Toivo Kuula - South Ostrobothnian Suites No. 1, op. 9 & No 2, op. 20
Turku PO, Leif Segerstam
Die kunstvoll orchestrierten Südösterbotten-Suiten des Sibelius-Schülers sollten ein Fest sein, wenn man die Sinfonischen Dichtungen des Lehrers liebt, aber sich daran sattgehört hat. Eine dicke Empfehlung.
Philidor (01.01.2026, 11:43): Hier Bach zum neuen Jahr.
Johann Sebastian Bach
"Lobe den Herrn, meine Seele" BWV 143 "Singet dem Herrn ein neues Lied!" BWV 190 (rekonstruiert von Masato Suzuki)
BWV 143: Ingrid Schmithüsen, Makoto Sakurada, Peter Kooy BWV 190: Robin Blaze, James Gilchrist, Peter Kooy
Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Allen ein frohes neues Jahr! Umarmt die Veränderungen, die ihr wahrnehmt und geht ihnen freudig entgegen!
Joe Dvorak (02.01.2026, 03:03): JLL-#63/233
Heinrich Biber - 16 Sonaten über die 15 Mysterien des Rosenkranzes für Violine und Basso Continuo (Mysterien-Sonaten oder Rosenkranz-Sonaten, ca. 1676)
Rachel Podger (Violine), Marcin Świątkiewicz (Cembalo, Orgel), Jonathan Manson (Violoncello, Viola da gamba), David Miller (Theorbe, Laute)
Dieses spektakuläre, geheimnisumwitterte Werk sind der Hammer. Von "rockender" archaischer Folklore bis zu "Farbenmusik“, die auf das 20. Jahrhundert vorausweist, ist alles drin.
Philidor (02.01.2026, 07:31): Dieses spektakuläre, geheimnisumwitterte Werk sind der Hammer. Von "rockender" archaischer Folklore bis zu "Farbenmusik“, die auf das 20. Jahrhundert vorausweist, ist alles drin. Oh ja, der Biber wäre auch mal wieder dran ...
... hier Neujahrsbach:
Johann Sebastian Bach: "Jesu, nun sei gepreiset" BWV 41
Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Jan Kobow, Dominik Wörner Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Johann Sebastian Bach: "Fallt mit Danken, fallt mit Loben" (Teil IV des Weihnachtsoratoriums BWV 248)
Monika Frimmer, Yoshikazu Mera, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (02.01.2026, 16:33): Empfohlen von einem gewissen David ... Hörwitz, Hervits, Höhrits, irgendsowas.
Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43
Concertgebouw Orchestra George Szell
Als "beste Aufnahme" beszeichnet. Nun ja. Ich meine, wer bei einem Werk des Mainstreams mit 100+ Aufnahmen eindimensional von einer "besten Aufnahme" spricht oder schreibt, der hat seine Kompetenz bei so komplexen Themen wie klassischer Musik bereits widerlegt.
Philidor (02.01.2026, 17:23): Auf ein Neues!
JLL-#62/233
Toivo Kuula - South Ostrobothnian Suites No. 1, op. 9 & No 2, op. 20
Turku PO, Leif Segerstam
Die kunstvoll orchestrierten Südösterbotten-Suiten des Sibelius-Schülers sollten ein Fest sein, wenn man die Sinfonischen Dichtungen des Lehrers liebt, aber sich daran sattgehört hat. Eine dicke Empfehlung. Hmjaaaa ... also, erstmal herzlichen Dank für die Empfehlung! Solches sauge ich gerne auf.
Die Südostbottnischen Suiten fand ich nun jedoch Lichtjahre in puncto Genialität von Sibelius' Sinfonischen Dichtungen entfernt ... Pohjolas Tochter, Luonnotar, Kullervo, das ist doch mMn eine ganz andere Liga ....
Nach dem Hören der zweiten Suite muss ich meine Worte ein wenig revidieren. Die zweite Suite ist mMn deutlich ambitionierter und progressiver, ebenso das Präkudium und Fuge. Da mag ich durchaus an Sibelius denken.
Also nochmal: Danke für die Empfehlung!
Philidor (03.01.2026, 08:52): Hier nochmal Neujahrsbach. Womit dieses Kapitel nun abgeschlossen ist.
Johann Sebastian Bach
"Herr Gott, dich loben wir" BWV 16 "Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm" BWV 171
Rachel Nicholls, Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (03.01.2026, 15:01): Höchste Zeit, entlang meiner Liste weiterzuhören.
Krzysztof Penderecki: Passio et mors Domini nostri Jesu Christi secundum Lucam
Izabella Klosinska, Sopran Adam Kruszewski, Bariton Romuald Tesarowicz, Bass Krzyzstof Kolberger, Evangelist Jaroslaw Malanowicz, Orgel Warsaw National Philharmonc Choir and Orchestra Antoni Wit
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, Gardner)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, Lukas-Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Cambreling)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (03.01.2026, 16:53): Hier gibt's nun, immer noch angeregt von Joe, Tondichtungen von Jean Sibelius:
Jean Sibelius
En Saga op. 9 Pohjolas Tochter op. 49 Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang op. 55 Die Okeaniden op. 73 Tapiola op. 112
Lahti Symphony Orchestra Osmo Vänskä
Sfantu (03.01.2026, 16:58):
Sergeij Prokofiew
Kklavierkonzert Nr. 2 g.moll op- 18
Alexander Toradse, Orchester des Marinsky-Theaters Sankt Petersburg - Valeri Gergiew (CD, Decca, 1997, Wiederveröffentlichung 2012, AD: Juli 1995)
Seit jeher habe ich ein Faible für dieses Stück. Und höre es daher am häufigsten unter den Prokofiew-Konzerten. Bei Toradse / Gergiew wird das Hören jedesmal zum Ereignis durch den fast schon audiophilen Klang. Es herrschen höchste Transparenz und eine imposante dynamische Spannbreite. Die meisten Orchesterstimmen schaffen es selbst in lauteren Tutti-Stellen bis ans Ohr des Hörers (Holzbläser, Tuba). Spricht das nun für entsprechend sorgfältige Probenarbeit? Oder gab die Akustik des Aufnahmeortes den Ausschlag (Konzerthalle Mikkeli, Finnland)? Oder traf beides zu? Ich kann diese Version also unter dem beschriebenen Aspekt genießen - auch, wenn mir andere Einspielungen mehr interpretatorische Pluspunkte aufweisen. Es werden mit Ausnahme des Scherzos gemessene, manchmal fast schleppende Tempi gewählt und gerade das beißend ironische, fast bösartige Katz-und Maus-Finale könnte mehr auf den Punkt gebrachte Attacke des Orchesters vertragen. Ausgerechnet dem Schlußakkord fehlt es ein wenig an Aplomb. Das Scherzo dagegen wird in einem beinahe grotesken Affenzahn abgeschnurrt - ging es hier etwa um Rekordzeiten? Die Musik verträgt diesen Ansatz zwar - allein sie klingt für mich überzeugender, wenn man sich etwas mehr Zeit läßt. Hier ist man jedenfalls hart am Anschlag dessen, was spieltechnisch möglich ist. Ähnlich verhetzt machen das Gutiérrez / Järvi (Chandos): 2'26. Für meinen Geschmack genau auf den Punkt gegart erklingt es bei Feltsman / MTT (Sony): 2'42.
Sfantu (03.01.2026, 18:46): Ich schließe mich an und folge ebenfalls dem (lange nicht gewanderten) Weg der Nordmanntanne.
Jean Sibelius
Tapiola op. 112 18'41 Öinen ratsastus ja auringonnousu (Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang) op. 55 14'15
Akademisches Sinfonieorchester der Moskauer staatlichen Philharmonie - Vassily Sinaiski (CD, Le chant du monde / harmonia mundi France, 1992)
Gediegene Interpretationen, phasenweise etwas - nein, "hemdsärmelig" wäre das falsche Wort - rauh und wenig gefiltert. Mir gefällt dieser Ansatz. Ordentliche Aufnahmequalität.
Philidor (03.01.2026, 19:24): Auch den Wozzeck-Faden wollte ich wieder aufnehmen.
Alban Berg: Wozzeck op. 7
Wozzeck -Bo Skovhus Marie - Angela Denoke Tambourmajor - Jan Blinkhof Hauptmann - Chris Merritt Doktor - Frode Olsen Andres - Jürgen Sacher Margret - Renate Spingler
Kinderchor Cantilene Chor der Hamburgischen Staatsoper Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Ingo Metzmacher
Ja, sehr fein. Wo Barenboim die Wurzeln der Musik im 19. Jhd. aufzeigte und ein Maximum an Wohlklang aus der Musik zauberte, entsteht bei Metzmacher ein modern wirkendes Klangbild, die Härten hervorhebend, unversöhnlich, konfliktbeladen.
Sfantu (03.01.2026, 21:32):
Daniel Philip Hefti *1975
Streichquartett Nr. 1 "Phrasen" (2007)
Leipziger Streichquartett (CD, MDG, 2012)
Im Traume 8'30 Ruhelos 3'52 Silhouette 6'50
Dem ersten Quartett dienten Hefti Briefwechsel zwischen Clara und Robert Schumann sowie zwischen Leoš Janáček und seiner Frau einerseits als auch zwischen Janáček und seiner jugendlichen Angebeteten andererseits als Ideengeber. Hefti mag durch all das inspiriert worden sein - mir helfen derlei Hinweise nicht weiter. Es war, ist und bleibt ein Paradoxon: neue Musik höre ich gern und oft. Über sie etwas Gescheites oder Nachvollziehbares zu Papier zu bringen - daran scheitere ich aber regelmäßig - der hier beklagte Knoten ist weiterhin fest verzurrt. Am ehesten tauglich scheint mir folgende Kurzcharakterisierung aus dem Booklettext:
führt im Fall des ersten Satzes von einer innerlich höchst bewegten Flächigkeit zu einer äußerst ruhigen Statik, im zweiten zu von einem mit Pausen durchbrochenen Presto zu obsessiven Repetitionen, im dritten von schattenhaften Klängen zu einem einsamen Parlando der Bratsche, das im Cello still verebbt. Und ich versuche es trotz allem nochmal selbst: Im Kopfsatz bestimmt eine nervös meandernde Stimmung das Geschehen: bei den drei höheren Streichern übernimmt einer konstant eine getriebene, zittrige Auf-und Ab-Bewegung von vier Tönen, welche sich nie als gebrochener Dur-oder-Moll-Dreiklang festlegen lassen, da sie immer haarscharf an dabei zu erwartenden Intervallsprüngen "vorbei" zielen. Bildlich wahrgenommen: ein unaufhörlich zuckendes Oszillogramm. Das Cello kontrastiert das Geschehen mit scharf platzierten Gegenstimmen - harsch hineinfahrend, mehrheitlich in knappen Zeitwerten, oft auch perkussiv. Ein hypnotisch wirkender Ausklang in liegenden Tönen schließt sich wie ein Fremdkörper an.
Der knappere Mittelsatz entzieht sich fast der Umschreibung - so kaleidoskopartig sind Stimmungen, Rhythmen, Dynamik, Interaktionen, innere Bezüge.
In der "Silhouette" schließlich passiert während der ersten halben Minute nicht viel mehr als nichts. Die Klangereignisse erscheinen mehr zufällig: Atmen, Geräusche, die beim Hantieren / Positionieren der Instrumente wie beiläufig entstehen. könnten? Der Eindruck des Schattenhaften, wie Meyer es nennt, mithin Silhouettenhaften vermittelt sich tatsächlich. Durch vielgestaltige Irritationen: Polyrhythmik, überrumpelnde Wechsel zwischen Stagnieren und Agieren. In zwei Abschnitten entsteht durch eigenartige Ballungen von Tonformanten der Eindruck hoher und mittlerer Frauenstimmen. Die Schatten und Schemen einigen sich beim leiser werdenden Davonschleichen auf mehrheitlich einvernehmliche, besänftigte Linien - wenn auch gern mit schneidenden Sekundreibungen.
Wärmste Empfehlung für diese spannende Musik! Noch dazu in dieser engagierten Darbietung!
Die Quartette 2, 3 und 4 hatte ich im Anschluß ebenfalls gehört. Energie und passende Worte dazu stehen mir hier und heute nur leider nicht mehr zur Verfügung - das Dilemma besteht fort...
Philidor (04.01.2026, 10:25): @Sfantu: Danke für die Anregung zu Hefti!
Hier gab's Bach zum Sonntag nach Neujahr:
Johann Sebastian Bach
"Schau, lieber Gott, wie meine Feind" BWV 153 "Ach Gott, wie manches Herzeleid" BWV 58
BWV 153: Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy BWV 58: Carolyn Sampson, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (04.01.2026, 12:19): Na, das Finale der "Évocation" ist ja ein ganz schöner Kracher ...
Hmmmm .... sollte ich mcih eingehender mit Duprés Orgelwerken befassen? Abseits der wohlbekannten "Drei Präludien und Fugen" op. 7, den "Variations sur un vieux Noel" op. 20 und der "Symphonie-Passion" op. 23?
Philidor (04.01.2026, 15:08): Hier gab's mal wieder einen der großen Schinken.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 3 d-Moll
Anne Sofie von Otter, Mezzosopran Wiener Sängerknaben Frauenchor des Wiener Singvereins Wiener Philharmoniker Pierre Boulez
Habe vor etwa acht Jahren aufgrund einer Anregung in einem der Foren dieser Welt diese Aufnahme angeschafft, weil sie in den höchsten Tönnen gelobt wurde und Mahler 3 schon eine Top-10-Sinfonie für mich ist. Beim Hören war ich enttäuscht ... kristallklar, transparent, aber ziemlich unterkühlt.
Heute wurde ich abermals angeregt, die Aufnahme nochmal zu hören. Na ja - hätten wir nur diese eine Aufnahme, wir würden sie preisen. Preisen für Ihre unglaubliche Transparenz, die jedes Detail in Mahlers komplexer Paritur offenlegt. Preisen für die Geradlinigkeit der Wiedergabe. Preisen für das wunderbare Solo von Anne Sofie von Otter.
Aber wir haben nicht nur diese eine Aufnahme. Boulez liefert alle Noten bestens hörbar ab, soweit ich das sagen kann. Doch Mahler selbst wird der Ausspruch zugeschrieben: "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten", und ich bin nicht sicher, ob Boulez jenseits der Noten das Beste des Werks gefunden hat und zur Wiedergabe brachte. Denn so transparent und gelassen Boulez das Werk auch ausbreitet, es wirkt auf mich bisweilen ein wenig steif, ein wenig mechanisch exekutiert, ein wenig unbeteiligt.
Wo entsteht da die Welt, von der Mahler sagte, dass sie das Wesen einer Sinfonie sei? ("Eine Symphonie muss wie eine Welt sein; sie muss alles enthalten.") Mit anderen Aufnahmen im Ohr - vor allem Bernstein (DG) und Iván Fischer - meine ich, dass dieser Wiedergabe das Beste fehlen mag, und dass die beschworene Welt nur als Bleistiftzeichnung entsteht. Boulez bleibt in einer Vorstufe des Schaffens einer Welt stecken. Das auf allerdings höchstem Niveau.
Alles wie immer nur imho.
Philidor (05.01.2026, 07:51): Ein Nachtrag zum gestrigen Sonntag nach Neujahr.
Johann Sebastian Bach: "Ehre sei dir, Gott, gesungen" (Teil V des Weihnachtsoratoriums BWV 248)
Monika Frimmer, Yoshikazu Mera, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (05.01.2026, 19:35): Hier wurde die Orgel kräftigst geschlagen.
Georg Muffat: Toccaten I - VIII (aus dem Apparatus musico-organisticus, 1690)
Michael Radulescu Sieber-Orgel in der Michaelerkirche zu Wien
Großartig gespielt.
Philidor (06.01.2026, 09:28): Moinsen! Heute ist Epiphanias (ev.) bzw. das Hochfest der Erscheinung des Herrn (kath.) bzw. Heilige Drei Könige.
Johann Sebastian Bach
"Sie werden aus Saba alle kommen" BWV 65 "Liebster Immanuel, Herzog der Frommen" BWV 123
BWV 65: James Gilchrist, Peter Kooy BWV 123: Robin Blaze, Andreas Weller, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (07.01.2026, 08:13): Eine war noch von gestern übrig.
Johann Sebastian Bach: "Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben" (Teil VI des Weihnachtsoratoriums BWV 248)
Monika Frimmer, Yoshikazu Mera, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (07.01.2026, 17:44): Nun eine übliche Einstiegsdroge in Richtung seriellem Kram.
Anton von Webern: Symphonie op. 21
London Symphony Orchestra Pierre Boulez
Markus S (07.01.2026, 19:34): Haydn - Sinfonie Nr 6. - Heidelberger Sinfoniker
https://youtu.be/d44mLWfO-us?si=ltzCfGC1kS_6VIVk
https://youtu.be/xmA658r0qzw?si=wvG6qKqM1XfEVVZL
https://youtu.be/PcPiX6f-4U0?si=ogUU5Y78FeWi365a
https://youtu.be/LyjikAvYbNk?si=BTLh5BDFn2rEk2D8
Joe Dvorak (08.01.2026, 05:02): Hier jemand, der stark von Webern beeinflusst war.
JLL-#65/233
Henri Pousseur - Works for Flute
Roberto Fabbriciani Litanie du miel matinal (Version für Flöte) Éclipticare ou les Périples constellés (Version für 3 Flöten) Éclipticare ou les Périples constellés (Version für 3 Bassflöten) Flexions I Scambi (für Tonband) Vers l’ile du mont pourpre Zeus joueur de flûtes (Célébrant les dix octannies d’Orphée étoilé) für Flöte, Tonband & Live-Elektronik + Roberto Fabbriciani (Co-Komponist), Alvise Vidolin (Elektronik) Litanie du miel vesperal (Version für Bassflöte)
Philidor (08.01.2026, 07:48): Hier nochmal der Anton (nicht aus Tirol):
Anton von Webern: Symphonie op. 21
Berliner Philharmoniker Herbert von Karajan
Philidor (08.01.2026, 07:54): Auf dem Weg zu den Seriellen.
Olivier Messiaen: Mode de valeurs et d'intensités (1949/50)
Roger Muraro, Klavier
Was als Experiment gedacht war, wurde später ernst genommen ... lustig.
Joe Dvorak (08.01.2026, 08:04): Anton von Webern: Symphonie op. 21
Berliner Philharmoniker Herbert von Karajan Eine meiner favorisierten "Sinfonien" - mindestens Top 10. :thumbsup:
Philidor (08.01.2026, 08:10): Jetzt wird's ernst.
Karlheinz Stockhausen: Kreuzspiel (1951)
Ives Ensemble
Joe Dvorak (09.01.2026, 04:00): JLL-#67/233
Johann Sebastian Bach - Pour l'éternitie - Cantates BWV 4, 106, 9 & 181 Montréal Baroque, Eric Milnes Christ lag in Todesbanden, BWV 4 Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit (Actus tragicus), BWV 106 Es ist das Heil uns kommen her, BWV 9 Leichtgesinnte Flattergeister, BWV 181 Bach ist meine Konstante. Er ist kein Favorit, es gab keine exzessiven Phasen wie etwa bei Haydn, Bruckner, Mahler oder Sibelius, aber er war im Gegensatz zu den Genannten auch nie für eine längere Zeit ganz abgeschrieben.
Philidor (09.01.2026, 07:51): Das Gesetz der Serie. Oder so.
Pierre Boulez: Structures pour deux pianos - Premier livre (1952)
Alfons und Aloys Kontarsky, piano (Aufnahme 1965)
Joe Dvorak (10.01.2026, 08:38): Da mache ich mit:
Pierre Boulez & John Cage - Structures & Music for Piano
Pi-Hsien Chen & Ian Pace (Klavier) John Cage - Music For Piano 42 Pierre Boulez - Structures, Premier Livre Structure 1a-1c Music For Piano 4-19 / 53-68 Pierre Boulez - Structures, Deuxième Livre Chapitre I & II John Cage - Music For Piano 47 John Cage - Music For Piano 53-84 Boulez' Strukturen, bei denen alle Parameter von einer Reihe diktiert werden, versus Cages Musik, bei der alle Parameter dem Zufall unterworfen sind. Eine spannende und faszinierende Gegenüberstellung, die mit hohem Unterhaltungswert den Intellekt anregt und den Denkraum erweitert. Mehr kann ich von Musik eigentlich kaum verlangen.
Philidor (10.01.2026, 10:22): Bleibt die Frage: Wie hört man serielle Musik?
Offenbar scheint das trainierte "Lauern" auf wiederkehrende Themen und Motive kein Schlüssel zu sein, weder im Sinne eines gesteigerten Hörerlebnisses noch im Sinne des Verstehens "wie es gemacht ist" noch im Sinne eines wie auch immer gearteten Verstehens der Musik.
Ich höre Punktereignisse verschiedene Höhe und Intensität, die geradezu eine räumliche Dimension erhalten - das gibt es in präserieller Musik eher selten, vielleicht im Agnus Dei der Missa Solemnis. Die Ausnahmen sind aber so prominent, dass man sie kennt. (Bei Mahler wird es dann fast Standard, z. B. im Beginn der 1. Sinfonie.) In der seriellen Musik scheint diese räumliche Dimension sinnstiftend zu werden.
Diese Punktereignisse treten in verschiedener Dichte auf.
Boulez hat einen Artikel zu seinen "Structures I" geschrieben, den muss ich nochmal heraussuchen. Wobei sein Schreiben für einen gelernten Mathematiker seltsam unscharf ist, mMn.
Philidor (10.01.2026, 10:50): Keine (total-)serielle Musik, doch die Anmutung im ersten Satz ist dicht dran ...
Anton von Webern: Symphonie op. 21
Staatskapelle Dresden Giuseppe Sinopoli
Philidor (10.01.2026, 11:08): Der Laborversuch, der ungeplant ins Freie gelangte (nein, nicht Corona ... und für Corona ist die Labor-Theorie wohl als äußerst unwahrscheinlich nachgewiesen ...)
Olivier Messiaen: Mode de valeurs et d'intensités
Hakan Austbo, piano
Philidor (10.01.2026, 14:12): Hier gab's noch Boulez.
Pierre Boulez: Livre pour quatuor, version 1962
Quatuor Parisii
Wie kann man diese Musik derart hören, dass die investierte Zeit als gewinnbringend wahrgenommen wurde?
Das Warten auf wiedererkennbare Motive oder gar Themen scheint nicht so zielführend zu sein wie etwa in einem Beethoven-Quartett oder in einer Bruckner-Sinfonie. Oder doch?
Am Ende seiner Analyse der „Structures Livre I“ schrieb Ligeti: „Die ‚Schönheit‘ einer solchen Komposition ist ganz anderswo zu suchen als bei den bisherigen.“ Okay. Aber wo?
Das „Livre pour quatuor“ ist wohl nicht seriell im Sinne der Totalordnung von Tonhöhe, Dauer, Lautstärke usw. Und doch hat Boulez schon damit experimentiert, wie die ersten Skizzen zum „Livre“ zeigen. Eine Pionierarbeit, die dann die erst im „Livre I“ der „Structures“ ein greifbares Ergebnis zeitigte, und wohl nur wenige Werke nach sich zog, die dieselbe tonsetzerische Konsequenz aufweisen.
‚Schönheit‘ muss wohl in den von allen außermusikalischen Konnotationen gereinigten Strukturen gefunden werden; der Name des Klavierstücks ist wohl Programm. Das scheint „Structures Livre I“, das „Livre pour quatuor“ und Weberns Symphonie op. 21 zu verbinden.
Und doch scheint es mir im „Livre pour quatuor“ Reste eines Ausdruckswillens zu geben, der noch nicht rein strukturell erklärt werden kann. Es scheint mir in dieser Beziehung mehr mit dem „Marteau sans maître“ verwandt zu sein als mit den „Structure“.
Ist das "Livre" eine Etappe auf dem Weg, der in die Sackgasse der "Structures I" führte? Wer weiß es?
Philidor (10.01.2026, 15:37): Und nochmal.
Pierre Boulez: Le marteau sans maître
Elizabeth Laurence, soprano Ensemble InterContemporain Pierre Boulez
Markus S (10.01.2026, 16:10): Aldrig · Benny Andersson
https://youtu.be/LYoW23aw7rs?si=Xel_DU8an42S3NiE
Philidor (10.01.2026, 17:05): Hier mal Russisches.
Nikolai Medtner
Klavierkonzert Nr. 1 c-Moll op. 33 Klavierquintett C-Dur op. posth.
Dmitri Alexeev, Klavier
BBC Symphony Orchestra Alexander Lazarev
New Budapest String Quartet
Philidor (10.01.2026, 18:00): Schnell wieder Boulez.
Claude Debussy
La mer Nocturnes
The John Alldis Choir New Philharmonia Orchestra Pierre Boulez
Sfantu (10.01.2026, 22:20): Seine acht Préludes für Klavier schrieb Frank Martin Dinu Lipatti auf den Leib. Zitat Martin: "Dies ist das Portrait von Lipattis Spielweise: Glanz sowie klangliche Reinheit. Und dieser innere Rhythmus, dieser Rhythmus, den nur "er" hatte, diese Art von Beben". Lipatti konnte einen Teil der Noten noch durchsehen und gutheißen. Die Stücke zu spielen, geschweige denn uraufzuführen - dafür war er von seiner todbringenden Erkrankung bereits zu sehr gezeichnet. Sind diese Préludes von auswegloser Klage, nackter Resignation durchdrungen, weil sie im Angesicht des nahenden Todes des Freundes und Widmungsträgers entstanden? Oder interpretiere ich das nur hinein?
Denise Bidal (LP, Gallo, ca. Anfang der 1980er)
Esther Flückiger (CD, nouva era, 1991)
Esther Flückiger scheint mir in allen entscheidenden Belangen die bessere Wahl zu sein. Denise Bidal zeigt allein schon spieltechnische Einschränkungen: Geläufigkeit und Eleganz, gestalterische Vielfalt lassen zu wünschen übrig - eine gewisse Behäbigkeit klingt allerorten durch. Auch ist der Klang nicht optimal austariert. Trotz (ausversehen) zweier Exemplare das gleiche Maß an tendenziell mulmigen Klangvaleurs, Übersteuerungen/Verzerrungen an den gleichen Stellen. Da sie nicht ausgesprochen ungenießbar und zudem die einzige Vinyl-Version in meiner Sammlung ist, behält sie Bleiberecht. Flückiger aber erspürt das gestalterische Potential auf das Schönste. Und unterstreicht den Stellenwert dieser Musik - will sagen: den Stellenwert, der ihr eigentlich zustünde.
Sfantu (10.01.2026, 22:22): @Markus S echt cool, dieses Andersson-Stück: eine leicht melancholische Stilkopie einer Polka Mazur.
Joe Dvorak (11.01.2026, 11:09): JLL-#68/233
Wie kann man diese Musik derart hören, dass die investierte Zeit als gewinnbringend wahrgenommen wurde? Diese Frage grenzt an einen Zen-Koan. Gestern beim kontrollierten Betrinken blitzte an dem Punkt, bei dem die rechte Gehirnhälfte durch das C₂H₆O die maximale Aktivität erlangt, ehe sich der Nebel niedersenkt, eine mögliche Lösung auf, aber bevor ich sie dingfest machen konnte, war sie wieder weg. Ich werde weiter darüber meditieren. Dazu passt das heutige Programm des Listenradios sehr schön:
Olivier Messiaen - Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité
Rudolf Innig (Orgel - Klais, Liebfrauenmünster, Ingolstadt)
Joe Dvorak (11.01.2026, 14:27): Pierre Boulez: Livre pour quatuor, version 1962 Ich habe mir soeben das Livre pour cordes angehört. Es handelt sich dabei um eine Überarbeitung zweier Sätze aus dem Quartettbuch für Streichorchester. Mit kaum mehr als 10 Minuten Spielzeit ist die zeitliche Investition überschaubar, und die Frage, ob es ein Gewinn war, wird damit beantwortet, dass ich das gleich nochmal hören musste.
Pierre Boulez - Livre de Cordes
Strings of the NYPO
Philidor (11.01.2026, 19:19): Schon heute morgen gab es eine Kantate zum Tage (1. Sonntag nach Epiphanias):
Johann Sebastian Bach: "Mein liebster Jesus ist verloren" BWV 154
Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Joe Dvorak (12.01.2026, 01:30): JLL-#70/233
Edvard Grieg - Holberg Suite / Musik für Streicher
Bergen PO - Ole Kristian Ruud
Zur Überprüfung von Vor- bzw. übernommenen Urteilen empfohlen. Eigentlich gehörte die ganze, acht Scheiben starke Box auf die Liste.
Philidor (12.01.2026, 07:38): Hier noch zwei Kantaten von gestern:
BWV 124: Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Andreas Weller, Peter Kooy BWV 32: Rachel Nicholls, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (12.01.2026, 21:06): Und nochmal sowas Serielles.
Pierre Boulez: Structures pour deux pianos (Livre I)
Alfons und Aloys Kontarsky, Klavier
Joe Dvorak (13.01.2026, 03:53): JLL-#71/233
John Cage / Earle Brown - Atlas Eclipticalis
Veronika Blachuta (Flöte), Nick Akdag (Fagott), Giovanni Todaro (Trompete), Zachary MacLurg (Posaune), Cecilia Cuccolini (Harfe), John Bickerton (Klavier, Elektronik, Realisierung), Jessica Townsend (Violine), Thomas McCluskey (Violoncello) John Cage - Atlas Eclipticalis w/ Winter Music, Variations IV, 0’00” (4’33” No. 2) Earl Brown - November 1952 & December 1952 John Cage - Radio Music Cage schrieb: Ohne Bevorzugung von etwas ist alles, auf das wir stoßen, genau passend. Das hat seine Grenzen. Heftige Zahnschmerzen finde ich nie passend. Aber die Haltung taugt als Annäherung für eine gewinnbringende zeitliche Investition in streng aleatorische Musik, wie auch in akustische Ausdrucksformen, für die man den unscharf begrenzten Begriff "Musik" besser durch "Klangorganisation" ersetzt.
Philidor (13.01.2026, 07:59): Ohne Bevorzugung von etwas ist alles, auf das wir stoßen, genau passend. Na ja. Passend wozu? akustische Ausdrucksformen, für die man den unscharf begrenzten Begriff "Musik" besser durch "Klangorganisation" ersetzt. Das gefällt mir.
Hier eklektisches Zeug:
John Luther Adams: Become Ocean
Seattle Symphony Ludovic Morlot
Andréjo (13.01.2026, 15:07): Ja, dieses eklektische Zeug, wo der Inhalt der drei CDs in der Tat eher knapp nicht auf eine einzige gepasst hätte , hab ich schon ein paar Mal ganz gerne (durch)gehört.
Dennoch bleibt ein seltsamer Eindruck: Was hier an großem Orchester benötigt wurde, klingt nicht einmal so gänzlich anders, als wenn man dafür einen Rechner mit dem üblichen Drum und Dran verwendet hätte. Und das sollte jetzt kein Kompliment sein an den Komponisten. :/ Oder ist es eher die Aufnahmetechnik? Ich weiß es nicht. Was ich weiß: Dass man - oder halt ich - hinterher wieder überzeugt etwas ganz anderes auflegt - irgendwo zwischen dem Streichquintett von Schubert und den sechziger Jahren von Ligeti ...
:hello Wolfgang
Philidor (14.01.2026, 07:29): wo der Inhalt der drei CDs Hä? Wo sind da drei CDs? - Aber danke für Deine Worte!
Hier 16saitiges am Morgen:
Esa-Pekka Salonen: Homunculus
György Ligeti: String Quartet No. 1 ("Métamorphoses nocturnes")
Kamus Quartet
Ich meine, den Ligeti schon besser gehört zu haben (Hagen, artemis). Aber der Salonen hat sich gelohnt.
:hello Wolfgang Ah - vielen Dank! Ich wusste gar nicht, dass "Become Ocean" ein Teil einer Trilogie ist. Dann harrt ja weiteres Hörfutter seinem Konsum ... danke Dir!
Philidor (15.01.2026, 07:59): Ich gönnte mir nochmals Salonens "Homunculus" und dann, dank des Andréjos Hinweises, noch dieses:
John Luther Adams: Become River
Seattle Symphony Orchestra Ludovic Morlot
Hmmmjaaaa ... also, das ist so ähnlich wie der Anfang der Alpensinfonie, nur länger.
Aber Strauss wusste, wann etwas Neues kommen muss.
Joe Dvorak (15.01.2026, 11:00): JLL-#74/233
Franz Schubert - Winterreise op. 89, D 911
Mathias Hedegaard (Tenor), Tove Lønskov (Klavier)
Ich hatte unlängst beschrieben, dass ich mit manchen der Texte im ersten Drittel meine liebe Mühe habe. Ich finde sie so übertrieben, ja, bisweilen abstoßend pathetisch, dass Empathie nicht drin ist. Einer der wenigen, die hier genügend Distanz für mich schaffen, ist der Tenor dieser Aufnahme. Das kommt vielleicht von seiner gestelzten und hart artikulierenden Art, die ebenso überzogen ist wie die Texte. Normalerweise kann ich mich mit einem solch unnatürlichen Gesangsstil überhaupt nicht anfreunden, aber was ist schon normal? Entscheidend ist das Hörerlebnis: Entweder die Protagonisten halten mich über die gesamte Distanz eng und involvierend bei der Stange oder sie werden weggeklickt. Die Dänen gehören - erst recht nachdem die kritische Phase überstanden ist und die Texte gehaltvoller werden - glasklar zur ersten Kategorie und in meine Top 3. Mindestens.
Andréjo (15.01.2026, 12:41): Ich gönnte mir nochmals Salonens "Homunculus" und dann, dank des Andréjos Hinweises, noch dieses:
John Luther Adams: Become River
Seattle Symphony Orchestra Ludovic Morlot
Hmmmjaaaa ... also, das ist so ähnlich wie der Anfang der Alpensinfonie, nur länger.
Aber Strauss wusste, wann etwas Neues kommen muss. :D Naja, es kommt halt hier partout garantiert nichts Neues. Aber wie ich oben schon festgestellt habe, sind die Nummern zwar unterschiedlich lang, aber doch nicht allzu - etwa im Vergleich mit einem Morton Feldman. Der Fluss fließt sogar nur eine Viertelstunde.
Mein Fazit: Das kann man gut gelegentlich hören, aber es ist wohl von keiner sonderlichen musikalischen Bedeutung, was der Luther Adams da geschrieben hat. Er war ja auch in erster Linie so eine Art Naturgenießer.
Lassen wir daher den Reformator weg - kleiner Scherz, Güteklasse weit unten - und hören wir mal wieder den Postminimalisms von John Adams:
:hello Wolfgang
Andréjo (15.01.2026, 12:46): Ich hatte unlängst beschrieben, dass ich mit manchen der Texte im ersten Drittel meine liebe Mühe habe. Ich finde sie so übertrieben, ja, bisweilen abstoßend pathetisch, dass Empathie nicht drin ist. Was Du meinst, verstehe ich und kann es auch für mich irgendwo nachvollziehen. Aber wir befinden uns halt im Zeitalter des Idealismus. Daher will ich gar nicht in erster Linie empathisch sein, sondern versuche zu ergründen - früher vor allem berufsmäßig, jetzt immer noch als Hobby bisweilen - was hier den Romantiker ausmacht. :)
:hello Wolfgang
Philidor (15.01.2026, 14:27): Mein Fazit: Das kann man gut gelegentlich hören, aber es ist wohl von keiner sonderlichen musikalischen Bedeutung Ich bin vollkommen bei Dir. Und der John Luther wird hier sicher hin und wieder laufen. Man trinkt ja auch nicht immer hochwertigsten Barolo, sondern auch mal den Schoppen-Silvaner vom Winzer um die Ecke.
"Alles hat seine Zeit" (Prediger 3,1).
Philidor (15.01.2026, 14:29): Ich hatte unlängst beschrieben, dass ich mit manchen der Texte im ersten Drittel meine liebe Mühe habe. Ich finde sie so übertrieben, ja, bisweilen abstoßend pathetisch, dass Empathie nicht drin ist. Bin erst durch Andréjo auf die Brisanz dieser Worte gestoßen.
Na ja, als geübter Bach-Hörer hat man da eventuell ein dickes Fell ... "Zerfließe, mein Herze, in Fluthen der Zähren, ..." :)
Markus S (15.01.2026, 18:32): Orchestral Suite No.3 in D Major, BWV 1068: II. Air (Arr. for Clarinet, Theorbo and Bass by Martin Fröst, Jonas Nordberg and Sebastien Dubé) · Martin Fröst · Sébastien Dubé · Jonas Nordberg · Johann Sebastian Bach
https://youtu.be/-pfIYVKl4O8?si=jP59cMhd2-VWI7lV
Philidor (15.01.2026, 20:03): Diese DVD liegt hier seit mehr als einem halben Jahr herum. Jetzt ist die Zeit gekommen ...
Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 25
Belcea Quartet Paris live Juni 2014
Joe Dvorak (16.01.2026, 01:51): Ich hatte unlängst beschrieben, dass ich mit manchen der Texte im ersten Drittel meine liebe Mühe habe. Ich finde sie so übertrieben, ja, bisweilen abstoßend pathetisch, dass Empathie nicht drin ist. Was Du meinst, verstehe ich und kann es auch für mich irgendwo nachvollziehen. Aber wir befinden uns halt im Zeitalter des Idealismus. Daher will ich gar nicht in erster Linie empathisch sein, sondern versuche zu ergründen - früher vor allem berufsmäßig, jetzt immer noch als Hobby bisweilen - was hier den Romantiker ausmacht. :) :hello Wolfgang Oder man geht psychoanalytisch an die Sache heran und fragt sich, was im Leben des Reisenden schiefgelaufen sein muss, dass ihn das Ende einer halbjährigen Liaison dermaßen aus der Bahn wirft und seine Tränen zum Gefrieren, Kochen und Glühen bringt. Vielleicht waren die Romantiker einfach so drauf.
Ich hatte unlängst beschrieben, dass ich mit manchen der Texte im ersten Drittel meine liebe Mühe habe. Ich finde sie so übertrieben, ja, bisweilen abstoßend pathetisch, dass Empathie nicht drin ist. Bin erst durch Andréjo auf die Brisanz dieser Worte gestoßen. Na ja, als geübter Bach-Hörer hat man da eventuell ein dickes Fell ... "Zerfließe, mein Herze, in Fluthen der Zähren, ..." :) :thumbsup:
Joe Dvorak (16.01.2026, 04:00): Neuerscheinung:
Johann Sebastian Bach - Trio Sonaten für Orgel, BWV 525 - 530 (orch. Antoine Torunczyk)
Concerto Copenhagen
Wer mit dem herkömmlichen Orchester-Repertoire von Bach nicht ausgelastet ist, findet hier "neuen" Hörstoff in Form der nach dem Vorbild der Brandenburger Konzerte orchestrierten Triosonaten. Ob man das "braucht", weiß ich nicht, gut gemacht ist es jedenfalls. Immerhin habe ich bei dieser Gelegenheit gesehen, dass es von den Kopenhagenern, die eine überragende h-Moll-Messe abgeliefert haben, auch die regulären Konzerte auf Datei gibt, und ich wurde daran erinnert, dass die Triosonaten im Original mal wieder auf dem Hörzettel stehen sollten.
Philidor (16.01.2026, 07:57): Hier nochmal Britten.
Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 3 op. 94
Kamus Quartet
Philidor (16.01.2026, 18:43): Vor Weihnachten hatte ich bereits versucht, mich den Klavierquartetten von Brahms zu nähern. Nun noch einmal.
Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 2 A-Dur op. 26
Krystian Zimerman, piano Maria Nowak,violin Katarzyna Budnik, viola Yuya Okamoto, violoncello
Bemerkenswert ist, dass "Klavierquartett" keine Komposition für vier Klaviere ist. Das ist beim Streichtrio anders.
Diese CD wurde von den Kritikern hochgelobt, und ich fand vor allem die ersten beiden Sätze hinreißend.
Joe Dvorak (17.01.2026, 02:47): JLL-#76/233
Jean Sibelius - Kullervo (Sinfonie für Sopran, Bariton, Männerchor und Orchester), op. 7
Charlotte Hellekant, Nathan Gunn, Atlanta SO and Men's Chorus, Robert Spano
Joe Dvorak (17.01.2026, 07:12): Bemerkenswert ist, dass "Klavierquartett" keine Komposition für vier Klaviere ist. Das ist beim Streichtrio anders. Die Klarinette und andere Blasinstrumente erhalten auch diese Sonderbehandlung (Oboenquartett, Klarinettenquintett), dagegen ist bei einem Bläserquintett klar, dass keine Streicher dabei sind. Mozarts K.452 firmiert manchmal als Klavierquintett, wobei hier die korrekte Bezeichnung Quintett für Klavier und Bläser vergleichsweise häufiger anzutreffen ist. Im Grunde genommen ist das alles Schlamperei und Bequemlichkeit. In den Partiturausgaben steht es in der Regel ausgeschrieben. Breitkopf schreibt bei Brahms sogar "Quartett Nr. 2 für Violine, Viola, Violoncello und Klavier" auf die Titelseite (Brahms: Piano Quartet No. 2 in A major Op. 26 · Breitkopf & Härtel). Vom Leader zum Loser...
Damit dieser Beitrag noch irgendeinen Restsinn mit Bezug zum eigentlichen Thema des Fadens gibt, höre ich jetzt:
Wolfgang Amadeus Mozart - Quintett Es-Dur für Klavier und Bläser, K. 452 (arr. vom Komponisten als Quartett für Klavier und Streicher)
Leonardo Muicci, AleaEnsemble
Es geht gerade so weiter. Der Klavierist wird genannt, der Rest subsumiert. Egal, der Sound dieses Originalklangensembles fährt jedenfalls richtig tief rein. Ein überzeugendes Plädoyer für historisch "korrekte" Wiedergabe.
Philidor (17.01.2026, 11:11): Moinsen! - Irgendwann vor Weihnachten hörte ich Nr. 1 bis 6 des Albums, heute den Rest:
Georg Friedrich Händel: Concerti grossi Op. 6 Nr. 7-12
The Avison Ensemble Pavlo Beznosiuk
Sfantu (17.01.2026, 11:53): Der Sinfoniker Mozart war nie so ganz mein Ding. Und so gibt es unter ca. 6 Tausend CDs und ca. 6 1/2 Tausend LPs original jeweils 1 Exemplar bei mir. Mit Krips und den Amsterdamern macht mir diese Musik sogar Freude. Aber dann langt es auch erst mal wieder.
Wolfgang Amadé Mozart
Sinfonie Nr. 39 Es-dur KV 543
Concertgebouworkest Amsterdam - Josef Krips (LP, Philips, 1973. Bei mir die Lizenz-Pressung auf ex libris)
Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 2 C-Dur op. 36
Belcea Quartet Paris live Juni 2014
Ja, wunderbar. Dieses Quartett ist in meinen Top 10 der Streichquartette. Vor allem wegen des letzten Satzes, der Chacony, aber auch die ersten beiden finde ich sehr stark.
Philidor (17.01.2026, 17:35): Mahler 6.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 6 a-Moll
Wiener Philharmoniker Pierre Boulez
Transparent. Unemotional-gelassen. Nüchtern. Erinnert mich stark an Wands erste Bruckner-Aufnahmen. Auch diese wurden von der Kritik in den Himmel geschrieben, doch manche war zwar anders als der gewohnte Crescedno-Accelerando-Stil, aber irgendwie auch langweilig.
Würde jetzt gerne dasselbe Werk mit Bernstein und demselben Orchester (na ja, 7 oder 8 Jahre davor) hören.
Markus S (17.01.2026, 18:07): Mir gefällt die zuvor erwähnte Aufnahme sehr gut, kenne aber auch keine Alternativen.
Sfantu (17.01.2026, 19:16): Hallo Markus,
schau' doch mal, ob Dir die Diskussion hier vielleicht weiter hilft. Hatte auf meiner heutigen Brocki-Tour die schmucke 2-CD-Box mit Riccardo Chailly und dem Concertgebouw in Händen - für 2 Franken, also ca. 2 Euro 40. Kann sie Dir gern zukommen lassen. Erinnere mich nicht mehr genau, wie Joe Dvorak es einmal formulierte. Er schrieb jedenfalls sinngemäß, Sfantu würde sich vor Schmerzen gekrümmt in Mahlers Musik winden. Das war sehr bildhaft und sehr treffend formuliert: ich kann mit Mahler nichts anfangen. Ich respektiere aber seine Stellung und Bedeutung in der Musikgeschichte. Und daher auch jeden und jede, der/die seine Werke liebt. Falls Du also wie ich physische Tonträger magst, halte ich gern die Augen offen. Falls Du einen Screaming-Dienst nutzt, hast Du freilich keinerlei Beschaffungsprobleme.
Zwischen CD-und LP-Laufwerken oszillierend grüßt von Herzen, Sfantu
Philidor (17.01.2026, 19:21): Mir gefällt die zuvor erwähnte Aufnahme sehr gut, kenne aber auch keine Alternativen. Ich würde Bernsteins Wiener Aufnahme oder Tennstedt als Alternative zu Boulez' nüchterner Lesart empfehlen.
Philidor (17.01.2026, 19:45): Hier noch ein Wozzeck.
Alban Berg: Wozzeck
Wozzeck - Eberhard Waechter Marie - Anja Silja Tambourmajor - Hermann Winkler Andres - Horst Laubenthal Hauptmann - Heinz Zednik Doktor - Alexander Malta Margret - Gertrude Jahn
Wiener Staatsopernchor Wiener Philharmoniker
Christoph von Dohnányi
Das ist eine Aufnahme, die äußerste Klarheit und Transparenz mit Emotionalität verbindet. Wunderbar.
Philidor (18.01.2026, 08:37): Guten Morgen! Heute ist der zweite Sonntag nach Epiphanias.
Johann Sebastian Bach
"Mein Gott, wie lang, ach lange?" BWV 155 "Ach Gott, wie manches Herzeleid" BWV 3
BWV 155: Midori Suzuki, Yoshikazu Mera, Makoto Sakurada, Peter Kooy BWV 3: Dorothee Mields, Pascal Bertin, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (18.01.2026, 10:47): Hier nochmal dieser Knaller:
Esa-Pekka Salonen: Homunculus
Kamus Quartet
Immer noch faszinierend.
@Sfantu: Der Hefti ist nicht vergessen. Kommt noch.
Philidor (18.01.2026, 12:57): Zu guter Letzt ...
Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 3 G-Dur op. 94
Belcea Quartet Paris live Juni 2014
Eine sehenswerte DVD, mMn.
Markus S (18.01.2026, 13:48): Hallo Markus,
schau' doch mal, ob Dir die Diskussion hier vielleicht weiter hilft. Danke für den Hinweis und dein Angebot. Ich muss mich im Bezug auf Mahler erst wieder neu orientieren...
Ich würde Bernsteins Wiener Aufnahme oder Tennstedt als Alternative zu Boulez' nüchterner Lesart empfehlen. Danke auch dir für den Hinweis.
Philidor (18.01.2026, 16:32): Einmal im Jahr brauche ich dieses Monument aus Licht und Klang.
Olivier Messiaen: La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ
Pierre-Laurent Aimard, Klavier Lionel Cottet, Violoncello Henrik Wiese, Flöte Stefan Schilling, Klarinette Christian Pilz, Xylorimba Guido Maggrander, Marimba Jörg Hannabach, Vibraphon
Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Kent Nagano
Ich kenne die Aufnahmen mit Dorati, Chung und Cambreling, und Cambreling war bisher mein klarer Favorit. Nun zieht Nagano mindestens gleich damit. Mindestens.
Die Liste ist fast abgehört:
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Missa B minor (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, The Creation (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, Gardner)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Nagano)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Sfantu (18.01.2026, 18:48): Auch nach gut 30 Jahren Bekanntschaft ist und bleibt mir die Sinfonietta seltsam fremd. Weder gibt es Farben in der Orchestrierung, die mich ansprechen, noch Themen, die mich fesseln, noch ein Konzept, ein gedanklicher großer, alles überspannender Bogen, der mich bei der Hand nehmen könnte. Allein im Mittelteil des Schlußsatzes, bevor der Beckenschlag die Rückkehr der Intrada einläutet, zieht das seltsame Zusammenspiel von hohen Streichern und Holz langsam in Richtung halluzigener Spukwelten - aber ja: das war's dann leider auch schon. Wenn die Sinfonietta und ich während so langer Zeit nicht zu best buddies werden konnten, dann wird sich das in Zukunft vermutlich nicht grundlegend ändern. Auch, wenn hierund heute Hörwitzens "however choice" am Werke war:
Leoš Janáček
Sinfonietta
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, München - Rafael Kubelik (LP, DG, 1971)
Philidor (18.01.2026, 19:36): Nach der dritten und der sechsten nun die neunte mit Boulez.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Chicago Symphony Orchestra Pierre Boulez
Mein Güte, ist der erste Satz hier wunderbar! Pierre Boulez zeigt sogar etwas Ähnliches wie - horribile dictu - "Schönheit" und scheint sich nicht auf das akkurate Referieren des Notentextes zu beschränken. Ob er hier Berg vertraut hat, der bekanntlich meinte, der erste Satz sei "das Schönste, was Mahler je geschrieben hat"?
Leider fehlt es im im zweiten und dritten Satz am Biss und in der "außerweltlichen Stelle" im dritten Satz und im Finale an Transzendenz. So bleibt der erste Satz ein Versprechen, dass Boulez am Schluss nicht einlöst. Sehr gute Interpretationen tun dies aber, und genau das macht sie sehr gut. Meiner unbedeutenden Meinung nach.
Philidor (19.01.2026, 07:33): Moinsen! Hier war noch ein Kantätchen von gestern übrig:
Johann Sebastian Bach: "Meine Seufzer, meine Tränen" BWV 13
Rachel Nicholls, Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (19.01.2026, 09:16): ... und dann gab es noch Mozart vom Feinsten am Morgen.
Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F Dur K. 590
Quartetto Italiano
Andréjo (19.01.2026, 13:45): Mozart mit dem Quartetto Italiano finde ich auf CD komplett vor. Bei den großen zehn Streichquartetten würde ich nur die folgenden bewaffneten Damen vorziehen. Und bei den weiteren Formationen, die ich mit den großen Quartetten kenne - das nicht durchwegs exzellente Talich-Quartett steht indes ebenfalls vollständig bei mir im Regal -, käme es dann auf den Einzelfall an. Schlecht sind sie aber alle nicht, alle sechs oder sieben.
Philidor (19.01.2026, 18:32): Nach den Klaviertrios und -quartetten nun eine kleine Besetzung. Sozusagen eine Teilmenge ...
Johannes Brahms: Cellosonate Nr. 1 e-Moll op. 38
Mstislav Rostropovich, Violoncello Rudolf Serkin, Klavier
Philidor (19.01.2026, 20:09): Hier nochmal das dritte Preußische.
Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F-Dur K. 590
Alban-Berg-Quartett
Andréjo (19.01.2026, 22:05): Mit dem Alban-Berg-Quartett besitze ich auch die großen zehn!
Bei KV 590 habe ich ein Faible für gewisse Finessen im Finalsatz. Ich suche mal die Taktzahlen heraus.
EDIT: z.B. 122 ff - also die Synkopierungen - und später!
Mal wieder hineinhören! :)
Philidor (19.01.2026, 22:07): Mit dem Alban-Berg-Quartett besitze ich auch die großen zehn!
Mal wieder hineinhören! :) Ja,tolle Aufnahme. Um in den Krümeln zu suchen: Sie scheinen auf Mozart aus der Beethoven-Perspektive zu schauen. Das klingt dann manchmal ein wenig harmlos. Heutige Ensembles nehmen die Musik vielleicht einen Tick ernster.
Sfantu (19.01.2026, 22:11): Es durfte heroisch und variiert sein heute Abend. Drum kam diese vorzügliche Scheibe auf den Palttendreher:
Ludwig van Beethoven
15 Variationen Es-dur op. 35 "Eroica"
Ludwig Hoffmann, Bösendorfer Imperial (LP, Europa, 1970)
Sfantu (19.01.2026, 22:18): Nun darf es etwas graziler und dezenter weitergehen:
Azzolino della Ciaja
6 Sonaten op. 4 (1727)
Yves Rechsteiner, Cembalo (G. Facchini, Ravenna, 1995) (CD, Gallo, 1996)
Philidor (20.01.2026, 07:42): Hier nochmal Mozart, böhmisch und zimelich hemdsärmelig:
Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F-Dur K. 590
Joe Dvorak (20.01.2026, 09:23): Joe Dvorak es einmal formulierte. Er schrieb jedenfalls sinngemäß, Sfantu würde sich vor Schmerzen gekrümmt in Mahlers Musik winden. :D
Ich winde mich zwar nicht darin, aber muss mich jedesmal neu überwinden, anderthalb Stunden in Mahlers Musik zu investieren. Ist der Anfang erst mal gemacht, stellt es sich meist als lohnend heraus. Ganz besonders hier:
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 6 a-Moll
SWR SO, Michael Gielen (Live 2013)
Philidor (20.01.2026, 10:13): Hinterher Brahms.
Johannes Brahms: Cellosonate Nr. 1 e-Moll op. 38
Pierre Fournier, Cello Wilhelm Backhaus, Klavier
Oh ja! Das ist eine ganz andere Angelegenheit als die ein wenig hüftlahme Aufnahme mit Rostropowitsch und Serkin.
Philidor (21.01.2026, 08:28): Moinsen! Hier nochmal Mozart.
Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F-Dur K. 590
Quatuor Mosaiques
Es ist immer wieder schön, wenn Erwartungen nicht enttäuscht werden.
Aufgenommen im Juli 1998 ... fast 27 Jahre alt ...
Philidor (22.01.2026, 07:41): ... und nochmal.
Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F-Dur K. 590
Hagen-Quartett (Aufnahme 2004)
Philidor (22.01.2026, 08:06): Hinterher Brahms.
Johannes Brahms: Cellosonate Nr. 1 e-Moll op. 38
Jacqueline du Pré, Cello Daniel Barenboim, Klavier
Heißblütig bei den intensiven Stellen, anderswo hat es mich nicht ganz so gepackt.
Joe Dvorak (22.01.2026, 09:00): JLL-#77/233
Bei den Preussischen haben mich dereinst die Festetics zu einer Jubelarie veranlasst. Entsprechend stehen sie auf der Arbeitsliste und werden nun dem Impuls folgend vorgezogen.
Wolfgang Amadeus Mozart - Les Derniers Quatuors
Quatuor Festetics Streichquartett Nr. 20 D-Dur, KV 499 Streichquartett Nr. 21 D-Dur, KV 575 Streichquartett Nr. 22 B-Dur, KV 589 Streichquartett Nr. 23 F-Dur, KV 590
Andréjo (22.01.2026, 12:29): ... und nochmal.
Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F-Dur K. 590
Hagen-Quartett (Aufnahme 2004)
Die hab ich mir auch zugelegt, zuletzt zur Klein-Sammlung von Mozart-Quartetten.
Andréjo (22.01.2026, 15:21): Festetics? Da muss ich mal schauen, wie man die bekommt. Ich hätte schon gerne CDs - aber natürlich nicht um jeden Preis zu jedem Preis. ;) :)
Joe Dvorak (23.01.2026, 05:13): In der ersten Dekade dieses Jahrhunderts habe ich Mahler rauf und runter gehört. Da gibt es noch eine legendäre Aufnahme? Her damit! ... So etwas lässt halt nach, was auch sein Gutes hat. Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 6 a-Moll
SWR SO, Michael Gielen (Live 2013) Trotz des nachgelassenen Jagdtriebes sollte sich diese Beute lohnen. Für Legendenstatus reicht es wohl (noch) nicht, weil die Aufnahme erst seit 2019 auf dem Markt ist und weil der Dirigent selten als erster genannt wird, wenn über Mahler-Interpreten gesprochen wird. Dazu ist er nicht "fancy" genug und sein Haus- und Hoforchester hat nicht die Reputation, die es m. E. verdiente (obgleich praktisch jede SWR-Mahler-Rezension die fantastische Qualität dieses Klangkörpers hervorhebt). Die Sechste aus Salzburg ist eines seiner letzten Dirigate vor dem Ruhestand. Sehr langsam (27:56/15:37(A)/16:09(S)/34:40) und weniger eine "tragische" als eine sinistere Angelegenheit.
Philidor (23.01.2026, 07:51): Trotz des nachgelassenen Jagdtriebes sollte sich diese Beute lohnen. Danke für den Hinweis! Für Legendenstatus reicht es wohl (noch) nicht, weil die Aufnahme erst seit 2019 auf dem Markt ist und weil der Dirigent selten als erster genannt wird, wenn über Mahler-Interpreten gesprochen wird. Dazu ist er nicht "fancy" genug und sein Haus- und Hoforchester hat nicht die Reputation, die es m. E. verdiente (obgleich praktisch jede SWR-Mahler-Rezension die fantastische Qualität dieses Klangkörpers hervorhebt). Also, Gielen ist eine der wenigen Mahler-GAn, die ich mir physisch beschafft habe, neben Bernstein/Sony, Bernstein/DG und Kubelik/DG. - Kubelik/DG wäre überflüssig gewesen, die einzelnen Aufnahmen bei audite, die ich kenne, sind wesentlich besser.
Ich mag Gielens Mahler sehr. Nüchtern, somit ein Gegengewicht zu Bernstein, aber nicht so skelettiert wie bei Boulez.
Mir war nicht klar, dass die von Dir gezeigete Doppel-CD zwei Aufnahmen beinhaltet, von 1971 und 2013. Ich dachte, es wäre einfach die aus der GA, die ist aber aus 1999. Nun, ich sehe gerade, dass mein Strömer die Doppel-CD anbietet. Da habe ich wohl am Wochenende etwas vor, obwohl noch ein Wozzeck (mit Kalli Böhm) des Hörens harrt und "Pli selon Pli" sowie "Sur Incises" meine Aufmerksamkeit erregt. Außerdem wollte ich nach der eindringlichen "Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ" endlich mal dem Werk "Des Canyons aux étoils" nähertreten. .... Ich habe einfach zu wenig Zeit ...
Philidor (23.01.2026, 07:53): Äh, ja, Musik wurde auch gehört:
Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F-Dur K. 590
Armida Quartett
... und diese Aufnahme ist m. E. mindestens Top 5.
Philidor (23.01.2026, 22:58): Hier gab's nochmal ... Brahms:
Johannes Brahms: Cellosonate Nr. 1 e-Moll op. 38
Yo-Yo Ma, Violoncello Emanuel Ax, Klavier
Na ja ... fand ich nicht sehr rund. - Von der zweiten Sonatehabe ich gut die Hälfte gehört, die gefiel mir in dieser Wiedergabe wesentlich besser.
Joe Dvorak (24.01.2026, 02:10):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 6 a-Moll
Atlanta SO, Yoel Levi
Trotz des Orchesters aus der zweiten Reihe mit einem wenig bekannten Stabschwinger und des Telarc-Labels, ist das weit mehr als nur ein reines Klangspektakel. Zu Zeiten des pathologischen Hortens war das meine am häufigsten gegriffene Mahler-CD.
Joe Dvorak (24.01.2026, 02:29): Johann Sebastian Bach - Trio Sonaten für Orgel, BWV 525 - 530 (orch. Antoine Torunczyk)
Concerto Copenhagen
Wer mit dem herkömmlichen Orchester-Repertoire von Bach nicht ausgelastet ist, findet hier "neuen" Hörstoff in Form der nach dem Vorbild der Brandenburger Konzerte orchestrierten Triosonaten. Ob man das "braucht", weiß ich nicht, gut gemacht ist es jedenfalls. Immerhin habe ich bei dieser Gelegenheit gesehen, dass es von den Kopenhagenern, die eine überragende h-Moll-Messe abgeliefert haben, auch die regulären Konzerte auf Datei gibt (...) Nun also das Original:
Johann Sebastian Bach - Brandenburger Konzerte BWV 1046 - 1051
Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen
Philidor (24.01.2026, 09:59): Moinsen! Hier gips Mozart.
Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F-Dur K. 590
Alexander String Quartet
Noch eine großartige Aufnahme dieses herrlichen Quartetts.
Andréjo (24.01.2026, 13:01): Alexander kenne ich mit den Beethoven-Quartetten. Die sind bei den 60 CDs der "Meisterwerke" (Sony u.a.) dabei. Nicht immer allererster Rang, aber nie unterdurchschnittlich - wie ich meine.
Philidor (24.01.2026, 16:11): Hier nun der vorläufig letzte Wozzeck.
Alban Berg: Wozzeck
Wozzeck - Dietrich Fischer-Dieskau Marie - Evelyn Lear Tambourmajor - Helmut Melchert Andres - Fritz Wunderlich Hauptmann - Gerhard Stolze Doktor - Karl Christian Kohn Margret - Alice Oelke
Schöneberger Sängerknaben Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
Karl Böhm
Ob FiDi eine Idealbesetzung für den Wozzeck war, mag man diskutieren. Für mich nicht. - Insgesamt gefielen mir am besten die DVD mit Maderna/Liebermann und die CD mit Dohnányi. Barenboim bot eine romantische Lesart, interessant!
Philidor (24.01.2026, 19:23): Trotz des nachgelassenen Jagdtriebes sollte sich diese Beute lohnen. Für Legendenstatus reicht es wohl (noch) nicht, weil die Aufnahme erst seit 2019 auf dem Markt ist und weil der Dirigent selten als erster genannt wird, wenn über Mahler-Interpreten gesprochen wird. Dazu ist er nicht "fancy" genug und sein Haus- und Hoforchester hat nicht die Reputation, die es m. E. verdiente (obgleich praktisch jede SWR-Mahler-Rezension die fantastische Qualität dieses Klangkörpers hervorhebt). Die Sechste aus Salzburg ist eines seiner letzten Dirigate vor dem Ruhestand. Sehr langsam (27:56/15:37(A)/16:09(S)/34:40) und weniger eine "tragische" als eine sinistere Angelegenheit. Nun denn ... ich wagte es ... :-)
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 6 a-Moll
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg live Salzburger Festspiele 21. August 2013
Aaaalso ... ich habe den ersten Satz aus Respekt vor dem großartigen Mahler-Dirigenten (nicht nur Mahler, freilich) Michael Gielen zu Ende gehört. Fast 28 Minuten!? Nee, ne? (Ich nuss unbedingt mal wieder Barbirollis Aufnahme hören, der bei ebenfalls sehr langsamem Tempo einen Sog und eine Intensität sondergleichen entfaltet.) Also, für mich war es heute abend over the top. Ein Experiment, und ich meine, so gut die SWR Jungs und Mädels auch spielten, bei einigen Übergängen waren sie nicht ganz zusammen, weil Gielen nochmal Tempo rausnehmen wollte.
Die Reihenfolge Andante-Scherzo ist sowieso nicht ganz meins, letztes Wort hin oder her, da hat der Dirigent Gustav Mahler dem Komponisten Gustav Mahler ins Handwerk gepfuscht.
Das hochkomplexe und großartige Finale ist auch mit langsamen Tempi nicht kaputtzukriegen.
Eine interessante Erfahrung, danke für den Hinweis! Vielleicht gönne ich mir mal die 1971er Aufnahme. Jedenfalls würde ich die 1999er Aufnahme (aus der GA) diesem späten Mitschnitt vorziehen; dazu schrieb ich andernorts: "Gielen bietet eine akribisch ausgearbeitete Wiedergabe der Partitur. Die Tempi der ersten beiden Sätze sind recht bedächtig, dafür bekommt man viele Details und sonst ungehörte Klangbalancen zu Ohren. Lautstärkespitzen wie die beiden Hammerschläge oder der Unerbittlichkeitsrhythmus samt Dur-Moll-Siegel haben Boxenbelastungstestqualität."
Aber eigentlich wollte ich in diesem Jahr außer Messiaens "Des Canyons ..." und "Éclairs .. " auch noch Mahlers Neunte durchgehen ... schaun mer mal.
Joe Dvorak (25.01.2026, 00:55): Ich gab mir letzte Nacht noch das andere Ende der Skala (72'30 mit Wiederholung):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 6 a-Moll
Royal Scottish National Orchestra, Neeme Järvi
Rasant und schnörkellos. Da weht der Geist von Toscanini, der auf die Frage nach der Bedeutung des Marschthemas im ersten Satz wohl geantwortet hätte: Für mich ist es Allegro energico. Das muss man mögen, und ich mag es sehr.
Philidor (25.01.2026, 09:09): Moinsen! Heute ist der 3. Sonntag nach Epiphanias.
Johann Sebastian Bach
"Herr, wie du willt, so schick's mit mir" BWV 73 "Was mein Gott will, das g'scheh allzeit" BWV 111 "Alles nur nach Gottes Willen" BWV 72
BWV 73: Yukari Nonoshita, Gerd Türk, Peter Kooy BWV 111: Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Andreas Weller, Peter Kooy BWV 72: Rachel Nicholls, Robin Blaze, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Joe Dvorak (25.01.2026, 11:06): Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 6 a-Moll
HK Phil, Edo de Waart
Die Sechste ist wie Marzipanschokolade. Einmal damit angefangen, gibt es kein Halten mehr, auch wenn man weiß, dass man etwas Verträglicheres genießen sollte. Diese "blind" gehörte Interpretation fand ich sehr stark. Akribische Detailarbeit und organischer Fluss sind wunderbar ausbalanciert. Wenn angezeigt, dann wird in warmer Klangschönheit geschwelgt, anderswo rumst es ordentlich, ohne in Psychodramatik zu verfallen. Tempi und Temporelationen empfand ich als sehr stimmig. Alles richtig gemacht. Das soll nach meinem Stromdienst ein Livemitschnitt vom 17. November 2007 sein. Ein Cover konnte ich nicht auffinden und auch sonst gibt es keinerlei Informationen zu dieser Aufnahme im Netz – auf der Webseite des Orchesters wird lediglich das Konzert erwähnt. So kann man letztlich nicht sicher wissen, ob hier wirklich die genannten Akteure am Werk sind. Wer auch immer, sie haben ihre Sache ganz ausgezeichnet gemacht und lassen das Gros der offiziellen Aufnahmen hinter sich. De Waart hat die Sechste noch als Teil einer GA mit einem holländischen Orchester eingespielt, die finde ich aber nicht.
Philidor (25.01.2026, 11:27): Die Sechste ist wie Marzipanschokolade. Einmal damit angefangen, gibt es kein Halten mehr Sehr richtig! Es ist aus meiner Sicht eine der wunderbarsten (genialsten, komplexesten, Dich auf die spannendste Hörreise mitnehmenden usw. usf.) SInfonien des gesamten Repertoires, so weit ich das sagen kann.
Da kommt nur Mahler selbst mit (9.), dann Bruckner 5+8, Norgard 3, ... dann wird die Luft dünn.
Also, unter den romanartigen Sinfonien steht sie bei mir ganz vorne.
Philidor (25.01.2026, 11:33): Nachtrag: Paavo Järvi hat einen Mahler-Zyklus in Zürich begonnen, die erste wurde hochgelobt. Bin gespannt.
Hier nun Harmloseres mit Vater Järvi:
Joachim Raff: Sinfonie Nr. 5 op. 177 "Lenore"
Orchestre de la Suisse Romande Neeme Järvi
Diese Aufnahme wurde wegen ihrer Tempi diskutiert, 40 Minuten, zehn Minuten weniger als Hermann und Stadlmair. Ich kenne die anderen Aufnahmen nicht, ich kann nur sagen, dass mir Järvis Interpretation gefallen hat.
Maurice inaktiv (25.01.2026, 16:13): Es gibt de Mahler 6. in einer hervorragenden Einspielung unter Sir Charles Mackerras mit dem BBC Philharmonic. Die CD war mal bei einem BBC Music Magazine gratis dabei. Vielleicht hat oder kennt sie jemand hier.
Philidor (25.01.2026, 18:14): Nach der "Transfiguration" nun "Des canyons...". Sollte die jüngste Aufnahme des Riesenwerks sein.
Philidor (25.01.2026, 19:33): Und nochmal Mahler. Für die Sechste habe ich den Stecker gezogen, es folgt planmäßig die Neunte in einer der jüngsten Aufnahmen.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur
London Philharmonic Orchestra Vladimir Jurowski live 3. Dezember 2022
Ungewöhnlich schnell und zupackend und ohne den gewohnten nostalgischen Abschiedston, so dass ich erst einmal irritiert war. Als ich den Hochenergie-Ansatz akzeptierte, stellte sich der erste Satz als grandios heraus. Es funktioniert auch so, es ist halt nur ein anderes Stück. Aber ein gutes. Die Londoner spielen hinreißend.
Das Ganze ist ziemlich energiereich, wirkt auf mich aber auch etwas technisch - fehlt das Entscheidende? Es klingt oft - rasiermesserscharf wäre zu viel, aber tendenziell ist das schon ziemlich zugespitzt.
Und siehe da: Den transzendenten Stellen im dritten Satz fehlt dann das Jenseitige. Auch der letzte Satz ist mit 22:41 auf der zügigen Seite.
Vielleicht stimmt ja etwas nicht mit meiner Erwartungshaltung, doch ich erinnere mich an Aufnahmen, die weniger perfekt waren und doch mehr unter die Haut gingen. Ganz erwartungslos.
Joe Dvorak (26.01.2026, 04:44): Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 6 a-Moll
HK Phil, Edo de Waart (...) Das soll nach meinem Stromdienst ein Livemitschnitt vom 17. November 2007 sein. Ein Cover konnte ich nicht auffinden und auch sonst gibt es keinerlei Informationen zu dieser Aufnahme im Netz – auf der Webseite des Orchesters wird lediglich das Konzert erwähnt. So kann man letztlich nicht sicher wissen, ob hier wirklich die genannten Akteure am Werk sind. Irgendwie lässt mir so etwas keine Ruhe und weckt den Detektiv in mir, obwohl es letztlich völlig schnurz ist. Mithilfe eines LLM aus diversen Quellen zusammengestöpselt, lässt sich fast sicher sagen, dass das ein authentischer Konzertmitschnitt auf CD ist, der allerdings nur für das Archiv der HK Philharmonic Society gedacht war (auf der Silberscheibe steht explizit "not for sales") und irgendwie den Weg nach draußen gefunden hat. Ganz umsonst war es nicht, denn immerhin habe beim Nachforschen gesehen, dass Esa-Pekka Salonen dem Orchester, das ihm mit dem Auftrag eines Hornkonzerts bedacht hat, im Mai seine Aufwartung macht, um dieses Werk zu dirigieren, nebst Sibelius 5. Karten sind geordert. 8o
Joe Dvorak (26.01.2026, 06:03): Und nochmal Mahler. Für die Sechste habe ich den Stecker gezogen (...) Also, unter den romanartigen Sinfonien steht sie bei mir ganz vorne. Das Geradlinig-Romanartige, wo kaum Fragen offen bleiben, ist das, was mich bei aller Qualität der Architektur und Klangkunst nie ganz ohne Restvorbehalte aus einer Quartals-Sechserei entlässt. Die Siebte gibt für mich da mehr her, und deswegen stöpsle ich jetzt ebenfalls um.
Gustav Mahler - Sinfonie Nr.7 e-Moll
Düsseldorfer Symphoniker, Adam Fischer
Bestechend. Eine der Aufnahmen, die man nicht "braucht", aber nicht mehr missen will, wenn man sie hat.
Philidor (26.01.2026, 07:15): Die Siebte gibt für mich da mehr her, Die Siebte kenne ich zwar nicht so gut, würde aber sagen, dass ihre Semantik bei weitem nicht so eindeutig ist wie die der Sechsten. Das stimmt schon ... vielleicht sollte ich mich mal näher damit befassen? Bernstein (die erste), Solti, Abbado (CSO&Berlin), Horenstein, MTT, Petrenko, Scherchen, Klemperer, die beiden Fischer, Nott, ... ein reich bestellter Grund.
Hier ist gestern noch ein Kantätchen übrig geblieben für die Freude am Montag Morgen:
Johann Sebastian Bach: "Ich steh mit einem Fuß im Grabe!" BWV 156
Rachel Nicholls, Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Andréjo (26.01.2026, 13:31): Die Siebte von Mahler kenne ich besser als die sechste Sinfonie. Daher will ich mich auch zur Sechsten nicht äußern - sollte sie aber mal wieder hören.
Die Siebte kenne ich auch live. Das hat mich freilich von Anfang bis Ende fasziniert. Wenn die Bamberger das gespielt haben, auf jeden Fall.
Ich würde aber meinen, dass das ambige Element bei der Siebten wesensgemäß ist. Was will uns der in seiner Grellheit - böse Menschen sprechen von Banalität - bestimmt nicht unumstrittene Finalsatz eigentlich sagen?
Man kann viel Schlaues nachlesen - und dem, wenn pointiert geschrieben, auch jedesmal folgen, selbst wenn die Sichtweisen gar nicht übereinstimmen oder übereinzustimmen scheinen. Ein bisschen Lese-Erfahrung habe ich, wenn auch nicht mit Spezialliteratur.
:P :) "Hergeben" tun sie für mich beide wohl genug. Aber ein wenig Geduld braucht es schon und in der richtigen Stimmung bin ich schon lange nicht mehr quasi durch die Bank.
Joe Dvorak (26.01.2026, 22:28): Insomnia hat mir weitere sehr erfreuliche Hörstunden mit der Siebten geschenkt. Das Geheule über das angeblich "problematische" Finale habe ich nie verstanden. Ich höre das keineswegs als hohl und abgesehen davon haben andere Komponisten vergleichsweise Schlimmeres abgeliefert, ohne dass sich jemand dran stört (ich denke da besonders an eine sehr berühmte Fünfte).
Gustav Mahler - Sinfonie Nr.7 e-Moll
Czech PO // Tokyo Metropolitan SO, Eliahu Inbal
Die beiden Aufnahmen liegen zeitlich weniger als 3 Jahre auseinander und unterscheiden sich nicht allzu groß. Aber das macht nichts, denn von Mahler mit Inbal kann ich gar nicht genug bekommen. Klanglich repräsentieren beide die Grenze des Machbaren für großorchestrale Musik auf Konserve.
Andréjo (27.01.2026, 00:05): Insomnia hat mir weitere sehr erfreuliche Hörstunden mit der Siebten geschenkt. Das Geheule über das angeblich "problematische" Finale habe ich nie verstanden. Ich höre das keineswegs als hohl und abgesehen davon haben andere Komponisten vergleichsweise Schlimmeres abgeliefert, ohne dass sich jemand dran stört (ich denke da besonders an eine sehr berühmte Fünfte). 1. So ist es. Die einen hören es hohl, die anderen weniger. Ich bin unschlüssig - aber im Konzert, wie gesagt, da war's schon faszinierend.
2. Nun, ganz unbekannt ist mir Insomnia leider nicht ...
3. Die sehr berühmte Fünfte ... Du meinst die, welche dann tatsächlich auch mal aufhört ...
4. :D
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (27.01.2026, 04:09):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr.7 e-Moll
London SO, Michael Tilson Thomas
Oh ja!
Philidor (27.01.2026, 07:31): Nix. Ich mache mit der Neunten weiter. Aber Eure Anfixerei macht schon Lust ... :)
Hier Nordisches:
Nancy Dalberg: Streichquartett Nr. 2 g-Moll op. 14
Nordic String Quartet
Nancy Dalberg (1881-1949) war eine dänische Komponistin, die u. a. Unterricht bei Johan Svendsen und Carl Nielsen hatte. Letzterer vertraute ihr die Instrumentation von Aladdin und Fynsk Forar (Frühling auf Fünen) an.
Das Quartett spricht aus meiner Sicht eine eigenständige Sprache und hat eine eigenwillige Dramaturgie. Nicht ganz meins, aber sehr interessant.
Philidor (27.01.2026, 08:15): Dann nochmal Brahms.
Johannes Brahms: Cellosonate Nr. 1 e-Moll op. 38
Pieter Wispelwey, Cello Paul Komen, Klavier
Subtil in den ersten beiden Sätzen, im Finale dann schön zupackend. Gar nicht schlecht.
Joe Dvorak (28.01.2026, 02:21): Eine musste noch sein:
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 7
Czech PO, Ken-Ichiro Kobayashi
Also, ich will hier ja niemanden anfixen, aber es muss schon gesagt werden, dass die Trefferquote bei der Siebten, was großartige Interpretationen angeht, einen Ticken höher zu liegen scheint.
Philidor (28.01.2026, 07:29): Also, ich will hier ja niemanden anfixen, aber es muss schon gesagt werden, dass die Trefferquote bei der Siebten, was großartige Interpretationen angeht, einen Ticken höher zu liegen scheint. Na, na, na ... bei der Sechsten würde ich nennen:
- ganz vorne Mariss Jansons mit dem LSO
Dann mehrere sehr individuelle Aufnahmen, die jeweils andere Aspekte wunderbar herausarbeiten: - Bernstein/Wiener Phil/DG - Bernstein ist Bernstein ... und er konstruiert eine riesige Fallhöhe vor der finalen Katastrophe. - Tennstedt - rabenschwarz, grimmig, schroff. Das ist die Sechste für Mahler-6-Aficionados. - Barbirolli - "something else" - sehr bedächtig, doch mit Wucht, bedrohlich, und sehr kohärent - Gielen/SWR SO 1999 (aus der GA), wunderbar transparent, die Extreme extrem ausgespielt - Abbado/Berliner Phil - die klassizistische
Freilich haben auch die Aufnahmen mit Solti, Karajan, Boulez, Chailly ihre Fans. - Mahler-Experte Tony Duggan nannte die Aufnahme von Thomas Sanderling seinen Favoriten unter Dutzenden von Aufnahmen ... sie glänzt durch sehr große Ausgeglichenheit und Meiden der Extreme, wie meist bei Duggans Favoriten. Wer eine null-Fehler-Aufnahme sucht, ist da zweifellos richtig.
Ich bin gerade gespannt, was Paavo Järvi mit dem Tonhalle-Orchester bei der Sechsten machen wird. Die Erste aus dem begonnenen Zyklus soll ja ein Knaller sein.
Philidor (28.01.2026, 07:33): Hier wieder Brahms.
Johannes Brahms: Cellosonate Nr. 1 e-Moll op. 38
Steven Isserlis, Violoncello Stephen Hough, Klavier
Die fand ich bis jetzt am überzeugendsten. Zartheit, Verinnerlichung, Zupackendes, Drängendes ... alles da, und ausgezeichnet unter einem großen Bogen. Toll.
Joe Dvorak (28.01.2026, 09:23): Also, ich will hier ja niemanden anfixen, aber es muss schon gesagt werden, dass die Trefferquote bei der Siebten, was großartige Interpretationen angeht, einen Ticken höher zu liegen scheint. Na, na, na ... bei der Sechsten würde ich nennen:
- ganz vorne Mariss Jansons mit dem LSO
Dann mehrere sehr individuelle Aufnahmen, die jeweils andere Aspekte wunderbar herausarbeiten: - Bernstein/Wiener Phil/DG - Bernstein ist Bernstein ... und er konstruiert eine riesige Fallhöhe vor der finalen Katastrophe. - Tennstedt - rabenschwarz, grimmig, schroff. Das ist die Sechste für Mahler-6-Aficionados. - Barbirolli - "something else" - sehr bedächtig, doch mit Wucht, bedrohlich, und sehr kohärent - Gielen/SWR SO 1999 (aus der GA), wunderbar transparent, die Extreme extrem ausgespielt - Abbado/Berliner Phil - die klassizistische
Freilich haben auch die Aufnahmen mit Solti, Karajan, Boulez, Chailly ihre Fans
(...) Ja klar, das sind die üblichen Verdächtigen, von denen viele auch bei der 7. zu nennen sind (insbesondere Gielen). Was ich meinte, ist, dass mir bei der 7. viele Interpreten, die mir beim Vorgänger weniger zusagen, außerordentlich gut gefallen. Adam Fischer, Inbal/CPO, Inbal/TMSO, Tilson-Thomas, Kobayashi: Keiner von denen hält mich mit der 6. bei der Stange. Andersherum fallen mir weniger Beispiele ein. Levi ist bei der Sechsten mein Topfavorit, aber seine Siebte geht an mir vorbei, und der spezielle Ansatz von N. Järvi funktioniert bei der Siebten weniger, wenngleich ich sie nicht so schlecht finde, wie sie manchmal geschrieben wird - die bekommt immer noch ein "Gefällt mir", aber haut nicht so rein wie die Sechste.
Philidor (28.01.2026, 10:49): Was ich meinte, ist, dass mir bei der 7. viele Interpreten, die mir beim Vorgänger weniger zusagen, außerordentlich gut gefallen. Ok, danke! Andersherum fallen mir weniger Beispiele ein. Also: 7. nicht so toll,aber 6. sehr gut ... hm, da müsste ich schauen.
Bei Bernstein ist die 7. (Sony/CBS) eine der ewigen Referenzen. Abbado hat eine ausgezeichnete 7. in Chicago hingelegt. Gielen ist wohl bei beiden eine sehr gute Wahl.
Bei Jansons und Tennstedt weiß ich es nicht, ob es von barbirolli überhaupt eine 7. gibt, ist mir ebenfalls unklar ... also: ein weites Feld!
Maurice inaktiv (28.01.2026, 18:57): Bei Jansons und Tennstedt weiß ich es nicht, ob es von barbirolli überhaupt eine 7. gibt, ist mir ebenfalls unklar ... also: e Ja. Es gint tatsächlich eine Siebte unter Barbirolli. Mit dem Hallé Orchestra unter dem Namen "BBC Legends", gekoppelt mit Bruckners Nr.7.
Johann Sebastian Bach - Brandenburger Konzerte BWV 1046 - 1051
Ensemble Caprice, Matthias Maute
Als Alleinstellungsmerkmal stellt Maute jedem Konzert ein orchestriertes Präludium aus dem Opus 87 von Shostakovich voran (außer dem ersten, vor dem die Fuge Nr. 7 gespielt wird – das Präludium dazu wird dann an den Schluss des sechsten gestellt). Der .pdf']Begleittext verrät über die Motivation wenig – außer dass DSCH Elemente des Barock verwendet hat – und über die Auswahl und den Bezug zum jeweiligen Konzert gar nichts. Dafür gibt es interessante, wenn auch teils spekulative Einsichten zu gesellschaftlichen und religiösen Aspekten der Konzerte.
Joe Dvorak (29.01.2026, 07:07): (...) Es gibt tatsächlich eine Siebte unter Barbirolli. Mit dem Hallé Orchestra unter dem Namen "BBC Legends" (...) Im letzen großen Rundumschlag von Musicweb (Mahler-sy7-survey-LD.pdf) gehört er zum Verfolgerquartett, zusammen mit Tennstedt (Philadelphia '87 & London '93), Abbado (Berlin '01) & Rattle (Wien '95). Zum Spitzenduo zählt erwartungsgemäß Bernstein (NY '65) und dazu "wahrscheinlich der Einzige, der würdig genug ist, neben Bernstein zu stehen" Tilson-Thomas (London '97). Eine paar Nummern kleiner ging es wohl nicht und für mich wird mit so einer Aussage der Wert des ganzen Artikels in Frage gestellt. Joe schreibt zwar auch manchmal, dass man alle anderen Aufnahmen wegschmeißen kann, aber der ist Hobby-Forumist - die dürfen das.
Maurice inaktiv (29.01.2026, 09:09): Im letzen großen Rundumschlag von Musicweb (Mahler-sy7-survey-LD.pdf) gehört er zum Verfolgerquartett, zusammen mit Tennstedt (Philadelphia '87 & London '93), Abbado (Berlin '01) & Rattle (Wien '95). Zum Spitzenduo zählt erwartungsgemäß Bernstein (NY '65) und dazu "wahrscheinlich der Einzige, der würdig genug ist, neben Bernstein zu stehen" Tilson-Thomas (London '97). Eine paar Nummern kleiner ging es wohl nicht und für mich wird mit so einer Aussage der Wert des ganzen Artikels in Frage gestellt. Ich stelle solche Artikel immer in Frage, weil doch jeder andere Schwerpunkte hegt. Es gibt auch eine wirklich sehr gute Einspielung von dem etwas unsteten Daniel Barenboim von der Siebten, nämlich mit der Staatskapelle Berlin. Ich finde auch gerade Abbado mit der Chicago-Einspielung ganz stark, oder Kubelik mit dem SO des BR mit einer Live-Aufnahme aus dem Jahre 1976. Okay, der Klang mag hier nicht optimal sein, aber er hat in diesem Live-Einspielungen auf mich mehr eingewirkt als mit dem DGG-Studio-Zyklus.
Philidor (29.01.2026, 09:25): Hier noch einmal Brahms.
Johannes Brahms: Cellosonate Nr. 1 e-Moll op. 38
Heinrich Schiff, Violoncello Gerhard Oppitz, Klavier
Ja! Stark auf der verinnerlichten Seite, was mir gut gefiel. Zusammen mit Isserlis/Hough mein Favorit. Du Pré/Barenboim und Fournier/Backhaus waren gute Alternativen.
Joe Dvorak (30.01.2026, 04:28):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 7 e-Moll
Czech RSO, Jiří Stárek
Genau 100 Jahre nach der Erstaufführung gab es am 19. September 2009 beim Musikfestival in Jihlava, der Stadt, in der Mahler einen Großteil seiner Kindheit und Jugend verbracht hat, eine einmalige Aufführung der Siebten. Das Konzert wurde mitgeschnitten und ohne nachträgliche Korrekturen veröffentlicht. Das Tschechische-Radio Sinfonieorchester präsentiert sich hier als Klangkörper aus der zweiten Reihe, was dazu verleiten könnte, sich bei der Besprechung auf handwerkliche Defizite zu konzentrieren: Hier war das Orchester nicht beieinander, dort hat die Harfe den Einsatz verschlafen, da waren die Kuhglocken zu laut, es gibt ordentlich Schnitzer, und zum Ende der Außensätze ging ihnen hörbar die Puste aus. Stárek hatte wohl genug Mühe damit, das mit seinen Grenzen ringende Orchester irgendwie zusammenzuhalten, als dass er sich über das Wichtigste, das nicht in den Noten steht, einen Kopf machen konnte. Es handelt sich um eine raue, direkte und ungeschminkte Darbietung, die jenseits von philharmonischer Hochglanzpolitur spielt und ohne Versuche einer "Deutung" auskommt. Ein solch ländlich-musikantischer Ansatz ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Das laute, direkt ins Gesicht springende und knochentrockene Klangbild sowie die eigenwillige Balance tragen zum besonderen Erlebniswert bei. Darum, dass Mahler mit dem Einsatz von Mandoline und Gitarre ein experimentelles Moment hineinbringen soll, wird viel Gewese gemacht – hier kann man die Instrumente endlich mal richtig klar und deutlich hören. Diese krude Wiedergabe der Siebten ist ein mitreißender Energielieferant zwischen chaotischem Taumel und magischen Momenten, die sich ganz von selbst einstellen. In dem oben erwähnten Survey liegt sie mit großem Abstand auf dem letzten Platz. Ich liebe sie.
Joe Dvorak (31.01.2026, 03:56):
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 7 e-Moll
Czech PO, Zdeněk Mácal
Interpretation: Wenig invasiv. So natürlich und organisch fleißend, so stimmig habe ich das bislang nicht gehört. :times10 Orchester: Besser geht es nicht. :times10 Klang: Den muss man gehört haben, um es zu glauben. :times10
Philidor (31.01.2026, 08:36): Zdeněk Mácal Danke für den Hinweis! Mit Mácal habe ich nur die dritte und die fünfte, aber das war schon sehr stark. Trotz eines, wie soll ich das sagen?, vielleicht: Understatement-Ansatzes.
Philidor (31.01.2026, 08:54): Moinsen übrigens! - Nach der ersten Cellosonate mag ich mich nun ein wenig mit dem ersten Streichsextett anfreunden:
Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18
Amadeus Quartett Cecil Aronowitz, Viola William Pleeth, Violoncello
Obwohl ich des Wahlwieners Kammermusik sehr zugeneigt bin - das Klarinettenquintett, das Quintett op. 111 und das Quartett op. 67 stehen bei mir ziemlich oben, dies über alle Komponisten hinweg -, habe ich mich nie eingehender mit den Sextetten befasst.
Ok, op. 18 ist im Vergleich zu den Streichquartett schon so etwas wie "easy listening" Brahms. Das erste Thema im Kopfsatz erinnert mich an den Beginn des Klaviertrios op. 8, irgendwie alles andere als ein Sonatensatzthema, eher schon ein Nocturne, ein Impromptu, ein Intermezzo, ein Prélude. - Im Finale wird Brahms dann aber zu Brahms. Die Haydn-Variationen lassen grüßen.
Bin gespannt, wie es weitergeht. Talich, ABQ, Raphael, Capucon, Alexander und andere stehen auf der Liste. Der Anfang war schon mal stark.
Philidor (31.01.2026, 13:19): Ich gönnte mir nochmals dieses:
Nancy Dalberg: Streichquartett Nr. 2 g-Moll op. 14
Nordic String Quartet
Wird bei jedem Hören besser. Würde ich nun mindestens den ersten beiden Quartetten ihres Lehrers Nielsen vorziehen.
Philidor (31.01.2026, 19:17): Nach den Wozzecks war es Zeit für eine Lulu.
Alban Berg: Lulu (Orchestrierung des dritten Aktes vollendet durch Friedrich Cerha)
Lulu - Marlis Petersen Gräfin Martha Geschwitz - Daniela Sindram Dr. Ludwig Schön, (Akt 1 & 2), Jack the Ripper (Akt 3) - Bo Skovhus Walter Schwarz (Akt 1)/Ein Farbiger (Akt 3) - Rainer Trost Alwa - Matthias Klink Schigolch - Pavlo Hunka Doctor Goll, der Bankier, der Professor - Christan Rieger
Bayerisches Staatsopernorchester
Kirill Petrenko
Inszenierung: Dmitri Tcherniakov
Toni Bernet (31.01.2026, 20:53): Zinovjev,Sauli: World Bearer. Violin Concerto Nr. 2 (2025)
Sauli Zinovjev gehört zu den aufsteigenden jungen Musikern aus Finnland, die die Klassikszene zur Zeit neu aufmischen (Prominentester Vertreter im Moment der Dirigent Klaus Mäkelä). Er wechselte früh von der Rockgitarre zur Komposition und zum Studium an der Sibelius-Akademie in Helsinki sowie in den Jahren 2010-15 zu Wolfgang Rihm in Karlsruhe. Seinen Anspruch an sich als Künstler setzt er enorm hoch: «Wenn ich komponiere, übe ich eine gottgleiche Kontrolle aus, indem ich jedes Teilchen der Komposition genau dort platziere, wo es hingehört. Es gibt keine Regeln. Der einzige Leitstern ist meine Integrität mir selbst gegenüber.»
Das neue Violinkonzert World Bearer wurde am 10. Oktober 2025 von Nikita Boriso-Glebsky, Violine, und dem Finnish Radio Symphony Orchestra unter Leitung von Elim Chan uraufgeführt. Es liegt eine Youtube-Aufnahme vor.
Mehr zum Violinkonzert, ein Link zu Youtube und ein erster Hörbegleiter siehe
Philidor (01.02.2026, 11:11): Hier gab's Kantaten, die Bach für den 4. Sonntag nach Epiphanias kompoiniert hat.
Johann Sebastian Bach:
"Jesus schläft, was soll ich hoffen?" BWV 81 "Wär Gott nicht mit uns diese Zeit" BWV 14
BWV 81: Robin Blaze, James Gilchrist, Peter Kooy BWV 14: Hana Blažíková, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (01.02.2026, 12:19): Nun wieder Brahms.
Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18
Mitglieder des Alban Berg Quartett (Thomas Kakuska, 1. Viola; Gerhard Schulz, 2. Viola; Valentin Erben, 2. Violoncello) Amadeus Ensemble (Norbert Brainin, 1. Violine; Siegmund Nissel, 2. Violine; Martin Lovett, 1. Violoncello)
Aufgenommen live im Wiener Konzerthaus, Januar 1990
ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Aufnahme des ABQ gehört zu haben, die mich so sehr enttäuscht hat wie diese. Kein Fluss in den ersten beiden Sätzen. Zäh und mühsam. - Die Aufnahme des erweiterten Amadeus Quartetts ist m. E. wesentlich besser gelungen.
Philidor (01.02.2026, 12:48): Nun ein wenig armenisch-amerikanische Folklore.
Alan Hovhaness: Mysterious Mountain (Sinfonie Nr. 2) op. 132
Seattle Symphony Gerard Schwarz
Na ja. Also, ich werde mal weiterhören, St. Helens, Celestial Fantasy, das mit den Walfischen, mal schauen. Die Erwartungen sind nun eher niedrig.
Philidor (01.02.2026, 15:01): Mahler 9.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Mahler Academy Orchestra Philipp von Steinaecker
Leute, diese Aufnahme ist der Hammer. Ich war skeptisch, ob der späte Mahler von historischen Instrumenten profitieren kann, insbesondere angesichts der Vielzahl exzellenter Aufnahmen von Walter, Klemperer, Barbirolli, Ancerl, Horenstein, Karajan, Bernstein, Abbado, Chailly, Rattle, Haitink ...
Jetzt denke ich, wer Mahlers 9. mag und mehrere Aufnahmen kennt, sollte sich auch diese anhören.
Zunächst einmal ist es der Klang, der frappiert. Und ja, die historischen Instrumente verleihen den Linien Individualität. Sie klingen ungeschliffen, sie verschmelzen weniger mit anderen Instrumenten, was Transparenz erzeugt.
Dann gibt es viele überraschende Erlebnisse, angefangen mit den deutlichen Portamenti am Anfang.
Der „Ländler“ und die „Rondo Burleske“ haben viel Biss. Spannend.
Und im letzten Satz kommt das Stück wunderbar zur Ruhe. Es hat so viel Transzendenz, wie man es erwarten kann.
Dank Philipp von Steinaecker ist die gesamte Interpretation kohärent, das Werk erscheint als Ganzes. Bei weitem nicht so gehetzt, wie ich es letzte Woche bei Jurowski und dem LPO empfunden habe. Die Musik atmet und kommt mit dunkler Intensität daher.
Philidor (01.02.2026, 17:40): Welche Orchesterstücke bevorzugt Ihr - Schönberg, Webern oder Berg?
Arnold Schönberg: Fünf Stücke für Orchester op. 16 (Version 1949)
Anton Webern: Fünf Stücke für Orchester op. 10
Alban Berg: Drei Stücke für Orchester op. 6
London Symphony Orchestra Antal Dorati
Aufgenommen im Juli 1962
Sfantu (01.02.2026, 18:40): Welche Orchesterstücke bevorzugt Ihr - Schönberg, Webern oder Berg?
Bevorzugen? Schwierig - letztendlich sind alle auf ihre eigene Art faszinierend. Berg als der freundlichste der drei großen Zwölfender, mit nicht wenig Nachhall aus der Romantik. Schönberg op. 16 mit seinem hier einlullenden Hypnose-Pendel, im nächsten Moment mit raubtierhafter Attacke den Puls in die Höhe treibend. Unterm Strich würde ich mich allerdings für Webern entscheiden (wenn ich denn müßte). Das Maß an Unerhörtem, an Abkehr von Allem, was bis dahin war, die Komprimiertheit seiner akustischen Molekularküche - das suchte damals seinesgleichen. Die Doráti-Aufnahme habe ich auf Vinyl. Da ich sie aber noch nie aufgelegt habe und meine Schallplatten-Waschmaschine momentan mit Kartons zugestellt ist, entschied ich mich kurzerhand für das hier:
Andréjo (01.02.2026, 19:18): Von den dreien wäre ich wohl am ehesten bei Berg. Die Begründung hat Sfantu im Prinzip gegeben.
Das gilt freilich nicht generell. Meine Lieblingswerke der drei auf Zwölftonbasis wären nämlich das Violinkonzert von Berg, vielleicht auch das von Schönberg, die Serenade - mit Männerstimme und eigenwilligen Zupfinstrumenten - von Schönberg, und beim zerbrechlichsten von allen würde ich mich eigentlich nicht festlegen wollen. Da benötige ich den meisten Tageselan.
All das ändert nichts an meiner generellen Zustimmung zu Sfantus Sicht nebst Erläuterungen. Ich wüsste die Dinge spontan auch nicht groß anders zu umreißen.
Und vielleicht komme ich auch auf Philidors Vorschlag zu Mahler zurück. :)
Edit: In der Tat scheinen die paar Klangproben jetzt auf die Schnelle so etwas wie Biss und Unmittelbarkeit nahezulegen. Danke für die Anregung!
Andréjo (01.02.2026, 20:35): @ Hovhaness St. Helens, Celestial Fantasy Die Erwartungen sind nun eher niedrig. Diese beiden Nummern des Armeniers müsste ich kennen.
Walfische gibt es schon mal überhaupt nicht auf dieser Welt. :P
Deine Kollektion enthält auch Streichquartette. Da würde mich Philidors Rückmeldung interessieren.
Und niedrige Erwartungen sind von Vorteil, wie ich Schlauling weiß.
Philidor (01.02.2026, 20:57): Und niedrige Erwartungen sind von Vorteil, wie ich Schlauling weiß. Besser niedrige Erwartungen als niedrige Beweggründe ... :-)
Joe Dvorak (02.02.2026, 04:21): Mahler 9.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Mahler Academy Orchestra Philipp von Steinaecker
Leute, diese Aufnahme ist der Hammer. (...) Die ist vorgemerkt.
Joe Dvorak (02.02.2026, 06:17): Welche Orchesterstücke bevorzugt Ihr - Schönberg, Webern oder Berg? Wenn ich es an der investierten Zeit festmache, muss ich sagen: Keine (mehr). Was ich in den letzten vier Jahren gehört habe, kann man im Wortsinne an einer Hand abzählen. Je einmal die Lichtspielszene von Schönberg und die Fünf Sätze (Fassung für Streichorchester) sowie die Sinfonie op. 21 von Webern und das auch nur, weil ich die Kopplung mit Schumanns 1. Sinfonie als etwas schräg empfand und wissen wollte, was es damit auf sich hat. Dann noch mal Weberns Opus 21 (auf Forenanregung) und einmal von Berg das Doppelkonzert. Dabei gibt es von dem Trio einiges, das mal wieder in die Ohren strömen sollte, allen voran Schönbergs Orchestervariationen op. 31.
Joe Dvorak (02.02.2026, 07:21): Da wir es gerade von einem Mahler-Hammer hatten:
Gustav Mahler - Sinfonie Nr.7 e-Moll
New Philharmonia Orchestra, Otto Klemperer
Kontrovers diskutiert, weil sehr langsam. Klemperer reißt die 100-Minuten-Marke und kommt damit über eine halbe Stunde nach Sprinter Järvi und rund 20 Minuten hinter dem Hauptfeld ins Ziel. Aber das fühlt sich nicht so an, weil es bis auf ein, zwei Stellen nie zäh wird. Hier wird die Komposition in jedem unerhörten Detail Schritt für Schritt ausgebreitet, hier kann man gebannt erleben, wie Klangskulpturen akribisch Schicht um Schicht aufgebaut, transformiert und wieder abgebaut werden. Wer gegen subjektive Bekenntnismusik im Allgemeinen und überkandidelte Exegesen im Besonderen allergisch ist, dem sei versichert, dass hier nichts davon zu finden ist. Das klingt stellenweise verblüffend modern, bald schon abstrakt – wie ein anderes Werk. Allerdings funktioniert das nur bis zur Nachtmusik II. Das Finale ist trotz der breiten Tempi alte Schule und der oft beklagte Bruch fällt hier in der Tat unangenehm auf. Trotzdem: Hätte ich das Werk mit dieser Aufnahme kennen und lieben gelernt, würde ich wohl alle anderen als gehetzt empfinden. Kleine Kritikpunkte gibt es beim Klang. Die Oboen sind etwas quäkig und die Flöten etwas fahl. Unterm Strich ist das ein Monument, das einen Versuch lohnt, auch und gerade für diejenigen, die bei Mahler sonst abwinken.
Philidor (02.02.2026, 07:35): Also, bei den Orchesterwerken von Schönberg, Berg und Webern schlägt mein Herz weiterhin für Berg. Wenngleich ich zugeben muss, dass ich die Stücke Weberns nur sehr selten gehört habe. Kommt auf die bucket list.
Heute ist Mariä Lichtmess.
Johann Sebastian Bach:
"Erfreute Zeit im neuen Bunde" BWV 83 "Mit Fried und Freud ich fahr dahin" BWV 125
BWV 83: Robin Blaze, James Gilchrist, Peter Kooy BWV 125: Robin Blaze, Andreas Weller, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (02.02.2026, 08:04): Weiter mit Berg:
Alban Berg: Streichquartett op. 3
Juilliard String Quartet aufgenommen 31. Juli 1952
Ist das die erste Aufnahme des Werks? Falls ja: Ein sehr guter Start!
Ich erinnere mich an einen Artikel über Alban Berg, in dem der Autor schrieb, dass Berg immer Opern komponierte, auch wenn dies nicht im Titel angegeben ist. - Für op. 3 mag ich dem zustimmen.
Philidor (02.02.2026, 18:03): Nun wieder Brahms.
Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18
Raphael Ensemble Aufnahme 1988
Fein. mir fehlte nur stellenweise ein wenig Schwung.
Sfantu (02.02.2026, 21:20): @Philidor
danke für die Anregung. Habe nur dieses eine Portrait-Album - zufällig auch mit dem zweiten Quartett. Die Gegenüberstellung mit den Nielsen-Quartetten ist bei mir leider nicht möglich. Auf die Schnelle hab' ich nur sein viertes Quartett auf Platte gefunden. Lohnen sich bei ihm alle Gattungsbeiträge? Oder ist ein Teil davon entbehrlich? Jedenfalls sticht beim Wiederhören ins Ohr, daß Dalbergs Quartett deutlicher aus dem Nielsen-Schatten hervortretend mehr Eigenprofil besitzt als etwa die beiden Orchesterwerke - freilich sind die auch vier resp. 8 Jahre älter als das 1922 entstandene op. 14. Bei der Liedauswahl neigt Bariton Lars Thodberg Bertelsen (Frode Stengaard, Klavier) teils zum Knödeln. Und irgendwie will mir das auch fast unausweichlich erscheinen. Wirken Klang und Lautstruktur des Dänischen doch oftmals wie eingeatmet, ja geknebelt. Und ob es dort eine speziell angepaßte Kunstlied-und Operndiktion gibt wie im Französischen, weiß ich nicht. Ansonsten sind die zu hörenden Lieder von lyrischem Geist, klanglich eher fahl und fragil. Die knappe Fantasie für Geige und Klavier von 1921 (Søren Elbæk, Morten Mogensen) ist von bemerkenswerter Dichte des Ausdrucks: leidenschaftlich, mehrheitlich düster, bisweilen kühn, dabei immer tonal.
Nancy Dalberg
Streichquartett Nr. 2 g-moll op. 14
Carl Nielsen Quartett: Peder Elbæk und Jørgen Larsen, Geigen Bjarne Boie Rasmussen, Bratsche Svend Winsløv, Cello (CD, dacapo, 1999)
Moderato - Allegro vivo 8'49 Allegro scherzando 4'46 Andante con moto e cantabile 6'22 Allegro molto e con spirito 5'26
Philidor (02.02.2026, 21:29): @Sfantu : Hm, die beiden ersten Nielsen-Quartette sind m. E. zwar sehr anhörlich, doch angesichts begrenzter Lebenszeit würde ich mich auf Nr. 3 und besonders Nr. 4 beschränken.
Freut mich, dass Du Dich anregen ließest, Nancy Dalbergs 2. SQ DeinOhr zu leihen! - Hefti steht bei mir noch auf der Hörliste.
Andréjo (02.02.2026, 22:29): Angesichts des vorletzten Beitrags von Sfantu fällt mir wieder ein übler Scherz ein, den ich möglicherweise in Eigenregie manipuliert habe oder erweitert. Das weiß ich aber nicht, denn woher soll ich es auch wissen. Ich bitte wegen innewohnendem/-r Chauvinismus, Xenophobie, Aneignung von irgend was etc. um Vergebung ...
Was ist das Schwedische für eine Sprache? Gerülpstes Deutsch. Das Dänische? Gerülpstes Schwedisch. :thumbdown:
Philidor (03.02.2026, 07:28): Hier war noch ein Kantätchen von gestern (Maria Lichtmess) übrig:
Eine weitere hervorragende Aufnahme, eher auf der angeschärften Seite.
Joe Dvorak (05.02.2026, 10:26):
Richard Strauss - Don Juan op. 20 (Tondichtung nach Nikolaus Lenau)
Singapore SO, Hans Graf
Nach ein paar Tagen arbeitsbedingter Musik-Abstinenz machen sich Entzugserscheinungen in Form von permanent im Kopf laufenden Sequenzen aus Mahlers 7. bemerkbar. Bevor ich denen nachgebe, gibt es erstmal Konfrontationstherapie mit dieser Neuerscheinung. Strauss' Tondichtungen stehen auf meiner Beliebtheitsskala in der Nähe des Nullpunkts (die Alpensinfonie nicht dazugezählt).
Mit Nullpunkten will ich mich zurückhalten, aber Joe befindet sich ja auch nur in der Nähe.
Ein Freund von Richard Strauss bin ich eher selten, doch Klavierkonzerte mag ich sehr. Die folgenden sind durch die Bank Neuland für mich und weitgehend sehr interessant, vor allem CD 3.
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (06.02.2026, 03:52): ... Konfrontationstherapie ...
:D Das Grinsmoticon geht an Sfantu, der diesen Begriff unlängst im Zusammenhang mit Minimal Music verwendet hat. Ich habe dort abgeschrieben. :P
Was Mahlers 7. angeht, fiel die Wahl auf diese hier:
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 7 e-Moll
Orchestre National de Lille, Ernest Bloch
Ich bin jetzt mal faul und zitiere (Mahler Symphony No. 7 – Orchestra National de Lille, Alexandre Bloch | Flying Inkpot) einen Rezensenten, der diese Interpretation als "französisch" klassifiziert und wie folgt charakterisiert: Reich an Schönheit und Farbe, nicht so schwer auf der germanischen Rhetorik und viel leichter in den Texturen. Und eine weitere Beschreibung, die sich zwar auf eine bestimmte Passage bezieht, aber auf die gesamte Darbietung zutrift: relativ frei von Neurosen und Tragik (...) nicht so kathartisch wie bei manch anderen. Aber wer hat behauptet, dass Mahler immer ernst sein musste?
Ja. Ich finde es spannend, dass der Dirigent, der gesagt hat: "Mahler ist der König der Emotionen", eine Leseart findet, die diesen Diskurs über Leben, Tod, Liebe, Verlust, Angst, Natur und existenzielle Fragen von der psychologischen Komplexität der inneren Welt des Autors befreit und ein sinfonisches Ich einsetzt, das versteht: "So ist das Leben halt". Die Fraktur wirkt noch kammermusikalischer als bei, sagen wir, Boulez, und anders als diesem gelingt es Bloch, die innere Treibkraft der Musik, die "in den Noten steht", zu bewahren (alles selbstverständlich nur meinen bescheidenen Ohren nach). Wer die Bernstein-Tennstedt-Line als einzige Wahrheit begreift, macht da einen großen Bogen drum.
Philidor (06.02.2026, 07:07): Moinsen! - Nochmal der Mahler-Enkel.
Alban Berg: Streichquartett op. 3
Alban Berg Quartett (erste Aufnahme, Teldec)
Ja! Setzt sich mühelos an die Spitze.
Philidor (06.02.2026, 09:03): In diesem Jahr findet der Sonntag Septuagesimae nicht statt, jedenfalls in deutschen protestantischen Kirchen. Grund ist eine Reform des Kirchenjahres, die seit wenigen Jahren gilt. - Kein Grund, nicht die zugehörigen Kantaten zu hören:
Johann Sebastian Bach: "Nimm, was dein ist, und gehe hin" BWV 144
Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Gerd Türk Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (06.02.2026, 12:14): Noch eine Kantate zur Mittagspause.
Johann Sebastian Bach: "Ich hab in Gottes Herz und Sinn" BWV 92
Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Jan Kobow, Dominik Wörner Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Sfantu (06.02.2026, 16:52): @Andréjo
Du machtest mir Appetit, mich mit dieser Box einmal wieder zu beschäftigen. Der kurzweilige und verspielte Leo Smit kommt hier angemessen frisch und aufgekratzt daher. Sein lakonischer Neoklassizismus verrät seinen mehrjährigen Aufenthalt in Paris - da stecken doch deutliche Prisen Poulenc und Milhaud drin. Klanglich apart auch die Gegenüberstellung Solo-Piano und Blasorchester.
Leo Smit
Concerto voor piano en harmonie-orkest (1937)
Ronald Brautigam, Nederlands Radio Kamer Orkest - Ed Spanjaard (CD, Brilliant Classics, 2025, AD: Mai 1994)
Sfantu (06.02.2026, 17:18): Und gleich nochmal Smit. Das um 3 Jahre ältere Cello-Concertino ist ähnlich verspielt bis burlesk. Wobei der Beginn des Kopfsatzes zunächst Ernst und Bedeutungsschwangerschaft vermittelt - die sich alsbald in quirlig-eloquente Geschäftigkeit wandeln. Wie schon im Klavierkonzert (Mittelsatz) entfalten sich auch hier (Kopfsatz) Kantilenen, die geradezu romantischen Überschwang antäuschen (und wieder kommt hier unwillkürlich Poulenc in den Sinn). Bald meint man Richtung britische Pastoralschule zu driften, bald Richtung Impressionismus. Und vielleicht noch ein paar Geheimnisse mehr schlummern hier, bis wiederholtes Hören sie wachküsst. Sehr gewinnende Kompositionen! Ein Jammer, daß die wenigen Einspielungen seiner Sinfonien (eine GA gab's mal auf etcetera) lange vergriffen sind. Smit kam mit 42 Jahren im Vernichtungslager Sobibor um.
Leo Smit
Concertino voor violoncello en orkest (1934)
Pieter Wispelwey, Nederlands Kamer Radio Orkest - Ed Spanjaard (CD, Brilliant Classics, 2025, AD 1993)
Lento 4'18 Scherzando 3'10 Allegro vivace 2'58
Andréjo (06.02.2026, 19:03): :) Ja, Leo Smit ist hier ein Musterbeispiel für die Roaring Twenties und für so manchen späteren Klassiker wie Hindemith stellten sie eine Art Durchgangsstadium dar - auch für die einschlägigen sechs Franzosen, von denen freilich Auric, Tailleferre und Durey nicht den Bekanntheitsgrad erreicht haben von Poulenc, Milhaud und Honegger. Ob es bei denen mehr war als das Durchgangsstadium - ein Begriff, auf den ich natürlich nicht bestehen möchte -, sei dahingestellt, denn hier ist die Situation wohl differenzierter als bei Hindemith, der sich radikal geändert hat.
Da die Box erst vor einem Jahr erschienen ist, nehme ich an, dass Sfantu sie auch noch nicht so lange kennt, aber vermutlich ebenfalls sehr angetan ist. Ich kenne sie noch keine Woche.
Was Leo Smit anbelangt, so hat der kurioserweise einen komponierenden jüngeren Namens-Doppelgänger aus den USA, von dem ich freilich keine Musik kenne. Aber bei meiner kleinen Recherche habe ich es auf der deutschsprachigen Wikipedia festgestellt. Nun, der Name klingt freilich nicht sonderlich originell, wobei ich dachte, sie würden in den USA alle Schmidt heißen, vielleicht häufiger als Smith ... :D
Ansonsten glaube ich, auf einem anderen Sampler noch etwas von dem im KZ umgekommenen Smit zu finden, bin mir aber nicht sicher.
Indes könnte ich mir auch noch die Cellokonzerte bestellen. :*
:hello Wolfgang
Philidor (07.02.2026, 07:27): Moinsen! - Danke für Eure Anregungen! Leider ist Zeit wieder zum raren Gut geworden, so dass ich mich auf die derzeitigen Hörvorhaben beschränke ... Bach, Brahms Sextett 1 (und dann andere Kammermusikwerke), Mahler 9 und Lulu, dazu dann wochenweise ein anderes Streichquartett ...
... hier also die dritte und letzte erhaltene Kantate zum Sonntag Septuagesimae:
Johann Sebastian Bach: "Ich bin vergnügt mit meinem Glücke" BWV 84
Carolyn Sampson, Sopran Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Sfantu (07.02.2026, 14:13):
Leo Smit
Sextett für Klavier, Flöte, Oboe, Fagott und Horn Quintett für Flöte, Geige, Bratsche, Violoncello und Harfe
Ensemble Villa Musica: Jean-Claude Gérard, Flöte Ingo Goritzki, Oboe Ulf Rodenhäuser, Klarinette Dag Jensen, Fagott Zdeněk Tylšar, Horn Ernö Sebestyen, Geige Enrique Santiago, Bratsche Martin Ostertag, Violoncello Chantal Matthieu, Harfe Kalle Randalu, Klavier (CD, MDG, 2000)
Sextett
Allegro vivace 4'07 Lento 5'13 Vivace 4'20
Quintett
Allegro 6'30 Lento 7'20 Allegro vivace 7'24
Im Blindtest könnte man sich möglicherweise verblüfft fragen: Wie, Poulenc hat noch ein zweites Sextett geschrieben?? Ebenfalls 3sätzig. Mit exakt der gleichen Besetzung. Und im Tonfall so ähnlich wie nur denkbar. Und doch entstand Smits Sextett (1928) Jahre vor demjenigen Poulencs (1932-39). Smit wirkt bei aller Nähe eine Spur kultivierter, Poulenc traut sich mehr vox populi, schreckt nicht vor Eingängigkeit und gassenhauerischem Frou Frou zurück. Das aus demselben Jahr 1928 stammende Quintett schlägt einen anderen Ton an, weg vom überdrehten, stellenweise jazzigen Wirbelwind, hin zu dezenterem Ausdruck mit impressionistischen Anklängen. Kennzeichnend sind mehr Ernsthaftigkeit und räumliche Ausdehnung. Auch die übrigen Stücke dieses Albums, das Duo für Oboe und Violoncello sowie das Trio für Klarinette, Bratsche und Klavier (beide von 1938) sind eher abgeklärt und von spröder Schönheit. Nach den heutigen und gestrigen Höreindrücken zeichnet sich eine Art Muster ab - was jedoch nicht zwingend repräsentativ ist: je kleiner die Besetzung desto hintergründiger, gehaltvoller ist Smits Musik.
Philidor (07.02.2026, 15:55): Hier gab's schon heute Vormittag den Berg:
Alban Berg: Streichquartett op. 3
Alban Berg Quartett
Noch genauer auf den Punkt als die ältere Teldec-Aufnahme des Ensembles - wenn das überhaupt geht. Stellenweise nachdenklicher, insgesamt noch präziser ausgeleuchtet, dabei stets geschmeidig, wie es zu dieser Musik mMn ausgezeichnet passt. Wunderbar.
Andréjo (07.02.2026, 16:41): In das Sextett von Leo Smit habe ich jetzt mal hineingehört und bestätige gerne die Ähnlichkeit mit Poulenc, der eine Zeitlang mein absoluter Lieblings-Komponist war.
Insofern würde ich bei Smits Werk gewisse Eigentümlichkeiten von Poulenc zwar vermissen. Aber das verliert allein dadurch an jeglicher Relevanz, dass Smit zuerst da war, wie ja Sfantu feststellt. :) Ich kenne das Stück nicht, setze es aber auf die Agenda.
Und es gibt auf jeden Fall noch eine weitere Einspielung:
Andréjo (07.02.2026, 16:54): 8o EDIT: Die Aufnahme nur mit Kammermusik von Leo Smit, die Sfantu oben verlinkt hat, habe ich mir vor rund zehn Jahren gekauft, bestimmt auch schon mal durchgehört, aber wieder vergessen. Leicht möglich, dass ich den Namen damals kennengelernt habe, der mir freilich ein Begriff ist. So geht's halt, wenn die Sammlung wächst ...
Philidor (07.02.2026, 16:57): Nun SIbelius.
Jean Sibelius: SInfonie Nr. 1 e-Moll op. 39
New Zealand Symphony Orchestra Pietari Inkinen
Diese Aufnahmen wurden bei ihrem Erscheinen teilweise in den Himmel gelobt, teilweise verrissen. Nach etlichen Jahren der Ignoranz wollte ich sie nochmal hören.
Ja - was soll ich sagen ... in Sachen Sibelius-Sinfonien ist der Tisch freilich reich gedeckt. Bei op. 39 fällt mir zu älteren Aufnahmen Bernsteins Total-Umarmung mit den Wienern ein, ferner Sir Colin Davis auf LSO live. Dann Paavo Berglund mit dem COE, der mit kleiner Besetzung und betont schlankem Klang gepaart mit Kantigkeit und großer Agilität seinen USP hat - ich fand das bei der ersten sehr hörenswert (nicht bei allen Sinfonien), auch wegen der dramatischen Gestaltung des Ablaufs (mir immer wichtig). Drei Aufnahmen, mit denen man schon glücklich werden kann, zumal sie ein schönes Spektrum abbilden.
Unter den jüngeren Aufnahmen finde ich Santtu-Matias Rouvali mit den Göteborgern und Mäkelä mit dem Oslo Philharmonic überragend, mindestens auf Augenhöhe mit den vorgenannten.
Inkinen hat es da einfach schwer. Kein schlüssiges dramatisches Konzept aus meiner Sicht, was macht der da im Finale ... ist das nun Wucht (eher nicht) oder Spannung (auch nicht) oder etwas anderes ... schade. Wirkt auf mich unentschlossen. Der Klang ist auch nicht immer transparent, was wohl keine Frage der Tontechnik ist ... also, das ist aus meiner Sicht eine solide Aufnahme, aber eben keine ausgezeichnete, die sich mit den besten messen könnte. Mir fehlt vor dem Hintergrund meiner Favoriten das Argument, diese Aufnahme nochmal zu hören.
Sfantu (07.02.2026, 17:17): Onslow ist praktisch immer eine Bank, wenn einem der Sinn nach niveauvoller, eleganter aber nicht zu tiefschürfender Saft-und-Kraft-Romantik steht. Die Sinfonien atmen einen befreienden Geist. Besitzen mitreißenden Drive, sind effektvoll konzipiert, machen einfach Spaß. Die Strette und Schlüsse der Kopf-und Finalsätze warten mit Aplomb auf, zugleich mit kleinen unerwartbaren Gimmicks. Überzeugendes, ansteckendes Musikantentum bei den Hannoveranern.
George Onslow
Sinfonie Nr. 1 A-dur op. 41
Radiophilharmonie Hannover des Norddeutschen Rundfunks - Johannes Goritzki (CD, cpo, 2004, AD 2002)
Sfantu (07.02.2026, 17:19): EDIT: Die Aufnahme nur mit Kammermusik von Leo Smit, die Sfantu oben verlinkt hat, habe ich mir vor rund zehn Jahren gekauft, bestimmt auch schon mal durchgehört, aber wieder vergessen. Leicht möglich, dass ich den Namen damals kennengelernt habe, der mir freilich ein Begriff ist. So geht's halt, wenn die Sammlung wächst .. O, wie kommt mir das bekannt vor...
Sfantu (07.02.2026, 17:28): "Dutch Connection" - der Titel bringt mich zum Schmunzeln. Ich verwende ihn gern für die niederländische Fraktion unter meinen Arbeitskollegen. Sie machen etwa 10% aus, 20% sind Deutsche, 70% Schweizer. Sie bewirken etwas Lockerheit und Aufhellung gegen den weit verbreiteten Bierernst der Anderen. Nun könnte man Smit auf den ersten Blick und in gedanklichem Kurzschluß ebenfalls unter diesem Klischee einordnen. Freilich greift das zu kurz resp. daneben. Er ist sicher viel mehr als nur der Gute-Laune-Onkel.
Sfantu (07.02.2026, 17:33): @Philidor
interessant, Dein Abstecken des Interpretations-Spektrums bei Sibelius Eins. In meiner Sammlung sind es ebenfalls Bernstein / Wien und Berglund / COE, die quasi als Leuchtbojen die Feldränder markieren. Lang' nicht mehr gehört, die ersten beiden Gattungsbeiträge.
Joe Dvorak (07.02.2026, 18:17): interessant, Dein Abstecken des Interpretations-Spektrums bei Sibelius Eins. In meiner Sammlung sind es ebenfalls Bernstein / Wien und Berglund / COE, die quasi als Leuchtbojen die Feldränder markieren. Lang' nicht mehr gehört, die ersten beiden Gattungsbeiträge. Zwischen die Ränder steckt man Mäkelä als Bombe, zündet diese, und dann bleiben vom Rest nur noch weit verstreute Trümmer übrig. Ich weiß: Wer für ein solch vielschichtiges Werk nur eine Interpretation als alleinseligmachende hinstellt, der disqualifiziert sich selbst. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder den Hinweis auf begrenzte Lebenszeit. Daher: Wenn die erste mal wieder -so wie jetzt- auf dem Programm steht, dann nur und ausschließlich diese:
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 1 e-Moll, op. 39 Oslo PO, Klaus Mäkelä
Philidor (07.02.2026, 18:27): Zwischen die Ränder steckt man Mäkelä als Bombe, zündet diese, und dann bleiben vom Rest nur noch weit verstreute Trümmer übrig. :D
Philidor (07.02.2026, 19:00): Hier wieder Mahler 9.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Bamberger Symphoniker Herbert Blomstedt aufgenommen Juni 2018
Vor Herbert Blomstedt habe ich höchsten Respekt. Der gilt zunächst seiner Diskografie in San Francisco, Hindemith, Nielsen, eine fantastische Carmina Burana, Brucker 6, Mahler 2 und vermutlich fällt mir Etliches gerade nicht ein.
Dann seine späten Aufnahmen. Ein Beethoven-Zyklus mit dem Gewandhausorchester, der mich sehr angefixed hat bei größter Konkurrenz im Regal. Dann sein später Bruckner. Diese beiden Zyklen schienen mir nochmal eine Schippe draufzulegen und ihn in einen sehr engen Kreis von Ausnahmedirigenten zu rücken.
Dies vorausgeschrieben, möchte ich sagen, dass meine Wahrnehmung der o. g. Aufnahme davon überhaupt nichts wegnehmen soll. Eher umgekehrt: Die Erwartungen waren halt sehr hoch, zumal bei diesem Werk.
Blomstedt erzeugt wunderbaren Fluss im ersten Satz, und dieser Fluss scheint ihm wichtiger als das Herausarbeiten der einzelnen Gesten. Das hat mich nicht so überzeugt wie diejenigen Interpretationen, die zugunsten des lokalen Ausdrucks nachgiebiger im Tempo waren und sozusagen die Phrase unter eine Lupe legten, um ihre Wirkung zu erhöhen. Das Durchziehen des Tempos schafft in meiner Wahrnehmung eine unempathische Distanz zum Stück, es läuft ab, wie es muss, aber es hat nur noch wenig mit mir zu tun. Das machte mich ein wenig ratlos. - Der zweite und der dritte Satz wirkten auf mich eher harmlos, im vierten Satz fehlte mir die Transzendenz. Ja, das Klischeeschwein ... dennoch: von einem 90jährigen Dirigenten hätte ich mehr Transzendenz erwartet.
Also, ich bin ein wenig enttäuscht. An meinem Respekt vor diesem großartigen Dirigenten mit einer auf Medium schier wunderbaren Alterskarriere ändert das nichts.
Philidor (08.02.2026, 07:36): Moinsen! - Heute ist der Sonntag Sexagesimae. Noch etwa 60 Tage bis Ostern.
Johann Sebastian Bach
"Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt" BWV 18 "Leichtgesinnte Flattergeister" BWV 181
BWV 18: Midori Suzuki, Makoto Sakurada, Peter Kooy BWV 181: Yukari Nonoshita, Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Joe Dvorak (08.02.2026, 09:31):
Richard Strauss - Don Juan op. 20 (Tondichtung nach Nikolaus Lenau)
Frankfurter Opern- und Museumsorchester, Sebastian Weigle
Das Werk ist eigentlich gar nicht mal ganz so schlecht, wie es der Schwabe als vorsichtige Anerkennung ausdrücken würde. Und so blendend, wie das hier dargeboten wird, macht es neugierig auf die Alpensinfonie mit demselben Interpreten-Gespann.
Joe Dvorak (08.02.2026, 10:03): Und noch ein Nachtrag:
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 5 Es-Dur, op. 82 (Originalversion 1915)
San Francisco Symphony, Esa-Pekka Salonen
Diese Leseart erscheint mir ein wenig farblos und stellenweise etwas zu statisch. Beeindruckend ist freilich die minutiöse fein- und grobynamische Gestaltung. Dabei wird das Spektrum an beiden Enden voll ausgenutzt. Ohne Kopfhörer hat man keine Chance, Nachregeln zu vermeiden, wenn man die Pianissimi deutlich hören, aber am Ende nicht die Nachbarn vor der Tür haben will. Dabei wird das Pulver klug dosiert und die letzten Reserven werden erst beim Schlusscrescendo aktiviert.
Joe Dvorak (08.02.2026, 11:27):
Ying Wang - RE:Widing 528Hz 8va (2021/22) für Orchester, Minimoog-Synthesizer und Elektronik Sebastian Berweck, SWR SO, Gregor A. Mayrhofer Noctilucent – I (2021) für Doppel-Trichtertrompete und Live-Elektronik Marco Blaauw Schmutz (2019) für Violine und Ensemble Sophie Schafleitner, Klangforum Wien, Julien Leroy RE:Wilding (2020) für Kammerorchester ensemble reflektor, Bar Avni Copyleft (2021) für Streichquartett Quatuor Diotima Das macht gehörigen Eindruck. Muss ich erst mal sacken lassen und morgen früh gleich nochmal aufs Programm setzen, bevor ich mich dazu äußere.
Philidor (08.02.2026, 12:23): Das Werk ist eigentlich gar nicht mal ganz so schlecht Wohldosiert kann ich Richard Strauss sehr gut ertragen, nein, finde ihn dann sehr hörenswert. Vor allem den genannten Don Juan, Tod und Verklärung, Zarathustra und eben die Alpensinfonie , die in dieser Aufnahme vom Ensemble Modern ungewohnt kammermusikalisch aufgeführt wird (Leitung: Markus Stenz). Es ist der Mitschnitt einer Aufführung anlässlich des 70. Geburtstags von Helmut Lachenmann, der sich dieses Werk wünschte. (Was bei einigen seiner glühendsten Anhänger vielleicht für Aufrollen der Zehennägel sorgte ... :D )
Philidor (08.02.2026, 12:39): Weit entfernt von Strauss' großorchestralen Äußerungen gab es hier Intimes:
Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18
Renaud Capuçon, Christoph Koncz, Violine Gérard Caussé, Marie Chilemme, Viola Gautier Capuçon, Clemens Hagen, Violoncello live Aix-en-Provence 2016
Ausnahme-Aufnahme. Punkt. Wenn ich überhaupt meckern wollte, dann, dass es manchmal an der Grenze von überdurchdacht wirkt. So ähnlich, wie wenn FiDi den Papageno oder den Wozzeck singt. Außerdem war die Mikrofonierung sehr nahe, so dass man auch Atem- und Spielgeräusche hört. - Egal: Eine Aufnahme, die man gehört haben sollte, wenn man op. 18 mag. Meine ich.
Philidor (08.02.2026, 17:53): Nun wieder Lulu.
Alban Berg: Lulu (Orchestrierung des dritten Aktes vollendet durch Friedrich Cerha)
Lulu - Christine Schäfer Gräfin Martha Geschwitz - Kathryn Harries Dr. Ludwig Schön, (Akt 1 & 2) Jack the Ripper (Akt 3) - Wolfgang Schöne Alwa - David Kübler Schigolch - Norman Bailey Doctor Goll, der Bankier, der Professor - Jonathan Viera
The London Philharmonic
Andrew Davis
Inszenierung: Graham Vick
Noch eine eindrucksvolle Inszenierung. Und Christine Schäfer ist hinreißend als Lulu.
Philidor (08.02.2026, 19:52): Und nochmal Sibelius mit Inkinen.
Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43
New Zealand Symphony Orchestra Pietari Inkinen
Hier kann ich die Logik des Ablaufs wesentlich besser nachvollziehen als bei der ersten Sinfonie. Inkinen entfaltet im Kopfsatz vor allem die lyrischen Aspekte, vergleichsweise ruhig, doch mit schönem Fluss. Im zweiten Satz lässt er das Brüten zur Geltung kommen und integriert die Ausbrüche für meine Begriffe ausgezeichet. Eine Stelle, die mir bei op. 43 wichtig ist, ist der Übergang vom dritten zum vierten Satz: Der gelingt für meine Begriffe schlüssig. Inkinen donnert die Stelle nicht auf, hebt sich den Höhepunkt für den Schluss auf. Und auch der Schluss wird nicht herausgedonnert, sondern aus dem Vorangegangen fein entfaltet. Unspektakulär, aber gut.
Also, unterm Strich mMn wesentlich besser gelungen als die erste. Inkinen hatte ein nachvollziehbares Konept und hat das gut umgesetzt. - Klar mag man noch überzeugendere Aufnahmen im Hinterkopf haben, Kajanus, Szell, Barbirolli, Segerstam II, Rouvali, Mäkelä, chacun à son goût, da reicht Inkinen vielleicht nicht ganz hin. Doch die zweite fand ich in dieser Aufnahme gut.
Ich mag auch mal die Cover des Zyklus loben. Die finde ich sehr gelungen.
Joe Dvorak (09.02.2026, 02:48): Alpensinfonie Ensemble Modern (Leitung: Markus Stenz) Bei mir mindestens Top 3 (und steht auf der Arbeitsliste), wobei ich mich gleich frage, welche daneben meine bevorzugten Aufnahmen sind. Ich habe einen ganzen Sack voll gehört, aber so richtig in den Vordergrund gespielt hat sich keine – mir gefallen die meisten. Mehta/Los Angeles, mit denen ich das Werk kennengelernt habe, sind gesetzt. Ansonsten sind ein paar Außenseiter im Gedächtnis geblieben, wohl auch, weil sie aus Ecken kommen, wo man nicht unbedingt große Alpinisten vermutet: Tabakov/Sofia, Shipway/São Paulo, Delfs/Milwaukee, Yamada/Monte Carlo. Spontan würde ich aus erwähntem Gedächtnis heraus noch Shipway dazu wählen.
Philidor (09.02.2026, 07:21): Unbedingt! Shipways Aufnahme ist klasse. Haitink (2x) und Jansons fallen mir noch ein. Und Francois-Xavier Roth hat seine Bergtour eventuell ohne Damenbegleitung durchgeführt.
Hier ist noch ein Kantätchen von gestern übrig.
Johann Sebastian Bach: "Erhalt uns Herr, bei deinem Wort" BWV 126
Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Joe Dvorak (09.02.2026, 09:03):
Richard Strauss - Don Juan op. 20 (Tondichtung nach Nikolaus Lenau)
Pilsen PO, Rémy Ballot
Die Therapie schlägt langsam an, der Trickster verlangte Wiederhören. Das Beste an dieser Aufnahme ist freilich die Marketingstrategie, die ebenso durchtrieben ist wie der Protagonist. Richard-Strauss-Tage Garmisch-Partenkirchen (steht vorne auf dem Cover) ... Wahlheimat des Komponisten ... alpine Naturlandschaft ... Ort seiner Inspiration ... authentische künstlerische Atmosphäre mit "Werkstattcharakter" ...in Live-Mitschnitten dokumentiert (steht im PR-Text) ... (Gramola Vienna: Don Juan/Ein Heldenleben). Ja, denkt der potenzielle Käufer, da gibt es doch sicher einen besonders beseelten Strauss zu hören. Klick. Und, gibt es das? Wir wissen es nicht, denn das Kleingedruckte verrät, dass die Aufnahme ex situ gemacht wurde – in Pilsen (steht hinten auf dem Cover). Und schon das verhangene Klangbild verhindert, dass so etwas wie Atmosphäre aufkommt, von dem alles andere als inspirierten Spiel ganz zu schweigen. Frech.
Philidor (09.02.2026, 18:22): Hier wieder Brahms. Es geht auf die Zielgerade für op. 18.
Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18
Tolle Aufnahme! Viel stärker auf der verinnerlichten Seite als das Ensemble um die Capuçon-Brüder. Ich mag Letzteres vielleicht sogar einen Tick mehr, aber an einem Herbstabend, mit einem Glas tiefen, reifen Rotweins ...
Den Anfang einer Neubeschäftigung mit dem frühen Sinfoniker Sibelius machte heute bei mir dieses ganz erstaunliche Album. Was macht es so erstaunlich? Zunächst einmal die unglaubliche Aufnahmequalität. Ich hätte nie erwartet, daß eine so alte Einspielung so transparent und rauscharm sein kann. Eine etwas enge Dynamik: ja. Nicht das, was man als verwöhnter Hörer für ein audiophiles Festmahl auflegen würde: ja. Aber doch ist dieser Klang seiner Entstehungszeit weit voraus. Bei der Sinfonie (Mai 1930) ist es nicht abschließend gesichert, ob tatsächlich das LSO spielt - es ist im Cover-Text nur vom "Symphony Orchestra" resp, "an unnamed british orchestra" die Rede. Tatsache ist, daß die Aufnahme der Konzertsuite (Juni 1932) eine Spur direkter eingefangen ist und noch etwas farbiger klingt. Kajanus läßt besonders den Schlußsatz von op. 39 recht straff und schnörkellos spielen, es herrschen Drama und Leidenschaft vor.
Philidor (09.02.2026, 22:05): @Sfantu , wenn ultimative Klangqualität nicht im Vordergrund steht und straff und schnörkellos ein Thema ist - kennst Du die Aufnahmen mit Anthony Collins?
Sfantu (09.02.2026, 22:29): @Philidor nein - ich kenne sie nicht. Daß Du sie erwähnst, bringt mich allerdings zum Schmunzeln: Ausgerechnet Collins und Mäkelä (unlängst von Joe gepriesen) sind die beiden Namen, die bei Hörwitz Atemnot, Ausschlag und Koliken erzeugen - gerade im Hinblick auf ihre Sibelius-Zyklen. Ich habe zu ihm (dem krächzenden Orakel aus Neuengland) inzwischen einen gesunden Sicherheitsabstand eingenommen und folge keinesfalls blind seinen Empfehlungen oder Verrissen.
Neben der Straffheit und Schnörkellosigkeit? Gibt es noch etwas, das Collins' Sibelius für Dich auszeichnet?
Joe Dvorak (10.02.2026, 06:14): Collins ist die nächste Station auf meiner Wiederentdeckungsreise ins Reich der Fünften. Diese war für mich lange etwas problembehaftet, weil ich dachte, neben vielen grandiosen Momenten ein paar Längen auszumachen, bis mich der Brite straff darüber hinwegspielend Lügen strafte. Seither mein unangefochtener Favorit.
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 5 Es-Dur, op. 82
London SO, Anthony Collins
Joe Dvorak (10.02.2026, 06:53): Nun wieder der Verführer, diesmal unter dem Stab einer weithin anerkannten Instanz in Sachen Strauss:
Richard Strauss - Don Juan op. 20 (Tondichtung nach Nikolaus Lenau)
Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan (1959)
Philidor (10.02.2026, 07:45): Neben der Straffheit und Schnörkellosigkeit? Gibt es noch etwas, das Collins' Sibelius für Dich auszeichnet? Das Herausarbeiten der Struktur. Wenn ich etwas bei Sibelius einzigartig finde, dann - vor allem - seine Fähigkeit, ab der vierten Sinfonie einen sinfonischen Fluss zu implementieren. Also die dialektische Sonatenhauptsatzform ein gutes Stück weit hinter sich zu lassen und durch ein eher evolutionäres Geschehen abzulösen.
Das kommt für meine Begriffe bei Collins wunderbar heraus.
Außerdem klingt Sibelius bei Collins m. E. völlig unsentimental. Passt für meine Begriffe ausgezeichnet.
Und der Mono-Klang ist atemberaubend. The best mono ever?
Ich sehe schon: Ich sollte mal wieder ... Nun wieder der Verführer, diesmal unter dem Stab einer weithin anerkannten Instanz in Sachen Strauss: Ja, Strauss konnte er. Bei op. 30 finde ich seine Aufnahme aus den 1970er (fast) unschlagbar. Nur Reiner weniger bekannte Aufnahme von 1962 kommt da heran. Und eventuell FXR.
Philidor (10.02.2026, 07:46): Ach ja: hier gab es
Antonín Dvořák: Streichquartett Nr. 9 d-Moll op. 34
Wihan Quartet
Gestern mit den Kocians, sehr gut, aber diese hier fand ich noch bezaubernder.
Philidor (10.02.2026, 17:17): Sehr erfreulich!
Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18
L'Archibudelli
Was für eine Freude! Da dachte ich, die Capucons mit ihrem intensiven, entdeckungsfreudigen Spiel und die Belceas (mit Zimmermann und Queyras) würden zwei gegensätzliche Alternativen auf hohem Niveau bieten, da kommt diese Aufnahme mit einem grundsätzlich verinnerlichten Ansatz, der jedoch von innen glüht und die Energie im Detail spüren lässt. Fantastisch!
Also, die Archibudellis würde ich vorne sehen, gefolgt von den Capucons und den Belceas. Dann war noch das Amadeus Quartett - good old fashioned way.
Sfantu (10.02.2026, 22:14):
Ulrich Stranz (1946-2004)
Klaviertrio (1986) 16'43
Orion-Trio: Georges Martin, Klavier Eiko Furusawa, Geige Luzius Gartmann, Violoncello
Sieben Feld-, Wald-und Wiesenstücke für 12 Streicher (1985) 15'34
Camerata Zürich - Räto Tschupp (CD, wergo, 1994)
Wodurch vermag Stranzens Trio zu fesseln? Durch das raubtierhaft Lauernde, die an-und abschwellenden Wogen an Spannung. Stille, plötzliches wildes Auffahren. Und trotz all der teils stark kontrastierenden Stimmungen bleibt ein durchgängiger Spannungsbogen erhalten - sicher auch das Verdienst des hellwachen Orion-Quartetts.
Die 7 Stücke für Streicher spielen augenzwinkernd mit den Möglichkeiten eines Streichensembles. Sie wirken etwas zahmer, geschlossener als das recht schießwütige Trio. Einen Scherz erlaubt sich das Schlußstück, indem ein volksmusikalisch eingefärbter, krachlederner Marsch abschnittweise kaum hörbar ist, als würde eine starke Böe den Schalldruck weg vom Hörer blasen. Oder als schließe sich zwischendurch eine vorher geöffnete Tür - um gleich drauf wieder aufzugehen wodurch der Marsch laut und gut vernehmbar daher stampfen kann. Schließlich ein etwas hämisch-bösartiges Tremolo con sordino, welches zum raschen Absterben der Klänge führt - so, wie der Löschdeckel, der die Flamme beim Réchaud zuverlässig erstickt.
Schwerer werdende Liddeckel zwingen zum Vertagen. Doch schon jetzt beeindruckt mich diese Portrait-CD schwer.
Joe Dvorak (11.02.2026, 04:50): JLL-#84/233
Caudio Montevedi - Vespro della Beata Vergine
Pygmalion, Raphaël Pichon
Was für unermesslich Große Musik! Nach über 4 Jahrhunderten immer noch auf der Höhe der Zeit, hier in allerbester, über die ganze Strecke bezwingender Darstellung.
Philidor (11.02.2026, 07:21): Und nochmal.
Antonín Dvořák: Streichquartett Nr. 9 d-Moll op. 34
Smetana Quartet
Wunderbare Musik. Wird mit jedem Hören besser.
Philidor (11.02.2026, 07:59): Nach op. 18 überspringe ich die beiden ersten Klavierquartette - in die hatte ich im Spätjahr 2025 ein wenig hineingehört - und höre mal ins Klavierquintett hinein.
Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34
Rudolf Serkin, Klavier Busch Quartett aufgenommen am 13. Dez 1938
Siehe da: An die langsame Einleitung des Finales konnte ich mich gar nicht mehr erinnern. Die klingt ja fast nach spätem Brahms.
Familiengeschichten:
Adolf Busch war der Schwiegervater von Rudolf Serkin. Nach seiner Emigration in die USA gründete Adolf Busch ein neues Streichquartett mit dem Geiger Ernest Drucker, Vater von Eugene Drucker, späterer Geiger des Emerson String Quartet.
Cellist Paul Grümmer war der Schwager von Elisabeth Grümmer, der Frau seines Bruders Detlef, Konzertmeister in Aachen. Paul Grümmer war der Cello-Lehrer von Nikolaus Harnoncourt.
Joe Dvorak (11.02.2026, 08:03): Hier wieder das Gespann:
Richard Strauss - Don Juan op. 20 (Tondichtung nach Nikolaus Lenau)
Chicago SO, Fritz Reiner (1954)
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 5 Es-Dur, op. 82
Wiener Philharmoniker, Leonard Bernstein
Philidor (11.02.2026, 19:18): SIbelius 5 mit Bernstein? Beide Aufnahmen finde ich gut, die in New York entstandene ebenso wie die mit den Wienern.
Hier mit Inkinen - die dritte:
Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 3 C-Dur op. 52
New Zealnd Symphony Orchestra Pietari Inkinen
Gar nicht schlecht! Leider im Forte manchmal etwas mulmig, ansonsten eine gute Aufnahme, meine ich.
Philidor (12.02.2026, 07:32): Moinsen! - Und nochmal.
Antonín Dvořák: Streichquartett Nr. 9 d-Moll op. 34
Vlach Quartett Prag
Wunderbare Aufnahme. Aus der großen Naxos-Zeit in den 1990ern, in der die einen Knaller nach dem anderen produziert haben. (Ok, nicht alles war Gold ...)
Gefiel mir sehr gut! Ich würde sagen: Eine sehr gute Aufnahme der Mitte, die auf Extravaganzen verzichtet. Wenn überhaupt etwas auffällig ist, dann die Klarheit der Darstellung, strukturell wie klanglich. Aber noch kenne ich das Werk zu wenig.
Sfantu (12.02.2026, 21:51): Auch ich mag die satte Sonorität des Streichsextetts sehr. Mich überkam die Laune, den Bogen vom Vater der Gattung bis zu einem ihrer Ur-Ur-Urenkel zu spannen:
Luigi Boccherini
Streichsextette Es-dur op. 23 Nr. 1 G 454 E-dur op. 23 Nr. 3 G 456 f-moll op. 23 Nr. 4 G 457 F-dur op. 23 Nr. 6 G 459
Mayumi Seiler und Iris Suda, Violinen Dietmut Poppen und Werner Dickel, Bratschen Richard Lester und Howard Penny, Violoncelli (CD, Capriccio, 1992)
Daniel Schnyder
Streichsextett
Mitglieder der "Kammermusiker Zürich": Benjamin Langbein und Andreas Pfenninger, Violinen Jürg Dähler und Cornel Anderes, Bratschen Raffaele Altwegg und Luc Aeschlimann, Violoncelli (CD, ex libris, 1989)
1776 hob Boccherini mit seinem op. 23 die Gattung Streichsextett (mutmaßlich) aus der Taufe - als Beiträge zur Hausmusik seines Dienstherrn, des Infanten Don Luis. Doch folgten ihnen keine weiteren Werke dieser Besetzung aus Boccherinis Feder. Elegant und originell die teils eigenwillige Gliederung von Satzelementen - seien es beispielsweise die drei Trios im Minuetto-Finale von Nr, 1 oder die vielen Kunstpausen im Schlußsatz aus Nr. 6. Eines der Hauptthemen dort erinnert an "Auf einem Baum ein Kuckuck". Booklet-Textautor Michael Stegemann hebt hervor, wie immer wieder Instrumente im Register der Anderen "wildern", woraus eine ungemeine Verflechtung der Stimmen resultiert. Gepflegtes Spiel der Mitglieder des Chamber Orchestra of Europe. Wäre hie und da ein wenig mehr Akzentuierung, mehr Bürsten gegen den Strich denkbar? Sicher. Auch ist das Klangbild eine Spur verhangen. Doch am Ende sind das nur Marginalien. In summa: sehr lohnend!
1987 wurde Daniel Schnyders Sextett uraufgeführt. Es braucht schon ein sattes Maß Chuzpe, einen so an Knappheit schwer zu unterbietenden Booklet-Text zu verfassen: Näher am Jazz, an der Struktur des in ihm vorgegebenen "Songs" sind die drei Teile des Streichsextetts; hier wird ein Aggregatzustand des Materials vorgeführt Ja - die Liedform ist in allen drei, besonders im Schlußsatz zu erkennen. Glücklicherweise meint die Nähe zum Jazz hier nicht mehr als eine Annäherung im Sinne kommunizierender Röhren. Es klingt also zu keiner Zeit "jazzy". Doch liefert der Jazz einige Zutaten, die in dieser Kunstmusik interessante Aromen entfalten. Wenn das repräsentativ für den Third Stream isr, dann gern mehr davon. Engagiertes Spiel, durchsichtige Aufnahme.
Joe Dvorak (13.02.2026, 01:34): Neu:
John Zorn's Olympiad Vol. 4 - Curling
Rova Saxophone Quartet (Version 1), William Winant Percussion Group (Version 2)
Mit vielen langgezogenen Tönen und zurückhaltender Dynamik ist das die am leichtesten zugängliche Game Piece-Komposition von Zorn. Namensvetter Cage ist hier nicht weit, streckenweise könnte man das für ein Nummernstück aus der Four-Serie halten.
Philidor (13.02.2026, 07:23): Moinsen! Und nochmal:
Antonín Dvořák: Streichquartett Nr. 9 d-Moll op. 34
Vogler Quartett
Fein, hat mich aber nicht so gepackt wie gestern die Vlachs.
Joe Dvorak (13.02.2026, 08:42): Listenarbeitsvergnügen: JLL-#85/233
Johann Sebastian Bach - Violinkonzerte a-Moll BWV 1041, E-Dur BWV 1042 & Rekonstruktionen von BWV 1055,1056,1052
Alina Ibragimova, Arcangelo, Jonathan Cohen
Andréjo (13.02.2026, 08:54): Moinsen! Und nochmal:
Antonín Dvořák: Streichquartett Nr. 9 d-Moll op. 34
Vogler Quartett
Fein, hat mich aber nicht so gepackt wie gestern die Vlachs. :) Das wird dann wieder mal aufgelegt - im Ohr habe ich allenfalls den Sound von Dvorak - es ist ja wohl bereits typisch genug ?! Und als CD steht mir bei diesem Quartett nur Stamitz zur Verfügung, da ich auf eine weitere Gesamtaufnahme verzichten wollte. Aber die sind ja auch nicht schlecht.
Ab op. 51 - chronologisch gesehen, also noch nicht op. 80 - gibt es dann Alternativen, zum Teil mehrere.
Philidor (13.02.2026, 17:24): Die nächste mit Inkinen.
Jean Sibelius: SInfonie Nr. 4 a-Moll op. 63
New Zeland Symphony Orchestra Pietrai Inkinen
Erster Satz fein. Doch der zweite Satz war eher auf der unentschlossenen Seite. Schade. Im dritten Satz fehlte mit die Kohärenz - Inkinen gelang es mMn nicht, die beiden Themen mit ihren kontinuierlichen Variationen und Entfaltungen schlüssig zu verbinden. So zieht sich dieser Satz träge dahin. War nicht der sinfonische Fluss eines der Hauptanliegen von Sibelius? Mit dem dritten Satz steht und fällt die ganze vierte Sinfonie für mich ... Leider klingt auch der letzte Satz eher beliebig.
Philidor (13.02.2026, 18:58): Und nochmal der Finne.
Eine Minute von dieser CD, und es ist im Vergleich zu Inkinen klar, was eine durchwachsene Wiedergabe ist und was engagiertes Spiel und Herausarbeiten der Zusammenhänge wie der Stimmungen bedeutet. Ja, ich würde sogar soweit gehen, zu sagen: Würde mich jemand fragen,wie man eine mittelmäßige und eine ausgezeichnete Aufnahme auseinander halten kann, so würde ich diese beiden einfach jeweils für ein paar Minuten anspielen.
Philidor (13.02.2026, 19:57): Noch ein Kracher, bevor der Narrhallamarsch im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz erklingt ...
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 1 D-Dur
Tonhalle-Orchester Zürich Paavo Järvi
Ich höre die Aufnahme nun zum ersten Mal und habe einige Lobeshymnen darauf im Hinterkopf - was soll ich sagen: Diese Aufnahme hat all diese Lorbeeren verdient.
Tolle Klangfarben, einige Stelle neuartig ausgeleuchtet, Übergänge meistens sehr schlüssig (nicht immer im ersten Satz), sehr gute Klangtechnik.
Die Aufnahme wird vielleicht nicht sofort in meinen Mahler-1-Olymp einziehen, wo Walter/Columbia SO, Bernstein/Concertgebouw und Gielen/SWR SO so einträchtig beieinander wohnen, aber sie wird zumindest in nächster Nachbarschaft ein Domizil beziehen und nach weiterem Anhören vielleicht den Olymp erklimmen ....
Joe Dvorak (14.02.2026, 07:22): JLL-#86/233
Kalevi Aho - Streichquartett Nr. 1-3
Stenhammar Quartet
Eine höchst erfreuliche Angelegenheit ist das. Ich muss unbedingt wieder mehr Quartette hören. Die drei Werke entstanden vor und während der Studienzeit des Komponisten, wobei die formal interessante, symmetrisch angelegte Nummer 3 schon sehr ambitioniert wirkt, zwar mit Bartók- und Shostakovich-Einflüssen, aber das sind nicht die schlechtesten Referenzen. Mir gefällt das an den Schluss des Albums gehängte erste Quartett ganz besonders. Tonal und eklektisch, ja, jedoch mit Schmiss, und einem Füllhorn glänzender melodischer Einfälle – mehr als Brahms in seinem gesamten Oeuvre aufzubieten hat ( ;) ).
Joe Dvorak (14.02.2026, 07:33): Und nun mein Allzeitfavorit in Sachen Sibelus 5. Sicher nicht ohne Makel, aber der Gesamteindruck ist tiefer als bei der Konkurrenz. Auch die orientalische Suite finde ich nirgendwo besser.
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 5 Es-Dur, op. 82
Slovak PO, Adrian Leaper
Philidor (14.02.2026, 08:55): Was für eine Freude am frühen Morgen!
Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34a
Clifford Curzon, Klavier Budapest String Quartet Mai 1958
Nun habe ich noch nicht sooo viele Aufnahmen des wunderbaren Werks gehört, doch dass hier außergewöhnlich gelungen musiziert wird, scheint mir offensichtlich. Mal kräftig zupackend, mal fein modellierend, doch meist agil und straff, immer klar und als Ensemble, in dem jede Stimme zu ihrem Recht kommt. Auch strukturell bestens nachvollziehbar. Wer den schlanken Klang mag, kann seine helle Freude haben. Für mich großes Brahms-Spiel in jeder Hinsicht.
Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks Rafael Kubelik
Die Radiosinfoniker kommen heute nochmal zum Einsatz.
Philidor (14.02.2026, 17:55): Nun wieder Inkinen mit seinen Neuseeländern.
Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 5 Es-Dur op. 82
New Zealand Symphony Orchestra Pietari Inkinen
Aus meiner Sicht solide, weder besonders gut noch besonders schlecht. Inkinen hält das Stück gut in Fluss. Die Hörner im Finale klingen geradezu hässlich. Kann eigentlich nur Absicht sein, klingt irgendwie unbehauen und urig.
Philidor (14.02.2026, 19:24): Mahler 9.
Gustav Mahler: SInfonie Nr. 9 D-Dur
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Mariss Jansons 2017
Organisch, organisch, organisch. Wenn ein organischer Ablauf bei Mahler für Dich wichtig ist, dann bist Du hier richtig. Der Kopfsatz hebt wunderbar zart an, und Jansons entfaltet ihn für meine Begriffe sehr fein zu den Höhepunkten. - Ich finde organische Verläufe bei Mahler sehr wichtig, darum mag ich diese Aufnahme sehr. Darüber hinaus finde ich Tempi und Stimmungen sehr gut getroffen, und die bayerischen Musiker spielen einfach großartig.
Also alles bestens? Ich bin nicht ganz sicher. Der organische Ablauf ist derart perfektioniert, dass er eine Glätte eigener Art erzeugt. Weil alles so natürlich und elegant wirkt, zeigt die Musik kaum Ecken und Kanten. Das ist zwar sehr anziehend - es macht mich geradezu süchtig -, doch vielleicht versteckt es wichtige Aspekte der Musik, die schroffe Gegensätze zeigen sollten. So klingen die Mittelsätze wunderbar rund, aber das haben wir doch schon mit mehr Biss gehört, oder?- Egal: Ich habe das Hören sehr genossen.
Joe Dvorak (15.02.2026, 03:28):
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 5 Es-Dur, op. 82
Iceland SO, Petri Sakari
Wie bei Leaper ist das Teil einer Gesamteinspielung. Zusammen mit der momentan von Philidor tapfer durchstandenen sind das schon drei im Naxos-Bunde. Wenn ich mich recht erinnere, ist die eben gehörte die erste, der ich aus dem Sakari-Zyklus begegne. Wo reiht sich diese Fünfte im Vergleich zum "unangefochtenen Favoriten" (Joe D.) Collins und zum "Allzeitfavoriten" (Joe D.) Leaper ein? Ich würde sagen, wenn man keinen allzu übersteigerten Wert darauf legt, dass immer, ständig und ausschließlich die allerletzte Genauigkeit im Zusammenspiel herrschen muss, fast auf Augenhöhe. Den zweiten Satz habe ich zumindest so kontrastreich an Hell-Dunkel, Dynamik und Tempo und dabei mit ordentlichem Zug fließend von keiner anderen Einspielung in Erinnerung. Abstriche kann man wegen des etwas distanziert-nebligen Klanges machen. Vielleicht soll das so sein - die vom Cover vermittelte Stimmung wird damit jedenfalls gut getroffen.
Joe Dvorak (15.02.2026, 03:51): Gustav Mahler: SInfonie Nr. 9 D-Dur
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Marriss Jansons 2017
Also alles bestens? Ich bin nicht ganz sicher. Der organische Ablauf ist derart perfektioniert, dass er eine Glätte eigener Art erzeugt. Weil alles so natürlich und elegant wirkt, zeigt die Musik kaum Ecken und Kanten. Das ist zwar sehr anziehend - es macht mich geradezu süchtig -, doch vielleicht versteckt es wichtige Aspekte der Musik, die schroffe Gegensätze zeigen sollten. So klingen die Mittelsätze wunderbar rund, aber das haben wir doch schon mit mehr Biss gehört, oder?- Egal: Ich habe das Hören sehr genossen. Bei dieser Beschreibung kam mir in Erinnerung, dass ich vor einiger Zeit die Neunte aus Essen gehört habe und mir absolut nichts dazu einfiel, außer vielleicht, dass es eine der Aufnahmen (nicht nur dieser Sinfonie, sondern allgemein) ist, die mich voll und ganz ohne irgendwelche Einwände befriedigt zurückgelassen haben, ohne dass ich sagen kann, warum. Auch ich habe mich gefragt, ob "befriedigend" "ausreichend" ist, und bin zum Schluss gekommen: ja.
Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Essener Philharmoniker, Tomáš Netopil
Joe Dvorak (15.02.2026, 04:16): JLL-#87/233
Die Streichquartette fand ich so prickelnd, dass ich sehend noch ein weiteres Album des Finnen aus dem Arbeitstopf ziehe:
Kalevi Aho - Gitarrenkonzert & Hornquinett
Ismo Eskelinen (Gitarre), Ilkka Puputti (Horn), Lapland CO, John Storgårds
Philidor (15.02.2026, 09:08): Moinsen! Heute ist der Sonntag Estomihi, der letzte Sonntag vor der Passionszeit. Bach bewarb sich an diesem Sonntag des Jahres 1723 auf die Stelle des Thomaskantors in Leipzig und führte als Probe seines Könnens diese beiden Kantaten auf - Glanzstücke der Gattung.
Johann Sebastian Bach
"Jesus nahm zu sich die Zwölfe" BWV 22 "Du wahrer Gott und Davids Sohn" BWV 23
Midori Suzuki, Yoshikazu Mera, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (15.02.2026, 15:27): Tolle Aufnahme, von Boulez wunderbar entfaltet!
Alban Berg: Lulu
Lulu - Teresa Stratas Gräfin Martha Geschwitz - Yvonne Minton Dr. Ludwig Schön, (Akt 1 & 2) Jack the Ripper (Akt 3) - Franz Mazurka Alwa - Kenneth Riegel Schigolch - Tony Blankenheim
Orchestre de l'Opéra de Paris
Pierre Boulez
Philidor (15.02.2026, 16:15): Nun aber Musik zum Spaß an der Freude - es ist Fastnacht ...
Edward Elgar: Pomp and Circumstance Marches 1-5 op. 39
London Philharmonic Orchestra Sir Adrian Boult
Philidor (15.02.2026, 16:51): Immer noch im Fastnachtsmodus.
Richard Strauss
Burleske d-Moll für Klavier und Orchester Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28
Malcolm Frager, Klavier Staatskapelle Dresden Rudolf Kempe
Philidor (15.02.2026, 17:47): Nun wird der Karneval pianistisch.
Sergej Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30
Van Cliburn, Klavier Symphony on the Air Kirill Kondraschin
EIn Klassiker.
Philidor (15.02.2026, 18:25): Und noch die Sinfonischen Tänze.
Sergej Rachmaninoff: Symphonische Tänze op. 45
New York Philharmonic Orchestra Dimitri Mitropoulos
Philidor (15.02.2026, 18:59): Zum Beschluss des fastnächtlichen Spaßhörens.
Maurice Ravel
La Valse Boléro
Boston Symphony Orchestra Charles Munch
Nach 70 Jahren klingen diese Aufnahmen immer noch fantastisch, wenngleich der Boléro eher auf der schnellen Seite ist.
Joe Dvorak (16.02.2026, 09:29):
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 5 Es-Dur, op. 82
London PO, Jukka-Pekka Saraste (Live, 2008)
Ohne Fehl und Tadel. Ich meine, das ist bei denselben Vorzügen noch einen Ticken runder und zwingender als die beiden zuletzt gehörten - also noch besser, wobei ich glaube, dass das weniger mit den Interpreten zu tun hat und mehr damit, dass mich das Werk an sich mit jedem wiederholten Hören mehr in seinen Bann zieht.
Joe Dvorak (16.02.2026, 10:27): JLL-#88/233
Olivier Messiaen - Messe de la Pentecôte & Livre d'Orgue
Rudolf Innig (Orgel, Fischer + Krämer, St. Bonifatius, Lingen/Erms)
Was für Musik!
Philidor (16.02.2026, 10:36): und mehr damit, dass mich das Werk an sich mit jedem wiederholten Hören mehr in seinen Bann zieht. Nachvollziehbar! Die Fünfte finde ich von der formalen Seite her unglaublich innovativ. Sibelius ging da tatsächlich neue Wege. Die Sonatenhauptsatzform ist in ihren Trümmern noch erkennbar, doch Sibelius hat in der Fünften auf dem Weg von der dialektischen Form zur evolutionären einen Höhepunkt erreicht.
So viele Querverbindungen ... im Kopfsatz wird ein von Anfang an brüchiges Es-Dur (der Satz beginnt mit einem Quartsextakkord - also streng genommen mit einer Dissonanz) immer wieder destabilisiert, und wenn es fast völlig zerfallen ist, rettet nur ein gewaltsamer Durchbruch das Es-Dur irgendwie ins Ziel. - Im langsamen Satz wird die Schwanenhymne, die im Finale zum Erlöser des Werks wird, bereits versteckt angekündigt. - Im Finale erscheint sie halt in Es-Dur, dann triumphiert sie in C-Dur, dann wieder Anfechtung und Gefahr des Zerfalls (Verpuppung des Themas?), bis eine Häutung den Sieg herbeiführt. -Genial auch die finalen Akkorde - nichts anders als das simultane Erklingen der Töne von je zwei Takten der Schwanenhymne, am Schluss ann B - Es im Unisono, die vollständige und nicht zu übertreffende Reinauguration von Es-Dur.
Ich kenne kein anderes Werk mit einer vergleichbaren Dramaturgie, höchstens die drei Choräle für Orgel von César Franck, wo ebenfalls die Sonatenhauptsatzform völlig neu gelesen wird, in jedem Choral individuell und anders.
Und in der Siebten ging Sibelius dann nochmal ein ganz neuen Weg.
Philidor (16.02.2026, 10:37): Hier Kantatenrestehören.
Johann Sebastian Bach
"Herr Jesu Christ, wahr' Mensch und Gott" BWV 127 "Sehet! wir gehn hinauf gen Jerusalem" BWV 159
Carolyn Sampson, Robin Blaze, Gerd Türk, Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Andréjo (16.02.2026, 12:42): JLL-#88/233
Olivier Messiaen - Messe de la Pentecôte & Livre d'Orgue
Rudolf Innig (Orgel, Fischer + Krämer, St. Bonifatius, Lingen/Erms)
Was für Musik! Auf jeden Fall! Dennoch: Ich meine, dass alle andere Orgelmusik von Messiaen leichter zu hören ist als das Livre d'Orgue.
Aufnahmen finde ich mit Willem Tanke und Olivier Latry - also im Rahmen der DG-Integrale des Gesamtwerks (Latry) und im Rahmen aller Orgelwerke (Tanke).
Philidor (16.02.2026, 13:00): Die erste Aufnahme des Werks mit den Takács-Mannen, hier mit András Schiff.
Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34a
András Schiff, Klavier Takács Quartet Januar 1990
Straff und detailliert, transparent im Klang. Mustergültig, aber ohne Begeisterungsfaktor. Und das Finale wirkte eher zahm auf mich.
Andréjo (16.02.2026, 13:42): Liegt's an allen Fünfen? Vielleicht ist das boshaft, aber bei Schiff (Andras) scheint oft genug eine Handbremse gezogen. Die obige Aufnahme kenne ich nicht.
Philidor (16.02.2026, 17:43): Liegt's an allen Fünfen? Da es eine Gemeinschaftsproduktion war, würde ich das immer bejahen. Jeder trägt ein Stück Verantwortung für das Ganze.
Hier Spaßmusik zur Fastnacht:
Jón Leifs: Geysir op. 51
Iceland Symphony Orchestra Osmo Vänskä
Sergej Prokofiev: Klavierkonzert Nr. 1 Des-Dur op. 10
Andrej Gavrilov, Klavier London Symphony Orchestra Sir Simon Rattle
Philidor (16.02.2026, 18:12): Und weiter mit Spaßmusik:
Igor Stravinsky: Le Sacre du printemps
Royal Concertgebouw Orchestra Mariss Jansons
Gehört über die SACD-Spur des physischen Mediums. Klanglich hinreißend. Die Grundstückspreise in der Nachbarschaft fallen bereits. :D
Philidor (16.02.2026, 19:46): Hier Meditationen über die Spiritualität von Landschaften.
Olivier Messiaen: Des Canyons aux étoiles
Steven Osborne (Klavier) Jeffrey Fair (Horn) Seattle Symphony Ludovic Morlot
Aufgenommen im Juni 2022, genauso wie die Aufnahme mit Thierry Fischer und dem Utah Symphony Orchestra. Letztere habe ich als ein wenig bezwingender im Gedächtnis.
Philidor (17.02.2026, 09:16): Moinsen! Hier wieder Brahms.
Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34a
Glenn Gould, Klavier Montreal String Quartet
Eine seltsame Aufnahme. Drängend im Kopfsatz, leidenschaftlich, aber nicht ganz so bezwingend wie die besten. Zügig im zweiten Satz, Ruhe entsteht kaum, auch werden die Piani und Pianissimo wenig ausgeleuchtet. Mein Eindruck: Dauerüberdruck. Dafür ist der dritte Satz sehr zurückhaltend im Tempo. - Wollten die Kanadier den zweiten und den dritten Satz quasi in einem Tempo darbieten? - Das Finale zieht sich dahin ... ein seltsamer Eindruck, der mich ein wenig an Goulds Aufnahme von brahms' ersten Klavierkonzert (mit Bernstein) erinnert.
In der Fuge scheint mir horizontale Entwicklung für Schuman meistens wichtiger gewesen zu sein als das Kreieren vertikaler Zusammenklänge, auch, wenn es lokale Inseln mit akkordischem Zusammenspiel gibt. Die Musik erinnert mich am ehesten an Hindemith, doch mit mehr Wärme.
Das Intermezzo zeigt eine andere Satztechnik, hier scheinen mir allen individuellen Wege der Stimmen immer wieder bestimmte Konsonanzen (nicht immer im dur-moll-tonalen Sinne) anzustreben.
Die Rondo Variationen brechen ein wenig aus der Introvertiertheit der ersten beiden Sätze aus, willkommene Abwechslung. Auch hier das Bestreben, Zusammenklang aus der Simultanität individueller Linien zu schaffen, es bleibt ein linearer Fokus dieser Musik eigen.
Spannend, ich brauche vielleicht noch ein wenig Zeit, um den spröden Charme dieser Musik besser zu erfassen.
Joe Dvorak (17.02.2026, 10:55): Olivier Messiaen - Messe de la Pentecôte & Livre d'Orgue
Rudolf Innig (Orgel, Fischer + Krämer, St. Bonifatius, Lingen/Erms)
Was für Musik! Auf jeden Fall! Dennoch: Ich meine, dass alle andere Orgelmusik von Messiaen leichter zu hören ist als das Livre d'Orgue. Aufnahmen finde ich mit Willem Tanke und Olivier Latry - also im Rahmen der DG-Integrale des Gesamtwerks (Latry) und im Rahmen aller Orgelwerke (Tanke). Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit die Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité gehört. Die gehen sicher geschmeidiger ins Ohr, stellen aber gerade deswegen manchmal auch so ihre Herausforderungen. Auf jeden Fall muss alles gehört werden, was der Franzose georgelt hat. Ein weiteres Projekt nebst der Respighi-Box mit Neschling, der Grieg-Box mit Ruud, der gerade ins Programm genommenen Sibelius-GA mit Saraste, und die aktuelle "catch-up"-Liste ist noch nicht mal zur Hälfte abgearbeitet. Die gute Musik geht uns nicht aus. :engel
Philidor (17.02.2026, 15:11): Hier Spaßmusik zur Fastnacht - special edition.
Luciano Berio: Sinfonia
Electric Phoenix (= Judith Rees, Nicole Tibbels, Sopran Carol Hall, Elisabeth Harrision, Mezzosopran Daryl Runswick, Jeremy Taylor, Tenor Gordon Jones, Terry Edwards, Bass)
Solisten des Royal Concertgebouw Orchestra: Johan Kracht, Violine Ruud van den Brink, Klavier Leo van Doeselaar, elektronisches Cembalo Jan Kryff, elektronische Orgel
Royal Concertgebouw Orchestra
Riccardo Chailly
Joe Dvorak (17.02.2026, 15:22): Ans Werk: JLL-#89/233
Philip Glass - Etudes 1-20
Nicolas Horvath (Klavier)
Horvaths Einspielung des Gesamtwerks von Erik Satie ist der absolute Hammer und rückt diesen singulären Komponisten in ein noch neueres Licht. Glass' Klavierwerk ließ mich vor ca. einem Jahr erstmals aufhorchen, als ich die Etüden (Auszüge) mit Deutekom einer Audition unterzog. Nachdem ich gesehen habe, dass Horvath die komplett eingespielt hat, war klar, dass das gehört werden muss.
Philidor (17.02.2026, 15:45): Und weiter mit Spaßhören.
Manuel de Falla: Noches en los jardines de Espana
Alicia de Larrocha, Klavier London Philharmonic Orchestra Rafael Frühbeck de Burgos
Andréjo (17.02.2026, 15:53): Hier Spaßmusik zur Fastnacht - special edition.
Luciano Berio: Sinfonia
Electric Phoenix (= Judith Rees, Nicole Tibbels, Sopran Carol Hall, Elisabeth Harrision, Mezzosopran Daryl Runswick, Jeremy Taylor, Tenor Gordon Jones, Terry Edwards, Bass)
Solisten des Royal Concertgebouw Orchestra: Johan Kracht, Violine Ruud van den Brink, Klavier Leo van Doeselaar, elektronisches Cembalo Jan Kryff, elektronische Orgel
Royal Concertgebouw Orchestra
Riccardo Chailly
;) Kleines Sternchen - kleines nur - für die Spaßmusik als Terminus. :) Die Sinfonia könnte ich mir mal wieder anhören - so ganz ging sie bislang nicht an mich, aber der Mensch ändert sich.
Philidor (17.02.2026, 17:09): Hier weiter mit fastnächtlichem Spaßhören.
Leonard Bernstein: Sinfonische Tänze aus "West Side Story"
Los Angeles Philharmonic Orchestra Leonard Bernstein
Joe Dvorak (17.02.2026, 17:34): JLL-#90/233
Witold Lutosławski - Chantefleurs et chantefables
Solveig Kringelbron (Sopran), Norwegian CO, Daniel Harding
Von Lutosławski kenne ich eigentlich nur die 3. Sinfonie wirklich. Angesichts des gerade Gehörten, insbesondere der Präludien und Fuge für 13 Solostreicher, erscheint mir das als ein gravierender Mangel.
Philidor (17.02.2026, 19:58): Mahler 9, abermals mit dem SO des BR.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks Bernard Haitink Dezember 2011
Ich möchte sagen, dass dies eine sehr intensive Wiedergabe von Mahlers Abschiedssinfonie, die nur an den einschlägigen Stellen die transzendenten Aspekte offenlegt.
Ganz wunderbar fand ich den ersten Satz. Das Abschiedsgefühl ist ebenso präsent wie die schwelgerisch-verklärten Rückblenden in bessere Zeiten. Die Wiedergabe kam mir eher zügig vor (27:00), und ein Blick auf die Spielzeiten anderer prominenter Aufnahmen von Walter (Columbia SO), bis Chailly bestätigte dies. Nur Abbado war in Berlin 1999 rund eine Minute schneller. Und natürlich Scherchen, aber das ist eine andere Geschichte. - Die beiden Mittelsätze haben sehr schönen Biss, nicht überzeichnet. Was mir besonders an dieser Aufnahme gefällt, ist das Finale, das über weite Strecken sehr intensiv ausmusiziert ist wie der Kopfsatz und erst am Schluss ins Transzendente geht, wobei Haitink der Übergang in staunenswerter Weise gelingt.
Die Aufnahme ist vielleicht nicht ganz so ausnahme-artig, wie ich sie in Erinnerung hatte, doch nach wie vor finde ich sie ausgezeichnet.
Joe Dvorak (18.02.2026, 03:38): Von Lutosławski kenne ich eigentlich nur die 3. Sinfonie wirklich. Und natürlich das Konzert für Orchester.
JLL-#91/233
Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonie Nr.39 Es-Dur, K. 543 & Sinfonia Concertante Es-Dur, K. 297b
Berliner Philharmoniker, Carlo Maria Giulini
Ich wiederhole mich mal wieder. Hier wird in der Theorie so ziemlich alles falsch gemacht: Riesenbesetzung, moderne Instrumente und sehr breite Tempi. Und es ist in der Praxis sehr gut so. Der späte Guilini malt ein ruhig fließendes, warm leuchtendes Mozart-Bild, an dessen Tiefenwirkung ich mich nicht satt hören kann.
Philidor (18.02.2026, 07:15): Heute ist Aschermittwoch.
Johann Sebastian Bach: "Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir" BWV 131
Midori Suzuki, Yoshikazu Mera, Gerd Türk,Peter Kooy Bach Collegium Japan Masaaki Suzuki
Philidor (18.02.2026, 17:47): Brav.
Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 6 op. 104 Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 105
New Zealand Symphony Orchestra Pietari Inkinen
Ja, ja, das klingt schon irgendwie so, wie ich es kenne. Nur ein wenig unengagierter, lustloser. Zum Beispiel das zweite Auftreten des Aino-Themas in der Siebten. Wie bedrohlich kann das klingen. Hier eher wie Kindergeburtstag.
Also, die zweite und dritte Sinfonie fand ich ganz ok, den Rest habe ich nun oft genug gehört. Es gibt einfach zu viele bessere Aufnahmen.
Philidor (19.02.2026, 07:29): Moinsen! Hier nochmal Schuman.
William Schuman: Streichquartett Nr. 3 (1939)
The Kohon Quartet
Philidor (19.02.2026, 08:05): Hinterher wieder Brahms.
Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34a
Jenö Jandó, Klavier Kodály Quartet
Eine der sehr guten bis hervorragenden Aufnahmen aus der frühen Naxos-Zeit. Sehr feines, ausbalanciertes Spiel.Der emotionale Radius ist eher verhalten, was dem Stück mMn nicht schlecht steht. - Die nächste Hochdruck-Aufnahme kommt bestimmt.
Also, den Nimus dieser Aufnahme kann ich nicht nachhvollziehen. Das "Big Picture" gefällt mir, doch mir fehlt Differenzierung im Detail. Dies scheint auch durch die Klangtechnik bedingt zu sein, die sich im Laufe des ersten Satzes jedoch verbessert (oder ich habe mich eingehört). In den 1960ern mag die Aufnahme auch mangels Konkurrenz ihren Nimbus erlangt haben, doch mMn stehen uns heute viele befriedigendere Aufnahmen zur Verfügung, nicht nur klangtechnisch. Oder es liegt an meiner Tagesform.
Joe Dvorak (19.02.2026, 15:55): Auch hier durfte sich der Nimbus einer Aufnahme meinen Ohren stellen und die sagen mir, dass der aber sowas von gerechtfertigt ist:
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 1 e-Moll, op. 39
Hallé Orchestra, John Barbirolli
Joe Dvorak (19.02.2026, 17:55): Ein spannend zu vergleichendes gleich-ungleiches Doppel zum Tagesausklang:
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 1 e-Moll, op. 39
Wiener Philharmoniker (1963) // Pittsburgh SO (1992), Lorin Maazel
Philidor (19.02.2026, 19:56): Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 1 e-Moll, op. 39
Hallé Orchestra, John Barbirolli Is' ja gut. - Hier nun also Collins.
Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 1 e-Moll op. 39
London Symphony Orchestra Anthony Collins
Spoiler: Sinfonien Nr. 1 und Nr. 2 passen hier auf eine CD.
Wer Sibelius braucht, um von waldumsäumten Seen bei Vollmond zu träumen, ist hier definitiv falsch. Collins zeigt die scharfkantige Seite des Finnen. Sehr zügig und zugespitzt. Sibelius al dentissimo. War mir sogar stellenweise over the top. Ein Gefühl, als ob ein eingefleischter Karl-Böhm-Fan zum ersten Mal Mozart mit Harnoncourt hört.
Doch wunderbar klar in der Form und in der Entfaltung des sinfonischen Dramas.
Joe Dvorak (20.02.2026, 01:59):
Jean Sibelius - Violinkonzert d-Moll, op. 47 Thomas Zehetmair, Gewandhausorchester, Kurt Masur Esther Yoo, Philharmonia Orchestra, Vladimir Askhenazy Jennifer Pike, Bergen PO, Andrew Davis Emmanuel Tjeknavorian, RSO Frankfurt, Pablo González Das Sibelius-VK habe ich einst dermaßen totgespielt, dass fortan allein der Gedanke daran, es aufzulegen, zu Störgefühlen führte. Nun habe ich es mal wiedergehört und das Trauma ist nicht nur überwunden, sondern die alte Leidenschaft ist wieder da. Von den Gehörten sind die ersten beiden auf der wuchtigen Seite, da rumst es wo angezeigt im Orchester ganz gewaltig, die Solisten sind exzellent, wobei Yoo die expressivere von beiden ist. Die anderen beiden Einspielungen sind zurückgenommener, aber nicht weniger aufregend und von den Solisten sehr individuell ausgeprägt. Wenn ich eine der vier auswählen müsste, dann Yoo, die mit ihrem Ton, ihrer Gestaltung und einigen Detaillösungen bei mir die Resonanzsaiten besonders stark anregt - und Ashkenazy ist hier einfach top-notch. Damit soll es aber auch erst mal wieder gut sein.
Philidor (20.02.2026, 08:14): Hier läuft wieder Brahms.
Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34a
Leon Fleisher, Klavier The Juilliard String Quartet aufgenommen im März 1963
Die Aufnahme war auf CD eventuell nur in Sammelboxen erhältlich. - Klangtechnisch ziemlich trocken, schade. - Fleisher und die Juilliards haben einen ähnlichen Zugang wie Richter und die Borodins - klares Herausarbeiten der verschiedenen Abschnitte "im Großen", doch "im Kleinen" dürfte es manchmal mehr sein, da klingt es bisweilen routiniert.
Ging trotzdem eher an mich als die andere genannte Aufnahme, die Betriebstemperatur schien mir in ansprechender Weise höher zu sein. Aber den Richter muss ich nochmal hören, das kann eigentlich nur (meine) Tagesform gewesen sein, dass da nur wenig resonierte.
Aha - im Scherzo geht dann die Post ab. - Die Einleitung zum Finale ist vielleicht nicht sehr verinnerlicht, doch im Hauptabschnitt wird es dann mitreißend.
Tolle Aufnahme.
Philidor (20.02.2026, 17:56): Nochmal mit Fleisher.
Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34a
Leon Fleisher, Klavier Emerson String Quartet aufgenommen im Januar 2006
Nachdenklich oder agil, je nachdem. Irgendwie eine Darstellung der Mitte, ohne Extravaganzen bis aufs tolle Engagement und wunderbar ausgespielt. Großes Brahms-Kino. Pars pro toto das Scherzo - hört man bei anderen schneller, schärfer, doch es fehlt nichts. Eine Fülle von Klangfarben, klarer Puls, feines Ensemblespiel. - Setzt sich bei mir vorläufig an die Spitze, zusammen mit Curzon/Budapest SQ.
Philidor (20.02.2026, 20:03): Hier wieder der Zyklus mit Kultstatus.
Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43
London Symphony Orchestra Anthony Collins
"Having endured the abyss of interpretive mediocrity and poor orchestral execution better known as the 'classic Anthony Collins 1950s LSO Sibelius cycle', ... " - mit diesen Worten beginnt eine Rezension der Aufnahme einiger sinfonischer Dichtungen von Sibelius unter Eduard van Beinum. Autor: David Hurwitz.
Du kennst das Geschäft. Wenn Hurwitz zu solchen Kraftausdrücken greift, um eine Aufnahme zu verreißen, dann solltest Du sie unbedingt hören. Denn sie könnte Deine Hörerfahrungen wunderbar bereichern.
Nun, die Zweite ist nicht unbedingt meine Lieblings-Sinfonie von Sibelius, da wären 5, 7 und 4 vorne, eventuell in dieser Reihenfolge, und vor der Zweiten käme wohl noch die Erste.
Aber in dieser Aufnahme finde ich op. 43 einfach hinreißend. So drängend, dabei völlig organisch. Und der erste Satz ist hier eben keine hybride Angelegenheit irgendwo zwischen "langsamer Einleitung der ganzen Sinfonie" und "Sonatenhauptsatz", sondern ist ein dramatisches Schwergewicht am gewohnten Ort.
Klar, einige Aspekte des Werks bleiben bei diesen Tempi auf der Strecke. Aber so, in 40:45 spannenden Minuten ist es mir allemal lieber, als wenn das Stück auf über eine dreiviertel Stunde ausgewalzt wird, die sich zäh dahinzieht.
Ich möchte noch den organischen (ja, nochmal) Übergang vom dritten Satz in den vierten hervorheben. So gelungen klingt das auch bei größten Namen mMn durchaus nicht immer. Und dieser Eindruck setzt sich bis zum triumphalen Schluss dieses langen Finales fort - so kurz und stringent klingt es mMn selten.
Eine Höhepunkt in diesem Zyklus.
Joe Dvorak (21.02.2026, 04:23): Hier auch der Finne und eine fette Überraschung in der Form, einen kompletten Zyklus von Ashkenazy auf Exton zu finden:
Jean Sibelius - Sinfonie Nr. 6 d-Moll, op. 104
Royal Stockholm PO, Vladimir Ashkenazy
Philidor (21.02.2026, 09:48): Moinsen! - Hier nochmal op. 34, bevor ich zunächst mal in Richtung des Horntrios weitergehe.
Johannes Brahms: Klavierquintett f-Moll op. 34a
Rudolf Serkin, Klavier Budapest String Quartet aufgenommen 8./9. September 1963
Die nachdenklich-Mahnende. Der erste Satz beginnt sehr zurückhaltend, nicht nur in den ersten Phrasen, doch mit schönen Ausmodellieren. In der Reprise nimmt er aber ganz schön Fahrt auf. Spannend! - Im zweiten Satz herrscht ein großer Ton vor. Mahnend. Im dritten Satz ist das Tempo abermals auf der langsameren Seite, was der Musik hier mMn großes Gewicht verleiht. Manchmal geradezu unheimlich. - Derselbe Ansatz im Finale: Eher ruhig, doch gewichtig. Ich meine, der Musik steht das ausgezeichnet.
Die Budapester haben schon 1950 eine exzeptionelle Aufnahme des Werkes mit Clifford Curzon hingelegt. Die aus dem Jahre 1963 ist mMn kaum schlechter.
Maurice inaktiv (21.02.2026, 09:58): Hier auch der Finne und eine fette Überraschung in der Form, einen kompletten Zyklus von Ashkenazy auf Exton zu finden: Den Zyklus kenne ich überhaupt nicht, dafür aber seine GA aus England, die mir nach wie vor sehr gut gefällt. Zufällig läuft hier auch Ahskenazy, aber mit der Zweiten und diversen anderen Werken aus Boston:
Jean Sibelius : Sinfonie Nr.2, D-Dur, Romanze für Streicher, op. 42, Valse Triste, op.44, Finlandia, Op. 26 Boston SO; Vladimir Ashkenazy
Philidor (21.02.2026, 15:49): Hier Musik zur Jahreszeit, gleichzeitig Gedenken des jüngst verstorbenen Helmuth Rilling, gleichzeitig der Abschluss meiner Liste.
Wolfgang Rihm: Deus Passus
Julia Banse, Sopran Iris Vermillion, Mezzosopran Cornelia Kallisch, Alt Christoph Prégardien, Tenor Andreas Schmidt, Bariton
Gächinger Kantorei Bach-Collegium Stuttgart
Helmuth Rilling
I Monteverdi, Vespro della Beata Vergine (Alessandrini) II Biber, Missa Salisburgensis (Václav Luks) III Bach, Messe h-Moll (Herreweghe III) IV Händel , Messiah (Parrott) V Mozart, Requiem (Hogwood)
VI Haydn, Die Schöpfung (Harnoncourt II) VII Beethoven, Missa solemnis (Klemperer) VIII Schubert, Messe Es-Dur (Abbado) IX Berlioz, Grande Messe des Morts, Op. 5 ("Requiem", 1837, Davis) X Mendelssohn, Elijah (1845-46, McCreesh)
XI Liszt, Missa solennis (1855, Ferencsik) XII Brahms, Deutsches Requiem (1865-68, Kegel) XIII Bruckner, Messe Nr. 3 f-Moll (1867/68, Janowski) XIV Verdi, Requiem (1874, Gardiner) XV Fauré, Requiem (version 1893)
XVI Szymanowski, Stabat mater (1925/26, Rattle) XVII Stravinsky, Symphony of Psalms (1930, Boulez) XVIII Honegger, Jeanne d'Arc au bûcher (1934/35, Baudo) XIX Schmidt, Das Buch mit sieben Siegeln (1937, Welser-Möst) XX Tippett, A Child of our Time (1939-41, Gardner)
XXI Poulenc, Gloria (1959, Hickox) XXII Britten, War Requiem (1962, Gardiner) XXIII Ligeti, Requiem (1963-65, Nott) XXIV Penderecki, St. Luke Passion (1963-66, Wit) XXV Messiaen, La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (1965-69, Nagano)
XXVI Rihm, Deus Passus (1999-2000, Rilling)
Philidor (21.02.2026, 17:32): Und die Dritte.
Jean SIbelius: Sinfonie Nr. 3 C-Dur op. 52
London Symphony Orchestra Anthony Collins
Zügig, straff, unaufgeblasen. Sehr schön. Allerdings ist bei dieser Sinfonie die Konkurrenz einfach größer, ich denke an Maazel mit den Wienern, ich denke an Segerstam II.
Philidor (21.02.2026, 19:14): Nochmal Mahler 9, wieder aus Bamberg.
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Bamberger Symphoniker Jonathan Nott
Der erste Satz erklingt wie ganz vom Abschied geprägt. Allerdings kommt er ziemlich erdenschwer daher. Mein Geschmack wäre ein etwas leichtgewichtigeres Spiel. In anderen Aufnahmen gibt es geschmeidigere und selbstverständichere Übergänge und Abwicklungen, zumindest anfangs wirkt nicht alles rund auf mich. -
Im transzendenten Abschnitt des dritten Satzes ist mir die Wiedergabe ebenfalls zu irdisch. Aber danach geht die Post sowas von ab... sehr stark! Der letzte Satz ist mir der wichtigste. Und der gelingt mMn sehr gut mit großem Bogen vom Anfang bis zum Schluss. -
Für mich keine der allerbesten Aufnahmen, aber sozusagen eine Klasse dahinter.
Ich denke darüber nach, ein paar Siebte Mahler einzuschieben.
(Ach ja: wer einen Schenkelklopfer braucht, kann Hurwitz' Meinung über diese Aufnahme lesen: https://www.classicstoday.com/review/review-15442/ )
Joe Dvorak (22.02.2026, 02:39): Hier auch der Finne und eine fette Überraschung in der Form, einen kompletten Zyklus von Ashkenazy auf Exton zu finden: Den Zyklus kenne ich überhaupt nicht, dafür aber seine GA aus England, die mir nach wie vor sehr gut gefällt. (...) Ich habe mir in den Anfangstagen die Nummern 3 & 6 aus diesem Zyklus gekauft, weil es die auf einer CD gekoppelt gab und mir noch gefehlt hatten. Als später zum Vergleich Gesamteinspielungen dazukamen (Segerstam, Järvi, Saraste, jeweils ihre ersten), blieb Ashkenazy bei beiden Nummern vorn. Mittlerweile ist Zehetmair/Northern Sinfonia mein klarer Favorit - weil sie dort klar wie ein eiskalter Bach gespielt werden. Die Stockholmer Aufnahme der Sechsten fand ich abgesehen vom fantastischen Klang wenig prickelnd. Im Englischen gibt es dafür das Idiom: Nothing to Write Home About.