geworden sind wie das Wasser für unseren Körper.
Jeremias (04.08.2006, 19:26): Ich frage mich, warum Musiker wie Anne-Sophie Mutter & Co. Gagen von über 50.000 € pro Konzert bekommen müssen? Ok, sie würde ich mir auch für nicht einmal 5 € anschauen, aber für einen Soloabend von Kissin, Zimerman, Jessye Norman usw. 50-100 € zahlen, das muss doch nicht sein!
Rachmaninov (05.08.2006, 13:26): Original von andreas
Wie lange noch wird der Konzert- und Opernbetrieb durch Subventionen gefördert?
Normalerweise bin ich gegen staatlichen Subventionen, da hier grundsätzlich eine Mehrheit für eine Miderheit etwas finanziert und meist der "Gegenwert" in relation zu dem Erbrachten nicht stimmt.
Dies sieht man bei wirtschaftlichen Subventionen als auch bei Subventionen anderer Art!
:cool
andreas (05.08.2006, 17:59): Ja, da kann ich dir recht geben.
Aber das fatale ist, doch, dass der Konzertbetrieb nur künstlich noch am Leben gehalten wird und ohne Subv. krepieren würde. man würde viele Opern und Konzerthäuser innerhalb von wenigen Jahren schließen oder andersweitig nutzen. Die Klassik ist heute ein im Kommaliegender, der nur mit größten Aufwand am Leben gehalten wird, nur wann wird der kranke erwachen?
Wann wird ein Ruck durch D. gehen?, wie es ...gesagt hat.
Wann wird der Retter kommen?
Janina (14.08.2006, 23:02): Ehm, Andreas, hattest du an Lang Lang nicht den Pathos kritisiert...? :haha
Normalerweise bin ich gegen staatlichen Subventionen, da hier grundsätzlich eine Mehrheit für eine Miderheit etwas finanziert und meist der "Gegenwert" in relation zu dem Erbrachten nicht stimmt. Das ist ja eine sehr löbliche demokratische Ansicht, aber denk das mal zuende: Wenns danach ginge müssten wir wirklich Fußballstadien subventionieren, wie irgendein Journalst mal provokativ gefordert hat. Ohne Subventionen am Opernhaus, würde jede Spielzeit Zauberflöte und Carmen laufen. Wer will das sehen? :)
AcomA (14.08.2006, 23:08): hallo,
es gibt vielleicht drei dinge, welcher ein fortschrittlicher staat mit großem bruttosozialprodukt subventionieren sollte ! dazu stehe ich:
gesundheit, kultur, wissenschaft !
stattdessen sollte die menschheit irgendwann dazu kommen, weniger in das militärwesen zu investieren.
gruß, siamak
Rachmaninov (15.08.2006, 07:43): Original von Janina Wenns danach ginge müssten wir wirklich Fußballstadien subventionieren, wie irgendein Journalst mal provokativ gefordert hat.
Sicher nicht auch wenn im Gegensatz zu Konzerten und Opern die BL an jedem Wochenende von fast 300000 Menschen im Stadion gesehen wird.
Ohne Subventionen am Opernhaus, würde jede Spielzeit Zauberflöte und Carmen laufen. Wer will das sehen? :)
Sicherlich ich nicht, aber wenn das ohne Subventionen so wäre, dann gäbe es wohl dafür eine gewisses Publikum, das dies gerne sehen würde!
Jack Bristow (15.08.2006, 11:45): Original von andreas Ja, da kann ich dir recht geben.
Aber das fatale ist, doch, dass der Konzertbetrieb nur künstlich noch am Leben gehalten wird und ohne Subv. krepieren würde. man würde viele Opern und Konzerthäuser innerhalb von wenigen Jahren schließen oder andersweitig nutzen. Die Klassik ist heute ein im Kommaliegender, ?
Wie kommst Du auf die Idee, dass Subventionen von Kultur eine "künstliche" Lebenserhaltung wären? Von einigen sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, mußte sich Kultur nie auf einem "freien Markt" bewähren, sondern wurde subventioniert. Das ist also der Normalfal, kein kritischer Grenzfall. In früheren weniger demokratischen Zeiten, geschah diese Subvention eben durch Kirche und Adel (u. heute etwa in den USA durch einige Superreiche). Die Idee, dass anspruchsvolle Kultur sich rechnen müßte, ist ungefähr so bizarr, wie zu verlangen, dass sich Archäologie oder Teilchenphysik rechnen müßten. Tun sie auch nicht. Denn noch sind wir der Meinung, dass es sinnvoll ist, diese Tätigkeiten öffentlich zu finanzieren (Subvention ist hier m.E. der falsche Begriff, eben weil es ein ganz falscher Ansatz ist, zu glauben solche Dinge müßten sich ökonomisch lohnen)
BTW: Fußballstadien werden selbstverständlich subventioniert, besonders bei solchen Gelegenheiten wie WM zu Gast bei Freunden und das nicht zu knapp...
viele Grüße
J. Bristow
andreas (15.08.2006, 13:41): Hallo alle miteinander, ich möchte einiges richtigstellen, denn ich werde hier etwas missverstanden (was zum Teil daran liegt, dass die Texte in besonderen Stunden und in grosser Eile verfasst wurden)
zu dir janina: du hast geschrieben: Zitat:
Ehm, Andreas, hattest du an Lang Lang nicht den Pathos kritisiert...? da hast du ganz recht: viele meiner Texte sind schwülstig und pathetisch, weil ich meine Unzufriedenheit zum Ausdruck brungen möchte. Ich denke nämlich, dass die Lage tatsächlich bedrohlich ist und es in 10 Jahren viele Orchester (vor allem kleinere, in der Provinz gelegene) nicht mehr geben wird...Gelegentlich halte ich es für angemessen in vollem Eifer und Pathos für das zu kämpfen, was unterzugehen droht.
-
dann hat aComa geschrieben:
hallo,
es gibt vielleicht drei dinge, welcher ein fortschrittlicher staat mit großem bruttosozialprodukt subventionieren sollte ! dazu stehe ich:
gesundheit, kultur, wissenschaft !
stattdessen sollte die menschheit irgendwann dazu kommen, weniger in das militärwesen zu investieren.
Ich teile mit dir die Ansicht, dass der Staat unbedingt die Künste fördern sollte, neben Wissenschaft und gesundheit. Es ist unerlässlich für einen Staat, wenn er ein bestimmtes zivilisatorisches Niveau erreicht hat, dass der Staat, auch wenn sie nichts einbringen, das kulturelle Erbe pflegt, denn dieses Erbe ist doch eigentliche Identität eines Landes/eines Volkes. Wenn man das Erbe vergisst, dann sind plötzlich für einege jahre oder Jahrzehnte Elvis oder EmiNeM, oder P.Diddy, der von MTV als einer der "grössten Künstler aller zeiten" bezeichnet wurde, die Idole. die Kids glauben das, wenn sie aber schon einmal in der Oper ,Theater etc. waren, würde sie nicht so leichtgläubig den Moden der Zeit folgen.
andreas (15.08.2006, 13:53): Ich möchte noch klarstellen, was ich meinte mit der Formulierung "künstlich am leben halten" meinte: ich meine damit, dass der Opern- Konzertbetrieb nicht aus eigener Kraft, also nicht aus sich heraus existieren und seinen Fortbestand sichern kann: er ist ein Kommapatient, auf dessen gesundheitliche besserung man hofft. Konkret heißt das: jeder Besuch in der Oper, im Konzerthaus (mit Ausnahmen) wird mit vielen Euros subventioniert. Wir zahlen einen Betrag und den gleichen betrag zahlt womöglich der Staat dazu, besonders Studenten wie zahlen fast nichts (5 -10 Euro meistens) aber: es sind dort keine Jugendlichen zu sehen, und das Abonnentenpublikum kann sich kaum noch ohne Gehhilfe bewegen (wobei ich nichts gegen alte menschen habe)
Ich bin für Subventionen, ich finde, dass ein verantwortungsbewußter Staat Kultur fördern sollte, aber nicht zu sehr (mit viel geld). Wichtiger noch ist die kulturelle Bildung in der Schule und im Elternhaus: wenn man die Kinder früh an Hochkultur heranführt, Interesse weckt...dann würden mehr menschen in die Oper gehen und auch mehr, viel mehr geld für eine karte zahlen und Subventionen wären nicht sooo wichtig.
mit freundlichen grüßen- Andreas
Rachmaninov (15.08.2006, 14:15): Original von andreas auf dessen gesundheitliche besserung man hofft.
Wer hofft den da konkret?
es sind dort keine Jugendlichen zu sehen, und das Abonnentenpublikum kann sich kaum noch ohne Gehhilfe bewegen (wobei ich nichts gegen alte menschen habe)
Dir empfehle ich ernsthaft einmal in ein Konzert zu gehen statt nur wilde Spekulationen über das Publikum zu formuliern!
Wichtiger noch ist die kulturelle Bildung in der Schule und im Elternhaus: wenn man die Kinder früh an Hochkultur heranführt, Interesse weckt...dann würden mehr menschen in die Oper gehen und auch mehr, viel mehr geld für eine karte zahlen und Subventionen wären nicht sooo wichtig.
Oh, wer entscheidet denn was "Hochkultur" ist? Du, weil Dir zufällig eine Oper gefällt? Vielleicht sieht ein leidenschaftlicher Kinobesucher das deutlich anders und empfindet die Darbietung im Kino als zeitgemäß und kulturelwertvoll? Mal so als These!
andreas (15.08.2006, 14:45): Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ich mich über provinzielle Opern- und Konzerthäuser äußere. Ich wohne in der Provinz und gehe hier in Konzerte...
Der größte Teil der Deutschen lebt auf dem Land oder in kleinen Städten: nur ein vergleichsweise geringer teil lebt in Großstädten und noch ein kleiner in (kulturellen) Metroploen.
Die glücklichen Berliner und Münchener dürfen sich freuen über volle Häuser und große Bühnen...aber die Provinz, da wo sich nur unbedeutende Orchester spielen und schwache Sänger singen, in der Provinz also kann man nicht mehr von einem lebendigen Kulturleben sprechen. Ich wohne in Bielefeld und bin die schlechten Theaterinsz. und Konzerte satt , bei denen man sich langweilt und die Reihen trotz niedriger preise nemals gefüllt sind.
@ Rachmaninov Es ist schön, dass wir niemals einer Meinung sind.
Rachmaninov (15.08.2006, 16:01): Original von andreas @ Rachmaninov Es ist schön, dass wir niemals einer Meinung sind.
Und auch in diesem Punkt sind wie nicht einer Meinug!
Bitte schaue Dir mal im Mitgliederberich an wie das mit den Zitaten geht. Es ist dort erklärt und macht die Postings übersichtlicher.
R
Telramund (15.08.2006, 16:27): Original von andreas
Die glücklichen Berliner und Münchener dürfen sich freuen über volle Häuser und große Bühnen...aber die Provinz, da wo sich nur unbedeutende Orchester spielen und schwache Sänger singen, in der Provinz also kann man nicht mehr von einem lebendigen Kulturleben sprechen. Ich wohne in Bielefeld und bin die schlechten Theaterinsz. und Konzerte satt , bei denen man sich langweilt und die Reihen trotz niedriger preise nemals gefüllt sind.
Kannst du das Vorurteil belegen oder schließt du pauschal von Bielefeld auf die gesamte "Provinz"?
Ich habe wahrscheinlich nicht deine allumfassende Kenntnisse der deutschen Musikszene, aber ich habe in Berlin und München lausigste Gesangsleistungen "großer Stars" erlebt, die sich kein angeblich "schwacher Sänger" in der "Provinz" erlauben dürfte.
Gerade die "Provinz" ist es, die ein spannendes Kulturleben garantiert. Oder meinst du etwa ernsthaft, daß jedem Regisseur, Dirigent oder Sänger eine Karriere an der Met, Scala oder Staatsoper unter den Linden in die Wiege gelegt wird?
Rachmaninov (15.08.2006, 17:21): Original von Telramund Gerade die "Provinz" ist es, die ein spannendes Kulturleben garantiert. Oder meinst du etwa ernsthaft, daß jeder Regisseur, Dirigent oder Sänger eine Karriere an der Met, Scala oder Staatsoper unter den Linden in die Wiege gelegt wird?
@Telramund,
schön das Du genau das ansprichst! Das erinnert mich an eine Reportage an David Oistrach. Da wurde eine Ansammlung von Häusern (offziell wurde es als Dorf bezeichnet) gezeigt. In eimem dieser Häuser began die Weltkarriere D. Oistrachs.
:wink
Telramund (15.08.2006, 19:09): Ja, Rachmaninov, Oistrach ist ein Beispiel.
Es gibt noch tausend andere, die belegen, daß "Provinz nicht gleich schlecht" ist. Zum Beispiel die Bamberger Symphoniker, die vielen Festspiele auf dem Lande (z.B. Schleswig-Holstein-Musik-Festival, wo sich ein Svjatoslav Richter nicht zu schade war, in einem ehemaligen Kuhstall zu spielen), ein "Ring" Zyklus mit der Badischen Staatskapelle unter Günter Neuhold (erschienen bei "Brilliant) oder der neue Naxos-Zyklus aus Stuttgart unter Lothar Zagrosek, für die ich eine hochgezüchtete Produktion von der Met und James Levine sofort stehen lasse usw.
Hoffen wir, daß andreas bald über einen Führerschein verfügt, damit er die schöne und interessante Musikwelt in der "Provinz" kennen lernen kann. :ignore Wie sagte schon Goethe so schön: Reisen bildet. ;)
Rachmaninov (16.08.2006, 12:28): Original von Telramund ...... die schöne und interessante Musikwelt in der "Provinz" kennen lernen kann. :ignore Wie sagte schon Goethe so schön: Reisen bildet. ;)
Wie man an dem Bericht von Walter sehen kann ist dies ja auch durchaus in der Provinz möglich!
andreas (04.08.2006, 14:16): Hallo Leute,
wie lange noch werden wir das weltweit einzigartige Privileg haben, in nahezu jeder größeren Stadt ein Konzert- und Opernhaus zu haben? Wie lange noch werden wir zu erschwinglichen Preisen in ein Konzert oder eine Oper gehen können? Wie lange noch wird man Musikschulen in Deutschland unterhalten und die Jugend fördern?
Wie lange noch wird der Konzert- und Opernbetrieb durch Subventionen gefördert? Wie lange noch wird Deutschland ein Land der Musik bleiben?
Mit traurigen Grüßen Andreas
satie (04.08.2006, 16:34): Ist das nicht dasselbe wie beim Thread über die Krise der Klassik??????
Satie
Zelenka (04.08.2006, 16:38): Original von Satie Ist das nicht dasselbe wie beim Thread über die Krise der Klassik??????
Satie
So ähnlich, aber ein bißchen anders schon. Hätte sonst schon gelöscht oder verschoben.
Gruß,
Zelenka
andreas (04.08.2006, 19:22): Es soll in diesem Thread speziell um Subventionen gehen. um den bedauerlichen Umstand, dass Subventionen für den Konzertbetrieb so notwendig geworden sind wie das Wasser für unseren Körper.
Jeremias (04.08.2006, 19:26): Ich frage mich, warum Musiker wie Anne-Sophie Mutter & Co. Gagen von über 50.000 € pro Konzert bekommen müssen? Ok, sie würde ich mir auch für nicht einmal 5 € anschauen, aber für einen Soloabend von Kissin, Zimerman, Jessye Norman usw. 50-100 € zahlen, das muss doch nicht sein!
Rachmaninov (05.08.2006, 13:26): Original von andreas
Wie lange noch wird der Konzert- und Opernbetrieb durch Subventionen gefördert?
Normalerweise bin ich gegen staatlichen Subventionen, da hier grundsätzlich eine Mehrheit für eine Miderheit etwas finanziert und meist der "Gegenwert" in relation zu dem Erbrachten nicht stimmt.
Dies sieht man bei wirtschaftlichen Subventionen als auch bei Subventionen anderer Art!
:cool
andreas (05.08.2006, 17:59): Ja, da kann ich dir recht geben.
Aber das fatale ist, doch, dass der Konzertbetrieb nur künstlich noch am Leben gehalten wird und ohne Subv. krepieren würde. man würde viele Opern und Konzerthäuser innerhalb von wenigen Jahren schließen oder andersweitig nutzen. Die Klassik ist heute ein im Kommaliegender, der nur mit größten Aufwand am Leben gehalten wird, nur wann wird der kranke erwachen?
Wann wird ein Ruck durch D. gehen?, wie es ...gesagt hat.
Wann wird der Retter kommen?
Janina (14.08.2006, 23:02): Ehm, Andreas, hattest du an Lang Lang nicht den Pathos kritisiert...? :haha
Normalerweise bin ich gegen staatlichen Subventionen, da hier grundsätzlich eine Mehrheit für eine Miderheit etwas finanziert und meist der "Gegenwert" in relation zu dem Erbrachten nicht stimmt. Das ist ja eine sehr löbliche demokratische Ansicht, aber denk das mal zuende: Wenns danach ginge müssten wir wirklich Fußballstadien subventionieren, wie irgendein Journalst mal provokativ gefordert hat. Ohne Subventionen am Opernhaus, würde jede Spielzeit Zauberflöte und Carmen laufen. Wer will das sehen? :)
AcomA (14.08.2006, 23:08): hallo,
es gibt vielleicht drei dinge, welcher ein fortschrittlicher staat mit großem bruttosozialprodukt subventionieren sollte ! dazu stehe ich:
gesundheit, kultur, wissenschaft !
stattdessen sollte die menschheit irgendwann dazu kommen, weniger in das militärwesen zu investieren.
gruß, siamak
Rachmaninov (15.08.2006, 07:43): Original von Janina Wenns danach ginge müssten wir wirklich Fußballstadien subventionieren, wie irgendein Journalst mal provokativ gefordert hat.
Sicher nicht auch wenn im Gegensatz zu Konzerten und Opern die BL an jedem Wochenende von fast 300000 Menschen im Stadion gesehen wird.
Ohne Subventionen am Opernhaus, würde jede Spielzeit Zauberflöte und Carmen laufen. Wer will das sehen? :)
Sicherlich ich nicht, aber wenn das ohne Subventionen so wäre, dann gäbe es wohl dafür eine gewisses Publikum, das dies gerne sehen würde!
Jack Bristow (15.08.2006, 11:45): Original von andreas Ja, da kann ich dir recht geben.
Aber das fatale ist, doch, dass der Konzertbetrieb nur künstlich noch am Leben gehalten wird und ohne Subv. krepieren würde. man würde viele Opern und Konzerthäuser innerhalb von wenigen Jahren schließen oder andersweitig nutzen. Die Klassik ist heute ein im Kommaliegender, ?
Wie kommst Du auf die Idee, dass Subventionen von Kultur eine "künstliche" Lebenserhaltung wären? Von einigen sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, mußte sich Kultur nie auf einem "freien Markt" bewähren, sondern wurde subventioniert. Das ist also der Normalfal, kein kritischer Grenzfall. In früheren weniger demokratischen Zeiten, geschah diese Subvention eben durch Kirche und Adel (u. heute etwa in den USA durch einige Superreiche). Die Idee, dass anspruchsvolle Kultur sich rechnen müßte, ist ungefähr so bizarr, wie zu verlangen, dass sich Archäologie oder Teilchenphysik rechnen müßten. Tun sie auch nicht. Denn noch sind wir der Meinung, dass es sinnvoll ist, diese Tätigkeiten öffentlich zu finanzieren (Subvention ist hier m.E. der falsche Begriff, eben weil es ein ganz falscher Ansatz ist, zu glauben solche Dinge müßten sich ökonomisch lohnen)
BTW: Fußballstadien werden selbstverständlich subventioniert, besonders bei solchen Gelegenheiten wie WM zu Gast bei Freunden und das nicht zu knapp...
viele Grüße
J. Bristow
andreas (15.08.2006, 13:41): Hallo alle miteinander, ich möchte einiges richtigstellen, denn ich werde hier etwas missverstanden (was zum Teil daran liegt, dass die Texte in besonderen Stunden und in grosser Eile verfasst wurden)
zu dir janina: du hast geschrieben: Zitat:
Ehm, Andreas, hattest du an Lang Lang nicht den Pathos kritisiert...? da hast du ganz recht: viele meiner Texte sind schwülstig und pathetisch, weil ich meine Unzufriedenheit zum Ausdruck brungen möchte. Ich denke nämlich, dass die Lage tatsächlich bedrohlich ist und es in 10 Jahren viele Orchester (vor allem kleinere, in der Provinz gelegene) nicht mehr geben wird...Gelegentlich halte ich es für angemessen in vollem Eifer und Pathos für das zu kämpfen, was unterzugehen droht.
-
dann hat aComa geschrieben:
hallo,
es gibt vielleicht drei dinge, welcher ein fortschrittlicher staat mit großem bruttosozialprodukt subventionieren sollte ! dazu stehe ich:
gesundheit, kultur, wissenschaft !
stattdessen sollte die menschheit irgendwann dazu kommen, weniger in das militärwesen zu investieren.
Ich teile mit dir die Ansicht, dass der Staat unbedingt die Künste fördern sollte, neben Wissenschaft und gesundheit. Es ist unerlässlich für einen Staat, wenn er ein bestimmtes zivilisatorisches Niveau erreicht hat, dass der Staat, auch wenn sie nichts einbringen, das kulturelle Erbe pflegt, denn dieses Erbe ist doch eigentliche Identität eines Landes/eines Volkes. Wenn man das Erbe vergisst, dann sind plötzlich für einege jahre oder Jahrzehnte Elvis oder EmiNeM, oder P.Diddy, der von MTV als einer der "grössten Künstler aller zeiten" bezeichnet wurde, die Idole. die Kids glauben das, wenn sie aber schon einmal in der Oper ,Theater etc. waren, würde sie nicht so leichtgläubig den Moden der Zeit folgen.
andreas (15.08.2006, 13:53): Ich möchte noch klarstellen, was ich meinte mit der Formulierung "künstlich am leben halten" meinte: ich meine damit, dass der Opern- Konzertbetrieb nicht aus eigener Kraft, also nicht aus sich heraus existieren und seinen Fortbestand sichern kann: er ist ein Kommapatient, auf dessen gesundheitliche besserung man hofft. Konkret heißt das: jeder Besuch in der Oper, im Konzerthaus (mit Ausnahmen) wird mit vielen Euros subventioniert. Wir zahlen einen Betrag und den gleichen betrag zahlt womöglich der Staat dazu, besonders Studenten wie zahlen fast nichts (5 -10 Euro meistens) aber: es sind dort keine Jugendlichen zu sehen, und das Abonnentenpublikum kann sich kaum noch ohne Gehhilfe bewegen (wobei ich nichts gegen alte menschen habe)
Ich bin für Subventionen, ich finde, dass ein verantwortungsbewußter Staat Kultur fördern sollte, aber nicht zu sehr (mit viel geld). Wichtiger noch ist die kulturelle Bildung in der Schule und im Elternhaus: wenn man die Kinder früh an Hochkultur heranführt, Interesse weckt...dann würden mehr menschen in die Oper gehen und auch mehr, viel mehr geld für eine karte zahlen und Subventionen wären nicht sooo wichtig.
mit freundlichen grüßen- Andreas
Rachmaninov (15.08.2006, 14:15): Original von andreas auf dessen gesundheitliche besserung man hofft.
Wer hofft den da konkret?
es sind dort keine Jugendlichen zu sehen, und das Abonnentenpublikum kann sich kaum noch ohne Gehhilfe bewegen (wobei ich nichts gegen alte menschen habe)
Dir empfehle ich ernsthaft einmal in ein Konzert zu gehen statt nur wilde Spekulationen über das Publikum zu formuliern!
Wichtiger noch ist die kulturelle Bildung in der Schule und im Elternhaus: wenn man die Kinder früh an Hochkultur heranführt, Interesse weckt...dann würden mehr menschen in die Oper gehen und auch mehr, viel mehr geld für eine karte zahlen und Subventionen wären nicht sooo wichtig.
Oh, wer entscheidet denn was "Hochkultur" ist? Du, weil Dir zufällig eine Oper gefällt? Vielleicht sieht ein leidenschaftlicher Kinobesucher das deutlich anders und empfindet die Darbietung im Kino als zeitgemäß und kulturelwertvoll? Mal so als These!
andreas (15.08.2006, 14:45): Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ich mich über provinzielle Opern- und Konzerthäuser äußere. Ich wohne in der Provinz und gehe hier in Konzerte...
Der größte Teil der Deutschen lebt auf dem Land oder in kleinen Städten: nur ein vergleichsweise geringer teil lebt in Großstädten und noch ein kleiner in (kulturellen) Metroploen.
Die glücklichen Berliner und Münchener dürfen sich freuen über volle Häuser und große Bühnen...aber die Provinz, da wo sich nur unbedeutende Orchester spielen und schwache Sänger singen, in der Provinz also kann man nicht mehr von einem lebendigen Kulturleben sprechen. Ich wohne in Bielefeld und bin die schlechten Theaterinsz. und Konzerte satt , bei denen man sich langweilt und die Reihen trotz niedriger preise nemals gefüllt sind.
@ Rachmaninov Es ist schön, dass wir niemals einer Meinung sind.
Rachmaninov (15.08.2006, 16:01): Original von andreas @ Rachmaninov Es ist schön, dass wir niemals einer Meinung sind.
Und auch in diesem Punkt sind wie nicht einer Meinug!
Bitte schaue Dir mal im Mitgliederberich an wie das mit den Zitaten geht. Es ist dort erklärt und macht die Postings übersichtlicher.
R
Telramund (15.08.2006, 16:27): Original von andreas
Die glücklichen Berliner und Münchener dürfen sich freuen über volle Häuser und große Bühnen...aber die Provinz, da wo sich nur unbedeutende Orchester spielen und schwache Sänger singen, in der Provinz also kann man nicht mehr von einem lebendigen Kulturleben sprechen. Ich wohne in Bielefeld und bin die schlechten Theaterinsz. und Konzerte satt , bei denen man sich langweilt und die Reihen trotz niedriger preise nemals gefüllt sind.
Kannst du das Vorurteil belegen oder schließt du pauschal von Bielefeld auf die gesamte "Provinz"?
Ich habe wahrscheinlich nicht deine allumfassende Kenntnisse der deutschen Musikszene, aber ich habe in Berlin und München lausigste Gesangsleistungen "großer Stars" erlebt, die sich kein angeblich "schwacher Sänger" in der "Provinz" erlauben dürfte.
Gerade die "Provinz" ist es, die ein spannendes Kulturleben garantiert. Oder meinst du etwa ernsthaft, daß jedem Regisseur, Dirigent oder Sänger eine Karriere an der Met, Scala oder Staatsoper unter den Linden in die Wiege gelegt wird?
Rachmaninov (15.08.2006, 17:21): Original von Telramund Gerade die "Provinz" ist es, die ein spannendes Kulturleben garantiert. Oder meinst du etwa ernsthaft, daß jeder Regisseur, Dirigent oder Sänger eine Karriere an der Met, Scala oder Staatsoper unter den Linden in die Wiege gelegt wird?
@Telramund,
schön das Du genau das ansprichst! Das erinnert mich an eine Reportage an David Oistrach. Da wurde eine Ansammlung von Häusern (offziell wurde es als Dorf bezeichnet) gezeigt. In eimem dieser Häuser began die Weltkarriere D. Oistrachs.
:wink
Telramund (15.08.2006, 19:09): Ja, Rachmaninov, Oistrach ist ein Beispiel.
Es gibt noch tausend andere, die belegen, daß "Provinz nicht gleich schlecht" ist. Zum Beispiel die Bamberger Symphoniker, die vielen Festspiele auf dem Lande (z.B. Schleswig-Holstein-Musik-Festival, wo sich ein Svjatoslav Richter nicht zu schade war, in einem ehemaligen Kuhstall zu spielen), ein "Ring" Zyklus mit der Badischen Staatskapelle unter Günter Neuhold (erschienen bei "Brilliant) oder der neue Naxos-Zyklus aus Stuttgart unter Lothar Zagrosek, für die ich eine hochgezüchtete Produktion von der Met und James Levine sofort stehen lasse usw.
Hoffen wir, daß andreas bald über einen Führerschein verfügt, damit er die schöne und interessante Musikwelt in der "Provinz" kennen lernen kann. :ignore Wie sagte schon Goethe so schön: Reisen bildet. ;)
Rachmaninov (16.08.2006, 12:28): Original von Telramund ...... die schöne und interessante Musikwelt in der "Provinz" kennen lernen kann. :ignore Wie sagte schon Goethe so schön: Reisen bildet. ;)
Wie man an dem Bericht von Walter sehen kann ist dies ja auch durchaus in der Provinz möglich!