Welche Violinkonzerte von Antonio Vivaldi gehören zu meinen Lieblingsviolinkonzerten?

Toni Bernet (16.09.2023, 21:24):
Von Antonio Vivaldi sind rund 220 Violinkonzerte bekannt. Immer mehr Violinkonzerte von Vivaldi sind unterdessen auch eingespielt und auf CD erhältlich. Erst kürzlich hat der bekannte Vivaldi-Interpret Giuliano Carmignola drei CDs mit Konzerten von Vivaldi eingespielt, je aus den verschiedenen Schaffensphasen des prete rosso.
Ich fände es spannend, hier darüber auszutauschen, welche der Violinkonzerte neben den sehr bekannten Vier Jahreszeiten-Konzerten am besten gefallen, bzw. welche man immer wieder hören mag und welche Konzerte einen speziell überrascht haben, als man sie kennen lernte.

Ich lasse mal meine Wahl hier vorerst offen. Und bin sehr gespannt, ob jemand reagiert?

Ein Vivaldi-Verehrer gleichen Vornamens
Toni
Joe Dvorak (06.10.2023, 02:58):
Hallo Toni,

Ich muss gestehen, dass ich möglicherweise einige von Vivaldis Konzerten außerhalb der Jahreszeiten als Zugabe erworben habe, aber keines nennen kann, das mir im Ohr geblieben ist. Da mir die Gesamteinspielung der Fagottkonzerte - in kleinen Tranchen gehört - zur Zeit viel Freude bereitet, habe ich deinen Beitrag zum Anlass genommen, mich mal näher umzuhören. Dabei bin ich auf eine umfangreiche Box gestoßen - weit entfernt von einer GA, aber mit einem Querschnitt von RV 114 (Streicherkonzert Nr. 5) bis RV 387 (h-Moll-Konzert 'Per Signora Anna Maria') geeignet, tiefer einzusteigen. Schon die erste Hörprobe, das g-Moll-Konzert RV 324, zeigt, woher das Klischee "200 Mal das Gleiche" kommt und widerlegt es zugleich. Es klingt schon sehr nach dem berühmten Gassenhauser, überrascht aber mit kleinen Details, etwa wenn das Grave mit einem unbegleiteten Cellosolo eröffnet wird.


Picture source: Presto Classical Limited

65 Violinkonzerte
Israel Chamber Orchestra, Shlomo Mintz
Toni Bernet (07.10.2023, 21:13):
Hallo Joe

Eine empfehlenswerte Sammlung von Vivaldi Violinkonzerten hat eben der Altmeister für historisch informierte und gleichzeitig kreative Vivaldi-Interpretationen herausgegeben: Giuliano Carmignola.



Interessant ist die Aufteilung in drei Schaffensepochen Vivaldis. Auch hier sind Unterschiede und Veränderungen der Vivaldischen Konzert-Vielfalt zu entdecken.
Toni Bernet (27.02.2024, 10:50):
Neu entdeckt für mich:
das Concerto D-Dur RV 226 !!!!

Eine Besonderheit fällt beim Hören gleich zu Beginn auf: Das normal dem vollen Orchester vorbehaltene Eingangs-Ritornello wird von der Sologeige sogleich mitgestaltet. In den Bässen setzt zweimal ein absteigendes Unisono-Thema mit rhythmisch markanter Entschiedenheit ein. Dem setzt die Sologeige sofort zweimal eine entschiedene Abwärtsfigur entgegen, bevor sie mit einer einfachen rhythmisierten Melodie in Doppelgriffen einen Abschluss des Ritornello vorschlägt. Doch die Bässe insistieren gegenüber dem vorzeitigen Geigensolo und spielen ihr rhythmisches Unisonothema nochmals. «Konzertierend», also spielend streitend, finden sie einen gemeinsamen Abschluss des Eröffnungs-Ritornellos.
Erst jetzt sollte eigentlich das Konzertieren der Sologeige beginnen, was dann auch sofort geschieht. Dieser und die folgenden Soloabschnitte der Geige präsentieren ganz verschiedene Varianten von sich abwechselnden Solo-Figurationen, die sich mit dem als Ritornello immer wieder auftauchenden Unisonothema ablösen.
Ob man als Hörhilfe in diese Partitur auch Bilder hineinprojizieren darf? Wenn es eine Hilfe zum Hören ist, warum nicht? Vivaldi liebte es, nicht nur in den Vier Jahreszeiten mit Klängen bildliche Assoziationen zu wecken. Hören Sie hier auch einen wilden Ritt, Jagdhörner oder gar Kanonensalven und Pferdegetrampel? Wie auch immer, in die Moderne übersetzt könnte man sagen: Es ist die Freude an Tempo, Mobilität und Freiheit, die uns entgegenklingt.

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