Peter Brixius (28.04.2015, 09:29): Im Verlauf meiner Lektüre von Sebastian Werr: "Heroische Weltsicht. Hitler und die Musik" (Kölln, Weimar, Wien 2014) kam ich auf ein interessantes Kapitel zur Wagnerpflege in München, das ich in der Perspektive der im Subject gestellten Frage vorstellen will.
Mit der Vorstellung eines Gesamtkunstwerks wurden Überlegungen immer stichhaltiger, die den Vorstellungen des Komponisten zur Inszenierung seines Bühnenwerks eine wichtige Rolle zuschrieben. Begonnen hatte es ja schon bei Gluck, der die Mitwirkung des Komponisten bei der Realisation seiner Oper als notwendig und unverzichtbar beschrieb. Entsprechend hat Gluck in der Regel Neuaufführungen seines Werks persönlich betreut.
Bei einem Dichterkomponisten wie Wagner Mitte des 19. Jahrhunderts war der Kampf gegen Eigenwilligkeiten der Interpreten und für die Realisation des Kunstwerks nach Maßgabe des Autoren eher noch dringlicher geworden. Dass es einer eigenen Aufführungsstätte bedurfte, um das Werk angemessen zu interpretieren, war eine der Motive für das Festspielhaus in Bayreuth.
Aber die Vorstellungen beschränkten sich nicht nur auf die Kult-ur-stätte. München hatte ja schon längst seine Verdienste um das Werk Richard Wagners bewiesen und zeigte sich selbstbewusst auch gegenüber dem "Grünen Hügel". So konservativ die Kulturpolitik der Stadt war, so orthodox war ihre Wagnerpflege. Immerhin hatten im Münchner Nationaltheater die Uraufführung von Tristan und Isolde (1865), Die Meistersinger von Nürnberg (1868), Rheingold (1869) und Die Walküre (1870) stattgefunden, 1878 gab es die erste vollständige Aufführung des Rings der Nibelungen außerhalb von Bayreuth (Werr 127f.).
Was nun München auszeichnete, war eine "verbissene" Umsetzung der szenischen Vorgaben Wagners. Werr:
Selbst kleinste Abweichungen von Wagners szenischen Vorgaben wurden nicht toleriert, weshalb das Münchner Tagblatt polemisierte, dass man "heutzutage mit dem Maßstabe nachmesse, ob Brünnhildenicht den Speer einige Centimeter zu weit vorsetzte, ob die Helden den richtigen Abstand voneinander hätten. (S. 128)
Karl von Perfall hatte 1875 die Tradition der Wagnerpflege begründet, fortgesetzt wurde sie von Ernst von Possart. Der Plan eines eigenen Wagner-Theaters wurde allerdings schon von Bayreuth aus argwöhnisch beobachtet, fürchtete man doch die Konkurrenz von "Mime und Alberich" (Hermann Levi und Perfall), wobei man München vorwarf, den großen Gedanken in eine schnöde Spekulation zu verwandeln.
Mit dem Prinzregententheater hatte man nun eine wagnergerechte Spielstätte, die auch mit den Meistersingern von Nürnberg eröffnet wurden. Werr:
Für die Wagner-Festspiele übernahm man sogar das Bayreuther Zeremoniell mit Fanfaren und den während der Aufführung verdunkelten Zuschauerraum, wenn gleich einige Zeitgenossen wie Thomas Mann die "Feierlichkeitsmaßregeln zum Theil affectirt und unerfreulich" fanden. (128)
Mit Thomas Mann nennt Wrr nun einen der Protagonisten für den erbitterten Streit, der sich zwischen Tradionalisten und Reformern in der Folge entfalten würde. Im Prinzregenthteater gab es übrigens einen Einheitspreis von 20 Mark pro Sitzplatz, das Doppelte der teuersten Karte im Nationaltheater.
1913 war Bruno Walter zum Königlichen Generalmusikdirektor ernannt worden, was u.a. hieß, dass er bei öffentlichen Anlässen Hofuniform zu tragen hatte. Mit ihm kam ein neuer Geist in die Wagnerrezeption nach München, von dem ich - Interesse vorausgesetzt - in meinem nächsten Beitrag berichten möchte.
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (28.04.2015, 10:17): Ein sehr interessantes Thema, und gerne würde ich mehr dazu lesen!
Die Inszenierungen von damals kann ich leider nicht beurteilen, aber ich bin mir sicher, dass man auch damals etwa in der Walküre keine echten Pferde auf die Bühne gestellt hat, um auf ihnen zu rennen. (Für mich wäre speziell auch die Walküre damit praktisch unaufführbar, und konzertant fände ich sie auch wesentlich besser, allein schon, um die von Wagner geforderten 6 Harfen umsetzen und hören zu können).
Generell aber bin ich der Meinung, dass man besonders bei Wagner schon sehr genau auf die Regieanweisungen achten sollte, die ja massig auftauchen und m.E. zeigen, wie genau er sich alles vorgestellt hat - und wie präzise die Musik zum Text passt.
Wenn man nun meint, man möchte statt "altbackender" Kostüme die Oper lieber irgendwo anders ansiedeln, na gut. Ich bin da ja bei J. Kaiser, der ja meinte, dass ihm neutrale, "abstrakte" Kostüme lieber wären als solche, die man einer bestimmten Zeit zuordnen kann.
Aber wichtig ist doch, dass diese Anweisungen tatsächlich umgesetzt werden, wobei das natürlich nicht zu mechanisch passieren sollte; auch diese Anweisungen kann man in vielen verschiedenen Versionen auf die Bühne bringen.
Vielleicht waren diese Inszenierungen, auf die sich das Münchner Tagblatt bezieht, ziemlich statisch und langweilig, als hätte man nur die Anweisungen umgesetzt, dazwischen aber nichts gemacht, vielleicht nur langweilig herumgestanden. Leider kann ich das nicht beurteilen :(
LG, Hosenrolle1
Peter Brixius (28.04.2015, 10:35): Wagner selbst hatte seine Einwände gegen das in Bayreuth Verwirklichte, obwohl er dort wohl den größten Einfluss hatte. Insofern gibt es immer einen Strang Rezeptionskritik in der Rezeptionsgeschichte Wagnerischer Musikdramen.
Auf der anderen Seite wird Wagner nicht die umfangreichen Regieanweisungen geschrieben haben, wenn er nicht die Absicht gehabt hätte, auf künftige Realisationen einzuwirken.
Ungenügen auf der einen Seite, Visionen auf der anderen, die erst mit heutigen Mitteln realisiert werden können. Man denke nur mal an die Aquariumsszene zu Beginn des Rheingolds.
In der Rezeption stoßen auch zwei sehr verschiedene Haltungen Wagner gegenüber aufeinander. Die unverhohlene Erotik, die gerade in wilhelminischen Zeiten eine unerträgliche Provokation war, auf der einen Seite, die Deutschtümelei, die nicht nur für die internationalen Freunde unzumutbar war.
Wenn es Hitler nicht gegeben hätte, wäre die NS-Rezeption deutlich verhaltener gewesen. Nicht nur beim pseudo-religiösen Parsifal hatte man so seine Einwände.
Auf den Beginn der Wagnerrezpetion zurückzublicken, heißt mE zu erkennen, dass es trotz der Anwesenheit des Kompoonisten schwerwiegende unterschiedliche Einschätzungen und Wertungen gab, die schon moderne Verlaufslinien zeigen.
Um auf Deine Frage zu antworten, lieber hosenrolle1: Natürlich wurde die penible Umsestzung der Vorgaben Wagners von den einen als Respekt vor den Anweisungen des Komponisten, von den anderen als übertriebenes Verlieren an Details gesehen, bei dem das Ganze aus dem Blick geraten war. Aber da ist es schon spannend, wie Bruno Walter (und Thomas Mann) da als Katalysatoren wirken.
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (28.04.2015, 19:58): Auf den Beginn der Wagnerrezpetion zurückzublicken, heißt mE zu erkennen, dass es trotz der Anwesenheit des Kompoonisten schwerwiegende unterschiedliche Einschätzungen und Wertungen gab, die schon moderne Verlaufslinien zeigen.
Das interessiert mich nun: wie haben sich die Inszenierungen verändert, und warum? In welche Richtung ging das alles?
Natürlich wurde die penible Umsestzung der Vorgaben Wagners von den einen als Respekt vor den Anweisungen des Komponisten
Ich würde für mich selbst noch ergänzen: vor allem Respekt vor dem Werk, unabhängig vom Komponisten, weil die ja (ähnlich wie George Lucas mit seinen Star Wars-Filmen) hinterher noch alles mögliche verschandeln können.
Strauss meinte zu Karajan in den 30er Jahren, dass er von seiner Elektra nun schon Jahrzehnte entfernt sei, und nahm es ja auch nicht genau mit der Umsetzung seiner Anweisungen.
Aber in dem Moment, wo Wagner diese Einfälle hatte, waren sie ihm doch wichtig. Es war ihm wichtig zu notieren, welche Musik während welcher Ereignisse auf der Bühne zu hören ist. (Ungeschickt finde ich es freilich, dass er dabei auch Dinge aufschrieb, die praktisch nicht umsetzbar sind, weswegen man schon zwangsläufig Änderungen vornehmen muss).
Und gerade Wagner ist, wenn man sich seine Partituren ansieht, sehr penibel.
von den anderen als übertriebenes Verlieren an Details gesehen
Das kann ich persönlich leider nicht wirklich gut bewerten, weil ich nicht weiß, wie die Inszenierungen, auf die sich das bezieht, aussahen. Vielleicht wurden die Anweisungen umgesetzt, jedoch sehr hölzern, vielleicht war die Personenregie zwischen den Anweisungen völlig daneben?
Ich bin ja der Meinung, dass einer GUTEN Inszenierung, die sich streng an diese Anweisungen hält, nicht anzusehen ist, wie die Anweisungen befolgt werden. Es sollte alles ganz "normal" wirken, ganz natürlich.
LG, Hosenrolle1
Peter Brixius (01.05.2015, 18:38): Der Vorgänger Bruno Walters war Felix Mottl, dem Werr "einen ans Sektiererische grenzenden Wagner-Fanatismus" zuschreibt. So kritisierte Mottl den Heldentenor Heinrich Knote 1908 anlässlich einer Walküre-Aufführung. Knote habe zwar glänzend gesungen, aber folgende Fehler begangen (Zitat nach Werr, 137)
a) Erster Auftritt des Siegmundstatt beim sf der Hörner um 2 Takte zu späte. b) Niedersinken am Lager bei dem Herd - um Takt zu früh. c) Geberde bei 'bis Schild und Speer im Karst mir zerhau'n' (mit der Musik ganz weggeblieben. d) Vor den Worten: 'Dich seligste Frau' waren Sie so weit von Sieglinde abgewendet, daß Sie das darauf folgende Spiel unmöglich ausführen konnten.
D.h. Mottl hatte von seiner Zusammenarbeit mit Wagner einer detaillierte Choreographie mitgenommen, die er penibel durchzusetzen verlangte. Dies verband sich mit einer religiös anmutenden Wagner-Verehrung, die jeden "Verstoß" zum Sakrileg machte. Diese Mottl-Tradition war auch die Wunschvorstellung der Wagnerianer nach seinem Tod. Noch in den 30er Jahren wurde von ihnen gegen Clemens Krauss polemisiert, weil dieser es angeblich an der Stilsicherheit mangeln ließ. Zum Eklat kam es 1933 nach einem Essay von Thomas Mann über Richard Wagner, der gegen eine heroische Versteinerung von Leben und Werk des Komponisten anschrieb. Thomas Manns Plädoyer für ein modernes Bild von Wagner wurde als Verunglimpfung angesehen
Mag Herr Mann in solcher Morbidheit etwas Bewundernswertes sehen, für uns ist in dem Artikel die objektive Tatsache denkbar schwerster Herabsetzung des großen Meisters gegeben, dessen Bild Thomas Mann zu einer verzerrten Fratze verwandelt. Dies mit aller Klarheit auszusprechen, halte ich angesichts der nationalen Selbstbestimmung, welche das deutsche Volk endlich nach all den Jahren entwürdigendster Verwirrung gewonnen, für eine unabweisbare Pflicht. (Knappertsbusch in einem öffentlichen Rundschreiben, zit. nach Werr, 139)
Schon vorher war die Empörung bei einem Stummfilm "Die Meister von Nürnberg" groß gewesen, u.a. weil die Zunftmeister bartlos auftreten, was die Münchner Kritik als unerträgliche Banalisierung brandmarkte. Dass es für einen Stummfilm nicht gerade förderlich ist, die Gesichtszüge hinter Haaren verschwinden zu lassen, fand kein Verständnis. Die Nürnberger Tonlage liest sich so. Man protestiere
daß die Hersteller dieses Films Richard Wagner Meistersinger in der gewissenlosesten weise mißbraucht und die historische Vergangenheit der Stadt Nürnberg vor dem ganzen Volk entwürdigt hätten.
Im übrigen Deutschland sah man es ein wenig anders, der Film erhielt das Prädikat "Künstlerisch wertvoll" und die Presse lachte über die "kunstspießerische Verzopftheit" im "Südostwinkel Deutschlands". (Werr, 140)
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (01.05.2015, 20:23): Original von Peter Brixius a) Erster Auftritt des Siegmundstatt beim sf der Hörner um 2 Takte zu späte.
Ich habe mir die Stelle gerade angesehen; tatsächlich schreibt hier Wagner exakt vor, wann die Tür aufzugehen hat:
Allerdings scheint das keine Anweisung zu sein, wo innerhalb einer bestimmten Zeit etwas passieren soll, sondern ist ganz genau geplant, da er das Aufgehen der Türe (wie etwa auch später das erneute Aufbrechen der Türe, oder das zusammenbrechende Feuer im Ofen) quasi "lautmalerisch" vertont hat.
Nun wäre es interessant zu wissen, ob in der besprochenen Aufführung entweder
a) der Sänger den Fehler gemacht hat
b) der Regisseur ihm gesagt hat, dass er zu einem anderen bestimmten Zeitpunkt die Türe öffnen soll
c) der Regisseur gar nichts gesagt hat und der Sänger nach eigenem Gutdünken eingetreten ist
b) Niedersinken am Lager bei dem Herd - um Takt zu früh.
Auch hier war ich gespannt, und auch hier schreibt Wagner wieder exakt vor, wann Siegmund sich hinlegen soll, da er auch diesen Vorgang vertont.
In diesem konkreten Fall aber könnte man streiten, denn in den Takten davor schreibt Wagner, dass sich Siegmund hinwirft, und DANN folgt hier erneut eine Anweisung, dass er sich hinlegen soll.
Aber dennoch, gerade bei solchen Anweisungen, wo Wagner sehr präzise Bild und Ton miteinander synchronisiert, kann ich verstehen, dass ein Kritiker nun moniert, dass Bild und Ton asynchron waren.
Im ersten Beispiel, da kommt mit dem fp die Musik zur Ruhe, und kurz darauf hört man in den Hörnern dieses kurze Motiv. Mehrere Takte später wieder das Motiv. Wenn Siegmund nun zwei Takte zu spät kommt, dann spielt das Motiv (das hier ganz klar Siegmund zugeordnet ist) bereits BEVOR er überhaupt eingetreten ist.
Ein anderes wäre es, würde der Kritiker sich bei undeutlichen Anweisungen aufregen, denn da hat er keine Rückendeckung durch den Komponisten :D
LG, Hosenrolle1
Peter Brixius (01.05.2015, 21:03): Lieber hosenrolle1,
ich habe da nicht in die Partitur geschaut, aber schon angenommen, dass Mottl da die Anweisungen Wagners bei der Vorbereitung einer Aufführung weiter gegeben hat. Wenn es so in den Noten steht, bestätigt es diese Ansicht.
Der Sänger hat hier offensichtlich die Anweisungen Wagners ebenso wie die des Regisseurs missachtet. Da hätte er auch heute vor dem Arbeitsgericht keine Chance. Aber dass er dagegen argumentierte, zeigt doch, dass eine solche Konsequenz durchaus nicht üblich war.
Oder anders gesagt: Man hat in der Regel die Anweisungen in Bezug auf eine spezifische Aufführung verstanden, sie aber bei anderen Aufführungen angepasst bzw. verändert. Die Partiturtreue Mottls war nicht selbstverständlich.
Was Werr angeht, hätte er aber - wie Du - erst mal in der Partitur nachsehen sollen, was da steht. Das hätte ihm wohl geholfen, einiges zu relativieren.
Vielen Dank für Deine Hinweise.
Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (01.05.2015, 21:30): Ich war, nach deinem Beitrag, selbst interessiert, was Wagner da vorschreibt, und ob das mit dem "1 Takt zu früh, 2 Takte zu spät" aus der Luft gegriffen oder tatsächlich nachvollziehbar und nachlesbar ist.
Es hätte ja durchaus sein können, dass der KRITIKER meint, dass an einer bestimmten Stelle eine bestimmte Sache passieren müsse, obwohl nichts genaues in der Partitur vermerkt ist - gibt es sicher auch. Aber nun kann man doch sehen, was Wagner selbst haben wollte, und worum es dem Kritiker ging.
Was mir besonders an diesem Beispiel aber auch auffällt, ist, dass Wagner hier nicht nur eine Anweisung über einen bestimmten Takt schreibt, sondern sogar noch in Worten sagt, dass die Tür genau bei einem bestimmten Ton aufgehen muss.
LG, Hosenrolle1
Falstaff (11.02.2017, 23:07):
Was mir besonders an diesem Beispiel aber auch auffällt, ist, dass Wagner hier nicht nur eine Anweisung über einen bestimmten Takt schreibt, sondern sogar noch in Worten sagt, dass die Tür genau bei einem bestimmten Ton aufgehen muss.
LG, Hosenrolle1 Nun ist die letzte Antwort schon fast zwei Jahre her und ich möchte hier auch auf keinen Fall irgendeine 'Regietheaterdiskussion' eröffnen. Aber der Punkt ist natürlich sehr interessant. Einmal allgemein, was den Umgang mit Komponistenvorgaben angeht und natürlich auch im besonderen, Wagner betreffend, der ja wirklich ein ausgesprochener Theaterpraktiker war.
Ich denke zunächst einmal an die quasi leergeräumte Wieland-Wagner-Bühne, der mit Sicherheit solche Anweisungen nicht umgesetzt hat. Und da stellt sich mir die Frage, ob wir sie vermissen würden? Im Einzelfall mag es anders sein, aber grundsätzlich können wir doch der eigentlich der Musik vertrauen, die uns eine ganze Menge erzählt, was wir in der Fantasie dann ergänzen können. Und gerade Wagner habe ich immer wieder als eine quasi Filmmusik erlebt, die man eigentlich losgelöst von einem Theatergeschehen hören kann.
Würde man nun, um bei dem obigen Beispiel zu bleiben, das Öffnen der Tür auch szenisch darstellen, würde das eine Tür, ein dazugehörendes Haus, möglicherweise ein bestimmtes Umfeld bedeuten. Würde das nicht eine szenische Interpretation enorm einschränken?
'Kinder, schafft Neues!' Heißt das nicht gerade, dass man sich auch von Wagners sehr präzisen Vorgaben freimachen muss, freimachen soll? Bedeutet eine genaue Befolgung Wagnerscher Regieranweisungen dann nicht einen entsprechenden Stillstand?