Wie soll er denn nun klingen - der typische Mozart-Sound?
Daniel Behrendt (09.04.2006, 10:01): Liebe Forianer,
Könnt ihr überhaupt noch Mozart hören? Oder seid ihr schon satt? Ich hoffe nicht, denn ich möchte den Einstieg in ein Thema wagen, mit dem ich mich aus aktuellem Anlass mal wieder beschäftigt habe - es geht um die (vermeintlich) einfache Frage
Was ist der typische Mozart-Sound?
Anlass war ein Konzert, vorgestern in unserer (übrigens fabelhaften!) Musikhochschule: Fünf Studenten spielten die fünf Violinkonzerte Mozarts - zum Teil auf wirklich hohem Niveau (zugegeben: ein Double von Arthur Grumiaux war nicht dabei). Den Orchesterpart bestritt ein neunköpfiges Ensemble (Streicher einfach, Oboen und Hörner doppelt, d.h. rein solistisch besetzt! Auf die Flöten, die wenigstens im 2. Satz des 3. Konzerts nicht fehlen sollten, wurde leider verzichtet!). Auch wenn sich die exzellenten Musiker wirklich wacker schlugen: Ein wirklich geschlossenes Klangbild kann in dieser dürren Besetzung beim besten Willen nicht erzielt werden. So klang's mitunter jedenfalls reichlich mickrig und an Kraftstellen geradezu kratzbürstig. Es muss ja nicht gleich der Breitwanfklang der Fünfziger sein - aber ein wenig mehr Fülle, darf Mozart für meinen Geschmack auch in heutigen, Originalklang-strapazierten Zeiten haben...
Neben der Besetzung spielen natürlich auch noch andere Parameter eine Rolle: Tempo, Phrasierung, Artikulation, Klangfarbe etc...
Wie soll Mozart nun klingen? Hell und gläsern? Dunkel und erdig? Mozart aus Marmor? aus Puderzucker? gefühlvoll? heiter? unsentimental? nüchtern?
Kennt ihr Aufnahmen oder habt ihr Konzerte erlebt, in denen der ideale Mozart-klang realisiert wurde?
Gibt es überschätzte und unterschätze Mozart-Interpreten? Für meinen Geschmack: überschätzt: Frau Mutter unterschätzt: Josef Krips
LG! Daniel
Rolf Scheiwiller (09.04.2006, 11:29): Original von Daniel Behrendt Liebe Forianer,
Könnt ihr überhaupt noch Mozart hören? Oder seid ihr schon satt? Ich hoffe nicht, denn ich möchte den Einstieg in ein Thema wagen, mit dem ich mich aus aktuellem Anlass mal wieder beschäftigt habe - es geht um die (vermeintlich) einfache Frage
Was ist der typische Mozart-Sound?
Anlass war ein Konzert, vorgestern in unserer (übrigens fabelhaften!) Musikhochschule: Fünf Studenten spielten die fünf Violinkonzerte Mozarts - zum Teil auf wirklich hohem Niveau (zugegeben: ein Double von Arthur Grumiaux war nicht dabei). Den Orchesterpart bestritt ein neunköpfiges Ensemble (Streicher einfach, Oboen und Hörner doppelt, d.h. rein solistisch besetzt! Auf die Flöten, die wenigstens im 2. Satz des 3. Konzerts nicht fehlen sollten, wurde leider verzichtet!). Auch wenn sich die exzellenten Musiker wirklich wacker schlugen: Ein wirklich geschlossenes Klangbild kann in dieser dürren Besetzung beim besten Willen nicht erzielt werden. So klang's mitunter jedenfalls reichlich mickrig und an Kraftstellen geradezu kratzbürstig. Es muss ja nicht gleich der Breitwanfklang der Fünfziger sein - aber ein wenig mehr Fülle, darf Mozart für meinen Geschmack auch in heutigen, Originalklang-strapazierten Zeiten haben...
Neben der Besetzung spielen natürlich auch noch andere Parameter eine Rolle: Tempo, Phrasierung, Artikulation, Klangfarbe etc...
Wie soll Mozart nun klingen? Hell und gläsern? Dunkel und erdig? Mozart aus Marmor? aus Puderzucker? gefühlvoll? heiter? unsentimental? nüchtern?
Kennt ihr Aufnahmen oder habt ihr Konzerte erlebt, in denen der ideale Mozart-klang realisiert wurde?
Gibt es überschätzte und unterschätze Mozart-Interpreten? Für meinen Geschmack: überschätzt: Frau Mutter unterschätzt: Josef Krips
LG! Daniel
@ Daniel. Also, nur ganz kurz diesmal. Joseph Krips war NUR bei den Schallplattenfirmen untendurch. NIE beim Konzertpublikum. Es gibt von ihm viel mehr als man glaubt. Für eine englische Firma CONCERT HALL hat er verschiedenes aufgenommen. Das allerwenigste wurde später auf CD gebracht. Ich hab momentan eine schöne, frische Mozart LP im Gedächtnis. Mit dem Tonhalle O. Zürich.
Zu Mutter : Wenn Mozart dann Grumiaux oder H. Hahn. Gruss R.
Carola (09.04.2006, 14:59): Ein wichtiger Begriff in Bezug auf Mozarts Musik ist für mich die Ausgewogenheit - und das ist durchaus etwas anderes als Langeweile. Ausgewogen ist in meinen Ohren ein Klang, eine Spielweise, die weder ruppig ist noch puderzuckrig, die weder schlank klingt noch bräsig, ein Wohlklang in der Mitte zwischen eingeschlafenen Füßen und Fitnessstudio eben
Ob es zu Mozarts Zeit so oder so ähnlich geklungen hat, wie es meinem Klangideal entspricht, ist mir dabei egal, auch im Hinblick auf die Größe des Orchesters. Was das Klavier angeht, so ich finde nun mal, das ein moderner Flügel deutlich schöner, prägnanter, brillanter klingt als ein Fortepiano von 1780. Übrigens auch weicher - wenn jemand wie Maria Joao Pires ihn spielt jedenfalls.
Kurzum, bei den Sinfonien Böhm, nicht Harnoncourt, bei den Streichquartette das Alban Berg Quartett, bei den Klaviertrios Pires, Dumay, Wang. Und - um mich restlos unbeliebt zu machen :D, was die Violinkonzerte angeht: Anne-Sofie Mutter und das London Philharmonic Orchestra.
Mit Gruß von Carola
Mime (09.04.2006, 15:19): Da Geschmäcker sehr verschieden sind, DIE Antwort weiß allein der Wind!
Daniel Behrendt (10.04.2006, 12:52): Zitat Rolf: Joseph Krips war NUR bei den Schallplattenfirmen untendurch. NIE beim Konzertpublikum. Es gibt von ihm viel mehr als man glaubt. Für eine englische Firma CONCERT HALL hat er verschiedenes aufgenommen. Das allerwenigste wurde später auf CD gebracht. Ich hab momentan eine schöne, frische Mozart LP im Gedächtnis. Mit dem Tonhalle O. Zürich.
Zu Mutter : Wenn Mozart dann Grumiaux oder H. Hahn.
Lieber Rof, ich gehe einfach mal davon aus, dass wir zwei unterschiedlichen Generationen angehören - Mit 32 Lenzen bin ich jedenfalls definitiv Teil der Nach-Krips-Generation. Ich denke, meine Altersklasse bekommt seine köstlichen Mozart-Aufnahmen nicht ohne weiteres auf dem Silbertablett serviert, sondern muss sich schon ein wenig auf die Suche machen, um auf Namen wie Krips zu stoßen. In Bezug auf Grumiaux sind wir uns einig - und ich denke, jeder, der seine subtilen Mozart-Aufnahmen zum ersten Mal hört, wird sich der Innigkeit und Leuchtkraft seines Spiels nur schwer entziehen können. Wolfgang Schneiderhan gehört mozartmäßig für mich übrigens auch noch nach ganz oben - seine Mozart-Violinkonzerte (inzwischen billig bei Eloquence) sind auch echte Klassiker.
Meinst du mit der Mozart-LP mit dem Tonhalle Orchester zufällig die Violinkonzerte mit Zinman und Pamela Franck? Die ist gar nicht mal übel.
PS: Liebe Carola, in bezug auf A.S. Mutter kommen wir auf keinen gemeinsamen Nenner - was Maria Joao Pires angeht, können wir uns problemlos einigen - Ihr Mozart (Konzerte als auch Sonaten) sind wirklich toll. Maria realisiert für meinen Geschmack wirklich einen nahezu idealen Mozartklang: warm, voll aber nicht fett, reich an Klangfarben, aber nicht kunterbunt, ihr Anschlag ist überaus differenziert und ihre Phrasierungskünste sind wirklich erstaunlich. Vor ein paar Jahren war sie die Solistin im Europakonzert der Berliner Philharmoniker in einem portugisieschem Kloster - ich hab's nur auf Video gesehen - Leider, ich wäre nämlich gerne dabei gewesen! LG! Daniel
Rolf Scheiwiller (10.04.2006, 13:49): @ Daniel. Nein, Krips starb ja bereits 1974. Im November, glaub ich. Er spielte auf dieser LP etwa 8 Mozart - Ouvertüren. Entf. u.Don Giov. mit Konzertabschluss. Nie auf CD erschienen. Kennst Du seine Aufnahme der Grossen C-Dur Sinf. Schuberts. plus Schumann ? DECCA . Er hat noch relativ viel mit dem London Symph. O. aufgenommen. Aber kaum was auf CD erhältlich.
Er war auch selber schuld, dass es mit seiner Schallplattenkarriere nicht richtig funktioniert hat. Hielt es bei keinem Orchester lange aus. Schwieriger Charakter. Wohnte jahrzehntelang in Genf. Und starb auch dort. Gruss. R.
Daniel Behrendt (12.04.2006, 22:56): Lieber Rolf,
... Siehste: Der Mann starb quasi bei meiner Geburt.
Nein, die Schubert-Scheibe kenne ich leider (noch) nicht. ich besitze von Krips nur Mozarts "Haffner"-Sinfonie in Kombi mit Haydn, Nr.104, gespielt vom Londoner Royal Philharmonic - diese CD (erschienen 1988 bei einem mir völlig unbekannten Label Namens "Menuet") halte ich wirklich in Ehren - sie ist wunderbar!
Welche Krips-Aufnahmen sind denn derzeit am Markt verfügbar?
LG! Daniel
Rolf Scheiwiller (13.04.2006, 06:46): Original von Daniel Behrendt Lieber Rolf,
... Siehste: Der Mann starb quasi bei meiner Geburt.
Nein, die Schubert-Scheibe kenne ich leider (noch) nicht. ich besitze von Krips nur Mozarts "Haffner"-Sinfonie in Kombi mit Haydn, Nr.104, gespielt vom Londoner Royal Philharmonic - diese CD (erschienen 1988 bei einem mir völlig unbekannten Label Namens "Menuet") halte ich wirklich in Ehren - sie ist wunderbar!
Welche Krips-Aufnahmen sind denn derzeit am Markt verfügbar?
LG! Daniel
Guten Morgen Daniel. Von Krips ist sehr wenig gegenwärtig zu haben. Auf EMI die Gesamtaufnahme der " Entführung " mit Rothenberger und Gedda. Mit den Wiener Ph. Dann auf DECCA die hochberühmte Einspielung des " Don Giovanni " mit Lisa della Casa ( kenn ich persönlich ) Cesare Siepi , Hilde Güden u. a. Auch mit den Wienern. Aufgenommen 1955 in STEREO. Produziert auf das Mozart - Jahr 1956. Ich hab noch eine Fledermaus in MONO. Und eben die Schubert C - Dur Sinf. Und seine Mozart Sinf. bei Philips. Die Du ja kennst. Ansonsten hab ich nichts von Krips.
Schönen Tag. Rolf.
Rachmaninov (13.04.2006, 08:03): Hallo,
wenn ich den typischen Mozart Sound denke, dann beziehe ich das für mich im wesentlichen auf seine Klaviermusik aber auch seine Konzerte, da diese bei mir im Vordergrund meines Interesses stehen.
Für mich ist Mozart's Musik am schönsten und interessantesten wenn sie nach Leichtigkeit und voller Freude klingen.
Es gib Stellen in seiner Musik da "hüpft" und "sprigt" es gerade so und ich mag es wenn man das auch hört.
Viel Freude und etwas Lockerheit, dann gefällt mir Mozart richtig gut :D
Daniel Behrendt (13.04.2006, 08:23): Lieber Rolf,
Das "Serail" und der "Don Giovanni" sind auf jden Fall eine Überlegung wert - ich werde mal im Netz nach den Preisen und 2nd Hand-Angeboten stöbern!
Ein anderer Vertreter der alten Garde, der mir in Sachen Mozart ausnehmend gut gefällt, ist Ferenc Fricsay - aber der ist ja nun wirklich kein Geheimtipp wie Krips. Er hat absolut konkurenzfähige, für ihre Zeit stilistisch ausgesprochen "moderne" Aufnahmen vom "Serail" und der "Zauberflöte" vorgelegt. Ich würde Fricsay auf jeden Fall auf einem Level mit Böhm ansiedeln, vielleicht sagt er mir sogar noch ein bisschen mehr zu.
Richtig schön finde ich auch die Aufnahmen mir Colin Davis - ein sehr diskreter, unspektakulärer Mozart, der aber duch seine Sorgfalt im Detail, seine Klangschönheit und die herausragende Sängerauswahl besticht. Davis steht für mich mindestens auf derselben Stufe mit dem ein ähnliches Klangideal pflegenden Neville Marriner.
Angefangen habe ich mit Leuten wie Gardiner. Später kamen die fulminaten Jacobs-Einspielungen dazu - Inzwischen haben auch die "konventionellen" Ensembles einiges vom Originalklangsound übernommen - Abbados neue - sehr ordentliche - Zauberflöte ist ein gutes Beispiel. Anfangs war es nicht so leicht mich an die viel ausgeglichenere, "glattere" Artikulation und den volleren Klang der "alten Schule" zu gewöhnen - ich gehöre eben der darmsaitensozialisierten Generation an... Inzwischen hat sich einiges geändert: Den "Don Giovanni" kann ich mittlerweile fast nur noch mit Furtwängler oder Giulini hören. Ich verstehe die -oftmals ideologischen- Auseinandersetzungen um den Aufführungsstil ohnehin nicht so recht - Mozart (oder auch Bach) haben sowieso mehr zu bieten, als durch einen einzigen künstlerischen Ansatz verwirklicht werden könnte - ich jedenfalls empfinde das entspannte Hin- und Herswitchen zwischen verschiedenen Interpretation als wirklich spannend und überaus lehrreich. LG! Daniel
Daniel Behrendt (09.04.2006, 10:01): Liebe Forianer,
Könnt ihr überhaupt noch Mozart hören? Oder seid ihr schon satt? Ich hoffe nicht, denn ich möchte den Einstieg in ein Thema wagen, mit dem ich mich aus aktuellem Anlass mal wieder beschäftigt habe - es geht um die (vermeintlich) einfache Frage
Was ist der typische Mozart-Sound?
Anlass war ein Konzert, vorgestern in unserer (übrigens fabelhaften!) Musikhochschule: Fünf Studenten spielten die fünf Violinkonzerte Mozarts - zum Teil auf wirklich hohem Niveau (zugegeben: ein Double von Arthur Grumiaux war nicht dabei). Den Orchesterpart bestritt ein neunköpfiges Ensemble (Streicher einfach, Oboen und Hörner doppelt, d.h. rein solistisch besetzt! Auf die Flöten, die wenigstens im 2. Satz des 3. Konzerts nicht fehlen sollten, wurde leider verzichtet!). Auch wenn sich die exzellenten Musiker wirklich wacker schlugen: Ein wirklich geschlossenes Klangbild kann in dieser dürren Besetzung beim besten Willen nicht erzielt werden. So klang's mitunter jedenfalls reichlich mickrig und an Kraftstellen geradezu kratzbürstig. Es muss ja nicht gleich der Breitwanfklang der Fünfziger sein - aber ein wenig mehr Fülle, darf Mozart für meinen Geschmack auch in heutigen, Originalklang-strapazierten Zeiten haben...
Neben der Besetzung spielen natürlich auch noch andere Parameter eine Rolle: Tempo, Phrasierung, Artikulation, Klangfarbe etc...
Wie soll Mozart nun klingen? Hell und gläsern? Dunkel und erdig? Mozart aus Marmor? aus Puderzucker? gefühlvoll? heiter? unsentimental? nüchtern?
Kennt ihr Aufnahmen oder habt ihr Konzerte erlebt, in denen der ideale Mozart-klang realisiert wurde?
Gibt es überschätzte und unterschätze Mozart-Interpreten? Für meinen Geschmack: überschätzt: Frau Mutter unterschätzt: Josef Krips
LG! Daniel
Rolf Scheiwiller (09.04.2006, 11:29): Original von Daniel Behrendt Liebe Forianer,
Könnt ihr überhaupt noch Mozart hören? Oder seid ihr schon satt? Ich hoffe nicht, denn ich möchte den Einstieg in ein Thema wagen, mit dem ich mich aus aktuellem Anlass mal wieder beschäftigt habe - es geht um die (vermeintlich) einfache Frage
Was ist der typische Mozart-Sound?
Anlass war ein Konzert, vorgestern in unserer (übrigens fabelhaften!) Musikhochschule: Fünf Studenten spielten die fünf Violinkonzerte Mozarts - zum Teil auf wirklich hohem Niveau (zugegeben: ein Double von Arthur Grumiaux war nicht dabei). Den Orchesterpart bestritt ein neunköpfiges Ensemble (Streicher einfach, Oboen und Hörner doppelt, d.h. rein solistisch besetzt! Auf die Flöten, die wenigstens im 2. Satz des 3. Konzerts nicht fehlen sollten, wurde leider verzichtet!). Auch wenn sich die exzellenten Musiker wirklich wacker schlugen: Ein wirklich geschlossenes Klangbild kann in dieser dürren Besetzung beim besten Willen nicht erzielt werden. So klang's mitunter jedenfalls reichlich mickrig und an Kraftstellen geradezu kratzbürstig. Es muss ja nicht gleich der Breitwanfklang der Fünfziger sein - aber ein wenig mehr Fülle, darf Mozart für meinen Geschmack auch in heutigen, Originalklang-strapazierten Zeiten haben...
Neben der Besetzung spielen natürlich auch noch andere Parameter eine Rolle: Tempo, Phrasierung, Artikulation, Klangfarbe etc...
Wie soll Mozart nun klingen? Hell und gläsern? Dunkel und erdig? Mozart aus Marmor? aus Puderzucker? gefühlvoll? heiter? unsentimental? nüchtern?
Kennt ihr Aufnahmen oder habt ihr Konzerte erlebt, in denen der ideale Mozart-klang realisiert wurde?
Gibt es überschätzte und unterschätze Mozart-Interpreten? Für meinen Geschmack: überschätzt: Frau Mutter unterschätzt: Josef Krips
LG! Daniel
@ Daniel. Also, nur ganz kurz diesmal. Joseph Krips war NUR bei den Schallplattenfirmen untendurch. NIE beim Konzertpublikum. Es gibt von ihm viel mehr als man glaubt. Für eine englische Firma CONCERT HALL hat er verschiedenes aufgenommen. Das allerwenigste wurde später auf CD gebracht. Ich hab momentan eine schöne, frische Mozart LP im Gedächtnis. Mit dem Tonhalle O. Zürich.
Zu Mutter : Wenn Mozart dann Grumiaux oder H. Hahn. Gruss R.
Carola (09.04.2006, 14:59): Ein wichtiger Begriff in Bezug auf Mozarts Musik ist für mich die Ausgewogenheit - und das ist durchaus etwas anderes als Langeweile. Ausgewogen ist in meinen Ohren ein Klang, eine Spielweise, die weder ruppig ist noch puderzuckrig, die weder schlank klingt noch bräsig, ein Wohlklang in der Mitte zwischen eingeschlafenen Füßen und Fitnessstudio eben
Ob es zu Mozarts Zeit so oder so ähnlich geklungen hat, wie es meinem Klangideal entspricht, ist mir dabei egal, auch im Hinblick auf die Größe des Orchesters. Was das Klavier angeht, so ich finde nun mal, das ein moderner Flügel deutlich schöner, prägnanter, brillanter klingt als ein Fortepiano von 1780. Übrigens auch weicher - wenn jemand wie Maria Joao Pires ihn spielt jedenfalls.
Kurzum, bei den Sinfonien Böhm, nicht Harnoncourt, bei den Streichquartette das Alban Berg Quartett, bei den Klaviertrios Pires, Dumay, Wang. Und - um mich restlos unbeliebt zu machen :D, was die Violinkonzerte angeht: Anne-Sofie Mutter und das London Philharmonic Orchestra.
Mit Gruß von Carola
Mime (09.04.2006, 15:19): Da Geschmäcker sehr verschieden sind, DIE Antwort weiß allein der Wind!
Daniel Behrendt (10.04.2006, 12:52): Zitat Rolf: Joseph Krips war NUR bei den Schallplattenfirmen untendurch. NIE beim Konzertpublikum. Es gibt von ihm viel mehr als man glaubt. Für eine englische Firma CONCERT HALL hat er verschiedenes aufgenommen. Das allerwenigste wurde später auf CD gebracht. Ich hab momentan eine schöne, frische Mozart LP im Gedächtnis. Mit dem Tonhalle O. Zürich.
Zu Mutter : Wenn Mozart dann Grumiaux oder H. Hahn.
Lieber Rof, ich gehe einfach mal davon aus, dass wir zwei unterschiedlichen Generationen angehören - Mit 32 Lenzen bin ich jedenfalls definitiv Teil der Nach-Krips-Generation. Ich denke, meine Altersklasse bekommt seine köstlichen Mozart-Aufnahmen nicht ohne weiteres auf dem Silbertablett serviert, sondern muss sich schon ein wenig auf die Suche machen, um auf Namen wie Krips zu stoßen. In Bezug auf Grumiaux sind wir uns einig - und ich denke, jeder, der seine subtilen Mozart-Aufnahmen zum ersten Mal hört, wird sich der Innigkeit und Leuchtkraft seines Spiels nur schwer entziehen können. Wolfgang Schneiderhan gehört mozartmäßig für mich übrigens auch noch nach ganz oben - seine Mozart-Violinkonzerte (inzwischen billig bei Eloquence) sind auch echte Klassiker.
Meinst du mit der Mozart-LP mit dem Tonhalle Orchester zufällig die Violinkonzerte mit Zinman und Pamela Franck? Die ist gar nicht mal übel.
PS: Liebe Carola, in bezug auf A.S. Mutter kommen wir auf keinen gemeinsamen Nenner - was Maria Joao Pires angeht, können wir uns problemlos einigen - Ihr Mozart (Konzerte als auch Sonaten) sind wirklich toll. Maria realisiert für meinen Geschmack wirklich einen nahezu idealen Mozartklang: warm, voll aber nicht fett, reich an Klangfarben, aber nicht kunterbunt, ihr Anschlag ist überaus differenziert und ihre Phrasierungskünste sind wirklich erstaunlich. Vor ein paar Jahren war sie die Solistin im Europakonzert der Berliner Philharmoniker in einem portugisieschem Kloster - ich hab's nur auf Video gesehen - Leider, ich wäre nämlich gerne dabei gewesen! LG! Daniel
Rolf Scheiwiller (10.04.2006, 13:49): @ Daniel. Nein, Krips starb ja bereits 1974. Im November, glaub ich. Er spielte auf dieser LP etwa 8 Mozart - Ouvertüren. Entf. u.Don Giov. mit Konzertabschluss. Nie auf CD erschienen. Kennst Du seine Aufnahme der Grossen C-Dur Sinf. Schuberts. plus Schumann ? DECCA . Er hat noch relativ viel mit dem London Symph. O. aufgenommen. Aber kaum was auf CD erhältlich.
Er war auch selber schuld, dass es mit seiner Schallplattenkarriere nicht richtig funktioniert hat. Hielt es bei keinem Orchester lange aus. Schwieriger Charakter. Wohnte jahrzehntelang in Genf. Und starb auch dort. Gruss. R.
Daniel Behrendt (12.04.2006, 22:56): Lieber Rolf,
... Siehste: Der Mann starb quasi bei meiner Geburt.
Nein, die Schubert-Scheibe kenne ich leider (noch) nicht. ich besitze von Krips nur Mozarts "Haffner"-Sinfonie in Kombi mit Haydn, Nr.104, gespielt vom Londoner Royal Philharmonic - diese CD (erschienen 1988 bei einem mir völlig unbekannten Label Namens "Menuet") halte ich wirklich in Ehren - sie ist wunderbar!
Welche Krips-Aufnahmen sind denn derzeit am Markt verfügbar?
LG! Daniel
Rolf Scheiwiller (13.04.2006, 06:46): Original von Daniel Behrendt Lieber Rolf,
... Siehste: Der Mann starb quasi bei meiner Geburt.
Nein, die Schubert-Scheibe kenne ich leider (noch) nicht. ich besitze von Krips nur Mozarts "Haffner"-Sinfonie in Kombi mit Haydn, Nr.104, gespielt vom Londoner Royal Philharmonic - diese CD (erschienen 1988 bei einem mir völlig unbekannten Label Namens "Menuet") halte ich wirklich in Ehren - sie ist wunderbar!
Welche Krips-Aufnahmen sind denn derzeit am Markt verfügbar?
LG! Daniel
Guten Morgen Daniel. Von Krips ist sehr wenig gegenwärtig zu haben. Auf EMI die Gesamtaufnahme der " Entführung " mit Rothenberger und Gedda. Mit den Wiener Ph. Dann auf DECCA die hochberühmte Einspielung des " Don Giovanni " mit Lisa della Casa ( kenn ich persönlich ) Cesare Siepi , Hilde Güden u. a. Auch mit den Wienern. Aufgenommen 1955 in STEREO. Produziert auf das Mozart - Jahr 1956. Ich hab noch eine Fledermaus in MONO. Und eben die Schubert C - Dur Sinf. Und seine Mozart Sinf. bei Philips. Die Du ja kennst. Ansonsten hab ich nichts von Krips.
Schönen Tag. Rolf.
Rachmaninov (13.04.2006, 08:03): Hallo,
wenn ich den typischen Mozart Sound denke, dann beziehe ich das für mich im wesentlichen auf seine Klaviermusik aber auch seine Konzerte, da diese bei mir im Vordergrund meines Interesses stehen.
Für mich ist Mozart's Musik am schönsten und interessantesten wenn sie nach Leichtigkeit und voller Freude klingen.
Es gib Stellen in seiner Musik da "hüpft" und "sprigt" es gerade so und ich mag es wenn man das auch hört.
Viel Freude und etwas Lockerheit, dann gefällt mir Mozart richtig gut :D
Daniel Behrendt (13.04.2006, 08:23): Lieber Rolf,
Das "Serail" und der "Don Giovanni" sind auf jden Fall eine Überlegung wert - ich werde mal im Netz nach den Preisen und 2nd Hand-Angeboten stöbern!
Ein anderer Vertreter der alten Garde, der mir in Sachen Mozart ausnehmend gut gefällt, ist Ferenc Fricsay - aber der ist ja nun wirklich kein Geheimtipp wie Krips. Er hat absolut konkurenzfähige, für ihre Zeit stilistisch ausgesprochen "moderne" Aufnahmen vom "Serail" und der "Zauberflöte" vorgelegt. Ich würde Fricsay auf jeden Fall auf einem Level mit Böhm ansiedeln, vielleicht sagt er mir sogar noch ein bisschen mehr zu.
Richtig schön finde ich auch die Aufnahmen mir Colin Davis - ein sehr diskreter, unspektakulärer Mozart, der aber duch seine Sorgfalt im Detail, seine Klangschönheit und die herausragende Sängerauswahl besticht. Davis steht für mich mindestens auf derselben Stufe mit dem ein ähnliches Klangideal pflegenden Neville Marriner.
Angefangen habe ich mit Leuten wie Gardiner. Später kamen die fulminaten Jacobs-Einspielungen dazu - Inzwischen haben auch die "konventionellen" Ensembles einiges vom Originalklangsound übernommen - Abbados neue - sehr ordentliche - Zauberflöte ist ein gutes Beispiel. Anfangs war es nicht so leicht mich an die viel ausgeglichenere, "glattere" Artikulation und den volleren Klang der "alten Schule" zu gewöhnen - ich gehöre eben der darmsaitensozialisierten Generation an... Inzwischen hat sich einiges geändert: Den "Don Giovanni" kann ich mittlerweile fast nur noch mit Furtwängler oder Giulini hören. Ich verstehe die -oftmals ideologischen- Auseinandersetzungen um den Aufführungsstil ohnehin nicht so recht - Mozart (oder auch Bach) haben sowieso mehr zu bieten, als durch einen einzigen künstlerischen Ansatz verwirklicht werden könnte - ich jedenfalls empfinde das entspannte Hin- und Herswitchen zwischen verschiedenen Interpretation als wirklich spannend und überaus lehrreich. LG! Daniel