Was braucht man, um als Opernsänger Karriere zu machen?
Tranquillo (28.08.2008, 08:44): Hallo zusammen,
die Antwort auf diese Frage scheint einfach: Man muss gut singen und auch schauspielerisch überzeugen können.
Wenn ich mir allerdings die aktuell als "Stars" gehandelten Sängerinnen und Sänger ansehe, habe ich den Eindruck, dass das Äussere eine ganz wichtige Rolle spielt. Man muss gut aussehen - als Sängerin und auch als Sänger. Offenbar können die Fans im Publikum besser sehen als hören, die "Stars" werden in erster Linie visuell vermarktet. Wer gut singen kann, aber weniger gut aussieht, hätte sehr wahrscheinlich keine Chance. Ich frage mich, ob ein Sänger wie Fritz Wunderlich oder eine Sängerin wie Birgit Nilsson heute überhaupt noch eine gewisse Bekanntheit erreichen und Karriere machen könnten. Früher scheint man offenbar in erster Linie auf die musikalischen Qualitäten geachtet zu haben...
Viele Grüsse Andreas
Dr. Schön (28.08.2008, 11:34): Hallo,
ja, wenn ich einschlägige Plakate oder Aushänge mit Bildern sehe, dann kommen mir ähnliche Gedanken. Aber ist dieses Phänomen so neu, oder hat es sich nur in ein neues Extrem gewandelt und ist in der Vermarktung eben "zeitgemäßer" geworden?
Hat man früher in erster Linie wirklich nur auf musikalische Fähigkeiten geachtet? Ich meine Fritz Wunderlich war doch, neben seinem Talent, auch ein "Typ", den das Publikum gemocht hat. Hätte er seine Fähigkeiten, ohne sich als "Typ" zu präsentieren, sei es weil er wirklich so war oder sei es kalkuliert gewesen, den gleichen Erfolg gehabt? Es gab ja diese Kategorie der "Volkstenöre". Natürlich hat sich da ästhetisch einiges getan und das, was das Publikum anspricht hat sich eben sehr geändert. Aber waren es wirklich immer die künstlerischen Qualitäten, die den "primären" Ausschlag geben haben?
Und auf der anderen Seite kann das schöne Aussehen auch nicht den Erfolg eines Paul Potts erklären? Nein, das liegt an einem clever sentimentalem Werbespott.
Ich glaube jedenfalls nicht, dass die reine musikalische Fähigkeit jemals seit Anbeginn der Aufnahmegeschichte ausgreicht hat, einen Interpreten über einen Kreis von Kenneren und Spezialisten hinaus populär zu machen.
Früher scheinen mir "Typenhafte" Interpreten bessere Chancen gehabt zu haben, weil sie eben markanter oder authentischer rüberkamen, egal wie maniriert sie darin gewesen sein konnten, und heute wird eben, wie von allem, ein schönes ästhetisiertes Bild verkauft, weil wohl das die Massen mehr anspricht. Hat beides allein nichts mit Qualität zu tun.
Und es gibt ja in der Klassik nicht gerade wenige Vergessene oder Insider, die wir Kenner heute oft als wesentlicher einstufen, als eine bis heute unanhaltend populäre Figur. Woher kommt das?
Ich glaube einfach nicht daran, dass sich Qualität eben durchsetzt oder durchsetzten konnte.
Wir haben nur ein zeitgemäßeres Extrem.
Dr. Schön (28.08.2008, 11:47): Was mir auch wichtig scheint ist, dass es früher Produzenten oder Hintermänner gab, die auch selbst Enthusiasten waren, die etwas schaffen wollten, dass auch für die Ewigkeit relevant bleibt.
Hintermänner mit einem solchen Selbstverständnis, haben vielleicht mehr für die Populariät einzelner Interpreten gemacht als das reine Publikum.
Damit möchte ich natürlich dem breiten Publikum über die Jahre hinweg nicht seine Mündigkeit und Fähigkeit in der Beurteilung dessen, was es kauft oder hört, nicht absprechen.
Dr. Schön
Solitaire (28.08.2008, 20:44): Ja Sänger wie Wunderlich und Nilsson würden auch heute noch Karriere machen. Sie wären nur nicht in den Hochglanzblättern und auf den Waldbühnen dieser Welt vertreten, das ist alles. Ob sie das als Verlsut empfänden kann ich nicht sagen. Michael Schade, den ich für den wunderbarsten Mozarttenor unserer Tage halte, hat Weltkarriere gemacht, auch ohne blendendes Aussehen, Thomas Quasthof ebenso und auch Bryn Terfel ist optisch nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte, aber ich liebe und verehre ihn. Also: zur Opernkarriere braucht man ,was man schon immer brauchte, nämlich Musikalität und Stimme. Und heutzutage gottseidank auch ein gewisses Schauspieltalent. Zum Bunte-Gala-In Touch-Star braucht man in der Tat gutes Aussehen. Das heißt aber nicht, daß die Netrebkos, Villazóns, Schrotts (um die geht es hier ja wohl oder?) nicht singen können. Im übrigen ist es ein Sakrileg anzunehmen, jemand wie Wunderlich würde heute keine Karriere machen, nur weil er nicht aussieht wie Juan Diego Florez :S Er könnte aussehen wie der Glöckner von Notre-Dame, keine Sau würde es einen Heller scheren! Im übrigen: ja doch, ich sehe gerne einen Duca, dem man auch optisch glaubt, daß ihm die Weiber reihenweise verfallen, ich sehe gerne eine Violetta, der man glaubt, daß sich die Männer für eine Nacht mit ihr ruiniieren, und ich freue mich, ein Liebespaar auf der Bühne zu sehen, bei dem ich annehmen darf, daß die Brautnacht in jeder Hinsicht ein Vergnügen werden wird. Alles gut und schön und gerne zugegeben, aber ist nicht der Grund, warum ich die CDs dieser Leute kaufe, zu ihren Auftritten fahre und wie ein Hund leide, wenn sie in der Stimmkrise sind :cool Teufel noch eins! EDIT Und wenn das teuflische Paar nur erreicht hätte, was all die übergewichtigen Fleischberge nicht erreicht haben, nämlich ein breites Publikum, "die Massen" also, für den Zauber der Oper empfänglich zu machen, dann ist allein das schon wunderbar und ihnen gebührt großer Dank. Ich kenne genug Leute, die durch die Salzburger Traviiata zur Oper gekommen sind, und sich inzwischen auch sehr für andere Sänger begeistern. Auch für Herrn Wunderlich und Frau Callas.
Tranquillo (28.08.2008, 21:51): Original von Solitaire Michael Schade, den ich für den wunderbarsten Mozarttenor unserer Tage halte, hat Weltkarriere gemacht, auch ohne blendendes Aussehen, Thomas Quasthof ebenso und auch Bryn Terfel ist optisch nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte, aber ich liebe und verehre ihn. Hallo Solitaire,
stimmt, gerade Quasthoff ist ein starkes Argument. Ich war davon ausgegangen, dass er nur als Liedsänger und in Konzerten tätig ist, das trifft aber nicht zu. (Übrigens war Quasthoffs Entdecker, der ihn 1984 zu seinem ersten grossen Konzert geholt hat, mein langjähriger Musiklehrer.)
Das heißt aber nicht, daß die Netrebkos, Villazóns, Schrotts (um die geht es hier ja wohl oder?) nicht singen können. Es ging mir um keinen von den dreien, sondern um das Operngeschäft an sich. Ob jemand tatsächlich gut singen kann, hängt nicht von der äusseren Erscheinung ab - da sind wir uns wohl einig.
Im übrigen ist es ein Sakrileg anzunehmen, jemand wie Wunderlich würde heute keine Karriere machen, nur weil er nicht aussieht wie Juan Diego Florez :S Warum?
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (29.08.2008, 10:27): Original von Tranquillo Original von Solitaire
Im übrigen ist es ein Sakrileg anzunehmen, jemand wie Wunderlich würde heute keine Karriere machen, nur weil er nicht aussieht wie Juan Diego Florez :S Warum?
Naja, weil er immer noch der Herrlichste von Allen ist, und ich doch stark hoffe, daß unser aller Ohren und Seelen intakt geug sind, ihm zu verfallen, käme er heute wieder. :D
Nebenbei: kann es sein, daß auch die sngehenden und beretis in Lohn und Brot stehenden Sänger gemerkt haben, daß die Optik heute wichtoger ist asl voer 30 Jahren, und von vornherein mehr auf ihr Aussehen achten? Gibt es vielleicht einfach mehr halbwegs attraktive Sänger als früher, weil sie wissen, daß auch dieser Faktor heutzutage eine Rolle spielt?
Tranquillo (29.08.2008, 10:58): Original von Solitaire Naja, weil er immer noch der Herrlichste von Allen ist, und ich doch stark hoffe, daß unser aller Ohren und Seelen intakt geug sind, ihm zu verfallen, käme er heute wieder. :D Es gibt sicher auch ein paar Herren, denen das ganz und gar nicht gefallen würde, wenn er wiederkäme - sie müssten sich dann nämlich an ihm messen lassen.
Nebenbei: kann es sein, daß auch die sngehenden und beretis in Lohn und Brot stehenden Sänger gemerkt haben, daß die Optik heute wichtoger ist asl voer 30 Jahren, und von vornherein mehr auf ihr Aussehen achten? Gibt es vielleicht einfach mehr halbwegs attraktive Sänger als früher, weil sie wissen, daß auch dieser Faktor heutzutage eine Rolle spielt? Das ist nach meiner Meinung eher eine allgemeine gesellschaftliche Tendenz: Die Kosmetikindustrie hat die Männer als neue Zielgruppe entdeckt, weil der Markt bei den Frauen mittlerweile gesättigt ist. Unsere Gesellschaft ist und bleibt auf Oberflächlichkeiten ausgerichtet - man redet den Menschen Bedürfnisse ein, die sie gar nicht haben, weil nur so die Wirtschaft noch wachsen und Geld verdient werden kann.
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (29.08.2008, 17:52): Zu Wunderlich und sich nicht freuenden Kollegen: wer sich nicht freute, käme dieser Jahrhundertsänger wieder, ist kein Künstler, sondern ein Fatzke. :ignore
Zum Rest: da hast du wohl recht, und das geht weit über die Musik hinaus. Allerdings finde ich nichts grundsätzlich verwerfliches daran, sich an Mode, Kosmetik, Schönheit (auch der je nach Genen mehr oder weniger üppig vorhandene eigenen) zu erfreuen. :engel Was mich stutzig macht ist weniger die Tatsache, daß es heute soviel gut aussehende Künstler (nicht nur in der Oper) zu geben scheint, sondern mehr die Art der Vermarktung: die CD-Cover kommen einem Pin-Up manchmal erstaunlich nahe. :B
Tranquillo (30.08.2008, 11:07): Original von Solitaire Zu Wunderlich und sich nicht freuenden Kollegen: wer sich nicht freute, käme dieser Jahrhundertsänger wieder, ist kein Künstler, sondern ein Fatzke. :ignore
Liebe Solitaire,
nicht jeder Künstler hat die menschliche Grösse, die Fähigkeiten eines Kollegen neidlos anzuerkennen.
Was mich stutzig macht ist weniger die Tatsache, daß es heute soviel gut aussehende Künstler (nicht nur in der Oper) zu geben scheint, sondern mehr die Art der Vermarktung: die CD-Cover kommen einem Pin-Up manchmal erstaunlich nahe. :B Genau darauf wollte ich eingangs hinaus: Der Sänger wird zur Ware, die mit allen Mitteln des Marketings verkauft werden muss; alles andere wird in den Hintergrund gedrängt.
Ein Beispiel: Im nächsten Jahr gibt Anna Netrebko in meiner Heimatstadt ein Konzert, gesponsort von einem örtlichen Unternehmen. Die Kartenpreise sind astronomisch, und schon ein Jahr vorher wird auf Plakaten dafür geworben. Den Plakaten kann man weder entnehmen, was sie singt noch von wem sie begleitet wird - das ist offenbar alles unwichtig. Wer ist so bescheuert und gibt weit über 100 Euro für eine Karte aus, ohne das Konzertprogramm und die Mitwirkenden zu kennen - nur, weil Anna Netrebko singt? Die Musik gerät völlig in den Hintergrund, wichtig ist nur der "Star". Und wer ältere Fotos von Anna Netrebko sieht, merkt sehr schnell, dass hier ganz gezielt etwas aufgebaut und nichts dem Zufall überlassen wurde. Damit steht sie aber nur exemplarisch für viele andere Sängerinnen und Sänger, die ähnlich vermarktet werden.
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (30.08.2008, 11:26): Ja, das ist ganz sicher richtig. Ich habe neulich den "Figaro" mit Erwin Schrott gesehen (London, 2006) weil ich neugierig auf seine Stimme war. Er ist ganz sicher kein Jahrhundertbariton, aber m. E. ein wirklich guter Sänger und ein für mich überraschend guter und sehr witziger Figaro. Die Inszenierung hat mich begeistert, und Schrotti hat es sicher nicht verdient, nur als "der Mann von..." betrachtet zu werden. Soweit so gut. Aaaber: in diesem Figaro ist er ein normaler, gut aussehender Kerl mit sehr sympathischer Ausstrahlung. Auf seiner neuen CD hingegen verpassen sie ihm ein Latin Lover Image, auf das Antonio Banderas neidisch wäre :rofl Ich finde es auch problematisch, wenn der Künstler wichtiger zu sein scheint als das Werk, keine Frage. Allerdings muß ich zugeben, daß auch ich schon CDs gekauft habe, nur weil en bestimmter Interpret gesungen hat. :J
Tranquillo (30.08.2008, 12:31): Ein anderes, sicher weniger krasses Beispiel: die Sopranistin Annette Dasch. 2004 nimmt sie mit der Akademie für Alte Musik Berlin eine CD mit Barockliedern bei Harmonia Mundi France auf - eher ein Insider-Tip:
2007 folgt dann eine CD mit Armida-Arien. Den Marketing-Leuten von Sony BMG sah sie offenbar zu langweilig aus - man beachte den Unterschied zum Cover oben! Man sollte kaum glauben, dass es sich um ein- und dieselbe Person handelt. Die CD wird mit grossformatigen Anzeigen in den entsprechenden Printmedien beworben, und sie hat ein Interview in der "FonoForum".
Es steht für mich ausser Frage, dass Annette Dasch eine sehr gute und vor allem auch sehr vielseitige Sängerin ist (sie wirkte u. a. in einer Aufnahme von Brittens "War Requiem" mit) - es ging mir nur darum aufzuzeigen, wie das Äussere zwecks besserer Vermarktung verändert wurde.
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (31.08.2008, 14:29): Ja, das ist wohl ein ziemlich gutes Beispiel. Klassische Musiker werden, das sage und meine ich jetzt erstmal eindeutig wertneutral, immer häufiger nach den Regeln des Popmusikmarktes vermarktet, und da gehört eben die Optik gewaltig mit dazu. Aber auf der anderen Seite: ist das wirklich so neu? Enrico Caruso und Sarah Bernardt waren z.B. zu ihrer Zeit durchaus auch "Trendsetter", was Mode, "Life-Style" etc. betrifft. Damen haben Sahars Kleider und Frisuren kopiert. Wenn heuer in Salzburg ein Thunfischgericht den Beinamen "Villazón" trägt, so erheitert mich das ungemein und ich kann es, bei aller Begeisterung für des Sängers Stimme, nicht glauben; aber Pfirsich Melba gibt es schließlich auch immmer noch :rofl Aslo: sooo neu ist das alles vielleicht gar nicht. Alredings setzte die Schicklichkeit Frau Bernhardt (die ja nun nicht gerade für ihre Tugendhaftigkeit berühmt war, was auch wieder extrem zu ihrem Nimbus beigetragen hat) Anno 1880 vielleicht andere Grenzen, als sie Herr Schrott und Kollegen heute beachten müssen :engel
cellodil (10.09.2008, 17:19): Original von Solitaire Aber auf der anderen Seite: ist das wirklich so neu?
Ich denke nicht. Kunst geht (nicht erst seit Lessings Zeiten) immer (auch) nach Brot. Und da spielt der Publikumsgeschmack eben häufig doch eine Rolle.
Auch Frau Callas hat sich ja ziemlich abgehungert vom Pummelchen zur Grazie...
Außerdem denke ich, dass auch nichts dagegen spricht, wenn jemand, der sein künstlerisches Handwerk beherrscht, sich auch noch ein bisschen darum bemüht, "bella figura" zu machen, um zu gefallen.
Liebe Grüße
Sabine
Rachmaninov (10.09.2008, 17:21): Wenn ich mir den Star aus der Telekom Werbung ansehe: Neue Frisur und einen Besuch beim Zahnarzt! :ignore
Tranquillo (10.09.2008, 17:34): Original von cellodil Auch Frau Callas hat sich ja ziemlich abgehungert vom Pummelchen zur Grazie...
Liebe Sabine,
Pavarotti hat's umgekehrt gemacht und war auch sehr erfolgreich :D
Viele Grüsse Andreas
Rachmaninov (10.09.2008, 17:51): Original von Tranquillo Original von cellodil Auch Frau Callas hat sich ja ziemlich abgehungert vom Pummelchen zur Grazie...
Liebe Sabine,
Pavarotti hat's umgekehrt gemacht und war auch sehr erfolgreich :D
Viele Grüsse Andreas
Ich glaube bei Pavarotti war es eine begnadete Stimme und die große Chance als Vertretung zu glänzen!
Solitaire (10.09.2008, 19:17): I m übrigen: ich frage mich immer wieder, wie Pavarotti es schafft, als dca glaubhaft zu machen, daß die Frauen ihm reihenweise verfallen. Aber er schafft es, ganz ohne Frage. Ich denke, es gibt Sänger, die könnten aussehen wie der Elefantenmensch, ihre Stimme ließe es vergessen.
cellodil (10.09.2008, 19:46): Original von Solitaire I m übrigen: ich frage mich immer wieder, wie Pavarotti es schafft, als dca glaubhaft zu machen, daß die Frauen ihm reihenweise verfallen. Aber er schafft es, ganz ohne Frage. Ich denke, es gibt Sänger, die könnten aussehen wie der Elefantenmensch, ihre Stimme ließe es vergessen.
... wahrscheinlich, weil Frauen dazu in der Lage sind, auch mal alle beiden Augen zuzudrücken... :D
... andererseits zu erotischen Phantasien verführen Elefantenmenschen nicht gerade (es sei denn man bekommt bei der Vorstellung, unter eine Dampfwalze zu kommen, multiple Orgasmen)... ich jedenfalls mag mir das lieber nicht vorstellen...
Liebe Grüße
Sabine
Solitaire (11.09.2008, 06:52): Man könnte natürlich einen neuen Thread starten: "Ich bastle mir meinen Traumtenor" :D Meiner sähe aus wie Johnny Depp, hätte die Stimme und Spielfreude von Rolando Villazón nur ohne Krise, die Musikalität und Vielseitigkeit von Fritz Wunderlich, dazu einen Hauch von Florez' Technik et voilà: fertig isser. Entschuldigung, dieser unqualifizierte Beitrag wurde vor dem ersten Kaffee geschrieben. Da bin ich manchmal so :D
satie (11.09.2008, 07:30): Original von Solitaire Man könnte natürlich einen neuen Thread starten: "Ich bastle mir meinen Traumtenor" :D Meiner sähe aus wie Johnny Depp, hätte die Stimme und Spielfreude von Rolando Villazón nur ohne Krise, die Musikalität und Vielseitigkeit von Fritz Wunderlich, dazu einen Hauch von Florez' Technik et voilà: fertig isser. Entschuldigung, dieser unqualifizierte Beitrag wurde vor dem ersten Kaffee geschrieben. Da bin ich manchmal so :D
Echt, Du meinst, ich wäre tatsächlich der perfekte Tenor? Also ich singe wie Johnny Depp, hab vielseitige musikalische Krisen, bin wunderlich und nenne mich auch Rolando, wenn es sein muss. Wo muss ich unterschreiben?
Rachmaninov (11.09.2008, 07:47): @satie,
folge dem Pfeil -> :haha
Einfach die Anmeldung unterschreiben :rofl
satie (11.09.2008, 08:56): Wieso? In der Abteilung bin ich doch längst Professor!! Freud, Siegmund mein Name. Nur Sonntags heiße ich Napoleon (von 13-15.45 Uhr).
Rachmaninov (11.09.2008, 09:02): Original von Satie Wieso? In der Abteilung bin ich doch längst Professor!! Freud, Siegmund mein Name. Nur Sonntags heiße ich Napoleon (von 13-15.45 Uhr).
Okay, Gruß Arthur Wellesley, 1. Herzog von Wellington
Jürgen (11.09.2008, 10:32): Original von Satie Wieso? In der Abteilung bin ich doch längst Professor!! Freud, Siegmund mein Name. Nur Sonntags heiße ich Napoleon (von 13-15.45 Uhr).
Ich glaube eher, Du heißt Professor Feder und Dein Kollege ist Doktor Teer. :J
cellodil (11.09.2008, 10:46): ... ein bisschen Größenphantasie (andere nennen es -wahn) gehört ja zu einem Star durchaus auch dazu...
Also: Ab in die Scala und an die Met (oder doch lieber gleich Hollywood? die Gagen sollen doch besser sein...)und - vor allem - her mit den Autogrammkarten, Satie!!!!
Und den schon existierenden Fanclub kann man bestimmt entsprechend in Richtung Sangeskünstlerei umorganisieren.
Herzliche Grüße
Sabine
Solitaire (11.09.2008, 12:23): Und die Homepage nicht vergessen. Anna hat jetzt eine ganz neue. Wenn man es nicht anders wüsste, möchte man meinen, sie verdiene mit Modefotos ihr Geld... :cool
nikolaus (11.09.2008, 22:09): Original von cellodil Und den schon existierenden Fanclub ...
Herzliche Grüße
Sabine
Wo kann ich beitreten?
Nikolaus :rofl
cellodil (12.09.2008, 10:04): Original von nikolaus Original von cellodil Und den schon existierenden Fanclub ...
Herzliche Grüße
Sabine
Wo kann ich beitreten?
Nikolaus :rofl
Du bist doch der erste Vorsitzende, wenn ich mich recht erinnere...
Herzliche Grüße
Sabine
Musikkristin (12.09.2008, 10:17): Original von Solitaire I m übrigen: ich frage mich immer wieder, wie Pavarotti es schafft, als dca glaubhaft zu machen, daß die Frauen ihm reihenweise verfallen. Aber er schafft es, ganz ohne Frage. Ich denke, es gibt Sänger, die könnten aussehen wie der Elefantenmensch, ihre Stimme ließe es vergessen.
Hallo Solitaire,
dies ist nun mein 3. Beitrag hier. Luciano Pavarotti war ein spezieller Fall, ich habe mich das auch schon gefragt, wegen den Damen und so. Es war wohl erstens die Stimme und zweitens, finde ich jedenfalls, hatte er trotz aller Unförmigkeit schon sehr viel Charisma und Charme. Wenn ich mir z.B. seinen Rigoletto auf DVD ansehe kann ich es irgendwie verstehen. Allerdings wären mir heutzutage auch noch Sänger lieber die neben einer herrlichen Stimme auch noch sehr gut aussehen, wie z.B. früher Franco Corelli. Schauspielern sollten sie können wie Ruggero Raimondi, das wär's. Wünschen kann man sich das ja.
Liebe Grüße
Solitaire (12.09.2008, 11:56): Herzlich Willkommen Musikkristin! Jaaaa, Ruggero Raimondi, der Alan Rickman der Opernbühne: finster, dämonisch und unwiderstehlich! :down
"Alan Rickman der Opernbühne", das Wort des Tages. Aber es passt!!! Und - er kann auch gekonnt komisch sein, siehe Rossini-Opern, Graf Almaviva bei Mozart und Don Pasquale. Und sexy: Don Giovanni und, für mich, noch viel mehr sein Escamillo. Ach ja, und so ganz nebenbei: singen kann er auch noch super, sogar mit Mitte 60 noch. Das soll ihm mal einer nachmachen.
Liebe Grüße aus München
Obwohl: Als Don Giovanni mochte ich trotzdem Cesare Siepi lieber, bis heute.
Tranquillo (12.09.2008, 12:58): Original von Musikkristin Es war wohl erstens die Stimme und zweitens, finde ich jedenfalls, hatte er trotz aller Unförmigkeit schon sehr viel Charisma und Charme. Das unterscheidet ihn von Paul Potts - der hat den Charme eines grossen Jungen, den man mal eben auf die Bühne geschoben hat und null Charisma (finde ich jedenfalls). Die tolle Stimme allein scheint den weiblichen Forumsmitgliedern ja nicht zu reichen :D
@Bellini, Musikkristin: Herzlich willkommen im Forum!
Viele Grüsse Andreas
Musikkristin (12.09.2008, 13:05): Lieber Andreas,
da muß ich schon mal meinem Geschlecht beistehen, wir sind schon auch wählerisch.
Ich finde Paul Potts durchaus sympathisch und ein bisserl jungenhaft charmant.
Jedoch: Über seine Stimme kann man unterschiedlicher Meinung sein, ich finde sie nicht so besonders. Ich würde es ihm gönnen, mich erreicht sie aber nicht. Aber die Geschmäcker sind doch sehr verschieden.
Ich höre mir lieber das "alte Nessun Dorma" von Franco Corelli an, nach wie vor unerreicht.
Viele Grüße aus dem schönen München
Rachmaninov (12.09.2008, 13:07): Original von Tranquillo Die tolle Stimme allein scheint den weiblichen Forumsmitgliedern ja nicht zu reichen :D
Viele Grüsse Andreas
Ich finde seine Stimme auch nicht besonders. Sein "Effekt" berut darauf, dass er in einer völlig unerwarteten Situation Menschen etwas vorgesungen hat, was sie nicht kannten, aber einfach an sich so großartig ist das es irgendwie wohl die meisten begeistert.
uhlmann (12.09.2008, 13:17): Original von Tranquillo Das unterscheidet ihn (Pavarotti, Anm.) von Paul Potts - der hat den Charme eines grossen Jungen, den man mal eben auf die Bühne geschoben hat und null Charisma (finde ich jedenfalls). Die tolle Stimme allein scheint den weiblichen Forumsmitgliedern ja nicht zu reichen :D
finde ich sehr witzig, dass hier paul potts mit luciano pavarotti verglichen wird. ich fage mich, ob das ein kompliment für potts oder für pavarotti ist? :D
aber im ernst: man kann pavarotti (obwohl ich den gar nicht mag) doch keinesfalls mit einem musikalischen dillo wie potts vergleichen, auch wenn der ein bisschen singen kann. pavarotti war ein bühnenstar, potts ist ein pr-gag (schon bezeichnend, dass er in talente-shows auftritt, dort gehört er auch hin).
Rachmaninov (12.09.2008, 13:26): Original von uhlmann (schon bezeichnend, dass er in talente-shows auftritt, dort gehört er auch hin).
Du unterstellst ihm also schon ein gewisses Talent :wink
Tranquillo (12.09.2008, 13:43): Original von uhlmann finde ich sehr witzig, dass hier paul potts mit luciano pavarotti verglichen wird. ich fage mich, ob das ein kompliment für potts oder für pavarotti ist? :D Das kommt darauf an, ob man die Stimme oder den Bauchumfang vergleicht :D
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (12.09.2008, 20:49): Wenn ich noch einmal den Namen Paul Potts hören muß fange ich an zu schreien. Wir haben seine CD seit einer Woche in der Bibliothek. Sie wurde in dieser Zeit dreimal vorgemerkt. Wunderlich, Domingo, Villazón, Pavarotti, Florez stehen hier rum und kein Mensch nimmt sie mit. Lernziel: am besten ist es natürlich, toll singen zu können UND schön zu sein. Aber es geht auch, wenn man nicht ganz so toll singen kann aber GANZ BESONDERS SCHÖN ist. Und offenbar scheint es auch zu funktionieren wenn man nicht so toll singt, aber dafür so richtig doof aussieht. Oder blind ist. Dann darf man auch schon mal den Rodolfo in La Bohéme singen. (NEIN, ich meine nicht RVs neuen Bohème-Film ihr Lästermäuler :D)
Tranquillo (12.09.2008, 20:58): Original von Solitaire Wunderlich, Domingo, Villazón, Pavarotti, Florez stehen hier rum und kein Mensch nimmt sie mit. Die singen auch nicht in der T-Werbung, mit eingeblendeten heulenden Teenies.
Und offenbar scheint es auch zu funktionieren wenn man nicht so toll singt, aber dafür so richtig doof aussieht. Dann habe ich ja allerbeste Chancen auf eine Karriere als Opernsänger! :leb
Viele Grüsse Andreas
cellodil (12.09.2008, 22:27): Original von Tranquillo Original von uhlmann finde ich sehr witzig, dass hier paul potts mit luciano pavarotti verglichen wird. ich fage mich, ob das ein kompliment für potts oder für pavarotti ist? :D Das kommt darauf an, ob man die Stimme oder den Bauchumfang vergleicht :D
Viele Grüsse Andreas
:rofl :rofl :rofl
Kicher....
Und Euch allen Dank: Ein Lichtblick an einem düsteren Tag, dieses Thema...
Liebe Grüße
Sabine
nikolaus (12.09.2008, 22:40): Original von cellodil Original von nikolaus Original von cellodil Und den schon existierenden Fanclub ...
Herzliche Grüße
Sabine
Wo kann ich beitreten?
Nikolaus :rofl
Du bist doch der erste Vorsitzende, wenn ich mich recht erinnere...
Herzliche Grüße
Sabine
Ja, da war doch was... :ignore
katharina (29.01.2010, 09:30): Aus gegebenem (wenn auch schon etwas zurückliegendem) Anlass - ich dachte, dass passt hier vielleicht rein: http://derstandard.at/1259281703859/Zu-alt-fuer-La-Traviata Ich kann zwar verstehen, dass man ein bestimmtes Bild einer Violetta hat und dieses auch gerne auf der Bühne sehen würde, aber ein paar Jahre und Kilo (65 kg sind zudem für mein Empfinden kein wahnsinniges Übergewicht) können doch durch gesangliche und schauspielerische Leistung ausgeglichen werden. Auf der Homepage von Klassik Radio findet sich ebenfalls eine Nachricht hierzu, einen Monat später verfasst als der obige Link: Die Sopranistin Daniela Dessi ist aus einer «Traviata» der Opera di Roma ausgestiegen, nachdem sie von Franco Zeffirelli als «fett und alt» bezeichnet worden ist. Nun prüft sie rechtliche Schritte gegen den Starregisseur. Eine schwerfällige Frau eines gewissen Alters sei nicht die richtige Besetzung für die Titelrolle der Violetta, habe Zeffirelli öffentlich erklärt. Die 52-jährige Dessi bringt ein Gewicht von 65 Kilogramm auf die Waage. Dessis Ehemann, der Sänger Fabio Armiliato, der in der Römer «Traviata» den Alfredo geben sollte, zog sich aus der Produktion ebenfalls zurück. Dessi, die mit Zeffirelli schon an der Mailänder Scala gearbeitet hat, bedauert laut internationalen Presseberichten, dass der Regisseur, den sie bewundere, eine solche Kontroverse provoziert habe. In der Londoner «Times» verteidigt Zeffirelli seine Aussagen. Dessi habe nicht die Erscheinung einer jungen Frau, die an Tubekulose sterbe. Er habe ihr als Ersatz die Rolle der Alice Ford in Verdis «Falstaff» angeboten, sie habe aber abgelehnt. Anders sieht dies Gianluigi Gelmetti, der Dirigent der Produktion, der Dessi mutmasslich für die Aufgabe ausgewählt hat. Sie sei, erklärt er, stimmlich in exzellenter Verfassung - und habe eine sehr sinnliche körperliche Ausstrahlung. Vielleicht ist es bezeichnend, dass der Regisseur ihre Stimme unpassend findet (ein Schelm, der da nicht vermutet, er sage das nur, um sein optisches Urteil zu stützen), der Dirigent dagegen nicht. Für mein Empfinden sind solche Vorfälle sehr, sehr schade.
Solitaire (22.03.2010, 09:42): Ich habe Frau Dessi nie singen hören, weiß also nicht, ob sie der Rolle gewachsen wäre, aber wie ich Zeffirelli einschätze vermute ich, daß es ihm wohl wirklich eher um die Optik und das Alter ging. Zeffirelli inszeniert seine Traviatas seit ewigen Zeiten immer gleich: überladene Räume, Unmengen Topfpflanzen und Blattgold und eine Hauptdarstellerin die aussieht, als ob sie jeden Moment aus den Latschen kippt. Ich habe ihn sehr im Verdacht, sich, wenn er die Wahl hat, gegen eine grandios singende nicht mehr ganz junge 90 Kilo Sopranistin und für eine stimmlich leicht überforderte jugendliche 50 Kilo-Elfe zu entscheiden. Ich habe ihn weiter im Verdacht, daß er eine junge Sängerin engagieren würde von der er genau weiß, daß die Rolle um diverse Jahre zu früh für sie kommt und ein Risiko darstellt, wenn sie nur seinen optischen Vorstellungen entspricht. Es ist wunderbar, wenn ein Künstler seiner Partie nicht nur musikalisch gewachsen ist, sondern auch spielen kann und das besitzt, was die Franzosen so treffend „la physique du role“ nennen, aber wenn nun schon auf der Opernbühne der Zwang jung, schön und schlank zu sein dazu führt, Künstler die das nicht (mehr) sind abgeschoben werden, oder sich irgendwann gezwungen sehen zu hungern und unters Messer zu legen um den Anforderungen zu entsprechen, dann geht das entschieden zu weit. Es mag sein, daß für eine Violetta etwas andere Gesetze gelten als für eine Norma oder Fidelio-Leonore, immerhin ist sie eine junge Frau, die ihr Geld mit ihrer Schönheit verdient, aber wo steht geschrieben, daß nur leichtgewichtige 25jährige schön und erotisch sind? Jaja, die Tuberkulose, mit der wiegt man im Allgemeinen keine 90 Kilo, aber mit der singt man im richtigen Leben normalerweise ja auch keine Arien. Hier ein Bild von Frau Dessi und ihrem Mann. Beide sind m.E. ein bisschen zu stark geschminkt, und er sieht aus als gehöre er eher auf ein Piratenschiff als in den Salon einer Kurtisane, aber ich denke schon, daß sie ein glaubhaftes Traviata-Paar abgegeben hätten.
Ob und wie das Stück neu zu erzählen wäre interessiert Zeffirelli vermutlich ohnehin nicht. Auch hat er, der doch so sehr für das plädiert was er „Werktreue“ nennt, nach meiner Kenntnis nie versucht, Verdis Wunsch die Oper „im Kostüm der Gegenwart“ spielen zu lassen gerecht zu werden. Er will das Paris um 1845 zum Leben erwecken und ist in aller erster Linie an Äußerlichkeiten und romantischen Zutaten interessiert. Das kann sehr schön sein, und ich kann verstehen, daß es für viele seiner Szene und Bühnenbilder regelmäßig heftigen Szenenapplaus gibt. Ich lasse mich auch gerne mal aus der Wirklichkeit entführen, und mir ein trauriges Märchen erzählen, aber Oper kann mehr. Ich liebe seinen Traviata-Film von 1980, aber ich denke nicht, daß er sich seither entwickelt und die Oper jemals aus einem anderen Blickwinkel als dem des romantischen Dirnendramas inszeniert hat.
Fairy Queen (22.03.2010, 12:21): Da bleibt einem wirklich die Sprache weg! Es gibt wenige junge Sängerinnen, die einer Rolle wie der Violetta gewachsen sind- das ist ein Hammer des Repertoires weil man eigentlich drei Stimmen braucht: den Koloratursopran für Akt 1, den jugendlich dramatischen Sopran um im Riesenduett mit Germont zu überleben und den robusten lyrischen Sopran um Addio dell passato werder zu fragil und zu wenig gestützt noch zu "gesund" zu singen. Fast jede Sängerin muss irgendwo Abstriche machen, denn das alles zusammen zu vereinigen ist fast nciht möglcih. Wenn dann so ein Regisseur daherkommt und in erster Linie nur auf das Körpergewicht und das Alter achtet, ist das ein musikalsicher Hohn! Wenn Frau Dessi stimmlich die Kurve bekommt- ich kenne sie nicht- ist sie allemal schön und wohlgeformt genug für diese Rolle. Im 19 Jh war das Schönheitsideal noch serh entgegenkommend- jedenfalls für normale Frauen- und Hungerhaken waren absolut nciht gefragt. Elementare Kurven mussten sein und 50 kg Models flach von vorne und von hinten hâtten als Kurtisanen kaum überlebt. Was das Alter angeht- mit richtiger Maske geht fast Alles. Gruberova singt auch mit ûber 60 noch jugendlcihe Liebhaberinnen- und Dessi ist ja wohl eindeutig attrakitver. Renée Fleming ist auch an die 50 und singt Thaïs!
F.Q.
Severina (22.03.2010, 13:01): Zu diesem Thema gibt es gerade einen sehr interessanten Artikel von Manuel Brug "Angriff auf die Stimmbänder" im Profil (www.profil.at)
Neu ist für mich, das sich nun auch schon die Männer dem Schönheitswahn unterwerfen - so soll sich Calleja Haare implantieren haben lassen, um den beginnenden Kahlschlag zu vertuschen..... Sehr traurig stimmt mich, was er über Natalie Dessay schreibt, dass sie sich wohl in einer ernsten Krise befindet. Ich fürchte fast, mit der Traumpaarung Dessay 6 Flórez in unserer "Sonnambula" im April wird es nichts werden :I :I Fairy hat ja schon bei der Radioübertragung aus Paris gemeint, dass ihr Liebling nicht so geklungen hätte, wie es sein müsste..... lg Severina :hello
Zefira (22.03.2010, 13:34): Ich bin vielleicht ein bisschen naiv, dass ich bisher dachte, in der klassischen Musik gäbe es so etwas nicht ... Mein Interesse für die Oper ist erst ein paar Jahre alt. Ich erinnere mich noch gut an eine Aufnahme der "Tosca", die ich vor längerer Zeit gesehen habe; mittlerweile weiß ich nicht mehr, welche Inszenierung und mit welchen Sängern - damals habe ich darauf noch nicht geachtet. Cavaradossi sah zum Davonlaufen aus mit mächtigem, schweißtriefendem Bauch im bis zum Gürtel aufgeknöpftem (!!) Hemd und einem langen, schütteren grauen Haarzopf. Bei Toscas Zeile "Wie schön mein Mario ist!" (in der Erschießungsszene) habe ich gelacht. Aber ich wäre nie darauf gekommen, dass man diesen Sänger ausgerechnet wegen seines Aussehens besser nicht hätte engagieren sollen.
Kurz gesagt, ich dachte, es kommt nur auf die Stimme an. Naiv, gell ...
Oder ist das vielleicht bei einem Mann auch heute noch was anderes??
Schönen Gruß von Zefira
/edit: Severina, wie komme ich denn zu dem Artikel? Ich sehe auf der verlinkten Seite zwar die Schlagzeile mit dem Foto von Villazon, finde aber keinen Link, der mich zum Text bringt.
Severina (22.03.2010, 13:54): Liebe Zefira, komisch, ich habe es eben über meinen Link versucht und komme problemlos zum Text ?((startseite, ein wenig nach unten scrollen, dann steht links in Rot die Überschrift, anklicken und schon bin ich beim Artikel)
Zu der Problematik: Ich finde, man sollte ein Mittelmaß anpeilen, denn Sänger wie der von Dir geschilderte können mir schon den Genuss an einer Vorstellung verderben, wobei es mir da gar nicht so sehr um die Optik alleine geht, sondern dass korpulente Sänger in der Regel zum Rampensingen neigen und jede Darstellung konsequent verweigern. (Siehe Johan Botha - tolle Stimme, aber null Bühnenpräsenz) Und für mich ist Oper Musikdrama, d.h. ich lege schon sehr großen Wert darauf, dass die Sänger ihre Rollen nicht nur schön singen, sondern auch überzeugend darstellen. Ich brauche weder einen Alfredo mit Waschbettbauch noch eine Violeta mit Modelmaßen, aber halbwegs überzeugend müssen sie schon wirken. Dass man eine Natalie Dessi aus optischen Gründen auslädt, ist wirklich ein schlechter Witz. Ihren lieben Gatten würde ich aus akustischen Gründen ausladen, wäre ich Intendantin :ignore
lg Severina :hello
Fairy Queen (22.03.2010, 21:01): Liebe Sevi, danke für den Link, das ist ziemlich erschütternd! Und dass Natalie Dessay den Hamlet abgesagt hat.... :I :I :I ob ich nun samstag trotzdem ins Opernkinogehe, weiss ich noch nicht. Hatte mich so gefreut!!! aber schon im Radio als Amina hab ich sie im ersten Akt nciht erkannt- ihr ganzes Timbre war so verändert, der Liebreiz und Glanz einfach futsch- da war mir shcon klar, dass da gewaltig was nciht stimmt! Unwissend wie ich war, sag ich noch zu meinem Mann: der ersatz singt zwar nicht schlecht, aber mit Natalie nicht zu vergleichen! Und dann erfahre ich , dass sie's doch war. Und ihre Stimme kenne ich unter Tausenden, wenn die sich so extrem im Klang verändert, ist was oberfaul. Welch ein Jammer!!!!!! :I :I :I Heute war ich zu einer Probe von Cosi fan tutte unter Jeabn-Claude Malgoire eingeladen und habe eine unglaublich gute Fiordiligi gehört. Rachel Nicholls. Ein so schöner gesunder lyrischer Sopran- in ienem kleinen Haus mit Barockorchester, da konnte sie all ihre qualitâten voll entfalten. Der Tenor Robert Getchell war fast genausogut und das duett ein magischer augenblick.An grossen Häusern oder mit anderen Dirigenten wären die Stimmen vielleicht schon zu klein und müssten forcieren. und so geht dann das schönste Material kaputt und der Klang wird selbst bei Mozart immer metallischer uund reizloser. Der Preis für den Weltruhm ist wirklich hoch!!!! Wir können daher gar nciht genug die bewundern, die das durchstehen und immer noch etwas rüberbringen. Bin total gespannt, wie sich Rolando heute schlägt und zittere mit ihm, dass die Geier nciht geich wieder über jeden Ton herfallen.
F.Q.
Zefira (22.03.2010, 21:18): Jetzt habe ich den Artikel gefunden. Danke.
Noch einmal aber zum Punkt "Schönheitsideal": Warum haben die Regisseure so wenig Vertrauen in die visionäre Kraft des Theaters? Um auf den vorhin von mir erwähnten Mario zurückzukommen - man hätte ihm ja wenigstens das Hemd zuknöpfen (oder noch besser ein vernünftiges Wams schneidern) und eine nicht ganz so potthässliche Perücke aufsetzen können. Bei dieser Länge werden es kaum die eigenen Haare gewesen sein. Es muss doch irgendwie gehen, aus einem Menschen, der nicht gerade wie ein Eimer aussieht, mit den theaterüblichen Mitteln eine wenigstens leidlich gutaussehende Figur zu machen. Dazu werden die Kostüm- und Maskenbilder schließlich ausgebildet.
Oder gibt es einen Regietrend zur Verhässlichung?
Schönen Gruß von Zefira, die Rolando die Daumen hält :engel
Heike (22.03.2010, 21:20): Und dass Natalie Dessay den Hamlet abgesagt hat.... smiley19 smiley19 smiley19 ob ich nun samstag trotzdem ins Opernkinogehe, weiss ich noch nicht. Hatte mich so gefreut!!! Mmh, das wollte ich mir am Sonnabend auch ansehen ?( aber vermutlich werde ich trotzdem hingehen. Weiß jemand was zum Ersatz Marlis Petersen (die ja Deutsche ist)? Heike
Severina (23.03.2010, 01:31): Liebe Heike, Marlis Petersen habe ich erst unlängst als grandiose Medea erlebt (Siehe meinen Bericht im Opernforum), wenn sie als Ophelia nur halb so gut ist, lohnt sich das Hingehen!! Natürlich ist man enttäuscht, wenn der Liebling absagt, aber Marlis Petersen ist sicher mehr als nur ein Notnagel! lg Severina :hello
Fairy Queen (23.03.2010, 07:05): Liebe Zefira, man kann mit Maske und Kostüm aus serh durchschnittlichen Menschen serh passable Bühnenfiguren machen, das ist nciht das Problem. Ic hfidne auch, dass serh übergewichtige Menschen im realen Leben viel weniger Wirkung haben als auf der Bühne, wo sie je nach regie richtig imposant aussehen können. Man stelle sich Jessye Norman oder Pavarotti am Strand oder in Jeans vor und im Bühnenkostüm. Ein Unterscheid wie Tag und Nacht. Ich selbst habe zwar nie bei grossen Sachen mitgemacht, aber doc hein bisschen Bühnenerfahrung und erlebt wie mit wenigen Kniffen auus hässlichen plumpen Entlein tolle Figuren auf der Bühne werden. Insbesondere von weitem, wenn man im Zuschauerraum sitzt spielen ganz andere Dinge eine Rolle als in unmittelbarer Nähe. Ich selbst habe mal live erlebt wie aus mir für "Ein Walzertraum" eine Operettenprinzessin geschminkt wurde und mich kaum wiedererkannt vor lauter Glanz und Schönheit. man kan nda wirklich serh viel machen. Ich glaube, das Probelme liegt mehr in der Mediatisierung durch Fernsehen, Zeitung , Internet und in den Exzessen mancher Regisseure. die Stars stehen eben nicht mehr nur auf der Bühne sondern werden auch als Alltagsmenschen vermarktet und DANN wird's schwierig mit der Aufhübschung. Wenn in Magazinen Sänger möglichst zum Anfassen gezeigt werden sollen oder sie halbnackt auf der Bühne erschienen müssen wie Rolando und Anna in Romeo et Juliette, Manon oder Traviata, hilft die Maske nciht mehr, da zählen dann nackte Tatsachen. Ich bin auch für möglichste rollendeckende Figuren auf der Bühne, aber diese Auswüchse hält kein normaler Sänger lange durch. Wir erlebens ja. Leider.. :I....
Heike (23.03.2010, 07:24): Hallo Severina, Marlis Petersen habe ich erst unlängst als grandiose Medea erlebt (Siehe meinen Bericht im Opernforum), wenn sie als Ophelia nur halb so gut ist, lohnt sich das Hingehen!! Ach, das hatte ich doch gelesen (aber den Namen von Frau Petersen wohl wieder vergessen, weil er mir bisher gar nichts sagte) - jetzt wo du es schreibst erinnere ich mich an dein Lob! Na dann steht ja einem schönen Samstag nichts im Wege! Heike
Ulrica (25.03.2010, 22:29): Hallo, zusammen
und Tach auch bei meinem Erstversuch in diesem Forum :D
gerade habe ich den Profil - Artikel gelesen und bin einigermaßen erschüttert, wie sich die traurigen Voraussagen bezüglich der "Halbwertzeit" der hochgespuschten und verheizten Schönen und Filigranen schon soweit bewahrheiten, dass ein solches Magazin davon Notiz nimmt.
Ich kann mich noch erinnern, in heftige Diskussionen wegen der Abnehm- und Magenverkleinerungsaktion von Deborah Voigt verwickelt gewesen zu sein und von mehreren Seiten gehört zu haben, wie bewundernswert das alles sei und wie schrecklich, etwas zuviel Pfunde herumzutragen.
Und nu? Stimme dahin! Ist es das wert?
:hello
Ulrica
Fairy Queen (26.03.2010, 07:14): Guten Morgen, liebe Ulrica und bienvenue!
Zwischen "etwas zuviel Pfunde" wie Daniela Dessi vorgeworfen wird und Deborah Voigt vor der Abmagerungskur besteht allerdings ein erheblicher Unterschied. Erstere wird nach der (absurden....) Meinung von Herrn Zefirelli nicht als Traviata besetzt. Letzere in ihrem "Urzustand" war aber nach Meinung vieler die Oper nicht nur hören sondern auch sehen wollen, in Rollen "jugendlicher Liebhaberinnen" eine Zumutung. Die Differenzierung zwischen mager/untergewichtig, normal oder leicht rundlich und fett/stark übergewichtig muss da wirklich gemacht werden. Alles über einen Kamm scheren geht nicht. Jemand wie die Bartoli ist auch recht rundlich, aber eben nicht fett und ausserdem weiblich proportinoniert. Und Deborah Voigt war ohne Zweifel schwer übergewichtig und jemand wie Stephanie Blythe auf der Bühne finde ich auch eine Zumutung - trotz serh schöner Stimme. Aber so einschneidende Operationen wie eine Magenverkleinerung fand ich trotzdem schon immer bedenklich. Das würde ich sicher nciht mit mir machen lassen. Genausowenig wie operative Brustvergrösserungen etc pp.
F.Q.
Solitaire (26.03.2010, 09:40): Ich denke, man sollte auch den gesundheitlichen Aspekt nicht außer acht lassen. EXTREM dünn ist ebenso riskant wie EXTREM dick (und damit meine ich nicht 25 Kilo mehr auf den Rippen als man eigentlich braucht). Ein Mensch sollte in der Lage sein, sich auf der Bühne zu bewegen ohne daß man Angst hat, daß er vor Schwäche oder Überanstrengung gleicht tot umfällt ( singen ist ohnehin anstrengend genug), aber auch dicke Menschen verlieben sind und sind darob glücklich oder traurig, je nachdem wie's gerade so läuft. Allerdings gebe ich zu, daß mich z.B. Pavarotti im Liebestrank doch sehr an Samson aus der Sesamstraße erinnert hat :ignore. Dennoch, mit DIESER Stimme hätte ich ihm noch ganz andere Sache verziehen.
Severina (26.03.2010, 10:00): Das Problem, das ich mit dicken Sängern habe, ist nicht so sehr die Optik (obwohl natürlich schon auch ein bisschen, das will ich jetzt gar nicht beschönigen), sondern ihre Unbweglichkeit. In jüngeren Jahren geht es ja noch, aber extremes Übergewicht wie z.B. das von Pavarotti wirkt sich eben negativ auf die Gesundheit aus, und bei seinen letzten Auftritten schaffte er es ja gerade noch bis zur nächstbesten Sitzgelegenheit auf der Bühne, wobei sich boshafte Leute dann weniger mit seinem C als der Frage beschäftigten, ob der Sessel wohl stabil genug wäre :wink Wie Fairy richtig sagt: Zwischen rundlich und fett besteht ein Unterschied, und letzteres muss einfach nicht sein.
lg Severina :hello
PS: Willkommen an Bord, Ulrica! :D
Honoria Lucasta (26.03.2010, 11:07): Der Schlankheitswahn unserer Tage hat an manchen Orten (ich erinnere mich an Moskau) ja schon häufig dazu geführt, daß auch Sängerinnen nicht mehr nach ihren stimmlichen Leistungen, sondern allein wegen ihres Aussehens verpflichtet wurden; daß man wie Anna Netrebko nicht nur nett aussieht, sondern auch einigermaßen singen kann, ist ja beileibe nicht selbstverständlich... Andererseits ist es für Sänger ja auch schwer, ein gesundes Leben zu führen: Vorstellungen sind immer so spät abends, daß man viel auf Vorrat essen muß, um sie durchzustehen (bei Parsifal braucht man wahrscheinlich noch eine qualifizierte Zwischenmahlzeit :J)nachher hat man wahrscheinlich noch mal einen Wolfshunger und ißt zu nachtschlafender Zeit ein Portiönchen Spaghetti mit Sahnesauce, kippt ein wenig Wein nach, schläft dann mit vollem Magen satt und selig bis zum opulenten Frühstück, weil die ausgeschütteten Endorphine den Hunger zusätzlich stimulieren, und ratzofatzo hat man die Kilos drauf. Die Disziplin, sich auf solcherlei leibliche Befriedigungen nicht einzulassen, hat wahrlich nicht jeder. Dazu kommt für viele noch der Stress der ständigen Umherreiserei. Hätten wir heute noch das Stadttheater früherer Tage, sänge man nach jeweiligem Tagesplan ("Oh, heut' ist Rigoletto? Ich dachte, heut' wär Walküre? Na ja, einerlei...") und führe nach erledigtem Tagwerk mit der Straßenbahn nach Hause zum Abendbrot. Tempi passati.
Grüße!
Honoria
Solitaire (26.03.2010, 11:13): Original von Honoria Lucasta Hätten wir heute noch das Stadttheater früherer Tage, sänge man nach jeweiligem Tagesplan ("Oh, heut' ist Rigoletto? Ich dachte, heut' wär Walküre? Na ja, einerlei...") und führe nach erledigtem Tagwerk mit der Straßenbahn nach Hause zum Abendbrot. Tempi passati.
In Wuppertal haben sie das teilweise noch. Ich habe nach einem sehr schönen Figaro mal die Gräfin Almaviva beim Araber um die Ecke getroffen. Ihro Gnaden speiste im gleichen Restaurant wie mein Mann und ich und war über unser spontanes "Sie waren klasse!" sehr erfreut :D
Ulrica (30.03.2010, 18:37): @Fairy, Severina. danke für eure Willkimmensgrüße.
Die Sache ist sicher, dass man zu ungesunderer Ernährung in diesem Beruf neigt. Stress befördert Laster und klassische Sänger können sich relativ wenige leisten, weil vieles (rauchen, trinken, Dope) die Stimme merkbar tangiert. Essen kann man nicht weglassen, man muss es tun und ein opulentes Mahl nach getaner Schwerstarbeit lockt eben...
Außerdem, das ist ziemlich offensichtlich, auch wenn es absolute Ausnahmen gibt, stecken dramatische Stimmen meist in ziemlichen körperlichen Schränken. Mein letzter Kurs für Wagnergesang bestätigte das echt eindruckvoll. Der einzige Dünne war auch derjenige, der dem stimmlich nicht gewachsen war. Trotzdem waren speziell die Mädels sportlich und gut zu Fuß. Einer war sicherlich zu übergewichtig, (aber ein Tenor zum Niederknieen).
Eine Frau mit 65 kg , wenn sie einigermaßen normal groß ist, als übergewichtig zu bezeichnen, ist schlichtweg ein Unding und eine Frechheit.
Ich selbst bin - leider wirklich dick, aber nicht unbeweglich und habe bis dato szenisch alles mitgemacht, was verlangt war (incl. Can - Can - Tanzen; anstrengend, Erotik vergeht einem dabei eher:-). Halten und langsames Reduzieren und Sport ist m. E. der richtige Weg, Kraftverlust darf auf keinen Fall sein. Und: Auch die dicken OpernsängerInnen tun was für den Körper, denn als Couch - Potato kann man nicht stundenlang mitklassischen Gesang auf der Bühne stehen.
LG
:hello Ulrica
Archivspinne (13.12.2010, 12:57): Zu der Sache fällt mir irgendwie wieder der Opernboogie von Georg Kreisler ein...(und der war soweit ich weiß aus den tiefsten 60ern)
"Also, der Ritter, es ist ganz unerlässlich Dass er schön und schlank und wunderbar Aber heute ist er hässlich Sogar die Perücke verliert schon's Haar Er war mal Tenor, aber jetzt ist er heiser Dann die Ritterin, schauen wir der ins Gesicht Hat sie blaue Augen, einen Rosenmund Aber jung ist sie nicht Und ausserdem wiegt sie dreihundert Pfund Ihre Stimme war einmal stark, aber jetzt ist sie leiser"
Aber es ist schon seltsam, dass die "E-Musik" sich ausgerechnet bei der übelsten Unsitte der "U-Musik" bedient und nicht etwa bei deren Eigeninitiative von Komponieren und Texten... :ignore :wink
Billy Budd (01.07.2012, 22:54): Folgende Zitate stammen aus dem Thread "Berichte aus der Wiener Staatsoper".
Original von Billy Budd Übrigens war auch gestern Peter Skorepa vom "Merker" (ein lesbarer Rezensent) in der Oper und hat eine Kritik verfasst, aus der ich einen Teil zitieren möchte:
Nun macht gerade ein Sängerersatz in einer großen Rolle unser Repertoiresystem spannend, auch für Brenda Rae war ihr Wiener Einsatz ein größerer Sprung in ihrer Karriere und eine interessante Erweiterung ihres künstlerischen Lebenslaufes, ob aber die tollen Kritiken, die sie bei uns eingeheimst hat, auch berechtigt waren, lässt sich nur mit dem Einspringbonus erklären. Tatsächlich trat da am 30.6. eine noch nicht ausgereifte Sängerin an, die bis zur Pause eine durchaus passable jugendlich-dramatische Stimme zeigte, in ihrer großen Szene jedoch mit merklich gedrosseltem Stimmeinsatz und unsauberen, etwas klirrenden Höhen den Wahnsinn nicht so ganz zum Erblühen brachte. Auch mit der Darstellung dieses Wahnsinns hatte sie hinsichtlich der Glaubwürdigkeit ihre Probleme, wobei natürlich regieliche Einflüsse aus anderen Inszenierungen eine Rolle spielen könnten. Die Sängerin wird sicher ihre Karriere machen – da ihre Bühnenerscheinung jedenfalls sehr gut ist – ob es weiterhin das Koloraturfach sein wird, wage ich zu bezweifeln.
Billy :hello
Original von Billy Budd Liebe Severina, schade, dass Du nicht in die Oper kommen konntest! Ich bin diesbezüglich übrigens ganz anders, wie Du. Gestern war ich gar nicht sommerlich anzogen und mich haben einige gefagt, wie ich das aushalten könne. Allerdings ist mir im Winter dann mehr kalt, als anderen.
Was mich interessieren würde: Wie haben Dir im Radio Beczala und Coliban gefallen? Wie meinem Bericht zu entnehmen ist, war ich von ihnen enttäuscht, obwohl ich sie zu meinen Lieblingssängern zähle.
Billy :hello
Original von Severina Lieber Billy, live und Radio ist imer sehr unterschiedlich, weil die Mikros den Ton natürlich ganz anders aufnehmen als z.B. ein Zuschauer auf der Galerie. Da klingen Stimmen oft viel kräftiger als live. Deshalb bin ich auch immer skeptisch bei der Beurteilung von Stimmen, die ich nur von Konserven her kenne. Bei der Lucia-Serie habe ich beides erlebt und weiß daher, was die Sänger drauf haben. Nun, Beczala hatte gestern sicher nicht seinen besten Tag, aber seine Leistung als katastrophal zu bezeichnen, geht nun wirklich nicht. Ich wünschte, wir könnten an der WSO öfter solche "Katastrophen" erleben!! Coliban war mir wie schon am 20. zu laut und ruppig unterwegs, Brenda Rae fand ich in Ordnung. Was die Unsicherheiten in der Wahnsinnsarie betrifft, so ist das vielleicht auch dadurch zu erklären, dass sie die Sängerin, wie sie in einem Pauseninterview erzählte, bisher immer nur in Begleitung mit der Glasharmonika gesungen hat und man bei der Flöte viel exakter intonieren muss. (Deshalb hat ja die Netrebko, die nun wirklich keine Koloraturqueen ist, die Glasharmonika vorgezogen, die so manches ein wenig verwischt...)
Und noch einmal: In Wien hatte es gestern 37,7°, auf der Bühne sicher weit über 40° (In Zürich wurden einmal 51° auf der Bühne gemessen, wie mir meine Chorfreunde erzählten!), ich bewundere jeden Sänger, der unter diesen Bedingungen eine halbwegs gute Leistung erbringt, und das gestern war wesentlich mehr als halbwegs gut, zumindest klang es am Radio so. Ich wäre schlicht und einfach umgefallen....
lg Severina :hello
PS: Und was die Skorepa-Kritik betrifft, so ärgert mich zweierlei: Erstens der "Einspringerbonus", der für die guten Kritiken verantwortlich sein soll, der aber seltsamerweise bei anderen Einspringern nicht zum Tragen kommt (Wohlwollen ja, aber nicht Begeisterung) und zweitens der völlig überflüssige Hinweis, Brenda Rae würde aufgrund ihrer körperlichen Vorzüge ganz sicher Karriere machen. Solche Bemerkungen bringen mich immer auf 100, denn was soll das? Offensichtlich ist gutes Aussehen für Sänger heutzutage wirklich ein "Don fatale", weil sie dann als Künstler nicht mehr ernst genommen werden. Abgesehen davon, dass ich Frau Rae nicht unbedingt als Schönheit empfinde, aber das sieht ein Mann vermutlich anders. (Eine wirkliche Schönheit ist für mich z.B. Elina Garanca. Die hat aber das Glück, eine so außergewöhnliche Stimme zu besitzen, dass sie nicht Gefahr läuft, auf ihr Äußeres reduziert zu werden!)
Original von Billy Budd Liebe Severina, ich habe Beczalas gestrige Leistung nicht als "katastrophal" bezeichnet, sondern als "für seine Verhältnisse katastrophal" und auch gleich danach erklärt, was ich meine. Aber nichtsdestotrotz bewundere ich wie Du Sänger, die auch bei solcher Hitze halbwegs gut singen. Billy :hello
Original von Billy Budd Ich bin LEIDER der Meinung, dass es HEUTE notwendig ist, ein gutes Aussehen zu besitzen, um Karriere zu machen. Zum Beispiel hat Janina Baechle mE eine der besten Mezzostimmen unserer Tage, aber sie ist weit weniger bekannt, wie andere, was nur an ihrem Gewicht liegen kann. Und wenn man sich die äußeren Merkmale der v.a. weiblichen Wiener Neuzugänge anschaut, ist ganz klar, wie unser Direktor tickt. Auch wenn Du mich jetzt lynchen wirst, aber ich denke auch, dass die Beliebteheit Kaufmanns zu einem nicht geringen Teil auf seinem Aussehen beruht. Oder auch dass ein Erwin Schrott so bekannt ist, kann nicht an seiner Stimme liegen.
Aber das wäre mal einen eigenen Thread wert.
Garanca mag ich übrigens auch. Ihr Octavian kann derzeit wohl kaum übertroffen werden.
Billy :hello
Original von Heike Aber das wäre mal einen eigenen Thread wert.
zu diesem Thema siehe auch hier: Was braucht man, um als Opernsänger Karriere zu machen?
Heike
Original von Billy Budd Danke für den Hinweis; in diesem Thread werde ich mich in den nächsten Tagen ein bisschen umsehen! Billy :hello
Original von Severina Lieber Billy, wenn Du Deinen obigen Beitrag in den richtigen Thread hinüberbeamst, werde ich gerne darauf eingehen, hier würde es den Rahmen sprengen! lg Severina :hello
Original von Billy Budd Ich kopiere am besten die letzten Beiträge hinüber. Schön, dass Du darauf eingehen willst! Billy :hello
Billy :hello
Severina (01.07.2012, 23:46): Lieber Billy,
ich lynche niemanden, schon gar nicht, wenn er nur eine unheilbare Abneigung gegen einen gewissen Sänger hat. Ich will Dich auch gar nicht missionieren, was Jonas Kaufmann betrifft, aber dass er nur aufgrund seines Aussehens so gut im Geschäft ist, ist Unsinn. Wenn dem so wäre, frage ich mich nämlich, warum ihm der Durchbruch nicht schon 10 Jahre früher gelungen ist, wo er genauso "schön" und sogar noch ein bisschen taufrischer war. Bei Erwin Schrott neige ich Dir schon eher zu, der hat seine Karriere sicher zum Teil der yellow-press zu verdanken, die ihn weltweit als "sexiest Don Giovanni alive" gefeiert hat, und zwar schon bevor er Senor Netrebko wurde! Ich habe ihn vor dem großen Hype um ihn in Zürich kennen gelernt und immer gefunden, dass er ein solider B-Sänger ist mit einer guten Bühnenpräsenz, aber nicht mehr.
Ich habe meine Replik zu Brenda Rae ja eigentlich umgekehrt gemeint, dass gutes Aussehen auch ein Fluch sein kann, weil der Künstler darauf reduziert wird und er sofort in den von Dir geäußerten Verdacht gerät, dass stimmlich mit ihm nicht viel los sein kann. Natürlich ist gutes Aussehen kein Hindernis für eine Karriere, aber das alleine reicht bei Weitem nicht. Ich könnte Dir eine Reihe von Sängern aufzählen, die sehr rasch wieder von der Bühne verschwunden sind, weil das hübsche Lärvchen alleine eben nicht gereicht hat, z.B. Eva Lind. Die tingelt heute mit Gotthilf Fischer um die Welt.....
Es stimmt außerdem nicht, dass Aussehen früher keine Rolle gespielt hat. Vielleicht kommt Dir ja einmal die Lucia-Verfilmung mit Anna Moffo unter: Wenn es bei dieser Rollenvergabe um Stimme oder schauspielerisches Vermögen gegangen ist, fresse ich einen Besen! Und eine Callas hätte sich auch nicht zum Gerippe hungern müssen, wenn ihr Übergewicht davor niemanden gestört hätte. Die berühmte Besetzungscouch ist eher ein Phänomen früherer Zeiten, und ich glaube kaum, dass die Intendanten dabei sonderlich an der Stimme interessiert waren....
Was ein Sänger heute im Unterschied zu früher sicher haben muss, ist schauspielerisches Talent. Ohne dem steht ihm nur eine erfolgreiche Karriere auf dem Konzertpodium offen, aber sicher nur in Ausnahmefällen auf der Opernbühne. Das liegt natürlich daran, dass heute weit mehr DVDs als CDs produziert werden, und niemand will gerne Sängern beim Herumstehen zusehen. (Ich besitze z.B. fast keine DVDs von der MET, weil ich erstens die dort vorherrschende Bühnenästhetik nicht goutiere und es sich noch nicht bis NY durchgesprochen hat, dass Oper Musiktheater ist.) Aber natürlich, da gebe ich Dir Recht, fördern die DVDs auch das Schielen nach der Optik, denn wenn man Sänger so hautnah vor sich hat, fällt einem im Unterschied zum Zuschauerraum halt sofort auf, wenn die Violetta eher wie Alfredos Mutter wirkt, und das kann natürlich schon desillusionierend sein.
lg Severina :hello
Billy Budd (02.07.2012, 00:24): Liebe Severina, ich danke Dir für Deine ausführliche Antwort und da ich derzeit nichts besseres zu tun habe, als Tag und Nacht im Klassikforum zu hängen, antworte ich Dir gleich! :D
Mit Kaufmann habe ich mich nicht viel befasst (ich bevorzuge generell Tenöre mit hellerem Timbre. Einmal als ein Ausschnitt aus der von ihm gesungenen Blumenarie in den Nachrichten kam, dachte ich mir, dieses Stück kenne ich doch! Folglich habe ich überlegt, welche Baritonarie das sein könnte, bis ich dank der Ansage alles erfuhr.), aber ich glaube, dass er mit dem Cavaradossi-Einspringen an der Met quasi über Nacht berühmt wurde. Oder irre ich mich da?
Erwin Schrott halte ich um ehrlich zu sein nicht mal für einen B-Sänger. :ignore Wie es ein Freund unlängst treffend formuliert hat, sehe ich es auch: "Der singt, wie er heißt". Allerdings habe ich ihn erst als Nozze-Conte erlebt; in der nächsten Saison steht er uns ja als Dulcamara und Leprorello ins Haus. Ich werde also voraussichtlich Gelegenheiten haben, mein Urteil zu überprüfen.
Gutes Aussehen kann mE nur ein Fluch sein, wenn sich ein Künstler darauf reduzieren lässt. Beispielsweise halte ich Harteros für schöner, als Netrebko. Aber erstere - die ich übrigens auch künstlerisch höher einschätze - lässt sich im Gegensatz zur anderen kein bisschen vermarkten.
Diese Lucia-Verfilmung ist mir noch nicht untergekommen, was daran liegt, dass mich diese Oper kaum reizt. Anna Moffo kenne ich nur dem Namen nach.
Auf jeden Fall ist mir ein Sänger lieber, der ausgezeichnet singt, aber dafür zum Davonlaufen spielt (Beispiel Botha), als einer, bei dem es umgekehrt ist (Beispiel Kobel).
Was mich betrifft, so schaue ich mir nur in Ausnahmefällen Opern-DVDs an und besitze auch nur eine einzige (die Sanjust-Ariadne aus Wien). Ferner habe ich kein Opernglas und werde mir auch höchstwahrscheinlich nie eines zulegen, denn so nah möchte ich Sänger gar nicht sehen.
Billy :hello
Heike (02.07.2012, 00:57): Erwin Schrott halte ich um ehrlich zu sein nicht mal für einen B-Sänger. Das kann ich hinsichtlich seines Auftrittes in Berln als Leporello (am 24.6.12 gesehen) nicht bestätigen, da war er richtig gut. Ich kannte ihn bisher nur aus dem Fernsehen, wo er auf mich bisher einen allenfalls mittelmäßigen Eindruck machte. Ich habe schon etliche Leporellos auf der Bühne gehört, aber dieser war der beste, und zwar spielerisch als auch stimmlich. Vielleicht hatte er einen richtig guten Tag oder die Rolle liegt ihm, aber das war sogar weitaus besser als B.
Kleine Nebenbemerkung zu dieser Aufführung: Leider gab es mit Giuseppe Filianoti als Don Ottavio auch einen männlichen Totalausfall. Den hätte es auch nicht gerettet, wenn er wie "The Sexiest Man Alive" ausgesehen hätte.....
:hello Heike
Severina (02.07.2012, 01:24): Lieber Billy,
wenn Du Dich mit Kaufmann noch nicht viel befasst hast, frage ich mich aber schon, worauf Dein Urteil beruht, dass er überschätzt ist und seine Karriere zum Großteil (oder zum Teil) nur seinem Aussehen verdankt. Dass Dir sein Timbre nicht gefällt, ist etwas ganz anderes und natürlich zu akzeptieren. Es gibt viele Sänger, um die ich einen Bogen mache, weil sie mich einfach kalt lassen, deren Können ich aber trotzdem nicht in Abrede stelle (Calleja z.B.). Kaufmann hat übrigens 2006 als Alfredo an der MET debutiert, und zwar ganz regulär, nicht als Einspringer, und an der Seite von Angela Gheoghiu einen fulminanten Erfolg gefeiert. (Die NYer müssen ganz aus dem Häuschen gewesen sein, und die Gheorghiu hat von da an weltweit Kaufmanns Loblied gesungen. Wenn, dann hat das seine Karriere positiv beeinflusst, aber nicht sein Schlafzimmerblick unter schwarzen Locken. Den haben andere auch und bleiben trotzdem in der Unterliga!)
Schrott ist nicht so übel in den Dienerrollen, also als Figaro und Leporello, von den Chefs sollte er allerdings die Finger lassen, denn da fallen seine Defizite doch sehr peinlich auf. "Nicht übel" meine ich als Gesamtpaket, die Stimme alleine mach's nicht, aber er spielt in der Regel sehr engagiert.
Doch, im Unterschied zu Dir möchte ich den Sängern schon nahe sein, weil mich eben ihr Spiel genauso interessiert wie die Stimme, ich möchte die Mimik beobachten können, die kleinen Gesten sehen, die sich in der weiten Entfernung zur Galerie völlig verlieren. Operngucker allerdings verwende ich auch nicht, weil ich nicht an einem Gesicht festkleben will, sondern das Zusammenspiel aller im Auge haben möchte - wie reagiert A auf B, was macht C inzwischen usw. All das kriegt man kaum mit, wenn man eine Vorstellung nur durchs Glas betrachtet. Und genau deshalb mag ich auch DVDs, weil man da jede kleinste Regung im Gesicht verfolgen kann. Aber es ist völlig legitim zu sagen, dass das nur ein Nebenaspekt ist oder einen überhaupt nicht interessiert, sondern es einem nur um die Stimme geht. Ich höre Botha ja auch gerne zu, trotzdem empfinde ich ihn auf der Bühne immer mehr als Zumutung. Mich stört Übergewicht überhaupt nicht, so lange es einen Sänger nicht daran hindert, sich auf der Bühne normal zu bewegen. Genau das ist bei Botha aber nicht der Fall, der kommt ohne Hilfe nicht mehr vom Boden hoch, und dann wird die Sache erstens gesundheitlich bedenklich und zweitens peinlich. Anders Janina Baechle, die trotz ihrer überflüssigen Kilos unglaublich beweglich und in ihrer Spielfreude kaum einzubremsen ist - da stört es mich dann nicht die Bohne, dass sie weit von Modelmaßen entfernt ist.
So, es ist spät, morgen können wir dann gerne weiterplaudern!
lg Severina :hello
Billy Budd (02.07.2012, 10:30): Liebe Serverina,
jetzt überrascht Du mich schon, denn ich kann mich nicht erinnern, irgendwo geschrieben zu haben, Kaufmann sei überschätzt. Mittels der Suchfunktion habe ich eben festgestellt, dass ich 21 Beiträge verfasst habe, in denen der Begiff "Kaufmann" vorkommt. In keinem steht etwas von überschätzt! Aber vielleicht irre ich mich da. Ich spreche ihm auch nicht sein Können ab (das habe ich schon geschrieben), weiß durchaus, dass er u.a. gut Piano singen kann hat, nur gefällt mir sein Timbre überhaupt nicht.
Schrotts "Spiel" hat in der Nozze größtenteils aus Macho-Gesten bestanden (kann aber auch sein, dass er vom unfähigen Regisseur dazu angehalten wurde). Aber wie gesagt: Ich warte lieber auf meine nächste Live-Begegnung mit ihm.
Mich interessiert der Gesang viel mehr, als das Spiel (das ist aber natürlich nur eine andere Herangehensweise). Wenn mir die Musik besonders gut gefällt, schließe ich manchmal die Augen (wie unlängst in der Elektra) und höre nur zu. Deshalb habe ich übrigens im Unterschied zu Dir GAR NICHTS gegen konzertante Aufführungen. Im Gegenteil: Da kann ich mich völlig auf die Musik konzentrieren. Was mich an DVDs stört, ist, dass der Kameramann oft nicht dahin schwenkt, wo ich etwas sehen will. Auf der Galerie habe ich die ganze Bühne im Blickfeld.
Botha auf der Bühne finde ich übrigens nicht peinlich, sondern gelegentlich lustig. Ich bin schon gespannt, wie er den Otello machen wird. Bezüglich Baechle stimmen wir überein. Aber der Idealfall ist sicher, wenn alles (gute Stimme, Schauspieltalent und Bühnenpräsenz) zusammenkommt, was zum Beispiel bei Peter Seiffert der Fall ist.
Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Mir ist bei einem Opernsänger fast ausschließlich der Gesang wichtig, aber ich denke, dass man, um Karriere zu machen, auch Schauspieltalent besitzen muss und ein gutes Äußeres nicht schaden kann.
Billy :hello
Severina (02.07.2012, 14:03): Lieber Billy,
nein, "überschätzt" hast Du tatsächlich nicht geschrieben, das habe ich falsch in Erinnerung und nehme daher selbstverständlich mit Bedauern zurück, aber Du führst ihn in Deiner Flop-Liste, und das empfinde ich eigentlich als noch ärger, denn ein "überschätzter" Sänger hat immerhin dennoch einige Daseinsberechtigung auf der Bühne, während ein Flop für mich einfach nur auf den Müll gehört. Wenn Peter Jelosits tatsächlich um Klassen besser ist als Kaufmann, Villazón (in seiner guten Zeit natürlich!) u.a., dann frage ich mich, warum nicht er weltweit Don José, Cavaradossi, Werther etc. singt - weil alle Intendanten Trottel sind?? Jelosits macht einen ausgezeichneten Job als Ensemblesänger, aber ist schon genau dort, wo er meiner Meinung nach hingehört, nämlich in der zweiten Reihe. Und die ist natürlich genauso wichtig wie die erste, denn zwei Stars und rundherum nur Mittelmaß oder darunter reichen den wirklichen Opernfans nicht! Daher ist Jelosits natürlich top, aber in Relation zu ihm einen Kaufmann als Flop zu bezeichnen......
Ich bin damals auf Deine Liste nicht eingegangen, weil es mir im ersten Moment schwer gefallen wäre, da sachlich zu bleiben. Nein, nicht weil einige meiner Lieblinge darin aufscheinen, aber eine Edita Gruberova als Flop zu bezeichnen, zeugt wirklich von einer nassforschen Respektlosigkeit, die mir die Rede verschlägt.
Man kann Edita Gruberovas Timbre nicht mögen, man kann ihr sterile Kunstfertigkeit ohne Seele vorwerfen (Ich nicht, aber dieser Kritik musste sie sich seit jeher stellen), man kann sie als langweilig empfinden, aber man kann ihr ganz bestimmt nicht absprechen, dass sie technisch zu den perfektesten Sängerinnen ihrer Generation zählt, lange Jahre völlig zu Recht den Titel "Königin der Koloraturen" getragen hat (Dass sie den in letzter Zeit nachhaltig beschädigt, ist ein anderes - trauriges - Kapitel), dass sie in vielen Rollen Maßstäbe gesetzt hat, an die bisher keine ihrer Nachfolgerinnen wirklich herankommt. (Nämlich in dieser Konstanz!)Eine Sängerin, die beinahe 50 Jahre der Opernwelt unzählige Sternstunden beschert hat, als Flop zu bezeichen - dafür fehlen mir die Worte.
Noch einmal: Du darfst Edita Gruberova nicht mögen, Du darfst sagen, dass schon alleine ihr Anblick oder ihr Timbre genügen, um in Dir Fluchtreflexe auszulösen, alles OK, aber nur, weil Du persönliche Aversionen gegen einen Sänger verspürst, ist er noch lange kein Flop. (Da wäre meine Flop-Liste unendlich lang, außerdem stünden Namen drauf, die speziell bei älteren Opernfans ein großes Aufheulen auslösen würden!)
Ich kann z.B. mit dem von Dir verehrten Peter Seiffert nicht viel anfangen, aber er ist natürlich trotzdem ein toller Tenor, und nur weil er mich nicht berührt, heißt das ja nicht, dass er das bei anderen auch nicht schafft. Natürlich ist Seiffert top, auch wenn ICH mich nicht unbedingt darum reiße ihn zu hören.
Nix für ungut, aber Du hast mir selbst das Hölzerl geworfen :D
lg Severina :hello
Billy Budd (02.07.2012, 14:54): Liebe Severina, nein, "überschätzt" hast Du tatsächlich nicht geschrieben, das habe ich falsch in Erinnerung und nehme daher selbstverständlich mit Bedauern zurück, aber Du führst ihn in Deiner Flop-Liste, und das empfinde ich eigentlich als noch ärger, denn ein "überschätzter" Sänger hat immerhin dennoch einige Daseinsberechtigung auf der Bühne, während ein Flop für mich einfach nur auf den Müll gehört. ich mag grundsätzlich keine solchen Top/Flop-Listen. Aber da es hier keinen anderen Thread gibt, um seine Lieblingssänger vorzustellen, habe ich den genommen. Und einen von mir ungeliebten Sänger werfe ich in der Regel nicht auf dem Müll, sondern versuche, ihm auszuweichen, so weit es geht. Aber Kaufmann hat hier ohnehin genug Fans, weswegen ihn es nicht stören dürfte, wenn ihm der eine oder der andere wenig abgewinnen kann. :D Allerdings sind die Bezeichnungen "überschätzt" und "unterschätzt" immer subjektiv. Ich halte beispielsweise Walter Fink für unterschätzt; andere nicht. Umgekehrt verhält es sich mit Derntl. Wenn Peter Jelosits tatsächlich um Klassen besser ist als Kaufmann, Villazón (in seiner guten Zeit natürlich!) u.a., dann frage ich mich, warum nicht er weltweit Don José, Cavaradossi, Werther etc. singt - weil alle Intendanten Trottel sind?? Jelosits macht einen ausgezeichneten Job als Ensemblesänger, aber ist schon genau dort, wo er meiner Meinung nach hingehört, nämlich in der zweiten Reihe. Und die ist natürlich genauso wichtig wie die erste, denn zwei Stars und rundherum nur Mittelmaß oder darunter reichen den wirklichen Opernfans nicht! Daher ist Jelosits natürlich top, aber in Relation zu ihm einen Kaufmann als Flop zu bezeichnen...... Natürlich weiß ich, dass Jelosits eben nicht das Zeug für den Florestan, sondern für den Jaquino hat. Wie Du geschrieben hast, steht er in der zweiten Reihe, wo er hingehört. Da Kaufmann und Jelosits logischerweise nicht die gleiche Rollen singen, kann man die beiden eigentlich nicht vergleichen, aber es gibt auf Youtube eine Aufnahme, auf der Kaufmann als Jaquino zu hören ist. Und da gefällt er mir überhaupt nicht. Ich bin damals auf Deine Liste nicht eingegangen, weil es mir im ersten Moment schwer gefallen wäre, da sachlich zu bleiben. Nein, nicht weil einige meiner Lieblinge darin aufscheinen, aber eine Edita Gruberova als Flop zu bezeichnen, zeugt wirklich von einer nassforschen Respektlosigkeit, die mir die Rede verschlägt. Man kann Edita Gruberovas Timbre nicht mögen, man kann ihr sterile Kunstfertigkeit ohne Seele vorwerfen (Ich nicht, aber dieser Kritik musste sie sich seit jeher stellen), man kann sie als langweilig empfinden, aber man kann ihr ganz bestimmt nicht absprechen, dass sie technisch zu den perfektesten Sängerinnen ihrer Generation zählt, lange Jahre völlig zu Recht den Titel "Königin der Koloraturen" getragen hat (Dass sie den in letzter Zeit nachhaltig beschädigt, ist ein anderes - trauriges - Kapitel), dass sie in vielen Rollen Maßstäbe gesetzt hat, an die bisher keine ihrer Nachfolgerinnen wirklich herankommt. (Nämlich in dieser Konstanz!)Eine Sängerin, die beinahe 50 Jahre der Opernwelt unzählige Sternstunden beschert hat, als Flop zu bezeichen - dafür fehlen mir die Worte. Noch einmal: Du darfst Edita Gruberova nicht mögen, Du darfst sagen, dass schon alleine ihr Anblick oder ihr Timbre genügen, um in Dir Fluchtreflexe auszulösen, alles OK, aber nur, weil Du persönliche Aversionen gegen einen Sänger verspürst, ist er noch lange kein Flop. (Da wäre meine Flop-Liste unendlich lang, außerdem stünden Namen drauf, die speziell bei älteren Opernfans ein großes Aufheulen auslösen würden!) Dass Gruberová so perfekt ist, möchte ich bezweifeln. Bei uns am Stehplatz ist sie äußerst ungeliebt (um nicht "verhasst" zu schreiben), was nicht nur an den von Dir aufgezählten Punkten liegt, sondern auch daran, dass sie nach Aussage von mehreren Besuchern (darunter ist einer, der Gesang studiert hat und einer mit absolutem Gehör - also keine ganz ahnungslosen Leute) STÄNDIG ein wenig zu hoch singt. Mir ist das vor kurzer Zeit auch noch nicht aufgefallen. Erst vor ein paar Tagen, habe ich mir wieder meinen Ariadne-Film mit ihr angeschaut und da wirkt sie ununterbrochen wie ein Automat. Eine Zerbinetta muss für mich mehr haben. Andererseits ist es nicht gerecht, über sie stärker herzuziehen, als über Lippert und vor allem Kobel, die meist/andauernd falsche Töne abliefern. Du darfst aber auch nicht vergessen, dass ich manche Deiner Lieblingssänger auch mag.
Außerdem: Eine Top/Flop-Liste ist selbstversändlich subjektiv. Sonst müsste ich alle berühmten Sänger unter "Top" reihen.
Ich kann z.B. mit dem von Dir verehrten Peter Seiffert nicht viel anfangen, aber er ist natürlich trotzdem ein toller Tenor, und nur weil er mich nicht berührt, heißt das ja nicht, dass er das bei anderen auch nicht schafft. Natürlich ist Seiffert top, auch wenn ICH mich nicht unbedingt darum reiße ihn zu hören. Das ist ja auch völlig in Ordnung. Ich wette aber, dass Kaufmann mit 58 nicht so gut singen wird, wie Seiffert jetzt. Nix für ungut, aber Du hast mir selbst das Hölzerl geworfen :D Kein Grund, Dich zu entschuldigen; ich liebe solche Debatten. Und so lange wir nur zur Sache und nicht zur Person argumentieren, ist doch alles in Ordnung! :beer Billy :hello
Severina (02.07.2012, 15:55): Lieber Billy,
Deinen letzten Satz kann ich nur unterstreichen :beer! Im Übrigen geht's mir wirklich nicht darum, ob Du meine Lieblinge magst oder nicht, ich würde auch nie versuchen, da missionarisch tätig zu werden, weil ich von mir selbst weiß, wie sinnlos das ist. Entweder, der Funke springt über, oder er tut's eben nicht.
Aber eine Edita Gruberova in einem Atemzug mit Benedikt Kobel als Flop zu bezeichnen, da mus ein alter Opernhase wie ich wirklich schlucken. (Und nein, das ist natürlich kein Seitenhieb auf Deine Jugend!) Dass sie ständig zu hoch singt, höre ich zum ersten Mal, aber ich verfüge leider über alles andere als ein absolutes Gehör, weshalb mir die exakte Intonation nicht so wichtig ist. Aber ich kann mir natürlich gut vorstellen, dass jemand, der eben wirklich jede kleine Abweichung hört, darunter leidet. Was den Stehplatz betrifft, so kann ich mich noch aus meinen eigenen Zeiten nur zu gut daran erinnern, wie dort die gruppendynamischen Prozesse ablaufen :D :D :D Plötzlich hören alle etwas ganz Bestimmtes, obwohl's in Wahrheit nur drei Leute behaupten, aber man will ja nicht als inkompetent da stehen. Das letzte Erlebnis dieser Art hatte ich vor wenigen Jahren, ich hab's, glaube ich, schon einmal erzählt: Marcello Alvarez sang den Rodolfo, und zwar wirklich gut, aber auch nicht so über-drüber, wie einige Enthusiasten behaupteten. Nach "Che gelida manina" erläuterten die Experten, dass Alvaréz seit langem der erste Tenor wäre, der das in der Originaltonart gesungen hätte, ansonsten wär aktuell keiner in der Lage, den Spitzenton ohne Transponieren zu erreichen. Alle nahmen das sehr beeindruckt zur Kenntnis, darunter natürlich auch ich. Nun gehöre ich zu den Stehplatzbesuchern, die am Schluss gerne ins Parterre wechseln, um die Sänger auch einmal von ganz nahe zu sehen. Ich stand also an der Rampe, als mir plötzlich auffiel, dass auf den bereits geschlossenen Partituren weiße Zettel lagen. Neuguerig beugte ich mich vor, und was stand da "Achtung! Rodolfo-Arie transponiert!" So viel zu den Experten :rofl Wobei ich natürlich nicht leugne, dass es die tatsächlich gibt, nur ist nicht jeder, der sein Expertentum hervorkehrt, auch tatsächlich einer. Wenn übrigens jeder mit Gesangsausbildung die exakte Intonation kennt und bei anderen jede Abweichung hört, frage ich mich aber schon, warum es so viele falsch singende Sänger gibt :D
Dass Deine Clique die Grubsi hasst, glaube ich Dir aufs Wrt, aber ich bin mir sicher, dass es auch die andere Fraktion gibt. (Möglicherweise frequentiert die aber auch nicht mehr den Stehplatz, weil die Grubsi-Fans naturgemäß nicht unter den ganz Jungen zu finden sein werden.) Zu meiner Zeit ging's auf dem Stehplatz bei manchen Sängern zu wie auf einem Stadtderby Rapid-Austria. Wobei das offensichtlich noch harmlos war im Vergleich zu den 40er-und 50erjahren, von der mir meine alte Opernfreundin erzählte, dass sich da die Anhänger der beiden Tenöre Set Svanholm und Helge Roswaenge richtige Prügeleien (Natürlich nach der Vorstellung!) geliefert hätten.
Übrigens mag ich Top-Flop-Listen auch nicht, deshalb habe ich mich auch nicht daran beteiligt. Sinnvoller und vor allem interessanter finde ich "Meine Lieblingssänger", vielleicht mit einer kurzen Begründung bzw. Rollen in denen man sie/ihn besonders toll findet, denn das macht mich neugierig auf Künstler, die ich bisher nicht so im Fokus hatte.
lg Severina :hello
Ulrica (02.07.2012, 18:03): Ich hoffe, ich darf mitmischen:-)
Wirklich als Flop würde ich kaum jemanden bezeichnen, der/die es so weit gebracht haben wie die Genannten. Ohne was zu können, geht es nicht. Und auch mich stört es, bei allem was man geschmacklich vielleicht sagen kann, Edita Gruberova als Flop hier wieder zu finden.Das verbietet sich wirklich angesichts dieser langanhaltenden Karriere und der immer noch gepflegt arbeitenden Stimme. Dieses Phänomen ist keine Glücksache, sondern dahinter steht ein solider Sockel an Leistungsfähigkeit, der immer noch auf den Punkt abrufbar ist.
Dass bei dieser Menge an Singleistung auch schlechte Tage und Indispositionen dabei sind, ist normal. Man muss das in relation mit der Nachhaltigkeit einer Präsenz im Geschäft setzen.
Was m. E. oft zu dauerhaften Negativergebnissen führt, ist die Tatsache, dass zu viele das Falsche singen, falsche Fächer, die ihnen nicht liegen. Dazu habe ich in puncto Kaufmann auch schon einiges geschrieben z. B. Die Ausreife der dramatischen Fächer wird nicht mehr abgewartet, sondern die Leute verheizt. So viel Einblick in das Gechäft hatte ich bereits, um zu wissen, dass dies eigentlich das Hauptproblem ist als ursache vieler Unzufriedenheiten.
Ein Sänger/eine Sängerin, der/ die nicht mehr kann, wird leider tatsächlich zum Flop. Schade immer drum.
LG
Ulrica.
Severina (02.07.2012, 18:22): Liebe Ulrica, wie schön, wieder einmal von Dir zu lesen! :D Und gerade in diesem Thread ist eine Meinung von einer aktiven Sängerin natürlich umso wertvoller. Was Grubsi betrifft, so fürchte ich nur eines, dass sie den richtigen Zeitpunkt zum Rückzug schon beinahe verpasst hat (siehe meine Rezension zum Roberto Devereux), es wäre jammerschade, wenn sie ihre großartige Karriere mit Vorstellungen beenden würde, bei denen ihr nur mehr nostalgische Gefühle einen Applaus sichern.
Was meinst Du denn konkret zu Kaufmann? Magst Du nicht ein paar Sätze dazu in seinem Thread schreiben? Würde mich wirklich interessieren, wie Du sein Repertoire bzw. seine Stimme einschätzt!
lg Severina :hello
Billy Budd (02.07.2012, 18:41): Liebe Severina, ich denke, Du hast alles Notwendige gesagt. Erwähnen möchte ich lediglich, dass meine Freunde (ich bezeichne aber keinesfalls alle meine Bekannten vom Stehplatz als "Freunde"; nur einen kleinen Teil!) sich nicht für abgehoben halten oder denken, dass sie alles besser wissen als andere. Zum Beispiel bin ich der einzige, der Seiffert mehr mag als Botha, aber das wird ohne weiteres respektiert. Schade, dass Du nicht in der Elektra warst, denn da hättest Du einen Sänger (Lippert) gehört, der fast jeden Ton falsch gesungen hat. Dass Deine Clique die Grubsi hasst, glaube ich Dir aufs Wrt, aber ich bin mir sicher, dass es auch die andere Fraktion gibt. (Möglicherweise frequentiert die aber auch nicht mehr den Stehplatz, weil die Grubsi-Fans naturgemäß nicht unter den ganz Jungen zu finden sein werden.) Ja, die gibt es natürlich. Wobei es in meiner Clique zwei Studenten gibt, die die Gruberova lieben. Der älteste mir bekannte Stehplatzbesucher ist übrigens 88 Jahre alt. Es soll auch einen 94-jährigen Herren geben, aber das kann ich nicht bestätigen. Übrigens halte ich den Begriff "Clique" in diesem Zusammenhang nicht ganz für passend. Eine Clique ist nämlich mE eine Art geschlossene Gesellschaft, die niemanden an sich heranlässt und für die alle anderen Luft sind. "Freundeskreis" würde da besser passen. Das nur der Vollständigkeit halber. Wobei das offensichtlich noch harmlos war im Vergleich zu den 40er-und 50erjahren, von der mir meine alte Opernfreundin erzählte, dass sich da die Anhänger der beiden Tenöre Set Svanholm und Helge Roswaenge richtige Prügeleien (Natürlich nach der Vorstellung!) geliefert hätten. Ja, Du hast im T-Forum eine lustige Geschichte erzählt, die damit endete, dass Bonisolli-Fans Hans Graf nach der Vorstellung abgepasst und abgewatscht haben. :D Billy :hello
ar (02.07.2012, 19:23): Original von Billy Budd
Allerdings sind die Bezeichnungen "überschätzt" und "unterschätzt" immer subjektiv. Ich halte beispielsweise Walter Fink für unterschätzt; andere nicht. Umgekehrt verhält es sich mit Derntl.
Lieber Billy, sorry dass ich dir hier ein bisschen widersprechen muss, aber es GIBT objektive Kirterien, anhand deren jeder, der etwas von Technik versteht, jemanden als über- oder unterschätzt bezeichnen kann.
Als Gesangsstudent stimme ich Ulrica in allem zu. Jeder Sänger, der es ins obere Drittel geschaft hat (auch Schrott), ist nicht notorisch überschätzt. Klar findet man bei jedem Mängel (Schrott: Intonationsschwächen durch zum Teil fehlende Fokussierung, Kaufmann: manchmal wirklich zu gekünstelt abgedunkelt (macht Einheitsregister schwer), Harteros: grosse Tendenz zum distonieren, stemme: manchmal "übersteuerte Höhen", Netrebko: Tendenz zum "zu hoch" singen...), aber unter dem Strich sind sie alle fähig, die Leistung meistens zum richtigen Zeitpunkt abzurufen. LG
Billy Budd (02.07.2012, 20:06): Lieber ar, eigentlich habe ich ziemlich genau das gemeint, was Du schreibst. Die Beurteilung von Stimmen ist nicht ausschließlich subjektiv, sondern unterliegt objetiven Maßstäben, wie die von Dir beschriebenen. Mit dem von Dir zitierten Beitrag habe ich gemeint, dass es subjetiv ist, ob man z.B. Callas liebt und Tebaldi für überschätzt hält, ob es umgekehrt ist. Übrigens darfst Du mir gerne öfters widersprechen! :cool :D Du kennst Dich bezüglich Oper besser als aus als ich und Deine Beiträge schätze ich sehr! Billy :hello
Billy Budd (02.07.2012, 20:11): Original von Severina Ich kann z.B. mit dem von Dir verehrten Peter Seiffert nicht viel anfangen, aber er ist natürlich trotzdem ein toller Tenor, und nur weil er mich nicht berührt, heißt das ja nicht, dass er das bei anderen auch nicht schafft. Natürlich ist Seiffert top, auch wenn ICH mich nicht unbedingt darum reiße ihn zu hören.
Nur noch kurz ein Nachtrag: Verehrt wird von mir kein Sänger, denn darunter verstehe ich, dass man ihn bedingungslos adoriert, x Autogramme von ihm hat, beim Bühnentürl auf ihn wartet, immer Bravo schreit etc. Seiffert ist einer meiner Lieblingssänger - das stimmt - aber (wie Du auch z.B. diesem Cavalleria-Bericht entnehmen kannst) bin ich nicht taub für seine Fehler und er hat - wie auch kein anderer Sänger - einen Immer-alles-großartig-Bonus.
Aber so ist es natürlich auch bei Deinen Lieblingssängern.
Billy :hello
Ulrica (02.07.2012, 22:30): Liebe Severina,
ich müsste mich hier wiederholen, denn geschrieben habe ich im Kaufmann - Thread selber, auf der letzten Seite davon.
So wirklich mein Fall, einer, der mich vom Hocker reißt, ist er ganz und gar nicht. Dazu klingt mir die Stimme selber derzeit zu nichtssagend. Und als Lohengrin im großen Haus zumindest zeitweise überfordert. Viel zu schwergewichtig das Ganze für ihn. Sigmund? Oh nee.....:-( Ich fürchte, damit hat er sich einiges Schönes aus der Stimme rausgekloppt, mal salopp gesagt.
Warum um alles in der Welt singen er und (noch heftiger daneben) Annette Dasch "Lohengrin" in Bayreuth?
Ich verehre auch niemanden, denn ein gewisses Maß an Objektivität, finde ich, muss sein, auch wenn ich Affinitäten aufbaue. Im leichteren, lyrischen Bereich sind einige echt gute Leute aktuell unterwegs, aber z. B. im Wagnerfach sind, ehrlich gesagt, die meisten, die mich stimmlich echt begeistern, leider entweder schon tot oder nicht mehr aktiv.
Aiusnahme z. B: Jennifer Wilson als Brünhilde, Petra Lang als Ortrud, Matti Salminien mir seinem Bass (wird aber wohl auch bald aufhören) und Johan Botha (der m. E. auch dann noch fähig ist, runde Töne rauszubringen, wenn er gerade dabei ist, sich vom Bühnenboden hochzuquälen; ist sicher suboptimal, aber besser , als einer, der es stimmlich gar nicht reißt)
Schönsein ist mir ziemlich wurscht dabei, nicht alle Opernfiguren sind "schöne" Menschen.
LG
:hello :hello
Ulrica
Karolus Minus (02.07.2012, 22:59): Original von Severina Es stimmt außerdem nicht, dass Aussehen früher keine Rolle gespielt hat. Vielleicht kommt Dir ja einmal die Lucia-Verfilmung mit Anna Moffo unter: Wenn es bei dieser Rollenvergabe um Stimme oder schauspielerisches Vermögen gegangen ist, fresse ich einen Besen!
Wenn Du den Farbfilm meinst - der Regisseur war ihr Mann... Wobei man auch sagen muß, daß die Moffo ihre Karriere am Anfang nicht wegen der Optik gemacht hat, da besaß sie nämlich noch eine ziemlich große Hakennase, und obendrein eine schöne lyrische Stimme, wovon etliche RAI-Filme aus den späten 50ern zeugen. Irgendwann hat sie dann die Nase operieren lassen (was ich ihr nicht mal verdenken kann) LG Karolus Minus
Severina (02.07.2012, 23:02): Liebe Ulrica,
stimmt, aber leider bist Du dann aus der Diskussion ausgestiegen und nicht auf meine letzte Frage eingegangen, wo Kaufmann Deiner Meinung nach einzuordnen ist. Macht aber nix :D
Schön muss ein Sänger für mich auch nicht sein, aber Charisma muss er haben und vor allem spielen können, das ist für mich ganz wichtig, und deshalb habe ich meine Probleme mit Botha. Der bringt für mich einfach keine glaubhafte Figur auf die Bühne, und das hat nur bedingt mit seiner Figur zu tun. (Obwohl er inzwischen derart zugelegt hat, dass er sich wahrscheinlich gar nicht mehr bewegen könnte, selbst wenn er wollte. Ich bin bei der "Tosca" richtig erschrocken, denn so wohlbeleibt hatte ich ihn nicht in Erinnerung. Dass er das wahrscheinlich auch gesundheitlich nicht mehr lange packt, kommt dazu, ist aber natürlich sein Problem.)
Ich hab's schon in diversen Threads geschrieben, dass gerade die "Fehlbesetzungen" im Wagnerfach mir Wagner erschlossen haben, denn die großen Wagnerstimmen haben mich immer abgeschreckt. Mein erster Lohengrin war Francisco Araiza (ich glaub 1982), der stimmlich noch wesentlich leichtgewichtiger als Kaufmann war. Mit ihm Begann eigentlich die neue Ära der lyrischen Wagnerstimmen, die sich doch der Meister speziell für den Lohengrin gewünscht hat, wenn ich nicht irre. Seine Gralserzählung hat mich ähnlich berührt wie Kaufmanns Interpretation, auch wenn sich "echte" Wagnerianer vor Grauen schütteln.
Etwas anderes ist es, dass Du Kaufmanns Stimme generell nichts abgewinnen kannst, das ist eben Geschmackssache. Ich mag baritonal gefärbte Tenöre, außer im Belcantofach, da ist Flórez für mich das Maß aller Dinge. Ich "verehre" übrigens auch keine Sänger und gehe mit meinen Lieblingen oft härter ins Gericht als mit anderen, die mir egal sind, weil da die Enttäuschung viel größer ist, wenn sie nicht die erwartete Leistung bringen. (So ziemlich die einzige negative Kritik weit und breit zu Villazóns Comeback-Werther - das 1. comeback.... - stammte von mir, ich hab's mit blutendem Herzen geschrieben, aber es entsprach eben meiner Wahrnehmung!)
lg Severina :hello
Severina (02.07.2012, 23:12): Original von Karolus Minus Original von Severina Es stimmt außerdem nicht, dass Aussehen früher keine Rolle gespielt hat. Vielleicht kommt Dir ja einmal die Lucia-Verfilmung mit Anna Moffo unter: Wenn es bei dieser Rollenvergabe um Stimme oder schauspielerisches Vermögen gegangen ist, fresse ich einen Besen!
Wenn Du den Farbfilm meinst - der Regisseur war ihr Mann... Wobei man auch sagen muß, daß die Moffo ihre Karriere am Anfang nicht wegen der Optik gemacht hat, da besaß sie nämlich noch eine ziemlich große Hakennase, und obendrein eine schöne lyrische Stimme, wovon etliche RAI-Filme aus den späten 50ern zeugen. Irgendwann hat sie dann die Nase operieren lassen (was ich ihr nicht mal verdenken kann) LG Karolus Minus
Ja, genau den Film meine ich! Als ich den zum ersten Mal sah, fragte ich mich, ob das ganze ernst gemeint war oder nicht vielleicht doch eine Parodie auf die Oper sein sollte.... Kannst Du mir einige Filme/Aufnahmen aus ihrer guten Ära empfehlen? Ich kenne sie nämlich nur in Covergirl-Posen und mit einer Stimme, die ersteres notwendig erscheinen ließ, um von ihr abzulenken..... Mit einem Wort, Anna Moffo verkörperte für mich immer exakt das, was man Anna Netrebko lange Zeit sehr zu Unrecht vorgeworfen hat. (Wobei es ja nicht ohne Ironie ist, dass zum Teil dieselben Leute, die sie als hirn- und stimmloses Pinnup-Girl der Oper verunglimpft haben, nun über ihre etwas aus der Form geratene Figur lästern und plötzlich nur mehr eine unerotische Babuschka in ihr sehen......)
lg Severina :hello
Billy Budd (03.07.2012, 00:33): Liebe Severina, ich habe mir jetzt Deinen zweiten und dritten Beitrag nochmals durchgelesen und muss etwas ergänzen: aber nur, weil Du persönliche Aversionen gegen einen Sänger verspürst, ist er noch lange kein Flop. Hier gebe ich Dir recht. Nur: Ich verspüre gegenüber Gruberová keinerlei persönliche Aversionen. Warum ich sie nicht mag, habe ich wohl klar und deutlich dargestellt. Ich kenne sie nicht persönlich und habe auch keine Ahnung, welchen Charakter sie hat. Dass sie arrogant sein soll, habe ich gehört, aber ihr Privatleben interessiert mich nicht. Glücklicherweise singt sie großteils Belcanto. :D Ich bin aber nicht der einzige, der sich in diesem Thread negativ über sie geäußert hat.
Ein Sänger, gegen den ich aber persönliche Aversionen habe, ist Benedikt Kobel, weil er beinahe jede Aufführung ruiniert, für die er auf dem Besetzungszettel aufscheint. Allerdings muss man ihm zugestehen, dass er sich in letzter Zeit offenbar regelmäßig einsingt, weswegen sein Wackler nicht allzu stark ist.
Ein Sänger, der auch ziemlich falsch singt, ist Berry (zumindest als Barak). Er hat eine schöne Stimme, kann damit auch viel ausdrücken, was mir aber wenig nützt, wenn er nicht korrekt intoniert.
Dass ich außerdem Peter Seiffert nicht verehre, habe ich schon weiter oben dargelegt.
Was den Stehplatz betrifft, so kann ich mich noch aus meinen eigenen Zeiten nur zu gut daran erinnern, wie dort die gruppendynamischen Prozesse ablaufen :D :D :D Plötzlich hören alle etwas ganz Bestimmtes, obwohl's in Wahrheit nur drei Leute behaupten, aber man will ja nicht als inkompetent da stehen. Das letzte Erlebnis dieser Art hatte ich vor wenigen Jahren, ich hab's, glaube ich, schon einmal erzählt: Marcello Alvarez sang den Rodolfo, und zwar wirklich gut, aber auch nicht so über-drüber, wie einige Enthusiasten behaupteten. Nach "Che gelida manina" erläuterten die Experten, dass Alvaréz seit langem der erste Tenor wäre, der das in der Originaltonart gesungen hätte, ansonsten wär aktuell keiner in der Lage, den Spitzenton ohne Transponieren zu erreichen. Alle nahmen das sehr beeindruckt zur Kenntnis, darunter natürlich auch ich. Nun gehöre ich zu den Stehplatzbesuchern, die am Schluss gerne ins Parterre wechseln, um die Sänger auch einmal von ganz nahe zu sehen. Ich stand also an der Rampe, als mir plötzlich auffiel, dass auf den bereits geschlossenen Partituren weiße Zettel lagen. Neuguerig beugte ich mich vor, und was stand da "Achtung! Rodolfo-Arie transponiert!" So viel zu den Experten :rofl Wobei ich natürlich nicht leugne, dass es die tatsächlich gibt, nur ist nicht jeder, der sein Expertentum hervorkehrt, auch tatsächlich einer. Ich denke, das vermittelt ein völlig falsches Bild eines Teils meiner Freunde. Dass irgendjemand von ihnen sein "Expertentum" (in diesem Zusammenhang stammt der Begriff "Experte" nicht von mir) hervorgekehrt hätte, habe ich nie erlebt. Besonders anlässlich der FroSch gab es starke Meinungsverschiedenheiten, die aber auf Sachebene blieben und nie in persönliches Hick-Hack ausarteten. Es gibt genau eine, die Villazón mag, aber deswegen nicht als taub hingestellt wird.
Sinnvoller und vor allem interessanter finde ich "Meine Lieblingssänger", vielleicht mit einer kurzen Begründung bzw. Rollen in denen man sie/ihn besonders toll findet, denn das macht mich neugierig auf Künstler, die ich bisher nicht so im Fokus hatte. Ja, ich auch. Aber in Ermangelung eines solchen habe ich mich des "Top/Flop"-Threads bedient.
Bitte entschuldige, dass ich nochmals nachgelegt habe, aber manches wollte ich nicht ohne Kommentar stehen lassen. Billy :hello
Severina (03.07.2012, 12:24): Das ist Dir unbenommen, und ich finde es ja auch schön, dass die neue Stehplatzgeneration offensichtlich um so viel reifer, souveräner in ihrem Urteil und völlig immun gegen Manipulation ist - wir waren seinerzeit halt weniger unfehlbar und leichter zu beeinflussen.....
Berrys Barak habe ich nie gehört, weil die FroSCH bekanntlich nicht zu den Opern zählt, die ich mir freiwillig anhöre :wink, aber in sehr vielen anderen Partien. Vielleicht hat er da ja auch falsch gesungen, keine Ahnung. Aber wie ich schon oft erklärt habe, sind mir eine farbenreiches Timbre, Ausdruck und eine überzeugende Rollengestaltung wichtiger als die exakte Tonhöhe. Allerdings frage ich mich schon, warum Berry dann jahrelang als DER Barak gegolten hat, sich alle Opernhäuser darum gerissen haben, dass er seine Paraderolle auch bei ihnen interpretiert. Waren die Dirigenten alle taub, oder haben alle anderen noch falscher gesungen??
lg Severina :hello
Billy Budd (03.07.2012, 12:28): Liebe Severina, ich habe Berry nur in zwei anderen Rollen gehört: Als Musiklehrer (Ariande) und Papageno. Da hat er mir sehr gut gefallen. Allerdings frage ich mich schon, warum Berry dann jahrelang als DER Barak gegolten hat, sich alle Opernhäuser darum gerissen haben, dass er seine Paraderolle auch bei ihnen interpretiert. Waren die Dirigenten alle taub, oder haben alle anderen noch falscher gesungen?? Das kann ich natürlich nicht beantworten. Billy :hello
Ulrica (05.07.2012, 21:33): Original von Severina Allerdings frage ich mich schon, warum Berry dann jahrelang als DER Barak gegolten hat, sich alle Opernhäuser darum gerissen haben, dass er seine Paraderolle auch bei ihnen interpretiert. Waren die Dirigenten alle taub, oder haben alle anderen noch falscher gesungen??
lg Severina :hello
:rofl :rofl Bei der FroSch kann schon mal was daneben gehen. Bei Allen. Da ich mich mit der Amme - Partitur intensiv befasst habe, kann ich versichern, dass das sauschwer ist.
Liebe Severina,
wo man J.K. "einordnen" kann( sollte?), kann ich nicht sagen, und, wie gesagt, so extrem beschäftigt er mich nicht. Als Fidelio fand ich ihn gut und in verschiedenen italienischen Rollen. Aber m. E. zeigt oder zeigte er stimmliche Ermüdung. Da ist mal eher Pause angesagt, was erja auch gemacht hat. Eine Stimme kann sich auch wieder regenerieren.
Wenn eine von den von dir etwas geschmähten Wagnerstimmen in einem A - Haus sich gegen ein großes Orchster durchsetzen muss, relativiert sich das Erschreckende sehr schnell, vor allem un den hinteren Rängen.
Muss aufhören, wir haben wieder Gewitter.
LG Ulrica :hello
Severina (07.07.2012, 00:56): Liebe Ulrica,
mit "einordnen" meinte ich, welche Partien Du als für ihn richtig empfindest, und das hast Du ja nun beantwortet. Denn alle Welt "weiß", dass Kaufmann das Falsche singt, aber was nun das Richtige ist, da scheiden sich die Geister. Mir gefällt er in französischen und deutschen Opern (Leider, denn die liebe ich nun gar nicht so...) am besten, am wenigsten in Verdipartien, wie ich schon einige Male gesagt habe. Nun bin ich leider keine Fachfrau und kann dieses mein Bauchgefühl nicht begründen, aber so glücklich wie mit Fidelio, Lohengrin (Ja, Lohengrin!!), Werther, Cavaradossi etc. macht er mich als Carlo und Alfredo nicht.