Werke für Orgel und Orchester im 20.Jahrhundert

teleton (21.11.2008, 12:29):
Liebe Musikfreunde,

es wird hauptsächlich nur über Klavier-, Cello-, Violin-konzerte geschrieben weil diese Soloinstrumente in dieser Formation eben am häufigsten verbreitet sind.
Die Orgel als Soloinstrument mit Orchester ist leider nicht so oft vertreten.

:beer Ziel dieses Thread´s ist im Verlaufe noch mehr über Orgelkonzerte und Sinfonien für Orgel und Orchester zu erfahren.
Durch meinen Neuzugang des Komponisten Josepf Jongen, bin ich auf die Idee gekommen diesen "Orgel-Thread" zu erstellen.

* Wie sieht es allgemein mit Werken für Orgel und Orchester im 20.Jahrhundert aus ?
Ich finde diese Zusammenstellung mit Orgel sehr ansprechend und möchte folgend einige Werke aufführen, die ich sehr hoch schätze:

1.) Copland: Orgelsinfonie (1924)
Edward Power Biggs, Orgel / New Yorker PH / Bernstein (SONY, 1967, ADD)

2.) Poulenc: Konzert für Orgel, Streicher und Pauken (1938..)
George Malcolm, Orgel / Academy otM-i-d-Fields / Iona Brown (Decca, 1977, ADD)

3.) Khatchaturian: Sinfonie Nr.3 für Orgel und Orchester (1947)Moskauer Philharmoniker / Kondraschin (Melodiya, 1969, ADD)

4.) Hindemith: Konzert für Orgel und Orchester (1962)Anton Heiler, Orgel / ORF-SO / Horvat (Teldec, 1980, ADD)

5.) Bengt Hambreus: Continuo für Orgel und Orchester (1975)
Werner Jakob, Orgel / SWF SO / Ernest Bour (Tonbandaufnahme 80erJahre)

6.) Joseph Jongen: Symphony Concertante für Orgel und Orchester (1926)
Michael Murray, Orgel / San Francisco SO / Edo de Waart (TELARC, 1984 , DDD)

Meine favorisierten Aufnahmen dieser Orgelkonzerte aus dem 20.Jahrhundert habe ich gleich mit aufgeführt.
:hello Habe ich noch wichtige elementare Werke für Orgel und Orchester vergessen ?
Gibt es tatsächlich so wenig in dieser Richtung mit Orgel ?


Die Orgelsinfonie von Saint-Saens wollte ich auch in meine Auflistung aufnehmen, aber die kam schon 1886 zur Uraufführung.
* Die Orgel-Werke unter 1. bis 3. dürften den meisten Klassikhöreren bekannt sein, sie gehören zu meinen Lieblingswerken des 20.Jhd.

* Das Hindemith Orgelkonzert wird selten aufgeführt und ist auch recht unbekannt. Es ist aber ein beachtenswertes Konzert.

* Zu Bengt Hambreus kann ich wenig schreiben; das ist eine Tonbandaufnahme aus den 80er-Jahren eines Wahnsinnsorgelkonzertes von SWFII, als ich noch Tonbandaufnahmen machte - das muß man gehört haben !


*** Der belgische Komponist Joseph Jongen (1873 - 1953) wird den meisten unbekannt sein. Deshalb ein paar Erläuterungen zu Jongen:
Er war Organist und Komponist, der eine große Anzahl Orgelwerke, sinfonische und kammermusikalische Werke schrieb. Sein Stil entwickelte sich aus Vorbildern wie R.Strauss, Frank, d´Indy und folgend Debussy und Ravel.
Sein Orgelkonzert bietet schöne Orchesterfarben die mit dem Orgelklang verschmelzen. Der schnelle letzte Satz des Orgelkonzertes Toccata erinnert an Filmmusik von Korngold - alles effektvoll komponiert. Kein großes Meisterwerk, aber lohnend und farbenreich gestaltet
Hörspaß garantiert !
Die Telarc-Aufnahme ist unter de Waart TOP gelungen und klanglich Spitze.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0089408009624.jpg
Telarc, 1984 , DDD
satie (21.11.2008, 12:42):
Also ich kenne aus Deiner Liste nur das Poulenc-Konzert, welches ich doch immer wieder mal gerne höre. So eine schöne Persiflage auch aufs Bach'sche Orgelwerk...
Ich habe bei folgenden Komponisten ebenfalls Orgelkonzerte entdeckt, gehört hab ich davon kein einziges. Die Orgel ist eben doch nicht mein Favorit...:

Ernst Krenek (er hat sogar zwei Orgelkonzerte geschrieben. Könnte interessant sein)

Willy Burkhard

Petr Eben (ebenfalls zwei Orgelkonzerte)

Gottfried von Einem

Wolfgang Fortner

Jon Leifs

Boguslaw Schäffer (Orgelkonzert B-A-C-H)

Wer kennt da was? Mich interessieren hier am ehesten die zurückhaltenden, meditativen Beispiele, nicht die mollig-dröhnenden Orgel-Dampfwalzen, es sei denn, sie wären persiflierend wie bei Poulenc.
teleton (23.11.2008, 11:16):
Hallo Satie,

ja, das Poulenc-Orgelkonzert gehört zu den schönsten und zugleich frechsten, humorvollsten Werken für Orgel und Orchester in der gesamten Musikgeschichte.
Ich schätze dieses Werk ungemein.

Du bringst einige Komponisten ins Spiel, dessen Orgelkonzerte ich noch gar nicht kenne:
Ernst Krenek, Willy Burkhard, Petr Eben (zwei Orgelkonzerte), Gottfried von Einem, Wolfgang Fortner, Boguslaw Schäffer.

Nach dem einen oder anderen werde ich mal Ausschau halten, da ich die Kombination Orgel und Orchester sehr sehr ansprechend empfinde.

Jon Leifs: Orgelkonzert (1930 )
habe ich in meinem Anfangsbeitrag vergessen.
Das ist ein unheimlich starkes Werk. Darin verschmelzen Orchesterklang und Orgel in einer Klangsprache die genau so wie ich es mir wünsche.

Allerdings ist das gemäß deiner Ausführungen warscheinlich nichts für Dich: Mich interessieren hier am ehesten die zurückhaltenden, meditativen Beispiele, nicht die mollig-dröhnenden Orgel-Dampfwalzen, es sei denn, sie wären persiflierend wie bei Poulenc.
Bei Leifs gehts absolut "rund" , es sind aber auch meditative Phasen dabei !

Das Orgelkonzert findet sich auf der BIS-CD DETTIFOS, die ich seit langem besitze:

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00007GXK5.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpg
Iceland SO, En Shaho
BIS, 1998, DDD
EinTon (24.11.2008, 02:42):
Das Fortner-Orgelkonzert habe ich mal vor Jahren gehört, das ist so musikantisch-neoklassizistisch und glaube ich nur mit Streichorchester besetzt.

Von Hindemith gibt es noch die 7."Kammermusik" für Orgel und gemischtes Kammerensemble (v. a. Bläser, glaube ich), da ist mir der langsame Satz in ganz guter Erinnerung. Das Konzert von 1962 kenne ich nicht.
thwinter12 (24.11.2008, 14:58):
Hallo Wolfgang,

es freut mich sehr, dass sich hier im Forum ein weiterer Orgelliebhaber gefunden zu haben scheint! :thanks Gerade diese Formation, dieses „Duo“ ist es, dass mir wahre „Gänsehautschübe“ bereitet: die Königin der Instrumente gepaart mit einem ebenso klangvoluminösen Apparat: dem Orchester - im dauernden Wettstreit als auch in trauter Zweisamkeit!

Über Deinen Threadtitel bin ich jedoch etwas enttäuscht, denn gerade zum Ende des 19. Jahrhunderts hin wurden einige der prächtigsten Werke für diese Gruppe in Frankreich geschaffen. Man erinnere sich nur an Namen wie Widor und Guilmant. Zum Glück haben diese beiden auch Anfang des 20. Jahrhunderts noch Werke für diese Formation geschrieben. Aber vielleicht werde ich einige Gedanken auch zu Ihren früheren Kompositionen mal in Deinen Thread schummeln… :ignore

Original von teleton
:hello Habe ich noch wichtige elementare Werke für Orgel und Orchester vergessen ?
Gibt es tatsächlich so wenig in dieser Richtung mit Orgel ?
a) Sehr viele! b) Sicher nicht!
Ich schließe mich also Dir an und hoffe, dass ich mit einem Posting ab und zu die „Geschmäcker“ auf die besprochene Formation lenken kann!

Beginnen möchte ich mit einem der einflussreichsten französischen (Orgel-)Komponisten des 20. Jahrhunderts, dem blinden Jean Langlais (1907-1991)!



Gerade letztes Jahr wurde sein 100. Geburtstag zelebriert. Ein Großteil seiner Aufnahmen befindet sich in meiner Sammlung. Leider sind seine Kompositionen für die besprochene Kombination auf diesen Einspielungen rar gesät. Zunächst mal die Auflistung seiner Konzerte für Orgel und Orchester:

-) „Premier Concerto pour orgue ou clavecin et orchestre“ (1948-49)
-) „Deuxième Concerto pour orgue et orchestre à cordes“ (1961)
-) „Troisième Concerto " Réaction " pour orgue, orchestre à cordes et timbales“ (1970-71)

Die Nr. 2 ist auf dieser (leider bereits vergriffenen) CD enthalten:



Jean Langlais
„Langlais Vol. 1: Werke für Orgel und Orchester“
Marie-Louis Langlais (Orgel) + The London Pro Arte Orchestra, Murray Stewart 1994
KOCH International
(erinnert Euch an meine Lobeshymne auf dieses Label vom 07.11.2008 bei Das hab ich nicht, das wünsch ich mir! :cool)

Vor ein paar Jahren konnte ich die CD noch zu einem moderaten Preis bei Amazon Marketplace ergattern und habe es nicht bereut. Es war eine meiner 1. Langlais-CDs und von da an kannte mein „Sammelwahn“ in bezug auf diesen Komponisten keine Grenzen. Die Wurzeln seines 2. Konzerts für Orgel und Orchester reichen bis ins Jahr 1938 zurück und daher habe ich zu diesem Konzert im Vergleich zum 3. einen besseren Zugang, da noch gewisse "melodiöse Strukturen" als Halt vorhanden sind.

Bei seiner Nr. 3 schaut das wiederum ganz anders aus. Sie ist hier enthalten:



Poulenc + Langlais + Helmschrott
„Masterworks for Organ, Orchestra and Percussion“
Frank Hauk (Orgel) + The Georgian Chamber Orchestra/Ingolstadt, Markus Poschner 2001
Guild Music 2002

Generell ist die „Organ and Orchestra“ – Reihe des Labels Guild Music sehr zu empfehlen. :down Hier finden sich in jeder Ausgabe eine Vielzahl an Raritäten und werden auch weiterhin laufend „ausgegraben“! Die Interpretationen sind erstklassig und die Aufnahmequalität, der sicherlich technisch nicht einfachen Umsetzung für diese Formation, hervorragend!

Langlais‘ 1. Konzert für Orgel und Orchester ist bis dato – meines Wissens nach – noch nie aufgenommen worden. Wahrscheinlich weil die offizielle Partitur erst 2004 aufgelegt wurde. Ich hoffe daher auf eine Einspielung in den nächsten Jahren! :wink

Original von teleton
Ernst Krenek, Willy Burkhard, Petr Eben (zwei Orgelkonzerte), Gottfried von Einem, Wolfgang Fortner, Boguslaw Schäffer.
Irgendwo in meiner Sammlung hab’ ich auch Poulenc (natürlich!), Krenek, Von Einem, Demessieux und viele mehr – Eben würde mich auch interessieren. Ich kenne seine Orgel(solo)werke aus der Hyperion-Reihe mit Halgeir Schiager. Die Werke für Orgel und Orchester sind meines Wissens nach bei Motette erschienen…

Lieber Wolfgang, wie Du siehst gibt es hier ein weites Betätigungsfeld um neues zu entdecken und sich auszutoben... :leb

Servas,
Thomas
teleton (25.11.2008, 10:35):
Hallo Thomas,

es freut mich, dass sich noch weitere Orgel und Orchester-Fans hinzugesellen und neue Komponistennamen ins Spiel bringen.

Langlais habe ich tatsächlich noch nie gehört.
:thanks Danke für Deine CD-Angaben, ich werde danach suchen.

Ich habe überhaupt nichts dagegen (auch Werke aus dem 19.Jhd), sondern finde es ebenfalls angemessen, wenn Du "einige Gedanken auch zu Ihren früheren Kompositionen mal in Deinen Thread schummeln" willst.
Denn Widor und Guilmant sind mir ebenfalls unbekannt.
Vielleicht sollte man einen zweiten Thread eröffnen, der
Werke für Orgel und Orchester im 19.Jhd. betrachtet.

Meine favorisierten Orgelkonzerte sind bisher alle aus dem 20.Jhd.
deshalb auch der Thread-Titel.
Cetay (inaktiv) (24.05.2009, 11:42):
Und wieder ist es Harald Genzmer zu verdanken, dass ein alter Thread nach oben geholt wird.
Das Konzert für Orgel und Orchester (1970) gehört zu den expressivsten Werken des im allgemeinen eher der Neuen Sachlichkeit anhängenden Komponisten. Es geht gleich los mit einander abwechselnden Orchester-Tuttischlägen und Solopassagen der Pauken - das müsste Teletons Welt sein. :tongue: Nach einer brausenden Dampfwalzen-Tocata der Orgel wird es etwas ruhiger und aus dem Orchester schälen sich Soli der Trompete heraus, worauf es mit einer Fanfaren-reichen Steigerung dem Satzende zugeht. Der zweite Satz hat Scherzo-haften Charakter und enthält ein sehr prägnantes Motiv, das immer wieder auftaucht. Im langsamen dritten Satz wird die Orgel oft zurückhaltend eingesetzt, mit flötenden Einzeltönen, untermalt von schwülstig-spätromantischen Streicherflächen und -figuren, zum Ende treten wieder fanfarenartige Figuren auf, bei denen die Orgel in den allerhöchsten Lagen eingesetzt wird. Der motorische letze Satz ist -wie viele Finalsätze Genzmers- klassizistisch gehalten, mit den Genzmer-typischen leichten rhythmischen und harmonischen Schärfungen.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4003913124944.jpg
teleton (28.05.2009, 09:59):
Hallo Dox,

Danke für diese INFO.
Die Thorofon-CD habe ich mir soeben bestellt und werde zu gegebener Zeit darüber berichten.
:beer Aber Du hast sicher Recht: - das müsste Teletons Welt sein.
teleton (06.06.2009, 10:26):
Hallo Dox und alle,

ich habe die Thorophon - CD jetzt erhalten und bin begeistert.

Die CD entält die fabelhaften drei Konzerte
Konzert für Orgel und Orchester (1970)
Konzert für Schlagzeug und Orchester (1978)
Konzert für Klavier und Orchester (1948).

Edgar Krapp (Orgel) und der bekannte Schlagzeuger Peter Sadlo (in allen Werken auf der CD vertreten) sind in Bestform und bieten diese Musik des 20.Jahrhunderts vom feinsten.
:leb Wirklich drei tolle Werke und für mich höchst willkommenes Neuland mit Harald Genzmer.

:beer Die Werke sind keine ungenießbaren Neutönerstücke, sondern bleiben auf dem modernen Teppich der Zeit und bleiben fasslich.
Maurice inaktiv (18.03.2013, 02:26):
Ich kenne zufällig das Jongen-Konzert,möchte aber hier auf den Komponisten Marcel Dupré hinweisen.Er hat einige interessante Werke für Orgel und Orchester geschrieben,die auf der Naxos-CD "Organ Works,
Vol.3" veröffentlicht wurden.

http://www.amazon.de/Orgelwerke-Vol-Werke-Orgel-Orchester/dp/B000009CJK/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1363569738&sr=1-1

Hier findet man das "Concerto in e-moll,op.31,für Orgel und Orchester","Cortege et Litanie,op.19,Nr.2","Poeme heroique,op.33,für Orgel,mit Trompeten,Posaunen und Schlagzeug und "Sinfonie g-moll,op.25,für Orgel und Orchester".

Das Niveau der Aufnahmen ist sehr hoch,so wurde die Aufnahme in "Klassik Heute 09/1998 " mit Interpretation hervorragend und Klang sehr gut bewertet.

Gruß,Maurice
Andréjo (18.03.2013, 11:03):
Ein sehr attraktives Konzert möchte ich anführen. Es gehört zu den moderneren Schöpfungen seines Komponisten, der mittlerweile eher nachromantisch schreibt.

Einojuhani Rautavaara (*1928): Annunciations, Konzert für Orgel, Blechbläserquintett und sinfonisches Blasorchester, 1977

Die vermutlich einzige greifbare Einspielung findet sich auf der folgenden CD und im Rahmen der Sammlung von 12 Solokonzerten des Finnen, jeweils bei Ondine:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/514fcar2iaL._SL500_AA300_.jpg

:beerWolfgang
Maurice inaktiv (18.03.2013, 12:19):
Dann könnte diese 5-CD-Box durchaus auch brauchbar sein,oder?Kennt jemand die Aufnahmen hier zufällig?Ist vielleicht nicht ganz richtig hier,aber das Orgelkonzert ist mit drauf...

An sich ist Rautavaara ein sehr interessanter Komponist.

VG,Maurice
Andréjo (18.03.2013, 12:32):
Meinst Du die Box mit den (fast allen) Solokonzerten von Rautavaara bei Ondine, Maurice? Ich habe sie vorhin im "Was höre ich gerade jetzt"-Thread abgebildet. Das wären aber vier CDs, nicht fünf. Ganz ausgezeichnet, in jeder Hinsicht. Außerdem preisgünstig.

:helloWolfgang
teleton (19.03.2013, 10:51):
Hallo Wolfgang und Maurice,

die ONDINE-Box der Konzerte (4CD) ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Die von Wolfgang abgebildete CD ist in der ONDINE - Box bestandteil. Ich hatte diese bereits 1 Jahr bevor ich mich zum Kauf zu der ONDINE-Sinfonien-GA entschlossen habe, da mit die Konzerte zuerst sogar interessanter erschienen. Das lag aber an meiner Naxos-CD der Sinfonie Nr.7 ... inzwischen sehe ich auch die Sinfonien als ganz wichtiges Repertoire ... besonders die Schostakowitsch-nahe Sinfonie Nr.1.

Mit Rautavaaras: Orgelkonzert „Annunciations“(1977) hatte ich mich zuerst, noch vor den anderen Konzerten, näher auseinandergesetzt.
Die ungewöhnliche Besetzung besteht aus Orgel, Brass Quantett und symphonisches Blasorchester (mit Schlaginstrumenten).
Das Orgelkonzert (1977) enthält auch nie gehörte Orchesterklänge. Aber auch bekanntes hört man – Khatchaturians Singende Säge aus seinem KK.
Für mich hört sich das, trotz seiner Atonalität, sehr ansprechend an. Ja, es wirkt bei allen Abweichungen der uns bekannten Tonarten sogar tonal. (Ich hatte erste „tonnal“ geschrieben – nein, nichts für die Tonne).
Das Orgelkozert dauert unter Leif Segerstam 27:23Minuten und besteht aus einem Satz.
Musikalische Themen sind zu Beginn erstmal nicht erkennbar. Es kommt auf die Klangstimmung an, die sich im Verlauf verdichtet und zu Ausbrüchen mit Pauken und dichten Clustern führt. Dazwischen beruhigende stimmungsvolle, geheimnisvolle Töne um dann wiedermal aufzudrehen und Spannung zu produzieren. Zentral steht in der Mitte eine virtuose Orgelkadenz.
Das hört sich jetzt so an, als wenn das eine rein atonale Musik wäre. Rautavaara denkt offenbar im innersten immer tonal. Das ist bei allen Konzerten, besonders bei den spätesten noch auffälliger zu hören (die späten sind konservativer als die aus den 60er-70er-Jahren). Das Ganze ist voll geniessbar, überschaubar und wirkt auf mich trotzdem musikalisch.
Freilich, kein großes Meisterwerk in dem Sinne, aber meisterlich in seiner Klang-Stimmung.
Maurice inaktiv (19.03.2013, 12:59):
Mit Brille wäre das nicht passiert.....Hust...Ja,es sind natürlich 4 CDs in der Box nicht 5.Vielleicht sollte ich öfter mal die Brille putzen,das soll doch weiterhelfen....

Ja,ich lag richtig,was die Box anging,aber falsch,was die CDs darin anging.

Danke,die scheinen in der tat sehr gut zu sein.Auch die zwei Kundenbewertungen weisen darauf hin.

VG,Maurice
Yeni Cifci (16.10.2025, 23:42):
Von Helmut Eder gibt es auch ein interessantes Konzert für Orgel und Orchester super L' homme armé, uraufgeführt in der Meistersingerhalle Nürnberg während der Internationalen Orgelwoche 1966. Den Solopart spielte damals Ludwig Doerr.

Aus dem frühen 20. Jahrhundert gibt es auch noch einige weitgehend unbekannte Konzerte für Orgel und Orchester zu entdecken, so etwa das bei Leuckart, Leipzig 1911 erschienene groß besetzte Konzert f-moll op. 40 von Maximilian Heidrich oder die Konzerte von Braunfels und etwas später von Günther Raphael. Zu nennen ist auch das Werk von Karl Höller.

Zum oben ausführlicher erwähnten Konzert von Harald Genzmer ist noch zu sagen. dass die Uraufführung 1971 anlässlich der Feierlichkeiten zum Dürer-Jahr mit Hedwig Bilgram an der Steinmeyer-Orgel in der Meistersingerhalle in Nürnberg erfolgt ist. Thema des Finalsatzes ist ein charakteristisches Fugenthema von Johann Pachelbel - wohl als Reverenz an Nürnberg gedacht.