Sfantu (02.01.2024, 01:45): Oops, wir sind ja bereits im neuen Jahr.. Drum nunmal schleunigst einen neuen Hör-Faden eröffnet - es soll ja Alles seine Ordnung haben.
Sfantu (02.01.2024, 01:51): Joe Dvorak schrieb:
Ludwig van Beethoven - Streichquartett F-Dur, op. 18/1 Budapest String Quartett (AD: 1958-61, 2022 Remaster) (...) expressiv und unsentimental, durchaus alte Schule, aber immer noch auf der Höhe der Zeit. Ganz meins. Ich bin gespannt, ob das bis zum Gipfel hält (wenn ich denn ankomme). Das muss man dann doch ein wenig relativieren. Das G-Dur-Quartett op. 18/2 ist nicht gerade Beethovens einfallsreichstes - vielleicht kompositorisch oder formal innovativ, aber wer kann daraus auf Anhieb ein halbes Dutzend Themen und Motive vorpfeifen? Eben. Und da wirkt die unaufgeregte Herangehensweise der Budapester doch ein wenig dröge. Optional Takacs eingelegt, zeigt sich, dass hier etwas Pfeffer von Noeten ist. Bei der Nr. 4 ist es wieder besser, aber auch hier zeigt der Vergleich, dass bei aller Profundität doch etwas Sentimentalität, vulgo Schmalz, im langsamen Sarz störend ist. Also sicher kein Gipfelsturm mit den zumindest dem Namen nach ungarischen Hauptstädtern. Mal sehen, wie weit ich hiermit komme:
Ludwig van Beethoven - Streichquartett G-Dur, op 18/2 & c-Moll, op. 18/4 Takács Quartet
Sfantu (02.01.2024, 01:54): Eine Neubeschäftigung mit Beethovens Quartetten ist bei mir längst überfällig - drum bin ich dankbar für den Impuls aus dem schwäbischen Fernost. Die 18er mit dem Talich-Quartett waren meine ersten Tonträger mit LvB-Quartetten überhaupt. Und gehören damit zu den Urgesteinen meiner gesamten Kollektion. Allein das delikate, elegant-federnde Scherzo sorgt mit seinen punktgenauen, lustvoll ausgespielten Akzenten wie beim ersten Hören auch heute wieder für ungetrübte Freude! Der Kopfsatz könnte für meinen Geschmack eine Spur gemächlicher genommen werden. Am Ende beglücken die Ausführenden aber durch ihre ansteckende Musizierlust und Attacke. Angenehm neutrales Klangbild - optimale Ortung im Raum: nicht zu schwammig, nicht zu trocken.
Ludwig van Beethoven
Streichquartett G-dur op.18 Nr. 2
Talichovo kvarteto
Petr Massiereur und Jan Kvapil, Violinen Jan Talich, Bratsche Evzen Rattal, Cello (CD, Calliope, 1986)
Allegro 6'58 Adagio cantabile - Allegro 6'12 Scherzo. Allegro molto 4'24 Allegro molto quasi presto 5'20
Sfantu (02.01.2024, 01:57): Das Belcea-Quartett spielt da und dort mit einer Prise mehr Finesse auf. So wird etwa der Kontrast zwischen langsamem und schnellem Teil im 2. Satz mit mehr Vehemenz herausgearbeitet. Und doch bleiben die Unterschiede letztendlich marginal. Der Klang ist eine Spur weicher, symbiotischer, bleibt aber gleichwohl angenehm im Ohr. Als Sekundär-Rumäne erlaube ich mir einen kleinen Hinweis: die namengebende Primaria des Quartetts Corina Belcea ist Rumänin. Der Name Belcea wird daher zwar wie im Italienischen "Beltschea" ausgesprochen, allerdings mit der Betonung auf der ersten Silbe, also: 'Beltschea, nicht Bel'tschea.
Ludwig van Beethoven
Streichquartett G-dur op. 18 Nr. 2
Belcea Quartett
Corina Belcea und Axel Schacher, Violinen Krzysztof Chorzelski, Bratsche Antoine Lederlin, Cello (CD, Zig-Zag-Territoires, 2013)
Allegro 8'09 Adagio cantabile - Allegro 5'53 Scherzo. Allegro molto 4'27 Allegro molto quasi presto 5'36
Amonasro (02.01.2024, 11:31): Ich habe das neue Jahr gestern und heute mit Wagner begonnen:
Richard Wagner: Parsifal
Amfortas - George London Titurel - Martti Talvela Gurnemanz - Hans Hotter Parsifal - Jess Thomas Klingsor - Gustav Neidlinger Kundry - Irene Dalis
Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Hans Knappertsbusch 1962
Gruß Amonasro
Sfantu (02.01.2024, 12:35): Zu guter Letzt darf die Diamantnadel durch samtig glänzenden Feuchtfilm die Rillenflanken abtasten. Und zwar mit dem op. 18 Nr. 2 aus der ersten (von insgesamt zwei, soweit ich weiß) Beethoven-Totalen, welche die Stuttgarter einspielten. Mir gefällt die immer durchdachte Agogik - sie macht das Hören spannend. Der schnelle Einschub im 2. Satz kommt sportlich rasant daher. Das lustvolle, punktgenaue Ausspielen der Scherzo-Finessen der Talichs erzielt das Melos-Quartett nicht ganz. Der Schlußakkord im letzten Satz wirkt merkwürdig zurückgenommen und mit mangelndem Fokus im Zusammenklang.
Ludwig van Beethoven
Streichquartett G-dur op. 18 Nr. 2
Melos-Quartett
Wilhelm Melcher und Gerhard Voss, Violinen Hermann Voss, Bratsche Peter Buck, Violoncello (LP, Intercord, 1970)
Allegro 7'12 Adagio cantabile - Allegro 6'16 Scherzo. Allegro molto 4'10 Allegro molto quasi presto 5'15
Joe Dvorak (06.01.2024, 16:07): Heute Philly Sound:
Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, WAB 104 Camille Saint-Saëns - Sinfonie Nr. 3 in c-Moll, op. 78 "Orgelsinfonie" + Edward Power Biggs
Sfantu (06.01.2024, 18:15): Auch mir war und ist heute nach spätromantischem, wagnerianischem Breitwand-Sound.
César Franck
Psyché
Savaria Szimfonikus Zenekar, Szombathely - Peter Lücker (CD, Hungaroton, 1990)
Sommeil de Psyché 10'08 Psyché enlevée par les zéphirs 4'19 Les jardins d' Éros 4'30 Psyché et Éros 12'57
Zum Teil leicht verschleppte Tempi in "Psyché et Éros" - und auch sonst recht getragen, alles in allem. Doch vermittelt sich der Zauber dieses antiken Märchens nichts desto weniger. Sorgsames Orchesterspiel, guter aber nicht überwältigend guter Klang.
Sfantu (06.01.2024, 18:30): Nach 1h Pause noch einmal:
César Franck
Psyché
Orchestre de Paris - Daniel Barenboim (CD, DG, 1976)
Sommeil de Psyché 10'20 Psyché enlevée par les zéphirs 2'59 Les jardins d' Éros 4'14 Psyché et Éros 8'41
Barenboim läßt durchweg straffere Tempi spielen (teils deutlich straffere - siehe Spielzeiten), verleiht der Geschichte dadurch mehr (oder zumindest eine andere) Gestalt, eine andere Dramaturgie. Beide haben ihre Vorzüge. Und doch würde ich (wenn ich denn müßte) mich für Barenboim entscheiden. Mehr Zug nach vorn tut dem Werk, wie ich meine, gut. Auch hier ein guter aber keinesfalls audiophiler Klang.
Sfantu (06.01.2024, 18:37):
In der Pause zwischen diesen beiden Hördurchgängen lief ich runter ins Dorf um im Selbstbedienungs-Buurehof-Lädeli noch Kartoffeln und Zwiebeln zu holen. Mir wurde schlagartig bewußt, der Generation x anzugehören, als die sympathische Mittdreißigerin, die eigentlich vor mir dran war, mich vor ließ, weil sie ohne Taschenrechner nicht imstande war, die Preise für zwei Sixpacks Eier + ein Glas Honig im Kopf zu addieren.
Sfantu (06.01.2024, 22:11): Und auch ich bekam Lust auf Brucknrers "Romantische".
Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 4 Es-dur
Orchestra simfonică a Filarmonicii din Cluj-Napoca - Cristian Mandeal (2 LPs, electrecord, 1982)
Bewegt, nicht zu schnell 19'58 Andante quasi allegretto 15'31 Scherzo. Bewegt 11'00 Bewegt, doch nicht zu schnell 24.50
Diese Aufnahme ist nicht ganz meine Favoritin, läuft bei mir aber dennoch quasi außer Konkurrenz, da ein Orchester einer meiner neuen Heimaten spielt. Summa summarum ist das ein distinguierter Bruckner, der vielerorten zu überzeugen vermag. Namentlich die Rahmenteile des Jagdscherzos sind von einem ansteckenden Elan. Das Trio dagegen wird etwas verschleppt. Auch das Finale ist sorgsam durchgestaltet. Limitierend wirkt sich die Aufnahmequalität aus, die alles Andere als auf der Höhe der damaligen Zeit war. Die Rumänen zählen leider nunmal zu den Stiefkindern, was die technische Qualität von Tonaufzeichnungen im ostblockinternen Vergleich anbetrifft.
In summa ein mehr als ordentlicher Bruckner mit gewissen Abstrichen.
Joe Dvorak (07.01.2024, 01:59): Mir wurde schlagartig bewußt, der Generation x anzugehören (...) Welcher Generation gehört man an, wenn man erst einmal online nachschlagen muss, was die Buchstaben hinter der Generation bedeuten? Ich habe nachgeschaut und tatsächlich: keiner. Ich falle knapp aus X-Z raus und darf mich zu den Boomern zählen.
Wenn Zehtmaier den Bogen weglegt um stattdessen den Takt zu schlagen, dann heisst es hingehört!
Perspectives Orchestre national Auvergne-Rhône-Alpes, Thomas Zehetmair
Jospeh Haydn - Sinfonie f-Moll, Hob. I:49 "La Passione" György Ligeti - Ramifications Joseph Haydn - Sinfonie C-Dur, Hob. I:60 "Il Distratto"
Joe Dvorak (07.01.2024, 08:39):
Kip Winger - Conversations with Nijinsky San Francisco Ballet Orchestra, Martin West
Wenn sich Rockmusiker auf klassisches Terrain begeben, heißt es normalerweise: Beine in die Hand nehmen und nichts wie weg. Hier kann man getrost sitzen bleiben. Diese Ballettmusik über den Coreographen des Sacre ist sicher kein Jahrhundertwerk, aber auch kein Dilettantismus oder -behüte!- Crossover. Shostakovich und Stravinsky in einer Leichtversion, die niemanden erschreckt, die man aber trotzdem ohne Reue mehr als einmal hören kann.
Joe Dvorak (10.01.2024, 15:52):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett G-Dur, op 18/2 & c-Moll, op. 18/4 Takács Quartet Nun aus dieser GA die Grosse Fuge B-Dur, op. 133
Reden wir nicht um den heissen Brei herum. Opus 18 ist Kinderkram, das habe ich schon in irgendeinem Lästerthread gesagt, und die neuerliche Beschäftigung hat an dieser Einschätzung nichts geändert. Wenn ich ein klassisch ausgewogenes und dennoch bahnbrechend innovatives Streichquartett hören will, dann greife ich zum späten Haydn. Der hat das alles schon vorher gesagt und dafür weniger Takte gebraucht - diese Art von Ökonomie weiß ich zu schätzen. Bei Louis spielt die wahre Musik erst im dreistelligen Opusbereich. Mag sein, dass er da schon durchgeknallt war, das wird die im Netz omnipräsente KI sicher bald herausfinden, aber Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich nahe beieinander. Und die Grosse Fuge ist genial. Fakt ist: Wer ein Werk schreibt, das kurz vor seinem 200. Geburtstag immer noch gespielt wird, aber weiterhin einen Gutteil der Hörerschaft überfordert, muss entweder ein Genie oder ein Wahnsinniger sein oder beides.
Andréjo (10.01.2024, 17:44): Was Joe da in milder Provokation von sich schleudert - ich kann dem schon folgen.
Der einschlägige Humor eines Beethoven zeigt sich aber schon beim mittleren Meister, so wie er einem beim späten praktisch ins Gehör springt - ich denke an diverse eigenwillige Klaviersonaten, wie op. 31/3, im dreistelligen Bereich dann eben an all diese rhythmisch verworrenen Scherzi oder der Bauerntanz im Finale des Opus 127 oder natürlich das gesamte Opus 131.
Haydns Streichquartette weisen ihn aber wiederum deutlich früher noch auf, den verblüffenden Humor.
Durchgeknallt war der jüngere und der alte Haydn wohl nicht, eher geschäftstüchtig.
Und was die Große Fuge anbelangt, da geht es eigentlich erst 80 Jahre später ernsthaft weiter.
:beer Wolfgang
Joe Dvorak (11.01.2024, 06:59): Was Joe da in milder Provokation von sich schleudert - ich kann dem schon folgen.
Der einschlägige Humor eines Beethoven zeigt sich aber schon beim mittleren Meister, so wie er einem beim späten praktisch ins Gehör springt - ich denke an diverse eigenwillige Klaviersonaten, wie op. 31/3, im dreistelligen Bereich dann eben an all diese rhythmisch verworrenen Scherzi oder der Bauerntanz im Finale des Opus 127 oder natürlich das gesamte Opus 131.
Haydns Streichquartette weisen ihn aber wiederum deutlich früher noch auf, den verblüffenden Humor.
Durchgeknallt war der jüngere und der alte Haydn wohl nicht, eher geschäftstüchtig.
Und was die Große Fuge anbelangt, da geht es eigentlich erst 80 Jahre später ernsthaft weiter.
:beer Wolfgang Ich hätte schreiben sollen, dass Louis' Quartettmusik erst im dreistelligen Opusbereich spielt. In anderen Gattungen hat er schon früher sein Talent aufblitzen lassen. Ich denke an das Septett oder an die Erste Symphonie (wo er Haydn übertrifft und nicht mehr Takte braucht) oder an die vielgeschmähte Fünfte, deren erster Satz immerhin einer gruppentheoretischen Analyse standhält.
Was die Fuge betrifft, warte ich heute noch darauf, dass es ernsthaft weitergeht. Selbst nach Elliott Sharps scharfer Bearbeitung klingt sie nicht moderner als das Original.
Elliott Sharp - Die Grösste Fuge Nicholas Isherwood, Asasello Quartet
Das Ding gehört längst im Sharp-Opernfaden besprochen, aber irgendwie gibt es im Moment zu viele Verlockungen außerhalb der Schreibmuse. Daher nur ein Kurzkommentar: Zuhören, Staunen, Schweigen!
Andréjo (11.01.2024, 13:25): Auf die Fuge als Formmodell wollte ich mich gar nicht explizit beziehen mit dem "Ernst des Weitergehens". Das war schon allgemeiner gedacht. Spontan fallen mir ein paar Fugen im 20. Jahrhundert ein - viele sind es (spontan erst mal) nicht und - stimmt - die richten sich wohl alle eher rückwärts. Britten oder Schostakowitsch oder ... Reger ist komplexer vielfach, aber gewiss nicht moderner ...
Danke für den Tipp mit Elliot Sharp!
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (14.01.2024, 08:20): Wenn Zehtmaier den Bogen weglegt um stattdessen den Takt zu schlagen, dann heisst es hingehört! Daher:
Bela Bartok - Divertimento / John Adams - Shaker Loops Stuttgarter Kammerorchester, Thomas Zehetmair
Amonasro (14.01.2024, 14:12):
Ludwig van Beethoven: Fidelio Libretto: Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning, Georg Friedrich Treitschke
Don Fernando - Dietrich Fischer-Dieskau Don Pizarro - Hans Sotin Florestan - René Kollo Leonore - Gundula Janowitz Rocco - Manfred Jungwirth Marzelline - Lucia Popp Jaquino - Adolf Dallapozza
Wiener Staatsopernchor Wiener Philharmoniker, Leonard Bernstein
Die Sängerbesetzung überzeugt mich nicht ganz so wie bei der Klemperer-Aufnahme. Eine Besonderheit bei Bernstein ist der fließende Übergang zwischen dem Duett "O namenlose Freude" und der anschließend eingefügten Leonore-Ouvertüre.
Gruß Amonasro :hello
Sfantu (14.01.2024, 16:59):
Bela Bartok - Divertimento / John Adams - Shaker Loops Stuttgarter Kammerorchester, Thomas Zehetmair Ein Programm, auf das man erstmal kommen muß! Sagt / schreibt Zehetmair etwas dazu? Gemeinsamkeiten, die auf der Hand liegen, sind sicher einmal die Besetzung. Dann aber auch der treibende Puls, der beide Werke (zumindest teilweise) kennzeichnet. Die "Shaker Loops" sind neben Glass' "Koyaanisqatsi" und Kilars "Orawa" die einzige minimal music, die ich mir gelegentlich anhöre. Zuerst zweifelnd, dann wankend, schließlich mehr und mehr angetan von dieser Programmfolge sage ich danke für den Impuls!
Béla Bartók
Divertimento für Streichorchester
Chicago Symphony Orchestra - Georg Solti (CD, Decca, 1990)
Allegro non troppo 8'20 Molto adagio 7'3 Allegro assai 7'08
John Adams
Shaker Loops
San Francisco Symphony - Edo de Waart (LP, Philips, 1983)
Shaking and trembling 8'52 Hymning slews 6'29 Loops abd verses 7'23 A final shaking 3'37
Sfantu (14.01.2024, 18:08): Der Gedanke an Kilar ließ mich nicht los. Und so mußte nun von dem Wenigen, das ich von ihm in meiner Sammlung habe, etwas ins Laufwerk. Zuerst sein damaliges (1974) Erfolgsstück "Krzesany", hier von den Kattowitzer Radio-Philharmonikern mit Antoni Wit mit ansteckender Verve gespielt - saftig, vollmundig. Hier fein ziseliert, dort vehement hämmernd dreinfahrend. Neue Musik mit einer gewissen vox populi, die niemals anbiedernd wirkt. Der "Durchbruch" seinerzeit wird auf Anhieb nachvollziehbar. Der Abschnitt in der Mitte des Stücks, in dem die hohen Streicher wahnwitzig rasche Läufe und wilde Glissandi spielen, wirkt auf eine Art hypnotiserend, läßt aber zugleich den Atem stocken.
Wojciech Kilar
Krzesany
Narodowa Orkiestra Symfoniczba Polskiego Radia, Katowice - Antoni Wit (CD, Naxos, 2002)
14'33
Im Anschluß dann noch "Orawa" von 1988, in seinen impulsiven Ostinati eine Art Paraminimalismus darstellend. Es war das erste Stück Kilars, das ich kennenlernte. Und zwar mit eben dieser Aufnahme des Schweizer Jugend Sinfonie Orchesters. Es wird mit einer Lust und einer Energie musiziert, die unmittelbar fesseln. Das Werk ist für Streicher gesetzt, (unter anderem) daher auch die Assoziation mit Joes Hörprogramm. Kurioserweise konnte ich keine Cover-Abbildung finden und nahm als Notlösung jene der im Folgejahr erschienenen CD.
Wojciech Kilar
Orawa
Schweizer Jugend Sinfonie Orchester - Kai Bumann (CD, sjso, 2005)
10'12
Sfantu (14.01.2024, 22:36): Hier noch ein Link zum Nacherleben von Kilars Orawa.
Joe Dvorak (15.01.2024, 05:18): Ein Programm, auf das man erstmal kommen muß! Sagt / schreibt Zehetmair etwas dazu? Gemeinsamkeiten, die auf der Hand liegen, sind sicher einmal die Besetzung. Dann aber auch der treibende Puls, der beide Werke (zumindest teilweise) kennzeichnet. Die "Shaker Loops" sind neben Glass' "Koyaanisqatsi" und Kilars "Orawa" die einzige minimal music, die ich mir gelegentlich anhöre. Zuerst zweifelnd, dann wankend, schließlich mehr und mehr angetan von dieser Programmfolge sage ich danke für den Impuls! Danke für die Futterrückgabe, die bestätigt, dass diese Null-Posts nicht immer ganz für die Katz sind. Dem Booklet kann man wortreich entnehmen, dass beide Werke irgendetwas mit tanzen und schweigen zu tun haben: #3 Bartók / Adams: Divertimento / Shaker Loops". Album of Stuttgarter Kammerorchester & Thomas Zehetmair | HIGHRESAUDIO Eigentlich sind wir aus dem Missionierungsdrang-Alter heraus, aber bei so einer minimalistischen Minimalistenliste muss ich doch anmahnen, dass zumindest noch Adams' Fearful Symmetries -weit besser als das Geschüttel - drauf muss.
Amonasro (16.01.2024, 18:19):
Carl Maria von Weber/Friedrich Kind: Der Freischütz
Ottokar - Alfred Poell Agathe - Elisabeth Grümmer Kaspar - Kurt Böhme Eremit - Otto Edelmann Kuno - Oscar Czerwenka Ännchen - Rita Streich Max - Hans Hopf Kilian - Karl Dönch
Chor der Wiener Staatsoper Wiener Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler Salzburger Festspiele 1954
Gruß Amonasro
Joe Dvorak (20.01.2024, 08:11): Den Komponisten kenne ich - allenfalls, das heißt ziemlich vage - dem Namen nach. Besten Dank an Sfantu für den Tipp!
Weißt Du zufällig, wie sich dieses komplexe Werkverzeichnis erklärt? Ich habe so etwas vorher noch nie gesehen.
:) Wolfgang Hier noch eine Altlast aus dem Faden von 2023. Andréjo konnte sich die Frage, glaube ich, aus dem Booklet selbst beantworten, aber die Allgemeinheit musste ahnungslos bleiben. Meine Recherchen waren erfolglos, aber die nette KI namens Copilot konnte helfen. Sie hat halt den Vorteil, dass sie Texte lesen kann, für die sich eine EI registrieren muss.
Sie haben eine Frage zu den sechs Ziffern im SheA-Verzeichnis nach Jeanette Morgenroth Sheerin von Werken des Komponisten Johan Joachim Agrell. Das SheA-Verzeichnis ist ein thematischer Katalog der Sinfonien von Agrell, der von der Musikwissenschaftlerin Jeanette Morgenroth Sheerin erstellt wurde. Die sechs Ziffern repräsentieren die Tonart, die Anzahl der Sätze, die Besetzung, die Form, die Quellen und die Datierung der jeweiligen Sinfonie. Zum Beispiel bedeutet SheA C:531531, dass die Sinfonie in C-Dur ist, fünf Sätze hat, für fünf Stimmen geschrieben ist, eine dreiteilige Form hat, aus einer Quelle stammt und um 1731 datiert ist.
Andréjo (20.01.2024, 12:21): Das ist allerdings sehr interessant und ein wenig nachahmungsfähig. Danke Dir!
Gekauft habe ich mir die CD nicht oder noch nicht.
EI = echte Intelligenz? :D Oder gibt's die Abkürzung wirklich? Nicht, dass ich alles wissen muss, aber wenn wir uns schon unterhalten. Ich glaub's erst mal nicht - das hast Du nur erfunden! :)
Besten Gruß,
Wolfgang
Joe Dvorak (21.01.2024, 08:51): EI = echte Intelligenz? :D Oder gibt's die Abkürzung wirklich? Nicht, dass ich alles wissen muss, aber wenn wir uns schon unterhalten. Ich glaub's erst mal nicht - das hast Du nur erfunden! :) Ja, es gibt sie und ich habe sie erfunden. :D (Aber das gilt auch für meine gesamte Realität, oder zumindest etwas abgeschwächt, ich konstruiere sie.) Man könnte auch BI, NI, MI sagen, aber ich glaube nicht, dass es ein verbindliches Kürzel für den Antagonisten der KI gibt. Und jetzt Musik:
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 13 B-Dur, op. 130 & Große Fuge B-Dur, op. 133 Cleveland Quartet
Der später hinzugefügte Schlusssatz - nach dem Misserfolg der ursprünglich vorgesehenen Großen Fuge - ist auf der CD drauf, wird aber für diese Hörsitzung übersprungen. Dazu eine Frage an die Beethoven-Experten. In englischsprachigen Artikeln wird berichtet, dass Beethoven das Publikum beschimpfte, weil es keine Zugabe verlangte. "And why didn't they encore the Fugue? That alone should have been repeated! Cattle! Asses!" (Beethoven, Grosse Fuge, Op. 133 (for string quartet) (earsense.org)). Ich finde jedoch keine deutschsprachigen Belege für "Vieh" oder "Rinder" und irgendwelche Kraftausdrücke. Der Copilot verweist auf Wikipedia, aber da steht es nicht drin (nur in der englischen), und sonst findet er auch nix. Weiß jemand, was er tatsächlich gesagt hat?
Joe Dvorak (21.01.2024, 10:20):
Franz Schubert - Streichquartett Nr. 14 d-Moll, D 810 "Der Tod und das Mädchen" (Fassung für 17 Streicher) Stuttgarter Kammerorchester, Thomas Zehetmair
Joe Dvorak (21.01.2024, 15:28): Und jetzt darf es eine Nummer größer sein.
Emil Tabakov - Sinfonie Nr. 7 Bulgarian National RSO, Emil Tabakov
19 von 20 Befragten werden, wenn sie aufgefordert werden, etwas Vergleichbares zu nennen, wohl Shostakovitch angeben. Ich präzisiere: wie die besten Sachen von Schostakowitsch, und zugleich unaufdringlicher und wirkungsvoller.
Joe Dvorak (27.01.2024, 07:23): Forumsstreik oder -Schweigegelübde? Egal, ich breche mit einer Mainstream-Rarität:
Ludwig van Beethoven - Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur, op. 58 (Arr. f. Klavier & Streicher) Tzu-Yu Yang, The Van Swietens, Thibault Back de Surany
Sfantu (27.01.2024, 15:35): Forumsstreik oder -Schweigegelübde? Hoffentlich nicht. Obwohl - bei der geschrumpften Belegschaft wäre ein Streik sicher leicht organisierbar. Und was wären wohl die Forderungen der Streikenden?
Mich an die eigene Nase fassend (nennen uns die Asiaten eigentlich tatsächlich "Langnasen"?) finden sich schnell gute und weniger gute Gründe, nicht zum Schreiben zu kommen. Einer der (vielleicht) besseren Gründe: zwar höre ich täglich Musik. Nur widerstrebt es mir, flugs Cover-Bildchen zu posten ohne wenigstens einen Satz dazu zu schreiben. Wenn ich Musik aber nicht konzentriert sondern nur nebenher hören kann (die Arbeitswoche schränkt einen da doch schon arg ein), kommen selten verwertbare - sprich: druckreife - Gedanken zum Konsumierten.
Geradezu entzückt bin ich momentan von der Entdeckung des (groß-)schwedischen Komponisten Joachim Nikolas Eggert (1779 - 1813). Ab 1803 Violinist im Stockholmer Hoforchester, Mitglied der königlichen Musikakademie und 1808 - 12 Hofkapellmeister. In letzterer Funktion realisierte er mehrere schwedische Erstaufführungen von Werken Haydns und Beethovens. Seine Musik ist unverkennbar hochklassisch mit erfinderischer Frische. Phantasievolle Instrumentationen mit allerlei prominentem Schlagwerk (besonders in seiner ersten Sinfonie), immer aufhorchen lassende Stimmungswechsel - dadurch erhalten die Werke eine bunte, aus jedem Blickwinkel schillernde Gestalt.
Die Sinfoniker aus Gävle spielen lustvoll in saftig-sehnigem Klang, der mich ein historisierendes Ensemble zu keinem Zeitpunkt vermissen läßt.
Adagio mesto - Allegro con brio 10'53 Andante 6^08 Minuet e Trio. Allegro 3'38 Finale. Allegro vivace 7'26
19 von 20 Befragten werden, wenn sie aufgefordert werden, etwas Vergleichbares zu nennen, wohl Shostakovitch angeben. Ich präzisiere: wie die besten Sachen von Schostakowitsch, und zugleich unaufdringlicher und wirkungsvoller. Das war der letzte stete Tropfen aus Joes Feder, der dafür sorgte, daß ich mir vergangene Woche die kompletten Einzel-CDs für einen Tabakov-Zyklus bestellte. Hatte bisher nur einzelne Tuben-Erlebnisse. Jetzt - wie geschrieben - war ich schließlich machtlos gegen einen Klotzen-nicht-kleckern-Impuls, der mich, befehlsartig und wie aus dem Nichts kommend, packte.
Joe Dvorak (28.01.2024, 02:56): (...) nennen uns die Asiaten eigentlich tatsächlich "Langnasen"? Das tun sie und es ist eher abwertend, aber durchaus auch mal scherzhaft gemeint. Oder sie nennen uns Hochnasen, was freilich aufgrund der selbstgerechten Geringschätzung durch nicht wenige Westler, die von Land, Leuten und Kultur keine Ahnung haben, gar nicht mal so verkehrt ist. Im Süden der Volksrepublik, wo Kantonesisch gesprochen wird ist Gweilou (Teufel- oder Geister-Typ) weiter verbreit. Ich bezeichne mich selbst so.
Sfantu (28.01.2024, 12:11):
György Ligeti
Etuden für Klavier, erstes Buch
Volker Banfield (CD, Wergo, 1986, ℗ 1987)
Désordre 2'45 Cordes vides 2'45 Touches bloquées 1'40 Fanfares 3'25 Arc-en-ciel 3'40 Automne à Varsovie 4'45
Nach viel orchestraler Masse aus Klassik und Romantik gestern waren jetzt mal eine Entschlackung und ein Aufklaren vonnöten. Wobei in den Fanfaren auch eine ordentliche Pranke von der Leine gelassen wird. Und sogar der Warschauer Herbst wird gegen Ende ebenfalls ziemlich stürmisch.
Joe Dvorak (28.01.2024, 14:10):
Ludwig van Beethoven - Violinkonzert D-Dur, op. 61 Nemanja Radulovic, Double Sens
Diese Aufnahme fällt in erster Linie durch ihre extreme dynamische Bandbreite auf. Bei normaler Lautstärke ist die Violine in den leisen Passagen kaum zu hören, während das Orchester im Forte ordentlich kracht. Im Orchesterapparat erscheinen die Bläser leicht übergewichtet. Gemächliche Tempi. Da habe ich in Sachen LvB-VK in jüngerer Zeit doch (mich) Aufregenderes gehört.
Sfantu (28.01.2024, 16:43): Auf den Tag genau vor acht Monaten lief diese Einspielung des Sgambati-Konzerts bei mir. Heute dann das ganze Album, also auch die erste Sinfonie. Die damals mit diskutierenden Forums-Mitglieder waren nicht restlos begeistert über die Sinfonie. Ich muß sagen - ich mag solche dicken, saftigen Brocken gern. Sicher ist hier kein Neuerer am Werk. Doch auch mit Mitteln im Rahmen des Gängigen läßt sich gen Himmel stürmen - und das tut Sgambati nach Kräften. Ein gewisses Liszt-Wagner-Amalgam dringt hie und da durch. Aber auch Anklänge an die akademische Richtung sind da. Alles im Dienste des Eigenen, Persönlichen.
Man reibt sich ungläubig die Augen, wenn es in der deutschsprachigen Wikipedia heißt, Sgambati stehe ganz unter dem Einfluß Beethovens, Liszts und Wagners. Wo ist da der Einfluß Beethovens? Wiki-Artikel fußen nicht selten auf dem Fundament eines Wackelpuddings. Da lobe ich mir gespitzte Ohren und ein eigenes Urteilsvermögen.
Allegro vivace non troppo 7'52 Andante mesto 10'11 Scherzo 5'16 Serenata. Andantino 6'14 Allegro con fuoco 6'39
Alexandre Paley, Klavier Orchestre National de Montpellier - Friedemann Layer (CD, Actes sud, AD: 2003)
Maurice inaktiv (28.01.2024, 18:56): Man reibt sich ungläubig die Augen, wenn es in der deutschsprachigen Wikipedia heißt, Sgambati stehe ganz unter dem Einfluß Beethovens, Liszts und Wagners. Wo ist da der Einfluß Beethovens? Warum denn? Die Linie stimmt doch. Ich sehe allerdings Beethoven auch nicht als direkten Einfluss bei Sgambati, darin sind wir uns also einig. Vielleicht hat auf Wikipedia eben jemand den Einfluss von Beethoven "gehört". Wikipedia ist halt nicht immer so ganz treffend, Du hast also völlig recht, wenn Du schreibst, dass man sich letztendlich sich ein eigenes Hörbild erstellen sollte, aber gilt das nicht für jedes gehörte Werk/Stück?
Betrifft das mit dem Beethoven-Einfluss generell den Komponisten, oder nur eventuell das Klavierkonzert? Ich habe jetzt nicht bei Wikipedia nachgeschaut. Das KK kenne ich nicht, auch wusste ich nicht, dass Friedemann Layer überhaupt Sgambati eingespielt hatte. Von dieser Einspielung wurde nie berichtet, oder besser gesagt, ich habe davon nie was gelesen. Ich weiß nur. dass Naxos und CPO Einspielungen vorgenommen hatte.
Forumsstreik oder -Schweigegelübde? Joe, da sich hier ein Troll herumgetrieben hatte, und ich am Ende eine mMn nicht gerade nette PN erhalten hatte, dass man mir mit einer begrenzten Sperre gedroht wurde, hatte ich keine Lust mehr auf das Forum. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Dann wird eben nicht mehr gepostet und kommentiert, ganz einfach. Vom Troll ist nichts mehr zu lesen, also lag ich mit meiner Einschätzung offenbar richtig. Auch werde ich mich in Zukunft hier nicht mehr groß auslassen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Marcie hat sich bereits aus einem sehr ähnlichen Grund hier zurückgezogen. So viel zum Thema "Streik oder Schweigegelübde".
Nicolas_Aine (29.01.2024, 01:27): Nur um das hier auch klarzustellen: Die PM hast du nicht aufgrund der Tatsache erhalten, dass Du gegen einen Troll angekämpft hast, sondern aufgrund Deiner wiederholt ausfälligen Ausdrucksweise. Ich habe Dir auch gesagt, dass Du hier auch weiterhin willkommen bist, solange Du dich an gängige Höflichkeitsregeln hältst. Und ich habe Dir im Lauf der Zeit viele nette PMs geschrieben, irgendwann ist auch meine Geduld aufgebraucht. So, dass solls jetzt auch gewesen sein mit dem offtopic, bei weiterem Diskussionsbedarf stehe ich gerne andernorts zur Verfügung.
Maurice inaktiv (29.01.2024, 02:20): Nur um das hier auch klarzustellen: Die PM hast du nicht aufgrund der Tatsache erhalten, dass Du gegen einen Troll angekämpft hast, sondern aufgrund Deiner wiederholt ausfälligen Ausdrucksweise. Und ich habe damit offenbar recht gehabt. Ich bin es leid, dass solche "Helden" hier sich austoben dürfen, darunter leidet ein Forum weitaus mehr als wenn jemand wie ich sich das nicht gefallen lässt. Seitdem hat sich dieser Typ hier offenbar nicht mehr geäußert, Du hast also jemandem den Rücken freigehalten, der es offenbar nicht wirklich zu schätzen wusste. Sinnvolle Beiträge waren vorher nicht vorhanden von ihm. Dafür habe ich mich zurückgezogen, weil ich es einfach leid bin, dass diese Leute am Ende noch belohnt werden dafür, dass sie hier langjährige User verprellen. Ich bin da inzwischen nicht alleine mit, offenbar haben auch andere User da ihre Konsequenzen gezogen und sind dem Forum fern geblieben. Ganz einfach.
Nein, ich habe keinerlei Bedarf mehr, echt nicht. Du hast Deine Ansichten, die stehen Dir frei, und ich habe meine, auch die stehen mir frei. So wird das Forum immer ruhiger, das scheint ja so gewollt zu sein. Dann lasse die Trolle sich austoben, ich bin da aber weg. Mit wachsweicher Haltung ist solchen Leuten nun mal kaum beizukommen. Sei froh, dass er weg ist. Sei doch froh, dass ich mich kaum noch melden werde, dann kannst Du zufrieden sein. Ich werde mich nicht ändern, warum sollte ich das tun? Ich lege den Finger in die Wunde, ja, das tut weh, aber es ist direkt und nicht von Hinten falsch herum. Damit kommt nicht jeder zurecht, weil sowas heute nicht mehr gewünscht wird. Hier auch nicht. Alle haben sich lieb, so ganz wie im Märchenland. Leider gibts das nur bei den Gebrüder Grimm oder manchmal der Augsburger Puppenkiste - und hier im Forum.
Joe Dvorak (29.01.2024, 02:25): Forumsstreik oder -Schweigegelübde? Joe, da sich hier ein Troll herumgetrieben hatte, und ich am Ende eine mMn nicht gerade nette PN erhalten hatte, dass man mir mit einer begrenzten Sperre gedroht wurde, hatte ich keine Lust mehr auf das Forum. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Dann wird eben nicht mehr gepostet und kommentiert, ganz einfach. Vom Troll ist nichts mehr zu lesen, also lag ich mit meiner Einschätzung offenbar richtig. Auch werde ich mich in Zukunft hier nicht mehr groß auslassen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Marcie hat sich bereits aus einem sehr ähnlichen Grund hier zurückgezogen. So viel zum Thema "Streik oder Schweigegelübde". Hallo Maurice, schön von dir zu lesen. Aufgrund deines dezenten Namenszusatzes habe ich mir das genau so gedacht. Auch mir stößt sauer auf, dass G, nachdem er provoziert und damit einen Streit ausgelöst hat, der schließlich zum Rückzug eines langjährigen Forenmitglieds führte, seine Aktivitäten, die außer den mir wenig geistreich erscheinenden Kommentaren zu Ihr-wisst-schon-wem gar nicht mal so substanzlos waren, wieder eingestellt hat.
Aber das hatten wir ja schon öfter diskutiert. Man muss nicht alles kommentieren, was man für Schwachsinn hält. Im Gegenteil: Wenn man es einfach so stehen lässt, exponiert es den Autor viel deutlicher als das, was er ist - ohne dass man dafür auch nur ein Wort von ausfälliger Ausdrucksweise braucht.
Joe Dvorak (29.01.2024, 02:48):
Luigi Boccherini - Sinfonie d-Moll op. 12/4, G. 506 & A-Dur op. 12/6, G. 508 & c-Moll op. 41, G. 519 University of Cincinnati 18th Century Music Ensemble, Eiji Hashimoto
Diese Platte habe ich schon einmal vorgestellt, aber es muss ein weiteres Mal sein, weil sie gleich zwei verbreitete Weltbilder stört. Erstens: Den großen Drei der Wiener Klassik kann niemand das Wasser reichen. Das wird hier offenhörbar widerlegt. Zweitens: Für Spitzenaufnahmen braucht es Interpreten von internationalem Format. Nein, manchmal reicht ein Stundentensemble, das in Sachen Engagement die Vollprofis in Vergleich wie sediert wirken lässt.
Sfantu (29.01.2024, 21:44): Am heutigen Abend das Hochlicht meines Hörprogramms (nach einer wenig herausstechend geratenen Schumann Vier mit dem WDR Sinfonieorchester und Heinz Holliger auf audite sowie Larssons Sinfonien-Erstling, ebenfalls auf der unten abgebildeten Frank-Einspielung):
Lars-Erik Larsson (1908 - 86)
Sinfonie Nr. 2 op. 17
Helsingborgs Symfonieorkester - Hans Peter Frank (CD, BIS, 1989)
Allegro con moto 15'20 Andante 10'49 Moderato - Prestissimo 9'08
Larsson, durch und durch Neoromantiker, fand in seiner Zweiten (1937) schon zu einem Gutteil zu seinem Personalstil während der Erstling des Zwanzigjährigen noch reichlich rückwärtsgewandt daher kommt - eines der eklektizistischeren Werke eines Eklektizisten (Erstlingswerke - sie geraten bei vielen Tonsetzern nunmal zu Problemkindern). Die zweite Sinfonie aber ist erwachsener, erfreut durch mehr dramatische Zugkraft. In den ersten beiden Sätzen erinnern die zahlreichen Holzbläser-Oszillationen an den Sibelius der dritten und fünften Sinfonie. Der Finalsatz ist mehr auf äußeren Effekt abgestellt. Keine zeitgenössische Musik im strengeren Sinne - und doch bereitet sie nicht wenig Hörgenuß. Blendend gespielt von den Helsingborgern und in formidabler Klangqualität.
Maurice inaktiv (29.01.2024, 22:20): Man muss nicht alles kommentieren, was man für Schwachsinn hält. Im Gegenteil: Wenn man es einfach so stehen lässt, exponiert es den Autor viel deutlicher als das, was er ist - ohne dass man dafür auch nur ein Wort von ausfälliger Ausdrucksweise braucht. Nein, man MUSS es nicht, stimme. Ich sehe es aber etwas anders. Wenn man so etwas unkommentiert stehen lässt und niemand es entsprechend deutlich kritisiert, kann das auch Zustimmung bedeuten - und die gebe ich nicht. Es wurde ja auch nicht von der Forenleitung gelöscht oder auch mal offen angesprochen, dass da nur Blödsinn verzapft wurde. Mehr schreibe ich dazu nicht mehr, auch wenn ich durchaus noch Lust hätte. Doch es bringt ja eh nichts. Es wäre reine Zeitverschwendung. Dann gehe ich lieber auf Deinen Beitrag zu Boccherini noch mal ein.
Joe, WIR hatten nie ein Problem, weil ich Deine Meinung absolut respektiere, denn was Du schreibst hat Hand und Fuß. Es ist nicht immer meine Ansicht, aber das ist auch nicht nötig. Auch respektiere ich, wenn Du sehr moderne Werke hörst und darüber mit großer Kenntnis hier schreibst.
Ich teile übrigens Deine Ansichten zu Boccherini, dessen Sinfonien ich für weitaus stärker halte als sie in der Historie wahrgenommen wurden. Schon die CPO-Box (mit 28 Sinfonien) hat das bewiesen, auch die CD mit drei Sinfonien unter Hogwood finde ich sehr gelungen. Alles keine Studentenorchester, aber Ensembles, die sich mit viel Liebe und auch Elan diesen Werken neues Leben eingehaucht haben.
Wie Du siehst, bin ich ja bereit was beizutragen, allerdings nur noch sehr selten und auf wenige Postings eingehend. Andere haben es inzwischen aufgegeben, Marcie etwa.
Joe Dvorak (30.01.2024, 04:04): Über die meisten modernen Komponisten weiß ich wenig bis nichts, weil ich mich um die Musik 'auf einer tieferen Ebene' zu erfassen erst mal gründlich mit ihnen oder dem Werk auseinandersetzen müsste - etwas, das mir ziemlich widerstrebt. Ich habe das schon 10.000 Mal gesagt, aber ich kann es für mich nicht oft genug wiederholen: Musik soll gerade das ausdrücken, was man mit Worten nicht sagen kann, und da ist jede Erklärung kontraproduktiv. Wenn ich mir die weitschweifige Werkerläuterung eines Zeitgenossen vornehme, mit deren Hilfe ich schließlich die Botschaft eines Stückes anhand der Musik nachvollziehen kann, und dann feststelle, dass man diese Botschaft genauso gut in drei Sätzen vermitteln kann, dann frage ich mich, warum ich mir die Mühe gemacht habe. Ein moderner Komponist ist dann "gut", wenn seine Musik meiner Welt ohne Erklärung etwas hinzufügt, das ich noch nicht kannte - drunter mache ich es auf meine alten Tage nicht mehr. :P Aber dann gibt es das Problem, dass ich das Wesentliche nicht beschreiben kann, denn das spielt sich eben jenseits der Worte ab. Das ist blöd.
Im obigen Sinne kann ich die Musik, die ich gerade gehört habe, völlig wertfrei in die Kategorie "nichtssagend" einordnen. Ist aber trotzdem richtig gut! :thumbsup:
Martin Bresnick - Streichquartett Nr. 4 "The Planet on a Table" Brentano String Quartet
Maurice inaktiv (30.01.2024, 11:51): Ein moderner Komponist ist dann "gut", wenn seine Musik meiner Welt ohne Erklärung etwas hinzufügt, das ich noch nicht kannte - drunter mache ich es auf meine alten Tage nicht mehr. Ich komme mit "modernen Komponisten" als reiner Hörer weitgehend überhaupt nicht zurecht. Wenn ich aber selbst mitwirken dürfte bei einem Werk, etwa durch freie Improvisation, fühle ich mich weitgehend einig mit dem Ganzen. Wir haben das mal vor vielen Jahrzehnten im Musikkorps am Abend praktiziert, indem wir (wir waren, glaube ich, im Quintett dabei) uns auf das komplette Schlagwerk konzentriert hatten, alles Kollegen, die eigentlich andere Instrumente gespielt haben. Wir haben einfach auf uns gehört, jeder hat auf das reagiert, was der Kollege gerade improvisiert hatte. Niemand von uns hatte darin große Erfahrungen zuvor gemacht (wir waren alle ja um die 19/20 Jahre jung, darunter etwa der Solo-Hornist des Landesjugendsinfonieorchesters Hessen, um mal ein Beispiel zu geben).
Jemand hat das sogar auf einem Kassettenrekorder mitgeschnitten. Das Ergebnis war völlig verblüffend gewesen. Wenn ich ir vorstelle, dass wir das heute wiederholen würden (was leider so nicht mehr möglich ist, weil die Kollegen teilweise bereits sehr früh verstorben sind), mit all unseren inzwischen gemachten Erfahrungen, wäre es bestimmt hochinteressant geworden.
Was ich damit sagen will : Ich verstehe Dich, zu viel Informationen machen solche Stimmungen unter Umständen eher zunichte als dass sie förderlich sind. Da lobe ich mir etwa den Altmeister Dvorak, dessen Symphonische Dichtungen oftmals mehr hergeben und man vielleicht dem gegebenen Titel näher kommt, als wenn man zuvor erst das ganze Buch lesen muss, um am Ende genau so dumm davor zu stehen wie am Anfang.
Andréjo (30.01.2024, 12:11): Ich mag Avantgardistisches oder Postmodernes schon immer mal wieder recht gerne.
Aber wenn ich mir so manches Booklet durchlese oder Konzerteinführungen zu mancher Avantgarde schon gehört habe, dann ist es ein kurzer Weg zwischen Erläuterungen, die in sich selbst verliebt sind, und Scharlatanerie. Ganz unabhängig davon, dass mich die Nummern, um die es geht, sehr wohl ansprechen können.
Was mich auch immer mal wieder stört, sind Gemeinplätze, wo ein musikalisches Opus im Hinblick auf die Phänomene Raum und Zeit mit wohlgewählten Worten abgesteckt wird. Als würde sich so viel auf Erden ohne Raum und Zeit abspielen !!
Mein Sohn war bei einer Veranstaltung der Musikreihe Ultraschall in Berlin und ich konnte das Konzert im Rundfunk mithören. Mark André hat ein gut strukturiertes viertelstündiges Werk verfasst, das - ein wenig von Giacinto Scelsi geprägt vielleicht - einen einzigen Ton komplex umspielt hat. Dazu hat er eine Art religionsphilosophische Erläuterung zum Besten gegeben. Wenn ich den Sinn dieser Erläuterung nur verstanden hätte - quasi auf die Erläuterung selbst bezogen und um so mehr noch auf die Musik!
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (01.02.2024, 01:19):
John Cage - Music for Three Přemysl Vojta (Horn), Ye Wu (Violine), Florence Millet (Klavier)
Gemessen an der Zahl der Neuerscheinungen ist Cage ziemlich aus der Mode gekommen. Da ist jede Erweiterung der Diskographie ein kleines Fest. In "Music for..." setzt Cage erstmals Zeitklammern ein, wodurch die Einsatzzeiten der einzelnen Stimmen flexibel gestaltet werden. Insgesamt gibt es 17 unabhängige Stimmen, die einzeln oder in beliebiger Kombination gespielt werden können. Es existieren Stimmen für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Trompete, Posaune, Schlagzeug, 2 Klaviere, 2 Violinen, Viola, Violoncello und Gesang. Jeder Teil besteht aus verschiedenen "Stücken" und "Zwischenspielen", aus denen der Interpret nach Belieben auswählen kann, was die Dauer bestimmt, die im Höchstfall etwa eine halbe Stunde beträgt. Hier haben wir eine Realsierung als Horntrio, genauer gesagt drei Realisierungen von 15, 10 & 26 Minuten Dauer. Dazu kommen drei Versionen als Music for One für jedes der beteiligten Instrumente. Damit erscheint das wie ein dreisätziges Trio mit Solokadenzen. Das ist eine große Bereicherung des Hörrepertoires von Cage-Aficionados, ein echtes Hochlicht früh im Jahr. So kann es weitergehen.
Joe Dvorak (01.02.2024, 15:18):
Oliver Messiaen - Harawi, I/28 "Chant d'amour et de mort" Sarah Maria Sun (Sopran), Stefka Perifanova (Klavier)
Gut das! So gut! :thumbsup:
Joe Dvorak (02.02.2024, 00:54):
Bernhard Lang - Das Hirn für Sopran, 8 Instrumente & Video Sarah Maria Sun, Ensemble Proton
Ein „musikalisch-literarisches Stück“ für acht Instrumente und Stimme auf der Grundlage des letzten literarischen Textes von Dürrenmatt, Das Hirn. Lang schreibt auf seiner Website zu dem Werk: "Loops, Differenztonharmonik und "Damaged Beats" bilden die Struktur, die der Partitur zugrunde liegt" (Bernhard Lang: Das Hirn). Loops und Beats sind vielleicht die Erklärung dafür, dass mir bei diesem Werk der Begriff 'Rockmusik-informiert' in den Sinn kommt; die Tatsache, dass die Schlagmuster beschädigt sind, hält das Ganze sicher auf der Seite der klassischen Avantgarde. Diese Musik ist modernste Moderne und bleibt ohne faule Kompromisse 'greifbar' und 'nachvollziehbar'. Das ist die Königsdisziplin. Frau Sun, der alles Schrille fremd zu sein scheint, ist eine der wohltönendsten Sopranistinnen, die mir je in die Ohren gekommen sind.
Sfantu (02.02.2024, 13:12):
Wolfgang Amadé Mozart
Klavierkonzert Nr. 18 B-dur KV 456
Jos van Immerseel, Hammerklavier, Anima Eterna (CD, Channel, 1991)
Allegro vivace 12'30 Andante un poco sostenuto 9'49 Allegro vivace 7'41
Mozart-Konzerte, die hier entgegen Experten-Meinung trotz Personalunion von Solist und Leitung erfreulicherweise nicht in die Hose gehen. Sehr geschmackvolle Darbietung mit guter Solo-Tutti-Balance. Organische Tempi, natürlicher Fluß. Zum Klavier finde ich leider keine Angaben im Booklet. Es tönt tendenziell etwas spitz aber doch charaktervoll. Die Repetierfähigkeit indes stößt an manchen Stellen an Grenzen. Farbig abgebildetes Holz, die Streicher allerdings nicht optimal aufgefächert im Klang sondern leicht kompakt.
Sfantu (02.02.2024, 13:33):
Olli Mustonen
Petite Suite für Violoncello und Streichorchester (1996)
Martti Rousi, Cello, Tapiola Sinfonietta - Olli Mustonen (CD, Ondine, 2001)
Hübsch, diese kleine Suite. Hörbare Stilkopie, etwa aus dem Umfeld Englische Pastoral-Schule und Gabriel Fauré. In der Musette Anklänge an finnische Folklore, im Menuet reizvolle Pizzicato-Passagen für Solist und Ensemble. Stimmungs-und liebevolles Musizieren aller Beteiligten. Solist Martti Rousi ist Widmungsträger des Werks.
Andréjo (02.02.2024, 14:11):
Wolfgang Amadé Mozart
Klavierkonzert Nr. 18 B-dur KV 456
Jos van Immerseel, Hammerklavier, Anima Eterna (CD, Channel, 1991)
Allegro vivace 12'30 Andante un poco sostenuto 9'49 Allegro vivace 7'41
Mozart-Konzerte, die hier entgegen Experten-Meinung trotz Personalunion von Solist und Leitung erfreulicherweise nicht in die Hose gehen. Sehr geschmackvolle Darbietung mit guter Solo-Tutti-Balance. Organische Tempi, natürlicher Fluß. Zum Klavier finde ich leider keine Angaben im Booklet. Es tönt tendenziell etwas spitz aber doch charaktervoll. Die Repetierfähigkeit indes stößt an manchen Stellen an Grenzen. Farbig abgebildetes Holz, die Streicher allerdings nicht optimal aufgefächert im Klang sondern leicht kompakt. Das ist sehr gut beschrieben von Meister Sfantu, meine ich. :beer Besser hätte ich es auf jeden Fall nicht hinbekommen, einzelne Aspekte sind mir noch gar nicht aufgefallen. Wieder mal reinhören! Als prinzipieller Liebhaber solcher Originalklang-Tendenzen, brauche ich bei Mozart dann doch häufiger moderne Alternativen, etwa Barenboim oder Kirschnereit oder die ganz Alten (Casadesus, Haskil). Aber wie die Chinesin sagt: Varietas delectat!
Sfantu (02.02.2024, 14:15): @Andréjo
mir geht es nicht anders. Ich schätze ebenso die Vielfalt - von Modern bis Historisierend .
Sfantu (02.02.2024, 14:44):
Timothy Dunne
"Braid" für Violine und Kammerorchester (2011)
13'15
Konzert für Klavier und Kammerorchester (2014)
Allegro risoluto 5'06 Lento - Vivo 5'08 Allegro giocoso 6'41
Artur Zobnin, Violine, James Giles, Klavier, Kammerphilharmonie Sankt Petersburg - Jeffery Meyer (CD, Nova, 2016)
Ein moderner Komponist ist dann "gut", wenn seine Musik meiner Welt ohne Erklärung etwas hinzufügt, das ich noch nicht kannte Mir gefällt dieses Axiom. Und in diesem Sinne ist Dunne ein guter Komponist. Das Problem der Nicht-Beschreibbarkeit. Dennoch versuche ich mich an kurzen Charakterisierungen, die unverfänglich sind und mir selbst als (vage) Koordinaten dienen:
Das einsätzige "Braid" lebt ganz von der Virtuosität des Soloparts. Es herrschen hohe, flirrende Stimmen vor, das Tutti kommentiert, meditiert über die Aussage des Solisten. Alles in allem ein Stück, das Anspannung, unsicheres Tasten und Umherirren vermittelt.
Das Klavierkonzert wartet mit einem etwas farbigeren Orchestersatz auf - mehrfach mit Soli von Xylophon und Akkordeon. Auch ist es rhythmischer und dadurch den Eindruck von Fortschreiten und Erzählen transportierend während "Braid" mehr eine Zustandsbeschreibung denn eine Geschichte darstellt.
Famose Solisten, glasklares Ensemblespiel.
Sfantu (02.02.2024, 18:13): Von Pendereckis Sinfonien kannte ich lange Zeit nur die ersten beiden. Seit knapp einem Jahr steht nun diese Box bei mir und ich hab' sie immer nur gelegentlich quer gehört. Heute ließ mich beim ersten konzentrierten Durchhören die Vierte etwas ratlos zurück. Recht einförmig das Ganze - etwas plakativ ausgedrückt, bleibt Penderecki im Grunde bis zum Schluß in einer Art kulturellen Aneignung des Walküren-Vorspiels stecken: wabernde Tonrepititionen wechselnder Streicherpulte, über denen warnend unheilvolle Gedanken zum "Mensch, bedenke, daß...!" mahnen...ächz! Allein im vierten Satz kommen ein wenig Abwechslung und Aufhellung hinein, wenn die Perkussionisten (sind es unterschiedlich gestimmte kleine Trommeln oder Tambourine?) etwas zu tun bekommen und interessante Läufe spielen (schönes Changieren mit Stereo-Effekten an diesen Stellen!), auch das Triangel erfreut da und dort durch kurzes Glitzern. Doch schon bald geht es zurück in den Bedenkenträger-Modus. Uraufführung 1989 durch das Orchestre National de France und Lorin Maazel zur 200-Jahr-Feier der französischen Revolution. Wenn dieser düstere Brocken als programmatischer Kommentar gemeint ist, gehe ich d'accord mit Penderecki. Denn ein "Feiern" jenes Ereignisses sollte freilich (das sage ich) ambivalent begriffen werden. Das ist gut gemachte und anzuhörende Musik - leider nur nicht besonders einfallsreich. Bestnoten für Orchesterspiel und Aufnahmetechnik.
Krzysztof Penderecki
Sinfonie Nr. 4 (1989)
Wielka Orkiestra Symfoniczna Polskiego Radia i Telewizji w Katowicach - Antoni Wit (CD, Naxos, 2000)
Adagio 4'31 Più animato 3'27 Tempo I 13'02 Allegro 5'46 Tempo 3'56
Sfantu (03.02.2024, 18:34): Unterhaltsam, weil abwechslungsreich, ist die Musik dieses Albums in beinahe jedem Takt. Daraus diese drei Werke:
Alexandre Tansman (1897 - 1986)
Sinfonietta Nr. 1
Allegro assai - Un poco più lento - A tempo 3'46 Mazurka. Allegretto 3'08 Notturno. Lento - Più mosso - Più mosso - Più lento 4'40 Fuga e toccata. Allegro giusto - Presto (Toccata) 3'19
Sinfonietta Nr. 2
Introduzione e l'estro armonico. Lento - un poco più mosso - Tempo uno 4'45 Scherzetto popolaresco. Allegro vivace - Meno mosso - Tempo uno - Meno mosso - Tempo uno 4'13 Adagio quasi intermezzo. Molto ostenuto 1'58 Finale romantico. Allegro giocoso - Un poco meno mosso - Tempo uno - Subito lento 2'48
Sinfonia piccola
Introduction et allegro. Lento - Allegro molto deciso 6'09 Aria. Andante cantabile 2'38 Scherzo. Molto vivace - Un poco meno mosso - Molto vivace 4^01 Finale. Allegro con moto. Molto più lento, cantabile - Tempo uno 4'30
Orchestra della Svizzera Italiana - Oleg Caetani (CD, Chandos, 2009) Fuga e toccata- Allegro giusto - Presto (Toccata) 3'19
Knapp 5 1/2 Jahrzehnte trennen Tansmans erste von seiner zweiten Sinfonietta. Und doch ist kein allzu deutlicher Bruch zu verspüren. Es wird hier wie dort ein ähnlicher Ambitus an Stimmungen, ein ähnliches Wechselspiel aus Verträumt-und Verspieltheit erlebbar. Musik von ganz eigenem Reiz.
Joe Dvorak (04.02.2024, 11:12): Heute nahm ich mir Scarlattis Sonate K 466 vor (nach Mehrheitsentscheid in f-Moll, zumal ich der Angabe K-Moll, die mein Stromanbieter zu einer Aufnahme macht, nicht so recht trauen will). Von den 6 erlebten Aufnahmen, selbstredend nur auf dem Cembalo, machten zwei einen nachhaltigen Eindruck: Virginia Black und Colin Tilney.
Sfantu (04.02.2024, 14:06): Das teils Plakative, Lärmende des jungen Sinfonikers Peterson-Berger ist in seinem fünften und letzten Gattungsbeitrag auf angenehme Art zurückgenommen, ja nahezu verflogen. Der milde, abgeklärte Grundcharakter schmiegt sich sanft ins Gemüt. Plastische Aufnahme mit Weite und Kontur (Schlagwerk und Klavier im Finalsatz treten stofflich hervor ohne in den Vordergrund zu drängen).
Wilhelm Peterson-Berger
Sinfonie Nr. 5 h-moll "Solitudo"
Kungliga Hovkapellet Stockholm - Leif Segerstam (CD, Sterling, 1997)
Con moto tranquillo 14'39 Scherzando vivo, delicatissimo - Allegro moderato 4'33 Andante tranquillo 5'18 Allegro molto - Andante molto tranquillo 9'18
Sfantu (04.02.2024, 17:27): Gut vierzig Jahre älter und doch in Teilen mit der avancierteren Tonsprache als beim reiferen Wilhelm Peterson-Berger: der Sinfonien-Erstling von Albéric Magnard. Das tönt noch hörbar wagnerisch aber nichts desto weniger mit einem gehörigen Zug in neue Ausdruckswelten. Tadelloses Spiel. Könnte man sich noch ein Mehr an Expressivität wünschen. Sicher. Doch täte dieser gipfelstürmenden Hyperromantik nicht ein wenig Zucht und Klarheit wohl? Tut es. Und eben drum: Bestnoten für Bollon und die Breisgauer! Als Hörtipp: Das herrlich maligne, janusköpfige Scherzo.
Strepitoso 10'13 Religioso. Largo - Andante 8'41 Presto 3'55 Molto energico 8'35
Sfantu (04.02.2024, 20:04): Das Nonett gerät (wie sollte es anders sein bei Czerny) zum Klavierkonzert en miniature. Eine aparte Farbe steuert das Englischhorn bei - es kommt jedoch leider nur im langsamen Satz neben der Klarinette zu reizvollen Soli. Die Rahmenteile des Scherzos erfreuen mit ihrem energischen, drängenden Charakter während im Trio die Solovioline mit einem ständchenhaften, etwas biedermeierlichen Thema einen dankbaren Gala-Auftritt erhält. Anders als die vorromantische Hummel-Kalkbrenner-Field-Linie, welche quasi Chopin das Feld bereitete, blieb Czerny doch mehr der klassisch orientierten Beethoven-Nachfolge verhaftet, nicht unähnlich Ferdinand Ries. Der Klavierpart verlangt dem Ausführenden gestalterische, vor allem aber technische Meisterschaft ab - dies ist keine Hausmusik.
Carl Czerny
Nonett (1850)
Claudius Tanski, Klavier Mitglieder des Consortium Classicum: Gernot Schmalfuß, Englischhorn Dieter Klöcker, Klarinette Helman Jung, Fagott Andreas Krecher und Gerdur Gunnarsdottir, Violine Christiane Hörr, Bratsche Martin Menking, Cello Ulrich Schneider, Kontrabaß (CD, MDG, 1994)
Sfantu (04.02.2024, 21:18): Als prinzipieller Liebhaber solcher Originalklang-Tendenzen, brauche ich bei Mozart dann doch häufiger moderne Alternativen, etwa Barenboim oder Kirschnereit oder die ganz Alten (Casadesus, Haskil). Aber wie die Chinesin sagt: Varietas delectat! @Andréjo
mir geht es nicht anders. Ich schätze ebenso die Vielfalt - von Modern bis Historisierend . Geschrieben, getan. Aus dieser 9-LP-Box nun also:
Wolfgang Amadé Mozart
Klavierkonzert B-dur KV 456
Ingrid Haebler, London Symphony Orchestra - Colin Davis (LP, Philips, 1966)
Herzerwärmend, diese Musizierhaltung aus "guter alter Zeit" (blanker Unsinn - ich weiß. Es gehört vielleicht mit zum Älterwerden, unterbewußt in eine solche Denke zu entgleiten). Jedenfalls mußte ich einfach Kerzen dazu anzünden. Geschmackvoll-elegant, perlend und mit sparsamem Pedal das Spiel von Frau Haebler. Ideale Stimmen-Balance, schöne, nicht gehighlightete Holz-Soli, samtig-schlanke Streicher. Als die Platte sich bereits drehte, stellte ich fest, daß Zeitangaben zu den einzelnen Tracks fehlen. Beim nächsten Mal bin ich mit der Stoppuhr zur Stelle und füge die Zeiten gern hier ein - für heute Abend wird mir das zuviel. Ich empfinde die Tempi ähnlich wie bei Immerseel. Allein, der Mittelsatz ist sicherlich länger - Haebler und Davis baden hier in einem lyrischen Drama. Es artet aber nie in Schmachten aus, bewahrt sich in jedem Takt das gebotene Maß Understatement.
Andréjo (04.02.2024, 21:59): Eine Zeitlang habe ich sehr für historisierende Aufnahmen geschwärmt und ich würde nun auch nicht behaupten, dass ich etwa durch die RBB-Blindverkostung und Christine Lemke-Matwey davon wieder komplett abgekommen wäre , doch mittlerweile hat sich der Reiz des Neuen auch teilweise verflüchtigt und ich bin eher wieder undicht - das heißt nach allen Seiten offen ...
Wo liegt die Wahrheit? Früher war ich stets mit einer einzigen Aufnahme zufrieden und wollte zügig in die Breite weiter. Auch das hat sich geändert, woran nun die diversen Internet-Foren nicht unschuldig sind - sie sind die Hauptschuldigen. Und doch: Das Prinzip der Breite soll und muss bleiben und eine radikale Sammlerleidenschaft habe ich kaum je entwickelt. Es gibt ein paar Ausnahmen, bedingt durch Auswahl und vorübergehend exquisite Leidenschaft. Zwei Beispiele der letzten Jahre wären die Klaviersonaten von Skrjabin und Strawinskis Frühlingsweihe - mit jeweils mehr als zehn Einspielungen.
Und was HIP anbelangt, gibt es eben diesen Reiz des Originellen, der schneller verblasst, als er gekommen ist. Arthur Schoonderwoerd kenne ich flüchtig persönlich und habe mich für seine Beethoven-Konzerte begeistert - Mozart habe ich mir dann nicht mehr zugelegt, nachdem mir auch durch Rezensionen klar geworden ist, dass das Modell gerade als ein historisch informiertes problematisch ist. Und die letzten Mozart-Sinfonien mit Riccardo Minasi am Pult sind für mich arg radikal, die Interpretation erscheint mir teilweise schlicht als konzeptuell unmotiviert. Barockmusik wiederum will ich eigentlich nicht mehr in der breit-konventionellen Sichtweise zwischen Karajan und I Musici hören oder mit Anne Sophie Mutter.
So viel zu den Themen, die Sfantu oben ein wenig angerissen hat. Älter bin ich auch geworden - :P -, aber jetzt höre ich - denn so heißt der Faden und ich schließe mich an:
KV 456 - das war - ich weiß es - in der Tat das allererste Konzert Mozarts, das ich als ungefähr Fünfzehnjähriger gehört und auf Spule mitgeschnitten habe, mit Annie Fischer. Aber die Aufnahme kann ich wegen des längst kaputten Abspielgeräts nicht mehr hören und sie würde auch nicht mehr gut klingen.
Das Cover meiner Integrale ist älter und bezieht sich auf die Arte-Nova-Integrale.
:) Wolfgang
Maurice inaktiv (04.02.2024, 23:06): KV 456 - das war - ich weiß es - in der Tat das allererste Konzert Mozarts, das ich als ungefähr Fünfzehnjähriger gehört und auf Spule mitgeschnitten habe, mit Annie Fischer. Aber die Aufnahme kann ich wegen des längst kaputten Abspielgeräts nicht mehr hören und sie würde auch nicht mehr gut klingen. Kirschnereit habe ich mir auch damals zugelegt. Einmal wegen ihm selbst, aber auch, weil mit Fran Beermann ein meiner Meinung nach sehr kompetenter Dirigent dafür gewonnen werden konnte. Auch wenn ich daraus nur selten etwas höre, habe ich von dem auf einem "modernen" Instrument spielenden Solisten einen Mozart bekommen, der vielleicht selbst nicht "HIP" ist, aber mit Klarheit und Frische Mozart spielt. Da wurde nicht bieder oder hausbacken gespielt, aber eben auch nicht überdreht oder gar dahin gehämmert.
Andréjo (05.02.2024, 00:36): Es sind durchwegs Aufnahmen, die ich gerne höre, weil ich sie genauso charakterisieren würde wie Du, Maurice. Mozarts Klavierkonzerte kann ich mir stets auch etwas anders vorstellen, aber das ändert nichts an ihrer souveränen Qualität. Präzise, schwungvoll, weg vom Extremen. Ein modernes Orchester und ein Pianist, der nicht romantisch interpretiert - wenn ich das will, aber im Wesentlichen will ich es nur bei den Konzerten in Moll und vielleicht noch bei KV 488 und 482, dann geht Barenboim mehr in diese Richtung oder - soweit ich die Konzerte mit ihm kenne - Casadesus. Derek Hans Integrale - das gebe ich zu und er wird aber keineswegs von jedem in den Foren eher negativ gesehen - ist mir zu farblos und neutral. Äußerst differenziert ist auch die Kunst von Clifford Curzon, aber da kenne ich nur wenige Konzerte. Dasselbe gilt für die zwei oder drei mir bekannten Aufnahmen mit der berühmten Clara Haskil - vielleicht bewundere ich sie dort nicht ganz so stark, wie das oft geschieht. Brendel in seinen frühen Aufnahmen wiederum ist besser als die etwas glatten Orchester.
Ansonsten mag ich oft sehr wohl Immerseel, habe auf andere HIP-Aufnahmen verzichtet - und noch mehr brauche ich eigentlich wirklich nicht, so sehr ich neben mancher Kammermusik die Klavierkonzerte ganz besonders schätze.
Joe Dvorak (05.02.2024, 01:20):
Gustav Mahler - Das Lied von der Erde Peter Schreier, Jard van Nes, RSO Frankfurt, Eliahu Inbal
Ich kann es kaum glauben, aber ich hörte (zumindest soweit ich mich erinnere) gerade zum ersten Mal mein Lieblingslied mit einem meiner liebsten Mahler-Dirigenten und dem wohl besten Mahler-Orchester, das es je gab. Und die Entgeisterung war groß. Schreier, der sich unter Sanderlings sensationellem Dirigat als einer der wenigen traute, den Trunkenen als Betrunkenen zu spielen (s. hier), ist kaum wiederzuerkennen, klingt erstaunlicherweise deutlich älter, obwohl zwischen den Aufnahmen nur drei Jahre liegen, und geht hier wenig überzeugend auf Nummer sicher. Ein Alt ist auch dabei, aber dabei sein ist bei diesem Werk nicht alles. Auf den Abschied habe ich verzichtet.
Maurice inaktiv (05.02.2024, 02:42): Es sind durchwegs Aufnahmen, die ich gerne höre, weil ich sie genauso charakterisieren würde wie Du, Maurice. Mozarts Klavierkonzerte kann ich mir stets auch etwas anders vorstellen, aber das ändert nichts an ihrer souveränen Qualität. Präzise, schwungvoll, weg vom Extremen. Ein modernes Orchester und ein Pianist, der nicht romantisch interpretiert - wenn ich das will, aber im Wesentlichen will ich es nur bei den Konzerten in Moll und vielleicht noch bei KV 488 und 482, dann geht Barenboim mehr in diese Richtung oder - soweit ich die Konzerte mit ihm kenne - Casadesus. Nun, ich kenne weder Barenboim noch Casadesus, da muss ich mich raushalten. Schön, dass wir uns bei Kirschnereit und dessen Ansatz einig sind.
Derek Hans Integrale - das gebe ich zu und er wird aber keineswegs von jedem in den Foren eher negativ gesehen - ist mir zu farblos und neutral. SO wollte ich Mozart nicht haben. Ich gebe Dir hier recht. Er interpretiert das mehr, als ob er wusste, dass man damit in erster Linie Fahrstühle, Arztpraxen oder Kaufhäuser mit beglücken wollte. Man sollte bei Mozart auch was fühlen und nicht einfach das Zeugs runterspielen als ob man Eiswasser produzieren wollte. Das hat die Musik Mozarts nicht verdient.
Allegro con grazia 9'07 Adagio - poco Andante - Adagio 11'13 Allegro brillante 8'31
Das erste von zwei Klaviertrios der Komponistin läßt die Enkel-Schülerin William Sterndale Bennetts unverkennbar durchscheinen. Denn kaum ein Takt der 34jährigen Ellicott deutet auch nur an, daß wir uns im Jahre 1891 befinden könnten - alles atmet den Geist Mendelssohns und Schumanns. Immerhin entpuppt sich der prachtvolle Mittelsatz als ein Meisterstück trauernder Melancholie. Aus der Zeit gefallen also - aber eine pergamenthäutige Schönheit.
Joe Dvorak (06.02.2024, 07:06): Hier gibt es weiterhin musikalisches Grundnahrungsmittel:
Franz Schubert - Winterreise, D. 911 Benjamin Appl, James Baillieu
Aber Hallochen. Kennt das wer? Ein sehr angenehm timbrierter, geschmeidiger Bariton, sentimentfrei tief in das Geschehen eintauchend, ausdrucksstark wie DiFi (Appl war sein letzter Schüler) minus dessen Manierismen und Silbengezerre. Der -mit Verlaub- dünne Text von Müller wird hier mit mehr Bedeutung aufgeladen, als darin steht. (Das ist meine stereotype Standardphrase, aber eine bessere Definition was für mich einen guten Sänger ausmacht, habe ich noch nicht ausgemacht). Hier wächst eine ernsthafte Konkurrenz für meine Topster Greindl, Greco & Lønskov heran.
Amonasro (06.02.2024, 19:39):
Richard Wagner: Parsifal
Parsifal - Peter Hofmann Kundry - Dunja Vejzovic Gurnemanz - Kurt Moll Amfortas - José van Dam Klingsor - Siegmund Nimsgern Titurel - Victor von Halem
Chor der Deutschen Oper Berlin Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan
Mit dieser Aufnahme werde ich nicht so richtig warm. Parsifal und Kundry sind schwach besetzt, was vor allem dem 2. Akt schadet, der hier aber auch sonst zu undramatisch geraten ist. Sehr gut dagegen der balsamisch klingende Kurt Moll in den Außenakten.
Gruß Amonasro :hello
Sfantu (06.02.2024, 20:30):
Wolfgang Amadé Mozart
Klavierkonzert Nr. 18 B-dur KV 456
Malcolm Bilson, Hammerklavier (Philip Belt, New Haven, 1977 - nach Mozarts Konzertinstrument, Anton Walter, frühe 1780er) English Baroque Soloists - John Eliot Gardiner (CD, DGA, 1986)
Allegro vivace 11'43 Andante un poco sostenuto 10'42 Allegro vivace 7'18
Eine runde Sache bleibt Bilsons Totale aus den 80ern. Mein Exemplar gehört zu jenen aus dieser Reihe, die noch nicht durch Bronzening zerstört sind (hatte sie mir Ende der Achtziger einzeln in der Erstausgabe angeschafft - gut die Hälfte davon ist heute hinüber). Die Unterschiede zu Immerseel sind klein aber fein: Bilson spielt in den Tutti-Passagen mit, was Immerseel (soweit ich es heraushöre) nicht tut. Der Klang ist bei den English Baroque Soloists eine Spur klarer, aufgefächerter. Trotz kürzerer Spielzeiten in den Ecksätzen bei Bilson / Gardiner hat Immerseels Version mehr musikantische Verve. Das Timbre von Immerseels Instrument besitzt mehr Charakter. Den Mittelsatz gestalten die Briten allerdings stimmungsvoller, bei Immerseel klingt es (gerade zu Beginn) im Vergleich dazu etwas verhuscht. Wenn dieser Satz liebevoll und sorgsam gespielt wird, sehe ich immer Barbarina aus dem Figaro ratlos über die Szene irren, die verlorene Nadel suchend. Übrigens verwenden beide Einspielungen exakt denselben (nicht genannten) Kammerton.
Sfantu (07.02.2024, 21:49):
Felix Mendelssohn
Klavierkonzert Nr. 1 g-moll op. 24
Murray Perahia, Academy of Saint-Martin-in-the-Fields - Neville Marriner (LP, CBS, 1975)
Molto allegro con fuoco 7'05 Andante 6'28 Presto. Molto allegro e vivace 6'33
An Mendelssohns Klavierkonzerten hatte ich eine zeitlang einen Narren gefressen. Demnach stehen mehr Aufnahmen als ich brauche in der Sammlung. Zudem erfordert es einigen zeitlichen Abstand um die einmal überkonsumierte Musik wieder mit frischem Sinn genießen zu können. Perahia fliegt mit stupender Virtuosität durch die Ecksätze, sodaß der gebotene Furor Ereignis wird. Marriner läßt seine Musiker herrlich trocken und knapp abphrasieren, was dem Ganzen zusätzliche Schärfe verleiht. Für mich noch wichtiger: die Academy entspricht hier weniger meiner ASMF-Schubladen-Losung "Schlank, glatt, technisch perfekt". Das Orchester hat hier mehr Wucht und Breite. Das bekommt gerade diesen Werken, wie ich meine, sehr gut. Der Mittelsatz atmet höchstromantischen Zauber - Perahia ist denkender Nachschöpfer, gestaltet äußerst sensibel.
Sfantu (08.02.2024, 21:25):
Francis Poulenc
Sextett für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn
Pascal Rogé, Klavier, Patrick Gallois, Flöte Maurice Bourgue, Oboe, Michel Portal, Klarinette Amaury Wallez, Fagott André Cazalet, Horn (CD, Decca, 1989)
Allegro vivace 7'43 Divertissement 4'29 Finale 5'49
Leo Smit
Sextett für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn
Ensemble Villa Musica: Kalle Randalu, Klavier Jean-Claude Gérard, Flöte Ingo Goritzki, Oboe Ulf Rodenhäuser, Klarinette Dag Jensen, Fagott Zdeněk Tylšar, Horn (CD, MDG, 2000)
Allegro vivace 4'07 Lento 5'13 Vivace 4'20
Einigermaßen verblüfft macht mich die Gegenüberstellung dieser beiden Sextette: Seit ca, 30 Jahren vertraut mit Poulencs unterhaltsamem Werk, wurde ich kürzlich durch Hörwitzens "random reviews* auf die famose Kammermusik-CD aufmerksam, welche das Villa-Musica-Ensemble Leo Smit (1900 - 43) widmete. Bei fast allen Anbietern war sie vergriffen, sodaß ich am Ende mit Glück bei CeDe.ch fündig wurde. Wenn auch hochpreisig - doch diese Einspielungen sind jeden Rappen wert! Woher die Verblüffung? Nun - die Parallelen sind schon auffällig: die identische Besetzung und ein sehr ähnliches Idiom. Und wie viele Klavier-Bläser-Sextette finden wir - sowohl absolut als auch aus jener Zeit? Smit schrieb sein Werk 1928, Poulenc seines 1938 / 39 - also kurz nach dem Ende von Smits Pariser Jahren. Soviel der Gemeinsamkeiten. Welches sind die Unterschiede? Poulenc schreibt niederschwelliger, stellt Avantgardistisches neben Jahrmarktsbuden-Musik, romantisches Schwelgen neben klassizistisch eingefärbtes frou frou. Die Instrumente führen lebhafte Debatten mit-und gegeneinander. Smits Sextett verwebt die Stimmen dichter miteinander, spart die bei Poulenc immer präsenten Tingeltangel-Melodien aus ohne trocken oder verstockt zu wirken. Alles hat spielerischen Drive, bleibt musikalisch aber durchweg avancierter, "absoluter", wenn man so will. Zwei perfekte Pendants.
Maurice inaktiv (08.02.2024, 22:06): Seit ca, 30 Jahren vertraut mit Poulencs unterhaltsamem Werk, wurde ich kürzlich durch Hörwitzens "random reviews* auf die famose Kammermusik-CD aufmerksam, welche das Villa-Musica-Ensemble Leo Smit (1900 - 43) widmete. Bei fast allen Anbietern war sie vergriffen, sodaß ich am Ende mit Glück bei CeDe.ch fündig wurde. Wenn auch hochpreisig - doch diese Einspielungen sind jeden Rappen wert! Auf Ebay wird sie für 13,95 bis 19,99 € oder Preisvorschlag plus 2,50 € Versandkosten angeboten. Okay, das ist nicht die Schweiz, aber immerhin kann man die CD nicht zu einem Mondpreis erwerben. Nur mal zur Info, falls jemand daran Interesse haben sollte.
Joe Dvorak (09.02.2024, 03:42):
Franz Schubert - Sinfonie Nr. 5 B-Dur, D. 485 & Sinfonie h-Moll, D. 759 "Unvollendete" FBO, Pablo Heras-Casado
Casado gehört nicht zu meinen uneingeschränkt geliebten Stabschwingern. Sein Beethoven 9 rauschte im Wortsinn an mir vorbei, ohne etwas zu bewegen, und auch das dritte Klavierkonzert (mit Bezuidenhout als Solist) hinterließ keinerlei Eindruck. Auch den an sich lobenswerten Ansatz, Debussy ohne Schwulst zu präsentieren, konnte ich nicht so recht goutieren. Hier ist die Sachlage anders. Sein flotter und transparenter, dabei durchaus gewichtiger Ansatz lässt mich bei 5. aufhorchen. Und die Unvollendete braucht sich vor niemandem zu verstecken. Im Gegensatz zu vielen Hipstern verzichtet er auf übertriebene monumentale Wucht und Dauerspannung, findet die Balance zwischen Ruhe in den lyrischen Passagen und schroffen Ausbrüchen, die sich in zwingender Logik entladen. Die Alternativen sind freilich zahlreich. Zinman bleibt meine persönliche Über-Referenz, Norrington/LCP, Gottfried/Contentus Musicus sind HIP-Alternativen, Marriner wird immer gern gehört, de Forment behält seine Sonderstellung als Erstbegegnung, der ganz anders gelagerte späte Giulini hat auch seine Meriten, und unter den Historischen ragt Lehmann heraus.
Diese nicht kommerzielle Aufnahme ist seit Jahr und Tag mein Favorit - trotz Amadés erstplatziertem Cleveland-Szell-Album, das, in bestes Vinyl gepreßt, ebenfalls in meinen Regalen steht. Nichts fehlt, nichts ist zuviel. Die Essener waren schon damals das zweitbeste NRW-Orchester (oder mit dem Gürzenich zumindest gleichauf) - die Aufnahme macht mir immer aufs Neue Freude. Jedenfalls wäre sie mit Sicherheit meine Wahl, wenn es nur eine sein dürfte
Amadé (11.02.2024, 19:35): Seit einger Zeit neu im Regal:
Schubert: Klaviersonaten G-Dur D.894, c-Moll D. 958, A-Dur D. 959 und B-Dur D. 960, sowie die 3 nachgelassenen Klavierstücke D. 946. Für mein Dafürhalten sind es die überzeugendsten Einspielungen Schubertscher Klaviersonaten der letzten Jahre, ich stelle sie neben die drei CDs von Andrea Lucchesini, die in etwa dieselben Stücke abdecken. Beides sehr starke Interpretationen.
Gruß Amadé
Joe Dvorak (13.02.2024, 10:00):
Bildquelle: AURAL TERRAINS / Independent milieu for contemporary music
Luis Tabuenca - Volavérunt
Zulaima Boheto (Cello, Stimme), Alberto de la Fuente (Klavier), Eva Loots (Rezitation), Pablo Pardo (Saxophon), David Romero (Klarinette), Luis Tabuenca (Perkussion)
AURAL TERRAINS ist ein kreativer Raum für die Erkundung zeitgenössischer Musik in ihren verschiedenen Erscheinungsformen. Es wurde als Plattform für gleichgesinnte Komponisten/Musiker ins Leben gerufen, die mit Wachsamkeit und Integrität durch die verschiedenen Terrains und Tiefen des Klangs navigieren. Für dieses Abenteuer brauchen wir die Teilnahme von Zuhörern, die die gleichen Interessen und die gleichen Hörschwellen teilen. (AURAL TERRAINS - About, Übersetzt mit DeepL.com -kostenlose Version)
Na das ist doch mal eine Botschaft. Nicht immer leicht zu hören, aber sehr dankbar. So wie sich die Musik einer klaren Kategorisierung entzieht, so versagen hier die üblichen Qualitätskriterien. Der bestimmende Faktor liegt im Ohr. Im Fall dieses Albums teile ich Interesse und Hörschwelle.
Joe Dvorak (14.02.2024, 02:51): Ich bleibe im kreativen Raum, nehme teil und teile erneut Interesse und Hörschwelle:
Jeff Gburek - Remote Provinces
Jeff Gburek (Feldaufnahmen, präparierte Gitarre, Signalprozessor)
Gburek ist eher auf dem Gebiet der elektroakustischen Improvisation zu Hause, aber die Tatsache, dass er 2006 im Rahmen eines Stipendiums ein Weilchen bei Helmut Lachenmann studieren durfte, und er daher auf diesem Album im "Gravitationsfeld der klassischen Komposition" bleibt und "das Beste aus beiden Welten" vereint (AURAL TERRAINS / Releases - Remote Provinces), erspart ihm den bitteren Gang ins Hinterzimmer.
Joe Dvorak (14.02.2024, 03:15): Und nun wieder richtige Musik mit "inspirierendem Röhrenklang":
Maurice inaktiv (14.02.2024, 10:12): https://www.amazon.de/dp/B00002755A?psc=1&ref=ppx_yo2ov_dt_b_product_details
Jean Sibelius : Sinfonien Nr. 3 & 4 AD: 1990 Slowakische Philharmonie (Bratislava) , Adrian Leaper
Heute mal was Altes von Naxos. Auch Adrian Leaper hat zwei ganze Zyklen der Sinfonien von Sibelius eingespielt. Einen für Naxos (incl. Violinkonzert und weiteren Orchesterwerken) einen für Arte Nova (auch hier mit Violinkonzert; mit seinem damaligen Orchester aus Gran Canaria). Es fehlt vielleicht so der letzte Biss, aber das ist nicht schlecht. Auch sein Carl Nielsen kann sich hören lassen übrigens.
Maurice inaktiv (14.02.2024, 10:47):
Felix Mendelssohn: Sinfonie Nr.1 AD: November 1972 Berliner PO, Herbert von Karajan
Erstaunlich frisch klingt diese nun schon über 50 Jahre alte Aufnahme. Dazu zupackend, nichts verschleppend. Schade, dass Karajan Mendelssohn nur selten dirigierte. Das Frühwerk hat er sehr gut hinbekommen. Da hat Sfantu ganz recht mit seiner Einschätzung dazu im entsprechenden Thread.
Ich habe auch genau diese Box, aber die CDs sind auch einzeln zu erwerben.
Sfantu (17.02.2024, 21:53):
Arnold Schönberg
Suite op. 29
Mitglieder der London Sinfonietta: John Constable, Klavier Antony Pay, Es-Klarinette Gervase de Peyer, B_Klarinette Roger Fallows, Baßklarinette, Nona Liddell, Violine Donald MacVay, Bratsche Jennifer Ward Clarke, Viloloncello
Mitglieder der London Sinfonietta: Sebastian Bell, Flöte Janet Craxton, Oboe Antony Pay, Klarinette Alan Civil, Horn Roger Birnstingl, Fagott
Schwungvoll 12'47 Anmutig und heiter. Scherzando 9'35 Etwas langsam 9'04 Rondo 9'26
(CD, Decca, AD 1974)
Jahrelang nicht mehr gehört, lief dieses Album heute gar 2x hintereinander = 2x 74min! Dabei glaubte ich anfangs nicht, auch nur 10min durchzustehen. Zunächst klingt diese Musik so, wie sich ein Nicht-Klassikhörer Neue Musik vorstellt: wild, scheinbar regellos, dissonant, auf denkbar starke Weise abstoßend, gar "häßlich". Wie sah meine Durchhaltestrategie aus? 1.) Den Klängen ihr pures Dasein zuzugestehen, ihnen mit Offenheit zu begegnen. 2.) Bilder dazu im Kopf entstehen lassen. 3.) Stellen ausmachen, die sich durch unterschwellige Reize auszeichnen.
ad 2.) (Unwillkürlich und doch) Passend zur Entstehungszeit: absurde, überzeichnete Stummfilm-Szenen: Slapstick, Dumme-Jungen-Streiche, Gaunereien, Meuchelmorde. Drama, Belangloses, Ironie, Tristesse, Einsamkeit.
ad 3.) Echte Szenen und Dialoge ereignen sich etwa im 2. Satz der Suite: Seufzer, Gelächter, Getratsche, Streit werden hörbar. Die Baßklarinette steuert spannende, ungewohnte Farbwerte bei.
Im 3. Satz desselben Werks wird "Ännchen von Tharau" zitiert und variiert (oder besser: dekonstruiert? Auseinander gerupft?). Hier kontrastiert Sangliches mit boshafter Häme auf besonders trocken-lakonische Weise.
Das Quintett wirkt etwas weicher, austarierter. Mit dem Klavier fehlt hier das perkussive Moment.
Ich finde Manches an Kunstmusik unserer Tage leichter zugänglich - und ich spreche nicht von den Neo-Tonalen und Neo-Romantikern - als diese tönenden Kratzbürsten. Und doch - Aufgeschlossenheit und Geduld werden belohnt. Solche mentale Voreinstellung in Ohr und Gemüt, und es beginnt ein zarter Glühfaden, Licht und Wärme - wenn auch nicht zu spenden - so doch anzudeuten.
Sfantu (17.02.2024, 23:12):
Wolfgang Amadé Mozart
Klavierkonzert Nr. 18 B-dur KV 456
Géza Anda, Camerata Academica des Mozarteums Salzburg (LP, ex libris, Lizenz DG, 1964)
Allegro vivace 12'08 Andante un poco sostenuto 10'10 Allegro vivace 7'10
Feine Gestaltung durch Anda - ganz leichte Temporückungen hier und dort, wenig Pedal, ein eher trockener Klavierklang, dennoch glockig in den zarteren Passagen (ein Bösendorfer?). Die Stimmenbalance fällt annähernd ideal aus. Romantisch schwelgend der Mittelsatz, stimmige Tempi. Und doch gefällt mir die sensible Gestaltung des London Symphony bei Haebler / Davis besser. Hier wird in der Tendenz pauschaler gespielt, in den Streichern bisweilen mit butterweichem Vibrato. Mit dieser wuchtigen 13-LP-Box könnte man einen Einbrecher oder Wolpertinger (wohne direkt am Waldrand) k. o. schlagen.
Andréjo (17.02.2024, 23:34): Recht schöne und ganz persönliche Sichtung dieser Zwölftonmusik von Schönberg durch Sfantu!
Die beiden Werke auf der von Dir abgebildeten CD habe ich mehrmals gehört.
Mit der geschlossenen Ästhetik dieser besonders puren Dodekaphonie hatte ich eigentlich nie Hörprobleme. Ich versuche es normalerweise auch nicht mit Bildern, assoziiere zum Beispiel keine Stummfilme, obwohl ich die Analogie schon verstehe - aus der Zeitgeschichte heraus. Auch mit dem Konzept der "Hässlichkeit" kann ich normalerweise nur wenig anfangen - gerade bei Musik, die solchermaßen pur ist - ich wiederhole das Adjektiv bewusst. Bei mancher modernerer Avantgarde können wir eher über solche Begrifflichkeit diskutieren. :)
Ich meine auch zu verstehen oder kann mir zumindest vorstellen, was Du an mancher zeitgenössischer Musik als besser zugänglich empfindest - eben die Bildhaftigkeit, die dem Innermusikalischen dieser streng konstruierten Musik eigentlich zuwiderläuft. "Ännchen von Tharau" als Dekonstruktion? Warum nicht! Da nicht in den Konstruktionsplan passend, wirkt das Zitat künstlich - was gewiss einen eigenen Reiz hat und sich mehrmals in der Kammermusik Schönbergs findet, soweit sie mir bekannt ist.
Sehr eigenartig finde ich die Instrumentalbesetzung (Mandoline und Gitarre sind dabei) einschließlich der Singstimme im folgenden Opus 24. Es spricht mich an - aber eigentlich entspricht es nicht dem, was ich oben formuliert habe. Denn die genannten beiden Kriterien verletzen ja ganz ähnlich wie das Ännchen-Zitat die bloße und strenge strukturelle Konzeption, indem sie einen sehr überraschenden Farbwert ins Spiel bringen.
(Wenig erhebende Cover-Darstellung - aber man kann den Link öffnen.)
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (18.02.2024, 10:56):
Richard Wagner - Götterdämmerung, WWV 86D Gun-Brit Barkmin, Daniel Brenna, Hong Kong PO, Jaap van Zweden
Daraus vorerst der Prolog und der erste Akt. Das ist Spiel & Gesang ohne grosses Gewagnere, ganz nach meinem Gusto. Es ist schon wieder ein Jahr her, dass ich das gehört habe (24.02.2023) und zu dem Schluss gekommen bin, dass das der einzige Ring ist, der zum Durchhören taugt, falls mir mal danach sein sollte. Duplizität der Ereignisse: Auch heute fiel mir als erstes Attribut 'Wagner ohne Gewagnere' ein. Als sich der Bann nach gefühlt 5 Stunden etwas löste und ich nachschaute, wie lange es noch geht, musste ich feststellen, dass wir uns immer noch im ersten Akt befinden... und mehr nicht geht. Wenn ich bis zum 12.02.2025 wieder nichts und dann wieder nur die halbe GD höre, dann wird das wohl nichts mehr mit dem ganzen Ring.
Maurice inaktiv (18.02.2024, 11:32): Es ist schon wieder ein Jahr her, dass ich das gehört habe (24.02.2023) und zu dem Schluss gekommen bin, dass das der einzige Ring ist, der zum Durchhören taugt, falls mir mal danach sein sollte. Duplizität der Ereignisse: Auch heute fiel mir als erstes Attribut 'Wagner ohne Gewagnere' ein. Als sich der Bann nach gefühlt 5 Stunden etwas löste und ich nachschaute, wie lange es noch geht, musste ich feststellen, dass wir uns immer noch im ersten Akt befinden... und mehr nicht geht. Wenn ich bis zum 12.02.2025 wieder nichts und dann wieder nur die halbe GD höre, dann wird das wohl nichts mehr mit dem ganzen Ring. Tröste Dich, ich habe es inzwischen aufgegeben. Immerhin habe ich den Ring unter Böhm einmal auf Etappen gehört. Furtwängler und Neuhold haben es nicht bis zum Ende geschafft, beide Ringe habe ich wieder verkauft. Den Böhm muss ich mal schauen, aber wenn er weg wäre, würde ich mich nicht wundern. Selbst die Orchesterwerke habe ich nur sehr selten gehört. Allenfalls das "Siegfried-Idyll" würde es vielleicht schaffen mal wieder gehört zu werden, oder seine Sinfonie, auf den Rest kann ich verzichten. Große Musik, ohne Zweifel, aber nicht meine Musik. Ich eigne mich halt nicht als AfD-ler, darüber bin ich auch alles andere als traurig.
Joe Dvorak (19.02.2024, 02:20):
Gerd Kühr - Revue instrumentale et Électronique Klangforum Wien & Emilio Pomàrico
Inwieweit eine "Raumkomposition für Instrumentalensemble und Zuspielungen", bei der die Instrumentalgruppen im Raum verteilt sind, sinnvoll in Stereo wiedergegeben werden kann, kann man diskutieren. Oder man hört es einfach. Den Begleittext sollte man gelesen haben. Wir hatten es ja neulich schon mit schwurbeligen Booklets - aber das hier scheint mir unübertroffen und schlägt jede Satire. (0012622KAI.pdf (kairos-music.com)). Erfreulich ist der musikalische Gehalt, das ist ganz nach meinem Gusto.
Joe Dvorak (20.02.2024, 04:01): Die Wege der Foren-Inspiration sind unergründlich. Sfantu bespricht eine Platte und streut eine Randbemerkung über die zeitgeistig-kommerzielle Namensänderung eines Orchesters ein, mir kommt ein anderes Orchester in den Sinn, das Ähnliches vollzogen hat, ich schaue nach, was die seit ihrer mehr als ordentlichen Beethoven-Sinfonien-GA sonst noch so gemacht haben, und finde dieses Prachtstück:
Bildquelle: Bandcamp
Den Sorte Skole - Sinfonie Nr. 2 für Sampler und Kammerorchester Simon Dokkedal, Martin Højland, Copenhagen Phil
Durch das Sampeln obskurer Platten aus der ganzen Welt, allen möglichen Genres und allen Zeiten nimmt Den Sorte Skole den Hörer mit auf eine Reise durch Zeit und Raum. Stellen Sie sich eine Parallelwelt vor, in der uralte Geister und zukünftige Roboter durch himmlische Spirituals und giftige Rhythmen kommunizieren (Den Sorte Skole).
Das schreit natürlich laut Crossover. Aber selbst dieses semi/pseudo-klassische Genre bringt neben einem Haufen PVC-, PC- oder Daten-Schrott hier und da auch ganz vorzüglichen Hörstoff hervor. Die Frage ist: Vorder- oder Hinterzimmer? Die Antwort lautet: Wenn Crossover gut ist, dann ist es Klassik.
Amonasro (20.02.2024, 19:12):
Jean-Baptiste Lully/Philippe Quinault: Atys
Atys – Reinoud Van Mechelen Sangaride/Flore – Marie Lys Cybèle – Ambroisine Bré Célénus – Philippe Estèphe Idas – Romain Bockler Doris/Iris – Gwendoline Blondeel Le fleuve Sangar/Phobétor/Le Temps – Olivier Cesarini Le Sommeil/Un Zéphire – Kieran White Morphée – Nick Pritchard Phantase – Antonin Rondepierre Mélisse/Melpomène – Apolline Raï-Westphal Un Songe funeste – Vlad Crosman
Chœur de chambre de Namur Les Talens Lyriques, Christophe Rousset
Gemessen daran, dass Atys wahrscheinlich Lullys bekannteste Oper ist, hat Rousset, der bereits die meisten seiner Opern eingespielt hat, den Atys erstaunlich spät aufgenommen. Eine elegante, spritzige Interpretation, die mir besser gefällt als Christies klassische Aufnahme, die ich im Vergleich fast etwas behäbig finde. Allerdings gibt es mit Reynes Aufnahme und Christies zweiter (mit Bild) starke Konkurrenz.
Gruß Amonasro
Amonasro (21.02.2024, 20:57): Heute noch eine Lully-Neuerscheinung:
Jacques Danican Philidor: Marche de timballes faite par Philidor Cadet André Danican Philidor: La Marche Royalle Jean-Baptiste Lully: Te Deum Jean-Baptiste Lully: Exaudiat te Dominus
Les Pages et les Chantres du Centre du musique baroque de Versailles Les Épopées, Stéphane Fuget
Gruß Amonasro
Maurice inaktiv (22.02.2024, 06:46):
Felix Mendelsssohn : Sinfonie Nr.1 c-Moll, op. 11 Robert Schumann : Sinfonie Nr. 4 d-Moll, op. 120 NDR-SO Hamburg, Thomas Hengelbrock
Hengelbrock wählte hier moderne Streicher (wobei das auch nur relativ ist), kombiniert mit Naturhörnern und Trompeten. Die Gegen sitzen sich gegenüber, in der Mitte sitzen die Holzbläser, die Tempi entnahm er der autografen Partitur, so das Booklet (auf den Mendelssohn bezogen).
Bei Schumann hat sich Hengelbrock weitgehend an die Erstfassung gehalten, die in der Instrumentation weitaus schlanker und damit kammermusikalischer war als die spätere Fassung.
Aufnahmetechnisch wurde das Ganze sehr transparent eingespielt. Bis jetzt fühle ich mich sehr eingenommen von der CD.
Maurice inaktiv (22.02.2024, 11:51):
Franz Schubert: Sinfonie Nr.1 , D-Dur, D 62
Kammerakademie Potsdam , Antonello Manacorda
Nach Mendelssohns Erster nun Schuberts 1.Sinfonie. Dieses Mal aus Potsdam. Ich mag das, wenn es spritzig zugeht und nicht behäbig wie ein alter Braunbär, den man sein Leben lang im Zirkus gehalten hat. Das ist nicht gehetzt gespielt, aber eben zügig.
Auch hier wieder sind die Spielzeiten vielleicht interessant:
Wer meint, der alte Sir Colin wurde in Langsamkeit verfallen, sieht sich getäuscht. Übrigens finde ich gerade Sir Colins Zyklus als sehr angenehm zu hören. Mit der Staatskapelle Dresden hatte er aber auch ein sehr edlen Klangkörper zur Hand. Man hört es, dass er ein großes Orchester leitete, aber auf angenehme Art und Weise. Es muss also nicht immer HIP sein.
Karajan ließ es doch spürbar langsamer angehen. Okay, er war nie der große Schubert-Dirigent, hatte auch nur einen kompletten Zylus eingespielt, und wenn ich das richtig in Erinnerung habe, auch sonst nur die "Unvollendete" (Achte) und Neunte (also die Große C-Dur-Sinfonie) im Programm gehabt. Er muss so einen Satz wie "Nie wieder" geäußert haben, und damit musste sich die Deutsche Grammophone mit den beiden anderen Sinfonien zufrieden geben.
Joe Dvorak (22.02.2024, 14:26):
Henry Purcell - Funeral Music Z. 860 / J.S. Bach - Kantaten BWV 131 & 150 / J.L. Bach Motette Balthasar-Neumann-Chor & Ensemble, Thomas Hengelbrock
Ja, der Hengelbrock. Dieses Konzeptalbum unter dem Motto "Lebenslust und Sterbekunst" war für mich lange Zeit eine Art (Über-)Lebenselixier. Durch Maurices Impuls nach über 10 Jahren wieder gehört, macht es immer noch einen tiefen Eindruck.
Joe Dvorak (23.02.2024, 04:34):
John Cage - Sonatas & Interludes Agnese Toniutti (Präpariertes Klavier)
Sfantu (24.02.2024, 20:07):
Wolfgang Amadé Mozart
Klavierkonzert Nr. 20 d-moll KV 466 Kadenzen: Ludwig van Beethoven
Famoser Konzertmitschnitt aus der Glocke Bremen. Michelangelis Phrasierungen und sein Timing fesseln. Das Klavier singt und klingt in abgerundeter Schönheit. Hätte das Orchester hier oder dort eine Prise mehr micro management vertragen können? Letztlich findet sich alles am rechten Platz. Die pastose philharmonische Fülle steht dem Werk. Wärme, Größe, Beseeltheit greifen Raum. Ein konventioneller Mozart erster Güte.
Sfantu (25.02.2024, 14:31):
Bohuslav Martinů
Sinfonie Nr. 4
Orchestre de la Suisse Romande - Ernest Ansermet (CD, live, Cascavelle, 1991 AD: 15. März 1967, Victoria Hall, Genève)
Poco moderato 6'48 Allegro vivo 9'24 Largo 9'27 Poco allegro 8'18
1967 noch in Mono aufgenommen? Schließlich zeichnete das Westschweizer Rundfunk für den Mitschnitt verantwortlich und nicht irgendein Hobby-Tonband-Enthusiast. Und auch 15 bis 20 Jahre vorher wurden bessere Mono-Aufnahmen realisiert als diese. Die Klangqualität stellt jedenfalls den wichtigsten limitierenden Faktor dar. Das Spektrum ist eingeengt, die Tiefen sind schwach. Aber auch das Orchester benötigte an jenem Abend etwas Anlauf um sich in Form zu spielen, ist nicht optimal disponiert. Ab dem zwingend swingenden zweiten Satz geht es dann aber spürbar voran und die Aufführung überzeugt mehr und mehr. Das geht alles zackiger, ausgefeilter, vor allem aber in besserem Sound. Und doch hat dieser Mitschnitt seine Meriten. Gerade das Allegro vivo kommt schmissig und mit dem ihm eigenen Hintersinn rüber.
Andréjo (25.02.2024, 15:46): 1967 in Mono muss eigentlich nicht sein. Von 1959 respektive 1961 stammen die Aufnahmen der beiden seltener zu hörenden Stücke auf der folgenden CD in Stereo, und das ist eigentlich auch der Normalfall. Diese Einspielungen sollen mir reichen. Ancerl und Ansermet sind berühmte Namen. Für die beiden Orchester gilt das genauso.
Von der Sinfonietta finde ich etliche Aufnahmen. Das ist natürlich eine weltbekannte und ziemlich unverwüstliche Nummer.
:hello Wolfgang
Sfantu (25.02.2024, 16:44): Merci - der Impuls zu Janáček kommt mir sehr zupaß. Ist heute doch (eher ungewöhnlich) ein recht orchesterlastiger Hörtag bei mir - noch dazu mit dem Bestreben, auf Kontraste bedacht zu sein. Folgen werde ich ihm (dem Impuls) nach Verklingen dieses Haydn, serviert von einem Rotes-Tuch-Kandidaten bei Hörwitz: Roger Norrington. Nicht mein Favorit aber keineswegs schlecht. Anders als bei Harnoncourts (obschon berüchtigt dafür) Hundertundzweiter werden hier allerlei Akkorde portato gespielt und dadurch (wie ich finde - angebrachte) Akzente verschenkt. Das Menuett bspw. kommt so zu wischiwaschi daher. Ansonsten: schöner Ensembleklang und eine gelungene Interpretation. Rasant das Grundtempo im Finale. Unnötig scheint mir da das Ausbremsen der Schlußakkorde. Gerade, wenn ein solch hoher Grundimpuls gewählt wird, ist ein striktes Einhalten des Metrums bis zum Schluß wirkungsvoller.
Franz Joseph Haydn
Sinfonie B-dur Hob I: 102
London Classical Players - Roger Norrington (CD, EMI, 1994)
Largo - Vivace 8'58 Adagio 4'43 Menuet e Trio. Allegro 6'11 Finale. Presto 4'35
Sfantu (25.02.2024, 17:14): Von der Sinfonietta finde ich etliche Aufnahmen. Das Boléro-Syndrom, nicht wahr? Es fehlt einem ein bestimmtes Stück eines Komponisten. Man findet bei der Suche zwar das ein oder andere Album, welches die Kataloglücke enthält. Der Superhit aus derselben Feder ist aber unweigerlich auch mit drauf. Die Münchner realisierten 1971 eine gelungene Einspielung, wie ich meine.
Leoš Janáček
Sinfonietta
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München - Rafael Kubelik (LP, DG, 1971)
Es fehlt einem ein bestimmtes Stück eines Komponisten. Man findet bei der Suche zwar das ein oder andere Album, welches die Kataloglücke enthält. Der Superhit aus derselben Feder ist aber unweigerlich auch mit drauf. :D
Wobei ich nicht glaube, dass die Sinfonietta dem Bolero das Wasser reichen kann an Überpopularität mit den Schatten- neben den Lichtseiten.
Aber Dein Syndrom geht ja in wieder eine andere Richtung.
Sfantu (25.02.2024, 17:54): Nun durfte es endlich wieder eine etwas intimere Besetzung sein. Der Impuls dazu kam zwar bereits Anfang Dezember, war seither aber unterschwellig präsent: Bei mir nun eine weitere Neuerwerbung:
F. Schubert: Oktett D803
Berliner Philharmonisches Oktett Mit den Berlinern hatte ich auch mal eine Version auf LP - vermutlich eine ältere Aufnahme / Besetzung als Deine Nimbus-CD. Wie gefällt sie Dir?
Bei mir heute diese Einspielung:
Franz Schubert
Oktett F-dur D 803
Academy of Ancient Music Chamber Ensemble:
Monica Huggett, Violine (Rowland Ross, 1987, nach Amati, 1688) Pavlo Beznosiuk, Violine (Rowland Ross, 1976, nach Stradivarius, 1721) Martin Kelly, Bratsche (David Rubio, 1988, nach Montagnana, ca. 1725) Timothy Mason, Violoncello (Giovanni Grancino, ca. 1700) Barry Guy, Kontrabaß (Kammerbaß) (J. F. Lott, 1840) Anthony Pay, B-Klarinette (Gebrüder Héronard, 1830), C-Klarinette (Proff, 1800) Felix Warnock, Fagott (Savary Jeune, 1820) Anthony Halstead, Naturhorn (A. Paxman, 1983 (franz. Vorbild, ca. 1800) (CD, L'Oiseau Lyre, 1985)
Die Eintrübung zum Mini-Drama gegen Ende des langsamen Satzes ist atmosphärisch sehr schön eingefangen. Dennoch könnte die exponierte Pizzicato-Note des Kontrabasses mehr Nachdruck, mehr Wumms vertragen (nebenbei: was ist ein Kammerbaß?). Tempi und Agogik sind ansonsten stimmig. Das Glanzlicht für mich der gemütlich Wienerische Variationensatz. Es macht Freude, dieses alte Mobiliar zu hören. Und doch - angesichts Wendigkeit und Klangcharakteristik sind mir bei Schuberts Oktett moderne Instrumente tendenziell lieber.
Sfantu (25.02.2024, 18:03): Wobei ich nicht glaube, dass die Sinfonietta dem Bolero das Wasser reichen kann an Überpopularität mit den Schatten- neben den Lichtseiten. Sicher hast Du recht. Übrigens eine sehr passende Kombination bei Ančerl: Janáček und Martinů. Der teils folkloristische Drive beim Ersten, die synkopierenden Akzente beim Letzteren - Apart. Reizvoll.
Sfantu (25.02.2024, 19:41): Nicht zwingend. Und doch für mich heute folgerichtig der Schritt vom gemischten Schubert-Oktett zum nur 1 Jahr später fertiggestellten Streicher-Oktett des Teenagers Mendelssohn.
Die Musik ist mehrheitlich lichter und leichter, einen Aufbruch markierend. Faszinierend, wie souverän dieser Frühvollendete hier vorprescht. Ins Taumeln bringt das wirbelwindige Scherzo. Das ist unverkennbar der Elfenspuk, für den er durch die erst 18 Jahre später (!) entstehende Sommernachtstraum-Musik berühmt wurde. Bevor das schnelle Hauptthema zum Satzabschluß erneut aufgegriffen wird, zitiert Mendelssohn ein schattenhaft tremolierendes Sekundmotiv aus der Wolfschluchtszene. Das bewirkt augenblicklich Schaudern. Er machte Anfang der Zwanziger in Berlin die Bekanntschaft Webers. Wie könnte es anders sein als daß er auch den Freischütz gesehen hat?
Felix Mendelssohn
Oktett Es-dur op. 20
Hausmusik London:
Monica Huggett, Pavlo Beznosiuk, Paull Boucher und Jolianne von Einem, Violine Roger Chase und Simon Whistler, Bratsche Anthony Pleeth und Sebastian Comberti, Violoncello (CD, Virgin, 1990)
Allegro moderato ma con fuoco 14'41 Andante 6'53 Scherzo. Allegro leggierissimo 4'37 Presto 5'37
Amonasro (26.02.2024, 22:32):
Gioachino Rossini/Giovanni Schmidt: Elisabetta regina d’Inghilterra
Elisabetta – Serena Farnocchia Leicester – Patrick Kabongo Norfolc – Mert Süngü Matilde – Veronica Marini Enrico – Mara Gaudenzi Guglielmo – Luis Aguilar
Kraków Philharmonic Chorus and Orchestra, Antonio Fogliani
Eine neue Rossini-Aufnahme aus Wildbad, die wieder sehr gelungen ist.
Gruß Amonasro
Sfantu (27.02.2024, 21:01): Lieber Amonasro,
ich habe nur diese einzige Elisabetta in meiner Sammlung - und sie zu meiner Schande noch nie aufgelegt. Du kennst sie sicher. Wie schätzt Du sie ein?
palestrina (28.02.2024, 11:22): ........und sie zu meiner Schande noch nie aufgelegt. :( :( :(
Ich möchte Amonasro nicht vergreifen......für mich allerdings war was die erste Aufnahme die ich liebte, dann kam diese
....und dann obige bei der ich selbst dabei war, und deshalb liebe ich sie umso mehr!
LG palestrina
Amonasro (28.02.2024, 23:06): Da gibt es leider nichts vorzugreifen, da ich die Masini-Aufnahme nicht kenne. Elisabetta war eine meiner wenigen Rossini-Lücken, die ich jetzt mit der neuen Aufnahme geschlossen habe. Früher oder später werde ich Masini aber sicher auch hören, zumal mir Carreras als Rossinis Otello schon sehr gefällt.
Gruß Amonasro :hello
Joe Dvorak (29.02.2024, 16:04):
Alexander Scriabin - Klaviermusik John Ogdon
Lange keinen Scriabin mehr gehört. Daraus natürlich das schwarzweisse Messenpaar: Sonate Nr. 7 Fis-dur, op. 64 "White Mass" Sonate Nr. 9 F-Dur, op. 68 "Black Mass"
Nicolas_Aine (29.02.2024, 22:56): Nun durfte es endlich wieder eine etwas intimere Besetzung sein. Der Impuls dazu kam zwar bereits Anfang Dezember, war seither aber unterschwellig präsent: Bei mir nun eine weitere Neuerwerbung:
F. Schubert: Oktett D803
Berliner Philharmonisches Oktett Mit den Berlinern hatte ich auch mal eine Version auf LP - vermutlich eine ältere Aufnahme / Besetzung als Deine Nimbus-CD.Wie gefällt sie Dir? Ich finde es eine schöne Aufnahme. Klangschön, gut gespielt, kann man nicht viel meckern. Aber für meinen Geschmack dann letztlich doch zu "altmodisch". Was natürlich in Anbetracht der Interpreten keine Überraschung ist. Aber bei Schubert darfs bei mir gerne etwas hipper sein.
Joe Dvorak (01.03.2024, 02:46): (...) Bei mir nun eine weitere Neuerwerbung:
F. Schubert: Oktett D803
Berliner Philharmonisches Oktett Mit den Berlinern hatte ich auch mal eine Version auf LP - vermutlich eine ältere Aufnahme / Besetzung als Deine Nimbus-CD.Wie gefällt sie Dir? Ich finde es eine schöne Aufnahme. Klangschön, gut gespielt, kann man nicht viel meckern. Aber für meinen Geschmack dann letztlich doch zu "altmodisch". Was natürlich in Anbetracht der Interpreten keine Überraschung ist. Aber bei Schubert darfs bei mir gerne etwas hipper sein. Das Oktett darf durchaus auch mal so richtig altmodisch daherkommen, aber dann bitte mit dem Wiener Oktett. :thumbsup: :times10 :thumbsup:
Sfantu (02.03.2024, 18:09):
Bedřich Smetana
Streichquartette
Talichovo kvarteto (CD, Galliope, 1988)
Nr. 1 e-moll
Allegro vivo appassionato 7'29 Allegro moderato a la polka 5'20 Largo sostenuto 8'03 Vivace 5'44
Nr. 2 d-moll
Allegro 4'58 Allegro moderato. Andante cantabile 5'22 Allegro non piu moderato ma agitato e con fuoco 4'48 Presto 2'38
An Smetanas 200. Geburtstag bei mir seine beiden Quartette. Eine klingende Autobiographie - schonungslos direkt bis zur Selbstzerfleischung. Trotz aller Tragik ist das in ihrer wildromantischen Emotionalität und Zerrissenheit aufregende Musik. Die Talichs durchleben das mit Herzblut. Das oftmals stiefmütterlich behandelte zweite Quartett gehört unbedingt als Fortsetzung des Ersten zu eben diesem - Smetana selbst hat sich sinngemäß darüber geäußert.
Amadé (03.03.2024, 09:19):
Schade, dass Fey nicht alle einspielen konnte.
Gruß Amadé
Maurice inaktiv (03.03.2024, 11:44): Schade, dass Fey nicht alle einspielen konnte. Japp. Sehe ich auch so.
Joe Dvorak (03.03.2024, 13:43):
George Gershwin - Porgy and Bess, A Symphonic Picture & Pyotr Ilyich Tchaikovsky - Pique Dame Suite New York Philharmonic, André Kostelanetz
Nach Wolfgang Dauners fulminanter Jazz-Interpretation von Porgy & Bess war es mir nach einer orchestralen Breitseite derselben. Die Wahl fiel auf diese Interpretation, wegen der Koppelung mit Pique Dame. Im Gegensatz zu unserem @palestrina, der einige tausend Opern live verfolgt hat, sind es bei mir nur zwei Handvoll, und die Pik Dame mit Lise Davidsen in Stuttgart war eine der eindrücklichsten.
Joe Dvorak (03.03.2024, 16:47):
Markus Stockhausen spielt Karlheinz Stockhausen Aries (aus Sirius) für C-Trompete & Elektronik In Freundschaft für Es-Viertelton-Trompete Halt (aus Michaels Reise um die Erde vom Donnerstag aus LICHT) für B-Trompete & Kontrabass + Niek de Groot Piet (vom Dienstag aus Licht) für Viertelton-Flügelhorn & Sopran + Annette Meriweather Leichte Unterhaltung zum Wochenendausklang.
Allegro con brio 9'13 Andante 10'14 Poco allegretto 6'10 Allegro 8'20
Eigentlich ganz bezaubernd für einen "tönenden Pfannkuchen". Gerade auch die beiden Binnensätze - besonders das Andante - werden liebevoll gestaltet, die Musik zum Leuchten gebracht. Sinnabschnitte werden gegliedert und herausgearbeitet, als wäre es ein Gespräch. Ja, das paßt: es vermittelt sich instrumentale Rhetorik. Ist es das, was Harnoncourt im Sinn hatte, wenn er "Klangrede" sagte? Sehr herzerwärmend jedenfalls. Es fehlt hier denkbar wenig zu einer (für mein Empfinden) vollkommenen Umsetzung. Warmer, satter, aufgefächerter Stereo-Klang.
Joe Dvorak (05.03.2024, 18:14):
Brian Eno - Music for Airports Dedalus Ensemble
Dass da noch keiner früher drauf gekommen ist. Eigentlich wäre das ein perfektes Projekt für Zeitkratzer gewesen, aber es war dem Ensemble Dedalus vorbehalten, dieses Meisterwerk für klassisches Instrumentarium zu transkribieren. Mit dieser Komposition, die ursprünglich als LP unter dem Titel "Ambient 1 - Music for Airports" erschien, hat Eno das Genre zwar nicht erfunden, aber definiert. Er selbst beschreibt Ambient als Musik, die den Hörer auf allen Aufmerksamkeitsebenen ansprechen soll, beim intensiven Zuhören ebenso wie beim Nebenbeihören. Und genau das macht die Faszination dieser Musik aus. Ich kann sie eigentlich in jeder Stimmung und in jeder Situation hören und sie verändert meine Stimmung nicht, sondern passt sich ihr an. Entschleunigung ist das erste Attribut, das mir einfällt, wenn ich das bewusst höre. Durch das Eintauchen in diese Klangskulpturen kann man die Zeit verlangsamen - da besteht eine gewisse Verwandtschaft zu Feldman. Ich habe das neulich mit Im-Ohr-Kopfhörern auf einer langen Autofahrt gehört. Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich nachgeschaut, wie lange der 17-minütige erste Teil noch dauert, und war völlig perplex, als ich feststellte, dass erst sechs Minuten vergangen waren. Jeder kennt das Phänomen, dass bei einer monotonen Tätigkeit die Zeit langsamer zu vergehen scheint. Während das am Fließband stehend eher lästig ist, macht man es sich hier zunutze, indem man die Zeit bewusst anhält und die 'gewonnenen' Minuten mit guter Musik füllt. Denn das bietet Eno, auch wenn oder gerade weil sich Veränderungen sehr langsam vollziehen - und dadurch umso nachhaltiger wirken. Das ist ein gutes Gegenmittel gegen das Gefühl, dass die Zeit immer schneller verrinnt. Die neue Kammermusikversion gefällt mir klar besser als das die mit E-Piano, Synthesizer und Stimmen realisierte Originalversion. Ein großer Wurf.
Tosca - Leontyne Price Cavaradossi - Franco Corelli Scarpia - Cornell MacNeil Angelotti - Norman Scott Sagrestano - Ezio Flagello Spoletta - Paul Franke Sciarrone - George Cehanovsky Pastore - Alan Fischer Carceriere - Roald Reitan
The Metropolitan Opera Orchestra and Chorus, Kurt Adler 07. April 1962
Ein hervorragender Live-Mitschnitt, der bei mir keine Wünsche offen lässt.
Gruß Amonasro
Joe Dvorak (09.03.2024, 12:41):
Michael Byron - Music of Nights Without Moon or Pearl (für Streichquartett, Kontrabass, 2 Klaviere & Synthesizer) CalArts New Century Players, David Rosenboom
Joe Dvorak (10.03.2024, 01:28):
Jason Eckhard - Passage JACK Quartet Passage (I. Subject, II. Ascension, III. Testify) Pulse-Echo + Jason Harding (Klavier) 'Jason Eckardt ist ein Komponist, der Partituren mit beängstigend komplexer Notation schreibt, der Schönberg, Coltrane, Stockhausen, Ferneyhough und Lachenmann zu seinen Haupteinflüssen zählt und der seine musikalische Laufbahn als Gitarrist in einer Metalband begann' (The Complexity of Jason Eckardt - New Music USA). Und das JACK-Quartet spielt. Wenn das kein Grund ist, das sofort anzuhören, auch wenn das der Kompositon Passage zugrundeliegende Thema Folter durch völligen Entzug von Sinnesreizen, gefolgt von Licht- oder Tonschüben oder sehr lauter Musik nicht unbedingt Wohlfühlklänge verspricht.
Nicht unähnlich seinen Etuden, zeichnen auch Skrjabins Préludes den Weg vom Chopinianer weg in Richtung zunehmender Fragilität und Auflösung. Mit steigenden Opuszahlen wird es spannender weil lichter, fahler, irritierender. Das schreitet nicht bruchlos und kontinuierlich voran, am Ende aber doch unverkennbar. Farbig-sinnliches, facettenreiches Spiel in luxuriösem Klang.
Joe Dvorak (13.03.2024, 02:31): Ich beschäftige mich zur Zeit viel mit Ambient Music (es ist überflüssig zu erwähnen, dass es davon viel mehr und qualitativ hochwertigere gibt, als die, die in den Hauptstrom gelangt), und das bringt mich dazu, mich den allerersten Anfängen zuzuwenden. Diese liegen bei Debussy und vor allem bei Satie, der mMn für das Genre eine vergleichbare Rolle spielt wie Holst für den Metal.
Erik Satie - Relâche, Vexations & Musique d'ameublement Diverse Interpreten
Joe Dvorak (15.03.2024, 01:01):
Mily Balakirev - Sinfonie Nr. 1 C-Dur BBC Philharmonic, Vassily Sinaisky
Joe Dvorak (15.03.2024, 04:53):
Andrew McIntosh - Little Jimmy Yarn/Wire I Have a Lot to Learn für Klavier solo Learning für Perkussion solo Little Jimmy für 2 Klaviere & 2 Perkussionisten McIntosh verwendet für zwei der Kompositionen Feldaufnahmen und für eine von diesen noch zusätzlich einen Sinusgenerator. Dafür habe ich eine Schwäche. Alles, was den konventionellen Ensembleklang erweitert, ist erst einmal willkommen, ob es bleiben darf, entscheidet das Ergebnis. Man könnte einwerfen, dass der konventionelle Instrumentalapparat mehr als genug Möglichkeiten bietet und es solcher Gimmicks nicht bedarf. Man kann nicht entgegenhalten, dass man den Klang von natürlichen Instrumenten vorzieht, weil es so etwas nicht gibt (es sei denn, man will sich auf Knochenflöten beschränken, wobei selbst die einer gewissen Bearbeitung bedürfen, um was Vernünftiges herauszubekommen). Ich habe jedenfalls noch keine Geige auf einem Baum wachsen sehen. Und auch die Materialien sind unnatürlich, oder habe die letzte Klaviersaitenernte verpasst? Der Einsatz von Elektronik wird oft abgelehnt, aber warum es einen Unterschied macht, ob eine Schwingung durch Anblasen, Anschlagen, Streichen oder durch Spannungsimpulse auf eine Membran ausgelöst wird, ist mir nicht ganz klar. Bleibt noch das Argument des Handgemachten, aber auch das greift zu kurz, denn irgendwie muss der Programmierer sein Zeug in die Maschine und aus ihr heraus bekommen. Musik ist eine schöpferische Tätigkeit, und ob man nun in ein Rohr bläst oder an Reglern dreht, ist einerlei. Wie dem auch sei, Little Jimmy ist eines der wenigen neueren Kairos-Alben, bei denen ich nicht schon nach wenigen Minuten angefangen habe zu überspringen oder vorzuspulen. Das bleibt.
Joe Dvorak (16.03.2024, 02:39): Heute feiert Stuart Saunders Smith seinen 76. Geburtstag. Aus diesem Anlass strömt eines meiner top-favorisierten Alben aus der Moderne:
Theatrical Music for Solo Percussion Lee Hinkle (Zarb, Marimba, Vibraphon, Schlagzeug, Stimme) George Aperghis - Le corps à corps Daniel Adams - Of a Just Content Stuart Saunders Smith - The Authors + Arielle Miller (Sprecher) Lee Hinkle - Vibratissimo Stuart Saunders Smith - The Tunnel
Joe Dvorak (16.03.2024, 04:28):
Wolfgang Amadeus Mozart - Klarinettenkonzert A-Dur, K. 622 Thea King, ECO, Alun Fracis
King ist die Queen dieses Konzerts. Ihre Aufnahme mit Jeffrey Tate taucht in den Polls regelmäßig ganz vorne auf. Diese ein paar Jahre früher gemachte Einspielung hat es allerdings auch in sich - und das kann man auch über das Vierte von Spohr als echte Repertoirebereicherung sagen.
Joe Dvorak (17.03.2024, 03:23):
Igor Stravinsky - L'Oiseu de feu / Claude Debussy - Nocturnes Tbilisi SO, Jahni Mardjani
Die britische Progressive-Rock-Band Yes spielte zum Auftakt ihrer Konzerte der 1972er Tour ein Excerpt from "Firebird Suite" von der Konserve (mit dem Boston SO & Seiji Ozawa). Der Schlussakkord wurde dann vom Mellotron übernommen und leitete das eigentliche Konzert ein. Das ist auf dem schon in ganz jungen Jahren von mir geliebten Live-Album Yessongs zu hören und war ein Fingerzeig, dass klassische Musik gar nicht so übel ist und mehr bietet als Elises kleine 4-Jahres-Träumerei von der Moldau mit Rudolf Schock. Heute fiel die Wahl auf die Georgier wegen der Kopplung mit Debussy, der - lange verschmäht - in jüngster Zeit bei mir häufiger zu Gehör kommt. Und das war eine gute Wahl. Der Schluss des Feuervogels ist Gänsehaut pur - auch ohne Mellotron.
Joe Dvorak (18.03.2024, 04:30): Wenn ich nichts übersehen habe, gibt es noch keinen Faden zu Heinrich Ignaz Franz Bibers 16 Sonaten über die 15 Mysterien des Rosenkranzes für Violine und Basso Continuo oder kurz Rosenkranzsonaten oder Mysteriensonaten. Das ist im Zeitalter des wohlinformierten Netzes auch nicht wirklich notwendig, wäre aber angesichts der Innovation und Originalität des Werkes sowie der schieren Glückseligkeit, das es zu vermitteln mag, eine schöne Kür. Von diesem vermeintlichen Außenseiterwerk wurden immerhin ca. 30 Aufnahmen gemacht (als Hartware teilweise schon wieder gestrichen und nur noch als Download verfügbar). Gestern habe ich Boston Baroque gehört und war ziemlich geflasht. Jetzt:
Amandine Beyer (Violine), Gli Incogniti Baldomero Barciela (Viola da Gamba & Violone), Francesco Romano (Laute), Nacho Laguna (Theorbe), Anna Fontana (Cembalo & Orgel)
Joe Dvorak (18.03.2024, 13:51):
Karlheinz Stockhausen - Kurzwellen
C.L.S.I. Ensemble, Paul Mefano (Circle for the Liberation of Sound and Image) Jacqueline Mefano (Klavier), Lissa Meridan (Kurzwellenradio, Filterung & Ringmodulation), Michael Kinney (Synthesizer & Live-Elektronik), Martin Phelps (Kurzwellenradio & Live-Elektronik), Olga Krashenko (Viola), Gerard Pape (Kurzwellenradio, Filterung & Ringmodulation), Stefan Tiedje (Tibetische Klangschalen & Live-Elektronik), Rodolphe Bourotte (Kurzwellenradio & Live-Elektronik)
Vor einiger Zeit haben wir uns im Forum gefragt, ob jene einst radikal kompromisslosen Werke der Moderne, die sich etabliert haben und in mehreren Einspielungen vorliegen, im Laufe der Zeit immer 'milder' interpretiert wurden. Cages Klavierkonzert und andere seiner Werke, Boulez' Marteau, Glass' Einstein und Stockhausens Sieben Tage fallen mir ein, und nun auch Kurzwellen, das in dieser Aufnahme von 2018 deutlich leichter zu hören ist als die beiden frühen Fassungen von 1968 und 1969. Da das weder mit der Intention kollidiert noch dem 'philosophischen Gehalt' etwas nimmt und die Unvorhersehbarkeit gewahrt bleibt, ist das meine neue "Referenz".
Joe Dvorak (18.03.2024, 15:37):
Dmitri Shostakovich - Sinfonie Nr. 6 h-Moll, op. 54 Plovdiv PO oder Sofia OP, Dobrin Petkov
Petkov und die Sechste ist, was die Aufnahmen betrifft, ein sehr undurchsichtiges Kapitel. Er hat das Werk zweimal eingespielt, einmal mit den Plauenern und einmal mit den Sofioten. Von beiden Aufnahmen gibt es keine Tonträger, und was Downloads anbelangt, scheinen die Anbieter nicht so recht durchzublicken. So gibt es bei meinem Dienstleister zwei Alben mit dem gezeigten Cover, aber mit unterschiedlichen Spieldauern. Auch weitere Recherchen schaffen kaum Klarheit. Mal wird die Aufnahme, die in allen drei Sätzen kürzere Spielzeiten aufweist (z.B. im Largo 17:10 vs. 18:05), dem einen Orchester zugeordnet, mal dem anderen. Die letzte Sicherheit, wer was spielt, konnte ich nicht gewinnen. Egal, wichtig ist zu wissen, dass die schnellere Version diejenige ist, die man hören muss. Nicht nur im Bezug auf Petkov, sondern auf das Werk. Wer mit dem nicht ganz optimalen Klang leben kann, wird schon nach den ersten zwei Minuten erwägen, die anderen Aufnahmen, die er von diesem Werk hat, wegzuschmeißen. Und das ist erst der Anfang, es kommt noch dicker und reisst bis zum Schluss nicht ab. Da kommt keiner weit und breit auch nur annähernd in Hörweite.
Joe Dvorak (19.03.2024, 11:20):
Daniel Bjarnason - Violinkonzert Pekka Kuusisto, Iceland SO, Daniel Bjarnason
Eines der besseren zeitgenösssichen Werke der Gattung (UA: 2017). Durchaus abopublikumstauglich, aber keinsfalls rückschrittlich.
Nicolas_Aine (22.03.2024, 21:36):
Arnold Schönberg: Verklärte Nacht Op. 4
Zubin Mehta, Dirigent Bayrisches Staatsorchester
Die Scheibe liegt zum ersten Mal im Spieler. Bisher gefällts mir gut, das Orchester hat einen wunderbar süffigen Sound, sehr voll und rund, dabei sehr farbig. Auch die fahleren Stellen sind gelungen, es wird nicht einfach nur mit dem Soundpinsel zugekleistert.
Nicolas_Aine (22.03.2024, 22:16):
Antonin Dvorak: Cellokonzert h-moll Op. 104
Steven Isserlis, Violoncello Daniel Harding Mahler Chamber Orchestra
Vor 2 Jahren oder so hab ich Isserlis mit Dvorak begleitet und nach wie vor gehört das zu meinen eindrücklichsten musikalischen Erlebnissen. Ein unglaublicher Farbreichtum, die Virtuosität des Stückes problemlos gemeistert, ohne sie jemals in den Vordergrund zu stellen, und diese pianissimi… der absolute Wahnsinn. Dazu ein ganz spontanes musizieren, alles passiert aus dem Augenbkick heraus, ist jedes mal anders, aber immer so ogisch, organisch, natürlich und selbstverständlich, dass man nie auch nur das geringste Problem hatte, mitzumachen. Ich habe das Konzert auch schon mit anderen, teils auch sehr renommierten Solisten gespielt, aber das war nicht nur eine andere Liga, das war einfach ein anderer Sport.
Joe Dvorak (24.03.2024, 02:04):
Ernst Krenek - Sinfonie Nr. 2 Gewandhausorchester Leipzig, Lothar Zagrosek
Heute morgen hatte ich die Muse und das Sitzfleisch, mir diesen schweren Brocken mal wieder reinzuziehen. Über eine Stunde Spielzeit, atonal, mit kriegerischer Grobdynamik. Der Reiz liegt darin, dass Krenek hier und da tonale Inseln einstreut, die irgendjemand mal als "Ruinen einer vergangenen Zeit" bezeichnet hat. Ein treffendes Hörbild, wie ich meine.
Andréjo (24.03.2024, 13:57): Bei Allan Pettersson würde mir Joes Charakterisierung Über eine Stunde Spielzeit, atonal, mit kriegerischer Grobdynamik. Der Reiz liegt darin, dass Krenek hier und da tonale Inseln einstreut, die irgendjemand mal als "Ruinen einer vergangenen Zeit" bezeichnet hat. Ein treffendes Hörbild, wie ich meine. relativ ähnlich einfallen und es liest sich auch relativ ähnlich in den Booklets. Der Bezug auf die vergangene Zeit dürfte Pettersson weniger interessiert haben, ein persönliches Schicksal wohl umgekehrt Krenek kaum. Ich müsste die zweite Sinfonie von Krenek mal wieder hören, habe sie nicht wirklich annäherungsweise im Ohr. Ich meine mich aber zu erinnern, dass der Schwierigkeitsgrad für den Hörer dieser Sinfonie und etlicher von Pettersson vergleichbar sein dürfte - vielleicht auch der Stil bis zu einem gewissen Grad. War Pettersson stärker Romantiker? Sind seine lyrischen Inseln markanter, häufiger? Ich meine, dass sie schärfer auszugliedern sind - aber das ist bestenfalls Halbwissen aus dem genannten Grund.
Was ich von Pettersson weiß: Sein Stil ist rasch sehr präzis wahrzunehmen. Ein doppeltes Dutzend Musik von Krenek habe ich kennengelernt, selten öfter als ein oder zwei Mal gehört. Er war ja eine Art Chamäleon - das meine ich nicht negativ und es ist hatürlich auch keine ernsthafte Stilbeschreibung. :P :)
Joe Dvorak (26.03.2024, 05:54): Bei Allan Pettersson würde mir Joes Charakterisierung Über eine Stunde Spielzeit, atonal, mit kriegerischer Grobdynamik. Der Reiz liegt darin, dass Krenek hier und da tonale Inseln einstreut, die irgendjemand mal als "Ruinen einer vergangenen Zeit" bezeichnet hat. Ein treffendes Hörbild, wie ich meine. relativ ähnlich einfallen und es liest sich auch relativ ähnlich in den Booklets. Ich kenne Pettersson nicht sehr gut, aber doch so gut, dass mir eine über die genannten, recht allgemeinen Merkmale hinausgehende Verwandtschaft hätte ins Ohr strömen müssen. Ich höre Kreneks 2. näher bei einer spekulativen 11. oder 12. Symphonie von Mahler.
Andréjo (26.03.2024, 12:12): Da kann ich mitgehen! ;) :)
classicana87 (26.03.2024, 12:50): Ich bin nach wie vor großer und stark begeisterter Wolfgang Amadeus Mozart Fan
Andréjo (26.03.2024, 15:52): Da stehst Du nicht allein!
Joe Dvorak (27.03.2024, 01:14): Ich stelle mich dazu und trage dem Fansein zuhörend Rechnung:
Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonie Nr. 29 A-Dur, K. 201 RSO Luxembourg, Louis de Froment
Joe Dvorak (27.03.2024, 04:36):
Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonie Nr. 40 g-Moll, K. 550 RSO Luxembourg, Louis de Froment
Ich habe noch die Große g-Moll mit den gleichen Protagonisten nachgeschoben, und das ist eine der besseren Interpretationen (wobei es kaum eine Handvoll gibt, von denen ich das sagen kann). Das ist zwar die Alte Schule mit großem Orchester und breiten Tempi, aber keineswegs fett und behäbig, im Gegenteil, es fließt leicht und schwebend, wirkt fast schwerelos. Dazu gibt es keine Interventionen seitens des Dirigenten, es wird nicht bedeutungsschwanger an Phrasen herumgetüftelt und dynamisch wie artikulatorisch Dramatik exerziert, sondern - um es mit den Worten eines geschätzten Forenmitglieds zu sagen - man hat selten den Eindruck, da interpretiert einer. Das ist sehr natürlich, oder um es mit Joes Worten zu sagen: Weil hier niemand versucht, das nach irgendetwas klingen zu lassen, klingt es besonders 'mozartisch' und erinnert uns daran, wie gut diese Musik ist und wie gut sie tut.
Maurice inaktiv (27.03.2024, 10:08): Bei Schubert würde ich immer auch Sir Colin Davis mit dem SO des BR in den Raum werfen. Das sind rundherum wunderbar ausbalancierte Aufnahmen in auch sehr guter Aufnahmetechnik. Bei Mozart fällt mir spontan keine Aufnahme ein, die ich ohne HIP ertragen könnte, aber das muss ich auch nicht.
Philidor (29.03.2024, 20:05): Hier Tagesgemäßes.
Richard Wagner: Parsifal
Parsifal – James King Kundry – Yvonne Minton Gurnemanz – Kurt Moll Amfortas – Bernd Weikl Titurel – Matti Salminen Klingsor – Franz Mazura Tölzer Knabenchor (Einst. Gerhard Schmidt-Gaden) Chor des Bayerischen Rundfunks (Einst. Heinz Mende) Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Amonasro (29.03.2024, 20:45): Hier Tagesgemäßes. Bei mir auch. Wobei ich es bis zum Karfreitagszauber heute wohl nicht mehr schaffen werde.
Richard Wagner: Parsifal
Amfortas - José van Dam Titurel - John Tomlinson Gurnemanz - Matthias Hölle Parsifal - Siegfried Jerusalem Klingsor - Günter von Kannen Kundry - Waltraud Meier
Chor der Deutschen Staatsoper Berlin Berliner Philharmoniker; Daniel Barenboim
Eine Aufnahme, die mir sehr gefällt. Waltraud Meier ist eine sehr dramatische Kundry, wodurch vor allem der 2. Akt herausragt.
Gruß Amonasro
Amonasro (30.03.2024, 18:41):
Giuseppe Verdi/Salvadore Cammarano: Il trovatore
Manrico - Jussi Björling Leonora - Zinka Milanov Il conte di Luna - Leonard Warren Azucena - Fedora Barbieri Ferrando - Nicola Moscona Inez - Margaret Roggero Ruiz - Paul Franke Un vecchio zingaro - George Cehanovsky Un messo - Nathaniel Sprinzena
The Robert Shaw Chorale RCA Victor Orchestra, Renato Cellini
Mit Milanov tue ich mich meist schwer, wobei das hier noch zu ihren besseren Aufnahmen zählt. Björling singt für diese heißblütige Musik zu elegant-distanziert, mehr Troubadour als Anführer in einem Bürgerkrieg. Die übrige Besetzung ist hervorragend, besonders Barbieris intensive Azucena. Cellini macht die üblichen Striche, die Tonqualität ist akzeptabel, allerdings hat man zu dieser Zeit auch schon besser klingende Aufnahmen gemacht (z. B. die Madama Butterfly mit Tebaldi von Decca im Vorjahr). Interessant sind die von Milanov gesungenen (kroatischen?) Lieder als Zugabe.
Gruß Amonasro
Philidor (01.04.2024, 09:26): Neben dem üblichen Stoff rund um die Osterfeiertage - Haydns Sieben letzte Worte in der Streichquartett-Fassung, Diverses von Bach, Duprés Symphonie-Passion - haben mich in diesem Jahr zwei Werke besonders beeindruckt:
Zwei Werke von Krzystof Penderecki, seine Lukas-Passion und dann sein österliches Diptychon "Utrenja":
Ja, ich gebe es zu, die Passion wurde 1966 uraufgeführt. Musik unserer Väter und Großväter, schon leicht angestaubt.
Und doch: Die Intensität dieses Werks ist ungebrochen. Das ist keine Passion, um sich genüsslich im Sessel zu fläzen, wenn ein Unschuldiger am Kreuz verreckt und zu rufen "Hach, ist das schön!", das Werk nimmt uns mit nach Golgatha, und es riecht nach Tränen, Schweiß, Blut, Urin und Kot eines Menschen, der stundenlang am Kreuz hängt, bis der Tod sein Leiden beendet.
Ich habe in den letzten Wochen fast alle Aufnahmen des Werks gehört, doch diejenige mit Antoni Wit scheint mir die eindringlichste. Dazu passt auch die ausgezeichnete Klangtechnik. Wenn nur eine, dann diese. - Alternativ käme m. E. noch die EInspielung mit dem Komponisten am Pult in Frage, die dem Werk eine besondere Aura verleiht. Greifbare Transzendenz, so dies möglich wäre.
Bei "Utrenja" ist die Auswahl nicht groß - für meine Begriffe ist das ebenfalls fantastisch musiziert.
Amonasro (05.04.2024, 21:45):
Mlle Duval/Jacques Fleury: Les Génies ou Les caractères de l'Amour
Lucile/Zaïre/Isménide/Florise - Marie Perbost Amour/Zamide/Sylphe - Florie Valiquette La Principale Nymphe/Pircaride - Anna Reinhold Léandre - Etienne de Bénazé Indien/Sylphe - Paco Garcia Zoroastre/Numapire - Guilhem Worms Zerbin/Adolphe - Matthieu Walendzik Africaine/Nymphe - Cécile Achille
Chœur de l'Opéra Royal Ensemble Il Caravaggio; Camille Delaforge
Eine interessante Opéra-ballet einer Komponistin, über die man nur wenig weiß (nicht mal den Vornamen). Insbesondere die Tanzsätze überzeugen, die hier sehr schwungvoll und farbenfroh dargeboten werden.
Gruß Amonasro
Joe Dvorak (06.04.2024, 15:08):
Modest Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung Sofia PO, Emil Tabakov
Heute ging mir ohne konkreten Anlass die Altsaxophon-Melodie aus dem Alten Schloss im Kopf herum. Grund genug, die Bilder mal wieder zu betrachten. Wie so oft, wenn Tabakov draufsteht, ist es wenig intrusiv und sehr immersiv, so dass die Frage, ob dieses Werk nicht eigentlich einen Klangkörper der "Absoluten Spitzenklasse I - Referenz" und den aktuellsten Stand der Ton- und Aufnahmetechnik benötigt, erst gar nicht aufkommt.
Amonasro (08.04.2024, 00:04):
Heitor Villa-Lobos: Bachianas Brasileiras Nr. 4-7
Victoria de los Ángeles (Sopran) Fernand Benedetti (Cello) Fernand Dufrene (Flöte) René Plessier (Fagott) Orchestre National de la Radiodiffusion Française; Heitor Villa-Lobos
Gruß Amonasro
Joe Dvorak (11.04.2024, 07:28):
Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonien K. 16, 19, 19a, 22, 43, 45 Mozart Akademie Amsterdam, Jaap ter Linden
Es ist heute üblich, dass Orchester auf modernen Instrumenten oder teilweise auf modernen Instrumenten mit der Attacke und Pointiertheit der historischen Aufführungspraxis spielen. Hier ist quasi das Gegenteil der Fall. Die Akademie ist eine reine HIP-Kapelle, aber die Darbietung ist vergleichsweise Old School. Uhlmann meinte dazu: "Wie Böhm, nur mit alten Instrumenten". Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, die Niederländer sind schon etwas geschmeidiger und aufgeweckter, aber es zeigt, in welche Richtung es geht, und ich mag das ganz außerordentlich.
Maurice inaktiv (11.04.2024, 20:19): Es ist heute üblich, dass Orchester auf modernen Instrumenten oder teilweise auf modernen Instrumenten mit der Attacke und Pointiertheit der historischen Aufführungspraxis spielen. Hier ist quasi das Gegenteil der Fall. Die Akademie ist eine reine HIP-Kapelle, aber die Darbietung ist vergleichsweise Old School. Uhlmann meinte dazu: "Wie Böhm, nur mit alten Instrumenten". Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, die Niederländer sind schon etwas geschmeidiger und aufgeweckter, aber es zeigt, in welche Richtung es geht, und ich mag das ganz außerordentlich. Ich hatte mir die Einspielung damals gekauft, weil ich gerade Böhm nicht mochte. Sie wurde auch gut bewertet (ich meine, im Fono-Forum mit vier Sternen), aber die Aufnahmetechnik wurde kritisiert. So "Old School" fand ich es nicht. Schon ein deutlicher Unterschied zu Böhm. Allerdings auch nicht so ganz mein Geschmack. Da kommen Pinnock und vor allem Norrington schon zu weitaus mir passenderen Ergebnissen.
Sfantu (13.04.2024, 19:11):
Wolfgang Amadé Mozart
"Die Entführung aus dem Serail", Gesamtaufnahme
Bassa Selim - Otto Mellies Konstanze - Arleen Auger Blonde - Reri Grist Belmonte - Peter Schreier Pedrillo - Harald Neukirch Osmin - Kurt Moll
Rundfunkchor Leipzig Staatskapelle Dresden - Karl Böhm (2 CDs, DG, Coproduktion VEB Deutsche Schallplatten, 1974)
Mit dieser Aufnahme lernte ich die "Entführung" seinerzeit (Mitte der Achtziger) kennen - als Statist in der damaligen Produktion am Opernhaus meiner Heimatstadt. In der Folge schätzte und schätze ich Jochums ältere DG-Aufnahme mit Fritz Wunderlich noch mehr. Und doch - diese Version besitzt einen Charme und goldenen Schnitt, der ihr zeitlosen Wert verleiht (ich hätte hier auch den Begriff "Referenz" bemühen können - finde ihn aber deplatziert weil meines Erachtens missverstanden). Fabelhaft Arleen Augers Konstanze, Peter Schreier in der Blüte seiner Stimmkraft, Harald Neukirch ein solider Spieltenor mit hohen darstellerischen Qualitäten. Reri Grist hat (ähnlich Mady Mesplé) ein mickeymousiges Soubretten-Timbre - der gehobene stimmliche Standard dieses Ensembles trägt dies jedoch mühelos. Überambitionierte Deklamation durch die von Schauspielern übernommenen Sprechpassagen wie etwa in Kleibers Freischütz jener Jahre bleibt hier aus - es fügt sich alles auf das Schönste ineinander.
Karl Böhm gestaltet als spiritus rector mit glücklicher Hand. Die wenigen Auftritte des Chores werden zündend und mit gebührendem alla turca geschmettert. Die "Wunderharfe" tut das, was man sich von ihr erhofft: den jeweiligen Komponisten mit ihrem luziden, noblen Klang zu adeln, zu vollendet tönendem Ereignis zu verhelfen.
Amonasro (14.04.2024, 21:41):
Silvestre Revueltas:
Sensemayá Ocho por Radio La Noche de los Mayas Homenaje a Federico García Lorca Ventanas First Little Serious Piece Second Little Serious Piece
Los Angeles Philharmonic, Los Angeles Philharmonic New Music Group; Esa-Pekka Salonen
Gruß Amonasro
Maurice inaktiv (14.04.2024, 23:44): Silvestre Revueltas:
Sensemayá Ocho por Radio La Noche de los Mayas Homenaje a Federico García Lorca Ventanas First Little Serious Piece Second Little Serious Piece
Los Angeles Philharmonic, Los Angeles Philharmonic New Music Group; Esa-Pekka Salonen Das ist eine fantastische Einspielung !! Eine absolute Empfehlung, wenn jemand sich mal Revueltas anhören möchte. Ein Feuerwerk an Rhythmen, Blech und Feuer, dazu das passende Orchester und der ebenso passende Dirigent dafür. Hier war bereits das Feld für Gustavo Dudamel bestellt.
Maurice inaktiv (16.04.2024, 10:21):
Jean Sibelius: Sinfonien Nr. 1 & 6 : AD. 1989 & 1990
Slowakische Philharmonie Bratislawa , Adrian Leaper
Adrian Leaper wird gerne vergessen bei den Dirigenten, die sich durchaus mehr als nur passabel bei den Komponisten Sibelius und Nielsen bewährt haben. Die beiden frühen Naxos-Einspielungen klingen erstaunlich gut, auch scheint mir die Umsetzung mit einem B-Klangkörper durchaus gut gelungen. Ich habe den Eindruck, dass es bei Sibelius weniger krass auffällt, wenn man keine Spitzenorchester zur Hand hat. Es ist nur so ein Bauchgefühl. Mit seinem damaligen Orchester aus Gran Canaria ist es ihm bei Arte Nova auch ganz ordentlich gelungen, diverse Sinfonien einzuspielen (und das Violinkonzert).
Maurice inaktiv (19.04.2024, 08:49):
Ludvig Norman : Sinfonie Nr.3 & Ouvertüren AD: 2021 , Oulu, Finnland Oulu SO , Johannes Gustavsson
Ich höre Norman heute das erste Mal. Leider wird mir das Anhören durch eine viel zu eng-topfige Aufnahmetechnik ziemlich vermiest. Sowas kenne ich von Ondine eigentlich überhaupt nicht. Das klingt fast nach Mono. Dass man sowas den Leuten dann am Ende zum Hochpreis anbietet finde ich eine Sauerei.. Zum Glück habe ich die CD bei einer Aktion gekauft. Ärgern tut es mich trotzdem. Kein guter Start in den Tag.
Joe Dvorak (22.04.2024, 00:42): Jean Sibelius: Sinfonien Nr. 1 & 6 : AD. 1989 & 1990
Slowakische Philharmonie Bratislawa , Adrian Leaper Herausragend finde ich die 5. dieses Zyklus. Eine bessere Interpretation hat mir noch niemand gezeigt.
Maurice inaktiv (22.04.2024, 07:53): Herausragend finde ich die 5. dieses Zyklus. Eine bessere Interpretation hat mir noch niemand gezeigt. Die habe ich überhaupt nicht mehr in Erinnerung. Danke für die Info, lieber Joe. Ich finde grundsätzlich diese Aufnahmen für ziemlich unter dem Radar laufend. Dabei klingen sie für Naxos 1989/90 recht gut zusätzlich.
Hier jetzt aus diesem Zyklus die Nr.2 & 7 :
Slowakische Philharmonie Bratislawa , Adrian Leaper
Joe Dvorak (22.04.2024, 13:34): Bevor ich es vollends ganz verlerne setze ich mal wieder klassische Klassik aufs Programm:
Ludwig van Beethoven - Violinkonzert D-Dur, op. 61 Zino Francescatti, The Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy
Maurice inaktiv (22.04.2024, 20:58): Bevor ich es vollends ganz verlerne setze ich mal wieder klassische Klassik aufs Programm: Vermisst Du nicht die Ausbrüche von John Zorn bei Beethoven jetzt? :D ;)
Nicolas_Aine (24.04.2024, 23:41):
Jean Sibelius: Violinkonzert d-moll Op. 47
Hilary Hahn, Violine Esa-Pekka Salonen Swedish RSO
Eine meiner liebsten Sibelius Einspielungen. Mir gefâllt die Intensität in ihrem Klang ausgesprochen gut, und die Technik ist einfach nur unglaublich. Ich habe das mit ihr auch schon dreimal live gehört, und auch da zieht sie mich jedes Mal wieder mit ihrer Intensität ab der ersten Note in ihren Bann. Die Orchesterbegleitung gefällt mir hier auch sehr gut, ein schöner runder, dunkler Klang in den Zwischenspielen, so stelle ich mir das vor.
Joe Dvorak (26.04.2024, 02:15): Bevor ich es vollends ganz verlerne setze ich mal wieder klassische Klassik aufs Programm: Vermisst Du nicht die Ausbrüche von John Zorn bei Beethoven jetzt? :D ;) :thumbup:
Das kann ja noch werden. Der 70. wurde verpasst, aber vielleicht gibt ihm jemand zum 75. Geburtstag den Auftrag eine Kadenz zum Beethoven-VK zu schreiben - da hat man ja schon allerhand gehört, aber das kann noch überboten werden. Zorns Kompositionen für Solovioline sind Innenohr-Piercings.
Nicolas_Aine (27.04.2024, 23:16):
aus dieser Box:
Aram Khachaturian: Violinkonzert d-moll
Leonid Kogan, Violine Pierre Monteux Boston SO
Diese Konzert hab ich definitiv viel zu lange nicht gehört. Eigentlich eins meiner liebsten Konzerte, aber wie das manchmal so ist… die Aufnahme ist auch super, Kogan passt zu diesem Konzert einfach wie die Faust aufs Auge.
Amadé (28.04.2024, 10:30): Guten Morgen, jetzt im Player:
Monteux begleitet mit den Bostoner hier Lili Kraus. Sie spielen Mozart Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414.
Gruß Amadé
Toni Bernet (01.05.2024, 10:31): Für Geigenfans: Schon angehört, diese Aufnahme mit Chouchane Siranossian und dem Capriccio Barockorchester?
Mehr zum Violinkonzert Nr. 12 g-moll von Andreas Rombach siehe:
ja - eine ganz famose - und verdienstvolle - Einspielung. Das war eine der letzten CDs, die ich bei "tonträger" in Bern erwarb bevor der Laden im Herbst '22 seine Tore schloß. Ein vergleichbares Sortiment findet sich (meines Wissens) im gesamten Kanton kein zweites Mal. Die Romberg-Brüder waren stilistisch sicher nicht die innovativsten Köpfe. Daß sie aber Virtuosen auf ihren jeweiligen Instrumenten waren, wird in den Konzerten hörbar.
Toni Bernet (01.05.2024, 22:27): Hallo Sfantu
Ja die Besorgnis, die du en passant ansprichst, beschäftigt auch mich: Hat die CD-Scheibe noch eine Zukunft? Und wer macht dann Aufnahmen wie die mit den Romberg-Violinkonzerten, wenn es nur noch Streaming-Dienste gibt? Wenigstens sind CDs noch - wie lange noch - online zu kaufen... Schwierig, also nochmals Andreas Romberg g-moll hören! Lieber Gruss
Sfantu (01.05.2024, 22:39): Lieber Toni,
wie sieht es denn bei euch in der Zentralschweiz aus? Gibt es dort noch ernstzunehmende Klassik-Abteilungen? Der einzige mir bekannte erwähnenswerte Laden bleibt Müller & Spring in Brugg.
Beschti Grüess us Bärn, Sfantu
Maurice inaktiv (02.05.2024, 08:56): Ich werfe dazu auch mal ein paar CDs ein, denen ich aber am Ende allen das Prädikat "Ist ja gut geschrieben, aber man hört halt auch, dass es nicht die allerhöchste Kunst ist" anhaftet.
Allerdings muss man auch sagen, dass das keine einfachen Solo-Werke sind, so dass man auch wirklich sehr gute Solisten dafür benötigt. Es sind Werke, die man als "Gebrauchsmusik" oder "Konzerte für Serenaden oder feierliche Anlässe" sehen sollte. Diese Werke werden wohl eher von den kleineren Kammerorchestern gespielt, die sich dann für die Solo-Parts die Solisten aus den größeren Sinfonie-Orchestern holen.
Etwa jene hier: die beiden Brüder mit diversen Werken:
Hier mal kein Kammerorchester, sondern die Hofer Sinfoniker. Interessant sind hier das Violinkonzert Nr.3, d-Moll (Andreas Romberg), op. 46, Konzert für Cello Nr.2, D-Dur, op.3 (Bernhard Romberg) und das Divertimento über australische Volksmusikstücke für Cello und Gitarre, op. 46 von Bernhard Romberg.
CPO hat sich wohl zur Aufgabe gemacht, die Sinfonien einspielen zu lassen von Andreas Romberg. Da liegen mir die Sinfonien Nr. 1& 3 vor.
Von Bernhard Romberg gibt es aus der Serie "Forgotten Treausures, Vol5" Einspielungen unter Michael Alexander Willens mit drei Sinfonien.
Es gibt noch weitere Einspielungen beider Komponisten, ein gewisser Boden existiert also durchaus.
Man wird sicher immer wieder unbekannte Werke ausgraben, aber ich habe das Gefühl, dass der Markt sehr schwierig geworden ist. Und ihr habt ein großes Problem aufgegriffen, nämlich, ob die Produktion von CDs noch sinnvoll ist, wenn man sehr viel Musik inzwischen über Streaming-Dienste sich ins Haus holen kann. Ich sehe es bei mir, ich höre kaum noch CDs, auch weil in meinem Auto nicht einmal mehr ein CD-Player vorhanden ist. Dort höre ich ausschließlich Youtube, oder könnte mir etwas runterladen und hören. Doch bei meinen inzwischen eher kurzen Fahrten reicht mir Youtube völlig aus.
Die Generation Klassikhörer, die sich CDs kaufen möchte, schrumpft im Grunde täglich. Die Verbreitung von Klassik und auch Jazz im öffentlichen Rundfunk geht monatlich zurück, dafür wird irgendwelcher Plunder gesendet, der die Zeit des Anhörens nicht würdig ist, gesungen von irgendwelchen Sternchen, die sich in den unzähligen Casting-Sendungen nach Oben gejault haben.
Ich kenne keinen echt guten Laden mit Musik mehr im Raum Frankfurt/Main. Sollte es einen geben, sind die Preise kaum noch zahlbar, von dem Zeitaufwand ganz zu schweigen. Ich gebe gerne zu, dass ich fast alle Artikel nur noch übers Netz beziehe. Die Gründe sind vielfältig: Zeitersparnis, das Ärgernis, am Ende keinerlei Erfolg beim Suchen zu haben, die oftmals unzuverlässigen öffentlichen Verkehrsmittel (sei es durch Streiks, Bauarbeiten, Abbau vom ÖPV in meiner Heimatstadt in den letzten beiden Jahren, Verteuerung von Benzin und grundsätzlich vieler Artikel, etc. Eigentlich will ich meine Sammlung drastisch verkleinern, weil der Platz nicht mehr vorhanden ist und doch viele CDs am Ende ungehört in einer Ecke oder Kiste landen, oder zu viele Einspielungen eines Werkes existieren. So dürfte es noch mehreren Hörern ergehen, die sich vielleicht auch in Zukunft wohnungstechnisch gesehen verändern wollen oder müssen.
Sorry, das wurde jetzt für diesen Thread zu viel des Guten. Doch es bringt das Problem mit solchen Komponisten auch irgendwie auf den Punkt: Die Auswahl ist zu groß und vielfältig, die Qualität anderer Komponisten am Ende doch höher, und daher fallen dann die Rombergs irgendwie aus dem Raster. Nicht mal mit Absicht, aber sie fallen halt raus.
Joe Dvorak (03.05.2024, 16:47):
Jeff Beal - Red Shift (Concerto for Orchestra) Netherlands Metropole Orchestra, Jeff Beal (1998)
Dieses Album habe ich bereits im Genre-Thread kurz besprochen, aber da es seitdem Dauergast in meinem Äther ist, darf es hier noch einmal erwähnt werden. Das ist Third Stream (Musik, die versucht, Jazz mit klassischer Konzertsaalmusik zu kombinieren) vom Allerfeinsten. Zwar eher auf der unterhaltsamen denn auf der verkopften Seite -der erfolgreiche Filmmusiker Beal lässt sich nicht wegleugnen-, aber einfach gut gemacht, mit griffigen Themen, farbenprächtiger Orchestrierung, gekonnten Spannungsaufbauten und Übergängen, mit genügend Überraschungsmomenten, um Leerlauf zu vermeiden, dabei aber immer das Ohr auf das große Ganze gerichtet. Das ist eine der Neuentdeckungen der letzten Zeit, eine, die mich zuversichtlich stimmt, dass der Vorrat an guter Musik jenseits des zigfach Gehörten nie ausgehen wird.
Zusammen mit Deinem Hörbegleiter, lieber Toni, dieses Konzert neu zu hören bedeutet, es mit neuen Ohren zu hören - verbindlichsten Dank dafür! Und es bestätigt die eigentlich immer zu beherzigende Mahnung, nur über Musik zu schreiben, wenn man mit ihr zumindest einigermaßen vertraut ist. Das Meiste von Romberg, das in meiner Sammlung steht, habe ich aber nicht öfter als einmal gehört. Auf solch dürftiger Grundlage etwas aus dem Ärmel zu schütteln, ist nicht ausgesprochen seriös. Noch dazu mein Fauxpas mit den "Romberg-Brüdern", die in Wahrheit freilich Cousins waren.
Drum lege ich dieser Tage mehrere Rombergiaden ein. Das g-moll-Konzert fördert zu Tage, daß hier sehr wohl ein musikalischer Geist mit eigenem Gepräge weht. Das "famos und verdienstvoll" als Prädikat für Frau Siranossians Pioniertat möchte ich auch weiterhin gelten lassen. Und doch - bei weiteren Einspielungen dieser Werke (welche hoffentlich folgen) würde ich mir moderne Instrumente wünschen. Rombergs Orchesterklang würde dies mit einem Mehr an blühenden Farben und philharmonischem Gewicht bereichern.
Joe Dvorak (04.05.2024, 03:58): Forengetriggert:
Andreas Romberg - Sinfonie Nr. 1 Es-Dur, op. 6 Phion, Orchestra of Gelderland & Overijssel, Kevin Griffiths
Die Frage, ob hier ein musikalischer Geist mit eigenem Gepräge weht oder eben nicht, wird einem manchmal direkt vom Hirn ohne Umwege über den Verstand mitgeteilt. Meins jedenfalls springt während des ersten Satzes immer wieder in eine bekannte Ouvertüre, und wenn der Satz zu Ende ist, ertönt im Kopf der Auftakt zur folgenden Szene. Ich will nicht spoilern oder Voreingenommenheit schaffen und bin gespannt, ob andere das auch so hören.
Toni Bernet (04.05.2024, 09:55): An Sfantu:
Danke für deine Reaktion. Und was die CD-Klassikabteilungen in der Zentralschweiz betrifft: Auf jeden Fall in Luzern gibts nichts mehr, wo es sich hinzugehen lohnt. Was mich aber nicht abhält, weiterhin der CD treu zu bleiben, halt über kompetente Online-Anbieter (z.B. in England oder Deutschland). Mich auf Streaming zu verlassen, widerstrebt mir. Lieber Gruss
Sfantu (04.05.2024, 18:23): Die Frage, ob hier ein musikalischer Geist mit eigenem Gepräge weht oder eben nicht, wird einem manchmal direkt vom Hirn ohne Umwege über den Verstand mitgeteilt. Meins jedenfalls springt während des ersten Satzes immer wieder in eine bekannte Ouvertüre, und wenn der Satz zu Ende ist, ertönt im Kopf der Auftakt zur folgenden Szene. Ich will nicht spoilern oder Voreingenommenheit schaffen und bin gespannt, ob andere das auch so hören. Stimmt - beim Nachhören vermittelt sich mir ein ähnlicher Eindruck. Dazu tragen zum einen die teils sanglichen Themen bei. Dann aber auch die Darbietung mit ihrem ansteckenden Vorwärtsdrang - da wirbelt ordentlich Bühnenluft umher. Und es ist der stärkste Satz, wohin gegen der Rest etwas abfällt. Gerade der Kontrast zum folgenden Andante mit seinem etwas linkischen Hauptthema streicht das deutlich heraus.
Die auf diesem Album folgende Dritte besitzt allenthalben mehr: Reife, Ideenreichtum, handwerkliche Souveränität.
Joe Dvorak (05.05.2024, 08:18): Die auf diesem Album folgende Dritte besitzt allenthalben mehr: Reife, Ideenreichtum, handwerkliche Souveränität Joe gefällt das.
Amonasro (11.05.2024, 22:46):
Marc-Antoine Charpentier/Thomas Corneille: Médée
Médée - Lorraine Hunt Jason - Mark Padmore Créon - Bernard Deletré Créuse - Monique Zanetti Oronte - Jean-Marc Salzmann Nérine - Noémi Rime Cléone - Isabelle Desrochers Arcas - François Bazola La Victoire - Sophie Danemann La Gloire - Katalin Károlyi Bellone - Valérie Picard La Vengeance - Jean-Claude Sarragosse La Jalousie - François Piolino
Les Arts Florissants, William Christie
Gruß Amonasro
Sfantu (12.05.2024, 22:49): Samuel Barber
Streichquartett op. 11
Végh-Quartett
Sándor Végh, Geige Sándor Zöldy, Geige Georges Janzer, Bratsche Paul Szabó, Violoncello (CD, SRF, 2014, AD 4. April 1956)
Molto allegro appassionato 8'21 Molto adagio 6'57 Molto allegro 2'40
Emerson String Quartet
Philip Setzer, Geige Eugene Drucker, Geige Lawrence Dutton, Bratsche David Finckel, Violoncello (CD, DG, 1992)
Molto allegro appassionato 7'34 Molto adagio 6'53 Molto allegro 2'09
Längst überfällig war die Wiederbegegnung mit Barbers faszinierendem Streichquartett. Beide Aufnahmen (mehr als diese zwei habe ich . soweit ich es überblicke - nicht) sind sensibel und nuanciert gestaltet. Der Klang bei den Ungarn ist trockener und näher am Mikro. Beim Wechsel zu den Emersons wird daher eine Umgewöhnungsphase erforderlich: alles ist weicher und entfernter. Und doch gewinnt insbesondere das berühmte Adagio durch diese weichere Sonorität und den insgesamt satteren, beinahe orchestralen Ensembleklang der Emersons. Und doch - gerade dieses Adagio: als ikonisches Stück Musik für den emotionalen Ausdruck von Leidenschaft? Trauer? Transzendenz? - wie muss es den Exil-Ungarn dabei zumute gewesen sein angesichts der sich abzeichnenden politischen Ereignisse in ihrer alten Heimat zum Zeitpunkt der Einspielung?!
Nicolas_Aine (22.05.2024, 23:02): hm, den Barber könnte ich auch mal wieder hören, gute Idee eigentlich.
Nun aber erstmal:
Franz Schubert: Streichquintett C-Dur D956
Alban Berg Quartett Heinrich Schiff
Keine schlechte Aufnahme, aber irgendwie ein bisschen klinisch, finde ich.
Amonasro (26.05.2024, 14:46): Wieder neues aus Wildbad:
Gioachino Rossini/Giovanni Schmidt: Armida
Goffredo - Moisés Marin Rinaldo - Michele Angelini Idraote - Jusung Gabriel Park Armida - Ruth Iniesta Gernando - Patrick Kabongo Eustazio - Manuel Amati Ubaldo - César Arrieta Carlo - Chuan Wang Astarotte - Shi Zong
Kraków Philharmonic Chorus and Orchestra; José Miguel Pérez-Sierra
Gruß Amonasro
Amonasro (27.05.2024, 20:32):
Giacomo Meyerbeer/Eugène Scribe: Vasco da Gama
Vasco da Gama - Michael Spyres Sélika - Claudia Mahnke Inès - Kirsten MacKinnon Nélusko - Brian Mulligan Don Pédro - Andreas Bauer Kanabas Don Diégo - Thomas Faulkner Anna - Bianca Andrew Don Alvar - Michael McCown Grand Inquisiteur/Grand Prêtre de Brahma - Magnús Baldvinsson
Chor der Oper Frankfurt Frankfurter Opern- und Museumsorchester; Antonello Manacorda
Eine Neuerwerbung mit Nostalgie-Faktor, denn eine der Frankfurter Aufführungen habe ich live gesehen. Der positive Eindruck wird durch den Mitschnitt bestätigt, auch wenn das Werk ein paar Längen hat.
Gruß Amonasro
Amonasro (29.05.2024, 21:13):
Gioachino Rossini/Andrea Leone Tottola: Ermione
Ermione – Serena Farnocchia Andromaca – Aurora Faggioli Pirro – Moisés Marín Oreste – Patrick Kabongo Pilade – Chuan Wang Fenicio – Jusung Gabriel Park Cleone – Mariana Poltorak Cefisa – Katarzyna Guran Attalo – Bartosz Jankowski
Kraków Philharmonic Chorus Kraków Philharmonic Orchestra; Antonio Fogliani
Noch eine neue Rossini-Aufnahme aus Wildbad. Ermione gehört in Rossinis experimentelle Phase in Neapel. Anders als die anderen dort entstandenen Werke war sie enorm unerfolgreich und kam nicht über ein paar wenige Aufführungen hinaus, obwohl (oder weil?) sie in gewisser Weise seine radikalste Oper ist. Nirgendwo bei Rossini scheinen Text und Musik so verwoben, die Virtuosität so wenig Selbstzweck wie hier. Dass Tottolas Libretto eines der besten ist, die Rossini vertonte, trägt hierzu sicher bei. Die Handlung mit ihren psychopatischen Charakteren, die um das Leben eines Kindes streiten, das für sie nur Faustpfand zur Förderung der eigenen Interessen ist, ist durchgehend düster und tragisch. Bereits die schwungvolle Ouvertüre überrascht durch die hinter dem Vorhang gesungenen Chor-Einwürfe, die dann zu Beginn der Introduktion wieder aufgegriffen werden und so der ganzen ersten Szene Kontinuität verleihen. Die Arien sind nicht kontemplativ, sondern treiben die Handlung voran und sind sehr großformatig angelegt; beispielhaft seien die beiden wichtigsten genannt: Pirros Balena in man del figlio in der Mitte des 1. Akts ist eine hochvirtuose Tour de Force, die dem Tenor neben strahlenden Spitzentönen und baritonaler Tiefe ein breites Ausdrucksspektrum abverlangt: In die stolz-auffahrenden virtuosen Rahmenteile, in denen der am Rand des Größenwahns befindliche König droht, den von seinen Verbündeten zur Auslieferung geforderten Astianatte zum Mitregenten zu ernennen, sind Einwürfe von sechs anderen Solisten und des Chors und schließlich ein lyrischer Abschnitt, der durch Ermiones Beteiligung den Charakter eines Duetts annimmt, eingebettet. Ermiones große Szene im 2. Akt geht hierrüber noch hinaus. Sie ist das Herzstück des Ganzen und vielleicht Rossinis längste Solo-Szene mit zahlreichen, völlig kontrastierende Emotionen darstellenden Abschnitten wie Liebeskummer, trügerischer Hoffnung, manipulativem Heucheln und schließlich wilder Raserei. Der kleinteilige Aufbau, die Auf- und Abtritte anderer Figuren und der in der Mitte aus dem Hintergrund hereinbrechende Hochzeitsmarsch lassen die Handlung zu keinem Zeitpunkt stillstehen. Die neue Aufnahme überzeugt gegenüber der dröge gespielten Versionen von Scimone und Parry vor allem durch Foglianis schwungvolles Dirigat. Sängerisch ist der Mitschnitt ähnlich gut wie die vorangegangene Elisabetta und Armida, aber nicht außergewöhnlich. Erste Wahl bleibt für mich in dieser Hinsicht die Aufzeichnung aus Pesaro mit Sonia Ganassi und Gregory Kunde unter Roberto Abbado. Die Inszenierung ist zwar kein großer Wurf, aber verströmt eine klassische Strenge, die gut zur Handlung passt. Auch sehr gut ist eine bei YouTube zu findende konzertante Aufführung unter Alberto Zedda, wo u. a. Michael Spyres ein herausragendes Balena in man del figlio singt.
Gruß Amonasro :hello
Nicolas_Aine (06.06.2024, 22:07):
Maurice Ravel: Daphnis et Chloé
Pierre Monteux London SO
Nicolas_Aine (06.06.2024, 23:24): gefällt mir gut. Bin nicht der große Ravel Experte, aber die Farbigkeit gefällt mir.
Im Anschluss weiter farbig:
Nikolai Rimsky-Korsakov: Scheherazade
Kirill Kondrashin Concertgebouw Orchester
Fantastische Aufnahme, so viel Schwung, Farben, aber auch Ruhe, und traumhaft schöm gespielte Soli.von Herman Krebbers
Sfantu (23.06.2024, 10:52): Ein Klassiker - zurecht.
Hob I: 90 Adagio - Allegro assai 7'27 Andante 8'37 Menuett 5'23 Allegro assai 5'01
Wenn es Wiener Klassik mit modernem Instrumentarium sein darf / soll, dann freilich noch so gern mit den Wiener Philharmonikern - sie veredeln Haydns Musik durch ihren Ensembleklang und ihr tadelloses Spiel - Soli wie Tutti. Gut durchhörbare Pulte, sehnig-schlanke Streicher, angenehm prägnante Pauke. Der Concertante täte hie und da etwas mehr micro management gut: mehr Laut-Leise-Details und eine Prise mehr Attacke im Tutti. So wie etwa in Helmut Müller-Brühls letzter Einspielung mit dem Kölner Kammerorchester (Naxos). Als ein Freund maßvoller Tempi empfinde ich die Gesamt-Disposition als nahezu ideal. Ausnahme: der langsame Beginn des Kopfsatzes der Neunzigsten: Böhm zerdehnt hier das Adagio zum Largo. Was vielleicht als prunkvoll oder majestätisch inspiriert ist (und rüberkommen soll), schrappt die Grenze zur Karikatur. Der Rest aber: herzerwärmend - à la bonne heure! Gute bis sehr gute Pressqualität, angenehmer, natürlicher Stereoklang.
Sfantu (23.06.2024, 10:59): @Nicolas_Aine
Kondrashins Sheherazade wird praktisch allerorten hoch gelobt. Aber noch eine Version im Regal?? Ächz! Das wäre dann die sechste. Spielt ihr das demnächst?
Joe Dvorak (23.06.2024, 12:21): @Nicolas_Aine
Kondrashins Sheherazade wird praktisch allerorten hoch gelobt. Aber noch eine Version im Regal?? Ächz! Das wäre dann die sechste.
Steht denn Tabakov schon drin? Wenn das nicht der Fall ist, ist es absolut notwendig, dass geächzt wird.
Sfantu (23.06.2024, 15:15): Steht denn Tabakov schon drin? Wenn das nicht der Fall ist, ist es absolut notwendig, dass geächzt wird. Etwas in der Art hatte ich schon befürchtet...ächz!!
Nein, Tabakov zählt nicht mit dazu. Sondern Ančerl, Swetlanow, Mehta, Karamalz und Bernstein. Karajan habe ich im Vergleich als Wackelkandidat im Ohr, will sagen am ehesten verzichtbar. An Bernsteins Version konnte schwerlich sonst ein Konkurrent dran vorbeiziehen - so zart und poetisch, wie der dritte Satz gestaltet wird, so wild, ja entfesselt, wie der Schlußsatz durch ungezügelte Emphase Ereignischarakter erhält. Und das auch aufnahmetechnisch - bei 1959er CBS-Stereo.
Aber zurück zu Tabakov. Was macht seine Einspielung so exzellent? Wie schafft er es, aus rimskij einen RIMSKIJ zu machen?
Joe Dvorak (24.06.2024, 10:29): Aber zurück zu Tabakov. Was macht seine Einspielung so exzellent? Wie schafft er es, aus rimskij einen RIMSKIJ zu machen? Es ist ein paar Tage her, dass ich das gehört habe, also musste ich nochmal ran - und sofort war es wieder da, das Tabakov-Feeling, das Gefühl der absoluten Stimmigkeit, dieses so und nur so, der zarte, aber unwiderstehliche Sog, das sofortige Eintauchen in die Musik, die nicht gestaltet wird, sondern sich selbst entfaltet, oder wie uhlmann so treffend formulierte: "soll heißen, dass man selten den eindruck hat, hier interpretiert einer". Nehmen wir zum Beispiel den Beginn des Andantino quasi allegretto. Das Thema ist schon hart an der Grenze zu Kitsch und Sentiment, und man kann es dick auftragen, um das zu betonen, oder man kann es betont neutral spielen lassen, um das zu vermeiden, oder man kann es wie Tabakov einfach spielen und es ist, wie es ist, ohne dass sich die Frage stellt, was es ist und wie es gespielt wird. Er macht ihn weder groß noch zu einem Ereignis, sondern lässt ihn sich selbst sein. Und das ist ein tiefgehendes Erlebnis.
Amonasro (25.06.2024, 23:55):
Gioachino Rossini/Andrea Leone Tottola: La donna del lago
Elena - Katia Ricciarelli Malcolm Groeme - Lucia Valentini Terrani Uberto/Giacomo V - Dalmacio Gonzáles Rodrigo di Dhu - Dano Raffanti Douglas d'Angus - Samuel Ramey Albina - Cecilia Valdenassi Serano - Oslavio di Credico Bertram - Antonio d'Uva
Prague Philharmonic Chorus Chamber Orchestra of Europe; Maurizio Pollini
Die einzige Studio-Aufnahme von Rossinis romantischster Oper mit sehr guten Sängern (insbesondere Valentini Terrani und Ramey sind Idealbesetzungen). Pollini betont vor allem den lyrisch-elegischen Charakter des Stücks. An einigen Stellen wie dem Schluss-Rondò sind die Tempi dagegen übertrieben schnell.
Neben der wirklich ausgezeichneten und sehr wandlungsfähigen Trompeterin Vary sind auch noch vereinzelt Richard Galliano (Akkordeon, 5) , Thibaut Garcia (Gitarre, 6) und Quatuor (3 & 9) zu hören.
Es ist kein reines Piazzolla-Album, daher ist der Titel etwas irreführend. Nur sechs der 14 Stücke stammen von ihm. Dazwischen tauchen Johann Seb. Bach, Paganini, Nadia Boulanger und am Schuss Carlos Gardel auf. Was auf den ersten Blick etwas nach "Kraut und Rüben" klingt, wirkt beim Abspielen der CD aber total stimmig. Mir wäre ein Album lieber gewesen, dass, wenn schon andere Komponisten auftauchen, zumindest man weiter in Südamerika geblieben wäre. Doch das ist jetzt wirklich "in den Krümeln suchen" und nicht wirklich entscheidend.
Lucienne gehört für mich zu den bemerkenswertesten jungen Musikern und Trompetern der letzten 10 Jahre Ihre Flexibilität ist unglaublich und scheint kaum Grenzen zu kennen. Sie bewegt sich in der Klassik so souverän wie im Crossover, dem Jazz oder auch dann, wenn sie Trompetenkonzerte des 20.Jahrhunderts spielt. Klar, sie hat ihre Meriten, aber welcher Künstler hat die nicht? So spielt sie fast immer barfuß.
Geboren 1999 im äußersten Zipfel Frankreichs geboren, erhielt sie als erste Künstlerin den Schweizer Arthur Waser Preis zur Förderung von hochbegabten, jungen Solisten. Seit bereits 2017 konzertiert sie international, spielte inzwischen vier Alben ein. Drei davon besitze ich, das Neueste werde ich mir mit Sicherheit auch bald kaufen. Sie ist einfach klasse !!
Auch hier kann sie mit ihrem wunderbar singenden, weichen und fließenden Ton glänzen. Da wirkt nichts affektiert oder auf "Sensation" getrimmt. Es wirkt alles stimmig, fließend, in einander übergehend. Jeder, der das gleiche Instrument wie sie spielt, wird davon begeistert sein, vielleicht nur Fans von Maynard Ferguson und anderer High Note-Virtuosen vielleicht nicht. Doch auf solche "Kunststücke aus dem Zirkusbereich" verzichtet sie zum Glück völlig. Früher hätte mir das vielleicht nicht so gefallen, doch mit all den Jahren eigener Erfahrungen finde ich das einfach nur "hammergeil". Sorry, aber es ist einfach ein echter Genuss ihr zuzuhören.
Hier noch den Link zu Amazon. Dort kann man das Album gerade recht günstig erwerben.
Sfantu (13.07.2024, 10:51): Dank eines Impulses von Dave Hurwitz in seinen "random reviews" beginne ich nun endlich, mich ein wenig durch die Musik des Nachromantikers Edmund Rubbra zu arbeiten - die Sinfonien-Box schlummerte bisher kaum gehört nun schon einige Zeit im Regal. In seiner Sechsten spürt man deutlich: da kennt jemand seinen Sibelius (und seinen Vaughn-Williams)! Jedenfalls suche ich noch den Punkt, an dem ich sagen kann: das ist unverkennbarer Personalstil! Doch bis zu jenem Punkt kann man gut gemachte, atmosphärische Musik genießen. Mehrheitlich dunkle, schwere Farben - erdige, naturempfundene Klänge.
Edmund Rubbra
Sinfonie Nr. 6 op. 80
Lento - sempre flessibile. Allegretto 9'16 Canto - largo e sereno 8'26 Vivace impetuoso 5'48 Poco andante - Allegretto moderato 9'39
BBC National Orchestra of Wales - Richard Hickox (CD, Chandos, 2001)
Joe Dvorak (13.07.2024, 16:27):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 5 cis-Moll LSO, Rudolf Schwarz (AD: 1959)
Nachdem ich kürzlich das Crossover-Konzert Mahler in Toblach gehört hatte, in dessen erster Hälfte Themen und Motive aus der Fünften und verwandten Liedern verwendet werden, kommt nun das Original wieder mal zum Zuge.
BM-LvB (13.07.2024, 17:11): Crossover-Konzert Mahler in Toblach In Toblach beginnen ja heute die GUSTAV MAHLERMUSIKWOCHEN: 13. – 29.07.2024
Die Kombination TPP - Vaclav Neumann ist immer wieder hörenswert. Die Fünfte von Dovrak hinterlässt bei mir einfach keinen bleibenden Eindruck. Dagegen gehört die Fünfte von Mahler zu meinen Lieblingen. Die muss ich auch mal wieder anhören die Tage. Doch irgendwie war es mir jetzt lange Zeit nicht nach klassischer Musik, wenn ich denn überhaupt Musik gehört habe.
BM-LvB (14.07.2024, 08:15): Die Fünfte von Dovrak hinterlässt bei mir einfach keinen bleibenden Eindruck. Dagegen gehört die Fünfte von Mahler zu meinen Lieblingen. Müsste ich wählen zwischen 5 Dvorak oder 5 Mahler, würde auch meine Entscheidung zugunsten von Mahler ausfallen.
Was bedeutet hier im Forum "inaktiv"? :hello
Maurice inaktiv (14.07.2024, 08:38): Weiter mit der Sechsten Dvorak
Tschechische PO Prag , Vaclav Neumann AD: auch 1982 in Prag
Maurice inaktiv (14.07.2024, 09:31):
Johannes Brahms: Sinfonie Nr.3 AD: 14.02.1990 , Kölner Philharmonie
NDR_RSO Hamburg, Günter Wand
Sfantu (14.07.2024, 11:57): Sein Bestes hat Brahms sicher in seiner Kammermusik geschaffen. Die hier interessant und aufschlußreich diskutierte Frage kann und möchte ich gar nicht als Entweder-Oder für mich entscheiden. Beides kann überzeugen. Diese Einspielung der Klavierquartette ist von Beginn an klar als der Supergroup-Fraktion zugehörig erkennbar. Manchmal beinahe zum Bersten intensiv wird sich mächtig für diese Musik ins Zeug gelegt. Es gibt Stellen, an denen ich den Impuls spüre zu sagen: "Hey Jungs! Geht's noch?!" - das ist (vielleicht) mit einem Übermaß an Leidenschaft und Espressivo aufgeladen, das gleichwohl in jedem Moment fesselt. Der langsame Satz im op. 60 tendiert auf diese Weise kurzzeitig zu leicht überzuckertem Sentiment. Ich klage im Grunde über etwas, das ich zur gleichen Zeit loben möchte. Wenn ich nur eine Aufnahme haben dürfte, wäre es nach wie vor diese. Formidables, tadelloses Spiel, glasklarer, satter Klang.
Johannes Brahms
Quartette für Klavier, Geige, Bratsche und Violoncello g-moll op. 25 und c-moll op. 60
Emanuel Ax, Isaac Stern, Jaime Laredo, Yo Yo Ma (CD, Sony, 1990)
g-moll op. 25
Allegro 13'38 Intermezzo. Allegro ma non troppo - Trio. Animato 8'05 Andante con moto 10'13 Rondo alla zingarese. Presto 8'05
Sfantu (14.07.2024, 21:51): Angeregt durch Mollies Suchanfrage (danke für den Impuls) hörte ich nun Tschaikowskijs Kinderalbum wohl zum ersten Mal bewußt durch. Viele dieser hübschen Miniaturen sind hörbar an Schumann orientiert, so etwa die einleitende Prière du Matin, Maman oder die Réverie. Vergleichsweise raumgreifend das Thema Kranke Puppe, Beisetzung der Puppe (Trauermarsch) und Neue Puppe. Etwas kauzig bis maliziös die Sorcière, schön auch die täppische Contre de la Vielle Bonne, nebelverhangen, fast mystisch die abschließende Église. Die Chanson napolitaine ist bekannt aus dem Schwanensee. Therese Muxeneders Booklet-Text verrät Details, die mir neu waren: Tschaikowskijs Bewunderung Schumanns. Und, daß in Rußland bereits in den 1850er Jahren eine breite Schumann-Rezeption begann. Dann fiel mir aber wieder ein, wie sehr sich Cui ebenfalls auf Schumann berief.
Die Stücke sind pianistisch so schlicht gehalten, daß ich Lust bekomme, mich endlich wieder an mein schönes altes, im Gästezimmer beleidigt schmollendes Klavier zu setzen - dieses Kinderalbum sollte selbst ich schaffen.
Pjotr Iljitsch Tschaikowskij
Album für Kinder op. 39
Arkadi Sevidow (CD, Arte Nova, 1996)
Andréjo (14.07.2024, 23:43): Man schafft diese Nummern auch ohne große Übung vom Blatt, behaupte ich mal. Selber spiele ich nur einige vor allem im Rahmen ererbter alter und leichter Kabinettstück-Sammlungen. Aber ich kenne auch eine Einspielung des Gesamtwerks für Klavier auf CD (Michael Ponti) und könnte mir die Noten ja kaufen - jetzt, wo Sfantu das sagt. :beer
Maurice inaktiv (15.07.2024, 11:02): Man schafft diese Nummern auch ohne große Übung vom Blatt, behaupte ich mal. Selber spiele ich nur einige vor allem im Rahmen ererbter alter und leichter Kabinettstück-Sammlungen. Aber ich kenne auch eine Einspielung des Gesamtwerks für Klavier auf CD (Michael Ponti) und könnte mir die Noten ja kaufen - jetzt, wo Sfantu das sagt.
Andréjo (15.07.2024, 12:39): Ein Dankeschön an Maurice für den Link!
(Früher war ein so übersichtliches Set an - nicht einmal modernem - Notenmaterial günstiger zu haben. Aber früher war halt früher. ;) :) )
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (16.07.2024, 11:56): Ein Dankeschön an Maurice für den Link! Lieber Wolfgang, immer wieder gerne. Viel Spaß beim Spielen dann.
Maurice inaktiv (18.07.2024, 00:33):
Arnold Schönberg : Verklärte Nacht Johannes Brahms : Sinfonie Nr.1
Berliner PO, Herbert von Karajan AD: Oktober 1988, Royal Albert Hall, London/GB
Nun, beide Werke waren so etwas wie "Dauerbrenner" in Karajans Programmen, wobei er die Verklärte Nacht weitaus seltener dirigiert hat als alle Brahms-Sinfonien. Leider gibt es keine Studioaufnahme aus den 1980-er Jahren, daher ist diese Live-CD durchaus sehr interessant. Damit aber im hohen Alter sogar noch international mit ihr aufzutreten, als er bereits im Clinch mit eigentlich "seinem" Orchester lag, muss man wirklich bewundern.
Die Umstände, die vor diesem Konzert diese Energieleistung überhaupt noch möglich gemacht hatte, dürften inzwischen bekannt sein: Die Instrumente wurden zunächst nicht geliefert, trafen erst kurz vor dem Beginn ein. Das Konzert musste ohne Anspielprobe und mit einer Stunde Verspätung durchgezogen werden. Was dabei herauskam, muss man als unglaublich bezeichnen. Da saß dieser gebrechliche, alte und auch irgendwie verbitterte alte Mann vor diesem Orchester - und dieses lieferte eine absolut ausgezeichnete Leistung ab. Kein Jahr später war dieser Mann verstorben.
Sfantu (18.07.2024, 21:20): Kaum ein Kammermusik-Album hörte und höre ich so oft wie diese fabelhafte CD. Wenn Brahms sein Bestes in der Kammermusik gab, dann gebührt dem Klavierquintett vielleicht die Krone. Er wie auch sein väterlicher Freund Schumann schufen mit ihren Quintetten Musterexemplare an Ausgewogenheit der Proportionen sowie von Stimmen und Stimmungen. Die schattenhaften chromatischen Läufe in Schumanns Scherzo sorgen für schauderhafte Verzückung. Überhaupt treibt dieser Satz in seiner schwindelerregenden Vielfalt den Hörer in wohltuende Atemnot. Für mich bisher unerreicht die Naxos-Einspielung mit Jandó und dem Kodály-Quartett. Selbst, wenn der Klang eine Prise zu kompakt bleibt.
Robert Schumann und Johannes Brahms
Quintette für Klavier, zwei Geigen, Bratsche und Cello
Allegro brillante 9'07 In modo d'una marcia. Un poco largamente 8'07 Scherzo. Molto vivace - Trio I - Trio II - L'istesso tempo 4'45 Allegro ma non troppo 7'06
Brahms - f-moll op. 34
Allegro non troppo 11'04 Andante, un poco adagio 8'22 Scherzo. Allegro - trio 7'19 Poco sostenuto - Allegro non troppo - Presto, non troppo 10'35
Sfantu (18.07.2024, 22:02):
Michel Tabachnik
Cosmogonie für großes Orchester (1979-81)
Rundfunkorchester Hannover des Norddeutschen Rundfunks - Michel Tabachnik (CD, Communauté de travail pour la diffusion de la musique suisse, 1991, AD: 1983)
Prélude 2'20 Le Voyage de Shan 8'41 La Rupture 2'47 Au-delà 10'49 Postlude 1'55
stellt verschiedene Aspekte des Universums vor. Fünf Phasen folgen sich ohne Unterbruch. Le Prélude (die Genesis), Le Voyage (die physikalische Flugbahn), La Rupture (die Transgression in andere Dimensionen), Au-delà (der spirituelle Bereich) und Le Postlude (die Auflösung). Erstmalig gehört, sind die Eindrücke noch frisch und mit nur sachten Fußabdrücken in meinem Wahrnehmungs-Gedächtnis.
Was vorerst bleibt, ist die Präsenz eines durchgehenden Pulses, der sich wie ein riesenhaftes Ungetüm stetig durch dieses Universen-Tableau wälzt. Stimmungen von Innenschau / Meditation wechseln mit wilden und verspielten Passagen ab. Es wird eine durchgängige tonale Achse nie verlassen während sich gleichwohl kaum konsonante Klänge ergeben. Wenn auch für mein Empfinden nicht auf Spitzen der Virtuosität getrieben, so könnte diese Cosmaogonie auch als Konzert für Orchester durchgehen.
Glänzende Ensembleleistung bei transparentem, breitem Klang.
Sfantu (19.07.2024, 22:33): Ich weiß - Tabachnik ist kein Name ohne Vorbelastung. Seine Verwicklung in die teils gruselige Geschichte der Sonnentempler ist nicht so leicht vom Tisch zu wischen. Und doch - der Respekt vor der künstlerischen Leistung verlangt (wie ich finde) nach einer bewußten Trennung von Person und Werk.
Maurice inaktiv (21.07.2024, 07:31): Ich weiß - Tabachnik ist kein Name ohne Vorbelastung. Seine Verwicklung in die teils gruselige Geschichte der Sonnentempler ist nicht so leicht vom Tisch zu wischen. Und doch - der Respekt vor der künstlerischen Leistung verlangt (wie ich finde) nach einer bewußten Trennung von Person und Werk. Mmmmh, das ist sicher eine nicht ganz unproblematische Sichtweise. Als bekanntestes Beispiel ist da immer Richard Wagner zu nennen. Seine Musik wird ja auch gerne in den Zusammenhang mit seiner, ich sage mal, politischen Einstellung in Verbindung gebracht. Dazu kommen die späten Nachwirkungen durch die Verherrlichung im Dritten Reich. Das ist eine ganz ganz schwierige Kiste. Ich werfe das nur mal ein, völlig wertfrei ohne Hintergedanken.
Musik wurde zu oft politisch missbraucht, auch Liszts "Les Prelude" zum Beispiel. Es gibt aber einen Unterschied zu Tabachnik. Liszt wurde dafür nach dessen Tod viele Jahre später missbraucht, Wagner bereits damals heftig kritisiert, also zu Lebzeiten.
Die Grenzen zu ziehen dürfte nicht so einfach sein. Ich weiß allerdings überhaupt nicht in wie weit seine Musik jetzt auch bei den Sonnentemplern eine Rolle gespielt hat. Das weißt Du vielleicht viel besser als ich. Kann man das wirklich trennen? Ich bin mir da sehr unsicher.
Sfantu (21.07.2024, 22:09):
Helmut Zapf
Dreiklang für großes Orchester (1991 / 92)
In einem Satz 18'14
Dresdner Philharmonie - Jürg Wyttenbach (CD, col legno, 1992. AD 16. Oktober 1992. Mittschnitt der Uraufführung von den Donaueschinger Musiktagen)
Diese Musik entläßt den Hörer - wie so häufig bei Neuer Musik - auf die weite Eisfläche der weitgehend fehlenden vertrauten Parameter und mithin in die Sphäre der Nahezu-nicht-Beschreibbarkeit. Wenig hilfreich die Worte des Komponisten im Booklet-Text: Wenig faßbares, quasi-esotherisches Sprech sagt in blumigen Worten wenig bis nichts aus. Seine Musik ist da weitaus spannender: scheinbar keiner Regel folgende akustische Ereignisse - nicht selten mehr Geräusch als Klang. Den Ausführenden wird sicher ein hohes Maß an Können und Experimentierlust abverlangt. Immerhin dies scheint mir einleuchtend: Zapf spricht davon, daß ein Grad der Professionalität, ja der Verschmelzung der Ausführenden mit ihren Instrumenten vonnöten ist um diese Klänge zu realisieren. Ein durchgängig moderates Zeitmaß erweckt den Eindruck des Traumwandelns zwischen unterschiedlichen Tableaus. Der Anspruch an die Musiker ist teilweise virtuos, fast immer aber die Bereitschaft zu Grenzgängen des Unerhörten einfordernd. Perkussives Spiel auf eigentlich genuinen Melodie-Instrumenten, Abdriften in leise Passagen des scheinbar Ungefähren, Überraschungen und Neuartiges von jetzt auf gleich und auf später.
Orchestre Philharmonique de Monte Carlo , Sascha Goetzel & Lucienne Renaudin Vary (Trompete), Richard Galliano (Akkordeon,5) , Thibaut Garcia (Gitarre,6) , Quatuor (3,9) Es ist einfach ein erstklassiges Album, mit hervorragenden Musikern, sehr guten Arrangements von Bob Zimmerman, Diedier Benetti, Jermone Ducros, Massimo Marganti und Richard Galliano.
Bei Lucienne R. Vary habe ich immer das Gefühl, dass sie nichts falsch machen kann und wird. Sie spielt sowas von souverän und meisterhaft, ohne dabei aber in steriles Spielen abzugleiten (wie etwa der frühe Wynton Marsalis, als dieser noch Jazz und Klassik spielte). Völlig egal, ob sie Neruda, Arutiunian, wie hier primär Musik aus Latein-Amerika oder mit ihrem Jazzquartett spielt. Unglaublich !!
Sicher, das ist kein reines Klassik-Album, aber ich würde es hier mal einordnen
Sfantu (31.07.2024, 18:49): Sinfonietta - hört sie Euch an, lohnt sich! Folgsam, wie ich bin, brachte ich flugs den Plattenteller in Rotation. Und das gleich zweimal hintereinander:
Albert Roussel
Sinfonietta für Streichorchester op. 52
Ramat Gan-Kammerorchester - Sergiu Comissiona Abraham Comfort, Solo-Violine (LP, Concert Hall, stereophonisiertes Mono, ca. 1960)
Allegro molto 3'00 Andante 2'32 Attacca: Allegro 3'05
Orchestra Gelmini - Hortense von Gelmini (LP, RBM, stereo, 1972)
Allegro molto 3'39 Andante 2'22 Attacca: Allegro 2'51
Schon eine Weile nicht mehr gehört (die Gelmini-Einspielung zuletzt am 24. Juli 2019) - dient mir die Anregung (danke dafür) zu neuer Beschäftigung mit Roussels Musik. Die frisch-adrette Sinfonietta macht jedenfalls Laune und Lust auf mehr.
Den Vorzug verdienen die Israelis mit Sergiu Comissiona. Zwar ist deren Aufnahme der Gelmini-Platte klanglich leicht unterlegen. Die technische Klasse der Musiker und die hellwache, aufgekratzte Herangehensweise überzeugen jedoch mehr.
Andréjo (31.07.2024, 20:22): Die beiden Einspielungen kenne ich nicht. Aber gut - die Nummer ist hübsch und übersichtlich und unkompliziert und man kann nicht alles doppelt und dreifach kaufen. Freut mich jedenfalls, wenn es Dir gefällt.
Aber Moment: In der Sinfonien-Box ist sie ja auch dabei! 8o
Bei der anderen Aufnahme, die ich zum Verlinken nicht (mehr) finde auf die Schnelle, spielt ein Instrumental-Ensemble aus Flandern unter der Leitung von Bruno Membrey.
Hortense von Gelmini ist (oder eher war) eine der ersten weiblichen Dirigenten, zu einer Zeit, als das noch ungewöhnlicher war.
Wie ich soeben lese, ist sie ebenso Malerin und Schriftstellerin und Gutsbesitzerin sowie verheiratet mit einem Herrn von Droste zu Hülshoff. :thumbup: Freilich gibt es auch böse Menschen, die den Wikipedia-Artikel für aufgeblähte Eigenwerbung halten, aber dazu kann ich mich nicht ernsthaft äußern.
Maurice inaktiv (31.07.2024, 22:27): Aber Moment: In der Sinfonien-Box ist sie ja auch dabei! Echt jetzt? Stimmt. Ich habe die Einzel-CDs, auf der Box gelesen in der Beschreibung hatte ich es nicht. Da muss ich doch mal reinhören. Danke für die Info. !!
:thumbup: :hello
Andréjo (31.07.2024, 23:01): Gern geschehen. Vorhin habe ich mir mal die ganze CD mit den Aufnahmen aus Flandern angehört. Die Sachen sind eigentlich alle adrett. Was wohl noch besser denkbar wäre, ist die Intonation. Oder gehört das dezent Schräge zu Roussel? Irgendwie kann ich mir das dann doch nicht vorstellen. Schlimm ist es nicht. Daher noch schnell zum Vergleich Meister Deneve.
Andréjo (31.07.2024, 23:16): Nein, die Schotten sind schon jenes Quäntchen besser, das eine erstklassige von einer sehr guten Aufnahme unterscheidet. Es betrifft nicht nur die Intonation.
PS: Ich habe mir die knapp zehn Minuten natürlich angehört, aber - wieder einmal - ohnehin vergessen, vorhin die obige Nachricht abzusenden.
:hello Wolfgang
Maurice inaktiv (01.08.2024, 11:57): orhin habe ich mir mal die ganze CD mit den Aufnahmen aus Flandern angehört. Die Sachen sind eigentlich alle adrett. Was wohl noch besser denkbar wäre, ist die Intonation. Oder gehört das dezent Schräge zu Roussel? Irgendwie kann ich mir das dann doch nicht vorstellen. Schlimm ist es nicht. Daher noch schnell zum Vergleich Meister Deneve. Nein, die Schotten sind schon jenes Quäntchen besser, das eine erstklassige von einer sehr guten Aufnahme unterscheidet. Es betrifft nicht nur die Intonation. Wie Du selbst weißt, hat Intonation letzten Endes auch etwas mit "Qualität" zu tun. Eine saubere Intonation ist nun einmal ein wichtiger Punkt, und so kommt halt ein Quäntchen zum anderen. Am Ende liegen sie halt in Flandern Hinten.
Sfantu (01.08.2024, 12:55): Heut feiern sie den Rütlischwur Mit Enzian an der Hütlischnur.
Es ist Nationalfeiertag in meinem Gastland. Drum habe ich frei und Zeit für Musik. Nach dem gestrigen Appetizer bekam ich Lust auf mehr Roussel:
Albert Roussel
Konzertsuiten
Orchestre National d'Ile de France - Jacques Mercier (CD, RCA, 1998)
Padmâvatî Première Suite 12'55 Deuxieme Suite 10'29
Petite Suite Aubade 3'06 Pastorale 5'48 Mascarade 2'57
Le Marchand de sable qui passe Prélude 3'37 Scène II 3'27 Interlude et Scène IV 4'31 Scène finale 5'51
Suite en Fa Prélude 4'15 Sarabande 5'28 Gigue 4'35
Unterhaltsam und abwechslungsreich finde ich dieses Album. Die Erdenschwere und Wuchtigkeit bei "Frag' mal Vati", das Verspielt-Leichte bis Komödiantische in der Petite Suite, die seltsam traumverlorene, symbolistische Stimmung im "Sandmann" (hier einmal nicht auf E. T. A Hoffmann sondern auf Georges Jean-Aubry basierend. Gespielt wird nicht in der originalen Kammerorchester-Besetzung sondern chorisch verstärkt), schließlich die abgerundete Suite en Fa. Matthias Kornemann ließ in seiner Rondo-Besprechung von 2007 wenig gute Haare an dieser Einspielung. Sie sei aufnahmetechnisch wie interpretatorisch enttäuschend. Mir scheint diese Kritik leicht überzogen. Sicher ist das keine Referenz-Scheibe für Audiophile aber klanglich solide, jedenfalls nicht "ausgemacht verwaschen und wummerig basslastig", wie es dort heißt. Den "Sandmann" betreffend: "Es wird verkniffen, den Details gegenüber achtlos heruntergespielt. Wer einmal gehört hat, wie anmutig die Einwürfe der Harfe am Beginn des "Interlude" in den traumverlorenen Monolog der Klarinette greifen - nur ein Beispiel - , den wird die Lieblosigkeit, mit der Mercier über delikate Nebenstimmen dieser Partitur hinweggeht, ärgern." Nicht für jedes dieser Stücke habe ich Vergleichseinspielungen. Mir gefällt die Aufnahme dennoch.
Sfantu (01.08.2024, 17:17):
Richard Wagner
Eine Faust-Ouvertüre Sinfonie C-dur
San Francisco Symphony Orchestra - Edo de Waart (LP, Philips, 1983)
Ouvertüre 11'52
Sinfonie Sostenuto e maestoso - Allegro con brio 12'05 Andante ma non troppo, un poco maestoso 12'13 Allegro assai - Un poco meno allegro - Tempo I - Meno allegro - Presto 6'59 Allegro molto e vivace - Più allegro 6'18
Zufälle gibt's. Gestern früh lief das Scherzo aus Wagners Jugend-Sinfonie im Radio. Hörte mehr so nebenbei, wußte, daß ich's kenne und sagte mir: klar - aus einer der acht Gade-Sinfonien. Nix da! Perplex durch die Absage des Stückes war ich mir der sich stellenden Aufgabe bewußt: dieses Stück und den Gade schleunigst wieder auffrischen! Und so kam diese Schallplatte heute auf den Teller. Der Klappentext von Michael Steinberg bringt mehrere interessante Details rund um Entstehung, Verschollen-Sein und das schließliche Wieder-Auffinden der Partitur in Wagners letztem Lebensjahr. Die dreizehnjährige Clara Wieck (an einem Gewandhaus-Konzert als Solistin beteiligt, in welchem auch die Sinfonie eine ihrer ersten Aufführungen erlebte) äußerte sich in einem Brief an Robert Schumann überschwenglich über das Werk. Wagner selbst, der die Noten wegen seiner Flucht nach Paris in Dresden zurückließ, behauptete später Cosima gegenüber, Mendelssohn, dem er seinerzeit die Sinfonie gezeigt hatte, habe die Noten aus Neid zurückbehalten und vernichtet. Das wirft wohl kaum ein günstiges Licht auf Charakter und Aufrichtigkeit Wagners. In diesem Werk liefert er gewissermaßen sein Beethoven-Opfer ab. Erstaunlich zielstrebig und unbeirrt der selbstbewußte Schwung. Der Beginn des langsamen Satzes nimmt mit seinen beiden wie aus weiter Ferne herüberklingenden Bläser-Signalen schon ein wenig die Rienzi-Ouvertüre vorweg. Dieses Andante zeigt am ehesten den noch unfertigen Tonsetzer: es fehlt die Proportionalität, der Sinn für das rechte Maß, für einen sinnfälligen Abschluß.
Das bedeutendere Werk scheint mir ohnehin die zehn Jahre später (1840) entstandene Konzertouvertüre zu sein. Vieles vom werdenden Opern-Giganten klingt bereits durch - es atmet Theaterluft.
Sehr griffige, feurige Darstellung durch das kalifornische Orchester, mithin beste Empfehlungen für den jungen Wagner. Habe den Eindruck, daß die meisten Philips-und viele Decca-Aufnahmen aus den Anfängen der Digitaltechnik besser klingen als bei der DG oder der EMI. So auch hier: das könnte sogar mit später analoger Stereo-Qualität mithalten.
Maurice inaktiv (02.08.2024, 11:11):
Max Reger : Klarinettenquintett, op. 146 & Streichquartett, op. 109 AD: 1999 , Berlin
Hier befinden sich Regers letztes vollendetes Werk (op. 146) und sein vielleicht bekanntestes kammermusikalisches Werk (op. 109) auf einer CD. Beide Werke erscheinen mir sehr modern, gerade was die Harmonik angeht. Dass Larghetto des Streichquartetts ist für mich Expressionismus pur, Reger war schon weg von der Spätromantik anderer Komponisten, ohne die Atonalität aufzugreifen. Allerdings bin ich absolut kein Experte für Kammermusik. Diese hier finde ich einfach genial geschrieben und gespielt. Es ist ein Jammer, dass Reger bereits 1916 verstarb.
Das Philharmonia Quartett aus Berlin bestand damals (1999) aus führenden Mitgliedern der Berliner Philharmoniker: Daniel Stabrawa (1.Konzertmeister), Christian Stadelmann (Stimmführer der zweiten Geigen), Neithard Resa (1.Solo-Bratschist) und Jan Diesselhorst (Cello) + Wenzel Fuchs (Klarinette, Solo-Klarinettist der Berliner Philharmoniker; heute noch).
Andréjo (02.08.2024, 15:42): Das Klarinettenquintett ist (fast?) mein Lieblingswerk von Reger überhaupt. Viel runder gearbeitet als die meiste andere Kammermusik von ihm - ohne, wie Maurice andeutet, irgendwie konventionell zu sein. Das Quartett, op. 109, finde ich schon ein wenig schwieriger zu hören, aber da wird man sich streiten können. Gewiss spielt der Klang des Blasinstruments eine wesentliche Rolle und der Vergleich mit dem Quintett von Brahms drängt sich mir auch auf. Brahms war viel älter, als er sein Klarinettenquintett schrieb, und ich meine ein wenig, dass man das hört. Die Stimmung ist noch einmal herbstlicher, obgleich es auch von Reger eigentlich nichts gibt, das ich noch stärker mit dieser Jahreszeit verbinde.
Um meinem nicht gar so spannenden Text noch Information hinzuzufügen, verlinke ich eine andere Einspielung, die ein weiteres, kaum bekanntes, aber gewiss reizvolles Werk der gleichen Besetzung und in etwa aus der gleichen Zeit enthält:
Sfantu (03.08.2024, 09:51):
Albert Roussel
Aus der Bühnenmusik zu "Le Marchand de sable qui passe"
Orchestre de la societé philharmonique de Paris - René Leibowitz (LP, classic, mono, AD: 1952)
Prélude 4'15 Scène II 3'17 Interlude et Scène IV 4'30 Scène finale 6'36
Der direkte Vergleich mit dem Orchestre National d'Ile de France und Jacques Mercier bringt ein klassisches Patt als Ergebnis. Bei Leibowitz werden tatsächlich mehr Details hörbar (übrigens wird auch hier in chorischer Besetzung gespielt) und (!) er hat die bessere Klangqualität - fast 50 Jahre früher und in Mono. Andererseits: Mercier hatte die besseren Musiker zur Verfügung. Kurios ist, daß es wohl seit 1935 nacheinander vier Ensembles mit dem Namen Orchestre philharmonique de Paris (oder ...de la societé philharmonique de Paris) gab / gibt. Das auf meiner Schallplatte bestand zwischen 1950 und 58.
Maurice inaktiv (03.08.2024, 11:23): Um meinem nicht gar so spannenden Text noch Information hinzuzufügen, verlinke ich eine andere Einspielung, die ein weiteres, kaum bekanntes, aber gewiss reizvolles Werk der gleichen Besetzung und in etwa aus der gleichen Zeit enthält: Böser Bube Du !! :ignore Jetzt war die Einspielung auch noch spottbillig zu haben. Die Rechnung sende ich an Dich weiter. :D :beer
Maurice inaktiv (03.08.2024, 11:43):
Max Reger : Edition Vol. 6 AD: 1992/93
Sinfonietta, op. 90
Bamberger Symphoniker , Horst Stein
Ehrlich gesagt, bin ich etwas enttäuscht über die Sinfonietta gewesen. Das ist eher spätromantische Musik, da fehlt mir doch der "moderne" Reger, denman sonst oft hören kann. Vielleicht muss ich mir das die Tage noch einmal anhören. Ich habe aber nur diese Einspielung. Außerdem galt Horst Stein als ein großer Dirigent , gerade bei Reger.
Andréjo (03.08.2024, 12:16): Die Sinfonietta habe ich bisher wohl nur zwei Male gehört, also je einmal (siehe unten ^^ ). Sie ist mir ein wenig zu lang geraten und ansonsten gebe ich Dir Recht!
Trotzdem könnte ich sie auch mal wieder auflegen. Ich finde sie im Rahmen der DDR-Produktion auf 7 CDs und der fast vollständigen Orchester-Edition bei der DG, bei der oft Horst Stein zugange ist. Kennst Du nicht auch beide Sammlungen? (Aber das weiß ich natürlich nicht.)
Maurice inaktiv (03.08.2024, 13:01): Trotzdem könnte ich sie auch mal wieder auflegen. Ich finde sie im Rahmen der DDR-Produktion auf 7 CDs und der fast vollständigen Orchester-Edition bei der DG, bei der oft Horst Stein zugange ist. Kennst Du nicht auch beide Sammlungen? (Aber das weiß ich natürlich nicht.) Ich weiß, dass es sie gibt, aber mehr auch nicht. Ich habe einige CDs von Koch damals noch, die wohl inzwischen bei der DGG gelandet sind. Außerdem habe ich die Segerstam-Box mit den Reger-Werken, die aber noch ungehört hier bei mir steht. Das alte Leiden von Usern, die das Zeugs mögen, aber nicht alles auf einmal hören können. :D ?(
Sfantu (03.08.2024, 16:30): Der nächste Vergleich, den das Mercier-Album zu bestehen hat, betrifft die Suite en fa.
Albert Roussel
Suite en fa
Orchestre de Paris - Charles Dutoit (LP, Erato, 1988)
Prélude 3'59 Sarabande 4'51 Gigue 4'30
Der Punkt geht klar an Dutoit. Alles ist vitaler, sprechender, energetischer. Einzig den Mittelsatz gestaltet Mercier überzeugender - das konturenschwach Verhangene, die Düsternis kommen besser zum Tragen. Und holla! Wie aufgedreht und mit Spannung kommt bei Dutoit der Schlußsatz daher! Gegen Ende noch ein fulminantes Pauken-Solo, welches bei Mercier höchstenfalls zu erahnen ist. Die Aufnahmequalität ist allerdings nur wenig besser als die der RCA-CD.
Sfantu (04.08.2024, 12:11): Heute Vormittag die letzte vergleichende Hörsitzung zu Merciers Roussel-Suiten-Album:
Albert Roussel
Petite Suite
Orchestre de la Suisse Romande - Ernest Ansermet (LP, Decca, AD 1966)
Aubade 3'01 Pastorale 6'38 Mascarade 2'45
Das 1929 entstandene, jazzbeeinflußte Werk wird von beiden Ensembles etwa auf Augenhöhe stimmig interpretiert. In der eröffnenden Aubade kommt das kurze Trompetensolo beim Genfer Orchester schön "angeschnitten" und schräg rüber. Der leicht verhangene, brütende Charakter des Mittelsatzes wird von den Franzosen etwas besser gegliedert und erscheint mir im Vergleich bei Ansermet eher gleichförmig. Auf die beiden Ecksätze könnte man eine Rumba tanzen (gut - durch die Synkopierungen in der Aubade schon etwas herausfordernd. Da wäre gutes Mitzählen gefragt). Die Aufnahmequalitäten sind annähernd gleich, will sagen: okay.
Sfantu (04.08.2024, 15:03):
Antonio Vivaldi
Triosonaten op. 1
Ensemble Sonnerie Monica Huggett und Emilia Benjamin, Geigen Alison MacGillivray, Violoncello Gary Cooper, Orgel und Cembalo (2 CDs, cpo, 1999)
Wohltuend wirken diese unaufgeregten, entschlackten Klänge bei brütender Hitze. Federndes, geschmackvoll inspiriertes Musizieren - klarer Klang.
Sfantu (04.08.2024, 17:26): Auch Sibelius Sechs besitzt solch eine Runterkühl-Wirkung.
Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 6 d-moll op- 104
Berliner Philharmonisches Orchester - Herbert von Karajan (CD, DG, AD 1968)
Allegro molto moderato 9'12 Allegretto moderato 6'18 Poco vivace 3'26 Allegro molto 9'40
Die Sibelius-Einspielungen gehören sicher zur hellen Seite der Karajan-Medaille. Die Stimmungen werden zum (quasi Von-innen-heraus-) Leuchten gebracht - jedes Detail ist durchdrungen, alles - von zart bis überbordend - wirkt natürlich. Habe sie auch als Schallplatte (oberes Cover). Und via Vinyl klingt sie eigentlich auch besser. Aus praktischen Gründen habe ich mich heute aber für die CD entschieden.
Sfantu (08.08.2024, 20:46): Dieses Schmankerl lag schon geraume Zeit auf meinem Zu-Hören-Stapel. (Ich sollte den Begriff "Stapel" nicht unkommentiert lassen: Schallplatten im wahrsten Wortsinne "gestapelt" - der Anblick kann bei Vinylisten schnell zur Kreislaufkrise führen. Aber ja - feststehende Redewendungen zu "verbessern" nimmt ihnen jeden Rest von Witz und Anmut). Heute bei mir also endlich die mit Vorfreude erwartete Premiere dieser Aufnahmen, an denen sich die Geister scheiden. So sagt man jedenfalls.
Franz Joseph Haydn
Sinfonie D-dur Hob I: 101 "Die Uhr"
Royal Philharmonic Orchestra - Thomas Beecham (LP, EMI, AD 1960)
Nach allem, was ich immer lesen konnte (sinngemäß: Big Band Sound, extravagant, eigenwillig), war eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut. Bestätigt sie sich beim Hören? Ja. Und nein. Vollmundig generöser Orchesterklang aber nicht übertrieben, keineswegs aufgeblasen (mit einer Ausnahme - s. u.) oder fetttriefend. Es wird mit Laune und Witz musiziert. Schön heraushörbares Holz, organisch federndes Spiel mit lustvollen Akzenten - immer mit Charme und vollauf werkdienlich. Freilich geht Beecham einigermaßen al gusto mit dem Streichen von Wiederholungen um. Im Finale wird mächtig aufgedreht und Haydn erhält stellenweise fast romantische, großphilharmonische Pracht. Oder sollte ich schreiben: Monströsität? Bei den Schlußakkorden wird beherzt auf die Bremse getreten um in grandioser Bedeutungsschwangerschaft zu schließen. Diese letzten Punkte und besonders die Aufnahmequalität lassen am Ende das Pendel vom Hire zum Fire ausschlagen. Frühes Stereo kann so viel besser klingen als diese Platte: in den Ecksätzen gehen Trompete und Pauken fast vollständig im satten Gesamtklang unter. Fazit > nicht ohne Meriten. Und doch - das bleibt allenfalls ein Party-Album. Zur gleichen Zeit so nah und so weit weg von Haydn zu sein ist halt auch eine Kunst...
Maurice inaktiv (09.08.2024, 09:22):
Peter Tschaikowsky : Die Jahreszeiten, op. 37b, Kinderalbum, op. 39 Arkady Sevidov (Klavier)
Von dem Pianisten Arkady Sevidov gibt es nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag, aber laut Booklet gilt er als ein hervorragender Kammermusiker, Lehrer und Begleiter von Sängern. Das sind keine schlechten Eigenschaften finde ich. Er war wohl in Ost-und Westeuropa, Japan, den USA, Indien und auf Cuba mit seiner Musik.
Vermutlich ist er in Russland weitaus besser bekannt als hier bei uns. Er soll ja sehr von seinen Schülern verehrt werden, also scheint das Unterrichten einen großen Teil seiner Zeit einzunehmen, Konzertreisen eher weniger. Bei der Fülle an Pianisten sicher ein völlig normaler Vorgang.
Klaviermusik gehört nicht zu meinem eigentlichen Hörumfeld, oder zumindest sehr selten. Ich bin entweder hier im Forum oder durch ein weiteres Forum auf den Künstler aufmerksam gemacht worden. So weit ich das beurteilen vermag, ist das hier keine hochvirtuose Pianisten-Kunst, aber Sevidov präsentiert sie sehr fein ausgehört und auch klanglich wurde das gut eingefangen.
Falls jemand mehr über ihn weiß, würde ich mich auf weitere Infos freuen. Sfantu, das könntest Du sein eventuell.
Maurice inaktiv (09.08.2024, 09:55):
Walter Braunfels: Streichquintett, op. 63a in f-Moll - Version für Streichorchester & Sinfonia Concertante, op. 68, für Violine, Bratsche, 2 Hörner und Streichorchester Münchner Rundfunkorchester, Ulf Schirmer
Das Streichquintett hat in etwa die Länge einer Brahms-Sinfonie, die Sinfonia Concertante liegt bei rund 30 Minuten Spielzeit.
Walter Braunfels (1882-1954) war ein in Frankfurt am Main geborener Komponist, dessen Werke ich nicht so recht "greifen" kann, wie auch die ganze Person Braunfels nicht so recht in irgend ein Rater passt. Auf der einen Seite war er Halbjude, der 1933 all seine Ämter verloren hatte und 1938 jede musikalische Tätigkeit verboten wurde, auf der anderen Seite wurde er nicht direkt verfolgt, konnte reisen und sich relativ frei bewegen.
Seine Musik kann man wohl in der Tradition Beethovens und Bruckners etwas einordnen, aber mit einem hörbaren Schuss Moderne, aber nicht jener atonalen Musik eines Schönbergs, Bergs oder von Weberns , die seine Zeitgenossen waren. Er wählte auch nicht den Jazz und dessen Rhythmik als seine Welt, wie es etwa Kurt Weill oder auch etwa Erwin Schulhoff taten.
Durch die Nazis wurde aber seine Musik weitgehend aus der Welt der Musik und vor allem der Konzertsäle verbannt. Selbst nun 70 Jahre später taucht Braunfels eher selten in den Spielplänen der Opernhäuser oder der Orchester auf.
Immerhin wurden in den letzten Jahren doch einige Einspielungen seiner Werke vorgelegt. Etwa durch die BBC, aber auch Oehms nahm einige seiner Werke auf.
Sfantu (09.08.2024, 21:29): hier Falls jemand mehr über ihn weiß, würde ich mich auf weitere Infos freuen. Sfantu, das könntest Du sein eventuell.
Eine aktive Frage von Seiten eines Inaktiven kann ich Aktiver leider nur reichlich inaktiv beantworten.
Außer der gezeigten Tschaikowskij-CD habe ich - soweit ersichtlich - nur noch ein Album mit Kammermusik Michail Glinkas, welches auch in dieser Sevidov-Diskographie hier erwähnt wird. Einen knappen biografischen Abriß über Sevidov ist an dieser Stelle zu lesen. Ansonsten kann ich nicht zuverlässig Auskunft geben - zudem ich auch (leider) kein Klavier-Spezialist bin... Andere sind das sehr wohl. Und so wurde Sevidov etwa hier durchaus gelobt > Beiträge Nr. 26 und 27 von Tangua.
Maurice inaktiv (09.08.2024, 22:40): Eine aktive Frage von Seiten eines Inaktiven kann ich Aktiver leider nur reichlich inaktiv beantworten. Danke für Deine aktive Antwort auf meine passiv gestellte Frage. :D
Die Wikipedia-Seite ist jene aus Russland, die wurde mir nicht einmal "unter ferner liefen" aufgezeigt. Die erste Seite kannte ich, die wurde mir wiederum gleich aufgezeigt.
Andere sind das sehr wohl. Und so wurde Sevidov etwa hier durchaus gelobt > Beiträge Nr. 26 und 27 von Tangua. Oh, die ist ja ganz frisch, von 2006 =O Den User habe ich noch nie gehört. Immerhin hat er sie gelobt, richtig. Er scheint wohl hier weitgehend unbekannt geblieben zu sein.
Sfantu (10.08.2024, 09:28):
Johann Sebastian Bach
Englische Suiten Nr. 1 - 3
András Schiff (CD, Decca, 1988)
Es kommt nicht häufig vor, daß mir nach Bach auf modernem Klavier ist - heute früh ist mir danach. Und Herr Schiff bereitet Freude damit. Aber ja - ein Cembalo kann beispielsweise die Gigue aus der dritten Suite zu einem wahren Donnersturm werden lassen. Hier bleibt es dann doch recht zahm.
Joe Dvorak (10.08.2024, 13:52):
Wolfgang Amadeus Mozart - Klavierkonzert G-Dur, K. 453 & Klavierkonzert d-Moll K. 466
Malcom Bilson, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner
Es kommt nicht häufig vor, dass mir nach Mozart auf modernem Klavier ist - und letzte Woche war mir auch nicht danach, sondern nach HIP aus der ersten grossen Welle. Mozart höre ich nur noch (viel zu) selten, und wenn ich ihn höre, dann staune ich immer wieder, wie gut die Musik ist - und in diesem Fall auch die Interpretation.
Sfantu (13.08.2024, 22:30): Mich reizte es, die ersten Schritte des Sinfonikers Prokofieff erneut mitzuerleben.
Orquestra Sinfônica do Estado de São Paulo - Marin Alsop (CD, Naxos, 2014)
Allegro ben articolato 11'16 Tema 1'50 Variazione I 2'21 Variazione II 2'48 Variazione III 1'59 Variazione IV 4'28 Variazione V 2'41 Variazione VI e Tema 6'21
Und was für gewaltige, kühne Schritte das sind! Unzufrieden mit der mangelnden Resonanz seiner Sinfonietta, überarbeitete Prokofieff das Werk noch zweifach. Viel näher am Idiom des reifen Meisters, führt sie weiter ein Schattendasein - insbesondere gegenüber der jüngeren "Classique", welche durch ihr zweifelsohne augenzwinkerndes Spiel mit dem Klassizismus von Anfang an mehr für sich einnahm.
Einen imposanten Sprung in teils an den Grenzen der Dur-Moll-Tonalität balancierenden Modernismus markiert dann aber die stellenweise brachiale Zweite. Schon die eröffnenden Fanfaren kommen wie ein Fanal, wie Messerstiche daher. Herrlich das tiefe, knarzende Blech im Kopfsatz. Fein ziselierte Variationen, welche in der Nummer sechs in den mächtig brutalen Marschrhythmus mit seinen vernichtenden Tutti-Akkorden münden. Das Orchester spielt das erbarmungslos aus, sorgt zur gleichen Zeit für Faszination als auch Schaudern, ja Entsetzen. Das formidable Ensemble ist zudem in einer aufnahmetechnischen Sternstunde eingefangen.
Maurice inaktiv (23.08.2024, 10:56):
Max Reger : Suite im alten Stil, op. 93 & Serenade, op. 95
Bamberger Symphoniker, Horst Stein
Die Bamberger unter Horst Stein waren eine Bank, was Reger angeht.
Sfantu (30.08.2024, 21:55):
Joseph Umstatt
Konzerte für Violine, Streicher und Basso Continuo B-dur und C.dur
Für mich eine Neuentdeckung ist der 1711 in Wien geborene und 1762 in Bamberg verstorbene Organist und Cembalist. In den 1730er Jahren Mitglied der Esterházy'schen Hofkapelle, später mit Brünn, Dresden (hier Kontakt mit Hasse) und Bamberg als Wirkungsstätten. Für die Geige besaß er offenbar ein gutes Gespür. Dem Solisten wird hier technisch Einiges abverlangt. Die Musik ist hörbar durch Vivaldi beeinflußt. Auffallend die wiederholten schroffen gleichzeitigen Wechsel von Rhythmus und Tonart. Schade, daß diese Konzerte so knapp gehalten sind. Schade auch, daß (laut Booklet-Text) nur wenig von Umstatts Werken überliefert ist. Energisches, erdiges Spiel. Im Tutti sind lediglich beide Geigenpulte mit jeweils zwei Ausführenden besetzt, die übrigen Stimmen solistisch. Es kommt also inklusive Basso Continuo (mal mit Beteiligung des Cembalos, mal mit Theorbe) ein Oktett zu Gehör. Trotz dieser Schmalbrüstigkeit entsteht nie ein entsprechender Höreindruck .
Maurice inaktiv (04.09.2024, 10:05):
Franz Schubert : Music for Violin and Piano (D574, D895, D934) AD: 20./21.12.1996, USA
Adele Anhony (Violine) - Jonathan Feldman (Klavier)
Für mich Neuland. Das gefällt mir sehr gut, das wirkt sehr flüssig, schön ausgelotet und auch das Zusammenspiel der beiden Musiker ist ausgezeichnet. Auch klanglich ist die CD sehr gut gelungen.
Adele Anthony , Jahrgang 1970, gewann bereits mit 13 Jahren ihren ersten Wettbewerb. Bereits ihr Vater war Geiger, nämlich Concertmaster im Singepore Symphony Orchestra. Sie studierte u.a. bei Dorothy DeLay und Felix Galimir an der Juillard School of Music in New York. Sie ist mit Gil Shaham verheiratet und hat mit ihm drei Kinder.
Jonathan Feldman, 1952 geboren, studierte ebenfalls an der Juillard School of Music und unterrichtete dort selbst ab 1989 Klavierbegleitung. Seit 2005 ist er Director of Collaborative Piano an der Music Academy of the West, seit 2011 auch Dozent am New England Conservatory.
Er begleitete u.a. Nathan Milstein, Gil Shaham, Itzak Perlman, James Galway, Sarah Chang, und Joshua Bell. Verheiratet ist er mit der Fagottistin Judith LeClair.
Maurice inaktiv (04.09.2024, 11:28):
Anton Bruckner: Te Deum (1884-er Fassung) AD: 1988
Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin + Rundfunkchor Berlin, Heinz Rögner
Zum heute 200. Geburtstag von Anton Bruckner lief hier gerade sein Te Deum.
Es gab verschiedene Cover der Aufnahme, gekoppelt mit der E-Moll-Messe Bruckners.
classicana87 (04.09.2024, 14:25): Das Duo Stiehler/Lucaciu (Saxophon) - die beiden Jungs inspirieren mich sehr
Sfantu (04.09.2024, 20:47): @classicana87
kannte ich garnicht, die beiden - danke für den Impuls! Die wenigen YT- Beispiele, die ich mir mal rausgepickt habe, geben mir eine ungefähre Idee von dem, was Du wohl meinen könntest mit "sehr inspirierend". Was spricht Dich besonders dabei an? Was macht ihre Musik so besonders für Dich?
Und ja - vielleicht stimmst Du mir zu, wenn ich vermute, daß hier der passendere Ort dafür ist.
Keep on listening.
Nicolas_Aine (05.09.2024, 13:04):
grade angekommen, danke an @Maurice inaktiv für den Tipp :) mit Roussel wollte ich mich sowieso mal beschäftigen.
Ich beginne mit:
Concert pour petit orchestre Op 34
und
Sinfonietta Op. 52
Stéphane Denève Royal Scottish National Orchestra
wenn ich einen Tipp zurückgeben darf: ich liebe ja die Schubert Fantasie für Violine und Klavier, das wäre definitiv eins meiner Inselwerke. Es gibt eine ganz famtastische Aufnahme mit Isabell Faust und Alexander Melnikov.
Andréjo (05.09.2024, 14:06): Roussel mit Deneve ist eine schöne Sammlung. Die Konkurrenz hält sich ohnehin in Grenzen.
Maurice inaktiv (05.09.2024, 18:41): grade angekommen, danke an @Maurice inaktiv für den Tipp mit Roussel wollte ich mich sowieso mal beschäftigen. Gerne doch.
wenn ich einen Tipp zurückgeben darf: ich liebe ja die Schubert Fantasie für Violine und Klavier, das wäre definitiv eins meiner Inselwerke. Es gibt eine ganz famtastische Aufnahme mit Isabell Faust und Alexander Melnikov. Dankeschön. So oft höre ich ja nicht solche Sachen, aber ich behalte sie mal im Auge. :)
:beer
Nicolas_Aine (05.09.2024, 21:23):
grade angekommen, danke an @Maurice inaktiv für den Tipp :) mit Roussel wollte ich mich sowieso mal beschäftigen.
Ich beginne mit:
Concert pour petit orchestre Op 34
und
Sinfonietta Op. 52
Stéphane Denève Royal Scottish National Orchestra
wenn ich einen Tipp zurückgeben darf: ich liebe ja die Schubert Fantasie für Violine und Klavier, das wäre definitiv eins meiner Inselwerke. Es gibt eine ganz famtastische Aufnahme mit Isabell Faust und Alexander Melnikov. und weiter gehts mit der 1. Symphonie "Le poème de la forêt".
BM-LvB (07.09.2024, 08:24): Liebe Freundinnen und Freunde,
weiter auf dem Wege meiner Genesung (nach der stationären Klinik-"Diagnostik-Mühle jetzt mitten in der ambulanten "Diagnostik-Mühle), schaue ich ab und an jetzt wieder hier rein und grüße Euch alle. Was ich gerade höre früh am Morgen? "Schwer", aber es hilft mir zwischen physisch nach wie vor schlecht, psychisch aber weiter aufwärts: Das Agnus dei aus der Missa von LvB (Harnoncourt/Royal Concert Gebouw Orchestra). Welch ein "Gebet" und wie eindrucksvoll "nachgefühlt" vom guten Nikolaus H.
Gruß BM-LvB
Maurice inaktiv (07.09.2024, 10:26): Liebe Freundinnen und Freunde,
weiter auf dem Wege meiner Genesung (nach der stationären Klinik-"Diagnostik-Mühle jetzt mitten in der ambulanten "Diagnostik-Mühle), schaue ich ab und an jetzt wieder hier rein und grüße Euch alle. Ich wünsche Dir weiterhin gute Besserung. Schön, dass Du mal vorbei geschaut hast. Musik kann bei der Genesung durchaus heilende Wirkung haben, daher machst Du alles richtig.
Joe Dvorak (07.09.2024, 10:50):
Ludwig van Beethoven - Streichquartett Nr. 13 B-Dur, op. 130/133 Tetzlaff Quartett
Die Tetzlaffs plädieren für die "1825 Version" mit der Grossen Fuge als Finale und dem kompletten Verzicht auf den ein Jahr später nachkomponierten Alternativ-Schlusssatz. Die Interpretation ist eher auf der leichten und lichten Seite angesiedelt, sehr detailfreudig und transparent mit exzellenter Unterstützung durch die Klangtechnik.
BM-LvB (07.09.2024, 11:08): Liebe Freundinnen und Freunde,
weiter auf dem Wege meiner Genesung (nach der stationären Klinik-"Diagnostik-Mühle jetzt mitten in der ambulanten "Diagnostik-Mühle), schaue ich ab und an jetzt wieder hier rein und grüße Euch alle. Ich wünsche Dir weiterhin gute Besserung. Schön, dass Du mal vorbei geschaut hast. Musik kann bei der Genesung durchaus heilende Wirkung haben, daher machst Du alles richtig. Guten Morgen und hab' tausend Dank für Deine Reaktion und Deine aufmunternden Worte, lieber Maurice. Und: Wie recht Du hast mit Deinem Hinweis auf die "heilende Wirkung" unserer geliebten Musik. LG!
Maurice inaktiv (10.09.2024, 13:10):
Antonin Dvorak: Sinfonien Nr. 4, d-moll, op. 13 & Nr. 5 , F-Dur, op. 76 AD: 1980 (Nr.4) und 1977 (Nr.5)
Staatskapelle Berlin, Otmar Suitner
Dvorak hatte vor Kurzem seinen 120. Todestag. Deshalb nun zwei seiner eher weniger bekannten Sinfonien. Natürlich sind diese Aufnahmen inzwischen in die Jahre gekommen, aber an der Qualität hat sich nichts geändert.
Die Box wurde mit verschiedenen Cover mehrfach veröffentlicht. Es gibt auch eine Box, die die Sinfonien von Brahms und Dvorak beinhaltet. Diese befindet sich in meinem Besitz. Auch den Brahms kann man empfehlen. Daher war damals meine Wahl genau richtig gewesen. Es gibt bei mir ein Booklet, aber bei dem Preis, den ich damals gezahlt hatte, und der Tatsache, dass man beide Komponisten auch gut kennt, war mir das nicht wichtig. Die Informationen dazu bekommt man dann durch die anderen Einspielungen automatisch dennoch.
Sfantu (20.09.2024, 23:27):
Tichon Khrennikow
Klavierkonzert Nr. 2 c-moll op. 21 Klavierkonzert Nr. 3 C-dur op. 28
Khrennikov, einflußreicher Kulturfunktionär und Generalsekretär des Komponistenverbandes der UdSSR von 1948 bis 1992, war - nach allem, was man über ihn lesen kann - eine zwiespältige Persönlichkeit, charakterlich vielleicht sogar eine Rektalpassage.
Seine Tonprache ist hörbar durch Schostakowitsch, mehr noch Prokofieff beeinflußt. Und doch läßt sich ihr ein gewisses Eigenprofil nicht absprechen. Die Dur-Moll-Tonalität wird nie verlassen. Mir sagt er sehr zu, dieser bitter-herbe, teils schroffe Tonfall. Konzert Nr. 2 eignet mehr von den erwähnten Charakteristika während Nr. 3 eher ins Romantische strebt, die große Geste sucht. Beide Werke enden leise verebbend. Das op. 21 besitzt als (vielleicht programmatische?) Klammer leise Glockenschläge in den Anfangs- wie in den Schlußtakten. Das Booklet beschränkt sich auf Angaben zu Komponist und Interpreten, schweigt sich über die eingespielten Werke aber leider komplett aus.
Der noch blutjunge Kissin gestaltet op. 21 souverän. Khrennikow spielt mit etwas mehr Pranke aber nicht weniger überzeugend. Guter Klang, etwas schmal in den Bässen.
Joe Dvorak (21.09.2024, 05:26):
Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 7 e-Moll, WAB 107 (1885 Version, Ed. Nowak)
Concerto Budapest, András Keller (2024)
Eine spannende Idee. Die Siebte liegt hier in zwei Aufnahmen vor. Die eine wurde gemacht, wie wir uns das idealistisch vorstellen, am Stück und ohne Nachbearbeitung. Die andere spiegelt die Realität wider, dass für Studioaufnahmen das ganze Werk mehrfach aufgenommen und aus mehreren Versionen zusammengestückelt wird und einzelne Fragmente immer wieder neu eingespielt werden, bis alles passt. Neben dem Drang zur Optimierung will man damit auch jeden noch so kleinen Fehler beseitigen, da sich die Kritik zu oft unerbittlich darauf stürzt, egal wie gut die Interpretation als Ganzes gelungen ist. Bei der zweiten Aufnahme wurde an insgesamt 181(!) Stellen editiert und montiert, und es wird versichert, dass das eher wenig sei und manche Interpreten bald im Sekundentakt schneiden lassen würden. Schade nur, dass dafür die Siebte gewählt wurde, die bei mir nicht mehr ganz so hoch im Kurs steht (aber das gilt eigentlich für alle Bruckner-Symphonien außer der vierten :ignore ) - ich bin trotzdem gespannt auf den Vergleich, wobei ich es bei den ersten beiden Sätzen belasse.
Joe Dvorak (21.09.2024, 16:27):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 6, a-Moll
Rotterdam PO, Eduard Flipse (1955)
Fernab von psychodramatischen Spektakeln auf der einen und betont objektiven Lesarten auf der anderen Seite ist diese frühe Einspielung eine 'natürliche' Lesart, die mich sehr überzeugt. Gemessen am Aufnahmedatum ist das Mono-Klangbild erstaunlich transparent und präsent.
Sfantu (21.09.2024, 23:40): Geburtstagskind Gustav Holst durfte heute mehrfach seine Runden bei mir drehen:
Ballettmusik aus "The Perfect Fool"
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra - Charles Mackerras (CD, Virgin, 1989)
Allegro con brio 3'34 Elegy (in memoriam Willam Morris). Molto adagio 8'35 Scherzo 4'54 Allegro moderato 5'59
So schillernd wie unvorhersagbar die Kontraste und Sequenzen in der Ballettmusik sind, so volkstümlich, stellenweise fast bieder wirkt die gemütliche Cotswolds-Symphony (mit Ausnahme des langsamen zweiten Satzes, einem Trauermarsch). Einmal mehr wird das chamäleoneske Wesen des Komponisten Holst deutlich.
Nicolas_Aine (23.09.2024, 23:13):
Heute mal wieder ein Schlager:
Antonin Dvorak: Symphonie Nr. 9 e-moll Op. 95 "aus der neuen Welt"
Ferenc Fricsay RSO Berlin
Muss man nichts dazu sagen. :times10
Joe Dvorak (25.09.2024, 03:34): Muss man nichts dazu sagen. :times10 Muss man nicht. Aber ein Sternchen kann man vergeben. :P
Andréjo (25.09.2024, 12:43): Wenn das so ist ...
Eigentlich ist das Bild schon groß genug, aber wir wollen nicht so sein.
Sfantu (26.09.2024, 21:38):
Felix Mendelssohn
Streichquartett Nr. 6 f-moll op. 80
Quatour Ysaÿe (CD, Decca, 1993)
Allegro vivace assai 7'13 Allegro assai 4'42 Adagio 8'38 Allegro molto 5'37
Packend gestalten die Franzosen dieses Ausnahmewerk. Entstanden in den Monaten des Jahres 1847 zwischen dem Tod seiner Schwester und seinem eigenen. Es steht einsam da unter den Quartetten Mendelssohns. Und einsam in seinem Gesamtschaffen. Der existentielle Grundgestus, das verzweifelte, klagende Aufbegehren - all das spielen die Musiker ungeschminkt und bisweilen schroff aus. Das ist Musik, die mit ihrer Expressivität unmittelbar berührt und verstört. Kennt man dieses Quartett nicht, kennt man Mendelssohn nicht.
Joe Dvorak (28.09.2024, 08:17): Heute habe ich mal Muse und Sitzfleisch für dieses:
Gustav Mahler - "Sinfonie Nr. 10" Tokyo Metropolitan SO, Rudolf Barshai (2003) Gustav Mahler - Adagio aus Sinfonie Nr. 10 Rudolf Barshai - Scherzo, Purgatorio, Allegro Pesante & Finale für grosses Orchester (unter Verwendung von Themen und Motiven aus den unvollständigen Skizzen und Entwürfen zu Gustav Mahler 10. Sinfonie)
Nicolas_Aine (30.09.2024, 22:39):
grade angekommen, danke an @Maurice inaktiv für den Tipp :) mit Roussel wollte ich mich sowieso mal beschäftigen.
Ich beginne mit:
Concert pour petit orchestre Op 34
und
Sinfonietta Op. 52
Stéphane Denève Royal Scottish National Orchestra
wenn ich einen Tipp zurückgeben darf: ich liebe ja die Schubert Fantasie für Violine und Klavier, das wäre definitiv eins meiner Inselwerke. Es gibt eine ganz famtastische Aufnahme mit Isabell Faust und Alexander Melnikov. und weiter gehts mit der 1. Symphonie "Le poème de la forêt". so, und heute endlich die 2. Symphonie. Eindruck der ersten 90 Sekunden: durchaus etwas moderner.
Maurice inaktiv (03.10.2024, 16:14):
Gerhard Frommel : Sinfonie Nr.1 , E-Dur, op. 13 (1938) & Sinfonisches Vorspiel für Orchester, op. 23 (1943) AD: Live 2017 aus Jena Philharmonisches Orchester Jena , Jürgen Bruns
Den Komponisten Gerhard Frommel (1906-1984) richtig einzuordnen, erscheint mir sehr schwierig zu sein. Auf der einen Seite machte er sich im Dritten Reich für die moderne Musik stark, auf der anderen Seite schrieb er meiner Meinung nach eher unzeitgemäße Musik, die klar auf Wagner, Bruckner oder seinen Lehrer Hans Pfitzner zurückgeht (da auch Pfitzner ein durchaus "schwieriger" Komponist ist, wurde hier im Forum ausführlich diskutiert).
Doch es sind auch Klänge zu hören, die abseits von Wagner, Bruckner oder Pfitzner liegen. Das ist nicht nur eine Reduzieren auf geschätzte Komponisten der Nazis aus der Vergangenheit, das ist auch eine Weiterführung dieser. Allerdings vermag ich keine direkte Verbindungen herzustellen, beim besten Willen nicht. Vielleicht etwas Reger, aber auch nur vielleicht. Ich meine, dass da auch ein wenig Expressionismus dabei ist, aber auch hier bitte mit einigen Fragezeichen. Vielleicht auch ein wenig Karol Rathaus.....
Die Sinfonie ist fünfsätzig und geht ca 45 Minuten. Damit ist sie weitaus kompakter als die Sinfonien Bruckners. Das tut dem Werk gut. Ich kann keine unnötigen Längen feststellen, die beiden Ecksätze sind mit jeweils rund 15 Minuten ebenfalls nicht extrem lang.
Die hier gespielte 1. Sinfonie wurde immerhin von Wilhelm Furtwängler uraufgeführt 1942.
Auch das zweite Werk stammt aus der Zeit des Dritten Reiches.
Jürgen Bruns hat sich einen Namen gemacht mit Einspielungen weniger bekannter Komponisten, oder durch Einspielungen diverser Raritäten, etwa den Sinfonien Karl Weigls oder auch Werken von Hanns Eisler. Die Live-Einspielungen hier dürften also eine gewisse Qualität haben. Das Orchester aus Jena wurde auch inzwischen vom Label Naxos zu Einspielungen verpflichtet. Auch bei Arte Nova früher kam es hin und wieder zum Einsatz. Schön, dass man unsere Klangkörper nicht so ganz vergisst dabei.
classicana87 (07.10.2024, 14:03): @classicana87
kannte ich garnicht, die beiden - danke für den Impuls! Die wenigen YT- Beispiele, die ich mir mal rausgepickt habe, geben mir eine ungefähre Idee von dem, was Du wohl meinen könntest mit "sehr inspirierend". Was spricht Dich besonders dabei an? Was macht ihre Musik so besonders für Dich?
Und ja - vielleicht stimmst Du mir zu, wenn ich vermute, daß hier der passendere Ort dafür ist.
Keep on listening. das freut mich, dass dir die Musik vom Duo Stiehler & Lucaciu auch gefällt. Bin zufällig auf das Duo gestoßen und hatte bereits 2 mal das Glück ein Konzert von den Jungs besuchen zu dürfen. Einmal in einem Theater und einmal bei einem ihrer Wohnmobilkonzerte (die während der Coronazeit stattfanden) Ich kann es dir gar nicht genau sagen, aber als ich bei den Konzerten die Musik live hörte und auch spüren konnte, hat mich das völlig überwältigt. Das Saxophon ist auch echt Mega - hört man ja heutzutage nicht mehr ganz so oft :) und auch an sich machen die Jungs einen sehr symphatischen Eindruck
Nicolas_Aine (09.10.2024, 23:02):
Erich Wolfgang Korngold: Violinkonzert D-Dur Op. 35
Itzhak Perlman, Violine Andre Previn Pittsburgh SO
Keine schlechte Aufnahme, aber für meinen Geschmack könnte Perlman ein bisschen mehr Subtilität reinbringen. Es ist sehr direkt gespielt. Eigentlich wollte ich die Aufnahme mit Mutter einlegen, aber die hab ich im Regal grade nicht finden können.
Joe Dvorak (10.10.2024, 01:54): Der letzte Beitrag von Maurice hat mich -unschwer zu erkennen, warum- daran erinnert, dass ich die mal auf Wiedervorlage hatte - und dann doch nicht wiedergehört und schliesslich vergessen...
Gottfried von Einem - Konzert für Orchester, op. 4 (1944)
RSO Berlin, Johannes Kalitzke
Joe Dvorak (11.10.2024, 02:59):
Ludwig van Beethoven - Messe c-Moll, op. 86
Solisten, Chorus Cathedralis Aboensis, Turku PO, Leif Segerstam
Mit Segerstam ist eine der originellsten Figuren der Klassikszene in die Formlose Leere zurückgekehrt. Man nannte ihn schrullig und exzentrisch, aber man nahm es ihm ab.
Nicolas_Aine (11.10.2024, 22:10):
wieder gefunden! Hatte nicht mehr im Kopf, dass die Aufnahme aus dieser Box ist.
E.W. Korngold: Violinkonzert D-Dur Op. 35
Anne-Sophie Mutter Andre Previn, Dirigent London SO
Interessanterweise der gleiche Dirigent wie in der Perlman Aufnahme. Allerdings mag ich diese deutlich lieber. Mutter spielt sehr schön farbig, hat Sinn für Nuancen, kann aber auch zupacken.
Andréjo (12.10.2024, 00:32): Diese Box habe ich mir jetzt bestellt! :)
Sie kostet so viel wie eine einzige Hochpreis-CD. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass ich vielleicht die eine oder andere Aufnahme schon kenne, aber das dürfte sich in Grenzen halten. Korngold mit Mutter ist schon mal nicht dabei. Von Fischer finde ich wahrscheinlich nur eine einzige CD und von Huberman wahrscheinlich überhaupt nichts. Auch bei Repin bin ich mir nicht sicher, ob etwas im Schrank steht.
Aber freilich kennt man alle Namen und es ist müßig, zu diskutieren, warum welche fehlen, mit denen man gerechnet hätte. Von Joseph Szigeti besitze ich eine ganze Zehnerbox und das ist nicht alles.
Dank an Nicolas Aine!
"Jahrhundert Geiger" - so langsam verabschieden wir uns von den banalsten Prinzipien der deutschen Rechtschreibung ...
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (12.10.2024, 02:16): E.W. Korngold: Violinkonzert D-Dur Op. 35
Anne-Sophie Mutter Andre Previn, Dirigent London SO
Interessanterweise der gleiche Dirigent wie in der Perlman Aufnahme. Pervin hat es ein drittes Mal - mit Gil Shaham - eingespielt. Ich erlaube mir, mal wieder in den Modus der haltlosen Spekulation zu verfallen: Korngolds Konzert hat nicht überall den allerbesten Ruf (Hollywood, Kitsch, Klischee), es scheint jedenfalls, dass es die meisten Jahrhundertdirigenten links liegen gelassen haben. Bei Prestomusic finde ich ausser Previn (so man ihn dazu zählen will) keinen einzigen (es sei denn man rechnet Marriner und N. Jaervi dazu), also muss einer der wenigen zugkräftigen Namen, die sich dazu herablassen, das zu dirigieren, eben öfter ran. Bei Paganini ist der Sachverhalt ähnlich, da gibt es - wenn ich das richtig im Kopf habe - ausser Muti auch keinen ganz Grossen (es sei denn, man nimmt Dutoit mit rein), der sich damit hören lassen wollte, also durfte der nicht ganz so grosse, aber seinerzeit immerhin zu einer gewissen Popularität gekommene Eli Oue auch dreimal ran.
Erich Wolfgang Korngold - Violinkonzert D-Dur, op. 35 Andrew Haveron, RTÉ Concert Orchestra, John Wilson
In meiner zunehmenden Altersmilde finde ich das gar nicht mehr so furchtbar. :thumbup:
Andréjo (12.10.2024, 14:06): Das Violinkonzert interessiert mich von Korngold zwar weniger - wobei ich in einer Rundfunksendung mal erklärt bekam, wie raffiniert im Mittelsatz wohl doch die Harmonik und die Klangmischung sind -, aber, alles in allem, hat er einen wirklich ganz eigenständigen Personalstil und ich höre etliches sehr gerne, das Klavierkonzert etwa oder das -quintett oder die späte Sinfonie oder auch die Streichquartette. Sicher ist nicht alles im Gesamtwerk gleichwertig.
In einem anderen Forum bin ich vor längerer Zeit mal baden gegangen mit meiner Unterstellung, er habe sich halt in Hollywood stilistisch primär dem Film zugewandt. Da habe ich wesentlich dazugelernt. Die späte Filmmusik ist vielleicht einfacher gebaut und besonders melodiös, aber der Stil ist nicht mehr und nicht weniger als jener Korngold, wie der Jugendliche ihn bereits in der frühen Sinfonietta entwickelt hatte. Korngold klingt nicht wie gewisse Filmmusik, sondern es ist genau umgekehrt.
Eines von seinen wirklich anspruchsvollen Werken gibt es, wo ich mir - warum auch immer - schwerer tue, den Stil wiederzuerkennen: Thema und Variationen für Streicher, op. 42.
:) Wolfgang
Nicolas_Aine (12.10.2024, 22:44): ja, sehe ich auch so. Ich mag Korngold gerne, zu den von dir genannten Werken würde ich noch die Tote Stadt hinzufügen.
Viel Spaß mit der Box! Ich hab sie damals zu Weihnachten bekommen, es sind wirklich sehr gut zusammengestellte Aufnahmen.
Andréjo (13.10.2024, 13:08): Ja, diese Oper ist ein Hit und hat zumindest zwei echte Hits. Nur bin ich kein großer Opernhörer und - kenner.
Vor einiger Zeit ist mir bei einem Klavierquerschnitt - Große Fantasie - in der folgenden Box enthalten - die seltsame motivische Ähnlichkeit zwischen einem anderen Thema aus Die tote Stadt und dem Schlager Auf der Reeperbahn aufgefallen. :D Ist natürlich eher banal bei so wenigen Tönen ohne jegliche Chromatik, aber sticht halt ins Ohr.
Ich führe mal die Noten an: c d f (punktiert) d (verkürzt) c .
:) Wolfgang
Maurice inaktiv (18.10.2024, 08:43):
Sir Ralph Vaughan Williams: Sinfonie Nr.4, f-moll & Nr.5 (1935) , D-Dur (1943) BBC-SO, Sir Andrew Davis
Der RVW-Zyklus von Sir Andrew Davis erinnert mich an den nahezu zeitgleich eingespielten Zyklus unter Sir Leonard Slatkin und dem Philharmonia Orchestra aus London. Beide bieten eine hervorragende Aufnahmetechnik und fein ausgehörte Einspielungen, denen es aber irgendwie an der nötigen "Wärme" fehlt. Diese vermisse ich aber weitaus weniger als die Kritiker der einschlägigen Fachmagazine.
Bei der "Vierten", vermisse ich sie überhaupt nicht, denn das ist ein doch recht hartes, dramatisches Werk und dissonantes Werk. Es verträgt meiner Meinung nach keine "Wärme". Geschrieben wurde sie 1935, also viele Jahre nach der Dritten, die er im 1.Weltkrieg geschrieben hatte, an dem er als Soldat trotz seines bereits fortgeschrittenen Alters mitmachen musste.
Seine "Fünfte" ist eine weitere "Kriegs-Sinfonie", dieses Mal 1938-1943 entstanden, also vor allem während des 2.Weltkrieges. Das Werk wirkt weitaus ruhiger als die Vierte, kommt es eher der Dritten nahe. Die Verwendung vieler Themen aus seiner damals noch unvollendeten Oper "The Pilgrim's Progress" dürften vor allem die Opernliebhaber auffallen. Ich habe beide Werke schon lange nicht mehr gehört, den Zyklus von Sir Andrew Davis ebenfalls nicht. Daher wird es Zeit, mal wieder einige Werke daraus zu hören. Ich habe vermutlich mal drei Tage Zeit dazu.
Maurice inaktiv (18.10.2024, 13:34):
"With the Wild Geese" & "In Ireland - An Irish Symphony
National SO of Ireland , Prosinnias O ' Duinn
Hier ist Naxos ein echt großartiger Wurf gelungen, der die Einspielung von Chandos noch übertroffen hat. Eine rundherum gelungene Einspielung. Dirigent und Orchester hatten hier ein Heimspiel, dass sie zu ihren Gunsten nutzen konnten.
Joe Dvorak (18.10.2024, 19:01):
Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonie Nr. 40 g-Moll, K. 550
ECO, Benjamin Britten
Eben habe ich in die Grosse g-Moll unter einem finnischen Wunderkind hineingehört, dessen Namen sich kein Mensch merken kann, weshalb ich ihn schon wieder vergessen habe (nicht Mäkelä, den muss man sich merken). Da gefällt mir auf meine alten Tage dieser nun strömende, unaufgeregte, aber tiefschürfende nobel-aristokratische Ansatz mit allen Wiederholungen (Andante: 16'19'') viel besser. :thumbsup:
Maurice inaktiv (19.10.2024, 17:40):
Ralph Vaughan Williams : Sinfonien Nr. 3& 6, e-moll
Bournemouth So, Kees Bakels
Diese CD habe ich auch schon ewig nicht mehr gehört. Doch es lohnt sich. Die "Pastorale" wurrde auch aufnahmetechnisch sehr gut eingefangen. 1992 kam so langsam die Zeit der besseren Klangtechnik bei Naxos auf.
Zur Nr.3 schrieb "Classic-CD am 12/1994: Wunderbares Spiel der Solisten des BSO. Besonders bemerkenswert sind Violine (Brendan O'Brian), Oboe und Trompete. Eine großartige Naxos-Produktion. Leider werden die beiden anderen Solisten nicht auf dem Booklet genannt, nur der Solist an der Violine.
Maurice inaktiv (24.10.2024, 09:13):
August Halm: Sinfonie A-Dur AD: 2004 Württembergische Philharmonie Reutlingen , Per Borin
Das ist natürlich nicht mit Halms Zeitgenossen Gustav Mahler oder Richard Strauss zu vergleichen, aber es ist eine angenehm zu hörende Musik der Romantik, die niemandem wehtut. Er schrieb rund 15 Jahre an der Sinfonie (1911-1926 ca), sie hätte auch 1870 geschrieben sein können.
Seine Mutter brachte ihn früh die Musik näher, sein Vater war Pfarrer. Er studierte zunächst auch Theologie, aber als junger Pfarrvikar erkannte er, dass das nicht seine Berufung werden würde. Also entschloss er sich in München Musik zu studieren, u.a. bei Joseph Rheinberger und Felix Weingartner. Doch er fand, dass Ganze höchst langweilig und unproduktiv.
Als Schriftsteller und Schullehrer war er noch am erfolgreichsten gewesen. So schrieb er ein Buch über die Sinfonien Anton Bruckners und das Buch "Zwei Kulturen der Musik", aber auch Bücher über Schulmusik mit den passenden Werken dazu.
Maurice inaktiv (25.10.2024, 13:23):
Max Reger : Konzert im alten Stil, op. 123 & Sinfonietta, op. 90 SD: 1992 & 1993
Bamberger Symphoniker , Horst Stein Solisten: Peter Rosenberg (beide Nummern) & Harald Orlovsky ( op. 123; beide Violine)
Horst Stein, einer der großen Kenner der Werke Max Regers, legte damals auf Koch hervorragende Einspielungen vor, die seit einiger Zeit auf der Deutschen Grammophone (glaube ich, zumindest) als Box wieder neu veröffentlicht wurden.
Andréjo (25.10.2024, 14:29):
Auf diese Ausgabe hat sich Maurice wohl bezogen. Sie ist bemerkenswert vollständig bezüglich der Orchestermusik. Wenn man keine Vaterländische Ouverture findet, so kann ich den Verlust verschmerzen. Ich habe das Werk mal über youtube gehört - nun gut.
Leider ist sie freilich schon wieder vergriffen, nicht nur bei jpc. Ich habe sie mir vor ein paar Jahren mal gekauft, alles einmal zumindest, diverses öfters gehört. Horst Stein und die Bamberger Sinfoniker, welche die Werke mehrheitlich aufgenommen hatten, sind nicht zu verachten - vermutlich nicht nur die Meinung von Maurice und von mir.
Die weniger vollständige und ältere DDR-Konkurrenz höre ich auch recht gerne:
:) Wolfgang
Maurice inaktiv (25.10.2024, 15:49): Ich habe hier noch die Box mit Leif Segerstam stehen, die nicht vollständig, dafür aber hoch gelobt worden ist.
Joe Dvorak (25.10.2024, 16:10): Als Reger-Skeptiker, der ich bin (was nur etwas über meine Hörvorlieben aussagt und nichts über die Größe des Komponisten), will ich es mal so sagen: Segerstam macht das Beste daraus.
Andréjo (25.10.2024, 17:17): Ja, danke an Euch! Aber ich höre mittlerweile lieber die Kammermusik und werde erst mal keine weitere Orchester-Sammlung mir zulegen. Für nach erst mal verbürge ich mich nicht. :D
Reger ist nicht mein Lieblings-Komponist, aber spektisch bin ich nur bezüglich seines Lebenswandels und komme damit zu spät. Zu viel gegessen und getrunken - an Wasser denke ich dabei nicht -, viel zu viel gearbeitet - Letzteres ahme ich schon seit einigen Jahren nicht mehr nach, bei Ersterem gibt es nur vereinzelte Einbrüche.
:hello Wolfgang
EDIT: Jetzt liegen die drei CDs auf der "Liste". Die wird hin und wieder teilweile geleert ...
Maurice inaktiv (25.10.2024, 18:28): Als Reger-Skeptiker, der ich bin (was nur etwas über meine Hörvorlieben aussagt und nichts über die Größe des Komponisten), will ich es mal so sagen: Segerstam macht das Beste daraus. Reger liegt nicht jedem, aber eigentlich solltest Du doch damit ganz gut klar kommen. Er hatte eine sehr moderne Harmonik, vielleicht manchmal einen Tick zu viel des Guten, aber ich finde ihn genial, doch ich hatte auch eine Weile gebraucht, bis ich mit ihm zurecht gekommen bin. Hermann Scherchen hatte auch um 1960 herum einige tolle Aufnahmen gemacht, leider noch in Mono. Bei CPO wurde sie mal nachgeworfen.
Toll finde ich sein Klarinettenquintett, op. 146. Hier hat Naxos gleich zwei hervorragende Einspielungen vorgelegt. Eine mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker (Philharmonia Quartett plus Wenzel Fuchs an der Klarinette) und eine mit Klaus Hampl an der Klarinette und dem Quartetto die Roma.
Nicolas_Aine (25.10.2024, 23:07): ich tue mich mit Reger auch schwer. Mir ist das oft zu dicht und schwer. Aber was nicht ist, kann ja noch werden :)
Nun aber erstmal was anderes:
aus dieser Box als erstes:
Sergei Prokofiev: Auszüge aus Romeo & Julia
Dimitri Mitropoulos New York PO
Ich babe mit Entsetzen festgestellt, dass ich keine vollständige Aufnahme dieser Musik.habe. Hat jemand eine Empfehlung? Gerne eher die Suiten, aber wenn es was wesentlich besseres beim Ballet gibt, her damit.
Andréjo (25.10.2024, 23:08): Vom Klarinettenquintett finde ich locker drei Aufnahmen. Hampl ist dabei.
Nicolas_Aine (25.10.2024, 23:57): und zum Ausklang des Abends aus der gleichen Box:
Maurice Ravel: La Valse
Zubin Mehta New York PO
Maurice inaktiv (26.10.2024, 04:21): Ich babe mit Entsetzen festgestellt, dass ich keine vollständige Aufnahme dieser Musik.habe. Hat jemand eine Empfehlung? Gerne eher die Suiten, aber wenn es was wesentlich besseres beim Ballet gibt, her damit. Als GA Seiji Ozawa mit dem Boston SO auf der DGG oder Marin Alsop mit dem Baltimore SO etwa. Als Suiten M.Rostropowitsch mit dem National SO (of Washington)
Vom Klarinettenquintett finde ich locker drei Aufnahmen. Hampl ist dabei. Ich kenne nur die zwei :rofl Die reichen mir auch völlig aus.
Maurice inaktiv (26.10.2024, 10:08):
Friedrich Gernsheim: Sinfonien Nr.1 & 3
Philharmonisches Staatsorchester Mainz , Hermann Bäumer
Andréjo (26.10.2024, 13:21): :P ;) Weil's hier jeden interessiert: Schlimmstenfalls hätte mir auch ein einziges Klarinettenquintett von Reger gereicht - ich glaube, es war zweimal Beifang ...
Doch dann höre ich es mir später wenigstens an. Wie wär*s damit:
Das Cover finde ich ganz witzig, selbst wenn mir der Kontext völlig unklar ist. Aber unser Oberpfälzer hatte ja Humor ...
Auch die Serenaden sind ein eher einfach zu hörender, im Vergleich mit dem Opus 146 weniger melancholischer, weniger später Reger. Und diese Serenaden waren mir, wenn ich nicht irre, bis dorthin vor vielleicht fünfzehn Jahren nur als alte Rundfunkmitschnitte verfügbar.
Joe Dvorak (26.10.2024, 13:42): Von Oxalys habe ich bisher nur Gutes gehört. Und die haben noch so einiges für die Rubrik "kuriose Cover" an Start.
Maurice inaktiv (26.10.2024, 13:45): Auch die Serenaden sind ein eher einfach zu hörender, im Vergleich mit dem Opus 146 weniger melancholischer, weniger später Reger. Und diese Serenaden waren mir, wenn ich nicht irre, bis dorthin vor vielleicht fünfzehn Jahren nur als alte Rundfunkmitschnitte verfügbar. Auch Brilliant Classics hat die Serenaden im Programm, gepaart mit Beethovens Serenade, op. 25. Über die Qualität der Einspielungen kann ich allerdings nichts sagen. Bei ASV gibt es eine reine Reger-CD mit den beiden Serenaden und den Suiten 1-3, aber auch hier kann ich über die Qualität keine Aussage machen.
Andréjo (26.10.2024, 14:20): Ah, danke, Herr Kollege! Und zwar insbesondere wegen Beethoven. Opus 25 gibt es ja in diversen und teilweise gewiss halbseidenen Versionen. Da muss ich endlich mal schauen, was ich eigentlich vorfinde und was nicht.
Und was die Suiten anbelangt, muss ich auch schauen. Für jeweils einen Solostreicher? Das ist kein Kernrepertoire von mir, aber der Vollständigkeit halber interessant. Die mit der Viola müsste ich auf CD haben, habe ich vielleicht sogar mittels youtube künstlich erstellt - falls wir das gleiche Repertoire meinen. :*
BM-LvB (28.10.2024, 02:35): Und zwar insbesondere wegen Beethoven Reger liegt nicht jedem, aber eigentlich solltest Du doch damit ganz gut klar kommen. Er hatte eine sehr moderne Harmonik, vielleicht manchmal einen Tick zu viel des Guten, aber ich finde ihn genial, doch ich hatte auch eine Weile gebraucht, bis ich mit ihm zurecht gekommen bin. Hermann Scherchen hatte auch um 1960 herum einige tolle Aufnahmen gemacht, leider noch in Mono. Immer wenn ich hier reinschaue, geht es mir in meinem Kampf um das bisschen Leben besser als vorher. Zwischen Beethoven und Reger! Mein Vater, mit dem Tripelkonzert im Ohr vorbildlich abgetreten von der Bühne, sagte immer: "Was sind wir doch für reiche Menschen, dass wir d i e s e Musik hören, zu verstehen versuchen, und sie lieben".
Hallo Andréjo, Maurice und all Ihr anderen Lieben! Mit mir geht es psychisch weiter bergauf, physisch kämpfe ich noch mit oft nur "Fachidioten" in den Kliniken und Praxen. Wie einer von Euch sagte, ich glaube es warst Du, lieber Maurice, dass mir die Musik helfe bei meiner Rückkehr ins Leben - das ist in der Tat so. Gestern beim zweiten Satz der Siebenten (tausendmal gehört und doch immer wieder "neu") kämpfte ich zwar mit den Tränen, war aber absolut im Frieden mit mir. Wie der Meister da mit der Tradition brach und die "Prozession" (Wolfgang Osthoff) mit einem Quartsextakkord beginnen und enden lässt, das erzeugt in mir immer wieder eine Gänsehaut.
Dazwischen Trauer pur und doch gänzlicher Frieden...
Besonders gefreut hat mich der Hinweis auf Horst Stein. Das "Marzipangesicht" (eine liebe Musikfreundin) durfte ich mehrfach in Mannheim erleben, einmal auch mit dem besagten Beethoven. Grandios!
Euch alles Gute und Liebe, und bleibt so, wie Ihr seid. Bis die Tage". LG!
Andréjo (28.10.2024, 08:32): Auch an Dich, lieber Kollege, die allerbesten Wünsche! Vor allem natürlich gesundheitliche Stabilisierung!
:) Wolfgang
Jan Van Karajan (28.10.2024, 21:10): Hallo meine Lieben,
ja, auch ich weile noch unter den Lebenden. Es tut mir wirklich Leid, dass ich so lange abwesend war. In den letzten Monaten hatte ich einfach nicht den Kopf dafür, mich hier regelmäßig zu beteiligen (Abitur, Klinikaufenthalt wegen schwerer Depressionen, Start in die Berufsausbildung...). Hoffentlich komme ich jetzt wieder dazu, regelmäßiger zu posten. An dieser Stelle auch herzlich willkommen und alles Gute für unser Neumitglied BM-LvB :)
Heute Abend hier:
Daraus die "Rheinische" Es grüßt euch Jan :hello
Sfantu (28.10.2024, 21:46): Lieber Jan,
schön, wieder von Dir zu lesen! Ich hoffe, Du bist auf einem guten Weg, was Deine mentale Gesundheit angeht. Und natürlich auch im Hinblick auf Deine Ausbildung - einen guten Start wünsche ich Dir dafür!
Diese Rheinische höre ich ebenfalls sehr gern. Ich meine - die Wiener und Bernstein: kann man da ernsthaft Mittelmaß erwarten? Und doch - sein später Schumann kann auch die Geister scheiden. Die Dritte aus diesem Zyklus habe ich als Original-LP. Sie gefällt mir tatsächlich noch am besten - dazu ist auf die andere Seite das Klavierkonzert mit Justus Franz gepreßt. Und auch die Aufnahme zählt zu meinen Favoritinnen für dieses Werk. Aber der Rest?! Exemplarisch für die Zweischneidigkeit, die ich dabei empfinde, ist die Zweite: das Adagio espressivo wird dermaßen zerdehnt und emotionstriefend gestaltet, als sei es von Mahler. Das ist schon arg gewollt und für mich über der Grenze zur Karikatur. Und trotzdem: manch einer mag gerade das schätzen. Das Scherzo dagegen: mir fehlen die Worte, wie man das so spielen kann. An Besessenheit grenzend rasant, entfesselt, wie vom Leibhaftigen getrieben. Allein der Satz sorgt dafür, daß dieses Set in meiner Sammlung bleibt. Gesamthaft aber ist mir das Ergebnis zu bizarr, zu uneinheitlich.
Kannst Du das verstehen? Und welche anderen Schumann-Einspielungen magst Du noch gern?
Herzliche Grüße, Sfantu
P. S. Auch von mir nur die besten Wünsche zur Genesung, BM-LvB!
Joe Dvorak (29.10.2024, 04:05): An Besessenheit grenzend rasant, entfesselt, wie vom Leibhaftigen getrieben (...) bizarr (...) Das kommt auf den Hörzettel!
Willkommen zurück, Jan! So langsam sollten wir darüber nachdenken, uns in "das-Klassikhospital.de" umzubenennen. ^^
BM-LvB (29.10.2024, 04:45): ja, auch ich weile noch unter den Lebenden. Es tut mir wirklich Leid, dass ich so lange abwesend war. In den letzten Monaten hatte ich einfach nicht den Kopf dafür, mich hier regelmäßig zu beteiligen (Abitur, Klinikaufenthalt wegen schwerer Depressionen, Start in die Berufsausbildung...). Hoffentlich komme ich jetzt wieder dazu, regelmäßiger zu posten. An dieser Stelle auch herzlich willkommen und alles Gute für unser Neumitglied BM-LvB Danke und auch Dir alles Gute! Solch eine Nachricht, in der Du kurz von Dir erzählst und dann auf die "Rheinische" hinweist - mit meinem von mir sehr geschätzten Lenny -, das ist für ein Forum "das Salz in der Suppe". Es gibt "uns" also noch in der immer grausamer werdenden Netzwelt: "Uns", die einer gemeinsamen Leidenschaft nachgehen, und dabei manche Botschaft in der geliebten Musik beherzigen. Das gibt Trost! Denken wir an Schumann und seinen Kampf!
Wer psychisch erkrankt ist und dabei (oder vielleicht auch deshalb) solche Musik schafft, mein Gott, was kann uns das sagen...
Selbst am 14.7.2024 neben akuter schwerer Erkrankung (Morbus Horton) mich aus einer schweren, jahrelangen Depression "herausgerissen" (14.7. ist deshalb "da", weil es der Tag des EM-Endspiels war, und ich davon nichts mehr sah, weil mir klar wurde, dass dies mein Ende wäre, wenn ich nichts unternähme), nach Outen Hilfe und tolle Solidarität, kann ich mitfühlen, lieber Jan Van Karajan. Durch Deine Zeilen tief bewegt, höre ich die "Rheinische", Bernstein "kostet" ihn aus...
Wünsche uns allen hier, dass wir durch alle tiefen Täler auf den Gipfel kommen, woher uns Hilfe kommt (Bibel)! Danke für Deine Anteilnahme, lieber Andréjo!
Maurice inaktiv (29.10.2024, 05:12): Ich wünsche euch Beiden weiterhin gute Genesung. Bernstein mag seine Macken haben, er ist nun mal ein besonderer Dirigent. Da gibt es niemals etwas Vorhersehbares, er "macht" Musik, gerade mit den Wienern, denen er tatsächlich erst wieder Mahler nahebringen musste. Das gelang ihm so gut, dass das Orchester ihm immer bedingungslos folgte.
In jeder seiner Aufführungen brachte er auch sich selbst mit ein. Das mag heute befremdlich wirken, aber dem Jazzer in mir ist so etwas völlig normal und daher habe ich damit keine Probleme. Er war so HIP und doch wiederum so "Un-HIP", weil er sich einen Teufel um das scherte, was Andere machten. Trotzdem hatte er die Ohren offen und er setzte nur selten wirklich mal was in den Sand.
Mir ist Bernstein weitaus mehr nahe stehend als die vielen stromlinienförmigen Dirigenten, die damit von Orchester zu Orchester ziehen. Für einen Bernstein wollte ich keine 100 Maazel-Einspielungen haben. Im Leben nicht.
Joe Dvorak (29.10.2024, 10:19): Als Reger-Skeptiker, der ich bin (was nur etwas über meine Hörvorlieben aussagt und nichts über die Größe des Komponisten), will ich es mal so sagen: Segerstam macht das Beste daraus. Reger liegt nicht jedem, aber eigentlich solltest Du doch damit ganz gut klar kommen. Er hatte eine sehr moderne Harmonik, vielleicht manchmal einen Tick zu viel des Guten, aber ich finde ihn genial, doch ich hatte auch eine Weile gebraucht, bis ich mit ihm zurecht gekommen bin. Ja, das kann durchaus noch etwas werden. Nach einigen Jahrzehntchen des Musikhörens bekommt man ein gutes Gespür dafür, ob der Zugang zu einem Komponisten/Werk/Genre fest verschlossen ist oder ob er zu einer anderen Zeit vielleicht doch noch möglich ist. Bei Reger bekomme ich jedenfalls immer wieder mal den Impuls, es noch einmal zu versuchen, meist erfolglos, aber doch nicht so sehr, dass ich den Komponisten endgültig ad acta legen würde.
Jan Van Karajan (29.10.2024, 20:13): Erst einmal vielen Dank für Eure lieben Genesungswünsche, darüber habe ich mich sehr gefreut :) .
An Bernsteins Schumann schätze ich vor allem den Schwung und die Vitalität. Ich verstehe aber tatsächlich, was du meinst, lieber Sfantu, Bernstein ist bei Komponisten wie Schumann einfach nicht jedermanns Sache. Sonst höre ich Schumann tatsächlich sehr selten, obwohl ich ihn eigentlich wirklich gerne mag. Merkwürdig, wie das manchmal läuft. Die Vierte mit Furtwängler fand ich großartig (vielleicht sollte ich die bald auch mal wieder hören :D ), aber auch Karajan und Sawallisch habe ich in guter Erinnerung, obwohl Karajan ja eigentlich nicht als der große Schumann-Spezialist gilt.
Willkommen zurück, Jan! So langsam sollten wir darüber nachdenken, uns in "das-Klassikhospital.de" umzubenennen. ^^ Ja, den Eindruck habe ich tatsächlich auch :D . Von Juni bis August habe ich fast den ganzen Sommer in einer Hamburger Klinik verbracht, seitdem bin ich langsam auf dem Weg zur Besserung.
Dir, lieber BM-LvB, möchte ich für deine guten Wünsche und deine berührenden Worte danken ^^ . Dir wünsche ich auf deinem steinigen Weg alles Gute. Wer es schafft, sich selbst aus einer Depression "herauszuziehen", hat tiefen Respekt verdient.
Ich wünsche euch Beiden weiterhin gute Genesung. Bernstein mag seine Macken haben, er ist nun mal ein besonderer Dirigent. Da gibt es niemals etwas Vorhersehbares, er "macht" Musik, gerade mit den Wienern, denen er tatsächlich erst wieder Mahler nahebringen musste. Das gelang ihm so gut, dass das Orchester ihm immer bedingungslos folgte.
Mir ist Bernstein weitaus mehr nahe stehend als die vielen stromlinienförmigen Dirigenten, die damit von Orchester zu Orchester ziehen. Für einen Bernstein wollte ich keine 100 Maazel-Einspielungen haben. Im Leben nicht. Auch dir vielen Dank, Maurice :) . Tatsächlich teile ich deine Meinung zu Bernstein, er war wirklich auf vielen Ebenen etwas Besonderes. Seinen Mahler möchte ich in meinem Leben nicht mehr missen.
Ja, die Musik war immer schon eine große Stütze für mich und wird es auch in Zukunft bleiben. Grüße Jan :hello
Andréjo (29.10.2024, 21:55): Auch dem Jan wünsche ich alles Gute!
Ich hatte vor etlichen Jahren selbst schon mal eine mittlere Depression. Das kriegt man hin - bei mir waren Tabletten erforderlich, die ich seitdem nehme. Freilich bin ich deutlich älter als Du.
:hello Wolfgang
BM-LvB (30.10.2024, 02:11): Bernstein, er war wirklich auf vielen Ebenen etwas Besonderes. Seinen Mahler möchte ich in meinem Leben nicht mehr missen. Die Zweite hat, so meine Meinung, keiner so "ausgeleuchtet" wie Bernstein. Das ergreift mich immer wieder zutiefst.
Zu Deinen Worten: Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass ich das nicht alleine geschafft habe. Eigentlich nicht mehr "geglaubt", bin ich zaghaft auf dem Weg zurück zum "Schöpfer", lese Korinther 13 und ja, ich bete auch wieder.
"Klassikhospital.de" - köstlich, lieber Joe Dvorak!
Tabletten, lieber Wolfgang, nehme ich nicht. Dafür besuchte ich dieser Tage den Psychotherapeuten (78), der einst meinen Betreuerstatus für meine später in meinen Armen gestorbene, fast 98 Jahre alte Mutter begutachtete. "Ei Bub", meinte er in seinem unnachahmlichen hessischen Dialekt, "des freut mich, dass es dir gut geht". Im Zweifel, ob seine Empfehlung einer streng fachlichen Überprüfung stand hält, fügte er hinzu: "Un wann ders schlecht geht, kummschte wieder vorbei".
Doch damit genug vom "Klassikhospital.de" und zurück zu "Lenny". Ich bitte um einen Diskurs über meine These, nach der ich "nur" Dirigenten ernst nehme, die auch Komponisten waren. So wie Bernstein zum Beispiel.
Wer war das, der Herrn Maazel in einem Atemzug mi Herrn Bernstein nannte? Bitte nicht!
Ich wünsche Dir, lieber Jan Van Karajan, noch einmal alles Gute und alle Kraft der Welt!
PS. Höre gerade das "Urlicht". Wer dirigiert? Richtig. "Lenny".
O Röschen rot!
Der Mensch liegt in größter Not! Der Mensch liegt in größter Pein! Je lieber möcht’ ich im Himmel sein!
Da kam ich auf einen breiten Weg Da kam ein Engelein und wollt mich abweisen Ach nein! Ich ließ mich nicht abweisen! Ach nein! Ich ließ mich nicht abweisen: Ich bin von Gott, und will wieder zu Gott! Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben Wird leuchten mir bis in das ewig selig Leben!
Ich weine dabei. Ist so schön. Ist so ergreifend.
Aufnahme von 1973 mit dem LSO. Wem "ohne Ahnung" das besonders im Finale wie eine "Show" vorkommt, dem sei gesagt: Das ist keine Schau. Das ist Bernstein wie er leibt und lebt mit seinem Mahler. Gut nur, dass "Lenny", auch wenn es so aussieht, nicht mitsingt - bei seiner rauchigen Stimme...
BM-LvB (30.10.2024, 02:25): Danach dies - in der schlaflosen, aber beseelten Musik-Nacht:
https://youtu.be/wuBDzeZnOgA?si=tRIyqReXYeW9qcjq
Historische Instrumente. Die Symphonie Nr. 6 wird hier 2021 von Le Concert des Nations unter der Leitung von Jordi Savall in der Philharmonie de Paris aufgeführt.
Maurice inaktiv (30.10.2024, 12:50): Wer war das, der Herrn Maazel in einem Atemzug mi Herrn Bernstein nannte? Bitte nicht! Momentchen, bitte !!! Bitte lese die Stelle nach, danke. Ich habe Maazel nicht gelobt, denn ich bin nicht gerade ein Fan von ihm. Aber Maazel hat auch komponiert, nur mal so nebenbei bemerkt. Allerdings ohne großen Erfolg.
BM-LvB (31.10.2024, 03:17): Momentchen, bitte !!! Bitte lese die Stelle nach, danke. Ich habe Maazel nicht gelobt, denn ich bin nicht gerade ein Fan von ihm. Aber Maazel hat auch komponiert, nur mal so nebenbei bemerkt. Allerdings ohne großen Erfolg. Zwei, auch drei "Momentchen": Ich hatte das auch nicht als Lob verstanden, deshalb schrieb ich ja auch "in einem Atemzug genannt". Aber natürlich hast du recht: Ich habe mich missverständlich ausgedrückt und drücke hiermit mein tiefstes Bedauern aus :) Können Sie/kannst Du, werter Maurice, mir noch einmal verzeihen? :)
Maurice inaktiv (31.10.2024, 05:00): Können Sie/kannst Du, werter Maurice, mir noch einmal verzeihen? Logisch. Alles ist gut.
Jan Van Karajan (31.10.2024, 13:33): Vielen Dank nochmal für Eure guten Wünsche :) . Im Moment bin ich tatsächlich auf dem Weg der Besserung (tatsächlich ohne Tabletten, zumindest vorerst).
Vielen Dank für die Anregung mit dem „Urlicht“. Heute hätte ich auch mal wieder die Zeit, Lennys Mahler zu hören. Tatsächlich nehme ich auch Dirigenten ernst, die selbst keine Komponisten sind/waren. Ich verstehe aber tatsächlich deinen Punkt. Bernstein, Boulez und Konsorten sehe ich als große Dirigenten, denen ihr kompositorisches Fachwissen bestimmt häufig bei der Interpretation geholfen hat. Aber möchte ich deswegen Karajan, Wand, Haitink usw. missen? Nein, definitiv nicht.
Grüße Jan :hello
Maurice inaktiv (31.10.2024, 21:20): Tatsächlich nehme ich auch Dirigenten ernst, die selbst keine Komponisten sind/waren. Ich verstehe aber tatsächlich deinen Punkt. Bernstein, Boulez und Konsorten sehe ich als große Dirigenten, denen ihr kompositorisches Fachwissen bestimmt häufig bei der Interpretation geholfen hat. Aber möchte ich deswegen Karajan, Wand, Haitink usw. missen? Nein, definitiv nicht. Es hilft mit Sicherheit ungemein, und Du kannst davon ausgehen, dass viele Dirigenten Komposition mitstudiert haben, aber eben kaum komponiert haben. Wand hat übrigens nach dem 2.Weltkrieg durchaus arrangiert, damit er seine Musiker in den ersten Nachkriegswirren durch die schwere Zeit bringen konnte. HvK studierte bei Bernhard Paumgartner Komposition und Kammermusik. Nur mal so erwähnt.
Letzten Endes ist das Ergebnis das Entscheidende. Vielleicht mal eine kleine Geschichte dazu, wenn auch auf einen anderen Bereich übertragen: Es gab einmal um 1985 herum einen Hornisten, der sich auf eine freie Stelle bei den Berliner Philharmonikern beworben hatte (unter HvK noch). Er gewann dieses Probespiel, aber dann kam Karajan und fragte, wo er denn studiert hätte und wo das entsprechende Diplom wäre. Als Antwort kam von diesem Hornisten, er habe weder studiert, geschweige denn ein Diplom. Er wurde von HvK abgelehnt, obwohl er das Probespiel gewonnen hatte. Diese Geschichte entspricht der Tatsache. Ich habe diesen Musiker kennen gelernt. Er spielte derart gut, aber er hatte eben kein Studium. So kam er bei der Bundeswehr im Musik-Korps unter, verdiente dort sein Geld. Frage mich bitte nicht, wie er sowas psychisch verkraftet hat, ich weiß es nicht.
Er hatte zahlreiche, bestimmt hochdekorierte Hornisten quasi zu Statisten degradiert. Hätte er sich ein Diplom selbst gebastelt, hätte er dort seine Stelle gehabt und nie wieder hätte jemand danach gekräht. Ich habe die Geschichte damals für völlig absurd gehalten, aber sie ist wirklich so passiert. Sorry, aber ich musste das jetzt loswerden hier.
Nicolas_Aine (31.10.2024, 22:01): interessante Anekdote! Ist heutzutage (zum Glück?) anders. Bspw. hat der Solooboist beim SWR seine Stelle im 3. Semster bekommen, also noch weit vom Abschluss weg. Generell schicke ich bei Bewerbungen nur der Form halber ein Zeugnis mit, und habe mir bei Bewerbungen bei uns noch nie eins angeschaut. Allerdings muss man auch sagen, dass mit Ausnahme der Staatskapelle Berlin (bzw. vermutlich nun auch dort nicht mehr…) heutzutage Dirigenten auch nur noch in seltensten Fällen ein Mitspracherecht bei der Stellenbesetzung hanben. Weißt du, ob das früher großflächig anders war oder ob das bei Keuten wie Karajan eher Sonderfälle waren? Ach ja, wenn ich eine Diskussion auslagern soll, bitte sagt Bescheid :)
Hier läuft nun eine CD, die ganz definitiv in den Top 3 meiner einsame-Insel-Platten ist:
Felix Mendelssohn-Bartholdy: Streichoktett Es-Dur Op. 20
Georges Enescu: Streichoktett C-Dur Op. 19
Beides fantastische Werke. Der Mendelssohn ist ja allseits bekannt, hier von einer All-Star Ensemble mit Hang zu HIP gespielt. Genauso stell ich mir das vor. Der Enescu ist eines der großartigsten Werke der Kammermusik überhaupt. Diese unglaublichen Melodien, die Form über das gesamte Werk, jeder Satz bildet die Themen in einem neuen Charakter ab, romantischer Kitsch bis zu starken Dissonanzen, Melodie mit simpler Begleitung bis hin zu komplexen Polyphonien, und das ganze mit je einem großen Schuss rumänischer Volksmusik und jugendlichem Überschwang. Dieses Werk gespielt haben zu dürfen gehört zu den absoluten Höhepunkten meines musikalischen Lebens.
Maurice inaktiv (01.11.2024, 05:58): Allerdings muss man auch sagen, dass mit Ausnahme der Staatskapelle Berlin (bzw. vermutlich nun auch dort nicht mehr…) heutzutage Dirigenten auch nur noch in seltensten Fällen ein Mitspracherecht bei der Stellenbesetzung hanben. Weißt du, ob das früher großflächig anders war oder ob das bei Keuten wie Karajan eher Sonderfälle waren? Ich weiß es nicht, aber ich denke mal, dass das früher die Regel war, dass Dirigenten ein Veto einlegen konnten, wenn ihnen Musiker nicht zusagen. Bei HvK möchte ich nur an den Fall "Mutter" erinnern, die auch nur durch HvK ins Orchester kam. Daher war das in Berlin wohl bis nach dem Tode Karajans auch so. Man darf nicht vergessen, dass auch das Blüthner-Orchester damals zunächst ein reines Privat-Orchester war, und die Berliner Philharmoniker daraus hervor gingen. Daher dürften solche Dinge einfach mit übernommen worden sein.
Ich vermute auch, dass in den rein privat bezahlten Orchestern in den USA heute auch noch so verfahren wird. Da werden ja die Solo-Stellen in der Regel von bestimmten Leuten bezahlt. Doch das sind nur Vermutungen meinerseits. Insgesamt glaube ich nicht, dass man heute noch ohne Diplom eine erste Stelle bekommen dürfte, Ausnahmen bestätigen die Regel (z.B., wenn die Person bereits mehrere erste Preise gewonnen hat, in etwa).
Jan Van Karajan (01.11.2024, 11:34): Vielen Dank Dir, Maurice, für deine Erläuterungen :) . Dass viele Dirigenten auch Komposition studiert haben, vergesse ich tatsächlich immer wieder. Die Geschichte mit dem Hornisten ist ja unfassbar, von so einer Demütigung hätte ich mich wahrscheinlich nicht so schnell erholt. Von dem Fall Mutter und auch dem Fall Sabine Meyer habe ich tatsächlich auch schon mehrmals gelesen. Tatsächlich glaube ich, dass es den Philharmonikern hierbei vor allem um zwei Dinge ging: Eine Machtprobe mit Karajan, und ja, in gewisser Hinsicht auch die Angst vor Veränderung (Frauen hab es zu dieser Zeit ja noch nicht wirklich bei den Berliner Philharmonikern, die erste muss Frau Caruzzo Mitte der Achtziger gewesen sein).
Grüße Jan :hello
Maurice inaktiv (01.11.2024, 21:29): (Frauen hab es zu dieser Zeit ja noch nicht wirklich bei den Berliner Philharmonikern, die erste muss Frau Caruzzo Mitte der Achtziger gewesen sein). Ja, 1982. Nicht nur dort, vor allem auch bei den Wiener Philharmonikern. 1997 war das (Anna Lelkes, Harfe).
Dass viele Dirigenten auch Komposition studiert haben, vergesse ich tatsächlich immer wieder. Das geht mit Sicherheit nicht nur Dir so. Antal Dorati, Rafael Kubelik, Bruno Walter, Ludovit Rajder (der bei Franz Schmidt und Joseph Marx studierte), Sergiu Celibidache. DIe sind mi spontan eigefallen jetzt.
Die Geschichte mit dem Hornisten ist ja unfassbar, von so einer Demütigung hätte ich mich wahrscheinlich nicht so schnell erholt. Nun, im Grunde hätte sich Herr von Karajan schämen müssen, aber sowas kannte er vermutlich nicht.
Jan Van Karajan (01.11.2024, 22:35): Karajan war ein Machtmensch, er hat wahrscheinlich gar nicht darüber nachgedacht, was er dem Hornisten mit dieser Entscheidung angetan hat. Und ist es nicht beschämend, dass Frauen es in diesen beiden so großen Orchestern so schwer hatten? 1982 und 1997 sind jetzt noch nicht sooo lange her (sagt ein Jahrgang 2003 ;) )
Sfantu (01.11.2024, 22:57): Bei HvK möchte ich nur an den Fall "Mutter" erinnern, die auch nur durch HvK ins Orchester kam. Der Fall Mutter?? War Frau Mutter mal Berliner Philharmonikerin?
BM-LvB (02.11.2024, 05:13): Karajan war ein Machtmensch, er hat wahrscheinlich gar nicht darüber nachgedacht, was er dem Hornisten mit dieser Entscheidung angetan hat. Und ist es nicht beschämend, dass Frauen es in diesen beiden so großen Orchestern so schwer hatten? 1982 und 1997 sind jetzt noch nicht sooo lange her (sagt ein Jahrgang 2003 ;) ) Sooo jung bischt? Mein Gott, und ich dachte, hier sind wir "alten Säcke" unter uns :)
Natürlich war Karajan ein Machtmensch, doch auch er war ein "Kind seiner Zeit", was die Stellung der Frauen betraf.
Otto Klemperer, befragt nach Herrn von Karajan, antwortete "vernichtend" : "Och, er hat eine sehr nette Frau".
Sagt alles, oder?
Hör mal in die "Neue Welt" von Klemperer rein. Da wird es Dir wie Schuppen von den Ohren fallen. "Ein Feuer kann auch langsam brennen, umso intensiver ist die Glut", schrieb einst ein Kritiker über diesen Dvorak. Obwohl Karajans Deutung (live in den 60ern Rheingold-Halle Mainz) absolut perfekt (nur perfekt?) daher kam...
Ein Kollege von mir, Musikkritiker der "Allgemeinen Zeitung" Mainz, nach dem furiosen Finale an mich gewandt: "Hat sie das vom Hocker gerissen?".
Es hatte mich vom nicht vorhandenen Hocker gerissen...
Nice day, und weiter so, Du Jungspund! :)
Jan Van Karajan (02.11.2024, 10:02): Sooo jung bischt? Mein Gott, und ich dachte, hier sind wir "alten Säcke" unter uns
Natürlich war Karajan ein Machtmensch, doch auch er war ein "Kind seiner Zeit", was die Stellung der Frauen betraf.
Otto Klemperer, befragt nach Herrn von Karajan, antwortete "vernichtend" : "Och, er hat eine sehr nette Frau".
Sagt alles, oder? Tatsächlich seid Ihr hier nicht ganz unter Euch, soweit ich weiß, müsste ich sogar im Moment das jüngste aktive Mitglied des Forums sein :) . Vielen Dank für die Anregung mit Klemperer, den hatte ich mit Dvorak tatsächlich überhaupt nicht auf dem Zettel :thumbsup:
Maurice inaktiv (02.11.2024, 11:36): Der Fall Mutter?? War Frau Mutter mal Berliner Philharmonikerin? Ich hatte Frau Mutter mit Frau Meyer verwechselt. Sorry, mein Fehler. Das war übrigens 1982 gewesen.
Nicolas_Aine (06.11.2024, 21:27): Naja, Mutter ist ja auch nicht ganz falsch, die hat Karajan ja auch in Berlin angeschleppt, wenn auch vors und nicht ins Orchester :)
Wie dem auch sei, bei mir gibts heute abend diese fantastische GA:
Beethoven: Sonaten für Klavier & Violine
Isabelle Faust, Violine Alexander Melnikov, Klavier
Ich beginne am Ende mit der 10. Sonate G-Dur Op. 96
Andréjo (06.11.2024, 22:28): Naja, Mutter ist ja auch nicht ganz falsch, die hat Karajan ja auch in Berlin angeschleppt, wenn auch vors und nicht ins Orchester :) Eben - denn ich war zunächst ein wenig erstaunt über die sanfte Kritik von Sfantu fünf Beiträge weiter oben. Aber gut: Dann war das auch von mir eine Fehlleistung. Ob Freud eine Rolle spielt, weiß ich nicht. ... ;) :)
BM-LvB (09.11.2024, 05:29): Immer wenn ich Beethoven 6 höre (hier Barenboim Proms 2012) denke ich: Niemals wurde größere Musik geschrieben...
https://youtu.be/aW-7CqxhnAQ?si=Ez2XYXwDRYUy-CyS
BM-LvB (10.11.2024, 08:55): Guten Morgen Euch Lieben - schon wieder mit Beethoven 6!
Schaut Euch bitte mal an, wie der alte Herr Klemperer die Partitur liest, obwohl er das Werk was weiß ich wie viele Male dirigiert hat.
"Inwendig muss man dirigieren, nicht auswendig"
Das Ergebnis ist grandios!
https://youtu.be/bz8Fp-Wm0U4?si=lNNSgPbfWlf3ovl9
Joe Dvorak (10.11.2024, 18:39):
Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonien Nr. 25 & 29 / Klarinettenkonzert
Wiener Philharmoniker, Leonard Bernstein Sinfonie Nr. 29 A-Dur, K. 201 (186a) Sinfonie Nr. 25 g-Moll, K. 183 (173dB) Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, K. 622 + Peter Schmidl Irgendwie scheint die späte Sonntagnacht bei mir immer wieder mit einer Affinität zu Mozart in den Lesearten der alten Schule zu korrelieren. Das gefällt, und man kann sich bei diesen Klängen ganz in himmlische Zuversicht fallen lassen.
Paul Juan (1872-1940) wurde im Zarenreich geboren (Moskau) und verstarb 1940 in der Schweiz. 1897 ließ er sich in Berlin nieder, wo er 1906 von Joseph Joachim an die dortige Hochschule als Professor für Komposition und Kammermusik berufen wurde. 1934 ging er vorzeitig in Pension und ging in die Schweiz, wo er Vorfahren hatte. So entging er dem Nazi-Reich relativ problemlos.
Seinen Stil einfach als "spätromantisch" zu beschreiben, wäre zu einfach. Er hatte einen eigenen Stil, der aber an die Spätromantik angelehnt war. So würde ich es mal beschreiben. Als Dozent war er u.a. der Lehrer von Heinrich Kaminski, Nikos Skalkottas und Stefan Wolpe.
Andréjo (17.11.2024, 14:38): Seinen Stil einfach als "spätromantisch" zu beschreiben, wäre zu einfach. Er hatte einen eigenen Stil, der aber an die Spätromantik angelehnt war. So sehe ich das auch. Es sind gewisse Modernismen, Reibungen enthalten. Ich kenne allerdings nur Kammermusik, die Streichquartette, an denen man gut seine Entwicklung studieren kann, und andere kleine Sammlungen, die man offenbar gar nicht mehr so leicht erhält.
Maurice inaktiv (17.11.2024, 15:39): So sehe ich das auch. Es sind gewisse Modernismen, Reibungen enthalten. Danke für Deine Rückmeldung und Bestätigung meiner Einschätzung. Einen "russisischen Einschlag", wie es ein JPC-Rezensent beschrieben hat, kann ich nicht erkennen.
Ich kenne allerdings nur Kammermusik, die Streichquartette, an denen man gut seine Entwicklung studieren kann, und andere kleine Sammlungen, die man offenbar gar nicht mehr so leicht erhält. Die ich wiederum nicht kenne.
Die Strecihquartette von CPO bietet JPC gerade für 9,99 € an.
Markus S (22.11.2024, 19:26): Heidelberger Sinfoniker - Symphony No. 62 in D Major, Hob. I:62: IV. Finale. Allegro
https://youtu.be/8TeZ_UADOmQ?si=NduRj5YYJIOaodc_
Joe Dvorak (28.11.2024, 09:21):
Sergej Prokofiev - Sinfonie Nr. 1 D-Dur, op. 25 / Romeo und Julia Suite I, op. 64bis & Suite II, op. 64tar
Strasbourg PO, Aziz Shokhakimov
Markus S (04.12.2024, 18:49): In erster Linie höre ich zurzeit die Sinfonien von Haydn in der Gesamtedition der Heidelberger Sinfoniker, siehe auch: Die Sinfonien von Josef Haydn
Aktuell bin ich fasziniert von der Symphony No. 6 in D Major, Hob. I:6 "Le matin": I. Adagio - Allegro
https://youtu.be/d44mLWfO-us?si=DYa7MQdumzNBzVWf
Joe Dvorak (05.12.2024, 04:26): Wahrscheinlich ist es anderen auch schon so ergangen. Plötzlich hat man aus heiterem Himmel eine Passage aus einem Werk im Kopf und kommt nicht drauf, was es ist, will es aber unbedingt wissen und versucht ein Stück "weiterzuhören " bis man zum Thema oder einem bekannten Motiv kommt, aber es bricht jedes Mal ab. Und wenn man aufgegeben hat und nicht mehr daran denkt, läuft es auf einmal weiter.
So geschehen heute morgen und es stellte sich als Mahler 3 heraus. Die wurde gleich geströmt - mit zwei Stunden auf dem Rücksitz im Auto waren ausreichend Zeit und Ruhe (ANC-Kopfhörer) vorhanden.
Ich habe kein einbettbares Bild zu der Aufnahme gefunden, daher nur der Link:
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 3 Liang Ning (Mezzosopran), Xiamen PO, Fu Renchang
Joe Dvorak (20.12.2024, 14:33): Ich höre gerade das Rauschen der Meeresbrandung. Es ist keine Musik, aber wird oft als angenehm empfunden. Wenn der Mensch in künstlerischer Absicht ähnliche Klänge ohne Harmonie und Rhythmus erzeugt, wird es meist als unangenehm empfunden und mit dem Hinweis abgelehnt, das sei keine Musik. Seltsam das.
Maurice inaktiv (20.12.2024, 17:29): Ich höre gerade das Rauschen der Meeresbrandung. Es ist keine Musik, aber wird oft als angenehm empfunden. Wenn der Mensch in künstlerischer Absicht ähnliche Klänge ohne Harmonie und Rhythmus erzeugt, wird es meist als unangenehm empfunden und mit dem Hinweis abgelehnt, das sei keine Musik. Seltsam das. Es sind Geräusche, die bekanntlich nicht unbedingt Musik in den Ohren der MUSIKhörer sein müssen. Dass "Musik aus Tönen und Geräuschen" bestehen kann, hat aber bekanntlich Wilhelm Busch bereits so treffend geschrieben. Übrigens betrifft das auch Windmaschinen oder Gongs in jeder Form. Man muss da schon abstrakt denken können (oder wollen) um das besser zu verstehen.
Ich persönlich würde Wellenrauschen auch nicht als Musik bezeichnen für den Bereich, den ich abdecke. Da gibt es keine Aufnahmen, die so etwas mit einbezogen haben. Das erste Mal, dass ich so etwas auf einer Jazz-Aufnahme gehört habe war bei einem Album von Dizzy Gillespie aus den 1960-er Jahren gewesen (mit Lalo Schifrin am Klavier übrigens).
Gongs kamen da schon früher vor, um mal ein Gegenbeispiel zu bringen. Bekanntermaßen hat der Drummer Duke Ellingtons, Sonny Greer, ein riesiges Instrumentarium aufgebaut (incl. Kesselpauken und diversen Gongs und exotischen Becken). So ein Drumset wurde erst in den 1960-er Jahren bei diversen Drummern "Standard".
Ich möchte damit sagen, dass es nicht zu jeder Zeit Dinge gibt, die man heute als "normal" bezeichnen würde. Wobei ein Meeresrauschen sicher alles andere als "Standard" ist. Eine Windmaschine hat es in Vaughan-Williams' Sinfonie Nr.7 gegeben. Auch bei Telemann und Ramau soll es bereits Windmaschinen gegeben haben, ganz sicher bei Richard Strauss.
BM-LvB (22.12.2024, 09:44): 2.Satz Beethoven KK 5 - ich weine dabei. Schöne, friedvolle Weihnachten und ein Gutes Neues, Euch Lieben hier. Bleibt oder werdet gesund!
Maurice inaktiv (25.12.2024, 14:42):
Max Reger : Klarinettenquintett, op. 146 Henri Marteau : Klarinettenquintett, op. 13
Klaus Kampl (Klarinette) - Quartetto di Roma
Mit Weihnachten und der entsprechenden Musik habe ich extrem Probleme. Vaughan Williams' wunderbare Weihnachtsmusik, eigentlich gerne von mir gehört, wenn denn die Zeit dafür reif wurde, ging nicht an mich. Daher habe ich das abgebrochen.
Da probiere ich es mal mit mehr melancholischer Musik, noch dazu dem letzten Werk von Max Reger überhaupt, seinem Klarinettenquintett, welches er am 16.12.1915 vollendet hatte, aber erst im April 1916 noch letzten Korrekturen vornahm und am 01.Mai 1916, ganz kurz vor seinem Tode bei seinem Verleger Simrock einreichte. Am 11.Mai 1916 ist Reger dann verstorben.
Na, es geht doch !! Das Werk habe ich durch die "Berliner Besetzung" mit Wenzel Fuchs als Klarinettensolist das erste Mal gehört und war begeistert von der wunderbaren Musik Regers, den ich auch sonst sehr schätze.
Kampls Ton empfinde ich beim Hören als "feiner", weicher" und auch "zurückhaltender" als etwa jenem von Wenzel Fuchs. Ob es damit was zu tun hat, dass Fuchs viel Orchestermusik macht, während Hampl sich weitaus mehr der Kammermusik widmet, vermag ich nicht zu sagen. Aus eigener Erfahrung würde ich es aber damit verbinden. Ich schreibe das aus eigener Erfahrung heraus, aber es ist auch nur meine persönliche Ansicht, die nicht stimmen muss.
Markus S (25.12.2024, 15:54): Neuer Heidelberger Haydn. Werkstattkonzert - Heidelberger Sinfoniker - Johannes Klumpp
Programm: Sinfonie Nr. 3, G-Dur I. Satz Allegro Sinfonie Nr. 13, G-Dur II. Satz Adagio cantabile Sinfonie Nr. 3, G-Dur III. Satz Menuett Sinfonie Nr. 3, G-Dur IV. Satz Allegro Sinfonie Nr. 14, A-Dur I. Satz Allegro Sinfonie Nr. 14, A-Dur III. Satz Menuetto. Allegretto Sinfonie Nr. 108, B-Dur IV. Satz Presto Sinfonie Nr. 12, E-Dur I. Satz Allegro Sinfonie Nr. 12, e-Moll II. Satz Adagio Sinfonie Nr. 12, E-Dur III. Satz Presto
Maurice inaktiv (26.12.2024, 11:18):
Vasily Kalinnikov : Sinfonie Nr.1 , g-moll
Royal Scottish National Orchestra , Neeme Järvi
Hier weiterin Musik fern von Weihrauch und Weihnacht.
Vasily Sergejewitch Kalinnikov verstarb bereits zwei Tage vor seinem 35. Geburtstag sehr früh. Entsprechend wenig Werke hatte er geschrieben, da er bereits früh krank war und recht ärmlich leben musste. Immerhin gibt es u.a. zwei Sinfonien, wovon ihn die Erste den größten Erfolg brachte.
Er verstarb am 29.12.1900, also vor inzwischen 124 Jahren. Heute gedenke ich an ihn.
Sfantu (26.12.2024, 17:50):
Benjamin Britten
"A boy was born" op. 3
Corydon Singers (LP, hyperion, 1984)
Diese knapp halbstündige A cappella-Kantate des neunzehnjährigen Britten für vierstimmigen Chor erzeugt eine Weihnachtsstimmung der Innenschau, wie sie intimer, meditativer kaum sein könnte. Klappentext-Autor Kenneth Dommett streicht den Einfluß Alban Bergs heraus. Dieser sei hier weit ausgeprägter als jener der britischen Pastoral-Schule der Entstehungszeit.
Fernab des gewohnten weihnachtlichen Pomps findet man hier wirklich Besinnliches.
Allen eine gesegnete, friedliche Weihnacht! Und hurra!!! Sie ist weiß bei uns!!!
Maurice inaktiv (27.12.2024, 08:47):
Vasily Kalinnikov : Sinfonie Nr.2, A-Dur
Royal Scottish National Orchestra , Neeme Järvi
Maurice inaktiv (27.12.2024, 09:38):
Georg Wilhelm Rauchenecker : Sinfonie Nr.1, f-moll, Sinfonisches Tonwerk im Stil einer Ouvertüre, Orientalische Phantasie
Musikkollegium Winterthur , Howard Griffiths , Sebastian Bohren (Geige) , Sarastro Quartett
Ein mir völlig unbekannter Komponist der Romantik, in München geboren, aber vor allem in der Schweiz erfolgreich, wurde vom Label CPO 2020 "entdeckt", sicherlich unter der maßgeblichen Mithilfe des Dirigenten Griffiths, der in der Schweiz lebt und auch sehr erfolgreich tätig war und noch immer ist.
Seine 1.Sinfonie wurde am 23.02.1876 in Winterthur uraufgeführt. Hier spielt also jenes Orchester, was auch die Uraufführung spielte. Die Sinfonie entstand noch vor den ersten Wagner-Festspielen (Rauchenecker gehörte zu den "Wagnerianern") und der Uraufführung von Brahms Ersten.
Das Werk enthält aber kaum Nachweise, dass er hier von Wagner beeinflusst wurde. Er widmete das Werk Herzog Max von Bayern, dem Vater von der legendären "Sisi". Es wurde nachweislich 1932 in Elberfeld vermutlich das letzte Mal öffentlich gespielt, wo Rauchenecker selbst von 1885-1906 selbst als Musikdirektor tätig war.
Maurice inaktiv (29.12.2024, 09:10):
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 5 Stuttgarter Philharmoniker, Gabriel Feltz Solo-Trompete: Sebastian Zech , Solo-Horn: Stefan Helbig
Der Name Gabriel Feltz (*1971) war mi bisher nicht geläufig, daher musste ich erst mal googlen. Da erfährt man dann, dass er zuerst in Hamburg Assistent bei Gerd Albrecht war, dann in Lübeck und Bremen, dann 2000-2005 GMD am Theater in Gera/Altenburg (Thüringen Philharmonie), 2004-2013 eben in Stuttgart (Chefdirigent), ab 2013 bis 2025 in Dortmund GMD war. Ab 2025 tritt er als GMD eine neue Stelle in Kiel an.
Hier hat er mich jedenfalls nicht von den Socken gehauen. Alles bewegt sich mehr oder weniger in "neutralen", mittleren Bereich. Das Adagio ist recht langsam geraten. Er vermeidet die Extreme, aber etwas mehr Abstufung der einzelnen Lautstärke-Bereiche wäre schon schön gewesen. Okay, das ist eine Live-Aufnahme, aber es klingt für mich so, als ob jemand eine dünne Decke über die Mikrofone gelegt hatte von der Tontechnik aus.
Mir hat bereits der Biss bei der Eröffnungsfanfare gefehlt. Ich habe wirklich viele Einspielungen dieses Werkes vorliegen und gehört, diese hier würde ich aber in den hinteren Bereich setzen. Da lobe ich mir die die "Billig-Einspielung" von Arte Nova und dem Orchester aus Gran Canaria. Die läuft vielen etablierten Veröffentlichungen den Rang ab, dieser hier ist sie um Längen überlegen.