Heike (28.08.2009, 19:03): Hallo, ich habe mir ja gestern dieses Buch bestellt.
Dort sind die wichtigsten und besten Pianisten der Gegenwart (also lebende) charakterisiert. Der Verfasser sagte im Interview, dass auf seinem dort beschriebenen persönlichen Olymp 15 Pianisten stehen würden.
Nun, bevor das Buch geliefert wird, werfe ich doch mal zwei Fragen in die Runde: 1. Was denkt ihr, welche 15 sind in dem Buch? 2. Welche 15 wären drin, wenn ihr das Buch geschrieben hättet? (wobei da euer persönlicher Geschmack ne Rolle spielt - aber nicht nur - groß kann ja jemand auch sein, wenn er euch nicht so liegt)
Heike p.s. vielleicht kann ein Mod den Beitrag ins Interpretenforum verschieben, ich glaub, da würde er noch besser hingehören
Heike (28.08.2009, 19:20): Meine Antworten: 1. da bin ich befangen, weil ich 6-8 Namen schon in dem Beitrag gehört habe, auf den Rest bin ich neugierig!
2. bei mir wären drin (in alphabetischer Reihenfolge) Argerich Ashkenazy Barenboim Brendel Demidenko Hewitt Kissin Lupu Osborne Perahia Pogorelich Pollini Schiff Sokolov Zimerman
Ist aber natürlich eine Momentaufnahme, wer weiß, wen ich noch gar nicht kenne und daher kann das morgen schon wieder anders aussehen. Heike
P.s gar nicht so einfach, niemanden zu vergessen, musste nochmal editieren
Rachmaninov (28.08.2009, 21:53): hust hust, eigentlich gibt es so einenf aden i.d. Art schon :wink
Heike (29.08.2009, 08:21): Mmh es gibt Lieblingspianisten, aktive Lieblingspianisten, junge Pianisten, (fast vergessene) Pianisten.
Meine Frage war zwar im Detail anders (ich hatte ja ausgesprochen nicht nur nach den Lieblingen gefragt), aber wenns zu nah an vorhandenen Themen ist, dann löscht es halt wieder. Heike
Rachmaninov (29.08.2009, 09:13): Original von Hebre
Nun, bevor das Buch geliefert wird, werfe ich doch mal zwei Fragen in die Runde: 1. Was denkt ihr, welche 15 sind in dem Buch? 2. Welche 15 wären drin, wenn ihr das Buch geschrieben hättet? (wobei da euer persönlicher Geschmack ne Rolle spielt - aber nicht nur - groß kann ja jemand auch sein, wenn er euch nicht so liegt)
Zu Frage 1:
Aus welchem Jahr ist das Buch?
Heike (29.08.2009, 13:56): Das Buch ist ganz neu, erst vor einigen Wochen erschienen. Heike
HenningKolf (29.08.2009, 22:33): Ich glaube dass folgende 15 im Buch benannt sind
Aimard Argerich Ashkenazy Barenboim Brendel Grimaud (fürchte ich jedenfalls) Katsaris Kissin Kocsis Lang Lang (fürchte ich ebenfalls) Perahia Pletnjow Pogorelich Pollini Zimerman
PS: Andersziewski habe ich glatt vergessen. Ich habe aber auch wenig Neigung jemanden aus der Liste zu entfernen. Neugierig bin ich eh nur darauf, ob in einem kürzlich erschienenen Buch davon abgesehen wird, Lang Lang und Grimaud in den Olymp zu schicken oder nicht.
nikolaus (29.08.2009, 23:51): Der Olymp hat für mich etwas erhabenes, überirdisches, jenseitiges, deshalb sind für mich nur die wenigsten lebenden Pianisten dort. Ich versuche es trotzdem, auch wenn ich nicht auf 15 kommen werde...
Und da Martha Argerich hoffentlich sieben Leben hat, sind die restlichen für sie reserviert :wink
Nikolaus.
Heike (30.08.2009, 09:15): Neugierig bin ich eh nur darauf, ob in einem kürzlich erschienenen Buch davon abgesehen wird, Lang Lang und Grimaud in den Olymp zu schicken oder nicht.
Um es euch ein wenig einfacher zu machen, falsche Fährten abzukürzen und die Neugierfrage für Henning mal vorab zu beantworten:
Nein, beide sind nicht auf dem Olymp. Der Verfasser wurde in dem Interiew, das ich gehört habe, gefragt, warum sie nicht dabei sind. Seine Antwort: Sie sind nicht dabei, weil sie keine großen Pianisten* sind.
Heike
* große Pianisten sind für ihn die, die große und besondere Interpretationen spielen.
Gamaheh (30.08.2009, 21:17): Das ist eine interessante Frage. Im allgemeinen stimme ich mit Nikolaus überein: Der Olymp ist ein mythologischer Ort der Götter; aber "erhaben" paßt in dieses Bild nicht unbedingt rein. Die olympischen Götter sind sehr menschlich und haben ihre Schwächen, menschliche Schwächen.
Da ich - wenngleich nicht Atheistin - so doch zumindest Agnostikerin bin, fällt mir die Aufgabe schwer, ich will es aber trotzdem versuchen.
Voraussetzung für den Aufenthalt auf dem Olymp - wenn es nicht wieder um Lieblingspianisten gehen soll - ist sicher, daß jemand über Jahre bzw. Jahrzehnte international konstant präsent gewesen und allgemein anerkannt ist. Es müssen Pianisten sein, die praktisch jeder kennt, der sich nur ein wenig für Klaviermusik interessiert, solche, die international immer wieder in den großen Sälen auftreten und ein großes Publikum haben. Dazu gehört sicher auch eine hohe Präsenz auf dem Plattenmarkt.
Aus diesen Gründen würden zwei Pianisten, die auf meinem ganz persönlichen Olymp seit Jahren am Kopf des Tisches sitzen: Philippe Bianconi und Stanislav Bunin, die ich beide für ganz außergewöhnliche und große Pianisten halte, sicher in einer Olympier-Liste, die irgendwie überzeugend und nicht ganz subjektiv sein sollte, wenn ich ein solches Buch schreiben würde, nicht auftauchen, denn sie sind Außenseiter (und als solche würde ich sie dann sicher auch erwähnen).
Der Verfasser ist allerdings auch nur ein Mensch mit seinen individuellen Vorlieben, und da ich ihn nicht kenne (und nicht einmal seinen Namen auf der Abbildung lesen kann - vielleicht ergänzt Du den noch, Hebre), kann ich nur die Namen nennen, von denen ich meine, daß sie gewissermaßen für jeden in eine solche Auswahl gehören würden. Da kann ich nur drei nennen (die sich auch auf meinem Olymp aufhalten würden):
Pollini Barenboim Argerich.
Ich gehe ebenfalls davon aus, daß folgende sich (und manche sicher nicht ganz zu unrecht) in der Sammlung finden (das muß nicht meinen Vorlieben entsprechen, tut es aber in manchen Fällen):
Brendel (wenngleich nicht mehr aktiv, so doch immerhin noch lebend) Kissin Lupu Perahia Pires Pletnev Pogorelich Schiff Sokolov Zimerman.
Nun bin ich bei 13 - eine gute Zahl! - und weiter komme ich im Moment nicht.
Leute wie die genannten Aimard, Anderszewski, Ashkenazy, Demidenko, Hamelin, Hewitt, Hough, Kocsis, Kovacevich, Malikowa, Moravec, Osborne, Sudbin und viele andere (z.B. Brautigam) gehören nach meinem Dafürhalten aus oben genannten und anderen Gründen sicher nicht auf diese Liste; Grimaud (obwohl sie dem Temperament nach durchaus einigen olympischen Göttinnen ähnlich ist) und Lang Lang (den man allenfalls als Ganymed dort hinschicken könnte) ganz sicher auch nicht, obwohl ich mir vorstellen könnte, daß der eine oder andere auf die Idee verfallen könnte, sie dort aufzuführen.
Was meine persönliche Liste angeht, so müßte sie (nach oben Ausgeführtem) natürlich genauso aussehen, obwohl ich mich treten müßte, um z.B. Brendel oder Pogorelich zu nennen. Dies Problem würde ich umgehen, indem ich entweder nicht so ein dusseliges Olympier-Spiel spielen würde (welches ich wirklich dusselig finde, aber sicher sorgt es für Diskusssion, insofern ist es nicht dusselig), oder ich würde die Zahl der zugelassenen Götter enger begrenzen (und vielleicht ein paar Halbgötter dazunehmen).
Grüße, Gamaheh
Heike (31.08.2009, 16:06): Mhh also das Buch kam heute schon. Auf dem Olymp stehen, versehen mit Beinamen:
Fleisher (der letzte Grandsigneur) Brendel (im Generalsekretariat für Genauigkeit und Seele) Argerich (Kraftwerk der Gefühle) Ashkenazy (der Seele Sang) Pollini (auf den Flügeln des Geistes) Zimerman (Valses nobles et sentimentales) Sokolov (poésie pure) Pletnev (durchaus phantastisch und leidenschaftlich) Lupu (der Dichter spricht) Barenboim (Prometheus, entfesselt) Pogorelich (die Verteidigung der Freiheit) Kissin (Sturm und Drang) Uchida (der feine Unterschied) Perahia (Triumpf der Empfindsamkeit) Aimard (Wandererphantasie(n))
Wie er genau seinen Olymp definiert werde ich mal demnächst nachlesen, jedenfalls schreibt er, dass es seine ganz persönliche Auswahl ist, wobei er aber auch das Lebenswerk miteinbezogen hat.
Dann gibt es 3 weitere Kapitel mit weiteren Pianisten (die jeweils weniger Seitenzahlen je Person haben): - In elysischen Gefilden (mit 4 geographischen Untergruppen) - Exzentriker - Kinder der Sonne und einen Lexikonteil mit diskographischen Empfehlungen
Lang Lang und auch Grimaud sind in der Tat nirgends zu finden. Einige genannte Namen allerdings auch nicht (andere aber doch) - aber vollständig und subjektiv widersprechen sich ja auch. Ich bin jedenfalls neugierig aufs lesen. Heike
Heike (31.08.2009, 17:06): Sorry, folgenden Nachtrag habe ich ganz vergessen:
Verfasser ist der Berliner Musikjournalist Jürgen Otten, der (laut amazon) selbst ein Klavierstudium absolviert hat und die internationale Pianoszene seit vielen Jahren beobachtet. Heike
HenningKolf (31.08.2009, 18:05): Na ja, so weit weg lagen wir mit unseren Vermutungen ja nicht daneben. Schön dass Aimard dabei ist, sonst wäre die zeitgenössische Musik nur durch Pollini im Olymp etwas unterrepräsentiert. Dann hoffe ich mal, dass die von mir hochgeschätzte Pires im Buch nicht völlig übergangen wird.
:hello
Rachmaninov (31.08.2009, 18:13): Original von Hebre
Brendel (im Generalsekretariat für Genauigkeit und Seele)
Musste ja sein und wenn einem nichts besseres für langeweile einfällt! :ignore
HenningKolf (31.08.2009, 19:35): @ Rachmaninov
Na ja, ich weiß zwar dass hier im Forum Amadé, Daniel und ich wohl die einzigsten sind die Brendel hochhalten, aber außerhalb des Forums gibt es zahlreiche Bewunderer. Wenn ich noch mal Revue passieren lasse, warum ich mich mehr als ein Jahrzehnt von Soloklaviermusik ferngehalten habe, hat das damit zu tun, dass ich sie über die höchstgehandelten Heroen, nämlich Gould und Richter, kennengelernt habe. Ich hätte es gleich mit Brendel (oder Kempff, Gulda) angehen sollen. Mittlerweile habe ich die Beethovensonaten in 9 oder 10 Gesamtaufnahmen (und zahlreiche Einzelsonaten), aber wenn ich ohne Vergleichsabsicht nur zum Genießen höre, sind es nahezu ausschließlich Brendel, Kempff und Gulda, deren Beethoven an die Ohren kommt.
Generalsekretariat für Genauigkeit und Seele passt nicht schlecht; würde auch zu meinen Lieblingsdirigenten Szell und Mrawinski passen, denke ich.
Die Geschmäcker sind halt verschieden. Aber ich kann ja durchaus auch Joachim Kaisers Bewunderung für Anne-Sophie Mutter nachempfinden (wenn auch aus anderen Gründen), ein weiteres Forenreizthema.
Gruß Henning
jünter (31.08.2009, 19:44): Von
Leif-Ove Andsnes
Yefim Bronfman
Nikolaj Lugansky
spricht hier niemand?
Mir persönlich ist beim gegenwärtigen Pianisten-Olymp spontan als erstes die Andsnes-Aufnahme von Schuberts D. 958 - 960 eingefallen.
Heike (31.08.2009, 23:55): Hallo, Dann hoffe ich mal, dass die von mir hochgeschätzte Pires im Buch nicht völlig übergangen wird. Doch, sie ist nicht drin.
Von Leif-Ove Andsnes Yefim Bronfman Nikolaj Lugansky spricht hier niemand? Alle drei sind drin.
Heike
Heike (01.09.2009, 07:43): Also gestern habe ich die ersten Kapitel gelesen. Er gibt zu jedem Pianisten zuerst einen kurzen lebensgeschichtlichen Input (aber wirkliich sehr auf wesentliche Besonderheiten beschränkt). Dann versucht er, den Pianisten bzw.das Spiel zu charakterisieren bzw, das Besondere zu beschreiben, zieht auch Vergleiche zu anderen heran. Weiterhin gibt es Kommentare zu den eingespielten oder aufgeführten Werken und dabei geht er auch gezielt auf einzelne Passagen ein, die ihm auf besondere Art gefallen oder die zu Kontroversen einladen. Hin und wieder gibts auch Kritik.
Ich fands auf jeden Fall lesenswert, die Sprache ist manchmal etwas blumig bzw. dick aufgetragen, aber gerade bei den Aufnahmen, die man selbst kennt, sind seine Beschreibungen interessant. Heike
Er schreibt im Vorwort, dass ihm die Entscheidung schwer fiel, einzelne Pianisten nicht aufzunehmen, die einzelne interpretatorische Glanzlicher gesetzt haben. Aber es soll keine Anthologie sein sondern seine persönliche Meinung, wobei er aber versucht, mit größtmöglichem Wissen um die Sache subjektiv zu werten und auszuwählen.
Gamaheh (01.09.2009, 10:18): Na, da bin ich aber etwas skeptisch: Einerseits stellt er eine (durch uns) nachgewiesenermaßen völlig konventionelle Liste zusammen, andererseits soll es eine persönliche Meinung sein - die dann aber doch sehr unoriginell ist, so daß ich mich frage, ob ich das brauche (natürlich nicht). Aber das ist wohl sein Sicherheitsausgang, falls ihm jemand vorwirft (was unweigerlich geschehen wird), daß er jemanden ausgelassen hat (wie z.B. Pires, was ich auch skandalös finde - vielleicht kennt er sie nicht; was Yefim Bronfman da allerdings macht, kann ich mir nicht vorstellen).
Bei den "Untertiteln" merkt man, daß man es mit einem Journalisten zu tun hat, und so geballt untereinander schrecken die mich wirklich ab. Hier äußerte sich bei mir übrigens wieder eine Kondition, die sich in letzter Zeit häufiger bemerkbar gemacht hat und die mich bedenklich stimmt: ich würde sie als "Alters-Legasthenie" bezeichnen. In diesem Falle las ich zunächst: "der Seele Sarg". Daß Ashkenazy zu den ganz großen Pianisten zählt, ist mir übrigens auch neu.
Im übrigen ist das, was der Aufbau des Buches zu sein scheint, auch nicht ungewöhnlich, und wenn er (implizit) den Kaiser aktualisieren will, ohne ihm in die Quere zu kommen und sich mit ihm messen lassen zu müssen (dadurch, daß er nur aktuelle Pianisten nennt), ist das sein gutes Recht. Ich vermute, er hat doch eine Art Kompendium im Sinn (vermutlich meint er das, und nicht "Anthologie"), will sich aber möglicherweise nicht der Kritik stellen ... Ich sehe auch überall Hintergedanken ...
Na, jedenfalls hat mich das, was Hebre hier darüber berichtet hat, nicht neugierig gemacht .
Grüße, Gamaheh
Rachmaninov (01.09.2009, 12:20): Also wenn ich 15 lebende Pianisten nennen sollte wären derzeit die ersten 8, die mir spontan einfallen:
S. Osborne, weil er die Gabe hat so genial zu wechseln zwischen Gesang und harten Anschlag, weil seine Liszt Aufnahme grandios ist, sein Alkan von Feinsten, sein Rachmaninov sehr gut und sein Spiel mich immer wieder begeistert.
K. Zimerman, weil er sich nicht zu Sklaven der Schallplatten Industrie macht, seine Überzeugungen hat auch außerhalb der Bühne. Sein Schubert und Chopin sind grandios.
N. Demidenko, weil er immer wieder fasziniert, er diesem wunderschönen ital. Flügeln immer wieder so atemberaubende Klänge entlockt. Seine Diabelli Variationen eine der wenigen Aufnahmen sind, die mich bei diesem Werk nicht einfach nur langweilen. Weil seine Hammerklaviersonate grandios ist, sein Scarlatti brilliant....
Y. Kissin, weil er vielleicht DAS Wunderkind überhaupt ist. Ein wahrlich großer Pianist.
I. Pogorelich, weil er sich, zumindestens zu seiner ganz großen Zeit, einfach alles erlauben konnte, wollte und SEINEN Zugang zur Musik hatte. Sein Scarlatti ist fantastisch, die 2. Scriabin Sonate mit ihm ein Traum.
M.A.Hamelin, weil er zwar nicht unbedingt der größte „Sänger“ unter den Pianisten ist, aber seine Medtner-Gesamteinspielung und sein Alkan sind bemerkenswert.
S. Schepkin, weil er für mich State of the Art in Sachen Bachspiel darstellt. GBV, WTK I/II und für seine großartige Aufnahme der „Bilder einer Ausstellung“. Und weil er nicht bei einem der großen Labels ist.
M. Argerich, höre ich zwar selten muss ich aber anerkennen als ganz große Dame. Leider zu wenig Bach aufgenommen.
Wobei ich ausdrücklich sagen muss, dass der Olymp, doch etwas Außergewöhnliches ist und nicht alle 15 anrecht auf einen Platz dort hätten.
Heike (01.09.2009, 20:13): Jetzt mal eine Neugierfrage: Mal angenommen, ihr würdet eure persönlichen Favoriten live und blind hören (ich weiß, eine spinnige Vorstellung, aber als Gedankenexperiment). Und sie würden etwas spielen, was ihr nicht schon als Aufnahme von ihnen kennen würdet, also sagen wir mal, Liszts Transkription von Beethovens 5. oder sowas. Was schätzt ihr, wen würdet ihr wahrscheinlich allein an der Art des Spiels blind erkennen und woran? Heike
P.s @Rachmaninov: über Demidenko und Hamelin schreibt Otten; Osborne und Schepkin fehlen hingegen, also die Auswahlkriterien kann ich auch schwer nachvollziehen. Trotzdem ein interessanter Schmöker.
Rachmaninov (01.09.2009, 20:21): Original von Rachmaninov Also wenn ich 15 lebende Pianisten nennen sollte wären derzeit die ersten 8, die mir spontan einfallen:
S. Osborne, weil er die Gabe hat so genial zu wechseln zwischen Gesang und harten Anschlag, weil seine Liszt Aufnahme grandios ist, sein Alkan von Feinsten, sein Rachmaninov sehr gut und sein Spiel mich immer wieder begeistert.
K. Zimerman, weil er sich nicht zu Sklaven der Schallplatten Industrie macht, seine Überzeugungen hat auch außerhalb der Bühne. Sein Schubert und Chopin sind grandios.
N. Demidenko, weil er immer wieder fasziniert, er diesem wunderschönen ital. Flügeln immer wieder so atemberaubende Klänge entlockt. Seine Diabelli Variationen eine der wenigen Aufnahmen sind, die mich bei diesem Werk nicht einfach nur langweilen. Weil seine Hammerklaviersonate grandios ist, sein Scarlatti brilliant....
Y. Kissin, weil er vielleicht DAS Wunderkind überhaupt ist. Ein wahrlich großer Pianist.
I. Pogorelich, weil er sich, zumindestens zu seiner ganz großen Zeit, einfach alles erlauben konnte, wollte und SEINEN Zugang zur Musik hatte. Sein Scarlatti ist fantastisch, die 2. Scriabin Sonate mit ihm ein Traum.
M.A.Hamelin, weil er zwar nicht unbedingt der größte „Sänger“ unter den Pianisten ist, aber seine Medtner-Gesamteinspielung und sein Alkan sind bemerkenswert.
S. Schepkin, weil er für mich State of the Art in Sachen Bachspiel darstellt. GBV, WTK I/II und für seine großartige Aufnahme der „Bilder einer Ausstellung“. Und weil er nicht bei einem der großen Labels ist.
M. Argerich, höre ich zwar selten muss ich aber anerkennen als ganz große Dame. Leider zu wenig Bach aufgenommen.
Wobei ich ausdrücklich sagen muss, dass der Olymp, doch etwas Außergewöhnliches ist und nicht alle 15 anrecht auf einen Platz dort hätten.
G. Sokolov vergessen -> 100% Olymp, macht keine Studio Aufnahmen, liebt die Bühne!
M. Pollini
M. Perahia -> für alles was er erleiden musst und weil er wohl der pianist ist der mehr als andere im kopf musizieren musste!
Lugansky!
Rachmaninov (01.09.2009, 20:27): Original von Hebre Jetzt mal eine Neugierfrage: Mal angenommen, ihr würdet eure persönlichen Favoriten live und blind hören (ich weiß, eine spinnige Vorstellung, aber als Gedankenexperiment). Und sie würden etwas spielen, was ihr nicht schon als Aufnahme von ihnen kennen würdet, also sagen wir mal, Liszts Transkription von Beethovens 5. oder sowas. Was schätzt ihr, wen würdet ihr wahrscheinlich allein an der Art des Spiels blind erkennen und woran? Heike
P.s @Rachmaninov: über Demidenko und Hamelin schreibt Otten; Osborne und Schepkin fehlen hingegen, also die Auswahlkriterien kann ich auch schwer nachvollziehen. Trotzdem ein interessanter Schmöker.
@Demidenko, Anschlagskultur, ein wenig hart z.B. im Vergleich zu Zimerman!
@Sokolov, genial in der Gestalltung, melodieführung, unverkennbar.
@Pogorelich, genug eigenarten im spiel bei großer Kunst. Schon "blind" erkannt!
@Osborne, grandioser Gesang!
@Kissin: mmmh....mal drüber nachdenken!
@Hamelin, brilliante technik, auch wenn er schnell spielt super sauber, aber eher wenig "farbreichtum".
@Zimerman, vermutlich am brillianten spielt und der tatsache das jede note so klingt als hätte er sich genau vorgenommen sie SO und NICHT ANDERS zu spielen.
@Schepkin, differenzierung im anschlag vermutlich!
HenningKolf (01.09.2009, 20:48): Seitdem mir mal jemand Holsten in ein Flensburger Glas gekippt hat und ich meinte, es gibt doch nichts besseres als ein schönes kaltes Flens an einem warmen Sommertag bin ich mit solchen Blindtests bzw. meiner Selbstsicherheit diesbezüglich sehr zurückhaltend :W
Aber Argerich trau ich mir wegen ihrer Glut und Leidenschaft zu, Pires wegen ihres tiefen Gefühls bei gleichzeitiger Genauigkeit, Kempff wohl auch - ich könnte sicherlich auch sagen, der oder die ist es auf keinem Fall, aber bei unbekannten Aufnahmen wäre ich durchaus unsicher - bei mir bekannten ziemlich sicher (aber Flensburger kannte ich eigentlich auch ziemlich gut)
:hello
Heike (01.09.2009, 20:58): Hallo HenningKolf, mir gehts da ähnlich, ich bin auch sehr unsicher, wen ich da erkennen würde - wenn sie was spielen würden, was ich noch nie von ihnen gehört hätte.
Ich glaube, ich würde Sokolov erkennen - als ich den live gehört habe, fand ich das so einzigartig und einmalig, dass ich mir zumindest einbilde, dass irgendwas in mir davon wieder sofort anklingen würde, wenn ich ihn hören würde. Dann traue ich mir noch am ehesten Pogorelich (wegen seiner Eigenwilligkeit) und Argerich (wegen ihrer Wildheit und Leidenschaft) zu, aber da die Argerich sowieso nicht allein spielt, könnte sie es ja ohnehin nicht sein ;-)
Heike
P.s was die Pires angeht: Ich hab letzte Woche eine vom rbb die CD der Woche (Chopin) geschenkt gekriegt (Radiofrage richtig beantwortet) - da werde ich dann mal genau hinhören!
Heute würde ich Kovacevich und Pletnev eher als Halbgötter (Dank an Gamaheh für die "Einführung" dieser "Etage") und dafür Trifonov auf den Olymp befördern.
Und ich habe das vage Gefühl, jemanden zu unterschlagen, aber ich komme partout nicht darauf.
Nikolaus.
Vinding (17.11.2016, 22:14): Dann mache ich hier auch mal mit:
Andersziewski Argerich Aschkenasi Babayan (hat wenig CDs veröffentlicht, aber zweimal olympisch reicht mir: Scarlatti und ein Sampler mit u.a. überirdischen Auszügen aus Ligetis Musica Ricercata) Brautigam Chamayou Hamelin (Rzewski geht nicht olympischer) Lupu Pletnjow Pires Say (mit gelegentlichen Abstürzen in die Vorhölle) Sokolow Trifonow Zimerman
Da Moravec leider verstorben ist, muss ich über Nr. 15 noch nachdenken
EDIT: Als Nr. 15 setze ich Haefliger (hätte auch Lortie, Kuerti oder Osborne werden können)
Kein Sokolov. Er taucht in solchen Listen immer auf und er gehört sicherlich auch hinein. Ich kann sein Klavierspiel überhaupt nicht leiden. Gleich welcher Komponist, ich höre vor allem immer Sokolov heraus.
Cetay (inaktiv) (19.11.2016, 18:21): Kein Sokolov. Er taucht in solchen Listen immer auf und er gehört sicherlich auch hinein. Ich kann sein Klavierspiel überhaupt nicht leiden. Gleich welcher Komponist, ich höre vor allem immer Sokolov heraus. So ging es mir auch bei meinen Annäherungen.
Da Klaviermusik in meinem Hörrepertoire eine absolute Randerscheinung darstellt, kenne ich nur ein paar Handvoll Werke und Interpreten gut - und zu begeistern vermochten mich nur wenige (und auch nur mit einzelnen Werken/Komponisten). Daher reicht es bei mir schon auf den Olymp, wenn es eine Pianistin überhaupt schafft, mich zum mehrmaligen Hören zu bewegen - sprich, es folgt eine völlig kompetenzfreie, rein geschmäcklerische Aufzählung ohne Reihenfolge:
Glenn Gould (Bach, Mozart, Beethoven, Hindemith) Olli Mustonen (Beethoven) Julia Cload (Bach, Haydn) Stewart Goodyear (Beethoven) Christine Schornsheim (Haydn) Zoltán Koscis (Haydn, Bartók) Sabine Liebner (Cage, Feldman, Scelsi) Anne-Marie McDermott (Haydn)
Vinding (19.11.2016, 20:05): Gould mag ja für viele unsterblich sein, aber ich glaube er ist nicht wirklich ein lebender Pianist.... ;)
Cetay (inaktiv) (19.11.2016, 20:14): Och, diese Randbedingung ist mir doch glatt entgangen. Aber in der Tat ist er -wie die ebenfalls schon verblichene Frau Cload- lebendiger als die meisten noch unter uns weilenden Tastendrücker. :thumbup: