Werksanalysen zu serieller Musik und "Darmstädter Schule"

EinTon (16.08.2008, 23:49):
Hallo!

Z. Zt. bin ich dabei, mich ein wenig stärker in die Musikrichtungen "nach 1945" einzuhören, bis vor 1/2 Jahr kannte ich da fast nur Messiaen, Ligeti, Steve Reich und einiges von Penderecki.


Ich wäre in diesem Zusammenhang interessiert an detaillierter Analyseliteratur zu Werken serieller Musik bzw. der Darmstädter Schule. Ich meine hier keine Beschreibungen "aus luftiger Höhe" sondern konkrete Erklärungen zur Kompositionstechnik mit Notenbeispielen, so dass man erkennen kann, wie's konkret gemacht ist.

Was serielle Musik im allgemeinen bedeutet, weiss ich mehr oder minder. Aber wenn ich mir zB Stockhausens "Gruppen" oder Boulez' "Marteau" anhöre, blicke ich da überhaupt nicht durch, auch nicht bei einem Einblick in die Partitur. Welche Reihen (und wieviele) wurden denn zB in den "Gruppen" verwendet und auf welche Parameter bezogen sie sich?

Desweiteren hört man ja oft, die serielle Musik hätte "folgerichtigererweise" zur elektronischen Musik geführt. Warum aber eigentlich. Und ist zB der "Gesang der Jünglinge" überhaupt seriell konzipiert?

Recht schönen Dank für Weiterhilfe!

Gruß,

Normann
satie (17.08.2008, 01:01):
Lieber Normann,
bei Stockhausen empfehle ich seine eigenen Schriften, zumal das ohnehin die einzigen sind, die er selber autorisiert hat. Es gibt aber auch mindestens zwei Bücher von Frisius, die Analysen enthalten.
Auf jeden Fall würde ich nach Einzelanalysen suchen, da sich auch im Serialismus die Arbeitsweisen total unterscheiden.
Das erste Stück, welches Du untersuchen solltest, wäre vielleicht Stockhausens Kreuzspiel, das ist noch recht gut zu durchschauen. Dazu müsste es genügend Literatur geben.

Das hier sieht nach Dissertation aus:
Struktur und Ästhetik bei Boulez: Untersuchungen zum Formanten "Trope" der Dritten Klaviersonate von Manfred Stahnke von Wagner, Karl D
Keine Ahnung, ob sich das lohnt...

laut Amazon ist das ein MIKROFILM:
Luigi Nono. Studien zu seiner Kompositionstechnik von Marina Tschistjakowa von Tectum Verlag

ein kritisches Buch von einem Komponisten:
Fortschritt oder Sackgasse?: Kritische Betrachtungen zum frühen Serialismus von York Höller von Pfau-Vlg (Taschenbuch - 1994)

Übrigens: bei Stockhausen ist fast alles seriell konzipiert, selbst die späten Werke größtenteils. Ausnahmen wären nur die intuitiven Stücke der 70er Jahre ("Aus den sieben Tagen").

Zu Stockhausen gibts auch einen Musikkonzepte-Band, der recht gut ist.

In dieser Reihe wird man eigentlich immer fündig, wenn es um relativ knappe Analysen geht. Neben vielen Bänden zu Komponisten oder gar Einzelwerken gibt es auch mindestens zwei Bände mit "Darmstadt-Dokumenten", die vielleicht auch interessant wären.

Herzlich,
S A T I E