(Ich finde Sie hier besser als in der Studio-Gesamtaufnahme) :wink
Viele Grüße
Jimi
Jeremias (14.03.2007, 15:11): Es ist die wohl bekannteste Figur der Opernliteratur: CARMEN! Über keine andere Person gibt es so viele Anekdoten und erzählungen, keine Oper ist öfter aufgenommen worden und keine Figur ist so legendär wie die feurige Spanierin!
Wer ist für Euch Eure Carmen? Ist es die Callas in ihrer legendären Aufnahme unter Prêtre, ist es Julia Migenes, die sich leider damit die Stimme ruinierte? Ist es Jessye Norman? Oder doch eine ganz andere? Welche Aufnahmen empfehlt Ihr?
nikolaus (14.03.2007, 19:10): Eigentlich keine Empfehlung, sondern nur eine gute Erinngerung an Agnes Baltsa live in Wien vor 10 Jahren (mein Gott, so lange schon her... :I). Sie hat die Aufführung mit ihrer Spielfreude gerettet!
Nikolaus.
Jürgen (15.03.2007, 10:21): Die Rolle der Carmen habe ich noch nicht vergleichend gehört.
Julia Migenes hat mir im Film sehr gut gefallen, sehr überzeugend.
Jessye Norman auf CD überzeugt mich allerdings nicht. Zuwenig Feuer.
Grüße Jürgen
Jimi (15.03.2007, 18:57): Hallo Jeremias,
ein Video sagt mehr als tausend Worte:
http://www.youtube.com/watch?v=BysvxpzzxtM
(Ich finde Sie hier besser als in der Studio-Gesamtaufnahme) :wink
Viele Grüße
Jimi
Amadé (15.03.2007, 20:31): Carmen auf Schallplatte?
Victoria de los Angeles mit Beecham (EMI),
Später dann vielleicht Teresa Berganza mit Abbado (DG), in deutscher Sprache Christa Ludwig mit Horst Stein (EMI), ein Außenseiter, ich weiß, aber sie gefällt mir. Der Querschnitt in deutsch: Oralia Dominquez mit Fricsay (DG).
Amadé
daniel5993 (13.08.2007, 01:48): Hallo!
Meine "Carmen" ist Regina Resnik(Aufnahme unter Thomas Schippers)
Gruß Daniel
manrico (13.08.2007, 10:33): Also, auf der Bühne haben mich 2 Carmens beeindruckt: Agnes Baltsa und Denyce Graves. Leider hat die Baltsa die Carmen nur ein einziges Mal aufgenommen, und diese Produktion hat mit Carmen nur am Rande zu tun. Ich gehe so weit zu behaupten, dass die DG einen Druckfehler begangen hat, und eigentlich eine Oper namens "Herbert" herausgebracht hat. Dazu kommt noch die lächerliche Diskrepanz zwischen Gesangs- und Sprechstimmen. Aber, wie gesagt, auf der Bühne (vor allem mit Luis Lima oder mit Shikoff) war sie sensationell, und ich hab mir immer gewünscht, sie sollen überhaupt nicht aufhören zu singen und zu spielen. Denyce Graves hat, glaube ich,bis jetzt nie wirklich den ganz großen Durchbruch geschafft. Sie war eine sehr sinnliche Carmen. Leider hat die Graves die Carmen nicht auf Tonträger konserviert. Bisher hat sie immer auf Platten immer nur die Wurz'n gekriegt (Maddalena im Rigoletto, Gertrud im Hamlet, Emilia im Otello). Ich hab sie schon verdächtig lang nicht mehr gehört, weiss nicht, wie's mit ihrer Stimme bestellt ist.
Eine sehr sinnliche Carmen auf CD finde ich Leonthyne Price. Auch hier wieder umgeben von stimmlicher Larmoyanz und orchestraler Zähigkeit (Die Soldaten langweilen sich am Anfang des ersten Aktes, schön und gut, aber warum muss sich auch der Zuhörer langweilen??). Vom Ton einer Opera comique ist da gar nix zu hören. Die Aufnahme hör ich nur wegen der Price. Sie hat die ideale Carmen-Stimme. Erotisch, sinnlich, rauchig, sie spielt und verführt mit der Stimme. Das macht ihr keine nach.
Die Beecham-Einspielung mit der de los Ancheles trifft zwar diesen Opera comique Ton, aber bei aller Wertschätzung für diese Aufnahme fehlt ihr doch ein wenig die Verruchtheit.
Ähnliches gilt für die Abbado-Einspielung mit Teresa Berganza. Sie ist mir eine Spur zu liebenswürdig und einen Schuß zu wenig sinnlich. Aber sie kann nix dafür, dass die Price so toll in der Rolle ist (nein, eigentlich ist sie die Carmen). Dafür mag ich das rhythmisch pointierte Dirigat Abbados sehr.
Liebe Grüße
Werner
Honoria Lucasta (11.02.2010, 10:48): Ich stieß gerade zufällig auf diesen thread, der nun schon ein Weilchen vor sich hinschlummert - in der Zwischenzeit scheint es irgendwie keine Carmen-Erlebnisse gegeben zu haben.
Kennt jemand die Carmen DVD mit Maria Ewing? Die finde ich nicht schlecht, wobei ich die Ewing im Verdacht habe, optisch ein bißchen an Julia Migenes anschließen zu wollen.
Ich mochte früher die Aufnahme mit Berganza, Domingo und Cotrubas sehr gern, aber Manrico hat schon recht - Sinnlichkeit kann man der Berganza nun wirklich nicht vorwerfen...
Manche mögen, wie man anderswo lesen kann, Elina Garanca als Carmen, nur kann ich mir die eigentlich noch weniger als die Berganza als feurige Zigeunerin vorstellen. Oder liegen wir alle mit unseren Erwartungen bezüglich einer Carmen falsch? Muß man es noch ganz anders machen?
Grüße!
Honoria
Jean (11.02.2010, 12:13): Meine persönliche Favoritin aktuell ist Victoria de los Angeles in dieser Einspielung:
GEORGES BIZET Carmen de los Angeles, Gedda, Micheau, Blanc Choeurs & Orchestre National de l'ORTF Paris Sir Thoma (Beecham) am Pult EMI, 1958
Victoria de los Angeles hat das richtige Temperament und die ideale Stimme für diese Partie. Beecham sorgt zudem für das erforderliche mediterran-hitzige Dirigat.
Herzliche Grüße J E A N
Severina (11.02.2010, 14:03): My Carmen forever ist Agnes Baltsa, die ja beinahe 15 Jahre lang ein Abo auf diese Partie an der WSO hatte. Sie ist für mich einfach die Idealverkörperung dieser Partie, keine andere Sängerin hat ihre Don Josés so um den Finger gewickelt wie sie - und das Publikum dazu. Baltsa hat sogar das Kunststück zuwege gebracht, den steifen José Carreras aus der Reserve zu locken und so etwas wie Leidenschaft in ihm zu entfachen, wenn es auch nur ein schwaches Flämmchen war, verglichen mit dem Vulkan Luis Lima. Die Erinnerung an diese beiden vermiest mir eigentlich jede DVD, so auch die von Honoria erwähnte, die ich mir wegen Lima zugelegt habe. Aber Maria Ewing ist definitiv nicht meine Carmen, sie verwechselt phasenweise Erotik mit Vulgarität, auch stimmlich reicht sie an die Baltsa nicht heran. Lima agiert an ihrer Seite seltsam blutleer, also scheint die Chemie nicht sonderlich gestimmt zu haben. Julia Migenes wiederum überzeugte zwar als Typ, stimmlich war sie mit der Rolle aber hörbar überfordert.
Auf Elina Garanca bin ich schon sehr gespannt. Sie ist meine Lieblingssängerin, trotzdem kann ich sie mir als Carmen nicht so recht vorstellen. Na, im April werde ich es dann wissen. (Mit Villazón als José hätte ich diese Bedenken nicht, der hätte sie schon mitgerissen, aber Giordani ist eine ziemliche Schlaftablette. Ich fürchte also ein bisschen, diese "Carmen" wird nur ein Fest der schönen Stimmen werden......)
lg Severina :hello
Rideamus (11.02.2010, 14:29): Liebe Honoria,
da ich auf Deine Frage vor nicht all zu langer Zeit in einem anderen Forum eingegangen bin, kopiere ich mal meinen Beitrag über die Londoner CARMEN der Maria Ewing hierher:
Um das entscheidende Urteil vorweg zu nehmen: die Aufnahme lohnt sich aus einem Grund und zwei halben. Gar keinen Grund bietet die Inszenierung von Nuria Espert, die öde Folklore nach den gewohnten Klischees liefert und die Darsteller weitgehend sich selbst überlässt, was vor allem den Nebenrollen nicht gut bekommt. Aber auch Gino Quilico als Escamillo hätte eine Regie gebraucht, die ihn mehr fordert und fördert. Er ist zwar gut bei Stimme und vermag einen guten Escamillo zu singen, aber als Person wirkt er wie ein etwas zu jung geratener Père Germont, so bieder wirkt seine Autorität, der jegliches Feuer, geschweige denn Charisma abgeht, was gerade bei den wenigen Auftritten Escamillos lebensnotwendig ist. Da war Ildebrando D'Arcangelo selbst hoch zu Ross noch überzeugender, und den Auftritt hätte man ihm auch nicht antun sollen. Ansonsten ist die Regie fast eine Ehrenrettung anderer konventioneller Inszenierungen wie der Londoner mit Jonas Kaufmann, denn die wimmeln wenigstens von einfallsreichen Details. Sehr gut, wie meist in London, ist wieder mal der Chor, auch in der Bewegung, aber wer kauft schon eine Aufnahme um des Chores willen, zumal die spätere in der Hinsicht nicht schlechter ist? Welchen Quantensprung man in den Anforderungen der Regie zwischen 1994, dem Jahr dieser Aufnahme, und 2007 gemacht hat, ist aber im Vergleich der beiden Inszenierungen sehr gut zu sehen. Fernsehübertragungen und DVD haben sicher erheblich dazu beigetragen.
Auch das Dirigat Zubin Mehtas ist kein Grund, sich die Aufnahme zuzulegen. Das beste, was man darüber sagen kann, ist, dass es nicht auffällt, nicht positiv, aber auch nicht wirklich negativ außer durch eine ziemlich einheitliche Dauerlautstärke. Bezeichnenderweise ist er am besten, wenn er richtig einheizen darf, etwa zu Beginn des zweiten Aktes in Lila Pastias Kneipe.
Der eine halbe, eigentlich Dreiviertelgrund, sich auch diese Aufnahme zuzulegen, ist die Micaela von Leontina Vaduva, die mir sehr gut gefallen hat. Sie vermag zwar nicht die Erinnerung an Mirella Freni zu verdrängen, die für mich noch immer die beste Michaela ist (zwar nur vom Höreindruck, aber ich zweifle nicht, dass sie auch darstellerisch ganz weit vorne liegen würde), aber sie kann bei vorzüglichem Gesang das Mädchen vom Lande glaubhaft machen und ist, ganz im Gegensatz zu Nora Amsellem, eine lebendige Person. Der andere halbe Grund ist Luis Lima, der aus der normalen Entfernung zur Opernbühne sicher überzeugender war als in der gnadenlosen Nähe der Live-Kamera. Trotzdem gebe ich ihm nur einen halben Punkt, nicht wegen seines starken spanischen Akzents, der bei der CARMEN ja nicht verfehlt ist, und auch nicht in den Dialogen, die hier sehr ausführlich sind und von allen außer dem Zuniga ordentlich bis gut gemeistert werden, sondern in seiner Art, beim Singen zu spielen. Die wirkt, als habe er bei Rudolf Schock Schauspielunterricht genommen und sich entschlossen, ihn einfach zu kopieren. Sein Outrieren am Schluss ist dann finsterster Verismo, was im Vergleich zu der von innen heraus glühenden Darbietung seiner Partnerin fast grotesk wirkt. Schade ist das schon deshalb, weil er die Rolle bis zum Schluss wirklich vorzüglich singt und auch gut eingeteilt hat, denn er verausgabt sich zwar, ist es aber bis zuletzt nicht hörbar.
Das gilt erst recht für den eigentlichen Grund, sich diese Aufnahme zumindest einmal anzusehen, und der heißt Maria Ewing. Ihr großer Mund und ihre Riesenaugen legen nicht unbedingt den Eindruck eines bildhübschen Mädchens nahe, und es gab und gibt sicher auch figürlich auf den ersten Blick überzeugendere Carmencitas, aber was für ein Leben kann sich im Gesicht dieser enorm begabten Amerikanerin abspielen! Nicht von ungefähr orientiert sich die Kamera immer wieder in Großaufnahmen an ihrem Gesicht, denn das spielt mit rückhaltloser Überzeugungskraft sogar dann noch mit, wenn sie eigentlich gar nichts zu tun hat außer zuzuhören. Diese Carmen und ihr enormes Selbstbewusstsein sind wirklich gelebt, und man glaubt ihr sofort, dass die Männer - wenn sie ihren deutlich ordinären Touch mögen - verrückt nach ihr sind, selbst wenn man es ihr nicht auf den ersten Blick ansieht. Sie ist vielleicht der beste Beweis dafür, dass Ausstrahlung nichts mit Aussehen zu tun hat.
Eine wirklich gute Carmen muss in der Tradition der Opéra Comique zuhause sein und sollte auch eine gute Offenbach-Périchole singen und spielen können. Maria Ewing hat beides mindestens in Genf getan, denn davon gibt es eine sehr amüsante Aufnahme. Man merkt auch hier, dass sie sehr viel von dem spezifisch französischen Charakter dieser Opéra comique verinnerlicht hat, denn nicht selten meint man, sie sprechen zu hören, obwohl sie durchaus die richtigen Töne singt. Ganz selten nur bricht sie aus der Gesangslinie heraus um die extreme Emotion einer Passage zu betonen, und da ist sie so überzeugend, wie ich es nur von Agnes Baltsa erinnere und von Patricia Petibon kenne, die eine Carmen womöglich ähnlich anlegen würde, wenn sie ihrer Stimme läge. So ähnlich wie übrigens auch Julia Migenes, die aber diese Ausbrüche auch brauchte um stimmliche Defizite zu kaschieren, was Maria Ewing nur ganz selten nötig hat - oder zu haben scheint (ich bin da kein Fachmann). Das bedeutet natürlich nicht, dass Maria Ewing an die Carmen der Agnes Baltsa heran reicht, nur hat die mit ihrem José Carreras in der MET wirklich einen schlechten Tag und Partner erwischt, so dass die DVD aus der MET nicht wirklich konkurrenzfähig ist.
Wenn Maria Ewing ein Defizit hat, dann ist es das Piano, das sie nur ganz selten versucht, aber wie sie die Resignation in der Kartenarie rein schauspielerisch ausdrückt und stimmlich unterstreicht, das ist schon das Ansehen wert. Manchmal irritieren einige Eigenheiten, zumal, wenn sie sich zum Ende hin öfter wiederholen. Da sie aber durchweg im Charakter bleiben, stören sie allenfalls Leute, die partout "Fehler" orten müssen, mich jedenfalls nicht. Maria Ewing wäre sicher auch eine vorzügliche Partnerin für Jonas Kaufmann gewesen. Luis Lima jedenfalls ist ihr nirgendwo gewachsen.
Man sollte diese Aufnahme übrigens nicht mit der aus Glyndebourne verwechseln, die es wesentlich günstiger gibt und u. a. bei der D'Agostini Opernreihe gab. Diese Gesamtaufnahme kenne ich nicht, könnte aber durchaus konkurrenzfähig sein. Beide braucht man aber sicher nicht, denn ihre Interpretationen scheinen, nach den zahlreichen YouTube-Ausschnitten zu schließen, einander sehr ähnlich zu sein. Wer will, kann dort aber beide Aufnahmen in Ausschnitten vergleichen, denn es gibt ziemlich viele davon. Filmisch ist die von Covent Garden jedenfalls die bessere, wenn auch keineswegs außerordentlich. Man sollte sich aber die Aufführung in den - technisch wie immer ungenügenden - Ausschnitten ansehen, bevor man sie zum gegenwärtigen Hochpreis kauft.
Ich jedenfalls würde dann lieber 5 Euro sparen und diese Aufnahme kaufen, die von den kommerziell verfügbaren die deutlich bessere ist und den besten Don José seit Domingo sowie die höchst achtbare Carmen der Antonacci und mit Pappano einen viel flexibleren Dirigenten als Mehta bietet:
:hello Rideamus
Fairy Queen (11.02.2010, 14:58): Ich schliesse mich mal wieder Sevi an, denn die Agnes Baltsa-Carmen mit Carreras und unter Abbado in der Zefirelli Inszenierung war mein erster Ausflug in die grosse Welt der Oper und mein allererster Besuch in Wien. Blutjung wie ich war, hat mich all das so wahnsinnig beeindruckt, dass ich noch heute, schon aus reiner Nostalgie, alle Carmens der Welt damit vergleichen werde. Ein optischer aber auch akustischer Hochgenuss ist allerdings auch die Londoner Carmen mit Kaufmann und antonacci- für mich ein Traumpaar in dieser Oper. Einziger Schwachpunkt in dieser Carmen ist für mich Norah Amsellen- so was Langweiliges ist mir selten vorgekommen, aber zur Rolle passt es dann wenigstens.... Meine Lieblings-Micaëla ist Ileana Cotrubas, aber leider wird die Rolle heute oft schlecht besetzt. Wie neulich wieder mit Barbara Frittoli in der MET mit ihrem viel zu grossen und ausgeleierten Sopran. Dabei könnte man daraus wirklich was machen, so ein tolles Duett!!!!! F.Q.
Severina (11.02.2010, 15:28): Liebe Fairy, ich dachte auch immer, Norah Ansellem ist punkto Langeweile als Micaela nicht zu toppen, aber die Besetzung an der Scala (Name habe ich mir absichtlich nicht gemerkt X() fand ich noch schlimmer. Meine aktuelle Lieblingsmicaela ist Genia Kühmeier, die international wohl noch nicht so bekannt ist. Sie singt diese Partie nicht nur technisch einwandfrei und mit schöner Stimme, sondern beseelt sie auch, wenn ich mir Deinen Ausdruck ausleihen darf. :wink Eine so innige, wirklich zu Herzen gehende Micaela habe ich seit Cotrubas Zeiten nicht mehr gehört, sie bekam auch immer deutlich mehr Applaus und Bravos als Don José und Carmen (Immerhin Marina Domashenko). lg Sevi :hello
Honoria Lucasta (11.02.2010, 15:55): Lieber Rideamus, vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort, die sich mit meinen Eindrücken weitestgehend deckt. Maria Ewing ist sicher nicht jedermanns Sache - vor allem aus optischen Gründen, aber auch ich fand ihre Rollengestaltung stimmlich und darstellerisch überzeugend. Jedenfalls paßt sie vom Typus her eher zu der Rolle als viele andere Sängerinnen, die sich schon sehr bemühen müssen, eine gewisse Ruchlosigkeit in Liebesdingen auf die Bühne zu bringen. Luis Lima kauft man halt mit dazu in dieser Aufnahme, und der Escamillo war meiner Erinnerung völlig entschwunden...
Ich gestehe, daß mich die gezeigte Aufnahme mit Antonacci, Kaufmann und d'Arcangelo nicht so sehr reizt - erstens verfolgt mich Herr d'Arcangelo geradezu: bei jedem meiner -nun wirklich sehr spärlichen- Opernbesuche in Wien blühte er mir (meist zusammen mit José Cura), und irgendwie habe ich immer seine nicht ganz so genialen Abende erwischt (dito). Und meine Skepsis bezüglich Jonas Kaufmann hat mir anderswo schon viel verbale Prügel eingebracht :A. Allerdings könnte er, schon allein wegen der dunkel timbrierten Stimme und seines unzweifelhaft vorhandenen darstellerischen Talents, sicher ein glaubwürdiger Don José sein...ich werde die DVD mal auf die Anschaffungsliste setzen....
Grüße!
Honoria
Severina (11.02.2010, 17:05): Original von Honoria Lucasta Lieber Rideamus, v
Ich gestehe, daß mich die gezeigte Aufnahme mit Antonacci, Kaufmann und d'Arcangelo nicht so sehr reizt - erstens verfolgt mich Herr d'Arcangelo geradezu: bei jedem meiner -nun wirklich sehr spärlichen- Opernbesuche in Wien blühte er mir (meist zusammen mit José Cura), und irgendwie habe ich immer seine nicht ganz so genialen Abende erwischt (dito). Und meine Skepsis bezüglich Jonas Kaufmann hat mir anderswo schon viel verbale Prügel eingebracht :A. Allerdings könnte er, schon allein wegen der dunkel timbrierten Stimme und seines unzweifelhaft vorhandenen darstellerischen Talents, sicher ein glaubwürdiger Don José sein...ich werde die DVD mal auf die Anschaffungsliste setzen....
Grüße!
Honoria
Naja, aber im Vergleich mit Cura muss er trotzdem die reinste Wonne gewesen sein :ignore Ui je, hoffentlich bin ich da in kein Fettnäpfchen getreten :D
Was Jonas Kaufmann betrifft, würde ich mich da gerne mit Dir duellieren :wink beziehungsweise Deine Meinung über ihn kennen lernen, aber besser in einem eigenen Thread. (Keine Bange, ich habe absolut kein Problem damit, wenn andere meine Lieblinge nicht mögen!) lg Severina :hello
Mime (11.02.2010, 17:42): Vielleicht kennt jemand Doris Soffel, das ist meine Carmen.
Honoria Lucasta (12.02.2010, 07:59): Liebe Severina, ich glaube, in der Einschätzung von Cura sind wir nicht auseinander :beer
Lieber Mime, ich kenne Doris Soffel nur aus Auftritten von vor 20 Jahren, und das meist in Rossini-Opern. Gibt es von ihrer Carmen eine Aufnahme?
Grüße!
Honoria
Hyacinth (14.08.2012, 14:23): Wiederbelebung aus gegebenem Anlass:
Meine Carmen ist nicht Magdalena Kozena, wie man in meinem Bericht schon lesen konnte. Und das liegt ganz sicher nicht an der Haarfarbe. Meine bevorzugte Carmen ist nämlich noch blonder und blau-äugiger als Kozena, aber hat ihr in Sachen Ausstrahlung einiges vorraus, meiner Meinung nach. Ich spreche von Elina Garanca. Ich habe sie als Carmen nie live gesehen (Mai 2013!! :D ), nur auf DVD, also kann es sein, dass sie mir live dann nicht mehr so gut gefällt, was ich aber ehrlich gesagt nicht glaube. Ich finde die Sache mit der Haarfarbe das unwichtigste überhaupt. Lassen wir dann nur mehr Chinesinnen Turandot singen, oder wie? Ich finde die Gesten, die Ausstrahlung und die Spielfreude bei einer Carmen viel wichtiger. Die kleinen Gesten, vor allem die Blicke, sieht man auf der Bühne natürlich manchmal nicht wirklich, aber es macht einen Unterschied, ob jemand mit dem ganzen Körper dabei ist, oder nur ein paar große Bewegungen macht.
Erstens einmal ist Garancas Stimme für mich persönlich sehr erotisch und das ist ja bei einer Sängerin ein wichtiger Teil. Ich habe also bei jemandem wie ihr auch kein Problem, sie nur zu hören. Sie hat die nötige Dramatik für die Kartenszene oder das Schlussduett, aber auch nicht zu viel Bruststimme, was auf die Dauer auch nerven könnte. Dann strahlt sie eben für mich alles aus, was eine Carmen ausmacht. Nicht plumpe, billige Posen, sondern feine Gesten benutzt sie und vor allem bei ihren Blicken versteht man, wieso jeder Mann ihr hinterrennt. Sie müsste mit der Seguidille nicht einmal anfangen und ich würde mit ihr sofort in die Berge rennen.
Da Carmen aber eben eine Rolle ist, wo es sehr stark auf den persönlichen Geschmack ankommt, ist es logisch, dass nicht jeder die gleiche Lieblings-Carmen hat, das ist auch gut so.
Hyacinth :hello
PS: Dass meine Lieblings-Micaela Genia Kühmeier ist, das dürfte ja jedem bekannt sein :wink
Severina (14.08.2012, 15:15): Nun, dass früher Agnes Baltsa für mich DIE konkurrenzlose Carmen war, habe ich weiter oben schon beschrieben, aber die Vergangenheit ist vergangen und war für mich noch nie die glorreiche, in der alles besser war. Live habe ich allerdings wirklich seither keine Carmen mehr erlebt, die mich ähnlich mitgerissen hätte wie die Baltsa, auf Konserve dafür gleich zwei: Anna Caterina Antonacci auf der von Rideamus vorgestellten DVD vom ROH und Elina Garanca auf der DVD von der MET. (Auf die bezieht sich ja wahrscheinlich auch Hyacinth, oder?)
Beide legen ihre Carmen unterschiedlich an: Antonacci sehr extrovertiert, ganz wilde Raubkatze, die Garanca äußerlich eher ruhig, innerlich ganz lodernder Vulkan, der sich immer wieder durch ihre Augen Bahn bricht (Jaaa, Hyacinth - diese Augensprache :down :down :down). Wie gesagt, zwei Interpretationen, aber jede auf ihre Art stimmig. Denn es gibt eben nicht DIE Carmen, sondern eben überzeugende und weniger überzeugende, und von der Haarfarbe hängt das ganz bestimmt nicht ab. Auch ich fiebere der ersten Wiener "Carmen" mit Elina Garanca entgegen :leb!
lg Severina :hello
PS: Hier habe ich die Met-DVD besprochen: http://www.das-klassikforum.de/addreply.php?action=quote&postid=101455
Ingrid (14.08.2012, 15:24): Original von Hyacinth
PS: Dass meine Lieblings-Micaela Genia Kühmeier ist, das dürfte ja jedem bekannt sein :wink
Dann wären die Vorstellungen im Juni 2010 (trotz JK :wink) mit Garanca und Kühmeier ja auch ein Fest für Dich gewesen. Evtl. hättest Du aber auch da schon einen Zugang zu Kaufmann gefunden (bin ich mir sogar ziemlich sicher :D )
Im Jahr drauf, im Febr. 2011, hatten wir dann Rachvelishvili, die ja in der Scala 2009 ihren großen Auftritt als Carmen feiern konnte, zusammen mit Kaufmann bei uns in München. Sie ist halt eher der kracherte Typ, die den Don José auch mal ziemlich heftig durch die Gegend schleudert und mit ihren Reizen, vorallem ihrer Lockenpracht, nicht zimperlich umgeht. Viele werden sie ja sicher bei der Übertragung aus Mailand erlebt haben. Sie war in München dann schon etwas sensibler, aber trotzdem würde ich, nur wegen ihr, bestimmt keine Vorstellung mehr besuchen, obwohl sie mir stimmlich schon sehr gut gefällt.
Eine weitere Carmen an der BSO war für mich kein Anreiz mehr für einen Opernbesuch und das ist leider inzwischen Vesselina Kasarova. Da komme ich sogar mit der Stimme nicht mehr klar (dieses in die Höhe schrauben), aber sie hat auch sonst nicht mehr viel einer Carmen in und an sich (meiner Meinung nach). Da denke ich z.B. immer noch mit Schrecken an die Züricher Carmen, die bei uns daheim seither unter: Bauer sucht Frau eingeordnet wurde.
:hello Ingrid
Entschuldigung, denn ich hab schon wieder mal das Thema verfehlt. Hier sollen ja nur "unsere Carmen" beschrieben werden und nicht die, die uns nicht so liegen. Also ganz eindeutig ist Elina Garanca meine Nr. 1 und deshalb bin ich für die Reize usw. anderer Carmen-Sängerinnen offensichtlich nicht mehr empfänglich. Und ähnlich geht es mir bei dem männlichen Part (ganz OT :D )
Hyacinth (14.08.2012, 15:36): Original von Severina Live habe ich allerdings wirklich seither keine Carmen mehr erlebt, die mich ähnlich mitgerissen hätte wie die Baltsa, auf Konserve dafür gleich zwei: Anna Caterina Antonacci auf der von Rideamus vorgestellten DVD vom ROH und Elina Garanca auf der DVD von der MET. (Auf die bezieht sich ja wahrscheinlich auch Hyacinth, oder?)
Beide legen ihre Carmen unterschiedlich an: Antonacci sehr extrovertiert, ganz wilde Raubkatze, die Garanca äußerlich eher ruhig, innerlich ganz lodernder Vulkan, der sich immer wieder durch ihre Augen Bahn bricht (Jaaa, Hyacinth - diese Augensprache :down :down :down).
Genau, die DVD meine ich, die ich mir trotz Alagna immer wieder gerne anschaue :wink Ich würde als Carmen ja weder dieser Bohnenstange von Escarmillo noch Alagna im Unterleiberl hinterherrennen, allenfalls Barbara Frittoli als Micaela, aber naja.... :J
Hyacinth (14.08.2012, 15:41): Original von Ingrid
Dann wären die Vorstellungen im Juni 2010 (trotz JK :wink) mit Garanca und Kühmeier ja auch ein Fest für Dich gewesen. Evtl. hättest Du aber auch da schon einen Zugang zu Kaufmann gefunden (bin ich mir sogar ziemlich sicher :D )
Eine weitere Carmen an der BSO war für mich kein Anreiz mehr für einen Opernbesuch und das ist leider inzwischen Vesselina Kasarova. Da komme ich sogar mit der Stimme nicht mehr klar (dieses in die Höhe schrauben), aber sie hat auch sonst nicht mehr viel einer Carmen in und an sich (meiner Meinung nach). Da denke ich z.B. immer noch mit Schrecken an die Züricher Carmen, die bei uns daheim seither unter: Bauer sucht Frau eingeordnet wurde.
Entschuldigung, denn ich hab schon wieder mal das Thema verfehlt. Hier sollen ja nur "unsere Carmen" beschrieben werden und nicht die, die uns nicht so liegen. Also ganz eindeutig ist Elina Garanca meine Nr. 1 und deshalb bin ich für die Reize usw. anderer Carmen-Sängerinnen offensichtlich nicht mehr empfänglich. Und ähnlich geht es mir bei dem männlichen Part (ganz OT :D )
Ja, um nur diese Carmen-Serie zu sehen sollte man eine Zeitmaschine erfinden :wink Das war sicher eine Sternstunde schlechthin! :leb
Kasarova hat mir in Wien auch nicht gefallen, es singen halt die meisten Mezzos mal Carmen, nicht alle haben damit Erfolg (so wie Kirchschlager...). In Wien hat ein Kritiker bei Kasarovas Carmen-Serie dann seine Kritik betitelt: "Eigentlich müsste der Abend Micaela heißen" Dreimal darfst du raten, wer die Micaela war :down
In puncto Garanca gebe ich dir Recht, ich brauche in nächster Zeit gar keine andere Carmen sehen, an der einen DVD kann ich mich noch jahrelang sattsehen. Der Don Jose (um jetzt mal OT zu antworten :D ) ist mir eigentlich nicht soo wichtig, hauptsache er singt gut und kann spielen (wo wir dann wieder bei Kaufmann wären).
Hyacinth :hello
Manni (14.08.2012, 17:02): Ich warte mit Spannung auf Elisabeth Kulman als Carmen (Hamburg 2014 nach Wien und Berlin). Sie könnte eine Baltsa-Nachfolgerin sein!
Hyacinth (14.08.2012, 19:26): Ich auch, Manni! :D Wie konnte ich sie nur vergessen.
Billy Budd (14.08.2012, 23:48): Original von Manni Ich warte mit Spannung auf Elisabeth Kulman als Carmen (Hamburg 2014 nach Wien und Berlin). Sie könnte eine Baltsa-Nachfolgerin sein! Da stimme ich zu. Sie hat ja die Carmen mal an der Volksoper in deutscher Sprache gesungen; ich denke, es wäre Zeit fürs große Haus.
Auf Garanca könnte ich mich auch freuen, würde man ihr nicht Leute wie Alagna, Tézier oder Hartig zur Seite stellen. X(
Von Baltsas Carmen hab ich einen Mitschnitt: Georges Bizet: Carmen
Wiener Staatsoper
27. Juni 2003
Besetzung:
Vjekoslav Šutej - Dirigent
Ernst Dunshirn - Choreinstudierung
Agnes Baltsa - Carmen Julian Gavin - Don José Ildar Abdrazakov - Escamillo Krassimira Stoyanova - Micaëla Simina Ivan - Frasquita Cornelia Salje - Mercédès Goran Simic - Zuniga Yu Chen - Moralès Walter Pauritsch - Remendado Hans Peter Kammerer - Dancairo
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper Wiener Sängerknaben - Kinderchor. Ich wäre dafür, sich in diesem Thread nicht nur mit der Titelfigur, sondern mit der Oper an sich zu befassen. Unlängst haben Hyacinth, Zdenka und Severina sehr Interessantes dazu in einem anderen Thread (auf die Schnelle fällt mir aber nicht ein, wo) verfasst. Ist Euch recht, wenn ich das hierher kopiere (verschieben kann ich ja nicht mehr)?
Ferner besitze ich die DVD der Wiener Premiere von 1978 mit Obraztsova, Domingo, Mazurok und Buchanan unter Kleiber. Ich habe mir sie schon lange nicht angehört und weiß nur mehr, dass mir Domingo, Buchanan und Rydl in der kleinen Rolle des Zuniga am besten gefallen haben. Billy :hello
EDIT: Es war im Wunschbesetzungsthread.
Hyacinth (14.08.2012, 23:52): Gerne kannst du das kopieren, die Diskussion war sehr interessant, aber dort eben OT :wink
Für Garancas Carmen nehme ich so einige in kauf :D
Severina (15.08.2012, 00:51): Dieser Thread heißt allerdings "Wer ist Eure Carmen?", bezieht sich also eindeutig auf die weibliche Hauptrolle. Daher fände ich es zielführender, wenn wir für allgemeine Diskussionen zum Werk einen eigenen Carmen-Thread ins Leben rufen!
Zu Baltsa 2003: Da war sie natürlich längst über ihren Zenit hinaus, und mit einer reinen Tonaufnahme wird sich das Phänomen Baltsa ohnehin schwer vermitteln lassen. Agnes Baltsa hatte nie das, was man eine schöne Stimme nennt - sie ist interessant, sehr spezifisch, ein bisschen rauchig und vor allem sehr ausdrucksstark. Technisch war nicht immer alles lupenrein, die Registerwechsel waren oft problematisch und das verstärkte sich im Alter natürlich. (Deshalb kann ich mir bei aller Liebe keine Isabella mehr vorstellen, die sie in der nächsten Saison singen will!)
Ich fürchte also, dass Billys Mitschnitt bestenfalls erahnen lässt, welches Naturereignis Agns Baltsa als Carmen einmal gewesen ist. (Ich selbst war genau aus diesem Grund 2003 nicht dabei, weil ich mir eben meine schönen Erinnerungen nicht trüben lassen wollte!)
lg Severina :hello
Billy Budd (15.08.2012, 01:02): Naja, ich denke halt, dass es übersichtlicher ist, wenn es zu jeder Oper nur einen Thread gibt. Diskussionen, wer die beste Interpretin einer bestimmten Oper ist, und Diskussionen zum Werk kann man mE doch schwer trennen. Warum also nicht gleich alles in den schon bestehenden Thread, zumal hier ja auch schon vor 2 1/2 eine DVD besprochen wurde?
Aber ich seh schon, dass ich Heike nachträglich recht geben muss: Zu viel Sortiererei kann Diskussionen ersticken. Deshalb wäre ich sehr dafür, die aktuelle Forumsordnung beizubehalten. Ich habe heute (eigentlich gestern) angefangen, ein zweites Inhaltsverzeichnis zu entwerfen (aus Rideamus' und Severinas Vorschlägen im entsprechenden Thread).
Aber da können wir morgen weitermachen: Gute Nacht! Billy :hello
Schweizer (15.08.2012, 10:34): Die Besetzung der Carmen ist bei den Intendanten/Dirigenten schon ein ideologisches Thema auf Grund der existierenden Fassungen: opéra comique mit "leichten Stimmen" oder grosse Kiste mit dramatischen Stimmen. Meine allererste Carmen 1959 in Rom mit Belen Amparan hat mich geprägt und sofort zum Fan der "grossen Oper" gemacht. Als Konsequenz hat mich keine der stimmleichteren Carmen (Berganza, de los Angeles, Kozena etc) je überzeugen können. Das Gegenteil, die ganz üppige Stimme à la Callas, L.Price, Norman, aber auch nicht. Für ganz lange Zeit war Grace Bumbry - ich wundere mich sehr, dass sie in diesem Thread von niemandem erwähnt wurde - meine Top-Carmen. Und die Nächste und bisher Einzige, allerdings auf ganz verschiedene Art, die ihr das Wasser reichen konnte, war Agnes Baltsa. Und seither herrscht für mich Ebbe. Weitere Carmen-Begegnungen: Julia Migenes gesanglich nicht konkurrenzfähig, Denice Graves in der Zürcher Ponelle-Inszenierung nach Baltsa ein einziges Ärgernis, da sie meinte, mit Hüftwackeln und einem tiefen Einblick in ein zugegebenermassen attraktives Décolleté sei der Carmen-Charakter umrissen, Régine Crespin an der MET 1978 im Herbst ihrer Karriere eher wie eine füllige Reinigungsfrau wirkend, die sich nach Sevilla verirrt hat. Vesselina Kasarova in der Zürcher Hartmann-Inszenierung fand ich überzeugend als unüblich emanzipierte Carmen: eine frustrierte und enttäuschte Frau, die - Don Giovanni lässt grüssen - schon so viele Männer gehabt hat, dass sie ihrer eigentlich überdrüssig ist, sich den Kaufmann-José nur aus einer Laune heraus angelt, ihn aber sofort fallen lässt als er nicht nach ihrer Vorstellung spurt; sie verkalkuliert sich, ihre "Rache" an den Männern geht nicht auf und so endet sie gemäss Libretto eben tragisch. Zu Antonacci und Garanca kann ich nichts sagen, da ich die DVD's nicht kenne. Von der Lettin hörte ich allerdings Habanera, Séguidilla und Kartenarie vor einigen Jahren konzertant am TV: da hat sie mich gar nicht überzeugt, allerdings war das bevor sie die Partie szenisch erstmals in ihrer Heimat ins Repertoire aufnahm. Meine Carmen: GRACE BUMBRY und AGNES BALTSA Gruss vom Schweizer
Severina (15.08.2012, 10:46): Lieber Schweizer,
die Züricher "Carmen" fand ich von der Regie her ganz toll, weil ja nicht nur Carmen, sondern auch José und Micaela völlig unüblich gezeichnet wurden. Stimmlich hat mich allerdings die Kasarova überhaupt nicht überzeugt, da rangiert sie in meiner Liste im unteren Drittel. Grace Bumbry habe ich sogar in sehr jungen Jahren live als "Carmen" gehört, damals hatte ich aber mit Oper noch nichts am Hut, sodass mich ihr temperamentvolles Spiel wesentlich mehr beeindruckte als der Gesang. Die Szene, wo sie in Lillas Pastias Schenke auf den Tisch springt und dort einen Flamenco hinlegt, steht allerdings immer noch vor meinem inneren Auge.
lg Severina :hello
Schweizer (15.08.2012, 10:56): Hallo Severina, völlig d'accord: stimmlich war Kasarova bestimmt nicht toll, aber die konsequent durchgehaltene Anlage der Partie fand ich als Alternative zum maistream-Carmen-Bild überzeugend und interessant. Das völlig unübliche Rollenbild war aber auch der Grund warum sie bei vielen Besuchern "durchfiel". (OT: ja, auch José und Micaela waren anders gezeichnet: Kaufmann überzeugte mich voll, mit Rey hatte ich, wie stets, so meine Mühe) Gruss vom Schweizer
Karolus Minus (15.08.2012, 14:44): Ich habe 1972 mit Huguette Tourangeau als Carmen angefangen, der Premierenbesetzung (samt Domingo und dem wahrscheinlich als Gesamtpaket immer noch besten Escamillo meiner "Opernkarriere" Tom Krause) einer Inszenirung von Regina Resnik in Hamburg, also braves Opernspanien mit den üblichen Klischees der Zeit - und in der damals üblichen Guiraud-Fassung natürlich -, wobei die Tourangeau eigentlich stimmlich von der leichteren Sorte war und damit hervorragend in die Originalversion gepasst hätte. Sie hatte auch in den Bewegungen eine Art leichter Lässigkeit, die kein Outrieren nötig hatte um zu wirken, sie war einfach "da", für mich eigentlich der wichtigste Punkt bei einer Carmen, die Erzielung größtmöglicher Wirkung ohne dauernd erkennbar etwas zu machen. Rein vokal hatte die Tourangeau durchaus Grenzen, die paar erhaltenen Ausschnitte lassen jedenfalls eine erstaunlich kurze Höhe erkennen.
Ansonsten? Cossotto in Wien, nun ja... die Berganza war mir 1980 zu damenhaft, wobei ich mir das Pariser Video der auch in Hamburg gespielten Faggioni-Inszenierung vielleicht noch einmal anschauen sollte. Danach kam Alicia Nafé, traditionell ok, würde man heute sicher auch anders spielen, aber stimmlich tadellos. Von den Gästen ist mir nur Ildiko Komlosi in Erinnerung, weil sie zusammen mit Thomas Moser eine der Produktion sehr entegengesetzte Interpretation lieferte, die aber in sich sehr stimmig war.
Und hier scheint mir neben der vom Schweizer angesprochenen "Passform" für Stimme und Fassung der wichtigste Aspekt zu liegen. Funktioniert die Persönlichkeit im Zusammenhang mit der Produktion. Bestes Beispiel dafür, daß auch eine im "Normalfall" keineswegs optimale Carmen-Sänger/Darstellerin ein erstklassiges ergebnis bringen kann, ist für mich Kasarova in Zürich. Da geht es zusammen, in einer anderen Inszenierung wäre es SO gespielt sicher voll daneben. Das Negativbeispiel ist Waltraud Meier, von der ein Video von der Met existiert. Eine zweifellos große Künstlerin, die, bei der x-ten Wiederaufnahme in die Zefirelli-Inszenierung hineingestellt, in dem ganzen bunten Gewimmel intellektuell ziemlich unterfordert wirkt und die Klischee-Vorstellungen andererseits schlicht nicht erfüllen kann.
Bei den Videos ist mein absoluter Favorit Anne Sofie von Otter in der McVicar-Produktion aus Glyndebourne; ein rothaariger!! kratzbürstiger Teufel, der sich mit unglaublicher Dreistigkeit nimmt, was ihm gefällt. Auch eine Variante ziemlich gegen den Strich, aber von unwerfendem Temperament, hätte ich der mitunter als optisch recht bieder verschrieenen Schwedin nie zugetraut (nach der Clairon im Pariser Capriccio weiß ich aber, daß ihre Palette doch weit größer ist, als früher angenommen). Lg Karolus Minus
Fairy Queen (16.08.2012, 07:41): Ich werde niemals im l Agnes Baltsa vergessen, meine allererste Live-Carmen bei meinem allerersten Bescuh in Wien und der WSO- das ist über 20 Jre her. Die Zefirelli-Inszenierung war zwar bunt und bieder aber ich fand Baltsa darinnen umwerfend gut, sowohl stimmlich als auch darstellerisch. Ihre carmen entsprach so gazn meinem Klischeebild der Figur und der arme José Carreras an ihrer Seite war dieser Carmencita fatale in keiner Weise gewachsen. Mir hat in jüngerer Zeit auch Antonacci mit Jonas Kaufmann serh gefallen, da wird die ambivalente Beziehung sehr deutlich herausgearbeit und ich fand Anotnacci auch stimmlich durchaus geeignet für die Rolle und nicht zu sopranig wie damals oft kritisiert wurde.. Mit Elina Garanca kann ich dagegen wenig anfangen, aber das ist ohnehin eine Sängerin, die mir noch nie wirklich gefallen hat. Auf Tontrâger finde ich nach wie vor auch Maria Callas tol, aber ichweiss gar nciht, ob sie Rolle ganz und auf der Bühne gesungen hat? Dass Kozena als Carmen nicht gerade die Idealbesetzung ist, wundert mich nicht- wer ist den auf diese Besetzungsidee gekommen? Manchmal fragt man sich wirkmcih was da für seltsame Fäden gezogen werden.... ?( Nicht schlecht finde ich die Bieito-Carmen Beatrice (der Doppelname fällt mir gerade nciht ein)- das ist eine eher "colle" und moderne Carmen. anne sophie Von Otter würde ich mir nach Karolus Empfehlung gerne mal ansehen, so richtig vorstellen kann ich mir das schlecht, abr bei MC Vicar erlebe ich immer wieder Überraschungen.
Liebe Grüsse von f.Q.
Rideamus (16.08.2012, 09:36): Die Carmen der großartigen Beatrice Uria-Monzon und von Anne Sofie von Otter, die auch mich sehr positiv überrascht hat, gibt es beide als DVD zu kaufen:
... Wer sich einen Eindruck von beiden verschaffen möchte, kann das hier anhand der Habanera tun:
http://www.youtube.com/watch?v=92LEJZyn2MU
http://www.youtube.com/watch?v=5hjYD6gqIK4
Daneben gibt es natürlich auch andere Auszüge, auch einen mit Anna Caterina Antonacci:
Die Carmen, die ich selbst bevorzuge, ist natürlich stark von der eigenen Prägung bestimmt, die in den 60er Jahren sehr stark mit Sona Cervena vorgegeben und von Agnes Baltsa endgültig gefestigt wurde. Seither haben es die drei oben genannten geschafft, da zumindest eng aufzuschließen, aber auch die viel zu oft unterschätzte Maria Ewing
http://www.youtube.com/watch?v=CEe_404iMpU
und (trotz Karajan, der die Oper viel zu kulinarisch nimmt) Grace Bumbry sollten bei einer Auflistung der besten Carmen nicht ganz außer Acht gelassen werden:
http://www.youtube.com/watch?v=Qs0E2CufQ7c
Meine allerliebste Carmen ist allerdings eine zweigeteilte und bearbeitete, nämlich die von Marilyn Horne gesungene CARMEN JONES, die in dem Film von Otto Preminger so hinreißend von Dorothy Dandridge gespielt wird: http://www.youtube.com/watch?v=1fi7xOuUAxM
:hello Rideamus
Severina (16.08.2012, 10:36): Original von Fairy Queen Dass Kozena als Carmen nicht gerade die Idealbesetzung ist, wundert mich nicht- wer ist den auf diese Besetzungsidee gekommen? Manchmal fragt man sich wirkmcih was da für seltsame Fäden gezogen werden.... ?
Liebe Grüsse von f.Q.
Tja, wenn Männe dirigiert, darf frau auch mal die Carmen singen :ignore Kozena ist die Lebensgefährtin (Oder Ehefrau, keine Ahnung, diese Dinge interessieren mich nur am Rande) des Carmen-Dirigenten Sir Simon Rattle....
lg Severina :hello
PS: Bitte mich nicht misszuverstehen, ich halte Magdalena Kozena für eine sehr gute Sängerin, die selbstverständlich auch ohne diese Beziehung Rollenangebote bekäme, aber wohl kaum diese Carmen bei den Salzburger Festspielen!
Hyacinth (16.08.2012, 12:15): Anne Sofie von Otter hat mir auf dem einen Ausschnitt auf Youtube gar nicht gefallen... Für Agnes Baltsa bin ich zu jung und sie war ja angeblich eine, die live so mitreißend war. Beatrice Uria-Monzon mag ich schon gerne, allerdings eher als Eboli, weil ich ihre ständige Bruststimme als Carmen zu viel finde. Es ist ja meistens so - zumindest bei den Festivals - dass der Dirigent sagt, wen er denn haben möchte. Und wenn er zufällig mit einer Mezzosopranistin verheiratet ist, die unbedingt mal gerne Carmen singen würde, ist wohl klar wen er dann nimmt...
Hyacinth :hello
Amonasro (31.12.2012, 12:25): Mein Favorit ist Tatjana Troyanos auf dieser auch ansonsten sehr gelungenen Solti-Einspielung:
Definitiv DIESE hier: https://www.youtube.com/watch?v=jXKUb5A1auM
LG, Hosenrolle1
Amonasro (22.02.2015, 23:44): :rofl
Die Muppets-Habanera kannte ich noch gar nicht. Bsher kannte ich nur die Ode an die Freude.
Gruß Amonasro :hello
Hosenrolle1 (23.02.2015, 00:19): Ich sehe, wir teilen den selben Geschmack ;)
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (23.02.2015, 02:42): Ergänzung: danke für den Hinweis auf die Ode an die Freude, hab´s mir vorher rausgesucht auf YouTube.
Schade nur, dass da nur der Mimimi-Typ auftaucht, aber trotzdem witzig :) Waldorf und Statler am Ende (die beiden Alten, die nur meckern können :wink) entdecken jetzt auch schon das Internet für sich!
LG, Hosenrolle1
Billy Budd (23.02.2015, 14:10): Sind wir da neuerdings im Kindergarten?!
Falstaff (20.05.2017, 00:01): Trotz der Callas (und ich bin ja nun wahrlich ein Callas-Witwer) ist es eine Sängerin, die hier noch gar nicht erwähnt wurde.
Solange Michel in der grandiosen Cluytens-Einspielung von 1950. Nicht nur, dass sie grundsätzlich die Partie nicht italianisiert, sondern sie singt die beiden Arien wirklich so, wie sie von Bizet bezeichnet wurden, als Chanson, d.h. mit dieser gewissen Leichtigkeit, diesem französischen Esprit ohne sie emotional zu überfrachten.
Live war es natürlich, allen stilistischen Einwänden zum Trotz, die Baltsa, die mich wirklich immer wieder hingerissen hat. Aber das war eben live, da war die Bühnenaktion und -Präsenz mit im Spiel.
:hello Falstaff
palestrina (20.05.2017, 00:28): Hallo, Carmen war, ist, wird nie den Status einer Lieblings Oper bei mir einnehmen, ich höre mir immer nur den Schluss an :D , und wenn dann nur Callas/Gedda oder Baltsa/Carreras, eventuell, obwohl ich die Sopran Version nicht sehr mag Los Angeles/Gedda! Ich habe das immer wieder probiert in meinem Opernleben mit der Carmen sowohl Live als auch Konserve, aber irgendwie ist das ein Hemmschuh der mir nicht passt! ?(
LG palestrina
Falstaff (20.05.2017, 00:42): Carmen war, ist, wird nie den Status einer Lieblings Oper bei mir einnehmen, Lieber Palestrina, das ging mir eigentlich genauso. Live haben mich alle Aufführungen eigentlich immer ziemlich 'kalt' gelassen. Bis dann die Baltsa kam.
Aber eigentlich wirklich begeistert, was das Gesamtwerk angeht, hat mich erst die GA unter Cluytens. Die hat mich wirklich umgehauen. Vor allem wohl, weil sie noch wirklich in der klassischen französischen Gesangstradition produziert wurde. Und plötzlich machte es klick und mir ging ganz vieles auf.
LG Falstaff
Waldi (20.05.2017, 22:31): Bei Carmen fallen mir etliche gute bis sehr gute Interpretinnen ein, ohne daß ich unbedingt eine Wertung vornehmen will. Unter den seinerzeitigen war Rise Stevens sicher eine der Allerbesten, faszinierend fand und finde ich Victoria de los Angeles, Georgine Milinkovic, Christa Ludwig, Grace Bumbry.... Ein elementares Erlebnis besonderer Art: Maria Ewing. Von den jetzigen hat mich Elina Garanca sehr beeindruckt. Da kenne ich allerdings nur Ausschnitte. Es hängt natürlich auch davon ab, wie man die Rolle gern hätte: wildkatzenhaft, sinnlich-elegant, vulgär, hintergründig usw. Hat alles seine Berechtigung, und je nach Typusdenkt man eben an verschiedene Künstlerinnen.