in memoriam Hilde Rössl Majdan.

peter337 (22.12.2010, 06:45):
Hilde Rössl-MajdanHilde Rössl - Majdan wurde am 21. 1. 1921 in Moosbierbaum geboren und gehörte durch Jahrzehnte zu einer meiner Lieblingsmezzos.

"Es ist nicht wichtig, die erste Geige zu spielen, aber die, die man spielt, sollte erstklassig sein" - diesen Satz sagte einmal die Frau Kammersängerin Hilde Rössl-Majdan, mir einmal, mit dem Ratschlag, auch kleine Partien sind wichtig.

Sie galt 25 Jahre als die verlässigste Sängerin für große, mittlere kleine Rollen im Mezzofach innerhalb des Ensembles der Wiener Staatsoper.
Allen diejenigen, die sie in unzähligen Aufführungen ihrer Karriere gehört haben, wird es ähnlich wie mir ergehen, wenn ich auch heute noch von der immens hohen Musikalität und der samtenen, unglaublich wohlkligenden Mezzostimme ein wenig schwärme.
Nicht nur in großen Partien ihres Faches, sondern vor allem in den kleinen und kleinsten hat sie es nie verabsäumt, mit ihrer Stimme und ihrer Gestaltungskraft diesen Partien Kontur und Profil zu verleihen.


Und so ist dieses anfangs zitierte künstlerische Bekenntnis nicht als ein Trost gedacht, sich auch mit Nebenrollen begnügen zu müssen, sondern vielmehr ein Ausdruck eines hohen künstlerischen Idealismus, seine ganze Liebe auch in undankbare Teile eines Gesamtkunstwerkes zu stecken.

Nach dem Studium an der Akademie gelangte Hilde Rössl-Majdan 1951 in den Verband der Wiener Staatsoper. Das Debüt ließ gleich gewaltig aufhorchen: als Stimme der Mutter in "Hoffmanns Erzählungen" bestach sie erstmals mit ihrer wohltimbrierten Mezzostimme im Verein mit George London und Irmgard Seefried.
Und damit war ihr Weg frei für eine lange, erfüllte Karriere mit sicherlich weit mehr als 100 Partien.
Von ihrer Lieblingsrolle, der Brangäne in "Tristan und Isolde", den Mezzopartien im "Ring des Nibelungen", "Parsival", "Elektra", "Ariadne auf Naxos", "Frau ohne Schatten" bis hin zum Spielmezzofach an der Volksoper in "Martha", "Die lustigen Weiber von Windsor" und "Fra Diavolo", der dann auch bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt wurde.
Obwohl ihr in der Oper das Wagnerfach besonders am Herzen lag, wurde sie doch mit einer anderen Partie weltberühmt: der Intrigantin Annina im "Rosenkavalier" von Richard Strauss. Diese Partie sang sie zunächst unter Kleiber, Knappertsbusch, Böhm uns dann vor allem zur Eröffnung der Salzburger Festpiele im Jahr 1960 unter Herbert von Karajan. Gott sei Dank ist dieses musikalische Kabinettstückchen für die Nachwelt im Film (DVD) festgehalten worden: von der Präsentation ihrer Intrigantenkunst beim Lever der Marschallin im 1. Akt, über die köstliche Briefszene mit Baron Ochs im Walzerfinale ds 2. Aktes bis zur vermeintlich trauernden Witwe im Wiener Vorstadtbeisel des 3. Aktes - diese Stationen waren, jede für sich selbst,eine fein gesponnene Charakterstudie, die mit der ihr eigenen musikalischen Präzision dargeboten wurde. Auch die bei Strauss so gefürchteten, fast unsingbaren Stellen, wie z.B. "Vergessen nicht der Botin Euer Gnaden", wurden derart spielerisch leicht und exakt zu Gehör gebracht, dass es erst einem Fachmann im nachhinein bewusst werden konnte, welch unerhörte Klippen da gemeistert wurden.

Diese hohe Musikalität zog bei Hilde Rössl-Majdan (fast würde man sagen natürlich) auch eine umfangreiche Konzertkarriere nach sich. Von ihrem Lieblingsoratorium, der Matthäuspassion von J. S. Bach, über ungezählte Aufführungen der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven bis hin der auch auf LP/CD festgehaltenen 2. Sinfonie von Gustav Mahler spannte sich der Bogen. Vor allem mit letzerer in Produktion mit Otto Klemperer und Elisabeth Schwarzkopf ist, meiner Meinung nach, ein absoluter Höhepunkt in der Interpretationsgeschichte dieses Werkes erreicht worden. die stimmlichen Nuancierungen von Sopran und Mezzo sind in einem Maße vollkommnet, dass einem beim Hören dieser LP/CD nur demütig die Bezeichnung "überirdisch schön" in den Sinn kommt.

Den Abschluss ihrer Karriere bildete, eigentlich untypisch, die Operette im "Zigeunerbaron", in dem sie in der Zeit des Theaters an der Wien äußerst erfolgreich die Zigeunerin Czipra kreiert hatte, war es die Erzieherin Mirabella im Haus Zsupáns - leider eine sehr mißglückte Produktion der Wiener Staatsoper.

Hilde Rössl-Majdan - ein ideales Muster für eine Karriere in stiller Bescheidenheit und Größe, nach ihrem Ende im Professorenfach an der Akademie eine vollendete Fortsetzung fand.

Für ihre Operntätigkeit möchte ich nochmals den "Rosenkavalier" zitieren:
"Vergessen nicht der Botin Euer Gnaden" - für alle die, die Wiener Oper lieben, wird Hilde Rössl-Majdan als treueste Dienerin der Kunst bestimmt unvergessen bleiben!

Wie erst jetzt bekannt wurde ist Hilde Rössl-Majdan am 15.12.2010 in Wien verstorben, also ist dieser Beitrag in memoriam zu nehmen.

Liebe Hilde R.I.P. +
Karolus Minus (22.12.2010, 14:07):
Lieber Peter,

danke für den sehr persönlichen Nachruf auf eine Sängerin, die ich in der allgemeinen Beurteilung immer als "underrated" empfunden habe, was natürlich daran liegen dürfte, daß es kaum wirklich große Partien von ihr auf Platte gibt. Sie war da eben immer "nur" die Marcellina oder die Annina.
Merkwürdigerweise scheint sie außerhalb des deutschen Sprachraumes fast bekannter gewesen zu sein (so zumindest der Eindruck nach den Reaktionen auf die Todesmeldung auf einer internationalen Site), und zwar vor allem wegen ihrer Bach-Einspielungen, und hier vor allem wegen der Geistlichen Lieder, die sie zusammen mit dem gerade 12 Tage vor ihr im Alter von 108!! Jahren verstorbenen Hugues Cuenod gemacht hat.

Live erlebt habe ich sie nur ein einziges Mal, 1976 als Marthe Schwertlein im Faust. Da war sie sicherlich über ihren Zenit hinaus, aber ich meine mich noch zu erinnern, daß sie im Quartett eben NICHT mit Tönen hervorstach, wie sie so manche "Aufhörerin" in der Partie von sich gibt, sondern blitzsauber und präzise sang.

Was sie ganz bestimmt NICHT verdient hatte, waren einige Nachrufe, bei deren Schlampigkeit man nur den Kopf schütteln konnte. Den Vogel schoß da sicher der "Leporello" von BR-online ab, wo sie nicht nur Werke von Mahler UND Klemperer gesungen hatte, sondern ihr auch noch Auftritte unter der Leitung von KARLHEINZ Böhm angehängt wurden....

Liebe Grüße
Karolus -
Karolus Minus (22.12.2010, 16:27):
Lieber Peter,

zwei Fragen noch, die Du mir als Wiener vielleicht beantworten kannst:
wo kommt die unterschiedliche Schreibweise des Namens her? Ich kannte sie eigentlich als Rössl-Majdan, in den Nachrufen ist jetzt aber allgemein Rössel angeführt, auch auf der Staatsopernsite. Und dort ist mit dem 30.1.1921 auch noch ein anderes Geburtsdatum angegeben (statt des 21.1.) Da die StOp eigentlich die Personalakte haben müßte.... kann aber natürlich trotzdem ein Fehler sein.
Liebe Grüße
Karolus -
Waldi (22.12.2010, 18:52):
Bei meiner ersten "Zauberflöte", die zugleich mein erster Staatsopernbesuch war - sehr lang ist das her - bildete Hilde Rössel-Majdan zusammen mit Margareta Sjösted und Gerda Scheyrer das Damentrio. Wenn ich nicht irre, schrieb man auf dem Programmzettel schon damals den Namen mit "e". Ich muß einmal im Keller nachgraben, ob ich nicht fündig werde.
Von der einstigen Sängergeneration der Staatsoper sind jetzt nur mehr wenige übrig. Ich glaube, wir haben sie zu Recht vergöttert, und ich werde das auch weiterhin tun. Ich kann nicht anders. Ich war dank dieser Künstler so oft im Opernhimmel, daß die Dankesschuld nie endet.
2010 war ein sehr trauriges Jahr, möge Hilde Rössel-Majdan und den anderen, die wir verloren haben, die Erde leicht sein!
Fairy Queen (22.12.2010, 19:30):
Lieber Waldi, war das um 1962 herum? Ich habe nämlich eine DVD-Aufnahme der Zauberflöte unter Sawallisch wo unser Streifenpeter den 1.Knaben singt und Hilde Rössl-Majdan die 3. Dame. Sie singt dort nicht nur sehr gut sondern wirkt auch serh sympathisch. Das was sie zu den sogenannten Nebenrollen in der Ope und der musikalsichen Mission sagt, spricht mich ganz besonders an. :down :down :down
Sie hat sicher jetzt den wohlverdienten Platz im Engelchor :engel
F.Q.
Waldi (23.12.2010, 10:51):
Liebe Fairy,

Wahrscheinlich war das 1960 oder 1961. Ich habe mir schon den Kopf zermartert, ob nicht unser Streiferl auch in dieser Vorstellung den 1.Knaben gesungen hat, aber das läßt sich aus meinem Gedächtnis leider nicht mehr rekonstruieren. Die übrige Besetzung habe ich noch präsent. Klar, daß ich sofort bedingungsloser Zauberflötenanbeter geworden bin.

Liebe Grüße
Waldi
peter337 (24.12.2010, 15:13):
Lieber Waldi!

1960/61 habe ich, fast, ständig in den verschiedenen Häusern, Volksoper und Staatsoper, dann noch zuletzt im Theater an der Wien , den 1. Knaben gesungen und es war sehr oft Hilde Rössel-Majdan dabei.
Was hatten denn wir an drei Damen, Scheyrer, Ludwig, Hilde Rössel Majdan - Hilde Zadek, Grace Hofmann, Elisabeth Höngen usw., auch Gundula Janowitz sang oft die erste Dame , das so nebenbei.

Liebe Grüße sendet Euch und Dir, lieber Waldi, Euer Peter :hello :J