Was höre ich gerade - neben der Klassik 2023-2026

a-way (14.01.2023, 10:56):


Johnette Napolitano - Scarred
- und weiteres Umhören bei ihr:



Sketchbook 3, Naked, Johnette Napolitano and Holly Vincent Vowel Movement, Exquisite Corpses

auch mit dem Gitarristen James Mankey, u. a. als Leadsängerin, Bassistin und Songwriterin im "Concrete Blonde" Rahmen:



Concrete Blonde - bloodletting
Joe Dvorak (16.01.2023, 11:31):
Der 2020 im Alter von 81 Jahren verstorbene McCoy Tyner wird oft vergessen, wenn es um die Frage nach den allergroessten Jazzpiansten geht. Bekannt wurde er von 1960-65 durch sein Spiel im John Coltrane Quartet (mit Jimmy Garrison & Elvin Jones), das zusammen mit Louis Armstrongs Hot Five & Seven, dem Charlie Parker Quintet und den beiden Quintetten von Miles Davis die Gruppe der wichtigsten und einflussreichsten Combos des Jazz bildet. Nach seinem Ausstieg bei Coltrane nahm Tyner als Bandleader bis in die Achziger hinein eine Reihe von Alben auf, die dem Post-Bop zuzuordnen sind und teils mit Fusion-Elementen -unter dem weitgehenden Verzicht auf elektrische Instrumente- angereichert werden. Diese Platten -soweit mir bekannt- gehoeren zum Aufregensten, das mir der Jazz zu bieten hat. Tyner glaenzt hier nicht nur als ungemein kraftvoller Pianist, sondern auch als innovativer Arrangeur. Er experimentierte mit erweiterten Besetzungen, setzte Solisten an weniger gebraeuchlichen Instrumenten wie Oboe oder Violine ein, gab Floeten und Perkussionsinstrumenten prominente Rollen, arbeitete mit Vokal- und Streicherarrangements und Albentitel wie Sahara, Atlantis oder Horizion deuten an, dass hier Horizonte erweitert werden sollten. Die Musik kombiniert oft groesste Energie und Expressivitaet mit einer innewohnenden 'meditativen' Komponente. Einige Alben befanden sich mal in meinem Besitz oder lagen bei Freunden herum und wurden seinerzeit abgefeiert, aber irgendwie und irgendwann geriet Tyner in Randbezirke meines Gedaechtnisses. Aus denen wird er jetzt geholt, nachdem ich unlaengst mal wieder reingehoert habe und schnell klar war, dass alle Alben aus dieser Phase gehoert werden muessen. Den Anfang macht eine Platte, auf der er noch ganz traditionell mit einem Quartett unterwegs war:



McCoy Tyner - The Real McCoy (1967)
Joe Henderson (Tenorsaxophon), McCoy Tyner (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Elvin Jones (Schlagzeug)
Joe Dvorak (17.01.2023, 11:51):


McCoy Tyner - Tender Moments (1967)
Lee Morgan (Trompete), Julian Priester (Posaune), Bob Northern (Horn), Howard Johnson (Tuba), James Spaulding (Altsaxophon, Floete), Bennie Maupin (Tenorsaxophon), McCoy Tyner (Klavier), Herbie Lewis (Kontrabass), Joe Chambers (Schlagzeug)
Joe Dvorak (17.01.2023, 15:15):


McCoy Tyner - Time for Tyner (1968)
Bobby Hutcherson (Vibraphon), McCoy Tyner (Klavier), Herbie Lewis (Kontrabass), Freddie Waits (Schlagzeug)
a-way (17.01.2023, 20:04):


Leslie West - 4. Alligator & 6. All of me
Joe Dvorak (20.01.2023, 04:40):

McCoy Tyner - Expansions (1968)
Woody Shaw (Trompete), Gary Bartz (Altsaxophon, Floete), Wayne Shorter (Tenorsaxophon, Klarinette), McCoy Tyner (Klavier), Ron Carter (Violoncello), Herbie Lewis (Kontrabass), Freddie Waits (Schlagzeug)


McCoy Tyner - Cosmos (1968/69)
Session #1: Harold Vick (Sopransaxophon), Al Gibbons (Alt- & Tenorsaxophon, Bassklarinette, Floete), Julian Barber (Violine), Emanuel Green (Violine), Gene Orloff (Viola), Kermit Moore (Violoncello), McCoy Tyner (Klavier), Herbie Lewis (Kontrabass), Freddie Waits (Schlagzeug)
Session #2: Hubert Laws (Floete, Altfloete), Andrew White (Oboe), Gary Bartz (Alt- & Sopransaxophon), McCoy Tyner (Klavier), Herbie Lewis (Kontrabass), Freddie Waits (Schlagzeug, Pauke, Chimes)
a-way (21.01.2023, 13:46):


Jessie Reyez - Being Human in Public
Joe Dvorak (28.01.2023, 03:30):
Die Urlaubswoche neigt sich dem Ende zu. Danach nehme ich mir wieder mehr Zeit fuers Musikhoeren.

Heute morgen die Fortsetzung mit Mr. Tyner. Hier trifft er auf Alice Coltane, die nach seinem Ausscheiden den Klavierstuhl im John Coltrane Quartet uebernommen hat. Bei dieser Session ist sie an der Harfe zu hoeren.



McCoy Tyner - Extensions (1970)
Wayne Shorter (Sopran- & Tenorsaxophon), Gary Bartz (Altsaxophon), Alice Coltrane (Harfe), McCoy Tyner (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Elvin Jones (Schlagzeug)

Was fuer eine Besetzung! Shorter und Carter spielten im zweiten Miles Davis Quintet, Jones mit Tyner im John Coltrane Quartet.
a-way (30.01.2023, 03:00):

___________________



aus Eric Clapton und Steve Winwood, Live from Madison Garden:
Had to cry today
Sleeping in the ground
Little Wing

New Model Army - Winter
Maurice inaktiv (30.01.2023, 17:52):


01-07 : 1978 , Chicago

Spanky Davis (Trumpet, 1-4,6) - Bob Schulz (Trumpet, 1-3) - Jim Beebe (Trombone) - Charles Hooks (Clarinet) - Steve Behr (Piano) - Jack Kuncl (Banjo) - Duke Groner (Bass) - Barrett Deems (Drums)

8-13 : 27.12.1979, Schaumburg

Tommy Bridges (Cornet) - Bobby Lewis (Trumpet) - Jim Beebe (Trombone) - Eric Schneider (Clarinet, Soprano, Alto and Tenorsax) - Steve Behr (Piano) - Duke Groner (Bass) - Barrett Deems (Drums)

Die bekanntesten Musiker hier sind schnell erwähnt: Spanky Davis (1943-2014) ist leider auch schon viele Jahr tot. 1979 bekam er die Band des "Jimmy Ryan's Club" von Roy Eldridge übertragen, den er zuvor bereits öfter vertreten hatte. Auch als der Club 1983 leider dicht gemacht wurde, tourte er mit der Band durchs Land (bis Ende der 1990-er Jahre; mit u.a. dem letzten Klarinettisten der Armstrong All Stars, Joe Muranyi). Er spielte mit Benny Goodman, Sam Jones, Machito, Charlie Palmieri, Bob Haggart, Buddy Tate, Buck Clayton (1986-1993), Panama Francis' Savoy Sultans (1984-1991), Frank Sinatra (1991-1993), Vince Giordano, u.a.

Der zweite Musiker ist Barrett Deems (1914-1998). Der Drummer spielte von 1954-1958 bei den Armstrong All Stars und war auf einigen der wichtigsten Platten der Band zu hören ("Satch Plays Fats", "Armstrong played W.C.Handy", aber auch in dem Film "High Society"). 1960-1964 spielte er bei Jack Teagarden, dann u.a. bei den Dukes of Dixieland, Wild Bill Davison, 1976 mit Benny Goodman auf Osteuropa-Tournee, leitete viele Jahre eine eigene Bigband, und spielte in diversen All Star-Bands.

Deems, der bei Armstrong einen eher lauten, monotonen Stil spielte (wohl mehr musste, wie man dem Buch von Ricky Riccardi lesen kann), spielte außerhalb Armstrongs eine schönes, abwechslungsreiches Schlagzeug, was man auch hier hören kann.

Jim Beebe findet man nicht auf Wikipedia, auch das gibts. Geboren am 24.05.1931 in Omaha/Nebraska, zog aber recht bald mit seiner Familie nach Sparta/Wisconsin um. In der Schule versuchte er sich zunächst am Schlagzeug, wechselte aber bald zur Posaune über. Sogar am Kornett hat er sich noch mal probiert, aber sollte die Posaune blieben.

Ursprünglich war er auf klassische Musik fixiert, ehe eine Aufnahme von Columbia mit Kid Ory und Barney Bigard, aber auch ein Onkel, der für die ABC arbeitete, und der ihn mit Musikern wie Miff Mole, Floyd O'Brian, Al Jenkins und George Brunies durch Aufnahmen, aber auch Club-Besuchen bekannt machte, waren wichtig gewesen für ihn.

Durch die Band das unbekannt gebliebenen New Orleans-Klarinettisten Pete Galiano lernte er das Dixieland-repertoire kennen. In der Band spielte auch ein Altsaxophonist, den man einige Jahre später vor allem als Arrangeur im modernen Jazz wieder treffen sollte, spielte in dieser Band - Oliver Nelson.

Weitere Stationen waren dann Bob Scobey, Art Hodes,The Dukes of Dixieland, Wild Bill Davison und natürlich auch seine eigenen Bands.
Joe Dvorak (31.01.2023, 02:15):
Heute morgen die Fortsetzung mit Mr. Tyner. Hier trifft er auf Alice Coltane, die nach seinem Ausscheiden den Klavierstuhl im John Coltrane Quartet uebernommen hat.
Der Ordnung halber muss das praezisiert werden. Bevor Alice Coltrane dazustiess, war die Gruppe um John Coltrane vom Quartett zum Sextett angewachsen -auf dem gewaltigen Album Meditations, dem letzten mit Tyner- und machte dann mit Alice als Quintett weiter.

Jetzt das letzte der 7 Alben, die Tyner als Leiter fuer das Blue Note Label eingespielt hat.



McCoy Tyner - Asante (1970)
Andrew White (Altsaxophon), McCoy Tyner (Klavier, Floete), Ted Dunbar (Gitarre), Buster Williams (Kontrabass), Billy Hart (Schlagzeug, Afrikanische Perkussion), Mtume (Congas), Songai Sandra Smith (Stimme)

Mit diesem Album ist Tyners Personalstil als Komponist und Arrangeur mit der Hervorhebung afrikanischen Wurzeln des Jazz und der generellen Oeffnung gegenueber 'globalen' Einfluessen weitgehend ausgepraegt. Das Label lagerte die Baender erst mal ein. Nachdem Tyner die Plattenfirma gewechselt und mit diesem Stil Verkaufserfolge erzielt hatte (und man die Dollarzeichen erkannte?), wurde das Album schliesslich im Jahr 1974 veroeffentlicht.
michael74 (31.01.2023, 18:49):
Hallo zusammen

nach längerer Pause mal wieder hier. Bei mir läuft gerade
a-way (31.01.2023, 21:02):
Und bei mir:



Justin Sullivan - Surrounded

Soloalbum vom Leadsänger und Gitarristen von New Model Army.
Joe Dvorak (01.02.2023, 04:31):
Hallo zusammen

nach längerer Pause mal wieder hier. Bei mir läuft gerade
Willkommen zurueck! :hello

Hier laeuft das erste Album, das McCoy Tyner fuer das Milestone-Label gemacht hat. Was fuer ein fulminanter Einstieg!



McCoy Tyner - Sahara (1972)
Sonny Fortune (Alt- & Sopransaxophon, Floete), McCoy Tyner (Klavier, Koto, Floete, Perkussion), Calvin Hill (Kontrabass, Rohrblattinstrumente, Perkussion), Alphonse Mouzon (Schlagzeug, Trompete, Rohrblattinstrumente, Perkussion)
michael74 (02.02.2023, 21:32):
Hallo es läuft gerade
Joe Dvorak (03.02.2023, 02:07):
Uriah Heep - Chaos & Colour
Wow! Noch so ne Combo, die sich weigert, in Rente zu gehen und stattdessen ein richtig gutes Album raushaut. Das rockt wie die Sau. Gruendungsmitglied Mick Box ist Jahrgang 1947... In den letzten Jahren haben einige hart rockende Uropas nochmal richtig hingelangt: Blue Oyster Cult, Wishbone Ash, Whitesnake - da reihen sich die Heepster qualitativ locker ein. Das Album laueft bei mir sicher noch oefter.
Maurice inaktiv (03.02.2023, 10:13):


Jack Teagarden : Chicago & All That Jazz & The Dixie Sound of Jack Teagarden

Tracks 01-09 : AD: 30./31.10.1961, New York

Jimmy McPartland (Kornett) - Jack Teagarden (Posaune, Gesang) - Pee Wee Russell (Klarinette) - Bud Freeman (Tenorsax) - Joe Sullivan (Klavier) - Eddie Condon (Gitarre) - Bob Haggart (Bass) - Gene Krupa (Drums)

Tracks 10-21 : 29.01-05.02.1961, New York

Don Goldie (Trompete) - Jack Teagarden (Posaune, Gesang) - Henry Cuesta (Klarinette) - Don Ewell (Klavier) - Stan Puls (Bass) - Barrett Deems (Drums)

Jack Teagarden gilt zurecht als einer der besten und größten Posaunisten des Jazz duch all die Stile hindurch.Seine Anerkennung erhält er auch von jüngeren Musikern, was schon alleine für ihn spricht.

Er war immer darauf bedacht sein Bestes zu geben, auch in seinen letzten Lebensjahren, als seine Gesundheit schon sehr beeinträchtigt war.

Hier sind gleich zwei LPs vereint. Einmal "Chicago and All That Jazz" vom 30./31.Oktober 1961 und "The Dixie Sound of Jack Teagarden",vom 29.Jan.-05.Februar 1961,beides Studioaufnahmen.

Die erste Session ist eine Wiedervereinigung der legendären Chicago-Szene der späten 20-er Jahre,mit Jimmy McPartland (Cornet),Teagarden (Posaune,Voc.),Pee Wee Russell (Klarinette),Bud Freeman (Tenorsax) Joe Sullivan (Klavier),Eddie Condon Gitarre),Bassist Bob Haggart (er war kein Original-Chicagoer) und Drummer-Legende Gene Krupa.

Der zweite Teil ist dann Teagardens "Working Band" um Don Goldie und dem Ex-Armstrong All Stars-Drummer Barrett Deems. Der Unterschied ist vielleicht nicht für jeden zu erhören, aber Don Goldie spielt eine doch etwas "übertechnisierte" Dixieland-Trompete, so wie sie auch Al Hirt spielt, wenn auch nicht unbedingt ganz auf dessen Niveau. Henry Cuesta spielt leider auch nicht auf dem Level, wie es z.B. ein Peanuts Hucko, Sol Yageed oder Edmond Hall tat. Stan Puls ist ein zuverlässiger Bassist, Pianist Don Ewell spielt dagegen erwartet stark. Er lebte in dieser Musik, gehörte zu den besten Stride-Pianisten und hatte zuvor bereits u.a. mit Kid Ory gespielt. Barrett Deems, der von 1954-1958 Nachfolger von Cozy Cole bei den Armstrong All Stars war, war meiner Meinung nach nach den All Stars ein verwandelter Drummer gewesen. Monoton bei Armstrong (der, so Deems, es genau so haben wollte), danach aber viel erfrischender und abwechslungsreicher gewesen. Bereits bei Muggsy Spanier spielte er weitaus besser als er es je mit Armstrong tat. Eigenartig, aber wahr.
Maurice inaktiv (03.02.2023, 10:49):


Buck Clayton : The Essential Buck Clayton : AD: 1953, 1954 & 1957

Hier wurde eine Auswahl aus drei verschiedenen LPs zusammengestellt. Wobei es sein kann, dass zumindest für das Datum am 14.03.1957 die komplette LP hier Einzug gehalten haben könnte. Ich weiß es nicht auswendig.

Leider sind die Angaben auf dem Booklet nicht richtig, daher hier die Korrekturen meinerseits. Ich kann mich dabei auf die Buck Clayton-Diskographie von Bob Weir aus dem Jahre 1989 berufen:

Tracks 1 & 10 : AD: 30.12.1953

Buck Clayton (Trompete) - Henderson Chambers (Posaune) - Edmond Hall (Klarinette) - Mel Powell (Klavier) - Steve Jordan (Gitarre) - Walter Page (Pass) - Jimmy Crawford (Drums)

Tracks 2,4,6,7,9,11,12 & 14 : 14.03.1957

Buck Clayton (Trompete) - Vic Dickenson (Posaune) - Earle Warren (Altsax) - Hank Jones (Klavier) - Kenny Burrell (Gitarre) - Aaron Bell (Bass) - Jo Jones (Drums)

Tracks 3,5,8 & 13 : AD: 01.07.1954

Buck Clayton (Trompete) - Ruby Braff (Kornett) - Benny Moton (Posaune) - Buddy Tate (Tenorsax) - Jimmy Jones (Klavier) - Steve Jordan (Gitarre) - Aaron Bell (Bass) - Bobby Donaldson (Drums)

Buck Clayton war dafür bekannt, immer wieder hervorragende Platten-Bands zusammenzustellen, die dann auch sehr homogen zu spielen verstanden. Da Clayton auch ein hervorragender Arrangeur war, hat er in der Regel für diese Bands auch zumindest die Riffs geschrieben.

Cayton, der 1937-1943 einer der Stars der Basie-Band war, ist vor allem heute noch durch diese ganzen Studio-Aufnahmen in Erinnerung geblieben. Von 1959-1961 ging er dann mit einer ziemlich festen Formation auf Tournee, war dabei auch in Europa 1959 und 1961 zu hören. In der Regel mit Emmett Berry noch an der Trompete (der ebenfalls 1945-1949 bei Basie spielte), Buddy Tate, Earl Warren, Sir Charles Thompson, Gene Ramey und Oliver Jackson oder Herbie Lovelle am Schlagzeug. Als Sänger hatte er oft Jimmy Rushing, den Ex-Basie-Sänger mit dabei.

1968 fing bei ihm eine Lippenerkrankung an, so dass er mit dem Trompete spielen fast völlig aufhören musste. Doch weiterhin stellte er Besetzungen für Aufnahmen zusammen. 1986, im zarten Alter von 755 Jahren, stellte er eine eigene Bigband zusammen, die bis zu seinem Tode 1991 existieren sollte. Diese Band war durch seine Arrangements, aber auch seine hervorragende Auswahl an Musikern, eine der vielleicht geschmackvollsten und swingensten Bigbands überhaupt
Joe Dvorak (04.02.2023, 02:32):


McCoy Tyner - Song for my Lady (1972)
Charles Tolliver (Fluegelhorn), Sonny Fortune (Floete, Sopran- & Altsaxophon), Michael White (Violine), McCoy Tyner (Klavier, Perkussion), Calvin Hill (Kontrabass), Alphonse Mouzon (Schlagzeug), Mtume (Congas, Perkussion)
Joe Dvorak (05.02.2023, 00:24):


McCoy Tyner - Song of the New World (1973)
Session #1: Hubert Laws (Floete, Piccolo), Sonny Fortune (Floete), Harry Smyle (Oboe), McCoy Tyner (Klavier), Joony Booth (Kontrabass), Alphonse Mouzon (Schlagzeug), Sanford Allen, John Blair, Selwart Clarke, Winston Collymore, Noel DaCosta & Marie Hence (Violine), Julian Barber & Alfred Brown (Viola), Ronald Lipscomb & Kermit Moore (Violoncello), William Fischer (Leitung)
Session #2: Hubert Laws (Floete, Piccolo), Sonny Fortune (Floete, Sopran- & Altsaxophon), McCoy Tyner (Klavier), Joony Booth (Kontrabass), Alphonse Mouzon (Schlagzeug), Sonny Morgan (Congas), Cecil Bridgewater, Jon Faddis & Virgil Jones (Trompete), Garnett Brown (Posaune), Dick Griffin (Posaune, Bassposaune), Willie Ruff, William Warnick III & Julius Watkins (Horn), Kiane Zawadi (Euphonium), Bob Stewart (Tuba)

Das ist wie ein Energieriegel zum Fruehstueck. Tyners vollgriffiges, donnernd-kraftvolles (der Mann scheint eine zweite linke Hand zu haben) und doch locker swingendes Spiel kommt in diesen satten Arrangements besonders gut zur Geltung. Zur hohen Intensitaet traegt auch Mouzon bei, der nebenher in der Jazz-Rock-Fusion zu Hause ist und deren Energielevel hier in den Swing uebernimmt. Bei aller mitreissenden Wucht umgibt diese Musik eine mit Worten nicht vermittelbare 'spirituelle' Aura. Die Milestone-Platten mit Tyner sind mehr als Musik, sie sind ein Erlebnis.
Maurice inaktiv (07.02.2023, 10:37):


Johnny Hodges : Blues A Plenty & Not So Dukish

Tracks 01-09: AD: 05.04.1958, New York

Roy Eldridge (Trompete) - Vic Dickenson (Posaune) - Johnny Hodges (Altsax) - Ben Webster (Tenorsax) - Billy Strayhorn (Klavier) - Jimmy Woode (Bass) - Sam Woodyard (Drums)

Tracks 10-16 : 10.09.1958, New York

Roy Eldridge & Ray Nance (Trompeten) - Lawrence Brown (Posaune) - Johnny Hodges (Altsax) - Ben Webster (Tenorsax) - Jimmy Hamilton (Klarinette) - Billy Strayhorn (Klavier) - Jimmy Woode (Bass) - Sam Woodyard (Drums)

Johnny Hodges war vielleicht der beste Solist, der je bei Duke Ellington spielte, und auch neben Cootie Williams, der einen ähnlichen Status hatte, einer der tragischsten Solisten der Band. Gefeiert im Ellington-Orchester, war er in der Zeit, in der eine eigene Band hatte, 1951-1955, ziemlich in der Versenkung verschwunden. Dabei hatte er in dieser Zeit unter Norman Granz feine Einspielungen gemacht. Leider waren sie doch sehr stark auf eine Reduzierung des Ellington-Sounds bezogen, viel Eigenständigkeit war dabei nicht zu erkennen.

Hodges, der von 1928-1951 und 1955 bis zu seinem Tode 1970 mit dem Duke spielte, machte nach seiner Rückkehr in die Band, aber oftmals eigene Einspielungen, oftmals mit Musikern aus dem Ellington-Umfeld, aber auch in den 1960-er Jahren wunderbare "Jump-Einspielungen" mit dem Organisten Wild Bill Davis, die man jederzeit auch heute noch hören kann. 1961 war er mit einer Ellington-All Star-Gruppe auf einer kurzen Europa-Tournee, die zum Glück auch auf einigen Stationen mitgeschnitten wurde, als Ellington in Paris weilte zu Filmaufnahmen.

Hier sind jedoch zwei LPs (die zweite ist nicht ganz vollständig) auf einer CD vereint, die mit der aktuellen Ellington-Rhythmusgruppe (mit Billy Strayhorn am Klavier), und weiteren hochkarätigen Musikern bestand, mit denen er immer mal wieder spielte. Leider wirkt mir Roy Eldridge mit deinen High Notes manchmal ein wenig übermotiviert, das hätte er sich durchaus verkneifen können. Das ist aber auch der einzige Makel, den ich zu bekritteln hätte.

Ansonsten ist das wunderbarer Mainstream-Swing, wie man ihn damals pflegte, ohne die ganzen Übernahmen durch den modernen Jazz. Das ist stimmig, das passt so super zusammen, und auch aufnahmetechnisch ist das super eingefangen worden.
Joe Dvorak (07.02.2023, 10:37):


McCoy Tyner - Enlightenment (Live @ Montreux Jazz Festival, 7. Juli 1973)
Azar Lawrence (Tenor- & Sopransaxophon), McCoy Tyner (Klavier, Perkussion), Joony Booth (Kontrabass), Alphonse Mouzon (Schlagzeug)

Durch die reduzierte Besetzung/Instrumentierung ist das ueber weite Strecken eine Straight Ahead-Jazz Session. Insbesondere die wie das Album benannte 25-minuetige Suite weckt Erinnerungen an Tyners letzte Jahre im John Coltrane Quartett. Auf die ausgefeilten, farben- und texturreichen Arrangements der drei vorhergehenden Studio-Alben muss weitgehend verzichtet werden.
Joe Dvorak (08.02.2023, 03:46):


McCoy Tyner - Sama Layuca (1974)
John Stubblefield (Oboe, Floete), Gary Bartz (Altsaxophon), Azar Lawrence (Tenor- & Sopransaxophon), Bobby Hutcherson (Vibraphon, Marimba), McCoy Tyner (Klavier), Buster Williams (Kontrabass), Billy Hart (Schlagzeug), Guilherme Franco (Perkussion), Mtume (Perkussion)
Joe Dvorak (09.02.2023, 02:05):


McCoy Tyner - Atlantis (Live in San Francisco, 31. Aug 1974)
Azar Lawrence (Tenor- & Sopransaxophon), McCoy Tyner (Klavier), Joony Booth (Kontrabass), Wilby Fletcher (Schlagzeug), Guilherme Franco (Perkussion)

Eine weitere Live-Doppel-LP, diesmal in Quintett-Besetzung. Leider ist Mouzon nicht mehr dabei, aber der ungemein praesente zusaetzliche Mann an diversem Schlagwerk ist eine grosse Bereicherung. Er spielt nicht die zweite Trommel oder fungiert als "Geraeuschemacher", sondern hat die Rolle als zweiter Schlagzeuger inne und schafft zusammen mit dem der Rest der Rhythmusgruppe ein treibendes, teils ganz schoen rockig daherkommendes Gebraeu. Zwei vielgespielte Standards (einmal Tyner solo, einmal im Duo mit Saxophon) sorgen fuer Ruhepole. Wie schon beim Montreux-Konzert sagt mir Lawrence weniger zu. Er war Coltane-Schueler und das ist hoerbar, aber ich vermisse des Lehrers Leuchtkraft und empfinde seinen Ton als etwas zu duenn (was auch an der Aufnahmetechnik liegen kann).
Joe Dvorak (09.02.2023, 04:02):


McCoy Tyner - Trident (1975)
McCoy Tyner (Klavier, Cembalo, Celesta), Ron Carter (Kontrabass), Elvin Jones (Schlagzeug)

Ein Hammer-Trioalbum, das durch Tyners sporadische Wechsel an andere Tasteninstrumente mit dem gewissen Etwas versehen ist.
Joe Dvorak (10.02.2023, 11:09):


McCoy Tyner - Fly with the Wind (1976)
Paul Renzi (Floete, Piccolo), Hubert Laws (Floete, Altfloete), Raymond Duste (Oboe), McCoy Tyner (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Guilherme Franco (Tambourin), Stuart Canin, Franklin Foster, Daniel Kobialka, Peter Schafer, Edmund Weingart, Myra Bucky & Mark Volkert (Violine), Selwart Clarke & Daniel Yale (Viola), Sally Kell & Kermit Moore (Violoncello), Linda Wood (Harfe)

Jazz-Puristen wenden sich mit Grausen ab, wenn sie eine 10-koepfige Streichergruppe erblicken. (Bevor jemand meine Rechenkuenste anzweifelt: von den 7 Geigern spielen zwei alternierend.) Aber hier wird gezeigt, wie das bereichernd ohne Kitsch und Bombast geht. Weiter faellt auf, dass keine Saxophone und kein Blech dabei sind. Wer aufgrund der Instrumentierung eine sanfte Session erwartet, wird allerdings eines Besseren belehrt. Das ist von den Milestone-Alben in einigen Teilen bislang das rockigste und einen grossen Anteil daran hat der Mann am Schlagzeug. Cobham bietet seinen Budenzauber, fuer den er zu der Zeit bekannt war, aber er tut das guppendienlicher als auf seinen eigenen Alben und ist ideal im Gesamtklang balanciert. Das dreiteilige Thema des Titelsongs ist einer der besten von Tyners zahlreichen glaenzenden Einfaellen. Das ist ein Ohrwurm sondergleichen, aber ohne einen Anflug von Profanitaet - eine Gratwanderung die Tyner immer wieder gelingt. (Es gibt von diesem Titel auf anderen Alben noch eine Live- und eine Bigband-Version - allesamt erhebend zum Ausflippen.) Nach Sahara ist Fly with the Wind das zweite absolut unverzichtbare unter vielen kaum verzichtbaren Tyner-Alben.
Joe Dvorak (11.02.2023, 00:17):
Kurzes Durchschnaufen beim Tyner-Marathon.



Gong Maison - Live at the Fridge London (5. Mai 1991)
Daevid Allen (Gesang, Gitarre, Glissando-Gitarre), Didier Malherbe (Saxophon, Flöte, Synthesizer), Graham Clark (Violine), Keith Missile (Bassgitarre, Gesang), Shyamal Maitra (Schlagzeug, Tabla, Perkussion)

Wie immer wenn der ewige Hippie Allen dabei ist, liegen Genie und Wahnsinn oder Kakophonie und Kunstfertigkeit dicht beieinander. Durchhalten wird belohnt, denn auch wenn die Nerven manchmal etwas strapaziert werden, wiegen die 'magischen' Momente das mehr als auf - und die wuerden aus dem Zusammenhang gerissen wahrscheinlich einen guten Teil ihrer Wirkung verlieren. Das verblueffend reibungslose Gleiten zwischen Dada und hoher Kunst macht einen Teil dieser 'Magie' aus.
michael74 (11.02.2023, 11:18):
Hallo zusammen
edit:

The Rolling Stones
GRRR Live! (Live At Newark 2012)

und
Dream Theater




Lost Not Forgotten Archives

sorry
ich schaue mir das später noch mal an.

Gruß
Michael.
Maurice inaktiv (11.02.2023, 12:50):
Hallo zusammen

gestern lief
Wenn das mit dem Bild nicht so recht klappt, wäre es aber schön, zumindest einen kurzen Text dazu zu schreiben. Natürlich ist das kein "Muss", hilft aber weiter, wenn eines Tages der Link nicht mehr weiterhilft, etwa bei der Streichung des Artikels. Nur mal als Info/Hinweis meinerseits. Danke.
michael74 (11.02.2023, 14:52):
Hallo zusammen

gestern lief
Wenn das mit dem Bild nicht so recht klappt, wäre es aber schön, zumindest einen kurzen Text dazu zu schreiben. Natürlich ist das kein "Muss", hilft aber weiter, wenn eines Tages der Link nicht mehr weiterhilft, etwa bei der Streichung des Artikels. Nur mal als Info/Hinweis meinerseits. Danke.
tja ich bekomme das am iPad nicht vernünftig hin..Ich arbeite dran
Joe Dvorak (11.02.2023, 18:58):
falscher Faden...
Sfantu (11.02.2023, 22:02):
Seit Mitte der 1990er zu den inoffiziellen Hymnen von Bern zählend:

Venus von Bümpliz der Band Patent Ochsner.

Nicht so cool und dreckig wie die lokale Konkurrenz von Grauhouz, Steffe la Cheffe oder Züri West , dafür umso herzerwärmender. Der Mitschnitt vom 2019er Gurtenfestival zeigt, wie volkstümlich der Song mittlerweile geworden ist. Auch mir geht das nahe - als zugezogener Gast auf Zeit. Die Stadt und der Kanton mit ihrem gemütlichen, entschleunigten Lebensgefühl werden immer eine meiner Heimaten bleiben.
a-way (13.02.2023, 14:04):



Kjetil Husebø - Years of Ambiguity
1. Inhale 2. Modernität 3. Nostalgia 4. Reconciliation 5. Down 6. Strong 7. Exhale

Norwegischer Komponist und Musiker.
https://kjetilhuseboe.com/
Vorsichtiger musikalischer Lichtblick im heutigen Grau trotz Sonne; hat etwas von auf Wellen rückwärts schwimmen / sich tragen lassen, umgeben + Eigenraum und miteinander verflochten, sind die momentanen emotional/bildlichen Hör-Assoziationen.
a-way (13.02.2023, 14:26):


Obituary - Dying of Everything
Barely Alive - The Wrong Time - Without a Conscience - War - Dying of Everything - My Will to Live - By the Dawn - Weaponize the Hate - Torn Apart - Be Warned

Florida Death Metal.
Joe Dvorak (14.02.2023, 00:30):


McCoy Tyner - Focal Point (1976)
Joe Ford (Alt- & Sopransaxophon, Floete), Gary Bartz (Alt-, Sopran-, Sopraninosaxophon, Klarinette), Ron Bridgewater (Tenor- & Sopransaxophon), McCoy Tyner (Klavier), Charles Fambrough (Kontrabass), Eric Gravatt (Schlagzeug), Guilherme Franco (Congas, Tabla, Percussion)

Dreiblaeserfront & viel Raum fuer das Schlagwerk. Das Album hat seine Momente, aber will nicht so recht zuenden. Es fehlen die griffigen Themen und Tyners Soli wirken teils wie schon mal gehoert. Das ist beileibe kein schlechtes Album, aber faellt in meinen Ohren gegenueber seinen besten doch etwas zurueck.
Joe Dvorak (14.02.2023, 00:45):
Und dann diese Antwort:



McCoy Tyner - Inner Voices (1977)
Cecil Bridgewater, Jon Faddis, Eddie Preston & Ernie Royal (Trompete), Dick Griffin, Janice Robinson, Charles Stephens & Earl McIntyre (Posaune), Joe Ford (Altsaxophon), Jerry Dodgion (Altsaxophon, Floete), Alex Foster (Tenorsaxophon), Ed Xiques (Bariton- & Altsaxophon), Earl Klugh (Gitarre), McCoy Tyner (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Eric Gravatt & Jack DeJohnette (Schlagzeug, alternierend), Guilherme Franco (Perkussion), Adrienne Anderson, Benjamin Carter, Fran Dorsey, Bessye Ruth Scott, Carl Scott, Suzanne Simmons & Joan Taylor (Stimme)

8o Woot! Die Handbremse, die beim vorherigen Album doch angezogen schien, ist geloest und das Energielevel wird wieder hochgefahren. Die textlosen Stimmeinlagen moegen ein nicht wirklich notwendiges Gimmick sein, aber mir scheint, dass ich auf die Alben mit ausgefallenem Schnickschank besser anspreche - die 'exotischen' Instrumente auf Sahara, die tiefenlastige Blechgruppe auf Song of the New World, die Streicher auf Fly with the Wind und nun hier die Vokalgruppe und die zur Bigbandstaerke angewachsene Blaesersektion. Es koennte freilich auch sein, dass solcherlei ausgefallene Arrangments Tyner und seine Solisten besonders herausfordern. Das ist einfach alles -selbstverstaendlich wie immer nur in meinen Ohren- ein Stockwerk hoeher angesiedelt.
Maurice inaktiv (15.02.2023, 14:00):


The Ken Colyer Trust Band : New Orleans Jazz AD: ??? vermutlich 1993/94

Norman Thatcher (Kornett) - Dave Vickers (Posaune) - Brian Carrick (Klarinette, Sax) - Ray Foxley (Klavier) - Pete Morcom (Banjo) - Terry Knight (Bass) - Malc Murphy (Drums, Voc.)

Während man heute den Namen Chris Barber als das "Non-Plus-Ultra" des traditionellen Jazz noch immer in bester Erinnerung hat, gab es viele weitere, ganz hervorragende britische Jazzmusiker, die sich dem altem Jazz verschrieben haben. Einer davon war Ken Colyer (1928-1988) gewesen.

Colyer, der 1953 zusammen mit Chris Barber, Lonnie Donegan und Monty Sunshine die "Ken Colyer Jazzmen & Skiffle Group gegründet hatte, trennte sich von den Kollegen 1954 wieder, weil sich die Band überworfen hatte, was die Ausrichtung anging. Colyer wollte die Band nicht ins Kommerzielle führen, wie es die Kollegen dann unter dem Namen Chris Barbers taten. Die Band agierte weiter als "Ken Colyer's Jazzmen.

Zu den bekanntesten Musikern gehörten ohne Zweifel Mr. Acker Bilk, Sammy Rimington, Ray Foxley, Alexis Korner, Colin Bowden und Ian Wheeler.

Die Trust Band entstand wohl 1993 unter Leitung von Norman Thatcher, der die Band rund 10 Jahre leitete. 2012 starb er an einer Herzattacke, als er gerade erst vom Krebs geheilt wurde. Thatcher war rund 20 Jahre eng mit Ken Colyer verbunden gewesen, auch durch eine ähnliche Spielweise. Die Band selbst gibt es immer noch.
Joe Dvorak (17.02.2023, 02:28):


McCoy Tyner - The Greeting (Live in San Francisco, 17/18. Mrz 1978)
Joe Ford (Altsaxophon, Floete), George Adams (Tenor- & Sopransaxophon, Floete), McCoy Tyner (Klavier), Charles Fambrough (Kontrabass), Sonship Woody Theus (Schlagzeug, Glocken), Guilherme Franco (Congas, Berimbau, Perkussion)

Mein erstes Tyner-Album, noch als Teenager erworben. Das war ein wichtiges Bindeglied zwischen der bis dahin exklusiv gehoerten Jazz-Rock-Fusion und dem 'richtigen' Jazz und von da aus wurde das Genre nach und nach rueckwarts erschlossen bis in die 20er (bzw. mit der ODJB bis 1917).

The Greeting enthaelt eine entfesselte LIveversion von Fly with the Wind, die zum besten gehoert, das ich bislang an modernem Jazz gehoert habe.
Joe Dvorak (18.02.2023, 16:51):


McCoy Tyner - Together (1978)
Freddie Hubbard (Trompete, Fluegelhorn), Bennie Maupin (Tenorsaxophon, Bassklarinette), Hubert Laws (Floete, Altfloete), Bobby Hutcherson (Vibraphon, Marimba), McCoy Tyner (Klavier), Stanley Clarke (Kontrabass), Jack DeJohnette (Schlagzeug), Bill Summers (Congas, Perkussion)

Das ist selbstverstaendlich eine hoechstklassige Session - das kann bei dieser Besetzung kaum anders sein. Dass das dennoch nicht zu Tyners allerbesten Alben aus den 70ern gehoert, zeigt imponierend auf, was fuer einen unglaublichen Lauf er damals hatte.
Joe Dvorak (19.02.2023, 02:42):


McCoy Tyner - Horizon (1979)
Joe Ford (Alt- & Sopransaxophon, Floete), George Adams (Tenorsaxophon, Floete), John Blake (Violine), McCoy Tyner (Klavier), Charles Fambrough (Kontrabass), Al Foster (Schlagzeug), Guilherme Franco (Congas, Perkussion)

Vielleicht liegt es daran, dass hier (zur damaligen Zeit noch) keine Allstar-Besetzung am Werk ist, aber das wirkt um einiges engagierter, eindringlicher, 'beseelter' und packender als das Vorgaengeralbum.
Joe Dvorak (19.02.2023, 09:16):


McCoy Tyner - Quartets 4x4 (1980)
McCoy Tyner (Klavier), Cecil McBee (Kontrabass), Al Foster (Schlagzeug) w/ Freddie Hubbard (Trompete, Fluegelhorn), Arthur Blythe (Altsaxophon), Bobby Hutcherson (Vibraphon), John Abercrombie (Elektrische Mandoline)

Tyner arbeitet hier mit einem festen Trio und nimmt fuer jede Seite der Doppel-LP einen anderen Solisten hinzu. Das verspricht zumindest Abwechslung und die ist noetig, weil Tyner in meinen Ohren stellenweise doch etwas unoriginell erscheint. Das kann durchaus an mir liegen - bei einem so absolut unverwechselbaren Personalstil besteht die Gefahr, dass sich mit der Zeit Hoerermuedung einstellt. Allerdings reisst es der sehr praesente McBee mit seinem agilen Bassspiel locker heraus und verhindert, dass das Album auf Nimmerwiederhoeren in der Kategorie 'solide' landet. Meine Highlights sind die beiden hoechst erbaulichen Titel mit Abercrombie.
Maurice inaktiv (19.02.2023, 09:42):


The Castle Band : ....Plays "The Five Pennies" AD: 12./13.04.1959, Los Angeles

Don Kinch (Trompete) - George Bruns (Posaune) - Bob Gilbert (Klarinette) - Freddie Crews (Klavier) - Monte Ballou (Banjo, Gesang) - Bob Short (Tuba) - Homer Welch (Drums)

Die Band wurde 1949 an der Westküste der USA gegründet und hatte einen eigenen Jazzclub in Portland, wo sie oft auftraten. Bandleader Monte Ballou und Klarinettist Bob Gilbert stammten aus Portland und spielten dort regelmäßig zusammen. Ballou arbeitete eigentlich bei der General Electric Company hauptberuflich.

Drummer Homer Welch arbeitete für das CBS Radio in San Francisco, Tubist Bob Short spielte als Kornettist (!!!) eigentlich bei Turk Murphy, Don Kinch spielte Kornett, Trompete, Tuba und Kontrabass. Er arbeitete für Walt Disney und spielte Tuba in der berühmten Firehouse Five Plus Two, der hauseigenen Dixie-Band von Walt Disney. George Bruns war der Musik-Direktor Walt Disneys. Hier spielt er Posaune. Pianist Freddie Crews spielt eigentlich vor allem als Solo-Pianist.

Die Band spielt in der gleichen Besetzung wie die Firehouse Five Plus Two, klingt aber trotzdem völlig anders.

Die CD enthält einige der Stücke, die im damals berühmten Film über den Kornettisten Red Nichols von diesem selbst eingespielt wurden. Der Film kam damals mit Danny Kaye als Red Nichols in die Kinos und hatte einen Riesenerfolg, Nichols ein echtes Comeback, obwohl er durchaus mit seiner eigenen Band spielte zuvor bereits. Der Film wurde durch seine hervorragende Musik, aber auch dem dem populären Danny Kaye und der Mitwirkung von Louis Armstrong zu einem Kassenschlager.

Wer mit dieser Musik was anfangen kann, wird sich daran erfreuen, der Modernist dürfte sich die Nase rümpfen. Ich finde gerade den Klang mit Tuba, die hier wirklich hervorragend gespielt wird, sehr interessant.
Joe Dvorak (20.02.2023, 04:26):


McCoy Tyner - 13th House (1980)
Oscar Brashear (Trompete), Charles Sullivan (Fluegelhorn), Slide Hampton (Posaune), Greg Williams (Horn), Bob Stewart (Tuba), Hubert Laws (Floete, Piccolo), Joe Ford (Alt- & Sopransaxophon, Floete), Ricky Ford (Tenor- & Sopransaxophon), Frank Foster (Tenor- & Sopransaxophon, Klarinette), McCoy Tyner (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Jack DeJohnette (Schlagzeug), Airto Moreira (Perkussion), Dom Um Romao (Perkussion)

Tyners vorerst letztes Album fuer das Milestone-Label. Die Besetzungsstaerke zwischen Combo und Big-Band hat ihren ganz besonderen Reiz. Drei verschiedene Ensemble-Mitglieder (Hampton, Foster & Tyner) werden als Arrangeure genannt, dazu kommt noch extern der legendaere Jimmy Heath, der den Titelsong beisteuerte. Das verspricht viel klangliche und texturelle Abwechslung und die wird geboten, samt hervorragenden Soli und einer beeindruckend auftrumpfenden Rhythmusgruppe. Klasse!
a-way (20.02.2023, 07:41):


Piano Folk Songs - Martin Stadtfeld, Arrangements und Klavier
Joe Dvorak (20.02.2023, 10:07):
Piano Folk Songs - Martin Stadtfeld, Arrangements und Klavier
Schoenes Cover. Leider musste das von mir sehr gemochte Avatar-Teufelchen schon wieder weichen. :I
Da faellt mir ein, dass ich auch etwas Neues brauche. An den bescheuerten Fetzen im Gesicht will ich mich eigentlich nicht mehr erinnern.

Wenn ich schon mal hier bin, poste ich gleich die fuer spaeteres Hoeren geplante Scheibe:



McCoy Tyner - La Leyenda De La Hora (1981)
Marcus Belgrave (Trompete, Fluegelhorn), Hubert Laws (Floete), Paquito D'Rivera (Alt- & Sopransaxophon), Chico Freeman (Tenorsaxophon), Bobby Hutcherson (Vibraphon, Marimba), McCoy Tyner (Klavier), Avery Sharpe (Kontrabass), Ignacio Berroa (Schlagzeug), Daniel Ponce (Perkussion), John Blake, Harold Kohon, Karen Milne & Elliot Rosoff (Violine), Julien Barber & Jesse Levine (Viola), Jonathan Abramowitz & Kermit Moore (Violoncello), William Fischer (Leitung)

Alles von Tyner komponiert und arrangiert.
Joe Dvorak (21.02.2023, 02:07):
McCoy Tyner - La Leyenda De La Hora (1981)
Diese Session wirkt auf mich im direkten Vergleich mit 13th House vergleichsweise harmlos bis distanziert, was durch die verhallte Aufnahmetechnik noch unterstrichen wird. Ob hier das neue Label (Columbia) schon einen Einfluss ausuebte und das auf groessere Breitenwirksamkeit trimmen wollte, weiss ich nicht, aber beim zweiten Album ist unueberhoerbar, dass sie Dollars sehen wollten.

Das Geschrei war gross. Tyner spielt Synthesizer, Santana ist dabei, es gibt Pop-Jazz-Gesang zu hoeren, Easy Listening trifft Fusion - Igitt! Bäh! Pfui! Wie so oft, wenn Kritiker etwas Unerwartetes vorgesetzt bekommen, wurde mehr kritisiert, dass es nicht das Erwartete ist und weniger das Vorgesetzte an sich. Ein eigentlich gelittener Kritiker nannte die Beitraege von Santana gar 'unnoetig'. Ich finde sie superb. Das ist Fusion-Gitarrenspiel vom Allerfeinsten - mit Soli, die nicht nur kinnladenherunterklappende Pyrotechnik bieten, sondern auch mit durchdachten Spannungsboegen glaenzen. Und die charmante Stimme der Dame ist einfach zum Wegschmelzen. Nimmt man das Album als das, was es ist -eben Easy Listening trifft Fusion-, wird man auf diesem Feld schwerlich etwas Besseres finden.



McCoy Tyner - Looking Out (1982)

Session #1 (5 Titel): Phyllis Hyman (Gesang), Gary Bartz (Altsaxophon), Carlos Santana (Gitarre), McCoy Tyner (Klavier), Stanley Clarke (E-Bass, Kontrabass), Buddy Williams (Schlagzeug), Gerry Gonzalez (Perkussion)
Session #2 (1 Titel): Phyllis Hyman (Gesang), McCoy Tyner (Klavier, Synthesizer), Denzil Miller (Synthesizer), Charles Johnson (Akustik-Gitarre), Stanley Clarke (Kontrabass), Ndugu Chancler (Schlagzeug)
Maurice inaktiv (21.02.2023, 08:43):


Miles Davis: "Cookin' " & "Relaxin' " : 26.10.1956 & 11.05.1956 (Tracks 10-11)

Miles Davis (Trompete) - John Coltrane (Tenorsax) - Red Garland (Klavier) - Paul Chambers (Bass) - Philly Joe Jones (Drums)

Heute mal ein ganz anderer Beginn in den Tag, nämlich nach langer Zeit mal wieder mit Miles Davis. Es sind einige "klassische" Nummern dabei, etwa "my Funny Valentine", "Blues by Five", "Airegin" (Nigeria rückwärts geschrieben übrigens), "When Lights are Low" und aus der Bop-Zeit "Woody'n You".

Ich habe es nicht so mit Fusion und dem ganz modernen Zeugs, aber Miles bis ca. 1968 kann ich immer mal wieder gerne hören. Heute mal das "klassische" Quintett mit Coltrane.
Maurice inaktiv (21.02.2023, 11:53):


Taft Jordan : Mood Indigo (zwei Alben zusammen, nämlich von 01-07 "Mood Indigo" , 30.06.1961 & "The Swingville All Stars2, 31.03.1961)

Besetzung 01-07: Taft Jordan (Trompete) - Richard Wyands (Klavier) - Joe Benjamin (Bass) - Charlie Persip (Drums)

Besetzung: 08-13: Taft Jordan (Trompete) - Hilton Jefferson (Altsax) - Al Sears (Tenorsax) - Don Abney (Klavier) - Wendell Marshall (Bass) - Gus Johnson (Drums)

Der Trompeter Taft Jordan (1915-1981) dürfte allenfalls noch den Insidern ein Begriff sein, wenn man sich etwas genauer besinnen würde. Er wurde vor allem in der kleinen Bigband von Chick Webb bekannt, bei der von 1933 bis 1939, und auch dann, nach Webbs Tod unter Ella Fitzgerald, bis 1942 spielte. Anschließend hatte er kurzzeitig eine eigene Band und wurde dann 1943-1947 zur Band Duke Ellingtons geholt. Dort spielte er auch einige bemerkenswerte Soli ein, die aber erst später veröffentlicht wurden.

1949-1953 wirkte er in der Band von Lucille Dixon mit, 1958 ging er auf Europa-Tournee mit einer frisch zusammengestellten Bigband von Benny Goodman, etwa auch auf der Weltausstellung in Brüssel. Dieses Konzert wurde auch später veröffenlicht. In der Band saßen auch etwa Zoot Sims, der Pianist Roland Hanna, Billy Bauer an der Gitarre und Ex-Armstrong All Star-Bassist Arvell Shaw.

1959/60 wirkte er bei den Aufnahmen von Miles Davis' legendären Album "Sketches of Spain" in der Gil Evans-Bigband mit. Nach den Aunahmen hier wurde es still um Taft Jordan, doch 1963 wirkte er im "Town Hall Concert" von Duke Ellington mit. In den 1970-er Jahren wirkte er in der New Yorker Jazz Repertory Company mit.

1978 machte er seine wohl einzige Europa-Tournee zu späteren Zeiten, als er mit der "Cotton Club Gala" unter der Leitung des Ex-Ellington-Bassisten Aaron Bell spielte.

Jordan gehörte in der Band von Chick Webb zu den Starsolisten, bei Ellington hatte er es zunächst schwer Soli zu bekommen, weil diese in der Regel Ray Nance, Rex Stewart (den er 1943 zunächst ersetzte), Harold Baker oder Cat Anderson gespielt wurden. Erst, als Baker und Stewart weg waren, kam seine Zeit.

Wenn man sich etwa Miles Davis und Taft Jordan anhört, kann man ganz gut die stilistischen Änderungen hören, die mit dem modernen Jazz Einzug hielten, natürlich auch bei den Trompetern der damaligen Zeit. Jordan spielte noch immer mit dem Swing-Vibrato, hatte aber einensehr schönen und vollen Ton, auch mit dem berühmten Harmon Mute-Dämpfer, den Miles Davis so berühmte machte, und der den "Miles-Sound" auszeichnete.

Seine Soli haben nicht die ganz große Qualität, etwa eines Charlie Shavers, Roy Eldridge oder auch Cootie Williams. Sie sind aber dafür zu jeder Zeit hörenswert, und das sind auch die wunderbaren Sidemen, die er hier dabei hatte. Etwa der einzigartige Kenny Burrell an der Gitarre, aber auch die feinen Soli der beiden Pianisten Richard Wyands und Don Abney.
Joe Dvorak (22.02.2023, 02:45):


McCoy Tyner - Dimensions (1984)
Gary Bartz (Altsaxophon), John Blake (Violine), McCoy Tyner (Klavier), John Lee (Kontrabass), Wilby Fletcher (Schlagzeug)

Eine entspannte Session, die eine Abkehr von der Abenteuerlust darstellte und die Rueckbesinnung auf die Tradition einlaeutete. Tyner konzentrierte sich fortan auf Soloaufnahmen oder kleinere Besetzungen und gruendete eine eigene, traditionell ausgerichtete Bigband.
Maurice inaktiv (23.02.2023, 23:54):


Alex Mendham : AM & His Orchestra: "Puttin' on the Ritz" AD: vermutlich 2020 oder 2021

Tom Dennis & Harry Evans (Trompete) - Chris Lowe & Tom Dunnett (Posaune) - Michael McQuaid (Altsax, Klarinette) - Tom Law (Altsax, Baritonsax, Klarinette) - Simon Marsh (Tenorsax, Klarinette, Flöte) - Sam Watts (Klavier) - Curtis Volp (Gitarre, Banjo) - Tom Wheatley (Kontrabass) - Andrew Kershaw (Sousaphon) - Nicholas Ball (Drums, Vibraphon) - Kit Massey & Rosie Judge (Violinen) - Serena & Hannah Dunlop (Vocals)

Bandleader: Alex Mendham (Gesang)

Die Musiker dürften hier so bekannt sein wie die die Orchester und besten Musiker aus Taiwan oder Chinas. Dafür gehört die Band zum Besten, was es in Europa zum Thema "Bigbands im Stile der 1920-er/1930-er Jahre" angeht. Hier und da gibt es auch Abstecher in die 40-er Jahre, aber selten.

Wer Stücke wie "Puttin' on the Ritz", "Some of these Days" oder "Happy Feet" kennt und schätzt, wird hier seine helle Freude haben. Was die Kollegen hier mit einem vierstimmigen Blech - und dreistimmigen Saxophonsatz zelebrieren, ist allererste Sahne. Dazu alles sehr geschmackvoll arrangiert, ganz im Stile der Entstehungszeit der Werke.

Das Booklet ist sehr gut, auch wenn leider kein Aufnahmedatum und keine Solisten erwähnt werden. Die ganze Aufmachung ist sehr hochwertig, die Technik ebenfalls hervorragend. Herz, was willst Du mehr?
Maurice inaktiv (24.02.2023, 00:22):


Ed Polcer : The Ed Polcer All Stars : Some Sunny Day AD: 12.05.1991, Atlanta, USA

Ed Polcer (Kornett) - Bob Havens (Posaune) - Allan Vaché (Klarinette) - Johnny Varro (Klavier) - Marty Grosz (Gitarre) - Jack Lesberg (Bass) - Hal Smith (Drums)

Das hier ist Jazz in der Tradition des Dixielands, aber nicht des billigen "Bier-Jazz", den man leider nur allzu oft in den Festzelten zu hören bekommen hat, sondern traditioneller Jazz allererster Güteklasse.

Kornettist Ed Polcer leitete von 1975 bis zur Schließung 1985 den legendären Jazzclub "Eddie Condon's" in New York, nachdem dieser 1973 verstorben war. Er spielte wiederholt in der Carnegie Hall, 1973 mit Benny Goodman, und spielte auf der Hochzeit von Grace Kelly und Prinz Rainier.

Bob Havens, der sowohl Bigband-Erfahrung (etwa von 1960-1982 im Lawrence Welk Orchestra, die in der damals berühmten Show gleichen Namens spielte, Benny Goodman), aber auch mit George Girard, Al Hirt, Bob Crosby und Peanuts Hucko mehr den alten Jazz.

Allan Vaché ist der jüngere Bruder des bekannten Kornettisten Warren Vaché. Er spielte mit Bobby Hackett, Wild Bill Davison, Vic Dickenson, Pee Wee Erwin oder auch Bob Wilber.

Johnny Varro, dessen Klavierstil auch Einflüsse von etwa Teddy Wilson, Ralph Sutton oder Jess Stacy zeigt, spielte bereits 1957 mit Bobby Hackett, wirkte viele Jahre als Pausenpianist im legendären Club von Eddie Condon, bevor er dort fester Pianist der Band wurde (als Nachfolger von Gene Schroeder). Weiter spielte er mit Roy Eldridge, Red Allen, Charlie Shavers, Coleman Hawkins, Jo Jones, den Dukes of Dixieland, u.v.a.

Marty Grosz, der Sohn des berühmten Malers George Grosz, wurde noch in Berlin geboren, bevor er mit drei Jahren in die USA auswanderte. Dort wirkte er in unzähligen Konzerten mit, die sich im traditionellen Umfeld bewegten. Er gilt als exzellenter Rhythmusgitarrist, der auch feine Soli spielen konnte, aber auch als Sänger und Entertainer seine klasse zeigte. Hier ist er nur als Gitarrist zu erleben.

Jack Lesberg spielte sowohl im Sinfonieorchester unter der Leitung von Leonard Bernstein, als auch in den All Stars von Louis Armstrong (Australien 1956), aber auch mit Eddie Condon, Benny Goodman, Billie Holiday, Tommy Dorsey, Bobby Hackett und auch Frank Sinatra.

Hal Smith wirkte mit Billy Butterfield, Doc Cheatham, Wild Bill Davison, Bud Freeman, u.v.a.

Die Band spielt wie aus einem Guss, es gibt kein gegenseitiges Übertrumpfen, alle spielen als Band zusammen und nicht als hervorragende Einzelkämpfer, wahrlich nicht oft erlebt man solche glücklichen Glücksgriffe.

Auch klanglich wurde diese CD gut eingefangen, es bleiben keine Wünsche offen.
Joe Dvorak (24.02.2023, 01:06):
Hier jetzt stimmgewaltiger Blues mit prominenten Begleitern:


Gertrude 'Ma' Rainey - Vol.2 (1924-1925)
Joe Dvorak (24.02.2023, 07:29):
Jazz am Mittag:



George Benson - Giblet Gravy (1968)

George Benson (Lead-Gitarre), Herbie Hancock (Klavier), Eric Gale & Carl Lynch (Rhythmus-Gitarre, alternierend), Bob Cranshaw & Ron Carter (Kontrabass, alternierend), Billy Cobham (Schlagzeug), Johnny Pacheco (Congas), Jimmy Owens (Trompete, Fluegelhorn), Ernie Royal (Trompete), Snookie Young (Trompete), Alan Raph (Bassposaune), Pepper Adams (Baritonsaxophon), Albertine Robinson, Eileen Gilbert & Lois Winter (Stimme)
Joe Dvorak (25.02.2023, 03:51):
Jazz am Vormittag:



Horace Silver - Serenade to a Soul Sister (1968)

Session #1: Charles Tolliver (Trompete), Stanley Turrentine (Tenorsaxophon), Horace Silver (Klavier), Bob Cranshaw (E-Bass, Kontrabass), Mickey Roker (Schlagzeug)
Session #2: Charles Tolliver (Trompete), Bennie Maupin (Tenorsaxophon), Horace Silver (Klavier), John Williams (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug)




Kenny Burell - Night Song (1969)

Session #1: Kenny Burell (Gitarre), Richard Wyands (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Freddy Waits (Schlagzeug)
Session #2: Kenny Burell (Gitarre), Warren Bernhardt (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Donald MacDonald (Schlagzeug), Johnny Pacheco (Perkussion), Don Sebesky (Arrangement & Leitung / Blaesersatz)
Session #3: Kenny Burell (Gitarre), Hank Jones (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Jack Jennings (Perkussion), Don Sebesky (Arrangement & Leitung / Blaesersatz)
Joe Dvorak (25.02.2023, 16:02):
Jazz zur Nacht:



Horace Silver Quintet - You Gotta Take a Little Love (1969)

Randy Brecker (Trompete, Fluegelhorn), Benny Maupin (Tenorsaxophon, Floete), Horace Silver (Klavier), John Williams (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug)
Joe Dvorak (25.02.2023, 17:25):
Jazz um Mitternacht:



Stanley Turrentine - Sugar (1970 & Live 1971)

Original-LP: Freddie Hubbard (Trompete), Stanley Turrentine (Tenorsaxophon), George Benson (Gitarre), Butch Cornell (Orgel), Lonnie Liston Smith (E-Piano), Ron Carter (Kontrabass), Billy Kaye (Schlagzeug), Richard Landrum (Congas)

CD-Livetrack: Freddie Hubbard (Trompete), Stanley Turrentine (Tenorsaxophon), Hubert Laws (Floete), George Benson (Gitarre), John Hammond (E-Piano, Orgel), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Airto Moreira (Perkussion)
Joe Dvorak (26.02.2023, 09:43):
Jazz am Nachmittag:



Ron Carter - Uptown Conversation (1970)

Session #1: Hubert Laws (Floete), Sam Brown (Gitarre), Herbie Hancock (Klavier, E-Piano), Ron Carter (Kontrabass, E-Bass), Grady Tate (Schlagzeug)
Session #2: Herbie Hancock (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug)
Joe Dvorak (27.02.2023, 01:18):
Jazz am Morgen:



Miles Davis - A Tribute to Jack Johnson (1970)

Miles Davis (Trompete), Steve Grossman (Sopransaxophon), John McLaughlin (Gitarre), Herbie Hancock (Orgel), Michael Henderson (E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug)
Joe Dvorak (27.02.2023, 02:11):
Miles Davis - A Tribute to Jack Johnson (1970)
Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich das Album jetzt zum ersten Mal gehoert habe, aber ich bin mir sicher, dass es letzte Mal war (ausser ich hoere es zufaellig irgendwo). Nachdem in der zweiten Haelfte in einen Ausschnitt aus dem frueheren Miles-Album In a Silent Way uebergeblendet wurde, wusste ich, was nicht stimmt. In a Silent Way ist um 4 Klassen besser, weil dort die Soli zwingend aufgebaut sind, waehrend bei JJ nur ziellos 'gedudelt' wird (natuerlich nur meiner peilungsfreien Meinung nach).

Jetzt:



Junior Mance - With a Lotta Help from My Friends

Junior Mance (Klavier), Eric Gale (Gitarre), Chuck Rainey (E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug)
a-way (27.02.2023, 04:58):
()

Peter Paul and Mary - The very Best of & Folk Routes / The first two Albums
Puff, the magic dragon, Leaving on a Jetplane, Man come into Egypt, Cruel War, If I had my way, Too much of nothing
a-way (27.02.2023, 05:17):


Cassandra Wilson - Coming Forth by Day

Cassandra Wilson ist für mich eine der Künstler/Innen, die Live eine sehr eigene, andere Atmosphäre schaffen können, die auf CDs so nicht einzufangen ist, und ich finde es trotzdem ein sehr starkes Album. Kannte ich noch nicht und gefällt mir nochmal um einiges besser als vorherige Alben, obwohl ein Konzertabend mit Traveling Miles zu einem meiner schönsten Konzerterleben gehört. Tolle Künstlerin :love:
Joe Dvorak (27.02.2023, 08:48):
Ich habe sie mit Steve Coleman & Five Elements gehoert und gesehen. Wenn ich das richtig aus dem Netz gefischt habe, dann war sie dort 1985/86 dabei. Jeez! Das ist ein Weilchen her...

Hier Jazz am Nachmittag:



Dreams - Dreams (1970)

Edward Vernon (Gesang), Randy Brecker (Trompete, Fluegelhorn), Barry Rogers (Posaune, Tuba), Michael Brecker (Tenorsaxophon, Floete), John Abercrombie (Gitarre), Jeff Kent (Tasteninstrumente, Gitarre), Doug Lubahn (E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug)




Leon Thomas - The Leon Thomas Album (1970)

Leon Thomas (Gesang, Floeten), Ernie Royal (Trompete), Jerome Richardson (Altsaxophon), Billy Harper (Tenorsaxophon), Howard Johnson (Baritonsaxophon), Donald Smith (Floete), James Spaulding (Floete), Arthur Sterling (Klavier), John Williams Jr. (E-Bass), Bob Cunningham (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Roy Haynes (Schlagzeug), Sonny Morgan (Bongos, Afrikanische Oboe), Gene Golden (Bongos), Richie Landrum (Congas)
Joe Dvorak (28.02.2023, 01:01):
Jazz am Morgen:



Les McCann - Comment (1970)

Les McCann (Gesang, Klavier, E-Piano), Roberta Flack (Klavier, Gesang), Ron Carter (Kontrabass, E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug) & div. Gastmusiker & Streicher & Blaeser & Chor

Das ist bisweilen so seicht und in den Gesangsduetten 'schmalzig', dass es schon wieder Spass macht - und gut gemacht bis zur Perfektion ist es ohnehin. Wahnsinn, was da alleine an den Tasten aufgeboten wird - Stanley Cowell, Roland Hannah, Richard Tee, Junior Mance - um unwesentliche Cameos zu machen.




Mose Allison - Western Man (1971)

Mose Allison (Gesang, Klavier, E-Piano, Orgel), Chuck Rainey (E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug)
Joe Dvorak (28.02.2023, 01:02):
Ohne verlinktes Cover. (Das ist violett und es steht Purple drauf.)

Miroslav Vitous - Purple (1970)

Joe Zawinul (E-Piano), Miroslav Vitous (Kontrabass, E-Piano), Billy Cobham (Schlagzeug), John McLaughlin (Gitarre, 1 v. 5 Tracks)

Das wurde nie offiziell als CD herausgegeben und fuer die LP in gutem Zustand darf man ordentlich hinblaettern. Vinyljaeger, die das von Unwissenden verramscht auf dem Flohmarkt sehen, schlagen zu. Geboten wird eine Art stark abgespeckte Version von Miles Davis' Bitches Brew.
Joe Dvorak (01.03.2023, 01:39):
Jazz am Morgen:



Johnny Hammond - Breakout (1971)

Danny Moore (Trompete), Hank Crawford (Altsaxophon), Grover Washington Jr (Tenorsaxophon), Eric Gale (Gitarre), Johnny Hammond (Orgel), Johnny Williams (E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug), Airto Moreira (Perkussion)

Auweia! Da bin ich haarscharf an einer Blamage vorbeigestreift. Ich war geneigt zu schreiben, dass ein solcher Familenname natuerlich verpflichtet, wenn man Orgel spielt und lese gerade noch rechtzeitig, dass der Mann eigentlich Smith heisst...
Name hin oder her, das rillt wie die Wutz.
Joe Dvorak (01.03.2023, 09:53):


The Mahavishnu Orchestra - The Inner Mounting Flame (1971)

John McLaughlin (Gitarre), Jerry Goodman (Violine), Jan Hammer (Tasteninstrumente), Rick Laird (E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug)

Diese Platte lieferte die finale Blaupause dafuer, wie man den Jazz unter die Rockmusik-Freunde bringt. Das Konzept wurde 1000-fach kopiert, das Niveau selten wieder erreicht.
Joe Dvorak (01.03.2023, 16:57):
Das Forum haengt mal wieder am Beatmungsgeraet. Ich kann z.Zt. nur die Nebenroehren versorgen, aber das wenigstens konstant. Jazz um Mitternacht:



Lonnie Smith - Mama Wailer (1971)

Lonnie Smith (Orgel, Clavinet, Gesang), Danny Moore (Trompete, Fluegelhorn), Grover Washington Jr. (Tenorsaxophon. Floete), Dave Hubbard (Tenorsaxophon), Marvin Cabell (Tenorsaxophon), George Davis (Gitarre), Jimmy Ponder (Gitarre), Robert Lowe (Gitarre, 1 v. 4 Tracks), Ron Carter (Kontrabass, E-Bass), Chuck Rainey (E-Bass, 1 v. 4 Tracks), Billy Cobham (Schlagzeug), William King, Airto Moreira & Richard Pratt (Perkussion)
Joe Dvorak (02.03.2023, 01:35):


Dreams - Imagine my Surprise (1971)

Edward Vernon (Gesang), Randy Brecker (Trompete, Fluegelhorn), Barry Rogers (Posaune, Tuba, Althorn), Michael Brecker (Sopran- & Tenorsaxophon, Floete), Bob Mann (Gitarre, Fluegelhorn), Don Grolnik (Tasteninstrumente), Will Lee (E-Bass, Gesang), Billy Cobham (Schlagzeug, Perkussion)
Joe Dvorak (03.03.2023, 00:46):
Jazz am Morgen:



Kenny Burrel - God Bless the Child (1971)

Kenny Burrell (Gitarre), Hugh Lawson & Richard Wyands (E-Piano, Klavier, alternierend), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Ray Barretto & Airto Moreira (Perkussion, alternierend), Freddie Hubbard (Trompete), Hubert Laws (Floete), Alan Shulman, Charles McCracken, George Ricci, Lucien Schmit & Seymour Barab (Violoncello), Don Sebesky (Arrangement)

Die glatte Produktion und besonders das 'ueberfluessige' Streicherarrangement werden gerne gescholten. Ich finde, das ist eine feine Bereicherung - vielleicht haben wir 'Klassiker' da einfacher weniger Beruehrungsaengste.
Joe Dvorak (03.03.2023, 01:19):


John McLaughlin - My Goals Beyond (1971)

Dave Liebman (Sopransaxophon, Floete), John McLaughlin (Akkustik-Gitarre), Jerry Goodman (Violine), Charlie Haden (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Airto Moreira (Perkussion), Badal Roy (Tabla), Mahalakshmi (Tamboura)
Joe Dvorak (03.03.2023, 10:05):
Jazz am Nachmittag:



Stanley Turrentine with Milt Jackson - Cherry (1972)

Stanley Turrentine (Tenorsaxophon), Milt Jackson (Vibraphon), Bob James (Klavier, E-Piano), Cornell Dupree (Gitarre), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug)
Maurice inaktiv (03.03.2023, 11:38):


King Oliver Heritage Band AD: 29.-31.08.1995, Frankfurt/Main

Horst Schwarz & Abbi Hübner (Trompeten) - Harald Blöcher (Posaune) - Reimer von Essen (Klarinette) - Fran Selden (Altsax) - Simon Holiday (Klavier) - Thomas Streckenbach (Banjo) - Cliff Soden (Bass) - Trevor Richards (Drums)

Drei Briten (Holiday, Soden, Richards) und sechs Deutsche haben hier eine wunderbare Einspielung der Band des großen King Oliver gemacht. Die Arrangements stammen von den beiden Trompetern und Reimer von Essen. Drei Stücke stammen direkt von Oliver.

Ich habe selbst noch mit drei der Musiker zusammengespielt, einer davon ist fast mein Nachbar, wir plauschen öfter mal, wenn wir uns irgendwo treffen. Einer war drei Jahre lang mein Bandleader. Heute sind das alles alte Männer, so ist das Leben. Diese Generation wird leider aussterben, denn die jungen Musiker wollen heute diese Musik nicht mehr spielen, dudeln lieber Skalen rauf und runter, und wollen von schönen Melodien, einem strammen Beat und trotzdem immer wieder spannenden Akkorden nichts mehr wissen. Schade, denn es war ein richtig tolle Musik damals, wenn man bedenkt, dass es keine Tonträger und auch der Radio gerade erst am Entstehen war.

Es ist die Musik, auf die die Nachfolge-Generationen aufgebaut, sie aber auch erweitert und modernisiert haben. Ich kann auch nicht so linientreu das Ganze spielen, wie es diese Generation noch konnte, die fast alle noch mit den Musikern dieser Zeit später mal auf der Bühne gestanden haben, oder sie zumindest noch live erleben durften.
Joe Dvorak (04.03.2023, 03:04):


Randy Weston - Blue Moses (1972)

Freddie Hubbard (Trompete), Grover Washington Jr (Tenorsaxophon), Hubert Laws (Floete, Piccolo), Randy Weston (E-Piano, Klavier), David Horowitz (Moog-Synthesizer), Ron Carter (Kontrabass, 3 Tracks), Bill Wood (Kontrabass, 1 Track), Billy Cobham (Schlagzeug), Phil Kraus, Airto Moreira & Azzedin Weston (Perkussion), Don Sebesky (Arrangement / Blaesersatz), Madame Meddah (Stimme)
Maurice inaktiv (04.03.2023, 10:46):


Ruby Braff : AsTime Goes By AD: 16.05.1991, London

Ruby Braff (Kornett) - Howard Alden (Gitarre) - Frank Tate (Bass)

Ruby Braff (1927-2003) war einer großen Stilisten des Jazzkornetts gewesen. Obwohl in einer Zeit geboren, in der er zu der Generation des Bop und Cool Jazz gehörte, war seine Liebe Zeit seines Lebens die Musik, die man mehr dem "tradtionellen Mainstream" zuordnen würde.

Er war ein Meister der Raritäten, der Melodie und der Kunst, diese so zu verpacken, dass sie trotzdem nie langweilig und altbacken klang. Er war auch technisch ein hervorragender Musiker, ohne diese Technik je in den Vordergrund zu stellen. Er war ein Lyriker, dessen Spiel perfekt zum Kornett passte.

Braff spielte sowohl mit Musikern des traditionellen Jazz, als auch jenen des Swing (vor allem gerne mit Buck Clayton zusammen, dem er früher auch sehr nahe kam mit seinem Stil), aber auch jener Musiker, die den Mainstream bis in die 1990-er Jahre hinein immer wieder zugeneigt waren.

Besonders bekannt wurde sein Quartett, dass er in der Zeit 1973-ca 1975 leitete, und was mit zwei Gitarren (einer Lead-Gitarre und einer Rythmusgitarre) und Kontrabass besetzt war. Braff nutzte nur selten das Schlagzeug, es passte einfach oftmals nicht zu seiner kammermusikalischen Auffassung des Jazz.

Er war auch nie ein Freund der lauten Töne, aber seine ganzen Einspielungen zeigen seinen außergewöhnlichen Geschmack, sei es bei der Programmzusammenstellung (er ist ein großes Vorbild für mich in dieser Richtung) oder auch bei der Auswahl seiner Musiker.

Braff spielte zunächst mit Edmond Hall, Pee Wee Russell, Vic Dickenson 1954/55 in den Besetzungen von Benny Goodman, die zu Goodmans besten Einspielungen gehören, die er nach seiner erfolgreichen Bigband-Zeit machte. Er machte wunderbare Duo-Einspielungen mit dem Pianisten Ellis Larkins, und wirkte viele Jahre im Storyville Jazzclub von George Wein, in dessen Newport Jazz Festival All Stars er auch mitspielte.

1971-1973 begleitete er den großen Tony Bennett, spielte sehr viel und gerne mit dem Pianisten Dick Hyman, dem er musikalisch sehr verbunden war, aber auch mit Scott Hamilton, Ellis Larkins oder John Bunch. Und immer wieder leitete er eigene Formationen, mit denen er vor allem für Arbors Aufnahmen machte, aber für andere Firmen arbeitete.

Braffs sehr rauhe, barsche Art, die so überhaupt nicht zu seinem musikalischen Stil passte, machte ihm bei der Auswahl seiner Musiker immer wieder das Leben schwer. Selten hielten seine Formationen lange, weil er seine Musiker vergraulte.
Joe Dvorak (05.03.2023, 00:40):
Ruby Braff : As Time Goes By AD: 16.05.1991, London
Die Beschreibung hat mich so neugierig gemacht, dass ich mein aktuelles Programm unterbrochen habe und es hat sich mehr als gelohnt. Ein tolles Konzert, danke fuers Posten!
Maurice inaktiv (05.03.2023, 01:03):
Die Beschreibung hat mich so neugierig gemacht, dass ich mein aktuelles Programm unterbrochen habe und es hat sich mehr als gelohnt. Ein tolles Konzert, danke fuers Posten!
Das freut mich sehr zu lesen, mein lieber (Cetay) äh Joe. Ja, der Ruby war schon eine Klasse für sich. Er stand direkt in der Linie Louis Armstrong - Bix Beiderbecke - Bobby Hackett. Nach Ruby Braff kamen dann Warren Vaché und Jon-Erik Kelso. Vaché und Kellso habe ich mehrfach gehört, beide sind aber moderner als Braff.

Vaché (Jahrgang 1951) ist fast schon an Clark Terry dran, was seine Fertigkeit angeht, auch modernen Jazz ins Programm einfließen lassen zu können. Vaché hat auch mehrfach mit Benny Goodman gespielt und war auch in der Band von Buck Clayton zeitweise gewesen, Dan Barrett, Howard Alden, Bucky Pizzarelli, Scott Hamilton und Jake Hanna. Er hat Einflüsse von Ruby Braff, Buck Clayton, Bobby Hackett, Roy Eldridge, Clifford Brown und Blue Mitchell verarbeitet. Vaché spielt mit mehr Power als Braff, hat einen vollen, großen Ton und ist letzten Endes ein völlig anderer Musiker.

Jon-Erik Kellso (*1964) spielte ebenfalls mit Buck Clayton, Ruby Braff, Dick Hyman, Bob Haggart, Marty Grosz, Wynton Marsalis, Kenny Davern, Wycliffe Gordon, Bucky Pizzarelli, Howard Alden oder Ken Peplowski. Kellso spielt seit Jahren im Wechsel Kornett, Trompete und eine Entwicklung, an der beteiligt ist, ein Pujé. Das ist eine Verbindung von Kornett und Flügelhorn. Kellso ist wiederum ein mehr in Richtung Braff gehender Musiker, dessen Ton aber immer wieder an Roy Eldridge erinnert, dessen rauhen Sound er manchmal recht nahe kommt.

Man kann also auch bei den "Nachfolgern" eine Verbundenheit zu den gleichen Musikern erkennen. Falls Du also mal Lust haben solltest, kannst Du da gerne mal nachverfolgen, was es da so gibt.
Joe Dvorak (05.03.2023, 23:25):


Johnny Hammond - Wild Horses Rock Steady (1972)

Harold Vick (Altsaxophon), Groover Washington Jr (Tenorsaxophon), George Benson (Gitarre), Eric Gale (Gitarre), Johnny Hammond (Orgel), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Airto Moreira (Perkussion), Bob James (Blaeser- & Streicherarrangements)
Joe Dvorak (06.03.2023, 00:05):


Jackie & Roy - Time & Love (1972)

Jackie Cain & Roy Kral (Gesang), Hubert Laws (Floete), Paul Desmond (Altsaxophon), Jay Berliner (Gitarre), Bob James (E-Piano), George Ricci (Violoncello), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Airto Moreira & Phil Kraus (Perkussion), Don Sebesky (Orchesterarrangement & Leitung)

Angejazztes Easy-Listening mit Adaptionen von Bernstein, Bach, Debussy & Villa-Lobos. Das kann man einmal ohne Reue hoeren.
Joe Dvorak (07.03.2023, 00:06):


Charles Earland - Intensity (1972)

Tracks 1-3: Lee Morgan (Trompete, Fluegelhorn), Hubert Laws (Floete), John Fourie (Gitarre), Greg Miller (Gitarre), Charles Earland (Orgel), Billy Cobham (Schlagzeug), Sonny Morgan (Congas), Virgil Jones, Victor Paz & Jon Faddis (Trompete, Fluegelhorn), Dick Griffin & Clifford Adams (Posaune), Jack Jeffers (Bassposaune)

Track 4: Lee Morgan (Trompete), Billy Harper (Tenorsaxophon), William Thorpe (Baritonsaxophon), Hubert Laws (Piccolo), Maynard Parker (Gitarre), Charles Earland (Orgel), Billy Cobham (Schlagzeug)
Joe Dvorak (07.03.2023, 01:19):


Gabor Szabo - Mizrab (1973)

Gabor Szabo (Gitarre), Bob James (Klavier, E-Piano, Orgel, Orchesterarrangement & Leitung), Ron Carter (E-Bass, Kontrabass), Billy Cobham & Jack DeJohnette (Schlagzeug, alternierend), Ralph McDonald (Perkussion)
Joe Dvorak (07.03.2023, 02:43):


Milt Jackson - Sunflower (1973)

Freddie Hubbard (Trompete, Fluegelhorn), Milt Jackson (Vibraphon), Herbie Hancock (Klavier, E-Piano), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Don Sebesky (Orchesterarrangment & Leitung)
Maurice inaktiv (07.03.2023, 09:37):


Duke Ellington: At the Bal Masque AD: 20.-31.03.1958 & 01.04.1958, New York

Das ist jetzt keine Jazzplatte, dafür aber eine CD mit Seltesheitswert. Wer kennt von ihm schon Einspielungen von "Alice Blue Gown", "Who's Afraid of the Big Band Wolf", "Got a Date with an Angel", "Satan takes Holiday", "The Peanut Vendor", "Indian Love Call" oder "The Donkey Serenade"?

Als Bonus-Aufnahmen wurde hier das Album "Unknown Session" vom 14.07.1960 dazu gegeben. Fragt mich bitte nicht, wie man auf so eine Kombination gekommen ist, aber diese CD lohnt sich auf jedem Fall. Hier mal im Septett, trotzdem aber purer Ellington.

Ray Nance (Kornett) - Lawrence Brown (Posaune) - Johnny Hodges (Altsax) - Harry Carney (Baritonsax) - Duke Ellington (Klavier) - Aaron Bell (Bass) - Sam Woodyard (Drums)

Ganz Rechts ist die Original-Fassung von "Unknown Session", in der Mitte die spätere Veröffentlichung (die auch ich habe noch einmal separat), ganz Links dann "At the Bal Masque" mit der Bonus-CD "Unknown Session".

Das ist feine Musik, äußerst geschmackvoll gespielt. Gerade die Septett-Besetzung ist wunderbar swingend, mit schönen Soli aller Musiker.

Damit der arme Joe nicht ganz alleine hier ist...... :beer
Joe Dvorak (07.03.2023, 10:25):
Damit der arme Joe nicht ganz alleine hier ist......
:beer

Zur Not kapern wir das Forum und benennen es in Mauroes & Jices Jazzbar um. Wir ergaenzen uns hervorragend. Du deckst die Zeit bis ca. 1968 ab (plus die Bands/Musiker, die speater im alten Stil weiterspielten) und ich die Zeit danach bis heute.
Maurice inaktiv (08.03.2023, 23:22):
Zur Not kapern wir das Forum und benennen es in Mauroes & Jices Jazzbar um. Wir ergaenzen uns hervorragend. Du deckst die Zeit bis ca. 1968 ab (plus die Bands/Musiker, die speater im alten Stil weiterspielten) und ich die Zeit danach bis heute.
Stimmt. Manchmal gehen wir aber auch mal "fremd", damit wir nicht ganz so berechenbar sind. :J :beer

Heute aber nicht.



Jo Jones : Jo Jones Special - Septet AD: 11.& 16.08.1955, New York (01-08) *
Vamp till Ready - Sextet AD: 19.04.1960 , New York (09-19)

*Emmett Berry (Trompete) - Bennie Green (Posaune) - Lawrence Brown (Posaune, 4, für Green) - Lucky Thompson (Tenorsax) - Buddy Tate (Tenorsax, 4, für Thompson) - Rudy Powell (Altsax, Klarinette, 4 dazu) - Nat Pierce (Klavier, 2,3,5,6,8) - Count Basie (Klavier, 1,7) - Pete Johnson (Klavier, 4) - Freddie
Green (Gitarre) - Walter Page (Bass) - Jo Jones (Drums)

Harry Edison (Trompete) - Bennie Green (Posaune) - Jimmy Forrest (Tenorsax) - Tommy Flanagan (Klavier) - Tommy Potter (Bass) - Jo Jones (Drums)

Eine sehr gelungene Mainstream-CD aus einer Zeit, als noch viele großartige Musiker voll in ihrer Blütezeit standen. Mit Jo Jones haben sieben Musiker bei Basie gespielt, Jimmy Forrest sollte in den 1970-er Jahren folgen, Nat Pierce wurde "der weiße Count Basie" genannt, vertrat ihn öfter mal, vor allem 1976/77, als Basie sich eine Auszeit gönnen musste wegen einer Operation. Pierce war auch zeitweise Vertretung für Stan Kenton fast zeitgleich, als dieser durch einen Autounfall nicht spielen konnte.

Die zweite LP von 1960 war die "Working Group" von Harry Edison und Jimmy Forrest. Nur Drummer Charlie Persip wurde durch Jo Jones ersetzt.
Joe Dvorak (09.03.2023, 07:16):
Nach dem ganzen -von mir nicht ungeliebten- Zierat mit extra Blaesersaetzen, Streichern, Orchestern, Perkussionskaskaden oder Gesang und stilistischem Beiwerk wie Latin, Funk, Soul, Rock, World oder Easy Listening, weiss man eine Geradeaus-Jazz-Session ohne Netz und doppelten Boden wieder ganz besonders zu schaetzen:



Ron Carter - All Blues (1973)

Joe Henderson (Tenorsaxophon), Roland Hanna (Klavier / 4 v. 5 Tracks), Richard Tee (E-Piano / 1 Track), Ron Carter (Kontrabass, Piccolobass), Billy Cobham (Schlagzeug)
Maurice inaktiv (10.03.2023, 14:06):


Buddy and His Buddies : 1937-1938

Bandleader Clifford "Boots" Douglas (*1908; sein Todesjahr und Datum ist nicht bekannt) wurde in Temple/Texas geboren. Er sollte ab 1932 eine der zahlreichen "Territory-Bands" leiten, die damals in den USA das Fundament legten, welches dann die großen Bigbands zu ihrem Erfolg führen sollten. Entsprechend gingen daraus viele spätere Topp-Musiker hervor, etwa Duke Ellingtons Cat Anderson.

Überraschenderweise findet man sogar einen Wikipedia-Eintrag zu ihm im Netz. Doch auch das gute Booklet gibt einem einige Infos über ihn mit. So machte die Band von 1935-1938 Aufnahmen mit dem Label Bluebird Records, einem damals bekannten Label für die Musik ab 1932. Bluebird gehörte zum Giganten RCA, aber war für den Billigbereich zuständig. Gegründet hat sie der geschäftsträchtige Eli Oberstein.

Unter dieser Firma machten Musiker wie Charlie Barnet, Glenn Miller, Shep Fields, Fats Waller, Artie Shaw, das Golden Gate Quartett, Tampa Red oder Sonny Boy Williamson Aufnahmen. Es war vor allem für den Jazz, Blues Oldtime und Country-Bereich zuständig.

Zurück zu Boots and his Buddies. Die Band war vor allem in Texas und um San Antonio herum viele Jahre aktiv. Man sagte der Band eine gewisse "Schlampigkeit" nach, und der Leader am Schagzeug war zwar ein verdammt guter Musiker, aber manchmal war er einfach nicht so recht bei der Sache.

Die beiden CDs (damals waren es natürlich nur Singles; insgesamt 42 Plattenseiten, also 21 Singles), die man dazu erwerben kann, bringen alle diese Aufnahmen wieder raus. Hier sind es davon 21 Titel). Viele davon dürften von den Mitgliedern selbst geschrieben worden sein. An Standards kann man "Ain't Misbehavin', "Willow Weep for Me", Somebody Loves Me, "Sometimes I'm Happy", "Carless Love" und "Blue Lou" erleben.

Ich finde viele Nummern wirklich gut gespielt, wenn man sie jetzt nicht mit Bands wie Count Basie oder Duke Ellington vergleicht. Man kennt davon keinen Musiker, daher erwähne ich sie erst überhaupt nicht alle. Einen guten Eindruck hinterließen der Trompeter Charles Anderson und Tenorist Baker Millian bei der Session von 1937.

Bei den anderen Sessions dürften die Tenorsoli weiterhin von Baker Millian gewesen sein, der auch die Arrangements alle geschrieben haben dürfte. Die Posaunensoli spielte alle George Corley (er war ja der einzige Posaunist der Band), Clifton Chatman spielte die Klarinettensoli. Der Gesang kam von Celeste Allen (2,6, Cora Woods (5,9,11,12) und Harold Homes (3,10,18). Fragt mich bitte nicht, wer schlechter gesungen hat. Es war das übliche, meist trostlose Geschmalze, wie es damals üblich war.

Die ersten acht Titel stammen von einer Session vom 17.September 1937. Es wurden damals keine Schnitte gemacht, das gab es noch nicht. Nur wenige Bands bekamen die Chance, eine Aufnahme zu wiederholen. Im Billig-Sektor schon mal überhaupt nicht. Daher sind alle Stücke in einem Take entstanden. Das tat nicht allen Stücken gut. Die Besetzung entsprach 3 Trompeten-2 Posaunen, 3 Saxophonen (2x Alt, x Tenor), und kompletter Rhythmusgruppe (Klavier, Gitarre, Kontrabass und Drums). Dazu kamen noch die obligatorischen zwei Sänger (weiblich und männlich).

Die nächsten sieben Nummern wurden am 06.April 1938 eingespielt. Erneut mit etwas anderer Zusammenstellung: 3 Trompeten, einer Posaune, 3 Saxophonen (2x Alt, 1x Tenor), kompletter Rhythmusgruppe (Klavier, Gitarre, Kontrabass, Drums).

Trotz dieser Einschränkungen finde ich die CD aus historischer Sicht für nicht unwichtig. Denn diese regionalen Bands waren damals in unzähligen Mengen in den USA in jedem Bundesland unterwegs und versorgten die Menschen mit Musik zum Tanzen.

Bekanntere Territory-Bands waren Alphonse Trend, Don Albert, Lloyd Hunter, in Kansas City etwa Harland Leonard und Jay McShann, in denen beide Charlie Parker spielte, Carolina Cotton Pickers (mit dem jungen Cat Anderson), Doc Wheelers Sunset Orchestra, Cecil Scott (mit dessen Bruder Lloyd und dem jungen Dickie Wells), Clarence Holiday (die Band von Billie Holidays Vater, mit etwa Benny Morton), Speed Webb (mit Vic Dickenson).

Die letzten sechs Titel wurden in reduzierter Besetzung aufgenommen. 2 Trompeten, 1 Posaune, 4 Saxohone (1x Altsax/Klarinette, 1x Altsax, 2x Tenorsax), kompletter Rhythmusgruppe (wie zuvor). Diese Aufnahmen entstanden am 28.Oktober 1938

Alle Aufnahmen wurden in San Antonio gemacht, damit die Band sie zwischen ihren Auftritten machen konnte und nicht nach New York reisen musste. Es war wohl billiger, dort ein Tonstudio anzumieten.
Joe Dvorak (11.03.2023, 02:50):
Konservierter Live-Jazz am Morgen:



Hubert Laws - Carnegie Hall (12. Jan 1973)

Hubert Laws (Floete), Dave Friedmann (Vibraphon), Bob James (Klavier, E-Piano), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Freddie Waits (Schlagzeug), Gene Bertuccini (Gitarre), Dave Miller (Fagott)
Joe Dvorak (12.03.2023, 01:07):
Heute ein abwechslungsreiches Morgenprogramm bei Joes Jazzfestival:



Johnny Hammond - The Prophet (1973)

Eric Gale (Gitarre), Johnny Hammond (Orgel), Ron Carter (Kontrabass, E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug), Airtio Moreira (Perkussion), Pee Wee Ellis (Arrangement & Leitung / Blaesersatz, Vokalgruppe), feat. Maceo Parker (Tenorsaxophon), Buddy Lucas (Mundharmonika), Pee Wee Ellis (Harmonium), Hubert Laws (Floete)




Billy Harper - Capra Black (1973)

Billy Harper (Tenorsaxophon). Jimmy Owens (Trompete), Dirk Griffin (Posaune), Julian Priester (Posaune), Reggie Workman (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Warren Smith & Elvin Jones (Schlagzeug / alternierend), Barbara Grant, Gene McDaniels, Laveda Johnson & Pat Robinson (Gesang)

Man findet diese Musik bisweilen unter dem Label 'Spiritual Jazz'. Nach dem chaotischen Umbruch der 60er Jahre verschob der Spiritual Jazz weiterhin die Grenzen der Form, integrierte neue Instrumentierungen, östliche Einflüsse und vertiefte sich in den abstrakteren Expressionismus (udiscovermusic). Ohne die genaue Definition zu kennen und welche Elemente nun genau das Spirituelle ausmachen, kann ich die Platte sicher dort verorten, lange bevor der Gospel-Chor die Hoerflaeche betritt. Es herrscht diese Love Supreme Atmosphaere, bei der manchmal Unsicherheit aufkommt, ob man Musik oder einem Gebet lauscht.




Billy Cobham - Spectrum (1973)

Tommy Bolin (Gitarre), Jan Hammer (E-Piano, Mini-Moog), Lee Sklar (E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug)
oder
Joe Farell (Sopran- & Altsaxophon, Floete), Jimmy Owens (Trompete, Fluegelhorn), John Tropea (Gitarre), Jan Hammer (Klavier, E-Piano, Mini-Moog), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Ray Baretto (Congas)

Das gilt als eines der besten Alben der Jazz-Rock-Fusion. Zwar wird auch hier schon genretypisch das indivduelle Koennen der Musiker hart an der Grenze zur Selbstgratifikation herausgestellt, aber die einfallsreichen runden Kompositonen halten das zusammen. Unnuetzes Wissen am Rande: Das Bass-Ostinato von Stratus wurde mindestens 11 mal als Sample in diversen Pop-Songs gecovert. Quelle: Whosampled. Heutzutage gibt es wirklich fuer jeden Pferdeapfel eine App.
Joe Dvorak (12.03.2023, 15:16):


Freddie Hubbard - Sky Dive (1973)

Freddie Hubbard (Trompete), Hubert Laws (Floete), George Benson (Gitarre), Keith Jarrett (E-Piano, Klavier), Ron Carter (E-Bass, Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Airto Moreira (Perkussion), Ray Barretto (Perkussion), Don Sebesky (Arrangement & Leitung / Blaesersatz)
a-way (12.03.2023, 15:18):


aus Shostakovich - Film Music
King Lear, op. 137
Belgian Radio Symphony Orchestra, José Serebrier

Shostakovich + Filmmusik hatte ich das letzte Mal, ohne nachzudenken, im Klassik-Thread gepostet und so wirklich sicher bin ich nicht, ob manche Filmmusik nicht auch zur klassischen Musik gezählt werden kann, aber ich schau mal, wie es hier sich nun so anfühlt :) .
Joe Dvorak (12.03.2023, 15:24):
Also ich meine: Klassischer Komponist, klassisches Orchester, klassischer Dirigent und ob der gute Dmtri jetzt fuer den Film in seinem Kopf oder fuer den auf der Leinwand komponiert hat, gibt sich nicht viel... :P
Maurice inaktiv (12.03.2023, 16:06):
Shostakovich + Filmmusik hatte ich das letzte Mal, ohne nachzudenken, im Klassik-Thread gepostet und so wirklich sicher bin ich nicht, ob manche Filmmusik nicht auch zur klassischen Musik gezählt werden kann, aber ich schau mal, wie es hier sich nun so anfühlt
Also ich meine: Klassischer Komponist, klassisches Orchester, klassischer Dirigent und ob der gute Dmtri jetzt fuer den Film in seinem Kopf oder fuer den auf der Leinwand komponiert hat, gibt sich nicht viel...
Ich würde es eher unter einer Rubrik "Filmmusik" posten, wenn es das hier gibt. Wenn nicht, könnte man das einrichten, wenn man es nicht braucht, würde ich e im Klassik-Bereich posten. Doch das ist nur meine Meinung dazu. Wir haben ja zwei Foren-Besitzer, da könnte sich ja jemand mal melden dazu.
Nicolas_Aine (12.03.2023, 18:37):
hm. Ich sehe den Bedarf für einen.extea Filmmusik Faden im Moment nicht, aber wenn ihr das anders seht, wäre ich da durchaus offen dafür. Ansonsten denke ich, dass sich Filmmusik meist entlang der Grenze bewegt, Korngold und Shostakovich vielleicht eher auf der einen Seite, Hans Zimmer vielleicht eher auf der anderen. Daher wäre mein.Virschlag, das jeweils dem Ermessen des Verfassers zu überlassen. Wäre das ok?
Sfantu (12.03.2023, 19:54):
Ebenso wie Nicolas finde ich, das Ermessen des Verfassers sollte den Ausschlag geben.

Gerade im Falle Schostakowitschs bekommen wir zum Teil Hochkaräter geliefert, die im Blindtest allemal als absolute Musik durchgingen (Hamlet bspw., wenn ich das noch richtig im Ohr habe - die Hornisse sicher weniger).
Ich persönlich würde es im Klassik-Bereich posten - aus exakt den Gründen, welche Joe anführt.
Es wird aber immer auch Grenzfälle geben. Und was die Zuordnung betrifft, werden sich wohl auch nicht immer alle einig sein.
Was macht man zum Beispiel mit Korngolds Violinkonzert? Einen Teil davon hat der Komponist kurzerhand aus einer seiner Filmmusiken kopiert - und das hört man, da es voll ins Klischee der kitschgesättigten Hollywood-Schmonzette paßt.
Joe Dvorak (13.03.2023, 04:48):
Jazz am Mittag:



Gene Ammons - Big Bad Jug (1973)

Session #1 (4 Tracks): Gene Ammons (Tenorsaxophon), Maynard Parker (Gitarre), Sonny Philips (Orgel, E-Piano), Ron Carter (E-Bass, Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug)

Session #2 (3 Tracks): Gene Ammons (Tenorsaxophon), Joe Beck (Gitarre), Hank Jones (E-Piano), Ernest Hayes (Orgel), Ron Carter (E-Bass, Kontrabass), Idris Muhammad & Mikey Roker (Schlagzeug, alternierend)
Joe Dvorak (14.03.2023, 10:45):


Larry Coryell - Spaces (1970)

Larry Coryell (Gitarre), John McLaughlin (Gitarre), Miroslav Vitous (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Chick Corea (E-Piano)
Joe Dvorak (15.03.2023, 06:49):


Ron Carter - Spanish Blue (1975)

Hubert Laws (Floete), Jay Berliner (Gitarre), Roland Hanna (Klavier, E-Piano / 3 Tracks), Leo Pendarvis (E-Piano / 1 Track), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug), Ralph McDonald (Perkussion)

Eine sehr entspannte, aber eindringliche Session mit dezentem spanischen Flair. Ich wuerde sagen, dass das eine der besten Aufnahmen mit Carter ist, wenn es nicht ueber 2500 davon gaebe und ich allenfalls 2% davon gehoert habe. 2016 erhielt er fuer 2221 Nennungen den Weltrekordhaltertitel als meistaufgenommener Jazz-Bassist und im letzten Jahr wurde eine zweistuendige Dokumentation (Finding the Right Notes) ueber das Leben und Werk des heute 85-Jaehrigen ausgestrahlt. Das passiert den Tieftonzupfern nicht allzuoft.
Maurice inaktiv (18.03.2023, 10:40):
Sy Oliver (& Billy May) : Jimmie Lunceford in Hi-Fi

Leider geht das Cover dazu nicht mehr reinzuposten. Doch es ist die richtige CD. Ein Album, was zwei Einzel-LPs zu dem Thema vereint. Einmal Ex-Lunceford-Trompeter und Arrangeur Sy Oliver und Ex-Glenn Miller-Trompeter und Arrangeur Billy May, der den Sound Luncefords in den 1950-er Jahren auf seine Weise verarbeitet hat.

Die CD hier gibt es auch in anderer Zusammenstellung, aber hier liegt die schlüssigste Variation vor. Was zuerst mal für Sammler am Wichtigsten ist, ist die Tatsache, dass hier von Track 13-24 die Aufnahmen von 1957 mit Billy May ebenso drauf sind. Leider wird da auf der Cover-Vorderseite nicht nicht mit hingewiesen und nicht vollständig.

Sy Olivers Band ist nur von 1-12 zu hören. Es beginnt mit Aufnahmen vom Mai 1950 und endet mit jenen von 1957.Alle Arrangements stammen bis auf 11+12 von Oliver selbst, die letzten beiden dann von Ed Wilcox, dem Original-Pianisten der Lunceford-Band.

Oliver verwendet einige Ex-Lunceford-Musiker, darunter die Schlagzeuger Jimmy Crawford und Joe Marshall, Bassist George Duvivier, Lead-Trompeter Paul Webster und Posaunist Elmer Crumbley.

Weitere Solisten sind u.a. die Trompeter Paul Webster, Charlie Shavers und Taft Jordan, die Posaunisten Frank Rehak, Frank Saracco, Henderson Chambers und Mort Bullman, Gitarrist Everett Barksdale, Billy Kyle am Celeste, Artie Baker (Klarinette),Fred Williams und Sam "The Man" Taylor jeweils am Tenorsaxophon und Ed Wilcox am Klavier und die Altsaxophonisten Hymie Schertzer und George Dorsey.

Alles klingt absolut authentisch, Sy Oliver singt bei manchen Titeln, ebenso Leslie Scott (Track 10) und Joe Bailey (Track 11).

Ab Track 13 kommt dann Billy May zum Einsatz. Er kopierte viele Dinge von Lunceford für seine Band in den 50-er Jahren, doch May war schon bei Charlie Barnet und Glenn Miller ein hervorragender Arrangeur,der den Lunceford-Sound gut für seine Stücke verwandt.

May setze eine hochkarätige Studio-Bigband hin und holte sich mit Trummy Young (Posaune und Gesang),Willie Smith (Lead-Alto, Klarinette, Baritonsax und Gesang),Joe Thomas (Tenorsax und Gesang) und Dan Grissom (Gesang) einige der wichtigsten Original-Musiker der Lunceford-Band dazu.

Hier treten neben den "Originalen" die Trompeter Pete Candoli, Manny Klein und Ollie Mitchell, Posaunist Si Zentner (in "Well All Right Then"&"Charmaine"),Joe Montragon am Bass und Schlagzeuger Alvin Stoller hervor.

Die Aufnahmen von Billy May entstanden im Mai & Juni 1957,sind hier aber leider nicht komplett zu hören. Warum, düfte ein Geheimnis der CD-Firma sein, mir erschließt es sich nicht.

Doppelt zu hören sind "For Dancers Only","Margie",Four or Five Times","'Tain't what You Do","Cheatin' on Me" und "Rhythm is our Business".Hier kann man dann die Bands und Solisten miteinander vergleichen.

Es ist eine wirklich hervorragende CD,die man sich immer wieder gerne anhören kann und wird. Es gibt keinen "Verlierer", im Gegenteil. Man muss traurig sein, dass diese wunderschönen Titel heute im Grunde nicht mehr gespielt werden, obwohl das "American Jazz Orchestra" eine ebenso schöne CD in den späten 80-er Jahren vorstellte.

Das Booklet ist hervorragend gemacht.Alle wichtigen Dinge werden genannt: Personal, Aufnahmedaten, Solisten beider Produktionen, dazu viele Bilder der beteiligten Solisten, sowie eines der original Lunceford-Band.
a-way (19.03.2023, 13:09):


Submarines - Sound Effects
Submarine Runs on Surface in Calm Sea, Submarine Runs on Surface in Rough Sea, Submerged Submarine Pass by Closely, Underwater Submarine Pass By, Submarine Attacked by Depth Charges, usw.

Mal etwas sehr anderes, auch weg von den Beatles. Zu größeren musikalischen Zusammenhängen reicht es bei mir gerade nicht und interessant finde ich es aber auch, hatte mich - nach einem Nordsee-Urlaub inkl. Seenotrettungmuseumsbesuch - auch mal in diese Richtung etwas interessiert, ist aber schon lange her.

hm. Ich sehe den Bedarf für einen.extea Filmmusik Faden im Moment nicht, aber wenn ihr das anders seht, wäre ich da durchaus offen dafür.
Spannend und irgendwie auch stimmig fände ich es schon, ich höre nur so selten Filmmusik und würde den Thread momentan wohl nicht sehr beleben können.
Joe Dvorak (24.03.2023, 00:26):



The Griffith Park Collection - The Griffith Park Collection (1982) & 2 In Concert (Live, 3. Apr. 1983)

Freddie Hubbard (Trompete, Fluegelhorn), Joe Henderson (Tenorsaxophon), Chick Corea (Klavier), Stanley Clarke (Kontrabass), Lenny White (Schlagzeug)

Sachen gibt es. Obwohl die Musiker auch den nicht ganz so intimen Jazzkennern mehr als wohlbekannt sind, habe ich von diesem seltsam benannten Projekt noch nie etwas gehoert. Corea, Clarke & White bildeten Mitte der 70er drei Viertel von Return to Forever, die mit ihrer stark elektrifizierten Fusion-Musik ueber Jazzkreise hinaus bekannt und erfolgreich wurden. Hier geht es zurueck zu den Wurzeln. Corea laesst E-Piano und Synthesizer ausgesteckt, Clarke spielt nur Kontrabass und White verzichtet auf alles Programmierbare. Das ist Straight Ahead Jazz -wie man auf Deutsch zu sagen pflegt- mit einer Blaeserfront, die das zu einer Allsuperstar-Session macht. Offenhoerbar geniesst das Quintett die Abwesenheit von allem technischen Ballast und spielt befreit und eindrucksvoll auf. Die 1,5 Stunden des Livekonzerts mit gerade mal 6 Steucken (Eigenkompositonen von jedem Mitglied ausser Henderson & zwei Standards) vergehen wie im Flug. Das ist einfach Grosse Musik und es ist immer wieder aufs Neue eine hoechst befriedigende Feststellung, dass es davon wohl noch genug Ungehoertes fuers Restleben geben muss.
Maurice inaktiv (24.03.2023, 09:00):


Nat "King" Cole : The Complete After Midnight Sessions AD: 15.08.1956, 14.09.1956, 21.09.1956, 24.09.1956 & 14.07.1955 (Bonus Tracks)

Nat "King" Cole (Klavier, Gesang) - John Collins (Gitarre) - Charlie Harris (Bass) - Lee Young (Drums) + Harry Edison (Trompete, 01-05), Willie Smith (Altsax, 06-09) , Juan Tizol (Ventil-Posaune, 10-13), Stuff Smith (Geige, 14-17)

Das ist sicher kein "reiner" Jazz, aber dafür mit unglaublich viel Jazzfeeling gespielt. Harry Edison, Willie Smith und Stuff Smith sorgen für die Farbtupfer, wogegen sich Juan Tizol sehr zurückhält. Es gibt nur wenige schnelle Nummern, die meisten Stücke bewegen sich im typischen "Schmusetempo", mit dem er bekannt geworden ist.

Die reinen Quartettstücke zeigen auf, wie großartig diese Formation auch jazzen konnte, etwa im letzten Stück "Little Girl"

Die Karriere von Nat "King" Cole ist häufig erwähnt worden, daher verzichte ich darauf. Nur so viel: Er war, bis sein Gesang sein hervorragendes Klavierspiel an Erfolg übertraf, ein von Earl Hines beeinflusster Pianist, dessen Erfolg mit seinem Trio 1939 begann.

1956 war das letzte Jahr, indem sein Quartett noch bestand, denn er nahm, nachdem dieser ganz zu Beginn noch dabei war, erneut den Drummer (und Bruder von Lester Young) Lee Young wieder mit dazu. Diese Besetzung hatte einige Jahre unverändert bestanden.

John Collins (1913-2001) spielte mit Roy Eldridge, Billie Holiday, Lester Young, Benny Carter, Fletcher Henderson, Slam Stewart, Kenny Clarke, Erroll Garner, Ike Quebec, Eddie "Lockjaw" Davis, Coleman Hawkins, Artie Shaw, Art Tatum, und spielte auch nach dem Trio/Quartett von Cole bis zu dessen Tod 1965 mit ihm weiter. Collins gehörte zu den wenigen Swing-Gitarristen, die den Übergang vom der Akkustik-Gitarre zur elektrischen Jazzgitarre bewältigen konnten.

Über den Bassisten Charlie Harris ist nur wenig bekannt geworden. Er stammte aus Baltimore/Maryland, war ab 1941 einige Jahre in der Bigband von Lionel Hampton (als Hampton zeitweise zwei Bassisten verwendete), machte Aufnahmen mit Dizzy Gillespie (die ich nicht kenne), gab 1949 das Touren zunächst auf, wurde dann aber 1950 von Cole im Royal Theatre in Baltimore wieder entdeckt und ging dann mit diesem erneut auf Tournee bis 1956.

Anschließend ging Harris zurück in seine Heimatstadt, unterrichtete dort Bass, war aber auch als Möbelverkäufer tätig. er starb, wie auch Cole, an Krebs irgendwann mal.
Maurice inaktiv (24.03.2023, 10:31):


The A.B.Q (The Alden-Barrett-Quartett) : Salutes to Buck Clayton AD: Juni 1989 , New York

Dan Barrett (Posaune) - Chuck Wilson (Altsax, Klarinette) - Howard Alden (Gitarre) - Frank Tate (Bass) - Jackie Williams (Drums)

Das Quartett spielte zu diesem Zeitpunkt seit Februar 1985 in gleicher Besetzung zusammen, ist also sehr eingespielt gewesen, als man diese wunderschönen Stücke von Buck Clayton einspielte, mit zwei weiteren Standards, die nicht aus der Feder Claytons stammten.

Buck Clayton (1911-1991) war zu diesem Zeitpunkt noch am Leben, leitete seine eigene, hervorragend besetzte Bigband. Die Trompeten-Legende war von 1937-1943 einer der Topstars der Count Basie-Band, für die er einige Titel auch schrieb und arrangierte. Ich habe ihn hier im Forum auch separat vorgestellt (Buck Clayton - Ein Swingtrompeter und Arrangeur par Excellence").

Dan Barrett, Howard Alden und Chuck Wilson habe ich noch live bei uns im Jazzclub erleben dürfen, wobei nur Wilson inzwischen verstorben ist. Ale drei haben oft mit Buck Clayton gespielt, sind also bestens für dieses Projekt geeignet.

Eine unglaublich swingende, auch hervorragend arrangierte Musik, dazu hervorragend technisch aufgenommen.
Joe Dvorak (24.03.2023, 23:37):
The A.B.Q (The Alden-Barrett-Quartett) : Salutes to Buck Clayton AD: Juni 1989 , New York

Dan Barrett (Posaune) - Chuck Wilson (Altsax, Klarinette) - Howard Alden (Gitarre) - Frank Tate (Bass) - Jackie Williams (Drums)
Ich will weder als Erbsenzaehler noch als Oberlehrer dastehen, sondern nur demonstrieren, dass ich die Beitraege genau lese. Anders als in der Klassik-Epoche, in der Septette tatsaechlich zu acht oder Oktette zu neunt gespielt wurden (weil der Kontrabass nur als Stimmverdoppler eingesetzt wird - OK, doch Oberlehrer :whistling: ) handelt es sich bei A.B.Q. um ein reinrassiges Quintett mit 5 unabhaengigen Simmen. Bei einem Grenzgaenger liegt im Fall ABQ ein solcher Verschreiber freilich nahe.
Joe Dvorak (24.03.2023, 23:57):


GRP - Live in Session (1985)

Diane Schuur (Gesang), Dave Valentine (Floete), Lee Ritenour (Gitarre), Dave Grusin (Klavier, Synthesizer), Larry Williams (Synthesizer, Tenorsaxophon), Abraham Laboriel (E-Bass), Carlos Vega (Schlagzeug)

Aehnlich wie ECM oder CTI hat es das GRP-Label geschafft, mit einer fokussierten stilistischen Ausrichtung, einer typischen Klangproduktion und einem Pool von Stammmusikern einen hohen Wiedererkennungswert zu erlangen. Mir sind sie meist zu sehr auf der leichten (bis seichten) Seite angesiedelt, aber es gibt ein paar Ausnahmen, wie diese Allstar-Sitzung, die nach Abschluss einer Tournee im Studio vor Publikum eingespielt wurde. Es ist allerdings etwas halbseiden, dass Schuur und Valentin fett angekuendigt werden, aber nur auf jeweils einem der insgesamt sieben Titel dabei sind.
Maurice inaktiv (25.03.2023, 17:17):
OK, doch Oberlehrer ) handelt es sich bei A.B.Q. um ein reinrassiges Quintett mit 5 unabhaengigen Simmen. Bei einem Grenzgaenger liegt im Fall ABQ ein solcher Verschreiber freilich nahe.
:beer :thanks

Danke Dir, natürlich ist das ein Quintett. Ich habe gerade Dan Barrett und Howard Alden in so vielen Besetzungen hier vorliegen, dass ich den Drummer einfach unterschlagen habe. Vermutlich liegt es auch daran, dass ich selbst inzwischen fast alle Gigs im Quartett ohne Drummer spiele.
a-way (26.03.2023, 16:54):


Running Slow - Ella Joy Meir <3
a-way (26.03.2023, 18:11):


Freedom Chances - Rubber Soul

Südkoreanisches -all-female- Hip-Hop-Duo / ehemals Trio, benannt nach dem Beatles-Album.
Maurice inaktiv (27.03.2023, 14:45):
Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, höre ich auch hin und wieder Musik. Nun wurde ich mit dieser sehr sehr guten Doppel-CD fertig, die ich einfach nur klasse finde.



Humphrey Lyttelton: Live at the Dancing Slipper AD: 11.06.1966, Nottingham/GB

Humphrey Lyttelton & Buck Clayton (Trompeten) - Chris Pyne (Posaune) - Tony Coe (Tenorsax, Klarinette) - Eddie Harvey (Klavier) - Dave Green (Bass) - Tony Taylor (Drums) - alle Tracks CD1 und die Tracks 1-7 der CD 2.

Die letzten drei Nummern der zweiten CD wurden als Extras dazu gegeben. Hier handelt es sich um Aufnahmen aus dem Jahre 1964, der Ort ist exakt der gleiche. Die Besetzung ist etwas anders: Ohne Posaune, dafür mit dem großartigen Joe Temperley am Baritonsax und dem Bassisten Pete Blannin für Dave Green. Eddie Taylor (1929-2022) am Schlagzeug , war der Modernist der Band von 1956-1964, also bis zu dieser Aufnahme quasi.

Eine rundherum sehr gelungene Doppel-CD, mit Titeln wie "Robbin's Nest2, "The Jumpin' Blues", "Out of Nowhere", "Bernie's Tune", "Cotton Tail", aber auch "St.Louis Blues", "I want a little Girl" oder dem "Muskrat Ramble" mit wenigen Stücken aus dem älteren Jazz.

Vor allem der sehr moderne Posaunist Chris Pyne, der viel von J.J.Johnson/Kai Winding in seinem Spiel vereint war ich begeistert, den dieser Name war mir nicht wirklich geläufig. Die beiden Trompetenkolegen sind nicht immer auseinander zu halten (im Auto ist das sicher schwerer als zuhause vor der Anlage), sie ergänzen sich ganz hervorragend.

Humphrey Lyttelton (1921-2008) war einer der besten Musiker Englands nach dem Kriege, was den Bereich traditioneller Jazz/Swing angeht. Dazu war er ein hervorragender Karikaturist und Schriftsteller/Autor im Musikbereich und Komponist/Arrangeur für seine Bands.

Er begann noch als Dixieland-Musiker 1943 bei George Webb, spielte 1949 mit Sidney Bechet (incl. Aufnahmen), machte aber dann nicht den Fehler, sich zu sehr dem Publikumsgeschmack hinzuwenden (wie etwa Acker Bilk oder Chris Barber), sondern verband den Swing-Stil mit vielen Elementen aus der Ellington-Band, ohne aber Abstriche in der Qualität hinzunehmen.

Er wurde dadurch ein sehr geschätzter Leader von amerikanischen Solisten, die in England eine passende Begleitband suchten. Darunter war eben auch Buck Clayton gewesen.

Lyttelton konnte auch auf hervorragende Musiker greifen, hier etwa auf den Posaunisten Chris Pyne (1939-1995, Bruder des Pianisten Mike Pyne; der 1970 Lyttelton verlies, um 13 Jahre festens Mitglied im Begleitorchester von Frank Sinatra zu werden), Den Saxophonisten Tony Coe (1934-2023, der gerade erst verstorben ist, wie ich gerade gelesen habe. Coe spielte in der legendären Clarke/Boland-Bigband, bis 1966 bei Lyttelton, anschließend bei John Danworth, später auch mit Lee Konitz oder Stan Tracey), Eddie Harvey (1925-2012; George Webb, Woody Herman, Ronnie Scott, Tubby Hayes, Vic Lewis, John Dankworth, 1963-1972 bei Lyttelton), Dave Green (*1942; wurde sechs Mal in Folge als bester Bassist Großbritanniens gewählt, spielte von 1965-1983 bei Lyttelton, aber auch mit Benny Goodman, Sonny Rollins, Roland Kirk, spielte modernen Jazz, Free Jazz aber auch ab 2007 bei Chris Barber.).
Joe Dvorak (27.03.2023, 16:46):

Robert Palmer - Double Fun (1978)

Heute mal reinrassige Pop-Musik als Begleitung zum Absacker aus dem schottischen Hochland. Es muss nicht immer alles fuer hoechste Ansprueche gemacht sein. Dudidum-Dudidum Dudidum-Dumdum... Das macht schon irgendwie Spass, wenn auch nicht doppelt. Und eine Reggae-Version des Kinks-Klassikers You Really Got Me muss man sich erst mal trauen - und hey, ich halte die fuer gelungen.
michael74 (27.03.2023, 21:26):
Moin zusammen

es fällt mir schwer aber ich werde mit dem neuen Album von Depeche Mode nicht ganz warm.

Naja als 74iger bin ich mit einer anderen Besetzung groß geworden und der Verlust im letzten Jahr von Fletcher, also einem der den Synthesizer Sound enorm prägte ist nicht zu füllen.


An die alten Zeiten von Violator, 101 oder Music for the masses kann man eh nicht mehr anknüpfen, eine Band geht eben auch mit der Zeit ( ähnlich wie bei Bon Jovi)

Zudem läuft gerade auch noch das neuere Album von U2 u d Katie Melua

Gruß Michael
Maurice inaktiv (30.03.2023, 13:12):


Due Ellington : Live at the Blue Note AD: 09.08.1959, Live im Blue Note Club Chicago

Cat Anderson, Clark Terry, Harold Baker, Willie Cook, Ray Nance (Violine) (Trompeten)
Britt Woodman, Quentin Jackson, John Sanders (Posaunen)
Johnny Hodges, Russell Procope (Klarinette) (Altsax)
Paul Gonsalves, Jimmy Hamilton (Klarinette) (Tenorsax)
Billy Strayhorn & Duke Ellington (Klavier)
Jimmy Woode & Johnny Pate (nur in "Satin Doll) (Kontrabass)
Sam Woodyard & Jimmy Johnson (Drums)

Duke Ellington hatte hier kurz vor Beginn der Europa-Tournee, eine sehr groß und erstklassig besetzte Bigband zur Verfügung. Nach der Europa-Tournee fand dann aber leider das große Stühlerücken statt, so dass die Band im Dezember des gleichen Jahres ein ziemlich neues Gesicht bekam.

Alle Trompeter sind als Solisten zu hören, ebenso beide Drummer. Sam Woodyard war gesundheitlich angeschlagen und wurde mehrere Monate von Jimmy Johnson vertreten. Einem sonst ziemlich unbekannten Drummer, der auch recht kräftig spielte, aber technisch einen hervorragenden Eindruck hinterlassen hat. Johnny Pate dürfte als Gast zufällig im Auditorium gewesen sein und durfte in "Satin Doll" dann mitwirken für Jimmy Woode.

Das Konzert ist aufnahmetechnisch kein Highlight, aber man kann es sich problemlos anhören. Die Band war sehr gut drauf gewesen, daher muss man sich freuen, dass es den Fans zur Verfügung steht.

Wenn ich das Booklet richtig verstanden habe, ist auf dieser Doppel-CD das ganze Konzert drauf, also die gesamten drei Sätze. Die Band spielte von 1949 bis 1959 insgesamt 17 Mal dort, mit einer Gesamtlänge von 45 Wochen. Vor allem Weihnachten und Silvester war sie dort gebucht. Im Juni 1960 musste der Club leider schließen, er trug sich nicht mehr selbst. Das Musikgeschäft hatte sich verändert. Man sollte erwähnen, dass der Club über 700 Plätze hatte, und damit größer war, als heute viele Bürgerhäuser sind.
Maurice inaktiv (31.03.2023, 11:09):


Duke Ellington : Duke Ellington at the Crystal Gardens, Salem/Oregon 1952 AD: 22.03.1952, Salem/Oregon

Cat Anderson, Clark Terry, Willie Cook, Ray Nance (Trompeten)
Britt Woodman, Quentin Jackson, Juan Tizol (Posaunen)
Willie Smith, Russell Procope (Klarinette)
Paul Gonsalves, Jimmy Hamilton (Klarinette)
Harry Carney (Baritonsax)
Duke Ellington (Klavier)
Wendell Marshall (Bass)
Louie Bellson (Drums)

Die Band war zu diesem Zeitpunkt quasi rundum erneuert worden. Alte, lang gediente Musiker hatten sich verabschiedet, kamen aber fast alle später wieder zurück. Viele Kritiker bemängelten vor allem den fehlenden Nachfolger für Johnny Hodges, aber Willie Smith war damals einer der besten Altisten und auch Satzführer im Bigband-Jazz gewesen. Er war von 1928 bis 1942 bei Jimmie Lunceford einer der wichtigsten Solisten gewesen (auch auf der Klarinette und dem Baritonsax, sogar als Sänger machte er einen sehr guten Eindruck), anschießend von 1944-1951 (und erneut ab 1954-1963) war er als Lead-Altist und Solist bei Harry James gewesen. Beim Duke gab man ihm einfach die Stücke, die Hodges spielte, und die passten nicht so recht zu seinem Stil. Smith war weniger Balladenspieler als ein Mann der schnellen Stücke (allerdings konnte er auch anders. Man höre sein Solo bei Lunceford auf "Blues in the Night").

Vor allem Clark Terry, Paul Gonsalves und Drummer Louie Bellson waren die wichtigsten neuen, und vor allem auch modernen Solisten gewesen. Gonsalves spielte zuvor mit Count Basie und Dizzy Gillespies Bigband, Terry war bei Lionel Hampton, Charlie Barnet und ebenfalls Basie gewesen. Bellson war bei Benny Goodman, Tommy Dorsey (dort wechselte er sich meist mit Buddy Rich und später Sonny Payne ab) und Harry James.

Willie Cook, auch er eher ein Mann der Moderne, spielte mit u.a. Jay McShann und der gleichen Dizzy Gillespie Bigband wie Paul Gonsalves. Juan Tizol kam ebenfalls von Harry James zurück zum Duke (1951-1953, und noch einmal 1961-1962). Sein Spiel ist auf "Caravan" zu hören, wie bereits 1937 bereits.

Britt Woodman war der Nachfolger von Lawrence Brown bereits im Februar 1951. Er spielte u.a. mit Lionel Hampton und Les Hite. Er sollte bis 1962 bleiben. Anschließend hatte er u.a. für die Bill Berry Bigband, Toshiko Akiyoshi und dem Lincoln Jazz Orchestra gespielt. Er war quasi der Pedant zu Cat Anderson, da er seine Posaune bis in die höchsten Lagen spielen konnte.

Kritiker fanden die Band ab 1951, nachdem Lawrence Brown, Sonny Greer und Lawrence Brown die Band verlassen hatten, nicht mehr auf dem gleichen Niveau befindlich. Ich teile diese Ansicht nicht.. Im Gegenteil. Durch Louie Bellson bekam die Band einen Drive, den sie selbst unter Sam Woodyard nie wieder erreichen sollte. Wobei man den Unterschied zu Bellson-Woodyard kennen sollte. Bellson war ein großartiger Techniker, der seine Technik immer in den Dienst der Band stellte, nur bei den Soli aufdrehte. Kein Schlag war zu laut oder übertrieben, er blieb immer noch der Band-Drummer, nicht der brillante Solist, der im Vordergrund stand (also völlig anders wie etwa Buddy Rich). Wodyard hatte nicht annähernd diese technischen Voraussetzungen, dafür brillierte er mit großem Erfindungsreichtum bei den Soli (etwa durch die Hinzunahme der Hände, was er vermutlich von Jo Jones und Butch Ballard abgeschaut hatte), aber auch it einem enormen Swing. Ab Louie Bellson war die Double-Bass Drum bei Ellington zum Standard geworden (mit der Bellson seit 1946 experimentierte und spielte).

Die Musik hier ist swingend, vor allem hört man den Unterschied zu der Band, wie sie noch unter dem mehr "matschigen" Spiel von Sonny Greer agierte, der nur selten präzise den Schlag durchziehen konnte. Das gab es ab sofort nicht mehr. Auch Bellsons Nachfolger Butch Ballard und Dave Black waren da um Klassen besser als Greer es je umsetzen konnte.

Die Doppel-CD hatte das typische Repertoire der Band von 1952 auf dem Programm. Etwas aus der Frühzeit, etwas aus der Zeit der Band als etwa Ben Webster in der Band war, dazu einige Stücke, die nach dem Kriege dazu kamen und einige Stücke, die aus den letzten Zeit stammte. Vor allem das bekannte Arrangement von Perdido von 1952 war mit dabei und auch eine Fassung von "How High the Moon", was Ellington hin und wieder spielte.

Es kamen tatsächlich ALLE Bandmitglieder zu mindestens EINEM Solo hier in diesem Konzert. Diese Qualität hatte um 1952 herum kaum eine andere Bigband zu bieten, egal ob sie Count Basie, Stan Kenton, Harry James oder Woody Herman hießen.

Das Live-Konzert wurde in einer überraschend guten Qualität mitgeschnitten. Selbst den Kontrabass konnte man sehr gut hören. Es ist Mono, aber ein für 1952 und live wirklich gutes Mono.
a-way (01.04.2023, 18:53):


Lot - Nasenbluten & Fleischwarenverkäuferin

Kompletter "Zufalls-"Fund, weil auf der Suche zu verschiedenen Bedeutungen von "Lot" und nun sehr nachdenklich und auch überrascht.
Bürgerlicher Name Lothar Robert Hansen, *1983, zum Genre finde ich Verschiedenes auf verschiedenen Seiten, irgendwo hinein zu stopfen in Ausschließlichkeit eher nicht für mein Empfinden.
Bin auch mehr bei der Stille und Ruhe und Zentrierung, in die alleine diese beiden Lieder mich geführt haben, und fällt dann wohl mehr unter "keine Worte".
Lot ist bei einem Independent Label unter Vertrag. Kindheit / Jugend: Berlin / Mühlhausen (Thüringen).
Joe Dvorak (03.04.2023, 10:59):


Dave Weckl - Hard-Wired (1994)

Steve Tavaglione (Sopran-, Alt- & Tenorsaxophon, EWI), Jay Oliver (Klavier, Orgel, Synthesizer, Synth-Bass-Programmierung), Anthony Jackson, James Genus & John Patitucci (Bassgitarre / alternierend), Dave Weckl (Schlagzeug, Elektronische Perkussion, Loops & Samples), Scott Alspach (Trompete, Fluegelhorn)

Das ist das dritte Solo-Album des Schlagzeugers, der Mitte der 80er in den Bands von Chick Corea bekannt wurde. Der Titel ist Programm. Hier wird programmiert, was das Zeug haelt und Klangspur mit Klangspur verdrahtet, bis man in den synthetischen Orchester- und Blechblaeser-Arrangements zu ersaufen droht. Ich finde, das ist bei allem technischen Overkill geschmackvoll gemacht. Das winkelreiche Schlagzeugspiel des Leiters, Olivers organische Synthie-Klaenge und Improvisationen (beides stark von Corea beeinflusst), ein stark aufspielender Tavaglione und die Starriege an Bassisten machen Freude, aber es sind vor allem die einfallsreichen Eigenkompositionen des Duos Weckl/Oliver, die das zu einem kleinen Juwel im Spannungsfeld von Jazz-Rock-Fusion und Easy Listening machen.
a-way (05.04.2023, 20:17):


Maria Carta e Amalia Rodrigues, Il Recital di

Amália Rodrigues hatte ich schon mal länger gehört - sie ist Fadista („Königin des Fados“ genannt) / portugiesisches Fado.
Maria Carta ist aus Sardinien und singt auch viel auf Sardisch - mir bisher gänzlich unbekannt und: fegt mich direkt um. Hoch emotional, gehalten, warmes, tiefes Timbre.
michael74 (05.04.2023, 21:09):
Hallo zusammen

Paul Gilbert steht am Wochenende auf dem Programm

http://www.paulgilbert.com/discography

Gruß Michael
Joe Dvorak (06.04.2023, 01:39):
http://www.paulgilbert.com/discography
Da hat du dir aber etwas vorgenommen. Ich zaehle 40 Alben. Wenn man die Sachen, die er mit anderen Bands gemacht hat, weglaesst und bei seinen Soloalben die Best of-, Tribut- und Live-CDs ignoriert, bleiben immer noch 17 uebrig. Die zu hoeren, koennte sich durchaus lohnen, denn Gilbert erfindet sich immer wieder neu - Beweisstuecke sind z.B. die hintereinander erschienen Space Ship One (2005) und Get out my Yard (2006). (Allerdings gibt es immer wieder Griffe den Nachttopf - Lieder wie I like Rock sind einfach durch nichts zu rechtfertigen.) Ich kenne nur einen Bruchteil seiner Arbeit und am besten davon gefaellt mir das, was er noch als Teenager bei Racer X auf deren Debut-Album Street Lethal abgeliefert hat.

Hier lief heute Morgen auch ein Gitarren-Shredder:



Larry Carlton - Mr. 335 Live in Japan (Tokyo, 1. Nov. 1978)

Larry Carlton (Gitarre, Gesang), Greg Mathieson (Tasteninstrumente), Neil Stubenhaus (E-Bass), John Ferraro (Schlagzeug)

Wenn ich das richtig sehe, ist das Album nur in Japan als CD herausgekommen. Ich habe die B-Seite der LP seinerzeit runtergespielt, bis die Nadel auf der anderen Seite wieder rauskam. Carlton, der eher als Smooth-Jazzer bekannt ist, brennt hier bei seinen schluessigen Soli ein Feuerwerk ab, das die Saiten zum Gluehen bringt.
michael74 (06.04.2023, 13:23):
http://www.paulgilbert.com/discography
Da hat du dir aber etwas vorgenommen. Ich zaehle 40 Alben. Wenn man die Sachen, die er mit anderen Bands gemacht hat, weglaesst und bei seinen Soloalben die Best of-, Tribut- und Live-CDs ignoriert, bleiben immer noch 17 uebrig. Die zu hoeren, koennte sich durchaus lohnen, denn Gilbert erfindet sich immer wieder neu - Beweisstuecke sind z.B. die hintereinander erschienen Space Ship One (2005) und Get out my Yard (2006). (Allerdings gibt es immer wieder Griffe den Nachttopf - Lieder wie I like Rock sind einfach durch nichts zu rechtfertigen.) Ich kenne nur einen Bruchteil seiner Arbeit und am besten davon gefaellt mir das, was er noch als Teenager bei Racer X auf deren Debut-Album Street Lethal abgeliefert hat.
Hier lief heute Morgen auch ein Gitarren-Shredder:



Larry Carlton - Mr. 335 Live in Japan (Tokyo, 1. Nov. 1978)

Larry Carlton (Gitarre, Gesang), Greg Mathieson (Tasteninstrumente), Neil Stubenhaus (E-Bass), John Ferraro (Schlagzeug)

Wenn ich das richtig sehe, ist das Album nur in Japan als CD herausgekommen. Ich habe die B-Seite der LP seinerzeit runtergespielt, bis die Nadel auf der anderen Seite wieder rauskam. Carlton, der eher als Smooth-Jazzer bekannt ist, brennt hier bei seinen schluessigen Soli ein Feuerwerk ab, das die Saiten zum Gluehen bringt.
hi ich meinte natürlich nur das morgen erscheinende Album The Dio Album

Gruß Michael
Maurice inaktiv (07.04.2023, 10:49):


Paul Quinichette : For Basie AD: 18.10.1957, Hackensack, Van Gelder-Studio

Shad Collins (Trompete) - Paul Quinichette (Tenorsax) - Nat Pierce (Klavier) - Walter Page (Bass) - Freddie Green (Gitarre) - Jo Jones (Drums)

Der Tenorsaxophonist Paul Quinichette bekam den Beinamen "Vice-Pres", weil er dem großen Meister Lester Young so nahe kam, dass dieser wahnsinnig wurde, als er ihn das erste Mal höre. Er war geradezu fassungslos, was dem guten Lester nicht bekam.

Quinichette (1916-1983) wurde in Denver geboren, und spielte zunächst, wie auch Lester Young, Klarinette und Altsax, bevor er zum Tenor wechselte. Zunächst spielte er mit Lloyd Hunter, Nat Towles, Shorty Sherock, Ernie Fields, u.a., ehe er 1942-1944 mit Jay McShann auf Tournee ging. Anschließend wirkte er bei Benny Carter und Big Sid Catlett, um dann 1945-1947 mit Johnny Otis auf Tournee zu gehen.

Von 1947-1951 wirkte er bei Louis Jordan, Lucky Millinder, Milt Buckner, Ed Wilcox, Hot Lips Page und Henry Red Allen mit. Der große Durchbruch kam 1951-1953, als er mit Count Basie auf Tournee ging, und dort den Part Lester Youngs übernahm, während Eddie Lockjaw Davis jenen von Buddy Tate einnahm.

Anschließend begleitete er u.a. Billie Holiday, Sarah Vaughan, Dinah Washington, nahm mit Woody Herman und John Coltrane Platten auf, wirkte bei Benny Goodman (1955) und Nat Pierce (1955) mit, und war dann viele Jahre nicht mehr oder nur noch sehr selten aktiv. 1973-1977 kam es zu einem kurzen Comeback. Er spielte wieder mit Jay McShann, musste dann aber aus gesundheitlichen Gründen die Karriere beenden.

Trompeter Lester Rallingston "Shad" Collins (1910-1978) war ein "echter" Lester, aber nur was den Vornamen angeht. Er spielte Trompete mit einigen der besten Bigbands, ohne aber wirklich berühmt zu werden. Sein Stil erinnert sehr an Buck Clayton. Collins spielte mit Chick Webb ab 1931, 1935-1937 mit Teddy Hill (Europatournee 1937, zusammen mit dem blutjungen Dizzy Gillespie und Bill Dillard an den Trompeten und Chu Berry, Tenorsax, Kenny Clarke, drums), Count Basie (1938-1940), Cab Calloway (1941-1943, 1944-1946; 1941 war er der Nachfolger Dizzy Gillespies bei Calloway), Benny Carter, Lester Young, Don Redman, Hot Lips Page, Jimmy Rushing, Sam "The Man" Taylor,u.a.

Nat Pierce (1925-1992) galt völlig zu recht als "der weiße Count Basie", auch wenn Pierce weitaus mehr konnte als Basie zu imitieren. Pierce, der viele Jahre eine eigene Bigband leitete, war auch ein hervorragender Arrangeur und Komponist, und wirkte als einer der wenigen Konstanten 1951-1955 und 1961-1966 in der Bigband von Woody Herman mit. ab 1977 wirkte er zusammen mit dem Drummer Frank Capp erneut mit einer eigenen Bigband, die er bis zu seinem Tode leitete.

Pierce war auch viele Jahre Mitlied der "Basie All Stars", die ab den 1980-er Jahren um die Welt tourten (mit Clark Terry, Joe Newman, oder Harry Edison, Al Grey, Benny Powell, Marshall Royal, Billy Mitchell, Buddy Tate, Freddie Green, John Heard oder Eddie Jones am Bass und Drummer Gus Johnson).

Ich habe ihn 2x noch live erleben dürfen in der Alten Oper Frankfurt. Ein echter Gentleman, der fast ein wenig aristokratisch wirkte.

Bassist Walter Page (1900-1957) dürfte hier seine letzten Einspielungen gemacht haben. Page leitete von 1927-1932 eine der besten "Territory Bands" überhaupt, die "Blue Devils" in Kansas City. 1932 ging die Band geschlossen zu Bennie Moten über, dessen Band damals noch ein wenig besser als seine eigene Band war. Nach dem Tode Motens übernahm dann Count Basie die Band, der Rest ist Musikgeschichte vom Feinsten und Besten, was es bis heute im Bigband-Jazz je gab. Die Basie-Band existiert immer noch, inzwischen seit vielen Jahren unter der Leitung von Scotty Barnhart.

Page war, neben dem Drummer Jo Jones (1911-1985) und Gitarrist Freddie Green (1911-1987) DIE Seele des Spiels der Basie-Band. Bekannt geworden als "The American Rhythm Section", wegen des perfekten Zusammenspiels und Drives, die diese drei Musiker mit Basie zusammen erreichten. Man hört das auch hier auf dieser wunderbaren CD deutlich heraus. Da geht die Post ab dem ersten Takt ab, da kann niemand still sitzen. Diesen Swing vermisse ich heute so oft in den technisch überladenen Spiel des modernen Jazz.

Wem diese Musik am Herzen liegt, wird diese grandiose Scheibe kennen. Wer sie nicht kennt, sollte unbedingt mal reinhören. Hier wirkt eine "Kansas City Five", die Basie sicher gefallen hätte, perfekt aufgenommen von einem der besten Tontechniker überhaupt. Besser kann man das nicht machen.

Ein knappes Jahr später kam noch einmal eine ähnliche Scheibe heraus, dann mit Buck Clayton (Trompete) und Jack Washington (Baritonsax) zusätzlich und dem aktuellen Basie-Bassisten Eddie Jones für den inzwischen verstorbenen Walter Page dazu. Gleiches Studio, gleicher Tontechniker, gleiche Qualität. Danke, für diese tolle Musik !!
a-way (11.04.2023, 06:49):
Long time ago (vor gefühlten Äonen das letzte Mal gehört)



Sinéad O'Connor - Universal Mother
Maurice inaktiv (12.04.2023, 12:26):


Ruby Braff/George Barnes-Quartett: To Fred Astaire with Love (Tracks 01-10) AD: 03.-05.02.1975, New York
+ Bonus-Album "The Ruby Braff/George-Barnes-Quartett (Tracks 11-20) AD: July 1973, New York

Ruby Braff (Kornett) - George Barnes (Elektrische Gitarre/Solo) - Wayne Wright (Rhythmus-Gitarre) - Michael Moore (Bass, 01-10)
- John Giuffrida (Bass, 11-20)

Wenn man im Jazz vom "Kammer-Jazz" spricht, mag das irgendwie seltsam klingen, denn selbst eine "Bigband" würde in der Klassik noch unter die "Kammermusik-Ensembles" fallen. Im Jazz ist aber ein Quartett ohne Drums schon der "reinen Kammermusik" sehr nahe.

Gerade DIESES Quartett steht sinnbildlich für Kammer-Jazz allererster Güteklasse. Es bestand von 1973-1975, aber auch später noch kam Ruby Braff immer mal wieder auf diese Kombination oder gar im Trio, dann meist mit Kornett, Gitarre und Kontrabass zurück. Braff spielte sein ganzes Leben lang nur ein einziges Mal mit einer Bigband, das war ca. 1954/55 herum, wenn Benny Goodman ganz ganz kurz mal eine Bigband für eine Studioaufnahme oder wenige Konzerte leitete.

Gitarrist George Barnes (1921-1977) dürfte einer der wichtigsten "unbekannten" Jazzmusiker sein, die es je gab. Im Grunde schrieb er Jazz-und Musikgeschichte, weil er einer der allersten Musiker war, der die elektrische Jazzgitarre spielte. Diese wurde 1932 von der Firma "Vivi-Tone" gebaut und war spielbar und konnte kommerziell erworben werden. Barnes selbst behauptete, bereits 1931 eine solche Gitarre gespielt zu haben, was zunächst einmal ein Widerspruch war. Doch es war durchaus möglich, dass er eines der allersten Prototypen ausprobieren durfte.

Barnes war also noch einige Jahre VOR Charlie Christian und Eddie Durham hier zukunftsweisend tätig. Doch weder Barnes, noch Durham (er spielte sie in den legendären Einspielungen von Count Basie 1938 in der Kansas City Five and Six, zusammen mit Freddie Green an der Rhythmusgitarre) konnten wirklich damit etwas anfangen. Erst Charlie Christian setzte dieses Instrument quasi über Nacht durch, als er aus Oklahoma kommend, bei Benny Goodman Furore machte damit.

Barnes verstarb dann leider 1977 sehr früh, so dass er niemals die Anerkennung bekam, die man ihm eigentlich zugestehen musste. Schließlich wurde er auch dann, nachdem Christian das Instrument durchgesetzt hatte, auf dem Instrument ein exzellenter Solist.

Wayne Wright (1932-2008) spielte mit Tony Bennett, Peggy Lee, der Quincy Jones-Bigband (1963), Buddy Rich, Mel Tormé, Bobby Hackett, Les Paul, Marty Grosz (als Duo), immer mal wieder mit Benny Goodman (u.a. 1978 in der Carnegie Hall zum 40. Jubiläum des berühmten 1938-er Konzertes), wirkte 1973 und 1974 kurzzeitig für den erkrankten Freddie Green in der Count Basie-Bigband mit. Später musste er aus gesundheitlichen Gründen leider mit dem Spielen aufhören.

Michael Moore (*1945) spielte 1966/67 in der Woody Herman Bigband, mit der er Afrika und Osteuropa besuchte. ab 1968 spielte er Marian McPartland, wirkte einige Jahre im Freddie Hubbard Quintett, der Gil Evans-Bigband, mit Chet Baker, Lee Konitz, Jim Hall, Jimmy Rowles, Benny Goodman, Stan Getz. Bill Evans und bis zum Tode von Dave Brubeck in dessen Quartett mit (Dezember 2012 war das gewesen).

Über John Giuffrida ist nur sehr wenig bekannt geworden. Er hat wohl auch um 1975 herum mal unter Arthur Fiedlers Boston Pops Orchestra gespielt, aber sonst weiß ich nichts, bzw. konnte ich nichts über diesen Musiker herausfinden.
a-way (12.04.2023, 23:14):


David Bowie - Loving the Alien
Joe Dvorak (15.04.2023, 03:40):
http://www.paulgilbert.com/discography
Da hat du dir aber etwas vorgenommen.
hi ich meinte natürlich nur das morgen erscheinende Album The Dio Album
Gruß Michael
Und wie ist es dir bekommen? Ich bin Dio-Fan und schaetze Gilbert sehr, aber die Gesangspassagen auf der Gitarre nachzuspielen, funktioniert in meinen Ohren ueberhaupt nicht. Ich hab es schnell aufgegeben.
Maurice inaktiv (15.04.2023, 10:23):


Charlie Christian : Genius of Electric Guitar AD: 1939-1941

John Hammond, bekanntermaßen der Schwager Benny Goodmans und ein eifriger Jazzfan, wurde durch die Gitarristin Mary Osborne auf Charlie Christian (1916-1942) aufmerksam gemacht. Dieser war so begeistert gewesen, dass er sich in der Nacht noch ins Auto setzte um diesen Musiker live zu hören. Es wird auch berichtet, dass Mary Lou Williams, die große Pianistin, ihn empfohlen hätte, vielleicht waren es auch mehrere Musiker. Das kann man 2023 eh nicht mehr nachprüfen. Die Angaben sind da leicht schwankend.

Hammond stellte ihn daraufhin Benny Goodman vor, der aber von dem ziemlich zerlumpten Charlie überhaupt einen guten Eindruck hatte. Hammond, sich bewusst, was er hier für einen exzellenten Musiker geholt hatte, schmuggelte ihn daraufhin auf die Bühne bei Goodmans folgenden Konzert, als Goodman mit dem Quintett einen kleinen Teil des Konzertes spielen wollte.

Als Goodman auf die Bühne kam, warf er den berühmten "Goodman-Ray" zu Hammond rüber, konnte aber nichts weiter tun, als mit Christian weiterspielen. Natürlich wollte er sofort zeigen, wer der Boss war und ließ das nicht so gängige, und auch harmonisch nicht so einfache Stück "Rose Room" anspielen. Was dann passierte, kann man nur aus den Aufzeichnungen noch entnehmen. Das Stück ging 45 Minuten, Christian spielte ein Solo nach dem anderen, dazu unzählige Riffs, aus denen später ganze Stücke entstanden. Goodman, bekannt als sehr strenger und auch knallharter Typ, wollte es nicht glauben. Natürlich durfte Charlie bleiben. Goodman zahlte ihm eine hervorragende Gage - und das neue Sextett, später Septett war geboren.

Christian spielte nur sehr selten. So etwa an 22.November 1939, als er "Honeysuckle Rose" einspielte mit der Bigband. 1941 sollte dann sein größter Bigband-Hit mit Christian folgen: "Solo Flight".

Die ersten Aufnahmen mit dem neuen Sextett wurden wohl am 02.Oktober 1939 gemacht: Flying Home und Stardust. Neben Goodman und Christian wirkten Lionel Hampton (Vibes), Fletcher Henderson (Klavier), Artie Bernstein (Bass) und Drummer Nick Fatool mit.

Leider ist die Lebensgeschichte von Charlie Christian nahezu identisch mit jener des damals jungen Basswunders Jimmy Blanton (1918-1942). Blanton tauchte fast zeitgleich bei Duke Ellington auf, beide waren die wichtigsten Neuer ihrer Instrumente, aber auch des Jazz überhaupt. Beide waren ganz klar eine der ersten "Bopper", die ihre Instrumente aus der Begleitung heraus zu einer wichtigen Solo-Stimme machten. Beide verstarben 1942 noch in ihren 20-er Jahren an Tuberkulose. Zum Glück sind Aufnahmen vorhanden, die zumindest einen Ansatz geben, wie großartig diese Musiker waren.
Maurice inaktiv (15.04.2023, 10:56):


Ruby Braff/Scott Hamilton : At First AD: Februar 1985, NYC

Ruby Braff (Kornett) - Scott Hamilton (Tenorsax) - John Bunch (Klavier) - Phil Flanigan (Bass) - Chris Flory (Gitarre) - Chuck Riggs (Drums)

Mein Gott, war der Scott Hamilton da noch jung gewesen. Inzwischen ist er in Ehren ergraut, aber zum Glück noch immer aktiv und hervorragend spielend. Leider sind Ruby Braff und John Bunch nicht mehr unter uns, aber auch diese wunderbaren Musiker sind immer wieder absolut hörenswert.

Ich gebe gerne zu, dass ich ein riesengroßer Fan des Kornettisten Ruby Braff bin. Was er da immer spielt, ist einfach nur allererste Sahne, mit mehr Gefühl für Stil und die Stücke, als viele andere Kollegen von ihm.

John Bunch (1921-2010) spielte mit u.a. Maynard Ferguson, Woody Herman, Benny Goodman (1962 in der UDSSR, auch später immer mal wieder), war bei Al Cohn/Zoot Sims, Urbie Green, Gene Krupa (1961-1964), 1966-1972 war er Begleitpianist von Tony Bennett und dessen Musikdirektor, Anschließend war er vor allem im Umfeld von Ruby Braff, Scott Hamilton und Warren Vaché aktiv, aber auch mit eigenem Trio (mit Bucky Pizzarelli und Jay Leonhart) und mit einer Band aus britischen Musikern, da er oft in London war.

Chuck Riggs (1951*) wurde vor allem bei Scott Hamilton bekannt, mit dem er ab 1976 bis in die 1990-er Jahre spielte. Doch er wirkte auch bei Bob Wilber, Benny Goodman, Kenny Davern, Dick Wellstood, "The Worlds Greatest Jazz Band", Ruby Braff, Jay McShann, den Concord Jazz All Stars, Ken Peplowski, Jon-Erik Kellso oder Chris Flory mit. 1984 wirkte er als Drummer im Film "Cotton Club" mit.
Joe Dvorak (15.04.2023, 13:16):
(...) ließ das nicht so gängige, und auch harmonisch nicht so einfache Stück "Rose Room" anspielen.

Das passt zu der Neuerscheinung, die bei mir jetzt zum Stroemen ansteht:



"Hendersonia" - Sun Ra performs Fletcher Henderson
Sun Ra Arkestra (Live, 1976 - 1991)

Laut PR-Text handelt es sich zum groessten Teil um Material, das bislang nur in Form von Bootlegs zirkulierte und fuer diese Ausgabe auf den neuesten klanglichen Stand gebracht wurde. Da Ra keine Studio-Aufnahmen von Henderson-Titeln gemacht hat und nur wenige auf offiziellen Live-Alben zu finden sind, ist das ein echtes Fundsteuck.
Maurice inaktiv (15.04.2023, 18:22):
Da Ra keine Studio-Aufnahmen von Henderson-Titeln gemacht hat und nur wenige auf offiziellen Live-Alben zu finden sind, ist das ein echtes Fundsteuck.
Dir ist bekannt, dass Sun Ra unter seinem eigentlichen Namen "Sonny" Blount mit Fletcher Henderson um 1942-1944 herum gespielt hat?
michael74 (15.04.2023, 21:18):
http://www.paulgilbert.com/discography
Da hat du dir aber etwas vorgenommen.
hi ich meinte natürlich nur das morgen erscheinende Album The Dio AlbumGruß Michael
Und wie ist es dir bekommen? Ich bin Dio-Fan und schaetze Gilbert sehr, aber die Gesangspassagen auf der Gitarre nachzuspielen, funktioniert in meinen Ohren ueberhaupt nicht. Ich hab es schnell aufgegeben.
Hi Joe,

ja Gitarrenvirtuosen denken das man mit der Gitarre alles regeln kann. Ich war selber mal Gitarrist und kenne das Ego.
wenn Paul, Joe Satriani auf ihren Soloalben die Gitarren „ singen“ lassen ist das extrem gut aber eben auch was anderes wenn man etwas nachspielt und immer penetrant der Meinung ist noch mehr Riffs einbauen zu müssen. Somit kommt es zu einer Doppelung der Gitarren. Einmal das was Dio in ihren Songs schon hat und dann on top das was Paul mit dem Gesang draufsetzt.

wirklich schön finde ich
- Neon Knights ( bei stand up and shout finde ich es ne Katastrophe obwohl der Song schon sehr artverwandt ist)

- Country Girl finde ich super weil Paul nicht übertreibt


Also Paul oder Joe Satrinai sollen bei ihrem Ding bleiben und nix Covern

Grüße Michael
Joe Dvorak (16.04.2023, 00:20):
Hallo Michael,

danke fuer die ausfuehrliche Rueckmeldung. Reine Instrumentalben von Gitarrenschreddern sind in der Regel nicht mein Ding - zumindest zwei, drei Gesangsnummern sollten eingestreut werden, um mich bei der Stange zu halten. Wie fuer viele Regeln, gibt es auch fuer diese eine Ausnahme und die laueft gerade:



Jeff Loomis - Zero Order Phase (2008)
Joe Dvorak (16.04.2023, 00:26):
Da Ra keine Studio-Aufnahmen von Henderson-Titeln gemacht hat und nur wenige auf offiziellen Live-Alben zu finden sind, ist das ein echtes Fundsteuck.
Dir ist bekannt, dass Sun Ra unter seinem eigentlichen Namen "Sonny" Blount mit Fletcher Henderson um 1942-1944 herum gespielt hat?
Ja, ich habe mal eine Biographie von ihm angefangen. Ra wird gerne auf seine '"Verruecktheiten" und seine "unanhoerbaren" Sachen reduziert und als Scharlatan verunglimpft, aber diese Tatsache samt dem Fakt, dass er Hendersons Arrangements und die von anderen Bigbands nach Gehoer transkribiert hat, sollte eigentlich zum Mundtot fuehren, wenn sie den Kritikern denn bekannt waere.
Maurice inaktiv (16.04.2023, 09:32):
Ja, ich habe mal eine Biographie von ihm angefangen. Ra wird gerne auf seine '"Verruecktheiten" und seine "unanhoerbaren" Sachen reduziert und als Scharlatan verunglimpft, aber diese Tatsache samt dem Fakt, dass er Hendersons Arrangements und die von anderen Bigbands nach Gehoer transkribiert hat, sollte eigentlich zum Mundtot fuehren, wenn sie den Kritikern denn bekannt waere.
Ich sage es mal so: Ja, er war auf seine At verrückt, aber das waren seine "Vorgänger" auch. Man hatte das zu Dizzy Gillespie gesagt, Charlie Parker hatte sein Hotelzimmer in Brand gesetzt (unter Drogen) und wurde in die Psychiatrie eingeliefert, Lester Young hatte auf seine Art einen an der Waffel, als er seine völlig eigene Sprache erfand, Thelonious Monk war so verschroben, dass er in eine Ecke gestellt wurde, Miles Davis hatte seinen Hang zum Größenwahn, den er mit entsprechenden Aussagen und seinem Verhalten auch so auslebte, dass man ihm auch nachsagte, dass er einen an der Waffel hätte, Charles Mingus war auch derart unberechenbar, dass man ihn zumindest als "sehr zwispältig" einstufte, man könnte die Liste mit Sicherheit locker ausbauen.

Sun Ra, Charles Mingus und Thelonious Monk kamen aber aus der großen Tradition des New Orleans Jazz und Swing zum modernen, teilweise freien Jazz, doch als Persönlichkeiten waren sie nicht gerade pflegeleicht. Parker war ein Blues-Man, auch er gehört in diese Reihe. Vielleicht sogar auch Billie Holiday.

Sun Ra ist nicht mein Fall, ich verstehe ihn nicht, aber ich habe mal seinen "Moten Swing" aus den 1970-er Jahren gehört, und das fand ich bemerkenswert, weil er den alten Stil mit dem freien Jazz verbunden hat. Monk habe ich sicher nicht völlig verstanden, kann aber doch immerhin weitgehend nachvollziehen, was er (mir) sagen will, bei Mingus sehe ich einige Gemeinsamkeiten, ich habe tatsächlich auch ein Stück mal aus seinem Repertoire gespielt. Leider kann man seine Stücke nicht in ein reguläres Programm einbauen kann, weil die Musiker damit nicht klarkommen. Dazu wären viele Proben notwendig, das machen die Musiker nicht unbedingt gerne mit. Vielleicht jüngere Kollegen, aber die spielen nicht meine Programme grundsätzlich.

Es gab mehrere solcher Musiker, etwa Steve Lacy, der ja vom Dixieland direkt zum Free Jazz, und erst dann zum wieder mehr metrischen Jazz überging, der Posaunist Roswell Rudd oder Grachan Moncur haben einen Background, der vom Dixieland, bzw. Soul ausging. Moncurs Vater war Bassist in den berühmten Savoy Sultan's in den 1940-er Jahren gewesen.

Doch leider wissen die meisten Leute darüber wenig oder überhaupt nichts, da hast Du völlig recht.
a-way (16.04.2023, 09:38):


Ramones

Erstmaliges längeres Ramones-Hören über hier und da mal irgendwann ein einzelnes Lied hinaus. Deswegen würde ich zwar gern einen "joe-ähnlichen" eloquenten Text dazu einfließen lassen, stehe aber vor meinen Grenzen. Mehr als ein: Ich mag's, weiß aber noch gar nicht so genau warum + in eine neue emotionale Erlebenswelt gespült worden zu sein, ist schwer möglich.
Ich kenne Chaos. Ich kenne Wut / Aggression, aber ohne das Gefühl von Pool-Mix aus beidem, sondern unverbundener. Organisiertes Chaos kommt mir noch in den Sinn und an Punk an sich scheint es aber nicht zu liegen, zumindest kenne ich es von anderer Punk-Musik bisher nicht.
:hello
Joe Dvorak (17.04.2023, 02:14):

Sun Ra ist nicht mein Fall, ich verstehe ihn nicht, aber ich habe mal seinen "Moten Swing" aus den 1970-er Jahren gehört, und das fand ich bemerkenswert, weil er den alten Stil mit dem freien Jazz verbunden hat.

Genau in dieser gelungenen Verbindung von alt und neu finde ich mein Verstaendins von Ra. Faul wie ich bin, zitiere ich einen aelteren Beitrag hierher und wandle etwas ab.

In der Hochphase des Free Jazz hat Sun Ra als Erster verstanden, was "Freiheit" wirklich bedeutet. Der Free Jazz Hauptstrom suchte dogmatisch die Befreiung und radikale Überwindung von Struktur, Tonalität und Metrum: Kollektivimprovisationen über einem unregelmäßigen Puls, keine Bindung an Akkorde und Erweiterung der etablierten Instrumentaltechnik. Ra erkannte als einer der ersten, dass Freiheit bedeutet, dass man auch "schöne" Melodien, konventionelle Akkordwechsel und herkömmliche Phrasen mit der traditionellen Rollenverteilung von Solo und Begleitung verwenden kann. Es gelang ihm, diese Gegensaetze in eine stringente Großform zu gießen. Das macht die Musik ungemein lebendig, vielseitig, unvorhersehbar und doch in sich stimmig und schlüssig. Dazu kommen seine "spacigen" Klangexperimente auf allerlei proto-elektronischen Tasteninstrumenten, die fuer einen futuristischen Anstrich sorgen.
Joe Dvorak (17.04.2023, 02:30):
Ramones

Erstmaliges längeres Ramones-Hören über hier und da mal irgendwann ein einzelnes Lied hinaus. Deswegen würde ich zwar gern einen "joe-ähnlichen" eloquenten Text dazu einfließen lassen, stehe aber vor meinen Grenzen.
Hier stehe ich auch vor Grenzen. Ich komme nie ueber zwei, drei einzelne Lieder hinaus, kann mir das aber nicht erklaeren. Denn ich finde ich das eigentlich gut - aber eben nicht lange (das geht mir mit den Sex Pistols ebenso). Es kann nicht alleine am Mangel an Abwechslung liegen, denn aus dem Metal-Bereich hoere ich Alben, die so einfoermig sind, dass man die Titel kaum voneinander unterscheiden kann, problemlos von vorne bis hinten und das gleich mehrmals hintereinander.
Maurice inaktiv (17.04.2023, 11:05):


Chet Baker/Stan Getz : Line for Lyons AD: 18.02.1983, Stockholm, Schweden Live

Chet Baker (Trompete, Flügelhorn, Vocal) - Stan Getz (Tenorsax) - Jim McNeely (Klavier) - George Mraz (Bass) - Victor Lewis (drums)

Zur Bilderklärung: Links ist eine LP !!! Ich habe allerdings die CD dazu. Rechts ist die komplette Box der Konzerte, das sind 4 CDs.

Die Musik ist wirklich traumhaft, die komplette Band hatte einen Sahnetag erwischt, sicher nicht immer so einfach, bei den beiden schwierigen Zeitgenossen, die sich als Menschen völlig unsympathisch waren, musikalisch aber perfekt ergänzt haben. Über Bakers Gesang lässt sich streiten, doch was er macht, passt perfekt zu diesem äußerst fragilen Menschen.

Ich habe sehr sehr lange gebraucht, um mich mit ihm wirklich auseinandersetzen zu wollen, weil er meiner Art absolut nicht entspricht, aber ich muss sagen, dass mir letzte Woche durch ein Konzert, was ich über Magenta-TV gesehen habe, dann doch der Funke übergesprungen ist. Ich mag das nicht immer, aber zur Zeit passt es wunderbar zu mir.

Daher passt auch diese CD gerade in meinen Hörbereich hinein:



Paul Desmond: Bossa Antigua AD: 1963/1964, RCA Studios NYC

Paul Desmond (Altsax) - Jim Hall (Gitarre) - Gene Wright & Gene Cherico (nur 9) (Bass) - Conny Kay (Drums)

Paul Desmond war nach Johnny Hodges der lyrischste Altsaxophonist des Jazz gewesen. Er nahm im Zuge der Bossa-Welle in den 1960-er Jahren einige Alben auf, die in diese Richtung gingen. Hier ist vielleicht sein schönstes Album in dieser Richtung. Das Titelstück ist eines meiner Lieblings-Sambas geworden inzwischen, den ich auch immer mal wieder spiele, wenn ich in die etwas moderne Ecke gehe.
Maurice inaktiv (17.04.2023, 13:08):
Duke Ellington: 1967 European Tour AD: 2202.1967, Rom, Italien , Teatro Sistina

Leider ist das Bild rausgenommen worden, aber der ASIN stimmt immerhin noch. Es ist eine Doppel-CD zu einem guten Preis, mit einem interessanten Programm, auch mit einigen Stücken aus der "Far East Suite", aber auch einigen bekannten Standards, aber ohne die unerträglichen Medleys, die er immer wieder gespielt hat mit den alten Stücken.

Die Aufnahmen klingen ordentlich für Italien, aber nicht überragend, was die Technik angeht.

Duke Ellington hatte 1967 eines der schwierigsten Jahre vor sich, dabei war das Jahr 1966 doch sehr erfolgreich gewesen. Ende 1966 nahm er die "Far East Suite" auf, die ein großer Erfolg wurde. Mit dabei war sein neuer Drummer, Rufus "Speedy" Jones, der ein Spezialist für diese Musik und lateinamerikanische Sounds war, dazu einer der besten modernen Bigband-Drummer überhaupt.

Doch sein "zweites Ich", Billy Strayhorn, war so schwer krank gewesen, dass er bereits nicht mehr mit auf Tournee gehen konnte und im Krankenhaus lag. Selbst von dort aus arbeitete er noch dem Duke zu, unglaublich, woher der schwer krebskranke Strayhorn dafür noch die Kraft hatte.

Die Band war noch in Bestform, hatte zahlreiche großartige Solisten in ihren Reihen, viele davon waren ihr halbes Leben mit dem Duke unterwegs. Etwa Cootie Williams und Cat Anderson, Lawrence Brown, Jimmy Hamilton, Johnny Hodges, Russell Procope, Paul Gonsalves und Harry Carney.

Es gibt weitere Konzerte aus dieser Tournee, etwa aus Stuttgart vom 06.März 1967, die ich auch zur Verfügung habe.

Leider ohne Bild, das ist nicht mehr zu sehen bei Amazon.
Joe Dvorak (17.04.2023, 15:51):


Stan Getz & Kenny Barron - People Time (Live at the Cafe Montmartre, Copenhagen, 1991)

Stan Getz (Tenorsaxophon), Kenny Barron (Klavier)

Das ist die reine Essenz, das ist einfach Grosse Musik. Der Tenorist, der hier schwerkrank die letzten Aufnahmen seines Lebens gemacht hat, beweist eindrucksvoll, dass weniger mehr ist. Auch Barron ist sensationell. So etwas kriegt man von klassischen Pianisten, die sich an einen vorgegebenen Notentext halten muessen, einfach nicht geboten. Ich werde mir 10 mal ueberlegen, ob ich je nochmal Hoerzeit in eine Klaviersonate investiere. Gut, das war jetzt eine uebertriebene Spotanreaktion, aber die unterstreicht, wie sehr mich Barrons Spiel geflasht hat. Ueber das Zusammenspiel der beiden verliere ich keine Worte - Nacherzaelungen helfen da nichts, das muss man gehoert haben.
Maurice inaktiv (18.04.2023, 09:17):


Ralph Sutton : "Sweet Sue" - The Music of Fats Waller, Vol.1 AD: 09.10.1999, Hamburg, Live

Jon-Erik Kellso (Trompete) - Brian Ogilvie (Klarinette, Tenorsax) - Ralph Sutton (Klavier) - Marty Grosz (Gitarre, Vocal) - Dave Green (Bass) - Frank Capp (Drums)

Es gibt von dem Konzert noch die Volume 2. Fünf der neun Titel stammen von Fats Waller direkt, bei "it's a Sin to tell a Lie" (Bill Mayhew) könnte von ihm stammen, aber ist nicht von ihm. Dieses Stück und "I'm gonna sit right down and write myself a Letter" sind so eng mit ihm verbunden, dass man sie fast als "seine" Stücke ausgeben könnte.

Weitere Klassiker von ihm hier sind natürlich "Moppin' and Boppin", "Black and Blue", "Honeysuckle Rose", "Yacht Club Swing" und "Lounging at the Waldorf".

Die zwei noch fehlenden Stücke sind auch Klassiker geworden: "Sweet Sue" und "Tea for Two".

Jon-Erik Kellso und Marty Grosz habe ich selbst noch live gesehen, sie leben noch und sind noch aktiv. Kellso mehr denn je. Ralph Sutton und Klarinettist Oglivie sind leider bereits verstorben. Ogilvie viel zu früh mit nur 60 Jahren nach einem Auftritt 2004 an "multiplen Organversagen" im Krankenhaus.

Die CD wurde, wie üblich bei Nagel-Heyer-Records, hervorragend aufgenommen. Es ist einfach nur traurig, dass das Label inzwischen nicht mehr aktiv ist. Der Grund dürfte der Tod eines der Gründer gewesen sein. Es wurde 1992 gegründet und umfasste 2008 über 210 Titel (laut Wikipedia). Ich habe viele CDs dieses Labels und wurde nie enttäuscht. Viele davon Live-Aufnahmen von diversen Konzerten hochkarätiger Musiker.
a-way (18.04.2023, 18:57):


Cher ❤️ - Gypsys, Tramps & Thieves
aus Buena Vista Social Club: 1 & 2 Chan Chan + De Camino a la Vereda \
Joe Dvorak (19.04.2023, 09:40):


Dinah Washington - Complete Recordings with Clifford Brown (Live, Los Angeles, 14. Aug 1954)

Dinah Washington (Gesang), Clifford Brown (Trompete), Clark Terry (Trompete), Maynard Ferguson (Trompete), Herb Geller (Altsaxophon), Harold Land (Tenorsaxophon), Junior Mance & Richie Powell (Klavier, alternierend), Keeter Betts & George Morrow (Kontrabass, alternierend), Max Roach (Schlagzeug)

Im Original wurde diese Session unter dem Titel Dinah Jams veroeffentlicht, hier wiederaufgelegt mit einem langen, instrumentalen Bonustrack. Das ist zwar unnuetzes Wissen in Reinstkultur, aber mich haette trotzdem interessiert, welcher Pianist bei welchem Stueck gespilet hat oder ob ueberhaupt abgewechselt wurde. (Weil das komplette Clifford Brown/Max Roach Quintet (mit Land, Mance und Morrow) zur Unterstuetzung angereist war, aber die Saengerin ihre eigenen Leute dabei hatte, waren zwei Pianisten & Bassisten vor Ort, also jeweils einer ueberzaehlig.) Das scheint niemand zu wissen (Maurice?). Auf dem Album steht "or", die ueblichen Quellen listen jeweils beide und auf der Website der LA Public Library, in der das Konzert stattgefunden hat, findet man auch nichts dazu.
Maurice inaktiv (19.04.2023, 10:36):


Ruby Braff/George Barnes : Live at the New School - The Complete Concert AD: 22.04.1974, NYC , Live

Ruby Braff (Kornett) - George Barnes (Solo-Gitarre) - Wayne Wright (Rhythmus-Gitarre) - Michael Moore (Bass)

20 wunderbar gespielte Titel Kammer-Jazz, davon ein Titel von Ruby Braff selbst, sonst alles Stücke aus dem berühmten "Great American Songbook", von Duke Ellington bis hin zu Louis Armstrong, Fats Waller, Don Redman, Irving Berlin, George Gershwin, u.a. Das ist wirklich Jazz vom Feinsten. Überhaupt nicht "rückständig", sondern zeitlos modern. Nichts für Modernisten, aber etwas für die Genießer exzellenter Musik. Sehr empfehlenswert.
Maurice inaktiv (19.04.2023, 11:14):
Im Original wurde diese Session unter dem Titel Dinah Jams veroeffentlicht, hier wiederaufgelegt mit einem langen, instrumentalen Bonustrack. Das ist zwar unnuetzes Wissen in Reinstkultur, aber mich haette trotzdem interessiert, welcher Pianist bei welchem Stueck gespilet hat oder ob ueberhaupt abgewechselt wurde. (Weil das komplette Clifford Brown/Max Roach Quintet (mit Land, Mance und Morrow) zur Unterstuetzung angereist war, aber die Saengerin ihre eigenen Leute dabei hatte, waren zwei Pianisten & Bassisten vor Ort, also jeweils einer ueberzaehlig.) Das scheint niemand zu wissen (Maurice?).
Ich kenne und habe die Aufnahmen selbst auch. Es gibt sie leider auch in verschiedenen Ausgaben, die sich wiederum auch nicht einig sind. Daher weiß ich es auch nicht wirklich so genau. Egal, wer wo gespielt hat, die Session ist auf jedem Fall atemberaubend.

Die CD mit Dinah Washington ist NICHT das komplette Konzert, das sollte man wissen, daher würde ich vermuten, dass bei den Aufnahmen MIT Dinah Washington die Rhythmusgruppe aus dem Pianisten Junior Mance und Bassist Keeter Betts besteht, das würde Sinn ergeben. Doch die Angaben sagen etwas Anderes aus.

Es fehlen auf der DW-CD etwa "What is the Thing Called Love", "Move" und "I Might as well be Spring". Maynard Ferguson und Herb Geller spielen auf der DW-CD nur die Titel 1 und 3-6 mit, Richie Powell wohl nur die Titel 3,6 und 9, George Morrow nur die 5 und 9. DAS sagt zumindest das Booklet aus. Sich darauf zu verlassen wäre aber auch in diesem Fall irgendwie schwierig. Denkbar wäre tatsächlich auch, dass einer der Pianisten das Stück eigentlich spielt, aber der andere das Solo. Das mag verrückt klingen, aber diese Sessions hatten keine feste Regeln. Das haben sie heute manchmal auch nicht. Ich habe sowas selbst schon auf Sessions erlebt. Da spielt irgend ein Kollege das Stück überhaupt nicht mit, kommt aber spontan zu einem Solo schnell ans oder aufs Podium.

Ich weiß, das hilft Dir auch nicht wirklich weiter, aber es gibt leider keine genaue Aufklärung hier, die wirklich absolut zuverlässig wäre.
Maurice inaktiv (19.04.2023, 11:30):
Vielleicht noch eine Info, wenn jemand auf Sängerinnen dieser Zeit und Musiker aus dieser Zeit steht. Sarah Vaughan hat am 16.+18.12.1954 mit dem Trompeter Clifford Brown, Herbie Mann an der Flöte und Paul Quinichette am Tenorsaxophon plus ihre damalige Rhythmusgruppe, Jimmy Jones (Klavier), Joe Benjamin (Bass) und Ro Haynes (Schlagzeug) eine sehr schöne Platte eingespielt.

Es waren im Original neu Tracks, es gab eine Wiederveröffentlichung mit einem Bonus-Track von "Lullaby of Birdland" dazu, die CD-Veröffentlichungen hatten noch Koppelungen mit einer weiteren Einspielung, einmal mit Harry Edison (AD:1960), einmal mit Cannonball Adderley (1955).
Joe Dvorak (19.04.2023, 13:03):
Egal, wer wo gespielt hat, die Session ist auf jedem Fall atemberaubend.

So ist es! :thumbsup:
Und ganz herzlichen Dank fuer die zusaetzlichen Informationen und Hinweise. :thanks
Maurice inaktiv (19.04.2023, 14:44):


Stan Getz : Bigband Bossa Nova AD: 27./28.08.1962, NYC

Stan Getz (Tenorsax) + Studio-Bigband, geleitet von Gary McFarland

Ob man solche Alben braucht, weiß ich nicht, gut gemacht ist es trotzdem. Locker, flockig spielt Getz, dieses Mal halt ohne Astrud Gilberto und Antonio Carlos Jobin, mehr oder weniger bekannte Bossas, etwa "Black Oprheus", alias "Manha De Carnival", "One Note Samba" alias "Samba De Uma Nota So" oder "Bim Bom".

Gary McFarland hat zum Glück auf die süßen Streicher verzichtet, ebenfalls spielen keine anderen Saxophone mit, dafür Flöten und Bassklarinette und Waldhörnern.

Der Blechsatz ist sehr edel besetzt (u.a. Clark Terry und Doc Severinsen, Trompeten, Willie Dennis und Bob Brookmeyer, Posaunen), Jim Hall spielt Gitarre, Hank Jones sitzt am Klavier und zwei Percussionisten extra sind auch dabei.

Die Verve-Techniker verstehen ihr Handwerk, daher klingt das Ganze auch hervorragend. Inzwischen sind das auch schon wieder über 60 Jahre alte Aufnahmen, Wahnsinn.
Maurice inaktiv (19.04.2023, 14:45):
Und ganz herzlichen Dank fuer die zusaetzlichen Informationen und Hinweise.
Gerne doch. Daran soll es nicht scheitern, wenn ich Zeit habe dazu.
Maurice inaktiv (20.04.2023, 18:04):


Ruby Braff : Controlled Nonchalance - At the Ragattabar, Vol.2 AD: 26./27.11.1993, Ragattabar Cambridge, MA live

Ruby Braff (Kornett) - Scott Hamilton (Tenorsax) - Dave McKenna (Klavier) - Gray Sargent (Gitarre) - Marshall Wood (Bass) - Chuck Riggs (Drums)

Ich weiß überhaupt nicht, wen ich hier mehr erwähnen soll. Da ist das tiefenentspannte Spielen der ganzen Band, die Musiker kannten sich seit Jahren, haben in diversen Besetzungen schon zusammengespielt, niemand muss irgend etwas beweisen, alles ist total easy going, die Stücke sind erstklassige Standards aus dem Bereich des Swing vor allem. Da hört man Fats Waller, Duke Ellington, Jimmy Van Heusen, Cole Porter, Johnny Mercer, Maceo Pinkard, Dorothy Fields/Jimmy McHugh - und als einer der Höhepunkte - "These Foolish Things", das Paradestück von Lester Young.

Dave McKenna (1930-2008) spielte in den 1950-er Jahren bei Wood Herman, später mit Zoot Sims, Al Cohn, Stan Getz, Bob Wilbur und bereits seit den 1970-er Jahren immer mal wieder mit Warren Vaché und Scott Hamilton.

Gray Sargent (*1953) spielte rund 10 Jahre (1975-1985) mit Illinois Jacquet, und ab 1990 auch in dessen Bigband. Dann spielte er viele Jahre mit Ruby Braff, aber auch immer wieder mal außerhalb des Jazz, etwa mit John Travolta und Amy Winehouse, um dann ab 1998 bis zum Ende seiner Karriere 2021 mit Tony Bennett auf Tournee zu gehen. Dort wirkte auch viele Jahre Bassist Marshall Woods mit. Chuck Riggs spielte ebenfalls im Umfeld von Ruby Braff, Warren Vaché, Scott Hamilton, Ruby Braff, Bob Wilber, u.v.a.

Eine hervorragende CD, die Vol.1 stammt aus den gleichen Konzerten und ist ebenfalls auf dem hohen Level.
Maurice inaktiv (21.04.2023, 11:43):


Dany Doriz : This One's for Basie AD: 13. & 14. 11.1994, Paris, Frankreich

Dany Doriz (Vibraphon) - Georges Arvanitas (Klavier) - Eddie Jones (Bass) - Butch Miles (Drums)

Dany Doriz (*1941) lernte zunächst Klavier und Saxophon, bevor er mit 16 Jahren zum Vibraphon kam. Mit diesem Instrument wurde er auch bekannt. Er spielt einen Mischstil aus Lionel Hampton, Terry Gibbs und Milt Jackson, und ist damit in der Lage gewesen, mit Swingmusikern, aber eben auch den Modernisten zu spielen. 1975 spielte er sogar im Lionel Hampton-Orchester mit.

Ab 1970 besaß er in Paris den Caveau de la Huchette, einen Jazzclub. Dort spielte er mit Musikern wie Wild Bill Davis, Cat Anderson, Milt Buckner, Ray Bryant, Illinois Jacquet, Harry Edison, Al Grey, Benny Bailey, Clark Terry, Arnett Cobb, Red Holloway und eben den hier versammelten Kollegen.

Doriz leitete auch immer wieder eigene Bigbands, die ganz in der Tradition der Bigbands von Lionel Hampton stehen.

Georges Arvanitas (1931-2005) wurde in Marseille geboren als Sohn griechischer Einwanderer. Ab 1952 begleitete er vor allem in Paris Musiker wie Bill Coleman, Buck Clayton, James Moody, Albert Nicholas, Don Byas, Mezz Mezzrow, u.v.a.

1964-1966 war er vor allem in den USA unterwegs. Dort waren dann Ted Curson und Yusef Lateef seine Arbeitgeber. Ab 1966 spielte er 28 Jahre im Trio mit Jacky Samson am Bass und dem Drummer Charles Saudreis. Dabei/und/oder begleitete er immer wieder amerikanische Gastmusiker, wie etwa Dizzy Gillespie, Chet Baker, Cat Anderson, Coleman Hawkins, Buddy Tate, Dexter Gordon, Bud Freeman, Ben Webster, Frank Wright, Roland Kirk, Sonny Stitt, Pepper Adams, Barney KesselStuff Smith, Anita O'Day und immer wieder Don Byas, der ihn als "Traumrhythmusgruppe" bezeichnete.

Sein Stil war sehr von Bud Powell geprägt, aber eben auch den großen Swing-Pianisten.

Eddie Jones (1929-1997) gehörte 1954-1962 zur Bigband von Count Basie und steht als swingender, unerschütterlicher "Time-Keeper" in der Nachfolge von Walter Page etwa, einem seiner Vorgänger in der Basie-Band. Er war aber auch ein gefragter Studio-Musiker, etwa für Bob Brookmeyer, Milt Jackson, Ruby Braff, Hank Jones, Paul Quinichette, Coleman Hawkins und Frank Wess.

1962 gab er bis zur Pensionierung den Beruf des Musikers auf. Seit den 1980-er Jahren war er wieder als Jazzmusiker aktiv, u.a. in George Weins Newport Jazz Festival All Stars als Nachfolger von Slam Stewart von 1987 bis zu seinem eigenen Tod 1997. Ich habe ihn in dieser Formation selbst noch live erleben dürfen.

Butch Miles (1944-2003) ist leider gerade erst verstorben. Er wirkte 1971-1975 als Begleit-Drummer für Mel Torme, bevor er von 1975-1981 und erneut 1997-2007 in der Count Basie-Band mitwirkte. Miles war Nachfolger von Oliver Jackson in George Weins Newport Jazz Festival All Stars ab 1994, auch wirkte er an zahllosen Sessions, Aufnahmen, Tourneen mit diversen Musikern teil, wirkte in All Star Bands, und war ab 2007 Dozent an der Texas University. Auch leitete er eine hervorragende eigene Band. Er verstarb an den Folgen einer Chemo-Therapie.

Eine sehr gelungene Einspielung, die durch das doch recht flüssige und weitaus "gesprächigere" Spiel Georges Arvanitas immer eigenständig blieb, aber eben durch die beiden langjährigen Basie-Recken einen guten Touch "Basie-Feeling" bekam. Doriz wirkte hier wie etwa Milt Jackson, als dieser mit der Basie-Bigband spielte.
Maurice inaktiv (21.04.2023, 14:02):


Stan Getz/Chet Baker : Stan meets Chet AD: 16.02,1958, Chicago

Chet Baker (Trompete) - Stan Getz (Tenorsax) - Jodie Christian (Klavier) - Victor Sproles (Bass) - Marshall Thompson (Drums)

Diese beiden Lyriker konnten auch anders, besonders Getz. Hier nun eine von zwei Zusammenkünften in den 1950-er Jahren, die auf Platte (und später auf CD) festgehalten worden sind. Die beiden Musiker konnten sich nicht ausstehen, Getz mochte etwa den Junkie Baker nicht, nachdem sich Getz selbst von der Sucht befreit hatte.

Norman Granz brachte die Beiden zusammen, hier nun in Chicago, und er nahm nicht eine seiner Rhythmusgruppen dafür mit (es hätten sich auch durchaus Lou Levy und Drummer Stan Levey dafür geignet, Oscar Peterson wäre für Baker die falsche Wahl gewesen), daher kam ein regionales Trio zum Einsatz, das aber ganz hervorragend gespielt hat. Das Klavier scheint mir aber ganz leicht verstimmt zu sein.

Es gab den üblichen Ablauf bei Verve: Ein bekanntes, flottes Eröffnungsstück mit "I'll Remember April", dann das mal mehr, mal weniger grauenhafte "Ballad-Medley" (ich finde die Dinger grauenhaft), dann mit "Jordu" ein mittelschnelles Stück und am Ende dann, das halsbrecherische "Half-Breed Apache", was nichts Anderes als ein Stück über den Harmonien von "Cherokee" ist, was im modernen Jazz auch gerne im irrwitzigen Tempo gespielt wurde. Hier kann man hören, wie fit Bassist Sproles damals war. Da musste man schon verdammt gut spielen können.

Die CD ist jeden Cent wert. Baker und Getz hatten einen Sahnetag erwischt, ob mit oder ohne Drogen bei Baker, weiß ich nicht. Ist auch egal. Dass Verve immer gute Techniker hatte, ist bekannt. Daher kann ich die CD nur empfehlen.

Jodie Christian (1932-2012) ist vor allem in der Gegend rund um Chicago eine Institution gewesen. Dort trat er mit u.a. Lester Young, Coleman Hawkins, Stan Getz, Chet Baker, Benny Carter, Don Byas, Sonny Rollins, Eddie Harris und Milt Jackson auf.

Er nahm Platten mit Gene Ammons, James Moody, Sonny Stitt, Ira Sullivan und eben dem Team Baker/Getz auf. In den 1960ern war er Mitbegründer der Musikerkooperative AACM, wurde Hauspianist des Labels Delmark Records in den 1990-er Jahren, und nahm da erst seine fünf eigenen Alben auf. 2000 erschien sein letztes Album.

Über Bassist Victor Sproles (1927-2005) wurde hier an früherer Stelle schon mal ausführlich geschrieben. Zunächst spielte er mit Red Rodney, Ira Sullivan und Sun Ra. 1960 spielte er in der Bigband von Johnny Griffin, 1961 mit Muhal Richard Abrams. 1964 wurde er Mitglied bei den Art Blakey Jazz Messengers, wirkte dabei an einigen Alben mit Lee Morgan und auch John Gilmore mit, 1974 dann mit Clark Terrys Bigband und auch mit Buddy de Franco.

Bei Drummer Marshall Thompson muss ich passen. Er gehörte vermutlich zu den Musikern, die in Chicago genug Arbeit hatten. Es gibt noch einen Drummer gleichen Namens, aber der wurde 1940 erst geboren und war 1958 noch nicht groß aktiv gewesen. Und man darf ihn auch nicht mit dem Drummer Chuck Thompson verwechseln, der stilistisch in den Rahmen gepasst hätte.
Joe Dvorak (22.04.2023, 02:11):
Noch so ein Rock-Opa, der den Jammerern, die am liebsten mit 45 bei vollen Bezuegen in Rente gehen wuerden, Arbeitsethos lehrt. 75-jaehrig bringt Ian Anderson innerhalb von 15 Monaten das zweite Album raus:



Jethro Tull - Rökflöte (2023)

Anders als der Vorgaeger haelt das die Spannung bis zum Schluss. Es hilft, dass man sich weiserweise auf LP-Laenge beschraenkt hat.
Maurice inaktiv (22.04.2023, 14:38):


Chet Baker: Chet Baker Quartett plays Standards AD: 24.10.1955, Paris

Chet Baker (Trompete) - Gerald Gustin (Klavier) - Jimmy Bond (Bass) - Bert Dahlander (Drums)

Die Entstehung dieser Aufnahmen gleicht einer Geschichte, die man locker auch als Romanvorlage nutzen könnte. Baker reiste am 05.September 1955 nach Frankreich. Am 04.Oktober spielte die Band im berühmten Salle Pleyel in Paris ein Konzert, welches restlos ausverkauft war. Dazu kam das Angebot, für Nicole und Eddie Barclay für deren Label sechs Alben einzuspielen.

Baker hatte damals den Pianisten Dick Twardzik, den Bassisten Jimmy Bond und Drummer Paul Littman dabei.

Doch es kam dann alles anders. Baker verkrachte sich mit seinem Drummer - Peng !!! Tick Twardzik, leider genau so drogenabhängig wie Baker selbst, setzte sich am 21.10.1955 eine Überdosis und war tot - Peng !!! Damit war sein Begleit-Trio weg.

Nun war guter Rat teuer, denn es gab noch keine Handys oder Internet. Die damals meistbeschäftigten Pianisten waren Raymond Fol und der unverwüstliche René Utreger (der 1957 mit Miles Davis Geschichte schreiben sollte). Beide standen für die Aufnahmen nicht zur Verfügung. So kam man nach einigen Suchen auf den Pianisten Gerald Gustin (1930-1994). Seinen Bassisten hatte er zum Glück noch und als Drummer kam mit Nils-Bertil "Bert" Dahlander einer der besten europäischen Drummer dazu, ein Schwede, der zufällig gerade in der Stadt weilte.

Baker nahm hier nun Musik auf, die er nur sehr selten spielte. Erstaunlich, aber keines dieser Stücke hatte er damals in seinem Band-Repertoire. Doch er musste da durch, stark gezeichnet vom Tode seines vermutlich für ihn besten Begleiters am Klavier, den er je hatte. So spielte man Standards, und es soll sogar so gewesen sein, dass er die Harmonien von "I'll Remember April" nicht einmal kannte. Besonders hörbar wurde es bei der Ballade "These Foolish Things", bei dem er fast in Tränen ausgebrochen wäre. Bakers fragile psychische Verfassung ging an seine Grenzen.

Man sollte dabei erwähnen, dass Baker damals große Probleme mit seinen Zähnen und seiner französischen Freundin hatte, die damaligen Musiker in Europa oftmals nicht den Standard ihrer amerikanischen Kollegen hatten (von Teilen der britischen Musiker mal abgesehen), aber auch Bakers eigene Drogenprobleme nicht von der Hand zu weisen waren.

Verbindet man dieses Hintergrundwissen mit der Musik, die am Ende dabei herauskam, muss man allen Musikern ein großes Kompliment machen. Vermutlich lässt sich damit erklären, dass Pianist Gustin doch recht viele Harmonien lieferte, damit Baker wusste wo er war, doch er selbst spielte für diese ganzen Umstände recht gut. Er sang allerdings kein Stück bei dieser Einspielung.
michael74 (22.04.2023, 19:19):

Noch so ein Rock-Opa, der den Jammerern, die am liebsten mit 45 bei vollen Bezuegen in Rente gehen wuerden, Arbeitsethos lehrt. 75-jaehrig bringt Ian Anderson innerhalb von 15 Monaten das zweite Album raus:



Jethro Tull - Rökflöte (2023)

Anders als der Vorgaeger haelt das die Spannung bis zum Schluss. Es hilft, dass man sich weiserweise auf LP-Laenge beschraenkt hat.
Hi die finde schon richtig richtig gut.
Auch die neue von Axel Rudi Peel, und Joe Bonamassa laufen regelmäßig

Gruß Michael
Maurice inaktiv (24.04.2023, 09:06):


Chet Baker : Complete Studio Sessions with Dick Twardzik AD: 11.+14.10.1955 , Paris

Chet Baker (Trompete) - Richard "Dick" Twardzik (Klavier) - Jimmy Bond (Bass) - Peter Littman (Drums)

Hier nun die legendären Einspielungen von Chet Baker mit dem vielleicht für ihn besten Pianisten, den er je hatte, Dick Twardzik. Er am als Nachfolger von Russ Freeman in die Band von Baker.

Hier nun die letzten Aufnahmen, die es mit ihm aus einem Studio gibt. Eine Woche später war er tot - mit der Nadel noch im Arm (so Baker, der ihn tot aufgefunden hatte), das war am 21.10.1955, also nicht mal eine Woche nach diesen Aufnahmen.......Er wurde nur 24 Jahre alt.

Eine weitere Rarität sind die Stücke des jungen Komponisten Bob Zoff aus Boston. Nur ein Stücke stammten nicht von ihm: "The Girl from Greenland" (Twardzik). Es dürfte auch das letzte Stück von Twardzik sein, was er komponiert hat.

Die vier Bonus-Stücke stammen vom 15.10.1955 live aus Stuttgart, Villa Berg. Hier wirkten als Gäste noch der schwedische Baritonsaxophonist Lars Gullin und die Sängerin Catarina Valente (sie nur auf "I'll Remember April"). Allerdings sind hier die Grenzen von der Valente noch deutlich zu hören. Sie hat hörbare Intonationsprobleme mit dem Stück. Sie wäre leider entbehrlich gewesen. Die Besetzung sonst entspricht jener von den Studioaufnahmen zuvor.

Es muss noch mindestens ein Live-Mitschnitt aus einem Konzert in Holland geben, und natürlich aus Stuttgart zu den vier Titeln hier.
Maurice inaktiv (24.04.2023, 11:58):
Weiter geht es mit Kenny Dorham, einem der gerne unterschätzten Trompeter und Komponisten des Bop und Hard Bop.



Kenny Dorham : Contrasts AD: 21.05. (Tracks 1,2,5,6) & 27.05.1957 (Tracks 3,4), NYC

Kenny Dorham (Trompete) - Sonny Rollins (Tenorsax, Tracks 1,2, 4-6) - Hank Jones (Klavier) - Oscar Pettiford (Bass) - Max Roach (Drums) - Betty Glamann (Harfe)

Ob man nun die Harfe unbedingt gebraucht hätte, lasse ich mal offen. Ich habe sie zumindest im Jazz nie vermisst. Nur das letzte Stück "La Villa" hat Kenny Dorham zusammen mit Gigi Gryce geschrieben, der aber nicht dabei war damals. Das Album erschien damals auf Riverside, produziert wurde es von Orrin Keepnews.

Ein feines Album, das durchweg einen sehr guten Eindruck macht, aber bereits damals mit nur 41 Minuten Spielzeit nicht gerade lange war.

Anschließend dann noch das Album "Blue Spring" aus dem Jahre 1959. Ich stelle auch hier kein eigenes Cover ein, weil beide Boxen Oben beide Einzel-CDs enthalten und weitaus günstiger zu erwerben sind.

Kenny Dorham (Trompete) - Dave Amram (Waldhorn) - Cannonball Adderley (Altsax) - Cecil Payne (Baritonsax) - Cedar Walton (Klavier) - Paul Chambers (Bass) - Jimmy Cobb (Drums, Tracks 01-04, ausgehend von der Original-LP) - Philly Joe Jones (Drums, 5-6)

AD: 20.01.1959 (mit Jones) & 18.02.1959 (mit Cobb)

Dieses Mal ist Dorham für 4 Titel als Komponist verantwortlich. Witzig ist, dass alle Titel das Wort "Spring" enthalten. Auch hier sehe ich einen Mehrwert an der Mitwirkung von einem Waldhorn und dem Baritonsax von Cecil Payne. Doch das ist meine bescheidene Meinung dazu. Dave Amram hat zu den relativ wenigen Musikern gehört, die versucht haben, dem Waldhorn eine Jazzstimme zu geben.
Joe Dvorak (24.04.2023, 12:52):


SBB - Hofors 1975
Józef Skrzek (Hammond Orgel, Wurlitzer Piano, Synthesizer, Gesang), Apostolis Anthimos (Gitarre), Jerzy Piotrowski (Schlagzeug)

SBB steht fuer Silesian (Schlesische) Blues Band. Sie begannen 1969 als solche, aber verlagerten das Gewicht bald auf Jazz-Rock-Fusion und Progressive Rock, die sie in einzigartigen Mischung darboten und dabei qualitativ den besten Vertretern beider Lager nicht nachstanden. Live-Konzerte waren in weiten Teilen improvisiert, der vorliegende Mitschnitt eines Konzerts in Schweden besteht aus einem einzigen Titel, der auf zwei LP-Seiten verteilt wurde.
Heute sind bei Progarchives 19 Studio-Alben dieser Gruppe gelistet. Die beiden letzten stammen aus dem Jahr 2019, bringen allerdings Archivmaterial aus Radiosessions der 70er; das letzte 'richtige' Studioalbum entstand 2012 als Duo (ohne Piotrowski). Obendrauf gibt es ausser dem gerade gehoerten noch 37 weitere Livealben. Weil es so schoen war, schiebe ich noch eins hinterher:




SBB - Live Cuts, Köln 1978
Józef Skrzek (Gesang, Synthesizer), Apostolis Antymos (Gitarre, Schlagzeug), Jerzy Piotrowski (Schlagzeug)
Maurice inaktiv (24.04.2023, 13:38):


Art Farmer : Last Night, when we were Young AD: 28.03. , 24. & 29.04.1957, New York

Art Farmer (Trompete) + Begleitband unter Quincy Jones (mit: Hank Jones, Klavier, Addison Farmer, Bass, Osie Johnson & Sol Gubin Drums)

Dieses Album ist kein reines Jazzalbum, Jones stellte eine Band mit Streichern zusammen, keiner reinen Bigband. Das ist nicht so mein Fall. Auf solche Alben habe ich noch nie gestanden, aber es ist halt in der Box dabei. Es ist die CD-Nr.4 der Box. Leider gibt es kein gescheites Booklet, so dass man sich fast alles aus dem Netz holen muss dazu.

Anschließend läuft dann die ehemalige LP "Trumpets all Out", auf das ich mich sehr freue, weil es gleich fünf Trompeter vereint. Die Arrangements stammen alle von Ernie Wilkins. AD: 15.11.1956, Rudy Van Gelder Studios Hackensack, New York

Art Farmer, Charlie Shavers, Emmett Berry, Harold Baker, Ernie Royal (alle Trompeten) - Don Abney (Klavier) - Wendell Marshall (Bass) - Bobby Donaldson (Drums)
Maurice inaktiv (25.04.2023, 07:37):


Zoot Sims/Bob Brookmeyer : Morning Fun AD: Aug. 1956, NYC

Bob Brookmeyer (Ventil-Posaune) - Zoot Sims (Tenorsax, Vocal) - Hank Jones (Klavier) - Bill Crow (Bass) - Jo Jones (Drums)

Eine schöne, entspannte Session lieferten hier alle Beteiligten ab. Bob, Zoot und Bill spielten damals zusammen im Sextett von Gerry Mulligan, bevor sie beide dort ausstiegen und eigene Bands leiteten. Sie kamen aber Anfang der 1960-er Jahre zeitweise zu diesem zurück, als er die Concert Band leitete.

Jeweils ein Stück von Sims und Brookmeyer, zwei von Al Cohn, dazu vier Standards der gehobenen Klasse, dazu ein singender Zoot Sims ("Was Chet Baker kann, kann ich auch" soll er damals gesagt haben).

Eine schöne, swingende CD, aber ob sie wirklich am Morgen oder Vormittag aufgenommen wurde weiß ich nicht . Das Booklet hat sich dazu auch nicht ausgelassen. Das Ganze klingt auch gut, ob es nun am Remastering liegt, weiß ich nicht. Man kann es sich jedenfalls wunderbar am Morgen anhören.
Maurice inaktiv (25.04.2023, 09:22):


Harold Land: West Coast Blues AD: 17/18.05.1960, San Francisco, damals für Jazzland eingespielt

Joe Gordon (Trompete) - Harold Land (Tenorsax) - Barry Harris (Klavier) - Wes Montgomery (Gitarre) - Sam Jones (Bass) - Louis Hayes (Drums)

Drei Stücke stammen von Land, eines von Wes Montgomery (West Coast Blues), eines von Billie Holiday und Charlie Parker. Feine Bop-Scheibe, natürlich mit einem Schuss West Coast-Jazz und Hard Bop vereint.

Harold Land/Kenny Dorham : Eastward Ho! Harold Land in New York AD: 05/08.Juli 1960, NYC ebefalls auf Jazzland eingespielt

Kenny Dorham (Trompete) - Harold Land (Tenorsax) - Amos Trice (Klavier) - Clarence Jones (Bass) - Joe Peters (Drums)

Produzent war Orrin Keepnews gewesen. Die Session mit drei mir unbekannten Leuten in der Rhythmusgruppe, macht einen gleichguten Eindruck wie zuvor die Scheibe. Ein Stück stammt vom Pianisten, zwei Standards, ein mir unbekanntes Stück und ein Blues, bei dem Harold Land als "Komponist" angegeben wurde.
Maurice inaktiv (25.04.2023, 13:08):


Tubby Hayes : Tubbs 1961 AD: 1961 nur noch drei Stücke (CD-Nr.3)

Tubby Hayes (Tenorsax, Vibraphon-2) - Terry Shannon (Klavier) - Dave Goldberg (Gitarre-2) - Jeff Clyne (Bass) - Bill Eyden (Drums)
Beim zweiten Titel kommen noch Instrumente wie Flöte (Johnny Scott) und Oboe (Harry Meyers) dazu.

Tubbs in New York AD: 03./04.10.1961, NYC

Clark Terry (Trompete) - Tubby Hayes (Tenorsax) - Eddie Costa (Vibraphon) - Horace Parlan (Klavier) - George Duvivier (Bass) - Dave Bailey (Drums)

Die Begegnung für Tubby Hayes (1935-1973) mit Größen wie Clark Terry oder Eddie Costa und Horace Parlan zeigt auf, welche Qualität er hatte. Es war nicht zu erwarten, dass er bereits sehr früh während einer Herzoperation versterben würde. 1964 vertrat er Paul Gonsalves bei einem Konzert in London in der Duke Ellington Band.

Diese Einspielung aus den USA zeigt das Format dieses großartigen Musikers. Zwei Stücke stammen von Clark Terry, mit "Airegin" und "Doxy" wurden zwei bekannte Nummern von Sonny Rollins dazu genommen, ein Standard von Gershwin ("Soon") und "You for Me" von Bob Haymes. Eine wunderbar swingende Session war das gewesen.
Maurice inaktiv (26.04.2023, 08:55):


Art Farmer: "Farmer's Market" AD: 31.11.1956, Hackensack , Rudy Van Gelder Original auf New Jazz Tracks 01-06

Art Farmer (Trompete) - Hank Mobley (Tenorsax) - Kenny Drew (Klavier) - Addison Farmer (Bass) - Elvin Jones (Drums)

Eines der frühen Alben des Trompeters und dann vor allem Flügelhornisten Art Farmer. Farmer, der aus der gleichen Bigband hervorging, wie Clifford Brown und Quincy Jones (Lionel Hampton), stand dort noch ein wenig im Schatten des übermächtigen Clifford Brown. Die Kritik war bei diesem Album etwas gespalten, was die Bewertung anging. Auf der einen Seite war da der junge Art Farmer, der seinen Platz in etwa zwischen dem übermächtigen Clifford Brown und Miles Davis suchte, der hervorragende Pianist Kenny Drew, aber auch des noch ein wenig "unfertigen" Hank Mobley, der hier nicht seinen besten Tag hatte.

Addison Farmer (1928-1963) war übrigens der Zwillingsbruder von Art(hur) gewesen, der leider sehr früh 1963 bei einem Autounfall verstarb.

Art Farmer: "Three Trumpets" AD: 26.01.1957, Hackensack , Rudy Van Gelder Original auf Prestige Tracks 07-12

Art Farmer, Idrees Suliman, Don Byrd (Trompeten) - Hod O'Brian (Klavier) - Addison Farmer (Bass) - Ed Thickpen (Drums)

Hier findet man drei der besten, modernen Trompeter dieser Zeit vereint auf einer Session, die für das Label Prestige aufgenommen wurde. Idrees Sulieman (1923-2002) wurde unter dem Namen Leonard Graham geboren. Er wurde nicht so sehr bekannt, gehörte auch zur Bop-Generation, die als einer der wenigen Musiker diese Generation lange überlebte (vermutlich mit Clark Terry und Frank Stratton einer der ganz wenigen Musiker, die kaum, oder überhaupt nicht mit Drogen in Verbindung gebracht wurden). Sulieman war sowohl als Bigband-Musiker (etwa bei Cab Calloway, Earl Hines, Lionel Hampton, Dizzy Gillespie, später Francy Boland/Kenny Clarke) als auch Combo-Musiker (Randy Weston, Illinois Jacquet, Friedrich Gulda) zu brauchen war.

Donald Byrd (1932-2013) muss man nicht groß vorstellen. Er dürfte einer der meistaufgenommenen Jazzmusiker des modernen Jazz gewesen sein, gerade im Zeitraum 1955-1965 herum. Er war sowas wie der "Haustrompeter" des Labels Blue Note gewesen.

Hod O'Brian (1936-2016) wurde bereits 1950 Berufsmusiker, also noch als blutjunger Teenager. Doch es sollte noch bis 1957 dauern, als ihn Oscar Pettiford verpflichtete, und er langsam zu den besseren Jobs kam. Die Einspielung hier dürfte eine der ersten von ihm gewesen sein. 1963-1973 studierte er Mathematik und Psychologie (mit Bacherlorabschluss) und wurde Mitarbeiter bei der New York University. Er leitete dann einen eigenen Jazzclub und machte erst in den 1980-er Jahren eigene Plattenaufnahmen.Seine Frau und Tochter waren biede Jazzsängerinnen.
Maurice inaktiv (27.04.2023, 13:55):


Chet Baker/Paul Desmond : Together AD: 17.07.1974 (1 und 6), Februar 1977 (2,3,5), 23.04.1975 (4,7), alle NYC

Chet Baker (Trompete, Flügelhorn, Vocal) - Paul Desmond (Altsax) - Bob James (E-Piano, 1,6) - Kenny Barron (E-Piano, 2,3,5) - Roland Hanna (Klavier, 4,7) - Jim Hall (Gitarre, 4,7) - Ron Carter (Bass, alle Stücke) - Steve Gadd (Drums, 1,4,6,7) - Tony Williams (Drums, 2,3,5) + Streicher teilweise , Arr.: Don Sebesky

Teilweise unter de Regie von Rudy Van Gelder eingespielt (1,4,6,7) eingespielt (und diese auch von Creed Taylor produziert), ist das ein Sampler der besseren Sorte. Ich kann nur dem Klang der damaligen E-Pianos absolut nichts abgewinnen.

"Tangerine", "You can't go Home Again", "How deep is the Ocean", "You'd be so nice to Come Home To", "I'm getting Sentimental Over You/You've Changed", "Autumn Leaves", "Concierto de Aranjuez".
a-way (27.04.2023, 15:06):


Chick Corea - return to forever

:hello
a-way (28.04.2023, 09:53):


John Pizzarelli - Double Exposure

Von Swing bis experimentell und in der Abwechslung und Vielfalt unmittelbar überraschend beim Ersthören, so dass es einfach Interesse weckt, tiefere Schichten berührt und auch schlicht gute Laune macht.
John Pizzarelli ist ein 1960 geborener amerikanischer Songwriter, Gitarrist und Sänger. Auf Wikipedia sind Mainstream- und Popjazz als Genre angegeben, so mainstream erlebe ich es aber nicht, den Swing, der dort wiederum seinem Vater zugeordnet wird, finde ich vordergründig.

https://www.johnpizzarelli.com/ Hier kommt er selbst zu Wort.
Maurice inaktiv (28.04.2023, 10:47):
John Pizzarelli - Double Exposure

Von Swing bis experimentell und in der Abwechslung und Vielfalt unmittelbar überraschend beim Ersthören, so dass es einfach Interesse weckt, tiefere Schichten berührt und auch schlicht gute Laune macht.
John Pizzarelli ist ein 1960 geborener amerikanischer Songwriter, Gitarrist und Sänger. Auf Wikipedia sind Mainstream- und Popjazz als Genre angegeben, so mainstream erlebe ich es aber nicht, den Swing, der dort wiederum seinem Vater zugeordnet wird, finde ich vordergründig.
John kommt direkt aus der Swingzeit, inzwischen ist er moderner geworden. Sein Vater, Bucky Pizzarelli, war eine Legende an der Gitarre (er spielte auch die 7-seitige Jazzgitarre hervorragend), und sein Sohn spielte oft mit ihm. Später hat er auch noch den Gesang mit eingebaut. Ich habe ihn in jungen Jahren einmal live gesehen, er kann echt was.
Maurice inaktiv (28.04.2023, 11:28):


Chet Baker : Chet in Paris, Vol.4 (Alternate Takes) AD: 25.10.1955 (Tracks 1-3), 28.11.1955 (04-07), 26.12.1955 (08-11), 10.02.1956 (12-16)

Besetzungen:

01-03: Chet Baker (Trompete) - Benny Vasseur (Posaune) - Jean Aldegon (Altsax) - René Urtreger (Klavier) - Jimmy Bond (Bass) - Nils-Bertil Dahlander
(Drums)

04-07: Chet Baker (Trompete) - Raymond Fol (Klavier) - Benoit Quersin (Bass) - Jean-Louis Viale (Drums)

08-11: Chet Baker (Trompete) - Bobby Jaspar (Tenorsax) - Rene Urtreger (Klavier) - Benoit Quersin (Bass) - Jean-Louis Vialle (Drums)

12-16: Chet Baker (Trompete) - Jean-Louis Chautemps (Tenorsax) - Francy Boland (Klavier) - Eddie de Haas (Bass) - Charles Saudrais (Drums)

Bakers Europa-Tournee 1955/56 stand unter keinem guten Stern. Er hatte Probleme mit den Zähnen, seine französische Freundin machte Stress und sein Pianist für die Tournee (Dick Twardzik), verstarb an einer Überdosis wenige Tage, nachdem er die ersten Aufnahmen in Paris gemacht hatte. Mit seinem Drummer Peter Littman überwarf er sich auch noch, also stand nur noch Bassist Jimmy Bond zur Verfügung.

Damals war es nicht gerade einfach, europäische (oder wie hier, französische Musiker) Musiker zu bekommen, die halbwegs dem Standard der Musiker aus den USA hatten. Immerhin waren die drei besten Pianisten hier mit dabei, die der moderne Jazz damals in Paris oder Frankreich zu bieten hatten. Boland war allerdings Belgier, der vermutlich zufällig gerade in Paris war.

Warum ab der zweiten Session nicht mehr Jimmy Bond am Bass spielte, weiß ich nicht. Vermutlich hat auch er sich mit Baker erst einmal verkracht. Im Sommer 1956 waren sowohl er, als auch der Drummer Peter Littman wieder mit dabei in den Staaten. Die Wogen schienen sich wieder geglättet zu haben.

Das Booklet ist so klein geschrieben, dass ich es kaum lesen kann. Klanglich sind die Aufnahmen für Europa und 1955 erstaunlich gut gelungen.
Joe Dvorak (29.04.2023, 07:04):
Feine Sachen werden hier gehoert. Da reihe ich mich ein:



The Total J.J. Johnson (1967)

Der Posaunist spielt mit wechselnden 12- oder 13-koepfigen Ensembles. Mit dabei sind Hank Jones am Klavier und Ron Carter (wer sonst?) am Kontrabass. Die Besetzung der einzelnen Tracks kann man bei Discogs nachlesen. (J.J. Johnson – The Total J.J. Johnson (1967, Vinyl) - Discogs). Johnson hat alle Ttiel komponiert und arrangiert - und das ist nun wirklich vom Allerfeinsten.
Maurice inaktiv (29.04.2023, 09:36):
The Total J.J. Johnson (1967)

Der Posaunist spielt mit wechselnden 12- oder 13-koepfigen Ensembles. Mit dabei sind Hank Jones am Klavier und Ron Carter (wer sonst?) am Kontrabass. Die Besetzung der einzelnen Tracks kann man bei Discogs nachlesen. (J.J. Johnson – The Total J.J. Johnson (1967, Vinyl) - Discogs). Johnson hat alle Ttiel komponiert und arrangiert - und das ist nun wirklich vom Allerfeinsten.
Wenn Du schon so feine Sachen hörst, erwähne wenigstens die Posaunisten neben J.J.Johnson: Benny Powell (damals bei Count Basie), dazu entweder Paul Faulise oder Tony Studd an der Bass-Posaune. Ein Topp-Trio. Am Schlagzeug saß vor allem Grady Tate, oder Bobby Rosengarden (ein ganz ausgezeichneter Studio-Drummer, der nicht so sehr bekannt ist). Kein geringerer als Hank Jones saß bei allen Stücken am Klavier.

Snooky Young, Danny Stiles, Art Farmer, Burt Collins, Ernie Royal spielten Trompete. Immer im Dreier-Satz, Art Farmer war immer dabei. An der Lead-Trompete wechselten sich Snooky Young und Ernie Royal ab. Mit Young spielte Johnson in der Basie-Band zusammen.

Bei der Dreier-Reed-Section spielten Jerome Richardson, Phil Bodner, Tommy Newsom(e) und Frank Wess mit. Und Du hattest bereits Ron Carter am Bass erwähnt.
Maurice inaktiv (30.04.2023, 09:17):


Hier heraus noch einmal nur "Concierto De Aranjuez" AD: 23.04.1975, NYC

Chet Baker (Trompete, Flügelhorn) - Paul Desmond (Altsax) - Sir Roland Hanna (Klavier) - Jim Hall (Gitarre) - Ron Carter (Bass) - Steve Gadd (Drums)
Arrangement: Don Sebesky

Es ist sicher Geschmackssache, ob man unbedingt den leicht rockigen Sound braucht, aber es ist grundsätzlich ganz hervorragend gespielt worden. Fast schon mystisch, wie Paul Desmond hier spielt, wie exzellent Chet Baker und Jim Hall dazu passen, wie wunderbar Sir Roland Hanna hier begleitet aber auch als Solist brilliert, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Doch auch das Arrangement von Don Sebesky ist genau auf diese Topp-Musiker geschrieben worden. Es erzeugt bei mir viel mehr Gänsehaut als die Fassung von Miles Davis/Gil Evans.

Danke, Danke an all diese großartigen Musiker, die mein Leben so sehr bereichert haben. Chet, Paul, Jim und Sir Roland leben leider nicht mehr. Sie bleiben uns durch ihre Aufnahmen, vielleicht auch persönlich erlebten Konzerte in Erinnerung, das tut gut in einer immer verrückteren Welt. Dabei war gerade Chets Leben nicht einfach, sein tragischer Tod wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Wer mal reinhören möchte, hier ist der Link dazu. Es lohnt sich wirklich, man muss aber in Stimmung sein dafür.
Maurice inaktiv (30.04.2023, 10:11):


Chet Baker/Stan Getz : Quintessence, Vol.1 AD: 19.02.1983, Baerum, Norwegen live

Chet Baker (Trompete, Flügelhorn, Vocal) - Stan Getz (Tenorsax) - Jim McNeely (Klavier) - George Mraz (Bass) - Victor Lewis (Drums)

Im Grunde spielt hier Chet Baker mit dem Stan Getz-Quartett, denn das Begleit-Trio ist eigentlich jenes von Getz. Mit Jim McNeely spielt der heutige Chef der HR-Bigband mit, dazu der brillante George Mraz und der nicht weniger großartige Victor Lewis an den Drums machen daraus eine extrem feine Band für die beiden Hauptakteure, die sich bekanntlich persönlich nicht ausstehen konnten, musikalisch aber hervorragend zusammen passten.

Chet ist auf den beiden ersten Stücken fast nur als Sänger zu hören, was darauf schließen lässt, dass er wohl wieder mal ansatztechnisch schlecht drauf war. Musikalisch ist das aber sehr gut integriert, daher soll es nicht stören (I'm Old Fashioned" und "Just Friends", hier begleitet er auf dem Flügelhorn nur wenige Takte).

Wie groß die Rivalität zwischen diesen inzwischen doch eigentlich "erwachsenen" Menschen gewesen sein muss, kann man vielleicht dann ermessen, wenn man weiß, dass Getz die Tournee nicht zu Ende spielen wollte mit Baker, vermutlich, weil Baker mehr Applaus als er selbst (Getz) bekommen haben soll. Das mag für Getz deshalb besonders schmerzvoll gewesen sein, weil hier ein Junkie, der technisch einfach nicht das Format auf der Trompete hatte, um Getz darin je gefährlich zu werden, besser beim Publikum ankam als er selbst, der frei von dem Stoff war und noch einmal groß aufspielen konnte, bis auch ihn die Krankheit immer fragiler machte.

Hier beim ersten Teil des Konzertes, kann ich das nicht irgendwo bestätigen, aber wie gesagt, musikalisch verstanden sich die beiden Musiker ausgezeichnet. Es sollte die letzte gemeinsame Zeit auf der Bühne gewesen sein. Allerdings finde ich die beiden Amazon-Rezensenten Edgar Uhl und G. Pechura interessant mit ihren Ausführungen. Pechura ist ein sehr erfahrener Rezensent im Jazzbereich, er kennt sich zudem erfreulich gut aus. Ich kann deren Gedanken weitgehend folgen und stimme mit ihnen auch überein.

Victor Lewis kam 1978 zu Getz, McNeely Ende 1981, Mraz wohl erst Ende 1982. Mraz spielt ein hervorragendes Solo in "Star Eyes". "My Ideal" ist wieder mit Bakers Gesang zu erleben, Getz folgt mit einem sehr gefühlvollen Solo, McNeely spielt ebenfalls ein sehr entspanntes Solo, bevor dann die beiden Hauptakteure mal zusammen spielen. Hier ist Getz eindeutig der führende Musiker, Baker singt das Stück dann bis zum Schluss aus.

Anschließend folgen noch drei Standards: "But not for Me" von Den Gershwin-Brüdern (leider wieder mit Bakers Gesang), mit Dizzy Gillespies "Dizzy Atmosphere" einen richtigen Bop-Klassiker und am Ende "Stablemates" von Benny Golson.

Eigentlich eine sehr schöne Scheibe, aber ob ich den zweiten Teil unbedingt brauche? Ich möchte Baker spielen, und nicht singen hören. Doch so ist es oft bei den Blechbläsern. Wenn sie nicht mehr spielen können, singen sie mehr (Louis Armstrong lässt grüßen).
Joe Dvorak (01.05.2023, 02:45):


Mose Allison - Lessons in Living (Live in Montreux, 21 Juli 1982)

Mose Allison (Gesang, Klavier), Lou Donaldson (Altsaxophon), Eric Gale (Gitarre), Jack Bruce (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug)

Das ist eine der Besetzungen, bei denen man sich ein paarmal die Augen reibt, weil man glaubt, sich verlesen zu haben. Allison begann 1957 im Alter von 30 Jahren mit Plattenaufnahmen, von wenigen Ausnahmen abgesehen im Trio, wobei er sich langsam vom Pianisten, der gelegentlich singt (und noch gelegentlicher Trompete spielt) zum Saenger, der auch Klavier spielt, entwickelte. Seine poetischen Texte sind scharfsinnig bis sarkastisch (Dein Hirn ist im Urlaub und dein Maul macht Ueberstunden) und sein Country-Blues beeinflusstes Klavierspiel sehr orginell. Leider gefaellt mir seine Stimmfarbe in jungen Jahren nicht besonders. Das aendert sich bei den Aufnahmen ab den 80ern, bei denen er gleichzeitig mit Major Deals in der Tasche vom Trio-Format zu Allstar-Besetzungen ueberging: Randy Brecker, Joe Farrell, Arthur Blythe, Bob Malach, Joe Lovano, Kenny Burell, John Scofield, Roy Babbington, Paul Motian, um nur ein paar zu nennen.

Allison wurde auch von Rockmusikern gecovert, u. a. von The Who und von den Bluesbreakers zu der Zeit als Eric Clapton dort gespielt hat, bevor er zusammen mit Jack Bruce bei Cream landete. Das koennte die Verbindung sein. Donaldson, der dem Jazz-Dummy vor allem durch seine Sessions mit Clifford Brown bekannt ist und Gale haben zuvor nie mit Allison gespielt. Cobham hat 1971, kurz vor seinem Durchbruch eine Trio-Platte mit ihm gemacht. (Ueber diese Verbindung bin ich ueberhaupt erst auf Allison gestossen.)

Jedenfalls ist das eine tolle Session mit einem bestgelaunten Allison, der am Klavier manchmal ungewohehlich frei, aber dabei stets mit demselben Augenzwinkern wie bei seinen Texten agiert. :thumbsup:
Maurice inaktiv (02.05.2023, 11:50):


Miles Davis : Blue Haze AD: 19.05.1953, 10.03.1954, 13.04.1954 (Hackensack, Rudy Van Gelder-Studios)

01: Miles Davis (Trompete) - Dave Schildkraut (Altsax) - Horace Silver (Klavier) - Perry Heath (Bass) - Kenny Clarke (Bass)

02,03 & 05 : Miles Davis (Trompete) - Horace Silver (Klavier) - Charles Mingus (Bass) - Art Blakey (Drums)

04,06-08: Miles Davis (Trompete) - John Lewis (Klavier) - Charles Mingus (Klavier,04) - Percy Heath (Bass) - Max Roach (Drums)

Grundsätzlich eine gelungene Veröffentlichung, wenn auch etwas unausgeglichen in der Qualität. Die erste Aufnahmesession fand am 19.Mai 1953 statt, als Davis nicht gerade einen guten Ansatz hatte. Man kann das leider auch hören. Vielleicht wäre das weniger ins Gewicht gefallen, wenn er sich einen zweiten Bläser dazu geholt hätte. "Smooch" stammt von Charles Mingus und Miles. Hier spielt Mingus auch den Klarvierpart (übrigens sehr gut). Mit "Miles Ahead" wurde ein späteres Standard des Jazz eingespielt.

Am 10.März 1954, also fast ein Jahr später ging es mit leicht veränderter Besetzung ins Studio. Hier wurde der spätere Standard "Four" eingespielt. Auch das schnelle "Blue Haze" war dabei. Man findet ein echtes Thema bei dem Stück, dafür aber weht in der Session ein ganz anderer Wind. Davis hatte einen weitaus besseren Ansatz, Blakey machte mehr Dampf als zuvor Max Roach, die ganze Session wirkte wie ein Vorbote des späteren Miles. Alles ist mehr zupackend gespielt.

Das allererste Stück "I'll Remember April" sprudelt nur so vor Power und vielen Passagen, die schon dem Hard Bop zuzuordnen sind. Es wurde am 03.April 1954 in Rudy Van Gelders Tonstudio in Hackensack eingespielt. Warum man nur dieses eine Stück mit veröffentlicht hat und nicht die drei anderen Stücke dazu (die dann auf "Walkin'" zu hören sind, bleibt das Geheimnis aller Beteiligten. Immerhin war da auch "Solar" dabei. Hier lässt der vielen Hörern doch weniger bekannte Altsaxophonist Dave Schildkraut (1925-1998) aufhorchen. Er erinnert sehr an Charlie Parker, sicher kein geringes Kompliment.

Wer sich ein wenig mehr mit Miles Davis beschäftigt hat, wird feststellen, dass Miles noch am Suchen seines Stiles war zu diesem Zeitpunkt. Er verwendete häufig den Cup Mute Dämpfer, aber noch nicht den berühmten Harmon Mute ohne Stem darin, dessen Sound er dann berühmt machte.

Auch ist es aufschlussreich, wenn man mal die beiden großen Lyriker ihres Instrumentes vergleichen würde, die der moderne Jazz hatte um diese Zeit: Miles Davis und Chet Baker. Es gibt auch noch den Trompeter/Kornettisten Webster Young, der an die lyrische Spielweise der Beiden anknüpft, aber leider sind seine Einspielungen nur sehr rar, bzw. nicht mal als CD erschienen (etwa "WY plays the Miles Davis Songbook" von 1961.
Maurice inaktiv (02.05.2023, 13:47):


Miles Davis: "Workin' wih the Miles Davis Quintet AD: 11.05.1956, Hackensack, Rudy Van Gelder-Studios

Diese Scheibe sollte mit "Relaxin'" (11.05.1956 & 26.10.1956), "Workin'" (11.05.1956), "Steamin'" (11.05.1956 & 26.10.1956) und "Cookin'" (26.10.1956) vier Alben innerhalb von nur zwei Studio-Sessions der Anfang der vielleicht besten Band des Hard Bop vereinen, die auch noch in die Zukunft lässt blicken. Natürlich sind noch nicht alle Stücke auf einem Spitzen-Niveau, aber durchgängig wird hier teilweise aufregende Musik geboten. Sie wurden vorzeitig eingespielt, damit Davis aus dem Vertrag von Prestige rauskam. Er hatte von der CBS ein besseres Angebot bekommen.

Die Rhythmusgruppe ist eine der Besten der Jazz-Szene überhaupt, jeder Musiker kann als Solist zu jeder Zeit etwas Gutes beitragen, keiner muss sich da seiner Sache schämen. Wirklich nicht !! Ich gebe zu, dass ich ein großer Fan von Philly Joe Jones bin, weil er immer die richtige Lösung für die jeweiligen Solisten und Bands hatte. Art Taylor und Louis Hayes waren ein ähnliches Kaliber gewesen.

Miles Davis (Trompete) - John Coltrane (Tenorsax) - Red Garland (Klavier) - Paul Chambers (Bass) - Philly Joe Jones (Drums)

Davis spielte hier im Grunde seine wichtigsten Repertoire-Nummern ein, das aus alten Bop-Stücken, neuen, eigenen, bzw. von Bandmitgliedern geschriebenen Nummern, aber auch einigen Standards von Kollegen oder aus dem berühmten "Armerican Song Book" bestand. Hier etwa "Four" und "Half Nelson" oder "Theme", aber auch "Ahmad's Blues" (Ahmad Jamal) oder "Trane's Blues" (John Coltrane).
Maurice inaktiv (03.05.2023, 11:50):


Blue Mitchell : "Out of Blue" AD: 05.01.1959 , für Riverside

Blue Mitchell (Trompete) - Benny Golson (Tenorsax) - Wynton Kelly (Klavier) - Sam Jones (Bass, 1,3,4) - Paul Chambers (Bass, Rest) - Art Blakey (Drums)

anschließend : "Blue Soul" AD: 24.,28. & 30.09.1959, NYC für Riverside

Blue Mitchell (Trompete) - Curtis Fuller (Posaune, 1,2,5,6,8,9) - Jimmy Heath (Tenorsax, 1,2,5,6,8,9) - Wynton Kelly (Klavier) - Sam Jones (Bass) - Philly Joe Jones (Drums)

"Blue Soul" wurde damals höher bewertet als "Out of Blue". Das ist über 60 Jahre später aber alles egal. Beide Alben kann man gut hintereinander hören, weil durch den Besetzungswechsel ein völlig anders Klangbild entstanden ist. Noch dazu spielt Mitchell drei Stücke nur im Quartett.

Die beiden Alben waren gestern Abend bereits an der Reihe.
Maurice inaktiv (03.05.2023, 11:51):


Clark Terry : C.T. and his Orchestra featuring Paul Gonsalves AD: Oktober 1959, Paris für Jazz Heritage Society & Prestige (Lizenz)

Clark Terry (Trompete, Flügelhorn) - Paul Gonsalves (Tenorsax) - Raymond Fol (Klavier) - Jimmy Woode (Bass) - Sam Woodard (Drums)

Wer auch immer auf diesen hochtrabenden Namen gekommen ist, gehört in den Hintern getreten. Wer jetzt meint, hier ein Ellington-Album zu hören, der wird eines Besseren belehrt. Nur "Satin Doll" stammt aus dem Ellington-Band Book. Zwei Stücke hat Thelonious Monk geschrieben, Fol eines, Terry gleich fünf Nummern ("Serenade to a Bus Seat" ist das bekannteste Stück davon), "Mean to Me" ist ein alter Standard, "Lonely One" stammt von dem Sänger Babs Gonzales.

Clark Terry und Paul Gonsalves hatten einen ähnlichen Background, als sie fast gemeinsam in die Band von Duke Ellington kamen. Beide wurden 1920 geboren, beide waren in ihren Bands zuvor bereits große Stützen und Solisten gewesen, beide spielten von 1951-1959 zusammen in der Ellington Band, beide spielten bereits zuvor zwei LPs gemeinsam ein. Beide kamen aus der Jazztradition einerseits, andererseits waren sie auch Bopper im besten Sinne, beide bekamen trotz hervorragender Kritiken nie die ihnen zuständige Aufmerksamkeit, die ihnen zugestanden hätten.

Clark Terry (1920-2015) verließ nach der Europa-Tournee 1959 die Ellington-Band, die nur wenige Wochen zuvor beendet wurde. Mit ihm verließen einige Musiker die Band (etwa Quentin Jackson, Drummer Sam Woodyard, Cat Anderson). Terry wechselte mit Quentin Jackson zur neuen Bigband von Quincy Jones. Diese ging, wie konnte es anders sein, mit der Show "Free and Easy" , eine "Blues-Oper" von Harold Arlen, erneut nach Europa. Aus dieser Zeit stammt auch diese CD hier.

Paul Gonsalves (1920-1974) spielte von 1946-1949 als Nachfolger von Illinois Jacquet bei Count Basie, von 1949-1950 in der Bigband von Dizzy Gillespie. Die Bgband löste sich dann auf, Paul bekam kruze Zeit später das Angebot vom Duke, fertig war die Erfolgsgeschichte. Er sollte bis zu seinem Tod in der Band bleiben, von drei Wochen 1953 bei Tommy Dorsey abgesehen, die ihm gereicht hatten. Gonsalves verstarb 10 Tage vorm Duke, was man Ellington aber nicht mehr sagte.

Terry spielte nach dem Krieg bei George Hudson, Lionel Hampton, Charlie Barnet und ebenfalls Count Basie. Mit Basie wirkte er von 1948-1951, er war also auch mit ihm zusammen, als Basie nur sein Oktett hatte. Am 11.November 1951 hatte Terry seinen ersten Auftritt mit Duke Ellington.

Im November 1957 machte Terry Aufnahmen mit dem Pianisten Billy Taylor. Er verpflichtete die komplette Ellington-Band, spielte selbst Klavier und Terry packte sein neues Flügelhorn aus, was direkt aus Paris kam (er spielte das allererste Flügelhorn, was Selmer je gebaut hat) und spielte damit sofort bei der Session. Vor ihm gab es bereits einige wenige Trompeter, die ein Flügelhorn verwendeten: Roy Eldridge (er konnte damit aber nichts anfangen), Shorty Rogers, Emmett Berry, vermutlich auch Bill Coleman, einer der ganz wenigen Trompeter, die aus der Pre-Swing-Ära stammten, aber später es sehr gerne und häufig nutzten (Coleman war 1909 geboren). Clark Terry und dann Art Farmer machten es aber erst wirklich populär, denn spie spielten es nicht mir einem Trompetenmundstück, sondern mit dem passenden Flügelhornmundstück, was dem Instrument erst den vollen, weichen Sound gab.

So viel zu dieser CD.

Nun läuft eine Hammer-CD bei mir:

B

Wes Montgomery/Clark Terry : Straight No Chaser AD: Ca. März 1965, Frankreich, vermutlich Paris Live

Clark Terry (Trompete, Flügelhorn) - Harold Mabern (Klavier) - Wes Montgomery (Gitarre) - Arthur Harper (Bass) - Jimmy Lovelance (Drums)

Es muss damals eine Art "Fügung" gewesen sein, dass diese beiden großartigen Musiker durch Zufall zur selben Zeit am selben Platz waren. Für Wes Montgomery (1923-1968) war es eine wunderbare Möglichkeit, mal wieder richtigen Jazz zu spielen und keinen kommerziellen Mist, der ihn am Ende auch kaputt machte psychisch.

Wes Montgomery spielte 1948-1950 bei Lionel Hampton, doch das Tournee-Leben war nicht sein Ding, er wollte bei seiner Familie sein. Also ging er nach Indianapolis zurück. Dort arbeitete er in einer Fabrik, wo auch seine beiden Brüder zeitweise arbeiteten. Buddy und Monk Montgomery waren recht fähige Musiker, einer spielte Klavier und Vibraphon, der Andere Bass. Am Abend traten die Brüder dann gemeinsam auf.

1957-1959 ging er zeitweise nach San Francisco, dort spielten inzwischen seine beiden Brüder recht erfolgreich. Er wirkte dann an der Gitarre mit. Hier machte er auf "Pacific Records" auch seine ersten Aufnahmen mit seinen Brüdern. Dort wurde Wes von Cannonball Adderley entdeckt, der ihm einen Plattenvertrag mit "Riverside Records" vermittelte. 1964 wechselte er zu Verve, die ihn aber leider sehr kommerziell ausnutzten. Er wurde vor große Orchester gestellt, die allerdings mit Arrangements von Oliver Nelson, Claus Ogerman und Don Sebesky eingesetzt wurden. Doch er durfte kaum mehr echten Jazz spielen, was ihn ziemlich mitgenommen hatte. 1967 wechselte er zum Poplabel A&M, die ihn noch mehr ausnutzten.

1965 kam er zum einzigen Mal nach Europa. Er trat in London (Ronnie Scott's-Club) und Paris auf. Das Booklet schreibt etwas von Mitschnitten am 27.März 1965 aus Paris. Es ist also denkbar, dass hier diese fünf Stücke ebenfalls aus Paris stammen könnten. Eigentlich war Johnny Griffin sein Partner, aber es ist denkbar, dass an diesem Abend eigentlich ein Quartett-Gig gebucht war, und durch Zufall Clark Terry Montgomery über den Weg lief. Wie gut das lief, kann man hier hören. Die Band hatte viel Spaß, das Zusammenspiel zwischen Terry und Montgomery ist absolut stimmig und perfekt, als ob sie seit Jahren zusammen spielen würden.

Seine Begleiter sind nicht so bekannt geworden. Nur Harold Mabern (1936-2019) dürfte dem ein oder anderen Hörer bekannt vorkommen. Seine Spannweite war recht breit gewesen. So spielte er mit Harry Edison, Lionel Hampton, J.J.Johnson, Joe Williams, Lee Morgan, Art Farmer, Benny Golson, Miles Davis (1963), Sarah Vaughn, Sonny Rollins, Freddie Hubbard, Clark Terry, Joe Newman, Tiny Grimes, hatte ein eigenes Trio, Billy Harper, George Coleman oder spielte Solo im Radio. 2017 hatte er seinen letzten Auftritt.

Arthur Harper (1939-2004) verstarb 2019 im alter von 65 Jahren an Lungenkrebs. Er spielte mit Lee Morgan und den Heath Brothers als er noch Student war. Ab 1961 wirkte er 12 Jahre im Sextett von J.J.Johnson. Anschließend arbeitete er mit Kenny Barron, Charles Mingus, Joe Williams, Mary Lou Williams, Bud Powell, Betty Carter und Shirley Scott (viele Jahre, bis mindestens 1991). Man muss sich diese Angaben aus dem Netz zusammensuchen, denn er hat keinen eigenen Eintrag.

Jimmy Lovelance (1940-2004) machte 1965 mit Prince Lasha und Herbie Hancock seine ersten Einspielungen, ist also hier der Jüngste im Bunde. 1965-1967 spielte er mit George Benson (drei Alben), ab 1967 bei Junior Mance, aber auch mit Dr. Lonnie Smith, Roberta Peck und Tony Scott. Er war von 1965 2002 an 37 Aufnahmesessions beteiligt. Auch er verstarb an Krebs.
Maurice inaktiv (04.05.2023, 08:50):


Cannonball Adderley : Sophisticated Swing AD: 06.02. & 08.02. & 11.02.1957 ; Capitol Studio's NYC

Nat Adderley (Kornett) - Cannonball Adderley (Altsax) - Junior Mance (Klavier) - Sam Jones (Bass) - Jimmy Cobb (Drums)

Meiner Meinung nach ein tolles Album. Viel Bop, viel Blues und Musiker, die sich die Seele aus dem Leib spielen. Vor allem bekommt auch der gerne unterschätzte Bassist Sam Jones einige Soli zugestanden. Junior Mance haut in die Tasten, als ob er die letzte Chance hätte ein Klavier zu spielen, Jimmy Cobb hält den Laden hervorragend zusammen. Nat Adderley spielt furios auf, und man muss sich fragen, warum er immer wieder gerne "übersehen" wird, wenn es um die Trompeter der 1950/60-er geht. Cannonball Adderleys Sound ist irgendwie schon "magisch". Mich erinnert er an Louis Jordan, aber wie ein "boppiger" Louis Jordan.

Anschließend noch aus der gleichen Box:

Things are getting better AD: 28.10.1958, Reeves Sound Studio, NYC für Riverside

Cannonball Adderley (Altsax) - Milt Jackson (Vibes) - Wynton Kelly (Klavier) - Percy Heath (Bass) - Art Blakey (Drums)

Völlig andere Besetzung, andere Stimmung, aber ein absolutes Topp-Album. Hier nur das Original-Album, ohne die zwei "alternate Takes", die man später noch dazu gegeben hatte. Egal, auch so ist das Album eine Freude. Milt Jackson ist einfach großartig !!!

Eigentlich aus einer 4-CD-Box, aber da erscheint als Bild "Gigi Gryce".
Maurice inaktiv (05.05.2023, 08:38):


Chet Baker : The Pacific Jazz Collection AD: 1953-1957

CD1: "Chet Baker Quartet feat. Russ Freeman" (01-03) AD: 29./30.07.1953, Capitol Recording Studio Los Angeles"
"Chet Baker Sings" AD: 15.02.1954, Capitol Recording Studio LA, Juli 1956, Forum Theatre Los Angeles live
"Jazz at Ann Arbor" AD: 09.05.1954, Masonic Temple, Ann Arbor, Michigan Live

Chet Baker (Trompete, Gesang) - Russ Freeman (Klavier, Celesta) - Carson Smith (Bass) - Larry Bunker (Drums) - 01-03

Chet Baker (Trompete, Gesang) - Russ Freeman (Klavier, Celesta) - Carson Smith (Bass) - Joe Montragon (Bass, 10) - Bob Neel (Drums) - Shelly Manne
(Drums, 10) - 04-11

Chet Baker (Trompete, Gesang) - Russ Freeman (Klavier) - Carson Smith (Bass) - Bob Neel (Drums) - 12-19

Ich kann nur jedem die CD mit "Jazz at Ann Arbor" ans Herz legen. Chet und die Band war super drauf, er scherzte bei den Ansagen, bis auf das nicht gerade gute Klavier klingt die Aufnahme für live 1954 ordentlich, damals noch eine Selbstverständlichkeit. Generell waren die Jahre mit Russ Freeman am Klavier so etwas wie ein festes Gefüge.

Leider ist die Serie nur bedingt brauchbar. Das Booklet ist zu weiten Teilen schlecht gemacht, unübersichtlich, die Angaben nicht komplett. Man muss sich alles wirklich sehr mühsam aus dem Netz holen. Es wurden letzten Endes aber 8 Original-LPs plus drei Stücke hier in der ersten CD untergebracht. Die Bonus-Tracks späterer Veröffentlichungen fehlen komplett, aber okay, dafür ist der Preis halt auch recht günstig. Es hätte schon gereicht, die Angaben wenigstens richtig und komplett draufzupacken, das sollte doch in den 2000-er Jahren Standard sein, auch für solche Pakete.

Die Musik entschädigt dafür vollauf. Man merkt erst dann, was man an den Musikern verpasst hat, wenn man sich am Morgen damit den Tag beginnt zu versüßen. Wie konnte ich nur diesen großartigen Musiker bisher so unterschätzt haben? Vielleicht muss man sein Leben mit Höhen und Tiefen erst zum Großteil gelebt haben, damit man ihn wirklich schätzen kann? Ich weiß es nicht, ehrlich gesagt. Besser spät als nie.
Maurice inaktiv (05.05.2023, 09:12):


Art Farmer : "When Farmer Meet Gryce" AD: 19.05.1954 (01-04) & 26.05.1955, Hackensack, New Jersey, Van Gelder-Studios, Prestige Records

Art Farmer (Trompete) - Gigi Gryce (Altsax) - Horace Silver (Klavier, 01-04) - Freddie Redd (Klavier) - Percy Heath (Bass, 01-04) - Addison Farmer (Bass)
- Kenny Clarke (Drums, 01-04) - Art Taylor (Drums)

Alle Stücke stammen von Gigi Gryce, der damals ziemlich beschäftigt war. Doch keines der Stücke, obwohl alle im "Straight-Ahead-Jazz" stehend, haben sich durchgesetzt. Die Besetzung lässt keine Wünsche offen, aber solche Alben wurden von 1953-1965 halt auch in Mengen produziert.

weiter mit "Art Farmer Quintet feat. Gigi Gryce AD: 21.10.1955, Hackensack, New Jersey, Van Gelder-Studios, Prestige Records

Art Farmer (Trompete) - Gigi Gryce (Altsax) - Duke Jordan (Klavier) - Addison Farmer (Bass) - Philly Joe Jones (Drums)

Das Album mit Duke Jordan am Klavier dürfte eines der besten Alben von Art Farmer gewesen sein überhaupt. Sechs Nummern, eine von Jordan, der Rest von Gryce, der sich hier selbst übertroffen hat. Leider ging kein Stück davon als Standard durch, zu komplex waren einige davon, sei es durch ungewohnte Strukturen, aber auch durch einen ungewöhnlichen Verlauf der Tonarten (etwa in "Nica's Tempo").

Die Zusammenkunft von Art Farmer und Gigi Gryce fällt auf das Jahr 1953 zurück, als beide gemeinsam mit Clifford Brown und Quincy Jones in der Bigband von Lionel Hampton spielten. Sie gingen auch auf die Europa-Tournee 1953, die fast bis zum Ende des Jahres ging. Dort machte nicht nur Lionel Hampton viele Extra-Einspielungen, sondern auch seine Musiker, obwohl Hampton es ihnen verboten hatte. Doch zum Glück hat das weder die Franzosen, noch die Jungs aus der Band interessiert.

Gryce machte auch in Paris eine Menge Aufnahmen mit Clifford Brown, sei es im Sextett, aber auch mit einer Bigband, die aus den Leuten der Hampton-Band und französischen Musikern bestand.

Die Musiker dürften sonst geläufig sein, ich habe sie alle schon mal vorgestellt. Duke Jordan (1922-2006) gehörte zu den großen Bop-Pianisten, die bereits früh ihre Laufbahn begannen. Jordan 1941 bei Coleman Hawkins, später Roy Eldridge und vor allem 1947/48 bei Charlie Parkers legendären Quintett. Was viele nicht wissen, er war 1955-1962 mit der Sängerin Sheila Jordan verheiratet.
Maurice inaktiv (06.05.2023, 09:17):


Chet Baker : "Chet Baker Sings and Plays" AD: 28.02.1955 & 07.03.1955, Capitol Studios Hollywood für Barcley Records und Pacific Records

Chet Baker (Trompete, Gesang) - Bud Shank (Flöte, 2,4,6,9) - Russ Freeman (Klavier) - Carson Smith (Bass, 1,3,5,7,8,10) - Red Mitchell (Bass, 2,4,6,9)
- Bob Neel (Drums) + Streicher teilweise (braucht kein Mensch dabei)

Chet Baker : "The Trumpet Artistry of Chet Baker" AD: 29./30.07.1953 (4,11), 03.10.1953 (2,7-10), 22.12.1953 (3,6) alle Capitol Records, Hollywood,
09.09.1954 (12) , 15.09.1954 (1,5,) Los Angeles alle Pacific Jazz

Chet Baker (Trompete) - Bob Brokmeyer (Ventil-Posaune, 1,5,12) - Herb Geller (Alt/Tenorsax, 3,6) - Bob Gordon (Baritonsax, 3,6) - Bud Shank (Baritonsax, 1,5,12) - Russ Freeman (Klavier) - Carson Smith (Bass, 1,5,12) - Bob Whitlock (Bass, 2,4,7-11) - Joe Montragon (Bass, 3,6) - Shelly Manne (Drums, 1,3,5,6,12) - Bobby White (Drums, 2,4,7-11)

Chet Baker : "Chet Baker and Crew" AD: 24./25.07. & 31.07.1956, Farum Theatre, Los Angeles

Chet Baker (Trompete, Vocal) - Phil Urso (Tenorsax) - Bobby Timmons (Klavier) - Jimmy Bond (Bass) - Peter Littman (Drums) - Bill Loughborough (Timpany)
Maurice inaktiv (06.05.2023, 09:25):


Chet Baker : Chet Baker Bigband AD: 18.,19. & 26.10.1956, Los Angeles

Chet Baker (Trompete) - Frank Rosolino (Posaune) - Phil Urso (Sax) - Bobby Timmons (Klavier) - Jimmy Bond (Bass) - Lawrence Marable (Drums)
+ Conte Candoli, Norman Fraye (tps) , Art Pepper, Bud Shank, Bill Perkins (Sax) , Bobby Burgess (Posaune), u.v.a.

Arrangements von Jimmy Heath, Phil Urso, Christian Chevallier, Pierre Michelot

Typisches Album in den 1950-er Jahren. Die Arrangeure hätten auch Marty Paich, Shorty Rogers oder Bill Holman heißen können, sie klingen irgendwie alle gleich damals, sorry.
Maurice inaktiv (08.05.2023, 08:09):


Chet Baker: Chet is Back !! AD: 05.01.1962, Rom, Italien

Chet Baker (Trompete) - Bobby Jaspar (Tenorsax, Flöte) - Amedeo Tommasi (Klavier) - René Thomas (Gitarre) - Benoit Quersin (Bass) - Dabiel Humair (Drums)

Dazu 3 Bonus-Titel vom 25.09.1959, Mailand, Italien

Chet Baker (Tp) - Glauco Maesetti (As) - Gianni Basso (Ts) - Renato Sellani (P) - Franco Carri (Bass) - Gene Victory (Dm)

Die Tracks 01-08 gehören zur Haupt-LP im Original, und das gehört vermutlich zum Besten, was Baker überhaupt aufgenommen hat. Mir ist nur der Pianist nicht geläufig, aber die weiteren Kollegen waren oder wurden in der Jazz-Szene bereits geläufig.

Jaspar (1936-1963) gehörte zu den besten Jazzmusikern Europas, ging 1956 nach New Yor, spielte dort mit J.J.Johnson, Donald Byrd, Miles Davis und ging mit René Thomas auf Europa-Tournee. Hier kam dann diese Einspielung mit Chet Baker zustande. Leider verstarb er bereits 1963 an einer Herz-OP, an der er verstarb. Er war auch drogenabhängig, was sicher ein Grund für die OP mit war.

René Thomas (1927-1975) ging 1950 mit Jaspar nach Paris, spielte bereits dort mit Baker. 1956 ging er in die USA, spielte dort mit Baker, Miles Davis, Sonny Rollins, Zoot Sims und Jacky McLean und war 1969-1972 bei Stan Getz.

Daniel Humair (*1938) wurde in Genf geboren, ging 1959 nach Paris und spielte dort mit Kenny Dorham, Baker, Eric Dolphy, Jacky McLean, Phil Woods, Don Byas, Bud Powell, Lucky Thompson, Oscar Pettiford, Attila Zoller, u.v.a.Später spielte er mit George Gruntz, Dexter Gordon, u.v.a.
Joe Dvorak (09.05.2023, 15:02):


Tricia Tahara - Secrets (1998)

Tricia Tahara (Gesang), Wallace Roney (Trompete), Antoine Roney (Sopran- & Tenorsaxophon, Bassklarinette), Geri Allen (Tasteninstrumente), Ralphe Armstrong (Kontrabass, E-Bass), Lenny White (Schlagzeug)

Manchmal hat es etwas Gutes, wenn die Streamer nicht wissen, was sie tun. Bei meinem Anbieter wird dieses Alben unter Lenny White gefuehert und wurde mir daher bei einer Suche nach einem seiner Alben angezeigt. Neugierig wurde reingehoert und seither hat es einen Stammplatz in meinen Hoerslots. Bei der offenhoerbar klassisch ausgebildeten und pop-informierten Stimme senken Jazzpolizei-Hartlinier den Daumen. Ich finde sie betoerend, die Programmauswahl ist gelungen -u.a. mit einer vertexteten Version von Wayne Shorters Footprints- und die Arrangements sind abwechslungsreich. Die Begleitband agiert nicht nur als solche, sondern haelt solistisch, was die Namen versprechen.
Joe Dvorak (10.05.2023, 02:05):
Daniel Humair (*1938) wurde in Genf geboren, ging 1959 nach Paris und spielte dort mit Kenny Dorham, Baker, Eric Dolphy, Jacky McLean, Phil Woods, Don Byas, Bud Powell, Lucky Thompson, Oscar Pettiford, Attila Zoller, u.v.a. Später spielte er mit George Gruntz, Dexter Gordon, u.v.a.

Hoere ich den Namen Humair, dann klingen bei mir sogleich Joachim Kühn und J.-F. Jenny-Clark in Resonanz mit. Von diesem Trio gibt es atemberaubende Sessions mit einem blinden, bald telepathischen Verstaendnis. Die muss ich bei Gelegenheit mal wieder rausziehen.
Humair nimmt immer noch auf, erst in vor kurzem kam ein neues Album raus. Ein ganz besonderes Schmankerl aus juengerer Zeit ist dieses hier:



Humair Blaser Känzig - 1291 (2020)

Samuel Blaser (Posaune), Heiri Känzig (Kontrabass), Daniel Humair (Schlagzeug)

Ein schoenes Programm mit traditionellem schweizer Volksgut, alten Jazz-Sachen (Porter Steele, ODJB, Kid Ory, Sidney Bechet) und Eigenkompositonen. Das Klavier vermisse ich keine Sekunde lang.
Maurice inaktiv (10.05.2023, 19:24):


Oliver Jackson : The Last Great Concert AD: 16.11.1993, Fabrik Hamburg, Deutschland Live

Randy Sandke (Trompete) - Jerry Tilitz (Posaune) - Antti Sarpila (Klarinette, Tenorsax) - Danny Moss, Harry Allen (Tenorsax) - Brian Dee (Klavier) - Len Skeet (Bass) - Oliver Jackson (Drums) - Jeanie Lambe (Vokal)

Der Drummer Oliver Jackson (1933-1994) hatte eine große Bandbreite. Von Yuseef Lateef, Lionel Hamptons Bigband, der Combo von Earl Hines, Buck Clayton, über Joe Newman, Benny Goodman und Gene Ammons, zu Dexter Gordon, Sy Oliver, Oscar Peterson, George Weins Newport Jazz Festival All Stars und fünf eigenen Alben für "Black&Blue-Records" mit eigenen Bands war alles dabei.

Er verstarb viel zu früh an den Folgen von seiner Krebserkrankung.

Diese Scheibe zeigt noch einmal, worauf es ihm ankam: Fetzige Musik, stilvolle Drum-Soli, und er hatte eine unglaubliche Ausstrahlung. Ich hatte das große Glück, ihn live erleben zu dürfen.
Maurice inaktiv (11.05.2023, 08:28):


Stu Williamson: The Trumpet Artistry of Stu Williamson AD: 1955-1956, Los Angeles

01-05: Stu Williamson (Trompete) - Charlie Mariano (Altsax) - Claude Williamson (Klavier) - Max Bennett (Bass) - Stan Levey (Drums)
AD: 18.&20.01.1955, LA

06-11: Stu Williamson (Trompete) - Bill Holman (Tenorsax,6,7,9,10) - Jimmy Giuffre (Baritonsax, 6,7,9,10) - Claude Williamson (Klavier) - Leroy
Vinnegar (Bass) - Mel Lewis (Drums)
AD: 13.01.1956, LA

12-14: Stu Williamson (Trompete) - Charlie Mariano (Altsax) - Claude Williamson (Klavier) - Leroy Vinnegar (Bass) - Mel Lewis (Drums)
AD: 16.01.1956, LA

Stu Williamson (1933-1991) war vor allem ein spät geborener Bigband-Musiker, der mit Billy May, Charley Barnet, Woody Herman, Stan Kenton, Shorty Rogers und der Terry Gibbs Dream Band spielte. Er spielte aber auch mit Shelly Manne (1954-1957) und den Light House All Stars.

Er war der jüngere Bruder des Bop-Pianisten Claude Williamson (1926-2016), der hier auch am Klavier sitzt. Man muss ihn als einen der besseren West Coast-Trompeter bezeichnen, der trotzdem immer noch etwas Bop in den Adern hatte, und damit nicht so glatt spielte wie etwa Shorty Rogers. Ab 1954 nahm er noch die Ventilposaune dazu, die er durchaus überzeugend spielen konnte. Es gibt auch Aufnahmen mit Maynard Ferguson, auf denen beide jeweils Ventilposaune spielten.

Max Bennett (1928-2018) spielte mit Herbie Fields, Georgie Auld, Terry Gibbs, Charlie Ventura, Stan Kenton, Peggy Lee, Ella Fitzgerald und der Sauter/Finegan-Bigband.

Drummer Stan Levey (1926-2015) war einer der ersten Bop-Drummer, noch dazu einer der ersten weißen Musiker, der diesen Stil beherrschte. Entsprechend spielte bereits in jungen Jahren mit Dizzy Gillespie (1942), Charlie Parker, Oscar Pettiford, 1952-1954 spielte er in der swingensten Stan Kenton-Band überhaupt, und wirkte dann an unzähligen Einspielungen an der Westküste mit, etwa mit Shorty Rogers, den Lighthouse All Stars, begleitete Sänger wie Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Peggy Lee oder Nat King Cole. 1973 verließ er die Musik und wurde Fotograf. Levey war als Drummer Linkshänder, obwohl er eigentlich sonst Rechtshänder war.
Maurice inaktiv (12.05.2023, 10:13):


Miles Davis : Blue Haze AD: 19.05.1953 (4,6,7,8) , 10.03.1954 (2,3,5) , 03.04.1954 (1), alle Hackensack, Van Gelder-Studio Prestige

Miles Davis (Tp) - Dave Schildkraut (As) - Horace Silver (Klavier) - Percy Heath (Bass) - Kenny Clarke (Dm) -1

Miles Davis (Tp) - Horace Silver (Klavier) - Percy Heath (Bass) - Art Blakey (Dm) - 2,3,5

Miles Davis (Tp) - John Lewis (Klavier) - Charles Mingus (Klavier, nur in 4) - Percy Heath (Bass) - Max Roach (Dm)

Da ich aus diesem Album heute Abend zwei Titel spielen möchte, habe ich mir das ganze Album gleich noch einmal angehört.
Maurice inaktiv (12.05.2023, 17:04):


Glenn Miller: The Carnegie Hall Concert AD: 06.10,1939, NYC , Carnegie Hall, Live

Am 06.10.1939, also etwa ein halbes Jahr,, nachdem Glenn Miller seinen großen Durchbruch als Bigband-Leader geschafft hatte, spielte er ein triumphales Konzert in der Carnegie Hall. Daraus wurden 9 Stücke veröffentlicht. Auf Amazon werden nur vier benannt, das ist aber völliger Unsinn.

An dem Abend wurde der 25.Jahrestag der ASCAP (= American Society of Composers, Authors and Publishers) gefeiert. Neben Miller traten die Bigbands von Benny Goodman, Fred Waring und am Schluss Paul Whiteman auf. Eine etwas merkwürdige Auswahl, aber nun gut.

Damit habe ich mal mit nur einer CD den ganzen Modern Jazz gecrashed. Irgendwie ist das aber auch wirklich etwas aus einer Zeit, die inzwischen so weit weg ist, dass ich selbst überrascht bin davon. Wahnsinn !! So ein Event wäre heute überhaupt nicht mehr möglich in dieser Form. Ich kenne es nur noch von den College Bigbands, wenn die ihre Wettspielen im Jahr bestreiten, etwa beim Ellington-Contest.
Maurice inaktiv (13.05.2023, 09:16):


Chet Baker/Art Pepper : Playboys AD: 31.10.1956, Hollywood

Chet Baker (Trompete) - Art Pepper (Altsax) - Phil Urso (Tenorsax) - Carl Perkins (Klavier) - Curtis Counce (Bass) - Lawrence Marable (Drums)

Ein sehr gelungenes Album des gerade frisch entlassenen Art Pepper (er saß mehrere Jahre im Gefängnis wegen seiner Drogen) und des mehr oder weniger frisch aus Europa zurück gekehrten Chet Baker.

Anschließend:

Chet Baker : Embraceable You AD: 09.12.1957,NYC auf Pacific (erstmals 1995 veröffentlicht)

Chet Baker (Trompete, Flügelhorn?,Vocal) - David Wheat (Gitarre) - Russ Savakus (auch Ross Savakus geschrieben) (Bass

4

Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass man dieses wirklich wunderschön gespielte und gesungene Album so lange hat zurück gehalten. Seine beiden Begleiter sind selbst mir weitgehend unbekannt, doch sie passen sich Chets Stil hervorragend an, machen das ganz ausgezeichnet. Schade, dass er nicht öfter in so einer Besetzung spielen durfte. Erst in seiner späteren Zeit gab es so intime Besetzungen hin und wieder.
Maurice inaktiv (13.05.2023, 11:26):


Benny Goodman : The Yale University Library, Vol. 10 AD: 13./14.02., 26./27.08.1963

Diese Serie besteht tatsächlich auf Goodmans eigenen Beständen, die nach und nach nun von Yale veröffentlicht worden sind. Hier etwa das Original Benny Goodman Quartett von 1936 bis Anfang 1938, das in dieser Besetzung erstmals genau 1963 wieder zusammengefunden hatte. Alle Stücke hat dieses Quartett niemals gespielt zuvor, Goodman einige Stücke nur mit der Big Band oder anderen kleineren Besetzungen.

Die eigentliche Zusammenkunft wurde unter dem Namen "Together Again" eingespielt, so weit ich es auswendig weiß, auch im Februar 1963, ich meine sogar an den beiden Terminen hier im Februar 1963. Sicher bin ich mir allerdings nicht.

Egal, die vier waren seht gut drauf, spielen hier völlig tiefenentspannt und von einem nach wie vor blinden Verständnis geprägt, nur 25 Jahre älter und weiser.
Maurice inaktiv (15.05.2023, 08:41):


Benny Goodman: The Benny Goodman Story AD: 1954 oder 1955

Ich bin mir nicht sicher, aber es gab wohl kein Film, für den es zwei Einspielungen der zugehörigen Musik für zwei verschiedene Label gab, die sich am Ende aber trotzdem unterschieden haben.

HIER nun die ECHTE Einspielung mit Buck Clayton an der Solo-Trompete bei den meisten Nummern. Nur in "Shine" und "Sing,Sing,Sing" spielt Harry James die Trompete, in "And the Angels Sing" übernimmt Manny Klein, der legendäre Studio-Trompeter der MGM, das Original-Solo von Ziggy Elmen, der aber im Film zu sehen ist. Clayton spielte bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mit Benny Goodman, erst 1957 wirkte er in einer Bigband von ihm mit, die auf Tournee ging (ich meine Latein-Amerika). Ziggy Elman war damals gesundheitlich nicht in der Lage zu spielen und Harry James hatte ja seine eigene Bigband.

Urbie Green spielte hier alle Posaunen-Soli, Stan Getz (er wirkte nur kurz 1945 bei Goodman) war der Tenor-Solist (ja, er war er es wirklich !!), Teddy Wilson saß am Klavier, Gene Krupa spielte Schlagzeug und Lionel Hampton übernahm seinen Part am Vibraphon. Auch Sängerin Martha Tilton war mit dabei, dazu zahlreiche Ex-Musiker, die auch um 1937 herum in der alten Band spielten: Hymie Shertzer übernahm seinen Part als Lead-Alto, Babe Russin spielte Tenorsax (der 1938 beim Carnegie Hall-Konzert der Hauptsolist am Tenor war), Chris Griffin (u.a.) spielte Trompete (wie bereits 1936-1940) und Murray McEachern war der zweite Posaunist gewesen (wie 1935-1937).

Wer die zweite Aufnahme nicht kennt, hier ist sie:

B

Erneut spielte Benny Goodman Klarinette, Urbie Green spielte fast alle Posaunen-Soli, Lou McGarity (1941-1943 und 1946 in der Goodman-Band) übernahm den Rest, Harry James spielte fast alle Trompeten-Soli (auch in "And the Angels Sing"), Chris Griffin war auch wieder dabei und spielte das Trompeten-Intro im "Bugle Call Rag", Ruby Braff, damals tatsächlich in der Combo Goodmans, übernahm den Trompeten-Part im "Bugle Call Rag" in der Mitte des Stückes, Dick Hyman spielte die Klavier-Soli in den Bigband-Nummern, Mel Powell übernahm den Part in den Combo-Nummern (Powell war 1941-1942 und 1945/46, aber auch 1954/55 immer mal wieder bei Goodman). Al Klink, Glenn Milliers Tenorist, der auch 1943 bei Goodman spielte, war der Tenorsolist der CD, Bobby Donaldson spielte Schlagzeug auf den meisten Stücken, Don Lamond saß bei fünf Nummern am Drumset (Solo in "Don't be that Way" nur). Bassisten waren Milt Hinton und - wie auch auf der anderen Aufnahme - George Duvivier. Hymie Shertzer spielte auch hier Lead, wie er es bereits 1935-1938 und 1939 und 1943 tat.

14 Titel wurden für beide Sessions verwendet, 20 sind auf der CD mit dem tatsächlichen Soundtrack drauf, 19 auf der weiteren CD. Man spielte die gleichen Arrangements, also die Originale aus den 1930-er Jahren.
Maurice inaktiv (16.05.2023, 11:53):


Johnny Coles : The warm Sound AD: 10. & 13.04.1961, NYC

Johnny Coles (Trompete) - Kenny Drew (Klavier) - Peck Morrison (Bass) - Charlie Persip (Drums)

Vier Stücke von Randy Westen, eines von Coles selbst und zwei nicht gerade totgenudelte Standards zeigen ein schönes Programm, dazu kommt ein sog. "Alternate Take".

Coles Begleit-Team erweist sich als erstklassig, Coles selbst spielt ebenfalls ganz ausgezeichnet.

Es gibt nur drei eigene Alben von ihm: jenes hier, "Little Johnny C" (mit Joe Henderson, Leo Wright, u.a.) und "New Morning" aus dem Jahre 1982.

Johnny Coles (1926-1997) gehört in das Umfeld von Miles Davis (wurde sogar im gleichen Jahr geboren), ohne Frage, aber trotzdem hatte er einen eigenen Sound. Leider wurde er nie so bekannt, wie er es verdient gehabt hätte, aber davon gab es leider damals eine große Anzahl an Musikern.

Coles, der auch Flügelhorn spielte, studierte in Philadelphia, musste dann seinen Militärdienst ableisten (zum Glück in diversen Armeebands) und spielte dann mit u.a. Eddie "Cleanhead" Vinson, Bullmoose Jackson und Earl Bostic, bevor er mit Philly Joe Jones und 1956 -1958 mit James Moody spielte.

1958-1964 spielte er in der Formation um Gil Evans, und war so an einigen der wichtigsten Einspielungen von diesem beteiligt ("Porgy and Bess", Out of the Cool",u.a.). 1964 ging er mit Charles Mingus nach Europa, musste aber die Tournee aus gesundheitlichen Gründen leider abbrechen. Ich denke mal, dass sein Name sonst heute jedem Jazzfan ein Begriff gewesen wäre.

In den USA spielte er mit Duke Pearson, Astrud Gilberto, und 1968 - 1969 im ersten Sextett von Herbie Hancock. 1969 - 1973 & 1973 - 1976 spielte er mit Ray Charles, 1973/74 bei Duke Ellington. 1985 wurde er Mitglied der Count Basie-Bigband, 1989 zog er sich weitgehend aus der Musik zurück. Er trat auch mit Mingus Dynasty auf.
Maurice inaktiv (16.05.2023, 14:18):


Conte Candoli & Max Roach : Jazz Structures = 2 Alben : "Drummin' the Blues" AD: März 1957, LA (Tracks 01-08) & "Jazz Structures" AD: 1960, LA

Tracks 1,3,6,8 : Conte Candoli (Trompete) - Frank Rosolino (Posaune) - Bill Perkins (Tenorsax) - Dick Shreve (Klavier) - Howard Rumsey (Bass)
- Max Roach (Drums)

Tracks 2,4,5,7 : Conte Candoli (Trompete) - Frank Rosolino (Posaune) - Bob Cooper (Tenorsax) - Dick Shreve (Klavier) - Howard Rumsey (Bass)
- Stan Levey (Drums)

Tracks 9-14,16 : Conte Candoli (Trompete) - Frank Rosolino (Posaune) - Buddy Collette & Bud Shank (Altsax, Flöte) - Bob Copper (Tenorsax)
- Victor Feldman (Klavier, Vibraphon, Percussion) - Monty Budwig (Bass) - Stan Levey (Drums) Wer von den Holzbläsern Klarinette,
Bass-Klarinette und Baritonsax gespielt hat, wurde nicht vermerkt. Baritonsax vermute ich stark Bud Shank.

Tracks 15,17,18: Conte Candoli (Trompete) - Frank Rosolino (Posaune) - Buddy Collette & Bud Shank (Altsax, Flöte) - Bob Cooper (Tenorsax) - Joe
Castro (Klavier) - Larry Bunker (Vibraphon) - Red Callender (Bass) - Stan Levey (Drums)

Während die erste LP noch recht jazzmäßig daherkommt, ist die zweite LP doch recht experimentell angelegt. Hier wurden weite Teile auch arrangiert.

Mich beeindruckt immer wieder der Posaunist Frank Rosolino (1926-1978) mit seinen spektakulären Soli. Ein großartiger Musiker, der bereits 1948/49 mit seinen virtuosen Soli in der Bigband von Gene Krupa aufhorchen ließ. So spielte und sang er in Shorty Rogers Stück "Lemon Drop". Er sollte 1952-1955 mit Stan Kenton viele Erfolge feiern, ging dann an die Studios von LA, wirkte bei den Lighthouse All Stars, der Terry Gibbs Dream Band, und in den 1960-er Jahren zwei Jahre in der Band der Steve Allen-Show mit, wo er auch komödiantisches Können zeigen konnte.

Leider meinte es sein späteres Leben nicht gut mit ihm. So beging seine dritte Frau 1972 Selbstmord und hinterließ ihm die beiden gemeinsamen Kinder. Noch 1978 wirkte auf dem Album "Dynamite" von Supersax mit, ging im September 1978 gut gelaunt auf Europa-Tournee. Warum er dann am 26.November 1978 seine beiden Kinder beim Schlafen in den Kopf und anschließend sich selbst ebenfalls, schoss, wird man wohl nie erfahren. Eines der Kinder überlebte schwerverletzt, musste aber blind und ohne Eltern weiterleben.

Die Serie ist unter dem Namen "Howard Rumsey Presents" gelaufen. Rumsey (1917-2015), Bassist bei Stan Kenton 1941-1945, anschließend bei Charie Barnet und Barney Bigard, gründete 1952 seine "Lighthouse All Stars", die im bekannten "Lighthouse Café" an der Pier Avenue 30 in Hermose Beach, Los Angeles, spielten. Die Band bestand bis 1957. In ihr wurde der bekannte "West Coast Sound" quasi mit erschaffen. Entsprechend spielten die wichtigsten Musiker dort, sowohl mit Rumsey, als auch mit etwa Shelly Manne oder Shorty Rogers.

Anschließend organisierte Rumsey die "Concerts at the Sea-Reihe, die in Redondo Beach, CA stanttfanden. Er gründete auch extra ein eigenes Plattenlabel, das sinnigerweise "Lighthouse" hieß.
Joe Dvorak (17.05.2023, 02:23):


Bohren & Der Club of Gore - Black Earth (2002)

Christoph Clöser (Tenorsaxophon, Klavier, E-Piano), Morten Gass (Klavier, Mellotron, E-Piano), Robin Rodenberg (Kontrabass), Thorsten Benning (Schlagzeug)

Das laeuft unter dem Stil Dark Jazz, aber das ist mir zu mild (die Stilbezeichnung). Hier sind die Allan Petterssons des Jazz am Werk. Schwarz, trostlos, bleiern... Ein Gefuehl, als ob eine Skeletthand nach dem Hals greift... Das schlaegt in puncto totaler Ausweglosigkeit jedes Doom Metal Album. Doom Jazz ist das richtige Label. Auf seine einzigartige Art ganz stark!
Joe Dvorak (19.05.2023, 06:52):


Shakti with John McLaughlin - Live (NY, 5. Juli 1976)

John Mc Laughlin (Akustik-Gitarre), L. Shankar (Violine), Zakir Hussain (Tabla), Vikku Vinayakram (Ghatam, Mridangam), Ramnad Raghavan (Mridangam)

Einst lebensveraendernd (wie man so dahersagt), dann sehr lange als angestaubt verschmaeht und heute wieder so frisch wie damals.
Maurice inaktiv (19.05.2023, 12:01):


Chet Baker/Art Pepper : The Route AD: 26.97.1956, Los Angeles Pacific Jazz

Chet Baker (Trompete) - Art Pepper (Altsax) - Richie Kamuca (Tenorsax) - Pete Jolly (Klavier) - Leroy Vinnegar (Bass) - Stan Levey (Drums)

Warum die ersten 8 Stücke Stereo aufgenommen wurden, die letzten drei Nummern aber nur Mono habe ich nicht herausfinden können. Auf DIESER CD sind zumindest alle Stücke der Session drauf, auch das bis dahin unveröffentlichte "Sweet Lorraine" ist mit dabei, auch in Mono.

Im Grunde ist das hier eine weitgehend genussvolle West Coast-Session. Pepper wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen, Baker ebenso. Dazu kamen drei der bekanntesten West-Coast-Vertreter in der Rhythm Section, die einen sehr guten Job machten. Pepper steuerte drei Nummern, Baker eine Nummer bei. Aufgefüllt wurde die Session mit einigen merkwürdigen Titeln, etwa "Sweet Lorraine", "I can't give you anything but Love" oder "The Great Lie".

Ob man wirklich hier von einem hervorragenden Album sprechen mag, weiß ich nicht wirklich. Ja, Pepper spielt hervorragend, auch die anderen Musiker spielten hervorragend, aber das Material war irgendwie nicht wirklich so gut gewesen. Da wäre bestimmt mehr drin gewesen. Da lasse ich mich auch nicht von den Kritiken jetzt blenden.

Richie Kamuca (1930-1977) konnte bereits 1946 seine erste Tournee angehen. Mit dabei war kein geringerer als Clifford Brown, jugendliche 17 Jahre jung zu diesem Zeitpunkt. Er spielte anschließend mit Red Garland, Ray Bryant und Philly Joe Jones, bevor er 1949-1951 bei Stan Levey, dem Drummer hier, war (zusammen mit Red Garland und Bassist Nelson Boyd). 1951-1952 spielte er bei Stan Kenton, 1954-1956 für Woody Herman. Weitere Stationen waren Maynard Ferguson, die Lighthouse All Stars, Shorty Rogers und ab 1959 Shelly Manne, dessen Quintett er bis 1962 angehörte. 1962 ging er nach New York, spielte dort mit Roy Eldridge, Gerry Mulligan und Gerry McFarland. In den 1970-er Jahren wirkte in der Bigband von Bill Berry mit.

Heute gibt es mal ein wenig "Labelkunde" von mir. Das Label "Pacific Jazz Records" wurde 1952 Richard Bock und dem Drummer Roy Harte in Los Angeles gegründet. Es nahm vornehmlich Musik des West Coast Jazz auf. Gerry Mulligan, Chet Baker, Gerald Wilson und Paul Desmond gehörten dazu. Es erschienen aber auch Aufnahmen von Clifford Brown, Buddy Rich oder Lee Konitz hier.

1954 kam ein zusätzliches Label dazu "Pacifica", welches neben Jazz auch damalige Popmusik und sog. "Sprechplatten" aufnahmen. 1957 wurde das ganze Label erneut umbenannt. Nun fungierte es unter "World Pacific Records", es kamen der "Rhythm & Blues" und "Weltmusik" dazu, etwa Ravi Shankar und Alla Rakha.

Um es noch unübersichtlicher zu machen, gab es dann ab 1958 das Sub-Label "Pacific Jazz New Series", deren erste Veröffentlichung ein Album von Gil Evans wurde: "New Bottle, old Wine". 1964 wurde das Label dann an Liberty Records" verkauft. 1968 ging es über an "Transamerica" , von da an "United Artists". Später ging dann alles an Capitol und die EMI-Gruppe weiter. Inzwischen ist es bei "Blue Note" im Katalog vertreten.

Wichtigste Mitarbeiter wurden George Avakian 1957-1959, der Produzent war. William Claxton, der vielleicht wichtigste Fotograf dieser Zeit im Jazz, gestaltete die meisten Plattencover mit seinen Bildern. 1955 gab er einen ganz hervorragenden Bildband heraus mit vielen Bildern dieser Zeit.
Maurice inaktiv (19.05.2023, 13:40):


Roy Eldridge : Roy Eldridge and the Swing Trumpets AD: 24.01.1944, New York (01-06) , 22.04.1944, New York (07-15), 15.05.1945, Los Angeles (16-20)

Tracks 01-06: "Little Jazz and his Trumpet Ensemble"

Roy Eldridge, Joe Thomas, Emmett Berry (Trompeten) - Johnny Guarnieri (Klavier) - Israel Crosby (Bass) - Cozy Cole (Drums)

Tracks 07-15: "Charlie Shavers Quintet featuring Earl Hines"

Charlie Shavers (Trompete) - Tab Smith (Altsax) - Earl Hines (Klavier) - Al Lucas (Bass) - Jo Jones (Drums)

Tracks 16-20: "Corcy Corcoran and his Orchestra feat. Emmett Berry"

Emmett Berry (Trompete) - Willie Smith (Altsax) - Corcy Corcoran (Tenorsax) - Dodo Marmarosa (Klavier) - Allan Reuss (Gitarre) - Ed Mihelich (Bass) - Nick Fatool (Drums) - Arrangeur war Johnny Thompson

Diese Doppel-CD gibt es in verschiedenen Aufmachungen. Ich scheine die für den japanischen Mart erhalten zu haben, aber immerhin ist das Booklet auch auf Englisch dabei. Das erhöht doch den Informationsgehalt wesentlich.

Auf der ersten CD werden vier hervorragende Trompeter vorgestellt, die sich alle irgendwoher kannten. Roy Eldridge war der Vorgänger von Emmett Berry bei Fletcher Henderson 1936, Joe Thomas saß mit Eldridge in der Henderson-Band, Charlie Shavers spielte später oft mit Roy Eldridge zusammen bei JATP.

Es wurden doch einige Standards hier wieder genommen, die kannte halt jeder. So gibt es aber auch ein Stück mit dem Namen "Curry in a Hurry" was nichts Anderes als "Sweet Georgia Brown" ist, wenn auch leicht verfremdet. Doch wer das Harmonieschema kennt oder erhören kann, wird auch das eigentliche Stück sofort erhören dabei.

Im Grunde zeigt es die Vielfalt de Jazz der Jahre 1943-1945 an, als es unzählige dieser kleinen Besetzungen gab, die so nur im Studio existierten. Häufig waren dabei hier, bis auf Earl Hines, der eigentlich nicht als Sideman mehr wirkte, viele jener Vertreter dabei.

Corcy Corcoran (1924-1979) war seit 1941 Mitglied der Bigband von Harry James. Dort kam er mit 17 Jahren hinein, blieb bis 1948, wechselte aber später erneut zu James, spielte dort aber mehrfach, zuletzt noch in den 1970-er Jahren. Seine Karriere war eine Mischung aus "dem Alkohol verfallen", eigenen Bands, 1948/49 kurz bei Tommy Dorsey, und eben Harry James, bei dem er unzählige Soli spielen durfte.

In seiner Studio-Band spielten hier mit Willie Smith, ihm selbst, Allan Reuss, Ed Mihelich und Nick Fatool fünf Musiker der damaligen Harry James-Band mit, dazu kam der moderne Pianist Dodo Marmarosa. Auch Arrangeur Thompson war bei James beschäftigt.
Maurice inaktiv (20.05.2023, 11:51):


weiter mit der Doppel-CD von gestern: Roy Eldridge and the Sing Trumpets
Heute mit der zweiten CD, auf der Eldridge überhaupt nicht vertreten ist. der Titelname ist also nicht wirklich korrekt gewählt.

01-05: Jonah Jones (Trompete) - Tyree Glenn (Posaune, Vibraphon) - Hilton Jefferson (Altsax) - Buster Harding (Klavier, Arr.) - Milt Hinton (Bass)
- J.C.Heard (Drums) AD: 20.09.1944, New York

06-09: Besetzung wie zuvor, nur Joe Thomas (Tenorsax) für Tyree Glenn. AD: August 1945, New York

10-14: Buck Clayton (Trompete) - Flip Phillips (Tenorsax) - Johnny Guarnieri (Klavier) - Milt Hinton (Bass) - J.C.Heard (Drums) AD: 17.08.1945, New York

15-18: Joe Thomas (Trompete) - Ted Nash (Tenorsax) - Geoff Clarkson (Klavier) - Trigger Alpert (Bass) - J.C.Heard (Drums) - Marie Bryant (Voc.,15)
AD: 25.01.1946, New York

19-22: Joe Thomas (Trompete) - Tyree Glenn (Posaune) - Hilton Jefferson (Altsax) - Jerry Jerome (Tenorsax) - Bernie Leighton (Klavier) - Hy White (Git.) - Billy Taylor (Bass) - Lee Abrams (Drums) AD: 16.08.1946, New York

Joe Thomas gab es tatsächlich als Trompeter (1909-1984,u.a. Fletcher Henderson, Claude Hopkins, Benny Carter, Teddy Wilson) und Tenorsaxophonist (1909-1986, Horace Henderson (als Altist noch), Stuff Smith und 1932-1948 mit Jimmie Lunceford), aber es sind zwei verschiedene Personen.

Jonah Jones (1908-2000) spielte mit Horace Henderson, Jimmie Lunceford, Stuff Smith (1932-1934 + 1936-1940), Benny Carter (40/41) und vor allem Cab Calloway (1941-1950), Earl Hines, hatte dann ab 1955 ein eigenes, sehr erfolgreiches Quartett (Grammy 1958). Er spielte oftmals sehr nach Louis Armstrong, so dass man ihm den Namen "King Louis II" verpasste. Dabei hatte er meiner Meinung nach durchaus Eigenes zu bieten. Er war wirklich ein ganz hervorragender Trompeter und auch Sänger gewesen (er wirkte auch mi Calloway in "Porgy&Bess" mit).

Buck Clayton (1911-1991) spielte bei Count Basie (1937-1943). Dort wurde er zu einem der besten Swing-Trompeter. Nach dem Krieg wurde er vor allem für seine auf CBS veröffentlichten "Jam Sessions" bekannt (1953-1956). Clayton war auch ein exzellenter Komponist und Arrangeur, der genau wusste, wie man luftig-lockere Arrangements passend zu den jeweiligen Bands schreiben musste. Er wirkte auf vielen Einspielungen von Billie Holiday mit, so auch bei ihrem letzten Konzert in der Carnegie Hall 1957. Er wirkte bei Teddy Wilson, Joe Bushkin, Coleman Hawkins (Newport 1956), war der Hauptsolist auf der Trompete bei Benny Goodmans Einspielung zum eigenen Film "The Benny Goodman Story", spielte dann erstmals 1957 mit Goodman, wirkte mit eigenen Bands (meist mit vielen Ex-Basie-Musikern) auch in Europa (1959 + 1961), bei Eddie Condon (1964 Europa) und Humphrey Lyttelton (1964). Musste sich aus gesundheitlichen Gründen dann weitgehend als Trompeter zurückziehen, arrangierte aber weiterhin viel. 1986-1991 leitete er im hohen Alter eine eigene Bigband, die absolut topp besetzt war. Hier schrieb er die Arrangements für (2 CDs).

So viel zu dieser Doppel-CD. Es ist bester Nachkriegs-Jazz aus der Pre-Swing-Ära, die aber auch einige Neuerungen des Bop aufzeigte, etwa das unisono vorgetragene Thema durch die Bläser.

Milt Hinton und J.C. Heard waren damals Mitglieder der Bigband von Cab Calloway, wie auch Jonah Jones, Tyree Glenn und Hilton Jefferson. Ted Nash und Geoff Carkson kamen aus der Bigband von Les Brown, Hy White spielte damals mit Les Brown und Gene Krupa, Lee Abrams (1925-1992) war der Bruder des Tenoristen RayAbrams. Lee spielte mit u.a. Roy Eldridge, Coleman Hawkins, Andy Kirk und Illinois Jacquet.
Maurice inaktiv (23.05.2023, 08:23):


Daraus die CD-Nr.4: "Playboys" AD: 31.10.1956,Los Angeles

Chet Baker (Trompete) - Art Pepper (Altsax) - Phil Urso (Tenorsax) - Carl Perkins (Klavier) - Curtis Counce (Bass) - Larance Marable (Drums)

und dann noch "Chet Baker/Russ Freeman": Quartet AD: 06.11.1956, Los Angeles Pacific Jazz

Chet Baker (Trompete) - Russ Freeman (Klavier) - Leroy Vinnegar (Bass) - Shelly Manne (Drums)

Man muss sich das mal vorstellen: Da nimmt Chet Baker innerhalb von einer Woche zwei Alben auf mit völlig verschiedenen Musikern. Sicher, das sind alles Profis und alles Musiker der Westküste, aber trotzdem muss man sich das mal vorstellen. So lief das damals. Da wurde nicht angekündigt, dass Superstar X eine neue Platte machen würde, die dann in zwei Jahren (!!!) herauskommen soll.

Gerade Musiker wie Leroy Vinnegar und Shelly Manne sind pro Tag zu mehreren Sessions innerhalb der Studios in LA gewandert und haben eingespielt, was sie kriegen konnten. Das waren alle möglichen Jobs, mal Filmmusik, mal eine Jazz Session, mal Begleitung einer Sängerin, mal eine Bigband-Einspielung unter XY oder Z.

Musiker wie Johnny Best, Mannie Klein, Chauncey Welsh, Ray Triscari, Al Porcino, Joe Montragon, Don Lamond, Alvin Stoller, Nick Fatool, Milt Hinton, Jimmy Maxwell, Chuck Gentry, Harry Klee, Sol Schlinger, alles Musiker, die durch das Stahlbad der Bigbands gingen, konnten davon lange Jahre gut leben, um am Abend dann in den Clubs noch zu jazzen. Am Tage perfekt vom Blatt spielende Musiker, die einfach pünktlich kamen, ihren Part spielten und dann ins nächste Studio, oftmals im gleichen Gebäude, zogen, um das Ganze erneut so zu machen.

Ich sage immer überspitzt, dass der West Coast Jazz deshalb so glatt und unpersönlich klang, weil die Musiker im Grunde einfach nur ihre Jobs runterspielten. Da kam es nicht auf deren Individualität, sondern auf perfektes Blattspiel und Instrumentenbeherrschung an.
Maurice inaktiv (23.05.2023, 09:21):


Bob Brookmeyer : Kansas City Sounds AD: 23.10.1958, NYC (Tracks 01-06) & 27.12.1958, NYC (Tracks 07-12)

Besetzung Tracks 01-06 :

Bob Brookmeyer (Ventil-Posaune) - Al Cohn & Paul Quinichette (Tenorsax) - Nat Pierce (Klavier) - Jim Hall (Gitarre) - Addison Farmer (Bass) - Osie Johnson (Drums) + Big Miller (Gesang, 2 und 5)

Besetzung Tracks 07-12 :

Harry Edison (Trompete) - Bob Brookmeyer (Ventil-Posaune) - Zoot Sims (Tenorsax) - Al Cohn (Tenor & Baritonsax) - Hank Jones (Klavier) - Freddie Green (Gitarre) - Eddie Jones (Bass) - Charlie Persip (Drums)

Bob Brookmeyer, der lange Jahre neben Bob Enevoldsen und den eigentlich als Trompetern bekannten Stu Williamson und Maynard Ferguson der absolut einzige Musiker war, der wirklich eine perfekte, auch solistisch meisterhafte Ventil-Posaune spielte, hatte sich hier alter Jazzstücke aus der Swing-Ära und etwas früher bedient, und diese quasi "zeitgemäß" neu arrangiert und eingespielt. Sehr unterkühlt, sicher gewöhnungsbedürftig, aber trotzdem hervorragend umgesetzt. Besonders vier Stücke der Basie-Bigband der späten 1930-er Jahre, deren er sich angenommen hatte.

Der Sänger "Big" Miller gehörte zu den Nachfolgern eines Jimmy Rushing, der ebenfalls in Kansas City, aber bei Jay McShan, bekannt wurde in den frühen 1940-er Jahren. Er soll, laut Wikipedia, mit Duke Ellington gesungen haben, aber das ist Unsinn. Darüber gibt es keine belegbaren Nachweise, zumindest habe ich davon in Bezug auf Duke Ellington nie von gelesen.

Paul Quinichette war 1952/53 Solist in der Basie-Bigband und bekam wegen der stilistischen und auch tonlichen Nähe zu Lester Young den Titel "Vice-Pres" verpasst. Er wirkte in den 1940-er Jahren ebenfalls in Kansas City bei Jay McShann. Al Cohn und Zoot Sims waren in der legendären "Four Brothers-Band" von Woody Herman und waren von Lester Young ebenfalls beeinflusst.

Nat Pierce galt völlig zu recht als "der weiße Count Basie", auch wenn er mehr drauf hatte als nur Basie zu imitieren. Ich hatte das große Vergnügen ih noch zwei Mal live in der Alten Oper Frankfurt erleben zu dürfen, ein verdammt guter und sympathischer Musiker. Er war auch ein hervorragender Bigband-Leiter, Arrangeur und Talentscout (1951-1955 und 1961-1966 bei Woody Herman) gewesen.

Osie Johnson (1923-1966) gehörte zu den besten Drummern der 1950-er Jahre, wenn es um Studio-Recordings ging. Er konnte so ziemlich alle Stile spielen. Leider ist er früh verstorben. Auch ER galt als hervorragender Arrangeur (etwa für Dinah Washington), Bandleader und auch Sänger.

Charlie Persip wurde durch seine Zeit bei Dizzy Gillespie und auch in dessen Bigband 1956-1958 bekannt (er spielte von 1953-1958 mit ihm), ehe er mit Lionel Hampton und Harry Edison spielte. Ab den 1980-er Jahren leitete er eine eigene, hervorragende Bigband. Zuvor war er 7 Jahre bei Billy Eckstine gewesen (1966-1973). Er arbeitete von Harry James, Dinah Washington, Cannonball Adderley hin zu Archie Shepp und Sam Rivers, Ray Charles, Sonny Rollins Frank Foster und natürlich eigenen Formationen.
Maurice inaktiv (25.05.2023, 09:49):


Duke Ellington: Live in Zurich, Switzerland AD: 02.Mai 1950, Zürich, Schweiz Live

Gestern hätte der große Duke Ellington (1899-1974) Todestag gehabt. Daher wird es Zeit, mal wieder etwas von ihm zu hören.

1950 wagte sich der Duke zum ersten Mal nach dem Kriege wieder nach Europa. Ich müsste jetzt nachlesen, wie lange die Tournee dauerte, und auch durch welche Länder sie ging, aber bekannt sind Konzerte in Lausanne/Schweiz (04.05.1950), Kopenhagen/Dänemark (31.05.1950) und Hamburg/Deutschland (10.06.1950). Selbst das wunderbare Buch von Timner gibt da nicht mehr Angaben her.

Auf jedem Fall hatte er 1950 eine ziemlich wilde, bunt durchgewürfelte Band parat. Überhaupt waren die Bands von 1943 bis Ende 1951 ziemlich wild und bunt, da auch er durch die Kriegswirren kommen musste. Und er hatte da noch viel Glück, da er eine vergleichsweise "alte" Band hatte, deren Musiker nur selten das damals passende Alter hatten, um eingezogen zu werden.

Auf dieser Tournee galt es andere Probleme zu lösen. So hatte er keinen erstklassigen Tenoristen in der Band, also wurde Don Byas verpflichtet, der bereits 1950 in Europa lebte. Al Sears, der eigentlich seit 1944 die Rolle Ben Websters übernommen hatte, flog nicht mit. Auch das Trompetenregister wurde durch den exzellenten Lead-und Solo-Trompeter Ernie Royal verstärkt. Er war kurz zuvor bei Woody Hermans Second Herd einer der Stützen gewesen, dazu ein moderner Trompeter des Bop.

Auch bei den Posaunen musste er mit Tyree Glenn den Spezialisten für die Plunger-Soli ersetzen. Er machte die Tournee nicht mit (warum weiß ich nicht, denn er war bereits 1946/47 mit Don Redman in Europa), doch da hatte er mit Quentin Jackson einen Posaunisten bereits in den Reihen, der diesen Part dann bis spät in 1959 herein übernahm. Ted Kelly wurde als "Ersatz" geholt für die Tournee. Er kam aus der gerade aufgelösten Bigband von Dizzy Gillespie.

Am Schlagzeug saß fast immer auf der Tournee Butch Ballard, der für den aber mitreisenden Sonny Greer spielte, der gesundheitlich angeschlagen war. Ob es jetzt sein chronischer Alkoholismus oder wirklich "Burn Out" war, dürfte sich nach nun über 70 Jahren kaum noch seriös beantworten lassen. Fakt ist, dass Greer im Frühjahr 1951 zusammen mit Johnny Hodges, Al Sears, Lawrence Brown, Tyree Glenn und Nelson Williams die Band verließ.

Hier die Besetzung des Konzertes und der Tournee:

Al Killian, Erie Royal, Harold Baker, Ray Nance (auch Violine und Gesang) und Nelson "Cadillac" Willams (Trompeten)
Lawrence Brown, Quentin Jackson, Ted Kelly (Posaunen)
Johnny Hodges, Russell Procope (er noch Klarinette), Jimmy Hamilton (auch Klarinette), Alva McCain (Tenorsax), Harry Carney (Baritonsax) + Don Byas (Gastsolist am Tenorsax)
Duke Ellington & Billy Strayhorn (Klavier)
Wendell Marshall (Bass)
George "Butch" Ballard (Drums) + hin und wieder auch Sonny Greer (Drums)
Kay Davis (Gesang)

Die Stücke, die man hier hören kann, entsprechen weitgehend seinen damaligen Konzertprogrammen. Besonders aus der reihe fallen "How High the Moon" (mit Don Byas als Solisten) und "It's Wonderful" (für Ernie Royal). Während erstes Stück seit etwa 1947 im Repertoire der Band war, und ohne Zweifel dem Zeitgeist (Der Bebop war zwar schon wieder überholt, aber natürlich immer noch sehr präsent) entsprach, war "It's Wonderful" ein sehr merkwürdiges Stück für den absoluten Modernisten der Band, Ernie Royal. Vermutlich wollte der Duke ihn ohne große Repertoire-Erweiterung einfach nur hervortreten lassen und nahm dieses einfache Stück dafür. Allerdings wären da 1000 andere Stücke weitaus besser geeignet gewesen als gerade diese Nummer.

Meines Wissens ist das das einzige Konzert der Tournee, dass bisher veröffentlicht wurde. Die Band spielt mit viel Power, die Aufnahme klingt für diese Zeit und live erstaunlich gut, wenn auch der Drummer etwas zu nahe an einem Mikro saß, dafür kann man hören, wie Ballard die Band vor sich her getrieben hat. Ein wirklich ausgezeichneter Drummer, der leider das Pech hatte, Schlagzeuger ersetzen zu müssen, die noch eine Idee besser waren als er selbst.

Nach der Tournee wollte der Duke ihn fest verpflichten, aber er lehnte ab. Vielleicht ein großer Fehler, aber Ellington wollte etwas Neues in der Band haben, nämlich einen Drummer mit doppelter Bass-Drum, etwas, was 1946 Louis Bellson in den Jazz einführte. So bekam am Ende Bellson das Angebot selbst unterbreitet, aber aus einem völlig anderen Grund. Daraus wurde von der Presse der berühmte "Great James Robbery", weil der Duke 1951 dringend die Plätze von Johnny Hodges, Lawrence Brown und Sonny Greer adäquat besetzen musste. Er fragte seinen Ex-Posaunisten Juan Tizol, der 1944 selbst von Ellington zu Harry James wechselte. Bei James spielten damals zufällig Wille Smith, der vielleiht beste Lead-Altist des Bigband-Jazz und eben auch Louie Bellson. So kam es, dass Tizol, Smith und Bellson zu Ellington wechselten. Harry James, dem das überhaupt nicht schmecken konnte, sagte zur Presse recht süffisant, warum nicht auch er ein Angebot bekommen habe, damit er wieder mit seinen Musikern spielen konnte.

Du bleibst unvergessen !!
Maurice inaktiv (25.05.2023, 10:09):


Duke Ellington: 20th Death Anniversary AD: 19.02.1963, Kongresshaus Zürich, Schweiz Live

Passend zur Tournee 1950 und dem Konzert in der Schweiz, hier nun ein Konzert rund 23 Jahre später. Warum die CD so heißt, muss man erst mal herausfinden. Denn die Konzertdaten geben das nicht her, da am 19.02.1963 keinerlei Basis für eine Reunion oder ein Gedenk-Konzert. Selbst das Produktionsjahr dieser CD (1994) gibt da nichts her.

Ich kann also auch nur spekulieren hier. So liegt die Vermutung nahe, dass es um den 20.Todestag des Duke gehen müsste. Der war 1974, aber nicht im Februar, sondern am 24.Mai 1974.

Nun, 13 Jahre nach dem 1950-er Konzert saßen Ray Nance, Lawrence Brown, Johnny Hodges, Russell Procope, Jimmy Hamilton und Harry Carney noch immer, bzw. wieder in der Band. Hodges war 1951-1955 mit einer eigenen Band unterwegs, Brown gar bis 1960.

Es gab nur eine echte Überschneidung der Titel, nämlich "Rockin' in Rhythm", nun aber mit dem berühmten langen Piano-Intro, was er erst um 1954 herum einführte. "Take the A-Train" wurde ja seit 1941 immer gespielt, es war der zweite und letzte "Theme-Song" der Band, wenn man von einer kurzen Phase 1943/44 absieht, als die Gewerkschaft einen Aufnahmestopp verfügte, und viele Stücke nicht mehr gespielt werden durften. 1948/49 kam es zu einem weiteren Streik in dieser Richtung, daher findet man aus dieser Zeit auch nur Live-Konzerte der Bands vor, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Bigband, die der Duke 1963 zur Verfügung hatte, war wesentlich stabiler und auch entsprechend besser eingespielt und abgestimmt. Mit Sam Woodyard saß ein Mann am Schlagzeug, der vermutlich von allen Drummern, die der Duke seit Sonny Greers Ausstieg 1951 hatte, am besten zur Band passte.

Das längste Stück hier ist "Harlem", mit über 13 Minuten sicher keine leichte Kost für die Jazzfans. Doch der Duke konnte sich das erlauben.

Ein Booklet gibt es nicht bei der CD, immerhin aber Aufnahmedatum und die Bandbesetzung. Beides ist auch stimmig und müsste richtig sein.
Maurice inaktiv (26.05.2023, 08:47):


Miles Davis: M.D. Quintet feat. Barney Wilen - Amsterdam Concert AD: 08.12.1957, Amsterdam/Holland

Heute ist der Geburtstag von Miles Davis, aber auch der Geburtstag meines langjährigen Bassisten und Freundes Chris, den wir leider an seinem Geburtstag beerdigen müssen. Der Krebs hat ihn leider besiegt.

Mies Davis (Trompete) - Barney Wilen (Tenorsax) - René Urtreger (Klavier) - Pierre Michelot (Bass) - Kenny Clarke (Drums)

Im Rahmen zu den Aufnahmen in Paris für die Filmmusik zu "Fahrstuhl zum Schafott" kam es zu einer kleinen Kurz-Tournee der dafür zusammengestellten Band. Ich hatte schon einmal davon berichtet.

Man hat sich natürlich auf Standards geeinigt, um Teil aus dem Bebop, aber auch dem Swing heraus. "Woody'n' You", "Bag's Groove", "A Night in Tunisia", "Round Midnight", "Lady Bird", "But Not for Me", What's New?", "Walkin"", "Well You Needn't" und "Four" von Davis selbst.
Joe Dvorak (26.05.2023, 10:49):


Arve Henriksen - The Nature of Connections (2014)

Arve Henriksen (Trompete, Piccolotrompete, Klavier), Nils Økland (Violine, Hardangerfiedel, Viola d'Amore), Gjermund Larsen (Violine, Hardangerfiedel), Svante Henryson (Violoncello), Mats Eilertsen (Kontrabass), Audun Kleive (Schlagzeug)
Maurice inaktiv (28.05.2023, 15:22):


Ken Colyer : Studio 51 Revisited AD: 1958

Ken Colyer (Kornett) - Mac Duncan (Posaune) - Ian Wheeler (Klarinette) - Ray Foxley (Klavier) - Johnny Bastable (Banjo) - Ron Ward (Bass) - Colin Bowden (Drums)

Ich muss ehrlich sagen, dass ich, gerade weitaus mehr im gemäßigten, modernen Jazz unterwegs, hier fast schon entsetzt bin. Zur Zeit ist das für mich harte Kost, ganz schrecklich. Dabei machen die Jungs das gut, aber im Moment spreche ich darauf nicht. Das wird jetzt ein harter Juni für mich, denn ich spiele nur so Zeugs, allerdnis etwas moderner und nicht so vogelwild wie hier Ken Colyer aus England.
Maurice inaktiv (28.05.2023, 15:52):
Ohne Bild:

Norman Granz Jazz at the Philharmonic, Vol. 10 AD: 27.09.1947, Carnegie Hall, NYC.

Howard McGhee (Trompete) - Bill Harris (Posaune) - Illinois Jacquet & Flip Phillips (Tenorsax) - Hank Jones (Klavier) - Ray Brown (Bass) - Jo Jones (Drums)

"I Surrender Dear" und "Endido" (basierend auf "Perdido)

Norman Granz, der äußerst clevere Geschäftsmann und Jazzfan, hatte 1944 die geniale Idee, die bisher weitgehend anonymen Jam Sessions in den Bars und Halls richtig zu vermarkten. Er heuerte die damals besten Musiker an, um sie dann in "Battles" gegenüberzustellen. Besonders liebte er Trompeten - und Tenorsax-Battles, hier traten die beiden besonders "heißen" Illinois Jacquet (Ex-Lionel Hampton - und Count Basie-Star-Solist) und Flip Phillips (Ex-Woody Herman-Star-Solist) gegeneinander an.

Dazu kamen mit Howard McGhee ein Vertreter des Bebop und Bill Harris, ebenfalls Star-Solist mehrerer Orchester von Woody Herman, der geniale Hank Jones am Klavier, der damals neben Oscar Pettiford vielleicht beste Bassist, Ray Brown und Ex-Basie-Star-Drummer Jo Jones.

Ob das immer noch gute Musik im engeren Sinne war, soll jeder selbst beantworten. Auf jedem Fall wurden die Musiker sehr gut bezahlt und auch respektvoll behandelt, was bekanntermaßen damals nicht gerade immer so war, besonders bei den schwarzen Musikern nicht.

vermutlich aus dem Jahre 1949 stammten die folgenden vier Stücke: "The Opener", "Lester Leaps In", "Embraceable You" und The Closer :

Roy Eldridge (Trompete) - Tommy Turk (Posaune) - Charlie Parker (Altsax) - Lester Young & Flip Phillips (Tenorsax) - Hank Jones (Klavier) - Ray Brown (Bass) - Buddy Rich (Drums)

Den Abschluss bildet hier Ella Fitzgerald mit zwei Stücken: "Robbin's Nest" und "A New Shade of Blues":

Ella Fitzgerald (Gesang) - Hank Jones (Piano) - Ray Brown (Bass) - Buddy Rich (Drums)

Diese Stücke dürften am gleichen Tag, im gleichen Konzert mit Eldridge und Parker entstanden sein.
Joe Dvorak (01.06.2023, 07:31):


Ron Carter - New York Slick (1979)

Art Farmer (Fluegelhorn), J.J. Johnson (Posaune), Hubert Laws (Floete), Kenny Barron (Klavier), Ron Carter (Kontrabass), Billy Cobham (Schlagzeug) w/ auf 1 v. 5 Tracks: Jay Berliner (Akustik-Gitarre), Ralph McDonald (Perkussion)

Sehr fein!
Maurice inaktiv (14.06.2023, 20:17):


Joan Chamorro presenta : Alba Armengou AD: 2018

Hier wird erstmals Alba Armengou mit einer eigenen CD vorgestellt, natürlich von dem Mentor der vielen jungen Leute in und um Barcelona herum, höchstpersönlich am Bass begleitend. Alba ist gerade mal 17 Jahre jung hier, und sie macht das wirklich ganz hervorragend.

Die Besetzungen wechseln vom Trio bis zur Bigband, es wird also nicht langweilig. Natürlich wirken alle Musiker:innen mit, die um die St.Andrea Bigband dabei sind oder waren: Andrea Motis wirkt mit, Elia Batisda, Alba Esteban, Jan Domenech, Rita Páyes, Ignazi Teraza, Josep Traver, Abril Sauri, Koldo Munné, Carla Motis. Als weitere Gäste wirken Scott Hamilton und John Allred als "Special Guests" mit.

Es gibt Stücke aus dem berühmten American Song Book, aber auch wenig bekannte Musik aus Latein-Amerika oder Spanien. "Yesterdays", "No Moon at All", "Stolen Moments", "Shiny Stockings", "A Flower is a lonesome Thing" zeugen von einer sehr guten Auswahl, guten Geschmack, aber auch großem Können aller Musiker.

Eine rundherum gelungene Debut-CD, einer Reihe von Einspielungen unterschiedlicher Musiker aus dem Fundus der wunderbaren Bigband aus vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die dort eine hervorragende Ausbildung, aber auch viel Freiraum genießen dürfen.
Viele Grüße sendet Maurice
a-way (16.06.2023, 13:03):


Fractal Gates / The light that shines, progressive melodic death metal band aus Frankreich
und
Meshell Ndegeocello / The Spirit Music Jamia: Dance Of The Infidel,
US-amerikanische Musikerin und Komponistin, Hauptinstrument E-Bass, eigener Stil aus Gesang und Rezitation, Funk-, Soul-Richtung, aber noch viel mehr Einfluesse.
a-way (16.06.2023, 16:28):


Helllight - Until the Silence Embraces

1
Rise Above the Stars
2
Until the Silence Embraces
3
The Dead Moment
4
Dying Sun
5
Legacy of the Broken Ones
6
The Ephemeral Auroras
a-way (16.06.2023, 18:14):


Babes in the Wood / Mary Black, Still believing
aus Celtic Gold - The Holy Ground, auch Mary Black
a-way (17.06.2023, 19:56):



pandoras.box - barriers
Maurice inaktiv (20.06.2023, 10:36):
Alba Armengou : Susrros del Viento AD: 2023

Alba Armengou (Trompete, Vocal) _ Joan Marti (Tenorsax, Flöte) - Vincente Lopez (Gitarre) - Giuseppe Campisi (Bass) - Tramel Levalle (Percussion) - Enric Fuster (Schlagzeug, 1,3,4,6) - David Gimeno (Schlagzeug, 2,5)

Leider nur gut 25 Minuten kurz ist das Debut-Album der spanischen Newcomerin aus dem Kreis um Joan Chamorro (wo auch Andrea Motis heraus kommt) Alba Armengou. Man kann es nur über sie selbst beziehen, es ist also alles noch im Aufbau befindlich. Der Preis ist auch nicht wirklich konkurrenzfähig, wenn man die Länge mit ins Spiel bringt.

Vier Stücke stammen von ihr und dem Gitarristen Vince Lopez. Leider ist das Booklet nur in spanischer Sprache verfasst, ein weiterer Schwachpunkt, was die Äußerlichkeiten angeht. Die Musik dagegen finde ich sehr gut gelungen. Eine Mischung aus Latin-Jazz und leicht rockigen Tönen, keinerlei traditioneller Jazz, aber auch keine Swing-Nummern oder so modern wie Andrea Motis das macht mit ihrem Ehemann zusammen.

Ich persönlich finde ihren Trompetenstil flexibler als jener von Andrea Motis, die doch recht deutlich zu Chet Baker beeinflusst ist. Das kann bei manchen Stücken nicht die optimale Klangvorstellung sein, aber das ist natürlich ihre Sache. Alba singt auch hier ausschließlich in ihrer Sprache, auch die Stücke haben ausschließlich spanische Titel. Das ist ein durchaus nachvollziehbarer Ansatz, denn z.B. Andrea Motis hört man an, dass Englisch in Spanien nicht Pflichtfach in der Schule ist, sondern zunächst Französisch.

Ein Bild habe ich nicht, weil das Album nur einzeln als Mp3 auf Amazon zu erwerben ist. Bei JPC findet man es auch nicht vor.

Wer das Album erwerben möchte, schreibt bitte direkt an Alba: albaarmengou@gmail.com, sie antwortet recht zeitnah. Ich habe mit Versand und persönlicher Widmung 23,00 € gezahlt. Ich unterstütze das in diesem Fall, wie auch bei anderen Künstlern um Joan Chamorro, weil ich weiß, dass dort tolle Musiker ausgebildet werden, die dann aber auch weiterkommen möchten. So lange mir die Musik gefällt, mache ich das gerne, aber nicht zu oft.
Maurice inaktiv (20.06.2023, 11:00):


Stan Getz/Gary McFarland : Big Band Bossa Nova AD: 27./28.08.1962, NYC

Natürlich musste auch eine Bigband-Scheibe mit Bossa Novas gemacht werden, denn damit konnte man 1962 richtig gut Geld verdienen. Zum Glück ist die Musik auf höchstem Niveau eingespielt und arrangiert worden. Vier Stücke stammen von Gary McFarland selbst.

Solisten sind, neben Getz natürlich, Jim Hall an der akustischen Gitarre, Hank Jones am Klavier, Doc Severinsen an der Trompete, Bob Brookmeyer an der Ventil-Posaune, am Schlagzeug sitzt der Spezialist für solche Musik, Johnny Rae.

Anschließend dann:



Ibrahim Ferrer : Mi Sueno AD: 2005

Nun zu einem der ganz Großen aus dem berühmten Kreis des Buona Vista Social Club - Ibrahim Ferrer. Er wurde quasi von Ry Cooder 1996 "entdeckt", als er bereits im Rentenalter aufgehört hatte zu singen, weil man ihn nie richtig gewürdigt hatte. Dies sollte sich bis zu seinem Tode 2005 quasi über Nacht ändern.

Heute gilt Ferrer als der vielleicht größte Bolero-Singer der Welt. Hier nun sein letztes Album, "Mein Traum", den er leider nicht mehr erleben sollte, denn drei Wochen vor der Fertigstellung ded Albums verstarb er im Alter von 78 Jahren.

Wenn ich seine Stimme höre, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Was für eine Stimme, was für eine Ausstrahlung hatte dieser großartige Künstler. Davon können alle Sternchen und Möchtegern-Stars heute auch nur träumen. Und die werden mit Preisen und Geld zugeschüttet. Schrecklich, dass so ein großartiger Künstler fast nicht mehr zu seinen Ehren kam.

Wir können wirklich glücklich sein, dass diese Musik so wunderbar festgehalten worden ist. Danke, Ry Cooder , Danke, Senor Ferrer !!!
Maurice inaktiv (24.06.2023, 10:36):


Quincy Jones : Bossa Nova AD: Sept. 1962, NYC

Besetzung unklar, aber Clark Terry (Trompete, Flügelhorn), Roland Kirk (Flöte), Jerome Richardson (Div. Flöten/Holzblasinstrumente), Paul Gonsalves (Tenorsax), Lalo Schifrin (Klavier), Jim Hall (Gitarre), Chris White (Bass), Rudy Collins (Drums), Jack Del Rio, Carlos Gomez, José Paula (Percussion) - Quincy Jones (Arrangeur, Cond.)

Solisten: 01. Roland Kirk (Flöte), 02. Paul Gonsalves (Tenorsax), Clark Terry (Flügelhorn), 03. Jim Hall (Gitarre), 04. Jerome Richardson (??),
05. Jerome Richardson (Flöte) - eine weitere Flöte, Lalo Schifrin (Klavier), 06. Phil Woods (Altsax), 07. Phil Woods (Altsax)
08. Jim Hall (Gitarre), Phil Woods (Altsax), 09. Jerome Richardson (Flöte), Phil Woods (Altsax), 10. Clark Terry (Flügelhorn), Jerome Richardson -
ein weiterer Flötist, Jim Hall (Gitarre), 11. Keine Soli

Es ist denkbar, dass Roland Kirk auch bei den Föten-Duetten gespielt hat, aber ich weiß es nicht. Der Solist klingt aber mehr nach Leo Wright, für Kirk wäre mir das zu "harmlos" gewesen. Weiß da jemand besser bescheid? Ich konnte auch keine genaueren Angaben im Netz dazu finden.

Man kann sich darüber streiten, ob das noch Jazz oder mehr in den Bereich "Easy Listening" hineingehört. Ich empfinde ein stärkeres Jazzgefühl dabei. Das hat nicht so viel mit Bert Kaempfert oder James Last zu tun.
Lysann otto (27.06.2023, 22:08):
Hallo, bin noch neu hier.

Ich höre gerade zwei Sachen:

Erste ist eine Schallplatte Box, die ich neue erworben habe, mit 30 Schallplatten Bach Kantaten werke. Bin Bach Sammlerin und liebe seine Musik.
Bach BWV 96 Herr Christ, der ein´ge Gottessohn.

Das Zweite, was ich höre, ist Choräle aus der Luther Zeit.
Aus tiefster Not schrei’ ich zu dir. Martin Luther
Andréjo (27.06.2023, 22:27):
Hallo, Lysann otto,

das ist aber alles klassische Musik und nichts anderes. Ich mag den Begriff nicht besonders, aber das will ich nicht schon wieder diskutieren, warum und inwiefern. :)

Besten Gruß,

Wolfgang
Maurice inaktiv (28.06.2023, 03:01):


Hier zwei CDs aus dem Umfeld und auch mit Joan Chamorro aus Spanien.

Einmal direkt Andrea Motis, die gerade am Timmendorfer Strand hochschwanger aufgetreten ist. Hier auf der CD mit unterschiedlicher Besetzung en nahezu reines Latin-Album. Mit dabei bei 5 Stücken auch ihr Ehemann Christoph Mallinger an Violine und Mandoline.

Vier Stücke hat Andrea geschrieben, die teilweise halsbrecherische Texte zu singen hat, das aber souverän bewältigt. Bei einem Stück wirkt auch ihre Schwester Carla an der Gitarre mit. Dazu kommen unterschiedliche Besetzungen und Musiker, aber auch die bekannten Musiker dieses Umfeldes, etwa Joan Chamorro am Bass, Josep Traver an der Gitarre, Ignasi Terraza am Klavier, Esteve Pi am Schlagzeug, u.a.

Das andere Album um Joan Chamarro bringt wieder die "jungen Wilden" mit teilweise atemberaubender, mehrstimmiger Gesangseinlagen a la Manhattan Transfer zu Gehör. Super arrangiert das Ganze, und absolut virtuos gesungen und gespielt. Leider ist das Booklet nur sehr schwer zu lesen, weil schwarzer Hintergrund und dünne, klein geschriebene Texte mit dunkelblauer Farbe sind nicht gerade lesefreundlich gemacht. Wer sich DAS ausgedacht hat, gehört entlassen, sorry. Immerhin zweisprachig (Spanisch und Englisch).
Maurice inaktiv (30.06.2023, 09:23):


Buena Vista Social Club: Buena Vista Social Club AD: 1997

Gestern Nacht habe ich die Dokumentation über den BVSC im TV gesehen. Ich liebe diese Musik, man spürt in jedem Ton, in jedem Wort, dass hier Musiker und Sänger tätig sind, die ihre Musik lieben, und die genau wussten, dass sie hier eine vielleicht einmalige Chance bekommen haben, diese Musik, dieses Lebensgefühl der Welt mitzuteilen.

Da kann der ganze dissonante Scheiß, das ganze Gehabe um Scalen, etc. zuhause bleiben. Das ist einfach Musik und Leben pur. Ich liebe es, solchen Musikern zuzuhören, da geht mir das Herz auf. Einfach ein Traum. Es ist dort heute noch so. Ich habe eine gute Freundin, die selbst Musikerin ist. Sie hat lange in Mexiko gelebt, spricht fließend Spanisch (sie ist auch spanischer oder lateinamerikanischer Herkunft), war letztes Jahr dort. Sie hat sich spontan zu den Musikern gestellt und gesungen. Man muss dazu sagen, dass sie dort Freunde hat, also kennt Land und Leute und fällt nicht als Touristin auf.

Danke, an all diese großartigen Musiker, die oftmals ein sehr hartes und einfaches Leben führen mussten, aber die durch die Musik ihr Leben gemeistert haben !!
Maurice inaktiv (01.07.2023, 13:55):


Miles Davis Tribute Band: Sketches of Catalonia AD: 31.08.2011, Barcelona Live

VORSICHT, das Album hat absolut keine Verbindung zum berühmten "Sketches of Spain"-Album von Miles Davis. Diesem Irrtum bin ich auch aufgesessen. Leider, muss man sagen.

Das heißt nicht, dass das Album hier irgendwie schlecht ist, im Gegenteil. Die Titel selbst haben alle einen engen Bezug zu Miles Davis, keine Frage. So wurden Titel von seiner Bop-Zeit bei Charlie Parker ("Quasimodo"), den 1950-er Jahren ("Half Nelson", "Four", "Someday my Prince will Come", "So What", "All of You"), den 1960-ern ("My Funny Valentine", Seven Steps to Heaven"), oder seiner späteren Zeit ("Tutu") zu einem Konzert neu arrangiert und aufgeführt.

Ob man dann unbedingt "Four" als rockig-angehaucht präsentieren muss, sei dahin gestellt. Das Album hat für mich einen großen Nachteil, den man vielleicht nur bedingt empfinden würde, wenn man das Ganze nicht als Miles Davis-Tribut präsentiert hätte, nämlich der Tatsache, dass die Trompetensoli viel zu kurz gekommen sind. Ja, Andrea Motis (sie ist nur EINMAL als Trompetensolistin zu hören, dafür 3 drei Mal als Sängerin und einmal als Altistin) wirkte zum Glück mit, Matthew Simon spielt die Trompete in "Half Nelson" und "Tutu" (hervorragend übrigens), Alba Armangou spielt mit, aber hat kein Solo, dafür der Gastsolist Jordi Bonell an der Gitarre (5,7,8,9 als Solist zu hören), E-Bassist spielt bei den beiden letzten Stücken mit ("Tutu" und "Half Nelson"), Saxophonist Llibert Fortuny brilliert als Solist gleich fünf Mal (mir ist das viel zu schräg und wild), aus der Band selbst darf Pianist Joan Monné immerhin zwei Mal solistisch wirken, Josip Tutusaus spielt das Posaunensolo in "Half Belson", dort dürfen auch Iscle Datzira (Tenorsax) und Carles Vazquez (Sax), Eva Fernandez (Sopransax) und Jaume Ferrer (Baritonsax) solistisch brillieren.

Ja, das ist hervorragend arrangiert und gespielt, doch ich hatte etwas Anderes erwartet. Daran ist ohne Zweifel der Titel und das Cover nicht ganz unschuldig. Man muss dazu sagen, dass ich mir vorher auch nicht durchgelesen habe, welche Titel gespielt werden. Da muss ich mir durchaus an die eigene Nase fassen, aber so eine Cover-Aufmachung weckt im Jazzfan natürlich bestimmte Vorstellungen, etwa eine Umgestaltung von "Sketches of Spain", eben auf das Ensemble übertragen, mit etwa den Trompetern als Hauptsolisten. Wer das erwartet hat, wird doch enttäuscht. Wer aber das Ganze ignoriert, bekommt ein zeitgenössisches Konzert geboten, mit einem rockigen Ende. Dem Applaus nach zu urteilen, war das doch eher junge Publikum davon begeistert, da spielt es kaum eine Rolle, was so ein Opa wie ich dazu eines Tages mal schreiben würde.
Maurice inaktiv (10.07.2023, 14:10):


Sonny Stitt : The Complete Original Quartet Recordings AD: 1955, 1957 & 1962

Tracks 01-13: Sonny Stitt (Altsax) - Hank Jones (Klavier) - Wendell Marshall (Bass) - Shadow Wilson (Drums)
Tracks 14-18: Sonny Stitt (Alt/Tenorsax) - Hank Jones (Klavier) - Tommy Potter (Bass) - Roy Haynes (Drums)

Sonny Stitt stand und steht leider immer im Schatten von Charlie Parker auf dem Altsax und auf dem Tenorsax von Dexter Gordon, Wardell Gray und Gene Ammons. Gerade mit den letzten drei Kollegen stand er sehr oft auf der Bühne und lieferte sich zahlreiche "Battles". Auch der Tenorist Eddie "Lockjaw" Davis war oft an seiner Seite bei diesen "Schlachten" musikalischer Art.

Stitt (1924-1982) wuchs in einer gut betuchten Familie auf, eine Seltenheit damals bei schwarzen Familien. Beide Eltern waren Musiklehrer, er konnte also nicht anders als ebenfalls Musiker werden. Er lernte zunächst Klavier, später Klarinette und 15 dann Altsax. Seine Lehrer waren "Big Nick" Nicholas (der immerhin mit Leuten wie Dizzy Gillespie, Lucky Millinder, Hot Lips Page und Buck Clayton) und Wardell Gray, die alle im Alter von ihm selbst waren. Gray wohnte sogar öfter mal im Haus seiner Familie.

Sitt spielte mit Sabby Lewis, Tiny Bradshaw, Billy Eckstine, Dizzy Gillespie und später mit Charlie Parker, Miles Davis, Max Roach, 1957-1959 für JATP, u.v.a.

1956 nahm Sitt auf dem Altsax an einer der besten Studio-Produktionen des Jazz überhaupt teil: "For Musicians Only", ein Album, dass unter der Leitung von Dizzy Gillespie eingespielt wurde und einige der besten modernen Jazzmusiker zeigte: Dizzy, Sonny (Altsax), Stan Getz, John Lewis, Stan Levey, Herb Ellis und ich meine Ray Brown am Bass.

Stitt begann bereits früh in den Drogensumpf zu rutschen, musste deshalb auch ins Gefängnis, verlor seine "Cabaret Card" für New York, was einem Spiel-und Auftrittsverbot galt und tingelte dann viele Jahre durchs Land.

Sonny Sitt wechselte dann immer mehr zum Tenorsax und nahm das Baritonsax hinzu. Er verstarb bereits mit 58 Jahren am Krebs.

Für mich gehört er unbedingt in die erste Reihe der Bop-Musiker hinein. Er stand als Altist kaum Charlie Parker und später Phil Woods nach, als Tenorist wäre er wohl kaum von den Kollegen als "Battle-Musiker" geholt worden, wenn er nicht deren Format gehabt hätte. Er hatte einfach das Pech, dass er am Altsax nict vor Charlie Parker bekannt wurde und als Tenorist einige richtige Giganten zeitgleich im direkten Umfeld hatte. Immerhin beeinflusste er Kollegen wie Booker Erwin, James Moody und Hank Mobley. Selbst Coltrane war zumindest in der Frühzeit von ihm beeinflusst worden.
Maurice inaktiv (12.08.2023, 07:29):


Bob Broookmeyer: Traditionalism Revisited AD: 13. & 16.07.1957, New York

Bob Brookmeyer (Ventil-Posaune, Klavier) - Jimmy Giuffre (Klarinette, Tenor-Baritonsax) - Jim Hall (Gitarre) - Joe Benjamin (Bass, 1-2, 4-7, 11) - Ralph Pena (Bass, 3, 8-10) - Dave Bailey (Drums)

Als Bonus gab es noch zwei Nummern aus der Serie "Stars of Jazz" der KABC-Show aus Hollywood vom 27.10.1958 dazu. Hier mit Brookmeyer, Giuffre und Hall im Trio

Manchmal lässt sich über Projekte streiten, aber ich finde es durchaus interessant, wenn moderne Musiker den alten Stücken ihren Stempel aufdrücken. Umgekehrt finde ich es genau so reizvoll, moderne Stücke auch umzukehren, also auf "alt" zu trimmen. Manchmal geht diese Rechnung auf, nämlich dann, wenn Bopper neue Stücke mit neuen Harmonien auf ältere Stücke aufbauen. Als Beispiel sei mal "Groovin' High" genannt, der Bop-Klassiker, dessen Basis mal der alte Song "Whispering" war. man kann übrigens beide Themen wunderbar kombinieren, wichtig dabei ist, dass sich die Harmoniegruppe klar ist, welche Harmonien sie spielen, die alten oder die neuen.
Maurice inaktiv (21.08.2023, 08:23):


"The Trombones inc. : "Down Beat" AD: Dezember 1958

Dieses "Projekt" geht auf den Ventil-Posaunist Jim Conkling zurück, einem Hobbymusiker, der aber eine führende Position bei großen Plattenfirmen hatte. Er wollte jeweils 10 Posaunisten aus dem Westen und Osten des Landes zusammenbringen, die dann gemeinsam eine Platte aufnehmen sollten. Das Ganze hat nicht zu hundert Prozent geklappt, aber das Ergebnis der zwischen 7 bis 11 Posaunisten kann sich absolut hören lassen. Unter der Federführung von Jay Jay Johnson (der ein begnadeter Solist aber auch Arrangeur war) und Marty Paich, einem Pianisten und Arrangeur der Westküste, wurden 12 Stücke eingespielt, die nicht nur hervorragend arrangiert, sondern auch durch brillante Soli hervorstach.

Unter den Solisten befanden sich Bob Brookmeyer, Frank Rehak, Jimmy Cleveland, Henry Coker und Benny Powell aus der Basie-Band, Eddie Bert, Melba Liston, Tommy Pederson, Murray McEachern, sowie die Bass-Posaunisten Bart Varsalona (viele Jahre bei Stan Kenton und DER Prototyp aller Bass-Posaunisten), Ken Shroyer und George Roberts, zwei wahre Legenden an der Bass-Posaune.

Die Rhythmusgruppe bildeten Hank Jones, Wendell Marshall und Osie Johnson, bzw. Milt Hinton für Marshall und Marty Paich, Red Mitchell und Mel Lewis, also die creme de la creme des Jazz, aber auch der Studiomusiker damals.
Joe Dvorak (04.09.2023, 23:38):


Hal Galper - How Hear This (1977)
Terumasa Hino (Trompete, Fluegelhorn), Hal Galper (Klavier), Cecil McBee (Kontrabass), Tony Williams (Schlagzeug)

Nach 2 Wochen Abwesenheit wieder vor der heimischen Anlage geniesse ich dieses Album mit hoechster Wonne. Hal Halper hat es wie kein Zweiter verstanden, die Rockmusik-Informiertheit der Fusion-Musik zu adaptieren, ohne elektrische Instrumente einzusetzen. Und Hino ist mMn der beste Trompeter dieses Planeten. Mal sehen, ob ich mit dieser kuehnen Aussage Maurice auf den Plan rufen rufen kann. Die Klassiker haben hier ja offensichlich (fast) aufgegeben...
Maurice inaktiv (05.09.2023, 09:32):
Und Hino ist mMn der beste Trompeter dieses Planeten. Mal sehen, ob ich mit dieser kuehnen Aussage Maurice auf den Plan rufen rufen kann.
Nicht wirklich. Es ist DEINE Meinung, das ist doch auch völlig in Ordnung, wenn Du das so siehst.


Die Klassiker haben hier ja offensichlich (fast) aufgegeben...
Oder haben gerade keine Zeit wie ich, auch nur irgend etwas zu hören, auch wenn ich gerade noch die letzte CD im Auto hören werde, dann ist bei mir das Aus angesagt, was die Musik im Auto über CD angeht.
Joe Dvorak (06.09.2023, 01:28):
Die Klassiker haben hier ja offensichlich (fast) aufgegeben...
Oder haben gerade keine Zeit wie ich, auch nur irgend etwas zu hören, auch wenn ich gerade noch die letzte CD im Auto hören werde, dann ist bei mir das Aus angesagt, was die Musik im Auto über CD angeht.
Das ist bei mir im Moment auch der Fall, dass ich nur sehr selten Musik höre. Ich habe zwar Zeit - jeden Tag 24 Stunden - aber die nutze ich meistens für andere Dinge. Aber jetzt lausche ich wenigstens mit einem Ohr dem King:



King Oliver - Off the Record: The Complete 1923 Jazz Band Recordings

Der bei so alten Aufnahmen übliche Zielkonflikt zwischen Störungsfreiheit und Integrität wurde bei dieser Restaurierung vorbildlich gelöst. Knacksen, Rauschen, Jaulen und Verzerrungen wurden auf ein Minimum reduziert, wobei der kraftvolle Schwung und die Lebendigkeit so weit wie möglich erhalten blieben.
Maurice inaktiv (06.09.2023, 14:05):
King Oliver - Off the Record: The Complete 1923 Jazz Band Recordings

Der bei so alten Aufnahmen übliche Zielkonflikt zwischen Störungsfreiheit und Integrität wurde bei dieser Restaurierung vorbildlich gelöst. Knacksen, Rauschen, Jaulen und Verzerrungen wurden auf ein Minimum reduziert, wobei der kraftvolle Schwung und die Lebendigkeit so weit wie möglich erhalten blieben.
Und damit wurden historisch wirklich extrem wichtige Aufnahmen sinnvoll zum Hören restauriert. Man kann viel Neues hören bei King Oliver und Louis Armstrong, gerade diese Jahr war für die Jazzentwicklung ein echter Meilenstein. Oliver machte den "Plunger", also den Gummidämpfer, populär, und war damit maßgeblich am Klang der (frühen) Ellington-Band beteiligt. Bubber Miley hörte Oliver sehr gut zu und entwickelte dann jenen Sound, den er zu einen der ersten echten Jazzsounds machte. Sein Posaunen-Kollege Tricky Sam Nanton machte das Gleiche über den Umweg Charlie Ives, seinem Vorgänger bei Ellington.
Joe Dvorak (09.09.2023, 04:23):
Ein Klassiker aus dem innersten Zirkel des Kanons:



John Coltrane with the Red Garland Trio - Traneing In (1958)

John Coltrane (Tenorsaxophon), Red Garland (Klavier), Paul Chambers (Kontrabass), Arthur Taylor (Schlagzeug)

Auf dem Cover der Original-LP finden sich zu Coltranes Spiel folgende Charakteristika: Reißend, hochfliegend, heiß pulsierend, bewegend, groovend, schneidend, reitend, gleitend, menschlich-gesanglich, suchend, brenned, luftreinigend (ripping, soaring, hotly-pulsing, moving, grooving, cutting, riding, gliding, human-voiced, searching, scorching, air-cleaning).
Maurice inaktiv (16.09.2023, 13:16):


Chet Baker: Chet Baker Quartet feat. Russ Freeman AD: 1952-1953 (1954, Bonus-Track only)

Chet Baker (Trompete, Vocal-23) - Russ Freeman (Klavier) - Red Mitchell (Bass, 1) - Bob Whitlock (Bass, 2-4) - Carson Smith (Bass, 5-22) - Joe Montragon (Bass, 26) - Bobby White (Drums,1-4) - Larry Bunker (Drums, 5-22) - Shelly Manne (Drums, 23-25) - Bob Neel (Drums, 26)

AD: Track 01: 15.12.1952, L.A. , Tracks 02-04: 17.04.1953, L.A. , Tracks 05-11: 30.07.1953, L.A. , Tracks 12-22: 03.10.1953, L.A. , Tracks 23-25:
27.10.1953, L.A. , Track 26: 10.08.1954, L.A:, Tiffany Club Live

Diese CD beinhaltet die beiden LPs Cool Baker, Vol.1 und Cool Baker, Vol. 2

Wer sich im West Coast Jazz etwas auskennt, wird sehr schnell die Namen Red Mitchell, Carson Smith, Joe Montragon , Larry Bunker und Shelly Manne herauslesen, natürlich auch Russ Freeman.

Hört man sich diese Aufnahmen mit jenen von Miles Davis im gleichen Zeitraum an, wird man recht schnell doch gewisse Unterschiede im Spiel der beiden Trompeter heraushören. Spielt Miles doch öfter mit dem Dämpfer, bevorzugt Baker das offene Horn. Auch agiert Baker etwas kraftvoller und auch technisch reifer als Davis. Baker ist nur drei Jahre jünger als Davis übrigens. Baker wurde damals nicht grundlos wiederholt zum besten Jazztrompeter gewählt, er war damals Miles überlegen, der doch ziemlich stark mit technischen Problemen zu kämpfen hatte (neben seiner Drogensucht).

Es sind Bakers erste eigene Einspielungen, kurz nachdem er das Gerry Mulligan Quartett verlassen hatte, weil Mulligan wegen seiner Drogensucht ins Gefängnis musste. Kurze Zeit später wurde leider auch Baker drogenabhängig, was am Ende auch sein Tod bedeuten würde. Der berühmte Fenstersturz 1988 in Amsterdam war die Folge davon.

Hier bei diesen zeitlos hervorragenden Einspielungen wurde er vom exzellenten Russ Freeman (1926-2002) am Klavier begleitet, einem leider auch sehr unterschätzten Musiker aus Chicago, der aber vor allem an der Westküste um Los Angeles herum agierte. Ab 1955 spielte er 11 Jahre mit Shelly Manne zusammen, dann zog er sich von der Szene weitgehend zurück, gründete 1962 einen eigenen Verlag und komponierte Schlager.

Chet Baker fand 1955 in Dick Twarzick am Klavier einen Seelenverwandten, der aber halt auch den Drogenkonsum mit ihm teilte. Entsprechend setzte sich Twarzick 1955 in Paris den letzten Schuss, als er mit Baker auf Europatournee war und einige wirklich exzellente Einspielungen vorlegte. Welch ein Verlust für Baker und die Musikwelt.

Man höre nur mal auf Track 11 der CD (Batter Up) das im schnellsten Tempo unisono gespielte Zwischenthema. Das lässt klar erkennen, wie fit Baker war, wenn er denn wollte. Man hört aber auch, wie kreativ Freeman ist, wenn es darum geht, um Baker herum zu spielen, ihn beim Thema zu unterstützen oder neue Linien zu finden, die zu Bakers Spiel passen.

Nur wenige Jahre liegen zwischen den Einspielungen von John Coltrane und Chet Baker. Doch wie unterschiedlich die musikalische Auffassung der beiden war, lässt sich hier sofort klar heraushören. Dazu kommt das auch härter begleitende Trio bei Coltrane.
Boris (22.09.2023, 14:22):
Einmal mehr den unfassbar guten Lucas Brar mit einer seiner jazzigen Metallica Interpretationen. Der Humor ist genau meine Wellenlänge...
https://youtu.be/bYxdJ2HDWT4?si=h8Ot4vxbDI-3_jID
Maurice inaktiv (13.10.2023, 00:09):


Chet Baker: "I Remember You" AD: 28.02.1985, Montematre/Kopenhagen, Live

Chet Baker (Trompete, Vocal, Klavier) - Doug Raney (Gitarre) - Jesper Lundgaard (Bass) - Aage Tanggaard (Drums)

Der "verlorene Sohn" ist mal wieder "nach Hause" gekommen, in jenen Club, in dem er auch sein Comeback 1978 feierte. Er war sicher nicht in Bestform, aber er hatte dafür drei ganz hervorragende Begleiter und Solisten zur Hand, die ihn stützten und einfühlsam begleiteten, aber auch großartige Soli spielten, allen voran Bassist Jesper Lundgaard. Aage Tanggaard spielt ein exzellentes Schlagzeug, da ist kein Schlag zu viel oder zu laut, das ist alles total stimmig. Doug Raney passt sich Baker an, hält sich zurück, damit er Baker nicht an die Wand drückt.

Es gibt nur fünf Nummern: "But Not for Me", den alten STandard von den Gershwin-Brüdern, dass auch Mles Davis im Programm hatte, "Broken Wing", von Richie Beirach, "Mardis" von Miles Davis, You got to my Head" Fred Coots und "Just Friends", das bekannte Standardstück von Baker seit den frühen 1950ern.

Die Rezension vom Audio-Magazin damals war knallhart negativ geschrieben. Ehrlich gesagt, kann ich diese harsche Kritik nicht nachvollziehen, auch wenn es sich nicht das beste Album von Baker war. Hier kommt er direkt und ungekünselt rüber, man spürt, dass das Publikum sehr aufmerksam zuhört, auch wenn es natürlich Hintergrundgeräusche gibt. Man will ihn hören, nicht in erster Linie Musik als Hintergrundgeräusch erleben, wie man es heute leider auch in den Jazzclubs erleben kann. Das Publikum ist nicht besser geworden, die Musik allerdings auch nicht.
Maurice inaktiv (06.11.2023, 09:31):



Chet Baker/Art Pepper : Picture of Heath AD: 20./21.11.1956, Los Angeles Pacific Jazz

Im Original als "Playboys" veröffentlicht, wurde 1961 das Album umbenannt. Der Hintergrund dazu ist etwas schwammig, aber man geht nach wie vor davon aus, dass tatsächlich Hugh Hefner, der eigener des "Playboy" dahinterstecken soll. Wirklich bewiesen ist das nicht, doch das Original-Cover konnte eine gewisse Nähe zu den Titelbildern des bekannten Magazins nicht verleugnen. Also kam das Album 1961 mit anderem Titelbild und Namen erneut heraus. Sicher eine sehr kuriose Geschichte.

Was macht das Album nun wirklich aus? Gleich vorneweg: Es ist natürlich absolut unsexistisch, sondern einfach nur saugute Musik im Westcoast Stil. Baker spielt weitaus zupackender als man es sonst von ihm kannte, Art Pepper schrieb nicht nur zwei Stücke des Albums, sondern spielt auch ganz hervorragend. Dazu kamen Phil Urso (Tenorsax; sehr dem sog. "Young-Sound" verpflichtet), der damals nicht so unbekannt war, wie man das heute denken mag. Carl Perkins saß am Klavier, Curtis Counce am Kontrabass und Drummer Lawrence Marable.

Baker, Peper und Perkins waren damals absolute "Junkies" gewesen. Perkins "erwischte" es als Ersten, er verstarb 1958, bevor er überhaupt sein volles Talent hätte entwickeln können. Pepper saß viele Jahre im Gefängnis, Bakers Geschichte wurde oft genug ezählt. Sein spektakulärer Tod passte zur Vita dazu. Counce wurde keine 40 Jahre alt und verstarb 1963 in Los Angeles.

Curtis Counce gehörte zu den vielbeschäftigten Bassisten der Westküste. Er spielte mit Shorty Rogers und Stan Kenton und warab 1956 mit einer eigenen Band unterwegs. Doch seine Hauptbeschäftigung waren die Studios von LA und Hollywood. Auch wirkte er bei zahlreichen Filmeinspielungen als Musiker mit.

Marable (1929-2012) wurde in Los Angeles geboren und war einer der wenigen schwarzen Musiker, die sich dem West Coast Stil verpflichtet fühlten. Eine gewisse Bekanntheit erlangte er als Mitglied Charlie Hadens "Quartett West".

Von den sieben Titeln, wurden fünf von Jimmy Heath geschrieben, dem Saxophonisten und Bruder der beiden Jazzmusiker Percy Heath und Al Heath. Das Album ist irgendwie für mich nichts Besonderes jetzt. Es ist halt eines von vielen, die damals veröffentlicht wurden. Mal etwas weniger unterkühlt, mal etwas mehr.

Die sechs Bonus-Tracks wurden am 26.07.1956 ebenfalls in Los Angeles eingespielt. Auch hier wieder mit einer typischen West Coast-Besetzung: Chrt Baker (Trompete) - Art Pepper (Altsax) - Richie Kamuca (Tenorsax) - Pete Jolly (Klavier) - Leroy Vinnegar (Bass) - Stan Levey (Drums).

Diese Stücke erscheinen mir alle "frischer" und swingender" als jene sieben Nummern zuvor. Das scheint mir auch ganz wesentlich am Drummer Stan Levey zu liegen, meiner Meinung nach einer der besten Drummer überhaupt. Levey gehörte zur allerersten Generation des Bop, der mehr zu Max Roach als Kenny Clarke tendenzierte. 1952-1954 saß er in Stan Kentons Orchester und brachte viel Swing in die Band hinein. Mir persönlich gefällt sein Stil weituas besser als etwa Shelly Mannes oder Kenny Clarks Spiel. Levey war übrigens Linkshänder gewesen. Er spielte auf einer der spektalulärsten Einspielungen der 1950-er Jahre mit: Dizzy Gillespies Album "For Musicians Only" von 1956.
Joe Dvorak (20.11.2023, 17:12):


Hal Galper Quintet - Live at the Berlin Philharmonic 1977

Randy Brecker (Trompete, Flügelhorn), Michael Brecker (Tenorsaxophon), Hal Galper (Klavier), Wayne Dockery (Kontrabass), Bob Moses (Schlagzeug)

Welch ein Frevel! Diese Aufnahmen schlummerten 44 Jahre lang in den Archiven, ehe das Label Origin sie schließlich vor zwei Jahren den Ohren der Öffentlichkeit zugänglich machte. Was für ein fulminanter Auftritt, die Hütte brennt lichterloh, und das ganz ohne Kabel (wobei ich mir nicht sicher bin, ob Dockerys gewaltiger Bass nicht über Mikro und Lautsprecher verstärkt wurde, aber egal). Der Klang ist nicht sonderlich brillant, aber ansonsten sehr realistisch. Randys Horn kommt so voluminös und kraftvoll rüber, dass einem die Spucke wegbleibt. Und Michael war in diesem Jahr ohnehin in der Form seines Lebens, was man unter anderem bei Frank Zappas Konzerten in New York nachhören kann. Die Rhythmusgruppe schiebt, swingt und groovt, dass man unmöglich still sitzen kann, und der Chef gibt den kraftstrotzenden Tyner - ich wette, selbst die Mehrheit der etwas versierteren Jazzfreunde würde beim Blindhörtest glauben, es mit dem Real McCoy zu tun zu haben. Das im selben Jahr erschienene Studioalbum des Quintetts steht bei mir ganz weit oben auf der Jazz-Allzeitliste, aber mit diesem Livedokument fegen sie sich selbst vom Platz.

Ja, selbst ein Dödel wie ich hört die Fehler in der Eröffnungsnummer, aber wenn man ein solches Feuerwerk abbrennt, fängt man sich halt die eine oder andere Brandblase ein.
Gerd (21.11.2023, 09:39):
schöne Tipps hier von Euch; ich hab derzeit wiederholt auf dem Plattenteller, diese LP hier und bin begeistert von den Arrangements und genau der richtigen Balance zwischen freiem Spiel und Eingängigkeit und Komposition:
Joe Dvorak (22.11.2023, 08:28):
ich hab derzeit wiederholt auf dem Plattenteller, diese LP hier
Die Besetzung sieht schon mal gut aus. :thumbsup:
Maurice inaktiv (22.11.2023, 14:27):
ich hab derzeit wiederholt auf dem Plattenteller, diese LP hier und bin begeistert von den Arrangements und genau der richtigen Balance zwischen freiem Spiel und Eingängigkeit und Komposition:
Das Album wurde erstaunlicherweise erst 1979 vom japanischen Blue Note-Ableger veröffentlicht. Eingespielt wurde es bereits am 04.März 1965, in Rudy Van Gelders Aufnahmestudio natürlich. Die CD musste gar bis 1991 warten. Erstaunlich, weil gerade zu dieser Zeit Shorter sehr gut drauf war und seine Alben doch auch sehr gute besprochen worden sind.
Joe Dvorak (23.11.2023, 04:46):


Stomu Yamashta's Go - Live from Paris 1976

Steve Winwood (Gesang, Klavier, Orgel), Al Di Meola (Gitarre), Pat Thrall (Gitarre), Stomu Yamashta (Synthesizer, Perkussion), Klaus Schulze (Synthesizer), Jerome Rimson (Bassgitarre), Michael Shrieve (Schlagzeug), Brother James (Congas), Karen Freidman (Gesang)

Dazu konnte man vor 10 Jahren Wundersames lesen.
Ich hätte gerne mein Gesicht gesehen, als ich diese Platte das erste Mal in der Hand gehalten und die Besetzungsliste gelesen habe. Es erschien mir als eine absolute Unmöglichkeit, dass man Winwood, Schulze und Di Meola unter einen Hut bringt und dabei noch etwas Koheräntes herauskommt. Das Hörerlebnis zerstreute alle Befürchtungen und beeindruckt mich Jahrzehnte später immer noch. Vor allem der sonst so kühl-technokratische Supervirtuose Al Di Meola blüht in diesem ungewohnten Umfeld auf und zelebriert auf Crossing the Line eines der emotional packendsten Gitarrensoli, das je meine Ohren erreichte.
Jaja, so kann man ein halbes Leben lang einer Täuschung aufsitzen, wenn man den eigenen Ohren nicht traut. Di Meola wird im Hüllentext explizit als Solo-Gitarrist herausgestellt. Also war klar, dass er das Solo auf Crossing the Line spielt, auch wenn jeder Dödel hören kann, dass das wirklich null nach ihm klingt. Unlängst las ich in einem Interview mit Thrall (der später bei Asia gespielt hat), dass er dieses Jahrhundert-Solo gespielt hat und Di Meola dafür sogar die Bühne verlassen hat.
Gerd (23.11.2023, 11:21):
..die hab ich auch auf Vinyl irgendwo rumstehen, muß da mal richtig reinhören...bisher hat mich Klaus Schulze abgeschreckt, mit dem hab ich meine Probleme...aber nach den Posts oben werd ich mal der Scheibe eine Chance geben müssen...:-)
Joe Dvorak (27.11.2023, 09:53):


Ozric Tentacles - Live at the Pongmasters Ball 2002

Ed Wynne (Gitarre, Synthesizer), John Egan (Flöte), Christopher Lenox-Smith (Synthesizer), Zia Geelani (E-Bass), Stuart Fisher (Schlagzeug)

Das ist die Gruppe, auf die sich Hippies, Raver und Anspruchshörer als kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können. Dieser Mitschnitt war das letzte authentische Band-Dokument, bevor der Flötist ausstieg und der Gitarrist einen Familienbetrieb mit wechselnden Session-Musikern daraus machte. Es war ein grandioses Konzert und eine unterirdische Leistung des Aufnahme- und Produktionsteams. Die Flöte ist im Mix kaum zu hören und das Klangbild ist seltsam fahl, was bei einer Band, die solch originelle Klanglandschaften kreiert, den Genuss doch etwas schmälert. Aber die Liedauswahl aus dem gesamten Backkatalog mit allen 'Hits' und einige mit einfallsreichen Soloimprovisationen gegenüber den Studioaufnahmen verlängerte Stücke lassen die Waagschale dann doch auf die positive Seite kippen.
Maurice inaktiv (28.11.2023, 00:48):


"Famous Jam Sessions" AD: 1952 - 1954 Hollywood & New York City

Diese Drei-CD-Box beinhaltet Einspielungen der damals noch jungen Plattenfirma "Clef", aus der etwas später "Verve" werden sollte und von Norman Granz gegründet wurde.

Legendär wurde vor allem die erste Session 17.Juni 1952 mit Charlie Parker, Johnny Hodges und Benny Carter. Auch diese Session ist hier mit dabei. Doch ich höre eine Session vom vermutlich 03.August 1953, die unter der Leitung von Count Basie stand, aber die auch noch den brillanten Pianisten Arnold Ross mit aufbot, der bei einer Nummer ("Blues for the Count" am Klavier sitzt, während Basie selbst an der Orgel spielt).

Vor allem "Lady be Good" hat es in sich. Die vielleicht swingenste Studioaufnahme dieses Stückes bis dahin überhaupt. Neben "Lady be Good" wurden "Apple Jam" (mit Basie am Klavier), "Blues for the Count" und das immer vorhandene "Ballad Medley" (mit Ross am Klavier und ohne Basie) eingespielt.

Es spielten: Harry Edison (Trompete) - Buddy de Franco (Klarinette) - Benny Carter, Willie Smith (Altsax) - Wardell Gray, Stan Getz (Tenorsax) - Count Basie (Klavier, Orgel) - Arnold Ross (Klavier) - Freddie Green (Gitarre) - John Simmons (Bass) - Buddy Rich (Drums)

Alleine die Rhythm Section ist ihr Geld alleine schon wert. Der unverwüstliche Freddie Green sorgt für den Beat, Buddy Rich spielt brillant, weiß bei jedem Solisten ganz genau, was er zu tun hat, kommentiert das mal mit der Bass drum, mal mit der Snare, ohne auch nur eine Sekunde lang den Beat zu verlieren. Dass Bassist John Simmons dieses Wahnsinnstempo nicht nur locker mithalten, sondern auch noch unverwüstlich swingen kann, mag man kaum glauben. Dazu kommen die Solisten, die ein Feuerwerk nach dem anderen abbrannten.

Buddy de Franco toppt sie dabei noch, der hier ganz klar beweist, dass er Benny Goodman mal locker nebenbei schwindelig hätte spielen können. Was für ein Musiker !! Ich habe ihn noch in der Spätzeit seines Lebens live in Frankfurt zusammen mit Eddie Daniels und Rolf Kühn erleben dürfen. Sonst hört man Willie Smith, Wardell Gray und Harry Edison. Auch Edison habe ich noch live gesehen. Bei uns im Jazzclub, habe zwei Meter von ihm entfernt gesessen, unmittelbar vor meinem Geburtstag damals. Da war Edison 71 Jahre alt und noch gut drauf.

Bei "Blues for the Count" kann man gut die stilistischen Unterschiede von Wardell Gray und Stan Getz hören. Gray war der "härtere", der "reine" Bopper, Getz der Feinfühlige, dessen Ton noch nicht so luftig wie später bei seinen Bossa-Sachen war, der aber doch schon die Schärfe raus hatte, die Gray noch zeigte.

Auch noch auf der zweiten CD drauf ist ein Teil der Session vom 02.September 1953. "Jamming for Clef" und "Rose Room". Hier wirkten mit:

Roy Eldridge (Trompete) - Johnny Hodges (Altsax) - Illinois Jacquet & Flip Phillips (Tenorsax) - Lionel Hampton (Vibraphon) - Oscar Peterson (Klavier)
- Ray Brown (Bass) - Buddy Rich (Drums)

Auch hier wieder besticht das aberwitzige Tempo in "Jamming for Clef", was übrigens kein anderes Stück als Basis hatte wie "I got Rhythm". Auch hier wieder gibt Buddy Rich am Schlagzeug ein Zeugnis seines unbegrenzten technischen Könnens preis, unfassbar, was er da wieder spielte. Der Mann muss völlig in Extase gewesen sein stellenweise. Und der Meisterbassist, der dieses Tempo völlig locker mitgehen konnte, war natürlich Ray Brown, wer auch sonst?

Illinois Jacquet legte los wie ein Schnellzug, der unbedingt zwei Stunden vor dem Fahrplan ans Ziel kommen wollte. Selbst Roy Eldridge scheint da ein wenig Mühe zu haben, bis er im Tempo spielen konnte. Johnny Hodges dürfte sich nicht wirklich wohl gefühlt haben bei diesem Tempo. Er spielt mir zu wenig im Zusammenhang. Nein, das war nicht der Johnny Hodges, den ich kenne.

Wie es Oscar Peterson geschafft hat, bei diesem Stück noch Stride Piano spielen zu können, vermag ich nicht zu sagen. Doch genau DAS tut er mal so nebenbei in seinem brillanten Solo.
Joe Dvorak (10.12.2023, 07:40):


Georgius - String Theory (2016)

Kunstrock aus Polen. Hinter Georgius steckt Jerzy Antczak, der das Album im Alleingang getextet, komponiert, aufgenommen, gemischt und gemastert hat. Er singt ( mMn nicht unbedingt seine Stärke), spielt Gitarre und Tasteninstrumente, nur für Bass und Schlagzeug sowie gelegentlichen weiblichen Hintergrundgesang hat er sich Verstärkung geholt. Herausragend ist der kreative Einsatz von Synthesizern, denen er sowohl organisch-warme als auch in diesem Umfeld ungewohnte, gleichsam gut integrierte technoid-trancige Klänge entlockt, die den melancholischen, von floydigen Gitarren dominierten Midtempo-Rock ungemein aufwerten.
Sfantu (24.12.2023, 15:12):


Dino Saluzzi

Andina
(LP, ECM, 1988)

Wie wohltuend - das besinnlich-meditative Bandoneon Dino Saluzzis als Kontra-und Schlußpunkt nach all dem überdrehten Adventstrubel.
Eine unbegleitete Stimme nur. Doch sie sagt am Ende alles, was zu sagen ist.
Joe Dvorak (25.12.2023, 02:45):


Jonas Hellborg - Time is the Enemy (Live, 1996)
Shawn Lane (Gitarre), Jonas Hellborg (Bassgitarre), Jeff Sipe (Schlagzeug)

Shawn Lane (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bluegrass-Musiker) verfügte über technische Fähigkeiten, die selbst unter Shreddern der obersten Liga als Furcht einflößend galten. Dass er sie nur selten und dann umso nachhaltiger einsetzte und sich ansonsten auf Melodie und Gefühl statt auf viele Noten konzentrierte, war seine eigentliche Stärke. In dieser Supergroup stellt er seine Mitstreiter, selbst absolute Ausnahmekönner an ihren Geräten, noch in den Schatten. Eines der unentbehrlichsten Live-Alben in meinem Hörfeld.
Joe Dvorak (25.12.2023, 04:25):


Jonas Hellborg - Octave of the Holy Innocents (1993)
Buckethead (Akustik-Gitarre), Jonas Hellborg (Akustische Bassgitarre), Michel Shrive (Schlagzeug)

Auch Buckethead ist ein Gitarrist mit unlimitierten Fähigkeiten, aber im Gegensatz zu Lane weiß er mit dem Begriff Zurückhaltung wenig anzufangen. Bis heute hat er über 600 Alben unter eigenem Namen veröffentlicht (so etwas wie der Leif Segerstam der Rockmusik), und viele davon sind gefüllt mit Hochgeschwindigkeits-Geschredder ohne Sinn für Form und Proportionen. Das ist umso frustrierender, als er hin und wieder wirklich geniale Alben herausbringt, die man nicht so einfach ignorieren kann. Also heißt es, sich durch den Ausschuss wühlen (meist reichen ein paar Sekunden an verschiedenen Stellen), um die Juwelen zu finden. Hier ist er in jungen Jahren an der Seite von Hellborg noch als weitgehend Unbekannter zu hören, und das gehört eindeutig zu den Preziosen.
Joe Dvorak (26.12.2023, 14:36):


Jonas Hellborg / Shawn Lane - Zenhouse (Live, 1999)
Shawn Lane (Akustik-Gitarre), Jonas Hellborg (Akustische Bassgitarre), Jeff Sipe (Perkussion)

Trotz der identischen Besetzung deuten der Albumtitel und die rein akustische Instrumentierung darauf hin, dass es sich hier um ein Gegenstück zur fluiden Krafthaus-Fusion von Time is the Enemy handelt. Zenhouse ist meditativ, aber weit entfernt von New-Age-Gedudel. Die Musiker nehmen sich viel Zeit, um nach und nach in den Tonraum vorzudringen. Hier gilt es, sich in den ruhigen Fluss zu begeben und sich vertrauensvoll tragen zu lassen, bis schließlich in der Conclusion das eingelöst wird, was man sich von diesen Protagonisten verspricht. Es lohnt sich.
Joe Dvorak (28.12.2023, 07:27):


KOM Quartet - 1975 (Live, Liisankatu Studio, Helsinki, 23. Nov. 1975)

Pertti Melasniemi (Gesang, Perkussion), Eija Orpana (Gesang, Violine), Jukka Hauru (E-Gitarre), Eero Ojanen (Klavier, E-Piano), Tapani Tamminen (Kontrabass, E-Bass), Ari Valtonen (Schlagzeug)

Das ist einfach allerbeste Qualität. Wieder so ein Begriff, der viel verwendet und vermeintlich allgemein verstanden wird, der aber, je länger man darüber nachdenkt, immer unschärfer wird. Eine mechanische Armbanduhr, die nach jahrelanger Entwicklungsarbeit mit ausgesuchten hochwertigen Materialien und höchster handwerklicher Kunst gefertigt wurde, hat eine Ganggenauigkeit von +- 2 Sekunden pro Tag (z.B. die besten Rolex- und Omega-Kaliber). Die besten temperaturkompensierten Quarzuhrwerke erreichen 5 Sekunden im Jahr; einer der Massenproduktions-Giganten aus Japan hat unlängst sogar ein Quarzwerk entwickelt, das autonom (d.h. ohne Unterstützung durch Funk- oder GPS-Signale) maximal 1 Sekunde pro Jahr abweicht. Welche Uhr hat nun die bessere Qualität? 90% der Uhrenliebhaber werden die Mechanik nennen, weil sie ihre objektiv vergleichsweise bescheidenen Werte ohne elektronische Hilfsmittel schafft.
Ähm... Moment, wir sind hier in einem Musikforum und es geht um die Jazz-Liisa 4. Hier verhält es sich ähnlich. Bei der hochpuristischen Jazzpolizei fallen die KOMs gnadenlos durch, weil sie -wenn auch moderat- elektrisch verstärkte Instrumente verwenden. Da können sie noch so versiert sein, noch so abwechslungsreich und gleichzeitg geschlossen, noch so unmerklich zwischen originellen Eigen-Kompositionien und Improvisation wechseln, wobei letztere noch so schlüssig aufgebaut und packend ausgeführt sein können. Da nutzt auch ein Alleinstellungsmerkmal wie die bruchlos gelungene Integration kunstliedhafter Passagen (Sopran, Klavier, Kontrabass) nichts.
Ja, ich weiss, der Vergleich hinkt an allen Ecken und Enden, weil er suggeriert, dass Gruppen, die Elektronik einsetzen, objektiv besser sind, was natürlich Quatsch ist - aber bei all dem Unsinn, der tagtäglich im Netz verbreitet wird, spielt das auch keine Rolle mehr.

In einer Nussschale: Das ist eines der besten Live-Jazz-Alben, das man für Geld und gute Worte kaufen kann, elektrische Instrumente hin oder her.
Joe Dvorak (31.12.2023, 04:59):


Ginger Baker - Why? (2014)

Pee Wee Ellis (Tenorsaxophon), Alec Dankworth (Kontrabass), Ginger Baker (Schlagzeug), Abass Doodo (Perkussion)

Was will uns der Herr mit dem Coverbild sagen? Seine Frau war verstorben, er war gesundheitlich schon sehr angeschlagen und konnte kaum noch spielen - aber davon merkt man auf diesem Album nichts und er war als schwieriger Zeitgenosse bekannt. Insofern ist es ein authentisches Porträt aus der Zeit, in der er mit 75 dieses, sein letztes Album aufgenommen hat.
Joe Dvorak (20.01.2024, 08:47):


Richie Kotzen - 2015 Live

Kotzen wurde mit der Flut von Gitarren-Shreddern Ende der 80er Jahre angeschwemmt. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die viele Noten und wenig Musik spielten, entwickelte er sich nach seinem ersten, rein instrumentalen Angeber-Album zu einem echten Songwriter, der den Gesang gleich mit übernahm und auf der Bildfläche blieb. Heute hat er über 20 Solo-Alben im Kasten, die ein breites musikalisches Spektrum abdecken (Blues, Hardrock, Funk, Soul). Dieses Live-Dokument aus dem Jahr 2015 zeigt seine Kunst, eingängiges, substanzielles Liedmaterial mit gekonnten Soloausflügen zu verheiraten und die Spannung auch in den zehnminütigen Titeln zu halten - und das im Power-Trio-Format, nur von Bass & Schlagzeug begeleitet. Sowas gibt es nicht oft!
Joe Dvorak (04.02.2024, 02:43):


Barre Phillips & György Kurtág Jr. - Face à Face (2021)

Barre Phillips (Kontrabass), György Kurtág Jr. (Live-Elektronik)

Nachdem der Paps bei ECM eine Heimstatt gefunden hat und so den inneren Zirkeln der Neutonverehrer entrissen wurde, darf nun auch der Filius ran. Solcherlei Vetternwirtschaft kennt man ja aus dem Klassikbereich von einigen Bs, aber während dort der Nachwuchs außer dem Namen nichts - oder sagen wir es gehässig: noch weniger als der Elter zu bieten hat, brilliert der Junior hier ganz namenlos.
Joe Dvorak (05.02.2024, 01:44):


Barre Phillips - Call me when you get there (1983)

Barre Phillips (Kontrabass)

Kontrabass Solo ist ein schweres Fach, wenn der Prüfer Joe heißt. Da wird schon mal mittendrin abgebrochen, oder am Ende steht ein "befriedigend, aber nicht viel mehr" oder ein "gut bis sehr gut", aber ohne Aussicht auf eine weitere Audition. Der einzige, der die Prüfung bisher mit Auszeichnung bestanden hat, ist Phillips.
Joe Dvorak (07.02.2024, 00:51):


Ron Everett - The Gitter of the City (1976)

Auf diese Scheibe wurde ich aufmerksam, weil ich sie auf irgendeiner Liste der teuerst gehandelten LPs gesehen habe. Da hat jemand glatt 7000 $ dafür hingelegt. Nun haben Sammler oft den Wahn, unbedingt die Erstauflagen berühmter Alben haben zu müssen, aber hier geht es um Musiker, die mit einer Ausnahme kaum überregionale Bekanntheit erlangt haben. Mangels Budget wurden Fotokopien mit Bildern und handgeschriebenem Titel auf ein weißes Cover geklebt und die LPs auf der Straße verkauft. Diese Obskurität allein rechtfertigt freilich kaum solche Unsummen, da muss die Musik schon entsprechend gut sein. Und das ist sie. Auf der A-Seite pendelt das Album zunächst etwas unentschlossen zwischen Free-Jazz, Funk, Soul und Pop, mit heftig überblasenem Saxophon, gesprochenen Passagen, einer weiblichen Gastsängerin (Thaira, die erwähnte Ausnahme) und Latin-Einlagen. Das ist gut gemacht und Spaß machend, und ich meine, es folgt einer ganz eigenen inneren Logik. Es sind aber die zwei Longtracks auf der B-Seite, die mich besonders in den Bann ziehen. Das ist geradliniger Soul-Jazz mit den typischen Ostianti, über denen sich die Solisten ausgiebig treiben lassen. Und Seele ist das richtige Wort für das Spiel der beiden Saxophonisten (die sonst auf keiner anderen Platte zu hören sind) und des Bandleaders an der Trompete, voluminös, warm, eindringlich-intensiv und entspannt zugleich. Das hört man auch von den Großmeistern nicht besser.
Joe Dvorak (08.02.2024, 15:54):


MWM - The Shape of Minds to Come (Live @ The Lab, San Francisco, 7. Mai 2023)

Chandra Shukla (Sitar, Effekte), Scot Jenerik (Baglama Saz, Kurzwelle), Schneider TM (Gitarre, Effekte, Semimodularer Analog-Synthesizer, Organismischer Synthesizer, Klangobjekte, Gesang), John Duncan (Gesang, Klangobjekte, Kurzwelle), Thomas Dimuzio (Analog/Digital Hybrid-Synthesizer, Klangbearbeitung)

Der Titel des Albums und die Instrumentierung versprechen, dass auf der Jagd nach dem Ungehörten interessante Beute gemacht wurde, und der Name John Duncan bürgt dafür, dass dieser Hybrid aus "Weltmusik" und Geräuschkunst nicht nur originell, sondern auch von künstlerischem Wert ist.
Joe Dvorak (11.02.2024, 02:04):

Picture Source: Bandcamp
John Duncan & Guiliana Stefani - Palace of Mind (2001)

"Darf man sagen, dass John Duncan etwas Heiliges geschaffen hat?" - "Ein Gefühl von Vollkommenheit. Am Ende fühle ich mich mit einer unsichtbaren Verbindung vereint und... unglaublich gut." - "PALACE of MIND ist ein narratives Stück, das ohne Unterbrechung gehört werden sollte. Nur dann wird es seine Schönheit offenbaren." - "Kurzum, es ist eine große innere Reise und verdient die ungeteilte Aufmerksamkeit des Hörers. Unbedingt empfehlenswert." Reviews: PALACE of MIND - John Duncan

Wenn der Rezensent eines abstrakten experimentellen elektronischen Werkes so dick aufträgt wie sonst nur Wagner-Verehrer, liegt der Verdacht nahe, dass er sich wichtig machen will, dass er den Uneingeweihten zeigen will, was ihnen entgeht, nur weil sie sich von ihren Vorstellungen, was und wie Musik zu sein hat, nicht lösen wollen. Wenn aber gleich drei Kritiker sich nicht scheuen, Begriffe wie "holy", "sense of completeness (...) unified with an invisible link" oder "great inner journey" zu verwenden, dann steckt vielleicht doch etwas mehr dahinter.
Duncan entdeckte ich bei einer Expedition durch das Repertoire des Ensembles Zeitkratzer, das von zweien seiner elektronischen Werke Transkriptionen für akustische Instrumente angefertigt hat. Es stellte sich aber schnell heraus, dass die Originale besser sind. Das Stück "Flex" (eine Gemeinschaftsarbeit mit Francisco López) hat mich tatsächlich auf eine Große Innere Reise geschickt, die mein kleines Bewusstsein weit aufgerissen hat. Palace of Mind toppt das nochmal. Duncan arbeitet hier mit der Mathematikerin Giuliana Stefani zusammen. Als Ausgangsmaterial dienen Datenfiles, Kurzwellensignale und Stimmen, die bis zur Unkenntlichkeit manipuliert werden und in 50 Minuten labyrinthisch die Architektur eines Palastes und die synaptischen Verbindungen des Gehirns nachzeichnen. Ja, das Hörergebnis klingt so abstrakt wie die Beschreibung - und wirkt so unmittelbar, dass es in die verschüttetsten Winkel des Geistes vorzudringen scheint. Wenn der Begriff "Musik" für Melodie, Harmonie und Rhythmus von richtigen Instrumenten reserviert ist, dann wählt man hierfür halt "Schallarchitektur". Entscheidend ist, was es mit mir macht und wie es mein Dasein bereichert.
Maurice inaktiv (16.02.2024, 10:42):

Duke Ellington: The mid-fifties classic Albums - davon "Historically Speaking" & "Duke Ellington presents...." AD: jeweils 07./08.02.1956, Chicago
Hier präsentiert der Duke erstmals seine nun wieder "fertige" Bigband, deren Umbau mit der Rückkehr von Johnny Hodges und dem neuen Drummer Sam Woodyard abgeschossen ist. Eine neue Ära konnte beginnen, die bis ca. 1967 ging, als Billy Strayhorn verstarb.
Cat Anderson, Clar Terry, Willie Cook und Ray Nance (auch Violine, Gesang) - Trompeten
Britt Woodman, Quentin Jackson, John Sanders (Posaunen)
Johnny Hodges, Russell Procope (auch Klarinette) - Altsax
Paul Gonsalves , Jimmy Hamilton (auch Klarinette) - Tenorsax
Harry Carney (Baritonsax, Klarinette, Bassklarinette)
Duke Ellington (Klavier)
Jimmie Woode (Bass)
Sam Woodyard (Drums)
Jimmy Grissom (Gesang; zum Glück nur ein Titel)
Der Duke nahm hier vor allem seine alten Nummern neu in Stereo auf. "Ellington '55" wurde 1954 eingespielt und bereits viele Solisten in der Band, die auch 1956 dabei waren (etwa den kompletten Trompetensatz). Allerdings hatten er und Billy Strayhorn von 1949-1956 eine gewisse ""Schaffenskrise", und auch die Band musste viele Wechsel seit 1943 hinnehmen. Doch wenn man sich die Aufnahmen anhört, wird man nichts davon spüren. Die Fans des Duke sahen das anders, denn "In the Mood" einzuspielen, war dann doch des Guten zu viel gewesen.
Joe Dvorak (03.03.2024, 12:30):


Jean Luc Ponty (Violine) & Wolfgang Dauner (Klavier) - Live at the Bern Jazz Festival 2011

Das ist nicht unbedingt eine Kombination, auf die ich auf Anhieb gekommen wäre. Aber es passt ganz vorzüglich. Neben 6 Duetten erhält jeder noch je einen Soloauftritt. Das weltweite Netz weiß dazu, dass die beiden, nachdem sie sich Anfang der 70er Jahre aus den Augen verloren hatten, seit 1995 immer wieder als Duo auftraten. Dieses Album wurde posthum nach Dauners Tod veröffentlicht.
Joe Dvorak (10.03.2024, 11:17):


Hawkwind - The Business Trip Live (AD: Nov. 1993)

Dave Brock (Gesang, Gitarre, Synthesizer), Alan Davey (Bassgitarre, Gesang, Synthesizer), Richard Chadwick (Schlagzeug)

Ein fantastisches Live-Album der Space-Rock-Pioniere. Eines der besten überhaupt. Nicht von Hawkwind, sondern in der Geschichte der Rockmusik. Meint Joe. Und findet damit allenfalls die Zustimmung einer spleenigen Minderheit. Aber nicht, weil es kein herausragendes Live-Album wäre. Sondern weil die wenigsten die Band kennen. Diejenigen, die den Namen gehört haben, verbinden damit vielleicht das One-Hit-Wonder "Silver Machine", das auf jeder anständigen 70er-Kompilation vertreten ist. Doch um The Business Trip wirklich zu würdigen, muss man zumindest die Platten kennen, aus denen die 15 Lieder für die Setlist ausgewählt wurden. Dann wird klar, worin - neben der Güte des Songmaterials, den originellen Arrangements und der (bei dieser Band nicht immer selbstverständlichen) makellosen Ausführung - die besondere Qualität liegt: Dass sich die 15 Lieder stark von ihren Originalversionen unterscheiden und so aneinander 'angepasst' wurden, dass das über 20 Jahre umfassende Material, in der gewählten Reihenfolge und fast ohne Unterbrechung gespielt, wie eine als kohärente Suite konzipierte Neukomposition wirkt. Dafür wird die Kappe gezogen.
Joe Dvorak (11.03.2024, 08:47):


Hawkwind - The Future Never Waits (2023)

Dave Brock (Gitarre, Synthesizer, Gesang), Magnus Martin (Tasteninstrumente, Gitarre, Gesang), Tim Lewis (Theremin, Gitarrensynthesizer), Doug MacKinnon (E-Bass), Richard Chadwick (Schlagzeug)

Ich verfolge diese Band mit Unterbrechungen nun schon seit 45 Jahren, sie selbst ist 10 Jahre älter. Bei dem Auf und Ab muss man als Fan schon eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen - es gibt geniale Momente für die Ewigkeit und unbegreiflichen Schrott, beides auch gerne innerhalb eines Albums. Die letzte beinnahe rundum befriedigende Scheibe war Blood of the Earth (2010), danach ging es wieder durchwachsen weiter, wobei zuletzt Somina (2021) eine deutliche Aufwärtstendenz zeigte. Daher waren meine Erwartungen verhalten und gespannt zugleich, als ich auf den Play-Knopf drückte, um den neuesten Streich zu hören. Und ich wollte meinen Ohren nicht trauen: Von der ersten Minute an war ich in den Bann gezogen. Ach du ehrwürdiger Kot, das hätte ich nie und nimmer erwartet! Das ist in meinen Ohren mit Abstand das Beste, das die Hawks in diesem Jahrtausend abgeliefert haben. Es ist allerdings ein vergleichsweise untypisches Album geworden. Die charakteristischen Rocker fehlen weitgehend oder dienen mehr als Rahmen für Ausflüge in außer-, über-, andersweltliche Klanglandschaften, die den besten Ambient-Produktionen in keiner Weise nachstehen - mit dem band-typischen Einsatz von reichlich Elektronik, Samples und Soundeffekten, aber organisch durchwoben mit fast jazzig-loungigen Elementen. Das ist ein kontinuierlicher Fluss, der nicht ziellos mäandert, sondern in sanfter Ebbe und Flut entspannt die Spannung hält, ein Album aus einem Guss, ohne Längen und Ausfälle, und das trotz der bedrohlichen Spielzeit von knapp 70 Minuten. Damit hat der 82-jährige Kapitän Dave Brock mit seiner Mannschaft noch mal richtig einen rausgehauen und knüpft, wenn auch nicht stilistisch, so doch in punkto Qualität an die beste Zeit in der zweiten Hälfte der 70er Jahre an. Möge er uns noch lange erhalten bleiben.
Joe Dvorak (14.03.2024, 08:18):


Saxon - Hell, Fire and Damnation (2024)

Es ist ein beliebter Gag in Rezensionen, zu bemerken, dass diese Gruppe noch aktiv sein wird, wenn die verehrten Leser längst zu Staub zerfallen sind. Zu seinem 73. Geburtstag beschenkt Bandkopf "Biff" seine Fans mit Album Nummer 25 und von Abnutzungserscheinungen ist nichts zu hören. Albumcover und Titel triefen nur so vor Metal-Klischees, aber die können sich das leisten, denn sie waren an vorderster Front dabei, als sich das Genre Ende der 70er samt seiner Stereotypen entwickelte. Seit den 10er Jahren spucken sie wieder konstant höchste Qualität aus. Was das Songwriting angeht, gibt es diesmal zwar wenig Aufregendes zu vermelden, es fehlen die zwei, drei Übersongs, die auf den letzten 5 Alben garantiert waren, aber "Biffs" unverkennbares Stimmorgan und die Gitarrenfraktion mit einem neuen Mann, der aber auch schon seit den 70ern aktiv ist, reißen es doppelt und dreifach wieder raus. Die Opas machen ideale Frühstücksmusik für einen energiegeladenen Start in den Tag, an dem es ein paar Hinterteile zu treten gilt.
Joe Dvorak (17.03.2024, 01:56):


Exodus - Persona Non Grata (2021)

Während das Cover des 11. Albums der Thrash-Metaller die einschlägige Klientel bedient, hat man sich textlich von den American-Psycho-Gewaltfantasien der Anfangszeit verabschiedet und übt sich stattdessen in Sozialkritik. Der Albumtitel zeigt, in welche Richtung es geht. Ausgrenzung, Spaltung, "Canceln" bis hin zur Existenzvernichtung von Menschen mit unliebsamen Meinungen - etwas, das 2021 Hochkonjunktur hatte und auch heute noch sehr aktuell zu sein scheint. Herausragend ist Prescribing Horror, schlichtweg einer der besten Metal-Songs der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Ein gewaltiges Monster-Riff - erschreckend einfach und effektiv treibt diese mit beklemmend boshafter Abscheu gekeifte Mitteltempo-Nummer an, in deren Text einer der größten Medizin-Skandale verarbeitet wird. Den Älteren sind die missgebildeten "Contergan-Kinder" noch in lebhafter Erinnerung. Die USA blieben davon verschont, weil die mit der Prüfung beauftragte Pharmakologin den Antrag auf Zulassung des Medikaments mit der Begründung ablehnte, es gebe keinen ausreichenden Nachweis der Unbedenklichkeit durch strenge klinische Studien. Dafür wurde ihr später vom Präsidenten eine Medaille umgehängt. Heute wird man mit solchen Bedenken schnell zur Persona Non Grata erklärt.
Joe Dvorak (20.03.2024, 04:17):


John Zorn - Nothing is as Real as Nothing (2023)
Bill Frisell, Julian Lage & Gyan Riley (Akustikgitarre)

Wenn man die unsinnige Frage stellen würde, welchen Komponisten ich wählen würde, wenn ich den Rest meiner Zeit nur noch einen hören dürfte, wäre die Antwort nicht weiter schwierig. Es gibt nur einen, der in derart vielen von mir gemochten Genres zuhause ist und in allen Herausragendes geschaffen hat und immer noch erschafft. Das eben gehörte Album gehört nicht ganz zur absoluten Spitze, ist aber trotzdem ein Genuss ohne Reue. Bei drei Akustikgitarren denkt man sofort an Geschredder à la Saturday Night In San Francisco, aber diese introvertierte Session mit Kompositionen, die Zorn Samuel Beckett gewidmet hat, könnte nicht weiter davon entfernt sein.
Joe Dvorak (23.03.2024, 08:17):


John Zorn - Forth Way (2013)
Brian Marsella (Klavier), Jorge Roeder (Kontrabass), Ches Smith (Schlagzeug)

Ich frage mich, woher Zorn immer die Jazz-Musiker und -Ensembles nimmt, die bereit sind, eine ganze Platte -auf der er selbst nicht mitspielt- mit seinen Kompositionen aufzunehmen, ohne auf dem Front-Cover genannt zu werden. Im Jazz ist das völlig unüblich. Selbst wenn ein Ensemble ein, sagen wir, reines Gershwin-Album einspielt, wird es zuerst genannt und dann eben 'Play Gershwin' oder so was in der Art drangehängt. Es mag sein, dass der kompositorische Anteil bei John Zorn größer ist als bei anderen Jazz-Alben, die sich nur der Themen aus den Songbooks bedienen und über die Harmonien improvisieren, aber trotzdem - auf dem Vierten Weg stehen die Ausführenden eindeutig im Vordergrund. Und was für Kaliber das sind. Sie nehmen es locker mit jedem anderen Jazz-Klaviertrio auf, und durch die Stop-Start-Ästhetik mit häufig wechselnden Hörszenarien -hier lugt der Komponist Zorn hervor- ist das weitaus interessanter als 95 Prozent dessen, was in diesem Genre geboten wird. Weil es Wort für Wort stimmt, kopiere ich auszugsweise den PR-Text des Albums Incerto, das ein Jahr zuvor in der gleichen Besetzung plus Julian Lage, Gitarre, erschienen ist. Die Musik ist äußerst vielfältig - wahnsinnig komplex, kraftvoll treibend, herzzerreißend schön - und umfasst komplexe Taktwechsel, atonale Melodien, ungewöhnliche Harmonien und bizarre strukturelle Komplexität. (John Zorn Resource - Incerto)
Nein, ich werde nicht vom Tzadik-Label bezahlt. :saint: Die Musik ist wirklich so gut. :thumbsup:
Joe Dvorak (23.03.2024, 08:32):
(...) Schönberg (...) Dvorak
Auch wenn sie nicht zur Klassik im engeren Sinne gehören, sollte ihnen ein Platz im Vorderzimmer vergönnt sein. :P
Nicolas_Aine (23.03.2024, 10:16):
irgendwie ist mein Gehirn noch im Winterschlaf geblieben. Bin mal gespannt ob das dieses Jahr noch aufwacht...
Joe Dvorak (25.03.2024, 09:21):


John Zorn - Secret Lives (Filmworks XI, 2002)
Masada String Trio (Greg Cohen (Kontrabass), Mark Feldman (Violine), Erik Friedlander (Violoncello)), Jamie Saft (Klavier), Vanessa Saft (Stimme)


John Zorn - Acts of Unspeakable Depravity in the Abominable Life and Times of Gilles de Rais (2016)
Simulacrum
John Medeski (Orgel), Matt Hollenberg (Guitar) und Kenny Grohowski (Schlagzeug)

Zwei völlig unterschiedliche Werke, die man blind gehört kaum mit demselben Komponisten in Verbindung bringen würde - und beide sind in ihrem Genre (Filmmusik bzw. Prog-Metal) erstklassig.
classicana87 (26.03.2024, 12:55):
hatte vorher noch nie was von ihr gehört, aber den aktuellen Hype um Taylor Swift konnte ich doch nicht umgehen. Finde den Song: Is It Over Now?
richtig gut - ist bei mir gerade der Ohrwurm
Maurice inaktiv (07.04.2024, 11:52):
Hier so eine CD, die man nicht einmal bei Amazon gelistet findet:
https://www.discogs.com/de/release/7165528-Rex-Stewart-Rex-Meets-Horn

Rex Stewart : Rex meets Horn AD: 1955-1956
01-06: Rex Stewart (Kornett) - Lawrence Brown (Posaune) - Hilton Jefferson (Altsax) - Danny Bank (Baritonsax, Klarinette) - Hank Jones (Klavier) - Milt Hinton (Bass) - Osie Johnson (Drums)

07-12: Rex Stewart (Kornett) - Tyree Glenn (Posaune) - Coleman Hawkins (Tenorsax) - Claude Hopkins (Klavier) - Billy Bauer (Gitarre) - Arvell Shaw (Bass) - Cozy Cole (drums)
Kornettist Rex Stewart war von Ende 1934 bis Ende 1945 einer der Star-Solisten der Duke Ellington-Band. Bekannt für seine sehr eigenen, teilweise spektakulären Soli (sehr oft mit nur zur Hälfte gedrückten Ventilen, was man in seinem Parade-Stück "Boy Meets Horn" sehr gut hören kann), gehörte er auch technisch zu den besten "Trompetern" des Dixieland und Swing.

1948 war er der erste berühmte Jazzer aus den USA, der sich ins noch total zerstörte Deutschland wagte, und in Berlin für Amiga auch Einspielungen machte. Seine Begleitband bestand wegen des geringen Budgets nur aus jungen, unbekannten Musikern, aber Stewart war in bester Form.

Die Aufnahmen hier sind geteilt. Der zweite Teilist eigentlich keine Stewart-Session, doch zusammen sind sie eine Einheit. Mit Lawrence Brown. Tyree Glenn und Hilton Jefferson spielen auch drei Ex-Ellington-Mitglieder mit, die aber nie zusammen in der Band spielten. Rex spielte nur mit Brown zusammen.

Acht Titel stammen aus dem Repertoire der Ellington-Band, der Rest sind Standards, die man passend dazu ausgesucht hatte.
Joe Dvorak (13.04.2024, 05:40):
Jazztime:



Sonny Clark - Cool Struttin' (1958)

Art Farmer (Trompete), Jackie McLean (Altsaxophon), Sonny Clark (Klavier), Paul Chambers (Kontrabass), Philly Joe Jones (Schlagzeug)

Die zweite Hälfte der 50er waren schon eine verdammt coole Zeit. Der zu der Zeit vorherrschende Hard Bop ist ein Jazzstil, der Elemente seines Vorgängers, des Bebop, aufgreift und Einflüsse wie Blues, Soul und Gospelmusik hinzufügt.
Maurice inaktiv (13.04.2024, 10:36):
Die zweite Hälfte der 50er waren schon eine verdammt coole Zeit. Der zu der Zeit vorherrschende Hard Bop ist ein Jazzstil, der Elemente seines Vorgängers, des Bebop, aufgreift und Einflüsse wie Blues, Soul und Gospelmusik hinzufügt.
Im Prinzip durch die Plattenfirmen Prestige, Blue Note und Savoy sind unzählige Einspielungen entstanden, die, wenn man sie sich heute anhört, doch irgendwie auch ein wenig "steril" klingen, wenn man sie sich immer wieder anhört. Der Bop wurde "geglättet" und "salonfähig" gemacht. Nicht ohne Grund haben Miles, Coltrane, Charles Mingus und dann Ornette Coleman und Eric Dolphy diese "Fesseln" gesprengt.

DIe Zeit 1955-1965 war eine der Hochzeiten des Jazz, in der vermutlich mehr Aufnahmen des "reinen Jazz" gemacht wurden wie in der Zeit zuvor. Und die Worte "reiner Jazz" kann man durchaus auch mit zwei Seiten sehen: Es war das aufkommende Ende des Jazz als wichtigste Musik seiner Zeit, der Rock'n Roll und dann der "Beat" und "Twist" haben ihn abgelöst. Dieser "reine, puristische Jazz" war dann die ganzen 1970-er Jahre im Grunde "tot". Viele Musiker sind für viele Jahre von der Bildfläche verschwunden (Gary Bartz etwa, Charles Mingus, auch Monk, selbst Miles Davis zog sich dann auf Jahre zurück, und der war nicht gerade unkreativ gewesen).

Übrigens war dabei auch der Tod zahlreicher sehr kreativer Musiker verwantwortlich, etwa Coltrane, Dolphy, Lee Morgan, Duke Ellington sind zwischen 1964 und 1974 verstorben.

Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass man den Hard Bop bis zum Ende des Miles Davis Quintetts und dem Aufkommen des Free Jazz völlig gleichberechtigt parallel hören und genießen konnte. Sonny Rollins brachte dann den Calypso mit rein (1963 durch den Welthit "St.Thomas" etwa).

Art Blakey's Jazz Messengers blieben diesem Stil mit im Grunde nur leichten Modernisierungen bis zum Tode Blakeys treu. Horace Silver mit seiner Band ebenso.
Maurice inaktiv (27.04.2024, 09:53):


Heute mal Muggsy Spanier, dem vielleicht "schwarzesten" weißen Kornettisten der damaligen Zeit. Spanier (1901-1967) war stark von Louis Armstrong und King Oliver beeinflusst, vor allem, was seine Verwendung des Plunger-Dämpfers anging, den er außerhalb des Ellington-Kreises meisterhaft verstand einzusetzen.

Spanier spielte 1921 bei dem Pianisen Elmer Schoebel seinen ersten professionellen Job und ging dann zu den Chicago Rhythm Kings, mit denen auch Frank Teschemacher, Gene Krupa, Eddie Condon und Mezz Mezzrow spielten. Von 1929 bis 1936 wirkte er in der Band von Ted Lewis mit, in der auch zeitweise etwa Jimmie Dorsey und Benny Goodman spielten. 1936-1938 war er bei Pen Pollack gewesen.

Spanier hatte sein Leben lang eine starke Zuneigung um Alkohol, wie leider so viele großartige Künstler. 1939 gründete er seine eigene Band, "Muggsy Spanier's Ragtime Band", die im gleichen Jahr bahnbrechende Aufnahmen machte (mit dem Posaunisten George Brunies und dem Pianisten Joe Bushkin). 1940 machte er nur im Quartett Einspielungen an denen Sidney Bechet, Carmen Mastren (Gitarre) und der Ex-Ellington-Bassist Wellman Braud mitwirkten, die man als einen Höhepunkt von "kammermusikalischen traditionellen Jazz" bezeichnen konnte.

Anschließend leitete er erneut eine eigene Band, zeitweise auch Bigband, die aber nur mäßigen Erfolg hatte. 1943/44 machte er wieder bahnbrechende Aufnahmen für das Label Commodore. Bis 1949 tingelte er mehr oder weniger mit eigenen, kleinen Bands hin und her. Von 1949 bis 1957 ging er dann wieder auf weitere Tourneen mit einer eigenen Band, in der etwa Darnell Howard Klarinette, Floyd Bean Klavier und Truck Parham Bass spielte. Später kam auch Barrett Deems dazu, der dann vier Jahre mit den Armstrong All Stars um die Welt reisen sollte.

Ab 1957 spielte er oft mit Earl Hines zusammen, die eine hervorragende All Star-Band betreuten, die den Puristen mehr erfreuten, als etwa die Armstrong All Stars. Hier wirkten Darnell Howard, Jimmy Archey an der Posaune (er wirkte einige Jahre in der Armstrong-Bigband mit), die New Orleanser Bass-Legende Pops Foster und drummer Earl Watkins mit.
Spanier spielte 1960 auf den Essener Jazztagen und in Frankfurt, 1964 beim Newport Jazz Festival, dann musste er sich von der Musik zurückziehen. Der Alkohol hatte ihn zerstört.

Die Aufnahmen hier auf dieser Doppel-CD von Membran bringt Aufnahmen von 1939 bis 1946 zu Gehör, darunter jene mit Sidney Bechet von 1940 (4 der 7 Stücke leider nur), die Commodore Session von 1944, aber auch 8 der 16 Nummern seiner Band von 1939. Nichts Halbes und nichts Ganzes, aber für den Preis macht man trotzdem nichts falsch.
Maurice inaktiv (04.05.2024, 11:27):


Louis Armstrong: My Musical Autbiography , Part 1 AD: vor allem Dez. 1956 & Januar 1957, New York
Doppel-CD, CD 01 ist hier gelaufen.

Die Grundbesetzung sind seine All Stars, die in folgender Besetzung hier spielen:

Louis Armstrong (Trompete, Gesang, Sprecher) - Trummy Young (Posaune) - Edmond Hall (Klarinette) - Billy Kyle (Klavier) - George Barnes (Gitarre; als Gast bei vielen Stücken) - Squire Gersh (Bass) - Barrett Deems (Drums) - Velma Middleton (Gesang)

Hinzu kommen bei einigen Stücken der Trompeter Yank Lawson, Hilton Jefferson & George Dorsey (Altsax), Selton Powell, Lucky Thomposon (Tenorsax). Dave McRae (Baritonsax), Everett Barksdale (Gitarre, bei 2 Stücken der zweiten CD).

Die Entstehung dieser Einspielungen alleine wären schon einen Roman wert. George Avakian, Produzent bei Columbia, war dafür der verantwortliche Mann gewesen. Er hatte auch die Alben "Armstrong spielt Fats Waller" und "Armstrong spielt W.C. Handy" produziert. Oftmals war Armstrongs Blutsauer, äh, Manager Joe Glaser das Hauptproblem gewesen.
So wurde am Ende nicht die Columbia, sondern Decca mit Produzent Milt Gabler damit beauftragt. Glaser hatte sich mit Avakian überworfen, weil sich dieser nicht auf den horrenden Gagenforderungen eingelassen hatte.

Auf jedem Fall heuerte man Sy Oliver (Selbst ein sehr guter Trompeter) und Bob Haggart als Arrangeure an, um die alten Stücke neu zu bearbeiten. Oftmals gelangen Armstrong, aber auch den exzellenten Musikern, erneut herausragenede Soli, die jenen aus den 1920ern/frühen 1930ern ebenbürtig waren. Nur Sängerin Velma Middleton konnte mit ihrer Stimme niemals die großartige Stimme von Ma Rainey erreichen.

Ein weiterer Problemfall war der Drummer Barrett Deems, den Armstong zwar sehr mochte, der aber bei den All Stars viel zu monoton spielte (er tat das zuvor und anschließend nie wieder, aber als er später danach gefragt wurde, sagte er, dass Armstrong es genau so wollte. Das dürfte sogar stimmen, weil Armstrong zuvor mit seinen beiden Drummern Cozy Cole - selbst einer der Großen seines Fachs - und dessen Nachfolger Kenny John, immer wieder Stress wegen Tempi und bei John, wegen seines vorlauten Mundwerks, hatte).

Hier kommen viele alte Klassiker wieder zu Ehren, Stücke, die er seit Jahren und Jahrzehnten nicht mehr gespielt hatte. Einige Stücke wurden auch aus alten Einspielungen übernommen und nicht wieder eingespielt.
Maurice inaktiv (08.05.2024, 10:41):


Duke Ellington: Happy Birthday Duke !! 29th Birthday Sessions AD: 29.04.1954, Portland , Live

Aufmerksam geworden bin ich auf diese Aufnahmen durch Zufall in der Facebook-Gruppe zu Duke Ellington. Ich bin mir aber sehr sicher, dass diese Aufnahmen vor sehr vielen Jahren mal auf einer Tripple-LP-Box veröffentlicht wurden, aber ohne die genaue Datierung, zumindest teilweise. Diese Box habe ich aber schon viele Jahre nicht mehr, so dass ich nicht gegenhören kann.

Die ganzen Aufnahmen wurden aber tatsächlich 1954 in Portland gemacht. Dafür habe ich aus zwei Büchern Informationen bekommen. Sowohl die genaue Ortsbezeichnung, die Besetzung und die Titelauflistung. Vor allem auf "Jazz Records 1942-1980, A Discography, Vol. 6, "Duke Ellington" von Ole J. Nielsen, falls es jemanden sehr genau interessieren würde. Dort werden die Firmen "Jazz Guild" und "Phontastic" als Hinweise auf Veröffentlichungen angegeben. Die Band spielte dort auch noch am 01.Mai 1954. Allerdings wurde die Aufnahmen am 29.04.54 im McElroy's Ballroom gemacht, jene am 01.Mai 54 im Jantzen Beach Ballroom.

Die Aufnahmen klingen für live 1954 aus einem Ballroom gut, aber nicht überragend. Die Band war richtig gut drauf, von einer "Schwächeperiode" 1950-1955 nehme ich von Jahr zu Jahr immer mehr Abstand.

Hier die Besetzung:

Cat Anderson, Clark Terry, Willie Cook, Ray Nance (Trompeten) Nance auch Geige und Gesang Britt Woodman, Quentin Jackson, Juan Tizol (Posaunen) Rick Henderson, Russell Procope (Altsax) Procope auch Klarinette Paul Gonsalves, Jimmy Hamilton (Tenorsax) Hamilton auch Klarinette Harry Carney (Baritonsax und Bass-Klarinette) Duke Ellington (Klavier) Wendell Marshall (Bass) Butch Ballard (Drums) Jimmy Grissom (Gesang) zum Glück nicht zu oft. Die Jazznummern singt Ray Nance in der Regel

Es sind insgesamt 50 Titel (darunter 3 x Take the A-Train) auf die vier CDs verteilt, darunter viele Nummern, die später nicht mehr im Progamm waren, etwa Gershwins "Liza", "Stomp, Look & Listen" aus "Black, Brown, and Beige", "Time on my Hands", "all The Things You Are", die wunderbare Ballade von Oscar Hammerstein, "Trumpet No End" a la "Blue Skies", "Primping at the Prom", "Blue Moon" "Ballin' the Blues" oder "Isle of Capri".

Ja, der Duke wurde dafür geächtet, dass er Titel wie "Isle of Capri", "Flying Home", Stompin' at the Savoy" oder gar "In the Mood" gespielt oder aufgenommen hat, aber das waren und sind noch heute bekannte Tunes, auf die die Leute tanzen konnten und die sie kannten. Andere Bigbands spielten nur solche Stücke, und die waren sehr erfolgreich damit.
Die Highlights in Vol.1 sind für mich ohne Zweifel "Caravan", endlich wieder mit Juan Tizol an der Ventil-Posaune, "Perdido", wenn auch nicht ganz so feurig wie die Studio-Aufnahme und Ray Nance als Sänger in "Just Squeeze Me" von Duke himself.

Butch Ballard machte eine hervorragenden Job am Schlagzeug, wenngleich er auch nicht an Louis Bellson herankommt. Bei Bellson war doch mehr Zug dahinter.
Maurice inaktiv (14.05.2024, 09:50):



Duke Ellington: Happy Birthday Duke !! 29th Birthday Sessions AD: 29.04.1954, Portland , Live
Nun daraus die Volume 3

Dieses Mal mit "Things, ain't what they used to Be", "The Hawk Talks", "C-Jam Blues", "Tenderley", "All the Things You Are", "Solitude" (Jimmy Grissom Gesang), "She Moved" (im Grunde ein typischer Kansas City Blues, aber leider ohne JImmy Rushing oder Joe Williams, sondern erneut mit Grissom), hier dann das obligatorische "Happy Birthday" für den Duke selbst, "Mood Indigo", "Trumpet No End" alias "Blue Skies" und zum Ende dann kurz "Take the A-Train".

Solisten sind: Russell Procope (Altsax, Klarinette), Rick Henderson (Altsax), Paul Gonsalves (Tenorsax), Jimmy Hamilton (Tenorsax), Britt Woodman (Posaune) , Ray Nance, Cat Anderson, Willie Cook und Clark Terry (Trompeten), Butch Ballard (Drums).

Es gilt weiterhin, dass ich Dich Band alles andere als "langweilig" oder "tot" empfinde. Durch die damals für die Band neuen Nummern auch anderer Komponisten hat der Duke allerdings schon etwas seine persönliche Schaffenskrise überspielen versucht.
Joe Dvorak (15.05.2024, 03:37):


David Sanborn - Heart to Heart (1978)

David Sanborn (Altsaxophon), David Spinozza (Elektrische & Akustische Gitarre), Hugh McCracken (E-Gitarre, Slide-Gitarre), Don Grolnick (Klavier), Richard Tee (E-Piano, Klavier, Orgel), Mike Mainieri (Vibraphon), Herb Bushler (E-Bass), Anthony Jackson (Bundlose Bassgitarre, 1/7 tracks), Steve Gadd (Schlagzeug), Gil Evans (Bläsersektion Arrangement & Leitung, 1 Track)

Aus aktuellem Anlass. Danke an Maurice fürs Posten. Die Frage, welches Album es sein soll, wenn man nur eines haben will, ist für mich bei Sanborn leicht zu beantworten. Dieses hier, entstanden, bevor er allzu sehr ins Poppige abdriftete, muss es sein, unter anderem wegen eines von Gil Evans arrangierten Tracks mit einer Bläsersektion, bei der einem ob der Ansammlung von großen Namen ganz schwindelig wird. Auch der Rest ist ohne Ausfälle, mit vielen großen Momenten sowohl des Maestros selbst als auch seiner Mitstreiter.
Maurice inaktiv (15.05.2024, 13:05):
Mit Don Grolnick sitzt hier jemand am Klavier, der auch völlig überraschend und viel zu früh in der Blüte seines Lebens die Erde verlassen musste. Er verstarb am 01.Juni 1996 im Alter von nur 58 Jahren. Er spielte u.a. mit den Brecker Brothers, Bob Mintzer, Billy Cobham und vor allem John Scofield.
Maurice inaktiv (16.05.2024, 11:15):


Weiter geht es mit Volume 1 aus der Edition.

Erneut wechseln sich Raritäten aus dem Ellington-Repertoire ("Lullaby of Birdland" - war nur von ca.1950-1954 und kruz um 1960 im Band-Book drin, "Time of my Hands", "Don't worr 'bout Me", "Liza", "Boodah", "Stomp, Loo and Listen") mit alten Bekannten ab. Dazu gehören "Zake the A-Train" (hier mal komplett), "Creole Love Call" udn "Happy Go Lucky Local".
Solisten sind hier Paul Gonsalves, Jimmy Hamilton (Klarinette), Clark Terry, Ray Nance (Trompete), Britt Woodman, Cat Anderson.

Hier kommt mir erstmals eine gewisse Unausgeglichenheit in den Kopf. Die Raritäten sind jetzt nicht die Offenbarungen, die man unbedingt gebraucht hätte. Ausnahme ist "Lullaby of Birdland". Die beiden Balladen sind irgendwie langweilig, wobei "Time of my Hands" eine schöne Nummer ist. Doch man spürt irgendwie, dass das keine Nummern sind, die man oft hören konnte. Die Musiker fremdeln ein wenig mit den Stücken.

Gleich noch Volume 4 hinterher, dann bin ich durch mit der Box.

Hier kommen der "VIP-Boogie", "Jam with Sam", "Take the A-Train" in der gesungenen und instrumentalen Fassung, "Flamingo", "I got it Bad, and that ain't good/ I'm just a lucky So-and-So", das neue "Ballin' the Blues" und ein kurzer Teil "Satin Doll" zu Gehör. Exoten sind "Isle of Capri" und "Bunny Hop Mambo" von Ray Anthony.. Zwei seltsame Stücke für Ellington.

Butch Ballard spielt auch hier wieder mitreißend und swingend, gerade bei "Jam with Sam" macht er das ganz großartig. Ohen Grund wurde er nicht Nachfolger von Louie Bellson.

Insgesamt eine sehr interessante Box aus einer Zeit der Band, die durch die zahlreiche Abgänge, Umbesetzungen und durchaus einer gewissen Stagnation durch die zündeten Ideen das Teams Ellington/Strayhorn, die sich irgendwie nicht so recht mit der neuen Band anfreunden konnten. Der Duke scheint viele Titel wahllos in die Band bringen wollen, die aber nicht so recht zündeten.
Maurice inaktiv (17.05.2024, 10:56):


Dave Brubeck: At The Free Trade Hall AD: 20.02.1958 , Live, Manchester / GB
Diese Doppel-CD enthält die ersten bis dato allerersten Aufnahmen des legendären Dave Brubeck-Quartetts mit :

Paul Desmond (Altsax) - Dave Brubeck (Klavier) - Gene Wright (Bass) - Joe Morello (Drums)

Es sind bereits einige Stücke dabei, die Dauerbrenner im Repertoire der Band bleiben sollten: "Gone with the Wind", "The Duke", "Take The A-Train" und der "St.Louis Blues" etwa. "Take Five" war zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal geschrieben worden und fehlt deshalb hier noch.

Die Aufnahmen sind technisch noch keine Offenbarung, aber damit kann man auf Grund der Bedeutung dieser Veröffentlichungen locker leben.
Maurice inaktiv (06.06.2024, 11:18):


Buck Clayton: Jam Session, Vol. 1 AD: 14. & 16.12.1953, NYC

01-02 : 14.12.53 03-05 : 16.12.53

Buck Clayton & Joe Newman (Tp) -Urbie Green & Benny Powell (16.12.53 Henderson Chambers) - Lem Davis (As) - Julian Dash (Ts) - Charlie Fowlkes (Bs) - Sir Charles Thompson (Klavier, Celeste) - Freddie Green (Git.) - Walter Page (Bass) - Jo Jones (Drums)

Buck Clayton nahm 1953-1956 einige der besten Mainstream-LPs auf, in denen er zeigte, dass man auch ohne Bop aus dem Swing heraus wunderbare Aufnahmen machen konnte. Er wählte dabei die beste Swing-Rhythmusgruppe aller Zeiten, zusammen mit einem Pianisten, der einen klaren Basie-Touch hatte. Als Count Basie diese Aufnahmen zu hören bekam, fragte dessen Frau Catherine, wann er denn diese Aufnahmen gemacht hätte.

Joe Newman, Benny Powell, Henderson Chambers und Charlie Fowlkes gehörten zur damals aktuellen Basie-Band. Julian Dash spielte viele Jahre bei Erskine Hawkins. Fowlkes spielte von 1944-1949 bei Lionel Hampton und von 1952-1969 und 1975-1979 bei Count Basie. Er verstarb während seiner Zeit bei Basie völlig unerwartet 1979.

Sir Charles Thompson gehörte zu den Wegbereitern des Bop als Pianist und Komponist. So schrieb er "Robbin's Nest", einem Jazz-Klassiker. Er spielte einen sehr ähnlichen Stil wie Count Basie, gerade hier bei den Swing-Nummern. Urbie Green gehörte zu den gerade frischen, neuen Posaunisten, die durch großes Können sowohl Swing als auch Bop spielen konnten. Er war u.a. in den Bigbands von Gene Krupa und Wood Herman, wirkte dann bei Benny Goodman mit (auch zu hören in der "Benny Goodman-Story" als Solist) und galt als einer der besten Posaunisten damals. Er selbst macht auch hervorragende Aufnahmen als Bigband-Leiter.

Lem Davis (1914-1970) gehört zu den weitgehend unbekannten Musikern der Swing-Ära. Er wirkte 1944 bei Eddie Heywood und den legendären Commodore-Sessions mit dessen Sextett und Billie Holiday mit. Nach diesen Einspielungen geriet er weitgehend in Vergessenheit. Er spielt einen seltsamen Misch-Stil, bei dem man einerseits meint, eine sehr frühe Form von Paul Desmond zu hören, wenn auch ein deutlich "schwarzer" Desmond, als ob dieser versuchen würde Rhythm & Blues zu spielen. Sehr luftig, aber für die Modernisten nicht modern genug, für die Traditionalisten zu modern wiederum. das dürfte ihm auch zum Verhängnis geworden sein.

Buck Clayton galt als einer der besten Arrangeure des Swing, auch wenn man seinen Namen nur selten hört. Er schrieb einige Stücke für Basie, etwa "Love Jumped Out" 1940, oder die bekannteren "Red Bank Boogie" 1944 und "Seventh Avenue Express" 1947. Dazu galt er mit Lester Young und Teddy Wilson als die bevorzugten Begleiter von Billie Holiday in den späten 1930-er Jahren. Als er 1991 verstarb, hatte er erneut eine Bigband geleitet, die hochkarätig besetzt war und er die Nummern schrieb und arrangierte.
Maurice inaktiv (13.06.2024, 13:19):


Buck Clayton: Jam Sessions from the Vault oder "All the Cats Join In" AD: 1953-1956

Die legendären Jam Sessions, die Buck Clayton vor allem 1953 auf damals CBS einspielten, gehören zum Besten, was der damalige Swing-Mainstream zu bieten hatte. Die auf der CD ersten sechs Titel gehören zur Original-Veröffentlichung, die beiden letzten Stücke sind entweder Alternate Takes oder gar die Mastertakes, die man auf den entsprechenden LPs, bzw. CDs viel besser bekommt, weil dann komplett. Hier sie dazu zu geben, ist reine Augenwischerei und damit unsinnig.

"All the Cats Join In", "After Hours" und "Don't you Miss your Baby" wurden am 05.03.1956 in New York für CBS/Columbia eingespielt. "Lean Baby" stammt vom 16.12.1953, ebenfalls New York, Columbia-Studios. An diesem Tag wurden noch andere Stücke aufgenommen. "Out of Nowhere" und "Blue Lou" stammen vom 15.03.1955, ebenfalls New York, Columbia Studios.
Joe Dvorak (18.06.2024, 10:58):


Tiny Grimes with Coleman Hawkins - Blues Groove (1958)

Coleman Hawkins (Tenorsaxophon), Tiny Grimes (Gitarre), Ray Bryant (Klavier), Musa Kaleem (Flöte), Earl Wormack (Kontrabass), Teagle Fleming Jr. (Schlagzeug)

Das Album erschien zunächst als Tiny Grimes with Coleman Hawkins, doch Grimes kennt heute kaum noch wer, deswegen prangt der große Tenor groß auf dem Cover der Wiederveröffentlichung dieser Session - mit einem Extra-Track, der auf der LP ausgespart wurde.
Maurice inaktiv (18.06.2024, 13:14):
Das Album erschien zunächst als Tiny Grimes with Coleman Hawkins, doch Grimes kennt heute kaum noch wer, deswegen prangt der große Tenor groß auf dem Cover der Wiederveröffentlichung dieser Session -
Was sehr schade ist. Tiny Grimes war mit George Barnes, Al Casey und Lawrence Lucie ein Pionier der elektrischen Jazzgitarre. Alle drei kamen aus der Swing-Ära, wobei Barnes mit Jahrgang 1921 der Jüngste war davon. Barnes setzte 1935 erstmals die elektrisch verstärkte Gitarre ein, nur knapp später tat dies auch der bald legendäre Charlie Christian ebenso.

Zwei weitere früher Vertreter der elektrischen Gitarre waren Bus Etri bei Charlie Barnet, der 1940 bei einem Autounfall mit zwei weiteren Bandkollegen ums Leben kam und bei Benny Goodman Mike Bryan. Bryan hatte das große Glück, noch mit Christian bei Goodman zusammen zu spielen, wobei Bryan da noch unverstärkt spielte. Als Christian dann im Krankenhau lag, übernahm er dessen Platz (auch in den kleinen Besetzungen). Auch ihn kennt heute kein Mensch mehr.
Maurice inaktiv (23.06.2024, 09:28):


Pocket Jazz : Jam Session, Vol. 1
Daraus die Titel 3 und 4 : Im Original aus der LP "Mel Powell - Jam Session , AD: 09.04.1954

Buck Clayton, Joy Brower (Tps) - Ruby Braff (Cornet) - Urbie Green , Vernon Brown (Tbs) - Tony Scott (Cl) - Lem Davis (As) - Buddy Tate (Ts) - Romeo Penque (Bs) - Mel Powell (Klavier) - Steve Jordan (Git.) - Milt Hinton (Bass) - Jo Jones (Drums) - bei 4 kommen noch Eddie Shu (Ts), Teddy Napoelon (Klavier) und Gene Krupa (Drums) dazu

"I've found a new Baby" und "After You've Gone" heißen die beiden Stücke.

Mel Powell (1923-1998) wurde als Melvin Goldstein geboren und war einer der vielleicht talentiersten Musiker überhaupt. 1941 kam er zu Benny Goodman, der sofort erkannte, was er da für einen außergewöhnlichen Musiker verpflichtete. Er konnte nicht nur überragend Klavier spielen (er spielte in der Tradition eines Art Tatum, Teddy Wilson oder auch Jess Stacy), sondern auch exzellent arrangieren und komponieren. "The Earl" wurde sein erster Erfolg darin.

1943-1945 spielte er in der Army Air Force Band von Glenn Miller. Auch dort bewährte er sich in beiden Rollen, aber auch bei Jam Sessions, die 1945 in Europa stattfanden. Einige dieser Sessions wurden später auf LP veröffentlicht und gelten heute als begehrte Sammlerstücke. Ich hatte eine dieser LPs. Leider ist die Sound darauf sehr schlecht, kein Wunder, nach dem Krieg in Europa war das Schellack dort sehr knapp gewesen. Auch mit Django Rheinhardt spielte er damals.

Nach seinem Dienst bei Miller ging er zurück zu Goodman. 1946 wirkte er bei einer der ersten "Jazz at the Philharmonic"-Konzerte an der Seite von Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Lester Young mit. 1948 wirkte er im Film "A Star was Born" mit. Erneut war er bei Goodman gelandet. In dem Film spielte er sich selbst. Dann fand leider ein völliger Wechsel bei ihm statt. Er studierte in Yale bei keinem Geringeren als Paul Hindemith Komposition von 1948-1952. Doch 1954 spielte er im neuen Sextett und Septett Benny Goodmans mit (zusammen mit Ruby Braff, Urbie Green, Steve Jordan und Drummer Bobby Donaldson).

1958-1969 war er in Yale Professor für Komposition, gründete das "Yale Electronic Music Studio" und war Mitgründer und Herausgeber der "Perspectives of Modern Music" . 1969-1978 war er Gründungsdirektor des "California Institute of Arts", dann dort weiterhin Dekan. 1987 erhielt er den Pulitzer-Preis für seine Komposition "Duplicates", einem Werk für zwei Klaviere und Orchester. Zum Glück spielte er ab 1987 auch wieder Jazz.

Powell bleib frei von Skandalen, führte sonst ein eher zurückgezogenes Leben und war von 1946 bis zu seinem Tode mit Martha Scott verheiratet, einer Schauspielerin.
Maurice inaktiv (05.07.2024, 09:04):




Diese beiden Alben gehören für mich zu den swingensten Alben, die ich besitze.

Es sind zwei Alben, die Paul Quinichette im Umfeld der Basie-Musiker und der Basie-Band zeigen. Paul Quinichette, (1916-1983) wurde "Vice-Pres" genannt, weil er die Spielweise von Lester Young so sehr zu seiner eigenen gemacht hat, dass Young selbst es nicht glauben konnte und fast wahnsinnig wurde. Sein Background ist nicht unähnlich jenem von Lester Young: Er begann mit Klarinette und Altsax, bevor es ihn zum Tenorsax zog. So spielte er mit Jay McShann, Johnny Otis, Red Allen, Lucky Millinder, Milt Buckner, Hot Lips Page und Red Allen, bevor er 1952-1953 bei Basie spielte.

Auf "For Basie" wirkten am 18.10.1957 mit:

Shad Collins (Trompete) - Paul Quinichette (Tenorsax) - Nat Pierce (Klavier) - Freddie Green (Gitarre) - Walter Page (Bass) - Jo Jones (Drums)

Während Nat Pierce als "der weiße Count Basie" galt, waren Greene, Page und Jones mit Basie zusammen die "All American Rhythm Section". Shad Collins spielte 1939-1940 kurz bei Basie.

"Basie Reunion" wurde ein knappes Jahr später eingespielt: Am 05.09.1958. Dabei waren dann:
Buck Clayton, Shad Collins (Trompeten) - Paul Quinichette (Tenorsax) - Jack Washington (Baritonsax) - Nat Pierce (Klavier) - Freddie Green (Gitarre) - Eddie Jones (Bass) - Jo Jones (Drums)

Auch hier die gleiche Ausgangslage. Auch die neu dazu gekommenen Musiker spielten bei Basie, Eddie Jones war zu dieser Zeit Basies Bassist gewesen. Walter Page war leider nur wenige Monate nach der letzten Einspielung verstorben. Buck Clayton war einer der Starsolisten der Basie-Band von 1937-1943.

Jack Washington spielte von 1936-1944 und erneut 1948-1950 bei Basie. Er wurde nie als Solist bekannt. Zu der Zeit der Aufnahmen war er eigentlich überhaupt nicht mehr aktiv gewesen. Eddie Jones kam 1953 oder 54 zur Basie-Band und spielte bis 1962 mit ihr. Später wirkte er bis zu seinem Tod 1997 bei den Newport Jazz Festival All Stars mit als Nachfolger von Slam Stewart. Im Rahmen dieser Besetzung konnte ich ihn noch live sehen.

Alle Titel wurden damals für die Basie-Band geschrieben, bzw. von ihr gespielt. Etwa "Rock-A-Bye Basie", "Jive at Five", "Texas Shuffle", Roseland Shuffle", "John's Idea" oder "Love Jumped Out". Das Schöne hier ist, dass man auf die eigentlichen Schachtrösser verzichtet hat. "Jive at Five" war das auf beiden CDs eingespielte Stück, was vermutlich am meisten noch bekannt sein könnte.

Beide Alben wurden vom legendären Rudy Van Gelder in seinem Studio in Hackensack aufgenommen. Man kann es heute noch hören, dieser Mann war eine Klasse für sich. Die Aufnahmen klingen auch fast 70 Jahre später noch taufrisch und sauber. Echt der Hammer !! DANKE, für diese großartige Leistung !!
Joe Dvorak (18.08.2024, 10:19):


The Damned - Music for Pleasure (1977)

Ja, manchmal darf und muss es genau das sein: Musik zum Vergnügen und sonst nichts.
Markus S (22.11.2024, 19:22):
Mark Knopfler - The Boy

https://youtu.be/U4nAokkN0ao?si=5zRnh89TR1jt3JMD
Sfantu (23.11.2024, 19:14):
@Markus S,

auch von mir ein herzliches Willkommen!
Pop-Musik höre ich nur sporadisch. Im Grunde muß immer erst jemand zu Besuch kommen, der keine Klassik hört um den Anstoß dazu zu geben. Zu Knopfler kommen mir spontan die Kindheitserinnerungen in den Sinn, als die "Sultans of Swing" im Radio rauf und runter liefen.

"The Boy" kommt doch ziemlich nachdenklich rüber, finde ich. Vater-Sohn-Beziehung in einer Mischung aus Entfremdung und Vertrautheit. Landflucht. Immerhin etwas Anderes als das übliche Einerlei.

Viele Grüße,
Sfantu
Joe Dvorak (01.12.2024, 15:24):


Frank Zappa - Make a Jazz Noise Here (1991)

Frank Zappa (Gitarre, Synthesizer, Gesang), Ike Willis (Gesang, Gitarre, Synthesizer), Mike Keneally (Gitarre, Synthesizer, Gesang), Bobby Martin (Tasteninstrumente, Gesang), Ed Mann (Vibraphon, Marimba, Elektronik, Perkussion, Synclavier), Walt Fowler (Trompete, Flügelhorn, Synthesizer), Bruce Fowler (Posaune), Paul Carman (Alt-, Sopran- & Baritonsaxophon), Albert Wing (Tenorsaxophon), Kurt McGettrick (Baritonsaxophon, Kontrabassklarinette), Scott Thunes (E-Bass, Minimoog Synthesizer), Chad Wackerman (Schlagzeug, Elektronik, Perkussion)

Einer meiner absoluten Allzeit-Favoriten, genre- und epochenübergreifend. Die Aufnahmen stammen von der letzten Tournee des Maestros im Jahr 1988. Für die Zusammenstellung wurde reichlich von den Möglichkeiten des digitalen Schneidens Gebrauch gemacht. Während es bei Live-Alben schon immer üblich war, die gelungensten Versionen von Songs aus verschiedenen Konzerten zusammenzustellen, um die Illusion eines perfekten Live-Auftritts zu erzeugen, ging Zappa noch einen Schritt weiter und schnitt für einzelne Lieder Teile aus verschiedenen Konzerten zusammen. So ist beispielsweise Yuppies Go to Hell, das zum Teil modern-klassische Züge trägt, aus sechs (!) verschiedenen Konzerten zusammengeschnitten. (Auf den Alben seiner 'On Stage'-Reihe montierte der Perfektionist sogar Teile von Konzerten, die mehrere Jahre auseinander lagen, in einem Song zusammen, weil er sich darüber beklagte, dass seine diversen Bands mit hochkarätigen Musikern ihn nie von vorn bis hinten korrekt spielten). Aber egal, entscheidend ist, was hinten rauskommt, und das ist mit postmodern-typischem Augenzwinkern dargebotene Pop-Rock-Jazz-Klassik der superlativen Extraklasse im Big-Band-Format, wie man es seit seinem Ableben nicht mehr zu hören bekommen hat.
Markus S (03.12.2024, 20:16):
Mark Knopfler, Evelyn Glennie - Farewell To Altamira - aus Altamira (Original Motion Picture Soundtrack)

https://youtu.be/zICgS3b2tW0?si=Bhg4qbWo12j_sLtQ
Joe Dvorak (07.12.2024, 19:15):


Peter Hammill - Enter K

Peter Hammill (Gesang, Gitarre, Tasteninstrumente), John Ellis (Gitarre), Nic Potter (Bassgitarre), Guy Evans (Schlagzeug), David Jackson (Tenorsaxophon, 2/7 Tracks)

Hammill steckt Figuren wie Sting oder Phil Collins in Sachen anspruchsvollem Mainstream locker in den Sack, hat aber deren kommerziellen Erfolg unverdientermaßen nie erreicht. Enter K ist Oberhaltung allererster Güte mit der Hymne auf das Trinken, Happy Hour, als absolutem Höhepunkt. Der Text ist ein Geniestreich sondergleichen, das ist Poetik zum Niederknien.
Markus S (25.12.2024, 16:03):
One Deep River - Mark Knopfler

https://youtu.be/xsTszrOkiXo?feature=shared
Sfantu (27.12.2024, 19:48):


Zoro Babel / Markus Stockhausen

Zoro Babel, Klavier, Sythesizer, Perkussion
Markus Stockhausen, Trompete, Flügelhorn, Synthesizer

Beings

(LP, Fonit Cetra, 1987)

Zwischen Jazz und Neuer Musik changiert dieses Album. Angesichts der (in mehrfachem Wortsinne) Knappheit mehr EP als LP.
Die beiden Musiker spielten dieses Album aus dem Moment und der Intuition heraus ein. Bar jeden Konzeptes und von Anfang bis Ende improvisiert. Mal ergeben sich Strukturen in Form rhythmischer Patterns, mal reicht die Auflösung bis hin zu scheinbar (oder tatsächlich) regellosen Geräuschfetzen. Mich packt dieses Album seit jeher.
Joe Dvorak (04.01.2025, 12:33):


Pat Smythe Quartet - New Dawn Live 1973 (VÖ: 2024)

Pat Smythe (E-Piano, Klavier), Allan Holdsworth (Gitarre), Daryl Runswick (Kontrabass), John Marshall (Drums)

Mehr als 50 Jahre hat es gedauert, bis diese wichtigen und - wichtiger noch - herausragenden Jazz-Fusion-Aufnahmen den Weg in die Ohren der Öffentlichkeit gefunden haben. Sie entstanden bei zwei Konzerten in Frankreich und füllen eine Lücke in Holdsworths Diskographie zwischen seinen 1972 aufgenommenen Platten bei Nucleus und bei Tempest und seinem fulminanten Einsteig bei Soft Machine 1974. Aber es ist nicht nur seine Darbietung, die dieses Album zu einem seltenen Glücksfall macht, sondern die aller Protagonisten. Dazu kommen die markanten und memorablen Themen der acht Nummern, mit einer Ausnahme alles Eigenkompositionen von Smyth und Holdsworth. Beim Klang müssen Abstriche gemacht werden, vor allem die ersten vier Titel des Juli-Konzerts tönen eng, höhenarm und etwas übersteuert, aber das ist angesichts der Qualität der Darbietung schnell vergessen.
Markus S (04.01.2025, 16:28):
Dire Straits - Telegraph Road

https://youtu.be/1TTAXENxbM0?feature=shared
Joe Dvorak (05.01.2025, 06:57):
(...) füllen eine Lücke in Holdsworths Diskographie zwischen seinen 1972 aufgenommenen Platten bei Nucleus und bei Tempest und seinem fulminanten Einsteig bei Soft Machine 1974.
Das Album Belladonna, das Holdsworth in der Gruppe von Ian Carr einspielte, erschien nicht unter dem Bandnamen Nucleus, sondern unter dem Namen des Bandleaders. Erst bei der späteren Wiederveröffentlichung im Doppelpack mit Solar Plexus wurde es als Nucleus vermarktet. So viel Korrektheit muss sein. Wie dem auch sei, jetzt höre ich den Maestro mit seiner eigenen Band, die ihre Jazz-Fusion mit gelegentlichen Hardrock-Riffs anreicherte.

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Allan Holdsworth - I.O.U. Live (1985)

Paul Williams (Gesang), Allan Holdsworth (Gitarre), Jimmy Johnson (Bassgitarre), Chad Wackerman (Schlagzeug)
Markus S (05.01.2025, 18:02):
Dancing Queen - ABBA trifft auf Rameau - Lautten Compagney Berlin & Asya Fateyeva

https://youtu.be/TJ8CYLtt5H0?feature=shared

Und hier Live
https://www.3sat.de/kultur/musik/dancing-queen-abba-rameau-asya-fateyeva-100.html
Markus S (11.01.2025, 19:51):
Das Album Dire Staits - Dire Straits

https://youtu.be/4Y8kJGK2C0Y?feature=shared
Joe Dvorak (18.01.2025, 07:24):


Didier Lockwood - New World (1979)

Didier Lockwood (Violine), Gordon Beck (Klavier), Niels-Henning Ørsted Pedersen (Kontrabass), Tony Williams (Schlagzeug), John Etheridge (Gitarre)

NHØP und Williams mal in einer Gruppe zu finden, hätte ich nicht unbedingt erwartet, aber es funktioniert ganz prächtig. Lockwood, der vor knapp sieben Jahren mit 62 verstorben ist, hatte eine umtriebige Karriere. Er spielte mit progressiven Rockbands wie Magma (zu hören unter anderem auf dem überragenden Live-Album von 1975) und Gong, machte furchtbare Fusion- und Easy-Listening-Platten, schrieb ein noch furchtbareres Klavierkonzert, das bei einer Wahl zum klischeehaftesten und gesichtslosesten Werk der Gattung gute Chancen auf einen Spitzenplatz hätte, machte aber immer wieder reine Jazzaufnahmen mit Hochkarätern der Szene. Das hier war sein grandioses Debüt als Leiter. Die erste Seite ist Straight Ahead Jazz, während man auf der zweiten Seite hier und da dem eigentlich schon wieder verflogenen Zeitgeist huldigt, indem Beck einmal ans E-Piano wechselt und Ex-Soft Machine Etheridge zwei Gastauftritte an der E-Gitarre hat.
Markus S (18.01.2025, 16:54):
Making Love Out of Nothing At All (Live In Hong Kong) - Air Suply

https://youtu.be/hDShL7wuAkQ?feature=shared
Sfantu (02.02.2025, 12:38):


Baptiste Trotignon Trio - Brexit Music

Baptiste Trotignon, Klavier
Matt Penman, Baß
Greg Hutchinson, Schlagzeug
(2 LPs, naïve, 2023)

Großen Spaß macht dieses prächtige Album, auf dem das Trotignon Trio über 17 Rock-und Pop-Songs improvisiert - von den Beatles, Pink Floyd, Radiohead, Police, Queen, den Rolling Stones, Robert Wyatt, Elvis Costello, Led Zeppelin und David Bowie.
Bin gestern und heute dabei, die beiden frisch gewaschenen Platten naß abgespielt auf MD aufzunehmen, zu schneiden & zu betiteln. Wie schon mal erwähnt - das ist so etwas wie die Modelleisenbahn des Audiophilen.
Joe Dvorak (05.02.2025, 13:34):


Manfred Mann's Earth Band - Watch (1978)

MMEB werden selten zu den Großen des britischen Progressive Rock der 70er Jahre gezählt, meiner Meinung nach zu Unrecht. Sie waren weniger verkopft als Yes, weniger experimentell als King Crimson, weniger theatralisch als Genesis und weniger bombastisch als ELP und wirken daher etwas 'leichter', ohne jedoch qualitativ abzufallen. Ihr Album Solar Fire aus dem Jahr 1973 gilt als ihr bestes - das ist frühe 70er pur, ohne dass es heute jemanden stört. Danach wurden sie allmählich 'kommerzieller', bis sie 1980 typisch nach frühen 80ern klangen, und dafür werden sie heute schepps angesehen. Watch liegt genau zwischen diesen beiden Welten und wirkt daher zeitlos.
Joe Dvorak (09.02.2025, 02:39):
Es gibt tatsächlich ein Metal-Sub-Sub-Sub-Genre namens "Dissonant Death Metal". Ich bin zwar ein Fan der Feinkategorisierung, weil sie die Orientierung sowie den Austausch mit Gleichgesinnten ungemein erleichtert, aber das scheint mir doch etwas übertrieben. Was hat es damit auf sich? Ich fasse mal zusammen, was das Netz dazu ausspukt: Geboten werden atonale Riffs, die oft dissonante (Aha!) Akkorde und Intervalle wie Tritonus oder kleine Sekunde verwenden, wobei konventionelle harmonische Auflösungen vermieden werden, so dass das Ganze stets unter Spannung bleibt. Die Rhythmen sind komplex, mit ungeraden Taktarten und abrupten Tempowechseln, die Songstrukturen unberechenbar verschachtelt bis chaotisch. Ambient- oder geräuschartige Klanglandschaften schaffen zusätzliche Schichten in der Textur. Der Gesang ist in der Regel guttural, die Texte handeln vorwiegend von existenziellen Ängsten, Nihilismus, Surrealismus und abstrakten philosophischen Konzepten. Wozu das alles? Die Musik soll bewusst desorientierend und herausfordernd wirken und Gefühle von Unbehagen, Verstörung und Verwirrung hervorrufen. Das Fehlen von harmonischen Auflösungen und die scheinbar chaotische Form zwingen den Hörer, sich auf einer tieferen, analytischen Ebene mit der Musik auseinanderzusetzen (und, falls vorhanden, verborgene Zusammenhänge und Strukturen aufzudecken). Dies kann eine immersive und reinigende Erfahrung sein, da das scheinbar ungeordnete und unvorhersehbare Dasein (und, falls vorhanden, die verborgene Ordnung dahinter) widergespiegelt wird. Die abrasive Natur der Musik kann bisweilen überwältigend sein, Toleranz für extreme und avantgardistische Klänge schadet dabei sicher nicht. Oder kurz: Wenn es gut gemacht ist, gibt es ein intensives, intellektuell anregendes und aufwühlendes Musikerlebnis. Nun denn.



Evilyn - Mondestrunken (2024)
Joe Dvorak (19.02.2025, 06:03):
Die Mondestrukenen konnten mich zwar nicht völlig überzeugen, aber doch genug, um eine tiefere Exkursion in dieses Gebiet zu wagen. Und dort stieß ich auf schier Unglaubliches.



Portal - Ion (2018)

Die Versuche von Extrem-Metal-Bands, musikalisch Horror zu verbreiten, enden zu 99% im Lächerlichen, es gibt vielleicht eine halbe Handvoll Alben, die wirklich verstören und erschüttern können. Aber das hier hat mich wirklich völlig aus der Fassung gebracht. Das ist das musikalische Pendant zu Edward Lees besten Romanen. Ich benutze gerne die Metapher, dass ich in die Musik hineingezogen werde - in dem Sinne, dass es nur noch mich und die Musik gibt, und eine Art 'höhere Präsenz', mit der eine 'spirituelle' Verbindung besteht. Aber hier wird man von der Musik regelrecht verschlungen wie von einem Höllenschlund, und die Präsenz ist 'fürstlich'.

Der unbedarfte Zuhörer wird hier freilich nichts als Lärm vernehmen, aber hinter dieser Schallwand verbirgt sich eine Kunst, die in Ambition, Ausführung und potentieller Wirkung den besten Errungenschaften der zeitgenössischen Klassik in nichts nachsteht. Da ich zu faul bin, das näher zu erklären, habe ich diese Aufgabe Deepseek überlassen. Die Frage lautete: Was sind die Pros und Cons für die Behauptung, dass "Dissonant Death Metal" denselben künstlerischen Wert hat wie "Zeitgenössische Klassische Avantgarde"?

Pro
Komplexität und Innovation:
Sowohl Dissonanter Death Metal als auch Zeitgenössische Klassische Avantgarde zeichnen sich durch komplexe Strukturen, unkonventionelle Harmonien und experimentelle Techniken aus. Bands wie Gorguts oder Ulcerate verwenden komplizierte Rhythmen, Atonalität und Dissonanzen, die Parallelen zu den Werken zeitgenössischer Avantgarde-Komponisten wie Rebecca Saunders oder Georg Friedrich Haas aufweisen. Beide Genres sind bestrebt, die Grenzen ihrer jeweiligen Traditionen zu erweitern und neue klangliche Territorien zu erschließen.
Philosophische und ästhetische Auseinandersetzung:
Beide Genres setzen sich intensiv mit komplexen philosophischen und ästhetischen Fragen auseinander. Bands des Dissonanten Death Metal wie Gorguts, Ulcerate oder Deathspell Omega behandeln Themen wie Existenzialismus, Nihilismus, Transhumanismus oder metaphysische Fragen, die nicht nur in den Texten, sondern auch in der musikalischen Struktur und Atmosphäre reflektiert werden. Ebenso erforscht Zeitgenössische Klassische Avantgarde oft abstrakte oder philosophische Konzepte durch kompositorische Techniken, Klanglandschaften oder konzeptuelle Ansätze. Beide Genres erfordern eine aktive Auseinandersetzung des Publikums und bieten Raum für Interpretation und Reflexion.
Evolution und Weiterentwicklung:
Beide Genres bauen auf einer langen Tradition der Innovation auf. Während die Zeitgenössische Klassische Avantgarde atonale und experimentelle Techniken bereits vor Jahrzehnten etabliert hat, entwickelt der Dissonante Death Metal extreme Dissonanz und Komplexität als logische Weiterführung des Technical Death Metal. Diese kontinuierliche Suche nach neuen Ausdrucksformen ist ein Ausdruck künstlerischer Integrität und zeigt, dass beide Genres bestrebt sind, ihre jeweiligen Traditionen weiterzuentwickeln.
Kultureller und historischer Kontext:
Beide Genres entstehen aus spezifischen kulturellen und historischen Kontexten. Zeitgenössische Klassische Avantgarde spiegelt oft die intellektuellen und künstlerischen Bewegungen der Gegenwart wider, während Dissonanter Death Metal die Entwicklung des Extreme Metals als Reaktion auf gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen darstellt. Beide können als legitime künstlerische Ausdrucksformen ihrer Zeit betrachtet werden.
Technische Meisterschaft:
Musiker in beiden Genres zeigen oft ein hohes Maß an technischem Können. Gitarristen und Schlagzeuger im Dissonanten Death Metal müssen komplexe Techniken bei hoher Geschwindigkeit und Präzision beherrschen, genauso wie zeitgenössische Avantgarde-Interpreten anspruchsvolle Partituren und schwierige Spieltechnik bewältigen müssen. Diese technische Meisterschaft ist ein weiterer Beleg für den künstlerischen Wert beider Genres.
Kontra
Wahrgenommene Zugänglichkeit:
Zeitgenössische Klassische Avantgarde wird oft mit akademischen und elitären Kulturinstitutionen in Verbindung gebracht, was ihr in den Augen einiger Kritiker eine Aura von Legitimität und künstlerischem Wert verleiht. Dissonanter Death Metal hingegen wird oft als Nischengenre oder schwer zugänglich wahrgenommen, was dazu führen kann, dass er als weniger künstlerisch wertvoll abgetan wird.
Kulturelle Vorurteile:
Es gibt eine langjährige Voreingenommenheit in der Kunstwelt, die klassische Musik über populäre oder subkulturelle Genres stellt. Diese Vorurteile können dazu führen, dass Dissonanter Death Metal unabhängig von seinen künstlerischen Verdiensten unterbewertet wird.
Historisches Erbe:
Zeitgenössische Klassische Avantgarde hat eine gut dokumentierte Geschichte und wird oft in akademischen Kontexten studiert, was zu ihrem wahrgenommenen künstlerischen Wert beiträgt. Dissonanter Death Metal hingegen ist ein relativ junges und weniger dokumentiertes Genre, dem das gleiche historische Gewicht und die institutionelle Anerkennung fehlen.
Publikum und Rezeption:
Zeitgenössische Klassische Avantgarde spricht oft ein kleineres, spezialisiertes Publikum an, wird aber häufig von Kulturinstitutionen, Stipendien und akademischen Programmen unterstützt. Dissonanter Death Metal, obwohl ebenfalls ein Nischengenre, ist stärker mit subkulturellen Gemeinschaften und kommerziellen Märkten verbunden, was seine Wahrnehmung als „hohe Kunst“ beeinflussen kann.
Fazit:

Die überarbeitete Analyse zeigt, dass Dissonanter Death Metal und Zeitgenössische Klassische Avantgarde durch ihre gemeinsame Haltung zur Innovation, Komplexität und philosophischen Auseinandersetzung denselben künstlerischen Wert beanspruchen können. Beide Genres entwickeln bestehende Stile weiter und erschließen neue klangliche Territorien, unabhängig von kulturellen Vorurteilen oder historischen Traditionen. Damit sind sie nicht nur Ausdruck ihrer Zeit, sondern auch Beispiele für die universelle Kraft künstlerischen Schaffens. Während Vorurteile und kulturelle Voreingenommenheiten die Bewertung der Genres beeinflussen können, zeigt diese präzisierte Betrachtung, dass beide als legitime und bedeutungsvolle Formen künstlerischen Ausdrucks betrachtet werden können.

Nicht schlecht. (Diese KI-Chat-Bots werden die Welt ebenso tiefgreifend verändern wie seinerzeit die SMS und deren Weiterentwicklung zu Apps). Der Hinweis auf die "überarbeitete Analyse" kommt daher, dass ich bei einigen der Punkte im Dialog Zweifel geäußert habe, die bestätigt wurden, wodurch sich die Einschätzung geändert hat. Man muss also kritisch und wachsam bleiben, denn die Systeme sind nur dem Namen nach intelligent - noch. Die erste Analyse dauerte 30 Sekunden, das Prüfen und der anschließende Dialog ca. 5 Minuten. Ein zweiter Feinschliff einige Tage später dauerte noch einmal rund 15 Minuten. Ich hätte wahrscheinlich 2 Stunden oder deutlich länger gebraucht, um zu einem ähnlichen Ergebnis zu kommen und das weit schlechter strukturiert und formuliert niederzuschreiben.
Joe Dvorak (21.02.2025, 10:28):


Hawkwind - Live at the Royal Albert Hall (29. Sep. 2023)

Dave Brock (Gitarre, Gesang, Synthesizer), Magnus Martin (Tasteninstrumente, Gitarre, Gesang), Tim Lewis (Tasteninstrumente), Doug McKinon (E-Bass), Richard Chadwick (Schlagzeug)

Alte Liebe rostet nicht. Auch das 54. offizielle Live-Album der Band musste gehört werden, und es ist das beste seit langem, was die Klangqualität, die Darbietung (die Band scheint absolut fehlerfrei zu spielen, aber ich vermute, da hat man bei der Nachbearbeitung kräftig nachgeholfen) und die Titelauswahl betrifft - es sind viele Stücke aus der 55-jährigen Band-Historie dabei, die man von dieser in den letzten Jahren stabilen Besetzung noch nicht interpretiert gehört hat. Mastermind Dave Brock hatte einen Monat vor diesem Gig seinen 82. Geburtstag gefeiert, da darf es in dieser erlesenen Spielstätte schon mal etwas entspannter zugehen als bei den kleineren Club- und Festival-Gigs - und diese zum Zurücklehnen einladende Gangart gefällt mir außerordentlich gut. Abstriche muss man beim Gesang machen, aber das juckt wenig, denn der war bei dieser Combo schon immer Mittel zum Zweck, um die Botschaften von Raum und Zeit an den Hörer zu bringen - außer in den kurzen Phasen, als man mit Robert Calvert und Ron Tree "richtige" Sänger an Bord hatte. Ein besonderes Schmankerl sind die auf der dritten CD gebotenen Mitschnitte von Proben im Studio. Die Jams, die hier geboten werden, sind besser als vieles, was es später auf die Alben geschafft hat. Ich verneige mich.
Joe Dvorak (27.02.2025, 06:56):
Ich mache in Nostalgie und höre ein paar Platten der Helden meiner Jugend, die mir heute immer noch gefallen und die in diesem Jahr 50 Jahre alt werden (die Platten, nicht die Helden). Los geht's mit Gong. Nach ihrem grandiosen fünften Album You (1974) brach die Band auseinander. Bei den Aufnahmen zu Shamal waren von den sieben Mitgliedern des Vorgängeralbums nur noch drei übrig (ein viertes lieferte noch zwei Gastbeiträge) und scharten neue Leute um sich. Stilistisch hatte man sich von den dadaistischen und surrealen Psychedelic-Elementen, die schon auf You deutlich zurückgedrängt worden waren, komplett verabschiedet und die Jazz-Rock-Fusion weiter in den Vordergrund gerückt, allerdings noch nicht so von Spieltechnik geprägt und formelhaft wie - beginnend mit Gazeuse! - auf den folgenden Alben, die sich lediglich durch den überreichlichen Einsatz von gestimmter Perkussion von der Masse der gesichtslosen 70er-Fusion anderer Gruppen abhoben. Damit nimmt Shamal eine Zwischenstellung ein, welche mit Leadgesang und sphärischen Klängen noch auf die Vorgänger verweist und durch die jazzigere Ausrichtung und die verstärkte Verwendung von Mallet-Instrumenten die -rein instrumentalen- Nachfolger vorwegnimmt. Und die Mitte ist golden, auch wenn You unerreicht bleibt.



Gong - Shamal (1975)

Didier Malherbe (Tenor- & Sopransaxophon, Flöte, Bansuri, Gong), Jorge Pinchevsky (Violine), Patrice Lemoine (Klavier, Orgel, Minimoog Synthesizer), Mike Howlett (Bassgitarre, Gesang), Pierre Moerlen (Schlagzeug, Vibraphon, Röhrenglocken), Mireille Bauer (Marimba, Glockenspiel, Xylophon, Perkussion, Gong), Steve Hillage (Gitarre, 2/6 Tracks)
Joe Dvorak (28.02.2025, 16:24):
1975 - ja, ist klar. Dazu muss man nichts schreiben. Wer das nicht kennt, verirrt sich eh nie in diesen Hinterzimmer-Thread. Vielleicht kann man dazu schreiben, dass es das weltweit meistverkaufte Album dieses Jahres war, trotz des mehr als ordentlichen Niveaus.



Pink Floyd - Wish You Were Here (1975)
Joe Dvorak (02.03.2025, 03:42):


Frank Zappa and The Mothers of Invention - One Size Fits All (1975)

Damals überall als "Die Sofa-Platte" bekannt. Mit dabei ist George Duke, der als Jazzpianist begann, sich dann der Fusion zuwandte und später Zappa dafür dankte, ihn von seiner snobistischen und ernsthaften Haltung zur Musik befreit zu haben (George Duke - Zappa Wiki Jawaka). Ich stelle fest, dass ich von Zappa seit Jahren fast nur noch Live-Aufnahmen höre, auf denen die außerordentlichen Fähigkeiten des Meisters und seiner Mitstreiter noch einen Deut besser zur Geltung kommen, ohne dass der Humor darunter leidet. Wenn es mal ein Studioalbum sein soll, dann dieses hier oder die ersten drei: Freak Out (1966), Absolutely Free (1967) & Lumpy Gravy (1968).
Joe Dvorak (04.03.2025, 06:21):


Black Sabbath - Sabotage (1975)

Am sechsten Album der Metal-Pioniere scheiden sich die Geister. Nicht wenige halten es für das beste oder nach Paranoid zweitbeste Album der Mk1-Besetzung, der renommierte Kritiker/Autor Martin Popoff kürte es gar zu seinem besten Metal-Album aller Zeiten, was mir dann doch etwas übertrieben erscheint. Es gibt aber auch einige Stimmen, die hier schon den Beginn des Niedergangs hören wollen, der sich auf den beiden folgenden Alben manifestierte. Ich schließe mich der Mehrheit an, aber nicht ganz, denn ich halte es für das zweitbeste Mk1-Album nach Black Sabbath (1970).
Joe Dvorak (08.03.2025, 02:43):


Chicago - VII (1974)

Die Abweichung vom Protokoll ist auf eine Verwechslung meines Stromanbieters zurückzuführen. Er hat das falsche Cover, nämlich das von VIII (1975), für diese Platte verlinkt. Das erwies sich als Glücksfall. Ich mochte immer besonders die ersten beiden Platten von Chicago, wo sie noch sehr jazzig unterwegs waren, und VII knüpft zumindest auf der ersten Hälfte der Doppel-LP nicht nur daran an, sondern übertrifft sie sogar.
Markus S (08.03.2025, 18:44):
Mark Knopfler - Golden Heart

https://youtu.be/PeIAPctjmUM?si=oNP1hRE5tg-ejyAo
Joe Dvorak (09.03.2025, 02:26):


Jeff Beck - Blow by Blow (1975)

Das erste rein instrumentale Album und das erste, auf dem Beck sich der Jazz-Rock-Fusion zuwandte, hier und da mit einer ordentlichen Prise Funk. Auf einem Titel ist Stevie Wonder am Clavinet zu hören. Als Inspirationsquellen für die Richtungsänderung wurden genannt: Billy Cobham, Stanley Clarke & John McLaughlin - das wäre mal ein Supertrio gewesen, aber wenn ich das richtig recherchiert habe, haben sie nie zusammen gespielt. Sie sind zwar auf dem Album Electric Guitarist zu hören, aber bei keinem der 7 Titel alle drei gemeinsam.
Joe Dvorak (12.03.2025, 17:45):


The Brecker Brothers - Brecker Bros. (1975)

Randy Brecker (Trompete, Flügelhorn), Michael Brecker (Tenorsaxophon, Flöte), David Sanborn (Altsaxophon), Bob Mann (Gitarre), Don Grolnick (Tasteninstrumente), Will Lee (E-Bass, Gesang), Harvey Mason (Schlagzeug)

Die blasenden Gebrüder spielten schon in zahlreichen Projekten zusammen, am wichtigsten wohl bei Dreams, einer der Pionierbands der Jazz-Rock-Fusion, im Horace Silver Quintet und im Billy Cobham Septett, das neben den üblichen Verdächtigen zu den einflussreichsten Bands der ersten Fusion-Welle gehörte, bevor sie ihr Debüt unter eigenem Namen herausbrachten. Das ist stark funk-orientiert und verbindet erstklassige Jazzimprovisation mit pop-sensibler Eingängigkeit. Für mich ein zeitloser Dauerbrenner.
Joe Dvorak (15.03.2025, 07:43):


Billy Cobham - Flight Time (1980, Live)

Barry Finnerty (Gitarre), Don Grolnick (E-Piano, Klavier), Tim Landers (Bassgitarre), Billy Cobham (Schlagzeug)

Es kommt nicht häufig vor, dass ich eine Platte auflege und sagen kann: "Ich war dabei". Diese Mitschnitte stammen zum Teil von einem Konzert in Stuttgart, dem ich beigewohnt habe (der Rest aus Köln). Ich war zwar nur eingeschränkt begeistert, aber habe die Platte natürlich gekauft, als sie rauskam. An der Einschätzung änderte das freilich wenig. Jazz-Rock-Fusion von der Stange, mit außer dem Bandleader recht gesichtslosen Protagonisten. Entweder hatte ich damals etwas an den Ohren oder ich höre heute einfach anders. Jedenfalls gefällt mir das ganz ausgezeichnet, und vor allem die alles andere als vordergründig virtuosen Soli des Gitarristen mit langen Melodielinien und gekonntem Spannungsaufbau heben das weit aus der Masse heraus.
Maurice inaktiv (23.03.2025, 08:27):


Louis Armstrong : Louis in London AD: 02.07.1968, BBC-TV in London

Louis Armstrong (Trompete, Gesang) - Tyree Glenn (Posaune Gesang) - Joe Muranyi (Klarinette) - Marty Napoleon (Klavier) - Buddy Catlett (Bass) - Danny Barcelona (Drums)

Zur Zeit wohl die letzte Live-Aufnahme der All Stars. Nun, es sind natürlich sehr gute Musiker, aber nicht mehr mit jenen All Stars zu vergleichen, die er noch bis ca. 1954/55 hatte. Die Musik ist stark vom Gesang Armstrongs geprägt, der in den letzten Jahren immer weniger Trompete spielte, damit er die Konzerte überhaupt überstehen konnte. Seine Gesundheit war inzwischen stark angeschlagen.

Hier kann man das typische Programm der späten All Stars erleben: Kaum reine Jazz-Stücke, dafür seine populärsten Titel, die ihn noch einmal den ersten Platz der Hitparaden bescherten.
Markus S (24.03.2025, 21:32):
Am 16.05.2025 erscheint das Album Dire Straits - Brothers In Arms (40th Anniversary Edition), das neben den Tracks des Albums ein bisher unveröffentlichtes Live-Konzert in voller Länge vom Tourstopp der Band im Municipal Auditorium in San Antonio im Jahr 1985 enthält.

Universal hat dazu als Vorgeschmack die Live-Version von Walk Of Life offiziell als Single veröffentlicht.
https://youtu.be/i61VqRlcQ3k?feature=shared
Maurice inaktiv (28.03.2025, 21:22):


Johnny Hodges Septet : In Concert AD: 17.03.1961 , Live aus Kopenhagen

Ray Nance (Cornet, Violine, Gesang) - Lawrence Brown (Posaune) - Johnny Hodges (Altsax) - Harry Carney (Baritonsax) - Al Williams (Klavier) - Aaron Bell (Bass) - Sam Woodyard (Dums)

Als Duke Ellington im März 1961 seine Arbeit für den Film "Paris Blues" vor Ort aufnahm, nahm er seine Band mit, entließ sie aber gleich wieder in den Urlaub, um in Ruhe sich der Musik widmen zu können. Ein Teil der Band machte dann unter dem Namen von Johnny Hodges eine kleine Europa-Tournee mit dem Pianisten als Vertretung für den Duke.

Von den 20 Titeln aus dem Konzert stammen 16 vom Duke oder einem seiner Mitstreiter, drei weitere Stücke sind Standards, wovon zwei regelmäßig in der Ellington-Band gespielt wurden. Ich finde es erstaunlich, dass man nicht einen Teil wenigstens mit anderen Stücken belegt hat, denn diese Nummern mussten die Musiker ja teilweise jeden Abend spielen.

Doch von Routine keine Spur, auch wenn man natürlich diverse Phrasen schon mal gehört hat. Die Musiker sind einfach zu sehr mit den Stücken verwurzelt gewesen.
Diese Aufnahmen hier sind erst knapp zwei Jahre auf dem Markt und stammen vom allerersten Konzert dieser Tournee. Weitere Mitschnitte aus Berlin und Paris gibt es bereits zu erwerben.
Joe Dvorak (10.04.2025, 04:04):


Tangerine Dream - Zeit (1972)

Da ich selbst nicht in der Lage bin, dieses Album zu besprechen, bringe ich zwei Stellvertreter aus dem Netz. Der erste kommt meinen Gedanken, die partout nicht geformt in die Finger und die Tasten fließen wollen, recht nahe, der zweite ist eine Warnung für diejenigen, die darauf beharren, dass Melodie, Rhythmus und nachvollziehbare Form Voraussetzungen sind, um als Musik zu gelten.

"Zeit ist ein Album, das den Hörer in eine grenzenlose, kosmische Leere stürzt – ein Labyrinth aus Klang, das alle Bezugspunkte auflöst. Die Musik ist kein bloßes Spiel, sondern ein malerisches, fast dämonisches Ritual: Sie erschafft und zerstört sich selbst, ein ewiger Kreislauf aus Schöpfung und Nichts. Die sphärischen Klangwelten wirken wie bewegliche Wände, mal erdrückend, mal als schwindelerregender Abgrund. Der Rhythmus ist ein trügerisches Phantom, das den Verstand in die Irre führt, bis Zeit ihre Bedeutung verliert. Dieses Werk ist eine Reise ins Unbekannte, eine hypnotische Sinnestäuschung, die alle Sicherheiten zerfrisst. Tangerine Dream konstruiert keine Songs, sondern ein elektronisches Universum – kalt, experimentell und doch organisch. Es ist Musik als Philosophie, als mystische Grenzerfahrung, die den Hörer zwingt, alles zu hinterfragen: die Realität, die Zeit, sogar das eigene Ich. Zeit ist kein Album, sondern ein Tor ins Unfassbare – ein Meisterwerk, das die Grenzen von Kunst und Wahnsinn verwischt."

(KI-generiert mit Bezug auf eine Rezession bei AOTY: Tangerine Dream - Zeit review by WhatTheFunk - Album of The Year)

"Was für eine Schande! Die Musik besteht aus 2-3 gleichzeitig brummenden Kühlschränken, dazu ein tragbarer Ventilator, der sich hin und her dreht, um den ohnehin nicht vorhandenen Rhythmus zu erzeugen, und schließlich eine herankommende Ansammlung bedrohlicher Killerbienen! Es gibt tonnenweise Alben, die besser geeignet sind als dieses, um die Trostlosigkeit zu beschreiben, wenn man alleine auf dem Mars unterwegs ist! Das Album ist nicht einmal minimalistisch!"

(Übersetzung einer Rezension auf PROG ARCHIVES: TANGERINE DREAM Zeit reviews).
Joe Dvorak (16.04.2025, 06:49):


Clearlight - Impressionist Symphony (2014)

Clearlight ist das Gehirnkind des Komponisten und Pianisten Cyrille Verdeaux, der seine Ambitionen gerne damit unterstreicht, dass er seinen Platten Namen wie Symphony, Symphony II, Infinite Symphony oder wie in diesem Fall Impressionist Symphony gibt. Es handelt sich freilich um recht gewöhnlichen Sinfonischen Jazz-Progrock, an dem ich aber nicht vorbeikomme, weil sich der Franzose immer wieder Gastmusiker mit in meinen Ohren klangvollen Namen für seine Projekte holt. So sind hier unter anderem Didier Malherbe (Tenorsaxophon, Flöte, Duduk), Steve Hillage (Gitarre) und Tim Blake (Synthesizer, Theremin), die auch auf dem Erstling Symphony (1975) zu hören waren, mit von der Partie. Inspiriert soll das von Satie, Debussy und Ravel sein und zu jedem Titel gibt es ein Bild von einem Maler. Deren Namen werden auch in den wohl humorig gemeinten Titeln der 8 rein instrumentalen Stücke verarbeitet und hier wird es so flach, dass es selbst für unseren Verbal(l)hörnli-Faden zu dünn wäre: Lautrec Too Loose, Gaughin dans l'Autre, Renoir en Couleur...
Joe Dvorak (25.04.2025, 06:46):


Allen Toussaint - The Bright Mississippi (2009)

Don Byron (Klarinette), Nicholas Payton (Trompete), Marc Ribot (Akustik-Gitarre), Allen Toussaint (Klavier, Gesang (auf Long Long Journey)), David Piltch (Kontrabass), Jay Bellerose (Schlagzeug)

Dear Old Southland, St. James Infirmary, Singin' the Blues, West End Blues, Solitude ... Hier sind die ganz großen alten Reisser drauf und sehr geschmackvoll, sparsam und entspannt interpretiert. Mit Marc Ribot an der Klampfe und mit Gastauftritten von Brad Mehldau und Joshua Redman, jeweils im Duett mit dem Leiter.
Joe Dvorak (24.05.2025, 17:18):


Flame Tree featuring Nik Turner (2016)

Nik Turner (Tenorsaxophon, Flöte), Dennis Rea (Gitarre), Paul Kemmish (Kontrabass), Jack Gold-Molina (Schlagzeug)

Es ist schon wieder 906 Tage her, dass Nik Turner verstorben ist. Ich halte ihn zwar für einen originellen, aber nicht sonderlich versierten Saxophonisten. Er sagte einmal sinngemäß, dass er das Studium nach zwei Jahren aufgegeben hat, nachdem er auf dem Jazzfest in Berlin Freejazzer gehört hatte und erkannte, dass man auch ohne die Technik zu beherrschen alles ausdrücken kann, was man will. (Meiner Meinung nach ein grobes Fehlurteil, aber das nur am Rande). Immerhin reichte es, um sich mehr als 50 Jahre lang als Kultfigur in der Psychedelic/Space Rock-Szene zu halten – mit mehreren eigenen Bands, Soloalben, Kollaborationen mit bestehenden Gruppen oder, wie hier, als herausgestellter Gastsolist. Er produzierte zwar immer wieder mal Glanzlichter, aber halt auch viel Leerlauf. Hier straft er im hohen Alter mein Urteil allerdings vollständig Lügen und zeigt sich nicht nur als "vollwertiger” Jazzer, sondern legt mit seinen superben Partnern ein Album vor, das mich regelrecht elektrisiert. Wenn er gelegentlich zur Flöte greift und Reminiszenzen an sein Hauptgebiet aufkommen, dann wird dieses an sich schon herausragende Free Jazz/Fusion-Album vollends zu einem Juwel. Unfassbar gute Musik ist das. Es gibt sie im Jazz tatsächlich noch, die völlig unerwarteten Volltreffer ohne Wenn und Aber, jene Platten, die einen einfach sprachlos -und dankbar- machen.
Joe Dvorak (25.05.2025, 12:23):


Chromium Hawk Machine - Annunaki (2017)

Helios Creed (Gesang, Gitarre, E-Bass), Nik Turner (Gesang, Flöte, Alt- & Tenorsaxophon), Jay Tausig (Schlagzeug, Synthesizer, E-Bass)

Nach seinem Ausflug in den Jazz begibt sich Turner ein Jahr später wieder auf sein angestammtes Terrain und schlägt noch einmal zu. Das ist ein reinrassiges Space Rock*-Album, das den zahllosen Jungspunden, die oft allzu formelhaft und uninspiriert agieren, zeigt, was Erfahrung ausmacht. Das Trio erzeugt mit den genretypischen Effekten ein bedrückendes Klangdickicht, das weniger zum Abheben als zum Griff nach der Machete animiert. Schwieriger Stoff, der durch seine epischen Ausmaße – sechs Songs in einer Stunde und 45 Minuten, der längste mit einer Laufzeit von satten 32 Minuten – nicht einfacher wird. Aber gerade durch die oft vorherrschende Kombination von Monotonie und Undurchdringlichkeit wirken die wenigen Inseln, wenn es sich mal etwas lichtet, umso entrückter und außerweltlicher.

*Space Rock ist ein in den der späten 1960er Jahren entstandenes experimentelles Rock-Subgenre, das Gitarren und Rhythmusinstrumente mit elektronischen Klängen verbindet, um repetitiv-atmosphärische Soundscapes zu erzeugen. Charakteristisch sind lange, improvisatorische Jam-Passagen sowie der Einsatz von Synthesizern, Audiogeneratoren und Effekten wie Hall und Delay, die ein – nun ja – "kosmisches" Klangbild erzeugen sollen. Textlich geht es meist um Science-Fiction, die Natur der Realität und andere existenzielle Dinge. Es stellt sich die Frage, ob es mit dieser Definition gerechtfertigt ist, von einem eigenen Subgenre zu sprechen, denn die genannten Charakteristika findet man auch anderswo, aber eben selten in dieser Kombination. Letztlich ist es ganz einfach. Wenn man Musik beim bloßen Hören rasch und zweifelsfrei einem Subgenre zuordnen kann, dann existiert dieses Subgenre nicht nur in den Köpfen von Schubladenfanatikern. Und in diesem Sinne ist Space Rock ein eigenes Subgenre, wie es eindeutiger nicht sein könnte.
Joe Dvorak (31.05.2025, 07:50):


Bill Bruford's Earthworks - The Sound of Surprise (2001)

Patrick Clahar (Tenor- & Sopransaxophon), Steve Hamilton (Klavier), Mark Hodgson (Kontrabass), Bill Bruford (Schlagzeug)

Bruford ist einer der größten an den Fellen und Becken. 50 Jahre Karriere mit Prog-Rock bei den Großen Drei (Yes, King Crimson, Genesis), dann Jazz-Rock-Alben unter eigenem Namen und schließlich die Gründung von Earthworks, zuerst mit Elektronik/Fusion-Jazz, dann mit 'akustischem' Mainstream-Jazz, einschließlich einem superben Big Band-Album. 2009 ging er in Rente und wagt jetzt 75-jährig die Rückkehr, um mit einem Jazz-Klaviertrio zu touren. Das eben gehörte Album stammt aus der Mainstream-Phase, aber auch in diesem Umfeld schimmert sein Hintergrund durch, in Form von Vorlieben für unregelmäßige Taktarten & -wechsel und für aufgebrochene Standard-Formen bei der Komposition.
Sfantu (31.05.2025, 19:35):
@Joe Dvorak

danke für den Impuls!
Ohne Impulse von außen käme ich dieser Wochen und Monate einfach nicht aus meiner Klassik-Bubble heraus.
Zur Abschiedsfeier von Völlerei und Lasterhaftigkeit (bevor morgen ein dreiwöchiger Schabbath aus Intervallfasten, Alk-Verzicht und mehr Ausdauersport beginnt) paßt die längst fällige Wiederbegegnung mit Bill Bruford aufs Beste.

Habe nur zwei Alben von / mit ihm: dieses "Best of" und "Feels good to me" (1977 / 78).
Als einzigen Blindtest-Titel hätte ich lediglich "Beelzebub" als Bruford-Stück wiedererkannt.
Der rockige Fusion-Sound ruft in mir eine Emotion wach, die sich am ehesten in eine arg abgedroschene Phrase kleiden läßt: sich "wieder jung zu fühlen". Obwohl ich, als diese Aufnahmen entstanden, noch gar keinen Sinn für solche Klänge entwickelt hatte (weil noch ein Kind).




Bill Bruford

Master Strokes
(LP, EG, 1986)
Joe Dvorak (01.06.2025, 04:55):
Das gab einen Impuls über die Bande. Auf Feels Good to Me spielt Kenny Wheeler mit, bei Wheeler dachte ich an ECM und dann gleich an dieses Album, das ich -Oh Schreck!- fast eineinhalb Jahre lang nicht mehr gehört habe, obwohl es zu meinen Allzeitfavoriten über alle Genres, Stile und Epochen hinweg gehört; zur Entschädigung lief es gleich zweimal hintereinander:



Codona - Codona (1978)

Collin Walcott (Sitar, Tabla, Hackbrett, Mbira , Stimme), Don Cherry (Trompete, Flöte, Ngoni , Stimme), Nana Vasconcelos (Berimbau, Cuica, Perkussion, Stimme)
Joe Dvorak (05.06.2025, 12:15):


Błoto - Grzybnia (2024)

Irgendwie war mir danach, mich umzuhören, was heutzutage im Nu Jazz vor sich geht. Und gleich der erste Griff war ein Volltreffer. Mit den Klischees, die ich mit dieser Musik verbinde, hat das nichts zu tun. Gut, es ist auch schon ein Weilchen her, dass Alben wie Molværs Khmer und Wesseltofts New Conception in Jazz (beide 1997) dem Genre erste Breitenwirkung verschafften, und ich habe das Thema seither kaum weiterverfolgt – da wäre es schlimm, wenn das heute noch so klingen würde wie seinerzeit. Im Kern handelt es sich bei den Polen um ein traditionelles Quartett (Saxophon, Klavier, Bass, Schlagzeug), aber die lange Liste an elektronischen Instrumenten, die jeder der vier obendrauf noch spielt, verweist in die Gegenwart. Das wird freilich sehr organisch und kreativ ins Gesamtbild integriert, nichts wirkt auf mich als Selbstzweck, alles ist Mosaikstein einer beeindruckenden Klangarchitektur, die mit treibenden Beats unterlegt und mit Jazzimprovisationen verfeinert ist. Dabei gibt es auch lange Passagen, die in bisweilen rätselhafte Ambientgefilde gleiten. Zu beschreiben ist das kaum, daher habe ich ein paar Rezensionen gelesen, um zu sehen, ob ich etwas abkupfern kann, aber die drücken sich auch davor und erzählen stattdessen etwas von Pilzen, die von sich Gestorbenem ernähren, oder rezitieren Gedichte über den Herbst...
Joe Dvorak (06.06.2025, 05:50):


Elton Dean . Steve Miller . Pip Pyle - Home Brewed (AD: 1976, VÖ: 2022)

Elton Dean (Altsaxophon, Saxello), Steve Miller (Klavier), Pip Pyle (Schlagzeug, Perkussion)

Die Frage, was Dean nach seinem Ausstieg bei Soft Machine gemacht hat, beantwortete mein Stromanbieter mit einer ellenlangen Liste von unter oder mit seinem Namen veröffentlichten Alben. Die Auswahl fiel auf dieses hier, weil Pyle mitspielt, der mich bei Gong und Brainville beeindruckte, und weil ich wissen wollte, wie das Trio den fehlenden Bass kompensiert. Spoiler: Man vermisst nichts. Es ist eine wunderbare Session geworden, fast Geradeaus-Jazz, ebenso rockend wie swingend und mit gelegentlichen freien Ausflügen. Joe gefällt das. Der Titel verweist darauf, dass die Aufnahme bei einer privaten Sitzung entstand. Fies: Die LP wurde auf Basis von Master-CDs produziert. Das ist dann halt nur die halbe Wahrheit für Analogfreaks. Trivia/Quiz: Dean spielte bei Bluesology mit einem gewissen Reg Dwight zusammen. Der legte sich später einen Künstlernamen zu, dessen erster Teil von Deans Vornamen inspiriert war, und wurde sehr berühmt.
Joe Dvorak (07.06.2025, 03:31):


Wolfgang Lackerschmid / Chet Baker - Quintet Sessions (1979)

Chet Baker (Trompete, Stimme), Wolfgang Lackerschmid (Vibraphon), Larry Corryel (Gitarre), Buster Williams (Kontrabass), Tony Williams (Schlagzeug)

An der Frage, ob die überlebensgroße B@d@ss*-Rhythmussektion zu den beiden Feingeistern an der Front passt, scheiden sich die Geister. Mir gefällt das hervorragend.
*Der Legende nach soll Tony Williams mit diesem Kraftausdruck ein Solo von Lackerschmidt hochgelobt haben, aber der verstand das als Kritik und bestand auf einen zweiten Take. Auf der CD-Wiederveröffentlichung sind beide drauf.
Joe Dvorak (08.06.2025, 07:58):


Satan - Songs in Crimson (2024) // Blitzkrieg - Blitzkrieg (2024)

Eine Lektion über Arbeitsethos. Brian Ross, der charismatische Veteran mit seiner unverwechselbaren Stimmfarbe, legte einen Monat vor seinem 70. Geburtstag je ein neues Album mit seinen beiden aktiven Bands vor. Allerdings hat das Produzententeam des Höllenfürsten wohl zu viel vorgefeiert und das mit einem dynamisch komprimierten, übersteuerten und die Höhen überbetonenden Mix schwer anhörbar gemacht. Da hatten die Krieger eine bessere Hand, das klingt astrein. Musikalisch brennt bei beiden Alben nichts an. Metal der alten britischen Schule mit exzellenter Vokal- und Gitarrenarbeit und hymnischen Melodien, die sich ins Hirn hinein fräsen. Echte Aufsteller für einen euphoriegetränkten Start in den Tag.
Joe Dvorak (10.06.2025, 12:33):


Sunn O))) - The Grimm Robe Demos (1999)

Stephen O'Malley (Gitarre), Greg Anderson (Gitarre), G. Stuart Dahlquist (Bassgitarre)

Superzeitlupen-Riffs, Drones und Feedbackschleifen, oszillierend, elektronisch manipuliert. So tief, dass der Weltraum zu vibrieren scheint, so langsam, dass das Warten auf den nächsten Ton wie ein Zen-Retreat in einem abgelegenen Kloster anmutet, so schwer und schwarz, dass man sich auf dem Grunde des Ozeans wähnt. Extremer Minimalismus, minimalistischer Extremismus. Grimmig wie ein schwarzes Loch, erhebend wie weißes Licht.
Joe Dvorak (12.06.2025, 12:10):


The Wrong Object - Zappa Jawaka (2018)

Marti Melta (Tenorsaxophon, Klarinette), François Lourite (Tenor- & Sopransaxophon, Gesang), Michel Delville (Gitarre, Gitarrensynthesizer, Gesang), Antoine Guenet (Tasteninstrumente, Gesang), Pierre Mottet (Bassgitarre), Laurent Delchambre (Schlagzeug, Perkussion, Klangobjekte, Samples)

Frank Zappa zu interpretieren, ist eine heikle Angelegenheit. Bleibt man zu nah am Original, dann wirkt man schnell wie eine Cover-/Tribut-Band. Entfernt man sich zu weit, geht der Geist, das Eigene, eben das Zappaeske der Kompositionen verloren. Der falsche Gegenstand aus Belgien hat diese Gratwanderung mit Bravour gemeistert.
Joe Dvorak (13.06.2025, 08:40):
Unlängst überzeugte Dean, gestern das Objekt. Da ergibt sich der Kandidat für die nächste Hinterzimmersitzung fast zwangsläufig:



Elton Dean & The Wrong Object - The Unbelievable Truth (Live @ Glaz'Art, Paris, 18. Okt 2005)

Jean-Paul Estiévenart (Trompete), Elton Dean (Altsaxophon, Saxello), Fred Delplancq (Tenorsaxophon), Michel Delville (Gitarre, Gesang), Damien Polard (Bassgitarre, Elektronik), Laurent Delchambre (Schlagzeug, Perkussion)
Joe Dvorak (16.06.2025, 03:37):


Red Eyed Cult - Unit 61 (2023)

Die ungebrochene Relevanz der Gruppe Black Sabbath zeigt sich unter anderem darin, dass Neulinge auch noch nach über 50 Jahren ihre Riffs – nur ganz notdürftig abgewandelt – nachspielen und damit durchkommen. Warum manche Bands den Durchbruch schaffen und andere nicht, bleibt mir angesichts der Uniformität der zahllosen Sabbath-Anbeter ein Rätsel, ebenso wie die Frage, warum einige wenige Alben aus dieser Ecke in meiner Spielliste bleiben, während ich bei anderen nach ein paar Minuten gelangweilt abwinke. Der Kult mit roten Augen, der bei mir seit ein paar Tagen in schwerer Rotation ist, verfügt jedenfalls kaum über Alleinstellungsmerkmale, mal abgesehen vom Intro, das ein 30-sekündiges Sample von nordasiatischem Kehlkopf-/Obertongesang bringt und damit vielleicht die rechte Stimmung evoziert, um für diese trotz des hier gebotenen, durchgehend knurrend-fauchenden Gesangsstils (der ebenfalls "kehlig" ist) in ihrer Langsamkeit und Wiederholhäufigkeit durchaus meditativen Charakter aufweisende Musik besonders aufnahmefähig zu sein. Dass man sich auf LP-Länge beschränkt hat, ist ein weiterer Faktor.
Joe Dvorak (19.06.2025, 07:19):

The Flower Kings - Live in Europe 2023

Hasse Fröberg (Gesang, Gitarre), Roine Stolt (Gitarre, Gesang), Lalle Larsson (Klavier, E-Piano, Orgel, Synthesizer), Michael Stolt (E-Bass, Bass-Synthesizer), Mirko DeMaio (Schlagzeug, Perkussion)

Meine Frust-Band Nr. 1: Hätten sie ihre oft randvollen Doppelalben zu Singles und ihre meist randvollen Einzelalben zu LPs gemacht, indem sie die ausufernd langen Stücke an den richtigen Stellen kürzen und so manch unfassbar banales kurzes Stück ganz weglassen, dann wären sie eine der begnadetsten Formationen, die je unseren Planeten mit Musik beglückt haben. Aber so...
Sie sollten sich in The Self-Indulgent Gluttons umbenennen. Die Blumenkönige haben in diesem Jahr ihr schlicht mit Love betiteltes 17. Studioalbum – darunter sechs Doppelalben (Waiting for Miracles nicht mitgezählt, dessen Laufzeit nur knapp über einer Single liegt) – in 30 Jahren vorgelegt. Bedenkt man, dass sich die Band zwei Auszeiten von vier bzw. fünf Jahren gegönnt hat, wird klar, dass sie, wenn sie aktiv sind, äußerst produktiv zu Werke gehen. Hauptkomponist und Texter Roine Stolt scheint damit allerdings nicht so recht ausgelastet zu sein, denn er nimmt noch regelmäßig mit anderen Bands auf und geht mit ihnen auf Tournee, wie etwa mit den Supergroups Transatlantic (5 Alben) & Agents of Mercy (3 Alben) sowie einigen mehr, und er macht Alben unter eigenem Namen. Man muss kein Mathematiker sein, um auszurechnen, dass das nicht alles absolute Spitzenklasse sein kann. Der Punkt ist aber, dass man als Anhänger progressiver Rockmusik an Stolt nicht vorbei kommt, weil er ein herausragender Gitarrist (man kreuze Zappa, Gilmour und Steve Howe) und Komponist ist, der -zumindest manchmal- stringente 30-Minüter schreiben kann und ein sagenhaftes Händchen für euphorisierende Melodien hat, die regelrecht in Wallung versetzen. So gibt es Mengen an wirklich genialem und einzigartigem Stoff, den man unmöglich versäumen kann, aber nur findet, wenn man sich durch das zahlreiche öde bis blöde Füllmaterial arbeitet. Warum schreibe ich das alles? Weil es auf dem erwähnten Love erfreulich wenig davon gibt und es deswegen ein paar Durchläufe mehr schaffte, während denen bei mir der neue Tastenmann ins Hörfeld rückte und mit seinen einnehmenden Sounds einen bleibenden Eindruck hinterließ. So schaute ich flugs nach, ob es Live-Aufnahmen mit ihm gibt, und wurde beim gerade gehörten Album fündig. Und der Eindruck verfestigte sich. Obwohl die meisten Stücke schon in anderen Live-Versionen vorliegen und die Band dort etwas aufgeweckter wirkt als hier, wo man die Sache doch recht entspannt angeht, ist das vor allem dank Larsson eine höchst erfreuliche Angelegenheit.
Joe Dvorak (06.07.2025, 03:57):


Abominable Putridity - In the End of Human Existence (2007)

Wer Metal als Musik für Höhlenmenschen bezeichnet, hat in der Regel keine Ahnung. Es gibt aber durchaus Ecken, in denen ganz gezielt versucht wird, diesem Ruf gerecht zu werden. Die Krone gebührt hier dem Sub-Sub-Sub-Genre "Brutal Slam Death", dem selbst die meisten Metalheads Attribute wie primitiv, geistlos, formelhaft und banal anheften. Dass es viele Slam-Bands gibt, die wirklich nicht sonderlich talentiert sind, hilft nicht weiter. Es ist was dran an der Aussage, dass man alle Alben kennt, wenn man eins kennt – aber ich würde präzisieren: fast alle. In diesem Umfeld ist es schon wieder eine Leistung, aufzufallen und sich von den Dutzenden Kopierkatzen abzuheben, ohne aus dem zwangsjackenengen stilistischen Korsett auszubrechen. Die Selektion ist eine unkomplizierte Angelegenheit. Wenn beim Hören anstelle der genannten Abwertungsattribute eher Begriffe wie archaisch, rituell, beklemmend und misanthropisch in den Sinn kommen, hat man es mit "gutem" Slam zu tun. Die Alben, auf die das zutrifft, kann ich – im Wortsinne – an einer Hand abzählen, und dieses hier gehört dazu. Die Russen haben fünf Jahre später einen Nachfolger vorgelegt, der deutlich technischer, verspielter und einfach "besser" ist, aber das ist halt nicht mehr die reine Lehre. Oder wie sagt man: Wennschon sündigen, dann richtig.
Markus S (06.07.2025, 14:57):
Benny Andersson - Kriget
https://youtu.be/rwBTfZA6Xhk?si=Lls-YfontPE6ULKw
Joe Dvorak (14.07.2025, 04:27):


The Sea Within - The Sea Within (2018)

Daniel Gildenlöw (Gesang, Gitarre, Banjo, Kalimba), Roine Stolt (Gitarre, Gesang, Synthesizer, Mellotron, Orgel, Perkussion, E-Bass, Orchestrierung), Tom Brislin (Klavier, E-Piano, Orgel, Synthesizer, Mellotron, Harmonium, Gesang), Jonas Reingold (Bundlose Bassgitarre, E-Bass, Gitarre), Marco Minnemann (Schlagzeug, Perkussion, Gesang, Akustikgitarre, Glockenspiel)

Seitenprojekte mit einer solchen Ansammlung von Superstars der Progressive Rock-Szene locken mich kaum noch hinter dem Ofen vor. Nur selten werden die Ergebnisse den Erwartungen gerecht, es wirkt oft -fatal für Musik, die sich "progressiv" nennt- auf vorhersehbare Weise allzu glatt und routiniert. So auch hier, trotz Gildenlöw, dessentwegen ich den Versuch gewagt habe. Ja, die können auf allerhöchstem Niveau komponieren, arrangieren, singen und spielen - das hört man anerkennend nickend und der Bedarf, es nochmal zu hören, ist gleich null.
Joe Dvorak (14.07.2025, 05:08):


Counter World Experience - Music for Kings (2012)

Benjamin Schwenen (Gitarre, Gitarren-Synthesizer, Programmierung), Sebastian Hoffman (E-Bass), Thorsten Harnitz (Schlagzeug)

Hier sind zwar keine Superstars am Werk, aber dafür gibt es die Kreativität und Spielfreude, die mir beim zuvor gehörten Album gefehlt haben. Schwenen (Prinzipal am Theater des Westens) und Harnitz (diverse Sinfonieorchester) sind klassisch ausgebildete Berufsmusiker, die hier ihrem lästerlichen Freizeit-Hobby frönen: Progressive Metal mit starker Jazz-Fusion-Schlagseite, der seine Vorbilder zwar nicht ganz verleugnen kann, diesen aber in meinen Ohren ebenbürtig ist und sie in puncto Innovation nicht selten übertrifft.
Joe Dvorak (17.07.2025, 01:39):


The Flower Kings - Islands (2020)

Eine Platte nach einem Klassiker des 70-er Progressive Rock zu benennen und sie dann noch in ein Roger Dean-Cover zu stecken, ist eine klare Ansage. Und gleich im Eröffnungssong sind die bei dieser Gruppe immer mitschwingenden alten King Crimson und Yes als Einflüsse überdeutlich herauszuhören. Das Album entstand in der unsäglichen Lockdown-Zeit, während der sich die fünf Musiker in fünf verschiedenen Ländern aufhielten. So fehlen hier zwangsläufig die aus Studio-Jams entstandenen langen Instrumental-Passagen, die sonst gerne in die Kompositionen eingebaut werden. Diese Konzentration zahlt sich aus, das wirkt schlüssig, und es bleibt immer noch genügend Raum für Soli von Gitarre und Tasteninstrumenten, sowie dem gelegentlich gastierenden Saxophon. Die Texte behandeln die Thematik meist mit viel Tiefgang und mit dem dieser Band nicht auszutreibenden Optimismus, dass irgendwie alles gut wird. Dass das Cover vor dem gleichen Hintergrund entstanden ist, dürfte nicht zu übersehen sein. Trotz der Anzahl von 21 Liedern und der Länge von eineinhalb Stunden fehlen Durchhänger, dafür hagelt es ideenreiche Höhepunkte in einer Anzahl, die man von dieser Band seit Mitte 2000 nur noch selten auf einem Album versammelt findet. Und es wird mit jedem Hören besser. Höchst erfreulich! Zwar nicht In Joes Top 5 der 17 Studioalben, aber nur ganz knapp dahinter.
Joe Dvorak (18.07.2025, 06:00):


The Flower Kings - Waiting for Miracles (2019)

Hasse Fröberg (Gesang), Roine Stolt (Gitarre, Gesang, Tasteninstrumente, Sequenzer, Basspedal-Synthesizer, Orgel, Mellotron, Ukulele), Zach Kamins (Hammond-Orgel, Mellotron, Synthesizer, E-Piano, Klavier, Glockenspiel, Marimba, Gitarre, Theremin, Harmonium, Orchestrierung), Jonas Reingold (E-Bass, Bundlose Bassgitarre, Kontrabass), Mirko DeMaio (Schlagzeug, Perkussion, Vibraphon, Pauke)

Neben LvB nehmen mich die Könige der blumigen symphonischen Rockmusik zur Zeit besonders in Beschlag. Gerade läuft zum wiederholten mal das Comeback-Album nach der zweiten Auszeit. Meldet man sich nach mehreren Jahren Pause mit einem solchen Albentitel zurück, liefert man den Skeptikern natürlich eine Steilvorlage. Und so wurden Floskeln, wie "das Warten auf ein Wunder war vergeblich" zum geflügelten Wort. Auch ich schloss mich zunächst der Fraktion an, die meinte, es ginge im selben Trott weiter, wie sie aufgehört haben. Aber das war vorschnell. Es ist zwar wieder ein gefürchtetes Doppelalbum geworden, allerdings mit einer seltsamen Aufteilung. Die erste Scheibe enthält 10 Titel mit einer Laufzeit von etwas über einer Stunde, die zweite nur 5, darunter ein kurzes Intro und Outro und bringt es nur auf knapp über 20 Minuten. Das scheint aber nicht als Bonus gemeint zu sein, denn das Intro ist eine verkürzte Reprise des Stücks, das die erste Seite eröffnet. Wie auch immer, der Fünfer wartet mit zwei neuen Leuten an Tasten und Schlagwerk auf und die machen ordentlich Betrieb. Es gibt ein paar Überraschungen in Form von trance-artigen Synth-Mustern, Musical-hafter Pseudoklassik, sowie einigen (für die Band) ungewöhnlich harten Riffs, und sie lehnen sich nicht nur an die einschlägigen britischen Vorbilder an, sondern es kommen auch amerikanische AOR-Einflüsse zum Tragen. Aber das ist alles sehr wohl dosiert, und die der Band ureigene romantizistisch-getragene Grundstimmung bleibt der rote Faden. Die jüngeren Alben mögen weniger absolute Über-Höhepunkte haben als die alten (doch immer noch genug), aber das wird durch das komplette Fehlen von Tiefpunkt-Füllmaterial mehr als ausgeglichen. Selbst der obligatorische 08/15-Popsong, der sonst stets ein sicherer Kandidat fürs Fiasko ist, macht Spaß. Es gibt an dieser Scheibe nichts auszusetzen, aber viele Details zu lieben - insbesondere unter Kopfhörern.
Joe Dvorak (25.07.2025, 07:01):
The Flower Kings

Meine Frust-Band Nr. 1: Hätten sie ihre oft randvollen Doppelalben zu Singles und ihre meist randvollen Einzelalben zu LPs gemacht, indem sie die ausufernd langen Stücke an den richtigen Stellen kürzen und so manch unfassbar banales kurzes Stück ganz weglassen, dann wären sie eine der begnadetsten Formationen, die je unseren Planeten mit Musik beglückt haben. Aber so...
Was ist eigentlich das Gegenstück zum Vorurteil? Dass man nicht urteilen sollte, bevor man ausreichende Informationen über das zu Beurteilende hat, ist eine Binse. Dass es von Unterbelichteten trotzdem gemacht wird, ist halt so. Aber wie sieht es mit Nachurteilen aus? Wenn einmal gefällte Urteile nie wieder auf den Prüfstand gestellt werden, ist das auch nicht viel heller. Ich denke, dass nicht gefällte Nachurteile weitaus verbreiteter sind als gefällte Vorurteile.
Lange Rede, gar kein Sinn. Hier liegt ein klassischer, freilich völlig harmloser Fall vor. Die von mir geäußerte Meinung ist bei den "Gegnern" so weit verbreitet, dass sie mir immer wieder aufs Neue bestätigt wird, wenn ich mich lesend mit dieser Gruppe beschäftige. Aber hält sie (m)einer neuerlichen Prüfung stand? Nein, bei drei in dieser Hinsicht am härtesten kritisierten und in den letzten Tagen nochmals mit je zwei konzentrierten Hörsitzungen bedachten Alben (Stardust We Are (1997), Flower Power (1999) & Unfold the Future (2002)) fiel das Urteil in einem Fall vollständig und in zwei Fällen zum großen Teil anders aus. Die oben geäußerte Kritik muss daher umgeschrieben werden.

The Flower Kings

Für mich eine der begnadetsten Formationen, die je unseren Planeten mit Musik beglückt haben.
Joe Dvorak (04.08.2025, 10:26):
The Flower Kings - Islands (2020)

Zwar nicht In Joes Top 5 der 17 Studioalben, aber nur ganz knapp dahinter.
Eine weitere Korrektur ist fällig. Nach nochmaligem Hören der beiden Kontrahenten und Anwendung von Joes patentiertem Rating-System zieht Islands knapp am 1995er Debüt-Album Back to World of Adventures vorbei. Die finale Rangfolge sieht damit folgendermaßen aus.
Unfold the Future (2002)
The Rainmaker (2000)
Adam & Eve (2004)
Retropolis (1996)
Islands (2020)
Vergleicht man das mit Progarchives, die ein zuverlässiges, auf Hunderten von Wertungen beruhendes und mit Gewichtungen arbeitendes System haben, bin ich ein eher untypischer Flower Kings Anhänger. Die von mir auf Platz 2 und 3 gesetzten Alben haben dort die niedrigsten Bewertungen und das am höchsten bewertete, Banks of Eden (2012) liegt bei mir an 14. Stelle.



The Flower Kings - Unfold the Future (2002, Original Bonus Track Edition)

Hasse Fröberg (Gesang), Roine Stolt (Gitarre, Gesang, Tasteninstrumente), Tomas Bodin (Klavier, E-Piano, Orgel, Synthesizer, Mellotron), Jonas Reingold (Bundlose Bassgitarre, E-Bass), Zoltan Csörsz (Schlagzeug), Hasse Bruniusson (Orchester-Perkussion, Vibraphon, Marimba), Daniel Gildenlöw (Gesang), Ulf Wallander (Sopran- & Tenorsaxophon), Anders Bergcrantz (Trompete)

Die Original Bonus Track Edition muss es sein, nicht nur, weil der Track zu den besten auf dem Album gehört und es rund macht, sondern weil bei späteren Neuauflagen neben dem Remastering auch verschlimmbessernde Neuabmischungen und Kürzungen vorgenommen wurden. Die richtige Edition erkennt man an der Spielzeit von 151 Minuten.

Auf dem Höhepunkt der 70er-Progressive-Rock-Welle übertrieben es die Bands mit Anspruch und Ambition und, so der Vorwurf, wirkten prätentiös und aufgebläht bis zum Exzess. Die Ansicht muss man nicht teilen, aber sicher ist, dass die Alten im Vergleich zu dem hier vorliegenden Behemoth alle Waisenknaben waren. Mit einem 30-Minuten-Song zu eröffnen, ist kühn, aber die Zeit vergeht wie im Flug, was nicht zuletzt an der fantastischen Rhythmusgruppe liegt. Reingold spielt auf wie weiland Jaco Pastorius bei Weather Report, und Csörsz' Vexierspiele sind hirnverknotend, aber nicht aufdringlich. Eine Nacherzählung dessen, was auf diesem Album an Vielfalt geboten wird, ist aussichtslos. Von experimentellen Freiformstücken, über treibende Geradeaus-Rocker, Jazz-Einlagen hart an der Grenze zum Free, schlichten Balladen mit pathetischen Texten hin zu verkopften Langliedern mit Takt-, Tempo und Stimmungswechseln im Minutentakt und abseitiger Virtuosität. Und weil zwei kompetente Leadsänger nicht genug sind, holt man sich noch einen Stargast, der zwei Titel übernimmt und im 25-Minuten-Track, der das reguläre Album vor dem Bonustrack abschließt, im Wechsel mit den beiden anderen gastiert. So wirr und überladen das klingt, so gut ist es. Nach vielen Durchgängen zeigt sich, dass das viel kohärenter ist, als es scheint, und subtile Querbezüge treten zu Tag. Das ist ein Album, mit dem man sich eine Ewigkeit lang beschäftigen und immer wieder Neues entdecken kann. Dass das nicht in Arbeit ausartet, liegt nicht zuletzt daran, dass es Mistwagen voller Melodien gibt, die den haardünnen Grat meistern, eingängig genug zu sein, um ein Ohrwurm zu werden, ohne dabei schlagerhaft-aufdringlich zu wirken.
Joe Dvorak (11.08.2025, 03:44):
Heute brauche ich, um in die Gänge zu kommen, erstmal etwas Grobkörniges:



Khold - Hundre ar gammal (2008)

Rabenschwarzer Groove 'n' Roll, der widerstandslos zu unkontrollierten Körperbewegungen führt. Sehr voluptuös!
Joe Dvorak (26.08.2025, 13:01):


Joris Voorn - Balance 014 (2009)

Die Beschäftigung mit Riley hat mich dazu veranlasst, mal wieder ein paar alte DJ-Mixalben mit Volks-Electronica herauszuziehen.
Club-Musik und DJs haben bei vielen Klassikhörern kein gutes Ansehen. Die gefürchteten Four-to-the-Floor-4/4-Schläge mit der Basstrommel -Bumm-Bumm-Bumm-Bumm- reichen oft aus, um dieser Musik künstlerischen Wert abzusprechen. Und ein Mix-Album für das Titel, die von anderen Leuten produziert wurden, zusammengestellt und ein bisschen ineinander überblendet werden, kann wohl jeder produzieren. Ob das dann etwas taugt und ob es jemand hören will, ist eine andere Frage.

Was macht für mich einen guten Mix aus? Zuerst natürlich die Mischtechnik. Der Übergang von einem Titel zum nächsten soll nahezu unmerklich erfolgen, das heißt, aufeinanderfolgende Titel müssen klanglich, stilistisch und atmosphärisch verwandt sein. Sie dürfen sich jedoch nicht zu ähnlich sein, damit mit weiterem Fortschreiten eine Entwicklung stattfindet, die idealerweise einem Muster folgt. Man kann beispielsweise als Ausgangspunkt Tracks mit organischen Sounds, analogen Samples und leichter Perkussion, die den 4/4-Beat lediglich umspielt, verwenden. Den Einsatz der Four-to-the-Floor-Schläge hinauszuzögern oder zu verschleiern, schafft Spannung. Zur Mitte hin können mehr elektronische Titel mit härter werdenden Schlagmustern bei zunehmendem Tempo ausgewählt werden, die Intensität kann von Titel zu Titel gesteigert werden, bis sich das Ganze auf dem Höhepunkt in einem Breakdown entlädt und nach und nach wieder in ruhigere Gefilde zurückgeführt wird.
Selbstverständlich darf man diesem Ablauf nicht sklavisch folgen, sondern muss mit den Erwartungen der Hörer spielen, hier kunstvoll verzögern, da Spannung schaffen, die anders als erwartet gelöst wird, dort bewusst die Regeln brechen, ohne dass es den Fluss stört – und man sollte neben wenigen Hits auch obskure Ausgrabungen, die sich als Juwel erweisen, einsetzen und Stücke, die schon von anderen Mixern verwendet wurden, vermeiden. Als Königsdisziplin kann man Ausflüge in andere Genres unternehmen, immer mit der Prämisse, dass der Fluss aufrechtzuerhalten ist. Die Besten des Fachs mixen auch in der Vertikalen, das heißt, sie demontieren verschiedene Tracks und setzen die Spuren zu einem neuen zusammen. Auf dem gehörten Album sind teilweise bis zu 8 Stücke gleichzeitig zu hören und insgesamt verwendete Voorn mehr als 100 verschiedene Titel. Letztendlich muss neben makelloser Technik und dem formalen Fluss auch noch eine inhaltliche Aussage gebracht werden. Das Set ist ein persönliches Statement des Künstlers, das über die gekonnte Auswahl und Zusammenstellung von Tracks hinausgeht und das Mix-Album zu etwas Größerem als der Summe seiner Teile macht. Will man alle genannten Randbedingungen einhalten, wird die "kunstlose" Beschränkung auf Fremdmaterial zur Herausforderung – man muss Tausende von Tracks abrufbereit im Kopf haben und daraus die hundert finden, die ein solch stimmiges Ergebnis liefern. Das ist schon irgendwie eine kleine Kunst.
Joe Dvorak (30.08.2025, 05:14):


Verschiedene Interpreten - Artificial Intelligence (1992)

Dieser Sampler war eines der Schlüsselalben für die Weiterentwicklung der Electronica - weg von der Tanzfläche hin zur heimischen Anlage. Electronic listening music, wie es auf dem Cover geschrieben steht, erschien seinerzeit als paradox, denn wer will zu Musik, die auf Raves (Partys, bei denen zu elektronischer Musik getanzt wird) läuft, stillsitzen und zuhören? Aber das gewann rasch an Momentum, und als Arbeitsbegriff für das Subgenre wurde in Bezug auf dieses Album IDM (Intelligent Dance Music) gewählt, um es von der koventionellen EDM (Electronic Dance Music) abzugrenzen. Das war sehr unglücklich, denn es gibt intelligente EDM und blöde IDM, jedoch hatte sich die Bezeichnung rasend schnell durchgesetzt und war von den Protagonisten, die diesen Elitismus selbst ablehnten, nicht mehr rückgängig zu machen.
Joe Dvorak (01.09.2025, 09:57):


Jan Jelinek - Loop-Finding-Jazz-Records (2001)

Jelinek sampelte für dieses Meisterwerk Jazz-Platten aus den 60ern und 70ern, manipulierte und zerlegte die Sequenzen bis aufs blanke Gerüst, setzte sie mit verschiedenen, teils selbst entwickelten Techniken collagen-haft zu neuen Schleifen zusammen und reicherte das Ganze mit Effekten an, die auf den ersten Lausch wie Störgeräusche klingen. Die Originale nicht mehr erkennbar, und man muss schon ganz genau hinhören und "übersetzen", um nicht-elektronische Klänge als Quelle auszumachen. Das Album müsste aus Sicht des Hörers eigentlich zutreffender "Jazz-Searching-Loop-Records" heißen. Das ist eine hoch abstrakte Angelegenheit, behält aber dennoch etwas Organisches, sodass das nicht nur zum intellektuellen, sondern auch zum sinnlichen Vergnügen wird.
Joe Dvorak (12.09.2025, 18:52):


Autechre - Tri Repetae (1995)

Musik auf das Wesentliche reduziert: Rhythmus und Klang. Dabei so unfassbar effektiv, dass man sich fragt, ob die vorhergehenden 200 Jahre mit ihrer emotionalen Geschwätzigkeit und/oder selbstgefälligen Komplexität nicht ein gewaltiger Irrweg waren. (Joe übertreibt, um zu verdeutlichen).
Joe Dvorak (02.10.2025, 10:58):


The Stranglers - No More Heroes (1977)

Das euphorisiert heute noch wie damals, als es rauskam. 11 Lieder, 11 Aufsteller erster Güte.
Joe Dvorak (14.10.2025, 12:19):


Simon Posford / Raja Ram - Improvisations for Piano & Flute

Raja Ram (Altflöte), Simon Posford (Klavier, Synthesizer)

Das Produzenten-Team, das unter dem Pseudonym Shpongle auf elektronische Musik spezialisiert ist, traf sich im Wohnzimmer, um ohne vorherige Absprachen zu spielen. Das ist so tiefenentspannt und reibungsfrei, dass ich dem im Verbund mit dem "Weltmusik"-Einschlag das zweifelhafte Label New Age-Musik verpassen muss.
Joe Dvorak (20.10.2025, 18:32):


Zen Mechanics - Holy Cities (2008)

Hochenergetischer Psytrance der Extraklasse. Rileys und Reichs Erben treten dermaßen in den Allerwertesten, dass Tote aufgeweckt werden. 8o
Markus S (24.10.2025, 17:20):
Mark Knopfler - Hot Or What
https://www.youtube.com/watch?v=EqJyjrblBjE
Joe Dvorak (25.10.2025, 03:21):
JLL-#1/233



Knats - Knats (2025)

Ferg Kilsby (Trompete), Cam Rossi (Tenorsaxophon), Sandro Shar (Tasteninstrumente), Stan Woodward (Bassgitarre), King David Ike Elechi (Schlagzeug)

Das Erstaunliche an diesem Album ist, dass es wahrscheinlich Dutzende von Gruppen gibt, die solche Musik auf dem gleichen kreativen und technischen Niveau spielen und nicht über Auftritte in lokalen Clubs hinauskommen. Das britische Jazz-Fusion-Quintett Kants hat es geschafft. Mundpropaganda sorgte dafür, dass sie überregional bekannt wurden und schließlich einen Plattenvertrag ergatterten. Die Presse ist begeistert, obwohl sie Musik machen, die man schon oft gehört hat, sprich in den 70ern verwurzelter Jazz-Rock mit Latin-Einschlägen hier und da. Aber sie haben wirklich ein gewisses Etwas, ohne dass ich konkret benennen könnte, was es ist. Ich bleibe an diesem durchhängerfreien Album einfach mit größter Freude dran, und was hilft, sind gelegentliche Additionen zur klassischen Quintettbesetzung: Hier spielt mal ein Akkordeon mit, dort eine E-Gitarre, da kommen zusätzliche Bläser oder Streicher oder Perkussion zum Einsatz – weniger als Gimmick, sondern als echte Bereicherung. Nicht der letzte Schrei in puncto Originalität, aber unterm Strich ein sehr lohnendes Album für Freunde dieser Musik.
Sfantu (25.10.2025, 11:06):
Guter Tipp!
Hab' mir mehrere Portionen aus der Tube gegönnt + jpc-Klangschnipsel.
Originalität - richtig, in dem Punkt hakt es ein wenig. Man kennt das so oder ähnlich aus den 70ern/80ern. Aber durchgängig gut gemachter Großstadt-Fusion-Sound. Vielleicht finden sie mit der Zeit noch zum ein oder anderen Alleinstellungsmerkmal.
Immerhin - das drum set kommt mit einer besonders energetischen, treibenden Kraft ans Ohr, die fesselt.
Kommt als LP mit meiner nächsten jpc-Bestellung.
Joe Dvorak (26.10.2025, 02:48):
Joe Dovark gefällt dieser Kommentar von Sfantu.
Joe Dvorak (27.10.2025, 01:17):
JLL-#4/233



Joris Voorn - Fabric 83 (2015)

Voorn hatte ich weiter oben schon als einen der absoluten Top-DJs, die das Mix-Album als eigenständige Kunstform in ungeahnte Höhen geführt haben, vorgestellt. Wie immer, wenn Musiker zuvor nicht dagewesene technische Fähigkeiten und Perfektion erreichen, bleibt das nicht unumstritten (siehe Heifetz, Tatum, Malmsteen), aber ich streite nicht mit, sondern gebe dem Niederländer meine uneingeschränkte Bewunderung. Für diesen Mix packte er 65 Tracks – wobei bis zu 7 gleichzeitig laufen – in 74 Minuten. Paradoxerweise ermöglicht ihm gerade die überreiche Verwendung von fremden Quellmaterial, einen Personalstil nicht nur hinsichtlich des Aufbaus, sondern auch des Sounds zu entwickeln. Ich hätte beim Blindtest nach zweieinhalb Minuten auf Voorn getippt und nach weiteren zwei einen beliebig hohen Wetteinsatz auf ihn platziert. Nun wäre das alles für die Katz, wenn dabei ein seelenloser oder wirrer Mix herauskommen würde. Aber da ist Seele drin, das lebt und atmet wie ein warmer Organismus – und der von genialen Ideen überschäumende Fluss ist mit all seinen absichtlichen Regelbrüchen so stimmig und zwingend, dass ich mir das gar nicht anders vorstellen kann. Das ist eine dieser Platten, von denen ich sage, dass da keine einzige Note, kein einziger Klang, kein einziger Effekt, kein einziges Geräusch weggelassen oder hinzugefügt werden darf, weil alles so, wie es ist, perfekt ist.
Joe Dvorak (28.10.2025, 00:04):
JLL-#6/233



Jens Johansson - Fission (1997)

Mike Stern (Gitarre), Shawn Lane (Gitarre), Jens Johansson (Synthesizer, Synth-Bass, Orgel, Klavier, Saxophon), Anders Johansson (Schlagzeug)

Diese fantastische Platte wurde hier schon besprochen und ich kopiere das einfach mal -leicht gekürzt und korrigiert- her. Was nachdenklich stimmt, ist das Datum des Eintrags, dem ich entnehme, dass das Album bereits seit 5 Jahren auf der Liste der unbedingt wiederzuhörenden steht. Ich dachte, das wäre gestern gewesen.
Bei der Besetzung muss man sich zweimal die Augen reiben. Mike Stern wurde einem größeren Publikum bekannt, als er Anfang der 80er in die Band von Miles Davis -bei dessen Comeback nach mehrjähriger Pause- berufen wurde. (...) Wie fast jeder Miles-Alumni verkaufte Stern anschließend Platten wie geschnittenes Brot. Shawn Lane brachte sich das Gitarrespielen im Alter von 10 Jahren selbst bei (...), entwickelte sich rasant und war bald als Wunderkind bekannt. Mit 15 wurde er Gitarrist der (...) Südstaaten-Band Black Oak Arkansas. Leider kam es zu keinen Plattenaufnahmen, weil die Gruppe in den 4 Jahren seiner Mitgliedschaft ständig auf Tournee war. Lane verfügte über technische Fahigkeiten, die an Hexerei grenzten. Nach chronischer Krankheit mit schweren Medikamenten-Nebenwirkungen starb er im Alter von 40 Jahren. Jens Johansson hat in veschiedenen Metal-Gruppen gespielt und gilt in der Szene als einer der besten Keyboarder. Ich bin begeistert von seinem Synthi-Sound, der einen sehr hohen Wiedererkennungswert besitzt. Er holt aus seinem digitalen Equipment einen wunderbar warmen Analogklang heraus, der irgendwo zwischen E-Gitarre und Holzblasinstrument liegt. Die Single Notes haben eine Art Ansatzgeräusch, das entfernt an Klappen erinnert. Eine gewisse Verwandtschaft zum guten alten vordigitalen Minimoog-Sound, wie er von Jan Hammer oder Chick Corea in den frühen 70ern kreiert wurde, ist nicht von der Hand zu weisen. Neben seinen Soli wartet Jens mit innovativen Klanglandschaften -mal an der Grenze zum spaceigen Ambient, mal dezent technoid- auf, die diese Musik weit über Fusion-Massenware hinausheben. Bemerkenswert sind auch die rasanten, verwinkelten Bassläufe, die er programmiert. Das ist von einem echten E-Bassisten kaum noch zu unterscheiden. Anders Johansson ist Jens' Bruder und ebenfalls hauptamtlich im Metal tätig. Beide sind Söhne von Jan Johansson, einem der bekanntesten skandinavischen Jazzpianisten. Mit diesen Genen haben sie immer wieder Ausflüge in den Jazz/Fusion-Bereich unternommen. Sechs Platten haben sie gemeinsam gemacht und Fisson ist eine davon. Die anderen habe ich mittlerweile auch gehört und bin höchst entzückt. (...)
Joe Dvorak (31.10.2025, 09:04):
JLL-#11/233



Blue Öyster Cult - The Revölution By Night (1983)

Das radiofreundliche neunte Album des enigmatischen Quintetts, das erste, das nicht mehr in Originalbesetzung eingespielt wurde, kommt bei Fans und Kritikern nicht sonderlich gut weg. Ich habe für diesen bisweilen stadiontauglichen "Erwachsenenrock" ein Faible, und mit Shooting Shark hat sich eine der allerbesten Nummern im gesamten Katalog der Band auf dieser Platte - die mit jedem Hören wächst - versteckt.
Joe Dvorak (07.11.2025, 01:40):
Hier wieder Pflichtkür am Morgen:
JLL-#12/233



Thelonious Monk Septet – Monk's Music (1957)

John Coltrane (Tenorsaxophon), Coleman Hawkins (Tenorsaxophon), Gigi Gryce (Altsaxophon), Ray Copeland (Trompete), Thelonious Monk (Klavier), Wilbur Ware (Kontrabass), Art Blakey (Schlagzeug)
Joe Dvorak (09.11.2025, 04:52):
Die Aussage, dass sich der Musikgeschmack in jungen Jahren ausbildet und sich ab dem Alter von etwa 30 Jahren weitgehend stabilisiert, wird durch zahlreiche Theorien und Untersuchungen gestützt (Deepseek verweist auf "Reminiscence Bump", "Autobiographische Salienz", Studie von Holbrook und Schindler (1989), Forschungen von Rainer Dollase, Analysen von Streaming-Diensten). Es gibt wohl Weiterentwicklungen auf der Basis der frühen Prägungen, aber dass komplett neue und völlig andersartige Genres erschlossen werden, soll kaum vorkommen. Ich darf mich somit einen statistischen Ausreißer nennen. Als die – retrospektiv betrachtet lächerliche – Krise der Lebensmitte mit voller Wucht über mich kam, wirkte sich das unter anderem in Desinteresse an sämtlicher zuvor geliebter Musik aus. Egal was ich hörte, es ließ mich kalt.
Dann stieß ich auf zwei Personen, die Ähnliches berichteten und angaben, dass sie mithilfe von Techno aus diesem Loch herauskamen. Das war nun gar nicht meine Musik und ich meinte bis dahin, das Bumm-bumm-bumm-bumm sei etwas für beschränkte Naturen. Trotzdem machte ich den Versuch – es kostete ja nichts, außer den Preis einer CD. Und es war wie befürchtet. Ich habe die permanenten 4/4-Schläge kaum ausgehalten, meinte gleich Kopfschmerzen zu kommen, aber ich zwang mich weiterzuhören, und so ab dem dritten, vierten Titel änderte sich die Wahrnehmung, ein hypnotischer Effekt stellte sich ein, die um die Viertel herum aufgebauten Schlagmuster stellten sich als komplexer heraus als angenommen, die Strukturen wirkten durchdacht, die Klangeffekte ausgefeilt, sprich: Das Ganze ergab auf einmal Sinn und mein sich zuvor heftig wehrender innerer Kultur-Heini musste kleinlaut gestehen, dass das "gar nicht mal so schlecht" ist. Das Ende vom Lied war, dass ich Nachholbedarf verspürte und etwa drei Jahre lang nichts anderes mehr hörte. Jede Woche wurden zwei, drei Alben (Streaming gab es noch nicht) gekauft und nach und nach entwickelte sich Expertise in Geschichte, Techniken, Genres, Subgenres und Stilen - und ein Sinn für Qualität. Dann legte sich das etwas, Klassik und Jazz kamen wieder mehr zum Zug, aber das Interesse an elektronischer Club-Musik blieb und erhielt unlängst durch die Beschäftigung mit Reich und Riley, die oft als Urväter dieser Musik bezeichnet werden, wieder einen massiven Schub. Einige der großen Alben aus dieser Ecke stehen auf der Spielliste.

JLL-#15/233



Atmos - 2nd Brigade (2004)
Joe Dvorak (11.11.2025, 03:39):
JLL-#18/233



Rush - Signals (1982)

Rush haben im Laufe ihrer mit 20 Studioalben dokumentierten Karriere ständig langsame Metamorphosen vollzogen, von Album zu Album Elemente ihres momentan aktuellen Stils etwas zurückgefahren und gleichzeitig vorsichtig neue Elemente hinzugefügt, sodass weiter auseinander liegende Alben stilistisch stark unterschiedlich sind, aber nirgends in der Diskografie von einem Album zum nächsten scharfe Kehrtwenden auszumachen sind. Die zeitliche Investition in chronologisches Hören aller Zwanzige ergibt einen satten ROI.
Philidor (23.11.2025, 12:48):
Von Zeit zu Zeit hör ich die Alten gern ...

Pink Floyd: The Dark Side of the Moon
Sfantu (23.11.2025, 21:04):
Von Zeit zu Zeit hör ich die Alten gern ...
Jaja - was dem Goethe einst sein Eckermann,
das ist uns heut' der Neckermann...

Aber es geht mir ähnlich.
Es braucht bei mir fast immer Impulse von außen, daß ich irgend etwas Anderes als Klassik auflege. Heute ist es Philidor. Vor kurzem war das ein Freund aus Karlsruhe, der mich besuchte.
Und eben dabei spielten Pink Floyd eine gewisse Rolle.
Ist es nicht kurios:
es scheint im Großen und Ganzen zwei Fraktionen von PF-Hörern zu geben:
1.) Alles ab Dark Side of the Moon
2.) Alles bis einschließlich Meddle
Der erwähnte Freund und ich sind klar Fraktion 2.)
Ein italienischer Freund gehört eisern zu Fraktion 1.). Er kann mit dem alten Kram - explizit mit Syd Barrett, nichts anfangen. Für mich/uns ist aber gerade dieses ausgetickte, pathologische Momentum das, was uns fasziniert.



Pink Floyd - Relics
(LP, emidisc, 1971)
Philidor (23.11.2025, 21:10):
Ist es nicht kurios:
es scheint im Großen und Ganzen zwei Fraktionen von PF-Hörern zu geben:
1.) Alles ab Dark Side of the Moon
2.) Alles bis einschließlich Meddle
Der erwähnte Freund und ich sind klar Fraktion 2.)
Ein italienischer Freund gehört eisern zu Fraktion 1.). Er kann mit dem alten Kram - explizit mit Syd Barrett, nichts anfangen. Für mich/uns ist aber gerade dieses ausgetickte, pathologische Momentum das, was uns fasziniert.
Wegen der Entwicklung von Roger Waters bin ich zurückhaltend geworden. Ich hoffe, dass er noch nicht so verdreht war, als die Alben entstanden, die ich mag.

Die fangen spätestens mit "Atom Heart Mother" an ... und gehen bis "The Wall" würde ich sagen ... habe das Zeug allerdings schon lange nicht mehr gehört, und vermute, dass ich viele andere großartige Alben jener Zeit einfach verpasst habe. Genesis(?), ELP (?), King Crimson(?) .. das ist jetzt reines Name-Dropping ... wennich mal viel Zeit habe, höre ich da rein.

Ich hatte in diesem Jahr einige längere Autofahrten, die ich mir mit Alan Parsons Project verkürzt hatte. Einiges fand ich sehr stark ...
Sfantu (23.11.2025, 23:04):
"Là haut sur la montagne"
ist eine Art heimliche Nationalhymne, bei der über den Röstigraben hinweg den Schweizern die Augen feucht werden.

https://www.bing.com/videos/riverview/relatedvideo?&q=le+vieux+chalet&&mid=101C087C28D52B8DE06A101C087C28D52B8DE06A&&FORM=VRDGAR
Joe Dvorak (24.11.2025, 08:34):
Ist es nicht kurios:
es scheint im Großen und Ganzen zwei Fraktionen von PF-Hörern zu geben:
1.) Alles ab Dark Side of the Moon
2.) Alles bis einschließlich Meddle
Hier 3.) Alles von Wish You Were Here bis Animals. Am Rest davor und danach hat in meinen Ohren der Zahn der Zeit arg genagt.

Hier geht es weiter mit dem Listen-Radio und einer Platte, die hauptsächlich aus historischem Interesse auf der Liste steht. EDM (Electronic Dance Music) ist ein Überbegriff für verschiedene Subgenres der, na ja, tanzbaren Elektronischen Musik, wobei House, Trance und Techno am populärsten sind. Techno wird immer wieder synonym zu EDM verwendet (in dem Sinne, wie "Klassik" einmal die Musik der Epoche und andermal alle Epochen umfassend benutzt wird). Die Subgenres sind wiederum in zahlreiche Sub-Subgenres und Stile zersplittert, von denen Psytrance die von mir meist gehörte und geliebte Richtung ist.

Anfang der 90er entwickelte sich die Keimzelle innerhalb der Aussteigerszene an den Küsten der Provinz Goa in Indien, als die auf den Hippie-Strandpartys gespielte psychedelische Rockmusik nach und durch importierte elektronische Musik abgelöst wurde, und schließlich eigene Produktionen entstanden. Die treibenden Rhythmen und sequenzierten Strukturen des Acid House und des europäischen Trance wurden mit den melodiösen Arpeggios und harmonischen Progressionen des frühen Techno kombiniert. Das hohe Tempo, die Integration orientalischer Skalen und die Schichtung komplexer, psychedelischer Synthesizer-Linien konstituierten einen eigenständigen, ritualisierten Sound und Stil: Goa-Trance. Dieser blieb ein kurzlebiges Phänomen, da westliche Produzenten die spezifischen Merkmale aus Goa übernahmen und durch die systematische Ausarbeitung von Struktur und Stil mithilfe von modernisierten und erweiterten Produktionsmethoden eine Annäherung an den klassischen Techno/Trance-Sound suchten. Als Resultat etablierte sich Mitte/Ende der 90er schließlich der Psytrance als eigenständiges Subgenre innerhalb der Elektronischen Tanzmusik. Der Übergang ist fließend, eine Zeit lang wurden Goa- und Psytrance synonym verwendet. Als spätestens Anfang der 2000er der Wandel komplett vollzogen war, wurde das "Goa"-Label aufgrund der Werbewirksamkeit beibehalten, obwohl nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit dem ursprünglichen Sound und keine mehr mit der geographischen Region vorhanden waren.

Mit den Psy-Jüngern verhält es sich ähnlich wie mit den Pink Floyd-Fans. Sie zerfallen im Großen und Ganzen in zwei Fraktionen. Die einen wollen den puren, unverfälschten Goa-Sound und lehnen den "überproduzierten" und "kommerzialisierten" Psytrance ab. Den anderen sind die allzu entwicklungsarmen und selbstähnlich klingenden Tracks der Urform auf Dauer zu monoton. Ich rechne mich klar zur letztgenannten Fraktion. Hier gibt es jetzt Konfrontationstherapie mit dem von der ersten Fraktion bevorzugten Reinstoff.

JLL-#24/233



Verschiedene Interpreten - Spiritual Trance from Goa (zusammengestellt und gemixt von DJ Goa Gil, 1995)
Joe Dvorak (29.11.2025, 12:03):
Noch ein Nachtrag zu Goa Gil. Er galt als einer der ausdauerndsten DJs. Sein Rekord steht bei einem 55-Stunden-Live-Mix, den er spielte, ohne das Deck einmal zu verlassen. Das Guinness-Buch vermeldet weit höhere Zahlen, aber das sind spezielle, eben auf Rekorde ausgelegte Ausdauerübungen, mit festen Regeln – z. B. stehen dem DJ fünf Minuten Pause pro Stunde zu, die akkumuliert werden und zum Schlaf genutzt werden können. Der künstlerische und kulturelle Wert, von einem 'spirituellen' ganz zu schweigen, wird dem untergeordnet, während sich die Längen der Sets bei Goa Gil aus diesen Werten von selbst ergaben. Er versuchte, Techno-Trance-Musik und die Trance-Tanz-Erfahrung zu nutzen, um eine "Kettenreaktion im Bewusstsein" auszulösen. Damit sollten die alten Stammes-Riten in einer für das 21. Jahrhundert geeigneter Form wiederbelebt werden. Goa Gil war bis ins hohe Alter aktiv und starb 2023 mit 72 Sommern auf dem Buckel.

Hier läuft nun ein alter Favoriten-Sampler des Psytrance, der sich aus dem Goa-Trance heraus- und dann weiterentwickelt hat und "Goa" lediglich zu Vermarktungszwecken groß auf dem Cover prangen hat. In den 2000ern wurden solche Kompilationen fast im Wochenrhythmus auf den Markt geworfen. Es war klar, dass man neben ein paar gebotenen Killernummern auch viel generisches Füllmaterial serviert bekam, aber man konnte damit schnell die interessanten Künstler finden und sich deren Alben besorgen (lies: kaufen – Spotify war noch nicht mal gegründet).

JLL-#29/233



Verschiedene Interpreten - Goa Trance Volume Two (zusammengestellt von DJane Rocket, 2005)
Joe Dvorak (01.12.2025, 01:08):
Joe allein im Forum.

JLL-#31/233



Tristan - Audiodrome (1999)

Ein stilistisch interessantes Psytrance-Album. Es herrscht noch der strukturelle Minimalisms des Goa-Trance vor, aber die harten Tech-Sounds nehmen die spätere Entwicklung des Subgenres vorweg. Sehr gelungen ist die Dramaturgie des Albums, mit mehr zerebralen, teils experimentellen Nummern zu Beginn und unnachgiebig treibenden Reißern zum Ende hin. Ein Gewinner.
Markus S (02.12.2025, 19:07):
Mark Knopfler - Janine (Album: One Deep River)
https://youtu.be/P156PlTY3bc?si=GBUY_qan-ZFZOLX0
Joe Dvorak (03.12.2025, 06:32):
JLL-#34/233



The Jelly Jam - 2 (2004)

Ty Tabor (Gitarre, Gesang), John Myung (E-Bass), Rod Morgenstein (Schlagzeug)

Amtlich schwere Gitarren-Riffs und hitverdächtige 60er-Gesangslinien. Prog-Vertracktheit in radiofreundlichen Liedstrukturen. Dazu ein mächtig druckvoller und gleichzeitig filigran aufgelöster Klang. Mehr geht nicht.
Joe Dvorak (13.12.2025, 02:34):
JLL-#38/233



Don Pullen - Evidence of Things Unseen (1983)

Don Pullen (Klavier)

Ha des isch mol a scharfs Solorezital! Wenn Keith Jarrett zu konservativ ist und Cecil Taylor zu extrem, findet man hier den mit Rhodium gepflasterten Mittelweg.
Joe Dvorak (13.12.2025, 08:22):
JLL-#39/233



John Zorn - 444 (2023)

Chaos Magick (John Medeski (Orgel), Brian Marsella (E-Piano), Matt Hollenberg (E-Gitarre), Kenny Grohowski (Schlagzeug))

42 ist nicht nur die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. 42 ist auch die Antwort auf die Frage, wie oft 444 seit der Erstbegegnung vor knapp einem Jahr bei mir gespielt wurde. Nur The Gnostic Preludes für Gitarre, Harfe & Vibraphon kamen aus Zorns Katalog mit 49 Einsätzen häufiger zum Zug. Anhand der Besetzungen kann man ausmachen, was Zorn von den meisten zeitgenössischen Komponisten unterscheidet: Er schreibt nicht nur für klassische Ensembles, sondern für alle möglichen und deckt stilistisch neben der modernen Kunstmusik noch dutzende andere Genres, Stile und deren Kombinationen ab. Somit hängt die Antwort auf die Frage, ob das "gut" ist, bei Zorn meist davon ab, ob man mit der Richtung, die er gerade bedient, etwas anfangen kann – qualitativ brennt bei ihm selten etwas an. Mit der hier gehörten Melange aus perlender 70er-Jazz/Prog-Fusion (dominierend), sporadischen Metal-Riffs, atonalen Ausbrüchen, entspanntem Ambient und wilden multistilistischen Collagen landet er bei mir einen Volltreffer.
Joe Dvorak (13.12.2025, 09:08):
JLL-#40/233



Bohren & Der Club of Gore - Geisterfaust (2005)

Christoph Clöser (E-Piano, Vibraphon, Tenorsaxophon), Morten Gass (8-saitiger E-Bass), Robin Rodenberg (Kontrabass, Bundlose Bassgitarre), Thorsten Benning (Schlagzeug, Perkussion)

Die Mülheimer Spaßtruppe adressiert ihr Publikum gerne als "Freunde der ereignislosen Musik". Geisterfaust ist in dieser Hinsicht ihr extremstes Album. Selbst für Feldman-Anbeter ist diese in ihre atomaren Elementarereignisse zerlegte Musik eine Bewährungsprobe. Die tiefenlastige Besetzung sorgt dafür, dass zu der trostlosen Kargheit noch beklemmende Finsternis hinzukommt. Ein Rezensent beschrieb das Gefühl, das ihn beim Hören der Bohrer oft beschleicht, wie in einem stockdunklen Raum eingesperrt zu sein, aus dem nach und nach der Sauerstoff herausgezogen wird. Treffender könnte ich es auch nicht sagen. Danach legt man das 15. Quartett von Shostakovich oder die 13. Sinfonie von Pettersson auf, um sich in Feierlaune zu versetzen.
Joe Dvorak (18.12.2025, 18:24):
JLL-#46/233



Scorpions - Tokyo Tapes (1978, Live)

Klaus Meine (Gesang), Uli Jon Roth (Leadgitarre), Rudolf Schenker (Rhythmusgitarre), Francis Buchholz (Bassgitarre), Herman Rarebell (Schlagzeug)

Was zum Henker? Ewig nicht mehr gehört und vergessen, wie gut die ist. Oder mit dem ganzen Erfahrungsschatz der letzten Jahrzehnte im Gepäck überhaupt erst in der Lage, das zu erkennen. Egal, die Qualität zeigt sich ganz subjektiv darin, dass ich das Ding wider alle Vernunft fertig hören muss (samt Bonustracks der Jubiläumsausgabe), obwohl die fortgeschrittene Nachtzeit und das anstehende Arbeitsprogramm für den frühen Morgen längst erforderten, die Bettruhe zu suchen. Objektiv reichen die Qualität des Gesangs und des Leadgitarrenspiels aus, um das als eines der größten Live-Alben der harten Rockmusik einzustufen - wobei von der stupenden Effektivität der Riffs noch gar nicht gesprochen wurde. Wer mit den Scorpions nur die "Kommerz"-Sachen ab ’82 verbindet, dem sei versichert, dass das hier etwas ganz anderes ist. Krachender Teutonen-Hardrock mit dem Schuss Intelligenzia, der das auch für den Kulturheini zu einer befriedigenden Sache macht.
Joe Dvorak (19.12.2025, 04:15):
Neuerscheinung mit hohem Hören-müssen-Faktor:



Alchemical Theatre (2025, Live)

Ikue Mori (Elektronik), Jim Staley (Posaune), John Zorn (Altsaxophon)
Joe Dvorak (19.12.2025, 06:55):
Weiter mit der Liste und wieder ein scheinbarer Zufall:

JLL-#47/233



Masada - Live in Sevilla 2000 (Teatro Central, Sevilla, Spanien, 18 Mar 2000)

John Zorn (Altsaxophon), Dave Douglas (Trumpet), Greg Cohen (Kontrabass), Joey Baron (Schlagzeug)

Ich schreibe ganz frech ab, was ich im Jahr des Zorns zum zweiten Konzert von Live at Tonic 2001 geschrieben habe - mittlerweile finde ich das eben gehörte noch einen Ticken runder.

Das ist Jazz von einem anderen Stern, in jeder Hinsicht (Titelauswahl und -abfolge, Themen, Songstrukturen, Gestaltung der Soli und Kollektivimprovisationen, Dichte, Konzentration, Präzision, Verbundenheit, Zusammenklang, Variabilität, Einfallsreichtum, Hingabe, Intensität, Energie...) absolut makellos. Da gibt es wirklich nichts, aber auch gar nichts zu kritisieren, und ich komme aus dem Staunen nicht heraus - nicht nur über das, was hier geboten wird, sondern auch über die Tatsache, dass diese Platte nie in den Polls gewürdigt wird.
Joe Dvorak (23.12.2025, 04:47):
JLL-#51/233



Jonas Hellborg - Time is the Enemy (Live, 1996)

Shawn Lane (Gitarre), Jonas Hellborg (Bassgitarre), Jeff Sipe (Schlagzeug)

Eines der unentbehrlichsten Live-Alben in meinem Hörfeld. Und doch musste es fast auf den Tag genau zwei Jahre auf Wiedervorlage ausharren. Es gibt einfach zu viel gute Musik da draußen.
Joe Dvorak (25.12.2025, 10:50):
Weihnachten ist hier kein Feiertag, aber es hat den Nebeneffekt, dass man bei der Arbeit Ruhe vor dem Rest der Welt hat und damit genug Zeit da ist, auch mal etwas Längeres ins Hörprogramm zu nehmen.

JLL-#54/233



Frank Zappa - Halloween '78 (Live At The Palladium, NYC - 10/31/78)

Frank Zappa (Gitarre, Gesang), Denny Walley (Slide-Gitarre, Gesang), Peter Wolf (Tasteninstrumente), Tommy Mars (Tasteninstrumente), Arthur Barrow (E-Bass), Patrick O’Hearn (Bundlose Bassgitarre), Vinnie Colaiuta (Schlagzeug), Ed Mann (Perkussion, Vibraphon), L. Shankar (Violine)

Lange erschien der Wunsch, mal einem Konzert des Maestros ohne Schnitte und nachträgliche Overdubs zu lauschen, unerfüllbar. Doch inzwischen wurden von der geschäftstüchtigen Erbengemeinschaft so viele uneditierte Liveaufnahmen veröffentlicht, dass man nicht mehr hinterherkommt. Der eben gehörte Mitschnitt eines 4-stündigen Mammutkonzerts gewinnt durch die Mitwirkung des indischen Geigers Lakshminarayana Shankar, der in den ausgedehnten improvisierten Instrumentalnummern für besondere Glanzpunkte sorgt, wodurch auch Zappa zu außerordentlichen Höhenflügen inspiriert wird.
Sfantu (26.12.2025, 13:20):
Unter Anderem dies war die Klangtapete zum entspannten, geselligen Brunch mit Nachbarn und Freunden am heutigen zweiten Feiertag. Und es paßte ideal zur Stimmung: anspruchsvoller als Bar-Jazz aber doch auch Anderes als das reine konzentrierte Zuhören erlaubend.



Abdullah Ibrahim

Senzo
(CD, WDR, 2008)

Besser als ich es könnte, beschrieb Werner Stiefele im RONDO-Magazin dieses Album.
Bei der Session zum Soloalbum "Senzo" verließ sich Abdullah Ibrahim auf seine Intuition. Im 57-minütigen Gedankenstrom wandert er nahezu bruchlos durch 22 Themen, darunter 21 eigene und Duke Ellingtons "In a Sentimental Mood". Sein Spiel, schon seit Jahrzehnten überaus hymnisch angelegt, hat auch im Studio des WDR enorme magische Kraft. Wie ein Hohepriester des Klangs setzt Ibrahim dunkle Muster, von denen sich die hart mit der rechten Hand angeschlagenen Melodien abheben. Dabei reduziert er die Stücke manchmal auf ihren innersten, von allem Schmuck befreiten Kern, und setzt wenig später opulente, weniger dem Motiv als dem Hang zum Wohlklang geschuldete Ornamente dagegen. Dann schwelgt er in dichten Tonwolken, die er kurz darauf wieder auflöst – ein beständiges, den Hörer fesselndes Wechselspiel.
Der 74-Jährige bevorzugt kraftvolle, in der afrikanischen Tradition verankerte Rhythmen, und auch sein Anschlag ist meist extrovertiert und kraftvoll und lässt wenig Raum für dynamische Finessen. Dies würde bei anderen Pianisten auf Dauer eintönig wirken – nicht jedoch bei dieser Soloimprovisation, die eher von unbeugsamer Energie berichtet. Das Aufnahmeequipment des WDR war nicht perfekt auf Abdullah Ibrahims Klangorgien ausgerichtet. So gibt es vor allem nach besonders akzentuierten Tönen ein Nebengeräusch, das eher an digitale Rauschfahnen erinnert, aber auch die Resonanz eines nicht abgedeckten Gegenstands im Raum sein könnte. Trotzdem geht die Intensität dieser Aufnahmen unter die Haut.
Joe Dvorak (27.12.2025, 03:46):
JLL-#56/233



Tim Hecker - Konoyo (2018)

Tim Hecker (Synthesizer, Gitarre, Elektronik), Motonori Miura (Hichiriki), Yoshiyuki Izaki (Uchimono), Fumiya Otonashi (Sho), Takuya Koketsu (Ryuteki), Mariel Roberts (Violoncello), Kara-Lis Coverdale (Tasteninstrumente)

Experimentelle Ambient-Musik aus einer urzeitlichen Zukunft, unbequem, entnervend, desorientierend – ätherisch, einhüllend, bezaubernd.
Markus S (27.12.2025, 19:51):
Sons Of Scotland (Quiet Theme) - Mark Knopfler (Filmmusik zu A Shot At Glory)

https://youtu.be/fsysvHlM4xw?si=odpSR_8GS-dXVxhy
Joe Dvorak (28.12.2025, 03:21):
Zum 10. Todestag von Ian Fraser "Lemmy" Kilmister gibt es heute natürlich einen Motörhead-Hörtribut. Eine Aktion wie vor genau 9 Jahren, als ich alle 22 Studioalben am Stück gehört habe, ist heute nicht mehr drin, aber eine Spielliste mit mindestens einem Titel aus jedem Album, inklusive der offiziellen Live-Veröffentlichungen, muss sein. Die Gesamtzahl ist logischerweise 42. Lemmy ist zwar nicht die Antwort auf alles, aber er kommt dem mit seinen Texten oft nahe.



On Parole
On Parole
1976


City Kids
On Parole
1976


Motorhead
Motörhead
1977


Lost Johnny
Motörhead
1977


Capricorn
Overkill
1979


Sweet Revenge
Bomber
1979


The Chase is Better Than the Catch
Ace of Spades
1980


Bite the Bullet
Ace of Spades
1980


The Hammer
Ace of Spades
1980


Ace of Spades (Live)
No Sleep 'til Hammersmith
1981


Iron Fist
Iron Fist
1982


Dancing on your Grave
Another Perfect Day
1983


Turn You Round Again
Another Perfect Day
1983


Killed by Death
No Remorse
1984


Built for Speed
Orgasmatron
1986


Traitor
Rock n Roll
1987


Just 'Cos You Got The Power (Live)
No Sleep at All
1988


No Voices in the Sky
1916
1991


March or Die
March ör Die
1992


We Bring The Shake
Bastards
1993


S & Death
Sacrifice
1995


Overnight Sensation
Overnight Sensation
1996


Dogs of War
Snake Bite L
*
1998


Metropolis (Live in Hamburg)
Everything Louder than...
1999


We Are Motorhead
We Are Motörhead
2000


Walk A Crooked Mile
Hammered
2002


Wh*rehouse Blues
Inferno
2004


Living in the Past
Kiss of Death
2006


Sword Of Glory
Kiss of Death
2006


Love for Sale (Live at Hammersmith)
Better MH Than Dead
2007


Teach You How to Sing the Blues
Motörizer
2008


The 1000 Names of God
Motörizer
2008


Brotherhood Of Man
The Wörld is Yours
2010


Bye Bye B!t(h Bye Bye
The Wörld is Yours
2010


Rock Out (Live in NY)
The Wörld is Ours Vol. 1
2011


Bomber (Live in Wacken)
The Wörld is Ours Vol. 2
2012


Lost Woman Blues
Aftershock
2013


Till The End
Bad Magic
2015


Choking On Your Screams
Bad Magic
2015


When The Sky Comes Looking For You
Bad Magic
2015


Orgasmatron (Live in Munich )
Clean your Clock
2015


Overkill (Live in Munich )
Clean your Clock
2015
Joe Dvorak (01.01.2026, 01:55):
JLL-#61/233



Billy Cobham - Focused (1998)

Randy Brecker (Trompete, Flügelhorn), Carl Orr (Gitarre), Gary Husband (Tasteninstrumente), Stefan Rademacher (E-Bass), Billy Cobham (Schlagzeug, Perkussion)

Eine schöne Fusion-Platte, etwas generisch vielleicht, aber mit genug Überraschungsmomenten und Abwechslung, um dranzubleiben. Cobham liegt mit seiner Gruppe stilistisch zwischen dem wilden Jazzrock, den er in den 70ern als eine der führenden Figuren der Szene mitentwickelt hat, und den entspannten, an Smooth Jazz und Easy Listening grenzenden Sachen, die er in den 80ern bei GRP gemacht hat.
Joe Dvorak (03.01.2026, 03:56):
JLL-#64/233

Deicide - Till Death Do Us Part (2008)

Glen Benton (Gesang, Bassgitarre), Steve Asheim (Schlagzeug, Gitarre), Jack Owen (Gitarre), Ralph Santolla (Gitarre)

Da soll noch jemand mitkommen. Das Cover, das einen Ausschnitt aus Hans Baldungs Gemälde Der Tod und die Frau (Kunstmuseum Basel - Sammlung Online - Der Tod und die Frau) zeigt, wurde bei Discogs und bei meinem Strömer zensiert. Hm, ja, ok, mancher mag nackte Haut anstößig finden, auch wenn sie von einem bedeutenden Künstler gemalt wurde, und wenn eine Seite den Grundsatz hat, das nicht zu zeigen, geht das in Ordnung. Aber wenn gleichzeitig wirklich üble Gore-Cover durchgehen, bei denen es selbst dem hartgesottenen Horror-Fan flau im Magen wird, dann weiß ich nicht, ob die Maßstäbe stimmen. Egal, Ich lasse es lieber mal weg, sonst fange ich mir womöglich noch einen strengen Verweis ein.

Till Death Do Us Part ist das zweite Album der Florida-Todesmetaller nach dem Rausschmiss des originalen Gitarrenduos und stellt eine Besonderheit im Oeuvre dar. Oberbösewicht Benton lässt seine stereotypen blasphemischen und satanischen Themen stecken und gibt stattdessen seiner frisch geschiedenen Ex ein paar Nettigkeiten mit auf den Weg – man bekommt den Eindruck, dass das nicht ganz einvernehmlich zuging. Er erweist sich als überraschend kompetenter Texter, der es versteht, seinen abgrundtiefen Hass in ordentliche Lyrik zu verpacken. Allerdings ist man ohne die Texte vor Augen aufgeschmissen, denn zu verstehen ist von dem Geknurre und dem Gefauche nichts. Eine weitere Neuheit ist, dass das Album mit einer langen, langsamen Instrumentalnummer eröffnet wird, und auch im weiteren Verlauf wird das Tempo immer wieder mal gedrosselt und es werden doomige Gefilde gestreift. Viele Fans winkten ab, mir gefällt es. Man kann kein Deicide-Album besprechen, ohne die unmenschliche Leistung des Schlagzeugers zu erwähnen, und hier ist er besser, weil variabler als je zuvor. Auch die Virtuosität der frischen Leute an den Äxten verdient es, herausgehoben zu werden. Unterm Strich ist das neben dem titellosen Debüt mein favorisiertes Album der Amis – genau genommen sind das die einzigen, die ich immer wieder mal noch auflege.
Joe Dvorak (08.01.2026, 10:00):
JLL-#66/233

Hier mal wieder die Kunst des Diedschejings:



Gerd Janson - Fabric 89 (2016)

Die nach einem Londoner Club benannte Serie von DJ-Mix-Alben gehört zu den renommiertesten und einflussreichsten. Fabric und ihre parallel laufende Zwillingsschwester Fabriclive liefen 17 Jahre lang und brachten je 100 Veröffentlichungen heraus, ehe sie 2017 eingestellt wurden. Janson kommt bei seinem hochwertigen Beitrag mit nur 16 linear gespielten Titeln zwischen House alter Schule und Techno aus und ist damit ein Gegenpol zu dem weiter oben vorgestellten Joris Voorn, der 65 Nummern verhackstückte und meist mehrere gleichzeitig laufen ließ. Das bedeutet, dass er im Schnitt fast 5 Minuten auf einem Track bleibt, wodurch die Titelauswahl und ‑folge sowie die Übergänge in den Vordergrund rücken. Und da kann ich nichts kritisieren, das passt alles nahtlos. Weil Extreme gemieden werden, ist das eine sehr entspannte Geschichte geworden, die dennoch über die gesamte Laufzeit interessant bleibt.
Markus S (08.01.2026, 17:01):
Mark Knopfler - All Comers (Official Video)

https://youtu.be/xGlzZuwKz_s?si=EEJu2cZSolOcogCc
Joe Dvorak (11.01.2026, 15:48):
JLL-#69/233



Chad Wackerman - Leg's Eleven (2004)

James Muller (Gitarre), Daryl Pratt (Vibraphon, Marimba, Synthesizer), Leon Gaer (E-Bass), Chad Wackerman (Schlagzeug, Perkussion)

Wackerman hatte bei drei der fünf Alben, auf denen er bislang als Leiter fungierte, Alan Holdsworth in der Gruppe, aber wenn die Besetzung nicht verraten würde, dass der hier nicht dabei ist, hätte ich es kaum gemerkt. Muller schießt bei schnellen Läufen nicht ganz so viele Noten pro Sekunde, aber sonst ist er weitgehend eine Stil- und Klangkopie. Und doch hat das Album seinen... meinen absoluten Höhepunkt im einem Gitarrensolo (auf Where You Come From). Abseits von dieser Kuriosität ist das ein ganz exzellentes Fusion-Album mit Langzeitwirkung, und man fragt sich, wie viele davon es da draußen wohl gibt, über die wir nie stolpern - laut intelligenten Quellen wurden seit Ende der Sechziger ca. 40 000–70 000 Alben, die der Jazz-Fusion zugerechnet werden, gemacht.
Markus S (11.01.2026, 16:50):
Space Oddity (David Bowie) • Drum Cover

https://youtu.be/uwAn7_2BacM?si=EBiJXGsuRC9YPZwq
Joe Dvorak (14.01.2026, 07:40):
JLL-#72/233



Larry Carlton - Mr. 335 Live in Japan (Tokyo, 1. Nov. 1978)

Larry Carlton (Gitarre, Gesang), Greg Mathieson (Tasteninstrumente), Neil Stubenhaus (E-Bass), John Ferraro (Schlagzeug)

Das ist ein fantastischer Konzertmitschnitt der allerhöchsten Güteklasse. Das Album wird zwar unter Jazz-Rock und Fusion geführt, und das ist zweifellos auch drin, aber es unterscheidet sich deutlich vom Hauptstrom dieser Richtung; statt dessen kantig-verwinkelter und betont technisch-virtuoser Kopfarbeit mit Themen, die sich keiner merken kann, gibt es hier geradeheraus gespielte, markant eingängige Stücke.
Obwohl Carlton zu der Zeit neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellte, steht sein Virtuosentum immer klar im Dienst des Songs und der Bezug zu den Themen bleibt immer evident. Wenn er so richtig losschreddert, dann kommt das mit einer hochgradig ansteckenden, unbändigen Spielfreude rüber. Es scheint die schiere Lust zu sein, die ihn – und seinen kongenialen Partner an den Tasten – antreibt. Insofern gibt das Cover eine gute Vorschau darauf, was zu erwarten ist.

Lange Zeit dachte ich, das gäbe es auf CD nur als Japan-Import zu Wucherpreisen, aber nun fand ich heraus, dass das komplette Album auf dieser 3-CD-Box drauf ist:



Larry Carlton - Then & Now (1978 - 2012)
Joe Dvorak (15.01.2026, 01:58):
JLL-#73/233



King Crimson - Lizard (1970)

Robert Fripp (Gitarre, Mellotron, Synthesizer, Elektronik, Komposition), Mel Collins (Sopran- & Baritonsaxophon, Flöte), Keith Tippett (Klavier, E-Piano), Gordon Haskell (E-Bass, Gesang), Andy McCulloch (Schlagzeug), Peter Sinfield (Synthesizer, Texte), Marc Charig (Kornett), Robin Miller (Oboe, Englischhorn), Nick Evans (Posaune), Jon Anderson (Gesang)

KC-Meistergeist Fripp, der die Musik im Alleingang komponierte, bezeichnete das Album als "unlistenable" und diejenigen, die es mögen, als "strange". Ich fasse das als Kompliment auf und wähle es in die Top 3 des 70er‑Progressive‑Rock.
Joe Dvorak (16.01.2026, 02:03):
JLL-#75/233



Terry Riley - In C

Re-Sound (2002)

Bei diesem Werk darf man für jede Aufnahme neu entscheiden, ob sie in den Haupt- oder Nebenfaden gehört. Oder man macht es wie die Hartlinier, die nicht nur diesem Meilenstein, sondern der gesamten Minimal Music absprechen, 'klassisch' zu sein. Für die Ozzies ist der Fall klar: Mit den vom Drumcomputer unterlegten Beats kommt das doch eher ernst unterhaltend als unterhaltend ernst daher.
Joe Dvorak (24.01.2026, 08:51):


Kris Davis Quartet - John Zorn's Bagatelles (Vol. 5)

Mary Halvorson (Gitarre), Kris Davis (Klavier), Drew Gress (Kontrabass), Kenny Wollesen (Schlagzeug)

Seit gestern als Wiederveröffentlichung draußen. Die 16 Scheiben mit Bagatellen aus der Feder von John Zorn, interpretiert von verschiedenen Gruppen oder Einzelkünstlern, habe ich mir seinerzeit an einem Wochenende einverleibt, als ich außerhalb der Great Firewall Zugriff auf DuGlotze hatte. Nun werden sie nach und nach einzeln herausgegeben und damit auch bei den Streamern gelistet. Nummer 5 ist ein besonders Prachtstück – wenn Halvorson drin ist, dann gibt es alles außer Standardkost.
Joe Dvorak (25.01.2026, 02:25):
So, jetzt herrscht aber wieder Disziplin. JLL-#78/233



Extreme - Six (2023)

Diese Band hat in den frühen 90ern eine der furchtbarsten Schnulzen, die je den Äther verpestet haben, verbrochen und war seither auf meiner schwarzen Liste. Aber weil der Name ihres Gitarristen in den Polls immer ganz weit vorne genannt wird, habe ich in das letzte Album hineingehört. Und ja, der ist so gut, dass man über den ganzen Rest weghören könnte. Doch das muss man nicht, denn bei der Mehrzahl des Materials machen die Pop-Metaller richtig Betrieb und das ist clever und abwechslungsreich arrangiert, sauber und druckvoll produziert. Auch die schwächeren Schmachtfetzen kann man hören, weil man weiß, dass irgendwann ein Gitarrensolo kommt, das alles herausreißt. Dabei ist nicht die Pyrotechnik entscheidend, sondern die höchst originelle Gestaltung, mit der die Soli immer wieder in unvorhersehbare Richtungen getrieben werden. Sehr fein.
xarddam (28.01.2026, 10:09):
Hier läuft die Konzerte Doppel LP von Novalis
Herrliche Artrock Musik aus deutschen Landen.
Schön symphonisch-elegisch angelegte Musik; oft Keyboards-dominiert, aber auch mit dezenter Flöte und natürlich Gitarre, Bass, Drums.
Meist lange Werke oberhalb der 10 Minuten Grenze.
Deutscher Gesang mit etwas verschwurbelten altmodischen Texten (Novalis, eben)
Zum Glück sind die Gesangspassagen eher kurz, daher sehr viel Instrumentalmusik.
Irgendwo klingt für mich ein bissel Pink Floyd (Gitarre) an. Hölderlin (obwohl die mehr rocken), Eloy und Camel fallen mir auch ein wenn ich Novalis höre, aber Novalis haben auf jeden Fall ihren ganz eigenen Stil ; schon wegen dem Gesang.
Eine Live Doppel LP die mir immer wieder viel Spaß macht beim Hören
Anyones Daughter haben Anfang der 1980ger wohl viel Novalis gehört :-)

https://www.youtube.com/watch?v=T3th_OTXFWM&list=RDT3th_OTXFWM&start_radio=1
Joe Dvorak (31.01.2026, 04:27):
JLL-#80/233



Flame Tree featuring Nik Turner (2016)

Nik Turner (Tenorsaxophon, Flöte), Dennis Rea (Gitarre), Paul Kemmish (Kontrabass), Jack Gold-Molina (Schlagzeug)

Diese Entdeckung war für mich die grösste Überraschung des letzen Jahres. Ich schrieb: Unfassbar gute Musik ist das. Es gibt sie im Jazz tatsächlich noch, die völlig unerwarteten Volltreffer ohne Wenn und Aber, jene Platten, die einen einfach sprachlos -und dankbar- machen. Und schon nach den ersten paar Minuten des Wiederhörens kann ich bestätigen: So isses!
Joe Dvorak (07.02.2026, 02:35):
JLL-#81/233



Miles Davis - Milestones (1958)

Miles Davis (Trompete), Julian 'Cannonball' Adderley (Altsaxophon), John Coltrane (Tenorsaxophon), Red Garland (Klavier), Paul Chambers (Kontrabass), Philly Joe Jones (Schlagzeug)

Davis und Coltrane würden heuer ihren 100. Geburtstag feiern. Das wird mit diesem Meilenstein, auf dem sie gemeinsam zu hören sind, hörend gewürdigt.
Joe Dvorak (07.02.2026, 09:46):
JLL-#82/233



Hallucinogen - Twisted (1995)

Simon Posford (Synthesizer, Sequencer, Drumcomputer, Samples, Elektronik)

Diese Pioniertat gilt bis heute als das mit Abstand meistverkaufte Album aus dem Psytrance-Subgenre. Es entstand, bevor mithilfe von DAWs (Digital Audio Workstations) die massenhafte Produktion von elektronischer Musik ermöglicht wurde. Die Einzelklänge wurden von Grund auf synthetisiert (ohne Presets und gesampelte Instrumente) und dann zu einfachen Tonfolgen verbunden – keine Melodien, sondern Motivzellen, die mich unweigerlich an Terry Rileys In C denken lassen. Diese Patterns werden weiter manipuliert, kaum merklich aber stetig verändert und miteinander überlagert. Unter dem resultierenden Klangkaleidoskop liegt der unvermeidliche 4/4-Puls von der Basstrommel, der nach und nach durch Hinzufügung weiterer Perkussionselemente bis in die Zweiunddreißigstel hinein erweitert wird. Das klingt auf dem Papier alles sehr simpel, erreicht aber auf den Höhenpunkten mancher Stücke, wenn alle Motivzellen überlagert werden, eine schwindelerregend dichte Komplexität. Besonders beeindruckt mich die durchdachte Detailarbeit. So gibt es zum Beispiel in einem Stück ein Zweiton-Motiv, das bei kaum merklicher Dynamikänderung nur durch allmähliche Verschiebung der Obertonverhältnisse mal fast im Mix verschwindet und dann wieder aufsteigt, bis es alles dominiert. Twisted ist eine faszinierende Arbeit, bei der, so scheint es, jede noch so kleine Einzelheit akribisch ausgeklügelt wurde, bis alles gepasst hat, und vermutlich ist das der Grund, warum dieses Werk von vielen in die Kategorie "unerreicht" eingeordnet wird.
Joe Dvorak (11.02.2026, 01:43):
JLL-#83/233



Sarke - Endo Feight (2024)

Ted "Nocturno Culto" Skjellum (Stimme), Thomas "Sarke" Bergli (Bassgitarre, Schlagzeug), Steinar Gundersen (Gitarre), Anders Hunstadt (Tasteninstrumente)

Ein Skelett auf 8 Uhr, achtes Album, acht Titel, acht Glockenschläge zum Schluss und der als End of Eight entschlüsselte Titel: Stilvoller kann man das Aus nicht ankündigen. Auf der einen Seite werde ich das zweijährige Warten auf die nächste Scheibe vermissen, auf der anderen denke ich, dass es eine weise Entscheidung war, denn nach diesem vollends ausgereiften und fantastisch produzierten Geniestreich mit der bewährten Mischung aus 70er-Rock, traditionellem 80er-Metal und 90er-Extrem-Metal, gewürzt mit einer gut verträglichen Prise Black/Gothic und in einen modernes Soundgewand gekleidet, kann nichts besseres mehr kommen.
Joe Dvorak (20.02.2026, 03:42):
JLL-#92/233



Art Lande and Rubisa Patrol - Desert Marauders (1978)

Mark Isham (Trompete, Flügelhorn), Art Lande (Klavier), Bill Douglass (Bass, Flöte), Kurt Wortman (Schlagzeug)

Bei der letzten großen Begutachtung des ECM-Katalogs, die auch schon wieder 3½ Jahre zurückliegt, landete dieses Album in Joes Top Drei.
Joe Dvorak (20.02.2026, 11:46):
Heute stimmen die Rahmenbedingungen – Joe hat Urlaub, keine sonstigen Termine und Verpflichtungen und ist allein zu Haus – und daher gebe ich mir ganz saures Brot. Das Werk läuft sechseinhalb Stunden und versucht in dieser Zeit mit musikalischen Mitteln den Verlauf der Alzheimer-Krankheit und das emotionale and psychologische Erleben der vom allmählichen Gedächtnisverlust Betroffenen nachzuerzählen. Remembering | The Caretaker & Everywhere At The End Of Time - HeadStuff



The Caretaker - Everywhere at the End of Time (Stage 1-6, 2016-2019)

James Leyland Kirby (Samples, Klangbearbeitung, Produktion)
Joe Dvorak (22.02.2026, 01:59):
Heute Morgen habe ich Lust auf Heavy Metal.
Und Lust auf Musik aus Japan, in Landessprache gesungen.
Und Lust auf Girlie-Bands (also sie zu hören, meine ich).
Und weil ich Pragmatiker bin, gibt es das alles in einem.



Cyntia - Endless World (2012) & Lady Made (2013)



Mary's Blood - Countdown to Evolution (2014) & Bloody Palace (2015)

Es sind einige Parallelen auszumachen. Beide Bands glänzen auf ihren Debüts durch die originelle Verbindung von Japan-Pop und richtig amtlichem Metal mit Individualität und Wiedererkennungswert. Die Spice Girls treffen Judas Priest. Spaßfaktor 100%. Beide demonstrieren technische Fähigkeiten, die jeglichen Verdacht, hier handele es sich um gecastete Reißbrettbands, ausräumen. Beide Debüts sind mit ihrem lauten und aller Dynamik beraubten Sound so schlimm überproduziert, dass sie über hochwertiges Equipment in der dieser Musik angemessenen Lautstärke unanhörbar sind. Ich fordere hiermit, dass Brickwall-Limiter in Tonstudios verboten werden. Beide Gruppen haben auf ihren Nachfolge-Alben die Pop-Seite deutlich reduziert (Cyntia) oder fast komplett getilgt (Mary's Blood). Aber während Marias Blutvierer als reine Metal-Band bei deutlich verbesserter Produktion dermaßen in den Allerwertesten tritt und mit originellen Einfällen das Album von vorne bis hinten spannend hält, finde ich Cyntias Zweitling lahm, gesichtslos und austauschbar, da hilft auch der etwas erträglichere Sound nichts.