traurig, trauriger, am traurigsten

Heike (23.11.2012, 21:34):
Hallo,
zum bevorstehenden Ewigkeitssonntag, in der trüben traurigen Jahreszeit des Novembers ein vielleicht fürs Spielzimmer unpassender Thread (nö, wieso eigentlich?):

Welche Musik empfindet ihr als besonders traurig/ tragisch/ hoffnungslos? Genannt werden dürfen Werke jeden Genres oder einzelne Sätze von Werken. Bloße Nennungen von Komponisten (so ala "alle Sinfonien von Mahler") sind unzulässig. Ebenso sind unzulässig triviale Nennungen von explizit zu Traueranlässen geschriebenen Werken, wie z.B, Requien, Passionen, Kindertotenlieder, Trauerarien .... Also, eigentlich meine ich hier eher instrumentale Werke.
Jeder darf so oft er mag, Diskussionen sind zulässig.

Ich beginne und werde sicher noch ergänzen:

Beethoven: Klaviersonate "Appassionata". Für mich die tragischste und apokalyptische Klaviersonate schlechthin. Ein Steigerungslauf quer durch depressive Unabwendlichkeiten; fast ohne Lichtblicke, endend in einem völlig irren, morbiden Tanz.

Heike
Hörbert (23.11.2012, 21:55):
Hallo!

Spontan würde ich jetzt Allan Pettersson´s 6. Symphonie nennen, wie alle Symponien Petterssons eigentlich ein Torso ohne konventionellen Anfang oder konventionelles Ende.

Hier meine persönlichen Eindrücke:

Eine drückende Stimmung die nur wenige aufgehellte Momente zuläßt durchzieht das gesamte Werk, mächtige Klangballungen schieben sich wie graue Gewitterwolken ineinander ohne das es allerdings zu einer endgültigen Entladung mit anschließender reiner Athmosphäre kommt, das Werk verlischt eher als daß es endet.

MFG Günther
Wooster (23.11.2012, 23:43):
Ein Stück wie die Appassionata finde ich zu kraftvoll und zornig, um es als "traurig" zu hören. Ebenso Beethovens f-moll-Quartett, obwohl der fahle 2. Satz eher passt.

Spontan fallen mir hier allerdings eher Vokalstücke ein, so natürlich "when I am laid in earth" aus Dido und Aeneas.
Instrumental zB noch der zweite Satz (andante) aus Schuberts G-Dur-Quartett, das Trio aus dem Scherzo seines Streichquintetts und der langsame Satz von Schumanns Klavierquintett. Letzterer ist eine Art Trauermarsch, nur so bedrückt schleppend, dass von Marschieren eigentlich keine Rede sein kann
Heike (24.11.2012, 10:35):
Ein Stück wie die Appassionata finde ich zu kraftvoll und zornig, um es als "traurig" zu hören.
Es ist insofern traurig, dass es völlig hoffnungslos und eine einzige Tragödie ist. Also nicht traurig im Sinne von trauernd, sondern traurig im Sinne von depressiv, schwarz und finster.

Ich wollte den Thread nicht einengen auf Musik zum Weinen, sondern genannt werden kann alles, was dazu passt:
Welche Musik empfindet ihr als besonders traurig/ tragisch/ hoffnungslos

Sehr sehr traurig finde ich z.B. den langsamen Satz aus Schuberts A Dur Sonate D959.

Heike
EinTon (24.11.2012, 17:10):
Original von Heike
Ein Stück wie die Appassionata finde ich zu kraftvoll und zornig, um es als "traurig" zu hören.
Es ist insofern traurig, dass es völlig hoffnungslos und eine einzige Tragödie ist. Also nicht traurig im Sinne von trauernd, sondern traurig im Sinne von depressiv, schwarz und finster.


Die Appasionata empfinde ich eher als kämpferisch, vielleicht auch trotzig, aber nicht als resignativ.

Traurig wäre für mich das Klarinettenquintett von Brahms, zumal (jedenfalls ist mir das so in Erinnerung, ich habe das Stück lange nicht mehr gehört) auch die Mittelsätze - die ja eigentlich in H-Dur und D-Dur stehen - in der weiteren Entwicklung dann schnell wieder nach H-moll zurückfallen. Der schmelzende Klarinettenklang und - im langsamen Satz - die gedämpften Streicher tun ihr übriges...
AcomA (24.11.2012, 22:19):
Hallo,

sehr traurig und gleichzeitig sehr schoen finde ich von Ravel:

Le Tombeau de Couperin mit der Forlane im Zentrum

Pavane pour une infante defunte

LG, Siamak
palestrina (24.11.2012, 23:28):
Hallo zusammen!

Ich finde die Arie der Cornelia aus dem GIULIO CESARE
sehr traurig , aber hoffnungsvoll (auf Rache).

=Priva son d'ogni conforte=


LG palestrina
Heike (24.11.2012, 23:46):
Die Appasionata empfinde ich eher als kämpferisch, vielleicht auch trotzig, aber nicht als resignativ.
So unterschiedlich ist das halt.
Heike
abendroth (25.11.2012, 01:55):
Das Trio op. 114 von Brahms (für Klarinette oder Bratsche, Cello und Klavier). Dazu gleich die CD- Empfehlung "Brahms Viola" mit dem grossartigen Bratschisten Maxim Rysanov.

Der zweite Satz aus Schuberts Streichquintett (und so manch anderes von Schubert)

Die Sonate für Viola und Klavier op 147, ein resignierendes Spätwerk Schostakowitschs.

abendroth
Yorick (25.11.2012, 10:35):
Ich empfinde vor allem besonders schöne Musik als unendlich traurig: Also etwa die Suiten für Violoncello solo und die Sonaten und Partiten für Violine solo von Bach, das Streichquintett F-Dur von Bruckner ...
Jeremias (25.11.2012, 15:20):
Ich habe heute das Requiem von Verdi gehört, so ganz unpassend zu meiner derzeitig positiven Stimmung...

@ Heike: die Appassionata erarbeite ich gerade für April. Sie hat etwas Apokalyptisches... Was ein Werk!
Zefira (27.11.2012, 22:34):
"Cosí la tortorella" von Händel fiel mir als erstes ein.
Mir schnürt diese Arie immer die Kehle zu ...

Grüße von Zefira
Yorick (30.11.2012, 12:29):
Original von Jeremias
Ich habe heute das Requiem von Verdi gehört!

Gehört in den 80ern zu meinen ersten Schallplatten, kann ich heute nicht mehr ran, wie überhaupt an Verdi ...
Nicolas_Aine (01.12.2012, 00:29):
gestern in der Quartettprobe ist mir dieser Thread eingefallen, und zwar als wir den 2. Satz aus Beethoven Op. 18 Nr. 1 gespielt haben.
EinTon (01.12.2012, 11:15):
Original von Nicolas_Aine
gestern in der Quartettprobe ist mir dieser Thread eingefallen, und zwar als wir den 2. Satz aus Beethoven Op. 18 Nr. 1 gespielt haben.

Mal ne Zwischenfrage: Spielst Du in einem professionellen Quartett?

Gruß,

Normann
Nicolas_Aine (01.12.2012, 11:21):
jein... Ich studiere Geige und spiele mit meinen Kommilitonen zusammen.
palestrina (02.12.2012, 12:42):
Hallo Zefira,

Und die tiefen Streicher tun das übrige hinzu. Wunderschön traurig.

LG palestrina
Zefira (04.12.2012, 10:30):
Es illustriert die Vernichtung einer kleinen, befriedeten Welt. Da nützt auch das Auferstehungsversprechen nicht viel, das (für mich) rein abstrakt bleibt ... :engel

liebe Grüße
Zefira :(
jünter (06.12.2012, 19:53):
Habe gerade nach einiger Zeit mal wieder den dritten Satz aus Schostakowitschs 5. Symphonie (Largo) gehört - heftig düster und traurig.

Stricknehm-Musik!
Sfantu (15.01.2013, 17:32):
Der Strick bleibt ungeknotet zwar, tieftraurig bleibt's doch immerdar:

Das Lied des Wenzel "Wa, was ich mich betrübe", III. Aufzug "Prodana nevesta" = "Die verkaufte Braut" von Bedrich Smetana.

Ich finde, Smetana ergreift hier hörbar Partei für den zum Spielball gewordenen "Dorfdeppen". Geht es zu weit, zu vermuten, hier hätten wir vielleicht eine seiner Zeit weit voraus gehende Anklage gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen?
Ich höre dieses Lied jedenfalls immer nahe den Tränen.
jünter (15.01.2013, 18:59):
Original von Sfantu
Der Strick bleibt ungeknotet zwar

Ich hab´s ja auch nicht getan... :hello
palestrina (15.01.2013, 19:26):
Hallo Sfantu !
Kann Dir inetwa zustimmen .
Habe 1985 in FFM eine Verkaufte Braut gesehen, in der Inszenierung von
Christof Nel .
Das war keine lustige Oper wie sonst, sondern ein trauriges Stück mit ernstem
Hintergrund. Und gerade der Wenzel wurde auch zum Spielball.
Aber noch heftiger war der Schluss als Marie mit ihrer Brautkrone ,
Ohnmächtig unter den Tisch viel. Die Verkaufte Braut eben!!!!!!

LG palestrina
medidoc (06.12.2015, 08:06):
Solveig's Lied. von Grieg - Traurigkeit, Sehnsucht, Hoffnung - alles drin was die Tränendrüse braucht
Zefira (06.12.2015, 13:44):
Wenn ich auch mal ein nicht-klassisches Stück nennen darf: ich finde https://www.youtube.com/watch?v=oSa1VtZhx2g zum Heulen.

(Das Stück klingt übrigens auf der CD ganz anders - meiner Meinung nach noch viel trauriger.)