Warum die Oper albern ist: hatte Oskar Bie doch recht?
Solitaire (20.05.2008, 15:22): Mir ist heute ketzerisch zumute, deshalb habe ich überlegt, ob die Opernhasser nicht vielleicht doch recht haben, und unsereins einfach bescheuert ist. Gründe das anzunehmen gibt es viele:
Da sind zunächst einmal die Albernheiten der Handlung: Selbst wenn man unterstellt, daß es etwas völlig normales ist, daß sich Leute singend unterhalten, und daß sie das auch noch mit einem Dolch im Leib, einer Kugel in der Brust und schwindsüchtigen Lungen tun, selbst dann gibt es auf einer Opernbühne noch genug Ungereimtheiten, Albernheiten und logische Fehler, um alles was damit zu tun hat, für völlig plemplem zu halten. Ein wichtiger Operngrundsatz lautet wie wir wissen: kein Mann erkennt seine Ehefrau, Geliebte, Feindin etc. , wenn sie einen Schleier oder eine Maske oder eine Perücke trägt. Ganze Opern- und Operettenplots basieren auf diesem Grundsatz. Wir befinden uns in der Oper „Ein Maskenball“ von Giuseppe Verdi. Amelia ist mit Renato verheiratet, aber seit geraumer Zeit verliebt in den schönen und edlen Riccardo. Das geht soweit in Ordnung, ist eine durchaus realistische Situation, in die unsereins auch kommen kann. Man trifft sich mehr oder weniger zufällig zur Mitternacht an der örtlichen Hinrichtungsstätte. Auch das mag man noch hinnehmen, auchwenn mir wohl eher ein Eiskaffee lieber wäre, aber gut, ich bin ja auch nicht Montserrat Caballè und um mich freit nicht Luciano Pavarotti. (Was durchaus sein gutes hat) Nun gut, es folgt das obligatorische absingen eines Liebesduetts, sowie die gegenseitige Versicherung, man könne das nicht tun was man so gerne tun will, weil... Die Musik ist wunderschön, Verdi zeigt sich wieder einmal als Hexenmeister, der alle Tricks kennt. Aber dann: Renato, der Gatte, erscheint auf der Bildfläche, Amelia zieht ihren Schleier vor das Gesicht, und jetzt wird’s albern. Riccardo hat nämlich eine ganz tolle Idee: er bittet Renato die „unbekannte Dame“ heim zu geleiten, ohne ihren Schleier zu lüften oder nach ihrem Namen zu fragen. Glaubt Riccardo wirklich, Renato würde die eigene Gattin nicht erkennen, nur weil sie eine Gardine vor dem Gesicht hat? Er glaubt es, und er hat recht damit. Renato erkennt Amelia erst, als der Schleier, welch Zufall, verrutscht. (Womit das Unheil seinen Lauf nimmt, aber das gehört hier nicht hin). Was ich mich immer frage: selbst wenn es geglückt wäre, wie hätte sich Amelia verhalten sollen, um ihrem Begleiter zu erklären, daß sie im selben Haus wohnt wie er ? Dummheit über Dummheit. Nach diesem Prinzip funktionieren unter anderem auch Don Giovanni (der erkennt die Frau die er fast vergewaltigt und deren Vater er gemeuchelt hat nicht weil sie eine Maske trägt, vielleicht tut er auch nur so, wer weß. SIE jedenfalls erkennt ihn lange zeit tatsächlich nicht) und „Die Fledermaus“ (Ehemann baggert den ganzen Abend auf einem Fest die eigene Gattin an ohne sie zu erkennen, nur weil sie sich eine Perücke, eine Halbmaske und einen albernen ungarischen Akzent zugelegt hat). Lernziel: Männer können wohl doch nicht so gut gucken, wie böse Zungen immer behaupten.
Es gibt noch einen zweiten ehernen Operngrundsatz. Dieser besagt: kein Mann erkennt einen Jüngling als Jüngling, wenn dieser in einem Kleid steckt. Er wird ihn immer für ein hübsches junges Mädchen halten und tun, was man mit hübschen jungen Mädchen tut: anbaggern. Graf Almaviva ist in „Die Hochzeit des Figaro“ vom Wolfgang Amadeus Mozart eifersüchtig auf den 17jährigen Cherubino, der soeben die Erotik entdeckt und sich glühend in des Grafen Gattin verliebt hat. Als Cherubino plötzlich ein Kleid am Leib, eine alberne Haube auf dem Kopf und ein Blumensträußchen in der Hand trägt, ist Alamviva sofort überzeugt, ein junges Mädchen vor sich zu haben. Ganz ähnliches passiert in „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauß. Besonders knifflig wird’s in solchen Fällen dadurch, daß wir hier eine Frau haben, die einen Mann spielt, der eine Frau spielt.
Auch in der Oper „La Traviata“ können wir eine Lektion für’s Leben lernen, denn die Oper hat mehr zu bieten als wunderschöne Musik und eine zu Herzen gehende Handlung. Die Lektion lautet: wenn man es nur konsequent genug vermeidet nachzudenken und eins und eins zusammenzuzählen, stehen die Chancen gut, daß auch die harmonischste Liebesbeziehung in Leid und Chaos endet. Alfredo Germont ist in vieler Hinsicht einer der sympathischsten aller Verdi-Helden. Weder ist er ein zynischer Verführer wie der Herzog von Manua (Rigoletto), noch ist er ein Feldherr und damit Kriegstreiber wie Radames (Aida). Aber seien wir ehrlich: ein bißchen deppert ist er schon.
Wieso das so ist, habe och im Traviata-Thema bereits geschildert, aber um den Ernst der Lage zu demonstrieren, will ich mich hier nochmal selbst zitieren: Alfredo betritt zu Beginn des 2. Akts die Bühne und teilt uns via Arie mit, daß alles ganz wunderbar ist: vor drei Monaten hat Violetta ihr Kurtisanenleben für ihn aufgegeben, sie lebt mit ihm und für ihn. Ihn kümmert es einen Dreck, wie sie vorher gelebt und womit sie ihr Geld verdient hat (unter anderem das macht ihn so sympathisch) und überhaupt: das Leben ist schön. Dann eilt er, mal mit, mal ohne Stretta, davon, finanzielles Ungemach vom Paradies abzuwenden. Einige Stunden später kehrt er zurück, findet seine Liebste in Tränen und einem hysterischen Anfall nahe. Sie schreibt einen Brief, an ihn, wie sie sagt, will ihn ihm aber nicht zeigen. Dann macht sie ihm das glühendste, erschütterndste Liebesgeständnis, das je ein Komponist ersonnen hat und jeden im Publikum um den Rest seiner Fassung und sein Abendmake-Up bringt. Sie fleht ihn an, sie immer, immer, immer zu lieben und rennt weinend weg. Keine 10 Minuten später bekommt Alfredo einen Brief, in dem sie ihm mitteilt „Alles ist aus“. In dem Moment steht, huch!, der Herr Papa in der Tür und scheint zu wissen was los ist, ohne erst fragen zu müssen. Also ich tät mich da ja schon wundern. Nicht so Freund Alfredo. Für ihn ist klar: „Die Alte hat mich verlassen“. Was dann passiert ist bekannt. Mit Hinsetzen und nachdenken hätte da viel Elend vermieden werden können.
Überhaupt die Männer: Nemorino ist in Adina verliebt. Er erwirbt einen Trank, den er für einen Liebestrank hält und leert die Flasche in einem Zug. Schmeckt gut das Zeug, und das ist auch kein Wunder, da es sich um Rotwein handelt. Nemorino aber wird ganz feurig zumute, er ist voller Zuversicht, daß Adina ihn lieben wird, ihm einfach nicht widerstehen kann. Auch das ist in Ordnung, wenn ich besoffen bin, glaube ich auch manchmal, ich sei schön wie Greta Garbo, könne singen wie Maria Callas und jeder Mann sieht aus wie Johnny Depp. Alles okay, nur: ich WEIß, dann daß ich besoffen bin. Nemorino hält das für die Wirkung eines Liebestranks. Der Mann ist mindestens 25, war der noch nie blau? Wenn nein: was für ein Langweiler. Memo an moderne Regisseure: laßt das ganze im Amerika der Prohibition spielen, da könnte das sogar Sinn machen!
Wenn zwei Leute es in einer Oper besonders eilig haben, weil aus irgendeinem Grunde die Zeit drängt, es also pressiert, wie die Österreicher sagen, kann sich der erfahrene Zuschauer gemütlich zurücklehnen, denn er weiß: bis zum Pausensekt wird es noch dauern. Jetzt wird erst einmal ausführlich besungen, wie eilig man es doch hat, dieses oder jenes zu tun. Prominentestes Beispiel ist mal wieder eine Verdioper: in „Rigoletto“ stellt der schurkische Herzog von Mantua alles mögliche an, um die liebreizende, jungfräuliche Gilda, Tochter seines Hofnarren, in die herzoglichen Laken zu bekommen. Er singt viel von Liebe die „die Sonne der Seele“ ist und gibt sich für einen armen Studenten aus, denn er weiß: auf nix stehen Mädchen in einem bestimmten Alter mehr, als auf arme aber hübsche Studenten. Das war bei mir nicht anders, das nur am Rande. Kurz vor dem Ziel taucht plötzlich der Vater des Mädchens auf. Gilda und der Herzog haben beide gute Gründe, die Geschichte vor Rigoletto zu verheimlichen und täten gut daran, sich mit einem „Mach’s gut, bis später!“ zu verabschieden. Aber nein. Während Papa Rigoletto immer näher kommt singen unsere beiden. Was sie singen? „Addio, addio, addio...“ Ich habe mir die Mühe gemacht und mitgezählt: sie bringen es auf nahezu 30 “Addios”. Das ist schlichtweg albern und manche Regisseure nehmen es dann auch von der komischen Seite und inszenieren die Szene genauso: Giovanna, Gildas Dienerin, wird auf die Bühne geschickt, da hat sie zwar nix zu singen, aber sie versucht, Gilda und den Herzog, die sich aufführen wie junge Hunde, voneinander zu trennen, was natürlich misslingt. Immer wieder fallen sie einander in die Arme und schmettern sich weitere addios entgegen. Richtig inszeniert ist das einer der wenigen heiteren Momente in einer sonst tragischen Oper.
Neben solchen seltsamen Handlungsverläufen gibt es in der Oper aber natürlich auch ab und zu albernes Zubehör: allem voran der legendäre Schwan der den „Nachen“ (das ist wohl ein Boot nehme ich an, ich bin ja bei Wagner noch nicht so bewandert) zieht, in dem Lohengrin zum erstenmal erscheint. Ich bedaure es sehr, daß er heute oft weggelassen wird, so ein Schwan ist doch hübsch anzuschauen und Lohengrins Worte „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!“ machen nun mal keinen Sinn, wenn da statt eines Schwans ein Taxi vorfährt. Dennoch, ein bißchen albern ist das Federvieh schon, Mythos hin oder her. Ich würde ihn gerne mal in der Version von Carl Orff probieren: gebraten und am Spieß. :D
Wenn ich weiter darüber nachdenke, fallen mir bestimmt noch mehr Gründe ein, warum ein vernunftbegabter Mensch die Oper meiden sollte, wie der Teufel das Weihwasser, und wenn sie mir eingefallen sind, werde ich sie nennen. Aber schön ist sie doch, die Oper.
Cosima (20.05.2008, 16:58): Original von Solitaire Ich bedaure es sehr, daß er heute oft weggelassen wird, so ein Schwan ist doch hübsch anzuschauen und Lohengrins Worte „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!“ machen nun mal keinen Sinn, wenn da statt eines Schwans ein Taxi vorfährt.
:rofl :rofl :rofl
Wenn ich weiter darüber nachdenke, fallen mir bestimmt noch mehr Gründe ein, warum ein vernunftbegabter Mensch die Oper meiden sollte, wie der Teufel das Weihwasser, und wenn sie mir eingefallen sind, werde ich sie nennen.
Nur zu! :hello
Gruß, Cosima
Zelenka (20.05.2008, 18:05): Original von Solitaire
Neben solchen seltsamen Handlungsverläufen gibt es in der Oper aber natürlich auch ab und zu albernes Zubehör: allem voran der legendäre Schwan der den „Nachen“ (das ist wohl ein Boot nehme ich an, ich bin ja bei Wagner noch nicht so bewandert) zieht, in dem Lohengrin zum erstenmal erscheint. Ich bedaure es sehr, daß er heute oft weggelassen wird, so ein Schwan ist doch hübsch anzuschauen und Lohengrins Worte „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!“ machen nun mal keinen Sinn, wenn da statt eines Schwans ein Taxi vorfährt. Dennoch, ein bißchen albern ist das Federvieh schon, Mythos hin oder her. Ich würde ihn gerne mal in der Version von Carl Orff probieren: gebraten und am Spieß. :D
Liebe Solitaire:
Die Ketzereien sind Dir sehr gut gelungen! Und ein Schwan ist wirklich unverzichtbar im "Lohengrin", allein schon wegen Leo Slezaks alter, aber einfach unvergeßlicher Anekdote. (Als er den Schwan auf der Bühne verpaßt, fragt er aus dem Stegreif "Wann geht der nächste Schwan?")
Gruß, Zelenka
Solitaire (21.05.2008, 07:49): Oh, danke für die Blumen :) Und ich LIEBE die Anekdote mit dem Schwan :J
HenningKolf (21.05.2008, 08:39): Vielleicht der Grund dass ich mehr Sampler mit diversen Arien besitze und kaum Operngesamtaufnahmen....da wird zum Inhalt nichts erklärt, italienisch, spanisch und russisch spreche ich nicht, französisch nur leidlich ( :ignore)
La Sonnambula fällt mir noch ein.....Schlafwandlerinnen die ein Licht in der Hand halten damit sie beim Schlafwandeln besser sehen und nicht stolpern wenn sie fremde Kammern betreten sind außerhalb Bellinis Gedankenwelt vermutlich eher selten anzutreffen... Früher war ich auch der Überzeugung dass man beim Schlafwandeln prinzipiell nicht singe, aber neulich habe ich beim Zappen einige Minuten bei DSDS zugebracht und denke dass muss ein ähnliches Phänomen gewesen sein weil bei wachem Verstand niemand sich trauen würde mit derartigem Gesang an die Öffentlichkeit zu treten.........
Gruß Henning
Cetay (inaktiv) (21.05.2008, 09:27): @ Solitaire
Vielen Dank für diesen amüsanten Beitrag. Ich fühle mich dadurch bestärkt in meiner Haltung, den meisten Opern ein -sagen wir es mal vorsichtig- gewisses Befremden entgegen zu bringen. :D Die Krönung dabei ist ja noch, dass man sich an manchen Orten diese "bescheuerten Albernheiten" nur dann ansehen und -hören darf, wenn man sich mit seiner Garderobe nach aussen hin besonders seriös und kultiviert gibt.
Travi (27.05.2008, 16:40): Original von Solitaire
Neben solchen seltsamen Handlungsverläufen gibt es in der Oper aber natürlich auch ab und zu albernes Zubehör: allem voran der legendäre Schwan der den „Nachen“ (das ist wohl ein Boot nehme ich an, ich bin ja bei Wagner noch nicht so bewandert) zieht, in dem Lohengrin zum erstenmal erscheint. Ich bedaure es sehr, daß er heute oft weggelassen wird, so ein Schwan ist doch hübsch anzuschauen und Lohengrins Worte „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!“ machen nun mal keinen Sinn, wenn da statt eines Schwans ein Taxi vorfährt.
Aber schön ist sie doch, die Oper.
Liebe Solitaire,
da ich eine große Schwäche für Albernheiten, Ketzereien und andere Despektierlichkeiten habe, gefällt mir Dein Betrag natürlich ausnehmend gut. Aber wie kommt es bloß, dass ich nun dauernd ein schwarzes Taxi mit weißer Aufschrift ("SCHWAN") vor meinem geistigen Auge sehe...
:haha
Travi (albern)
Jimi (27.05.2008, 17:17): Original von Solitaire
Ich bedaure es sehr, daß er heute oft weggelassen wird, so ein Schwan ist doch hübsch anzuschauen und Lohengrins Worte „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!“ machen nun mal keinen Sinn, wenn da statt eines Schwans ein Taxi vorfährt.
Hallo Solitaire,
das Problem kann man in den Griff bekommen:
1. Die Handlung wird kurzerhand an die Tanke verlegt(Telramund ist der Tankwart, Ortrud sitzt an der Kasse :D)
2. Dann noch eine kleine Textänderung und schon kann das Taxi weiterfahren:" Nun sei betankt mein lieber Schwan" :ignore :W
:hello Jimi(heute auch etwas albern)
Solitaire (27.05.2008, 19:39): Original von Travi Aber wie kommt es bloß, dass ich nun dauernd ein schwarzes Taxi mit weißer Aufschrift ("SCHWAN") vor meinem geistigen Auge sehe...
:haha
Oder auch: "Gebr. Schwan Transport GmbH" :D Original von Jimi " Nun sei betankt mein lieber Schwan" :rofl :rofl :rofl
Travi (28.05.2008, 10:24): "Gottfried Schwan und Söhne" wäre doch auch nett, oder? Ein jovial- schulterklopfendes "Dankeschön, mein lieber Schwan" fände ich da absolut vorstellbar...
:D
Travi (immer noch albern)
ab (28.05.2008, 11:00): Original von Zelenka Und ein Schwan ist wirklich unverzichtbar im "Lohengrin"
Gut, dass ich Lohengin noch nie in der Oper sehen musste - mir schwant übles, wenn ich von all den Inszenierungsvorschlägen lese....
satie (28.05.2008, 11:03): Original von ab Original von Zelenka Und ein Schwan ist wirklich unverzichtbar im "Lohengrin"
Gut, dass ich Lohengin noch nie in der Oper sehen musste - mir schwant übles, wenn ich von all den Inszenierungsvorschlägen lese....
:J
Travi (28.05.2008, 11:57): Original von Satie Original von ab Original von Zelenka Und ein Schwan ist wirklich unverzichtbar im "Lohengrin"
Gut, dass ich Lohengin noch nie in der Oper sehen musste - mir schwant übles, wenn ich von all den Inszenierungsvorschlägen lese....
:J
:D
Solitaire (28.05.2008, 13:04): Original von Travi "Gottfried Schwan und Söhne" wäre doch auch nett, oder? Ein jovial- schulterklopfendes "Dankeschön, mein lieber Schwan" fände ich da absolut vorstellbar...
:D
Travi (immer noch albern) Oder man beläßt es bei einem echten Schwan, der ist dann aber eine Schwanendame und heißt Gesine. Aus Ortrud wird eine Hosenrolle: ein Köhler, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Gesine auf dem Grill mit der von ihm produzierten Holzkohle zum Hochzeitsmahl zu verarbeiten :D
LadyMacbeth (29.05.2008, 12:41): Ach Solitaire, Du hast sooooo recht !
Ich bin einfach 'mal so frei und füge Deinen göttlichen Lästereien noch ein paar hinzu:
Die Heldin ist eine zum Sterben schöne Frau bzw. der Held ein zum Sterben schöner Mann, selbst wenn er/sie vier Zentner auf die Waage bringt und bei jedem Schritt die Bühne wackelt :rofl
Die furchterregende Schlange, die Tamino (in der "Zauberflöte") in die Bewußtlosigkeit treibt (typisch Mann, eine Frau würde wahrscheinlich den Staubsauger holen und das Vieh mit 800 W in den Beutel entsorgen) ist auch schon einmal ein grünes Nylonband oder aber die Bühne ist stockfinster und das geneigte Publikum darf sich die Schlange denken :wink
Ebenso unbeliebt bei Opernregisseuren wie der Schwan im "Lohnengrin" ist das Wildschwein im "Freischütz". Der Trick mit der finsteren Bühne wird dort besonders gerne angewandt. Bei Tierdarstellung in der Oper gilt ohnehin der alte, hessische Grundsatz: "Wie mer's mäscht, mer mäscht's verkehrt" :rofl
Solitaire (30.05.2008, 10:35): :coolOriginal von LadyMacbeth
Die furchterregende Schlange, die Tamino (in der "Zauberflöte") in die Bewußtlosigkeit treibt (typisch Mann, eine Frau würde wahrscheinlich den Staubsauger holen und das Vieh mit 800 W in den Beutel entsorgen) l :rofl :rofl :rofl Es sind dann ja auch Frauen, die Tamino retten :D Dafür verzeihe ich Mozart auch sein "Ein WEib tut wenig, plaudert viel"
ab (30.05.2008, 11:18): à propos Oscar Bie: Ist sein Buch "Die Oper" inzwischen wieder aufgelegt worden? :hello
Solitaire (30.05.2008, 11:39): Ich fürchte nein. Die Deutsche Nationalbibliothek listet nur alte Ausgaben. Allerdings ist es übers Antiquariat zu haben, wobei die Preise variieren: von 25,- bis 160,- ist alles dabei. Kuckst du hier
ab (30.05.2008, 12:06): Original von Solitaire Ich fürchte nein.
Die Pieper-Ausgabe von 1988 scheint die letzte gewesen zu sein. Erstaunlich X(
Rachmaninov (12.08.2008, 12:38): Original von Solitaire Auch in der Oper „La Traviata“ können wir eine Lektion für’s Leben lernen, denn die Oper hat mehr zu bieten als wunderschöne Musik und eine zu Herzen gehende Handlung. Die Lektion lautet: wenn man es nur konsequent genug vermeidet nachzudenken und eins und eins zusammenzuzählen, stehen die Chancen gut, daß auch die harmonischste Liebesbeziehung in Leid und Chaos endet. Alfredo Germont ist in vieler Hinsicht einer der sympathischsten aller Verdi-Helden. Weder ist er ein zynischer Verführer wie der Herzog von Manua (Rigoletto), noch ist er ein Feldherr und damit Kriegstreiber wie Radames (Aida). Aber seien wir ehrlich: ein bißchen deppert ist er schon.
@Solitaire,
interessant, aber wie oft erlebt man selber ähnliches im realen Leben? Wie oft denkt man, das muß "Der" / "Die" doch merken, das ist so offensichtlich, aber die betreffene Person ist blind. Das sind doch typische Dramen des Lebens, die Oper ist nicht albern, sondern zeigt sie vielleicht etwas vereinfacht im "Zeitraffer" auf.
Solitaire (12.08.2008, 21:41): Da hast du natürlich sehr recht! :D Würden die Leute gescheit nachdenken, kämen viele Tragödien gar nicht erst zustande und die meisten Arien blieben ungesungen. :cool Im übrigen ist die Oper wohl tatsächlich nicht unlogischer als das Leben selbst.
Rachmaninov (12.08.2008, 22:03): Original von Solitaire Da hast du natürlich sehr recht! :D Würden die Leute gescheit nachdenken, kämen viele Tragödien gar nicht erst zustande und die meisten Arien blieben ungesungen. :cool Im übrigen ist die Oper wohl tatsächlich nicht unlogischer als das Leben selbst.
Eben dachte ich so bei mir: Ganz großes KIno, die Oper wie das Leben. :cool
EinTon (27.08.2008, 22:46): Bei Lohengrin musste ich grinsen über die äußerst plakative Darstellung v. a. der beiden Frauengestalten:
Auf der einen Seite Elsa - sittsam, bescheiden und rein! Und auf der anderen Seite Ortrud als die bööööse, falsche Schlange! http://smiliestation.de/smileys/Teufel/12.gif
cellodil (02.09.2008, 08:52): Original von Rachmaninov Original von Solitaire Da hast du natürlich sehr recht! :D Würden die Leute gescheit nachdenken, kämen viele Tragödien gar nicht erst zustande und die meisten Arien blieben ungesungen. :cool Im übrigen ist die Oper wohl tatsächlich nicht unlogischer als das Leben selbst.
Eben dachte ich so bei mir: Ganz großes KIno, die Oper wie das Leben. :cool
... zum Glück müssen wir im wirklichen Leben in diesen Situationen eher selten singen, sondern dürfen in aller Ruhe (und zumeist auch mit wenig Publikum) über uns selbst den Kopf schütteln und uns mal wieder fragen, wie wir eigentlich so doof sein konnten...
... und im wirklichen Leben fallen die Tragödie und die Komödie ohnehin häufig in eins...
Ein wunderschöner Thread übrigens, liebe Solitaire!
Herzliche Grüße
Sabine
Solitaire (02.09.2008, 09:50): Original von cellodil
... und im wirklichen Leben fallen die Tragödie und die Komödie ohnehin häufig in eins
Wie war das noch? "Komödie ist Tragödie plus Zeit" :J Freut mich, wenn dir das Thema gefällt :)
cellodil (02.09.2008, 10:27): Original von Solitaire Wie war das noch? "Komödie ist Tragödie plus Zeit" :J
... auch hübsch!
Ich denke allerdings, dass das durchaus simultan sein kann, die Komödie und die Tragödie.
Herzliche Grüße
Sabine
Solitaire (05.09.2008, 17:45): Ich lege wert auf die Feststellung, daß ich fast alles was gleich folgt schon auf irgendeiner Opernbühne gesehen habe. Sei es im Theater, sei es vor dem Fernseher, sei es als Videoclip bei youtube. Nur das Wenigste ist meiner Phantasie entsprungen. Es sind also fremde Federn, mit denen ich mich hier schmücke.
Der kleine Mussbach oder: Regie führen leicht gemacht.
10 goldenen Regeln für Regisseure
Regel 1: Sorge dafür, daß das Bühnenbild möglichst wenig mit dem Ort zu tun hat an dem dein Stück spielt. Sorge auch dafür, daß es möglichst wenig mit der Zeit zu tun hat, in der es spielt. Lass zum Beispiel „La Traviata“ auf einer Autobahn oder Landstraße spielen und zwar vom ersten bis zum letzten Akt. Um die Situation abwechslungsreicher zu gestalten, kannst du es ab und zu regnen lassen. Das ist neu und innovativ und hat außerdem den Vorteil daß es niemandem auffällt, wenn deine Sänger grottenschlechte Darsteller sind. Jeder wird glauben, ihre unterirdische schauspielerische Leistung sei Teil deines Regiekonzeptes. Außerdem lenkt es wohltuend von der öden Musik ab, die nun wirklich langsam JEDER kennt. Vermeide hierbei jedoch dringend rote Sofas und große Bahnhofsuhren. Es könnte sein, daß es vereinzelt noch Zuschauer gibt, denen rote Sofas und sich darauf räkelnde Sopranistinnen gefallen und die die Bedeutung der Uhr verstehen. Merke: es ist NICHT deine Absicht, dem Publikum zu gefallen oder gar von ihm verstanden zu werden!
Regel 2: Ändere am besten ohnehin gleich die Zeit in der dein Stück spielt. Vor allem ,wenn du es mit einer Barockoper oder mit Mozart zu tun hast. Lass also „Figaro“ im Aufsichtsrat eines internationalen Großkonzerns spielen, und den Titelhelden die Maße des Brautbettes auf dem Laptop errechnen. Nur ein völlig hirnloser Idiot kann behaupten, daß des Grafen Absichten auf Susanna etwas völlig anderes sind, als die sexuelle Belästigung einer Sekretärin durch ihren Boss, und daß sich die gesellschaftlichen Spielregeln seit 1789 verändert haben. Lass daher Opern von Monteverdi bis einschließlich Mozart stets im 20. Jahrhundert spielen. „Siroe, Re di Persia“ macht sich zum Beispiel prächtig im bombenzerstörten modernen Bagdad und jeder wird dich für deinen Tabubruch und dein rigoroses politisches Statement loben! Sorge vor allem dafür, daß die „Zauberflöte“ endlich ihren unerträglichen Ruf einer Märchenoper los wird. Im übrigen sind abgeschlagene Köpfe immer für ein paar Schlagzeilen gut. Aber bitte nicht in „Andrea Chenier“, da gehören sie nun wirklich nicht hin. Besser eignen sich da Religionsstifter, kläre jedoch vorher mit deinem Intendanten/deiner Intendantin ab, ob die zu erwartenden Mehrkosten für deinen Personenschutz vom Budget des Hauses gedeckt werden können.
Regel 3: Denke an die Kostüme!!! Lass es nicht zu, daß Kostüme aus der Zeit in der das Stück spielt getragen werden. Sorge lieber dafür, zum Beispiel Scarpia und Nabucco in feschen SS-Uniformen herumlaufen. Das ist neu, das hatten wir noch nie, das sieht schneidig aus und überhaupt: irgendwo müssen die ganzen Dinger doch noch rumliegen... Außerdem lernt das Publikum etwas, was ihm ohne dich ewig verborgen geblieben wäre: daß es Gewalt und Tyrannei nicht nur in biblischen oder napoleonischen Zeiten gegeben hat und daß die Nazis böse Leute waren.
Regel 4: Wir leben in Zeiten der Verinselung, der Isolation, und der Kommunikationsunfähigkeit des Menschen. Dialoge sind out, der Trend geht zum Monolog. Deshalb: Lasse niemals, niemals, niemals! zu, daß Sopran und Tenor einander ansehen wenn sie miteinander singen, vor allem nicht bei Liebes- oder Sterbeszenen! Am besten sieht jeder in eine andere Richtung, wenn sie schon unbedingt in die gleiche Richtung schauen müssen, dann gleich zum Dirigenten! Das löst auch manches musikalische Problem.
Regel 5: Verhindere auch jeden Körperkontakt unter den Darstellern. (dies gilt wiederum insbesondere für Liebes- Abschieds- und Sterbeszenen!) . Ist Körperkontakt unvermeidlich, sollte es sich aber zumindest um eine Gewalt- oder derbe Sexszene handeln, am besten beides gleichzeitig. Es ist völlig gleichgültig, ob dies etwas mit der Handlung zu tun hat oder nicht. Wer hätte zum Bespiel dem ollen König Filippo eine Orgie zugetraut? Aber siehe da: eienr deiner Kollegen lässt ihn sich in den Armen irgendwelcher Sirenen winden während er „Sie hat mich nie geliebt !“ singt (wir haben hier auch gleich eine treffliche Erklärung, woran das wohl gelegen haben könnt). Lerne von ihm! Achte jedoch in solchen Fällen darauf, unbedingt unattraktive Sänger zu engagieren. Keinesfalls z.B. Anna Netrebko , Juan Diego Florez oder Erwin Schrott, sonst ist es keine Kunst sondern billig. Im übrigen: verzichte am besten ganz grundsätzlich darauf, Rolando Villazón zu engagieren, die meisten Zuschauer im Publikum (du weiß ja: hirnlose Idioten) sind ihm nach wie vor zugetan, und das letzte was du auf der Bühne gebrauchen kannst ist ein Sympathieträger. So etwas ist Anbiederung an den Publikumsgeschmack. DEIN ewiges Thema ist die Unfähigkeit des Menschen zur Kommunikation und zum Ausleben ihrer Emotionen, da ist einer wie er fehl am Platz.
Regel 6: Lass das Stück als Rückblende, als Erinnerung spielen. Das ist zwar nicht neu das hat Zeffirelli schon 1982 gemacht, aber in Katzenpfotenhausen an der Pimpel hat man das bestimmt noch nie gesehen!
Regel 7:Glaube mir, Puccini hat nicht gewußt was er tat, als er seinem größten Tenorschurken einige seiner schönsten und zärtlichsten musikalischen Einfälle in die Kehle gelegt hat. Du hast die Chance seinen Fehler zu korrigieren, nutze sie! Inszeniere also konsequent gegen die Musik. Lass Pinkerton in der Hochzeitsnacht brutal über Butterly herfallen, (siehe Regel 5!) anstatt sie charmant zu umwerben wie die Musik es behauptet. Pinkerton ist ein mieses Schwein, ein Sextourist, ein Vergewaltiger kleiner Japanerinnen. Glaube dem zärtlichen Werben in Puccinis Musik nicht! Glaube überhaupt niemals der Musik eines Komponisten. Du weißt es besser, vergiss das nie !
Regel 8:Glaube dem Textdichter noch weniger als dem Komponisten! Verändere die Handlung, Verändere vor allem mal den Schluß! Violetta und Alfredo sehen einander vor Violetta Tod wieder? Was für ein sentimentaler Müll! Lass sie Alfredos Rückkehr phantasieren, lass Alfredo in den Kulissen rumstehen und von dort sein „Parigi o cara“ trällern. am besten in irgendeinem albernen Karnevalskostüm. Ist ja gerade Fasching. Oder lass Violetta zur Abwechslung doch mal überleben. TB ist heute schließlich in den meisten Fällen heilbar. Du könntest natürlich auch behaupten, daß sie ihre Krankheit nur vorgetäuscht hat, um ihren Marktwert zu steigern. Du weist schon: eine Wahre, die nicht mehr lange auf dem Markt sein wird kann teurer verkauft werden....
Regel 9:Harte Drogen! Lass deine Opernfiguren illegale Substanzen konsumieren, je mehr und je verbotener desto besser! „Champagnerarie“? Vergiß es, wir sind hier nicht auf einem Kindergeburtstag. Der Don Giovanni von heute fixt wie weiland Christiane F. Auch Hoffmann hilft ein geballte Ladung Heroin wieder auf die Beine, wenn der Kampf mit den Dämonen der Hölle und den Tücken der Liebe zu ermüdend wird. Zu Violetta hingegen passt eher eine ordentliche Nase Koks, außerdem kann es nicht schaden, sie beim Duett mit Alfredo im ersten Akt sturzbesoffen in die Badewanne fallen zu lassen.(Wieso da eine Badewanne rumsteht? Du bist der Regisseur, du must nix erklären! Wenn die Zuschauer zu dämlich sind dich zu verstehen, ist das ihr Problem. außerdem willst du ja gar nicht daß...wir verstehen uns!) Lass Violetta am besten gleich an Drogen zugrunde gehen, TB ist wie erwähnt heute oft heilbar, da mußt du dir schon was besseres einfallen lassen um die Kameliendame (die du außerdem bitte in ein Supermodel verwandelst!) vom Leben zum Tode zu befördern. Falls die Darstellerin das mit dem koksen nicht so drauf hat, kannst du es ja nach der Probe in der Hotellobby mit ihr üben.
Regel 10: Lass nie zu, daß sich der Humor auf der Opernbühne breit macht. Wenn die Leute lachen bedeutet das meistens, daß sie etwas verstanden haben, und daß es ihnen gefällt. Das kannst du im Ernst nicht wollen!
Mime (05.09.2008, 18:13): Ergänzung zu Regel 1:
La Traviata spielt im Züricher Hauptbahnhof, wie Jedermann/Jedefrau demnächst auf Arte bewundern kann. Oder in Zürich daselbst.
:hello
EinTon (05.09.2008, 20:12): @Solitaire: Kennst Du schon folgendes?:
1) The director is the most important personality involved in the production. His vision must supercede the needs of the composer, librettist, singers and especially the audience, those overfed fools who want to be entertained and moved.
2) The second most important personality is the set designer.
3) Comedy is verboten, except when unintentional. Wit is for TV watching idiots.
4) Great acting is hyperintensity, with much rolling and the ground, groping the wall and sitting on a bare floor.
5) The audience’s attention must be on anything except the person who is singing. A solo aria, outmoded even in the last century, must be accompanied by extraneous characters expressing their angst in trivial ways near, on or about the person singing the aria.
6) Storytelling is anathema to the modern director, like realistic “photographic” painting is to the abstract painter. Don’t tell the story, COMMENT on it! Even better, UNDERMINE IT!
7) When singing high notes, the singer must be crumpled over, lying down or facing the back of the stage.
8 ) The music must stop once in a while for intense, obscure miming.
9) Sexual scenes must be charmless and aggressive. Rolling on the floor a must here.
10) Unmotivated homosexual behavior must be introduced a few times during the evening.
11) Happy endings are intellectually bankrupt. Play the opposite. Insert a sudden murder if at all possible.
12) Avoid entertaining the audience at all costs. If they boo, you have succeeded.
13) Rehearse it until it’s dead. Very important.
14) Any suggestion of the beauty and mystery of nature must be avoided at all costs! The set must be trivial, contemporary and decrepit! Don’t forget the fluorescent lights! (Klieg lights also acceptable.)
15) The audience must not know when to applaud or when the scene/act ends.
16) Historical atrocities such as the Holocaust or the AIDS epidemic must be incorporated and exploited as much as possible. Also the lifestyle of the audience must be mocked.
17) Colors are culinary. Black, white and gray only!
18 ) The chorus must be bald, sexless, faceless and in trench coats.
19) If the audience is bored, this is art.
20) Props are items of junk piled in a corner of the set. They must be overused pointlessly, then dropped on the floor, hopefully when the music is soft. Be careful to keep dangerous objects at the lip f the stage so the blindfolded dancers can kick them into the pit.
21) All asides must be sung next to the person who is not supposed to hear them.
22) The leading performers faces must be painted as a white mask to ensure no individuality or variety of expressions, as opera singers can’t act anyway. They just want to pose and make pretty sounds.
23) Preparation is important. Try to read the libretto in advance to make sure it doesn’t interfere with your staging ideas. Not much harm in listening to the CD once, though that’s not really your job.
24) Make the conductor feel useful, though he’s really a literal minded hack.
25) The stage director must avoid any idea that is not his own, though that idea will surely be on this list already.
26) A costume must serve at least two of the following criteria: a) Make the singer look unattractive b) Obscure his vision c) Make hearing the orchestra difficult d) Impede movement d) Contradict the period in which the opera is set (hardly worth mentioning)
27) Every once in a while, try to compensate for generating trash at the taxpayer's expense by producing an "opera for children." Nothing difficult here. Just have The Magic Flute performed around midafternoon by mediocre singers in an inappropriate setting, in a translocated staging, and by altering the story which you’ve determined is anything but suitable for children.
28) Hire your singers in the largest size possible, making every love scene look like a parody. Act surprised when no-one likes it, and afterwards declare in front of the press that contemporary audiences just don't connect with opera anymore, and that, further, more modernizing productions are needed.
Solitaire (05.09.2008, 20:54): @Ein Ton Nein, ich kannte es nicht, aber es soooo zutreffend :rofl :rofl :rofl :down :down :down Danke dafür! EDIT OT an Und sag mal: hat dein Nick etwas mit dem Lied von Peter Cornelius zu tun? Wenn ja, dann ist das ein sehr schöner Nick. Habe das Lied neulich im Konzert zum erstenmal gehört, habe sofort an dich gedacht. Der Text ist wunderbar. OT aus
EinTon (05.09.2008, 21:06): Hier eine frühere Diskussion über das Thema, unter Beteiligung einer Befürworterin "zeitgemäßer" Inszenierungen:
Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?
Auch Gvörgy Ligetis "Grand Macabre" blieb vom "Regietheater" (so heißt das Kind nämlich) noch zu Lebzeiten des Komponisten nicht verschont:
OT an Und sag mal: hat dein Nick etwas mit dem Lied von Peter Cornelius zu tun? Wenn ja, dann ist das ein sehr schöner Nick. Habe das Lied neulich im Konzert zum erstenmal gehört, habe sofort an dich gedacht. Der Text ist wunderbar. OT aus
Nö, das wurde inspiriert vom Clicks&Cuts- und Electrolabel raster-noton
Ursprünglich ist das mein "Künstlername" für mein kleines Synthesizer-Homerecording-Projekt. Ich wollte einen schlichten Namen haben, und wurde von der Selbstdefinition des Labels als "archiv für ton und nichtton" inspiriert - zwischen "Ton" und "Nichtton" war "EinTon" noch frei! :)
Das Lied kannte ich nicht, und unter dem Namen Peter Cornelius kannte ich bislang nur den gleichnamigen österreichischen Schlagersänger. Daher dachte ich eben schon, ich müsse meine Meinung von Dir ein wenig *nach unten* korrigieren, hielt ich Dich doch schon für eine Schlagerhörerin! :W
Solitaire (06.09.2008, 18:27): Ah, danke frü die Erklärung! Ich poste mal den Liedtext, wenn ich ihn finde. Und nein: Schlager im eigentlochen Sinne höre ich tatsächlich nicht (das "neue" Unterhaltungsalbum von Wunderlich mal abgesehen, aber der Mann veredelt ja ohnehin alles), obwohl ich eine geradezu kindische Vorliebe für Harry Belafonte nicht leugnen kann. Bei "Island in the sun" MUSS ich laut drehen. Erst heute Mittag kurz vor Feierabend wieder, als es in der Pförtnerloge lief und ich eigentlich schon los wollte. Ich finde den Mann genial :down
Solitaire (26.03.2010, 18:31): Der kleine Mussbach Teil 2. Regie führen für Fortgeschrittene
Ich gehe davon aus daß du, werter zukünftiger Starregisseur, den „Kleinen Mussbach Teil 1“ gewissenhaft studiert und durchgearbeitet hast und nun bereit für den Fortgeschrittenenkurs bist. Also Obacht!
Regel 1 Die ganze Welt ist ein Irrenhaus und alle mehr oder weniger wahnsinnig, daher ist es nur logisch und folgerichtig, daß du deine Opern ebenfalls in einem Irrenhaus spielen läßt. Am besten in einem Irrenhaus das mit der klinisch-sterilen Atmosphäre des 20. und dem medizinischen Ansatz des späten 18. Jahrhunderts aufwarten kann. Also: Zwangsjacken und sabbernde, sich in Krämpfen windende Protagonisten in gekachelten grellweißen Räumen. Von Traviata bis Zauberflöte eignet sich fast jede Oper dafür, schließlich wimmelt es in Opern vor Menschen mit ernstzunehmender Persönlichkeitsstörung:
Hoffmann, der sich um Sinn und Verstand säuft, überall Dämonen und Teufel wittert und sich ständig die falschen Frauen aussucht.
Die krankhaft eifersüchtigeTosca und Scarpia, dessen Sexualverhalten man nur als pathologisch bezeichnen kann, könnten noch leben, wenn sie sich einem guten Therapeuten anvertraut hätten.
Lohengrin spricht mit Schwänen. Ich will mir nicht ausmalen was er sonst noch mit ihnen...naja...
Und was Werther angeht, so ist er wohl eine Borderlinepersönlichkeit wie sie im Lehrbuch steht (Laß ihn sich ritzen wenn er „Lorsque l’enfant“ singt! Da kannst du dann Theaterblut verwenden, wovon noch die Rede sein wird.)
Das frühreife Früchtchen Salome, die durchgeknallte Elektra, die Kerle die eine Frau nicht erkennen sobald sie einen Schleier vor dem Gesicht hat (siehe Der kleine Mussbach Teil 1!), sie alle gehören eingesperrt, und es ist deine Aufgabe dafür zu sorgen daß das geschieht!
Regel 2 Ernst ist das Leben, todernst die Kunst. So etwas wie Komödie, Heiterkeit, unbeschwerten Frohsinn gibt es nicht. Wer glücklich ist, ist ein Idiot. Laß daher Wiener Operetten auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs spielen, laß Belcores Soldaten im „Liebestrank“ sich mit einer zünftigen Massenvergewaltigung bei Adina und ihren Freundinnen... äh...vorstellen.
Benutze wo immer es geht dein wichtigstes Requisit: den Holzhammer. Du weißt ja, Zuschauer sind grundsätzlich blöd und werden keinesfalls von selbst auf den Gedanken kommen, daß „Die Hochzeit des Figaro“ ein heiterer Tanz auf dem Vulkan ist. Bau also an Tragik, Verzweiflung, Tod und Schrecken ein, was immer wir einfällt.
Regel 3 Opera goes Tarantino Verwende Theaterblut und herumfliegende Körperteile. Dazu eignen sich alle kriegerischen Opern des frühen Verdi, ferner Hinrichtungsopern wie Andrea Chenier und „Der Dialog der Karmeliterinnen“. So kriegst du junge Leute ins Opernhaus die deine Inszenierung voll krass geil, boah ey! finden. Und die endlich wissen, warum die Sopranistin immer so laut kreischt. So ein Feuertod tut schließlich weh, nicht wahr, Norma?
Regel 4 Neue Aufführungsorte! Du mußt das Publikum abholen wo es steht, und die meisten stehen nun mal nicht im Opernhaus sondern am Bahnsteig oder in der Plattenbausiedlung am Rande der Stadt. Dem tragen bahnbrechende Regiekonzepte wie „La Traviata am Züricher Hauptbahnhof“ oder „La bohème im Hochhaus“ Rechnung. Natürlich musste man Violettas Sterbeszene radikal kürzen, denn beim Warten auf den ICE hatte offenbar niemand Zeit für das Wunder des letzten Traviata-Aktes, was mich erstaunt, denn angesichts der Verspätungen bei der Deutschen Bahn wären auch „Die Meistersinger“ denkbar, aber wer weiß, vielleicht fahren Schweizer Züge pünktlich. So muß Violetta unmittelbar nach „Parigi o cara“ einen ganz und gar überraschenden Operntod sterben. Und ein Bild zur Erinnerung gibt’s auch nicht. Aber was soll’s, das ist lebensnah, schließlich wünschen wir uns alle ein rasches Ende ohne langes Siechtum.
Dieses Konzept mußt du ausbauen, willst du die Oper ins neue Jahrtausend führen. Wie wäre es mit „Holländer im Hallenbad“? Ist doch schließlich eine Wasseroper, ein Schiff kommt auch drin vor und Sentas finaler Sprung vom Zehn-Meter-Turm wird bestimmt eine Sensation! Schiff und Schwimmbecken können später noch für „Billy Budd“ und die Eingangsszene von „Otello“ Verwendung finden, damit tust du dann auch gleich was für den maroden Haushalt deiner Gemeinde. Drei Opernkulissen zum Preis von Einer!
Oder „Don Giovanni im Stahlwerk“: da ist es laut und heiß, aber das war es im Spanien des 16. Jahrhunderts bestimmt auch, und der glühende, fauchende Hochofen ist ganz sicher eine tolle Kulisse für Giovannis Höllenfahrt.
Die lieben Kleinen kannst du zur Weihnachtszeit mit „Hänsel und Gretel in der Bäckerei“ erfreuen. Du weißt schon. Lebkuchenkinder. Wenn du sie ganz lieb bittest ist die Bäckereifachverkäuferin bestimmt bereit, die böse Hexe zu spielen, schließlich kennt sie sich mit Backwerk bestens aus. Und einen Ofen gibt es da auch. Wenn nicht bleibt immer noch das Stahlwerk.
Regel 5
Personen der Zeitgeschichte! Weise deine Kostüm- und Maskenbildner an, die Sänger so herzurichten, daß sie Personen der Zeitgeschichte ähneln. Je häufiger sie in der Yellow Press genannt werden, umso besser. Das entstaubt und wenn du Glück hast, bringt es dir eine Unterlassungsklage ein gegen die du im Namen der Kunstfreiheit vorgehst. Das spült Publikum ins Theater und Geld in die Kassen.
Dieter Bohlen zum Beispiel gäbe einen prächtigen Doktor Mirakel ab, der Antonia mit seinem Dauergrinsen in den Tod treibt. Ihm zur Seite André Rieu, der ihn darin mit der gleichen Waffe plus Violine unterstützt.
Wenn du Rigoletto inszenierst, könntest du die Rolle des Herzogs der mit seinen Weibergeschichten seinen Hofstaat in Atem hält mit einem Silvio-Berlusconi-Lookalike besetzen. Das gleiche Make-Up ließe sich für den Bariton-Kollegen verwenden der eine Woche später den Don Giovanni singt. Du fürchtest, daß niemand Silvio Berlusconi den größten Liebhaber aller Zeiten abnimmt? Mal unter uns: so eilig wie der Don es in allem was er tut hat, wird er das wohl auch nicht sein.
„Die Entführung aus dem Serail“ laß im Big Brother Container spielen. Osama bin Laden ist Osmin. Das hat zwar keinen Bezug zur Oper, aber es wird den Osama ärgern wenn er davon erfährt weil Osmin doch ein Eunuch ist. Vielleicht zerreißt er sich ja vor Wut in der Luft wenn er davon hört, dann hat die Welt ein Problem weniger und du wirst so richtig berühmt.
Hosenrolle1 (01.12.2014, 17:25): Ein sehr interessanter Thread: Logiklücken in Opern!
Ich möchte den ausführlichen Eröffnungsbeitrag gerne noch ergänzen um ein weiteres Beispiel:
Wenn zwei Leute es in einer Oper besonders eilig haben, weil aus irgendeinem Grunde die Zeit drängt, es also pressiert, wie die Österreicher sagen, kann sich der erfahrene Zuschauer gemütlich zurücklehnen, denn er weiß: bis zum Pausensekt wird es noch dauern. Jetzt wird erst einmal ausführlich besungen, wie eilig man es doch hat, dieses oder jenes zu tun.
Hierzu fällt mir sofort Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" ein, bei der es ja auch sonst massenweise Textwiederholungen in Arien gibt.
Gegen Ende der Oper schafft es eine Figur (der Name ist mir entfallen), den bösen Wärter vermittels eines Schlaftrunkes außer Gefecht zu setzen, um anschließend mit seinen Freunden fliehen zu können. Nachdem dieses geschehen ist, ergreifen die vier Protagonisten aber NICHT die Flucht, sondern reden, und reden, und reden und reden, bis dann der mittlerweile wieder aufgewachte Wärter erscheint.
LG, Hosenrolle1
stiffelio (02.12.2014, 22:16): Auch von mir erstmal ein herzliches Willkommen im Forum!
Original von Hosenrolle1 Hierzu fällt mir sofort Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" ein, bei der es ja auch sonst massenweise Textwiederholungen in Arien gibt.
Gegen Ende der Oper schafft es eine Figur (der Name ist mir entfallen), den bösen Wärter vermittels eines Schlaftrunkes außer Gefecht zu setzen, um anschließend mit seinen Freunden fliehen zu können. Nachdem dieses geschehen ist, ergreifen die vier Protagonisten aber NICHT die Flucht, sondern reden, und reden, und reden und reden, bis dann der mittlerweile wieder aufgewachte Wärter erscheint.
Na ja - gerade diese Stelle ist nicht so unlogisch wie es in den gekürzten Textfassungen oft erscheint. Denn die Szene mit dem Schlaftrunk findet abends statt, die Flucht hingegen ist aus logistischen Gründen (Osmin ist schließlich nicht der einzige Wächter im Palast :P) für Mitternacht geplant. Pedrillo selbst befürchtet, nachdem Osmin eingeschläfert ist, es könnte zu früh für ihren Plan geschehen sein: "Nur fürcht ich, ist's noch zu zeitig am Tage. Bis Mitternacht sind noch drei Stunden und da könnt er leicht wieder ausgeschlafen haben." Aber Osmin hätte sich wohl sehr gewundert, wenn Pedrillo ihn zu nachtschlafender Zeit aufgesucht hätte, um den Zypernwein mit ihm zu teilen. Jetzt müssen Pedrillo und Belmonte also noch drei Stunden bis Mitternacht überbrücken, bis der Palast ruhig genug für einen Fluchtversuch ist und was bietet sich da eher an als ein ausgiebiges Liebesquartett? :wink
Überhaupt kommen m.E. so einige Logiklücken in Opern dadurch zustande, dass der ursprüngliche Librettotext zusammengestrichen wird. Es lohnt sich oft, die vollständige Fassung mal gründlich zu lesen. :D
Davon abgesehen, finde ich deine Herangehensweise an Opern durchaus interessant und hoffe noch auf spannende Diskussionen über den einen oder anderen Stoff. :beer
VG, stiffelio
Hosenrolle1 (02.12.2014, 23:09): Na ja - gerade diese Stelle ist nicht so unlogisch wie es in den gekürzten Textfassungen oft erscheint. Denn die Szene mit dem Schlaftrunk findet abends statt, die Flucht hingegen ist aus logistischen Gründen (Osmin ist schließlich nicht der einzige Wächter im Palast Zunge raus ) für Mitternacht geplant. Pedrillo selbst befürchtet, nachdem Osmin eingeschläfert ist, es könnte zu früh für ihren Plan geschehen sein: "Nur fürcht ich, ist's noch zu zeitig am Tage. Bis Mitternacht sind noch drei Stunden und da könnt er leicht wieder ausgeschlafen haben." Aber Osmin hätte sich wohl sehr gewundert, wenn Pedrillo ihn zu nachtschlafender Zeit aufgesucht hätte, um den Zypernwein mit ihm zu teilen.
Danke für die Aufklärung! Ich muss zugeben, dass ich diese Oper nur einmal in voller Länge gehört habe, dabei auch das Libretto, das im Booklet der Schallplattenbox enthalten war.
Ja, bei Aufnahmen ist es immer schwierig, die Sprechstellen sinnvoll zu kürzen; ich plädiere deswegen auch immer, dass bei Liveaufführungen der gesamte Dialog gesprochen wird, da dieser (wie in diesem Beispiel) doch einiges erklärt und solche Missverständnisse gar nicht entstehen können.
(Nebenbei, bei Aufnahmen höre ich mir die Sprechstellen normalerweise nur einmal an, später überspringe ich diese immer. Wie haltet ihr das?)
Davon abgesehen, finde ich deine Herangehensweise an Opern durchaus interessant
Naja, mir fiel bei diesem Thema spontan das Beispiel mit dem nämlichen Quartett ein, das, anstatt zu fliehen, lieber wartet, bis Osmin aus seinem Schlaf erwacht. Dennoch danke für das Lob :)
LG, Hosenrolle1
stiffelio (04.12.2014, 13:05): Original von Hosenrolle1 Nebenbei, bei Aufnahmen höre ich mir die Sprechstellen normalerweise nur einmal an, später überspringe ich diese immer. Wie haltet ihr das?
Ich bin da sicherlich kein Maßstab, da ich Oper überdurchschnittlich stark als Musikdrama mit Betonung auf Drama empfinde. Konkret heißt das für mich: eine bildliche Darstellung ist praktisch unumgänglich (DVD statt CD) und der gesprochene Text gehört genauso dazu wie der gesungene. Natürlich gibt es gesprochene Textstellen, die ich als fürchterlich empfinde, aber mir gefällt ja auch nicht jede Arie oder jedes Ensemble. Ich habe mir jedenfalls schon manchmal gesprochene Stellen genauso gezielt herausgesucht wie einzelne Musiknummern - oder eben übersprungen. Aber gut inszeniert und ausdrucksstark gesprochen gibt es tolle Sprechtexte in manchen Opern, auf die ich nicht verzichten möchte.