Was höre ich gerade - neben der Klassik 2022

Philidor (03.01.2022, 22:21):
HIer mal wieder diese Herren:

Esbjörn Svensson Trio: From Gagarin's Point of View

Esbjörn Svensson, Klavier
Dan Berglund, Bass
Magnus Öström, Drums



Gruß
Philidor

:hello
Cetay (04.01.2022, 03:13):

Ozric Tentacles - Technicians of the Sacred (2015)

Das Debut der Ozrics liegt nun auch schon 37 Jahre zurueck und die Veroeffentlichungen kann man nicht mehr zaehlen. Zeahlen kann man darauf, dass sie niemals auch nur das geringste an ihrem Rezept aendern werden. Der PR-Text meint, die Mischung aus Hippie-Ästhetik und Raver-Elektronik mit spiralförmigen Gitarren, texturierten Keyboard- und Midi-Sampler-Wellen und super-groovigen Bass- und Schlagzeugrhythmen verbindet Fans von Progressive Rock, Psychedelia und DJ-Kultur. So ist es. Durch die technische Entwicklung sind die elektronischen Klanglandschaften ausgefeilter und nehmen einen groesseren Raum ein, die Produktion ist ausgereifter als auf den Alben aus den 80ern und irgendwann ist ihnen leider der Floetist abhanden gekommen, aber sie bleiben absolut unverwechselbar. Eine Nische zu finden, in der man als reine Instrumentalband ueber einen so langen Zeitraum im Geschaeft bleibt - das ist ein kleines Wunder.
Maurice inaktiv (04.01.2022, 19:07):


McKinney's Cotton Pickers AD: 1928-1931

Heute dürfte diese Band nur noch Insidern bekannt sein, aber zu ihrer Zeit war sie eine der besten schwarzen, frühen Bigbands gewesen. Zunächst von Don Redman geleitet, übernahm das dann 1931 Benny Carter. Dies waren gleich zwei der führenden Arrangeure (und Komponisten) der damaligen Zeit gewesen. Der Co-Leader und Arrangeur war der jeweils der Trompeter Jon Nesbitt gewesen, der ebenfalls heute nahezu unbekannt sein dürfte.

Ursprünglich gehörte die Band dem fast alles "fressenden" Jean Goldkette, der mit einigen Bands durch das Land zog.

In der Band saßen neben den Chefs so Leute wie die Trompeter/Kornettisten Joe Smith, Rexx Stewart, Doc Cheatham (später viele Jahre bei Calloway) und Sidney de Paris, die späteren Ellington und Calloway-Posaunisten Claude Jones und Quentin Jackson, Hilton Jefferson (Altsax, später viele Jahre mit Cab Calloway, kurz auch bei Ellington), Prince Robinson (Klaritette, Tenorsax, später Earl Hines und Louis Armstrong), Ralph Escudero und Billy Taylor (der später auch ein exzellenter Kontrabassist wurde) an der Tuba, Fats Waller am Klavier und die Drummer Cuba Austin und Kaiser Marshall (Ex-Fletcher Henderson) am Schlagzeug.
Maurice inaktiv (04.01.2022, 19:08):


Jabbo Smith : The Complete 1929/1938-Sessions AD: 1927-1931, 1934 & 1938

Jabbo Smith (1908-1991) dürfte einer der "gescheiterten frühen Legenden des Jazz" gelten. Um 1929 herum als einer der wenigen wirklich ernst zu nehmenden Trompeter neben Louis Armstrong, traf er dann einige falsche Entscheidungen und geriet nach 1938 in totale Vergessenheit. Anfang der 1960-er Jahren kam es zu einem kurzen Comeback und Aufnahmen (1961), die aber nur noch ein Schatten seiner Glanzzeit waren. Zu sehr hatte der Alkohol zugeschlagen bei ihm.

1927 machte er mit Charlie Johnson und Duke Ellington ("Black and Tan Fantasy", 03.11.1927) Aufnahmen,1929 dann mit seinen "Rhythm Aces" um den Banjospieler Ike Robinson im Stile der Hot Five Louis Armstrongs seine vermutlich wichtigsten Einspielungen. Damals kamen sie nicht so gut an, heute sind sie Klassiker des Jazz. So kann es gehen.....

Er bekam von Ellington das Angebot in seiner Band zu spielen, aber ihm war die Gage zu gering. Bubber Miley und dann Cootie Williams machten dann Geschichte mit dem Duke, Smith schaute in die Röhre. 1936-1938 spielte er noch einmal in der ausgezeichneten Bigband von Claude Hopkins, dann tauchte er ab.

In den 1980-er Jahren geschah dann eine Sensation und er konnte ein recht großes Comeback feiern. Nun selten an der Trompete, aber als Sänger und Posaunist trat er auch in Europa auf.
Cetay (05.01.2022, 00:12):


Ozric Tentacles - Vitamin Enhanced Remastered (1984 - 1989)

Die ersten sechs ohne Labelunterstuetzung produzierten und vertriebenen Tapes gibt es jetzt von Gruppenkopf Ed Wynne hoechstselbst neu abgemischt und gemastert in einer Box. Dem gerade gehoerten Livealbum aus der Serie hilft jede klangliche Verbesserung.




Live Etheral Cereal (1986)
Maurice inaktiv (06.01.2022, 11:56):


Red Nichols & Phil Napoleon : Aufnahmen bei Red Nichols von 1924-1931, bei Phil Napoleon von 1923-1929

Diese Doppel-CD zeigt zwei frühe Trompeter/Kornettisten des "weißen" Jazz, die man zur Bix Beiderbecke-Schule zählen kann, auch wenn das bei Phil Napoleon nicht so ganz zutrifft.

Über Red Nichols habe ich hier schon viel geschrieben, daher einige Sätze zu Phil Napoleon. Er wurde 1901 in Boston geboren und verstarb hochbetagt 1990 im Alter von 89 Jahren in Florida im Raum Miami. Er genoss eine klassische Ausbildung an der Trompete, damals eher ungewöhnlich, auch bei weißen Musikern. Bereits 1917 gründete er mit dem Pianisten Frank Signorelli seine erste Band , die "Original Memphis Five". Er übernahm einige stilistische Dinge aus New Orleans, etwa die Verwendung von Dämpfern und das Crowl-Spiel.

Napoloens Band war in New York sehr erfolgreich und beschäftigte die besten Musiker der damaligen Zeit: Miff Mole, Red Nichols (ja,auch er spielte bei ihm), die Brüder Dorsey, Dave Tough, Gene Krupa, Glenn Miller, Pee Wee Russell, Joe Venuti, Eddie Lang.....1928 löste er diese Band aber auf und ging, als einer der allerersten Musiker überhaupt, in die Studios vom NBC. Dort spielte er bis 1937. DIeses Mal gründete er eine eigene Bigband, de aber keinen Erfolg einbrachte.

1943-1947 spielte er immer wieder in der Bigband seines Freundes Jimmy Dorsey, anschließend ging er erneut zur NBC. Dazu reaktivierte er seine "Memphis Five" von 1950-1956. Mit dabei war sein Neffe Marty Napoleon, der zuvor und anschließend mit Gene Krupa spielte, später in den All Stars von Louis Armstrong wirkte (1952/53, außerdem war er von 1966-1971 der letzte Pianist bei Armstrong gewesen). Auch sein Neffe Teddy Napoleon spielte bei ihm hin und wieder Klavier. Auch er spielte einige Jahre mit Gene Krupa in den 1940-er Jahren.

1956 zog Napoleon nach Miami, erwarb einen Jazzclub und spielte dort viele Jahre noch.
michael74 (06.01.2022, 18:31):
Hallo Zusammen

es läuft gerade







Gruß Michael

ps ich bekomme das Bild nicht kleiner am iPad
Maurice inaktiv (08.01.2022, 09:14):


Existentialism - Revival Jazz of the 60s AD: ca. 1954/55, Live, Europa Chris Barber-CD1

Pat Halcox (Trompete) - Chris Barber (Posaune) - Monty Sunshine (Klarinette) - Lonnie Donegan (Banjo) - Jim Bray (Bass) - Ron Bowden (Drums) - Ottilie Patterson (Gesang)

Wo auch immer diese Aufnahmen entstanden sind, es waren nicht die 1960-er Jahre sondern, was wiederum stimmen könnte, um 1954/55 herum. Live stimmt auch, Europa stimmt auch, da Barber zu dieser Zeit noch nicht um die Welt gereist ist. Die Besetzung habe ich angegeben, das war de Band gewesen, die er damals leitete.

Die Stückauswahl passt zu keiner mir bekannten Einspielung, bzw. zu den Angaben, die das Buch von W.Bruynickx hergeben. Vermutlich wurden sie einfach mitgeschnitten, aber durchaus sorgsam aufgenommen. Der Mix an bekannten und unbekannten Stücken ist hervorragend gelungen, das muss man Chris Barber lassen. Leider wurden später seine Konzerte berechenbarer, ähnlich wie bei den Louis Armstrong All Stars. Spätere Klassiker wie "Bourbon Street Parade" oder "Ice Cream" sind zum Glück nicht dabei.

Pat Halcox (1930-2013) spielte von 1954 bis 2008 bei Barber. Es war auch Halcox gewesen, der damals "Ice Cream" sang, nicht Barber. Auch schrieb er den neuen Text dafür. Er leitete auch zeitweise eine eigene Band zu seiner Verpflichtung bei Barber.
Maurice inaktiv (08.01.2022, 10:00):



Ken Colyer : AD: ca.Mai 1975

Ken Colyer (Trompete) - Len Baldwin (Posaune) - John Wurr (Klarinette) - Ray Smith (Klavier) - Bill Statesbury (Banjo) - Annie Hawkins (Bass) - Colin Bownden (Drums)

Ken Colyer (1928-1998) war reiner Autodidakt auf der Gitarre und dem Kornett gewesen. 1949-1951 war er mit seinem Bruder Bill Mitbegründer der Crrane River Jazz Band gewesen. Er ging dann von 1951 bis 1953 zur Handelsmarine, lernte dadurch New Orleans kennen und gründete 1953 eine eigene Band, die sich Ken Colyer's Jazzmen and Skiffle Group nannte. In der Band saßen auch ein gewisser Chris Barber und ein Herr Monty Sunshine und Lonnie Donegan. Nach Unstimmigkeiten in der Band verließen Barber mit Sunshine und Donegan die Band und gründeten die bald berühmte Chris Barber Band.

In seiner Band spielten u.a. Mr. Acker Bilk, Sammy Rimington, Alexis Korner, Ian Wheeler, Ray Foxley und die hier zu hörenden Annie Hawkins und Colin Bowden.

Coyler war leider auch ein starker Trinker gewesen, was ihm natürlich nicht gut tat. Auch schrieb er einige eigene Stücke, von denen ich selbst "Goin' Home" mehrfach als letzte Nummer in Konzerten gespielt hatte früher.
Cetay (08.01.2022, 10:39):
Der wahre Wagner:


Manowar - Into Glory Ride (1982)

Das ist eine der Platten, die gerade durch den miserablen Klang richtig rund werden. Der 2019 Remaster/Remix klingt gut und raubt dem Album die schwarze Seele. Das Cover? Ja, die nehmen sich tatsaechlich ernst. Und das hoert man -ausser bei der nicht zum Rest des Albums passenden Eroeffungsnummer- in jeder Note. Die Inbrunst, mit der hier getoetet wird, *raeusper* ueberwaeltigt auch noch beim 69. Hoerdurchlauf in anderhalb Jahren.
Cetay (09.01.2022, 00:34):
Eine sensationelle Schatzkiste für mich
?( Peter wer? Ich gebe gerne zu, dass ich unter dieser KIste gar nichts vorstellen kann.
Cetay (11.01.2022, 01:02):


Yngwie Malmsteen - Trial by Fire: Live in Leningrad (1989)

Joe Lynn Turner (Gesang), Yngwie Malmsteen (Gitarre), Jens Johansson (Tasteninstumente), Barry Dumaway (Bassgitarre), Anders Johansson (Schlagzeug)

Laut Duden ist Virtuositaet definiert als: meisterhaft vollendete Beherrschung einer Technik. Malmsteen hat nicht als Erster klassische Spiel- und Kompositionstechniken (Bach, Vivaldi und insbesondere Paganini) in die Hard 'n' Heavy-Musik eingefuehrt, aber er tat dies so virtuos, dass ihm Hunderte nacheiferten und sich daraus ein eigenes Subgenre entwickelte: Neoclassical Metal. Dieses Livealbum ist ein absoluter Hoehepunkt des Genres.
tapeesa (11.01.2022, 15:05):
Keren Ann - von Not going anywhere, My name is trouble, Right now and right here, Chelsea Burns
hin zu Strange Weather und In my back mit Le Quatuor Debussy
michael74 (11.01.2022, 21:23):
Hallo Zusammen,

Musik per BluRay aus meiner Jugend

Aha The Final Concert in Oslo


Gruß Michael
Cetay (13.01.2022, 07:27):
Die Streiche Nr. 7-9 von Blue Öyster Cult:



Some Enchanted Evening (1978, Live)
Mirrors (1979)
Cultösaurus Erectus (1980)
Maurice inaktiv (15.01.2022, 11:05):


Famous Jam Sessions : AD: 1952-1954

Bei der 3-CD-Box handelt es sich um ehemalige Einspielungen von Norman Granz' erstem Plattenlabel Clef, aber auch schon um frühe Verve-Einspielungen. Legendär die Konstellation Johnny Hodges-Benny Carter-Charlie Parker von 1952. Nie wieder als CD veröffentlicht wurden meines Wissens nach die Count Basie-Sessions aus dem Jahre 1953. Dabei geht dort die Post ab ohne Ende.

Am 03.oder 18 August 1953 traf man sich in Hollywood zur Einspielung. Sheridan gibt den 13.August an, was nachvollziehbar ist, da die Band gerade in Los Angeles spielte. Dort war man aber auch noch einige Zeit geblieben. Die Zeit August-September 1953 ist nicht mehr komplett rückzuverfolgen, da die neue Bigband erst auf Touren kam.

Es wurden die Titel "Lady be Good" (die absolut mit beste Einspielung dieses Stückes die ich kenne. Und ich kenne viele davon, spiele den Titel selbt sehr oft)., "Blues for the Count", "Apple Jam" und das übliche "Ballad-Medley".

Harry Edison (tp) - Buddy de Franco (cl) - Benny Carter, Willie Smith (as) - Wardell Gray, Stan Getz (ts) - Count Basie (piano, organ- Blues for the Count) - Arnold Ross (piano -Blues for the Count) - Freddie Green (git.) - John Simmons (bass) - Buddy Rich (dm)

Eine erstaunlich durchgesiebte Besetzung, mit einigen Modernisten, einer wirklich exzellenten Rhythmusgruppe, die jener seiner Bigband mehr als ebenbürtig war, mit einem super spielenden Buddy Rich, den ich sonst nicht immer so mag, einem unvergleichlichen Freddie Green und dem leider sehr unterschätzten John Simmons am Bass. Das ist Swing mit modernem Einschlag der Extraklasse !!
Philidor (22.01.2022, 16:13):
Hier wanderte der Lautstärkeregler virtuell ein wenig mehr nach rechts als sonst.

Esbjörn Svensson Trio: Strange Place for Snow

Esbjörn Svensson Trio
- Esbjörn Svensson, Klavier
- Dan Berglund, Kontrabass
- Magnus Öström, Schlagzeug



Gruß
Philidor

:hello
tapeesa (23.01.2022, 05:53):
Robbie Williams - Feel, Angels, Mack The Knife
und ein paar mir unbekannte Swing-Sachen
Cetay (26.01.2022, 00:15):
Ohne Cover

Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis / Viscera - Gastroduodenalulcerfollicularadenoma fulminanthepatitishydrocelefacialspasmyxomatosis / Viscosas voces desde la necroorgía

Es handelt sich hierbei um eine Split-CD, d.h. zwei Gruppen teilen sich den Platz auf einer Scheibe. Im extremsten Extrem-Metal Bereich ist das ein gaengiges Mittel um im Gespraech zu bleiben, auch wenn man nicht genuegend Material fuer ein full release zusammen hat. Wobei die Erstgenannten das alleine mit ihrer musikgruppennamenlaengenrekordverdaechtigen Bezeichnung geschafft haben, aber zu Unrecht bezichtigt werden, es nur deswegen geschafft zu haben. Die Auflagen dieser Scheiben bewegen sich im eher niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich und werden meist limitiert, weil man hofft, dass damit weingstens die 500 weggehen, weil Spekulanten darauf hoffen, dass eine der Combos mal gross herauskommt und die CD Sammelwert bekommt. Ich halte das freilich fuer ausgeschlossen, denn das ist und bleibt wohl immer etwas fuer eine kleine Schar von Kennern und Liebhabern. Selbst CDs mit Zeitgenoessischer Klassik erzielen das Zehnfache an Verkaeufen. Das hier ist richtig elitaer. :evil:
Cetay (26.01.2022, 02:34):


Whitesnake - Made in Japan (Live @ Saitama Super Arena, Tokyo, 15. Oct. 2011)

Es ist schon mutig, einen solchen Titel zu waehlen, wenn man eine "cheap 'n' light"-Kopie des Originals, das anno '72 auf dem absoluten Hoehepunkt war, ist und selbst die besten Zeiten seit Jahrzehnten hinter sich hat. Schreihals David Coverdale hatte kurz vor diesem Konzert seinen 60. Geburtstag gefeiert. Aber egal, mir macht er immer Spass und bei der Auswahl seiner Begleitmusiker hat er sich nie lumpen lassen und stets auf die Crème de la Crème zurueckgegriffen.
Cetay (28.01.2022, 08:59):
Heute Morgen war Feuer das Hoerleitmotiv:



Blue Öyster Cult - Fire of Unknown Origin (1981, offizielles Album Nr. 10)
Deep Purple - Burn (1974)
Firewind - Between Heaven and Hell (2002)
Cetay (30.01.2022, 00:56):
Knueppel aus dem Sack!



Grave - Fiendish Regression
Maurice inaktiv (30.01.2022, 09:42):


Louis Armstrong : Sparks, Nevada 1964 AD: Juni 1964

Louis Armstrong (Trompete, Gesang) - Big Chief Russell Moore (Posaune) - Joe Darensbourg (Klarinette) - Billy Kyle (Klavier) - Arvell Shaw (Bass) - Danny Barcelona (Drums) - Jewell Brown (Gesang)

Hier nun die "All Stars" mit einer "Übergangs-Besetzung", die kurze Zeit später schon wieder Geschichte war. Nach der Einspielung von "Hello,Dolly!" verließ der langjährige Partner und Posaunist Trummy Young nach über 10 Jahren die Band. Für ihn kam Anfang 1964 mit Russell Moore ein eher unbekannter Posaunist in die Band, der bereits in der letzten Bigband Armstrongs zusammen mit Bassist Arvell Shaw spielte.

Moore, dessen Vorfahren Pima-Indianer waren, spielte aber eine durchaus fetzige Posaune, hatte auch eine durchaus vorzeigbare Vita: "Papa" Celestin, Kid Rena, Paul Barbarin, Lionel Hampton, Noble Sissle, Harlan Leonard, 1944-1947 eben mit Armstrong, Sidney Bechet, Ruby Braff, Buck Clayton (1953 in Europa. Da gibt es auch Einspielungen von), Jimmy McPartland, Mezz Mezzrow, Wild Bill Davison Eddie Condon. Er war auch mit Armstrong in Ost-Berlin dabei. Er verließ die All Stars aus gesundheitlichen Gründen, konnte aber dann seine Karriere fortsetzen. 1977 gibt es eine Einspielung mit ehemaligen All Stars-Musikern (Joe Muranyi, Marty Napoleon, Arvell Shaw, Cozy Cole, dazu Lionel Hampton und der Trompeter Johnny Letman). 1983 verstarb er.

Joe Darensbourg (1906-1985) spielte eine typische "creolische" Klarinette, die besser in New Orleans-Bands passte als zu den All Stars. Er war kurzzeitig Schüler des legendären Alphonse Picou in New Orleans, spielte dort mit Fate Marable wie früher Armstrong auf den berühmten Steamers der Streckfus-Lines, Jelly Roll Morton, Mutt Carey, bevor ihn ein Autounfall und eine Tuberkulose fast getötet hätte. Doch beim Revival in den 1940-er Jahren war er wieder da. Nun mit Kid Ory, Red Nichols, Jack Teagarden, Gene Mayrl und vor allem mit Teddy Buckner. 1965 verließ er die All Stars, nun mit genügend Rücklagen, lernte ein Jahr lang Holzblasinstrumentenbauer, kehrte aber dann zurück als aktiver Musiker. Nun viele Jahre im Disneyland mit einer eigenen Band. 1971-1975 spielte er in der Band von Barry Martyn "Legends of Jazz" mit ehemaligen Musikern der Bands von etwa Kid Ory und George Lewis.

Jewell Brown (*1937) ist die letzte Überlebende der Armstrong All Stars, meines Wissens nach. Sie kam 1961 für die auf der Tournee verstorbenen Velma Middleton in die Band. Sie blieb 1968 bei den All Stars und brachte frischen Wind rein, indem sie viele Stücke sang, die mehr aus dem Soul-Bereich kamen. Sie hat übrigens eine eigene Facebook-Seite.
Maurice inaktiv (30.01.2022, 13:35):


Oscar "Papa" Celestin & His Original Tuxedo Jazz Band : The 1950s Radio Broadcasts AD: 1950 - 1951

Oscar "Papa" Celestin (Trompete, Gesang) - Bill Matthews (Posaune) - Alphonse Picou (Klarinette) - Octave Corsby (Klavier, Voc.) - Ricard Alexis (Bass, Voc.) - "Happy" Goldston (Drums, Voc.)

"Papa" Celestin" (1884-1954) war bereits vor Louis Armstrong - und auch während Armstrong - der vermutlich populärste Trompeter von New Orleans. Das mag viele verblüffen, die das jetzt lesen, denn der Name dürfte nicht gerade vielen Freunden des Jazz überhaupt ein Begriff sein. Doch das lag vor allem daran, dass er nie größere Tourneen unternahm, da er bis an sein Lebensende ausschließlich in und um NO tätig war. Nur hin und wieder unternahm er ins weitere Umland kleinere Tourneen. Doch ganze Generationen von Menschen IN New Orleans konnten die Band bis HEUTE täglich dort erleben.

Ja, die "Original Tuxedo Jazz Band" (und auch das dazugehörige Original Tuxedo Brass Ensemble) ist die am längsten bestehende Jazzband der Welt. Sie wurde 1910 (!!) gegründet und existiert heute noch. Der Name hat durchaus eine doppelte Bedeutung für die Band. Sie trat in der neu eröffneten "Tuxedo Band Hall" als Hausband auf, und die Mitglieder spielten im dunklen "Tuxedo", also Anzug, was damals eher ungewöhnlich war in NO.

Kurz nach der Gründung der Band kam der Posaunist William Ridgley in die Band. Er wurde zusammen mit Celestin gemeinsam Leiter der Band. 1925 ging diese "Ehe" aber kaputt. Nun gab es einige Jahre ZWEI Tuxedo Jazz Bands in New Orleans. Doch Ridgley musste sich dann schnell aus der Musik zurückziehen, da er gesundheitliche Probleme bekam.

In der Band saßen und sitzen bis heute ganze Generationen von berühmten Musikern , bzw. Musiker aus berühmten Musikerfamilien aus New Orleans. Etwa Lorenzo Tio,jr. an der Klarinette, Louis Cottrell,sr. am Schlagzeug, später Jeanette Kimball, geb. Savant, ihr späterer Ehemann Norman Kimball am Banjo (die beide später auch viel in und mit der Preservation Hall Jazz Band spielten), Alber, Bob, George und Gerald French etwa (Albert French war von 1958-1977 der Chef der Band, Bob French von 1977-2011, George seit 2011 nun auch schon über 10 Jahre wieder der Chef), Wendell Brunious, Freddie Lonzo (der später auch in der Preservation Hall Jazz Band spielte), Louis und Lucien Barbarin von der Barbarin/Barker-Familie, Johnny St.Cair, Don Vappie, Harrison Veret, Joe "Cornbread" Thomas, Teddy Riley, Joe Robichaux, Kermit Ruffins, Emanuel Sayles (auch er mit der Preservation Hall Jazz Band), Freddie Kohlman, Waldren "Frog" Joseph, Wendell und Homer Eugene, Baby Dodds, "Papa" John Joseph, Zutty Singelton, Ralph McLean, Richard Moten, Tom McDermott, Louis Nelson, Branford Marsalis (!!), Kid Shots Madison, Manny Paul, Nicholas Payton.....

Nach dem Tode von Celestin übernahm der Posaunist Eddie Pierson von 1954-1958 die Leitung der Band. Er brach während eines Auftritts der Band tödlich zusammen. Albert French übernahm die Band nun. Wie Oben geschrieben, hatte ab diesem Zeitpunkt die French-Familie die Leitung immer wieder übernommen. Dieser Schritt war logisch, übernahm er doch bereits zu früheren Zeiten öfter mal Jobs der Band, wenn diese doppelt belegt war. 1950 wurde er dann festes Mitglied der OTJB unter Papa Celestin.

Celestin wurde der erste Präsident der schwarzen Musikergewerkschaft in NO (1926-1928). Von 1902-1905 gab es schon einmal diese Gewerkschaft, doch eben nur drei Jahre. Später musste man in dieser Gewerkschaft sein, damit man überhaupt auftreten durfte in der Stadt.

Am 08.Mai 1953 spielte Papa Celestin mit seiner Band als erster Farbiger vor einem US-Präsidenten. Damit waer ER und nicht etwa Louis Armstrong der Mann der ersten Stunde, wenn es um so eine große Ehre ging.

Mehrere Generationen feierten mit der Band ihren Debut-Ball in New Orleans. Das ist bis heute noch so, dass die Band zu solchen Anlässen erste Wahl war und immer noch ist.

Bereits unter Papa Celestin wurden neben den alten Stücken auch immer wieder Stücke aus den Swing-Bands übernommen, etwa "It don't mean a Thing" oder der "Woodshopper's Ball". Später dann auch "C-Jam Blues", "Caravan" oder "My Funny Valentine".

Meine Angaben stammen aus dem Buch über die Band. Also nix Wikipedia.
Maurice inaktiv (04.02.2022, 10:06):


Harry James : The Complete Harry James in Hi-Fi AD: 1955-1956 (als Bonus-Album gibt es eines seiner besten reinen Jazz-Alben dazu: Wild About Harry von 1957)

Harry James dürfte einer der bekanntesten Musiker der Bigband-Szene sein. Seine große Popularität, die verschiedene Gründe hatte, machte ihn auch zu einer meist kritisierten Musikern überhaupt, ob er denn überhaupt zum Jazz, oder zur "Schmusemusik" (heute würde man "Easy Listening" sagen) zählen sollte. Daran "schuld" war er auf der einen Seite selbst, auf der anderen Seite tut man ihm Unrecht, wenn man sich die Fakten anschaut oder anhört.

James war vielleicht der versierte Trompeter der Jazzgeschichte überhaupt. Diese These klingt erst einmal ziemlich kühn, ist es aber nicht. Er konnte auf dem gleichen Niveau wie ganz Großen seiner Zunft improvisieren, dies hatte er bei Benny Goodman, und später auch in seinen eigenen Bands bewiesen. Goodman hätte ohne ihn und Gene Krupa niemals in der Carnegie Hall diesen Riesenerfolg gefeiert, wenn diese beiden großartigen Musiker nicht die ganze Band mitgerissen hätten.

James war einer der brillantesten Lead-Trompeter gewesen. Bis zum Ende hatte er eine derart souveräne Lippe und auch immer einen entsprechend souveränen Ansatz, dass er im Grunde niemals müde wurde. Er musste sich nicht einmal einspielen, sondern konnte ohne dieses Procedere sofort Leistung abrufen (das beschreibt sein Jahrzehnte eng verbundener Trompetenkollege Charles Par-Due in seinem Buch sehr deutlich).

James hatte, als er Benny Goodman Anfang 1939 verließ, innerhalb kurzer Zeit fast alle seiner Bigband-Konkurrenten an Beliebtheit abgehängt. Hier lieferte er sich immer einen Kampf mit Glenn Miller. Beide Musiker verband aber irgendwie einen derart großen Respekt, dass James einmal sogar Nachfolger einer Show von Miller wurde und als Highlight bei einem Miller-Stück auch als Solist agierte und Miller ihn dann als Nachfolger in der Show vorstellte.

Harry James verpflichtete einen völlig unbekannten Sänger namens Frank Sinatra 1939. Doch noch konnte James solche Leute nicht lange halten und Tommy Dorsey schnappte sich Sinatra von ihm weg. Der Weg Sinatras ist bekannt: Er begann dort seine Weltkarriere.

Harry James nahm Mitte der 1940-er Jahre eine Menge Streicher in sein Orchester auf. Hier war er auch nicht alleine, Tommy Dorsey und auch Glenn Miller (mit seiner Army Air force Band) taten das Gleiche. Während man es Dorsey und Miller nie übel nahm, wurde James damit immer wieder angesprochen. 1948, als die Bigbands einen sehr schweren Stand hatten, gab sie wieder auf, machte aber immer wieder Aufnahmen mit Streichern.

James wurde durch Stücke wie "Trumpet Blues and Cantabile", "Sleepy Lagoon", "Ciribiribin" oder "Ive heard the Song before" bekannt. Nach Sinatra hatte er noch einige hervorragende Sänger und Sängerinnen, vor allem Dick Haymes und Helen Forrest, die zu DER Bigband-Sängerin wurde, feierten große Erfolge mit ihm.

Dass Harry James ein großer Verehrer des Bop und später auch von Clifford Brown war, konnte man, wenn man denn wollte, durchaus auch bei ihm heraushören - man muss sich nur mal die Mühe machen es zu tun. 1948 begann er eine Reihe von hervorragenden Arrangements im neuen Bop-Sound zu bestellen und auch zu spielen. Als Arrangeur dafür holte er vor allem Neal Hefti, der bereits Meilensteine der Bigband-Musik für Charlie Barnet (Cherokee etwa) und Woody Herman ("Wild Root"). Hefti schrieb die Musik auch für zwei exzellente Basie-Alben: Atomic Basie und Basie plays Hefti) und auch etwa das Batman-Thema.

James machte eine Reihe vorzüglicher Einspielungen, darunter das hier eingestellte Album, was damals zwei LPs bedeutete. Hier kommen noch einige weitere Einspielungen und eben das großartige Album "Wild About Harry" dazu.

Harry James leistete sich immer ein Korsett an exzellenten Musikern. So spielte einer der besten Lead-Altisten viele Jahre für ihn - Willie Smith, der auch ein fabelhafter Solist war. Über noch einige Jahre mehr saß Corcy Corcoran als Tenor-Solist in der Band. War er mal nicht in der Band, weil er sich immer mal wieder Auszeiten nahm, um in kleiner Besetzung zu agieren, spielte Herbie Steward an seiner Stelle, später Francis Polifroni (der sonst völlig unbekannt blieb). Posaune spielten u.a. Si Zentner, Nelson Riddle, Ray Conniff (er wurde einer der Hauptarrangeure der Band), Carl "Ziggy" Elman, Dave Robbins, Juan Tizol, Hoyt Bohannon, Ray Sims, George Roberts, Roy Main, Herbie Harper, Dick Nash und Bob Edmondson für ihn. Arno Marsh und Vido Musso spielten Tenorsax, Dave Matthews Alt-und Tenorsax, Chuc Gentry, Bob Poland (viele Jahre) und dann Ernie Small, der Poland 1957 ablöste für ihn. Arnold Ross, Jack Perciful (ab 1957 bis 1974 ; er war an 25 Alben unter James beteiligt. Er schrieb auch viel für die Band) und Tommy Todd (1953-1954 und ab 1974 als Nachfolger von Jack Perciful) spielten Klavier. Mit Allen Reuss hatte er einen ausgezeichneten Gitarristen dabei.

Joe Montragon, Joe Comfort, Ed Mihelich, Bob und Dave Stone (Vater und Sohn), Red Kelly und Russ Phillips spielten Bass.

James hatte viele Jahre einige der "Creme de la Creme" der Bigband-Drummer beschäftigt: Don Lamond, Alvin Stoller, Jackie Mills (ab 1947 bis 1955 immer mal wieder zeitweise), Buddy Rich (1954-1954, 1957 und 1962-1966, Louie Bellson (1954-1955, 1966, dazwischen sporadisch), Tony Di Nicola, Jake Hanna (1961-1962), Sonny Payne (1966-1973, 1977-1978), Les de Merle 1973-1976).

"Harry James in Hi-Fi" gehörte zu einer der technisch besten aufgenommenen LPs damals. Die Firma Capitol gehörte zu den Plattenfirmen, die sich die modernste Studiotechnik leisten konnte. Stan Kenton, Frank Sintatra, Duke Ellington u.v.a. machten Aufnahmen dort in den 1950-er Jahren. Hier auch noch im Stereo-Verfahren, was damals noch nicht so weit verbreitet war. James machte hier vor allem Reprisen seiner alten Erfolge, nahm aber eben auch neues Material auf.

Harry James trat bis 10 Tage vor seinem Tode 1983 noch live mit seiner Bigband auf. Die Band wurde als "Ghost Band" von Joe Graves (einem ausgezeichneten Trompeter, der auch mal in seiner Band spielte und den Stil von Harry James so gut beherrschte, dass man die beiden verwechseln konnte), Art de Pew (einem seiner ehemaligen Lead-Trompeter und ein sehr erfahrener Studiomusiker, den ich auch mal live erlebt habe) und Gary Ratke wurden Leiter der Band.
Maurice inaktiv (04.02.2022, 11:03):


Harry James : The Harry James Band at the Hollywood Palladium AD: November 1948

Das "Hollywood Palladium" eröffnete am 31.10.1940 seine Pforten. Tommy Dorsey mit seinem Sänger Frank Sinatra eröffnete den Abend mit seiner Band.Betty Grable, damals ein Star in den USA trat dort regelmäßig auf und wurde 1943 zur zweiten Ehefrau von Harry James. Der Kreis schließt sich immer wieder. Harry James trat dort natürlich auch sehr oft auf.

Im Palladium gab es 1955-1976 regelmäßig Abende mit Latin Music. Tito Puente sorgte dort regelmäßig für ausverkaufte Konzerte von 1955 bis 1977. 1961 begann Lawrence Welk dort seine über Jahre gehende, berühmte Lawrence Welk-Show.

Um sich mal eine Vorstellung zu machen, wie groß das Palladium war, hier ein paar Angaben dazu: Zunächst auf 4000 Besucher zugelassen, mit einer Tanzfläche von über 1000 Quadratmeter, später wurden 5000 daraus. Es gab 6 (in Worten sechs) Bars im Hause.

Hier nun ein Abend mit der damals modernen Harry James Band. Nun wieder ohne Streicher, dafür einer swingenden Band. Doch hier scheint James lieber die alten Standards zu spielen und weniger die modernen Bop-Stücke, die er bereits in der Band hatte. Es gab allerdings viele Stücke, die er über lange Zeit immer wieder spielte: "Sugar Foot Stomp", "Ultra" (eines der etwas moderneren Stücke), "Don't be that Way", "Lollipop" (auch eines der neuen Stücke), "Roll 'em" (von der Pianistin Mary Lou Williams), "Music Makers" (so nannte man seine Band damals vor allem), "Back Beat Boogie".

Die Band hatte bereits einige der langjährigen Musiker in den Reihen: Nick "The Count" Buono (Trompete. Er spielte von 1940 an bis zum Ende in der Band, mit wenigen Unterbrechungen), Ziggy Elmer und Juan Tizol (Posaunen), Willie Smith (Altsax), Musky Ruffo (Altsax, Klarinette. Er beerbte Smith 1951, als dieser zu Duke Ellington wechselte als Lead-Altist), Corcy Corcoran (Tenorsax), Bob Poland (Baritonsax), Bruce McDonald (Klavier), Ed Mihelich (Bass) und Drummer Maclin "Buddy" Combine (Drums).

Die Aufnahme klingt für 1948 ordentlich, aber das war damals noch weitgehend Standard gewesen bei Live-Auftritten.
Maurice inaktiv (04.02.2022, 17:41):


Ben Webster/Harry Edison : Complete Sextet Studio Sessions AD: 1956-1957 , Los Angeles

Das Album "Gee, Baby ain't I good to You" :

Harry Edison (Trompete) - Ben Webster (Tenorsax) - Oscar Peterson (Klavier) - Barney Kessel oder Herb Ellis (Gitarre) - Ray Brown (Bass) -Alvin Stoller (Drums) AD: 05. & 29.03.1957 Ellis spielt auf drei Stücken mit, den Rest übernimmt Kessel.

"Songs for hip Lovers" :

Harry Edison (Trompete) - Ben Webster (Tenorsax) - Jimm Rowles (Klavier) - Barney Kessel (Gitarre) - Joe Montragon (Bass) - Larry Bunker (Drums) - als Gast Woody Herman (Vokal; mal ohne Instrument) AD: 11-12.01.1957

"Sweets" :

Harry Edison (Trompete) - Ben Webster (Tenorsax) - Jimmy Rowles (Klavier) - Barney Kessel (Gitarre) - Joe Montragon (Bass) - Alvin Stoller (Drums)
04.09.1956

"Some of my Favorites" :

Harry Edison (Trompete) - Ben Webster (Tenorsax) - Jimmy Rowles (Klavier) - Bob Carter (Bass) - Bill Dougass (Drums) + Red Norvo (Vibes)

Eine absolute Traumkombination war immer, wenn Ben Webster mit Buck Clayton, Roy Eldridge oder eben Harry Edison spielen durfte. Das ist tiefenentspannter Jazz allererster Güte, und das Ganze auch noch rhythmisch und musikalisch immer geschmacklich hervorragend gespielt, aber auch an Stücken ausgesucht. Beide "Begleit-Bands" sind exzellent besetzt, mit zwei wunderbaren Pianisten, die genau wussten, wie man Bläser unterstützen muss. Dazu zwei der besten Gitarristen der Charlie Christian-Nachfolge, die aber nie das Swingen dabei vergaßen.

Eine empfehlenswerte Doppel-CD, wenn jemand lieber Mainstream-Swing sich anhört.
Maurice inaktiv (05.02.2022, 00:14):


Johnny Hodges : JH & The Duke Ellington All Stars Live in Paris AD: 13.03.1961 , live

Ray Nance (Kornett, Violine, Gesang) - Lawrence Brown (Posaune) - Johnny Hodges (Altsax) - Harry Carney (Baritonsax) - Al Williams (Klavier) - Aaron Bell (Bass) - Sam Woodyard (Drums)

Als der Duke 1961 zu Arbeiten für den Film "Paris Blues" in Paris weilte, stellte Norman Granz für einige der Topp-Stars der Band eine kleine Europa-Tournee zusammen: Stockholm, Helsinki, Paris und zum Abschluss Berlin. Zumindest auch das Berlin-Konzert wurde mitgeschnitten und veröffentlicht, sogar als Doppel-CD.

Granz hätte sogar noch eine zweite Band ins Rennen schicken können, etwa mit Cat Anderson (tp) - Britt Woodman (tb) - Russell Procope(cl,as) - Jimmy Hamilton (cl,ts) - Paul Gonsalves (ts) - Billy Strayhorn (p) - Jimmie Woode (Bass) - Louie Bellson (dm) , die keinen Deut schwächer gewesen wäre.

Hier nun ein Live-Mitschnitt, der nicht nur hervorragend klingt, sondern auch den Beweis antritt, dass die Musiker ihre Musik sehr geliebt haben müssen. Schade finde ich, dass kein einziges Stück abseits des Ellington-Repertoires gespielt wurde. Die Stücke, die nicht vom Duke oder Billy Strayhorn stammten, waren alle im Band Book vertreten (etwa "All of Me" oder "Rose of the Rio Grande).

Die "Frontline" spielte Anfang 1941 bis 1951 zusammen, dann erneut ab 1960, als Lawrence Brown wieder in die Band zurück kam. Hodges stieg noch früher wieder ein - 1955. Von 1951-1955 war er mit einer eigenen Band unterwegs (mit vielen Ex-Ellington-Musikern allerdings).

Interessant sind immer die Stellen, die man nicht durch die anwesenden Musiker ersetzen konnte, etwa bei "Rockin' in Rhythm" die Klarinette von Harry Carney, der sich auf das Bariton beschränkte, oder in diesem Stück die High Note-Trompete von Cat Anderson. So ist die Klarinette das einzige Instrument, was mir wirklich gefehlt hat, nicht aber das Tenorsax von Paul Gonsalves etwa. Komisch.....

Al Williams gibt sich ganz hin, möglichst viel nach dem Duke zu klingen. So fällt nicht mal wirklich so sehr auf, dass er selbst überhaupt nicht mitspielt.
Cetay (05.02.2022, 02:10):
Waehrend der letzten Tage ging die Reise durch die BÖC-Geschichte weiter. An der Reihe waren -mit Ausnahme des enttaeuschenden Livealbums mehrfach gehoert- die Alben Nr. 11-14:




Extraterrestrial Live (1982, Live)
Revölution by Night (1983)
Club Ninja (1985)
Imaginos (1988)


Revölution by Night bekam miese Kritiken -was ich verstehen, aber nicht teilen kann- und verkaufte sich schlecht. Zur Strafe verhaengte der Kult nach 12 Jahren kontinuierlicher Produktion zum ersten Mal ein Jahr ohne Neuerscheinung. Das Nachfolge-Album wurde allerdings noch schlechter aufgenommen, daher wurde das Strafmass verdoppelt.
Maurice inaktiv (05.02.2022, 13:58):


Ray Anthony : RA plays the Arrangements of George Williams AD: 1950-1955

Ray Anthony (*1922) ist am 20.Januar tatsächlich 100 Jahre alt geworden und noch erstaunlich fit für das Alter. Mit noch 95 Jahren ist er aufgetreten, übrigens immer wieder mal gerne in Deutschland mit der Thilo Wolf-Bigband.

Anthony ist der letzte Überlebende der Glenn Miller Civil Band, in der er etwa sechs Monate 1940 spielte, ehe ihn Miller feuerte. Schuld daran war sein damals doch ziemlich großes Mundwerk, was dem alten Knochen Miller überhaupt nicht passte. Anthony ging dann zu Jimmy Dorsey, der das Ganze wesentlich entspannter sah.

Bei Anthony kommen wir an einen Punkt, den man tatsächlich ziemlich häufig antrifft nämlich, dass es zu fast allen großen Bigbands eine Art "artverwandte Gegen-Bigband" gab. Bei Anthony sind es gleich zwei Bigbands: Als Trompeter wurde er hörbar von Harry James beeinflusst, den er vielleicht nicht unbedingt kopieren wollte, aber dessen Stil er doch oft zumindest nahe kam. Anthony war aber auch hörbar von Bunny Berigan beeinflusst, was man in seinem Spiel in der tieferen Lage gut hören kann. Anthony hatte aber durchaus ein sehr ähnliches Vibrato, meiner Meinung nach aber einen doch runderen und wärmeren Ton als Harry James. Auch war Anthonys Vibrato nicht so "kreischend", wie es James immer wieder gerne tat am Ende einer Phrase.

Auch die Band von Glenn Miller war für den Bandleader Anthony ein wichtiger Einfluss, ebenso auch hier Harry James. Anthony hatte auch immer wieder Musiker in seinen Reihen, die zuvor, auch oder anschließend mit Harry James arbeiteten.

Hier auf dieser wirklich hervorragenden CD hat man ausschließlich Arrangements teils sehr bekannter Stücke, aber auch einige weniger bekannte Stücke, die man eher selten in Bigbands vorfand, miteinander verbunden hat. "On the Alamo", "Don't be that Way" und den "King Porter Stomp" konnte man auch lange Zeit bei Benny Goodman und eben Harry James finden.

"I've found a new Baby", "Ain't Misbehavin'", "Am I Blue?", "'S Wonderful", "Jeepers Creepers", "Skip to my Lou" und "Pennies from Heaven" gehören eigentlich mehr in den traditionellen Jazz als zu den Bigbands. "Christopher Columbus" ,"Night and Day" oder "Undecided" konnte man dort schon eher finden. Gerade das erstere bei Fletcher Henderson oder Jimmie Lunceford (als "For Dancer's Only"). Duke Ellington legte 1963 eine schöne Einspielung vor, als er zwei LPs mit den Theme Songs der alten Bigbands einspielte.

Auf allen hier eingespielten Stücken wirkte sein Bruder Lew (oder auch Leo) Anthony am Baritonsax mit. Als Lead-Trompeter wirkten Conrad Gozzo, Ray Triscari, Zeke Zachey (von beiden Miller-Bands der Lead-Trompeter), Jack Laubach, die Studio-Legenden Uan Rasey und Mannie Klein, Johnn Best, die Posaunisten Murry McEachern, Joe Howard, Moe Schneider, Abe Lincoln, Vince Forrest, Kenny Trimble, Si Zentner, Tommy Pederson, Ed Kusby und George Roberts (bass-tb; DIE Legende an diesem Instrument), Matty Matlock (Klarinette, Altsax), Gus Bivona (Klarinette, Altsax), Skeets Herfurt, Heinie Beau, Marshall Royal und Willie Schwartz (jeweils Altsax), Ted Nash, Buddy Wise und Eddie Miller (Tenorsax), Paul Smith udn Arnold Ross (Klavier), Don Simpson, Bill Cronk und Joe Comfort (Bass), Alvin Stoller, Nick Fatool und Mel Lewis (Drums), Al Hendrickson, Barney Kessel, Dan Perry und George Barnes (Gitarre) mit.

Die Aufnahmen klingen sehr gut für das Alter. Selbst jene von 1950 , wenn auch etwas dumpfer als die späteren Einspielungen.

Anthony hatte nicht immer durchgehend eine eigene Bigband. Viele Produktionen waren reine Studio-Formationen, wie man sie damals quasi stündlich buchen konnte Los Angeles, Hollywood oder New York.

George Williams (1917-1988) gehörte zu den besten Arrangeuren für Bigbands. Er arbeitete u.a. für Jimmie Lunceford, Glenn Miller (It must be Jelly), Lionel Hampton (Hamp's Boogie) Gene Krupa (Gene's Boogie), Sonny Dunham, Harry James, Vaughan Monroe, Charlie Ventura und eben Ray Anthony. Die erste Single, die Barbra Streisand an kommerzieller Musik aufnahm, arrangierte Williams. Dazu schrieb er viele Jahre als "Ghost Writer die Musik für Jackie Gleason's TV-Show in den 1950/60-er Jahren. Zwei eigene Bigband-LPs konnte er unter seinem Namen veröffentlichen.

Sorry, das ist doch wieder zu viel Information gewesen.
Cetay (07.02.2022, 02:27):
Gestern ging es weiter mit der Erforschung des Kults der blauen Äuster:

Die Alben Nr. 15 & 16 waren Luckenfueller - ein Soundtrack zu einem SciFi-Trash-Movie und ein Album mit Neueinspielungen der Greatest Hits.




Bad Channels (1992, OST)
Cult Classic (1994, Greatest Hits Re-Recorded)
Cetay (07.02.2022, 02:35):
Und dann wieder zwei "richtige" Alben. Fuer mein metallisches Herz sind die das Beste, das die Band seit ihren ersten drei Alben abgeliefert hat:



Heaven Forbid (1998)
Curse of the Hidden Mirror (2001)
Maurice inaktiv (07.02.2022, 09:42):


Harry James : ......Today ! AD: Februar 1960 , März 1961 , 10.01.1961

Diese wirklich traumhaft swingende CD beinhaltet zwei LPs: Harry James - Today ! & Harry James plays the Arrangements of Neal Hefti
Als Bonus gibt es noch drei Stücke aus dem Album "Teh Spectacular Sound" dazu.

Auf "Today!" hießen die Arrangeure Ernie Wilkins (1,4-10) und Bob Florence (2,3). Kennern muss ich nicht sagen, dass das zwei absolute Topp-Leute waren. Hefti schrieb bekanntlich für Charlie Barnet ("Skyliner"), Woody Herman ("Woodchopper's Ball", "Blowin' up a Storm", "Wild Root", "The good Earth") nd Count Basie ("Little Pony", Lil' Darlin'", "Whirly Bird", "Cute" von dem Album "Atomic Basie"; später noch ein komplettes zweites Album für Basie,) und natürlich den berühmten "Batman-Titel" um 1966 herum.

Bob Florence leitete viele Jahre auch eine hochkarätig besetzte eigene Bigband, gewann 2000 einen Grammy für das beste "Large Jazz Album" und wurde für einen Grammy nominiert für seine CD mit der SWF-Bigband 2001.

Man kann hier bei der CD oftmals einen klaren Basie-Touch erkennen. Die Band ist durchaus ähnlich aufgebaut wie jene Basies. Eine komplette Rhythmusgruppe (Klavier, Gitarre, Bass, Drums) mit einem unglaublich druckvollen Bassisten (hier Russ Phillips) und einer hervorragenden Rhythmusgitarre (Terry Rosen) sowie einem sehr banddienlichen Drummer, der aber genau weiß, was er zu tun hat (Tony DiNicola - vielleicht weniger bekannt, aber ein Topp-Mann).

Die Solisten sind hier sehr unterschiedlich. James selbst, Willie Smith (Altsax), Sam Firmature (Tenorsax), Jay Corre (Tenorsax), Jack Perciful (Klavier), Ray Sims (Posaune), Modesto Brisano (Tenorsax), Dick McQuardy (Bass-Posaune). Rob Turk spielt Lead-Trompete, Willie Smith Lead-Alto, Lead-Posaune Vince Diaz, der von "Slide" Hyde angelöst wurde.
Maurice inaktiv (07.02.2022, 15:14):


Jerry Gray : Live from the Palladium AD: 06.08.1950 , Hollywood Palladium, CA.

Jerry Gray (1915-1976) war zunächst Violinist u.a. im Chicago Symphony Orchestra gewesen, bevor er eine eigene Jazzband gründete. Von 1936 bis November 1939 (da löste sich die Band auf) war er Hauptarrangeur bei und für Artie Shaw. Zunächst als Geiger nur, ab 1937 dann nur noch als Arrangeur.

Er arrangierte für Shaw "Carioca", "Softly in the Morning Sunrise" und vor allem das berühmte "Begin the Beguine". Für Miller "Sun Valley Jump", "Chattanooga-Choo Choo" "Elmer's Tune", "Carribian Clipper", "Pennsylvania 6-5000", und "String of Pearls". Als Miller seine Zivilband auflöste, kam Gray auch mit zur Air Force und wurde Leiter des Streicher-Ensembles. Natürlich wurde er auch hier der Arrangeur, nun gleich beider Bands.

Nachdem Miller vermisst wurde, wurde Ray McKinley Chef der Band, Gray dessen Stellvertreter. Als McKinley aus der Armee entlassen wurde, übernahm Gray dann dessen Posten und wurde bis November 1946 Chef der Band.

Für ihn vielleicht tragisch, aber nicht wirklich entscheidend wurde dann, dass man ihn als Nachfolger von Miller in der "Ghost Band" einfach übergangen hatte.Ab 1946 arbeitete er in Los Angeles für diverse Rundfunkstationen und als Studiomusiker, leitete eine Radioshow mit dem Sänger Dick Haymes (von der Harry James-Band zuvor), um dann viele Jahre für Bob Crosby zu arbeiten (das war der Bruder von Bing Crosby).

1949 bekam er von der Plattenfirma Decca den Auftrag, eine eigene Bigband zu gründen, die im damals so populären "Miller-Stil" spielte. In dieser Band saßen dann auch viele Ex-Miller-Leute (etwa Al Klink, Ernie Caceres, Bernie Privin, Johnny Best, Zeke Zachey, Dale McMickle, Wilbur Schwartz, Jimmy Priddy). Dazu kamen weitere erstklassige Musiker. Die Band war sicher qualitativ besser als das Gegenstück um Tex Beneke und der vielen weiteren Bands, die sich diesem Stil widmeten, in der Hoffnung, vom Kuchen was abzubekommen.

Gray machte dabei vor allem eines richtig: Er spielte zwar auch viel im Sound Millers, nahm aber auch Stücke neu dazu, die auch durchaus anders klingen durften. Donn Trenner wurde als Arrangeur einer der neuen, tragenden Säulen der Band. Trenner spielte später auch viele Jahre mit Les Brown.

Die hier vorliegende CD ist ein Live-Mitschnitt und dürfte gut dokumentieren, wie die Band damals geklungen hat.

Wer hier spielte, konnte ich nicht wirklich herausfinden. Das Booklet macht dazu keine Angaben (das "Booklet" ist eine Seite mit dem Lebenslauf Grays, das wars gewesen. Dazu immerhin die Titel, Aufnahmeort und Aufnahmedatum und der Sänger, der zu hören ist).

Ich habe aber eine Besetzungsliste für den 14.08.1950 und dem 25.08.1950, die wohl auch für den 06.08.1950 zutreffen dürfte:

Tps : Frank Beach (Lead), Conrad Gozzo (Lead), John Best (Solos), Dale McMickle
Tbs : Jimmy Priddy (Lead), Lou McGarity (Solo), Tommy Perderson (Solo), George Arus
As : Willie Schwartz (Klarinette), James Rudge
Ts : Ted Nash, Jules Jacobs Bs: John Rotella (auch Altsax)
P. : Jimmy Rowles Git.: Al Hendrickson
Bass: Joe Montragon Acc.: Tony Gray (auch Voc.)
Dm. : Alvin Stoller Voc.: Tommy Traynor

Das ist auch kein reiner Jazz, sondern die Fortführung der Miller-Tradition im besten Sinne. Exzellente Tanzmusik, teilweise mit jazzigen Soli. Doch das spricht die Leute an, damals wie heute. Wer sich ein wenig mit Namen auskennt, wird erkennen, dass DAS eine wirklich qualitativ hochwertig besetzte Bigband ist, die auch solistisch absolut mithalten konnte, geführt von ebenso ausgezeichneten Musikern, die teilweise heute als "Studio-Legenden" gelten in den entsprechenden Fachkreisen (Conrad Gozzo ist noch heute als DER Studio-Lead-Trompeter allen Kollegen in allerbester Erinnerung)
Cetay (08.02.2022, 00:13):
BÖC zum Fruehstueck:



Blue Öyster Cult - A Long Days Night (Live in Chicago, 21. Juni 2002)

Die 3 verbliebenen Greundungsmitglieder waren bei diesem Auftritt 55 bis 57 Jahre alt. Wahrscheinlich gehe ich deshalb besonders leicht in Resonanz mit diesem Album. :rolleyes:
Cetay (09.02.2022, 03:15):
Ueberraschung:



Blue Öyster Cult - Hard Rock Live Cleveland 2014 (LIve in Northfield, Ohio, 7. Okt. 2014)

Ich hab vorsichtshalber den Taschenrechner zur Hilfe genommen, um das zu ueberpruefen, aber es stimmt. Das Alter der -jetzt noch zwei- verbliebenen Gruendungsmitglieder war bei diesem Auftritt 67 und 69.

Angesichts des 5. Livealbums faellt mir eine eingeschraenkt witzige, auf das Hauptthema des Forums bezogene Leseerfahrung ein. In einem Interview antwortete ein Produzent auf die Frage, warum die Band immer wieder diesselben, vorwiegend aelteren Lieder live aufnimmt, sinngemass, dass die Stuecke auf der Buehne immer wieder neu entstehen und jedesmal anders klingen wuerden. In der klassischen Musik waere das Gang und Gaebe. Leonard Bernstein beispielweise haette man erlaubt, jede der Sinfonien von Beethoven fuenf Mal oder wie oft aufzunehmen. Und Wilhelm Furtwaengler war wahrscheinlich der groesste Dirigent ueberhaupt, aber weil er die meiste Zeit in N@z!-Deutschland gewirkt hat und selber ein N@z! gewesen sei, waere er weniger beruehmt, als er sein sollte. Der koennte die achte Sinfonie von Wagner acht Mal aufgenommen haben, ohne dass jemand gefragt haette, warum er schon wieder diese alte Musik macht.
tapeesa (09.02.2022, 06:35):
Lisa Hannigan - Sea Sew, u. a.
Maurice inaktiv (09.02.2022, 10:14):


Duke Ellington : Love You Madly SD: 1947-1953

Hier ein Sampler, der sich durchaus lohnt. Es ist eine ziemlich unruhige Zeit für die Band gewesen. Nach dem Kriege mussten selbst die Bigbands von Benny Godman, Woody Herman, Harry James, Les Brown, Stan Kenton, Tommy Dorsey und Count Basie kurzzeitig aufgelöst werden. Andere, wie jene von Jimmie Lunceford (er verstarb 1947, die Band machte noch bis 1950 weiter), Earl Hines, Jack Teagarden oder Louis Armstrong sich komplett auflösen.

Der Duke aber überlebte, wenn auch mit finanziellen Verlusten. vielen Personalwechseln und einigen Jahren, in denen es nicht so gut laufen sollte. Dazu gehören auch die Jahre 1947-1953, genauer gesagt, sogar bis 1956. Doch hier auf dieser CD kommen auch mal Musiker zu Wort, die man nicht so oft gehört hat. Etwa die Posaunisten Tyree Glenn (der 1947 für den verstorbenen Tricky Sam Nanton den Part des Plunger-Solisten übernahm; meiner Meinung nach wurde er für sein wirklich erstklassiges Spiel dafür nie richtig gewürdigt. Dazu brachte er auch mit dem Vibraphon eine völlig neue Klangvariante ins Spiel, die der Duke leider auch nicht zu nutzen wusste), Lawrence Brown (der noch bis 1951 in der Band blieb) und dessen Nachfolger Britt Woodman (der von 1951-1961 in der Band saß).

Sonst kommen hier auch die Sänger/innen der Band zu gehör. Etwa Al Hibbler, der in der Band bekannt wurde, Betty Roché mit ihrer legendären Einspielung von "Take the A-Train" 1951 und die noch lebende Sängerin (und sie dürfte damit die letzte noch lebende Musikerin der Band sein, die damals dabei war) Yvonne Lanauze (dazu auch der Anhang, den vielleicht doch den ein oder anderen Freund Ellingtons lesen möchte).

https://vancouversun.com/entertainment/seniors-week-96-year-old-eve-duke-still-entertaining-music-fans

Dazu kommen die nun neuen Bandmitglieder: Paul Gonsalves, Jimmy Hamilton (Klarinette, Tenorsax, der aber auch schon seit 1943 in der Band saß), Nelson Williams (Trompete), Harold Baker (der bereits 1938 zum ersten Mal mit der Band spielte), Willie Smith (Altsax, "Please be Kind"), Cat Anderson (der bereits 1944-1947 in der Band spielte und 1951 zurück kam bis 1959 und dann erneut 1961 bis 1973 wieder), Quentin Jackson (Posaune, der 1948 in die Band kam, und 1951 die Rolle Nantons von Glenn übernahm), der Bassist Wendell Marschall (ab 1948 in der Band) und natürlich Drummer Louis Bellson (1951-1953 und erneut 1965/66 kurze Zeit).
Cetay (10.02.2022, 01:08):
Hier gab es wieder ein Doppel-BÖC zum Fruehstueck:


Agents of Fortune Live 2016 (Live im Studio, Hollywood, 18. April 2016)
iHeart Radio Theater N.Y.C. 2012 (Live, 17. Dec. 2012)
Ich habe mich weder in der Reihenfolge vertan noch verschrieben. Das 2012-Konzert wurde nach den Mitschnitten von 2014 und 2016 veroeffentlicht. Nach dem Warum muesste man die Strategen der Plattenfirma fragen, aber die wissen es wahrscheinlich selbst nicht.
Das Ziel ist in Sichtweise (3 Alben ausstehend), aber noch stellt sich kein bisschen Muedigkeit ein.
Maurice inaktiv (10.02.2022, 08:58):


Lionel Ferbos : LF & The Creole Swingers AD: 11.11.1987, New Orleans & 19.01.1998, Algiers bei New Orleans

Tracks 01-13 : Lione Ferbos (Trompete, Gesang) - David Grillier (Klarinette, Tenorsax) - Les Muscutt (Gitarre) - McNeal Breaux (Bass) - John Robicheaux
(Drums)

Tracks 14-19 : Lionel Ferbos (Trompete, Gesang) - Lester Carliste (Posaune) - Sam Rimington (Klarinette, Altsax) - Les Muscutt (Banjo) - Bill Huntington
(Bass) - Frank Oxley (Drums)

Lionel Ferbos (1911-2014) saß noch mit 102 Jahren (!!) mit seiner Trompete auf der Bühne. Inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen, war er aber immer noch als Musiker aktiv. Gerade für einen Trompeter eine Sensation. Er war der älteste aktive Musiker in New Orleans gewesen, vielleicht sogar weltweit der einzige Trompeter, der mit 100 Jahren spielen konnte. Hier aber noch "blutjunge" 76 und 86 Jahre "jung" gewesen, schlägt er sich mehr als nur wacker.

Sein "Konkurrent aus der Harlem Blues & Jazz Band, Fred Staton (der ältere Bruder der Jazzsängerin Dakota Staton übrigens), der Tenorsax spielte, verstarb mit 102 Jahren 2017. Auch er war bis zum Ende auf der Bühne gewesen.
Maurice inaktiv (10.02.2022, 15:23):


Duke Ellington : The Capitol Years 1953-1955/Capitol Sessions 53/55

Man hat Duke Ellington eine Krise unterstellt, deren Hauptzeit von 1953 bis spät ins Jahr 1955 gegangen sein soll. Das ist sicher in einigen Punkten nicht falsch, aber seine Studio-Aufnahmen in dieser Zeit lassen diesen Rückschluss nicht zu. Bei Live-Konzerten dieser Zeit (davon gibt es zur Zeit meines Wissens eines von 1953 und zwei von 1954; alle ohne Louis Bellson, Johnny Hodges und Lawrence Brown) kann ich das auch nicht wirklich feststellen. Allerdings war niemand mehr dabei, der oder die das noch wirklich überzeugend sagen können.

Diese 4-CD-Box ist leider nur noch zu Mondpreisen zu erwerben, wenn man sie denn überhaupt angeboten bekommt. Zur Zeit liegen wir bei rund 160 Euronen, Tendenz steigend.

Es wurden auch bis heute nicht diese Aufnahmen alle als Einzel-CDs veröffentlicht. Man kann "Ellington '55" bekommen (die aber komplett 1954 eingespielt wurde) und



jene Koppelung, die ich nicht kenne, bei der ich aber vermutlich die größte Chance habe, die wichtigsten Stücke dieser Zeit zu erhalten. Ich selbst kann auf "Ellington '55" (10 Titel, davon zwei Bonus-Stücke der weiteren Sessions damals) und eine CD zurückgreifen, die unter dem völlig bescheuerten Namen "The Best of Duke Ellington" veröffentlicht wurde. Denn es sind mit Sicherheit nicht die besten Einspielungen, sondern 14 Stücke der Zeit von 1953-1955. 14 Titel sind es hier, davon 3 Überschneidungen mit der CD "Ellington '55 ("Black and Tan Fantasy", "Rockin' in Rhythm", "It don't mean a Thing").

Das ergeben in der Summe 21 verschiedene Stücke von insgesamt 81 aus dieser Zeitspanne. Diese Angabe kann ich durch "Discogs" quasi nachrecherchieren. Ob nun bei der Oben von mir eingestellten Doppel-CD mit drei Einzel-LPs mehr werden daraus, weiß ich nicht.

https://www.discogs.com/de/release/7062097-Duke-Ellington-The-Complete-Capitol-Recordings-Of-Duke-Ellington
Maurice inaktiv (10.02.2022, 19:44):


Johnny Hodges : "Blues-A-Plenty" AD: 05.04.1958 , New York

Roy Eldridge (Trompete) - Vic Dickenson (Posaune) - Johnny Hodges (Altsax) - Ben Webster (Tenorsax) - Billy Strayhorn (Klavier) - Jimmy Woode (Bass)
- Sam Woodyard (Drums)

Zeitlos schöner Mainstream-Swing mit einem Teil der Elite der Swing-Ära, die 1958 vielleicht nicht mehr modern, dafür aber durch Musiker gespielt wurde, die das in einer Güteklasse beherrschten, die nicht zu übertreffen war. Und es ist mir eine große Freude, wenn solche Aufnahmen auch 2022 noch zu kaufen sind, damit sich Freunde dieser Musik auch über 60 Jahre später daran erfreuen dürfen.

Die CD hat - als Bonus - gleich noch ein zweites Album zu bieten:

"Not so Dukish" AD: 10.09.1958, New York

Roy Eldridge & Ray Nance (Trompeten) - Lawrence Brown (Posaune) - Jimmy Hamilton (Klarinette) - Johnny Hodges (Altsax) - Ben Webster (Tenorsax) - Billy Strayhorn (Klavier) - Jimmy Woode (Bass) - Sam Woodyard (Drums)

Eine größten Teils identische Besetzung ging dann im September gleichen Jahres erneut ins Studio. Dieses Mal ist es eine fast vollständige Ellington-Besetzung, nur Roy Eldridge war erneut ein gerne gesehener Gast und erneut dabei. Brown und Webster waren zwar nicht mehr in der Band, aber gaben außerhalb davon immer mal wieder Gastspiele bei Johnny Hodges. Brown kehrte 1960 aber auch wieder in die Ellington-Band zurück.
Cetay (10.02.2022, 23:57):
Lionel Ferbos (1911-2014) saß noch mit 102 Jahren (!!) mit seiner Trompete auf der Bühne. Inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen, war er aber immer noch als Musiker aktiv. Gerade für einen Trompeter eine Sensation. Er war der älteste aktive Musiker in New Orleans gewesen, vielleicht sogar weltweit der einzige Trompeter, der mit 100 Jahren spielen konnte. Hier aber noch "blutjunge" 76 und 86 Jahre "jung" gewesen, schlägt er sich mehr als nur wacker.

Sein "Konkurrent aus der Harlem Blues & Jazz Band, Fred Staton (der ältere Bruder der Jazzsängerin Dakota Staton übrigens), der Tenorsax spielte, verstarb mit 102 Jahren 2017. Auch er war bis zum Ende auf der Bühne gewesen.
Na da besteht doch Hoffnung, dass meine Band der Stunde diesem Beispiel folgt und noch viel veroeffentlicht. Mit ihren jugendlichen 75 und 77 Jahren sind sie gerade auf Tour. 2017 spielten sie zu ihrem 45-jaehrigen Jubliaeum u.a. ihr Debut-Album in voller Laenge un zeigten sich dabei hoechst lebendig:



Blue Öyster Cult - 45th Anniversary Live in London (17. Juni 2017)

Und nun endlich wieder neues Material:



Blue Öyster Cult - The Symbol Remains (2020)
Maurice inaktiv (11.02.2022, 00:50):
Na da besteht doch Hoffnung, dass meine Band der Stunde diesem Beispiel folgt und noch viel veroeffentlicht. Mit ihren jugendlichen 75 und 77 Jahren sind sie gerade auf Tour.
Die sind aber noch taufrisch. :D Dürfen die ohne Begleitung der Kinder überhaupt am Abend auf die Bühne gehen? :J Wollen wir ihnen noch viele tolle Jahre gönnen. Ich werde in dem Alter mit Sicherheit keinen Ton mehr spielen, das ist schon mal sicher. Mit allerspätestens 70 ist Schluss mit dem ganzen Kram. Auf die Bühne getragen werden will ich nicht.
Cetay (11.02.2022, 07:25):
Na da besteht doch Hoffnung, dass meine Band der Stunde diesem Beispiel folgt und noch viel veroeffentlicht. Mit ihren jugendlichen 75 und 77 Jahren sind sie gerade auf Tour.
Die sind aber noch taufrisch. :D Dürfen die ohne Begleitung der Kinder überhaupt am Abend auf die Bühne gehen? :J Wollen wir ihnen noch viele tolle Jahre gönnen. Ich werde in dem Alter mit Sicherheit keinen Ton mehr spielen, das ist schon mal sicher. Mit allerspätestens 70 ist Schluss mit dem ganzen Kram. Auf die Bühne getragen werden will ich nicht.
Die duerfen das. Nach dem Rueckzug des Tastenmanns haben sie sich in 2006 einen Jungspund (* 1980) ins Team geholt. Der passt auf, dass sie sich nicht auf der Buehne verlaufen. :tongue:

Ich habe die Mittagspause genutzt, um das Projekt vorlauefig abzuschliessen. Die 25. und vorerst letzte Platte war wieder ein Livealbum - mit dem Mitschnitts eines Konzerts, das 4 Jahre vor dem Erscheinen des letzten Studioalbums stattfand, aber erst nach diesem veroeffentlicht wurde.



Blue Öyster Cult - Live at Rock of Ages Festival (Seebronn, 30. Juli 2016)
tapeesa (11.02.2022, 20:42):
Music to Charlie Chaplin's The Mutuals (1916 - 1917) - Loitering Without Intent
Composed and Conducted by Carl Davis
The City of Prague Philharmonic Orchestra, The Wihan Quartet
Cetay (15.02.2022, 03:47):


Dream Theater - When Dream and Day Unite (1989)

Das Erscheinen dieser Gruppe war die entscheidende Spielwende, die den Metal aus der Schmuddelecke herausholte. Es gab schon zuvor progressive Tendenzen, etwa die übernatürliche Virtuositaet eines Yngwie Malmsteen, die komplexen Liedaufaubauten von Fates Warning, die rhythmisch vetrackten Sachen von Watchtower. Bei Dream Theater lief alles zusammen und auf dem 1992er-Album Images and Words wurde das mit eingaengigen Melodien kombiniert, was zum Durchbruch fuehrte. Das Progressive Metal Subgenre wurde fest etabliert.

Das eben gehoerte Debut-Album war dagegen noch recht sperrig und wenig melodisch, Klang & Mix fielen sehr duerftig aus, der danach ausgewechselte Saenger hatte nicht das Niveau der musikstudierten Kollegen an den Instrumenten. Ich finde es trotzdem besser als alles, was sie spaeter gemacht haben. When Dream and Day Unite hat den typischen Charme des Debuts, bei dem etwas Neues ausprobiert wird. Die lustvolle Ungestuemtheit, mit der dem Hoerer das ausserordentliche Koennen um die Ohren gepruegelt wird, finde ich unwiderstehlich. Da wirken die Nachfolgealben doch etwas gebremst und kalkuliert - freilich mit dem Nebeneffekt, dass sie auch den hohen Kunstverstand befriedigen koennen.
tapeesa (15.02.2022, 09:04):
aus Chansons von und mit Franz Josef Degenhardt: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern

Bertolt Brecht / Musik: Kurt Weill - Die Dreigroschenoper, Berlin 1930
die Seeräuber-Jenny, mag ich mit Lotte Lenya am liebsten
tapeesa (16.02.2022, 08:04):
Joni Mitchell,
Konzertmitschnitt von 1998, Warner's Lot, Los Angeles. Painting with Words and Music.
tapeesa (17.02.2022, 09:23):
Oophoi (Oöphoi (Gianluigi Gasparetti)) - Behind the Wall of Sleep
(Ambient Music oder Mix aus Drone und Ambient, kenne mich nicht aus)
Maurice inaktiv (17.02.2022, 14:28):


Muggsy Spanier : Classic Jazz Archive AD: 1939-1940 & 1944-1946

Auf dieser recht schön aufgemachten Doppel-CD-Box (bzw. mehr Buch) wurden u.a. die Commodore-Sessions aus den Jahren 1944-1945 zugefügt. Ich höre genau diese Aufnahmen aus den Jahren 1944-1946.

Es wirkten Muggsy Spanier (Kornett) und Pee Wee Russell (Karinette), Lou LcGarity (Posaune) bis auf die letzten drei Nummern immer mit. Dau kamen dann Boomie Richman (Tenorsax), Ernie Caceres (Baritonsax), Jess Stacy (Klavier),George Wettling, Charles Carroll & Joe Grauso (Drums). Hy White, Eddie Condon oder Carl Kress (Gitarre), Bob Haggart, Bob Casey oder Trigger Alpert (Bass).

Auf den letzten drei Titeln hört man neben Spanier und Russell noch den Posaunisten Vernon Brown, Nick Caiazza (Tenorsax), Gene Schroeder (Klavier), erneut Haggart und Wettling.

Das ist absolut erstklassiger Revival-Jazz, aber von einigen Leuten noch gespielt, die das Zeugs bereits 15 Jahre früher gespielt hatten. Hinzu kamen Musiker, die sich dem Stil bestens anpassen konnten. Das hat absolut nichts mit dem Bierzelt-Jazz späterer Jahre zu tun, wie man es leider nur zu oft zu hören bekommen hat. Seltsamerweise kommt diese Musik heute, wenn man die Leute zu einem Konzert holen kann, wirklich gut an. Ebenso seltsam ist, dass es auch für den "Bierzelt-Jazz" noch Auftritte gibt, weil es vor allem fröhliche Musik ist, die man da den Leuten anbietet. Das hat mit der Musik HIER aber auch rein überhaupt nichts mehr zu tun. Das kann man mit "Rondo Veneziano" und einem reinen Kammerensemble vergleichen, die beide Mozart spielen. Bei den einen klingt es sofort nach Kommerz, bei den anderen Musikern nach Kunstmusik.
Maurice inaktiv (18.02.2022, 17:22):


Bud Freeman : All Star.Swing Sessions AD: 13.05.1960 (01-08), 23.08.1952 (09-11) - alle in Englewood van Gelder-Studio & 02.11.1935 (12-15)

01-08 : Harold "Shorty" Baker (Trompete) - Bud Freeman (Tenorsax) - Claude Hopkins (Klavier) - George Duvivier (Bass) - J.C.Heard (Drums)
09-11 : Pee Wee Erwin, Herman Autrey (Trompeten) - Dickie Wells, Russell "Big Chief" Russell Moore (Posaunen) - Herb Hall (Klarinette) - Bud Freeman (Tenorsax) - Red Richards (Klavier) - Leonard Gaskin (Bass) - Herbie Lovelle (Drums)

12-15 : Bunny Berigan (Trompete) - Bud Freeman (Tenorsax) - Claude Thornhill (Klavier) - Eddie Condon (Gitarre) - Grachan Moncur (Bass) - Cozy Cole
(Drums)

Bud Freeman (1906-1991) gehörte zu den frühen Tenorsaxophonisten des Jazz. Er wurde noch drei Jahre vor Coleman Hawkins geboren und dürfte mit Happy Cauldwell noch VOR Hawkins Tenorsaxophon gespielt haben. Bereits Anfang der 1920-er Jahre war er Mitglied der berühmten Austin High School Gang um Bix Beiderbecke und dann auch Eddie Condon, dem er immer wieder in diversen Bands begegnen sollte.

Freeman spielte u.a. mit Ben Pollack, Tommy Dorsey (1936-1938), Benny Goodman (März bis November 1938). 1939 gründete er sein "Summa Cum Laude"-Orchestra (1939-1940 mit Max Kaminsky (Trompete), Pee Wee Russell (Klarinette) und Eddie Condon (Gitarre) ), bereiste als Musiker der Armee diverse Camps und spielte nach dem Krieg wieder oft mit Gruppen um Eddie Condon bis 1968 die Welt.

1968 war er bei der Yank Lawson/Bob Haggart-Band dabei, die allgemein als "The World's Greatest Jazz Band" viele Platten und Tourneen machte.1970 verließ er die Band, lebte kurze Zeit in London, und war als Solist bis Anfang der 1980-er Jahre aktiv auf Tournee. Durch gesundheitliche Probleme war er gezwungen, die Musik dann aufzugeben. 1991 verstarb er in seiner Heimatstadt Chicago.
Maurice inaktiv (19.02.2022, 10:16):


Clark Terry : CT and his Orchestra featuring Paul Gonsalves AD: October 1959, Paris

Clark Terry (Trompete) - Paul Gonsalves (Tenorsax) - Ramond Fol (Klavier) - Jimmy Woode (Bass) - Sam Woodyard (Drums)

Hier nun eines der schönsten Alben, die ich von Clark Terry mit Paul Gonsalves zusammen kenne. Das ist Mainstream-Swing im allerbesten Sinne, gemischt mit einigen modernen Ansätzen. Man merkt, dass beide Musiker absolut in der Lage waren, auch Modern Jazz zu spielen, ohne sich verstellen zu müssen. Dazu kommen drei ausgezeichnete Musiker, die das Wort "Begleitung" auch wirklich kannten und konnten.

Clark Terry hatte zu dieser Zeit die Ellington-Band verlassen, er ging nach der Europa-Tournee, die meinen Informationen nach am 11.10.1959 mit einem Konzert in München zuende gegangen war. Die Aufnahmen hier entstanden, als Terry mit der Quincy Jones-Bigband in Europa weilte. Zu Jones wechselte er nämlich - und der ging gleich wieder nach Europa. Warum Gonsalves, Woode und Woodyard auch noch in Europa waren, weiß ich nicht. Eventuell hatte der Duke eine kurze Pause eingelegt. Woodyard war gerade nicht bei Ellington, Raymond Fol ist ein exzellenter französischer Pianist, der später hin und wieder den Duke vertreten hat. Er galt als großer Ellington-Fan.
Maurice inaktiv (19.02.2022, 11:44):
Paul Barbarin : PB's Jazz Band of New Orleans : The Oxford Series, Vol. 15 AD: 03.03.1956, Oxford/Ohio

Joe Brunious,sr. (Trompete) - Willie Humphrey (Klarinette) - Bob Thomas (Posaune) - Lester Santiago (Klavier) - Danny Barker (Banjo) - Ricard Alexis (Bass) - Paul Barbarin (Drums)

Zurück fast zum Anfang der Jazzgeschichte. Hier mit einem der bedeutensten Vertretern der Stadt New Orleans überhaupt, Paul Barbarin. Die Familie Babarin ist weit verzweigt gewesen. Angefangen hat es mit Isidor Barbarin (1872-1960), dessen Söhnen Paul (1899-1969) und Louis (1905-1960) spielten Schlageug, Lucien Barbarin (1905-1960) und William Barbarin (1907-1973). Lucien Barbarin (1956-2020) war wiederum Posaunist und der Großneffe von Paul Barbarin. Lucien war viele Jahre in der Bigband von Harry Connick,jr. tätig.

Willie (1900-1994), Earl (1902-1971) und Percy Humphrey (1905-1995) waren ebenfalls in New Orleans zuhause und Brüder. Willie und Percy spielten zusammen ab 1961 in der Preservation Hall Jazz Band bis zu ihrem Tode. Ihr Großvater war Jim Humphrey, den man "Professor" nannte, weil er noch in die Plantagen fuhr, um dort Unterricht zu geben. Vater war Willie Eli Humphrey, einem Klarinettisten.

Danny Barker (1909-1994) war der Neffe von Paul Barbarin. Er bekam den Namen "Banjo-König von New Orleans", weil er einer der virtuosesten Musiker dieses Instruments war. Er spielte mehrere Jahre in der Bigband Cab Calloways Gitarre (1939-1946) und machte sogar 1945 Aufnahmen mit Dizzy Gillespie und Charlie Parker. Er kehrte dann nach New Orleans zurück und wurde einer der wichtigsten Lehrer der Musik, die er auch an Musiker wie Wynton Marsalis weitergab, mit dem er auch Aufnahmen machte.

John Brunious,sr. (1920-1976) stammte ebenfalls aus New Orleans. Er studierte durch ein Stipendium an der berühmten Juilliard School of Music. 1942 wurde er zu den wichtigsten jungen Trompetern gezählt und im Down Beat Poll erwähnt. Später spielte er mit Jay McShann, Billy Eckstine (unmittelbar nach Dizzy Gillespie) und Cab Calloway. Seine Söhne John Brunious,jr. (1940-2008) und Wendell Brunious (*1954) spielten als Nachfolger Percy Humphreys in der Preservation Hall Jazz Band. Sein Enkel Mark Braud (auch Trompete) wurde ebenfalls in der Prservation Hall Jazz Band bekannt. Braud ist auch ein Verwandter des früheren Duke Ellington-Bassisten Wellman Braud, der ebenfalls aus New Orleans stammte.

Das mal als kleine Geschichte zu einigen Musikern dieser so bedeutenden Stadt des Jazz. Es gab und gibt schon immer auch neben Louis Armstrong Musiker, die der Stadt direkt mehr gaben, und für die Entwicklung dort ihren Beitrag geleistet haben.
Maurice inaktiv (19.02.2022, 13:39):


George Williams : Swing Classics in Stereo AD: 1959 , New York (leider gibt es keine genaueren Daten)
Put on your Dancing Shoes AD: 1960 , New York (auch hier gibt es keine näheren Daten)

George Williams (1917-1988) gehörte zu den besten Arrangeuren für Bigbands ab 1939: Bob Astor, Jimmie Lunceford, Lionel Hampton (er baute 1940 das Bandbook der damals brandneuen Bigband mit auf), dann Sunny Dunham (auch als Pianist), Glenn Miller (die letzten 8 Monate der "Zivilband" bis 1942), 1943.1946 bei der Marine, dann Gene Krupa, Harry James, Ray Anthony (1951-1953), Vaughan Monroe, Charlie Ventura, Roy Eldridge. Dazzu für Benny Goodman, Tommy Dorsey, Buddy Morrow, Ralph Flanagan, Hal McIntyre, Les Brown, Les Elgard, Charlie Spivak, Count Basie.

Er arrangierte für unzählige Sänger und Sängerinnen, darunter die erste "Goldene Schallplatte" für Barbra Streisand (1962), Tony Bennett (er war sein Musikdirektor gewesen vor Ralph Sharon), Anita O'Day, Lena Horne, Dinah Washington, dazu arrangierte er für Jackie Gleason für dessen Show.

Seine Bigband ist absolut topp besetzt. Es waren wohl drei Aufnahmetermine gewesen 1959 und zwei 1960.

Die Original-Cover der LPs sind leider kaum lesbar, weil sie einfach zu klein gedruckt sind. Doch man findet darauf die Besetzungen, die Solisten und natürlich auch die Titel. Mit einer guten Lupe kein Problem, doch die habe ich nicht hier.

Solisten sind u.a.: Joe Newman, Art Farmer & Irving Markowitz (Trompeten), Jimmy Cleveland, Fran Rehak und Urbie Green (Posaunen), Gene Quill (Klarinette, Altsax), Zoot Sims (Tenorsax), Sol Schlinger (Baritonsax), Moe Wechsler & Hank Jones (Klavier), Don Lamond (Drums). Die beiden hervorragenden Tubisten sind Jay McAllister und Harvey Phillips.

Das Ganze ist komplett in ausgezeichnetem Stereo aufgenommen worden.
michael74 (20.02.2022, 18:49):
Hallo Zusammen
Cetay (25.02.2022, 09:33):

Diamanda Galas - The Divine Punishment (1986)

Die Geschichte von Sfantus Katze mit Coatesallergie hat mir diese Aufnahme ins Gedaechtnis zurueckgerufen. Wie das Cover andeutet, sind Musik und Stimmakrobatik auf diesem Album der "Callas der Avantgarde" wirklich unheimlich - vor allem die B-Seite, die ich einst in der Studentenbude mit einer Freundin hoerte, als es ploetzlich fuerchterlich zu stinken begann. Wir scherzten, dass diese Musik wohl den Leibhaftigen samt seiner Schwefelfahne heraufbeschwoert, bis wir dann die (rabenschwarze) Hauskatze entdeckten, die total panisch versuchte sich durch die geschlossene Zimmertuer zu verdruecken und dabei unentwegt furzte.
Cetay (28.02.2022, 02:35):


Cathedral - The Last Spire (2013)

Ein zaehfluessiger Lavastrom von ultratiefen Gitarrenwaenden kriecht unheilschwanger aus den Boxen...
Cetay (03.03.2022, 00:44):


Septic Tank - Rotting Civilisation (2018)

Ein Rezensent meinte: "Kompromisslos dreckiges rohes Stück Krach!" Stimmt. :thumbup:

Dieses relativ junge Hardcore Punk-Album klingt, als ob es mit einer Zeitmaschine aus der Mitte der 80er hergebeamt wurde. Es gefaellt mit aber besser als alle Klassiker aus dieser Zeit. Liegt das am Alter der Musiker? Dass ich mich als Old Fart besser mit 50ern, die ihren Frust herauskotzen, identifizieren kann als mit testosteronuebersaettigten Halbstarken, die dasselbe tun, ist klar. Aber liegt es nicht doch eher daran, dass man den erfahrenen Veteranen trotz der betont rotzigen wir haben nicht ausreichend geprobt Attitude die den Jungspunden fehlende Reife anhoert, wodurch das irgendwie 'musikalischer' erscheint?
Maurice inaktiv (03.03.2022, 14:48):
Hier Musik, die eigentlich nicht zu der momentanen Situation passt. Doch ich muss mal abschalten von dem ganzen Grauen, wenn auch nur kurze Zeit.



Firehouse Five Plus Two: Plays for Lovers 23.09.1955, 19.12.1955 & 21.01.1956, jeweils Los Angeles

Danny Alguire (Trompete) - Ward Kimball (Posaune) - George Probert (Sopransax) - Frank Thomas (Klavier) - Dick Roberts (Banjo) - Ed Penner (Tuba) - Jim MacDonald (Drums) - Plays for Lovers

Firehouse Five Plus Two : Around the World AD: 18.11.1957, 03.02.1958, 20. und 27.03.1961 , Los Angeles alle

Danny Alguire (Trompete) - Ward Kimball (Posaune) - George Probert (Sopransax) - Frank Thomas (Klavier) - Dick Roberts (Banjo) - Don Kinch & George Bruns (3,4,8) (Tuba) - Eddie Forrest (Drums) - Goes Around the World

Diese, eigentlich als reine "Spaßband" gegründete Formation bestand, als sie 1948 von Ward Kimball (1914-2002) gegründet wurde, aus Mitarbeitern des berühmten Walt Disney. Dieser erkannte schnell, dass die Band weitaus besser war, als nur zum Spaß zu spielen. So trat sie im TV und natürlich auch für Walt Disney als "Werbeband" auf.

Sie wurde damals in der ganzen Welt bekannt, und trug viel dazu bei, dass der alte Jazz auch in Europa lange nachwirken sollte. Kimball galt als einer der besten und engsten Mitarbeiter Disneys, der viele bekannte Trickfiguren erschuf und zeichnete. 1972 setzte er sich zur Ruhe.

Erdman "Ed" Penner (1905-1956) arbeitete von 1935 bis zu seinem viel zu frühen Tode bei Disney als Drehbuchautor (Peter Pan, Cinderella, Susi und Strolch etwa). Frank Thomas (1912-2004) arbeitete in leitender Position von 1934 bis 1978 bei Disney. Er wirkte zusammen mit Ollie Johnson u.a. in "Schneewittchen" , "Cinderella"; "101 Dalmatiner", im berühmten "Dschungelbuch", "Susi und Strolch", "Mary Poppins", "Peter Pan" und "Bernard und Bianca" mit.

George Bruns (1914-1983) spielte 12 Instrumente, studierte 1932-1934 zwei Jahre um eigentlich Ingenieur zu werden, doch brach es ab, um vor allem als Dixielandmusiker sein Geld zu verdienen. So wirkte er in der Bigband von Jack Teagarden mit, aber auch mit anderen Bands und einer eigenen Band. Um 1950 herum ging er zur Band von Turk Murphy.

1953 kam er zu Walt Disney, als dieser auf ihn aufmerksam wurde, als er zum Zeichentrickfilm "Little Boy with a Big Horn" schrieb (1953). Für Disney sollte er die schwierige Aufgabe, aus dem Tschaikowsky-Ballett "Schwanensee" die Musik für einen Film umzuschreiben. Dieser Auftrag sollte sich als sehr schwierig erweisen, weil man unbedingt dazu auch die Musik in Stereo haben wollte. So wurden dann die Aufnahmen dazu in Deutschland gemacht, weil man dort seltsamerweise die besten technischen Voraussetzungen hatte. Er wurde am Ende dafür für einen Oscar vorgeschlagen, was ihm noch drei weitere Male gelingen sollte.

Ebenfalls war er für Davy Crockett mitverantwortlich, dessen Titelsong ein Hit wurde. Dazu wurden die berühmten Waschbärmützen derartig populär, dass das Wort "Merchandising" für Disney in völlig neue Dimensionen zu sehen war.

George Probert (1927-2015) hatte vielleicht den schönsten Job bei Disney. Zunächst wirkte er in den Bands von Bob Scobey und Kid Ory, also in zweien der wichtigsten Bands des traditionellen Jazz überhaupt damals (1950-1954). Ab 1954, bis zum Ende der Band 1969/70, wirkte er dann in der Band Firehouse Five Plus Two mit, und wurde Ab 1955 wurde er Musikalischer Leiter der Walt Disney Studios.

Ich habe das extra so ausführlich geschrieben, weil man diese Musiker und auch Künstler viel zu wenig gewürdigt hat. Fast jeder kennt die großartigen Trickfilme Walt Disneys, auch die Musik ist einem vielleicht in Erinnerung, die einzelnen Figuren auch, aber wer da u.a. dahinter stand oder saß, da bleibt oft verborgen auf der Strecke. Dass solche kreativen Köpfe dann auch noch Zeit fanden, eine so vitale Musik zu spielen, zollt ihnen meinen allergrößten Respekt entgegen.
tapeesa (04.03.2022, 06:40):
@Maurice - mein Like ist halb abhanden gekommen (nur noch im Dashboard), aber ich wollte es sowieso noch kommentieren: Dein Text war sehr schön zu lesen. Habe schon öfters gedacht, dass du ein guter Kommentator bist und zusammen mit der Lockerheit zu Disney - wunderbar :) !
______

Elizabeth Vercoe - aus Butterfly Effects and other works: Butterfly Effects
Peter H. Bloom, Flöten; Mary Jane Rupert, Harfe
Maurice inaktiv (04.03.2022, 19:28):
@Maurice - mein Like ist halb abhanden gekommen (nur noch im Dashboard), aber ich wollte es sowieso noch kommentieren: Dein Text war sehr schön zu lesen. Habe schon öfters gedacht, dass du ein guter Kommentator bist und zusammen mit der Lockerheit zu Disney - wunderbar !
Danke sehr. Das freut mich wirklich sehr.
Maurice inaktiv (05.03.2022, 13:01):


Miles Davis : Blue Haze AD: 19.03.1953 (4,6-8) , 10.03.1954 (2,3,5) , 03.04.1954 (1)

Miles Davis (Trompete) - Dave Schildkraut (Altsax,1 nur) - John Lewis (Klavier, 4,6-8) - Horace Silver (Klavier, Rest) - Charles Mingus (Bass) - Percy Heath (Bass, 1 nur) - Max Roach (Drums, 4,6-8) - Art Blakey (Drums, 2,3,5) - Kenny Clarke (Drums,1)

Klassischer, moderner Jazz aus der "Findungsphase" von Miles Davis. So spielten hier Musiker mit, die sich eigentlich nur bedingt mit dem Musikverständnis von Miles damals "vertrugen". Weder Charles Mingus, noch Art Blakey spielten die Musik, die Miles wirklich mochte. Die drei Musiker aus dem "Modern Jazz Quartett", die hier mitwirkten (Lewis, Heath und Clarke), dass damals noch "Milt Jackson-Quartett" hieß, kamen Miles schon weitaus näher. Wirkten doch Lewis, Clarke und auch Roach bereits Ende der 40-er Jahre im "Birth of the Cool"-Projekt mit.

Wenig bekannt wurde der grundsätzlich sehr fähige Dave(y) Schildraut (1925-1998) am Altsaxophon. Er spielte vor allem im Umfeld von Stan Kenton, aber auch einige Male in der Band von Buddy Rich. Sein Spiel erinnert oft an Charlie Parker, so dass Charles Mingus ihn tatsächlich mal bei einem der damals sehr beliebten "Blindford-Tests" der Zeitschriften mit ihm verwechselte. 1954 war er mit Kenton in Europa und war Lead-Altist der Band gewesen. Lee Konitz war sein Alt-Kollege gewesen in der Band. 1979 nahm er sein einziges eigenes Album auf.

Schildkraut spielte auf zwei bekannten Davis-Produktionen mit: "Walkin' " und "Blue'n Boogie" vom 29.04.1954 und eben "I'll Remember April", "Solar" und "Love Me or Leave Me" vom 03.April 1954.
Maurice inaktiv (05.03.2022, 13:54):


Johnny Hodges/Duke Ellington : Side by Side AD: 14.08.1958, NYC & 20.02.1959, NYC (1,2,4)

Titel 1,2, und 4 :

Harry Edison (Trompete) - Johnny Hodges (Altsax) - Duke Ellington (Klavier) - Le Spann (Gitarre, Flöte) - Al Hall Bass (Bass) - Jo Jones (Drums)

Rest:

Roy Eldridge (Trompete) - Lawrence Brown (Posaune) - Johnny Hodges (Altsax) - Ben Webster (Tenorsax) - Billy Strayhorn (Klavier) - Wendell Marshall (Bass) - Jo Jones (Drums)

Johnny Hodges, der vielleicht bekannteste und größte Solist der Ellington-Band, spielte immer wieder mal näher, mal weniger nahe um das Ellington-Umfeld eigene Platten ein. Oftmals mit mehr Drang hin zum "Jump"-Style und damit ein wenig näher am "Rhythm 'N Blues" als innerhalb der Ellington-Band. Besonders die Session ohne den Duke, aber mit dessen "Zweiten Ich", Billy Strayhorn am Klavier, wirkte spritzig und weniger eingeengt ins Ellington-Korsett, obwohl mit Lawrence Brown und Ben Webster zwei hervorragende Ex-Kollegen aus der Band mit dabei waren. Besonders in "You Nee To Rock" ist das Feeling des Jump deutlichst zu hören und spüren. Jo Jones ist der beste Vertreter, den er dafür gewinnen konnte.

Zwei weitere Musiker, die auch nach ihrer Zeit beim Duke für wunderbare Einspielungen sorgten, die zwar eine gewisse Nähe zum Duke, aber doch noch genug Eigenständigkeit aufwiesen. Die bekannteste LP sollte "Cootie & Rex - The Big Challenge" aus dem Jahre 1957 werden.



Cootie Williams & Rex Stewart : The Big Challenge AD: 30.04.1957 (1-3) & 06.05.1957 (Rest) , jeweils New York

Cootie Williams (Trompete) - Rex Stewart (Kornett) - Lawrence Brown, J.C. Higginbotham (Posaunen) - Coleman Hawkins , Bud Freeman (Tenorsax) - Hank Jones (Klavier) - Milt Hinton (Bass) - Billy Bauer (Gitarre) - Gus Johnson (Drums)

Erneut ist der Ex-Kollege der Ellington-Band, Lawrence Brown mit dabei. Ein überaus wunderbarer Musiker, mit einem feinen, klaren Ton, den er geschmeidig und elegant mit technischer Brillanz auch hier immer wieder zur Geltung bringen darf. Sein Gegenpart spielt härter, zupackender, keinesfalls schlechter, einfach in einem völlig anderen Stil.

Ebenso unterschiedlich agierten die beiden Kollegen an Trompete und Kornett. Williams härter, direkter, Stewart, der einer der besten Kornettisten des Jazz war, technisch brillant, mit vielen "Half-Ventil-Aktionen", die sein Spiel immer kennzeichneten.

Mit Coleman Hawkins und Bud Freeman sind wir bei zweien der wichtigsten Tenoristen des Jazz angekommen. Beide waren maßgeblich daran beteiligt, dass das Tenorsaxophon sich im Jazz der 1920-er Jahre durchsetzen konnte. Hawkins voluminöser, Freeman mit mehr "heiseren" Ton, hin und wieder an Ben Webster erinnernd, aber eben nur im Ansatz.

Die Rhythmusgruppe kann man einfach nur als genial bezeichnen. Der "Meister der Eleganz" saß am Klavier: Mister Hank Jones. Einer der besten Jazzbassisten überhaupt - Milt Hinton - spielte Bass (vermutlich der einzige Musiker, der mit Ellington, Basie, Gillespie, Ella Fitzgerald, Harry Belafonte und Armstong Aufnahmen machte), einer der Nachfolger von Jo Jones bei Count Basie, Gus Johnson, saß am Sclagzeug.

Einfach genießen und zuhören. Es lohnt sich wirklich.
Sfantu (05.03.2022, 23:55):
Die Geschichte von Sfantus Katze mit Coatesallergie hat mir diese Aufnahme ins Gedaechtnis zurueckgerufen.

Wir scherzten, dass diese Musik wohl den Leibhaftigen samt seiner Schwefelfahne heraufbeschwoert, bis wir dann die (rabenschwarze) Hauskatze entdeckten, die total panisch versuchte sich durch die geschlossene Zimmertuer zu verdruecken und dabei unentwegt furzte.
Ich finde, das schreit nach einer Feldstudie!
tapeesa (06.03.2022, 09:00):
Ich finde, das schreit nach einer Feldstudie!
Katzen mögen Ferneyhough! Okay, eine freilaufende Katze aus der Nachbarschaft mag Ferneyhough sehr. :)
__

Charlie Parker with Strings, The Master Takes
+
Albert Ayler - Love Cry & The last album; Joshua Redman Quartet - Come what may; Wes Montgomery - Down here on the ground

(edit: Sehe gerade, dass manches von den "echten" Jazzern als kommerzieller Müll abgetan wird und Abstieg oder reiner Broterwerb - ist mir egal - neben der Klassik höre ich Musik eher zur Entspannung oder aus anderen Gründen, muss nicht das aller sonstwie sein. Hyper-romantisch ist das Ausgesuchte teils auch. Ihr dürft mir das gerne unter die Nase reiben ;) halte ich aus. 2 Disney Songs geistern auch durch den Kopf.)
Maurice inaktiv (06.03.2022, 10:36):


Clark Terry/Paul Gonsalves : Diminuendo, Crescendo and Blues AD: 13.11.1958, München/Deutschland

Clark Terry (Trompete, Flügelhorn) - Paul Gonsalves (Tenorsax) - Carlos Diernhammer (Klavier) - Jimmy Woode (Bass) - Sam Woodyard (Drums)

Die beiden damaligen Ellington-Solisten und Modernisten Paul Gonsalves hatten viele Gemeinsamkeiten. Sie waren beide Jahrgang 1920, standen sowohl im Swing als auch im modernen Jazz mit je einem Bein, machten entsprechend auch viele Aufnahmen außerhalb der Ellington-Band und verstanden sich nicht nur musikalisch bestens.

So gingen sie auf der Europa-Tournee 1958 in München mit ihren beiden Ellington-Kollegen Jimmy Woode und Sam Woodyard ins Studio. Mit dabei der Pianist der Band von Freddie Brocksieper, in der er rund 15 Jahre spielen sollte, Carlos Diernhammer.

In der Ellington-Band gab es immer schon eine ziemliche Gruppenbildung. Auf der einen Seite die "Altgedienten" um Johnny Hodges, auf der anderen Seite die mehr "modernen" Kollegen um Clark Terry, Paul Gonsalves, Britt Woodman, Jimmy Hamilton und Jimmie Woode.

Terry und Gonsalves spielen hier einige Klassiker der Ellington-Band ("Diminuendo and Crescendo in Blue", "C-Jam Blues" und "It don't mean a Thing". Dazu zwei Standards der besseren Sorte ("I cover the Waterfront" und "Willow Weep for Me", was auch öfter in der Ellington-Band dieser Zeit im Repertoire war), dazu drei Stücke von Terry und zwei von Gonsalves.

Clark Terry spielt hier ganz sicher auf einigen Stücken auch das Flügelhorn, dass er damals begann zu lieben und immer öfter einzusetzen. Genau ein Jahr zuvor spielte er unter der Leitung von Billy Taylor ("Taylor made Jazz"; AD: November 1957) das erste mal mit seinem nagelneuen Selmer Flügelhorn, was er viele Jahre spielte und speziell von Keith Ecker von Selmer für ihn entworfen und gebaut worden war. Jahre später wechselte er zu Olds und spielte das ebenfalls für ihn entwickelte und gebaute Modell "CT Model".

Paul Gonsalves zeigte auch hier seine ganze Klasse, etwa bei der Eröffnungsnummer, die er alleine 1956 auf der berühmten Newport-Aufnahme berühmt machte. Die Rhythmusgruppe war ihnen eine weitgehend reine Begleitband, die nur selten zu Soli kam.

Leider geht die CD nur 35 Minuten, was damals aber eine übliche Plattenlänge war. Eingespielt wurde die Session damals für den Bertelsmann Schallplattenring, der später zur RCA/Victor kam.
Maurice inaktiv (06.03.2022, 10:42):
(edit: Sehe gerade, dass manches von den "echten" Jazzern als kommerzieller Müll abgetan wird und Abstieg oder reiner Broterwerb - ist mir egal - neben der Klassik höre ich Musik eher zur Entspannung oder aus anderen Gründen, muss nicht das aller sonstwie sein. Hyper-romantisch ist das Ausgesuchte teils auch. Ihr dürft mir das gerne unter die Nase reiben halte ich aus. 2 Disney Songs geistern auch durch den Kopf.)
Ich musste gerade grinsen. Ja, die "puren Jazzer" mögen Streicher überhaupt nicht. Und man muss das auch im Kontext zu der Zeit damals sehen: Bebop galt als "Revoluzzer-Jazz", den man einfach nicht mit Streichern kombinieren DURFTE. Das war quasi eine "Entartung des reinen Jazz" gewesen. Ja, meine Wortwahl ist jetzt vielleicht etwas unglücklich, aber genau so muss man es sehen.

Auch Dizzy Gillespie, Toomy Dorsey, Gene Krupa, Harry James, Stan Kenton, Glenn Miller und sogar Clifford Brown machten Einspielungen mit Streichern. Nur Parker und James hatte man das immer übel genommen. Dass weder Parker noch James weiterhin auch hervorragende Jazzmusiker und entsprechend "reine" Jazzaufnahmen machten, wurde großzügig übersehen. Viele Sänger hatten einen Streicher-Background, auch Louis Armstrong übrigens. Und DER nahm ja weiß Gott viel auch reinen kommerziellen Schrott auf, den man heute nicht mal mehr kennt.

Für Charlie Parker, der ein großer Liebhaber klassischer Musik war, waren diese Aufnahmen übrgens ein absoluter Wunschtraum gewesen, für Gillespie einfach nur eine weitere Aufnahme-Session, die es professionell zu überstehen galt.....
tapeesa (08.03.2022, 09:11):
Otis Redding - Sittin' on the dock of the bay, These arms of mine

Fred & Adele Astaire: I'd rather Charleston
Musik und Text: George Gershwin / Desmond Carter,

(Die eingebundenen Geräusche in Sittin' on the dock of the bay erinnern an Verismo, das Tapping beim Steppen auch.)
tapeesa (09.03.2022, 08:23):
Bevor ich gestern die DVD vom Amiche per l’Abruzzo, einem von Laura Pausini initiierten Benefizkonzert (Mailand, SanSiro) anlässlich des Erdbebens in L’Aquila, 2009, gekauft habe, bin ich über Videoausschnitte daraus auch auf "Il mio canto libero" von Lucio Battisti / Mogol aufmerksam geworden und höre es nun im Original.

Lucio Battisti - Il mio canto libero
Maurice inaktiv (09.03.2022, 10:06):


Dan Block : Almost Modern AD: 22./23.05.2006 , New York

Jon-Erik Kellso (Trompete) - Dan Block (Klarinette, Tenorsax) - Larry Ham (Klavier) - Chris Flory (Gitarre) - John Hart (Gitarre; nur 12) - Lee Hudson (Bass) - Chuck Riggs (Drums)
Cetay (09.03.2022, 12:02):
So sehr die Haydn-Diaet auch mundet; nach 15 Werk-Portionen brauche ich mal etwas Scharfes zur Abwechslung:



Albert Ayler - Something Different! (1963) & My Name is Albert Ayler (1964)

Beide LPs befinden sich zusammen auf CD#1 dieser Box.
Sfantu (09.03.2022, 23:50):
Der Saurier der rumänischen Rockmusik ist die Band "Phoenix".
Das letzte verbliebene Gründungsmitglied ist Nicu Covaci - Jahrgang 1947 (der Weißhaarige ganz rechts im Bild). Sie bringen bis heute das Kunststück fertig, sich trotz behutsamer zeitgemäßer Anpassungen treu zu bleiben: rockig, psychedelisch, mit Folk-Einflüssen...nicht verwunderlich, daß das einem Jethro Tull-Fan und wahlverwandten Rumänen wie mir gefällt,

Der Titel Strunga ist inhaltlich einigermaßen kryptisch. Es geht um Archaisches: eine Drechselbank im tiefen Wald, um Partisanen und ihre Waffen.

Höre das gerade in Einstimmung fürs Wochenend`, an dem ich mir nach gehörigem Abstand das epische Doppelalbum "Contafabule" geben werde.
Cetay (10.03.2022, 11:58):


Sentenced - The Funeral Album (2005)

Schoenes Album zwischen melancholischem Duester-Rock und Metal. Fuer mich ist das verbunden mit einer selbst nach Jahren unvergessenen, je nach Sichtweise humorigen oder sehr peinlichen Anektode. Ich nahm einen ganz neuen Kollegen -Englaender- auf einer laengeren Autofahrt mit. Ein netter, lockerer Typ eigentlich. Ich hatte zu der Zeit eine gebrannte Mix-CD im Auto, die losplaerrte, sobald ich den Zuendschluessel drehte. Ich fragte, ob ihn die Music stoere und er meinte nein, er hoere so ziemlich alles. Dann entspannte sich fuer eine Weile eine lockere Unterhaltung bis der Kollege unvermittelt total einsilbig wurde und wir den Rest schliesslich schweigend zuruecklegten. Auf der Rueckfahrt dann dasselbe - es herrschte regelrecht frostige Atmosphaere. Ein paar Tage spaeter hoerte ich die Unterhaltung zweier Kollegen. Einer meinte, der neue Englaender sei ganz ok, aber manchmal etwas komisch, worauf der andere erwiderte, das laege wohl daran, dass er streng glaeubiger Christ sei. Auweia! Rewind in meinem Kopf: Wie lange waren wir unterwegs, bevor die Stimmung kippte - ca. 15 Minuten - Was kommt da fuer ein Song auf der CD? - Ever-Frost von Sentenced - Auweia!!! - Ok, bei dem Typen bin ich auf ewig unten durch... Ich verrate jetzt nicht, was da gesungen wird, sonst bin ich hier moeglicherweise auch bei personchem unten durch ... aber es ist wirklich schlimm.
Maurice inaktiv (11.03.2022, 10:14):


Famous Jam Sessions : AD: 1952-1954

Heute mit der CD-Nr.3 der Box

Blue Lou - Jam Blues - Ballad Medley:

1-3 : Roy Eldridge, Dizzy Gillespie (Trompeten) - Johnny Hodges (Altsax) - Ben Webster, Illinois Jacquet, Flip Phillips (Tenorsax) - Lionel Hampton (Vibes)
- Oscar Peterson (Klavier) - Ray Brown (Bass) - Buddy Rich (Drums)

Lullaby in Rhythm:

4 : Roy Eldridge, Dizzy Gillespie (Trompeten) - Bill Harris (Posaune) - Buddy de Franco (Klarinette) - Flip Phillips (Tenorsax) - Oscar Peterson (Klavier) -
Herb Ellis (Gitarre) - Ray Brown (Bass) - Louie Bellson (Drums)

Hier gibt es viel Energie, Power und tolle Soli. Das Ganze swingt wie der Teufel, kein Wunder, bei der Besetzung.
Maurice inaktiv (11.03.2022, 11:47):


Sharkey Bonano : Sh.B. Live at the Perez Club AD: 07.12.1952, Perez, Airline Highway, New Orleans Live

Sharkey Bonano (Trompete, Gesang) - Jack Delaney (Posaune) - Bujie Centobie (Klarinette) - Stanley Mendelsohn (Klavier) - Arnold "Deacon" Loyacano (Bass) - Abbie Brunies (Drums)

Joeseph Bonano (1904-1972) war einer der vielen, exzellenten Musiker aus New Orleans, oder dessen Vororten. Bonanos Stil galt als durchaus "fortgeschritten" und liegt hier in der Linie von Louis Armstrong, Henry "Red" Allen und später Roy Eldridge. Er wechselte, wie auch Louis Armstrong, 1928 vom Kornett zur Trompete über.

Er spielte mit einer der Bands, die unter dem Namen von Jean Goldkette lief, machte 1925 und 1927 seine ersten Plattenaufnahmen, und leitete ab Ende der 1940-er Jahre in New Orleans viele Jahre eine sehr populäre Band.

Hier vereinte seine Band einige nicht ganz unbekannte Namen der New Orleans-Dynastie: Abbey Brunies (1914-1955) etwa, oder den exzellenten Pianisten Stanley Mendelsohn (1923-2002) und den früh verstorbenen Posaunisten Jack Delaney (1930-1975). DIESER Brunies war der Cousin war ein Cousin zu den bekannteren Brüdern Abbey Senior (der Kornett spielte) und George Brunies, dem legendären Posaunisten.

Das ist quasi das "Kontrastprogramm" zu den Sessions zuvor.
Cetay (11.03.2022, 23:25):


Usurper - Lords of the Permafrost (2019)

Immer druff uff die Birne...
Sfantu (12.03.2022, 23:48):
Die Musik von Stefan Stoppok war ein Identifikations-Anker Anfang/Mitte der 90er in der Zeit mit meiner langjährigen ersten Freundin. Die Wahrheit ist: ich lernte seine Songs erst über sie kennen. Und am Anfang mochte ich seine Stimme und die ganze Art überhaupt nicht. Nur langsam und mit der Zeit schlug das ins Gegenteil um. Und letztlich wuchs die eigentliche Wertschätzung erst in späteren Jahren.
Leise ist mittlerweile das Lied, für das ich im Zweifelsfall alle Anderen auf ihre Plätze verweisen würde.
Melancholisch, vielschichtig, mein Innerstes anrührend.
tapeesa (13.03.2022, 20:57):
Gianna Nannini - Cuore
Cetay (17.03.2022, 04:13):

Mercyful Fate - Melissa (1983)

Das originale Gitarren-Duo der Daenen war m.E. das beste, das der Metal je hervorgebracht hat. Die beiden schuetteln am Fliessband Riffs und Soli aus den Handgelenken und jedes klingt frisch, unverbraucht und innovativ - da stecken in einem Lied mehr Ideen als andere Gruppen auf einem ganzen Album unterbringen. Das Zusammenspiel ist einzigartig. Es wird nicht einfach ueber einem Riffmuster ein Solo abgeliefert, sondern die Rhythmus-Gruppe reagiert auf den Solisten, ob scheint sie sogar vom Solisten angetrieben anstatt umgekeht. Durch Takt- und Tempowechsel und die an allen moeglichen und unmoeglichen Stellen platzierten Soli wird das normale Liedschema aufgebrochen, aber das wirkt alles wie aus einem Guss.
Die Achillesferse ist der theatralisch agierende Saenger, der regelmaessig absurdeste Hoehen im Falsetto aufsucht. Das tut schon mal weh und klingt manchmal etwas nach Comicfigur, aber nachdem ich mich erstmal damit arrangiert hatte, kann ich mir das gar nicht mehr anderes vorstellen. Das Singen in den unterschiedlichsten Lagen traegt im Verbund mit der Komplexitaet der Liedaufbauten dazu bei, dass man -wie es ein Rezensent treffend ausdrueckte- das Gefuehl hat, 5 Songs gleichzeitig zu hoeren, welche verblueffenderweise nicht nur zuammenpassen, sondern dazu noch aeusserst eingaengig sind. Die Texte: Blasphemie, Okkultismus, Satanismus. Bei einer Truppe, die musikalisch so auf der Hoehe ist, wird freilich auch bei diesem Themenkomplex ein gewisses Mass an Poesie und Intelligenz bewahrt.
tapeesa (20.03.2022, 04:48):
Shei - Der verzauberte Wald, + ein paar andere Balladen, Bardenlieder.
Blackmore's Night - Empty Words, Gilded Cage

Mehrmals auch das Main Theme von Captain Future.
Cetay (22.03.2022, 06:38):


Atheist - Piece of Time (1990)

Auf das erste Hoer haben -gut gemachter- Death Metal und Jazz-Rock/Fusion nicht viel gemeinsam. Ein zweites Hinhoeren offenbart freilich Gemeinsamkeiten: Schnelle Tempi, komplexe (nicht-lineare) Strukturen und technische Virtuositaet. Atheists Erstling Piece of Time ist eines der wenigen Alben, auf denen die Synthese geglueckt ist. Atheist selbst haben das Niveau ihres Debuts spaeter weit uebertroffen und Gruppen wie Death und Cynic zogen nach. Damit habe ich dasseble Problem wie mit vielen Alben der Jazz-Rock/Fusion auch. Der Fokus liegt auf zu sehr auf der Kompositions- und Spiel-Technik und darueberhinaus wird vergessen, gutes Liedmaterial zu schreiben. Piece of Time tappt nicht in diese Falle. Es ist etwas weniger beeindruckend als der Nachfolger Unquestionable Presence, der als Hoehepunkt dieses bald mit dem Sub-Sub-Genre-Label 'Technical Death Metal' versehenen Stils gilt. Aber es bietet dem Headbanger mehr von dem, was er braucht und das macht in Summe viel mehr Eindruck auf mich.
Einer meiner Alltime-Favs. :times10
tapeesa (24.03.2022, 08:28):
Tanita Tikaram - Twist in my sobriety
Maurice inaktiv (25.03.2022, 10:16):


Bunk Jonson : Last Testament AD: 23.,24.&26.12.1947

Bunk Johnson, der noch mit dem legendären Buddy Bolden spielte, war vielleicht DER Vertreter des Revival Jazz Ende der 1930-er, Anfang der 1940-er Jahre gewesen. Geboren 1879 in New Orleans, gehörte er mit Buddy Bolden, Freddie Keppard und King Oliver zur ersten Generation der New Orleans-Kornettisten, lange vor Louis Armstrong.

1931 kam es zu einem Fiasko, als während eines Konzertes es zu einer tödlichen Auseinandersetzung kam, in der ein Bandmitglied verstarb, alle Instrumente zerstört und ihm fast alle Zähne ausgeschlagen wurden.

1937 ging der Autor William "Bill§ Russell mit einem Kollegen auf die Suche nach Johnson. Der Bruder von Sidney Bechet, der Zahnarzt war, verpasste ihm ein neues Gebiss und man kaufte ihm eine neue Trompete. Johnson arbeitete aber bis 1942 weiterhin auf Plantagen, erst dann wurde er quasi in ein Aufnahmestudio gezerrt.

Man verpflichtete mit George Lewis, Walter Decou, Lawence Marrero, Austin Rodgers und Ernest Rogers weitere Veteranen aus New Orleans, die teilweise auch reaktiviert werden mussten, wie etwa George Lewis, der als Hafenarbeiter Schwerstarbeit leisten musste.

Hier nun seine letzte Band, die vielleicht auf den ersten Blick nicht spektakulär besetzt ist, aber das täuscht. Garvin Bushell (1902-1991) war einer der frühen Multi-Instrumentalisten, der sogar noch mit John Coltrane später Aufnahmen machen sollte. Don Kirkpatrick war ein exzellenter Pianist, der auch mit Kid Ory arbeiten sollte. Danny Barker, der hier nur Gitarre spielt, war einer der Legenden von New Orleans, die es zu etwas gebracht hatten. Er spielte mit Louis Armstrong, viele Jahre bei Cab Calloway (1939-1946), der Band von Paul Barbarin, aber später auch mit Wynton Marsalis in New Orleans. Er bekam nicht ohne Grund den Namen "Banjokönig von New Orleans" verpasst.

Wellman Braud spielte viele Jahre mit Duke Ellington (1926-1935), später mit Sidney Bechet und Kid Ory und galt als einer der Meister des Slap Bass aus New Orleans.

Ed Cuffee (1902-1959) spielte eigentlich mehr im Umfeld der frühen schwarzen Bigbands, aber auch mit Clarence Williams (1927-1929), McKinney's Cotton Pickers (1929-1934) , Fletcher Henderson (1935-1938) und Count Basie (1941).Ende der 1940-er Jahre zog er sich aus dem Musikgeschäft zurück.
Cetay (28.03.2022, 05:30):


John Abercrombie Quartet - Arcade
John Abercrombie (Gitarre, Elektrische Mandoline), Richard Beirach (Klavier), George Mraz (Kontrabass), Peter Donald (Schlagzeug)

Viel gehoert in letzter Zeit wurde dieses besonders hell funkelnde Exemplar aus der unerschoepflichen ECM-Diamantmiene. Das butterweiche, eng verzahnte Zusammenspiel der vier Protaginisten grenzt ans Telepathische, gleichzeitig bleibt man kontrolliert nahe am thematischen Material, das sich wie von Zauberhand absolut stimmig entfaltet.
tapeesa (28.03.2022, 14:09):
T'Pau - China in your hand (lange Albumversion und Radioversion)

Der Text bezieht sich auf Frankenstein von Mary Shelley.
Cetay (29.03.2022, 01:18):


Steely Dan
Can't Buy a Thrill (1972)
Countdown to Ecstasy (1973)
Pretzel Logic (1974)
Heute morgen gingen die musikalischen Erinnerungen weit zurueck. Mit 10 oder 11 hoerten wir Sonntags immer den 'Ami-Sender' (AFN) wenn die Amerriken Dopp Forrdie gespielt wurde. Da hoerte ich erstmalig Rikki Don't Lose That Number. Auch heute ist diese zeitlose Musik noch mit vollster Befriedigung hoerbar. Wird nach einem Begiff gefragt, der Radio-Popmusik, Anspruch & Intelligenz miteinander verbindet, lautet die Antwort nicht gibt's nicht, sondern Steely Dan. Das ist einfach gut gemacht und bietet mit aufgefeilten Arrangments, angejazzter Liedschreibung und launigen Instrumentalpassagen (aber von allem nur gerade so viel, dass es fuer alle leicht konsumierbar bleibt) dem Bildungshoerer genug, um sich ohne Reue auch mal unterhalten zu lassen. Bisweilen bissige bis zynische Texte gibt es als Zugabe obendrauf.
Cetay (29.03.2022, 23:54):


Steely Dan
Katy Lied (1975)
The Royal Scam (1976)
Aja (1977)
Gestern gab es noch den zweiten Teil der Stahldildo-Sitzung. Die ersten drei Alben haben alle ihre Meriten und setzen jeweils einen anderen Schwerpunkt bei den Einflussen - wobei mir das Jazz-lastige '73er Album am meisten zusagt. Das 4. Album, Katy Lied gefaellt mir weniger, hier spielen sie mir zu sehr auf Sicherheit, bieten von allem etwas und damit in der Summe zu wenig. Mit Album Nr. 5 erfolgte die Kurskorrektor, das hat bei allem Schliff wieder klarere Konturen und bietet haufenweise Soli, wobei vor allem Session-Gitarrist Larry Carlton glaenzt. Die Kaeufer dankten es mit Platin und damit war genug Geld in der Kasse, um sich mit Album Nr. 6 zu verwirklichen. Das Ergebnis ist bekannt: Aja. Oder es sollte bekannt sein sein. Eines der groessten Musik-Alben ueberhaupt. Wer das nicht kennt, hoert bitte sofort auf zu lesen und stroemt das jetzt oder drueckt old-school irgendwo den "kaufen" Button oder sprintet very-old-school zum naechsten Flohmarkt. Die Band -inzwischen laengst zum Duo geschrumpft- verabschiedet sich hier teils vom kompakten Radio-tauglichen format, die Lieder sind laenger, die Instrumentalpassagen ausgedehnter, die Arrangements zum niederknien, die kuehl-elegante Atmosphare einmalig. Das schreit foermlich danach, beim Hoeren im gedimmten Licht einen Drink und eine Zigarre in den Haenden zu halten (obwohl ich Zigarren nicht mag). Bei der Liste der Gastmusiker laeuft dem Kenner der Sabber: Wayne Shorter, Tom Scott, Larry Carlton, Steve Kahn, Steve Gadd, um nur die allerwichtigsten zu nennen. Der Witz an der Sache: Obwohl das Album mit seiner schweren Jazz-Rock Fusion Schlagseite kommerziellen Erwaegungen entgegensteht, wurde es das mit Abstand erfolgreichste der Gruppe. Viele, die mit Jazz sonst nichts am Hut haben, lieben es. Viele, die mit Rock sonst nichts am Hut haben, lieben es. Viele, die sonst nur Muell in ihre Ohren stopfen, lieben es...
Maurice inaktiv (01.04.2022, 13:10):
Ohne Bild:

The Original Storyville Jazz Band Vienna & Randy Sanke: Live at Jazzland AD: 29./30.04.1999, Österreich

Randy Sandke (Trompete) + Helmut Plattner (Trompete, Sopransax) - Siegi Dietrich (Klarinette, Altsax) - Walter Terhagen (Posaune) - Frank Luttenberger (Klavier) - Udo Ehmsen (Banjo) - Hans Bichler (Bass) - Gerd Stächlin (Drums)

Randy Sandke (*1946) habe ich mehrfach live erlebt. Ein verdammt guter Trompeter, der nicht nur den "alten Jazz" gespielt hat, sondern auch mit etwa 10 Jahre wegen einer Krankheit nur noch Gitarre gespielt hatte. Sein Studienkollege war u.a. Randy Brecker. Ende der 1970-er Jahre kehrte er mit der Trompete auf die Szene zurück, spielte mit Vince Giordano, Benny Goodman (in seiner letzten Band 1985/86), Buck Clayton, den Newport Jazz Festival All Stars, Michael Brecker, Dizzy Gillespie, Mel Tormé, Ken Peplowski, u.a.
Cetay (02.04.2022, 10:26):


Death - Human (1991)

Weiter oben schrieb ich noch, dass sich Death mit ihrer Hinwendung zum Technical Death Metal zu sehr auf Kompositions- und Spiel-Technik fokussierten und wenig gutes Liedmaterial schrieben. Seit ich das von mir gegeben habe, geistern Fetzen von dieser, ihrer besten Scheibe in meinem Hirn rum, also hab ich es mal wieder aufgelegt. Ach du gehaessige Bosheit! Ich lag voellig falsch. Das ist bei aller genial-vertrackten Komplexitaet eingaengig wie Hades und stringent wie ein Schraubstock. Musste dreimal wiederholt werden. :tongue:
Cetay (03.04.2022, 02:21):


Goodman/Smith/Levy/Burbridge - The Stanger's Hand
Jerry Goodman (Violine, Gitarre), Howard Levy (Mundharmonika, Klavier, E-Piano, Okarina, Blechfloete), Oteil Burbridge (Bassgitarre), Steve Smith (Schlagzeug),

An bessere Jazz-Rock-Fusion glaube ich erst, wenn ich sie hoere.
Cetay (04.04.2022, 03:37):


Hawkwind - Sonic Attack (1980)

Noch so ne Combo, die seit ueber 50 Jahren im Geschaeft ist. Mitgruender Dave Brock, der unlaengst seinen seinen achtzigsten Geburtstag feierte, navigierte die Gruppe durch ueber 40 Besetzungswechsel und lieferte 33 Studio- und ca. 50 Livealben ab. Ich finde es spannend, wie es der Gruppe gelang, immer wieder aktuelle Zeitstroemungen (Prog-/Art-Rock, Punk, Metal, Techno) aufzunehmen, ohne ihren unverwechselbaren Stil zu kompromitteren.

Das Cover macht es leicht, zu erraten, aus welcher Phase Sonic Attack stammt - sogar das Bandlogo wurde metallisch stilisiert. Mehr noch als die Metal-Elemente sind es die beklemmend-visionaeren, hier und da durch sprachliche Dekonstruktion und groteske klangliche Verfremdung clever inszinierten Texte, wegen denen ich immer wieder zu diesem Album zurueckkehre. Es geht um die manipulative bis zerstoererische Verwendung von Sprache, um Verdummung und Verstummung, um Informationsvernetzung und Ueberwachung. Sie besingen, dass sich kuenftige Generationen auf uns verlassen wuerden und warnen davor, die Welt fuer diese in einen Alptraum zu verwandeln. Zugehoert hat -wie es heute aussieht- offenbar niemand.
Cetay (08.04.2022, 10:28):


Planet X - Live from Oz (Live @ Corner Hotel Richmond, Victoria, Australia, 13. Juni 2001)
Tony MacAlpine (Gitarre), Derek Sherinian (Tasteninstrumente), Virgil Donati (Schlagzeug), Dave La Rue (Bassgitarre)

Ich kann mich nicht erinneren, seit meiner Erstbegegung mit diesem Prog-Jazz-Rock-Album vor 20 Jahren etwas spieltechnisch Aberwitzigeres gehoert zu haben. Ein Grossteil des Konzerts wirkt wie eine Demonstration des auf den Instrumenten menschlich moeglichen samt der Verschiebung der Grenzen. Hier wird mit vertrackten, haeufig wechselnden Metren und in Hochestgeschwindigkeit eine Praezision im Zusammenspiel dargeboten, welche an Zauberei grenzt. Natuerlich ist das praetentioes. Ob es dem Song dient, wenn im 9/8-Takt mit 250 bpm gespielt wird, ist einerlei - sie tun es, weil sie es halt koennen. Es macht irren Spass, dabei zuzuhoeren -muss ja nicht jeden Tag sein- und es wird nicht zu anstrengend, weil sie immer wieder das Gas wegnehmen und lyrische Passagen einbauen. Der Gedanke an Alben wie dieses generiert bei mir immer einen stillen Lacher, wenn irgendein Klassikkasper mal wieder von sich gibt, fuer Rockmusik brauchte es grundsaetzlich kein besonderes Talent.
Maurice inaktiv (18.04.2022, 11:20):
New Orleans Night Crawlers : Live at the Old Point Bar AD: 24./25.03.2000, Live in New Orleans

Kevin Clark (Trompete) - Barney Floyd (Trompete, Flügelhorn) - Craig Klein (Posaune, Gesang) - Rick Trolsen (Posaune) - Joseph Mingledorff (Klarinette, Tenorsax) - Ken Jacobs (Baritonax) - Matt Perrine (Sousaphon) - Kevin Hunter (Kleine Trommler) - Tanio Hingle (Bass-Drum) - Chief Smiley Ricks (Percussion, Gesang) + Debiie Davis (Gesang, Percussion) & Tom McDermott (Klavier)

Wer die Dirty Dozen Brass Band kennt, der wird hier eine Fortführung erleben können. Die Musiker sind ganz ausgezeichnet. Mit Rick Trolsen habe ich selbst schon ein Konzert gespielt, als er Gast in meiner damaligen Band war. Das ist viel Soul und auch Funk, aber trotzdem ganz im Sinne der New Orleans Tradition, halt nur zeitgemäß umgesetzt. Die Stücke stammen weitgehend von Bandmitgliedern dieses Abends. Nur "oye Come Va" ist ein Stück von Tito Puente.

Es gibt kein Cover dafür, da die CD vermutlich nie hier verkauft oder angeboten wurde. Ich habe sie damals von einem bekannten Konzertveranstalter geschenkt bekommen. Tolle Musik !! Viel besser, als die ganze Oster-Kxxxe, die zur Zeit läuft.
Joe Dvorak (19.04.2022, 08:07):


Codona (1979)
Collin Walcott (Sitar, Tabla), Don Cherry (Trompete, Floete), Nana Vasconcelos (Perkussion)

In meinen Ohren eines der besten ECM-Alben. Aber was weiss ich schon? Der Katalog des Muenchner Labels umfasst Stand heute 1702 Eintraege. Das waere noch ein schoenes Hoerprojekt, das sich bei taeglich einer Scheibe und gelegentlichen Unterbrechungen knapp 5 Jahre hinziehen wuerde. Lohnend waere das sicher. Ich kann kein anderes Label nennen, von dem ich so viele Alben 'fuer die Ewigkeit' gehoert habe.
tapeesa (20.04.2022, 08:12):
Survivor - Eye of the Tiger
Maurice inaktiv (20.04.2022, 10:25):


Henry "Red"Allen, jr. : Quadromania AD: 1932 - 1952

Die 4-CD-Box von Membran vereint tolle Einspielungen mit meist schlampig aufgemachten Cover und fehlerhaften Booklets. Hier ist das auch nicht besser. So wurde an Stelle von Red Allen der Kornettist (!!) (Allen spielte Trompete) Wild Bill Davison gewählt, der weiß war, während Allen schwarz war. Alleine DAS zeigt die Armseligkeit auf, wie mit großartigen Künstlern umgegangen wird.

Nun zum Positiven: Man bekommt günstig legendäre Einspielungen, ohne sich gleich mehrere CDs kaufen zu müssen in einer recht flachen Box, die weder besser noch schlechter klingen als die Originale (was auf viele Boxen zutrifft, zumindest im Jazz), mit hervorragenden Musikern.

Henry Red Allen (1908-1967), dessen Vater Henry Allen, sr. (1877-1952)in New Orleans eine der ersten Brass Bands leitete, in denen alle damaligen und viele spätere Stars spielten, stammte also aus einer bekannten Jazz-Familie aus New Orleans. Allen,jr. spielte mit George Lewis, John Casimir und Captain John Handy, sowie seinem Vater in einigen der wichtigsten Bands der Stadt. Später wirkte er bei King Oliver, Clarence Williams, Fate Marable, Luis Russell (1929-1933), Fletcher Henderson, Lucky Millinder und von 1937-1940 erneut bei Russell, der inzwischen die Begleitband von Louis Armstrong leitete.

Nach seiner Tätigkeit bei Russell leitete er bis 1959 eigene kleine Bands, oftmals mit J.C.Higginbotham an der Posaune und Sammy Price am Klavier. 1959 tourte er mit Kid Ory durch Europa, wovon es mehrere Live-Mitschnitte gibt. anschließend war er vor als Solist tätig. 1964, 1966 und kurz vor seinem Tod noch 1967 war er als Solist in Europa, wo es ebenfalls wunderbare Mitschnitte mit der britischen Band von Alex Welsh gibt.

Red Allen war einer der Wegbereiter zum Swing hin und in der Phrasierung moderner als seine Zeitgenossen. Man spürt deutlich, dass er Roy Eldridge stark beeinflusst hat, als Trompeter, aber auch als Sänger. Seine Aufnahmen, auch seine Einspielungen aus den 1950-er und 1960-er Jahre, zeigen ihn als elanvollen und humorvollen Musiker, der seine Musik aber ausgesprochen ernst und seriös ablieferte. Bei aller Show vergaß er nie, dass Kunst auch vom Können her kommt.

Seine Biographie ist absolut lesenswert. Trotz seiner Klasse stand er, wie so viele Kollegen, im Schatten von Louis Armstrong, der ihn auch als absolut ernst zu nehmende Konkurrenz sah. So spielte Allen von 1937-1940 nur dann Soli bei Russell, wenn Armstrong sich seine Pausen nahm.
Joe Dvorak (22.04.2022, 08:47):

Blind Guardian Twilight Orchestra - Legacy of the Dark Lands (2019)

Crossover-Versuche zwischen Metal und Klassischer Musik gibt es viele, anhoerbar davon ist vielleicht eine halbe Handvoll. An der Kompatibilitaet liegt es nicht - zwischen Barock, Klassik und Romantik auf der einen und der harten & schweren Rockmusik auf der anderen Seite gibt es mehr Beruehrungspunkte als gemeinhin angenommen wird (die Intention, dazu einen Faden zu spinnen, habe ich seit Jahren, die Muse dazu fehlt ebenso lange). Aber in der Regel resultiert das in einem Zuviel von allem und wirkt auch wenn es kompositorisch gut gemacht ist als hohler Bombast (alles imho). Blind Guardian haben aus der Not eine Tugend gemacht und fuer ihr neuestes Projekt einfach die elektrischen Instrumente und das Schlagzeug ganz weggelassen und nur fuer Gesang, Chor & Orchester komponiert. Das klingt absurd, denn Metal wird als Metal wahrgenommen, wenn es Metal-Riffs gibt und die werden in der Regel von den Gitarren beigetragen. Aber dass Metal-Riffs auch von Orchestern gespielt werden koennen, haben umwissentlich schon Wagner und Holst gezeigt, lange bevor es das Genre gab. Und es funktionert tatsaechlich. Trotz der Abwesenheit von Metal-Instrumenten ist Legacy of the Dark Lands ein Klassik-Metal-Crossoveralbum geworden - und zwar ein in meinen Ohren richtig gutes.
Ein "Libretto" gibt es auch dazu: 30-jaehriger Krieg, Seuchen, Hunger, Daemonen, Magie und so Sachen. Ein piffiger Schreiberling schrieb dazu: Das ist wie eine Oper, aber es ist verstaendlich, was vor sich geht! :D

Jetzt spule ich erst mal dreissig Jahre zurueck zum Debut dieser Band:



Blind Guardian - Battalions of Fear (1988)

Da klangen sie noch ganz anders. Das ist eine Speed Metal-Granate reinsten Wassers - mit absurder Geschwindigkeit, brachialer Haerte und voller ungezuegelter Energie, die vom Stuhl blaesst. Allerdings gibt es auch viel Melodie und eine fast erhebende Atmosphaere - voellig frei von der vernichtenden Brutalitaet (das soll nicht abwertend gemeint sein) vieler anderer Hochgeschwindigkeits-Pruegler.
Joe Dvorak (22.04.2022, 11:37):
Wenn wir schon dabei sind, kommen nun noch die Erfinder der "hellen" & "freundlichen" European Speed Metal-Variante zum Zuge. Wie Blind Guardian aus teutonischen Landen stammend und gemeinsam mit diesen zu den in der Metalgemeinde meist respektierten Gruppen von ebendort gehoerend.



Helloween - Walls of Jericho (1986)

Das Debut zeigt zugegebenerweise noch etwas amateurhafte Zuege, vor allem beim Gesang - aber der mitreissende, euphorisch-ueberschwaengliche Enthusiasmus mit dem der Vierer zu Werke geht, laesst (mich) das schnell vergessen.
Joe Dvorak (24.04.2022, 08:26):


Helloween - Keeper of the Seven Keys Part I (1987)

Im Vergleich zum Debut ist das ein qualitativer Sprung von der Erde zum Pluto und heraus kam eines der einflussreichsten Alben in der Historie des Metal. Hohe Geschwindigkeit, fast permanenter Einsatz der Doppel-Basstrommel, exaltierter Gesang, oppulente Arrangements, mehrstimmig vorgetragene Mitsing-Refrains (Spoetter werten diese Musik deshalb gerne als Happy Metal ab), ausufernde Instrumentalpassagen mit vielen Soli. Diese Kombination von Stilelementen wurde so oft kopiert, dass sich daraus ein eigenes Subgenre mit der Bezeichnung "Power Metal" entwickelt hat. Ich habe keine Ahnung, wie man da drauf gekommen ist, aber gluecklich gewaehlt ist das nicht. Zum einen hat jede Art von Metal-Musik Power und zum anderen gibt es hier im Vergleich zu vielen anderen Metal-Subgenres ziemlich wenig davon. Egal, jeder weiss was gemeint ist, wenn der Begriff faellt und hat eine ungefahre Vorstellung, wie das klingt. Meiner Meinung nach hat keiner der dezilliarden Nachahmer (die ich kenne) dieses eben gehoerte Album uebertroffen - das ist klar ein Eintrag in meiner Allzeit-Liste.
Joe Dvorak (27.04.2022, 12:12):


John Zorn - Astronome
Mike Patton (Stimme), Trevor Dunn (Elektrische Bassgitarre), Joey Baron (Schlagzeug)

Auf dem Rueckcover wird der Komponist wie folgt zitiert: POWERFUL SECRETS are revealed through INTENSITY and EXTREMES of experience.

Extrem und intensiv ist dieser Dreiakter, der -wie weitere von Zorns Kompositionen- Antonin Artaud, Edgard Varèse und Aleister Crowley gewidmet ist. Vor allem was Patton mit seinem Stimmorgan anstellt, ist im klingenden Sinne bisweilen unmenschlich. Das ist nichts fuer Schoengeister, die bei beim Musikhoeren einfach mal fuer eine Weile die Welt voller Grausamkeit und Unterdruckung da draussen vergessen wollen. Hier findet man (so man will) den Ursprung dieser Welt in sich selbst.

Discogs listet dies unter den Genres 'Rock' und 'Classical' und den Stilen 'Thrash', 'Avantgarde', 'Experimental', 'Opera'.
50:50 - das koennte theoretisch auch im Hauptfaden stehen... :whistling:
Philidor (27.04.2022, 15:31):
Experten und Möchtegern-Experten halten dieses Trio aus Schottland für den würdigen Nachfolger des e. s. t. Ich bin sicher kein Experte, aber was ich gehört habe, gefiel mir sehr gut:

Fergus McCreadie Trio: Forest Floor

FERGUS McCREADIE piano
DAVID BOWDEN bass
STEPHEN HENDERSON drums
michael74 (29.04.2022, 20:06):
Hallo Zusammen

die letzt Zeit liefen:

Michael Buble: Higher
Beth Hart : A.Tribute to Led Zeppelin
Jethro Tull: the zealot gene
Heute liefen: das neue Live Album von Wolfgang Haffner und Simon Oslender mit Haffner.

Gruß Michael
Joe Dvorak (02.05.2022, 10:50):

Masada - Vol. 10: Yod
John Zorn (Altsaxophon), Dave Douglas (Trompete), Greg Cohen (Kontrabass), Joey Baron (Schlagzeug)

Experten, Möchtegern-Experten und ambitionierte Liebhaber denken bei der Besetzung gleich an das Ornette Coleman-Quartet, das Ende der 50er zu den wichtigsten Wegbereitern fuer den Free Jazz gehoerte. Und damit kommt man dem eben Gehoerten schon recht nahe. Ein kraeftiger Schuss Klezmer sorgt fuer orientalische Wuerze. Bisweilen ist das schreiend intensiv, aber, wichtiger noch, bisweilen von einer hypnotisch-rituellen Qualitaet im ruhigen Mittelteil des Albums. Die Klangqualitaet ist sensationell, vor allem das Schlagzeug, von dem ich behaupte, dass ich das noch nie so live-haftig von Tontraeger gehoert habe. Allein dafuer ist das ein klarer Kauf.
Joe Dvorak (05.05.2022, 07:18):


Zeitkratzer perfoms songs from the albums "Kraftwerk" & "Kraftwerk 2"
Zeitkratzer perfoms songs from the albums "Kraftwerk 2" & "Kraftwerk"
Frank Gratkowski (Floete, Klarinette), Hayden Chisholm (Floete, Saxophon), Hild Sofie Tajford (Horn), Hilary Jeffery (Posaune), Reinhold Friedl (Harmonium, Klavier), Didier Aschour (Gitarre), Lisa Marie Landgraf (Violine), Biliana Voutchkova (Violine), Elisabeth Coudoux (Violoncello), Ulrich Phillipp (Kontrabass), Maurice de Martin (Schlagzeug)

KRAFTWERK! Als Autobahn raus kam, war ich 11. Die synthetischen Klaenge faszinierten. Radioaktivitaet, TEE & Mensch-Maschine folgten und wurden geliebt, dann aenderte sich der Musikgeschmack hin zu "Anspruchsvollerem" - aber die Grundsozialisation, die mich bis heute immer wieder zurueck ins Elektronik-Fach zieht, war vollzogen.

Die vor Autobahn erschienenen ersten drei Alben von Kraftwerk gehoeren heute nicht mehr zum Kanon, sind als LP vergriffen und wurden nie als CD aufgelegt; wenn eine gesichtet wird, dann ist es ein -vermutlich von LP ueberspieltes- Bootleg. So geht's aber nicht, dachten sich wohl die umtriebigen Damen und Herren von Zeitkratzer und transkripierten ausgewaehlte Songs der ersten beiden Alben fuer ihr Kammerensemble. Die Resonanz war so gross, dass mittlerweile ein zweiter Teil folgte und damit quasi eine Gesamtaufnahme der ersten beiden Alben vorliegt. Das fand ich klasse und es klang so gar nicht nach den Kraftwerk, an die ich mich erinnere und somit war mein Interesse an den originalen fruehen Kraftwerk geweckt. Zum Gleuck gibt es Streaming und das foerderte Erstaunliches zu Tage. Im Original klingt das steckenweise noch avantgardisticher und experimenteller als in der Bearbeitung - nicht viel anders als manches, das zu der Zeit in die Schublade "Zeitgenoessische Klassik' gesteckt wurde. Sehr erfreulich zu hoeren - und wo ich schon dabei war, habe ich dann auch die bekannten Alben erstmals seit Jahrzehnten mal wieder gehoert und Autobahn sowie Radioaktivitaet ueberzeugen mich heute noch, danach wurde mir das dann -wohl im Bann des winkenden Dollars- zu sehr vereinfacht, aber wer wollte ihnen den Wunsch nach einer gelegentlichen warmen Mahlzeit verdenken.




Kraftwerk - Kraftwerk (1970) & Kraftwerk 2 (1971)
Joe Dvorak (06.05.2022, 08:51):


Painkiller - Guts of a Virgin
John Zorn (Altsaxophon, Stimme), Bill Laswell (Bassgitarre), Mick Harris (Schlagzeug, Stimme)



John Zorn - Alhambra Love Songs
Rob Burger (Klavier), Greg Cohen (Kontrabass), Ben Perowsky (Schlagzeug)

Painkiller? Die sollten sich eher Cause of Pain nennen. Es ist kaum zu glauben, dass derselbe John Zorn, der mit seinen Mitstreitern von Painkiller eine Hirn zerschneidend intensive Kakophonie-Attacke gegen die Hoerer fuehrt, die Alhambra Love Songs geschrieben und arrangiert hat; Harmoniesuechtiges Easy Listening, das so unfassbar scheoen ist, dass es fast schon weh tut. Ich kenne keinen zweiten Musiker, der an beiden Enden des Spektrums derart in die Extreme geht.
Maurice inaktiv (07.05.2022, 12:52):


Clark Terry/Bob Wilber : Blowin' the Blues Away AD: 22.07. & 09.08.1960, New York (Titel 01-09)
Billy Strayhorn Small Group Session AD: 30.06.1965, New York (Titel 10-13)
dto. AD: 02.07.1965, New York (Titel 14-18)

Clark Terry (Trompete, Flügelhorn, Gesang) - Bon Wilber (Klarinette, Sopransax, Tenorsax) - Dick Wellstood (Klavier) - George Duvivier (Bass) - David "Panama" Francis (Drums) - Tracks 01-09

Clark Terry (Trompete, Flügelhorn) - Bob Wilber (Klarinette, Sopransax, Tenorsax) - Billy Strayhorn (Klavier,10,12,14) - Duke Ellington (Klavier, 11) - Wendell Marshall (Bass) - Dave Bailey (Drums) - Tracks 10-13

Clark Terry (Trompete, Flügelhorn) - Bob Wilber (Klarinette, Tenorsax) - Willie Ruff (Waldhorn) - Billy Strayhorn (Klavier) - Wendell Marshall (Bass) - Dave Bailey (Drums) - Ozzy Bailey (Gesang, 18)

Das sind die einzigen bekannten Einspielungen vom Gespann Terry/Wilber, zweier Musiker, die recht gut miteinander harmoniert haben hier. Nur Wilbers Sopransax scheint mir hier nicht das richtige Instrument gewesen zu sein. Zum Glück spielt er es bei den Aufnahmen nur wenig. Wilber spielte ein gebogenes Sopransax, was etwas "näselnder" klingt als das gerade Sopran. Auf der Klarinette und am Tenorsax harmonieren die beiden großartigen Musiker aber wunderbar zusammen.

Pianist Dick Wellstood gehörte zu der jüngeren Generation, die sich an den alten Meistern des Straight PIano-Spiels, die sich trotzdem auch hin und wieder mit Einflüssen von etwa Horace Silver anfreunden konnten. Trotzdem hätte ich mir für das Album eher Ry Bryant gewünscht, der besser mit seinem erdigen, bluesgetränkten Stil hier reingepasst hätte. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau und sicher auch eine Geschmackssache.

Bei den Aufnahmen mit Billy Strayhorn, der vom langjährigen Duke Ellington-Bassisten Wendell Marshall und Drummer Dave Bailey begleitet wird, kommt später noch Waldhornist Willie Ruff dazu, der nur wenig bekannt wurde.

Willie Ruff (*1931) lernte neben dem Horn später auch Kontrabass und war ein exzellenter Arrangeur des modernen Jazz. Ruff war Student bei u.a. keinem geringeren als Paul Hindemith gewesen. Er spielte mit Benny Goodman und Lionel Hampton, lernte dort den Pianisten Dwike Mitchell kennen und gründete mit ihm ein Duo, später dann Trio (ab 1960 mit Drummer Charlie Smith), was bis zum Tode Mitchells 2013 bestand blieb.

Ruff wirkte am Debut-Album von Gil Evans und an den beiden Miles Davis/Gil Evans-Alben "Miles Ahead" und "Porgy & Bess" mit. Ferner nahm er an Einspielungen von Quincy Jones, Sonny Stitt, Bobby Hutcherson, Blue Mitchell, Jimmy Smith, dem Jazz Composers Orchestra und auch McCoy Tyner teil.

Ruff, der auch ein hervorragender und bedeutender Dozent war, baute an der Yale University ab 1971 das Jazzprogramm mit auf.
tapeesa (08.05.2022, 13:37):
so unfassbar scheoen ist, dass es fast schon weh tut.
Höre hier einiges mit der Kombination schön-schmerzlich oder bittersüß.
__

Lief heute auch im Radio:
Tra bo dau (Volkslied aus Wales); Calmus Ensemble
Joe Dvorak (10.05.2022, 08:17):
Wenn sich Mitglieder von verschiedenen Progressive-Rock Gruppen zu einer Supergroup zusammenschliessen, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass es noch kompliziertere Formen, vertracktere Rhythmen, virtuosere Spieltechnik, raffiniertere Klangtexturen und ausgefeiltere Arrangements zu hoeren gibt. Im Gegenteil, manchmal scheinen die Musiker die Gelegenheit zu nutzten, sich mit unverschnoerkelter Liedschreibung von ihrer Hauptarbeit zu erholen.

Und manchmal ist mir genau nach solch geradliniger Rockmusik, bei der die Protagonisten ihr Koennen zwar nicht verleugnen, aber es klar hinter die Erfordernisse des Songs stellen. So wie exemplarisch bei der eben Gehoerten (ausgenommen das lange Outro, wo sie dann doch heraushaengen, was fuer Chefs sie an ihren Arbeitsgeraeten sind - und das ist der perfekte Abschluss):



The Jelly Jam - Shall we Descend (2011)

Ty Tabor (Gitarre, Gesang, Tasteninstumente), John Myung (Bassgitarre), Rod Morgenstein (Schlagzeug)
tapeesa (17.05.2022, 09:37):
Porcupine Tree - Arriving somewhere but not here
Joe Dvorak (20.05.2022, 10:24):
Allen, die auch nur ein wenig Affinitaet zu Rockmusik, die ab und an eine haertere Gangart einlegt, haben, sei diese Scheibe als ein Beispiel fuer allergelungenste Aufnahmetechnik empfohlen. Jedes Instrument ist sauber differenziert, hat Luft zum Atmen, feinste Nuancen sind auszumachen und doch ergibt das ein einheitliches Grosses Ganzes, eine unheimlich druckvolle Wall-of-Sound. Diesen quadratischen Kreis muss man gehoert haben, um es zu glauben. Am Ende des Albums hoert man Drummer Rod Morgenstein auf einen Anrufbeantworter sprechen: "Hey guys, I can only say one thing: Holy ! This sounds UN-BE-LIVABLE." Wo er recht hat, hat er recht. Dieser Wahnsinnssound ergibt zusammen mit einigen Uebersongs (alleine das Riff von Allison zwingt mich auf die Knie) und der Faehigkeit der Musiker, virtuose Eskapaden stimmig und unpraetentioes in die Liedstrukturen zu integrieren, einen Platz auf dem Hard 'n' Heavy Olymp.




The Jelly Jam - 2 (2004)
Ty Tabor (Gitarre, Gesang), John Myung (Bassgitarre), Rod Morgenstein (Schlagzeug)
Maurice inaktiv (21.05.2022, 10:18):


The Pablo All Stars Jam: Montreux '77 AD: 14.07.1977, Montreux

Clark Terry (Trompete, Flügelhorn) - Ronnie Scott (Tenorsax) - Milt Jackson (Vibes) - Oscar Peterson (Klavier) - Joe Pass (Gitarre) - Niels Henning Orsted Pedersen (Bass) - Bobby Durham (Drums)

Eine wirklich hervorragende CD (damals Platte), die die Fähigkeiten der Musiker in den Stücken unter Beweis stellt. Mein Lieblingsstück auf der CD ist ohne Zweifel der "Samba de Orfeu", den ich auch gerne spiele, wenn ich mal im moderneren Umfeld spielen darf.
Maurice inaktiv (21.05.2022, 10:53):


Vorsicht, das ist nur das Bild zum Link für den Download eines der Titel der CD !!

Ken Colyer: Ory's Creole Trombone AD: November 1968

Ken Colyer (Trompete, Gitarre, Gesang) - Geoff Cole (Posaune) - Tony Pyke (Klarinette) - Ray Smith (Klavier) - Bill Cole (Bass) - John Bastable (Banjo) - Malcolm Murphy (Drums, Washboard)

Ken Colyer (1928-1988) war Autodidakt auf seinen beiden Instrumenten gewesen. Er gehörte zur britischen Traditional-Szene, die sich aber doch von der Musik eines Chris Barber doch etwas unterscheiden wollte. Deshalb ging auch jene Band mit Chris Barber, Monty Sunshine und ihm 1954, ein Jahr nach der Gründung, kaputt. Barber nannte sie dann seine eigene Band, Colyer gründete dann seine eigene Band ohne Barber und Sunshine.

In seiner Band spielten Musiker wie Sammy Rimington, Colin Bowden, Ray Smith, Ian Wheeler, Alexis Corner, u.v.a.

Für Außenstehende mögen Barber und Colyer sehr ähnlich klingen, denn sie spielten durchaus auch Titel, die man in beiden Bands finden konnte. Doch Barber machte den Sound "kommerzieller", brachte neben de Skiffle Musik (die auch Colyer kannte und spielte), noch den Blues und Ellington mit ein, dazu weitaus mehr Satzspiel, während Colyer mehr den Stil etwa von George Lewis spielte, mit der klassischen Frontline aus Trompete-Posaune und Klarinette. Barber erweiterter dagegen seine Band später mit einem zweiten Holzbläser, spielte nie mit einem festen Pianisten in den der Band, dafür mit einem Banjo und einer elektrischen Gitarre.
Joe Dvorak (22.05.2022, 04:44):
Manchmal ist es besser, nicht mit aller Gewalt unverwechselbar sein zu wollen, sondern das, was andere schon gemacht haben, ebenso gut oder vielleicht sogar ein wenig besser zu machen. (Joe Dvorak - nur gueltig fuer Joes Welt)

Ein Beispiel fuer diesen platten Satz ist das sechste Album der US-Kraftmetaller Steel Prophet. Die vorherigen Alben waren progessiver, aber unstetig. Nun beschraenken sie sich ganz auf die Lehrbuecher von Iron Maiden und von Dio und mixen das Beste dieser Welten zu einem makelosen Album, bei dem alles stimmt. Riffs, Leads, Hooks - alles hat man so oder so aehnlich schon mal gehoert - aber nicht besser. Das sind 40 das Metallerherz befriedigende Minuten ohne Haken und Oesen.



Steel Prophet - Book of the Dead (2002)
Joe Dvorak (24.05.2022, 01:33):

The Ususal Turmoil and Other Duets
George Lewis (Posaune), Miya Masaoka (Koto)

Ein feines Scheibchen mit frei improvisiertem zeitgenoessischem Jazz. Davon hoere ich viel zu wenig, nicht zuletzt weil das Rosinenpicken in echte Arbeit ausartet. Bei grob geschaetzt 8-9 von 10 Platten aus diesem Genre komme ich nicht dahinter, was vor sich geht und hoere nicht viel mehr als mir unzusammenhaengend erscheinende Klaenge. Wenn diese interessant sind, lohnt es sich manchmal trotzdem dranzubleiben, wenn nicht, dann wird es ziemlich schnell dreoge. Aber die anderen 1-2... Wenn es mal einrastet, dann ist das so gut, dass sich der Aufwand mehr als gelohnt hat. Es heisst, man muss im Dreck wuehlen, um Gold zu finden. (Rein metaphorisch - das meint nicht, dass ich 85% des Free Jazz fuer 'Dreck' halte, sondern dass mir 'guter' Free Jazz, wie der eben gehoerte Gold wert ist - mit derselben Karatzahl wie die h-Moll Messe oder die Hot Five & Seven Sessions.)

Free Jazz wird gerne so missverstanden, dass 'jeder spielt was er will'. Das stimmt nur sehr bedingt. Auch im traditionellen Jazz kommt es haeufig vor, dass Musiker, die noch nie zusammengespielt haben, ohne Vorbereitung eine Session veranstalten. Dort einigt man sich auf Harmonien (Akkordfolgen oder Skalen) von Standards (Lieder, die jeder Jazzmusiker kennt) und ein Metrum als Ausgangsbasis fuer Improvisationen. Ob das dann eine 'gute' Session wird, entscheidet neben der individuellen Klasse der Musiker nicht zuletzt auch das Zusammenspiel. Improvisiert jeder seinen Stiefel aus dem Baukasten runter und die Rhythmusgruppe macht nicht viel mehr als Timekeeping? Oder gehen die Spieler aufeinander ein, greift der Solist, der als zweites dran ist, Elemente des ersten auf, erweitert sie, konstrastiert sie, parodiert sie? Reagiert die Rhythmusgruppe auf die Solisten und umgekehrt oder -was immer wieder faszinierend ist- aendern sie gleichzeitig die Richtung? Oder kurz: Hoeren und reagieren die Musiker aufeinander? Das alles gilt erst recht fuer den frei improvisierten Jazz. Da ist es sogar noch wichtiger, eben weil es keine verbindlichen Harmonien und Metren gibt, an denen man sich zur Not entlang hangeln kann. Wenn 'jeder spielt, was er will', dann wird es halt keine 'gute' Session, wenn aufeinander gehoert und reagiert wird (und ich das -selten- nachvollziehen kann), dann kann (in meinen Ohren) wahrhaft Grosse Musik entstehen.
tapeesa (25.05.2022, 13:11):
Im Hintergrund läuft:
Noël Coward - Mad Dogs & Englishmen
A comprehensive selection of his finest recordings from the 40s & 50s
Joe Dvorak (02.06.2022, 04:21):


Mike Miller Quintet - World Goes Round
Albert Wing (Tenorsaxophon, Klarinette), Walt Fowler (Trompete, Fluegelhorn), Mike Miller (Gitarre, Cavaquinho, Banjo, Perkussion), Jimmy Johnson (Bundlose Bassgitarre), Chad Wackerman (Schlagzeug)

Mike Miller ist ein Unbekannter fuer mich, aber die Besetzung machte neugierig: Wing, Fowler und Wackerman gehorten zur letzten Tourband von Frank Zappa und Wackermann spielte mit Johnson im Trio von Alan Holdsworth. Eine sehr eigenwillige Interpretation von Gershwins Piano Prelude Nr. 2 ist der Hoehepunkt, aber dann verflacht es trotz einigen originellen Ideen, weil es sich zulange hinzieht. 3 Titel koennte man locker rausschmeissen und das Titelstueck kuerzen, aber offenhoerbar musste die CD bis an den Rand vollgestopft werden. Bei solchen Alben trauere ich der LP nach - da waeren sie gezwungen gewesen, sich mehr zu fokussuieren.
Joe Dvorak (07.06.2022, 09:45):


Chad Wackerman - Forty Reasons (1991)
Allan Holdsworth (Gitarre), Jim Cox (Tasteninstrumente), Jimmy Johnson (Bassgitarre), Chad Wackermann (Schlagzeug)

Wackerman gehoerte von 1982-88 zum Stammensemble von Frank Zappa. Die zahlreichen Tourneemitschnitte (insbesondere von der 82er Tour) sind schon alleine wegen ihm und seinem geschaeftigen Mitspielen-statt-Taktgeben eine Ohrenweide (das gilt aber auch fuer alle anderen Drummer, die FZ hatte). Zeitgleich spielte er im Trio von Allan Holdsworth, das dem darbenden Jazz/Rock-Fusion Genre neuen Aufwind brachte. Da war ich gespannt, was er beim Debut als Gruppenleiter bringt. Einen Sound mit laut nach vorne gemischten und breit auseinandergezogenem Schlagzeug-Kit? Eine von Track zu Track wechselnde Besetzung mit Stars, die kaum mehr als den Cameo geben? Gesichtslose Themen, lineare Formen, wenig Entwicklung und ein stets wuseliges Getrommel, das mit dem sonst gespielten nur lose in Verbindung steht? Oder kurz, wie es ein Buchautor genannt hat: Die uebliche Drummer-Schreibe?
Die Befuerchtungen waren grundlos. Hier agiert eine feste Besetzung und zwar das Allan Holdsworth-Trio verstaerkt um einen Tastenmann. Die Drums stehen vernuenftig im Mix, Wackerman macht auch als Komponist eine gute Figur und er spielt sich nicht in den Vordergrund. Heraus kommt eine ganz feine Scheibe, die wenig ueberraschend nicht viel anders klingt als die Sachen, die er zuvor mit Holdsworth und Johnson gemacht hat - aber durch den Keyboarder, dessen Sounds leicht in Richtung Easy Listening tendieren, wirkt das weniger rastlos und nervoes, bekommt das eine edle Note. Der Titelfluss ist ausgekluegelt. Es gibt ein paar kurze, experimentelle Steucke, die das Album auflockern, aber mit 1-2 Minuten Laenge die Freundschaft nicht ueberbeanspruchen. Das ist rund, stimmig und passt. Edle Fusion-Musik vom Allerfeinsten.
tapeesa (07.06.2022, 22:44):
Orientierungsversuche im Bereich elektronischer Tanzmusik.
Skrillex & Wiwek - Killa ft. Elliphant + Wiwek - Periphery
und:
Mikado Koko - The Temple of Dawn

Jetzt Darkspace III . Wenn ich richtig liege, nennt man das "cosmic black metal", "space black metal" oder "sci-fi themed black metal".
tapeesa (08.06.2022, 02:04):
Midnight Odyssey - Shards Of Silver Fade - daraus: From a Frozen Wasteland

Damit werde ich nicht warm.
Bin zurück zu Darkspace ( I ) und habe ein paar Artikel gesammelt. Ich liebe es, würde ich so langsam sagen, ist wie im größten Krach sich immer friedlicher einrollen können, je mehr man hört, ohne völlig abgeschottet zu sein.
Joe Dvorak (08.06.2022, 06:01):
Darkspace
Herzlich Willkommen im allerinnersten der inneren Zirkel der Metal-Eliten. Die Mehrheit der Black Metal Hoerer schaut veraechtlich auf das 'normalen' Metal konsumierende Volk herab. Darueber gibt es die True Black Metal Anhaengerschaft, die veraechtlich auf das normalen Black Metal konsumierende Volk herabschaut. Darueber gibt es die Kvlt True Black Metal Elite, die veraechtlich auf das normalen True Black Metal konsumierende Volk herabschaut. Was gerade alles Kvlt ist, wissen nur die Eingeweihten des Kvlts, aber Darkspace gehoeren immer dazu. Ich kann das noch ueberbieten. Die eine Haelfte des Duos Darkspace ist nebenbei auch auch auf Solopfaden unterwegs und nennt seine Einmannband Paysage d'Hiver. Die ist selbst vielen Eingeweihten des Kvlts zu kvltig.

;) Glaubt jemand, die groessten Snbos wohnen in Bayreuth? Aber nein, das sind im Vergleich dazu alles ganz bescheidene, permissive und konnivente Leute. ;)




Paysage d'Hiver - Einsamkeit (Demo, 2007)

Ich habe das als CD im A5 Digi-Book-Format, finde das Vinyl-Bild aber kvltiger.
tapeesa (08.06.2022, 11:05):
Herzlich Willkommen im allerinnersten der inneren Zirkel der Metal-Eliten.
Am besten ich schreibe noch dazu, dass ich zunächst ohne jegliche Hintergrundinfo gehört habe und weiterhören wollte und bisher nur die 2 Alben, wo sie noch zu dritt waren.
Wenn die Leute so genau wissen, was im Innersten vom Innersten ist, können sie möglicherweise Andriessens (Writing to) Vermeer-Cover ergänzen, dürfte aber auch Streit geben. Das Innerste vom Innersten, falls es das gibt, scheinen mir Darkspace ebensowenig wie Wagner zu erreichen.
Eigentlich will ich sagen: Ich hoffe nicht zur Metal-Elite verpflichtet zu werden. ^^ Aber da ich manchmal - Gott bewahre - sogar etwas wie Schlager oder häufiger HR1 höre, dürfte ich eh schnell wieder rausfliegen. Trotzdem danke 8) und Paysage d'Hiver zu hören ist geplant.
Mit leicht gehörgeschädigten upside-down Grüßen,
tapeesa :hello
Retrobrain (09.06.2022, 13:31):
llen, die auch nur ein wenig Affinitaet zu Rockmusik, die ab und an eine haertere Gangart einlegt, haben, sei diese Scheibe als ein Beispiel fuer allergelungenste Aufnahmetechnik empfohlen. Jedes Instrument ist sauber differenziert, hat Luft zum Atmen, feinste Nuancen sind auszumachen und doch ergibt das ein einheitliches Grosses Ganzes, eine unheimlich druckvolle Wall-of-Sound. Diesen quadratischen Kreis muss man gehoert haben, um es zu glauben. Am Ende des Albums hoert man Drummer Rod Morgenstein auf einen Anrufbeantworter sprechen: "Hey guys, I can only say one thing: Holy ! This sounds UN-BE-LIVABLE." Wo er recht hat, hat er recht. Dieser Wahnsinnssound ergibt zusammen mit einigen Uebersongs (alleine das Riff von Allison zwingt mich auf die Knie) und der Faehigkeit der Musiker, virtuose Eskapaden stimmig und unpraetentioes in die Liedstrukturen zu integrieren, einen Platz auf dem Hard 'n' Heavy Olymp.
Ja, dann will ich da mal reinhören und anschließend berichten. ^^
Retrobrain (09.06.2022, 18:25):
Lieber Joe, da kann ich mich Deiner Meinung anschließen. Eine schöne, saubere Aufnahme. WennDir das gefällt, magst Du vielleicht auch „Am Universe“ von Amorphis. Stilmäßig natürlich etwas anders, aber nicht mit so großem Abstand. Zumindest dieses Album nicht.
tapeesa (10.06.2022, 00:22):
Paysage d'Hiver - Einsamkeit (Demo, 2007)
Ich habe es gehört. Muss aber nachwirken lassen.

Wie machst du das mit dem Wechsel zwischen Klassik und Metal? Auch dem Umgang mit den Hierarchien und dem abwerten oder "tiefer stellen" des jeweils anderen? (Egal ob metal-intern, Klassik-Metal / andersherum.)
Joe Dvorak (10.06.2022, 03:22):
Lieber Joe, da kann ich mich Deiner Meinung anschließen. Eine schöne, saubere Aufnahme. WennDir das gefällt, magst Du vielleicht auch „Am Universe“ von Amorphis. Stilmäßig natürlich etwas anders, aber nicht mit so großem Abstand. Zumindest dieses Album nicht.
Am Universum zierte mal meine CD Sammlung, wie auch Tales of a Thousand Lakes und Tuonela. Am besten gefiel mir aber immer Far from the Sun, obwohl sie da auch die letzten Metal-Elemente rausgeschmissen hatten. Um eine Bruecke zur Klassik zu schlagen: Falls du Jean Sibelius noch nicht kennst, dann mache unbedingt einen Versuch.

“If you’re interested in Finnish metal, then you should definitely check out Sibelius. His style has influenced all Finnish music – metal especially, because it’s very harmonic and has a National Romantic side to it. Metal and classical are actually quite close. Sibelius used a lot of influences from old Karelian folklore and Kalevala in his work. So do Finnish metal bands like Amorphis." Lauri Porra (Ur-Ur-Enkel von Sibelius und Bassist von Stratovarius)
Joe Dvorak (10.06.2022, 04:25):
Paysage d'Hiver - Einsamkeit (Demo, 2007)
Ich habe es gehört. Muss aber nachwirken lassen.
Wie machst du das mit dem Wechsel zwischen Klassik und Metal? Auch dem Umgang mit den Hierarchien und dem abwerten oder "tiefer stellen" des jeweils anderen? (Egal ob metal-intern, Klassik-Metal / andersherum.)
Liebe tapeesa,

wie ich das mache, geht aus dem vorherigen Post vor - so weit weg voneinander sind die nicht. Bei Manowar wagnert es gewaltig, Malmsteen klingt wie eine Wiederauferstehung von Paganini, der die Geige mit einer E-Gitarre getauscht hat, das erste Riff des ersten Metal-Albums (Black Sabbaths titelloses Debut) ist Holst pur, die Finnen-Metaller sind Sibelus' Nachfahren (z.T. im Wortsinne, s.o.), das lange Titelstueck von Dream Theaters Octavarium ist formal stringent wie ein Sinfoniesatz, Virtuocity tragen den Bezug schon im Namen und reiten auf Bach und Vivaldi-Harmonien herum. Und selbst die extreme Gore & Grind Szene... auch in Strauss' Salome wurde bei dissonantem Laerm Ungeziemtes mit abgeschlagenen Koepfen angestellt.

Was die Hirarchien angeht. Werten reflektiert meist die Ignoranz des Wertenden. Manchmal hilft es, nachzufragen.

- "Beethoven ist Schrott" --"Findest du? Warum?" -"Das ist nur hohler Bombast oder seichte Salonmusik!" --"Was ist denn an der 5. Sinfonie bombastisch oder salonmaessig? -"Die kenne ich nicht" --"Wie kannst du dann sagen, dass Beethoven hohl und seicht ist? -"Das, was ich gehoert habe, reicht mir voellig." --"Und was hast du gehoert? -"Genau weiss ich es nicht mehr, irgendwas mit Wellitonn oder so aehnlich und dann was mit einem Frauennamen, Elisa glaube ich..."
Retrobrain (10.06.2022, 06:49):
Am Universum zierte mal meine CD Sammlung, wie auch Tales of a Thousand Lakes und Tuonela. Am besten gefiel mir aber immer Far from the Sun, obwohl sie da auch die letzten Metal-Elemente rausgeschmissen hatten. Um eine Bruecke zur Klassik zu schlagen: Falls du Jean Sibelius noch nicht kennst, dann mache unbedingt einen Versuch.
“If you’re interested in Finnish metal, then you should definitely check out Sibelius. His style has influenced all Finnish music – metal especially, because it’s very harmonic and has a National Romantic side to it. Metal and classical are actually quite close. Sibelius used a lot of influences from old Karelian folklore and Kalevala in his work. So do Finnish metal bands like Amorphis." Lauri Porra (Ur-Ur-Enkel von Sibelius und Bassist von Stratovarius)
Guten Morgen.

Und auch diese Alben sind gut - und der Rest auch. Ich habe so ziemlich alle. Glaube ich. Und wie sieht es mit Mekong Delta aus? Die "Neue" klingt im ersten Moment noch etwas nach den beiden Vorgängern, aber dann kommt sie.

Und man gestatte mir die kecke Frage: Hört auch jemand Meshuggah? Hier gibt es tatsächlich was auf die Ohren. 8o
Joe Dvorak (10.06.2022, 08:05):
Am Universum zierte mal meine CD Sammlung, wie auch Tales of a Thousand Lakes und Tuonela. Am besten gefiel mir aber immer Far from the Sun, obwohl sie da auch die letzten Metal-Elemente rausgeschmissen hatten. Um eine Bruecke zur Klassik zu schlagen: Falls du Jean Sibelius noch nicht kennst, dann mache unbedingt einen Versuch.
“If you’re interested in Finnish metal, then you should definitely check out Sibelius. His style has influenced all Finnish music – metal especially, because it’s very harmonic and has a National Romantic side to it. Metal and classical are actually quite close. Sibelius used a lot of influences from old Karelian folklore and Kalevala in his work. So do Finnish metal bands like Amorphis." Lauri Porra (Ur-Ur-Enkel von Sibelius und Bassist von Stratovarius)
Guten Morgen.
Und auch diese Alben sind gut - und der Rest auch. Ich habe so ziemlich alle. Glaube ich. Und wie sieht es mit Mekong Delta aus? Die "Neue" klingt im ersten Moment noch etwas nach den beiden Vorgängern, aber dann kommt sie.

Und man gestatte mir die kecke Frage: Hört auch jemand Meshuggah? Hier gibt es tatsächlich was auf die Ohren. 8o
Irgendwie klappt das mit dem Zitieren noch nicht so recht. Der erste Teil meines Zitats erscheint als deins. Ich weiss gar nicht, wie man sowas fertigbringt. :P

Nein, Meshuggah hoere ich nicht. Ich anerkenne, dass sie extrem einflussreich waren und hatte pflichtbewusst I und Catch 33 im Regal, aber selten am Stueck durchgestanden.
tapeesa (10.06.2022, 11:22):
@Joe Dvorak
Ähnlichkeiten zwischen Klassik und Metal sehe ich durchaus auch; eine Verbindung. Nur führt das bei mir zu anderen Schlüssen.
Da schaue ich in Ruhe. Ruhe dürfte auch erstmal besser für meine Ohren sein. Tun dir deine Ohren nach Metal-Konsum nicht weh?
Ich habe das über Kopfhörer / nicht sonderlich laut gehört, aber mein Gehör ist extremst verstört, von dumpf hören hin zu wehtun.
Da stellt sich eine rein körperliche Grenze ein, über die ich jetzt nicht drüber wollte. Allerdings habe ich das im Moment des Hörens nicht gespürt.

Eine Frage hätte ich noch:
Bei Manowar wagnert es gewaltig
Und das wäre dann eine Metal-Band, die du nicht magst, weil du Wagner nicht magst? Oder wie wäre das einzuordnen?

Gruß, tapeesa
Joe Dvorak (12.06.2022, 03:35):
Ohrenschmerzen und Hoerstoerungen nach Musikkonsum kenne ich selbst nicht. Ich kannte eine Person, bei der der Klang von verzerrten E-Gitarren sofort heftige Kopfschmerzen ausgeloest hat. Mir geht es manchmal so, dass meine Innenohren unangenehm zu 'flattern' scheinen, wenn hohe durchdringende Klaenge darauf treffen, etwa ein Sopran, ein ueberblasenes Saxophon oder die Spitzentoene einer Trompete. Das werte ich dann als Hinweis meiner Koerperintelligenz, dass das gerade nicht das Richtige ist und lege dann meist Bach auf oder belasse es bei Stille (plus Umgebungsgeraeuschen).

Die meisten Alben von Manowar finde ich durchwachsen, aber Into Glory Ride von 1983 war ein Geniestreich ohnegleichen. Das ein viertel Jahrhundert spaeter erschienene Gods of War halte ich fuer eines der ganz wenigen gelungenen Klassik-Metal-Crossoveralben und den Konzertmitschnitt Gods of War Live fuer eines der besten Metal Live-Alben. Man kann also nicht sagen, dass ich sie nicht mag. Es ist eher anders herum. Dass ich Wagner noch nicht ganz ad acta gelegt habe, liegt daran, dass er mir regelmaessig im Metal-Gewand begegnet. (Twilight of the Gods duerfte einer der am haeufigsten gewaehlten Titel fuer ein Metal-Album sein.)
tapeesa (12.06.2022, 09:18):
Mir geht es manchmal so, dass meine Innenohren unangenehm zu 'flattern' scheinen,
Klingt bekannt.

Man kann also nicht sagen, dass ich sie nicht mag. Es ist eher anders herum. Dass ich Wagner noch nicht ganz ad acta gelegt habe, liegt daran, dass er mir regelmaessig im Metal-Gewand begegnet.
Wagner im Metal-Gewand - auch hiermit meine ich etwas anfangen zu können. Meine "anderen Schlüsse" bleiben trotzdem, wobei "Schlüsse" es nicht richtig trifft.
Anderer Umgang damit wäre möglicherweise passender, den könnte ich hier jetzt aber nicht genauer ausformulieren.

Gruß, tapeesa
tapeesa (14.06.2022, 01:16):
aus Yuki Kajiura - Fiction: Winter
Maurice inaktiv (14.06.2022, 08:20):
Zwei andere Einspielungen könnte man auch mal erwähnen. Sie sind aber nicht aus DEM "Metall-Bereich", sondern aus dem "Blech-Bereich" des prallen Bigband-Sounds plus vier Mellophone dazu:

"Stan Kenton plays Wagner" - gibt es wohl nur auf LP

Stan Kenton: "West Side Story" aus dem Jahre 1961:

https://smile.amazon.de/West-Side-Story-Stan-Kenton/dp/B000005GY4/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=3DUMZOGNHM94D&keywords=stan+kenton+bernstein&qid=1655187112&s=music&sprefix=stan+kenton+bernstein%2Cpopular%2C61&sr=1-2

Das "Mellophone" gehört zur Gruppe der Blechbasinstrumente allgemein und dann zu den Hörnern. Die Grundstimmung ist in Es oder F, es gibt sie aber auch in B. Man spielt es mit einem Trompetenmundstück. Wer es vom Waldhorn her kommend spielen will, wird mit einem Adapter sein Waldhorn-Mundstück verwenden. Vom Sound her ist es mit dem Althorn und eben dem Waldhorn vergleichbar, aber meiner Meinung nach "massiver" als ein Waldhorn - und die Biester können ganz schön abgehen.

Stan Kenton hatte sie von 1960-1963 eingesetzt und in der Regel mit Trompetern besetzt. Ray Sterling war der vielleicht beste Musiker dieses Instrumentes damals gewesen. Er war auch an diversen anderen Einspielungen beteiligt gewesen, außerhalb des Kenton-Kreises.
Joe Dvorak (16.06.2022, 17:39):
Bettlektuere in Begleitung von ein paar Glaeschen Glenkinchie Scotch Single Malt Whisky 12 years old.



S.O.H - Live in London (@ Jazz at the Roundhouse, 1983)
Alan Skidmore (Tenor- & Sopransaxophon), Tony Oxley (Schlagzeug & Perkussion), Ali Haurand (Kontrabass)

Bemerkung am Rande: Viele Cover des Jazzwerkstatt-Labels haben eine unverkennbare Signatur - und das ganz ohne Logo! Ich haette blind Haus und Hof darauf gewettet, dass das Album aus diesem Haus kommt.
Joe Dvorak (17.06.2022, 03:01):


Cecil Taylor - Conversations with Tony Oxley (@ Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, 20. Feb. 2008)
Cecil Taylor (Klavier), Tony Oxley (Schlagzeug, Perkussion)

Einer der letzten Auftritte des 2018 verstorbenen Free Jazz Giganten. Die ersten paar Minuten koennte man Altersmildheit vermuten, aber dann sind sie drin und kochen intensiv, aber nicht, ohne immer wieder Ruhepole zu suchen und zu finden. Das Zusammenspiel mit Oxley ist pure Magie, wie fast immer wenn die beiden gemeinsam auftreten - ob als Duo oder mit weiteren Mitspielern.
Joe Dvorak (18.06.2022, 08:54):
Hier geht es jetzt fuer eine Stunde in eine Klangkathedrale, die zuverlaessig vom Rest des Universums abschottet, waehrend in ihr ein eigenes erschaffen wird. Grosse Musik.


Corona - Looking (Berlin Version, 1991)
Cecil Taylor (Klavier), Harold Kimmig (Violine), Muneer Abdul Fataah (Violoncello), William Parker (Kontrabass), Tony Oxley (Schlagzeug)

Es gibt von Looking (Berlin Version) aus derselben Konzertreihe noch einen Solo-Mitschnitt von Taylor und eine Aufname des Feel-Trio (Taylor/Parker/Oxley). Alle drei sind der schiere Wahnsinn in Form erregender Intensitaet und werden daher nur selten gehoert.
Joe Dvorak (19.06.2022, 09:23):


The Dream Membrane
David Smith (Rezitation), Bill Laswell (Bassgitarre, Synthesizer), John Zorn (Altsaxophon, Shofar)

Mystisch, mystisch... Was immer Smith auch eingeworfen hat, bevor er den hier rezitierten Text verfasst hat, das will ich auch probieren. :rolleyes:
Maurice inaktiv (19.06.2022, 10:09):


Ibrahim Ferrer: Buena Vista Social Club: Ibrahim Ferrer AD: ???

Bei der Hitze ist das genau das Richtige zu später Stunde gewesen gestern Abend. Dieser "alte Mann" hat eine Stimme, die mir jedes Mal einen Schauer den Rücken runterfahren lässt. Leider ist er 2005 im Alter von 77 Jahren verstorben. RIP, Senor Ferrer
Maurice inaktiv (19.06.2022, 10:10):
AD: 1950-1960

Ich stehe solchen Billig-Boxen immer skeptisch gegenüber. Auch diese hier strahlt nicht durch ihre "grandiose Aufmachung", sondern durch Einspielungen, die entweder lange vergriffen waren, oder nur schwer zu bekommen sind.

Auf der einen Seite stehen bekannte Namen wie Chris Barber, Ken Coyler, Humphrey Lyttelton, Mr. Acker Bilk, Papa Bue Jensen, Terry Lightfood, George Lewis, den Firehouse Five Plus Two (einer Band, die komplett von Walt Disney gesponsort wurde. Außerdem waren fast alle Mitglieder auch in führenden Positionen beim Disney-Konzern gewesen), auf der anderen Seite sind aber auch Bob Wallis und Nat Conella dabei.

Fast alle waren aus Großbritannien und hatten eine führende Rolle beim Dixieland Revival inne. Besonders auf die Zeit des alten New Orleans legte Ken Coyler wert, Barber verband New Orleans, Blues und Duke Ellington zu dem typischen "Barber-Stil", Conella galt als der "britische Louis Armstrong", Lyttelton machte eine Entwicklung durch, wie sie sonst keine der Bands durchlebte: Vom alten Dixieland a la Eddie Condon hin zum Mainstream-Jazz mit starkem Bezug zu Duke Ellington und den kleinen Besetzungen von etwa Buck Clayton oder Red Allen.

Bilk und Jensen vielleicht am stärksten mit kommerziellen Einflüssen, denen natürlich auch Barber Rechnung trug. Die Firehouse mit viel Humor, Effekten, aber auch klugen Arrangements. Hier war der Vorteil, dass sie sehr eingespielt waren und keinerlei Zwang hatten, sondern vor allem Disney positiv zu repräsentieren hatten. Das taten sie bis 1971 mit Bravour, war doch Bandleader Ward Kimball einer der 10 wichtigsten und engsten Mitarbeit Disneys gewesen.
Maurice inaktiv (19.06.2022, 20:54):


Duke Ellington: The Duke's D.J. Special AD: 27.03.1959, NYC

Diese CD galt bei den Plattensammlern (also vor der Zeit der CD) als absolute Rarität und Sammlerstück, denn die Original-Platte war nict lange im Handel gewesen. Dabei handelt es sich hier um eine der besten und ungewöhnlichsten Einspielungen, die der Duke mit seiner Band je gemacht hat.

Diese Einzigartigkeit hat mehrere Gründe. Da sind zunächst mal die Stücke, die man nur hier und damit ein einziges Mal (bis heute zumindest) gespielt oder zumindest eingespielt hat. Vier Stücke stammen vom Klarinettisten und Tenoristen Jimmy Hamilton, drei Stücke stammen von dem Trompeter Dick Vance, der zwei Mal kurzzeitig in der Band spielte.

Der Duke klingt hier mit seiner Band so modern und boppig wie nie nur äußerst selten zuvor. Dazu hatte er, bis auf Drummer Sam Woodyard, noch einmal seine Topp-Besetzung zusammen, die ein halbes Jahr später noch einmal auf einer Europa-Tournee zeigte, was sie konnte. Dann verließen Clark Terry, Cat Anderson und Quentin Jackson die Band. Harold Baker und Jimmy Woode sollten 1960 bald folgen.

Doch noch einmal kann man die ganzen wunderbaren Stimmen des Orchesters hören: Clark Terry, Harold Baker, Ray Nance, Jimmy Hamilton, Paul Gonsalves, Johnny Hodges. Nur der an sich famose Drummer Jimmy Johnson spielt mir doch zu hart, das hätte man auch sanfter und banddienlicher hinbekommen: Sam Woodyard oder Louis Bellson lassen grüßen.

Leider ist die Spielzeit mit ca. 33 Minuten auch sehr kurz. Offenbar gab es keine erhaltenen Alternate Takes, wenn es sie überhaupt gab.
Joe Dvorak (21.06.2022, 05:46):


Dave Holland Quintet - Jumpin' In (1984)
Steve Coleman (Altsaxophon, Flöte), Kenny Wheeler (Trompete, Taschentrompete, Kornett, Fluegelhorn), Julian Priester (Posaune), Dave Holland (Kontrabass, Violoncello), Steve Ellington (Schlagzeug)

Wie dieses Ensemble ganz tief in der alten Tradition verwurzelt ist, ohne zu verleugnen, dass es inzwischen die Free-Revolution gegeben hat, diese aber nicht als Bruch, sondern als konitunierliche Weiterentwicklung begreift (so mein subjektiver Eindruck), ist eine eigene Welt, in der ich mich sehr zuhause fuehle.
Maurice inaktiv (21.06.2022, 07:32):


Hot Owls !: Harlem Nights AD: 1995

Die Hamburger Jazzband "Hot Owls", die in den 1960-er Jahren von Günter Helms (Kornettist der Band) gegründet wurde, spielte vor alle die Musik der 1920-er und 1930-er Jahre.

Viel ist mir nicht bekannt über diese Band, nur, dass es insgesamt vier Platten/CDs veröffentlicht worden sind (1971.1973,1975,1995).

Hier, auf dieser CD aus dem Jahre 1995, also offenbar der letzten Einspielung der Band, hat man ein spannendes Programm zusammengestellt. Alle Stücke würde ich in die gehobene Ecke des frühen Jazz stecken, und man hat sich auch nicht der ganz großen "Reißer" bedient, sondern eine feine Auswahl getroffen. Etwa Duke Ellingtons erster "Theme Song" "East St.Louis Toodle-Oo", aber auch "Sunday", "Rosetta" oder "Shake it and Break It".

Dazu kommen echte Raritäten wie de "Wabash Stomp", den Edgar Battle für Roy Eldridge geschrieben hat (eingespielt 1937), "I Lost my Gal in Memphis", "Rock Bottom" von "Tiny" Parham (1929 eingespielt), einer der zahlreichen "Territory Bands" in den USA, oder "Japanese Dream" aus dem Jahre 1929, das auch Duke Ellington mit seiner Band eingespielt hat. Mir ist das Stück total unbekannt gewesen. Dabei war das Duo Dorothy Fields/Jimmy McHugh eines der erfolgreichsten Songschreiber-Duos der Jazzgeschichte (etwa "On the Sunny Side of the Street", Exactly like You"; "I can't give you anything but Love", "Diga-Diga Doo"). 1935 endete diese äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit, und Fields tat sich mit keinem geringeren als Jerome Kern zusammen.

Zwei Titel stammen aus der Feder von "Recke", ich vermute mal, eines der Bandmitglieder. Dazu kommen noch "Melinda" und "Oh, it looks like Rain".

Eine wirklich gelungene CD einer leider mir und dem Netz weitgehend unbekannt gebliebenen Band. Vielleicht kennt sie jemand aus der Hamburger Gegend noch, keine Ahnung.
Joe Dvorak (21.06.2022, 09:41):


Gary Peacock - Guamba (1987)
Jan Garbarek (Tenor- & Sopransaxophon), Palle Mikkelborg (Trompete, Fluegelhorn), Gary Peacock (Kontrabass), Peter Erskine (Schlagzeug, Drumcomputer)

Ein besonders hoher Punkt des an Hoehepunkten nicht gerade armen ECM-Katalogs. (Nein, Garbarek nervt hier nicht. Ja, der Drumcomputer wird nur ganz sporadisch und kreativ-bereichernd eingesetzt.) Das hat als Album einen sich ungemein stimmig und zwingend entfaltenden Fluss, der es zu etwas weit Groesserem als einer Sammlung von Kompositionen & Improvisationen werden laesst. Da faellt wirklich jedes Detail wie von Zauberhand genau an den richtigen Platz. Praedikat: Magisch.
Maurice inaktiv (21.06.2022, 23:09):
(Nein, Garbarek nervt hier nicht.
:D

Er steht auf der Besetzungsliste, das alleine reicht schon aus, dass er nervt. :D :evil: (Sorry, ich konnte das nicht so stehen lassen). Ich bin ja beruhigt, dass Du sonst auch von hm genervt bist. Er war mal als "Kundenberieselung" bei Saturn in Frankfurt damals zu hören. Der Verkäufer der Klassik-Abteilung fragte mich: "Der Typ nervt einfach tierisch, aber ich muss es ja ertragen. Schrecklich !!" - Der Mann hatte von Klassik wirklich viel Ahnung, war aber kein Jazzer gewesen. Doch HIER konnte ich feststellen, dass selbst ER mit ihm nix anzufangen wusste. Sein Chef meinte, er müsse das spielen, da es (damals) das aktuelle Album von ihm war.
Joe Dvorak (22.06.2022, 02:40):
Grundguetiger! Der arme Mann. Das war hoffentlich nicht '95, da kam Visible World raus.

Da bin ich ja froh, dass ich das in weiser Vorraussicht dazugeschrieben habe. Klassikern ist er natuerlich schon fuer seine Gemeinschaftsverbrechen mit den Hilliards ein Dorn im Auge (die haben zum 25-jaehrigen Jubilaeum von Officium tatsaechlich nochmal ein Album gemacht). Aber auch viele seiner Jazz-Sachen sind unausstehlich. Man muss ihm zugute halten, dass er einen absolut unverwechselbaren Stil hat. Es gibt nicht allzuviele Jazzmusiker, die ich sofort erkenne - oder wenn er es dann doch nicht ist, feststelle "der klingt wie ...". Er hat das halt so lange ausgereizt, bis er zum dudelnden Klischee erstarrt ist. Das war nicht immer so. Meine erste Garbarek-CD war Afric Pepperbird, da ist richtig Pfeffer drin. Die steht heute auf dem Hoerzettel!
Joe Dvorak (22.06.2022, 04:31):


Jan Garbarek Quartet - Afric Pepperbird (1970)
Jan Garbarek (Tenor- & Basssaxophon, Klarinette, Flöte, Perkussion), Terje Rypdal (Gitarre, Signalhorn), Arild Andersen (Kontrabass, afrikanisches Daumenklavier, Xylophon), Jon Christensen (Schlagzeug)

Das Label-Debut fuer ECM. Der Gruppenleiter ist hier noch deutlich vom spaeten John Coltrane und Leuten wie Albert Ayler und Pharoah Sanders beeinflusst und uebernimmt die frenetisch-expressive Ueberblastechnik. Das ist zeitweise sehr Free und kocht ordentlich. Die exotischen 'Gimmicks', die man aus der Besetzung herauslesen kann, empfinde ich hier als Bereicherung.

Wieder ein Album aus der Jugend, zu dem mir eine Anektode einfaellt. Ich spielte das mal mit ordentlicher Lautstraerke, als ploetzlich die Tuer zu meinem Zimmer aufgerissen wurde. Mein Vater -der als Elektriker stets wegen den Gefahren von defekten Haushaltsgereaten besorgt war- blickte entsetzt erst auf mich, dann auf die Lautsprecher und schliesslich entspannte sich die Miene: Ich dachte, du benutzt hier einen kaputten Foen.
Maurice inaktiv (22.06.2022, 11:00):
Grundguetiger! Der arme Mann. Das war hoffentlich nicht '95, da kam Visible World raus.
Das war noch früher gewesen. Ich bin dort ab ca. 1986 regelmäßig Kunde gewesen. Es kann durchaus sein, dass es aber auch 1995 gewesen war. Ja, für die Verkäufer hatte da niemand ein Herz. Es muss schrecklich gewesen sein, sowas täglich anhören zu müssen, ohne davonlaufen zu dürfen.
Maurice inaktiv (22.06.2022, 11:00):


Andrea Motis : Do outro lado do azul AD: 18.-24.10.2018, Spanien

Wechselnde Besetzungen. Endlich mal eine Latin-CD, die NICHT mit den immergleichen Stücken glänzt. Das Ganze wird nicht kitschig mit Streichern versüßt, sondern sehr geschmackvoll arrangiert und eingespielt. Die wechselnden Besetzungen mit u.a. dem Österreicher Christoph Mallinger an der Violine, natürlich Joan Chamorro & Martin Heinzle (hier immer am Kontrabass), Joseph Traver (Gitarre), Ignasi Terraza (Klavier), Esteve Pi (Drums), Carla Motis (Gesang), Matthieu Guilemant (Percussion, 7-Saitige Gitarre), Sergio Krakowski (Percussion), Gabriel Amagant (Tenorsax, Klarinette).

Andrea Motis (*1995) wurde durch ihren Förderer Joan Chamorro und dessen inzwischen auch international bekannte Jugend-Bigband Sant Andreu Jazz Band der Musikwelt recht schnell ein Begriff.

Die Kinder und Jugendlichen werden dort von Chamorro von den Anfängen des Jazz bis zu modernen Mainstream-Bigband-Sounds im vollen Umfang gefördert. Inzwischen gibt es mehrere Jazzer, die dort den Weg ins internationale Musikgeschäft gefunden haben: Neben Motis, die auf diesem Album vor allem singt, dabei aber auch zu Trompete, Flügelhorn und Sopransax greift, die ihr in nichts nachstehende Alba Armengou (die 2009 im Alter von SIEBEN Jahren anfing aufzutreten), Rita Payés, Elia Bastida und Andreas jüngere Schwester Carla Motis.

Eine sehr hörenswerte CD einer bemerkenswerten Künstlerin, die clever zwischen Gesang und ihren Instrumenten wechselt, dazu mit ihrer unglaublichen Ausstrahlung den Stücken ihren ganzen Charme verleiht. Ihr hilfreich zur Seite steht natürlich ihre Sprache, die sie für diese Stücke natürlich nicht erst erlernen musste wie so viele andere Sängerinnen. Ihre klare Aussprache lässt einem jedes Wort verstehen, ein weiteres Plus dieser großartigen Musikerin.

Dazu eine persönliche Anmerkung: Würde man Andrea Motis drei Stunden nur Trompete spielen lassen, wäre ich mir nicht sicher, ob sie sich auf Dauer da im Kreise der Elite durchsetzen würde. Sie war am Anfang keinesfalls eine gute Improvisatorin, wie auch in dem Alter aber auch der Vielseitigkeit. Sie hat in den letzten 10 Jahren da unglaublich viel gelernt, sich nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht, immer zeitlich Sax gespielt und auch gesungen. Ihr Englisch war am Anfang schlecht, auch das hat sich über die Jahre merklich gebessert. Hier ist das völlig unwichtig, den sie singt in einer ihr vertrauten Sprache.

Motis spielte 2009 ihre erste CD ein, wurde 2011 von keinem geringeren als Quincy Jones auf die Bühne geholt. Ihre Einflüsse, so ihre eigene Aussage seien Louis Armstrong und Chet Baker gewesen. Baker kann man heute weitaus stärker heraushören als Armstrong. Doch als sie noch Lead-Trompete in der Andreu-Bigband spielte und auch noch weitaus mehr alten Jazz, war Armstrong hörbar.

Andrea Motis ist seit einigen Jahren verheiratet, wurde Mutter und lebt nicht mehr in Spanien, sondern in Lateinamerika.

Ich bewundere sie und hoffe, eines Tages mal ein Konzert live besuchen zu können. Sie war vor einigen Wochen In Köln und hat mit de WDR-Bigband konzertiert und Aufnahmen gemacht.
Joe Dvorak (22.06.2022, 13:57):


Oded Tzur - Here Be Dragons (2019)
Oded Tzur (Tenorsaxophon), Nitai Hershkovits (Klavier), Petros Klampanis (Kontrabass), Johnathan Blake (Schlagzeug)

Joe allein zu Haus. Das heisst Musik und Musik und -man goennt sich ja sonst alles- ein Glenfiddich Single Malt Scotch Whisky 21 Years, Reserva Rum Cask Finish.
Der Vogel (zwei Beitrage weiter oben) ist das aelteste ECM-Album (No. 7 im Katalog), das ich kenne, die Drachen das juengste (No. 1676).
Joe Dvorak (24.06.2022, 09:20):
Die spannende Frage lautet: Wenn Jan Garbarek als expressiver Free Jazzer begonnen hat und dann zum elegisch dudelnden Schoengeist wurde, gab es dazwischen einen Punkt, an dem eine geglueckte Balance zwischen diesen Polen herrschte? Ein Punkt, an dem die brennende Intensitaet noch loderte, aber in laengeren Melodielinien kanalisert und 'abgekuhlt' wurde? Es gab ihn in Form des Albums Witchi-Tai-To. Garbareks Improvisationen mit weit ausladenden Spannungsboegen sind atemberaubend, aber veursachen kein Ohrenflattern, ausser an den Hohepunkten, wenn er den spaeten Coltrane gibt - und dann umso effektvoller. Aber Garbarek macht nur ein Viertel der Groesse dieses Albums aus. Bobo Stenson, der zurecht als Co-Leader genannt wird, steht ihm um nichts nach. Wer von beiden zuerst mit dem Solo dran ist, gibt den Staffelstab mit einer perfekten Uebergabe weiter und der andere fuehrt das nahtlos fort - hier haben sich zwei verwandte Geister gefunden. Die agile Rhythmusgruppe haelt alles sicher zusammen, mal freier, mal im Ostinato, immer den Erfordernissen des Augenblicks entspechend. Das synkopenreiche, 'ruehrende' Spiel (gemeint ist der mechanische Vorgang, nicht die Emotion) von Jon Christensen ist einzigartig und aus Hunderten sofort herauszuhoeren.
Auch als geschlossenes Album mit der ueberlangen, aber keine Sekunde lang leerlaufenden Schlussnummer als Hochpunkt funktioniert das praechtig. Eine Platte fuer die Ewigkeit - wie man so sagt und damit meint, dass sie einen (hier: mich) wohl bis an das Ende seiner Tage begleiten, erfreuen und immer wieder erstaunen wird.



Jan Garbarek-Bobo Stenson Quartet with Palle Danielsson, Jon Christensen - Witchi-Tai-To (1974)
Jan Garbarek (Tenor- & Sopransaxophon), Bobo Stenson (Klavier), Palle Danielsson (Kontrabass), Jon Christensen (Schlagzeug)
Maurice inaktiv (25.06.2022, 14:06):
Vor 3 Stunden

Neu

#6.249


Hot Temperance Seven: The Certain Party AD: Februar 1974, Holland

"Dean" Robert Micklenurgh (Trompete, Posaune, Slide Whistle) - "The Laird" Wee Will McHastie (Klarinette, Altsax, Dudelsack, Penny Whistle, Gesang) - Pierre Montreaux (Klarinette, Altsax, Baritonsax) - "Prince Michael" Holmes (Klavier) - Gerald Deeble (Sousaphon) - "Drum Major" G. Collicott (Percussion, Drums) - Teddy Wood (Gesang)

Etwas crazy und schräg zeitweise, aber das ist halt britischer Humor. Spielen können die Jungs, auch die Arrangements sind gut. Schöne Scheibe, aber doch manchmal "to much" für mich.
Joe Dvorak (29.06.2022, 09:48):


Gary Peacock - December Poems (1979)
Gary Peacock (Kontrabass), Jan Garbarek (Sopran- & Tenorsaxophon)

Ob ein Album mit dem Titel December Poems, das im Dezember ('77) aufgenommen und im Januar ('79) veroeffentlicht wurde und dessen erste Titel mit Snow Dance und Winterlude ueberschrieben sind, das Richtige ist, wo hier gerade Yellow Alert wegen anhaltender Hitze herrscht und sich die Klimaanlage mit Unterstuetzung von drei grossen Ventilatoren redlich bemueht, die Innentemperatur bei 30 Grad zu halten? Ja, das passt schon. Das Album haben wir seinerzeit abgefeiert, vor allem wegen dem Snow Dance, bei dem Peacock per Overdub mit sich selbst spielt. Mit dem einen Bass liefert er ein griffig-eingaengiges Ostianto und mit dem anderen laesst er es so richtig fetzen. Danach wird es introspektiv, beim 2. und 4. Titel des Album-Mittelteils hilft Garbarek aus und Nr. 3 & 5 sind echte Soli. Und dann gibt es als Rausschmeisser wieder einen Doppelbass-Reisser. So macht man Alben, die Wirkung erzielen. Ein Langzeitfavorit.
Joe Dvorak (01.07.2022, 03:10):


Barre Phillips - Mountainscapes (1976) Part I-VIII
John Surman (Sopran- und Baritonsaxophon, Bassklarinette, Synthesizer), Dieter Feichtner (Synthesizer), Barre Phillips (Kontrabass), Stu Martin (Schlagzeug, Synthesizer), John Abercrombie (Gitarre, Part VIII)

Bei der Besetzung mit gleich drei Spielern, die einen Synthesizer gelistet haben, duerfte die Mehrheit der Jazz-Aficionados ungehoert das Weite suchen. Ich komme ihnen als Geistersprinter entgegen. Synthetisch erzeugte Klaenge -das heisst nicht zwingend kalt und steril- fand ich im Jazz-Kontext schon immer reizvoll, vor allem wenn sie so kreativ wie hier eingesetzt werden.
Retrobrain (03.07.2022, 11:32):
Hallo zusammen.

Da bin ich doch über das Album „Arabian Nights“ mit Bachar Khalifé und Kristjan Jäärvi gestolpert. Es wird unter der Kategorie „Weltmusik“ geführt.

Ich bin immer etwas irritiert über den Begriff der Weltmusik. Da werden also regionale oder / und kulturellspezifische Klänge zusammengefasst?

Hier jedenfalls werden Klänge aus dem arabischen Raum mit westlicher Klassik und Jazz zu einer sehr schönen Aufnahme zusammengefügt.
Tolle Musik. Ich mag die für unsere Ohren etwas ungewohnten Klänge und Harmonien. Vielleicht hat sogar der eine oder andere moderne Komponist hier und da im Orient abgeguckt? 8)
Sfantu (10.07.2022, 15:51):
Joes Zeitreise-Mission versuche ich, so gut es geht, zu folgen.

Ebenfalls passionierter E-Ce-Emmer, komme ich auf etwa einen halben Meter LP-Alben dieses Labels im Regal, bei den CDs ist es sicher weniger. Zum einen werden meine Gedanken zu den einzelnen Platten kaum substanziell genug sein um für schreibenswerte Beiträge zu taugen. Zum anderen braucht es das aber auch garnicht. Joes Texte sind so abgerundet und auf den Punkt gebracht, daß ich da nicht noch dazwischenquaken und den geschmeidigen Fluß des Fadens stören muß.




Art Lande / Jan Garbarek

Red Lanta
(LP, ECM, 1977)


Der Verweis auf die so empfundene gelegentlich Nähe zu Kammermusik ging in Richtung Edvard Grieg. Langsame Sätze aus Francis Poulencs Kämmerlein (bspw. seine Holzbläser-Sonaten) scheinen mir als Referenz passender. Aber das ist freilich persönliches Empfinden.
So klar und so angenehm frisch wie ein Bergsee sind diese Klänge. Das paßt zur heutigen Sommerhitze. Vielleicht warte ich mit der B-Seite noch bis zum frühen Abend - dann wäre ein kühles Glas Rosé die perfekte Begleitung dazu.

Die Karteikarte im Mittelloch der Innenhülle meiner Schallplatte verrät mir, daß ich sie am 13. Januar 2019 zuletzt auf dem Plattenteller hatte. Verdammt lang` her. Zu lang`.
Sfantu (10.07.2022, 21:58):

Dave Holland Quartet

Conference of the birds
(LP, ECM, 1973. 180g-Nachpressung)

Ein erfrischendes Free-Jazz-Album mit vielen Gesichtern und nicht ohne Spaß-Faktor.

Während des wild-chaotischen Eröffnungsstücks "Four Winds" mit seinen teils schrill hysterischen Bläser-Eskapaden blieb unsere Katze stoisch entspannt in die Sofa-Ecke gekuschelt. Bei den Anfangstakten des folgenden "Q & A" schreckte sie dagegen unvermittelt hoch. Das klamaukhafte Geklingel, Geschepper, Gefege und Ticken des Schlagzeugs ließ sie mit großen Augen irritiert den Blick zwischen linkem und rechtem Lautsprecher hin und her zucken. Das folgende Titelstück wandelt sich beinahe unmerklich vom geschäftigen Widerstreit der Stimmen nach und nach zu friedlich anmutenden Kompromissen - wie die (weltpolitisch aktuell mehr denn je utopische) Vision von einer wohlwollenden Verständigung zwischen Konfliktparteien.
Die B-Seite betritt mit "Interception" wiederum einen scheinbar regelfreien Raum, welcher Geräusch, Hektik und negativen Stress transportiert. In meinem Empfinden kippt die Polung jedoch mehrfach, sodaß das wilde Bläser-Knäuel im einen Moment auslaugt oder nervt, im nächsten aber elektrisiert und amüsiert. "Now Here (Nowhere)" schlägt wiederum wohltuend entspanntere, Ruhe transportierende Töne an. Das abschließende "See-Saw" wirkt auf mich am konventionellsten, da es vom schnellen Baß-und-Schlagzeug-Puls getrieben wird. Zum Ausklang also noch Free der fordernden Art. Nicht mein Favorit auf diesem Album: mehr Verbissenheit als Augenzwinkern. Pure Energie zwar - diese jedoch nicht zuführend sondern saugend. Daher werde ich wohl bei nächstem Hören vorm letzten Track die Nadel in die Lüfte liften. Auch, wenn ich damit das Gesamtkonzept womöglich beschneide.
Sfantu (10.07.2022, 23:11):
Wie wohltuend nun dieser Kontrast und ein idealer Tagesausklang:



Joachim Kühn

Distance
(LP, CMP, 1984)

Der klare und über weite Strecken nach innen gekehrte Blick bleibt auch dann bestehen, wenn`s mal wilder und energischer zur Sache geht (A-Seite, Nr.2 "Theme" oder im Mittelabschnitt von "Norddeutschland", B-Seite, Nr. 3). Dieses Solo-Album spielt Kühn auf einem linear und schlank klingenden Bechstein-Flügel. Der entspannte Grundton gleitet nie in Richtung einer unverbindlichen Toscana-Fraktion-Klangtapete, bewahrt sich konstant eine spürbare, fassliche Energetik. Mein Lieblings-Track vielleicht "Question" (S. 2, Nr. 1): traumverloren fließend, wie aus dem Tusche-Kasten leicht dahingeworfen. Das bewegt sich stellenweise weit in die Nähe der Impressionisten. Mystische Pedal-Nebel wären hier nicht unpassend - Kühn vermeidet sie jedoch strikte. Das entwickelt mit der Zeit einen ganz eigenen Reiz.
Joe Dvorak (11.07.2022, 01:39):
Joes Zeitreise-Mission versuche ich, so gut es geht, zu folgen.

Ebenfalls passionierter E-Ce-Emmer, komme ich auf etwa einen halben Meter LP-Alben dieses Labels im Regal, bei den CDs ist es sicher weniger. Zum einen werden meine Gedanken zu den einzelnen Platten kaum substanziell genug sein um für schreibenswerte Beiträge zu taugen. Zum anderen braucht es das aber auch garnicht. Joes Texte sind so abgerundet und auf den Punkt gebracht, daß ich da nicht noch dazwischenquaken und den geschmeidigen Fluß des Fadens stören muß.
Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann passen in ein Standardregalfach von der Breite eines LP-Durchmessers ca. 100 Scheiben. Ich konsultiere den Taschenrechner (kleiner Scherz - aber ich bin mir sicher, dass viele, die ueber Klimamodelle fabulieren, fuer diese Aufgabe einen brauchen) und komme bei dir auf ca. 150. Nicht uebel. :thumbup:

Was substanziell genug ist, haengt von den Anspreuchen an sich selbst ab. Ich habe da gar keine, sondern lasse in die Tastatur purzeln, was rauskommt. Mehr Substanz als alles, das von einer teutonischen Lichtzeichenanlage an Blinksignalen kommt, wird es wohl immer haben.

Braxton und Rivers duerfen in Zukunft das Seasaw-Spiel nicht mehr spielen? Wir brauchen hier unbedingt den Munchs "Der Schrei" nachempfundenen Smiley.
Joe Dvorak (11.07.2022, 01:54):
Ganz ohne harte Riffs geht es in Joes Welt dann doch nicht:



Iron Maiden - Piece of Mind (1983)

Das Kompromissalbum der Jungfrauen. Noch ohne die progressiven Tendenzen der Nachfolger, aber ausgereifter und polierter als die Vorgaenger. Nicht jeder Kompromiss ist ein fauler. :thumbsup:
Sfantu (11.07.2022, 10:13):
Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann passen in ein Standardregalfach von der Breite eines LP-Durchmessers ca. 100 Scheiben. Ich konsultiere den Taschenrechner (kleiner Scherz - aber ich bin mir sicher, dass viele, die ueber Klimamodelle fabulieren, fuer diese Aufgabe einen brauchen) und komme bei dir auf ca. 150. Nicht uebel
Der LP-Durchmesser liegt bei 12 Inch = knapp 30 1/2 cm. Die Vorstellung, auf dieser Breite 100 Platten unterzubringen, sorgt bei mir für ein grosses Aua. Meine LP-Regalfächer messen 40 cm. Die Platten stehen aufrecht, jedoch nicht mit Druck aneinander gepresst. Minimal tragen zudem Aussenhüllen und Plattenständer auf. Somit sind es bei mir pro Regalfach plus-minus 70 Alben, bei einem halben Meter also etwa 80, würde ich sagen. Kann sie aber auch gern bei Gelegenheit mal zählen.
Joe Dvorak (11.07.2022, 12:39):
Fuer den Standard-Kubus wird auf 33cm aufgerundet, aber es stimmt schon: 100 gehen da rein, aber kaum wieder raus. :D
Maurice inaktiv (11.07.2022, 14:17):
Ich unterbreche mal das bunte Spiel mit dem Free Jazz und der Dudel-Musik von Garbarek. Ich bitte um Entschuldigung, aber es wird nicht mehr so oft vorkommen diese Woche. :D


Cootie Williams & Rex Stewart : The Big Challenge AD: 30.04. - 06.05.1957, New York

Cootie Williams (Trompete) - Rex Stewart (Kornett) - Lawrence Brown & J.C. Higginbotham (Posaune) - Coleman Hawkins & Bud Freeman (Tenorsax) - Hank Jones (Klavier) - Milt Hinton (Bass) - Billy Bauer (Gitarre) - Gus Johnson (drums)

Gestern hatte der große Ellington-Trompeter Charles Melvin "Cootie" Williams Geburtstag (10.07.1911-15.09.1985). Er wurde Anfang 1929 als Nachfolger von dem Plunger-Spezialisten "Bubber" Miley verpflichtet, blieb bis Ende Oktober/Anfang November 1940 bei ihm und wechselte eigentlich für ein Jahr nur zu Benny Goodman. Dort setzte er ebenfalls Maßstäbe mit Stücken wie "Superman", was ihm Eddie Sauter auf den Leib geschrieben hatte.

Als Williams, wie zuvor vereinbart, zurück zu Ellington gehen wollte, machte dieser ihm klar, dass es für ihn Zeit würde, wenn er eine eigene Bigband gründen würde. Mit dieser Band machte er 1942 die ersten Aufnahmen. Auch HIER schrieb er, was man gerne vergisst, auf gewisse Art Jazzgeschichte. So saß kein geringerer als Thelonious Monk kurze Zeit am Klavier und schrieb das ultra-moderne "Epistrophy" für die Band. Dieses Stück wurde am 01.April 1942 von der Bigband eingespielt. Doch am Klavier saß da bereits Nachfolger Kenny Kersey. Der junge, damals sehr an Dizzy Gillespie orientierte Joe Guy spielte das Trompetensolo, was als eines der frühesten Beispiele des damals noch in den Kinderschuhen stehenden "modernen Jazz" war.

Williams sollte weitere Topp-Musiker verpflichten: Etwa Bud Powell, der mit 19 Jahren unter Williams' Vormundschaft stand, Eddie "Lockjaw" Davis spielte damals Tenorsax, Eddie "Cleanhead" Vinson Altsax, Norman Keenan Bass (er spielte ab 1965 bis 1971 bei Count Basie), später saß Butch Ballard am Schlagzeug (1950,1951, 1953 beim Duke beschäftigt, 1948/49 bei Count Basie.

Cootie Williams konnte seine Bigband, die weitaus erfolgreicher war, als man es nachlesen kann, bis 1950 halten, dann musste auch er sie auflösen. Da Williams nicht gerade ein guter Geschäftsmann war, dazu mit den Jahren verstärkt zum Alkohol griff, sank sein Stern in den 1950-er Jahren doch stetig, obwohl er mit seinen kleinen Besetzungen im Rhythm&Blues-Stil erfolgreich war.

1962 kam man beim Duke auf die Idee, diesen verdienten Musiker wieder ins Boot zu holen. Doch Da sowohl der Duke selbst, als auch Cootie zu stolz waren, das direkt miteinander zu klären, wählten Dukes Sohn Mercer und Billy Strayhorn eine trickreiche Variante: Sie verpflichteten Williams für das Bigband-Projekt des Duke, die Theme-Songs der einzelnen Bigbands neu zu arrangieren und einzuspielen.

Williams (man kann ihn auf vielen dieser Stücke dann auch als Solisten hören) sagte zu, der Duke ebenso. Sofort war der "alte" Cootie" präsent, er spielte so gut, dass er die Band nie wieder verließ. Ab etwa 1972 Jahre saß er nicht immer mehr im Trompetensatz, sondern wurde meist als Solist nur noch eingesetzt, so dass er seine Kräfte schonen konnte. Er blieb so bis 1979 mit der Band verbunden, also auch noch Jahre nach dem Tode des Duke und den vielen anderen hervorragenden Musikern der Band (es starben Johnny Hodges 1970, Paul Gonsalves, Harry Carney und Tyree Glenn 1974).

Williams legte seine Trompete aus gesundheitlichen Gründen 1979 nieder, so weit ich es weiß. Gestorben ist er dann 1985. Damit überlebte er seinen langjährigen Satzkollegen Cat Anderson noch um vier Jahre. Dieser verstarb 1981 an seiner Krebserkrankung ebenfalls noch vor ihm. Doch da spielte er schon lange nicht mehr bei Ellington.

Diese CD (damals natürlich noch LP) bringt Williams mit seinem Bandkollegen aus der Ellington-Band, Rex Stewart zusammen. Beide waren exzellente Plunger-Spieler, Williams dazu auch mit offenem Horn ein stark von Louis Amrstrong beeinflusster Musiker, Stewart stand dem Spiel Bix Beidebeckes näher, auch er spielte offen aber eine sehr eigene Trompete, bzw Kornett, mit einer von ihm eingeführten "Halve-Valve-Technik", so dass der Ton recht "näselnd" klang, aber auch mit der Ausnutzung des Tonumfanges nach Unten, wobei er auch sehr hoch spielen konnte. Stewart war einer der Virtuosen auf dem Kornett, hier seinen Trompetenkollegen Roy Eldridge und Charlie Shavers absolut ebenbürtig.
Joe Dvorak (11.07.2022, 15:27):
Ich unterbreche mal das bunte Spiel mit dem Free Jazz und der Dudel-Musik von Garbarek. Ich bitte um Entschuldigung, aber es wird nicht mehr so oft vorkommen diese Woche. :D


Cootie Williams & Rex Stewart : The Big Challenge AD: 30.04. - 06.05.1957, New York

Cootie Williams (Trompete) - Rex Stewart (Kornett) - Lawrence Brown & J.C. Higginbotham (Posaune) - Coleman Hawkins & Bud Freeman (Tenorsax) - Hank Jones (Klavier) - Milt Hinton (Bass) - Billy Bauer (Gitarre) - Gus Johnson (drums)
Kein Problem. Wir sind bunt und divers. :thumbsup:

Wenn ich mir die Besetzungsliste der grossen Herausforderung anschaue, dann bleibt mir gar nichts anderes uebrig als das fuer die Zeit nach der Freien Dudel-Phase zu speichern.
Sfantu (12.07.2022, 22:42):
Braxton und Rivers duerfen in Zukunft das Seasaw-Spiel nicht mehr spielen? Wir brauchen hier unbedingt den Munchs "Der Schrei" nachempfundenen Smiley.
So langsam sollte ich mir vielleicht Gedanken machen.
Das ist, wenn ich`s richtig zähle, das zweite Mal, daß aufgrund einer Aussage von mir neue Emojies gefordert wurden. Beim ersten Mal war es der Ruf nach einem In-Ohnmacht-Fall-Emoji, nachdem ich Beethovens Fünfte und Neunte als Äußerlichkeit und Maßlosigkeit feiernde Machwerke bezeichnete (relativierend hierzu: bei der Neunten bezog (und bezieht) sich das vor allem auf den Schlußsatz).

Doch zurück zur ECM-Mission: bei dem von Dir vorgelegten Tempo, Joe, werde ich auch weiter hinterher hinken.
Immerhin hinken - nicht versinken.
Joe Dvorak (13.07.2022, 09:01):
Doch zurück zur ECM-Mission: bei dem von Dir vorgelegten Tempo, Joe, werde ich auch weiter hinterher hinken.
Immerhin hinken - nicht versinken.
Eine Mission braucht ein scharf umrissenes Ziel und bei einer Zeitreise kann das nur ein Zeitpunkt sein. Mein Zieldatum ist der Tag der Vollendung des aktuellen Lebensjahrs. Wie andernorts schon gesagt, kenne ich zu meinem Glueck das viel vernommene Problem des Zeitmangels nicht - obwohl die Musik wie bei den meisten hinter Beruf, Partnerschaft, Freundschaften und anderen Vergnuegungen anstehen muss. Dass ich so langsam vorankomme, liegt daran, dass ich immer wieder an Alben haengen bleibe und sie mehrfach hoere.
Sfantu (16.07.2022, 16:08):
Jetzt hab' ich meine ECM-Alben tatsächlich mal durchgezählt. Die Breite des Stapels kommt auf gut 35cm und zählt genau 70 Ausgaben. Davon datieren allerdings nur 66 von vor dem 1. Januar 2000.
Das wären mal die LPs.
Die Jazz-CDs stehen bei mir teils in zweiter Reihe in den Regalen - da braucht es ein Mehr an Energie und ein Weniger an Hitze um mich dem zu widmen.
Sfantu (16.07.2022, 17:22):
Nicht mitgezählt ECM-Alben aus dem Bereich Kunstmusik sowie alles, was eher in Richtung Klangkunst / Weltmusik / Esoterik tendiert, bspw. Stefan Micus oder Paul Giger.
Sfantu (16.07.2022, 18:26):
Weiter mit meinem hop-on-hop-off zur ECM-Mission-Train:



Eberhard Weber

The colours of Chloë

(LP, ECM, 1974)

Eberhard Weber, Bass, Violoncello, Okarina
Rainer Brüninghaus, Klavier, Sythesizer
Peter Giger, Schlagzeug
Ralf Hübner, Schlagzeug
Ack van Rooyen, Flügelhorn
Cellisten des Südfunk-Sinfonieorchesters Stuttgart
Eberhard Weber und Gisela Schäuble, Stimmen

A-Seite:
More colours 6`40
The colours of Chloë 7`45
An evening with Vincent van Ritz 5`46

B-Seite:
No motion picture 19`56

Schwer zu glaubende 5 Jahre und 7 Tage ist es her, daß diese Platte sich bei mir zuletzt drehte.
Vielleicht nicht ganz mein Favorit unter den mir bekannten Weber-Alben. Allein die B-Seite aber schafft es in den Jazz-Olymp. Diese Vielfalt an Ideen, an Bildern und der darunter spürbare Grundstimmungs-Rahmen nehmen sofort gefangen und gehen tief.
Ein Glücksfall.
Retrobrain (17.07.2022, 08:56):
Aufgrund eines ausufernden Brettspieltags am Freitag habe ich die unterschiedlichsten Playlisten abgespielt und auch mal wieder ein paar Klassiker wie „Eight Miles High“ von Golden Earring oder den Stones oder Alan Parsons mit den Tales und I Robot gehört.

Passend halt zum SF-Thema. ^^
Sfantu (17.07.2022, 13:51):

Terje Rypdal

Whenever I seem to be far away

Terje Rypdal, Gitarre
Svenung Hovensjø, E-Bass
Pete Knutsen, Mellotron, E-Piano
Odd Ulleberg, Waldhorn
Jon Cristensen, Schlagzeug
Mitglieder des Südfunk-Sinfonieorchesters Stuttgart - Mladen Gutesha
Christian Hedrich, Solo-Bratsche
Helmut Geiger, Solo-Violine

(LP, ECM, 1974)

A-Seite:
Silver bird is heading for the sun 14`05
The hunt 5`18

B-Seite:
Whenever I seem to be far away 17`37

"Silver bird is heading for the sun" nimmt mit auf einen sanften Wellenritt der sphärischen Art, wie er mir archetypisch für den ECM-Sound scheint. Das beste, weil als einziges gelungene, kongruente Stück dieses Albums.
"The hunt" wird von Hovensjø und Cristensen groovend angetrieben während das 2x erscheinende romantische Thema des Horns nicht recht dazu passen will. Rypdal agiert geschmackvoll, mehr kommentierend und im Hintergrund. Die wabernd-wummernden Streicher beißen sich wiederum mit dieser eh nicht sehr geschmeidigen Mischung. Sie sind es denn auch, welche letztendlich das Feinnervige ins Nervige kippen lassen.
Das Titelstück, das die komplette B-Seite einnimmt, kann ich für mich fürderhin abhaken: was fehlt, ist ein erkennbares Woher, Weshalb und Wohin. Die getragenen, leicht melancholischen Klänge lassen Pärt oder Kancheli erahnen, stellenweise wird auch an spätromantischem Pathos entlanggeschrammt. Verblüffend nah bspw. am Trauermarsch aus Pfitzners "Rose vom Liebesgarten", den ich (zufällig?) direkt davor hörte. Derlei Über-und Ineinanderblenden synthetischer Klänge mit klassischem Instrumentarium ergeben nur äußerst selten gelungene Resultate. Und dieses gehört nicht dazu. Vieles wirkt mehr gewollt als aus innerem Ideen-Ursprung kommend. Mehr als einmal mußte ich an Studio-Orchester denken, die moderne Musicals einspielen. Rypdals Eigenheit blitzt hie und da hervor - das Ganze will sich aber nicht zu einer verdaulichen Mélange zusammenfügen.
Sfantu (17.07.2022, 16:06):

Lyle Mays

Lyle Mays
(LP, Geffen, 1986)

Lyle Mays, Klavier, Synthesizer, Autoharp
Alejandro N. Acuña, Schlagzeug
Billy Drewes, Alt-und Sopransax
Bill Frisell, Gitarre
Marc Johnson, (akustischer) Kontrabaß
Nana Vasconcelos, Perkussion

A-Seite:
Highland Aire 7`04
Taiko 7`23
Slink 8`16

B-Seite:
Mirror of the heart 4`59
Alaskan Suite:
- Northern lights 3`19
- Invocation 4`00
- Ascent 6?57
Close to home 6`12

Das erste Solo-Album des Pianisten und Haupt-Komponisten der Pat Metheney-Group.
Auf den ersten Höreindruck reiht es sich in den bekannten Metheney-Sound ein. Was bietet die erste Seite? Eine sonnig entspannte Atmosphäre, geschmeidigen Fusion-Jazz, der wohl auch auf Strassenfesten oder Kirchentagen niemandem Schmerzen bereiten würde ohne Kenner zu langweilen. Auch als Begleiter für längere Autofahrten scheint mir das sehr passend.
Eine "AllMusic"-Kritik sprach damals vom mächtigen Schatten Keith Jarretts, welchen Mays unbegleitete Klavier-Passagen sichtbar werden ließen. Gerade das komplette Piano-solo-Stück "Mirror of the heart" bewegt sich so traumwandlerisch tiefenentspannt durch den Raum, daß mir hier kein vergleichender Gedanke Richtung Jarrett oder an wen auch immer kommt. Zumal ich Jarretts allürenhaftes Geraune und Gekrächze nicht im mindesten vermisse. Die "Alaskan Suite" bringt einen Touch New Age und Traumreise mit hinein - das fesselt ungemein, transzendiert nie weiter als in Parallelwelten, deren Schatten und Klänge keinen Alpdruck erzeugen.
Beispiele der typischen Mays`schen Sythesizer-Chiffren scheinen mir die lautmalerischen Einwürfe von Raubvogel-Geschrei und (als Ausdruck von Daseinsfreude und Unbeschwertheit?) das stilisierte Melodien-Pfeifen, manchmal auch wie eine Bluesharp. Denn selbst im letzten Metheney-Group-Album, für das Mays schrieb ("The way up", 2005), bleiben sie (nebst seinem erkennbaren Stil) prominent.
Sfantu (17.07.2022, 16:15):
...und I Robot gehört. Passend halt zum SF-Thema.
Wäre doch vielleicht eh mal ein ergiebiges eigenes Thema: welche Playlist zu welcher Tätigkeit / zu welchem Anlaß?
Retrobrain (17.07.2022, 20:01):
Heute mal etwas Jazz auf der Terrasse:

Nils Petter Molvær - Khmer

Martin, Medeski & Wood - End of the World Party

Etwas Kühles in der Wärme. :J
Sfantu (17.07.2022, 22:44):
@Retrobrain

die Alben passen nicht so schlecht zu "Jazz auf der Terrasse".
Höre beide Scheiben ebenfalls gern ab & zu. Bei dem Molvær kam ich mal einigermaßen ins Staunen: wir hatten Besuch von einem recht biederen Anzug-und-Krawatten-Typen, mit dem ich smalltalkartig über Musik ins Gespräch kam. Er kannte (entgegen meiner klischeebehafteten Voreinschätzung) Molværs "Khmer" über seine Playlist aufm I-Phone und bat mich, die CD "schön mit Schmackes" aufzulegen. Was soll ich sagen? An den Stellen, wo es satt und groovig zur Sache geht, ging er ab wie ein Travolta-Rumpelstielzchen, daß mich eine Mischung aus Grusel und purem Neid packte...
Retrobrain (18.07.2022, 07:46):
Seit Finanzkrise & Homeoffice ist es bei mir auch mit dem Anzug vorbei. Selbst unser Vorstand trägt das seit Jahren nicht mehr und: Nein, ich arbeite für kein Startup.

Man entdeckt bei vielen Menschen über die Musik ganz neue Seiten. Das ist mir auch schon mehrfach so passiert.

Fröhliches Garen! Heute und Morgen soll es hier wirklich fies heiß werden. :S
Joe Dvorak (18.07.2022, 08:26):
Aufgrund eines ausufernden Brettspieltags am Freitag habe ich die unterschiedlichsten Playlisten abgespielt und auch mal wieder ein paar Klassiker wie „Eight Miles High“ von Golden Earring oder den Stones oder Alan Parsons mit den Tales und I Robot gehört.

Passend halt zum SF-Thema. ^^
Da haette diese, die ich am Wochenende tatsaechlich mal wieder gehoert habe, noch gepasst:



Ayreon - Flight of the Migrator (The Universal Migrator Pt. II)

Space/Prog-Metal mit soviel Kitsch und Bombast, dass es schon wieder Spass macht. Die Saengerriege ist ein Staraufgebot, wie man es selten auf einem einzigen Album versammelt gesehen hat. Russell Allen und Bruce Dickinson sind die Hoechstkaraeter unter den Hochkaraetern und deren Beitraege sind auch auf den beiden besten Liedern des Albums verewigt. Grosses Popcorn-Blockbuster-Ohrenkino.
Joe Dvorak (18.07.2022, 08:32):


Terje Rypdal

Whenever I seem to be far away


(...)


"Silver bird is heading for the sun" nimmt mit auf einen sanften Wellenritt der sphärischen Art, wie er mir archetypisch für den ECM-Sound scheint (...)
Wir brauchen einen Verwirrt-Emoticon mit mehr als drei Fragezeichen. :P
Fuer mich ist das eines der am heftigsten rockenden Stuecke, das man auf einer ECM-Scheibe finden kann. Vier Ohren, zwei voellig unterschiedliche Wahrnehmungen bzw. Bewertungen.
Andréjo (18.07.2022, 12:50):
Aufgrund eines ausufernden Brettspieltags
:) :D Du bist zwar nicht verpflichtet, auf mein Lob irgendetwas zu geben, aber solches erscheint mir in elektronischen Zeiten sehr lobenswert. Bei mir kommt es vor allem vor, wenn die Tochter zu Besuch ist. Nicht unbedingt ausufernd zumeist.

Was ich nachher hören möchte, ist gewöhnungsbedürftig. Solches ist aber auch die Hitze.



:hello Wolfgang
Retrobrain (18.07.2022, 18:27):
Hallo Wolfgang. Danke für Deine Reaktion. Wir spielen viel, gerne und ziemlich komplexe Spiele. So auch heute. Jetzt aber läuft eine Playlist AC/DC. :whistling:
Sfantu (18.07.2022, 23:00):


Lars Danielsson

Liberetto I

Lars Danielsson, (akustischer) Kontrabaß, Wurlitzer-Klavier
Tigran, Klavier, Gesang
John Parricelli, Gitarre
Arve Henriksen, Trompete
Magnus Öström, Schlagzeug und Perkussion
(LP, ACT, 2012)

A-Seite:
Yerevan 2`07
Liberetto 4`53
Day one 2`54
Orange market 7`39
Hymnen 4`46

B-Seite:
Ahdes Theme 3`57
Svensk låt 5`50
Party on the planet 4`33
Hov arer sarek djan 6`32

In ihrer sanft und diskret swingenden Art paßt die Musik Danielssons und Tigrans (A 1 / B 2 & 4) gut als Kollateral-Programm zu ECM-Exkursionen. "Hymnen" entführt in nebelverhangene Melancholie, "Svensk låt" kaukasusiert ähnlich Aziza Mustafa-Zadeh, "Party on the planet" groovt endlich mal, wenn auch zögernd, ins Diesseitige.
Ein herzenswarmes, rundes, umarmendes Album.
Joe Dvorak (10.08.2022, 01:51):
Hier sprechen mal wieder die Gitarren-Riffs:



Gammy Ray - Land of the Free (1995)
Maurice inaktiv (12.08.2022, 09:32):
Maryland Jazzband Köln mit Sing Miller & Sam Lee AD: 23.10.1988, Kerpen/Rhein

Frank Nowak (Trompete) - Gerhard "Doggy" Hund (Posaune) - Klaus-Dieter George (Klarinette) - Sam Lee Tenorsax, Klarinette, Gesang) - Sing Miller (Klavier, Gesang) - Hans-Martin "Bueli" Schoening (Banjo) - Peter Anders (Bass) - Peter Wechlin (Drums)

Leider ohne Bild. Die Maryland Jazzband aus Köln existierte unter diesem Namen bis zum Tode von Bandleader Gerhard Hund im September 2015. Die Band machte anschließend aber unter dem Namen "New Orleans Jazz Band of Cologne" weiter und existiert heute noch. Allerdings ist nur noch Bueli Schoening mit dabei.
Joe Dvorak (12.08.2022, 12:53):
Zu Aufnahmedatum und -ort passt dieses Bild:
Maurice inaktiv (12.08.2022, 17:56):
Zu Aufnahmedatum und -ort passt dieses Bild:
Danke sehr, Joe. Genau das ist das Cover. Ich hatte es auch irgendwann man gefunden, da war ich aber hier schon wieder durch.
Joe Dvorak (13.08.2022, 03:31):
Unter Klassikhoerern gibt es nicht wenige, die auch dem Jazz zugeneigt sind. Und einige wenige haben vielleicht auch etwas fuer 'Techno' uebrig. Hier kommt der Eintopf dazu - und der schmeckt keineswegs ueberwuerzt oder fad:




Jazzrausch Bigband - Beethoven's Breakdown

Themen aus Louis' Werken als Basis fuer Jazzimprovisationen ueber elektronischen Beats. Suchmaschint man nach dieser Combo, wird allerorts der Slogan Jazz meets Bigband meets Techno ausgegeben. Das trifft es, aber der Ordnung halber muss darauf hingewiesen werden, dass hier nicht der Techno i.e.S. gemeint ist. Der Begriff ist wie auch im Falle der 'Klassik' doppelt-allgemein-speziell belegt. Die Klassik i.e.S. ist eine Epoche und Stilrichtung innerhalb der aus Bequemlichkeit 'Klassik' genannten Klassischen Musik und Techno ist ein Subgenre innerhalb der faelschlicherweise mit dem Oberbegriff 'Techno' belegten Elektronischen Tanzmusik (EDM).
PixelPiet (14.08.2022, 10:50):
Ich habe für mich einen neuen Künstler entdeckt: Faber. Finde ich wirklich gut.

Hier ein Beispiel:

https://www.youtube.com/watch?v=nAgl11_FmQ4
Sfantu (15.08.2022, 22:42):


Chromatic Trio

False Symmetry

Mélusine Chappuis, Klavier
Fabian Kraus, Kontrabaß
Xavier Almeida, Schlagzeug
(CD, u n i t, 2019)

Es wäre zu wenig, zu sagen: die drei jungen Westschweizer pendeln zwischen Trios, die ihre Duftmarken bereits platzierten. Es geht weniger geerdet zu als bei Lorenz Kellhuber. Es werden seltener die tranceartigen Vibes oder gar die elektrischen Verfremdungen erreicht wie bei Esbjörn Svensson. Ihr Spiel bewegt sich stilistisch in diesem Umfeld - ja. Es stellt aber beileibe keine bloße Blaupause dar.
"Éphémères" nimmt durch seine mehr die Stille umrahmende Versunkenheit besonders für sich ein. "The sleeping dream" läßt dezente Anflüge von Melancholie zu. Melancholie, die in den übrigen Nummern schon in ihren Anfängen wohltuend auf Grundeis sinken gelassen wird. Alle Stücke schrieb Mélusine Chappuis. Und sie scheint mir auch in der Performance tonangebend, will sagen, sie scheint den Tracks ihren stimmungsmäßigen Gehalt und Pulsschlag einzuhauchen.
Introspektiver Trio-Jazz mit hypnotischer Tiefenwirkung.
Berührend. Vielschichtig. Lohnend.
Joe Dvorak (18.08.2022, 05:02):


Gong - Gong Est Mort Vive Gong (Live @ Hippodrome Paris, 28 May 1977)
Daevid Allen (Gesang, Gitarre), Gilli Smyth (Stimme), Didier Malherbe (Saxophon, Floete), Steve Hillage (Gitarre), Tim Blake (Syntheziser), Mike Howlett (Bassgitarre), Pierre Moerlin (Schlagzeug)

Das ist und bleibt einer meiner Allzeit-Favoriten. Bei Gong nebst Ablegern (Planet Gong, Pierre Moerlin's Gong, Mother Gong, Gongmaison) gaben sich dutzende von Musikern die Klinke in die Hand, aber dieses Team war die Gong-Besetzung schlechthin. Zwei Jahre nach dem Split vereinigte man sich nochmal fuer eine kurze Tour, von der hier ein Konzert dokumentiert ist. Die Musik aus dieser Phase ist kaum zu beschreiben. Ich hoere 60er-Beat, Dada, Proto-Trance, Psychedelic, Progressive Rock & Jazz-Rock-Fusion. Lassen wir Allen selbst zu Wort kommen: "Psychedelic, electro jazz crossover, anarcho-pataphysical hippy idealist revolutionary nursery-rhyme, goddess mantra-trance delirium".
Joe Dvorak (19.08.2022, 03:41):


Gong - OK Friends 2001 Tour
Daevid Allen (Gesang, Gitarre), Gilli Smyth (Stimme), Theo Travis (Saxophon, Floete), Didier Malherbe (Saxophon, Duduk), Gwyo De Pix (Tasteninstrumente), Mike Howlett (Bassgitarre), Chris Taylor (Schlagzeug)

In 80 Tagen um die Welt - naja nicht ganz, durch Nord- und Mitteleuropa mit 61 Konzerten. Einige der Damen und Herren waren schon jenseits der 60, da braucht es ein paar Paeuschen mehr als ueblich. Das Album ist ein Zusammenschnitt von Hoehepunkten der Tour, leider manchmal aus dem Lied-Zusammenhang gerissen oder gar ausgeblendet. Da kommt beim Hoerer kaum Liveatmospaehre an, dennoch ist das nicht zuletzt aufgrund der Beitraege der beiden exzellenten Blaeser unterm Strich eine befriedigende Sache.
Joe Dvorak (19.08.2022, 04:34):
Wenn man sich erstmal in diese Ecke verirrt hat, kommt man so schnell nicht wieder raus:



Steve Hillage - Rainbow 1977 (Live @ Rainbow Theatre London, 3 Nov 1977)
Steve Hillage (Gitarre, Gesang), Miquette Giraudy (Synthesizer, Gesang), Curtis Robinson (Bassgitarre), Joe Blocker (Schlagzeug)

Nach dem ich Hillages originelles Gitarrenspiel bei Gong gehoert hatte, mussten auch einige seiner Solo-Platten her. Insbesondere Live Herald von 1979 hatte es mir angetan. Diese Live-CD wurde aus 4 Konzerten, die innerhalb von zwei Jahren stattfanden, zusammengeschnitten. Dabei wechselten sowohl die Besetzung auch die Anzahl der Musiker. In Minimalbesetzung spielte das Ehepaar Hillage/Giraudy nur mit einer Rhythmusgruppe aus Bass & Schlagzeug, waehrend bei der Maximalbesetzung als Septett ein weiterer Gitarrist und noch zwei Tastendruecker dazu kamen, desweiteren gab es Quintett-Auftritte nur mit einem zweiten Gitarristen. Ich habe mir seinerzeits fest gewuenscht, jedes dieser Konzerte ganz hoeren zu koennen, aber es dauerte noch viele Jahre, bis sich schliesslich ein Bootleg mit dem Mitschnitt von zumindest einem dieser Konzerte in meinem Kosmos manifestiert hatte.

Bootlegs sind illegale Mitschnitte, die oft aus dem Publikum heraus gemacht und manchmal am Mischpult abgegriffen (und im Vordigital-Zeitalter auf Kassetten festgehalten) wurden. Gelegentlich handelt es sich um hochwertige Bandaufnahmen, die vom Label unveroeffentlicht blieben, aber von Mitarbeitern rausgeschmuggelt wurden. Das tolle an Live-Bootlegs ist, dass man das hoert, was geboten wurde, ungeschminkt und im rauhen Livesound - ohne nachtragliche Abmischung, ohne Korrekturen durch Overdubs oder sonstige Nachbearbeitung. Das schlaegt von der Atmosphaere her -dem Gefuehl dabei zu sein- jedes offizielle Livealbum und dafuer nehme ich gelegentliche Fehlgriffe und auch deutliche Abstriche an der Klangqualitaet gerne in Kauf.
Das erwaehnte Bootleg erhielt von den einschlaegigen Seiten das allerhoechste Rating fuer Qualitaet und Klang. Als es dann bei einem Online-Auktionshaus auftauchte, gab es kein Halten mehr. Es ging fuer ueber 130 DM in meinen Besitz ueber - das sind Inflationsbereinigt 94 Euro. Die Gattin tobte. Damals hatten wir es nicht soo dicke, aber dafuer zwei uns die Haare vom Kopf fressenden kleine Monster. Das gab richtig Krach - der gemeine Konsument ist einfach nicht willens und in der Lage, nachzuvollziehen, was uns die Musik bedeutet und wert ist.

Lange Rede, gar kein Sinn. Mittlerweile wurde dieses Bootleg unter dem Titel Rainbow 1977 offiziell herausgegeben - wie auch diverse andere komplette Konzertmitschnitte aus Hillages Glanzjahren 1977-1979. Und dank der schoenen neuen Streamingwelt sind die (ob als CD vergriffen oder nicht) alle greifbar. Mir bleibt voellig unverstaendlich, wie sich jemand diesen Moeglichkeiten verweigern kann - aber auch ich muss nicht alles nachvollziehen koennen.
:rolleyes:
a-way (19.08.2022, 12:00):


Einfluss
Rolling¹ * , Finne⁴ * , Black White Felt⁶ * , Mollmaterial¹¹ *, Sula¹⁹ * & Venta⁷ *
composition Arnold Kasar* ¹¹ + Hans-Joachim Roedelius
¹ 4 ⁶ ₁₉ 7
performed ** Klavier * Klavier, Synthesizer - by
Joe Dvorak (20.08.2022, 02:01):


Deep Purple - Slaves & Masters (1990)

Ich anhoere mir von den grossen Bands gerne die Platten, die bei Fans und Kritikern durchgefallen sind und teils sehr harsch bewertet wurden. Es geht da nicht immer fair zu, weil bei Gruppen, die Geschichte geschrieben haben, die Messlatte hoeher angelegt wird. Das verzerrt das Bild, denn ein Hochspringer, der 'nur' 1.90 m schafft wenn die Latte auf 2 m Hoehe liegt, sieht nun mal viel schlechter aus, als einer der bei 1.80 m Lattenhoehe 1.85 m hoch springt.
a-way (21.08.2022, 09:47):


aus Murder At the Symphony

Bernard Herrmann - Psycho: The Madhouse - The Murder
* Nick Cave: Where the Wild Roses Grow
Jonny Greenwood - There Will Be Blood: Open Spaces
Angelo Badalamenti: Twin Peaks (Fire walk with me, Sycamore Tree; Laura Palmer's Theme)
Nicklas Schmidt - A Conspiracy of Faith

* Kira Skov, vocals, Michael Møller, bass
Christine Nonbo Andersen, soprano
Danish National Symphony Orchestra, Sarah Hicks
a-way (21.08.2022, 10:48):



Jonny Greenwood:
- You were never really here
(Musik zum gleichnamigen Film von Lynne Ramsay, lief in Deutschland unter "A beautiful day")
Joe Dvorak (22.08.2022, 02:27):


Sweet - "Give us a Wink!" (1976)
a-way (22.08.2022, 15:36):


aus La Panthère des Neiges - Les Cerfs
Original Soundtrack by Nick Cave and Warren Ellis
a-way (23.08.2022, 20:09):
Ich höre mich ein wenig durch Weltmusik-CDs aus der Bücherei.



Egschiglen - Gereg
Nishtiman Project - Kobane

+ mehr von Urna und traditionelle Musik aus Kambodscha / Khmer
MichaelWalter (28.08.2022, 17:18):
Ist und bleibt ein Klassiker:

https://www.youtube.com/watch?v=iv8GW1GaoIc
Joe Dvorak (29.08.2022, 04:18):


Deep Purple - Total Abandon Australia '99 (Live @ Melbourne Park, 20. Apr. 1999)
Ian Gillan (Gesang), Steve Morse (Gitarre), Jon Lord (Orgel), Roger Glover (Bass), Ian Paice (Schlagzeug)

Die Zahl der offiziellen Live-Alben von Deep Purple uebersteigt die der Studioalben. Wenn alles passte, waren sie eine fantastische Konzert-Band, wenn die Chemie nicht stimmte und/oder persoenliche Probleme (lies: Alkohol und andere Drogen) im Spiel waren, konnte das Ergebnis eher maessig oder gar verheerend sein (Live at Budokan 1975).
Total Abandon Australia '99 gehoert zur ersten Kategorie. Hier ist die Mk VII-Besetzung am Werk. Diese ist auf vier Positionen identisch mit der legendaeren Mk II-Besetzung, die sich anfangs der 70er mit Alben wie In Rock, Machine Head & Made in Japan in die Geschichtsbuecher eingetragen hat. Bei dem eben gehoerten Konzert lagen die Glanzzeiten mehr als ein Vierteljahrhundert zurueck, aber abgesehen von leichten Abstrichen beim Gesang, ist das eine hoechst vitale Angelegenheit. Dafuer sorgt vor allem Neuling Steve Morse. Nicht wenige Purple-Fans bestehen mit monotheistischem Eifer darauf, dass es an der Gitarre nur den einen Blackmore geben kann. Ich meine Morse ist ihm ebenbuertig - anders halt. Waehrend Blackmore von der klassischen Tradition her kommt, bringt Morse Jazz, Blues und Country mit. Als er 1996 fuer das Album Purpendicular zu den Violetten stiess, wirkte das wie eine Frischzellenkur und die Frische ist bei diesem Auftritt noch konserviert. Tolle Songauswahl (kein Child in Time) und astreiner Live-Klang ohne gross hoerbare Postproduktion. Eine dicke Ueberraschung!
Joe Dvorak (29.08.2022, 16:37):



Sabertooth
Dr. Midnight Live at the Green Mill (Chicago, 23. Juli 2007)
Pat Mallinger (Tenor- & Altsaxophon, Floete) Cameron Pfiffner (Tenor- & Sopransaxophon, Floete, Piccolo), Pete Benson (Hammond B-3 Orgel), Ted Sirota (Schlagzeug)
Live at the Green Mill (Chicago, 18. & 19. Jan. 2000)
Pat Mallinger (Tenor- & Altsaxophon, Uramerikanische Floete, Gesang, Kuhglocke) Cameron Pfiffner (Tenor- & Sopransaxophon, Floete, Gesang), Dan Trudell (Hammond B-3 Orgel), Ted Sirota (Schlagzeug)
Ich habe nach etwas ganz anderem gesucht und keine Ahnung, warum es mir das angezeigt hat. Aber Doppelsax-Spitze, Hammond B-3 & Drums - das musste angestestet werden, wenn es schon mal auf dem Schirm war. Die Hoerprobe wurde mit Bravour bestanden - in dem Sinne, dass aus der geplanten Probe ein Komplettdurchgang wurde. Man koennte auf den ersten Blick meinen, es handelt sich um ein und diesselbe Aufnahme mit verschiedenen Covern, aber dem ist nicht so. Warum beide 'zufaellig' im gleichen Club entstanden sind, findet eine simple Erklaerung. Das Quartett hat 15 Jahre lang an jedem Wochende zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens dort gespielt. Und wie die beiden Mitschnitte belegen, taten sie das ganz herrvoragend. Das ist unsinnfreier Geradeaus-Jazz. Einer der Songtitel bringt es auf den Punkt: It’s Surely Gonna Flop If It Ain’t Got That Bop.
Joe Dvorak (31.08.2022, 07:53):


Entombed - Left Hand Path (1990)

Eine Erinnerung an Zeiten, in denen es sich noch lohnte, ein TV-Geraet zu haben. Es war der absolute Hoehepunkt der Woche, auf den schon Stunden vorher hingefiebert wurde: Der Headbanger's Ball auf MTV. Zwei Stunden lang nur Metal. Und als besonderer Hoehepunkt die Sendung in der Sendung, der Triple Thrash Threat. Drei Videos, in denen die seinerzeit extremsten Combos vorgestellt wurden. Was heute -zumindest fuer Freunde des Genres- taeglich Brot ist, war seinerzeit aufregend neu. Brachiale Haerte, alternative (tiefe) Gitarren-Stimmungen, guttuarer Gesang, Geschwindigkeitsexzesse - vorgetragen von bedrohlich-finsteren Typen. Wir haben die Geburt des Death Metal miterleben duerfen.
:evil:
Sfantu (31.08.2022, 12:36):
Es kommt selten vor, daß ich Stilarten, die vor etwa Mitte/Ende der 1960er entstanden, höre. Das heißt, es gibt meist nichts vor Hancock, den Adderleys oder Miles Davis bis zu Bitches Brew auf meinem Plattenteller. So richtig interessant wird es für mich dann meist erst im Bereich Fusion, Jazzrock und ECM-Ästhetik. Heute Vormittag war mir nach einem Abweichen von diesen Gewohnheiten. Drum gab ich mir diesen gepflegten Mainstream-Aufguß.
Und ja: ich hatte Freude daran.


East of Isar

Sal Nistico, Tenorsax
Benny Bailey, Trompete & Flügelhorn
Jo Haider, Klavier
Isla Eckinger, Bass
Billie Brooks, Schlagzeug
(LP, Ego, 1978)
Joe Dvorak (01.09.2022, 00:23):
Es kommt selten vor, daß ich Stilarten, die vor etwa Mitte/Ende der 1960er entstanden, höre.
Ich lasse mich vom Froum immer gerne inspirieren, in diesem Falle um die Ecke. Dafuer bekommt der CD-Schlitz mal wieder Futter:



Louis Armstrong - At Town Hall ("The Complete Town Hall Concert" 17 May 1947)
Louis Armstrong (Trompete, Gesang), Bobby Hackett (Trompete), Jack Teagarden (Posaune, Gesang), Peanuts Hucko (Klarinette, Tenorsaxophon), Dick Cary (Klavier), Bob Haggart (Kontrabass), Sidney Catlett (Schlagzeug), George Wettling (Schlagzeug, alternierend mit Catlett)
Maurice inaktiv (03.09.2022, 02:48):
Heute Vormittag war mir nach einem Abweichen von diesen Gewohnheiten. Drum gab ich mir diesen gepflegten Mainstream-Aufguß.
Und ja: ich hatte Freude daran.
Sal Nistico, Tenorsax
Benny Bailey, Trompete & Flügelhorn
Jo Haider, Klavier
Isla Eckinger, Bass
Billie Brooks, Schlagzeug
Wobei man Sal Nistico auch erst in den 1960-er Jahren kennen lernte. Er spielte bei Woody Herman und kurzzeitig bei Count Basie (wo er meiner Meinung nach nicht wirklich hin passte). Er wurde bei Herman bekannt, der zu diesem Zeitpunkt eine exzellente Bigband leitete, die durchaus dem "aufgeklärten Mainstream" zuzuordnen war. Auch Bailey, obwohl ein Mann des Bebop, war jederzeit in der Lage, eine Spur moderner zu klingen als man das erwarten könnte. Höre mal das Album von Les McCann an, auf dem er als Gast mitwirkte: "Swiss Movement" von 1969.


Louis Armstrong - At Town Hall ("The Complete Town Hall Concert" 17 May 1947)
Louis Armstrong (Trompete, Gesang), Bobby Hackett (Trompete), Jack Teagarden (Posaune, Gesang), Peanuts Hucko (Klarinette, Tenorsaxophon), Dick Cary (Klavier), Bob Haggart (Kontrabass), Sidney Catlett (Schlagzeug), George Wettling (Schlagzeug, alternierend mit Catlett)
Das war eines jener Konzerte, welches man als Vorläufer der Louis Armstrong All Stars bezeichnen kann. Bereits im Februar 1947 gab es in der berühmten Carnegie Hall ein ähnlich gelagertes Konzert, bei dem im ersten Teil eine kleine Band auftrat, die aus Irving "Mouse" Randolph (Trompete), Henderson Chambers (Posaune), Edmond Hall (Klarinette), Charles Bateman (Klavier), Johnny Williams (Bass, Gesang) und Drummer Jimmy Crawford bestand. Hier spielte auch Armstrong mit, während im zweiten Teil des Konzertes seine Bigband (die zu dem Zeitpunkt noch bestand, aber seine schlechteste Bigband überhaupt war) und Billie Holiday auftraten.

Diese Konzerte hatte sein äußerst versierter Manager Joe Glaser in die Wege geleitet, der spürte, dass Armstrong in einer Sackgasse gelandet war, und aus der er vermutlich nur durch die damalige Wiedergeburt des alten Jazz hinaus kommen könnte.

Auch dieses Konzert hatte einen Vorläufer, nämlich den 1946 gedrehten Film "New Orleans", bei dem Armstrong mit seinen alten Weggefährten Kid Ory und Barney Bigard zusammen gekommen ist, dazu kamen etwa Pianist Charlie Beal, Gitarrist Bud Scott (von der damaligen Ory-Band), Red Callender am Bass (der 1942 in Armstrongs Bigband spielte) und Drummer Zutty Singleton (einem echten New Orleanser) bestand.

Wer mit den späteren All Stars vertraut ist wird feststellen, dass Bigard, Hall, Catlett, Teagarden, Hucko und Dick Cary dann auch wirklich mit den All Stars zu unterschiedlichen Zeiten spielten.
Joe Dvorak (05.09.2022, 03:48):


Van der Graaf - Vital (Live @ Marquee Club, London, 16 Jan 1978)
Peter Hammill (Gesang, Gitarre, Klavier), Graham Smith (Violine), Charles Dickie (Violoncello), Nic Potter (Bassgitarre), Guy Evans (Schlagzeug), David Jackson (Saxophon, Floete)

Eine harte Droge. Die Prog-Rocker Van der Graaf Generator entledigten sich dem 'Generator' im Bandnamen und der fuer den Bandsound so charakteristischen Orgel. Der Ersatz in Form von zwei Streichern sorgt nicht fuer weichere Klaenge - im Gegenteil: Dieser Konzertmitschnitt ist roh, aggressiv, laermend, nicht selten in dissonante Kakophonie ausartend und der sonst so charismatische Hammill schreit die meiste Zeit nur. Aber das sind Auesserlichkeiten, was zaehlt ist die entfesselte 'spirituelle' Inbrunst, die ich sonst nur von Free Jazz-Alben kenne.
a-way (05.09.2022, 12:30):




manches aus Jack White: Entering heaven alive & Boarding House Reach
Regina Spektor: Far
Joe Dvorak (09.09.2022, 03:01):


John Zorn - The Gift
Marc Ribot (Gitarre), Jamie Saft (Farfisa Orgel, Wurlitzer Piano, Klavier, Synthesizer), Trevor Dunn (Bassgitarre), Joey Baron (Schlagzeug), Cyro Baptista (Perkussion) w/ Ned Rosenberg (Shakuhachi), Dave Douglas (Trompete), Jennifer Choi (Violine), Masumi Rostad (Viola), Raman Ramakishnan (Violoncello), Greg Cohen (Kontrabass), Mike Patton (Stimme), John Zorn (Theremin, Klavier)

Ich schrieb bereits mehrfach, dass man sich bei Zorn nie sicher sein kann, was man bekommt. Hier verbluefft er mit ultra-entspannter Musik, die mich innerhalb von kurzer Zeit um Jahre zurueck in eine Strandbar versetzt. Ich spuere den Sand zwischen den Zehen, rieche die Melange aus Salz und Sonnenoel, schmecke den roten Cocktail, sehe die braungebrannten Schoenheiten vor mir. Die Klasse der Musiker verhindert, dass es allzu seicht wird, die gelegentliche Erweiterung des Quintetts um die Shakuhachi oder um Trompete & Streicher sorgt fuer Abwechslung - und kurz vor Schluss kippt die Stimmung, wenn ein unheimliches Stueck, das als Soundtrack zu einem Horrorstreifen taugen wuerde, eingeschoben wird. Danach folgt eine Reprise der Auftaktnummer -schneller gespielt, ohne dieses extreme Zuruecklehngefuehl- aber nichts ist mehr so wie es war. Der Cocktail schmeckt auf einmal schal (warum muss ich schon bei Tag mit dem Trinken anfangen?), die Schoenheiten reagieren spoettisch-herablassend auf meine Flirtversuche - und ueberhaupt verschwende ich meine wertvolle Urlaubszeit mit sinnlosem Abhaengen am Strand... Das Geschenk ist vergiftet.

Tags: Exotica, Surf, Easy Listening, World Beat. Das ist eigentlich so gar nicht mein Ding, dachte ich. Aber bei Zorn weiss man nie...
Joe Dvorak (10.09.2022, 04:06):


Marc Ribot - Spiritual Unity (2005)
Roy Campbell (Trompete, Taschentrompete), Marc Ribot (Gitarre), Henry Grimes (Kontrabass), Chad Taylor (Schlagzeug)

Den Titel eines der groessten Jazz-Alben aller Zeiten zu adaptieren, verpflichtet. Immerhin ist mit Grimes ein Altmeister dabei, der zwar nicht auf dem Original, aber bei einem anderen von Albert Aylers Meilensteinen, Live in Greenwich Village mitgewirkt hat. 'Anstrengend' ist das Attribut, das mir bei diesem Live/Studio-Mix als Erstes in den Sinn kommt. Aber vor dem Lohn kommt halt nun mal der Schweiss und einige Grosse Momente -allen voran Ribots Solo auf Spirits-, die erst dadurch so gross werden, dass sie organisch aus dem vermeintlichen Chaos herauswachsen, entschaedigen reichlich fuer die aufgebrachte Geduld.
Kuriositaet am Rande: Grimes verschwand 1967 im Alter von 31 Jahren spurlos von der Bildflaeche und tauchte erst 35 Jahre spaeter, drei Jahre vor dieser Session wieder auf.
Joe Dvorak (10.09.2022, 11:07):
Filmenachmittag 8)



John Zorn - Film Works XXIV: The Nobel Price Winner
Rob Burger (Klavier), Trevor Dunn (Kontrabass), Kenny Wollesen (Schlagzeug, Vibraphon)




John Zorn - Film Works XVII: Notes on Mary Mender & Ray Bandar: A Life With Skulls
Jon Madorf (Gitarre), Shanir Ezra Bulmenkranz (Kontrabass), Kenny Wollesen (Schlagzeug, Perkussion), Cyro Baptista (Perkussion), John Zorn (Perkussion, E-Piano, Altsaxophon)




John Zorn - Film Works IX: Trembling Before G-d
Jamie Saft (Orgel, Klavier), Chris Speed (Klarinette)
Joe Dvorak (11.09.2022, 03:23):
Manchmal bin ich für diese intime Musik empfänglich ... so auch heute:

Tord Gustavsen Trio: The Other Side

Tord Gustavsen, Piano
Sigurd Hole, Bass
Jarle Vespestad, Drums



Gruß
Philidor

:hello

Die finde ich auch nicht schlecht - im Gegensatz zu den drei Vorgaenger-Alben, auf denen es fuer mein Empfinden mit der Ruhe und Sparsamkeit doch arg uebertrieben wurde.
Sfantu (12.09.2022, 21:12):
b

The United Jazz and Rock Ensemble - Live im Schützenhaus
(LP, Moods, live, Schützenhaus Stuttgart-Heslach, 7. bis 9. Januar 1977)

Barbara Thompson, Flöte/Sopran-und Tenorsax
Ian Carr, Trompete
Wolfgang Dauner, Klavier/Clavinett/Synthesizer
Jon Hiseman, Schlagzeug
Volker Kriegel, Gitarre
Albert Mangelsdorff, Posaune
Charlie Mariano, Nagashwaran/Sopran-und Altsax
Ak van Rooyen, Trompete/Flügelhorn
Eberhard Weber, Baß

Immer wieder großen Spaß macht es, den Debut-Kracher des UJRE drehen zu lassen. Feinster, knuspriger, wilder, lustgesteuerter Fusion-Sound. Das hörten damals unsere von der Elternschaft mißtrauisch beäugten langhaarigen Sek II-Pauker.
Und ich tauche für eine gute 3/4 h wieder ein in jene Zeit.
Makelloses, satt-dynamisches Vinyl-Glück.
Sfantu (12.09.2022, 21:51):
Und weil`s gerade ideal in diesen Flow paßt, das hier gleich hinterher
(wenn auch fatal - gerade am Anfang der Arbeitswoche):



Miles Davis - On the Corner
(LP, CBS, 1972)

Dave Liebman und Carlos Garnett, Sopran-und Tenorsax
John MacLaughlin und David Greamer, Gitarre
Herbie Hancock, Fender Rhodes
Michael Henderson, Baß
Billie Cobham und Jack deJohnette, Schlagzeug
Billy Hart, Schlagzeug und Perkussion
Chick Corea, Klavier
Harold I. Williams, Orgel
Collin Walcott, Sitar
Bennie Maupin, Baßklarinette
Badal Roy, Tablar
James Mtume und John Alias, Perkussion
Joe Dvorak (14.09.2022, 03:05):


Saga - Full Circle (1999)

Das Album kann geradezu als Definition fuer mittelmaessige Rockmusik herhalten. Das ist nicht per se negativ gemeint - die Qualtiaet besteht gerade darin, dass man gehobene Unterhaltung findet, ohne einen Hauch von Extremen oder Experimenten hinnehmen zu muessen, dass man in diesem engen Korridor soviel Variabilitaet wie nur moeglich bekommt, dass man ordentliches Liedmaterial hoert, ohne dass einem banale 'Hits' aufs Auge gedruckt werden, dass die Instrumentalfraktion nicht zu kurz kommt, aber die Liedaufaufbauten nicht (zer-)stoert, dass das durchaus auch etwas fuer den Kopf ist, ohne dass man mit Verkopftheit konfrontiert wird. Man erhaelt als Hoerer den maximalen Ertrag, ohne dass Einsatz gefordert wird. Das hebt das Album dann doch heraus. Es ist das perfekte Mittelmass und da dies nur selten erreicht wird, ist es eben kein Mittelmass.

@Andréjo War dieser Bewusstsseinstrom jetzt ein Beispiel fuer das Lokal-Fachwort Gschmarri? :D
Donaldist (17.09.2022, 11:40):


Ein Zufallsfund. Aufregend, und mir hat es fast ein wenig Angst eingejagt. Aber dann 3mal hintereinander gehört. Das lebt, pulsiert, atmet.
Maurice inaktiv (17.09.2022, 11:45):


Phil Mason : The Storm is Passing Over AD: 1992

Phil Mason (Kornett) - Martin Bennett (Posaune, Gesang) - Johnny Boston (Klarinette, Sax) - Jimy McIntosh (Banjo) - Trefor "Fingers" Williams (Bass) - Colin Bowden (Drums) - Christine Tyrrell (Gesang)

Phil Mason ist kaum jemand ein Begriff, und ich muss zugeben, dass ich auch nur über Umwegen auf ihn aufmerksam geworden bin. Doch man bekommt dann eine Band präsentiert, die sehr vital den alten Jazz aus New Orleans präsentiert, der wunderbar zu den Briten und ihrer großen Vergangenheit, genau diese Musik zu spielen, passt.

Dabei haben die Musiker alle einen Background, der besser kaum sein könnte, nämlich langjährige Mitwirkung in Bands wie Ken Colyer, Max Collie, Monty Sunshine, Humphrey Lyttelton, Chris Barber oder Kenny Davern.

Trefor Williams (1972-1992 bei Max Collie, ab 1992 bei Mason, ab 2010 bei Chris Barber) schreibt sich tatsächlich mit "f" in der Mitte.

Colin Bowden (1932-2021) gehörte zu den besten Schlagzeugern der New Orleans-Tradition in Europa. Er spielte mit Ken Coyler, Humphrey Lyttelton, Cy Laurie und war bis ins hohe Alter hinein sehr aktiv gewesen.
Joe Dvorak (18.09.2022, 06:08):


Shadow Gallery - s/t (1992)

Noch so eine Combo, bei der ich es genau anders herum sehe als es der breite Konsens verheisst. Man sagt, dass die Schattengaleristen zu den Grossen des Progressive-Rock/Metal gehoeren und dass vor allem die Alben Nr. 2 bis 4 Meisterwerke seien. Das -gerade gehoerte- Debut zeige zwar schon vielversprechende Ansaetze und haette grandiose Instrumentalpassagen zu bieten, sei aber insgesamt zu durchwachsen, zu wenig eigenstaendig, das Liedmaterial waere teils profan, die Produktion schwachbruestig und der Mix unausgewogen.

Ich sehe das anders und finde die spaeteren Alben verkopft, schwerfaellig und langatmig. Ich habe noch nie ein Album dieser Band am Stueck ausgesessen und deshalb lange gezoegert, mir das Debut ueberhaupt anzuhoeren. Bis ich diese Kritikpunkte gelesen habe, die mich hellhoerig machten. Und was die hellen Ohren dann zu hoeren bekamen, liess mich jubeln. Alles, was an den spaeteren Scheiben nervt, fehlt, alles, was daran gut ist, ist schon vorhanden. Grandiose Instrumentalpassagen: Das kann ich fett unterschreiben. Das ist musikalisches Handwerk der obersten Gueteklasse. Ja, man ist hier noch nicht auf eine Richtung festgelegt. Die Metal-Elemente sind weniger ausgepraegt, Iron Maiden der zweiten 80er-Haelfte standen Pate, dafuer geht es mehr in Richtung AOR (Kansas, Saga) und die Vorbilder der 70er (Genesis, Queen) werden nicht verleugnet. Wenn es mal haerter wird, denkt man an Dream Theaters Debut (das wiederum eine Verbeugung vor Rush ist) und den emotionalen Gesangsstil kennt man von Queensrÿche. Eigenstaendigkeit geht anders - aaaber das sind doch mal ein paar Hausnummern als Referenzen. Es fuegt sich nicht immer alles ganz nahtlos, aber es macht Spass. Gerade weil die Combo nach den Frickelorgien immer wieder in profanere Gefielde herabsteigt und die Melodien nicht vernachlaessigt, bleibt das bodenstaendig und die Spannung, wie es weiter geht, bleibt bis zum letzten Ton bestehen - auch nach mehrfachem Hoeren. Da ist mir der in der Tat etwas duerftige Klang sowas von schnuppe.
Joe Dvorak (19.09.2022, 08:02):


Lunatic Soul - Through Shaded Woods (2020)
Mariusz Duda (Gesang, Akustische & E-Gitarre, Ukulele, Klavier, E-Bass, Perkussion)

Das ist bereits das siebte Solo-Album des Riverside-Saengers, der es mir mit seiner uebertriebenen Neigung zum Weltschmerz nicht immer leicht macht. Davon ist hier nichts mehr zu hoeren. Sicher, es geht textlich immer noch um Traumata, Alptraueme und um den Kreislauf von Leben und Tod, aber die Musik ist weitgehend licht, von akustischen Klaengen dominiert, manchmal rituell-treibend und sie hat einen starken slavisch-folkloristischen Einschlag. Erfreulich: Durch die LP-Renaissance beschraenken sich die Kuenstler wieder auf 40 Minuten, statt eine Silberscheibe mit Fuellmaterial vollzustopfen. Wer das dennoch unbedingt haben will, kauft sich die Mediabook-Ausgabe mit Bonus-CD.
Joe Dvorak (23.09.2022, 03:52):


Scanner (1992) & Scanner2 (1993)
Robin Rimbaud (Funkscanner, Samples, Elektronik)

Keine Ahnung wie er damit durchgekommen ist. Fremde Gespraeche abzuhoeren, ist das eine, das auf Tontraeger zu bannen, das andere. Ein coole Sache ist das allemal, gleichzeitig befremdend bis beklemmend. Kaelte, Isolation, Weltflucht, Verlogenheit, Selbsttaeuschung. Das Konzept mag heute im Zeitalter der Informationsueberflutung und der (noch) freiwilligen Aufgabe des Privaten anachronistisch anmuten, aber es macht einen Unterschied, wenn die Abgehoerten voellig ahnungslos sind. Und vor 30 Jahren rechnete keiner damit, dass ein Klangkuenstler seinen Funkscanner in den Aether haengt. Fuer mich sind diese beiden Platten unverzichtbar, zumal Rimbaud es versteht, mit wenig Invasion und Bearbeitung 'Musik' daraus zu machen. Sehr empfehlenswert fuer diejenigen, die schon alles gehoert haben.
Maurice inaktiv (24.09.2022, 10:20):


Benny Bailey: The Satchmo Legacy AD: 16./17.11.1999, Van Gelder-Studio Englewood Cliffs

Benny Bailey (Trompete, Voc.) - John Bunch (Klavier) - Bucky Pizzarrelli (Gitarre) - Jay Leonhart (Bass) - Grady Tate (Drums)

Benny Bailey gehörte nicht nur zu den besten Trompetern der Bop-Ära, sondern zu den besten Trompeten-STILISTEN des Jazz überhaupt. Als hervorragender Satzführer in Bigbands, aber auch ein anpassungsfähiger Combo-Musiker oder Session-Musiker war er immer ein gefragter Mann.

Hier erweist Bailey dem großen Louis Armstrong die Ehre. Selbst schon 74 Jahre alt, kann er über ein langes Musikerleben zurückgreifen. Gesundheitlich schon angeschlagen, bringt er das Kunststück fertig, alleine durch sein exzellentes Spiel die alten Stücke wie "Someday You'll be Sorry", "West End Blues" oder "After You've Gone" neu und doch stilgerecht zu interpretieren, ohne Armstrong zu kopieren.

Klar, sein Ton ist brüchiger als früher, das Vibrato stärker, aber seine Seele und sein Herz fühlen diese Musik des großen Satchmo geradezu vom Inneren heraus. Jedes Stück erfährt eine eigenständige Interpretation.

Seine Mitstreiter gehören zu den Großen des Jazz, gerade was die Begleitung eines Solisten angeht. Pianist John Bunch,78 Jahre jung, gehört zu den großen Meistern des Begleitpianos überhaupt.

Gitarrist Bucky Pizzarelli,73 Jahre, ist ein Meister der Akkord-und Rhythmus-Gitarre, sorgt für ein tragendes Fundament.

Bassist Jay Leonhart,59 Jahre, gehört zu den gefragtesten Studio-Bassisten überhaupt, ist immer zur Stelle, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.

Schlagzeuger Grady Tate, auch schon 67 Jahre alt, ist ein absoluter Topp-Mann an seinem Instrument, der mit so vielen großartigen Musikern gespielt hat, dass es sich fast wie eine Geschichte durch die Jazzstile hindurch lesen würde.

Bailey, Bunch, Tateund Pizzarelli sind inzwischen leider auch verstorben. Nur noch Bassist Jay Leonhart lebt mit inzwischen 82 Jahren noch. Seine letzte Einspielung stammt allerdings von 2007, also auch schon wieder 15 Jahre zurückliegend.
Maurice inaktiv (24.09.2022, 10:35):


Duke Ellington: Bigbands Live-Duke Ellington AD: 06.03.1967, Stuttgart, Liederhalle

1967 war das letzte Jahr, in dem die Ellington-Band noch eine Qualität hatte, dass man sie als nach wie vor eine der besten Bigbands der Welt bezeichnen konnte. Anschließend begann leider der Verfall dieser einst musikhistorisch so bedeutenden, wenn nicht DER wichtigsten Bigband überhaupt. Noch hatte der Duke einen Großteil der alten Recken bei sich (Cat Anderson, Cootie Williams, Lawrence Brown, der komplette Saxophonsatz, der seit der Rückkehr von Johnny Hodges Ende 1955 bis 1968 zusammenspielen sollte), Bassist John Lamb und Billy Strayhorn lebte da auch noch, wenn er auch bereits zu krank war, um die Tournee mitmachen zu können.

Hier präsentierte sich die Band von ihrer besten Seite. Auch das Programm bestand nicht nur aus den "alten Schinken" im Medley-Gewand, sondern aus einer Mischung aus alten, aber weniger gespielten Stücken ("Johnny Come Lately" etwa) und Stücken, die er die letzten Jahre geschrieben hatte (das wunderschöne "La Plus Belle Africaine" , "The Shepherd" oder "Mount Harrisa" - hier als Freakish Lights" bezeichnet - etwa).

Leider ist Drummer Sam Woodyard nicht mehr dabei. Er wurde zuerst von Louie Bellson, dann von Rufus Jones und kurzzeitig von Steve Little ersetzt. Hier spielt Rufus "Speedy" Jones, der damals als einer der besten jüngeren Bigband-Drummer galt. Jones spielte mit Lionel Hampton, Maynatd Ferguson, Woody Herman und Count Basie, war aber leider ungleich kraftvoller (oder besser gesagt, lauter) als der sensible Woodyard. Doch gerade in Stücken mit Latin-Sound oder der Far East-Suite konnte er glänzen.

Eine auch aufnahmetechnisch gelungene Live-CD, was damals gerade auch in Deutschland nicht immer selbstverständlich war.
Joe Dvorak (26.09.2022, 05:07):


Khold - Hundre Ar Gammal (2008)

Diese Combo kann man als 'verlaesslich' bezeichnen. Jedes Album klingt wie das andere und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand von irgendeinem zufaellig angespielten Lied den Titel nennen kann. Aber ein Album von ihnen kann man sich goennen, weil sie einfach saucoole Mucke machen. Tiefer gestimmter, aber unwiderstehlich groovender Mitteltempo-Rock'n'Roll mit fiesem Kraechzgesang in norwegischer Sprache. Das 2008 Album zeichnet sich durch eine besonders trockene und krispe Produktion aus und wird als gelegentlicher Ohrenputzer in die Spielliste aufgenommen.
Joe Dvorak (28.09.2022, 03:51):


Sarke - Allsighr (2021)

Sarke war als einmaliges Einmann-Seitenprojekt des Khold-Schlagzeugers geplant und klang wie seine Stammband gemischt mit Elementen des 70er Proto-Metal (namentlich Black Sabbath und Motorhead) und einer wohlverdaulichen Prise Gothic. Das Projekt wuchs schnell zur vollen Bandstaerke an und gebar bereits sieben Alben. Mit jedem Album (ausser dem mMn etwas abfallenden dritten) haben sie ihr Spektrum vorsichtig um neue Elemente erweitert, ohne ihren urspruenglichen Stil aus den Ohren zu verlieren. So hoert man von einem Album zum naechsten nur graduelle Unterscheide, aber wenn man das Debut (Vorunah, 2009) direkt mit diesem hier vergleicht, dann liegen da Welten dazwischen und doch erkennt man die Handschrift sofort. So etwas nenne ich konstante Evolution und ich hoffe, dass die Truppe ihre Uhrwerkskonstanz beibehaelt und mich nachestes Jahr mit Ausbringung Nr. 8 erfreut.
Maurice inaktiv (28.09.2022, 11:07):


Ernie Carson : Every Man A King AD: 1994

Ernie Carson (Kornett) - Tom Barlett (Posaune) - Kim Cusack (Klarinette) - Pete Clute (Klavier) - Debbie Schreyer (Banjo) - Mike Wallbridge (Tuba)
- Wayne Jones (Drums)

Hier geht es noch melodisch und harmonisch nachvollziehbar zu. Das mag weder innovativ noch modern sein, aber es ist eben anhörbar und musikalisch fein gespielt. Es swingt, es ist keine der üblichen "Standard-Recording Sessions" mit den üblichen Stücken, sondern keines der Stücke gehört zu den Standards. Ich kannte keines davon wirklich, was in der Tat selten vorkommt bei dem Repertoire.
Joe Dvorak (29.09.2022, 05:23):


Charles Lloyd - Fish out of Water (1989)
Charles Lloyd (Tenorsaxophon, Floete), Bobo Stenson (Klavier), Palle Danielsson (Kontrabass), Jon Christensen (Schlagzeug)

Da hoert man es mal wieder! Urteile aus dem Gedaechtnis sind Krampf. Im Zeitreisefaden habe ich dieses Album -bzw. pauschal die Alben, die Lloyd mit Stenson fuer ECM gemacht hat- als 'langatmig' bezeichnet. Offenbar erlebte ich das mal so, aber heute empfand ich bei den breit angelegten Entwicklungen keinerlei Spannungsverlust und konnte mich ganz auf das einlassen, was ich an Lloyd liebe: den warmen Klang des Instruments, die Phrasierungsweise, die Art der Tonbildung und den 'spirituellen' Ausdruck. Das erinnert mich sehr an einen fiktiven altersmilden Coltrane.
a-way (29.09.2022, 19:33):


Double or Nothing - Music for solo and duo bassoon

Libby Larsen - Jazz Variations for Solo Bassoon
William Davis - Elegy and Dance
Alex Shapiro - Deep
Roger Boutry - Prelude, Pastorale et Tarantelle
Michael Daugherty - Bounce
John Steinmetz - Four Signs, I. Mind the Gap II. Change, Go Inside III. Love One Another IV. All Places from Here

Cayla Bellamy, Bassoon + J. Benjamin Smith, Bassoon
Joe Dvorak (30.09.2022, 01:23):


Enforcer - From Beyond (2015)

Das ist schon frech, wie hemmungslos sich die Schweden bei den britischen Metal-Ikonen der fruehen 80er bedienen. Aber sie tun das mit einem bald lustvollen Enthusiasmus, der so ansteckend ist, dass ich meine Vorbehalte gegen eine dermassene Ruckwaertsgewandtheit vergesse. Obendrauf wird das bei aller ungestuemen Wildheit technisch auesserst versiert praesentiert. Originalitaet: 0 - Hoerfreude: ∞
Joe Dvorak (01.10.2022, 03:48):
Dass ich mich gerade wenig im Hauptforum aufhalte, ist der Tatsache geschuldet, dass ich die Biographie des Black Sabbath-Gitarristen Tony Iommi lese und daher eher rustikaleren Klaengen zugeneigt bin. Es ist des Metallers Allgemeinbildung, dass Iommi wegen eines Arbeitsunfalls zwei Fingerkuppen verlor, weswegen er seine Technik aendern musste, wodurch er den spezifischen Sound des Heavy Metal (mit-)begruendete, was ihm Ruhm und Reichtum brachte. Aber ich kannte nicht das Detail, dass das an seinem letzten Arbeitstag passierte. Er hatte seinen Hilfsarbeiter-Job gekuendigt, um sich als Profimusiker zu versuchen. Nach der Mittagspause des letzten Tages wolle er nicht mehr hingehen, aber seine glaeubige Mutter redete ihm ins Gewissen und forderte Anstand. Also ging er nochmal hin und es passierte. Die Wege sind manchmal verschlungen.

Hier laueft eine Platte, die es ohne Black Sabbath wohl nicht gegeben haette:



Thunderstorm - Witchunter Tales (2002)

Die Italiener kopieren nicht nur das Original, sondern auch die zahlreichen Bands, die das Orginal kopiert haben, aber wenigstens die Riffs noch notduerftig abwandelten. Nun tendieren Kopien dazu, mit jedem weiteren Kopiervorgang schlechter zu werden, aber das ist hier nicht der Fall. Sie sind klar auf einer Hoehe mit dem Original. Als Schlussnummer covern sie sogar einen alten Sabbath-Song. Der klingt genau wie das Original und wie der Rest der Platte. Und weil Sabbath hoechstselbst gegen Ende nur noch wie eine schlechte Kopie von sich selbst klagen, sehe ich das -Epigonentum hin oder her- als Bereicherung. Sehr gute klangtechnische Produktion - mit der genau richtigen Mischung aus Druck und Dreck, die diese Musik braucht.
Maurice inaktiv (01.10.2022, 10:33):
Dann werde ich mal das "Metal-Meeting" mit "Blech" unterbrechen....




Count Basie : Play the Music of Benny Carter AD: 06./07.09.1960, Los Angeles 01-10
"The Legend" AD: 30.10., 31.10. & 01.11.1961 11-19

Während man die CD mit der Musik Benny Carters einzeln seit Jahren erwerben konnte, gab es leider das zweite Album "The Legend" überhaupt nicht mehr zu kaufen. Auch hier zeichnet sich Benny Carter für die Musik aus. Ich hatte es allerdings auf einer LP mal gekauft und nie bereut. 2012 kam dann bereits diese CD mit beiden LPs zusammen raus, leider meist nicht gerade günstig. Daher bin ich froh gewesen, als man sie nun endlich zu einem vernünftigen Preis erwerben konnte. Die andere CD mit Benny Carter habe ich schon lange im Bestand.

Zwei Besonderheiten gibt es in der Besetzungsliste. Auf der CD mit der Musik von Benny Carter spielt dieser auch das Lead-Alto, Marshall Royal wirkt überhaupt nicht mit. Im zweiten Teil ("The Legend") wirkt dafür Freddie Green nicht mit. Für ihn, der wohl erkrankt war, sitzt der ausgebuffte Studio-Musiker Sam Herman an der Gitarre (u.a. mit Tommy Dorsey viele Jahre).

"The Legend" ist für mich eine echte Entdeckung wert. In "Easy Money" kommt der legendäre Lead-Trompeter zu Solo-Ehren, in "Who's Blue" Neuzugang Al Aarons. Besonders gut hat mir "Amoroso" gefallen, ein Stück im Latin-Sound, eine Seltenheit bei Basie. Frank Foster und Sonny Cohn sind die Solisten hier. Auch die kurze Zeit von Budd Johnson in der Band wird hier im Ton mit drei Soli festgehalten. Er ersetzte Billy Mitchell, der mit Al Grey die Band im Frühjahr verlassen hat, um eine gemeinsame, eigene Band zu gründen (mit Dave Burns an der Trompete).

Erschienen sind die beiden LPs damals auf Roulette, Produzent war der legendäre Teddy Reig. Zwei exzellente Bigband-Alben.
a-way (01.10.2022, 12:36):
Ich unterbreche auch.



Lindie Lila - aus Moondance: Moondance
a-way (07.10.2022, 09:59):


Biko - Peter Gabriel
Joe Dvorak (09.10.2022, 03:56):


Richie Kotzen / Greg Howe - Tilt (1995)

Die zweite Haelfte der 80er war die grosse Zeit der Rock-Gitarrenvirtuosen. Alle naselang tauchte ein neuer Name auf, der noch kompliziertere Lauefe noch schneller herunterschreddern konnte. Ich hoere das ab und an sehr gerne - das Problem ist, dass die wenigsten dieser Fingerflitzer auch gute Liedschreiber sind. Themen und Melodien sind wenig memorabel und erscheinen oft nur als notwendiges Uebel, um moeglichst schnell ein Solo loszulassen. Hier wird das auf die Spitze getrieben. Natuerlich koennen die was, doch es bleibt Griffbrettipsation ohne Sinn und Verstand. An diesem Album werde ich mich nie satthoeren, weil ich mich beim Wiederauflegen kaum an etwas erinnere und es deswegen wie neu hoere. Diese grobe Ueberreizung -und das auch noch, als der Boom laengst wieder vorbei war- ringt mir dann doch einen Hochdaumen ab. Zumal die beiden ausser dem Schlagzeug, das von diversen Sessionmusikern selbstredend sehr kompliziert bedient wird, alle Instrumente (neben ihren Aexten noch E-Baesse und diverse Tasteninstrumente) selbst spielen, freilich nur als notwendiges Uebel...
Joe Dvorak (09.10.2022, 16:24):


Chick Corea Elektric Band II - Paint the World (1993)
Eric Marienthal (Alt- & Sopransaxophon), Mike Miller (Gitarre), Chick Corea (E-Piano, Klavier, Synthesizer), Jimmy Earl (Bass), Gary Novak (Schlagzeug)

Exzellente Jazz-Rock-Fusion, die mir viel besser gefaellt als das, was Corea mit seiner ersten Elektric Band (ohne die "II") gemacht hat. Die hatte zwar die groesseren Namen, aber die Alben wirkten oft ueberproduziert und bisweilen kuehl-technokratisch. Bei der Neuauflage ist alles viel waermer und organischer, der Jazz-Anteil ueberwiegt, phasenweise ginge das sogar als Geradeaus-Jazzsession durch. Fuer Fusion-Allergiker ist das Album womoeglich eine Medizin und allein, aber nicht nur wegen des einfallsreichen, intensiven, blues- und soulgetraenkten Spiels von Marienthal sehr lohnend.
Joe Dvorak (10.10.2022, 03:08):


Green Carnation - Light of Day, Day of Darkness (2001)

Ein einziger Song mit einer Spieldauer von 60 Minuten, neben der Metal-Standardbesetzung (Gesang, 2 Gitarren, Bass, Schlagzeug) noch ein Keyboarder, der auch Sitar spielt und fuer Streicher- & Chor-Arrangements sorgt, ein weiterer Arrangeur fuer Streicher, ein Saxophon, vier Gastsaenger, darunter eine Frau, ein Kind & einer der Herren ist fuer "Screams" zustaendig. Das kann nicht gutgehen, sollte man meinen. Geht es aber. Der ganze Aufwand wirkt nie gewungen oder vordergruendig, die verschiedenen Elemente werden diskret integriert und schlagen sich in einer besondern Atmosphaere nieder, die diese weitgehend auf Black Sabbath Gedaechtnis-Riffs aufbauende Nummer zu einem Kunstwerk macht.
a-way (10.10.2022, 08:55):


Jump - Van Halen
Joe Dvorak (12.10.2022, 15:31):


Solitude Aeternus - Alone (2006)

Viel und gerne gehoert. Das ist auch fuer Metal-Verhaeltnisse richtig Heavy. Tonnenschwere Riffs mit der Wucht eines Ambosses, den man den Grand Canyon runterschmeisst.
a-way (18.10.2022, 07:13):



aus:

1
Jan Wilhelm Morthenson: Neutron Star (tape)
Ungvary, Tamas: Basic Barrier (tape)

2
Anders Blomqvist: Lopa varg; lyrics: Bengt Emil Johnson
Wennstrom, Anna - vocals + Instrumentalistinnen

Hideki Kozakura: Komponist-Bin ich!
Pettersson, Jorgen - saxophone; Kozakura, Hideki - electronics

3
Lars-Gunnar Bodin: Clouds (version for voice and electro-acoustic sounds)
Ekstrom, Anita; Olzon, Staffan (voices); Bodin, Lars-Gunnar - electronics

Lars-Gunnar Bodin: Epilogue: rapsodie de la seconde recolte
Bodin, Lars-Gunnar - electronics
Joe Dvorak (19.10.2022, 02:54):

Rush - Snakes and Arrows (2007)

Wenn ich meine Lieblingsbands mit einer Hand abzaehlen musste, waeren Rush dabei. Als die Liebste wuerde ich sie wahrscheinlich nicht waehlen, als die Beste ohne jeglichen Zweifel. 20 Studio- und 11 Live-Alben in 40 Jahren, mit Ausnahme des Debuts alle in derselben Besetzung eingespielt. Kurs- und Stilwechsel erfolgten nie abrupt, sondern neue Elemente wurden nach und nach ueber mehrere Alben hinweg integriert und aeltere nach und nach ausgemustert, so dass sich von Album zu Album ein konstanter Fluss zeigt, aber zwei Alben, die zehn Jahre auseinander liegen komplett unterschiedlich klingen. Die markante Stimme des Saengers und dessen ebenso charakteristisches E-Bass-Spiel, der hochindividuelle Stil und Sound des Gitarristen und das unverkennbare Schlagzeugspiel verschmelzen zu einem einzigartigen Gruppenklang, den man sofort erkennt, egal ob man ein Album aus der Hard Rock-Phase, der Progressive Rock-Phase, der Synth-Rock-Phase, der Art-Pop/Rock-Phase oder -wie eben- dem alles vereinenden Speatwerk hoert.
a-way (23.10.2022, 11:55):
Die hiesige Sonntagsbeschäftigung hat Nick Cave im Zentrum. The Complete Lyrics: 1978 - 2022
und hier:



Idiot Prayer
Nick Cave alone at Alexandra Palace

(Ach so, und ich habe mich von onewomanshow in away unbenannt und es wird vielleicht noch in a-way umbenannt, aber weiß ich nicht, und ist auch nicht so wichtig. Da ich zeitlich in Verzug hinter mir selbst bin, klappt es mit dem Bescheid geben erst jetzt.)
Joe Dvorak (25.10.2022, 02:15):


Rush - Permanent Waves (1980)
Joe Dvorak (25.10.2022, 09:16):


Nach etwas Querhoeren muss es jetzt doch systematisch sein. Ich habe zwar jedes Album der Kanadier schon mehrfach gehoert, aber noch nie Alle Zwanzige hintereinander (nur Studioalben - die zahlreichen Livealben spare ich aus). Um nicht jedes Cover zu posten, kommt das erste dutzend in Form von Miniaturen. Das koennte man fuer eine Box mit den ersten 12 Alben (1974-1987) halten, zumal die tatsaechlich allesamt mit (mindestens) Gold zertifiziert wurden, aber es ist lediglich eine Doppel-CD mit einer Auswahl. Die Alben von Nr. 13 - 19 (1989-2007) gibt es tatsaechlich als Box :



Und dann noch das Letztwerk (2012):



20 Coverbilder auf drei Streiche. Damit bin ich fuer eine Weile beschaeftigt. :hello
Joe Dvorak (04.11.2022, 03:53):


Kairos Sextett - Transition (2017)
Sam Neufeld (Trompete), Sean Johnson (Tenorsaxophon), Tom Kelley (Alt- & Sopransaxophon), Nick Lamb (Klavier), Jon Dadurka (Kontrabass, E-Bass), Johnathan Hulett (Schlagzeug)

Was sich im Jazz aktuell abspielt, bekomme ich schon lange nicht mehr mit, eigentlich weiss ich ueber das gesamte aktuelle Jahrtausend so gut wie gar nichts. Nicht dass es mich nicht interessieren wuerde, aber es wird soviel auf den Markt geschmissen und es gibt so viel Altland zu pflegen und so viele Luecken zu schliessen, vom Interesse an anderen Genres mal abgesehen (in meinem zweiten Seitpferd Metal sind bis heute 1792 Neuerscheinungen in diesem Jahr gelistet - fast 6 pro Tag).
Bei einem solch gewaltigen Zufallsfund, wie dem eben verklungenen Album, bekomme ich eine Ahnung, was da alles noch gehoben werden koennte. Das bewegt sich ganz geradeaus auf der Traditionslinie und klingt doch neu, aufregend und modern - mit spielerisch dargebotener Polyrhythmik und innovativ eingesetzer Dreiblaeserfrontlinie. Allerfeinst! Die richtig gute Musik -auch neue- geht nie aus, man muss sie nur finden...
Joe Dvorak (04.11.2022, 08:41):
in meinem zweiten Seitpferd Metal sind bis heute 1792 Neuerscheinungen in diesem Jahr gelistet
Eine der handvoll, die gehoert habe, stroemt jetzt durch den Aether:



Onward - Of Epoch and Inferno (2022)

Man ist geneigt, vom Cover (1.000 mal gesehen) auf den Inhalt zu schliessen, aber die ueberschwaengliche Rezension auf einer eigentlich vertrauenswuerdigen Seite hat mich angefixt. Doch das Vorurteil war ein richtiges. Wahrlich nicht schlecht, aber 1.000 mal gehoert.
Joe Dvorak (07.11.2022, 00:58):


Judas Priest - Nostradamus (2008)

Senile Bettflucht ist eine feine Sache. Sie verschafft Extrastunden fuer Hoererfahrungen, die mich seither durch den Zeitbedarf abgeschreckt haben.

Mehr als 100 Minuten... Ich war schon zu LP-Zeiten der Meinung, dass Doppel-LPs (ausser Konzertmitschnitte) verboten gehoeren. Wieviele gibt es, die man nicht durch Straffung auf 40 Minuten haette drastisch verbessern koennen. Eine, zwei...? Mit der Verdoppelung der Laufzeit nach Einfuehrung der CD und dem 'Zwang', den Platz nutzen zu muessen, ist die ehemalige Doppel-LP zum Standard geworden, was zu einem generellen Qualitaetsabfall durch Verduennung gefuehrt hat. Ich kriege immer die Kraetze, wenn Fans und Kritiker rumplaerren, dass die neue CD von XY zu kurz geraten sei, dass man zuwenig fuer sein Geld bekomme. Was fuer ein Kohl. Da koennte ich ebensogut von meinem Whiskyhaendler verlangen, er moege doch bitte den Stoff in eine Literflasche umfuellen und mit Wasser auffuellen, weil mir 0,7 Liter fuer den entrichteten Obolus zu wenig sind. Aber das war erst der Beginn des Alptraums - bald gab es die ersten Doppel-CDs und dann auch noch beide bis zum Rand gefuellt. Was glauben die Kuenstler eigentlich, wer sie sind, dass ich ihnen so mir nichts, dir nichts mal eben mehr als zweieinhalb Stunden spendiere?

Vor einiger Zeit haben auch die Hohepriester des Schwermetalls ihr Urteil gesprochen. Immerhin liessen sie Gnade walten und verhaengten 'nur' 102 Minuten. Die extrem kontroversen Kritken versprachen, dass das zumindest (hoch-)interessant sein muss und kurzes Probehoeren bestaerkte mich in der Entscheidung, die zeitliche Investition vorzunehmen.
Und die Rendite ist sehr hoch! Das ist ein ganz seltener (ich grueble noch, ob der einzige) Ausnahmefall fuer ein ueberzeugend gelungenes symphonisches Metal-Konzeptwerk. Ich bin baff und geselle mich zu der Minderheit, die hierfuer die virtuelle Hoechstnote zueckt.
Joe Dvorak (07.11.2022, 23:27):


OM - Willisau (Live @ Jazzfestival Willisau, Schweiz, 27. Aug. 2008)
Urs Leimgruber (Sopran- & Tenorsaxophon), Christy Doran (Gitarre), Bobby Burri (Kontrabass, 'Geraete), Freddy Studer (Schlagzeug, Perkussion)

Noch so ein Album, fuer das man sich im normalen Alltag kaum die Zeit nimmt. Die legendare schweizer Jazz-Supergroup ueberraschte bei ihrem Comeback mit einer konzertfuellenden freien Kollektivimprovisation. Es liegt in der Natur der Sache, dass das stets unvorsehbar und ueber weite Stecken sehr experimentell & neutoenerisch klingt - aber es rastet auch ab und an fast rockig geradeaus ein. Durchaus lohnend.
Sfantu (13.11.2022, 23:23):
https://youtu.be/Rg9SWegPGG0

Ana Lugosani (sprich: Ana Lugoschan) ist ein beliebtes rumänisches Volkslied. Es geht um die schöne Anna aus Lugoj (sprich Lugosch).
Joe Dvorak (14.11.2022, 03:27):
https://youtu(dot)be/Rg9SWegPGG0

Ana Lugosani (sprich: Ana Lugoschan) ist ein beliebtes rumänisches Volkslied. Es geht um die schöne Anna aus Lugoj (sprich Lugosch).
Ich sehe leider nur weiss. Wenn ich zitiere, dann zeigt sich warum. YT bleibt hinter der Great Firewall ausgesperrt (womit ich ganz gut leben kann).
Aber nicht deswegen lasse ich das Zitat stehen, sondern weil ich gestern ebenfalls von rumänischer Volksmusik beeinflusste Klaenge gehoert habe - allerdings in sehr roher und schwarzer Form:



Negură Bunget - 'n crugu bradului (2002)

Negură Bunget begannen als reine Schwarzmetall-Truppe und bauten nach und nach transsilvanisch-traditonelle Melodien und Instrumente sowie ambientartige Passagen in ihre Musik ein. Auf diesem, ihren dritten Album wirkt das bisweilen noch unausgereift und hier und da gar dilletantisch, aber die umklammernde Atmosphaere ist einmalig und laesst viele Rezensenten unbeholfen zu Attributen wie magisch, mystisch oder spirituell greifen. Ich bekomme immer Lust, die Region mal zu besuchen. Spaetere Alben, allen voran Vîrstele pămîntului (2010) sind handwerklich klar besser und hinsichtlich der drei Grundelemente ausgewogener, aber koennen die hier erfahrbare atmosphaerische Dichte nicht mehr ganz erreichen.
Joe Dvorak (16.11.2022, 02:07):


Alphonse Mouzon - Back to Jazz (1986)
Doug Norwine (Altsaxophon), Jeff Daniel (Klavier, Synthesizer), Welton Gite (E-Bass), Alphonse Mouzon (Schlagzeug, Perkussion, Synthesizer, Gesang)

Der Titel ist etwas irrefuehrend, weil hier doch eine ordentliche Prise Funk, Soul & Easy Listening drin steckt. Die Ueberraschung ist Norwine, dessen feuriges, soulgetraenktes Spiel zu dieser Musik wie der Finger ins Nasenloch passt. Naja, andererseits wird die Musik -unter anderem- erst durch sein Spiel zu dem, was sie ist... ?(
a-way (20.11.2022, 10:23):


The Tiger who Came to Tea
Based on the book by Judith Kerr / Original Film Soundtrack (score by David Arnold)
Featuring Hey Tiger! performed by Robbie Williams ❤️ ("today won't come around again")
Joe Dvorak (21.11.2022, 17:13):


Danzig - Danzig (1988)

Elvis und Jim Morrisson sind aus der Gruft gestiegen, sie hoerten und erkannten, dass es nach dem Rock 'n' Roll und dem Blues den Punk und den Metal gab, sahen dass es gut war, fuhren gemeinsam in Glenn Danzig und sprachen: For I will be inside your speech / Say the words you must not say
Sfantu (28.11.2022, 21:05):


Bugge Wesseltoft

be am

Bugge Wesseltoft, Klavier, Fender Rhodes, Kalimba, Soundeffekte
Håkon Kornstad, Tenorsax auf emerging and roads

(LP, Jazzland, 2022)

Heute bei mir eingetroffen: das aufs Minimum reduzierte Album zum Runter-und Ankommen - vorausgesetzt, man ist für die tiefenentspannte ECM-Ästhetik empfänglich. Es mag unkonventionellere Platten von Wesselthoft geben. Wem aber das aufrüttelnde Experiment um jeden Preis nicht das Maß aller Dinge ist, Ruhe und Klarheit dagegen eine Seins-und Inspirationsquelle bedeutet, für den wird diese Musik lohnend sein. Håkon Kornstad steuert in einem der zwölf Titel seine fragilen Tenorsaxophon-Einwürfe bei, ansonsten ist alles auf Wesselthofts meditative Innenschau fokussiert. Das wirkt wie ein Balsam mit ätherischen Essenzen.
Das vorletzte Stück, "deeper" besteht ausschließlich aus sanften Akkorden in den unterschiedlichsten harmonischen Abschattierungen. Für meine Beerdigung würde ich mir die Abwesenheit von Musik wünschen. Zum Verlassen dieser Welt jedoch "deeper". Diesem sachten Versinken fehlt jede Schwere, Beklemmung oder Schrecken. Es heißt willkommen und umarmt.
Die schönsten 180 Gramm, die ich (mir) dieses Jahr zugelegt habe.
Joe Dvorak (29.11.2022, 05:23):


Queen - Sheer Heart Attack (1974)

Lang ist es her, dass die bei mir im Regal stand. Ob es 180 Gramm waren, weiss ich nicht. Ich weiss, dass das Zurueckkommen auf die alten Haudegen fuer mich mehr als Nostalgie ist. Es ist die faszinierende Erfahrung, das mit all der musikalischen Lebenserfahrung im Gepaeck heute voellig anders zu wahrzunehmen, einzuordnen und zu beurteilen. Seinerzeit wurde beim dritten Album der Koenigin ob der 'kommerziellen' Anwandlungen die eine oder andere Augenbraue hochgezogen. Heute bewundere ich die Combo dafuer, dass sie vielfaeltiger wurden, anspruchsvoll und experimentierfreudig blieben und es geschafft haben, durch kompaktere Arrangements und nachvollziehbare Songstrukturen ein breiteres Publikum abzuholen. Avantgarde kann jeder, aber was hilft es, wenn es keiner hoeren will? Die artistische Vision mit dem gerade notwendigen Minimum an Verbiegung, die es braucht, um ein Publikum zu gewinnen, umzusetzen, ist fuer mich grosses Kunsthandwerk. Deshalb werde ich hellhoerig, wenn Puristen erstmalig sellout plaerren. Meist erfolgen 'Verrat an den alten, "wahren" Fans' und 'Ausverkauf an die Massen' spaeter tatsaechlich (so auch im Falle Queen), aber die "Uebergangs"-Alben sind oftmals etwas ganz Besonderes.
Joe Dvorak (30.11.2022, 04:17):


Rise and Fall - Our Circle is Vicious (2009)

Hardcore Punk steht bei mir selten auf dem Hoerzettel, weil mir das genretypische monotone Gebruell der Frontschreihaelse schnell zu viel wird. Die Belgier sind eine Ausnahme, weil sie in der zweiten Haelfte auch mal das Tempo rausnehmen und sich sogar experimentelle Klangspielereien erlauben - dafuer bin ich immer zu haben. Aber wenn sie Tempo machen, dann knueppeln sie die Riffs mit unnachgiebiger Haerte und ueberdruckvoller Energie heraus. Die Intensitaet ist kaum auszuhalten und die Texte sind so schmerzhaft wie die Musik. Nichts fuer alle Tage, aber wenn es mal passt, dann mit grossem Reinigungseffekt.
Joe Dvorak (30.11.2022, 07:13):


Born From Pain - In Love with the End (2005)

Ich bleibe beim Genre und in der Region. Laut PR-Text spielen die Hollaender die verheerendste und brutalste Form von schwerem Hardcore, die dem Menschen bekannt ist. Das ist schon etwas dick aufgetragen. Aber die Wildheit eines tollwütigen Hundes, die Präzision einer erfahrenen Metal-Band und die Gesamtdarbietung eines Bulldozers kann ich bestaetigen. Fuer dieses Album wurde darueber hinaus eine extrem trockene, fast sterile Klangproduktion gewaehlt, was der Musik einen maschinellen Charakter verleiht. Das passen die Vergleiche mit schwerem Geraet - ein Abbruchhammer wuerde mir noch einfallen. Anders als die meisten Kollegen vom Fach lockern die aus Schmerz Geborenen ihr Zerstoerungsritual durch melodische Gitarren-Leads auf und so traegt mich das auch ueber die gesamten 35 Minuten ohne Ermuedung.
a-way (04.12.2022, 12:38):


Amy Macdonald - Woman of the World / the best of 2007 - 2018
Joe Dvorak (05.12.2022, 02:36):
Eine weitere Veteranen-Truppe (seit Ewigkeiten nur noch ein Duo) hat 20 Alben vollgemacht.


Darkthrone - Astral Fortress (2022)
Maurice inaktiv (30.12.2022, 13:22):


Stan Kenton: Stan Kenton at the Rendezvous, Vol.1 10.-12.01.1958, 17./18.01.1958 & 07.-09.03.1958 , Live Balboa Beach, California

Der erste Teil aus Balboa Beach habe ich für einen Euro auf dem Flohmarkt gekauft.

Sam Noto, Jules Chaikin, Lee Katzman, Bill Castagnino, Phil Gilbert - Trompeten
Kent Larsen, Archie LeCoque, Don Reed, Jim Amlotte - Posaunen
Kenny Shroyer - Bass-Posaune
Lennie Niehaus (Altsax) - Bill Robinson (Alt+Baritonsax) - Bill Perkins, Wayne Dunstan (Tenorsax) - Steve Perlow (Baritonsax)
Stan Kenton (Klavier) - Red Kelly (Bass) - Jerry McKenzie (Drums)

Gesang: Jan Tober (Out of this World), zum Glück nur einmal zu hören. Die Sängerin kann man getrost vergessen.
Ann Richards (I hear Music, Glad to be Here), ist schon um Einiges besser, aber auch auf sie kann man getrost vergessen.
Kent Larsen (1932-1979) (You're Blase), eigentlich einer der wichtigsten Posaunen-Solisten der Band ab ca. 1957, durfte hier auch mal singen.

Ich sage nur so viel: Die Bigband ist sehr gut besetzt, die Solisten werden leider nicht erwähnt, was eigentlich bei der Serie sonst immer gemacht wurde. Man kann aber davon ausgehen, dass alle Alt-Soli von Lennie Niehaus gespielt wurden, Bill Perkins der Hauptsolist am Tenorsax war und bei den Posaunen waren Lead-Posaunist Archie LeCoque und Kent Larsen die Hauptsolisten. Bei den Trompeten waren Sam Noto (der auch Lead-Trompete spielte) und Lee Katzman die Hauptsolisten. Möglich ist auch, dass Jules Chaikin mal ein Solo gespielt hat. Bill Castagnino dürfte vor allem für die High Notes zuständig gewesen sein, er tat das zuvor bereits bei Woody Hermans Bigband.

Mir fehlte bei den Kenton-Bigbands nach 1956 immer mehr das Persönliche. Grundsätzlich waren mir seine Bigbands zu massiv, zu blechlastig, und das sage ich als Trompeter. Bei Kenton musste es immer "big" sein. Es gibt eine schöne Aussage, leider fällt mir gerade nicht ein, wer das so gesagt hat, aber die lautete in etwa so: Bei Kenton kam der gigantische Sound, und jeder sagte, ja SO muss es klingen. Bei Duke Ellington spielten drei Trompeten einen Sound, und alle fragten sich, WIE der Duke das geschafft hat, einen solchen Sound zu erreichen.

Mal schauen, ob noch einer das Ende 2022 hinauszögert und hier was postet.