Peter Brixius (05.02.2011, 23:29): Eine Sturmmusik ist nicht selten, ob es Vivaldis Tempesta di Mare (oder das Gewitter in den 4 Jahreszeiten) ist, Beethovens Gewitter in der 6. Sinfonie oder Verdis Otello-Beginn, nicht zuletzt Glucks Ouvertüre zu Iphigénie en Tauride, aber auch die Gewittermusik in Rossinis Barbiere. Meinem nächsten Musikkreis möchte ich eine Blütenlese von Sturmmusiken präsentieren und bitte die verehrten Mitglieder dieses Forums, die besten Sturmmusiken nach ihrer Ansicht hier zu benennen.
Im Voraus schon einmal vielen Dank - mein Ausgangspunkt war übrigens Reichards "Die Geisterinsel" und Glucks "L'île de Merlin" - und das machte meinen Musikfreunden Lust auf dieses Thema ...
Liebe Grüße Peter
Armin70 (05.02.2011, 23:56): Hallo Peter,
zum Thema "Sturmmusiken" fallen mir spontan folgende Beispiele ein:
1. Jean Sibelius: Ouvertüre zur Schauspielmusik "Der Sturm" (nach Shakespeare): Sibelius
2. Ferde Grofe: Cloudburst aus der "Grand Canyon-Suite": Grofe
3. Richard Strauss: Gewittersturm aus der "Alpensinfonie": Strauss
Dann fällt mir noch der isländische Komponist Jon Leifs (1899 - 1968)ein, der mit seinen Orchesterwerken "Geysir" und "Hekla" (benannt nach einem Vulkan auf Island) vielleicht die ultimativsten Naturschilderungen in der Musik schrieb:
Geysir Hekla
Gruss Armin
Jürgen (06.02.2011, 00:24): Nun, die "Grand Canyon Suite" und die "Alpensinfonie" sind mir adhoc auch eingefallen.
Darüber hinaus vielleicht noch das Walkürenvorspiel, mein Liebstes ist von Solti.
Grüße Jürgen
EinTon (06.02.2011, 01:24): Dumm gefragt: Kommt in Brittens "Peter Grimes" nicht auch irgendwo ein Sturm vor??
Armin70 (06.02.2011, 02:57): Original von EinTon Dumm gefragt: Kommt in Brittens "Peter Grimes" nicht auch irgendwo ein Sturm vor??
Na klar, stimmt und zwar ist es eins der "4 Sea Interludes", d. h. es gehört zu den Orchesterzwischenspielen aus Brittens Oper "Peter Grimes":
Britten-Storm
Dann gibts noch von Peter Tschaikowsky die Ouvertüre "Der Sturm" op. 76 posth.: Tschaikowsky-Der Sturm
Von Hector Berlioz aus seiner Oper "Les Troyens": Königliche Jagd und Sturm.
Der 4. Satz aus Joseph Haydns Sinfonie Nr. 8 in G-Dur "Le Soir" trägt die Überschrift "La Tempesta": Haydn-La Tempesta.
Des weiteren gibts von Joseph Haydn noch die Kantate "Der Sturm": Haydn-Der Sturm.
Dann vielleicht noch ebenfalls von Joseph Haydn der Schluss-Satz "Il terremoto" aus "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze": Il terremoto. Hier in der Orchesterfassung.
Von Leos Janacek die Sturm-Szene aus dem 3. Akt der Oper "Kata Kabanova": Katja Kabanova
Von Johann Strauß (Sohn) die Polka-Schnell "Unter Donner und Blitz" op. 324: Unter Donner und Blitz
Von Frank Bridge aus seiner Orchestersuite "The Sea" der 4. Satz "Storm": Bridge-Storm
Amadé (06.02.2011, 11:41): Original von Armin70 Dann gibts noch von Peter Tschaikowsky die Ouvertüre "Der Sturm" op. 76 posth.
Von Tschaikowsky gibt es sogar zwei Sturm-Ouvertüren = Sinfonische Dichtungen: op.18 und op.76. Ich habe jedoch noch nicht recherchiert, ob das spätere Opus (ca.13-14') eine Bearbeitung oder/und Komprimierung des früheren Werkes (22-23') ist.
Einen schönen Sonntag wünscht Amadé :hello
Waldi (06.02.2011, 12:57): Ein heftiger Gewittersturm ereignet sich im 2.Aufzug von Webers "Oberon".
Armin70 (06.02.2011, 21:22): Original von Amadé Original von Armin70 Dann gibts noch von Peter Tschaikowsky die Ouvertüre "Der Sturm" op. 76 posth.
Von Tschaikowsky gibt es sogar zwei Sturm-Ouvertüren = Sinfonische Dichtungen: op.18 und op.76. Ich habe jedoch noch nicht recherchiert, ob das spätere Opus (ca.13-14') eine Bearbeitung oder/und Komprimierung des früheren Werkes (22-23') ist.
Einen schönen Sonntag wünscht Amadé :hello
Hallo,
die Ouvertüre op. 76 posth. aus dem Jahr 1866/67 basiert auf dem Drama "Das Gewitter" von Alexander Nikolajewitsch Ostrowski. Janaceks Oper "Kata Kabanova" liegt ebenfalls dieses Drama zugrunde. Tschaikowskys Orchester-Fantasie "Der Sturm" op. 18 (1873) basiert auf Shakespeares gleichnamigen Drama und hat mit dem früheren Werk nichts zu tun.
Armin
Jürgen (06.02.2011, 22:37): Original von Armin70 Der 4. Satz aus Joseph Haydns Sinfonie Nr. 8 in G-Dur "Le Soir" trägt die Überschrift "La Tempesta": Haydn-La Tempesta.
Des weiteren gibts von Joseph Haydn noch die Kantate "Der Sturm": Haydn-Der Sturm.
Dann vielleicht noch ebenfalls von Joseph Haydn der Schluss-Satz "Il terremoto" aus "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze": Il terremoto. Hier in der Orchesterfassung.
Ja,und gibts nicht von Haydn auch noch Die Sturm und Drang Sinfonien? Hier ist der Beleg mit Pinnock: http://ecx.images-amazon.com/images/I/418WWY5NA3L._SL500_AA300_.jpg :W
Grüße Jürgen
Fairy Queen (07.02.2011, 06:59): In Kunstliedern kommen manchmal auch Stürme vor. Selbige können auch innere Stürme symbolisieren. Spontan fällt mir der Anfang eines der Kindertotenlieder ein:"Bei diesem Wetter, bei diesem Braus" In der Winterreise stürmt es natürlich auch. Von R. Strauss gibt es ein Lied: "Das ist ein schechte Wetter, es stürmt und schneit" Wenn ich ein bisschen suche und nachdenke, fallen mir gewiss viele andere ein. Allerdings stürmt es da meist nicht im orchestergraben sondern nur im Flügel..... :D
F.Q.
pavel (07.02.2011, 08:30): Und der Anfang des "Otello" ist ja auch ein veritabler Sturm.
Cetay (inaktiv) (07.02.2011, 11:41): Purcell hat dem Thema "Tempest" eine halbe, Thomas Adès eine ganze Oper gewidmet:
Rideamus (07.02.2011, 14:19): Mit der Bitte um Nachsicht für eventuelle Verdopplungen in diesem Thread, den ich eben erst entdeckt habe und nicht mehr im Detail studieren kann, bevor ich das niederschreibe:
Nicht vergessen sollte man die Gewittermusik Giuseppe Verdis aus dem dritten Akt des RIGOLETTO und davor donnert es bei ihm kurz und kräftig in IL CORSARO.
Dann gibt es natürlich den gewittrigen Gustav Mahler. Dessen gewittrigste Musik, mit der der fünfte Satz seiner ersten Sinfonie beginnt, heißt zwar nicht so, sondern nur "stürmisch bewegt". Auch die dritte, in der Mahler Naturgewalten vergeistigt, kommt ohne eine solche programmatische Bezeichnung aus.
Der Name Rossini und seine bekanntesten Gewittermusiken wurden bereits genannt. Er liebte dieses musikalische Genremalerei, und so lässt sich auch seine Sonate Nr. 5 D-Dur LA TEMPESTA ergänzen und, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, die Urform dieser Musiken in seiner frühen Oper LA PIETRA DEL PARAGONE. Arthur Sullivan schrieb 1980 eine Schauspielmusik für Shakespeares THE TEMPEST, in der, kaum überraschend, ein Gewitter vorkommt. Wahrscheinlich gibt es sowas auch in Henry Purcells, Jacques Fromental Halévys und Michael Nymans Opern nach demselben Stoff, aber die kenne ich nicht. Dafür kenne ich die Ballettmusik eines anderen Lieblingskomponiten von mir, in welcher der erste Akt mit einem heftigen Gewitter abschcließt: LA FILLE MAL GARDÉE. Apropos Ballett: auch Glucks DON JUAN hat eine Sturmmusik, aber die heißt relativ harmlos Allegro furioso, was wohl auch für den Tanz der Furien aus seinem ORPHÉE ET EURYDICE gilt.
Filme sind natürlich auch voller Gewittermusiken. Man denke an Miklos Roszas Gewittermusik bei der Kreuzigungsszene von BEN-HUR oder, ganz direkt, Stomu Yamashitas Score für Paul Mazurskys TEMPEST von 1982. Wenn ich recht erinnere, benutzt Woody Allen Mendelssohns zweites Klavierkonzert d-moll (???) als Gewittermusik in A MIDSUMMER NIGHT'S SEX COMEDY, aber das müsste ich noch einmal verifizieren.
Gewaltig stürmt es natürlich auch in der Wolfsschlucht des FREISCHÜTZ. Aber wem sage ich das?
:hello Rideamus
Sfantu (07.02.2011, 19:26): Nicht nur Rossinis, auch Giovanni Paisiellos "Barbiere di Siviglia" bietet, nämlich zu Beginn des 4. Aufzugs, eine Temporale.
:hello Sfantu
Sfantu (08.02.2011, 10:13): Wenn ich Dich recht verstehe, lieber Peter, dann sind Werke für oder mit Orchester gefragt (andernfalls könnte ja bspw. auch "Orage", die Nr. 5 aus "Suisse"/"Années de Pèlerinage" von Liszt Ferenc genannt werden...?). Und ebenfalls wären Beispiele in Ordnung, welche nicht unbedingt namentlich Sturmmusiken sind sondern einen solchen illustrieren oder entfachen (genannt wurden ja bereits die Wolfsschluchtszene oder der Beginn des Otello)? Jetzt pack' ich mein Hackebeilchen zum Haarespalten auch ganz schnell wieder ein - wollte nur der Gefahr begegnen, von Deiner Vorgabe zu sehr abzuschweifen, indem wir alle möglichen Gattungen heranziehen.
Also, zwei weitere Kandidaten von mir:
Der prachtvolle Konzertwalzer op. 184 "Winterstürme" von Julius Fucik. Tatsächlich wütet und stürmt es dort gewaltig in Einleitung und Zwischenpassagen aber selbst das Hauptthema walzt markant in Moll und mit Paukenschlägen.
Dann das "Tongemälde in vier Teilen" "De Fremersberg" von Miloslav Koennemann (laut Philips 1826-79, laut Sterling 1826-90). Hier zieht u. a. ein Gewitter auf, eindrucksvoll mit allerlei Schlagwerk und Windmaschine gezeichnet ("Maar...in de verte breekt langzaam een onweer los; regen, donderslagen en hevige bliksemschichten, warvoor de componist vier slagwerkers in het geweer roept."). Insgesamt für meinen Geschmack ein etwas mönströses Machwerk, am ehesten vielleicht für Promenadenkonzerte geeignet. Am Schluss darf dann auch noch ein inbrünstiger Chor nicht fehlen. Die Unwetter-Passage finde ich aber ganz gelungen.
:hello Sfantu
Peter Brixius (08.02.2011, 12:19): Hallo,
herzlichen Dank für die vielen Vorschläge, die bisher eingegangen sind. Einiges habe ich auf "Lager", aber es sind auch eine Reihe von Hinweisen auf noch nicht Gekanntes - da bin ich doppelt froh. Ich werde eine private Jagd ins Unbekannte starten, denn zunächst hatte ich nur an Tempesta-Musik aus dem Barock und der Klassik gedacht.
Bei dem englischen wikipedia-Artikel findet man eine ganze Reihe von Musikstücken, die sich auf Shakespeares "The Tempest" beziehen.
Liebe Grüße Peter
Armin70 (08.02.2011, 12:34): Einen hab ich noch:
Arthur Benjamin (1893 - 1960):
Storm Clouds Cantata
Hier in der berühmten Filmszene aus Alfred Hitchcocks "The man who knew too much" (1956) mit der Sopranistin Barbara Howitt, dem Covent Garden Opera Chorus und dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Bernard Herrmann.
Der Text lautet: Solo: There came a whispered terror on the breeze. And the dark forest shook. Chor: And on the trembling trees came nameless fear. And panic overtook each flying creature of the wild. Solo: All save the child - all save the child. Around whose head screaming the night-birds wheeled and shoot away. Chor: Finding release from that which drove them onward like their prey. Finding release the storm-clouds broke and drowned the dying moon. The storm-clouds broke - the strom clouds broke. Finding release.