Zu früh in Lawine umgekommen: Mieczysław Karłowicz
Toni Bernet (27.04.2023, 08:29): Mit 32 Jahren wurde der begeisterte Berggänger und Skifahrer Mieczysław Karłowicz in der Hohen Tatra von einer Lawine verschüttet und starb. Sein kompositorisches Werk ist daher klein, einige Frühwerke, dann das Violinkonzert und schliesslich acht symphonische Dichtungen, die er zurück in Polens Stadt Zakopane inspiriert von der Bergwelt der Hohen Tatra komponierte. Er schloss sich zusammen mit den Musikern Grzegorz Fitelberg, Ludomir Różycki und Karol Szymanowski der Gruppe der «Jungen Polen» an, galt aber als Einzelgänger, der sich gerne in die Berge zurückzog. Die acht symphonischen Dichtungen sind von der Welt des Symbolismus und der Neoromantik beeinflusst und zeugen von einem ganz eigenen Klang-Stil, der orchestral von der menschlichen Existenz und der Unendlichkeit zu erzählen weiss. Zwar werden diese Werke in Polen noch heute gespielt, sie sind aber ausserhalb Polens so gut wie unbekannt.
Mit 26 Jahren komponierte er sein sehr romantisches Violinkonzert. Mehr darüber findet sich bei
Es würde sich aber lohnen, auch seine acht symphonischen Dichtungen genauer anzuhören. Vergleiche mit Richard Strauss (Alpensinfonie!) drängen sich da auf, aber auch mit Szymanowski oder Skrjabin (Le Poème de l’Extase). Vielleicht haben andere in diesem Forum Hörerfahrungen mit diesen noch verkannten Symphonischen Dichtungen. Was wäre wohl noch von Karłowicz zu erwarten gewesen, wäre jene Lawine nicht runtergekommen?
Maurice inaktiv (28.04.2023, 18:08): Antoni Wit hat bei Naxos alle maßgeblichen Werke hervorragend eingespielt. Das Violinkonzert mit Ilya Kaler als Solisten, dazu die Sinfonie und die Symphonischen Dichtungen, aber auch die Serenade. Ich habe das nicht jetzt für jedes Stück überprüft, aber ich gehe davon aus, dass Naxos wieder komplett mit Wit abgeschlossen hat.
Joe Dvorak (29.04.2023, 05:12): Das in Szczecin (Stettin) ansaessige Mieczysław Karłowicz Philharmonic Symphony Orchestra hat die Sinfonie ihres Namenspatrons unter der Leitung von Rune Bergmann auf CD veroeffentlicht. Bergmann soll von dem Werk des Polen fasziniert gewesen sein und hat noch ein Album mit einer Auswahl an Sinfonischen Dichtungen und eines mit Liedern vorgelegt. Ich habe die Sinfonie op. 7 angehoert oder vielmehr begonnen, aber bin nicht weit gekommen. Das ist mir dann doch allzusehr von Tchaikovskys h-Moll-Sinfonie inspiriert, aber ohne deren Stringenz.
Vladimir Fedoseyev hat tatsaechlich mal bei einem Konzert die Nr. 1 der Eternal Songs op. 10 mit der 'Pathetique' des Russen gekoppelt. Meine Eindruecke beschrieb ich -> hier wie folgt: Das Stück von Karłowicz klang (...) wenig nach Wagner, dazu waren die Holzbläser viel zu prominent solistisch herausgehoben. Instrumentieren konnte der früh verstorbene Pole. Sonst war es halt eines der Stücke, die es wie Sand am Meer gibt. Gewoge und Gewabere, Herausschälen von vagen Motiven, Anschwellen mit erstickend dichter werdender Harmonik, Klimax und dann das Ganze retour. Aber was für ein Fest der Klangfarben und unaufdringlichen Klangeffekte.