... heiter die Kunst - oder warum bei Neuer Musik nicht gelacht werden darf
cellodil (08.11.2007, 19:23): Ihr Lieben,
gestern war ich mal wieder neumusikalisch unterwegs (8 Cellisten, 7 Komponisten, 6 Uraufführungen). Das Programm war überaus kurzweilig und erfrischend (und - trotz eines Werkes für solo amplified cello - auch bar jedweder Hörsturzgefahr). Zwei der uraufgeführten Werke waren ausgesprochen heiter und witzig. Trotzdem waren ringsum im Publikum nur verkniffene Gesichter zu sehen. Niemand - außer mir und meiner Begleitung - hat gelacht (und wir natürlich auch möglichst lautlos, dafür heftigst erbebend). Das fand ich doch recht befremdlich. Und es hat mich nachdenklich gemacht.
Mir ist dann eingefallen, dass mich schon vor einiger Zeit - bei einem meiner jüngeren Ausflüge zu einem Festival für Neue Musik - die versteinerten Gesichter der Zuhörer bei den heiteren bis albern-ausgelassenen Stücken schwer irritiert haben. Und dass ich nur ein einziges Mal bei einem Konzert mit der Kremerata Baltica erlebt habe, dass das Publikum im Konzert lacht (in diesem Falle sogar laut).
Ich habe mich gefragt, ob nicht gelacht wird, aus Furcht, dass das alles doch möglicherweise ernst gemeint sein und man sich deshalb blamieren könnte, dass man sich als Ahnungsloser, Banause oder was auch immer outet. Also eine (vielleicht sogar über das Humorverständnis hinausgehende, grundlegende) Unsicherheit darüber, ob man versteht, was man da hört und sieht, besteht. Oder ob das Publikum, das solche Konzerte anhört einfach nicht lachen kann oder vielleicht gerade an schmerzliche Vorerfahrungen mit diesem Genre denkt oder vielleicht wegen des letzten Hörsturzes eigentlich ohnehin nichts mitbekommt.
Hattet Ihr schon ähnliche Erlebnisse? Und worauf würdet Ihr dieses Phänomen zurückführen?
Neugierige Grüße
Sabine
satie (08.11.2007, 20:44): Liebe Sabine,
ja, das ist so eine Sache. Bei neuer Musik muss man meistens einen Assistenten haben, der jeweils ein Transparent hoch hält, auf dem steht: "Humor. Jetzt dürfen Sie!" Das Problem ist, gerade wenn man an Orten ist, wo viel bis ausschließlich zeitgenössische Musik gepflegt wird, dass die Zirkel der alten Garde nun mal leider so gar nichts mit Humor am Hut hatten. Ich möchte hier besonders den reichlich überkandidelten Stockhausen nennen, dem das Wort Humor grundsätzlich fremd sein dürfte. Dabei gibt es Komponisten, die stets ein Gegengewicht dazu waren, so etwa Dieter Schnebel in einigen Werken, aber auch Kagel und Aperghis (letzterer kann einen durchaus dazu bringen, Tränen zu lachen). Es gibt allerdings Komponisten, die extrem komisch wirken, obwohl sie es nicht sein wollen. Ein solcher, sehr junger, ist Thomas Meadowcroft (hoffentlich richtig geschrieben). Wenn er redet, wirkt er wie Woody Allen, auch hat er in seiner Art gewisse Ähnlichkeiten. Dann sind die Stücke auch noch so, dass sie teilweise auf sehr seltsame Weise mit Kindheitserfahrungen etc. zu tun haben, dass man wieder an Allen denken muss. Jedenfalls meint er das alles anscheinend aber viel ernster als es herüber kommt.
Ich kann nun nicht wirklich die Szenen beurteilen (ich selber bin zwar Komponist und bewege mich durchaus an solchen Orten), kann aber sagen, dass es in Berlin relativ entspannt ist, mitunter fast so, dass die Leute zu sehr auf Spaß aus sind (nicht unbedingt zum Lachen, aber man erwartet, dass alles locker, leicht serviert wird). Jedenfalls darf man lachen. Es ist ja auch so eine Sache, dass wir von "ernster Musik" sprechen. Dabei gibt es doch den Humor in der Geschichte der Kunstmusik schon immer. Ich will nur mal Bibers lustige Programm-Musik erwähnen, oder den ziemlich derben "Musikalischen Spaß" von Mozart. Stücke, bei denen man unter dem Tisch liegt vor Lachen sind etwa "(K)ein Sommernachtstraum" von Schnittke oder die fantastische "Musique pour les soupers du roi Ubu" von Bernd Alois Zimmermann (ein Stück, das nur eine Collage aus allen möglichen Zitaten von Werken aller Epochen ist). In Berios Sinfonia ist der zweite Satz ebenso gemacht. Damals war es sogar so, dass das Publikum beleidigt war, denn diese Scherze waren zu provokativ. Also wie mans macht: lachen will keiner...
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in den kleinen Kreisen eher humorlos ist als in den größeren. Ich hatte mal eine Konzerteinführung zu machen in Winsen an der Luhe, für ungefähr 30 Leute, die zum Stammpublikum des Ensembles L'art pour l'art gehörten. Ich wäre fast draufgegangen, so versteinert waren die. Ja, der rauhe Norden...
In Stuttgart beim World New Music Festival, wo ja auch ein Stück von mir gespielt wurde (sonst hätte ich gar nicht hin können...), war es teilweise eher schwierig, da hat man alles ernst genommen, selbst ein grausiges Stück für Violine und DJ, welches Irvine Arditti spielte (armer Irvine!) oder bei einem skandinavischen Klavierkonzert, welches in einer Solokadenz für Mundharmonika spielenden Schlagzeuger mündete (das war nicht komisch gemeint, wirkte aber geradezu lächerlich. Gelacht haben nicht viele, nur ein mir bekannter Komponist, Samir Odeh-Tamimi, hat Buh geschrien und den Saal verlassen. Gelacht haben wenige, nun gut, es war so schlimm, dass man kaum mehr lachen konnte...
Es ist vielleicht auch in Deutschland besonders schlimm. Die Italiener wären vielleicht anders (gewesen zumindest). Generell finde ich aber auch, dass ein wenig Humor der zeitgenössischen Musik nicht schadet.
Herzlich, S A T I E
cellodil (09.11.2007, 05:22): Lieber Satie,
:thanks für Deine - wie immer sehr erhellenden - Ausführungen
Original von Satie ja, das ist so eine Sache. Bei neuer Musik muss man meistens einen Assistenten haben, der jeweils ein Transparent hoch hält, auf dem steht: "Humor. Jetzt dürfen Sie!"
Ich glaube, das hat der junge Komponisten-Kollege von Dir an diesem Abend auch begriffen, zumindest sah er beim Applaus ein bisschen danach aus...
Vielleicht könnte man ja auch - wie bei TV-Shows - ein entsprechendes grünes Lämpchen an einer Seite der Bühne anbringen. Oder ein entsprechender Warnhinweis im Programmheft (vielleicht so ähnlich wie auf Zigarettenschachteln...) könnte vielleicht auch weiterhelfen.
Original von Satie Es gibt allerdings Komponisten, die extrem komisch wirken, obwohl sie es nicht sein wollen. Ein solcher, sehr junger, ist Thomas Meadowcroft (hoffentlich richtig geschrieben). Wenn er redet, wirkt er wie Woody Allen, auch hat er in seiner Art gewisse Ähnlichkeiten. Dann sind die Stücke auch noch so, dass sie teilweise auf sehr seltsame Weise mit Kindheitserfahrungen etc. zu tun haben, dass man wieder an Allen denken muss. Jedenfalls meint er das alles anscheinend aber viel ernster als es herüber kommt.
Da hat der junge Mann wohl Glück mit seiner unfreiwilligen Komik, dass er sich dann in einem Kontext bewegt, in dem sicherheitshalber lieber nicht gelacht wird... In anderen Bereichen müsste er sich sonst wohl mit diesem Umstand auseinandersetzen und entweder was an seinem Habitus ändern oder sich überlegen, ob er nicht vielleicht doch auch vorsätzlich komisch sein könnte, was ja was ganz anderes ist und mit erheblicher Arbeit verbunden...
Original von Satie Ich kann nun nicht wirklich die Szenen beurteilen (ich selber bin zwar Komponist und bewege mich durchaus an solchen Orten), kann aber sagen, dass es in Berlin relativ entspannt ist, mitunter fast so, dass die Leute zu sehr auf Spaß aus sind (nicht unbedingt zum Lachen, aber man erwartet, dass alles locker, leicht serviert wird). Jedenfalls darf man lachen.
Du meinst, das könnte was mit der pietistischen Kehrwochen-Mentalität zu tun haben? Hmm.... Ich hatte das schon fast befürchtet...
Original von Satie Es ist ja auch so eine Sache, dass wir von "ernster Musik" sprechen.
Stimmt, das hatte ich ganz übersehen... Vielleicht auch, weil ich den Begriff nicht gebrauche. Aber ein guter Hinweis.
Original von Satie Dabei gibt es doch den Humor in der Geschichte der Kunstmusik schon immer. Ich will nur mal Bibers lustige Programm-Musik erwähnen, oder den ziemlich derben "Musikalischen Spaß" von Mozart. Stücke, bei denen man unter dem Tisch liegt vor Lachen sind etwa "(K)ein Sommernachtstraum" von Schnittke oder die fantastische "Musique pour les soupers du roi Ubu" von Bernd Alois Zimmermann (ein Stück, das nur eine Collage aus allen möglichen Zitaten von Werken aller Epochen ist). In Berios Sinfonia ist der zweite Satz ebenso gemacht. Damals war es sogar so, dass das Publikum beleidigt war, denn diese Scherze waren zu provokativ. Also wie mans macht: lachen will keiner...
:A Ähem... keiner???
Original von Satie Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in den kleinen Kreisen eher humorlos ist als in den größeren.
Stärkere soziale Kontrolle? Oder, was meinst Du, womit das zusammenhängen könnte?
Original von Satie Ich hatte mal eine Konzerteinführung zu machen in Winsen an der Luhe, für ungefähr 30 Leute, die zum Stammpublikum des Ensembles L'art pour l'art gehörten. Ich wäre fast draufgegangen, so versteinert waren die. Ja, der rauhe Norden...
... wem Gott die rechte Gunst erweisen will, den schickt er...
Original von Satie In Stuttgart beim World New Music Festival, wo ja auch ein Stück von mir gespielt wurde (sonst hätte ich gar nicht hin können...)....
... immerhin schreibst du "können" und nicht "wollen"...
Original von Satie ....war es teilweise eher schwierig, da hat man alles ernst genommen, selbst ein grausiges Stück für Violine und DJ, welches Irvine Arditti spielte (armer Irvine!) oder bei einem skandinavischen Klavierkonzert, welches in einer Solokadenz für Mundharmonika spielenden Schlagzeuger mündete (das war nicht komisch gemeint, wirkte aber geradezu lächerlich. Gelacht haben nicht viele, nur ein mir bekannter Komponist, Samir Odeh-Tamimi, hat Buh geschrien und den Saal verlassen. Gelacht haben wenige, nun gut, es war so schlimm, dass man kaum mehr lachen konnte....
Klingt berauschend!
Auch hier: Ein Glück, wenn man ein versteinertes Publikum hat...
Original von Satie Generell finde ich aber auch, dass ein wenig Humor der zeitgenössischen Musik nicht schadet.
:beer und herzliche Grüße
Sabine
LazarusLong (15.11.2007, 07:56): Von wem stammt der Satz "Humor ist wenn man trotzdem lacht"? Ich glaube der große Fehler, den viele Künstler machen, liegt darin, daß sie ihrem geneigten Publikum ihre gewünschte Aussage nicht mitteilen. Höre ich Mozarts Requiem, so weiß ich als gebildeter Schwabe "von dr Alb ra", das ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht lachen sollte, es sei denn der Dirigent verliert sein Toupet. Bei Rossinis Barbiere, die in den Programmen normalerweise als Opera buffa, oder in deutschen Aufführungen als komische Oper gekennzeichnet ist, weiß ich, daß ich lachen darf und soll. Hier wüsste ich selbst nach aufmerksamen Lesen der Rezension nur, daß ich gefälligst begeistert sein soll, egal ob ich Eintopf mag oder nicht. Operneintopf
Zitat: Das Geschehen auf der Bühne und auch die vielseitige musikalische Untermalung wird getrieben von den Texten in vielen Sprachen (hauptsächlich englisch, französisch und deutsch, aber auch hindi, spanisch und italienisch). Deren Themen sind u.a. der Prozess des Malens (Leonardo da Vinci, Fénélon, Foucault), das Erlebnis des Krieges (fabelhafte lange Prosazitate von Gertrude Steins 'Kriege die ich gesehen habe', T.S. Eliot), und Überlegungen zu der Erfahrung von Zeit und Raum (Giordano Bruno). Goebbels Musik dazu ist in so vielen verschiedenen Stilrichtungen komponiert, dass man nur staunen kann: rockige rhythmische Passagen, ein indisches Lied, ein Western-Song, arabisch klingende Meditationen auf Altflöte und Bassklarinette, Madrigals, rhythmische Geräusche. Da es auch lange Passagen gibt, die in ihren Dissonanzen und rhythmischen Unregelmäßigkeiten durchaus mit der klassischen Avantgarde mithalten, entsteht aber nicht der Eindruck einer Pastiche. Der sanfte musikalische Übergang zwischen Stilen wurde oft vom Publikum mit einem leichten erkennenden Lachen belohnt."
Eine literarisch wertvolle Rezension, aber wennich versuche zwischen den Zeilen zu lesen, erhalte ich folgende Aussage: Der Künstler konnte sich nicht wirklich entscheiden, was er wollte. So hat er Literaturlesungen mit klassischer Musik aller Stilrichtungen vermischt wobei sehr viel Wert auf MultiKulti gelegt wurde, damit auch wirklich niemand kapiert, um was es dem Künstler geht.
Lacht man an der falschen Stelle, hat man u.U. ein sensibles Künstlerseelchen so schwer verletzt, daß sich der Künstler am nächsten Tag einer neuen Karriere als Lokführer bei der DB zuwendet. (Man beachte die raffinierte Bezugnahme auf das aktuelle Tagesgeschehen). Lacht man nicht, obwohl man sollte, fühlt sich der Künstler unverstanden und schmollt. Vielleicht sollte man Publikumscastings einführen, in denen der Künstler selber entscheidet, wer es denn verdient, mit seinen künstlerischen Ergüssen konfrontiert zu werden. (Diese Idee werde ich bei RTL vorstellen. Neue Sendereihe "Künstler sucht sein Publikum". Ich werde reich! Hier bitte größenwahnsinniges gelächter einfügen). Auch sollte man beachten, das man, dem Künstler entsprechend, stark differenziert lachen sollte. Die Abstufungen zwischen "wurde oft vom Publikum mit einem leichten erkennenden Lachen belohnt", LOL, ROFL, ROFLOL und primitivem Gewieher sind nicht leicht zu beherrschen und die den Anforderungen des Künstlers entsprechende Anwendung ist eine Kunst, die bei perfekter Beherrschung durchaus nach dem Aplaus des Künstlerss für das Publikum verlangt. Und so schliesst sich der Kreis zu einer perfekten Symbiose.
Frank
uhlmann (15.11.2007, 09:57): wenn ich so auf meine "konzertkarierre" zurückblicke, muss ich feststellen, dass bei konzerten neuer musik wesentlich mehr gelacht wurde, als bei konzerten "normaler" klassik. jedenfalls könnte ich mich an keine lacher zb im wiener musikverein bei beethoven oder brahms erinnern.
fast ein garant für späßchen oder zumindest witzige einlagen war und ist hk "nali" gruber. sowohl als komponist als auch als ausführender musiker, etwa als genialer chansonnier. gerade fand ich einen artikel, der perfekt dazu passt (hier).
offtopic: österreicher haben halt doch mehr humor als die deutschen :haha
cellodil (15.11.2007, 16:36): Original von LazarusLong Höre ich Mozarts Requiem, so weiß ich als gebildeter Schwabe "von dr Alb ra", das ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht lachen sollte, es sei denn der Dirigent verliert sein Toupet.
So, so, lieber Frank, so einer bist Du also.... :rofl
Original von LazarusLong Lacht man an der falschen Stelle, hat man u.U. ein sensibles Künstlerseelchen so schwer verletzt, daß sich der Künstler am nächsten Tag einer neuen Karriere als Lokführer bei der DB zuwendet. (Man beachte die raffinierte Bezugnahme auf das aktuelle Tagesgeschehen).
Du meinst, die DB würde in der aktuellen Situation wirklich jeden nehmen... Könntest Du recht haben. Andererseits: Ein Horrorszenario. Man denke nur an die Gestaltung der Durchsagen...
Original von LazarusLong Lacht man nicht, obwohl man sollte, fühlt sich der Künstler unverstanden und schmollt. Vielleicht sollte man Publikumscastings einführen, in denen der Künstler selber entscheidet, wer es denn verdient, mit seinen künstlerischen Ergüssen konfrontiert zu werden.
Oder Beipackzettel (war ja in der Bildenden Kunst vor ein paar Jahren auch sehr angesagt - und ist es vielleicht noch, aber da bin ich nicht mehr auf dem Laufenden)... Vielleicht auch gleich mit Warnhinweisen für Hörsturzgefährdete...
Original von LazarusLong Diese Idee werde ich bei RTL vorstellen. Neue Sendereihe "Künstler sucht sein Publikum". Ich werde reich! Hier bitte größenwahnsinniges gelächter einfügen.
... ab heute heißt du Dieter... Bei der Gestaltung des Haarschopfs stehe ich Dir gerne beratend als diplomierte Pudelfriseurin zur Seite....
Original von LazarusLong Auch sollte man beachten, das man, dem Künstler entsprechend, stark differenziert lachen sollte. Die Abstufungen zwischen "wurde oft vom Publikum mit einem leichten erkennenden Lachen belohnt"
... ich glaube fast, dass da entweder dem Rezensenten oder demjenigen, der den Text ins System eingegeben hat, ein Fehler unterlaufen sein könnte... Bei der Beschreibung oben scheint es sich doch eher um ein erleichtertes (weil das Ende der Veranstaltung wieder nach ein paar Stündchen fünf Minuten näher gerückt ist) Lachen zu handeln...
Original von LazarusLong LOL, ROFL, ROFLOL und primitivem Gewieher sind nicht leicht zu beherrschen
Vielleicht könnte ( :hello ) Satie daraus eine Sinfonie für ein humoristisch avanciertes, zu differenzierten Heiterkeitsausbrüchen fähiges Publikum komponieren???
Herzliche Grüße aus der verschneiten Heimat
Sabine
cellodil (15.11.2007, 16:41): Original von uhlmann wenn ich so auf meine "konzertkarierre" zurückblicke, muss ich feststellen, dass bei konzerten neuer musik wesentlich mehr gelacht wurde, als bei konzerten "normaler" klassik. jedenfalls könnte ich mich an keine lacher zb im wiener musikverein bei beethoven oder brahms erinnern.
Ähem... Meinst Du, als humorgesegneter Österreicher, dass bei Beethoven und Brahms eigentlich gelacht werden müsste? Das bringt mich jetzt doch etwas ins Grübeln....
Original von uhlmann offtopic: österreicher haben halt doch mehr humor als die deutschen :haha
Außer wenn's um Titel oder Sachertorten geht, da versteht der Österreicher keinen Spaß... :haha
Liebe Grüße
Sabine
LazarusLong (16.11.2007, 07:57): Original von cellodil
Außer wenn's um Titel oder Sachertorten geht, da versteht der Österreicher keinen Spaß... :haha
Liebe Grüße
Sabine
Du hast die Mautgebühren vergessen.
Frank
cellodil (08.11.2007, 19:23): Ihr Lieben,
gestern war ich mal wieder neumusikalisch unterwegs (8 Cellisten, 7 Komponisten, 6 Uraufführungen). Das Programm war überaus kurzweilig und erfrischend (und - trotz eines Werkes für solo amplified cello - auch bar jedweder Hörsturzgefahr). Zwei der uraufgeführten Werke waren ausgesprochen heiter und witzig. Trotzdem waren ringsum im Publikum nur verkniffene Gesichter zu sehen. Niemand - außer mir und meiner Begleitung - hat gelacht (und wir natürlich auch möglichst lautlos, dafür heftigst erbebend). Das fand ich doch recht befremdlich. Und es hat mich nachdenklich gemacht.
Mir ist dann eingefallen, dass mich schon vor einiger Zeit - bei einem meiner jüngeren Ausflüge zu einem Festival für Neue Musik - die versteinerten Gesichter der Zuhörer bei den heiteren bis albern-ausgelassenen Stücken schwer irritiert haben. Und dass ich nur ein einziges Mal bei einem Konzert mit der Kremerata Baltica erlebt habe, dass das Publikum im Konzert lacht (in diesem Falle sogar laut).
Ich habe mich gefragt, ob nicht gelacht wird, aus Furcht, dass das alles doch möglicherweise ernst gemeint sein und man sich deshalb blamieren könnte, dass man sich als Ahnungsloser, Banause oder was auch immer outet. Also eine (vielleicht sogar über das Humorverständnis hinausgehende, grundlegende) Unsicherheit darüber, ob man versteht, was man da hört und sieht, besteht. Oder ob das Publikum, das solche Konzerte anhört einfach nicht lachen kann oder vielleicht gerade an schmerzliche Vorerfahrungen mit diesem Genre denkt oder vielleicht wegen des letzten Hörsturzes eigentlich ohnehin nichts mitbekommt.
Hattet Ihr schon ähnliche Erlebnisse? Und worauf würdet Ihr dieses Phänomen zurückführen?
Neugierige Grüße
Sabine
satie (08.11.2007, 20:44): Liebe Sabine,
ja, das ist so eine Sache. Bei neuer Musik muss man meistens einen Assistenten haben, der jeweils ein Transparent hoch hält, auf dem steht: "Humor. Jetzt dürfen Sie!" Das Problem ist, gerade wenn man an Orten ist, wo viel bis ausschließlich zeitgenössische Musik gepflegt wird, dass die Zirkel der alten Garde nun mal leider so gar nichts mit Humor am Hut hatten. Ich möchte hier besonders den reichlich überkandidelten Stockhausen nennen, dem das Wort Humor grundsätzlich fremd sein dürfte. Dabei gibt es Komponisten, die stets ein Gegengewicht dazu waren, so etwa Dieter Schnebel in einigen Werken, aber auch Kagel und Aperghis (letzterer kann einen durchaus dazu bringen, Tränen zu lachen). Es gibt allerdings Komponisten, die extrem komisch wirken, obwohl sie es nicht sein wollen. Ein solcher, sehr junger, ist Thomas Meadowcroft (hoffentlich richtig geschrieben). Wenn er redet, wirkt er wie Woody Allen, auch hat er in seiner Art gewisse Ähnlichkeiten. Dann sind die Stücke auch noch so, dass sie teilweise auf sehr seltsame Weise mit Kindheitserfahrungen etc. zu tun haben, dass man wieder an Allen denken muss. Jedenfalls meint er das alles anscheinend aber viel ernster als es herüber kommt.
Ich kann nun nicht wirklich die Szenen beurteilen (ich selber bin zwar Komponist und bewege mich durchaus an solchen Orten), kann aber sagen, dass es in Berlin relativ entspannt ist, mitunter fast so, dass die Leute zu sehr auf Spaß aus sind (nicht unbedingt zum Lachen, aber man erwartet, dass alles locker, leicht serviert wird). Jedenfalls darf man lachen. Es ist ja auch so eine Sache, dass wir von "ernster Musik" sprechen. Dabei gibt es doch den Humor in der Geschichte der Kunstmusik schon immer. Ich will nur mal Bibers lustige Programm-Musik erwähnen, oder den ziemlich derben "Musikalischen Spaß" von Mozart. Stücke, bei denen man unter dem Tisch liegt vor Lachen sind etwa "(K)ein Sommernachtstraum" von Schnittke oder die fantastische "Musique pour les soupers du roi Ubu" von Bernd Alois Zimmermann (ein Stück, das nur eine Collage aus allen möglichen Zitaten von Werken aller Epochen ist). In Berios Sinfonia ist der zweite Satz ebenso gemacht. Damals war es sogar so, dass das Publikum beleidigt war, denn diese Scherze waren zu provokativ. Also wie mans macht: lachen will keiner...
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in den kleinen Kreisen eher humorlos ist als in den größeren. Ich hatte mal eine Konzerteinführung zu machen in Winsen an der Luhe, für ungefähr 30 Leute, die zum Stammpublikum des Ensembles L'art pour l'art gehörten. Ich wäre fast draufgegangen, so versteinert waren die. Ja, der rauhe Norden...
In Stuttgart beim World New Music Festival, wo ja auch ein Stück von mir gespielt wurde (sonst hätte ich gar nicht hin können...), war es teilweise eher schwierig, da hat man alles ernst genommen, selbst ein grausiges Stück für Violine und DJ, welches Irvine Arditti spielte (armer Irvine!) oder bei einem skandinavischen Klavierkonzert, welches in einer Solokadenz für Mundharmonika spielenden Schlagzeuger mündete (das war nicht komisch gemeint, wirkte aber geradezu lächerlich. Gelacht haben nicht viele, nur ein mir bekannter Komponist, Samir Odeh-Tamimi, hat Buh geschrien und den Saal verlassen. Gelacht haben wenige, nun gut, es war so schlimm, dass man kaum mehr lachen konnte...
Es ist vielleicht auch in Deutschland besonders schlimm. Die Italiener wären vielleicht anders (gewesen zumindest). Generell finde ich aber auch, dass ein wenig Humor der zeitgenössischen Musik nicht schadet.
Herzlich, S A T I E
cellodil (09.11.2007, 05:22): Lieber Satie,
:thanks für Deine - wie immer sehr erhellenden - Ausführungen
Original von Satie ja, das ist so eine Sache. Bei neuer Musik muss man meistens einen Assistenten haben, der jeweils ein Transparent hoch hält, auf dem steht: "Humor. Jetzt dürfen Sie!"
Ich glaube, das hat der junge Komponisten-Kollege von Dir an diesem Abend auch begriffen, zumindest sah er beim Applaus ein bisschen danach aus...
Vielleicht könnte man ja auch - wie bei TV-Shows - ein entsprechendes grünes Lämpchen an einer Seite der Bühne anbringen. Oder ein entsprechender Warnhinweis im Programmheft (vielleicht so ähnlich wie auf Zigarettenschachteln...) könnte vielleicht auch weiterhelfen.
Original von Satie Es gibt allerdings Komponisten, die extrem komisch wirken, obwohl sie es nicht sein wollen. Ein solcher, sehr junger, ist Thomas Meadowcroft (hoffentlich richtig geschrieben). Wenn er redet, wirkt er wie Woody Allen, auch hat er in seiner Art gewisse Ähnlichkeiten. Dann sind die Stücke auch noch so, dass sie teilweise auf sehr seltsame Weise mit Kindheitserfahrungen etc. zu tun haben, dass man wieder an Allen denken muss. Jedenfalls meint er das alles anscheinend aber viel ernster als es herüber kommt.
Da hat der junge Mann wohl Glück mit seiner unfreiwilligen Komik, dass er sich dann in einem Kontext bewegt, in dem sicherheitshalber lieber nicht gelacht wird... In anderen Bereichen müsste er sich sonst wohl mit diesem Umstand auseinandersetzen und entweder was an seinem Habitus ändern oder sich überlegen, ob er nicht vielleicht doch auch vorsätzlich komisch sein könnte, was ja was ganz anderes ist und mit erheblicher Arbeit verbunden...
Original von Satie Ich kann nun nicht wirklich die Szenen beurteilen (ich selber bin zwar Komponist und bewege mich durchaus an solchen Orten), kann aber sagen, dass es in Berlin relativ entspannt ist, mitunter fast so, dass die Leute zu sehr auf Spaß aus sind (nicht unbedingt zum Lachen, aber man erwartet, dass alles locker, leicht serviert wird). Jedenfalls darf man lachen.
Du meinst, das könnte was mit der pietistischen Kehrwochen-Mentalität zu tun haben? Hmm.... Ich hatte das schon fast befürchtet...
Original von Satie Es ist ja auch so eine Sache, dass wir von "ernster Musik" sprechen.
Stimmt, das hatte ich ganz übersehen... Vielleicht auch, weil ich den Begriff nicht gebrauche. Aber ein guter Hinweis.
Original von Satie Dabei gibt es doch den Humor in der Geschichte der Kunstmusik schon immer. Ich will nur mal Bibers lustige Programm-Musik erwähnen, oder den ziemlich derben "Musikalischen Spaß" von Mozart. Stücke, bei denen man unter dem Tisch liegt vor Lachen sind etwa "(K)ein Sommernachtstraum" von Schnittke oder die fantastische "Musique pour les soupers du roi Ubu" von Bernd Alois Zimmermann (ein Stück, das nur eine Collage aus allen möglichen Zitaten von Werken aller Epochen ist). In Berios Sinfonia ist der zweite Satz ebenso gemacht. Damals war es sogar so, dass das Publikum beleidigt war, denn diese Scherze waren zu provokativ. Also wie mans macht: lachen will keiner...
:A Ähem... keiner???
Original von Satie Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in den kleinen Kreisen eher humorlos ist als in den größeren.
Stärkere soziale Kontrolle? Oder, was meinst Du, womit das zusammenhängen könnte?
Original von Satie Ich hatte mal eine Konzerteinführung zu machen in Winsen an der Luhe, für ungefähr 30 Leute, die zum Stammpublikum des Ensembles L'art pour l'art gehörten. Ich wäre fast draufgegangen, so versteinert waren die. Ja, der rauhe Norden...
... wem Gott die rechte Gunst erweisen will, den schickt er...
Original von Satie In Stuttgart beim World New Music Festival, wo ja auch ein Stück von mir gespielt wurde (sonst hätte ich gar nicht hin können...)....
... immerhin schreibst du "können" und nicht "wollen"...
Original von Satie ....war es teilweise eher schwierig, da hat man alles ernst genommen, selbst ein grausiges Stück für Violine und DJ, welches Irvine Arditti spielte (armer Irvine!) oder bei einem skandinavischen Klavierkonzert, welches in einer Solokadenz für Mundharmonika spielenden Schlagzeuger mündete (das war nicht komisch gemeint, wirkte aber geradezu lächerlich. Gelacht haben nicht viele, nur ein mir bekannter Komponist, Samir Odeh-Tamimi, hat Buh geschrien und den Saal verlassen. Gelacht haben wenige, nun gut, es war so schlimm, dass man kaum mehr lachen konnte....
Klingt berauschend!
Auch hier: Ein Glück, wenn man ein versteinertes Publikum hat...
Original von Satie Generell finde ich aber auch, dass ein wenig Humor der zeitgenössischen Musik nicht schadet.
:beer und herzliche Grüße
Sabine
LazarusLong (15.11.2007, 07:56): Von wem stammt der Satz "Humor ist wenn man trotzdem lacht"? Ich glaube der große Fehler, den viele Künstler machen, liegt darin, daß sie ihrem geneigten Publikum ihre gewünschte Aussage nicht mitteilen. Höre ich Mozarts Requiem, so weiß ich als gebildeter Schwabe "von dr Alb ra", das ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht lachen sollte, es sei denn der Dirigent verliert sein Toupet. Bei Rossinis Barbiere, die in den Programmen normalerweise als Opera buffa, oder in deutschen Aufführungen als komische Oper gekennzeichnet ist, weiß ich, daß ich lachen darf und soll. Hier wüsste ich selbst nach aufmerksamen Lesen der Rezension nur, daß ich gefälligst begeistert sein soll, egal ob ich Eintopf mag oder nicht. Operneintopf
Zitat: Das Geschehen auf der Bühne und auch die vielseitige musikalische Untermalung wird getrieben von den Texten in vielen Sprachen (hauptsächlich englisch, französisch und deutsch, aber auch hindi, spanisch und italienisch). Deren Themen sind u.a. der Prozess des Malens (Leonardo da Vinci, Fénélon, Foucault), das Erlebnis des Krieges (fabelhafte lange Prosazitate von Gertrude Steins 'Kriege die ich gesehen habe', T.S. Eliot), und Überlegungen zu der Erfahrung von Zeit und Raum (Giordano Bruno). Goebbels Musik dazu ist in so vielen verschiedenen Stilrichtungen komponiert, dass man nur staunen kann: rockige rhythmische Passagen, ein indisches Lied, ein Western-Song, arabisch klingende Meditationen auf Altflöte und Bassklarinette, Madrigals, rhythmische Geräusche. Da es auch lange Passagen gibt, die in ihren Dissonanzen und rhythmischen Unregelmäßigkeiten durchaus mit der klassischen Avantgarde mithalten, entsteht aber nicht der Eindruck einer Pastiche. Der sanfte musikalische Übergang zwischen Stilen wurde oft vom Publikum mit einem leichten erkennenden Lachen belohnt."
Eine literarisch wertvolle Rezension, aber wennich versuche zwischen den Zeilen zu lesen, erhalte ich folgende Aussage: Der Künstler konnte sich nicht wirklich entscheiden, was er wollte. So hat er Literaturlesungen mit klassischer Musik aller Stilrichtungen vermischt wobei sehr viel Wert auf MultiKulti gelegt wurde, damit auch wirklich niemand kapiert, um was es dem Künstler geht.
Lacht man an der falschen Stelle, hat man u.U. ein sensibles Künstlerseelchen so schwer verletzt, daß sich der Künstler am nächsten Tag einer neuen Karriere als Lokführer bei der DB zuwendet. (Man beachte die raffinierte Bezugnahme auf das aktuelle Tagesgeschehen). Lacht man nicht, obwohl man sollte, fühlt sich der Künstler unverstanden und schmollt. Vielleicht sollte man Publikumscastings einführen, in denen der Künstler selber entscheidet, wer es denn verdient, mit seinen künstlerischen Ergüssen konfrontiert zu werden. (Diese Idee werde ich bei RTL vorstellen. Neue Sendereihe "Künstler sucht sein Publikum". Ich werde reich! Hier bitte größenwahnsinniges gelächter einfügen). Auch sollte man beachten, das man, dem Künstler entsprechend, stark differenziert lachen sollte. Die Abstufungen zwischen "wurde oft vom Publikum mit einem leichten erkennenden Lachen belohnt", LOL, ROFL, ROFLOL und primitivem Gewieher sind nicht leicht zu beherrschen und die den Anforderungen des Künstlers entsprechende Anwendung ist eine Kunst, die bei perfekter Beherrschung durchaus nach dem Aplaus des Künstlerss für das Publikum verlangt. Und so schliesst sich der Kreis zu einer perfekten Symbiose.
Frank
uhlmann (15.11.2007, 09:57): wenn ich so auf meine "konzertkarierre" zurückblicke, muss ich feststellen, dass bei konzerten neuer musik wesentlich mehr gelacht wurde, als bei konzerten "normaler" klassik. jedenfalls könnte ich mich an keine lacher zb im wiener musikverein bei beethoven oder brahms erinnern.
fast ein garant für späßchen oder zumindest witzige einlagen war und ist hk "nali" gruber. sowohl als komponist als auch als ausführender musiker, etwa als genialer chansonnier. gerade fand ich einen artikel, der perfekt dazu passt (hier).
offtopic: österreicher haben halt doch mehr humor als die deutschen :haha
cellodil (15.11.2007, 16:36): Original von LazarusLong Höre ich Mozarts Requiem, so weiß ich als gebildeter Schwabe "von dr Alb ra", das ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht lachen sollte, es sei denn der Dirigent verliert sein Toupet.
So, so, lieber Frank, so einer bist Du also.... :rofl
Original von LazarusLong Lacht man an der falschen Stelle, hat man u.U. ein sensibles Künstlerseelchen so schwer verletzt, daß sich der Künstler am nächsten Tag einer neuen Karriere als Lokführer bei der DB zuwendet. (Man beachte die raffinierte Bezugnahme auf das aktuelle Tagesgeschehen).
Du meinst, die DB würde in der aktuellen Situation wirklich jeden nehmen... Könntest Du recht haben. Andererseits: Ein Horrorszenario. Man denke nur an die Gestaltung der Durchsagen...
Original von LazarusLong Lacht man nicht, obwohl man sollte, fühlt sich der Künstler unverstanden und schmollt. Vielleicht sollte man Publikumscastings einführen, in denen der Künstler selber entscheidet, wer es denn verdient, mit seinen künstlerischen Ergüssen konfrontiert zu werden.
Oder Beipackzettel (war ja in der Bildenden Kunst vor ein paar Jahren auch sehr angesagt - und ist es vielleicht noch, aber da bin ich nicht mehr auf dem Laufenden)... Vielleicht auch gleich mit Warnhinweisen für Hörsturzgefährdete...
Original von LazarusLong Diese Idee werde ich bei RTL vorstellen. Neue Sendereihe "Künstler sucht sein Publikum". Ich werde reich! Hier bitte größenwahnsinniges gelächter einfügen.
... ab heute heißt du Dieter... Bei der Gestaltung des Haarschopfs stehe ich Dir gerne beratend als diplomierte Pudelfriseurin zur Seite....
Original von LazarusLong Auch sollte man beachten, das man, dem Künstler entsprechend, stark differenziert lachen sollte. Die Abstufungen zwischen "wurde oft vom Publikum mit einem leichten erkennenden Lachen belohnt"
... ich glaube fast, dass da entweder dem Rezensenten oder demjenigen, der den Text ins System eingegeben hat, ein Fehler unterlaufen sein könnte... Bei der Beschreibung oben scheint es sich doch eher um ein erleichtertes (weil das Ende der Veranstaltung wieder nach ein paar Stündchen fünf Minuten näher gerückt ist) Lachen zu handeln...
Original von LazarusLong LOL, ROFL, ROFLOL und primitivem Gewieher sind nicht leicht zu beherrschen
Vielleicht könnte ( :hello ) Satie daraus eine Sinfonie für ein humoristisch avanciertes, zu differenzierten Heiterkeitsausbrüchen fähiges Publikum komponieren???
Herzliche Grüße aus der verschneiten Heimat
Sabine
cellodil (15.11.2007, 16:41): Original von uhlmann wenn ich so auf meine "konzertkarierre" zurückblicke, muss ich feststellen, dass bei konzerten neuer musik wesentlich mehr gelacht wurde, als bei konzerten "normaler" klassik. jedenfalls könnte ich mich an keine lacher zb im wiener musikverein bei beethoven oder brahms erinnern.
Ähem... Meinst Du, als humorgesegneter Österreicher, dass bei Beethoven und Brahms eigentlich gelacht werden müsste? Das bringt mich jetzt doch etwas ins Grübeln....
Original von uhlmann offtopic: österreicher haben halt doch mehr humor als die deutschen :haha
Außer wenn's um Titel oder Sachertorten geht, da versteht der Österreicher keinen Spaß... :haha
Liebe Grüße
Sabine
LazarusLong (16.11.2007, 07:57): Original von cellodil
Außer wenn's um Titel oder Sachertorten geht, da versteht der Österreicher keinen Spaß... :haha
Liebe Grüße
Sabine
Du hast die Mautgebühren vergessen.
Frank
EinTon (02.11.2009, 19:49): Keineswegs humorlos scheint mir Herr Ligeti (gewesen) zu sein, man denke nur an seine Oper "Le Grand Macabre".
Auch sein "Poème Symphonique" für 100 Metronome (sicher eine Anspielung auf die damals aktuelle Fluxus-Bewegung) dürfte durchaus augenzwinkernd gemeint sein...
cellodil (03.11.2009, 16:39): Original von EinTon Keineswegs humorlos scheint mir Herr Ligeti (gewesen) zu sein, man denke nur an seine Oper "Le Grand Macabre".
Auch sein "Poème Symphonique" für 100 Metronome (sicher eine Anspielung auf die damals aktuelle Fluxus-Bewegung) dürfte durchaus augenzwinkernd gemeint sein...
Lieber Einton,
eigentlich ging es in diesem Thread nicht darum, dass die Komponisten keinen Humor hätten, sondern darum, dass sich das Publikum in aller Regel bei "Neuer Musik" nicht traut zu lachen.
Liebe Grüße
Sabine
Rachmaninov (03.11.2009, 17:36): Preise um 75 € für normale Veranstalltungsorte sind Standard. Günstig gibt es oft interessante Veranstalltungen bei weniger bekannten Spielstätten.
Über die Salzburger Festspiele und die dortigen Preise muss mal wohl erst gar nicht reden.
Es wird offensichtlich bezahlt. Wert ist eine Sache eh nichts, es gibt nur Menschen denen es etwas wert ist und diesen Preis bezahlen.
satie (03.11.2009, 17:41): Original von Rachmaninov Preise um 75 € für normale Veranstalltungsorte sind Standard. Günstig gibt es oft interessante Veranstalltungen bei weniger bekannten Spielstätten.
Über die Salzburger Festspiele und die dortigen Preise muss mal wohl erst gar nicht reden.
Es wird offensichtlich bezahlt. Wert ist eine Sache eh nichts, es gibt nur Menschen denen es etwas wert ist und diesen Preis bezahlen.
Ähm...verstehe nur ich den Zusammenhang nicht, oder gibt es tatsächlich keinen? ?(
S A T Irriti Ert
EinTon (03.11.2009, 18:59): @Sabine: Ich bezog mich mit meinem Satz auf die folgende Schilderung, wo's um den (Nicht-)Humor zeitgenössischer (oder zumindest "neumusikalischer") Komponisten geht:
Original von Satie
Das Problem ist, gerade wenn man an Orten ist, wo viel bis ausschließlich zeitgenössische Musik gepflegt wird, dass die Zirkel der alten Garde nun mal leider so gar nichts mit Humor am Hut hatten. Ich möchte hier besonders den reichlich überkandidelten Stockhausen nennen, dem das Wort Humor grundsätzlich fremd sein dürfte. Dabei gibt es Komponisten, die stets ein Gegengewicht dazu waren, so etwa Dieter Schnebel in einigen Werken, aber auch Kagel und Aperghis (letzterer kann einen durchaus dazu bringen, Tränen zu lachen). Es gibt allerdings Komponisten, die extrem komisch wirken, obwohl sie es nicht sein wollen. Ein solcher, sehr junger, ist Thomas Meadowcroft (hoffentlich richtig geschrieben).
EinTon (03.11.2009, 23:04): Original von Satie Original von Rachmaninov Preise um 75 € für normale Veranstalltungsorte sind Standard. Günstig gibt es oft interessante Veranstalltungen bei weniger bekannten Spielstätten.
Über die Salzburger Festspiele und die dortigen Preise muss mal wohl erst gar nicht reden.
Es wird offensichtlich bezahlt. Wert ist eine Sache eh nichts, es gibt nur Menschen denen es etwas wert ist und diesen Preis bezahlen.
Ähm...verstehe nur ich den Zusammenhang nicht, oder gibt es tatsächlich keinen? ?(
S A T Irriti Ert
Ich vermute, Rachmaninov hat sich im Thread geirrt.. :)
cellodil (05.11.2009, 10:03): Original von Satie Original von Rachmaninov Preise um 75 € für normale Veranstalltungsorte sind Standard. Günstig gibt es oft interessante Veranstalltungen bei weniger bekannten Spielstätten.
Über die Salzburger Festspiele und die dortigen Preise muss mal wohl erst gar nicht reden.
Es wird offensichtlich bezahlt. Wert ist eine Sache eh nichts, es gibt nur Menschen denen es etwas wert ist und diesen Preis bezahlen.
Ähm...verstehe nur ich den Zusammenhang nicht, oder gibt es tatsächlich keinen? ?(
S A T Irriti Ert
... ging mir auch so.
Ist zumindest interpretationsbedürftig.
Liebe Grüße und :hello
Sabine
Wooster (05.11.2009, 11:53): Original von cellodil Original von EinTon Keineswegs humorlos scheint mir Herr Ligeti (gewesen) zu sein, man denke nur an seine Oper "Le Grand Macabre".
Auch sein "Poème Symphonique" für 100 Metronome (sicher eine Anspielung auf die damals aktuelle Fluxus-Bewegung) dürfte durchaus augenzwinkernd gemeint sein...
eigentlich ging es in diesem Thread nicht darum, dass die Komponisten keinen Humor hätten, sondern darum, dass sich das Publikum in aller Regel bei "Neuer Musik" nicht traut zu lachen.
Traut es sich denn bei älterer oder etablierter Klassischer Musik zu lachen? Bei den offensichtlichsten Stellen in Opern oder Operetten schon, weil entsprechend inszeniert. Aber bei einem "vorzeitigen Schluß" bei Haydn oder was auch immer es noch an Scherzen geben mag...? Mir scheint das eher ein allgemeiner Aspekt des Konzert- und Opernbetriebs zu sein, nichts spezifisches bei neuer Musik.
:hello
Wooster
cellodil (05.11.2009, 15:55): Original von Wooster Original von cellodil Original von EinTon Keineswegs humorlos scheint mir Herr Ligeti (gewesen) zu sein, man denke nur an seine Oper "Le Grand Macabre".
Auch sein "Poème Symphonique" für 100 Metronome (sicher eine Anspielung auf die damals aktuelle Fluxus-Bewegung) dürfte durchaus augenzwinkernd gemeint sein...
eigentlich ging es in diesem Thread nicht darum, dass die Komponisten keinen Humor hätten, sondern darum, dass sich das Publikum in aller Regel bei "Neuer Musik" nicht traut zu lachen.
Traut es sich denn bei älterer oder etablierter Klassischer Musik zu lachen? Bei den offensichtlichsten Stellen in Opern oder Operetten schon, weil entsprechend inszeniert. Aber bei einem "vorzeitigen Schluß" bei Haydn oder was auch immer es noch an Scherzen geben mag...? Mir scheint das eher ein allgemeiner Aspekt des Konzert- und Opernbetriebs zu sein, nichts spezifisches bei neuer Musik.
:hello
Wooster
Lieber Wooster,
sicher hast Du mit dieser Beobachtung recht. Obwohl... vielleicht liegt es ja auch daran, ob der Interpret oder die Interpreten dazu in der Lage sind, die Komik zu vermitteln. Ich habe mal ein Konzert mit Gidon Kremer und der Kremerata Baltica in Schwetzingen erlebt, bei dem es quer durch die Musikgeschichte ging und viel gelacht wurde. Und im Moment ist Gidon Kremer ja mit einem explizit komödiantischen Programm unterwegs.